Missbrauchsvorwurf: Sogyal Rinpoche zieht offenbar Konsequenzen

Sogyal Rinpoche, Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 – Lotsawa108
Der Gründer und spirituelle Leiter des internationalen tibetisch-buddhistischen Rigpanetzwerks, Sogyal Rinpoche, zieht sich zurück für „eine Zeit der Einkehr und der Reflexion“. So berichten es das kanadische Buddhismus-Magazin „Lion’s Roar – Buddhist Wisdom for our Time“ (online) wie auch das „Boeddhistisch Dagblad“ (Niederlande) unter Berufung auf eine Pressemitteilung von Rigpa International vom 21.7.2017.

Von Dr. Friedmann Eißler | EZW

Grund sind offenbar massive Missbrauchsvorwürfe, die von einer Gruppe von acht langjährigen und verdienten Schülerinnen und Schülern vorgebracht wurden und in einem Brief mit Datum vom 14. Juli im Internet kursieren (www.lionsroar.com/wp-content/uploads/2017/07/Letter-to-Sogyal-Lakar-14-06-2017-.pdf). Das 12-seitige Schreiben an Sogyal Rinpoche fordert den tibetischen Meister auf, sein „unethisches und unmoralisches Verhalten“ aufzugeben und auf den wahren Pfad des Dharma zurückzukehren. Die Vorwürfe wiegen schwer. Gegliedert in „physischen, emotionalen und psychologischen Missbrauch“, „sexuellen Missbrauch“, „unersättlichen Lebensstil“ und die „Vergiftung unserer Wertschätzung für die Dharmapraxis“ werden sie in ruhigem Ton und begründet aufgrund von „Erfahrungen aus erster Hand“ vorgetragen. Es wird betont, dass das persönliche Gespräch gesucht wurde, bevor man an die Öffentlichkeit ging, jedoch ohne Erfolg. Vielmehr seien Insidern die verstörenden und gewalttätig missbräuchlichen Verhaltensmuster seit Jahrzehnten bekannt, würden aber vom innersten Kreis weiter gedeckt oder „wegerklärt“.

Immer wieder sind in der Vergangenheit Missbrauchsvorwürfe gegen Sogyal Rinpoche laut geworden. Durch die jüngsten Vorgänge ist jedoch eine neue Stufe eingetreten. Rigpa Deutschland teilte auf Rückfrage mit, dass der Verein seine Beziehungen zu Sogyal Rinpoche neu ordnen müsse, und versicherte, dass innerhalb der Gemeinschaft in Deutschland ein offener und transparenter Dialog über die in dem Brief erhobenen Vorwürfe begonnen habe.

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Sogyal Rinpoche: Buddhistische Tabus und sexueller Missbrauch

Foto: brightsblog

Im November 1994 erhob eine Amerikanerin namens Janice Doe Anklage im Streitwert von 10 Millionen Dollar gegen den tibetischen Lama Sogyal Rinpoche wegen sexuellen, psychischen und tätlichen Missbrauchs. Die Anklage wurde außergerichtlich beigelegt und Janice erklärte sich gegen eine finanzielle Entschädigung bereit, über die Vorfälle Stillschweigen zu bewahren.

Von Mary Finniganguardian.co.uk

Sogyal bestreitet die Missbrauchsvorwürfe, aber erneute Beschuldigungen gegen ihn wurden kürzlich laut in einer filmischen Dokumentation unter dem Titel Im Namen der Erleuchtung, die in Kanada auf Vision TV gesendet wurde. Eine hübsche junge Frau unter dem Namen Mimi beschrieb eine missbrauchsaffine sexuelle Beziehung. Sie war die erste, die seit dem Gerichtsverfahren im Jahre 1994 öffentlich über konkrete Erfahrungen mit Sogyals Missbrauchspraktiken berichtete.

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