Vom Ende der Existenz

Franz Josef Wetz
Tot ohne Gott
Verlag: Alibri, Aschaffenburg 2019
ISBN: 9783865692498 | Preis: 20,00 €

Wie können nichtgläubige Menschen mit dem Sterben umgehen? Eine philosophische Reflexion.

Von Arne Baudach | Spektrum.de

»Wir werden alle sterben« ist nicht nur ein beliebter Videocast zweier Spektrum-Mitarbeiter, sondern auch ein unentrinnbares Faktum, mit dem wir uns früher oder später auseinandersetzen sollten. Der Philosoph Franz Josef Wetz bietet in diesem Buch reichlich Gelegenheit dazu. Dabei wendet er sich vor allem an jene, die Göttern oder anderen übernatürlichen Instanzen nichts abgewinnen können. Wetz, der naturalistische Positionen vertritt, lässt neben seinen eigenen Reflexionen viele Denker zu Wort kommen, die sich dem Thema über die Jahrhunderte hinweg gewidmet haben.

Dankenswerterweise verzichtet der Autor auf philosophischen Fachjargon und lockert den düsteren Stoff immer wieder mit Sequenzen aus den zitierten Originaltexten auf. Er möchte sein Buch als »Aufklärungs- und Trostschrift mit hoher lebenspraktischer Relevanz« verstanden wissen. Menschen, die ein empirisch-naturwissenschaftliches Weltbild bevorzugen und dieses konsequent zu Ende denken möchten, lässt sich der Band empfehlen. Ihn zu lesen, kostet allerdings Zeit und Kraft. Innerlich für das Thema Sterben »bereit zu sein«, ist dennoch keine Voraussetzung für eine gewinnbringende Lektüre. Bestenfalls stößt das Lesen eine konstruktive Auseinandersetzung damit an.

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Palliativmediziner: Frömmigkeit macht Sterben nicht leichter

Wenn es um die letzten Tage und Stunden eines Menschen auf Erden geht, unterscheiden sich fromme und weniger gläubige Menschen nicht unbedingt voneinander. Das hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zumindest beobachtet.

evangelisch.de

Fromme Menschen tun sich nach Erfahrungen des Palliativmediziners Lukas Radbruch nicht leichter mit dem Sterben als weniger gläubige Patienten. „Wir erleben es, dass Menschen mit tiefer Religiosität genauso mit dem Schicksal hadern wie andere – oder vielleicht sogar mehr“, sagte der Leiter der Klinik für Palliativmedizin an der Uniklinik Bonn der Bonner Kirchenzeitung „PROtestant“ (Osterausgabe). Die zentrale Frage sei, ob jemand im Frieden mit sich selbst sei. „Wenn der Glaube dazu führt, dass man im Frieden mit sich selbst lebt und weiß, dass alles irgendwie einen Sinn hat, dann kann er eine wertvolle Ressource sein.“

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Die Wirklichkeit des Sterbens in unserer Gesellschaft

Wer seine letzten Lebenstage in einem Hospiz verbringt, wird dort häufig von Ehrenamtlichen betreut. Dabei sammeln die Sterbebegleiterinnen und -begleiter bedeutsame Lebenserfahrungen und Wissen über die Wirklichkeit des Sterbens und Trauerns.

Caroline Link Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

Dieses Wissen hat in der Forschung zum Ehrenamt bislang kaum Aufmerksamkeit erfahren. In einer internationalen Studie unter Beteiligung von Prof. Reimer Gronemeyer und Dr. Michaela Fink vom Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) kamen ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen und -begleiter zu Wort. Sie erzählen drastische, dramatische und erfahrungsreiche Geschichten, die wichtige – und bisher wenig beachtete – Rückschlüsse über den Tod und das Sterben in unserer Gesellschaft erlauben.

Die Verbundforschung zum Thema „Ehrenamtlichkeit und bürgerschaftliches Engagement in der Hospizarbeit – Merkmale, Entwicklungen und Zukunftsperspektiven“ wurde vom Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband initiiert und mit 180.000 Euro gefördert. Die ersten Ergebnisse der Studie sind nun in einem Buch mit dem Titel „Die Kunst der Begleitung. Was die Gesellschaft von der ehrenamtlichen Hospizarbeit wissen sollte“ veröffentlicht worden.

Das Bild von einem friedlichen Sterben sei der rote Faden, der sich durch die Erzählungen der Hospizbegleiterinnen und -begleiter zieht, so die Forscherinnen und Forscher. Je mehr religiöse Hoffnungen bei Begleiteten und Begleitenden schwinden, desto deutlicher würde das „friedliche Sterben“ zum wichtigsten Ziel. Viele Ehrenamtliche verfügten über eine bemerkenswerte situative Geistesgegenwart, die aus der Beziehung zwischen Begleitenden und Betroffenen erwachse. „Es ist bemerkenswert, dass die Wiederkehr wärmender Zuwendung und gelebter Empathie so deutlich möglich wird“, sagt Prof. Gronemeyer. „In der Konfrontation mit der letzten Lebenskrise kann jenes Einfühlungsvermögen aufblühen, dessen Fehlen im Zentrum der Gesellschaft beklagt wird. Ehrenamtliche sind die Wächterinnen und Wächter der Einfühlsamkeit am Rande des Lebens. Sie machen das Lebensende zu einer menschlichen Erfahrung von Angesicht zu Angesicht.“

Die größte Stärke vieler Ehrenamtlicher bestünde in ihrer Offenheit für das, was offen ist: Die Beziehung zu den Angehörigen, die Frage nach Hoffnung, die Frage, ob etwas über den Tod hinausweist, das Gespräch über Ängste, Wünsche, Sehnsüchte. „Damit sind sie in gewisser Weise die Zuständigen für das Unbestimmte und Unvorhersehbare“, so Prof. Gronemeyer. „Oft können sie nur zurückgreifen auf Intuition, auf Ungeübtes, auf das Jetzt.“

Der medizinische Kontext kommt in den Erfahrungsberichten der Ehrenamtlichen kaum vor. „Ehrenamtliche sind zuständig für das, was im medizinischen oder pflegerischen Handeln eher nicht zur Sprache kommt: Der Seelenschmerz, die Hoffnung oder die Hoffnungslosigkeit, Vergebung und Versöhnung oder auch die Angst um die Menschen, die man zurücklässt“, sagt Dr. Michaela Fink. „Damit sind sie mehr denn je unverzichtbar in der Versorgung am Lebensende.“ Bisweilen würden in der Begleitung die Grenzen immanenter Erfahrung gesprengt. Diese „transzendierenden Erfahrungen“ würden in den Berichten der Ehrenamtlichen großenteils weltanschaulich neutral beschrieben, unabhängig von einer bestimmten Konfession oder Religion.

Die Forscherinnen und Forscher betonen auch die gesellschaftliche Bedeutung der ehrenamtlichen Hospizbegleitung. Das überwiegend von älteren Frauen getragene Engagement leiste einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Aktuell sind ca. 100.000 Menschen, die meisten davon ehrenamtlich, unter dem Dach des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands e.V. in der Hospizarbeit und der Palliativversorgung tätig. Die meisten der Befragten haben ihr Engagement als überaus sinnstiftend und bereichernd beschrieben.

Die Teilstudie an der JLU wurde in Kooperation mit der Universität Graz (Prof. Dr. Andreas Heller) und der Universität Klagenfurt in Wien (Dr. Patrick Schuchter) durchgeführt. Sie ist Teil eines größeren Verbundprojekts, an der auch das Institut für Soziologie der Universität Augsburg (Prof. Dr. Werner Schneider) und das Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung an der EFH Freiburg (Prof. Dr. Thomas Klie) beteiligt sind.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Reimer Gronemeyer
Dr. Michaela Fink
Institut für Soziologie
Karl-Glöckner-Str. 21 E, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-23204

Glaubenssache – Existenz nach dem Tod

Eigentlich logisch: Zumindest im Christentum können gläubige Menschen auf eine Existenz nach dem Tode hoffen. Das sollte ihnen die Angst vor dem Sterben nehmen. Doch so einfach ist das nicht, wie Studien zeigen. Und warum eigentlich sind auch Atheisten relativ furchtlos?

Von Christian Weber | Süddeutsche.de

Warum haben Hunde und Kaninchen eigentlich keine Religion? Okay, vielleicht, weil sie kognitiv etwas herausgefordert wären, sich einen unfehlbaren Papst und einen Gott auszudenken. Doch es gibt einen weiteren Grund: Ihnen fehlt das Bewusstsein ihrer eigenen Sterblichkeit, sie bellen und springen herum bis sie irgendwann einfach tot umfallen. Anders aber der Mensch: Er weiß, dass er eines Tages sterben wird, und das macht ihm Angst. Um diese Angst zu dämpfen, erfindet er sich eine Religion und glaubt an das ewige Leben, am besten in einem Paradies. So zumindest vermutet es die sogenannte Terror-Management-Theorie (TMT), die Sozialpsychologen in den 80er Jahren entwickelt haben, aber in Ansätzen bereits von Denkern wie Lucretius Carus bis Ludwig Feuerbach vertreten wurde. Es ist eine elegante Theorie, die nur einen Nachteil hat: Sie ist empirisch nie so richtig sauber belegt worden. Zwar gibt es viele Studien, doch zeigen sie sehr widersprüchliche Ergebnisse.

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Schwerkranke können Anspruch auf tödliche Dosis Betäubungsmittel für Suizid haben

todesspritze

In Extremfällen sollen Menschen bestimmen dürfen, wie und wann sie sterben wollen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden.

Süddeutsche.de

In Extremfällen können sterbewillige Patienten in Deutschland eine tödliche Dosis Betäubungsmittel zum Suizid erhalten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden (Aktenzeichen: BVerwG 3 C 19.15).

Schwerkranke Patienten hätten gemäß dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen in Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes das Recht zu entscheiden, wann und wie sie sterben möchten – vorausgesetzt, sie können ihren Willen frei bilden und danach handeln, hieß es zur Begründung in einer Pressemitteilung.

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Zahl toter Flüchtlinge im Mittelmeer verdreifacht

Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Immer mehr Flüchtlinge sterben im zentralen Mittelmeer. Seit Anfang Januar sind 326 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben gekommen. Im Jahr zuvor wurden im selben Vergleichszeitraum 97 Tote gezählt.

MiGAZIN

Immer mehr Flüchtlinge sterben laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der gefährlichen Überfahrt von Libyen nach Italien. Von Anfang Januar bis Mittwoch vergangener Woche seien 326 Menschen auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute ertrunken oder an Bord der Schleuserboote ums Leben gekommen, teilte die IOM am Freitag in Genf mit. Rund 10.700 Menschen hätten Italien lebend erreicht.

Im selben Zeitraum des Vorjahres seien 97 Flüchtlinge und Migranten auf der zentralen Mittelmeerroute gestorben, hieß es. Rund 8.100 Menschen, die in Libyen an Bord gegangen seien, hätten seinerzeit die Küsten Italiens erreicht.

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Mehr als 4.600 Flüchtlinge 2016 im Mittelmeer ums Leben gekommen

Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Das Sterben im Mittelmeer hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Bis Mitte November sind mehr Menschen ums Leben gekommen als im gesamten Vorjahr. Die Küsten Europas erreichten 344.000 Menschen.

MiGAZIN

Im Mittelmeer sind in diesem Jahr nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration bislang mindestens 4.620 Flüchtlinge und Migranten ums Leben gekommen. Damit hätten bis Mitte November 2016 wesentlich mehr Menschen auf dem Seeweg nach Europa ihr Leben verloren als im gesamten Jahr 2015, teilte die Organisation am Freitag in Genf mit.

Im vergangenen Jahr seien knapp 3.800 Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer ums Leben gekommen. Die IOM nannte verschiedene Ursachen für die hohe Todeszahl in diesem Jahr: So sei die in diesem Jahr sehr oft genommene Route von Nordafrika nach Italien sehr riskant. Schlepper benutzten immer schlechtere Boote, pferchten zu viele Menschen in die Boote und starteten die Überfahrt auch bei sehr widrigem Wetter.

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Gesundheitswissenschaftlerin: „Tot ist tot, fertig“

foto: kathrin doepner Was sich Sterbende wünschen: Keine Schmerzen zu haben, nicht alleine zu sein und über die letzten Dinge sprechen zu können, sagt Annelie Keil.
foto: kathrin doepner Was sich Sterbende wünschen: Keine Schmerzen zu haben, nicht alleine zu sein und über die letzten Dinge sprechen zu können, sagt Annelie Keil.

Für Annelie Keil gibt es kein gelingendes Sterben. Möglich ist: den Abschied leben zu lernen und sich mit dem Sterben vertraut zu machen

Von Günther Brandstetter | derStandard.at

STANDARD: Die Ratgeberliteratur hat neben dem gelingenden Leben nun auch das gelingende Sterben entdeckt. Was halten Sie davon?

Annelie Keil: Ich glaube nicht, dass es so etwas wie gelingendes Sterben gibt. Diese Ratgeberliteratur ist zum Teil furchtbar. Das wirkt so, als ob die Autorinnen und Autoren schon einmal gestorben wären, dann zurückkommen und ein paar gute Tipps parat hätten. Sicher ist aber: wenn das Leben nicht mit Sinn erfüllt ist, wird es auch schwieriger den Lebenswillen aufrecht zu erhalten.

STANDARD: Der Theologe Hannes Küng hat im Jahr 2014 allerdings die Möglichkeit des glücklichen Sterbens betont.

Keil: Das ist sicher möglich. Aber nicht im Sinne von „erfolgreich“ oder eines Patentrezeptes. Je mehr ich in mir zu Hause bin, mit all meinen Schwächen, Fehlern und Ängsten, desto leichter wird es wohl, auch den letzten Abschied zu meistern.

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Studie: Mehr Menschen wollen zu Hause sterben

Stiftung fördert Studie über Unsterblichkeit der Seele mit 5 Millionen Dollar

Jeder zweite ältere Mensch in Deutschland stirbt in einer Klinik. Wenn eine entsprechende Versorgung sichergestellt ist, würden einer Studie zufolge mehr Menschen ihre letzte Lebensphase in den eigenen vier Wänden verbringen.

evangelisch.de

Für ein würdevolles Sterben zu Hause müsste jedoch die ambulante palliative Versorgung weiter ausgebaut werden, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh. Nur sechs Prozent der Deutschen wollen ihre letzten Tage im Krankenhaus verbringen. Derzeit stirbt laut Studie fast jeder zweite ältere Mensch in Deutschland in einer Klinik.

Bei einem entsprechenden medizinischen und pflegerischen Angebot vor Ort bleiben der Untersuchung zufolge mehr Menschen bis zuletzt in ihrem häuslichen Umfeld. In Baden-Württemberg, wo ambulante Versorgungsangebote gut ausgebaut seien, würden nur rund 41 Prozent der älteren Menschen im Krankenhaus sterben. Bei einem vergleichbaren Angebot in anderen Bundesländern müssten jährlich rund 37.000 Menschen weniger im Krankenhaus sterben, erklärte die Bertelsmann Stiftung. Für die aktuelle Veröffentlichung „Faktencheck Gesundheit“ wurden mehrere Studien über das Krankenhaus als Sterbeort und Strukturen der Palliativversorgung ausgewertet.

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Jedes zweite Kirchenmitglied denkt über Austritt nach

Bild: tilly
Bild: tilly

Mehr als die Hälfte aller Mitglieder der beiden großen Kirchen (51 Prozent) überlegt bisweilen auszutreten. Die Gründe, warum die meisten den Schritt nicht vollziehen, sind vielfältig.

kath.net

Das geht aus dem am 10. August erschienenen Buch „Wie wir Deutschen ticken“ hervor. Es ist ein Projekt des Meinungsforschungsinstitutes YouGov (Köln). Die Ergebnisse beruhen auf rund 80 Onlinebefragungen von jeweils rund 1.000 Menschen. Von den Kirchenmitgliedern, die über einen Austritt nachdenken, bleiben 46 Prozent „aus Bequemlichkeit“ in der Kirche. 14 Prozent entscheiden sich aus „Angst vor einem so radikalen Schritt“ gegen den Austritt, und vier Prozent geben an, dass sie ihren Glauben wiedergefunden haben. Ein Prozent der Befragten sagt, dass ein Geistlicher sie von dieser Entscheidung abgebracht hat. Die übrigen 36 Prozent machen keine genaueren Angaben oder nennen sonstige Gründe. Der Herausgeber und Diplompsychologe Holger Geißler kommt zu dem Schluss, dass es eine große Distanz zu den Kirchen als Institution gibt. So findet es nur jeder sechste Befragte richtig, dass der Staat die Kirchensteuer einzieht.

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Wie wollen wir sterben?

Der Vizepräsident des Bundestages, Peter Hintze (CDU), sowie die Abgeordneten Dagmar Wöhrl (CSU), Carola Reimann (SPD), und Katherina Reiche (CDU) während der Sterbehilfedebatte im Bundestag
Wer darf helfen, wenn das Sterben nicht zur Qual werden soll? Ein Regelwerk dazu fehlt derzeit in Deutschland – noch. Die Politik diskutiert nun ein Gesetz, das die letzten Dinge klären soll

Von Wulf Schmiese|Cicero

Bei der Sterbehilfe sagt es sich nicht leicht: Sein Wille geschehe. Wessen Wille? Der des Menschen, der nicht mehr will und nicht mehr kann? Der des Arztes oder des Angehörigen, der ihm helfen könnte, den allerletzten Schritt zu gehen? Oder der einer höchsten Macht, die über Leben und Tod entscheidet?

Es sind Fragen, die an die letzten Dinge rühren. Es geht um Ethik, Werte und damit um das Gewissen des einzelnen Menschen, womit sich der Bundestag in diesem Sommer befassen wird. Vor allem geht es um Leben und Tod. Rechtlich soll geregelt werden, inwiefern todkranken Menschen, die sterben wollen, bei der Selbsttötung geholfen werden darf. Die Bundestagsabgeordneten entscheiden darüber frei von ihrer Fraktionsführung.

Gesetz gegen Graubereich

Ein Gesetzesentwurf liegt bereits vor, dem große Chancen eingeräumt werden. Denn ihn hat die größte überfraktionelle Gruppe des Bundestages formuliert und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat ihn bereits als Erster unterzeichnet. Man will mit diesem Gesetzentwurf alles, was heute möglich ist, erhalten, sagt einer der Wortführerinnen in dieser Frage, Kerstin Griese von der SPD: „Wir wollen, dass der ärztliche Freiraum erhalten bleibt, das alles das, was möglich ist an indirekter Sterbehilfe, an passiver Sterbehilfe bis hin zu palliativer Sedierung, erhalten bleibt. “

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Die Würde im Tod

Rund 60 Interessierte aus ganz Deutschland nahmen an der Veranstaltung in Bielefeld teil. © Heinz-Peter Katlewski
Ärzte, Rabbiner und Pflegekräfte diskutierten über das Ende des Lebens


Von Heinz-Peter Katlewski|Jüdische Allgemeine

Zu einem Seminar über jüdische Perspektiven auf das Sterben waren von Donnerstag bis Sonntag 60 Teilnehmer aus ganz Deutschland nach Bielefeld gekommen. Die meisten von ihnen vertraten jüdische Gemeinden. Eingeladen hatten das Klinikum Bielefeld, die Allgemeine Rabbinerkonferenz, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld.

Zum ersten Mal hatten Rabbiner, Ärzte, Pflegekräfte und Ehrenamtliche in der jüdischen Sozialarbeit Gelegenheit, sich in Quellen zu vertiefen und darüber auszutauschen, wie aus der jüdischen Tradition heraus die Würde des Menschen zu verstehen und zu wahren sei, vor allem, ob und in welcher Weise der Sterbeprozess beeinflusst werden dürfe. Neun Rabbinerinnen und Rabbiner der liberalen und konservativen Richtung im Judentum nahmen an dieser Veranstaltung teil, außerdem nichtjüdische Ärzte und Mitarbeiter von Palliativstationen.

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TV-Pastor über Absturz-Opfer: „Menschen sterben, weil sie schuldig sind“

Bergungskräfte haben in den französischen Alpen den gesuchten Flugschreiber von Germanwings-Flug 4U9525 gefunden. Nun erhoffen sich die Ermittler weitere Hinweise auf die Absturzursache dpa/Yves Malenfer/Dicom/Ministere Interieur/HO
Ein TV-Pastor hat mit einer Predigt für Aufregung gesorgt. In dieser verhöhnt er vermeintlich die Opfer der Germanwings-Katastrophe. Menschen sterben, weil sie schuldig sind – so seine Aussage. Seine Gemeinde äußerte sich zu seinen umstrittenen Worten.


FOCUS ONLINE

„Wenn Menschen sterben, ob in einem Altersheim oder bei einem Flugzeugabsturz, sterben sie, weil sie schuldig sind.“ Mit diesem Satz hat der Hamburger TV-Pastor Wolfgang Wegert rund einen Monat nach dem tragischen Absturz der Germanwings-Maschine für Aufregung gesorgt.

Seine Predigt mit dem Titel „Wenn es Gott gereut“ hielt der Pfarrer vor laufenden Kameras. Viele verstanden seine Äußerung vor dem Hintergrund der Tragödie um Flug 4U9525 als unpassende Anspielung. 150 Menschen waren an Bord der Germanwings-Maschine ums Leben gekommen. Darunter auch mehrere Babys und Kinder.

„Es tut Pastor W. Wegert sehr leid“

Auf der Homepage der reformierten Freikirche „Arche“ bezieht die Gemeinde zu der Predigt Stellung: „Leider wurde die Erwähnung ‚Flugzeugabsturz‘ von Medienvertretern so gedeutet, als ob Pastor W. Wegert sich speziell auf die Germanwings Katastrophe fokussiert und gesagt hätte, die Absturzopfer seien an ihrem Tod selbst Schuld und dass er sie und ihre Angehörigen auf diese Weise hätte verhöhnen wollen“, heißt es dort.

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Seelsorger ermutigt zu Abschiedsritualen auch für Menschen ohne Konfession

Bild. wikimedia.org/CC-BY- 2.5 Generic
Der Potsdamer Krankenhausseelsorger Johannes Albrecht ermutigt zu Abschiedsritualen auch für konfessionslose Menschen.


evangelisch.de

Dies betreffe Sterbende, Angehörige sowie Beschäftigte etwa in Krankenhäusern und in Hospizen gleichermaßen, sagte der evangelische Theologe am Samstagabend bei einem Fachkongress in Bremen. Das Bedürfnis, Abschied zu nehmen, sei nicht an eine Konfession gebunden, sondern sei ein spirituelles Grundbedürfnis des Menschen. „Rituale geben Halt und Orientierung, sie wirken emotional und geben so Geborgenheit“, erläuterte Albrecht.

Abschiedsrituale seien Teil des Trauerweges, fügte der Seelsorger hinzu. In einem Workshop im Rahmen des 9. Bremer Kongresses für Palliativmedizin schlug er vor, beispielsweise statt einer kirchlichen Aussegnung eine Abschiedsfeier zu organisieren. Statt Psalmen könnten spirituelle Gedichte, statt einem Gebet ein „Wort an das Leben“ gesprochen werden.

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Wie wir sterben: Sicher ist nur der Tod

Prof. Karlhans Endlich (Universität Greifswald) hält den Präparierkurs für einen prägenden Moment im Leben junger Mediziner. Für die meisten seiner Studenten ist es der erste Kontakt mit dem Tod. Foto: ZDF/Sascha Kellersohn/Docuvista Filmproduktion
Die facettenreiche 3sat-Reportage „Wie wir sterben“ plädiert für einen gelasseneren Umgang mit dem Sterben. Religiöse Zuschauer werden in der Reportage allerdings jegliche Spiritualität vermissen.

Von Tilmann P. GangloffFrankfurter Rundschau

Eigentlich seltsam, dass der Tod in unserer Gesellschaft als Tabuthema gilt, schließlich ist er schon allein aufgrund der vielen TV-Krimis allgegenwärtig. Der Tod dominiert die Nachrichten und ist gerade in diesen Tagen ein viel diskutiertes Medienthema, weil der Bundestag plant, die Beihilfe zum Suizid neu zu regeln. Der Tod, sagt der Mediziner Gian Domenico Borasio in diesem Film, sei die einzige Sicherheit im Leben. Tatsächlich ist es wohl eher das Sterben, über das niemand gern spricht. Diese Lücke schließt die facettenreiche 3sat-Reportage, in der es dem Titel entsprechend um nichts anderes geht: „Wie wir sterben“. Die Autorinnen Daniela Hoyer und Judith Schneider reduzieren den Vorgang allerdings auf seine biologischen Komponenten. Religiöse Zuschauer werden in der Reportage jegliche Spiritualität vermissen; Gott und seine Stellvertreter auf Erden tauchen gar nicht erst auf, obwohl der christliche Glaube zum Beispiel bei der Sterbehilfe ja eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

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Was Rembrandt-Gemälde und die Enthauptungen des IS gemeinsam haben

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Bilder von Menschen, die wegen ihrer Religion sterben mussten, gab es früher und gibt es heute. Das „Vatican-Magazin“ hat Gemälde und Handyfotos in einem erschreckenden Vergleich nebeneinander gestellt und aktuelle religiöse Konflikte analysiert.

Von Martina FietzFOCUS ONLINE

Eine Mutter, die ihren sterbenden Sohn in den Armen hält. Ein Mann, der mit ausgebreiteten Armen auf sein Kreuz blickt. Kinder auf der Straße, sinnlos getötet. Abgetrennte Köpfe, die den Betrachter mit leeren Augen anblicken. Die Bilder sind aktuell und alt zugleich. Sie stammen aus dem Irak und aus Syrien sowie aus den großen Museen dieser Welt.

Das „Vatican-Magazin“, das der langjährige Rom-Korrespondent der „Welt“, Paul Badde, herausgibt, hat die Bilder der Märtyrer aus Vergangenheit und Gegenwart gegenübergestellt. Menschen, die damals wie heute wegen ihres Glaubens ihr Leben verloren. Die einen gemalt von großen Künstlern wie Giotto, Caravaggio, Rembrandt oder Zurbarán, die anderen dargestellt in Handy-Momentaufnahmen.

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Wann ist Selbsttötung christlich vertretbar?

In seinem Buch „Glücklich sterben?“ schreibt der katholische Theologe Hans Küng, dass er den Zeitpunkt seines Todes selbst wählen möchte Foto: Muesse / Verlag Piper | CC-BY 3.0
Darf ein gläubiger Mensch seinem Leben ein Ende bereiten, wenn er es aufgrund von Krankheit und Leid nicht mehr erträgt? Oder verachtet er damit Gottes Geschenk des Lebens? Der katholische Theologe Hans Küng möchte den Freitod wählen und erklärt sich in einem Buch.

Von Jörn Schumacherpro Medienmagazin

Der Theologe Hans Küng, der einerseits als Mitbegründer der Stiftung Weltethos, andererseits wegen seiner Kritik an der Katholischen Kirche bekannt wurde, hat vor einigen Jahren öffentlich gemacht, dass er an Parkinson erkrankt ist. Der 86-jährige in der Schweiz geborene Priester und Buchautor hat schon früher in Vorlesungen seine Meinung geäußert, jeder Mensch solle sein Leben selber beenden können, wenn es für ihn unerträglich geworden sei.

Nun hat er in dem Buch „Glücklich sterben?“, das im Verlag Piper erschienen ist, seine Entscheidung begründet, selbst den Zeitpunkt seines Todes angesichts der fortschreitenden Krankheit wählen zu wollen. Im Buch ist die Abschrift eines Interviews abgedruckt, das Küng mit der Journalistin Anne Will führte, und das die ARD am 20. November 2013 ausstrahlte. Der Theologe erklärt darin: „Ich weiß, dass mein Leben sich vollendet hat, dass ich weiter keine Aufgaben mehr zu erfüllen habe, dass es einfach Zeit ist. […] Ich möchte so sterben, dass ich noch voll Mensch bin und nicht nur reduziert auf ein vegetatives Dasein. Oder wie mein Freund Walter Jens eigentlich auf die Kindheit zurückgeführt.“

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Pädo-Sekte im Deutschen Ethikrat

missbrauch_katholWeihbischof Losinger ist gegen jeden Form der Beihilfe zur Selbsttötung. «Aus der Möglichkeit für wenige wird schleichend eine Pflicht für Viele», warnte Losinger, der Mitglied im Deutschen Ethikrat ist.

Von Christoph Scholzkath.net

Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger hat sich gegen jede Form der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung gewandt. Losinger ist Mitglied des Deutschen Ethikrates und in der Deutschen Bischofskonferenz für ethische Grundfragen zuständig. In der Debatte um eine gesetzliche Regelung des assistierten Suizids warnte er am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), davor, aus der Betroffenheit über dramatische Einzelfälle Grundprinzipien infrage zu stellen.

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„Heldentod“ und christlicher Glaube

Eine Grafik für die Hinterbliebenen gefallener deutscher Soldaten illustriert die Mischung christlicher Werte mit Nationalismus und Heldenpathos im Heldentod Foto: German Government (Ministry of defence, year 1916) Wikipedia
Im Krieg zu sterben sei eine Ehre, war der Prediger Heinrich Goebel 1916 überzeugt. „Grässlich“ sei diese Überzeugung, sagt dagegen heute sein Enkel, ein Theologe. pro beleuchtet in einer Serie, wie sich Kirchen und Freikirchen im ersten Weltkrieg verhalten haben.

pro Medienmagazin

Heinrich Goebel veröffentlichte 1916 ein Buch unter dem Titel „Unsere Helden im großen Weltkrieg“. Goebel, im Oktober 1864 geboren, war Prediger der Evangelischen Gemeinschaft. Diese Freikirche schloss sich im Verlauf der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts der Evangelisch-Methodistischen Kirche an. Der Kirchenhistoriker Martin Greschat, ein Enkel von Heinrich Goebel, hat sich mit dem Leben seines Großvaters und dessen Buch kritisch auseinandergesetzt.

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EKD-Vizepräsident: Kirche muss nicht nützlich sein

Thies Gundlach, Bild:EKD
Der Vizepräsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, hat die Kirche davor gewarnt, sich auf ihre Nützlichkeit reduzieren zu lassen.

evangelisch.de

In „geistlich verunsicherten Zeiten“ gerieten Glaube und Kirchen in die Tendenz, die eigene Relevanz zu betonen, sagte der Theologe am Montag laut Redemanuskript in einem Vortrag über kirchliche Kommunikationsstrategien in Berlin.

„Man erklärt sich zur ‚Bundesagentur für Werte‘ oder liefert Sozialkapital zur Humanisierung des Zusammenlebens“, erläuterte Gundlach. „Kurzum: Man macht sich und den lieben Gott nützlich.“ Diese Hinweise seien berechtigt und nötig, doch ohne den Kern des Glaubens bleibe nur eine Hülle übrig, sagte der Vizepräsident. „Manchmal habe ich die Sorge, dass dieses Unbedingt-nützlich-sein-Wollen auch etwas von Anbiederung hat, was den Herrn der Kirche zu klein macht und seine Kirche selbst säkularisiert.“

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