„Im Wettbewerb der Religionen hat der Islam manchen Selektionsvorteil“

Grafik: TP
Ina Wunn über die Evolution der Religionen, „male loosers“ und den Ärger pakistanischer Touristen

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

In ihrem Buch Barbaren, Geister, Gotteskrieger zeichnet Ina Wunn die Entwicklung der Religion anhand der Evolutionstheorie nach und benennt die gesellschaftlichen und politischen Faktoren, warum den Weltreligionen womöglich eine gewalttätige Renaissance bevorsteht. Telepolis sprach mit der Religionswissenschaftlerin.

Frau Wunn, warum sind Sie überzeugt, dass sich Charakteristika der biologischen Evolutionstheorie auf die Entwicklung von Religionen übertragbar sind? Geht nicht das eine ohne und das andere mit menschlichem Bewusstsein vor?
Ina Wunn: Sie haben vollkommen Recht. Es handelt sich bei Lebewesen einerseits (Materie) und religiösen Überzeugungen (geistige Entitäten) andererseits um völlig verschiedene Kategorien. Dies ist auch der Grund, warum alle Versuche gescheitert sind, die Evolution der Religionen „irgendwie“ an die Evolution des Menschen anzuhängen. Das ist ein klassischer Kategorienfehler, und die entsprechenden Versuche haben dann auch folgerichtig zu keinen Ergebnissen geführt.
Was machen Sie jetzt anders?
Ina Wunn: Ich nehme die biologische Evolutionstheorie, um deutlich zu machen, wie Evolution im Bereich der belebten Natur funktioniert. Die biologische Evolutionstheorie zeigt, dass es zunächst einmal eine fest umrissene, aber zeitlich wandelbare Einheit geben muss, damit überhaupt etwas evolvieren kann. Diese Einheit ist in der Biologie die Art, beziehungsweise die Spezies. Diese Einheit ist fest, da sich nur die Angehörigen derselben Spezies als potenzielle Geschlechtspartner erkennen und sich unter natürlichen Bedingungen ausschließlich untereinander fortpflanzen.

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Club der katholischen Sünder

Priester im Nebel: Weil sie Verbrechen begangen haben, hat ihre Kirche sie ausgesondert Foto: Fabula

Im Berlinale-Wettbewerbsfilm „El Club“ wohnen vier Priester in einer WG auf dem Land. Die Kirche hat sie ausgesondert und abgestellt. Denn sie alle sind Verbrecher.


Von Anna Lutz|pro Medienmagazin

Es ist gewiss keine Party-WG, in der eine Gruppe von Priestern in Pablo Larrains chilenischem Drama „El Club“ lebt. Die vier Männer haben sich ihren Wohnort nicht ausgesucht. Ihre Kirche hat sie in die Provinz verfrachtet, weil sie nicht weiß, was sie sonst mit ihnen tun soll. Denn die gealterten Geistlichen sind Kinderschänder, Beichtgeheimnisverräter, Kindesentführer oder einfach nur homosexuell. Anstatt sie vor Gericht zu stellen oder auszuschließen, steckt die Katholische Kirche sie in eine unheilvolle Wohngemeinschaft, deren Tagesablauf aus Beten, Singen, Beichten und gelegentlichen Spaziergängen besteht. Und es gibt weitere Regeln: Selbstkasteiung ist verboten, ebenso der Besuch des nahegelegenen Dorfzentrums außerhalb festgelegter Zeiten. Bei den örtlichen Hunderennen schicken die vier Männer gelegentlich einen eigenen Vierbeiner an den Start – das ist aber auch schon ihre einzige Freude.

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Karfreitag: Dutzende Philippiner lassen sich ans Kreuz nageln – Idioten

Bild: rtl.de

Es ist eine extreme Form der Selbstkasteiung: In einem umstrittenen Karfreitags-Ritual haben sich auf den Philippinen dutzende Menschen an Kreuze nageln lassen.

Sie wollen damit an die Leiden Jesu erinnern und ihre Sünden sühnen. Außerdem geißelten sich hunderte Menschen selbst mit Peitschen. Die katholische Kirche verurteilt das Ritual, das auf den Philippinen jedes Jahr am Karfreitag stattfindet. In dem südostasiatischen Land sind etwa 80 Prozent der gut 90 Millionen Einwohner katholisch.

Deutschlandradio Kultur