Dodo Käßmann und Spaemann: Glaube ist die bessere Therapie

Margot-KässmannBeichte kann mehr als eine Therapie
Margot Käßmann findet es schade, dass in der evangelischen Kirche den Menschen nur noch selten die Beichte abgenommen wird.

evangelisch.de

„Heute gehen die Menschen eher zum Therapeuten und meinen, dort Absolution zu erhalten. Beichte kann mehr“, sagte die Theologin, die im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 wirbt, der „Bild am Sonntag“.

Beichte sei eine Form der Befreiung, sagte Käßmann: „Diese Geste bedeutet Menschen viel.“ Während die Beichte in der katholischen Kirche zu den Sakramenten zählt und damit elementarer Bestandteil der Glaubenspraxis ist, kommt ihr im Protestantismus heute vor allem eine seelsorgerliche Bedeutung zu.

Theologe Spaemann: Menschen brauchen Gott als „Medikament“

evangelisch.de

Gott tue dem Menschen gut, „er ist das Medikament, das wir brauchen, wir sollten es einnehmen“, sagte Spaemann dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Allerdings sei es gut denkbar, „dass die Kirchen auf das Maß von Sekten schrumpfen und der Glaube den meisten Menschen nur noch wie eine bloße Schrulle erscheinen wird. Aber dieses Scheitern des Christentums wäre nicht seine Widerlegung“, sagte der 87-Jährige.

Warum Religion gut tut—die Macht des Placebos

religiöses_ParalleluniversumTherapeuten, Mediziner, Hirn- und Sozialforscher sagen: Glauben tut gut. Wer fromm ist, lebt gesünder, wiegt weniger und hat einen niedrigeren Cholesterinspiegel als Ungläubige. Der Glaube als Teil der Wellness- und Fitness-Bewegung? Eine gruselige Vorstellung.

Von Matthias DrobinskiSüddeutsche.de

Die Frau lässt sich nicht wegdrängen. Sie muss zu ihm, egal, welche Anstandsregel das jetzt verletzt und wie peinlich die Sache werden könnte. Zwölf Jahre schon hat sie diese Blutungen, jeden Monat. Sie scheinen gar nicht mehr aufzuhören, sie zehren sie aus, bis sie gar nicht mehr sie selbst ist vor Müdigkeit und Blutverlust. Ein Vermögen hat sie schon ausgegeben für Ärzte, die ihr erst von der neuesten Methode erzählten, dann ratlos den Kopf wiegten und schließlich achselzuckend die Rechnung schrieben.

Und jetzt ist sie da, diese unglaubliche Hoffnung, die Gewissheit: Ich muss den Saum seines Gewandes berühren, dann wird alles gut. Sie schafft es, den Zipfel der Verheißung zu packen. Sie spürt die Kraft und weiß: Sie ist geheilt. Sie spürt diese Kraft so sehr, dass auch dieser Jesus sie spürt, der da ohne Heimat durch die Gegend zieht und von einem Vater im Himmel erzählt. Er dreht sich um. Sie erzählt ihm, zitternd, ihre Geschichte. Er sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen.“

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Weltuntergang und das Reptiliengehirn im Menschen

Bild: eggetsberger-info.blogspot.com
Ulrike Schiesser über das Reptiliengehirn im Menschen und die Faszination am Weltuntergang

Von Ulrike HeitmüllerTELEPOLIS

Die Welt ist nicht untergegangen. Schon wieder nicht. Obwohl der Maya-Kalender zu Ende ging. Aber eben nur der und nicht die Welt. Immer wieder machen sich Menschen Gedanken um das Ende der Zeit, den Untergang der Welt, die Apokalypse. Dies spiegelt sich nicht nur in alten Überlieferungen wider, in Sagen oder der Bibel, sondern auch heutzutage in Büchern, Filmen wie Armageddon, und Online-Foren. Und natürlich bei Therapeuten und Beratern. Ulrike Schiesser ist Psychologin und Psychotherapeutin; sie arbeitet an der Österreichischen Bundesstelle für Sektenfragen in Wien und hat versucht, diesem Phänomen in ihrem Text Flirting with Disaster näherzukommen.

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US-Kardinal Roger Mahony hat pädophile Priester gezielt geschützt

Kardinal Roger Mahony
Kardinal Roger Mahony

Kardinal Roger Mahony hatte offenbar 1986/87 mit einem damaligen kirchlichen Missbrauchsreferenten eine Strategie entworfen, um drei Priester den polizeilichen Ermittlungen zu entziehen. Diese Priester hatten der Kirchenleitung Pädophilie gestanden.

kath.net

Der US-amerikanische Kardinal Roger Mahony (Foto) soll kircheninternen Akten zufolge pädophile Priester gezielt vor Strafverfolgung geschützt haben. Laut den Dokumenten von 1986 und 1987, aus denen die Zeitung «Los Angeles Times» (Montagnachmittag Ortszeit) zitierte, entwarfen Mahony als damaliger Erzbischof von Los Angeles und der für Missbrauchsfälle zuständige Referent Thomas Curry eine Strategie, um drei Priester, die der Kirchenleitung sexuellen Missbrauch von Kindern gestanden hatten, polizeilichen Ermittlungen zu entziehen.

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Seelsorge und Psychiatrie

Seelsorge kann Hoffnung geben, auch bei psychisch kranken Menschen, die nach Beistand suchen. Foto: Dee*/photocase

Pfarrer Werner Jahn ist seit über sechs Jahren als evangelischer Seelsorger am Zentrum für Psychiatrie Emmendingen in Baden-Württemberg tätig. Viele psychisch Erkrankte suchen ihn auf, weil sie drängende Fragen haben. Jahn hat dabei das Gefühl, in Emmendingen „richtig am Platz“ zu sein – obwohl er eine Tätigkeit wahrnimmt, die ihn mit schweren Schicksalen konfrontiert.

Die Fragen stellte Marijana Babicevangelisch.de

Wie sind Sie dazu gekommen, Seelsorger in einem Zentrum für Psychiatrie zu werden?

Werner Jahn: Ich wollte schon immer eine seelsorgerisch spezielle Tätigkeit machen und habe auch die Ausbildung als Pastoralpsychologe gemacht, was mit ausschlaggebend dafür war, dass ich diese Stelle hier bekommen haben. Die Stelle war fast schon eine Fügung.

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Katholische Kirche: Arrogante Imagepflege

Quelle: fuldainfo.de

Missbrauchsopfer haben den Jesuiten vorgeworfen, mit der Aufarbeitung des Skandals auch ihr Image aufpolieren zu wollen. „Die Jesuiten agieren nicht anders als eine andere Organisation, die in einer Krise versucht, für sich selbst das Beste draus zu machen und möglichst sogar noch mit einem Imagegewinn aus der Krise hervorzugehen“, sagte Thomas Weiner von der Gruppe Eckiger Tisch in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“.

fuldainfo

Er bezweifle, dass die gezeigte Reue ehrlich sei. „Bei vielen von uns ist die Wut groß.“ Weiner äußerte sich „erschreckt“ von dem Wunsch einiger Bischöfe, die Kirche möge gestärkt aus der Krise hervorgehen. „Ich halte das für arrogant und kaltschnäuzig“, sagte Weiner wörtlich. Er beklagte, dass die Rolle, die die Betroffenen bei der Aufarbeitung der Fälle gespielt hätten, zurückdrängt werde. „Als die Vorfälle bekannt wurden, haben sie die Aufklärung vorangetrieben und vieles getan, was die Jesuiten hätten tun sollen.“

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