Christina von Dreien, Lolita der Eso-Szene

Screenshot: Youtube Christina von Dreien, der junge Shootingstar der Eso-Szene.
Damit ihre Mutter Bücher verkauft, muss die 17-jährige bei alten Männern auf der Couch sitzen und Banalitäten wiederkäuen

Christian Kreil | Blog – derStandard.at

Wo ist die Fürsorge, wenn man sie braucht? Die muss es doch auch in der Schweiz geben? Das ist man versucht zu fragen, wenn man die Auftritte von Christina Meier aka Christina von Dreien erlebt. Die 17-jährige Schweizerin mimt seit gut einem Jahr den Jungstar der Spiritualität. Die interessierte Szene ist hin und weg von der Weisheit des Mädchens, den seherischen Fähigkeiten, dem Kontakt zum Jenseits. Wer genauer hinsieht, erlebt einen Teenager, der knallhart zu einer Lolita der Schwurbelei getrimmt wurde.

Auf dem Sofa in einer esoterischen TV-Sendung

Der Teenager verbringt ihre Freizeit seit gut einem Jahr auf einem Sofa im Studios des privaten Senders „Schweiz 5“ und lässt sich vom 62-jährigen Deutschen Norbert Brakenwagen in der Esoterikschiene „time to be“ interviewen. Das ergibt kein schönes Bild. Ein Schweizer Blatt beschreibt Brakenwagen als „eine Mischung aus Verpackungskünstler, billigem Jakob und Phrasendrescher.“

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Ist das Gehirn krank, wenn die Seele leidet?

Alte Schautafel des Gehirns
© NIKOLA NASTASIC / GETTY IMAGES / ISTOCK (AUSSCHNITT)
Psychische Leiden seien Erkrankungen des Gehirns, beteuern Psychiater gerne. Doch die Behauptung ist umstritten.

Von Christian Wolf | Spektrum Gehirn&Geist

»Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie eine Hirnstörung haben?«, fragt der Therapeut gegen Ende der Probesitzung. Inge M. sieht ihn verdutzt an. Sie hat den Therapeuten wegen einer Depression aufgesucht. Die Patientin wohnt in Berlin und möchte ihren richtigen Namen lieber nicht in einem Artikel lesen. Sie hat schon davon gehört, dass Depressionen eine Hirnerkrankung seien. Aber sie ist skeptisch und möchte die Behandlung bei dem Therapeuten lieber nicht fortsetzen. Ob er wirklich glaubt, dass sie eine Hirnstörung hat, wird sie also nie erfahren.

Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie oder ADHS hören immer wieder, dass ihre seelischen Probleme im Wesentlichen eine Wurzel hätten: eine Störung in dem rund 1300 Gramm schweren Organ in ihrem Schädel. Die Botschaft begegnet Betroffenen zum Beispiel in dem Dokumentarfilm »Das dunkle Gen«. In der Reportage versucht ein Arzt, den möglichen genetischen Ursachen seiner Depression auf die Spur zu kommen. Auch der namhafte Psychiater Florian Holsboer verkündet, dass Depressionen, schwere Angstzustände und Schizophrenien auf »Fehlregulationen des Gehirns« beruhen. Holsboer ist der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München und hat das Buch »Biologie für die Seele« geschrieben. Doch finden sich die Ursachen für psychische Erkrankungen wirklich in unseren grauen Zellen?

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Wo ist das Himmelreich?

Bild: DIE KOLUMNISTEN
Bild: DIE KOLUMNISTEN
In 95 Folgen wird in dieser Kolumne über die 95 Thesen Martin Luthers diskutiert. Wenn man die erste der 95 Luther-Thesen liest, meint man vielleicht, dass uns dieser Text niemals irgendetwas bedeuten könnte.

Von Jörg Friedrich | DIE KOLUMNISTEN

Sie lautet

Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.

Das Himmelreich

Nichts scheint heute weiter entfernt als „das Himmelreich“. Das Himmelreich sei ein ewiges Leben nach dem Tode, ein Leben im Glück oder jedenfalls in einem ewigen Zustand der Zufriedenheit, so die allgemeine Meinung. Kaum jemand glaubt allerdings an ein Leben nach dem Tode, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass das eigene Leben in einer anderen, jenseitigen Welt weitergeht. Was also soll uns ein Text sagen, der meint, uns etwas vorschreiben zu können, mit der Begründung, dass da etwas kommen würde, was es gar nicht gibt?

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AfD: völkische … oder doch nur völkliche Bewegung?

Volksmusik - Völkische Musik? Foto: Bad Kleinkirchheim. Lizenz: CC BY 2.0
Volksmusik – Völkische Musik? Foto: Bad Kleinkirchheim. Lizenz: CC BY 2.0
Müssen wir unterscheiden lernen, was wirklich Blödsinn der AfD-Führung ist und was Kalkül der Etablierten? Das deutsche Volk. Der Deutsche. Das Deutsche. Die deutsche Seele (Thea Dorn/Wagner) – alles völkischer Mist aus einem anderen düsteren Jahrhundert? Warum bloß fühlt es sich dann für immer noch so viele viel Menschen im Lande viel positiver an? Eine Begriffsverirrung.

Von Alexander Wallasch | DIE KOLUMNISTEN

Ok, Frauke Petry hat es mal wieder in den Medien-Jaucheeimer geschafft, so tief sogar, dass tagesschau.de sich nicht zu fein ist, die gute Dame der AfD ausgerechnet mit NPD-Spitzenfunktionär Udo Pastörs gemeinsam in den „Giftschrank“ zu sperren, denn der hätte ja mal gefordert, „Adolf Hitler wertfrei zu interpretieren.“

Was war passiert? Ist der neue fest angestellte Wortdeuter der Petry, der Ex-Focus Mann Michael Klonovsky, immer noch in den Sommerferien? Ein blöder Betriebsunfall aus der Einsamkeit des Vorsitzes heraus ausgerechnet in der Welt am Sonntag gelandet? Gar ein medienkompatibler, willkommener rechtsradikaler Offenbarungseid der Vielgescholtenen? Bejubeltes Meuchel-Ergebnis einer vorgeschoben kommunikativen Idee der anderen, sich nun auch inhaltlich mit der AFD auseinandersetzen zu wollen?

Es ging um den Begriff „völkisch“. Zunächst fällt es bei der Passage des WamS-Interview des Anstoßes schwer, überhaupt zu unterscheiden, wer Interviewer und wer Befragter ist. Wenn man das aber sortiert hat, dann geht das so:

Die WamS erklärt, zu recht, „völkisch sei rassistisch besetzt als agressiver ….“,
Petry unterbricht und wirft ein: „… also völkisch ist rassistisch. Das ist eine unzulässige Verkürzung.

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Vegetarismus im Christentum: Dürfen Christen Tiere essen?

Im Paradies essen Adam und Eva keine Tiere, sie ernähren sich nur von Pflanzen und Früchten. (Imago)
Du sollst nicht töten, heißt es im Alten Testament. Aber gilt das auch für Tiere? Viele berufen sich auf die Bibel: Macht euch die Erde untertan. Ob der Verzicht auf Fleischgenuss christliche Pflicht ist, ist sowohl unter evangelischen, als auch katholischen Theologen umstritten. Es geht dabei auch um die Frage: Haben Tiere eine Seele?

Von Samuel Acker|Deutschlandfunk

Für viele Menschen ist Vegetarismus und auch Veganismus, also der Verzicht auf sämtliche tierische Produkte, eine Erscheinung der säkularen Moderne. Heutzutage gibt es Tofu-Burger in hippen Restaurants, Sojamilch in dutzenden Geschmacksrichtungen, vegane Gummibärchen. Mit der Bibel verbinden dies die wenigsten. Doch schon direkt zu Beginn des Alten Testaments wird fleischlose Ernährung gepredigt, sagt der katholische Theologe Rainer Hagencord:

„Die Bibel beginnt mit dem Siebentagewerk, und dann kommt die wunderbare Erzählung aus dem Garten Eden. Und in beiden Teilen ist Vegetarismus klar empfohlen.“

Im Paradies essen Adam und Eva keine Tiere, sie ernähren sich nur von Pflanzen und Früchten. Der Leiter des Instituts für theologische Zoologie in Münster isst ebenfalls kein Fleisch. Auch bei den Paradiesbeschreibungen der Propheten, so sagt er, sei das vegetarische Motiv präsent.

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Wie die fünf Weltreligionen mit dem Tod umgehen

Themenbild.
Themenbild.
Für Gläubige ist der Tod nicht unbedingt das Ende. Buddhisten, Muslime, Juden, Christen und Hindus gehen sehr verschieden mit Tod und Trauer um. Doch alle Religionen zeigen, wie Gemeinschaft Trost spenden kann.


Redaktion Süddeutsche Zeitung

Hindus

Für einen Hindu ist der Tod nur eine weitere Stufe, er ist der Übergang in eine neue Existenz. Es gibt im Hinduismus eine Größe, die vom Tod nicht betroffen ist, einen unsterblichen Kern in jedem Lebewesen. Wie man seine alten Kleider ablegt, so legt der Mensch seinen alten Körper ab. Der Sterbende soll möglichst positive Gedanken haben, wenn es so weit ist. Er wird gebadet, eingesalbt, in Tücher gewickelt, möglichst schmucklos, damit die Seele nicht abgelenkt ist. Mit den Füßen zuerst wird er aus der Hintertür des Hauses getragen und vom erstgeborenen Sohn am Einäscherungsplatz entzündet.

Es ist das größte Glück eines Hindus, in der heiligen Stadt Varanasi am heiligen Fluss Ganges verbrannt zu werden, wo das Universum erschaffen wurde und in Flammen stehen wird am Ende der Zeit. Der Tod ist hier die reine Freude, moksha, Erlösung. Keine Träne. Wer hier verglüht, dem flüstert Gott Shiva das Taraka Mantra ins Ohr, das Mantra der Überfahrt. Tod ist an diesem Ort Befreiung, das Ende vom ewigen Kreislauf aus Geburt, Tod und Wiedergeburt. Wer hier brennt, wird keine weltlichen Qualen mehr erleiden.

Wer nicht das Glück hat, am Ganges zu sterben, der folgt dem Pfad des vorhergegangenen Lebens. Nur Hindus der obersten Kaste können dem Kreislauf des Samsara entfliehen, bei den niederen Kasten entscheidet das Karma, die guten oder bösen Handlungen im Leben, in welcher Gestalt man wiedergeboren wird. Niemand weiß, wann er dem Kreislauf entrinnen wird, niemand weiß, in welchen Körper seine Seele ziehen wird. Alles ist Wandel. Nur eines ist sicher: Sterben ist Teil des Lebens. Und es ist ein Geschäft. Keiner soll weinen, wenn am Einäscherungsplatz die Toten brennen, wenn ihre Bauchdecken im Feuer aufplatzen, der Schädel aufgebrochen wird, damit die Seele, atman, den Körper verlassen kann. Daneben preisen Händler Acht-Gewürze-Pulver und Sandelholz an, damit der Geruch des Todes nicht zu aufdringlich wird. Dazu gibt es Tüten voll buttrigem Ghee, damit sie gut brennen: die leeren, seelenlosen Hüllen.

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Demeter: Bäuerliches Schamanentum

demeterLebensmittel werden nach kosmischen Rhythmen erzeugt.

Schwarzwälder Bote

Seit 90 Jahren wird biologisch-dynamische Landwirtschaft betrieben, bekannt durch Marken wie Demeter. Annähernd 100 Zuhörer haben sich in der Fischermühle über die Anfänge in landwirtschaftlichen Kursen von Rudolf Steiner und die Weiterentwicklung bis heute informiert.

Der gemeinsame Vortrag des Arztes Dietrich Schlodder und des Landwirts Manfred Kränzler war Teil einer Reihe bundesweiter Veranstaltungen zu diesem Jubiläum. Schlodder gab einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung von Demeter. Rudolf Steiner hielt 1924 für interessierte Landwirte einen Kurs. Die Landwirte wollten Antworten finden auf Nöte ihrer Zeit. Zunehmend massiver Einsatz von Kunstdünger zeigte damals negative Auswirkungen auf die Qualität der Pflanzen und Böden. Bei Demeter wird laut Schlodder nicht nur das Wissen um naturwissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt, sondern auch Lebens- und Formkräfte, die in der Natur für ein harmonisches und gesundes Leben sorgen. „Es entstehen echte Lebensmittel, die Körper, Seele und Geist nähren“, so Schlodder.

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Katholische Beseelungs-Bullshistic—pränatale Fruchtwasserträume

Bild: alles-ueber-kinder.net
Es wäre dem menschlichen Leib wesensfremd, nicht vom allerersten Anfang seiner Existenz an beseelt zu sein. Dogmatische Gedanken über Seele und Leib

Von Mag. theol. Michael Gurtnerkath.net

In Diskussionen rund um die Thematik von Abtreibung und Empfängnisverhütung, speziell aber wenn es um die abtreibende Wirkung der sogenannten „Pille danach“ geht, stößt man immer wieder auf eine Problematik, welche es lohnt einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Es handelt sich um das Argument, das zusammengefaßt etwa so widergegeben werden könnte: „Ich bin gegen Abtreibung, aber nicht von der Empfängnis an. Erst ab dem Zeitpunkt, ab dem aus der befruchteten Eizelle ein Mensch geworden ist“.

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Bullshistic: Nahtoderfahrungen und Kreationismus

«Gott hat die Evolution gesteuert. Es ist unmöglich zu glauben, dass die Komplexität unserer Lebenssysteme ein Resultat des Zufalls war», sagt Mary C. Neal. Bild: Valérie Chételat
Die amerikanische Chirurgin Mary C. Neal hat nach einer Nahtoderfahrung einen Bestseller geschrieben. Es gebe einen Entwurf für unser Leben, wenn wir auf die Erde kommen, sagt sie.

Von Rudolf BurgerTages Anzeiger

Frau Neal, Sie haben ein Buch über Ihre Nahtoderfahrung geschrieben, das in den USA ein Bestseller war. Sind Sie religiös?
Ich bin sehr spirituell und etwas religiös. Spiritualität und Religion sind zwei verschiedene Dinge. Religion hat mit Kirche zu tun und nicht unbedingt mit Gott. Aber die Kirche hat eine wichtige Funktion, und ich unterstütze alle die verschiedenen Typen von Kirchen.

Welcher Kirche gehören Sie an?
Im Moment machen wir bei einer presbyterianischen Kirche mit.

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Nahtod: Wenn aus Todesangst Frieden wird

Das Licht am Ende des Tunnels

Der Mensch besteht nicht nur aus seinem Körper – dieser Glaube bestimmt beinahe alle Religionen und Kulturen. Doch gibt es wirklich ein Bewusstsein außerhalb unseres materiellen Körpers, eine Seele? Die moderne Hirnforschung sagt nein. Viele Menschen aber, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben, sind sich sicher: Sie haben ihren Körper verlassen.

Von Sylvie KristanARD.de

Christine B. ist nur knapp dem Tod entronnen. Das war vor acht Jahren. Sie war hoch schwanger – nur noch eine Woche bis zum errechneten Geburtstermin – als sie plötzlich anfing, heftig zu bluten. Ihre Plazenta hatte sich vorzeitig gelöst. Sie musste so schnell wie möglich ins Krankenhaus, sonst würde sie in kürzester Zeit verbluten, dessen war sie sich bewusst: „Ich bin in dem Moment, wo ich gesehen habe, wie stark diese Blutungen waren, in große Todesangst gekommen, Panik, und die war wirklich übermächtig. Es war eine übermächtige Todesangst und mir wurde auch bewusst, ich sterbe jetzt.“ Auch der eintreffende Notarzt wusste: Ihr Leben hing am seidenen Faden.

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Joao de Deus und die Europäischen Geistheilungstage

Bild: eo-travel.de

Joao de Deus und die Geistwesen – Impulse für Heilung und Transformation
Spirituelle Heilung – ihre Bedeutung für unsere Zeit

Von Victor Rollhauseneo-travel.de

Wenn das berühmte brasilianische Heilmedium Joao de Deus im November zu den 6. Europäischen Geistheilungstagen nach Salzburg und Alsfeld kommt, werden wieder viele Tausend Menschen zusammentreffen, um diese Tage der Liebe, Heilung, Meditation und Inspiration zu erleben. Grund genug uns zu fragen, was es mit Geistiger Heilung wirklich auf sich hat und was ihre besondere Anziehung ausmacht.

Sind es die vielen Heilungen von Menschen, denen die Schulmedizin nicht mehr helfen kann? Hat es damit zu tun, dass Geistige Heilungsprozesse die tieferen Ursachen einer Erkrankung angehen, statt sich nur auf die Symptome zu beschränken? Ist einer der Gründe, dass sich die Besucher als Einheit von Körper, Geist und Seele angesprochen und behandelt wissen? Oder fühlen sie sich ganz einfach von dem unglaublich intensiven Energiefeld angezogen, das dem Einzelnen dabei hilft, wichtige Antworten auf entscheidende Lebensfragen zu finden? Sicherlich kommen all diese Gründe zum Tragen – und dennoch geht die Tiefenwirkung und damit die Bedeutung von Geistiger Heilung noch weit darüber hinaus! Einige der Zusammenhänge wollen wir hier näher beleuchten.

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B. Kanitscheider: „Aus dem einen Leben das Beste machen“

Bernulf Kanitscheider lehrte Philosophie der Naturwissenschaft an der Universität Gießen und ist Buchautor. Zuletzt erschien "Das hedonistische Manifest" (Hirzel-Verlag). - Foto: Universität Gießen

Wer nach Glück, Genuss und Lust strebt, handelt durchaus philosophisch, sagt der Philosoph Bernulf Kanitscheider im Tagesspiegel-Gespräch.

Von Hartmut WewetzerDER TAGESSPIEGEL

Herr Kanitscheider, Sie sind Philosoph und haben ein hedonistisches Manifest verfasst. Was ist eigentlich Hedonismus?

Da gilt es erst mal ein Missverständnis aufzuklären. Im Alltag versteht man unter einem Hedonisten jemand, der nicht gerne arbeitet, der andere für sich schaffen lässt und sich gemütlich zurücklehnt – aber nicht jemand, der das gelungene Leben sucht. Letzteres ist das philosophische Verständnis des Hedonismus. Im Mittelpunkt steht das Glück, vor allem angesichts der Tatsache, dass dieses Leben nur eine endliche Zeitspanne währt. Das haben schon die alten Griechen erkannt.

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Warum wir ewig leben wollen

Der Mensch wird in seinem Körper wieder auferstehen, meinten die frühen Christen. (Bild: picture alliance / Klaus Rose)

Manche streben nach großen Taten für den ewigen Ruhm, andere lassen ihren Körper tiefgefrieren: Der Wunsch nach Unsterblichkeit prägt unsere Zivilisation. Warum? Weil die Angst vor dem Tod ganz natürlich ist, schreibt der britische Diplomat und Philosoph Stephen Cave.

Von Adolf StockDeutschlandradio Kultur

Was tun wir nicht alles für die Unsterblichkeit: Wir lassen uns tiefgefrieren, um eines Tages wieder aufzuerstehen, wir ziehen in grausame Kriege für den ewigen Ruhm, wir meditieren Tag für Tag, um die Ewigkeit zu spüren, oder führen ein gottgefälliges Leben, in der Hoffnung auf Himmelsfreuden und Seelenheil.

„Die Frage ist, warum haben wir diese Todesangst überhaupt? Wir haben diese Todesangst nicht, weil sie wahr ist, weil sie objektiv begründet ist, sondern weil sie nützlich ist, weil nur die Wesen, die Angst vor dem Tod haben, lange genug überleben, um sich fortzupflanzen, ihre Gene weiterzugeben. Also, es ist tief in allen unseren Knochen, dass wir Angst vor dem Tod haben.“

Das sagt Stephen Cave, Verfasser des Buchs „Unsterblich“, in dem er versucht, unseren Wunsch nach dem ewigen Leben zu verstehen. Dieser Wunsch, so Cave, entspringt einem Paradoxon: Wir wissen um die Unendlichkeit, und gleichzeitig wissen wir auch, dass wir sterben müssen. Um das ewige Leben zu finden, haben die Menschen mehr oder weniger kluge Strategien entwickelt. Dabei unterscheidet Cave vier grundsätzliche Wege, die zur Unsterblichkeit führen sollen.

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Pius-Bruderschaft: Fundamentalistische Mission bei den Muslimen

Das Weihnachtsfest bietet nach Ansicht der traditionalistischen Piusbruderschaft „treffliche Anknüpfungspunkte“ für einen neuen Dialog mit dem Islam. Auch der Koran erwähne die Jungfrauengeburt Mariens und die Existenz Jesu, sagte der deutsche Distriktobere der Gemeinschaft, Franz Schmidberger, bei seiner Weihnachtsansprache in Stuttgart.

Radio Vatikan

Eine wesentliche Differenz zwischen Islam und katholischer Kirche liege allerdings im Gottesbegriff, betonte der Distriktobere. Der Islam schließe eine Gottessohnschaft Jesu aus: „Deshalb kennt der Islam auch das Weihnachtsgeheimnis nicht, denn wenn Gott nicht dreifaltig ist, dann kann das Kind in Bethlehem auch nicht die menschgewordene, zweite Person sein“, so Schmidberger. Genau diese „klare Unterscheidung“ eröffne aber eine „hervorragende Gelegenheit, den Diskurs mit dem Islam einzuleiten“.

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Hannelore Kraft, Gott und B***

NRWs Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (50, SPD) vor dem festlichen Adventskranz in ihrem Büro in der Düsseldorfer Staatskanzlei Foto: Meike Wirsel
NRWs Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (50, SPD) vor dem festlichen Adventskranz in ihrem Büro in der Düsseldorfer Staatskanzlei Foto: Meike Wirsel

„Mein Vater lenkt von oben mein Leben“

B***

Wie stehen Promis zu Gott, Geld und der Welt? In einer ungewöhnlichen Interview-Serie fragt BILD genau das. Heute: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (50, SPD).

Düsseldorf – Heiligabend fliegt sie mit Ehemann Udo zu ihrem Sohn nach Neuseeland, kann deshalb keinen Weihnachtsgottesdienst besuchen. „Man kann Gott auch außerhalb der Kirche nahe sein“, so Hannelore Kraft.

BILD: Warum sind Sie aus der katholischen Kirche ausgetreten?

Hannelore Kraft: „Das war ein langer Prozess. Ich bin als Kind sehr religiös erzogen worden, stark geprägt durch meine Oma. Wir gingen jeden Sonntag zur Kirche. Als junge Frau habe ich dann immer mehr die Standpunkte der katholischen Kirche in Frage gestellt.“

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Eine vatikanische Adelsschmonzette

Quelle: wikipedia

Er war nicht nur der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Ungarn – sondern vor allem mit Leib und Seele Europäer: Otto von Habsburg ist vor drei Monaten mit 98 Jahren gestorben. Wir dokumentieren hier ein Interview mit Otto von Habsburg, das er Aldo Parmeggiani Radio Vatikan anlässlich seines 90. Geburtstags gewährte.

Radio Vatikan

Diese Sendung aus der Reihe „Menschen in der Zeit“ ist bei uns auch auf CD erhältlich.
Wäre die Geschichte anders verlaufen, dann wäre Dr. Otto von Habsburg heute Kaiser von Österreich und König von Ungarn. Aber die Geschichte kennt das Wort „wäre“ eben nicht. Otto von Habsburg Lothringen wurde am 20. November 1912 als ältester Sohn des letzten Kaisers von Österreich, Karls des I. in der Villa Wartholz bei Reichenau in Niederösterreich geboren. Schon als junger Akademiker vertrat Otto von Habsburg auf vielen politischen Ebenen den Gedanken einer Einigung Europas auf christlicher Grundlage. Erst im Jahre 1961 verzichtete er offiziell auf seine Thronansprüche. Otto von Habsburg, dem wir für dieses Geburtstagsgespräch herzlich danken, ist Präsident der Paneuropäischen Union und war langjähriges Mitglied des europäischen Parlamentes in Brüssel. Herzlich Willkommen, Herr Dr. von Habsburg.
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Das rätselhafte ICH

© Miss X/photocase.com

Ein Gespräch mit dem Philosophen Thomas Metzinger über die Schwierigkeit, uns selbst zu erkennen, und die Frage, ob es eine Seele gibt.

Von Stefan KleinZEIT ONLINE

Wie komme ich zu meinem Blick auf die Welt? Und was bleibt einmal von mir, wenn ich sterbe? Um solche Fragen ringen Philosophen seit Jahrtausenden, doch neuerdings leisten Hirnforscher ihnen Gesellschaft. Sie wollen sich einen neuen Zugang zu den alten Rätseln verschaffen, indem sie die Welt unter der Schädeldecke vermessen.

Thomas Metzinger ist auf beiden Gebieten zu Hause. Als Philosoph sucht er die Phänomene des Ichs und des Bewusstseins zu ergründen. Doch ebenso handeln seine Arbeiten von zufälligen Signalen im oberen Hirnstamm, denen wir unsere Träume verdanken, von der Entstehung des Körperempfindens, von Spiegelneuronen, die für das Mitgefühl verantwortlich sind. Metzinger gilt als einer der Pioniere der Neurophilosophie, die das traditionelle Nachdenken über den Menschen mit den Erkenntnissen der Hirnforschung verbinden möchten. Als solcher zählt er zu den wenigen deutschen Philosophen, die man auch international wahrnimmt; er hält Vorträge in der Wissenschaftsakademie in New York genauso wie beim Vatikan.

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Gegen die biologistische Verkürzung des Menschen – nichts gegen die Verdummung

Vor einer „biologistischen Verkürzung“ bei der Beschreibung dessen, was der Mensch sei, warnt die Wiener Moraltheologin Prof. Sigrid Müller. Sei es in der Medizinethik, den aktuellen Euthanasiedebatten oder auch in einer auf Hochleistung getrimmten gegenwärtigen Sportkultur: aus all dem spreche eine Reduzierung des Menschen „auf seine reine Funktionalität“, so Müller im Gespräch mit „Kathpress“.

kathweb.at

Die Moraltheologin hatte den gestern in Wien zu Ende gegangenen internationalen Kongress der „Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie“ zum Thema Leiblichkeit organisiert. Am Sonntag wurde sie für zwei Jahre zur Präsidentin der Gesellschaft ernannt.

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Radikal im Atheimus und Gesellschaftsanalyse

Louis-Michel van Loo: Bildnis Denis Diderots, 1767 (Bild: Sammlung Diderot)

Denis Diderots Überreste liegen in einem anonymen Grab in einer Pariser Kirche. Er ist vor allem als Herausgeber der „Encyclopédie“ bekannt. Doch er war einer der radikalsten Vordenker seiner Zeit. Der Historiker und Journalist Philipp Blom versucht den „bösen Philosophen“ zurück in die Erinnerung zu bringen.

Von Cordula EchterhoffDeutschlandfunk

Seit Jahrhunderten zieht Paris junge Menschen mit Talent und Ehrgeiz an. Auch diese Geschichte spielt hauptsächlich in den Straßen dieser Stadt, in den Parks, den Cafés, den Salons und den Schlafzimmern und manchmal auch auf Landgütern, die weniger als eine Tagesreise entfernt lagen.

Vor allem aber spielt sie in der Rue des Moulins Nummer zehn, im Salon des Baron d’Holbach. Der Salon ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die Philipp Blom in seinem Buch „Die bösen Philosophen“ entwirft. Hier kommen Intellektuelle des 18. Jahrhunderts zusammen, um zu schlemmen, zu trinken und vor allem um offen zu diskutieren. Hier spielen sie mit Gedanken, die die Grundfesten des christlichen Denkens erschüttern sollten. Die „bösen Philosophen“, das sind vor allem der Baron d’Holbach selbst und Denis Diderot, die Denker der radikalen Aufklärung. Sie propagieren den Atheismus und entwerfen einen radikalen Materialismus. Der Mensch – nur ein Geflecht von Ursache und Wirkung, von Lust gesteuert. Die Seele – nicht existent.

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