Katalanische Unabhängigkeit: Erste konkrete Schritte zum Referendum

(Bild: Der Sitz der Generalitat in Barcelona. Foto: Jan Harenburg / CC BY 3.0 )
Die spanische Staatsanwaltschaft arbeitet mit neuen Anklagen gegen eine Abstimmung. Man könne nicht einfach Befragungen durchführen

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Katalonien hat Spanien erneut angeboten, über das für September geplante Unabhängigkeitsreferendum zu verhandeln, und geht gleichzeitig vorbereitende Schritte. Der Präsident der Regionalregierung, Carles Puigdemont, hat erklärt, bald einen „letzten Versuch“ zu starten, um mit dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy in einen Dialog zu treten.

Das wird am 22. Mai passieren, wenn er in der Hauptstadt Madrid mit anderen die katalanischen Vorstellungen für ein Referendum in Katalonien mit einer „Einladung für ein demokratisches Abkommen“ darlegt. Das Ziel ist, sich auf ein Vorgehen, Zeitplan und Frage zu einigen, damit auch die Katalanen über ihre Unabhängigkeit abstimmen können. Schließlich hatten sich auch die konservativen Briten mit den Schotten auf dieses demokratische Vorgehen geeinigt.

Puigdemont kündigte an, das werde er auch tun, selbst wenn der rechte Rajoy erneut jeden Dialog ablehne. Das ist nach allen Erfahrungen auch zu erwarten, schließlich haben die Ultrakonservativen in Spanien seit Jahren versucht, das Problem auszusitzen und über Repression zu beseitigen. Sie hatten nicht einmal mit den Christdemokraten in Katalonien über eine verbesserte Finanzierung der unterfinanzierten Region gesprochen, was denen letztlich keine andere Wahl ließ, als ebenfalls auf den fahrenden Zug in die Unabhängigkeit aufzusteigen.

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Münchner Imam in Spanien festgenommen

  • Die spanische Polizei hat den Imam Abu A. festgenommen, der auch einige Jahre in München gepredigt hat.
  • A. sagte stets, einen orthodoxen, aber friedlichen Islam zu vertreten. Er wolle zwischen den Kulturen vermitteln.
  • Erweisen sich die Vorwürfe als richtig, könnte das ein Trick gewesen sein, um Öffentlichkeit und Behörden zu täuschen.

Von Thomas Schmidt | Süddeutsche.de

Die Polizei in Spanien hat einen mutmaßlichen Unterstützer des sogenannten Islamischen Staats festgenommen, der auch in München gepredigt hat und hier in Untersuchungshaft saß. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um Abu A., ein Imam, der 2010 in den Medien als Münchner „Prügel-Prediger“ bekannt wurde. Angeblich hatte er seine dritte Ehefrau krankenhausreif geschlagen. Die Vorwürfe wurden jedoch fallengelassen, Abu A. kam frei. Nach außen hin präsentierte er sich offensiv als Prediger für den Frieden und Vermittler zwischen den Kulturen. Wenn die aktuellen Vorwürfe der spanischen Fahnder stimmen, war das nur Fassade, ein perfider Trick, um Öffentlichkeit und Behörden zu täuschen.

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Event Horizon Telescope: Erste Abbildung eines Schwarzen Lochs beginnt

Bild: NASA/public domain
Auch wenn es viele Darstellungen gibt, eine reale Abbildung eines Schwarzen Loches existiert bislang nicht. Nun beginnen Forscher mit einem ambitionierten Versuch: Abgebildet werden soll die direkte Umgebung des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße.

Von Martin Holland | heise online

Wissenschaftler wollen vom heutigen Dienstag an mit einem weltumspannenden Netzwerk von Teleskopen zehn Tage lang die erste Aufnahme eines Schwarzen Lochs machen. Das Netzwerk des Event Horizon Telescopes soll dazu bis zum 14. April wiederholt auf insgesamt sechs Schwarze Löcher gerichtet werden, teilte das beteiligte Max-Planck-Institut für Radioastronomie mit. Teilnehmende Teleskope stehen am Südpol, in Chile, Spanien, Mexiko und den USA. Die Ergebnisse werden von zwei Supercomputern in Deutschland und in den USA zusammengerechnet.

Das Zentrum der Milchstraße

Primäres Ziel ist das rund 26.000 Lichtjahre entfernte, etwa 4,5 Millionen Sonnenmassen schwere Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie: Sagittarius A*. Das entstehende Bild soll die direkte Umgebung des sogenannten Ereignishorizonts zeigen, verschlingt das Schwarze Loch selbst doch alles – auch Licht. Einfallendes Material wird am Ereignishorizont („Event Horizon“) so stark beschleunigt, dass es intensive Strahlung abgibt. Die sollen die Radioteleskope empfangen. Bis das daraus rekonstruierte Bild veröffentlicht werden dürfte, werden aber Monate vergehen. Die Europäische Südsternwarte, die mit dem ALMA beteiligt ist, will das Projekt mit Blogeinträgen begleiten.

Radioaktivität: Beinaheunfall in Norwegen

Forschungsreaktor Halden. Bild: FinnWikiNo/ IFE/CC BY-SA-3.0
Die Ursache einer im Januar bekannt gewordenen radioaktiven Wolke über Europa scheint auf kein Interesse zu stoßen

Von Detlef zum Winkel | TELEPOLIS

Ende Januar wurde die Öffentlichkeit mit spärlichen Meldungen über eine radioaktive Wolke informiert. Sie enthalte Jod 131 in geringer Konzentration und verteile sich über ganz Europa, wie Strahlenmessungen in Finnland, dann in Frankreich, Spanien und schließlich auch in Deutschland gezeigt hätten.

Anmerkung Nr. 1: In Deutschland zuletzt.

Die Wolke sei ungefährlich, hieß es, und „mysteriös“, weil ihre Ursache unbekannt blieb. Immerhin schickte das US-Militär ein mit Messinstrumenten ausgestattetes Spezialflugzeug, um der Sache auf den Grund zu gehen. Verrieten die J131-Spuren vielleicht ein nukleares Experiment der Russen, möglicherweise sogar einen Atomtest?

Anmerkung Nr. 2: Die EU-Staaten unternahmen keine erkennbaren eigenen Anstrengungen, um die Ursache des Phänomens zu erkunden.

Am 3. März veröffentlichte die norwegische NGO Bellona einen Bericht über einen Störfall im Forschungsreaktor Halden nahe der Grenze zu Schweden. Er ereignete sich bereits am 24. Oktober 2016, wurde von einer Handvoll englischsprachiger Medien gemeldet und alsbald wieder vergessen.

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Sexpuppen-Bordell in Barcelona eröffnet

Neuheit in Europa: Während Bordellen mit Sexpuppen in Asien schon länger exisitieren, sind sie in Europa eine Neuheit. Foto: afp
Neuheit in Europa: Während Bordellen mit Sexpuppen in Asien schon länger exisitieren, sind sie in Europa eine Neuheit. Foto: afp
Eine Frage: Kommen Kunden? Aber die Frau am Telefon gibt keine Auskunft. In Barcelona hat vor zehn Tagen ein Bordell eröffnet, in dem auf die Besucher keine Frauen, sondern Puppen aus Silikon warten. In Japan gibt’s das schon länger, aber für Europa ist es eine Premiere.

Von Martin Dahms | Frankfurter Rundschau

Jetzt rufen dort ständig Journalisten an, aber die Frau am anderen Ende gibt keine Geheimnisse preis. Die Madrider Netzzeitung „El Español“ hat deswegen einen ihrer Mitarbeiter nach Barcelona geschickt, der sich als gewöhnlicher Kunde ausgab und hinterher eine Reportage über seine Erfahrungen schrieb.

Seine erste Erkenntnis: Ja, es kommen Kunden. Jedenfalls am Eröffnungswochenende. David López Frías, so heißt der Reporter, hatte sich ein Treffen mit der Puppe Aki gewünscht, aber Aki ist ausgebucht, ebenso wie Katy und Leiza. Nur Lily ist noch für eine Stunde zu haben. Als López Frías die angegebene Adresse in der Altstadt von Barcelona schon fast erreicht hat, bekommt er die Nachricht, dass Lily leider kaputt sei.

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Ärger um niederländisches „Abtreibungsschiff“

 Das niederländische
Das niederländische „Abtreibungsschiff“ werde von der Armee festgehalten, teilte die Gruppe „Women on Waves“ („Frauen auf Wellen“) mit. (Foto: AFP)
  • Ein niederländisches „Abtreibungsschiff“ ist nach Angaben von Aktivisten bei seiner Ankunft vor der Küste Guatemalas von der Marine festgesetzt worden.
  • Die Aktivisten wollen in den kommenden fünf Tagen an Bord kostenlose Abtreibungen bis zur zehnten Schwangerschaftswoche anbieten.
  • Die Organisation hat mit ihren „Abtreibungsschiffen“ in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen und Proteste gesorgt.

Süddeutsche.de

Das „Abtreibungsschiff“ einer niederländischen Organisation ist nach Angaben von Aktivisten bei seiner Ankunft vor der Küste Guatemalas von der Marine festgesetzt worden. Die Gruppe „Women on Waves“ („Frauen auf Wellen“) teilte mit, das Schiff werde von der Armee festgehalten. Auf diese Weise würde der „rechtmäßige Protest gegen die staatlichen Beschränkungen des Rechts der guatemaltekischen Frauen auf sichere Abtreibung“ behindert.

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Korruption und die Politik der schwarzen Null

Grafik: TP
Grafik: TP
Der Journalist Jürgen Roth schildert in seinem Buch Schmutzige Demokratie den Zerfall der politischen Kultur und das Erstarken des Rechtspopulismus innerhalb der EU.

Von Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Roth, Sie beschreiben in Ihrem Buch den Prozess der Entfremdung der Bürger von der liberalen Demokratie. Was hat sich in den letzten 20 Jahren so verändert, dass dieser Zustand ganz einfach konstatiert werden muss?
Jürgen Roth: Mit dem von mir beschriebenen Prozess der Entfremdung der Bürger von der liberalen multikulturellen Demokratie ist es wie mit der Klimaerwärmung. Sie begann schleichend, zeigte jedoch in den letzten Jahren immer häufiger ihre katastrophalen Auswirkungen (insbesondere für die Ärmsten) – bis es zu spät war, noch etwas zu verändern.
Die Gründe für die Entfremdung der Bürger liegen natürlich auf der Hand. Verantwortlich sind die Verfechter der globalen neoliberalen Wirtschaftsordnung, die dieses System in den letzten zwanzig Jahren immer gnadenloser durchgepeitscht hatten und die jetzt Autoritarismus, Nationalismus und Rassismus als weiteres Treibmittel für die Stabilisierung ihrer Macht einsetzen, auch wenn dabei das liberale demokratische System zerstört wird.

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„Maria keine Jungfrau“: Nonne erhielt Todesdrohungen

Die spanische Ordensfrau Lucia Caram: Josef und Maria waren „normales Paar“. Bild: APA/AFP/Josep Lago
Die spanische Ordensfrau Lucia Caram: Josef und Maria waren „normales Paar“. Bild: APA/AFP/Josep Lago
Die spanische Ordensfrau Lucia Caram hat mit ihrer Aussage, Maria sei nicht zeit ihres Lebens Jungfrau gewesen, für Wirbel gesorgt. Obwohl sie sich bei ihren Kritikern entschuldigte, erhielt sie Morddrohungen.

religion.ORF.at

Die aus Argentinien stammende Caram ist in Spanien ein Medien- und Twitter-Star und tritt oft in Kochsendungen auf, meldet sich aber auch regelmäßig politisch zu Wort. In der am Sonntag ausgestrahlten spanischen Fernsehsendung „Chester in Love“ sagte die Dominikanerin, sie glaube, dass Maria in Josef verliebt gewesen sei und dass die beiden ein „normales Paar“ gewesen seien. „Und Sex zu haben ist eine normale Sache“, so die Nonne.

„Es ist schwer zu glauben und zu akzeptieren“, sagte die Ordensfrau, die auf Twitter 180.000 Follower hat, weiter. „Wir sind in den Regeln gefangen, die wir erfunden haben, ohne zur wahren Botschaft gelangt zu sein.“ Caram, die in einem katalanischen Orden lebt, war im Alter von 27 aus Argentinien nach Spanien emigriert. Sie äußerte sich bereits mehrmals zum Thema Sexualität, wie der britische „Guardian“ am Donnerstag in seiner Onlineausgabe berichtete.

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EU-Südstaaten-Gipfel: EU-Südstaaten fordern stärkeres Europa

François Hollande: Europa muss Trump antworten. Foto: dpa
François Hollande: Europa muss Trump antworten. Foto: dpa
In Lissabon werden „neue Visionen“ für die Zukunft Europas gesucht. Beim Gipfel der EU-Südstaaten spielt Trump eine Hauptrolle. Frankreichs Präsident Hollande spricht Klartext.

Frankfurter Rundschau

Die EU-Südstaaten haben vor dem Hintergrund von Krisen und Problemen weltweit ein «stärkeres und vereinteres Europa» gefordert. «In diesen Zeiten von so vielen Ungewissheiten weltweit ist es unerlässlich, dass wir eine stärkere und vereintere Europäische Union haben», sagte der gastgebende portugiesische Ministerpräsident António Costa am Samstag zum Abschluss des zweiten Gipfeltreffens der sieben Länder in Lissabon. Die EU müsse für die Werte der Demokratie und des freien Handels eintreten.

Rund viereinhalb Monate nach dem ersten Gipfel in Athen standen in Lissabon erneut die Themen Flüchtlinge, Sicherheit sowie Wirtschaft und Wachstum im Mittelpunkt der Gespräche. Die Regierungs- und Staatschefs aus Spanien, Frankreich, Portugal, Griechenland, Italien, Zypern und Malta wollten ihre Standpunkte untereinander abstimmen, «neue Visionen» und konkrete gemeinsame Vorschläge «für eine bessere Zukunft für Europa» erarbeiten.

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Ganz Portugal empört über Atommülllager in Spanien

AKW Almaraz. Bild: Frobles/GFDL
AKW Almaraz. Bild: Frobles/GFDL
Dass an der Grenze beim Atomkraftwerk Almaraz nun auch Atommüll gelagert werden soll, heizt den Unmut und die Proteste gegen das unsichere AKW an

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Es kommt sehr selten vor, dass sich im portugiesischen Parlament alle Parteien, von ganz links bis ganz rechts, einig sind. Doch die Entscheidung der konservativen spanischen Regierung auf der Kabinettssitzung am Freitag, am grenznahen Atomkraftwerk Almaraz auch noch ein Zwischenlager – genannt „Temporäres Individualisiertes Lager“ (ATI) – für Atommüll einzurichten, treibt die Portugiesen vereint auf die Barrikaden. Es war die grüne Partei „Os Verdes“, die in Koalition mit den Kommunisten (CDU) bei Wahlen antritt, die den Antrag ins Parlament eingebracht hatte, um gegen die Entscheidung zu protestieren.

Also stimmten auch die beiden konservativen Parteien, Schwesterparteien der in Spanien regierenden Volkspartei (PP), gegen das spanische Vorhaben und unterstützen die Linie der Regierung. Die zog sofort Konsequenzen und sagte ein geplantes Treffen des portugiesischen Umweltministers João Pedro Matos mit seiner spanischen Kollegin ab. Spanien „ignoriert“ den Nachbarn, heißt es in dem Antrag. „Es verletzt das europäische Recht und das Loyalitätsprinzip unter Nachbarn“, hat der Umweltminister erklärt. Portugal hat eine Klage bei der EU-Kommission gegen das ATI angekündigt, weil die grenzüberschreitenden Auswirkungen hinweg nicht bewertet und Portugal nicht einmal gehört wurde.

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2016 fast 7.200 Menschen auf der Flucht gestorben oder seither vermisst

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Jahresbeginn sind fast 7.200 Menschen auf der Flucht ums Leben gekommen oder verschwunden. Dies sei ein Anstieg um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Freitag in Genf mit.

derStandard.at

Von den bis Donnerstagabend registrierten 7.189 Toten und Vermissten verunglückten demnach 4.812 beim Versuch, über das Mittelmeer nach Italien, Griechenland, Zypern oder Spanien zu gelangen. Im Durchschnitt habe es 20 Todesfälle von Migranten und Flüchtlingen pro Tag gegeben, erklärte die IOM. Die Bilanz könne bis Jahresende noch um etwa 200 bis 300 Todesfälle steigen.

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Monika Walter: „Der verschwundene Islam?“Verleugnetes Kulturerbe

Monika Walter hat sich für ihre Analyse auch mit
Monika Walter hat sich für ihre Analyse auch mit „Don Quixote“ von Miguel de Cervantes beschäftigt. Hier eine Erstausgabe von 1605. (imago/CTK Photo)
Während der knapp 800 Jahre dauernden arabischen Herrschaft in Spanien entstand ein muslimisches Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Blüte. Doch dieses arabische Kulturerbe verschwand aus der Geschichtsschreibung. Monika Walter geht den Spuren nach.

Von Tabea Grzeszyk | Deutschlandradio Kultur

„Unbehagliche Geschichte“ oder „Geschichte unter dem Teppich“ heißt es bei spanischen und französischen Forschern, wenn sie über die arabische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel schreiben. Knapp 800 Jahre überdauerte „Al-Andalus“, das von 711 bis 1492 existierte und im elften Jahrhundert im Kalifat von Córdoba ein goldenes Zeitalter erlebte: Ein muslimisches Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Blüte, auf europäischem Boden, nördlich des Mittelmeers.

Gehört der Islam also doch zu Europa? Natürlich! Doch wie kommt es, dass das arabische Kulturerbe Europas einem fast schon institutionalisierten Vergessen anheimfiel? Wieso gilt die Vorstellung eines „muslimischen Europas“ nahezu als Sakrileg?

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Monika Walter: „Der verschwundene Islam?“ – Verleugnetes Kulturerbe

Monika Walter hat sich für ihre Analyse auch mit
Monika Walter hat sich für ihre Analyse auch mit „Don Quixote“ von Miguel de Cervantes beschäftigt. Hier eine Erstausgabe von 1605. (imago/CTK Photo)
Während der knapp 800 Jahre dauernden arabischen Herrschaft in Spanien entstand ein muslimisches Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Blüte. Doch dieses arabische Kulturerbe verschwand aus der Geschichtsschreibung. Monika Walter geht den Spuren nach.

Von Tabea Grzeszyk | Deutschlandradio Kultur

„Unbehagliche Geschichte“ oder „Geschichte unter dem Teppich“ heißt es bei spanischen und französischen Forschern, wenn sie über die arabische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel schreiben. Knapp 800 Jahre überdauerte „Al-Andalus“, das von 711 bis 1492 existierte und im 10. Jahrhundert im Kalifat von Córdoba ein goldenes Zeitalter erlebte: Ein muslimisches Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Blüte, auf europäischem Boden, nördlich des Mittelmeers.

Gehört der Islam also doch zu Europa? Natürlich! Doch wie kommt es, dass das arabische Kulturerbe Europas einem fast schon institutionalisierten Vergessen anheimfiel? Wieso gilt die Vorstellung eines „muslimischen Europas“ nahezu als Sakrileg?

500-Seiten-Analyse über Literaturgeschichte

Die Romanistin Monika Walter hat auf über 500 Seiten eine Analyse vorgelegt, die den arabischen Spuren innerhalb der spanischen und französischen Literaturgeschichte nachgeht.

So spürt sie etwa dem zum Christentum zwangskonvertierten Morisken Ricote aus Miguel de Cervantes „Don Quixote“ nach, der als fiktive Figur auf einen realhistorischen Hintergrund verweist: Der durch das Vertreibungsedikt von 1609 ausgewiesene und heimlich zurückgekehrte Araber betrauert den Verlust seiner Heimat, in der Juden, Christen und Muslime toleriert wurden.

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„Broken Arrow“: Die USA vermissen 17 Atombomben. Mindestens

Wasserstoffbomben vom Typ B28 gingen bei den Unfällen 1966 in Spanien und 1968 auf Grönland verloren Quelle: Wikimedia/US Air Force/Public Domain
Wasserstoffbomben vom Typ B28 gingen bei den Unfällen 1966 in Spanien und 1968 auf Grönland verloren Quelle: Wikimedia/US Air Force/Public Domain
Die A-Bombe, die jetzt vor Kanada entdeckt wurde, ist kein Einzelfall. Allein für die USA werden 700 Zwischenfälle geschätzt. Wie viele Kernwaffen andere Mächte „verloren“ haben, weiß niemand.

Von Johann Althaus | DIE WELT

Wie ein vier Meter großer „aufgeschnittener Bagel“ soll das Objekt aussehen, das der kanadische Taucher Sean Smyrichinsky jetzt vor der Küste British Columbias entdeckt hat. Viel spricht dafür, dass es sich um den Rest einer seit 66 Jahren vermissten Atombombe vom damals neuesten Typ Mark 4 handelt.

Die Liste der Unfälle mit solchen Waffen ist lang. Allein die USA vermissen mindestens acht voll explosionsfähige Bomben. Außerdem weitere neun, die zwar nicht mit dem Spaltstoff Plutonium geladen waren, wohl aber andere radioaktive Substanzen enthielten – meist abgereichertes Uran. Für solche Zwischenfälle hat sich weltweit der Ausdruck „Broken Arrow“ eingebürgert. In den USA bezeichnet dieses Codewort einen Zwischenfall mit Nuklearwaffen gleich welcher Art.

Die angegebenen Zahlen variieren allerdings stark, denn es gibt sehr unterschiedliche Definitionen: Ist eine Kernwaffe ohne Plutonium, die also keine Kettenreaktion auslösen kann, überhaupt eine nukleare Waffe? Was ist mit Waffen, die – atomar geladen oder nicht – beim Absturz eines Flugzeugs nachweislich zerstört wurden? Werden radioaktive Ladungen, die ohne die aufwendige Technik zur Auslösung einer Kernspaltung verloren gingen, mitgezählt oder nicht?

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Der Kampf um die spanischen Kirchen

© Arcaid/Masterfile Alt, mächtig, umstritten: Die Kathedrale von Burgos
© Arcaid/Masterfile Alt, mächtig, umstritten: Die Kathedrale von Burgos
Wem gehören die sakralen Bauten in Spanien? Das ist nur scheinbar eindeutig geregelt. So mancher fordert, die Kirchen an den Staat zurückzugeben.

Von Peter Odrich | Frankfurter Allgemeine

Wer Spaniens Städte zu Fuß durchstreift, ist häufig von der Vielzahl sakraler Bauten beeindruckt. Neben den großen, berühmten Kathedralen gibt es schier unzählige kleinere Kirchen und Kapellen, viele von hohem künstlerisch-architektonischen Wert. Über die Eigentumsverhältnisse all dieser Bauten denkt kaum ein ausländischer Besucher nach – wohl inzwischen aber mehr und mehr Spanier.

Auf der Iberischen Halbinsel gab es genauso wie in weiten Teilen des übrigen Europas ursprünglich keinerlei Grundbucheintragungen dieser Sakralbauten. Das erklärt sich daraus, dass Kathedralen, Klöster, Kirchen und andere kirchliche Bauten meist deutlich früher entstanden sind als die vergleichsweise moderne Einrichtung der Grundbücher. Als sich das Franco-Regime in Spanien etablierte, erhielt 1940 die katholische Kirche das Recht auf Eintragung ihrer Bauten in das weltliche Register. Voraussetzung war lediglich die Unterschrift des regional zuständigen Bischofs. Andere Dokumente waren überflüssig. Dieses Recht hat die katholische Kirche umfassend genutzt, ehe es im Jahre 2015 auf vielfältigen Druck der politischen Opposition im Parlament außer Kraft gesetzt wurde. In so mancher spanischen Stadt zählt das Grundbuch mehr als tausend kirchliche Immobilien.

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Muslimischer Schlepper warf Christen ins Meer

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Im spanischen Almeria steht derzeit ein muslimischer Kapitän eines Flüchtlingsbootes vor Gericht. Dieser hat 2014 Christen, darunter einen katholischen Priester, ins Meer werfen lassen, weil diese auf dem Schiff gebetet hatten.

kath.net

Im spanischen Almeria steht derzeit ein muslimischer Kapitän eines Flüchtlingsbootes vor Gericht. Dies berichtet die „Krone“ am Montag. Der Mann soll während der Fahrt über das Mittelmeer sechs Christen über Bord werfen lassen haben. Zuvor wurden die Gläubigen geschlagen und alle nach christlichen Symbolen wie Kreuze durchsucht. Das „Verbrechen“ der Christen: Diese hatten für besseres Wetter gebetet. Unter den Christen soll sich auch ein katholischer Pfarrer aus Nigeria befunden haben. Die sechs Männer sind im Mittelmeer ertrunken. Vier Überlebende der Schiffsfahrt haben jetzt gegen die Schlepper ausgesagt. „Sie glaubten, dass die Wellen höher würden, je mehr er betete.“ Der Vorfall hat sich bereits im Jahr 2014 ereignet. Auf der Fahrt starben übrigens weitere Migranten, darunter sieben Babys. Der spanische Staatsanwalt plädiert wegen religiös motivierten Mordes auf sechs Mal 15 Jahre Gefängnis.

Merkel: Deutschland hat Flüchtlingskrise lange verdrängt

Angela_Merkel1

Die Kanzlerin hat Fehler aus der Vergangenheit in der deutschen Flüchtlingspolitik eingeräumt.

evangelisch.de

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eingeräumt, dass Deutschland zu Beginn ihrer Kanzlerschaft nicht angemessen auf die weltweite Flüchtlingskrise reagiert hat. Schon 2004 und 2005 seien viele Flüchtlinge nach Europa gekommen, „und wir haben es Spanien und anderen an den Außengrenzen überlassen, damit umzugehen“, sagte Merkel der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochsausgabe): „Und ja, auch wir haben uns damals gegen eine proportionale Verteilung der Flüchtlinge gewehrt.“

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Weltwüstentag: „20 Prozent Spaniens sind als Wüste anzusehen“

Wüste im südostspanischen Murcia. Bild: R. Streck
Jährlich gehen weltweit 12 Millionen Hektar Ackerland verloren. Jaime Martínez Valderrama über das Fortschreiten der Wüste in Spanien
 

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Die Desertifikation, wie die Wüstenbildung auch genannt wird, schreitet weltweit voran. Sie wurde 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen (UN) über Umwelt und Entwicklung, die auch als Erdgipfel oder Rio-Konferenz bezeichnet wird, neben der Klimaveränderung und dem Verlust von Artenvielfalt als große Herausforderung für eine nachhaltige Entwicklung benannt. Klimaforscher stellen längst fest, dass die Häufigkeit und die Intensität von Dürren mit dem Klimawandel einhergehen, die wiederum die Wüstenbildung verschärfen. Diese führte andererseits auch wieder zu einem weiteren starken Verlust an Biodiversität, womit sich die Effekte gegenseitig verstärken.

Nach UN-Angaben leiden schon heute 1,5 Milliarden Menschen an Bodenverschlechterung und Wüstenbildung. Schon jetzt sei mehr als die Hälfte des verfügbaren Ackerlands weltweit von moderater oder starker Degradation betroffen. Dadurch gingen jährlich 12 Millionen Hektar Ackerland verloren. Das sind etwa 32 Fußballfelder pro Minute und es handelt sich etwa um die gesamte Ackerfläche Deutschlands. Und die Tendenz ist steigend. Auf dieser Fläche könnten nach Schätzungen der UN etwa 20 Millionen Tonnen an Getreide angebaut werden.

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Wo droht der nächste Zika-Ausbruch?

Die Stechmücke Aedes aegypti gilt als der Hauptüberträger des Zika-Virus © CDC
Europa ist nicht gefeit: Japanische Forscher haben ermittelt, in welche Länder das Zika-Virus als nächstes eingeschleppt werden könnte. Darunter sind neben Tropengebieten auch Länder in Europa, darunter Portugal, Spanien, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande. Ihr Risiko für eine Einschleppung noch vor Jahresende liegt bei immerhin 40 bis 70 Prozent, wie die Forscher im Fachmagazin „PeerJ“ berichten.

scinexx

Das Zika-Virus breitet sich weiter aus. Seit dem Ausbruch der Epidemie in Brasilien im Frühjahr 2015 wurden Fälle in 39 weiteren Ländern bekannt. Das Problem: Das Virus wird durch Stiche von Mücken der Gattung Aedes übertragen – und diese Insekten kommen in fast allen tropischen und subtropischen Regionen der Erde vor. Sogar in Deutschland gibt es inzwischen eine kleine Population der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus.

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„Der Islam gehört zur europäischen Kultur, die Muslime nicht“

Hārūn ar-Raschīd, Miniatur in Tausendundeine Nacht. Bild: wikimedia.org/PD

Ohne die Vermittlung muslimischer Gelehrter wäre das Wissen der Antike nicht nach Europa gekommen. Dort entwickelte es sich weiter – während in der islamischen Welt Stillstand eintrat.

Von Christoph Arens | DIE WELT

Der Islam gehöre nicht zu Europa, behaupten die AfD und andere fremdenfeindliche Populisten. Dagegen argumentiert Michael Borgolte, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Berliner Humboldt-Universität und Autor mehrerer Studien über die Beziehungen zwischen lateinischer Christenheit, Islam und Judentum: Die okzidentale Wissenskultur, so sein Credo, ist ohne den Beitrag muslimischer Gelehrter nicht denkbar.

Frage: Für die AfD gehört der Islam nicht zu Deutschland. Wie sehen Sie das als Historiker?

Michael Borgolte: Auch viele andere Politiker argumentieren ja, dass zwar die Muslime zu Deutschland gehören, aber nicht der Islam. Ich finde diesen Streit ziemlich unerquicklich und wenig hilfreich. Aber aus der Sicht des Mittelalterhistorikers muss ich die Prioritäten umkehren und klar formulieren: Nicht die Muslime gehören zu Deutschland, aber der Islam gehört zu den Fundamenten europäischer und deutscher Kultur.

Frage: Wie kommen Sie zu dieser Aussage?

Borgolte: Einerseits lebt eine größere Anzahl von Muslimen erst seit der Anwerbung türkischer Gastarbeiter ab 1961 in Deutschland. Zwar gab es auch schon am Hof Karls des Großen im 9. Jahrhundert oder im 18. Jahrhundert in Preußen eine Handvoll muslimischer Diplomaten oder Kriegsgefangener, aber sie haben sicherlich nicht das Land geprägt.

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