Katholische Kirche warnt davor, die „stillen Tage“ auszuhöhlen

 Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Tanzverbot an „stillen Tagen“ hoffen Münchner Club-Betreiber auf Erleichterungen.
Die katholische Kirche mahnt dagegen zu Zurückhaltung.

Von Jakob Wetzel, Veronika Wulf | Süddeutsche.de

Steht das strikte Tanzverbot an den „stillen Tagen“ nun vor dem Ende? Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hoffen Münchner Club-Betreiber zumindest auf spürbare Erleichterungen. Die Richter hatten entschieden, dass Ausnahmen nicht pauschal per Gesetz ausgeschlossen werden dürfen.

Das Gericht habe damit klar Position bezogen, sagt Alexander Wolfrum, der Vorsitzende des Verbands der Münchner Kulturveranstalter. „Wir rechnen damit, dass Veranstalter jetzt Ausnahmeanträge für viele Tage stellen werden.“ Und die Verwaltung müsse sich künftig an den Spruch des Gerichts halten. Die katholische Kirche dagegen mahnt zu Zurückhaltung.

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Atheisten kippen strenge Karfreitags-Verbote

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden.Foto: dpa
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden.Foto: dpa
Ein Freigeister-Bund hat in Bayern ein ganz großes Fass aufgemacht. Vor dem Bundesverfassungsgericht hat er durchgesetzt, dass am Karfreitag Musik gespielt werden darf.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Wer sich als Durchschnittsberliner in das bayerische Feiertagsgesetz einliest, wird meinen, dass es kein Vorrecht afghanischer Taliban sein muss, bei öffentlichen Tanzvergnügen auf die Spaßbremse zu treten. An „stillen Tagen“ wie etwa zu Ostern, Heiligabend oder am Aschermittwoch, so wird in Bayern dekretiert, sind „Unterhaltungsveranstaltungen“ nur erlaubt, wenn der „ernste Charakter“ der Tage gewahrt werde. Die Gemeinden dürfen Ausnahmegenehmigungen erteilen, kein Pardon gibt es jedoch für den Karfreitag, an dem „in Räumen mit Schankbetrieb musikalische Darbietungen jeder Art verboten“ sind. Der Tag wird von allen Ausnahmen ausgenommen.

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Konzerte, Tanzen, Umzüge: Das ist an Karfreitag nicht erlaubt

DerverzweifelteJesusAb Freitag beginnen die Osterfeiertage. Was vielen nicht klar ist: Ostern ist das wichtigste christliche Fest im ganzen Jahr. Deshalb schützt das deutsche Grundgesetz einige Ostertage als sogenannte „stille Tage“. Als besonders schützenswert gilt der Karfreitag, der Tag der Kreuzigung von Jesus Christus. An diesem Tag ist Abfeiern in der Regel tabu.


Berliner Kurier

Allerdings handhaben die Bundesländer die Ostertage in ihren jeweiligen Feiertagsgesetzen oder Verordnungen recht unterschiedlich. Als besonders locker fällt Berlin auf. Viele Feierwütige fliehen deshalb über Ostern in die deutsche Hauptstadt.

Wann darf man nicht tanzen?

An Karfreitag – in diesem Jahr der 3. April – sind öffentliche Tanzveranstaltungen in den meisten Bundesländern ganztägig untersagt. In manchen Feiertagsgesetzen sind solche Events sogar schon von Gründonnerstag (2. April 2015) bis Karsamstag (4. April 2015) verboten. Darüber hinaus gibt es zum Teil besondere Bestimmungen, dass Gottesdienste nicht durch Lärm gestört werden dürfen.

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Feiertagsruhe – Streit um Tanz am Totensonntag

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Darf in Diskotheken an Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag bald gefeiert werden? Darauf hoffen zumindest die Piraten. Sie wollen mit einer Initiative im Kieler Landtag Verbote lockern. Ablehnung kommt nicht nur von der Kirche.

shz.de – Peter Höver

Neue Debatte um den Schutz der stillen Feiertage in Schleswig-Holstein. Nach den erfolglosen Versuchen der Grünen wollen nun die Piraten das Tanzverbot am Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag lockern. Der Landtag wird sich im Dezember mit einem entsprechenden Gesetzentwurf befassen. Danach sollen auch öffentliche Kundgebungen und Demonstrationen an diesen Tagen erlaubt sein.

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Gottesstaat Bayern: Zocken an „stillen Tagen“ verboten

bayern_VGHDeus lo vult könnte man sagen. Er will es aber nicht, jedenfalls sind seine Intentionen diesbezüglich nicht bekannt. Das Bodenpersonal des Allmächtigen kennt aber die Wünsche und Befindlichkeiten und setzt sie durch. Es geht um den Fakt, ob das Verbot zum Betrieb von Spielhallen mit verfassungsrechtlich gewährleisteter Berufsfreiheit vereinbar ist.

Wie aus der Überschrift ersichtlich ist es das offensichtlich. Aschermittwoch, Gründonnerstag und Karsamstag darf in Bayern nicht gezockt werden. Obwohl ich noch nie eine Spielhalle von Innen gesehen habe ist es doch signifikant zu erkennen, wie weitreichend Einschnitte aus religiöser Bevormundung gehen.

Aschermittwoch, das Ende der Narrenzeit, Ruhe ist angesagt. Nach Tagen des gottgefälligen Saufens und der Heiterkeit, fährt der gute Christ nach Bad Pyrmont zum entschlacken. Hat er doch reichlich Giftstoffe aufnehmen können. Natürlich ist Entschlacken ohne Gottes-Segen oder seiner Knechte einfach nur profan und eines Christen, auch saufenden, unwürdig. Ein Christ geht dann nicht ins Spiel-Casino und zockt sich seinen Brägen frei. In andächtiger Art und Weise hat er Gott zu danken, dass seine Leber noch mitspült und die Ehefrau die karnevalistischen Seitensprünge nicht mitbekommen hat. Ab Aschermittwoch wird gefastet, das Fressen und Saufen, die Völlerei schlechthin ist bis Ostern passè. Zocken nun auch, wie uns der bayrische Verwaltungsgerichtshof wissen lässt.
Am fünften Tag der Karwoche, Gründonnerstag, gedenken die Christen des letzten Abendmahles von Jesus und seinen 12 Aposteln. Da ist kollektive Trauer angesagt und besonders grünes Gemüse (Grünkohl, Salate, Nesseln, junge Triebe) und grüne Kräuter sind zur Ernährung empfohlen. Der Verwaltungsgerichtshof hat das bisher noch nicht geregelt. Die Christen dürfen mit Sicherheit hoffen, es wird kommen. Keine fetten Haxen, Weißwurst, so etwas gehört juristisch, will sagen verwaltungsrechtlich geregelt. Freudenschreie von Gewinnern an Spielautomaten sind obsolet.

Karfreitag dann der Tag der Tage. Da wird der Todesstunde des Gottessohnes gedacht, da ist man nicht fröhlich, lebenslustig, da sagt der gute Christ, Scheiße warum lebe ich und Christus nicht. Um die Christenheit nun nicht ganz in depressive Stimmungen verfallen zu lassen, zur Verhinderung des kollektiven Suizids, vermittelt man die frohe Botschaft für den Ostersonntag. Still sind da nur noch die Biergärten, ansonsten ist wieder christliche Völlerei angesagt, der Gottessohn fährt ja bald in den Himmel. Wie schön. Bleibt die Frage, wann die Richter des Verwaltungsgerichtshofes nach Oben fahren? Es wäre nicht schlecht. Die rechtliche Bevormundung von Menschen hätte, zumindestens vorübergehend, ein Ende.

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Urteil vom 22.10.2012
– 22 B 10.2398