Für eine Mehrheit der EU-Bürger ist der Zerfall der EU in 10-20 Jahren wahrscheinlich

Bild: pxhere.com/CC0
Nach einer Umfrage hält es sogar ein Drittel für realistisch, dass ein Krieg zwischen EU-Staaten möglich ist

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Geht man nach einer Umfrage, die YouGov im Auftrag des European Council on Foreign Relations (ECFR) im März in 14 EU-Ländern hat durchführen lassen, ist die Stimmung nicht sonderlich gut. Eine Mehrheit der Menschen in Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Polen, Rumänien, der Slowakischen Republik, Spanien, Schweden und Ungarn glaubt, dass es die EU in den nächsten 10-20 Jahren sowieso nicht mehr geben wird. Die Briten wurden leider nicht gefragt.

Die Slowaken sind am pessimistischen – oder am optimistischen? Zweidrittel gehen davon aus, dass die EU in 10-20 Jahren „realistisch“ gesehen zerfallen wird. Aber auch 58 Prozent der Franzosen und 57 Prozent der Rumänier, Polen und Italiener sind dieser Meinung. In Deutschland und Österreich vermutet dies jeweils die Hälfte. Nur in Schweden, Dänemark und Spanien sieht keine Mehrheit die EU am Zerfallen, aber auch hier sind diejenigen eine Minderheit, die das für unrealistisch halten.

Gefragt wurde auch nach der Stimmung der Menschen gegenüber der Zukunft. Am häufigsten genannt wurden: gestresst, ängstlich und optimistisch. Der Stress überwog bei den Italienern, Griechen und Ungarn, die Angst war bei den Franzosen, Slowaken und Tschechen am größten, in den anderen Ländern war Optimismus am stärksten. Den Dänen und Schweden geht es am besten, sie fühlen sich glücklich bzw. sicher. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es ihnen finanziell am besten zu gehen scheint. Fast die Hälfte sagt, sie hätten am Monatsende noch Geld übrig, im Durchschnitt ist es ein Drittel wie in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden. In Polen, Frankreich und Rumänien sind es weniger als ein Viertel und noch weniger in Ungarn oder gar in Griechenland.

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Umfrage: Mehrheit der Katalanen gegen Unabhängigkeit der Region

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren sind in Katalonien mehr Bürger für einen Verbleib der Region in Spanien als dagegen.

Neue Zürcher Zeitung

Eine im Zuge der spanischen Parlamentswahl vom 28. April veröffentlichte Umfrage des katalanischen Meinungsforschungszentrums CEO ergab, dass 48,6 Prozent der Befragten derzeit Katalonien nicht als eigenen Staat sehen möchte, 47,2 Prozent sprachen sich hingegen für eine Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens aus. Das letzte Mal, dass die Abspaltungsgegner in der Mehrheit waren, sei im Juni 2017 gewesen, berichtete die Zeitung «La Vanguardia» am Freitag.

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Warum waren unsere Vorfahren Kannibalen?

Frühmenschen der Art Homo antecessor waren Kannibalen, wie Funde in Spanien belegen. Aber warum? © J. Rodríguez
Gruseliges Mahl: Vor knapp einer Million Jahren gehörte der Kannibalismus offenbar zum Alltag unserer Vorfahren, wie Knochenfunde in Spanien nahelegen. Demnach verzehrte der Homo antecessor dort mehrere seiner Mitmenschen. Den möglichen Beweggrund dafür haben nun Forscher ermittelt. Ihre Analysen belegen, dass nicht Nahrungsmangel die Ursache war, sondern Opportunismus: Die menschliche Speise war leichter zu bekommen als Jagdbeute.

scinexx

Kannibalismus gilt heute als großes Tabu, dennoch gibt es den Verzehr von Artgenossen sowohl im Tierreich als auch unter Menschen. So belegen Knochenfunde, dass der Neandertaler nicht vor Kannibalismus zurückschreckte. In Notlagen haben jedoch auch moderne Menschen schon häufiger ihresgleichen vertilgt, beispielsweise bei der fatalen Franklin-Expedition des Jahres 1845.

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Die Rechte gehört zur EU seit deren Gründung

Salvini und Orban. Bild: Szecsődi Balázs/Miniszterelnöki Sajtóiroda, Árvai Károly/kormany.hu/
Die Gegenüberstellung liberales gegen illiberales Europa ist propagandistisch und nützt den Parteien des Status quo – Ein Kommentar

Peter Nowak | TELEPOLIS

In den letzten Wochen brachten zwei Wahlen in den EU-Staaten Spanien und Finnland rechten Parteien Erfolge. In Spanien kam erstmals die neue Rechtspartei Vox in das Parlament. EU-Gremien wie auch viele Medien sprachen davon, dass seit dem Ende der Franco-Ära erstmals ultrarechte Parlamentarier in das spanische Parlament einziehen.

Doch die mediale Darstellung, dass mit Vox erstmals in der Nachfranco-Ära Ultrarechte im spanischen Parlament vertreten sind, ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass die Ultrarechten bisher nicht in einer eigenen Parteiformation, sondern innerhalb der Partido Popular (Volkspartei, PP) beheimatet waren. Die langjährige spanische Regierungspartei ist fester Bestandteil des Bündnisses Europäischer Volksparteien (EVP) im EU-Parlament gemeinsam mit der CDU/CSU. Bis vor kurzen gehörte der EVP auch die ungarische Regierungspartei Fidesz an.

Finnland

In den Medien wurde positiv vermerkt, dass die finnische Sozialdemokratie stärkste Partei wird. Allerdings gewann sie mit einem nur hauchdünnen Vorsprung vor der Rechtspartei Wahre Finnen, die sich bereits vor mehreren Jahren von den finnischen Konservativen abgespalten hat und schon Regierungspartei war.

Nachdem sich bei den Wahren Finnen der ultrareche Flügel durchgesetzt hatte, spaltete sich die Partei in die sogenannten moderaten Ultrarechten, die in der Regierung verblieben waren, und den nicht regierungsfähigen Ultra-Rechten, die jetzt fast stärkste Partei wurden.

Was bedeutet die Rede von den antieuropäischen Rechten?

Nun wird den verschiedenen Rechtsparteien oft von Sozialdemokraten und Liberalen aller Couleur vorgeworfen, sie seien antieuropäisch. Es ist selber eine propagandistische Parole, denn die Rechten sind nicht per se gegen Europa oder die EU, sie vertreten vielmehr andere Vorstellungen von der EU als beispielsweise Sozialdemokraten.

Die Rede von den „rechts- und linkspopulistischen Anti-Europäern“ ist einem EU-Nationalismus der Mitte verhaftet, der bestimmte politischen Kräfte nicht inhaltlich kritisiert, sondern mit dem Vorwurf, sie gehörten nicht zu Europa, aus der imaginierten Gemeinschaft ausschließt. Ein solcher Ein- und Ausschluss ist seit jeher ein Kennzeichen des Nationalismus.

So hat man bestimmten politischen Kräften vorgeworfen, nicht zu Deutschland oder einem anderen Nationalstaat zu gehören. Überwiegend sind Linke und liberale Intellektuelle vom Vorwurf der „vaterlandslosen Gesellen“ bzw. des Kosmopolitismus betroffen. Eine nichtnationalistische Kritik sollte daher niemandem vorwerfen, nicht zu Europa und zur EU zu gehören, sondern die Positionen inhaltlich kritisieren.

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Wahl in Spanien „Das rechte Projekt ist nur vorerst gescheitert“

Bild: tagesschau.
Die Rechtspopulisten haben in Spanien stark zugelegt, die frühere Regierungspartei PP massiv verloren. Warum das „rechte Projekt“ nur vorerst gescheitert ist, erklärt Experte Günther Maihold im Interview mit tagesschau.de.

tagesschau.de

tagesschau.de: Sind die Rechtspopulisten die heimlichen Gewinner dieser Parlamentswahlen?

Günther Maihold: Das wäre eine etwas gewaltsame Interpretation des Ergebnisses. Man muss doch feststellen, dass eine Mehrheit im Land sich für eine linke Regierung ausgesprochen und Pedro Sánchez einen klaren Regierungsauftrag erhalten hat. Für die Volkspartei PP, die quasi die Hälfte ihrer Sitze verloren hat, ist es eine klare Schlappe. Und die rechtspopulistische Vox blieb doch erheblich hinter den prognostizierten Prozenten zurück. Insofern ist das rechte Projekt zunächst mal gescheitert.

„PP war nicht mehr glaubwürdig“

tagesschau.de: Was hat die konservative Volkspartei PP selbst dazu beigetragen, dass insbesondere die rechtspopulistische Vox vergleichsweise stark wurde?

Maihold: Dazu muss man erstmal sagen, dass der Ursprung von Vox ja eigentlich in der PP liegt. Sehr viele führende Politiker der PP sind zu Vox abgewandert und damit hat sich gleichzeitig eine gewisse Abspaltung der Wählerschaft vollzogen. Vielen Wählern war die PP nicht mehr konservativ genug und sie suchten eine Option, die sehr viel deutlicher die Positionen der Einheit Spaniens und der Ablehnung von Migration zum Ausdruck bringt.

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Wann ist tot tot?

Grafik:TP
Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

Christoph Jehle | TELEPOLIS

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte.

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

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Affenfelsen: EU versucht Tricks im Brexit-Streit

„Schaumeffekt“ am Affenfelsen. Foto: Benjamín Núñez González/ CC BY-SA 4.0
Die EU nennt Gibraltar nun „Kolonie“ und deutet damit die Möglichkeit an, spanische Ansprüche zu unterstützen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Das Ergebnis der Abstimmung zur Visumsfreiheit für Briten nach dem Brexit war in der vergangenen Woche mit 502 Ja-Stimmen und 81 Nein-Stimmen (29 Enthaltungen) im Europaparlament sehr klar. Mit Blick auf einen harten Brexit wurde weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit nun das Visaregime geändert. In diesem Zusammenhang wurde den Briten zugleich aber massiv vor das Schienbein getreten.

In einer Fußnote wird nämlich Gibraltar, das Großbritannien als „Überseeterritorium“ bezeichnet, nun erstmals eine „Kolonie der Britischen Krone“ genannt und von „Kontroversen zwischen Spanien und dem Vereinigten Königreich über die Souveränität über Gibraltar“ gesprochen. Das hat in Großbritannien viele geärgert und wird von Spanien als diplomatischer Sieg gefeiert. In einigen britischen Medien wird von einer „Warnung“ gesprochen.

Doch auch auf einer anderen Ebene ist eine historische Entscheidung gefallen, denn faktisch wird Großbritannien nun schon nicht mehr als EU-Mitglied gesehen. Eigentlich bestand Einigkeit darin, dass Briten für Reisen in EU-Länder eine Visabefreiung für Aufenthalte von bis zu 90 Tagen gewährt wird, wenn auch die britische Regierung ihr Versprechen einhält, keine Visa für EU-Bürger zu verlangen. Einige britische Abgeordnete stimmten aber mit Nein, weil sie mit dem Begriff „Kolonie“ in der Fußnote nicht einverstanden waren.

„Die Sicherung visafreier Reisen im Falle eines Brexits ohne Abkommen ist von entscheidender Bedeutung“, sagte zum Beispiel der konservative Abgeordnete Dalton. Er konnte wegen der neuen Terminologie zu Gibraltar aber nicht „mit gutem Gewissen“ dem Gesetz zustimmen, da die Bevölkerung in Gibraltar mit großer Mehrheit im Königreich bleiben will. Ganz ähnlich ging es dem Labour-Abgeordneten Claude Moraes, der deshalb ebenfalls mit Nein gestimmt hat.

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Spanischer Kardinal warnt vor Gender-Ideologie

Kardinales Themenbild.
Die spanische Regierung wolle die Gender-Ideologie auf diktatorische Weise dem Bildungswesen des Landes aufzwingen, sagte Kardinal Cañizares.

kath.net

Kardinal Antonio Cañizares Llovera hat die Gender-Ideologie als „die gröte Bedrohung für die Menschheit“ bezeichnet.

Cañizares wandte sich bei einer Protestveranstaltung für die Freiheit des Schulwesens gegen die von der Provinz Valencia erlassenen Gesetze zum „Schutz für LGBTQ-Personen“. Er bezeichnete die se als Anschlag auf die Freiheit. Die Gesetze würden die Gender-Ideologie auf diktatorische Weise allen Bereichen der Bildung aufzwingen. Das reiche bis in die Familien hinein, sagte der Erzbischof von Valencia.

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CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird auch 2019 weiter ansteigen

Voraussage des Anstiegs der CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2019. Bild: Metoffice.gov.uk
2018 haben die CO2-Emissionen weiter zugenommen, die britische Wetterbehörde erwartet auch in diesem Jahr eine beunruhigende Rekordzunahme der CO2-Konzentration

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Das Umweltbundesamt berichtete vergangene Woche, dass die Treibhausgasemissionen 2017 in Deutschland leicht gesunken seien. Mit 906,6 Millionen Tonnen seien es 4,4 Millionen oder 0,5 Prozent weniger als 2016 und 27,5 Prozent weniger als 1990. Eigentlich müssten bis 2030 die Emissionen um 55 Prozent weniger geworden sein. Angestiegen sind aber die verkehrsbedingten Emissionen, sie liegen 2 Prozent über dem Wert von 1990. Schuld seien mehr Fahrzeuge, mehr Güter auf der Straße und immer größere und schwerere Autos. EU-weit sind nach Schätzungen der EU-Umweltbehörde die Emissionen allerdings um 0,6 Prozent angestiegen, vor allem in Spanien, Polen und Frankreich, während den größten Rückgang Dänemark, Finnland und Großbritannien verzeichneten.

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Iranische MEK hat auch Gründung der Ultrarechten spanischen VOX-Partei finanziert

Emblem der Volksmudschahedin. Bild: CC BY-SA-4.0
Nicht nur der Wahlkampf der Ultras 2014 wurde von der iranischen Exilorganisation finanziert, sondern schon die Parteigründung wurde 2013 mit einer Million Euro bedacht

Ralf Streck | TELEPOLIS

Die letzte Zeit hat sich Telepolis mehrfach mit dem Aufstieg der neuen rechtsradikalen spanischen Partei VOX beschäftigen müssen. Die ist nun erstmals in Andalusien in ein Parlament eingezogen, dient der Rechtsregierung als Mehrheitsbeschaffer und konnte deshalb viele ihrer Vorstellungen ins Programm einbringen. Das führte zu erheblichen Protesten, da die rechte Volkspartei (PP) und die Ciudadanos (Cs) damit eine offen rechtsradikale Partei hoffähig gemacht haben (Feministinnen mobilisieren gegen andalussische Rechtsregierung).

Die Cs und PP will der Journalist und Kenner der rechtsextremen Szene Jordi Borràs im Telepolis-Gespräch zwar nicht als ultrarechte Parteien bezeichnen. Aber sie haben mit VOX kein Problem. Beide Parteien führen selbst auch rechtsradikale „Diskurse“ und in diesen Parteien haben rechtsradikale Positionen und Kader fortgelebt. VOX-Chef Santiago Abascal war selbst PP-Mitglied und Amtsträger der Partei.

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Andalusien rückt ganz weit nach rechts

VOX-Parteichef Santiago Abascal. Bild: Contando Estrelas/CC BY-SA-2.0
Die beiden rechten spanischen Parteien PP und Cs schnüren Bündnisse mit der rechtsextremen Partei VOX, um die bevölkerungsreichste Region zu regieren

Ralf Streck | TELEPOLIS

Wie Telepolis vor den Regionalwahlen in Andalusien erklärt hatte, sind die Wahlen stets eine Vorhersage für Entwicklungen in ganz Zentralspanien. Angesichts der Ergebnisse, dass die drei rechten bis rechtsextremen Parteien fast eine absolute Stimmenmehrheit erreichten, mit 59 Sitzen über eine klare absolute Sitzmehrheit verfügen, bahnte sich nichts Gutes an. Wie erwartet haben sich die Volkspartei (PP) und ihre beiden Abspaltungen Ciudadanos (Bürger/Cs) und VOX darauf geeinigt, dass der andalusische PP-Chef Juanma Moreno neuer Regierungschef wird. Damit werden erstmals seit dem Ende der Franco-Diktatur die Sozialdemokraten (PSOE) von der Regierung verdrängt. Mit Moreno wird ein Verlierer auf den Präsidentensessel gehoben, denn seine PP büßte Stimmen und sieben Sitze ein, wurde aber hinter der PSOE zweitstärkste Kraft.

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Hilfsorganisationen retten 344 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

Themenbild. dpa
Auf dem Mittelmeer sind nach Angaben der privaten Seenotretter der Hilfsorganisation Sea-Watch seit Freitag 344 Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet worden. So habe die „Sea-Watch 3“ am Samstag 33 Schiffbrüchige aufgenommen, wie die Seenotretter am Sonntag mitteilten. Von der Bundesregierung forderte Sea-Watch für die Geretteten eine Lösung noch vor Weihnachten.

evangelisch.de

Am Freitag seien 311 Schiffbrüchige von der spanischen „Open Arms“ gerettet worden. Während die „Open Arms“ unterwegs nach Spanien sei, werde der „Sea-Watch 3“ nach wie vor ein sicherer Hafen verweigert, erklärte die Hilfsorganisation weiter. Den Geretteten drohe nun, Heiligabend auf dem Mittelmeer verbringen zu müssen, da bislang kein europäischer Staat bereit sei, die Menschen aufzunehmen.

„Wer sich auf christliche Werte beruft, ist jetzt in der Pflicht“, betonten die Seenotretter. Aus ihrer Sicht sei eine Lösung für die Schiffbrüchigen „problemlos möglich“. Die privaten Seenotretter verwiesen darauf, dass in den vergangenen Monaten allein in Deutschland mehr als 30 Städte und mehrere Bundesländer ihre Bereitschaft erklärt hätten, aus Seenot gerettete Flüchtlinge aufzunehmen.

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Spanien: Operation Kitchen

María Dolores de Cospedal und Mariano Rajoy, Foto vom Heiligabend 2017 (Bild: Ministry of the Presidency. Government of Spain )
Die Regierung soll einen „Auftragsverbrecher“ angeheuert haben, um belastende Korruptionsdokumente gegen Führungsmitglieder zu beseitigen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Die spanische Volkspartei PP wurde dafür verurteilt, ein „effizientes System institutioneller Korruption“ betrieben zu haben. Wegen der Vorwürfe, wonach sich die Partei über Jahrzehnte illegal über Schmiergelder finanziert hat, wie der ehemalige Schatzmeister auch einräumte, wurde mit Mariano Rajoy auch erstmals ein Regierungschef per Misstrauensantrag gestürzt.

Viele Vorgänge aus dem Sumpf waren aber erst zu erahnen, aber inzwischen taucht man in Madrid immer tiefer „in die Kloaken“ (vgl. FAZ) ab. Zunächst stürzte die rechte Hand von Rajoy über belastende Aufnahmen eines ehemaligen Polizeiführers José Manuel Villarejo, der im Knast sitzt. Die ehemalige PP-Generalsekretärin musste aus der Parteiführung abtreten. Damit brach eine Stütze des neuen Parteichefs und Hardliners Pablo Casado weg, der nur mit Hilfe von María Dolores de Cospedal neuer Parteichef wurde.

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„Verrückte“ Strafanträge „ohne juristische Basis“ gegen Katalanen

Tribunal Supremo in Madrid. Bild: FDV/CC BY-SA-3.0
Das Ministerium für Staatsanwaltschaft fordert bis zu 25 Jahre wegen der von Spanien erfundenen katalanischen Rebellion

Ralf Streck | TELEPOLIS

Man kann es lauter als der spanische Verfassungsrechtler Joaquín Urias sagen, aber kaum deutlicher. „Die Staatsanwaltschaft am Obersten Gerichtshof schüttet Benzin ins Feuer.“ Es sehe so aus, als ob das Ministerium für Staatsanwaltschaft den Konflikt mit Katalonien anheizen wolle, twittert der Professor an der andalusischen Universität in Sevilla. „25 Jahre für Junqueras, 17 für Jordis und Forcadell für den Prozess in Katalonien zu fordern, ist absolut überzogen. Es ist eine Verrücktheit ohne plausible juristische Basis, stattdessen wird Hass freigesetzt.“

Kurz zuvor hatte das Ministerium vor der Presse seine Strafanträge gegen Mitglieder der früheren katalanischen Regierung, die Aktivisten Jordi Cuixart und Jordi Sánchez und die Parlamentspräsidentin Carme Forcadell vorgestellt. Besonderer Hass schlägt dem ehemaligen Vize-Regierungschef Oriol Junqueras entgegen. Da die von Spanien erfundene „Rebellion“ weder die deutsche noch die belgische Justiz abkauft, kommt man nicht an den angeblichen Chef der „Rebellion“ und andere „Rebellen“ heran. Carles Puigdemont befindet sich im belgischen Exil und startet von dort aus in Freiheit weiter seine politische Initiativen.

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Sexueller Missbrauch soll in Spanien nicht mehr verjähren

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Sexueller Missbrauch soll in Spanien künftig nicht mehr verjähren. Eine entsprechende Reform des Sexualstrafrechts gab Vizeregierungschefin Carmen Calvo nach einem Besuch im Vatikan bekannt, wie die Tageszeitung „El País“ am Dienstag berichtete. Die Politikerin habe die Änderung am Vortag in Rom mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin abgesprochen.

evangelisch.de

Derzeit besteht in Spanien für Sexualdelikte je nach Schwere der Tat eine Verjährungsfrist von fünf bis 15 Jahren. Bei minderjährigen Opfern beginnt die Frist, sobald diese das 18. Lebensalter erreichen. Der Nichtregierungsorganisation Save the Children zufolge sprechen viele Opfer jedoch erst nach Ablauf der Verjährungsfrist über ihre Erfahrungen.

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Nach dem Brexit der Brain Drain?

Bild: tagesschau.de
Viele Forscher aus der EU wissen nicht, was nach dem Brexit aus ihren Stellen an britischen Hochschulen wird. Während sie um ihre Karriere bangen, fürchten Professoren um den Wissenschaftsstandort Großbritannien.

Von Anne Demmer | tagesschau.de

Jasmin Zohren hat ihre wissenschaftliche Karriere sogfältig geplant. An der Queen Mary Universität hat sie promoviert. Vor zwei Jahren bewarb sich die Biomathematikerin dann für einen Postdoc am Francis Crick Institute in London, dem größten biomedizinischen Forschungsinstitut in Europa. Doch dann kam das Referendum dazwischen. Rund 52 Prozent der Briten stimmten für den Brexit.

„Das Referendum war an dem Tag, als ich den Job hier bekommen habe, und das hat mich schon sehr beeinflusst. Ich habe schon stark gezweifelt, ob ich den Job annehmen möchte, ob ich hierbleiben will oder nicht“, sagt sie.

Kollegen hätten ihr geraten, die Stelle anzutreten, weil das sehr gut für ihre Karriere sei. Sie hat den Job angenommen und ist trotz unsicherer Zukunft geblieben – vorerst.

40 Prozent der rund 1000 Institutsmitarbeiter kommen aus EU-Ländern wie Spanien, Frankreich und den Niederlanden. Wie es für sie weitergeht, kann ihnen derzeit niemand sagen.

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Der Faschismus der anderen

Madeleine Albright mit NATO-Offizieren. Bild: BasilioC / gemeinfrei
Über Madeleine Albright, den freien Westen und die Feinde der Demokratie

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Madeleine Albright, die 81-jährige Ex-US-Außenministerin, ist beunruhigt über den Zustand der Welt. In ihrem neuen Buch Faschismus – eine Warnung sorgt sie sich um die Demokratie und malt ein dunkles Bild der „neuen Autokraten“ von Trump bis Putin. Sie setzt deren Aufstieg in Verbindung zur Entstehung des Faschismus in den 1920er und 1930er Jahren.

Albrights Buch ist ein Medienereignis, ein internationaler Bestseller, in den USA landete es auf Platz 1 der New-York-Times-Liste, die deutsche Übersetzung schaffte es im August auf Platz 4 der Spiegel-Bestsellerliste. Übersetzungen ins Spanische und Holländische sind ebenfalls bereits erschienen. Albright ist populär, auch in den Medien, sie gilt vielen als modern, liberal, ist bekannt für ihre uneitle Art und ihren Humor. Doch wie schlüssig ist ihre These? Und wie definiert die Autorin eigentlich den Begriff Faschismus?

Für mich ist ein Faschist jemand, der sich stark mit einer gesamten Nation oder Gruppe identifiziert und den Anspruch erhebt, in deren Namen zu sprechen, jemand, den die Rechte anderer nicht kümmern und der gewillt ist, zur Erreichung seiner Ziele jedes Mittel zu ergreifen, einschließlich Gewalt.

Madeleine Albright

So schreibt es Albright gleich im ersten Kapitel – und da fangen die Probleme auch schon an. Denn nach dieser Definition könnte sie auch Barack Obama zum Faschisten erklären. Unbestreitbar griff er zur Erreichung politischer Ziele zu extremer Gewalt, warf Bomben auf zahlreiche Länder und beanspruchte dabei immer wieder, im Namen einer überlegenen Nation zu sprechen. So betonte er 2014, während seiner zweiten Amtszeit, in einer Rede vor Soldaten:1

Ich glaube an die amerikanische Außergewöhnlichkeit mit jeder Faser meines Wesens.

Barack Obama

Albrights Faschismusdefinition trägt nicht besonders weit, was darin gründet, dass die Politikerin noch ein weiteres Kriterium benutzt, welches sie in ihrem Buch aber nicht offen ausspricht. Auf dem Weg zum Faschismus befinden sich für sie nicht bloß Staatsführer, die autoritär, nationalistisch und gewalttätig handeln, und die sich dabei auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung stützen.

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Gerechtigkeit für die gestohlenen Kinder

Bild: tagesschau.de
Über Jahrzehnte hinweg wurden in spanischen Krankenhäusern Frauen ihre Babys geraubt – von einer mafiösen Bande aus Anwälten, Ärzten und Geistlichen. Jetzt wird ein erstes Urteil erwartet.

Von Oliver Neuroth | tagesschau.de

Tumulte vor einem Gericht in Madrid: 20, 30 Frauen stehen auf der Straße, wütend brüllt eine: „Gebt endlich zu, dass ihr uns unsere Kinder gestohlen habt!“. Es ist der erste Verhandlungstag im Prozess um geraubte Babys im Sommer. Die Frauen sind Opfer des Skandals: Mütter, denen ihre Kinder nach der Geburt abgenommen wurden ‑ und die geraubten Kinder selbst, heute Erwachsene, die inzwischen wissen, dass sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufgewachsen sind.

„Dr. Vela und seine Krankenschwestern, die behaupten, sie wüssten von nichts, sind Kriminelle!“, ruft eine andere Frau, als der Hauptangeklagte das Gerichtsgebäude verlässt. Frauenarzt Dr. Eduardo Vela soll in einer Klinik in Madrid für den Babyhandel verantwortlich gewesen sein, in mehreren tausenden Fällen. Im Gerichtssaal behauptet der heute 85-Jährige, von alledem nicht zu wissen.

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Flüchtlingszahlen: Spanien fordert europäische Lösung

Bild: tagesschau.de
Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg von Afrika nach Spanien. Die Regierung bemüht sich, sie zu versorgen. Sie macht aber auch klar, dass eine europäische Lösung her muss.

Von Oliver Neuroth | tagesschau.de

Ein Schlauchboot mit gut 30 afrikanischen Migranten an Bord kommt an einem Strand an. Innerhalb weniger Sekunden springen die Menschen an Land und verschwinden in den Dünen. Urlauber schauen sich das Ganze verdutzt an.

Das sind Szenen, die sich seit einigen Tagen immer wieder an der südspanischen Küste abspielen. Im Schnitt erreichen 700 Migranten täglich das Land. In den meisten Fällen stoppt die spanische Seenotrettung die Boote einige Kilometer vor der Küste und nimmt die Flüchtlinge an Bord ihrer Schiffe.

In den andalusischen Häfen kümmern sich Helfer des Roten Kreuzes und der örtlichen Behörden um die Menschen. Von der spanischen Zentralregierung heißt es: Man habe die Situation absolut unter Kontrolle, investiere bis Ende des Jahren 30 Millionen Euro in die Soforthilfe.

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Von Marokko nach Spanien: Polizei rechnet mit 50.000 Migranten, die übersetzen wollen

Zuwanderer, die gerade die Grenze von Marokko nach Spanien überquert haben Quelle: REUTERS
Spanien ist für Migranten zu einem Hauptziel geworden. Derzeit sollen laut einem Medienbericht in Marokko Zehntausende Schwarzafrikaner warten, die versuchen, über das Meer in das Land und damit nach Europa zu kommen.

DIE WELT

Spanien steht offenbar eine neue Migrantenwelle bevor. Die spanische Polizei geht davon aus, dass sich derzeit 50.000 Schwarzafrikaner in Marokko aufhalten, die demnächst die spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla erreichen oder mit Booten die Meerenge von Gibraltar durchkreuzen wollen, um nach Spanien – und damit nach Europa – zu kommen.

Das berichtet die spanische Tageszeitung „El Mundo“ mit Verweis auf Polizeiquellen. Zugleich wurde am Freitagmittag bekannt, dass die spanische Küstenwache in der Meerenge von Gibraltar 627 Menschen in Flüchtlingsbooten registriert hat.

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