Wir haben die natürliche Selektion besiegt. Nun schlägt sie als Bumerang zurück

Bis zu drei Millionen Eier legt ein Mondfischweibchen; nur zwei oder drei der Jungfische wachsen zur Fortpflanzungsreife heran. (Bild: Alamy)
Natürliche Selektion ist ein grausames Prozedere; nicht umsonst wird der Begriff «darwinistisch» oft negativ konnotiert. Dank Medizin und Fortschritt ist der Mensch überlebensfähiger geworden, doch das birgt neue Gefahren.

John Tooby | Neue Zürcher Zeitung

Die scheinbar einfachste Tatsache ist eigentlich die erstaunlichste: dass ich existiere. Nun ja, nicht nur ich, sondern alle Menschen, die wie ich früh gestorben wären, hätte es keine Technologie gegeben. Statt 5,5 Milliarden Menschen, die bis ins Erwachsenenalter überlebt haben, gäbe es wohl nur 1 Milliarde, wenn keine moderne Abwasser- und Abfallentsorgung, keine moderne Medizin, keine modernen Technologien und kein vom Markt angetriebener Wohlstand existierten.

Zu Zeiten unserer Vorfahren starb die überwältigende Mehrheit aller Menschen, bevor sie ihre Fruchtbarkeit voll ausgenutzt und genug Nachwuchs bekommen hatten. Viele ihrer Sprösslinge kamen nicht über das Kindesalter hinaus. Wer, wie wir, in der entwickelten Welt lebt, darf die Vorzüge dieser veränderten Sterbetafel als grössten menschlichen Triumph der Aufklärung geniessen, nun da Eltern von dem traurigen Schicksal erlöst sind, die Mehrzahl ihrer Kinder sterben zu sehen, und Kinder in der Regel nicht mehr den vorzeitigen Verlust ihrer Eltern erleben müssen.

Das Chaos lauert

Im Zentrum dieses Triumphs steht jedoch eine verborgene und unwillkommene Botschaft, die sich aus der Grausamkeit ergibt, mit der die natürliche Auslese die Fortpflanzung an die Beseitigung genetisch bedingter Krankheiten koppelt.

Als Erstes müssen wir uns daran erinnern, dass selbst unsere grundlegendsten Funktionen auf hochentwickelten organischen Prozessen beruhen – Prozesse, die von der Auslese in die Wege geleitet werden. Allein unsere Augen etwa – makroskopische Objekte – weisen 2 Millionen bewegliche Teile auf, und dennoch sind einzelne Stäbchenzellen so fein konstruiert, dass sie auf ein einziges Photon ansprechen können. Erfolgreiche Eltern jeder biologischen Art leben nahe den Gipfeln adaptiver Landschaften.

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Unterkomplexe Kreationisten und ihr Baukasten der Schöpfung

Bild: AG EvoBio

Es ist eine beliebte Strategie der Evolutionsgegner, biologische Merkmale ins Auge zu fassen und zu behaupten, diese seien zu komplex, als dass ihre Entstehung durch Evolution erklärbar sei. Beispielsweise würden die erstaunlichsten Leistungen der Tarnung und Mimikry zu viele aufeinander abgestimmte Anpassungen gleichzeitig benötigen, als dass sie bei verschiedenen Organismengruppen (Taxa) schrittweise und mehrmals unabhängig (konvergent bzw. parallel) evolviert sein könnten. In diese Richtung argumentiert beispielsweise Reinhard JUNKER von der Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, auf dessen Beitrag im Rahmen dieses Artikels eingegangen werden soll.

Von Martin Neukamm, Hans Zauner | AG EvoBio

Tarnung und Mimikry im Ameisennest

Um sich vor Räubern oder Angreifern zu schützen, verfügt die Tierwelt über ein Arsenal von Tarnvorrichtungen. Eine dieser Einrichtungen wird mit dem Begriff Mimese umschrieben. Darunter versteht man das Phänomen, dass sich das betreffende Tier optisch derart seiner Umgebung angepasst hat, dass es mit dem Wahrnehmungs-Hintergrund seiner Feinde verschmilzt und nicht mehr als Beute oder Eindringling wahrgenommen werden kann.

Zu den erstaunlichsten Beispielen mimetischer Anpassung zählen die so genannten „myrmecophilen“ Tiere. Das sind vorrangig Käfer bestimmter Entwicklungslinien, die als „Untermieter“ die Nester von Ameisen und Termiten bevölkern. Ein Ameisennest ist eine schwierige ökologische Nische, denn die Ameisen haben ja zunächst einmal nichts davon, wenn Käfer ihren Bau besiedeln. Ameisen sind äußerst wehrhafte Tiere und befördern unerwünschte Gäste rasch aus ihrem Bau oder bringen sie um. Eine Möglichkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, besteht darin, sich evolutiv ein ameisenähnliches Aussehen zuzulegen. Die Käfer mischen sich unter die Ameisenmenge und werden in Ruhe gelassen. In manchen Nestern gibt es sogar Vertreter mehrerer Käfergattungen, die jeweils so aussehen wie ihre gastgebenden Ameisen – obwohl andere Mitglieder dieser Gattungen eher wenig Ähnlichkeit miteinander haben.

Ein ähnlicher Tarnmechanismus ist die so genannte Mimikry, wonach die Tiere optisch und in ihrem Verhalten giftige, wehrhafte oder ungenießbare Tierarten nachahmen oder ihren Feinden kooperatives Verhalten signalisieren. Man kennt zum Beispiel Kurzflügler, die im Ameisenbau chemische Signale freisetzen, die sie davor schützen, gefressen zu werden. Sie bieten den Ameisen Sekrete an, die dazu führen, dass sie sogar von ihnen in ihr Nest eingetragen werden.

Unlängst wurde darüber berichtet, dass 140 Tiere aus ganz verschiedenen Gliederfüßer-Gattungen (Ameisen, Käfer, Wespen, Spinnen, Wanzen) sehr ähnliche ameisenartige Gestalten – mit Warn-Elementen an Räuber – herausbildeten. Manche dieser Arten sind tatsächlich ungenießbar, andere sprangen quasi auf den Zug auf, sind aber eigentlich ungiftig.

Dass es neben optischer Mimikry, die auch Nichtfachleute als Anpassung der Gestalt wahrnehmen, noch andere Wege der Mimikry gibt, zeigen die Ameisengrillen mit dem suggestiven Namen Myrmecophilidae („Ameisenfreunde“). Diese Gruppe umfasst 71 Arten in fünf Gattungen mit einer einzigen Art in Europa. Es sind sehr kleine Heuschrecken, die gar nicht ameisenähnlich aussehen, dennoch als Kleptoparasiten in den Nestern verschiedener Ameisen- und sogar Termitenarten leben. In der Auswahl ihrer Wirte sind sie wenig wählerisch und wohl nicht spezifisch. Sie scheinen Pheromone (Lock- und Signalstoffe) der Ameisen auf ihrer Cuticula (Außenhaut) aufzunehmen und so den Nestgeruch anzunehmen. Daneben sind sie extrem beweglich und entkommen immer wieder den zu beobachtenden Angriffen ihrer Wirte durch schnelles Ausweichen. Allerdings wurden auch Tötungen beobachtet – also eine nicht ungefährliche Lebensweise, die genau das zeigt, was aus Sicht der Evolutionsbiologie zu erwarten ist: Zum einen gibt es viel mehr als nur einen Weg. Zum anderen sind die Anpassungen der sich im Wettbewerb befindenden Organismen auf beiden Seiten alles andere als perfekt.

Konvergenzen, Parallelismen

All diese Tarnvorrichtungen haben eines gemeinsam: Die betreffenden Tiere entwickelten vielfach unabhängig voneinander ganz ähnliche Merkmale, sie haben sie also nicht von ihrem gemeinsamen Vorfahren geerbt. Dieses Phänomen bezeichnet man in der Biologie allgemein als Konvergenz oder als Parallelismus (Parallelentwicklung). Von letzterem sprechen Biologen insbesondere dann, wenn die unabhängig erworbenen Merkmale bei relativ nahe verwandten Arten in geographisch getrennten Regionen auftreten.

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Was ist Bewusstsein?

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Und was wissen wir, wenn wir diese Frage beantworten? Ansätze aus Kognitionswissenschaften und Philosophie

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Es ist eine Frage, mit der man so manchen Prüfling in den Kognitionswissenschaften oder der Philosophie in Angst und Bange versetzen könnte: Was ist Bewusstsein? Und es ist die Frage, mit der die Moderation in die Diskussion einsteigen wird. Als ob jemand das so genau wüsste …

Klar, man kann es philosophisch aufziehen und erst einmal fragen, worauf sich der Begriff bezieht: Auf ein Wesen als Ganzes, auf die Eigenschaften eines psychischen Vorgangs („bewusst“) oder gar auf eine eigene Entität Bewusstsein, auf ein eigenständiges Ding?

In einem Artikel über den „Geist“ erklärte ich vor Kurzem, warum ein verdinglichendes Denken mehr Probleme aufwirft, als es löst (Körper ist Geist). Ebenso, wie ich dort vorschlug, „Geist“ bloß als Sammelbegriff für die psychischen Vorgänge zu verwenden, möchte ich es auch für „Bewusstsein“ tun: Es ist keine eigenständige Entität, sondern ein Sammelbegriff für die bewussten psychischen Prozesse. Lebewesen mit Bewusstsein sind dann solche, die bewusste Prozesse haben; erstes Problem gelöst.

Was aber sind bewusste Prozesse? Auch hier hilft uns die Philosophie wieder weiter, jedenfalls als erste Orientierung. Kennzeichnende Merkmale sind demnach vor allem der subjektive Charakter und die qualitativen Eigenschaften: Der bewusste Prozess ist erst einmal nur demjenigen zugänglich, der ihn hat, und er hat eine bestimmte Erlebnisqualität. Ersteres wird manchmal als Erste-Person-Perspektive ausgedrückt, Letzteres als „wie es sich anfühlt“. Damit sind nicht nur Gefühle gemeint, sondern ein Erlebniseindruck überhaupt, etwa der Druck der Tasten gegen meine Finger oder die Wärme der Teetasse neben mir, wenn ich gleich einen Schluck trinke.

„Wie fühlt sich ein Sonnenuntergang an? Oder der Klang einer Trompete?“ Bei diesen Fragen geht es um die Erlebnisqualität beim Ansehen eines Sonnenuntergangs (das kann auch auf einem Gemälde sein oder Ähnlichem) oder beim Hören einer Trompete. Sie lassen sich beantworten, wenn auch nicht einheitlich. Vielleicht verbinde ich mit Ersterem einen romantischen Kuss mit einer Jugendliebe, doch wäre jemand anders fast in der in rot getauchten See ertrunken. Es ist daher gut möglich, dass sich diese Erlebnisse für uns anders anfühlen.

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Es lebe die Evolution

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Nicht nur die Arten entwickeln sich laufend fort, auch die Lehre ihrer Entstehung wird immer wieder ergänzt – in Frage gestellt wird sie aber von Wissenschaftlern nicht.

Von Yasemin Gürtanyel | Richard-Dawkins-Foundation

Das größte Missverständnis an der Evolutionstheorie ist vermutlich der Wortteil „Theorie“. „Die Evolution ist eine Tatsache“, betont Ulrich Kutschera, Professor für Evolutionsbiologie an der Uni Kassel und Vorsitzender des Arbeitskreises Evolutionsbiologie. „Sie hat stattgefunden und sie dauert an.“ Obwohl das Wort „Theorie“ wissenschaftlich verwendet werden kann – siehe „Relativitätstheorie“ –, nutzen es viele Menschen, um der Evolution als solches eine Diskutierbarkeit zu unterstellen. Oder sie ganz abzuschaffen, wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der die Evolution aus dem Schul-Lehrplan entfernen ließ.

Tatsache ist auch: „Es gibt nicht die eine Evolutionstheorie“, sagt Kutschera. Was schon Charles Darwin im 19. Jahrhundert festgestellt hatte. Eine Vielzahl von Prozessen treibt die Evolution voran. Wohl eine der bekanntesten: Die Selektion oder natürliche Auslese. Tiere und Pflanzen kommen immer etwas unterschiedlich auf die Welt – kein Individuum gleicht dem anderen hinsichtlich seiner genetischen Ausstattung völlig, sei es durch zufällige Genmutationen, sei es durch Neukombination des mütterlichen und väterlichen Erbguts bei der sexuellen Fortpflanzung. Kutschera nennt das „Variationen-Generator“.

Nicht immer sind die genetischen Abweichungen äußerlich zu sehen. Zuweilen können sie aber, je nach Umweltbedingungen, ihrem „Besitzer“ Nachteile oder Vorteile verschaffen. Wer aufgrund von Nachteilen das Pech hat, gefressen zu werden, kann sich nicht mehr fortpflanzen. Seine genetische Abweichung, sein „Genotyp“, wird sich nicht durchsetzen.

Wer aber mit einer vorteilhaften Abweichung ausgestattet worden ist, kann (mehr) Nachkommen zeugen. Dann kann es sein, dass sich diese Genvariante innerhalb der Population durchsetzt. Im Vorteil ist also, wer am besten mit seiner Umwelt zurechtkommt – manchmal aber auch, wer am flexibelsten auf Veränderungen reagieren kann.

Es gibt immer Konkurrenz

So wichtig Selektion ist, sie ist nicht alles, betont Kutschera. Zuweilen wird das „Glücksspiel“ der passenden Genvariante auch ersetzt durch den reinen Zufall. Etwa dann, wenn eine Population durch ein Umweltereignis, etwa ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch, plötzlich geteilt wird. Kommen diese Teilpopulationen nicht mehr zusammen, entstehen aus ihnen im Laufe der Jahrhunderte neue Arten. Denn durch die ständig stattfindenden zufälligen Gen-Mutationen verändern sich die Tiere oder Pflanzen so stark, dass sie, kämen sie wieder zusammen, keine fruchtbaren Nachkommen mehr zeugen könnten.

Selten besiedelt aber eine Art alleine einen Lebensraum. Nahezu immer gibt es Konkurrenz, weil es auch andere Tiere auf die gleichen Nistplätze, die gleiche Nahrung abgesehen haben, oder, im Falle der Pflanzen, die gleichen Nährstoffe aus dem Boden benötigen.

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Evolutionslehre, Kuckucke und eigenständiges Denken

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Ein Armutszeugnis: Immer mehr Politiker und Eiferer möchten die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule gelehrt haben.

Von Manuel Battegay | Basler Zeitung

Mein ehemaliger Biologielehrer am Gymnasium Ernst Hufschmid faszinierte meine MitschülerInnen und mich früh für Biologie und biologische Kreisläufe. Alle um einen Tisch sitzend und ohne grosse Hilfsmittel, ein Bleistift und Schreibblock genügte, forderte er uns bis aufs Letzte. Ein abschweifender Blick, schon gar nicht zu reden von Kaugummis, aber auch eine Antwort ohne nachzudenken wie «Ich weiss es nicht», strafte er energisch ab.

Während Prüfungen vertraute er uns und verliess das Klassenzimmer. Er forderte und förderte eigenständiges Denken. So erarbeiteten und diskutierten wir neue, spannende Erkenntnisse der Biologie. Mal waren es Pflanzen, mal Tiere, mal der Mensch und nie war es reine Wissensvermittlung. Lapidar sagte er wissend, dass einige von uns Medizin studieren würden: «Knochennamen lernt ihr noch früh genug, ihr müsst denken und fragen!» Wie recht hatte er!

Jetzt begegnen wir immer mehr Politikern und Eiferern, so aktuell Erdogan in der Türkei, die die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule – oder gar nicht mehr – gelehrt haben möchten oder den Unterricht darüber gar verbieten. Ein Armutszeugnis! «Intelligent design», das heisst der intelligente Entwurf, die intelligente Gestaltung des Universums und des Lebens durch einen intelligenten Urheber, entsprechen autoritären Vorstellungen da schon eher.

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Wo blieb die Neandertaler-DNA?

Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich: Unsere frühen Verwandten vererbten unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene. © Hairymuseummatt/ CC-by-sa 2.0
Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich: Unsere frühen Verwandten vererbten unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene. © Hairymuseummatt/ CC-by-sa 2.0
Verschwundenes Erbe: Neandertaler gaben unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene weiter. Doch ein Großteil dieses durch Kreuzungen vererbten Guts wurde im Laufe der Evolution wieder gelöscht. Schuld daran war offenbar die stärkere Populationsgröße der modernen Menschen, wie Forscher nun berichten. Schwache Genvarianten, die bei der kleinen Neandertaler-Population auch durch Selektion nicht beseitigt werden konnten, hatten beim Menschen dagegen keine Chance.

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Die Neandertaler sind vor rund 35.000 Jahren ausgestorben – ein Teil von ihnen lebt jedoch in uns weiter: Die Frühmenschen haben im Erbgut moderner Menschen ihre Spuren hinterlassen. Wir Europäer tragen zum Beispiel rund zwei Prozent Neandertaler-DNA in uns, weil sich einige unserer Vorfahren mit Neandertalern paarten und Kinder zeugten.

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Welt im Wandel

Schulterblatt Brachiosaurus brancai, Naturkundemuseum Berlin
Schulterblatt Brachiosaurus brancai, Naturkundemuseum Berlin

Mit dem Studium der Natur verbanden noch im 18. Jahrhundert viele Gelehrte das Ziel, mehr über das Wirken Gottes beziehungsweise den göttlichen Schöpfungsplan zu erfahren. In der Anpassung von Arten an unterschiedliche Lebensbedingungen sahen die sogenannten Naturtheologen einen Beweis für ihre Auffassung, dass Gott jede Art zu einem bestimmten Zweck erschaffen habe. Das heutige Denken ist dagegen von den Vorstellungen geprägt, die im 19. Jahrhundert der britische Naturforscher Charles Darwin entwickelt hat. Das Leben in seiner jeweils aktuellen Erscheinungsform ist danach das Ergebnis zahlloser kleiner Veränderungen in Organismen, das heißt einer langen Entwicklungsgeschichte, der Evolution. Welche Veränderungen sich durchsetzen, hängt von der natürlichen Auslese ab, der Selektion. Darwins Überlegungen bedeuteten eine wissenschaftliche Revolution. Wichtige Vorarbeiten hatten aber bereits andere geleistet.

Von Jürgen Wendler | Weser Kurier

Dass Darwins Evolutionstheorie am Ende auf fruchtbaren Boden fallen konnte, hing auch mit den Erkenntnissen zusammen, die Forscher beim Studium von Fossilien gewonnen hatten. Der Ausdruck Fossil geht auf das Lateinische zurück, bedeutet so viel wie ausgegraben und bezeichnet versteinerte Überreste oder andere Zeugnisse – etwa Spuren – von Pflanzen und Tieren, die in früheren Phasen der Erdgeschichte gelebt haben. Die meisten Fossilien finden Forscher in Sedimentgesteinen. Solche Gesteine können zum Beispiel dadurch entstehen, dass sich Sand und anderes Material wie die Überreste von Lebewesen am Grund von Meeren ablagern. Die Wissenschaft von der Erforschung der Lebewesen vergangener Erdzeitalter wird als Paläontologie bezeichnet. Zu ihren Begründern gehört der Franzose Georges Cuvier (1769 bis 1832). Er erkannte, dass sich anhand verschiedener Schichten mit den darin enthaltenen Fossilien die Geschichte des Lebens nachzeichnen lässt. Auch die Tatsache, dass nicht nur neue Arten auftauchen, sondern immer wieder auch Arten aussterben, blieb Cuvier nicht verborgen. Die Veränderungen führte er allerdings nicht auf eine allmähliche Entwicklung zurück, sondern auf Naturkatastrophen wie Sturmfluten oder Dürren.

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Glaubensfragen: Ist die Evolutionstheorie alternativlos?

Schulterblatt Brachiosaurus brancai, Naturkundemuseum Berlin
Schulterblatt Brachiosaurus brancai, Naturkundemuseum Berlin
Die Welt ist eine Baustelle, nur dass die Arbeiten so langsam vorangehen, dass man sie nicht bemerkt. So lautet eine Kernidee der Evolutionstheorie: Die Selektion der besten Gene erstreckt sich über Jahrtausende oder gar Jahrmillionen. Kleinste Veränderungen summieren sich. Irgendwann entstehen auf diese Weise nicht nur einzelne Anpassungen an die Umwelt, sondern sehr komplexe Lebewesen – man denke nur an das menschliche Gehirn, das sogar ein Bewusstsein hervorbringt.

Von Alexander MäderStuttgarter Zeitung

Diese Idee finden manche schwer zu akzeptieren, auch wenn sie sonst naturwissenschaftlich denken. Die Evolutionstheorie ist ja nicht für alle Anwendungsfälle bewiesen, sondern erscheint in manchen Fällen nur plausibel: Wenn die Grundlagen der Evolutionstheorie im Kleinen so gut nachgewiesen sind, dann werden sie wohl auch im Großen gelten – so die Argumentation.

Ich möchte zwei Bücher vorstellen, die sich bereits im vergangenen Jahr mit Zweifeln an der Evolutionstheorie beschäftigt haben und die ich erst jetzt gelesen habe: ein Abenteuerroman des promovierten Biologen und Kollegen von Sueddeutsche.de, Markus Schulte von Drach, und ein philosophisches Pamphlet des Altmeisters Thomas Nagel von der New York University. Bei Schulte von Drach kommen alle Kritiker der Evolutionstheorie um, bis auf einen katholischen Priester, der aber nach den Erlebnissen im Dschungel Perus an seinen Überzeugungen zweifelt. Auch wenn Schulte von Drach seine Figuren gleichberechtigt Argumente wälzen lässt, finde ich, dass man an den Todesopfern erkennt, wo seine Präferenzen liegen. Der 77-jährige Thomas Nagel fasst wiederum zusammen, warum er nach Jahrzehnten philosophischer Debatte skeptisch bleibt: Die Evolutionstheorie lasse wichtige Fragen offen.

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Wenn die Evolutionstheorie widerlegt wird, wird sie von Biologen widerlegt werden und nicht von Idioten.(R.Dawkins?)

Artenschutz braucht Darwin

Dominanter Selektionsfaktor Durch industriellen Fischfang, wie hier in Schottland, wird der Genpool einer Art nachhaltig gestört – eine simple Schutzzone oder Quotenregelung genügt meist nicht, um die Bedrohung der Art abzuwenden. Bild: © John Lord (yellow book) / CC-by-2.0 CC BY
Der Mensch dominiert die Selektion auf diesem Planeten. Wer evolutionäre Prinzipien außer Acht lässt, sagen Biologen, kann daher beim Artenschutz nur scheitern.

Von Juliette IrmerSpektrum.de

Hunderttausende, Millionen, gar Milliarden Jahre – wer über Evolution redet, braucht geologische Zeitskalen. Bestenfalls im Museum wird der Prozess anschaulich. Und eins ist doch gewiss sicher: Ein Menschenleben reicht bei Weitem nicht aus, um die Veränderung einer Art mitzuerleben.

Oder etwa doch? „Manche Arten verändern sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten“, sagt Klaus Schwenk vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, „das lässt sich heute messen.“ Hinter der Turboevolution steckt oft eine sich verändernde Umwelt. Und hinter dieser meist – direkt oder indirekt – der Mensch. Wir holzen Regenwälder ab, legen Monokulturen an, plündern die Meere, verschmutzen Gewässer und verändern das Klima.

All das wirkt auf Flora und Fauna. So sehr, dass sich Evolutionsbiologen gezwungen sahen, einen neuen Begriff einzuführen: Sie unterscheiden heute zwischen der natürlichen und der menschengemachten Auslese, der anthropogenen Selektion.

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Retortenbabys sind die Supermenschen der Zukunft

Bild: Sklathill/Flickr (CC-BY-SA)
Bild: Sklathill/Flickr (CC-BY-SA)

In gewisser Weise „kreieren“ wir bereits heute unsere Kinder. Auf einer rein biologischen, unbewussten Ebene suchen wir uns die Partner aus, von denen wir denken, dass sie uns die stärksten, schönsten und schlausten Nachkommen liefern werden. Eltern, die auf künstliche Befruchtung setzen, könne dies sogar durch die gezielte Selektion von Eizellenspenderinnen und durch das Durchforsten von Spermabanken nach gewünschten Charaktereigenschaften oder physischen Merkmalen sogar noch in einem stärkeren Ausmaß betreiben. Einige verrückte Seiten im Internet bieten sogar Nachkommen aus dem Sperma von Nobelpreisträgern und Berühmtheiten.

Motherboard – Meghan Neal

Doch mit jedem wissenschaftlichen Durchbruch und jeder weiteren technologischen Innovation entfernen wir uns immer weiter von der natürlichen Auslese und geraten in den Bereich der kommerziellen Eugenik. Eine angsteinflößende Zukunft, in der Gattaca kein Science-Fiction-Film mehr ist. Der neuste Entwicklung in diese Richtung kommt vom Royal Veterinary College. Dort hat man Designersperma entwickelt, dass von einer Generation zur anderen weitervererbt werden kann.

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Evolutionsmaschine Mensch

Strukturmodell einer DNA-Helix in B-Konformation (Animation). Die Stickstoff (blau) enthaltenden Nukleinbasen liegen waagrecht zwischen zwei Rückgratsträngen, welche sehr reich an Sauerstoff (rot) sind. Kohlenstoffatome sind grün dargestellt. Bild: wikipedia
Sei es durch die Verbreitung von Antibiotika, Reproduktionsmedizin oder Krebstherapien: Der Mensch nimmt massiven Einfluss auf den Gang der Evolution. Beispiele dafür finden sich in diesem faktenreichen Buch von Thomas Böhm.

Von Michael LangeDeutschlandradio Kultur

Wir Menschen sind das Ergebnis einer biologischen Entwicklung. Wie keine andere Art hat der Homo sapiens der Evolution seinen Stempel aufgedrückt. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass diese Entwicklung keineswegs beendet ist. Der Mensch manipuliert die Evolution und damit bis heute sich selbst.

Thomas Böhm betrachtet die biologische Evolution aus Sicht des Arztes. Er kritisiert die verbreitete „Unwissenschaftlichkeit“ der Medizin, spekuliert viel und benutzt immer wieder Konjunktive und medizinisches Fachvokabular. In seinem faktenreichen Buch wechseln sich leicht verständliche Kapitel mit weniger verständlichen Passagen ab.

Als erstes Beispiel wählt Thomas Böhm Bakterien. Viele haben sich mit dem Menschen zusammengetan und sich an den Lebensraum Mensch angepasst. Doch der Mensch hat diesen Lebensraum immer wieder verändert. Der stärkste Eingriff geschah in den letzten Jahrzehnten durch die Verbreitung von Antibiotika. Viele krankmachende, aber auch ungefährliche Bakterien gerieten durch sie unter Druck, und die meisten wurden getötet. Evolutionsbiologisch betrachtet sind einige diese Bakterien Opfer der Selektion geworden. Andere haben sich angepasst. Jedes Antibiotikum, das verabreicht wird, nutzt oder schadet nicht nur dem Patienten; es verändert die biologische Evolution der Bakterien und kann harmlose Allerweltskeime zu Killern machen.

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Schöpfungslehre kontra Evolution

TheCreation_399Die biblische Schöpfungsgeschichte möge im naturwissenschaftlichen Unterricht gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie behandelt werden, lautet eine Forderung. Das soll den Schülern ein objektives Urteil ermöglichen. Unser Autor wendet sich genau dagegen in seinem Essay.

Von Bernhard MackowiakFrankfurter Neue Presse

Die Forderung nach Einzug der Schöpfungslehre in den naturwissenschaftlichen Unterricht ließ alle aufhorchen, die Wissenschaft und Forschung aktiv betreiben, sie lehren oder sich für sie interessieren. Die Zielrichtung dieser Stellungnahme zu „Evolution und Schöpfungslehre“ auf der Homepage des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) ist klar: Der von Charles Darwin 1859 in „The Origin of Species“ vertretenen Evolutionstheorie die Stirn zu bieten, nach der Selektion, Mutation und Extinktion die Entwicklung des Lebens bestimmen und damit einen Schöpfergott überflüssig machen.

Nicht der Schemel Gottes

Der Protest gegen diese Sichtweise ist genauso alt wie die Evolutionstheorie und wird als Kreationismus bezeichnet. Nach dieser Auffassung sind Universum, Leben und Mensch durch einen unmittelbaren Eingriff Gottes entstanden. So ist auch der Urheber des Textes der VEBS-Stellungnahme niemand anders als die „Studiengemeinschaft Wort und Wissen“. Sie unternimmt seit langem zahlreiche Anstrengungen, die biblische Schöpfungslehre als legitimen Partner der Wissenschaft zu etablieren.

Seit der Verurteilung Galileis 1633 durch das römische Inquisitionsgericht stehen Naturwissenschaft und Religion in unüberbrückbarem Gegensatz. Er wurde durch die Aufklärung noch verstärkt. Sie erst gab der Entstehung der modernen Naturwissenschaften den entsprechenden Schwung; und diese katapultierten den Menschen aus der heilen, überschaubaren Welt des Mittelalters in die der Moderne: Die Erde war nicht länger Mittelpunkt des Kosmos, der Schemel Gottes, um den sich Sonne, Planeten und Sterne bewegen.

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Pränataldiagnostik: KK und Unions-Christen kritisieren „Selektion“ Behinderter

Drei Ultraschall-Untersuchungen gehören zum Standard-Programm der Frauenärzte. (© picture-alliance, dpa)

Unionspolitiker und die katholische Kirche haben davor gewarnt, dass die Pränataldiagnostik zunehmend zur Selektion von Behinderten führt. „Es gibt einen Druck zur Pränataldiagnostik und bei auffälligem Befund zur Abtreibung“, sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Hubert Hüppe (CDU) der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

FinanzNachrichten.de

Er beklagte die Doppelgesichtigkeit der Debatte. Einerseits werde beschworen, dass Menschen mit Behinderungen unser Leben bereichern. Andererseits würde mit Leid und Verzweiflung der Eltern behinderter Kinder argumentiert. „Die Pränataldiagnostik befördert in unserer Gesellschaft eine Mentalität der vorgeburtlichen Selektion“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

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Kirche versus Wissenschaft

Kopernikus und der Heliozentrismus, ©akg-images/dpa

Wo „wohnt“ Gott, wenn das Universum unendlich ist? Wie kann der Mensch die Krone der Schöpfung sein, wenn er vom Affen abstammt? Immer wieder brachten Wissenschaftler die katholische Kirche in Erklärungsnot.

Manche als gesichert geltende Erkenntnisse erkannte diese erst Jahrhunderte später an. So wurde Galileo Galilei erst vor 20 Jahren, im Herbst 1992, von der Kirche rehabilitiert, Kopernikus gar erst im Jahr 2010. Welche Wissenschaftler waren der katholischen Kirche ein besonderer Dorn im Auge? Und welche Forschungsgebiete stehen auch heute noch unter Beschuss?

Von Silke StadlerWEB.de

Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543)

Bis ins 16. Jahrhundert haben Theologen den Alleinanspruch, die komplette Wirklichkeit zu erfassen und zu erklären. Nach ihrer Auffassung ist die Erde der Mittelpunkt des Universums. Nikolaus Kopernikus (1473-1543) bringt dieses Weltbild mächtig ins Wanken. Er beschreibt erstmals das heliozentrische Weltbild, wonach die Sonne das Zentrum des Universums bildet, um das die Erde als ein Planet von vielen kreist. Damit widerspricht er dem geozentrischen Weltbild von Ptolemäus, dem die Kirche verbunden ist. Die Lehren Kopernikus‘ werden daher als ketzerisch verdammt. Erst ein halbes Jahrhundert später, im Jahr 2010, wird der Astronom von der Kirche rehabilitiert und in einem geweihten Grab bestattet.

Kreationisten in der Türkei auf dem Vormarsch

Unter der religiös-konservativen AKP-Regierung und Ministerpräsident Tayyip Erdogan habe der Einfluss religiöser Ideen in den Schulfächern zugenommen, sagen Kritiker. (Bild: AP)

In der Türkei wollen über 70 Prozent der Erwachsenen nichts von Evolution wissen. Neben der Darwinschen Lehre wurde der Kreationismus hier schon in den 1980er-Jahren in die Schulbücher aufgenommen. Naturwissenschaftler fürchten, dass er nun auch an den Hochschulen offiziell Einzug halten könnte.

Von Gunnar KöhneDeutschlandfunk

Vergangenen Mai vor der Istanbuler Marmara-Universität. Studenten und Lehrer protestierten gegen eine Veranstaltung, die unter dem unverfänglichen Titel „Warum verneint die Wissenschaft eine Evolution zwischen den Spezies?“ gut zwei Dutzend Darwin-Kritiker zusammen gebracht hat. Als sogenannte Kreationisten bezweifeln sie die Lehre von der Selektion und der gemeinsamen Abstammung von Mensch und Affe. Für sie gilt vielmehr die Schöpfungsgeschichte in Koran und Bibel: Alle Kreaturen sind demnach von Allah geschaffen.

Für die Demonstranten war die Veranstaltung ein gefährlicher Tabubruch: Erstmals durften an einer staatlichen türkischen Universität kreationistische Ideen verbreitet werden. Für Kerem Cankocak, Professor an der Istanbuler Technischen Universität, die fast zwangsläufige Konsequenz einer zunehmend anti-aufklärerischen Bildungspolitik:

„Das ist das Resultat der vergangenen 32 Jahre. Seit dem Militärputsch von 1980 wurden die religiösen Kräfte in Schulen und Universitäten immer mehr gestärkt. Von meinen heutigen Studenten haben 90 Prozent in der Schule nichts über die Evolution gehört oder sie glauben daran nicht. Wie soll ich Biologie, Genetik unterrichten ohne Evolutionslehre?“

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Selektion durch Bluttest?

Bild: ARD

Ein Bluttest bei Schwangeren kann Aufschluss geben, ob das Kind mit dem Genfehler Trisomie 21 geboren wird. Dieser Test sei illegal und diene zur Selektion von Menschen, sagt der Behindertenbeauftrage Hüppe. Die Vorsitzende des Gesundheitssausschusses, Reimann, will Frauen den Test aber nicht vorenthalten.

Von Stanislaus Kossakowski, BR, ARD-Hauptstadtstudio

Für den Regierungsbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, ist der Fall klar: Der vorgeburtliche Bluttest zur Erkennung des Down-Syndroms, der schon bald in Deutschland auf den Markt kommen soll, ist illegal. Er diene zur Selektion von Menschen mit Down-Syndrom und nicht zu therapeutischen Zwecken. „Er diskriminiert Menschen mit Behinderung, indem er ihnen letztendlich das Lebensrecht nimmt“, urteilt Hüppe.

Ein weiterer Schritt zur „Rasterfahndung nach Menschen mit Behinderung“ sei das, sagt Hüppe und verweist an den von ihm beauftragten Rechtsgutachter Klaus Ferdinand Gärditz von der Universität Bonn. „Dieser Test würde gegen das in Artikel 3 des Grundgesetzes verankerte Verbot, Menschen mit Behinderung wegen dieser Behinderung zu benachteiligen, verstoßen“, so Gärditz.

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Evolution via Voting: Pop für Darwinisten?

Bild: (c) Bilderbox

Funktioniert Kulturentwicklung auch mit Mutation und Selektion? Englische Forscher erproben Komposition durch Konsumentenwahl. Einstweilen klingen die Ergebnisse weniger nach Hits als nach Minimal Music.

Von Thomas KramarDie Presse

Gäbe es einen Preis für den besten Titel einer Presseaussendung eines wissenschaftlichen Instituts, das Imperial College of London hätte ihn dafür verdient: „On the Origin of Music by Means of Natural Selection or the Preservation of Favored Ditties (Liedchen, Anm.) in the Struggle for Existence“.

Das Vorbild ist ehrwürdig: „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“, so hieß das 1859 erstmals erschienene Buch, in dem Charles Darwin die Evolutionstheorie begründete. Der Ansatz ist so schlicht wie genial: 1) Individuen einer Population unterscheiden sich voneinander, diese Variationen sind erblich. 2) Individuen, die besser an die Umwelt angepasst sind, haben eine höhere Überlebenschance und (damit) mehr Nachkommen; sie werden in der Population häufiger. Das nennt man natürliche Selektion.

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Evo-Devo oder: Der gelenkte Zufall

Bild: uncertaintycertainly.blogspot.com

Wie die Entwicklungsbiologie zu einem tieferen Verständnis der Evolution beiträgt

Von Martin Koch ND

Nach darwinistischer Lesart beruht die biologische Evolution primär auf dem Wechselspiel von zufälligen Mutationen und natürlicher Selektion. Dieser Prozess setzt jedoch nicht erst auf der Ebene des ausgebildeten Individuums ein, sondern bereits auf der Stufe der embryonalen Entwicklung. Hier wird, wenn man so will, über den künftigen »Bauplan« des Körpers entschieden. Also darüber, ob ein Tier radial- oder bilateralsymmetrisch aufgebaut ist, wo sich Kopf und Schwanz, Rücken und Bauch befinden.

Bekanntlich ist bei der Befruchtung von Ei- und Samenzelle die phänotypische Form des Individuums noch nicht realisiert. Es stellt sich deshalb die Frage, auf welche Weise die genetische Information in organische Struktur umgesetzt wird. Und wie stark dabei auch nichtgenetische Faktoren mitwirken.

Bei der Suche nach Antworten darauf hat sich in den letzten Jahren eine Disziplin etabliert, die man »Evolutionäre Entwicklungsbiologie« oder kurz »Evo-Devo« nennt (von engl.: Development = Entwicklung), und von der sich Biologen wichtige neue Forschungsimpulse erhoffen.

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Christdemokraten für das Leben: PID ist Selektion von Behinderten

Die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Odila Carbanje. Foto: idea/Steinacker

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist „Selektion von Behinderten“. Diese Ansicht vertrat die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Odila Carbanje (Nottuln bei Münster), auf der Mitgliederversammlung am 1. Oktober in Bochum.

idea.de

Bei der PID werden künstlich erzeugte Embryonen auf genetische Unregelmäßigkeiten untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden. Vernichtet werden Embryonen, die Anzeichen für eine spätere Behinderung aufweisen. Im Juli hatte der Bundestag eine begrenzte Zulassung der PID beschlossen. Carbanje erinnerte jetzt daran, dass Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor dem Bundestag und Mitgliedern des Bundesrats gegen die PID Stellung bezogen hatte. Dennoch habe die Ländervertretung nur einen Tag später das PID-Gesetz „still und heimlich durchgewunken“. Dies komme einer „Verhöhnung der vom Papst zitierten christlichen Grundwerte“ gleich. Es könne als „Armutszeugnis für die CDU“ bezeichnet werden, dass ein Drittel ihrer Abgeordneten der PID-Zulassung zugestimmt haben. Auch werde Bundespräsident Christian Wulff höchstwahrscheinlich das Gesetz unterschreiben. Carbanje: „Wir müssen leider davon ausgehen, dass die PID durchkommen wird.“

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Evolutionsbiologie: Hochstapelei sollte ausgestorben sein

Bild: (c) Www.BilderBox.com (BilderBox.com)

Für Evolutionsbiologen ist es rätselhaft: Hochstapelei sollte sich nicht durchsetzen, sie sollte längst verschwunden sein. Doch Selbstüberschätzung zahlt sich aus, sagt der britischer Forscher Dominic Johnson.

Die Presse

Jeder Autofahrer, oder zumindest fast jeder, weiß, dass er besser Auto fährt als alle anderen. So ist es auch bei der Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten und der Attraktivität (bei ihr überschätzen sich allerdings nur Männer). Auch die eigene Führungsstärke wird hoch eingeschätzt, und 94 Prozent der College-Professoren halten sich für überdurchschnittlich gute Lehrer.
Für Evolutionsbiologen ist das rätselhaft: Hochstapelei sollte sich nicht durchsetzen, weder in der Selektion um Ressourcen noch in der um Sex, im Gegenteil, sie sollte längst verschwunden sein. Also muss sie doch irgendwelche Vorteile haben. Bisher setzte man vor allem darauf, dass wirklich größer und stärker ist, wer es in den Augen der anderen ist – und dass niemand besser für diesen Eindruck sorgen kann als der Betroffene selbst, mit dem, was er (auch gegenüber sich selbst) ausstrahlt: Muhammed Ali sah sich selbst als „König der Welt“, die anderen sahen ihn so, er war es.

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