Schlagwort-Archive: Tod

Medical Humanities: Was Geschichte und Ethik mit Medizin zu tun haben

Den Euthanasie-Opfern gedenken. Psychiater waren in die Aktion T4 verstrickt. – Foto: picture alliance / dpa
Bei der neuen Charité-Professur für „Medical Humanities“ geht es nicht nur um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, sondern auch um den kulturell geprägten Umgang mit Krankheit und Tod.

Von Adelheid Müller-Lissner|DER TAGESSPIEGEL

„Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte.“ So beschrieb es der in Österreich aufgewachsene, wegen seiner jüdischen Herkunft zur Emigration in die USA gezwungene Psychiater Leo Alexander als Sachverständiger bei den Nürnberger Ärzteprozessen. Die Entwicklung führte schließlich dazu, dass Mediziner die Unterscheidung zwischen wertem und „unwertem“ menschlichem Leben akzeptierten. Dass sie tatenlos zusahen, wenn ihre jüdischen Kollegen sich bedroht fühlten, ihre Stellen verloren und zur Flucht gezwungen waren. Dass sie vielleicht sogar die Vorteile begrüßten, die sich ihnen für die eigene wissenschaftliche Karriere dadurch boten. Zum Beispiel in der Charité, die zwischen 1933 und 1936 fast ein Drittel ihres Lehrpersonals „verlor“.

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Domian: „Ich habe mich mit dem Tod versöhnt“

Jürgen Domian bei einem Talkauftritt im November 2008. Bild: wwikimedia.org/CC BY 3.0/Michael von Aichberger
Er ist der bekannteste Kummerkastenonkel Deutschlands: Jürgen Domian, der für den WDR seit mehr als 20 Jahren Anrufer in oft schwierigen Lebenslagen berät oder ihnen einfach nur zuhört. Seine regelmäßig im Nachtprogramm des WDR-Fernsehens ausgestrahlte Telefon-Talk-Sendung „Domian“ ist Kult und hat den 57-Jährigen bundesweit bekannt gemacht. Die Dokumentation „Domian – Zwischen Tag und Nacht“, die am 2.11. im WDR-Fernsehen zu sehen ist, porträtiert den Nacht-Talker und seine berühmte Live-Sendung, in der es oft um existenzielle Themen wie Krankheit oder Tod geht. Ab Mitte November ist eine längere Fassung des Films von Birgit Schulz in ausgewählten Kinos zu sehen.

Von Martin Weber|evangelisch.de

Herr Domian, seit 20 Jahren hören Sie sich Nacht für Nacht den Kummer fremder Menschen an. Hat das Ihr Weltbild verändert? 

Jürgen Domian: Eindeutig, mein Menschenbild ist schlechter geworden. Das liegt daran, dass ich in so viele und so tiefe Abgründe geschaut habe. Früher konnte ich mir nicht vorstellen, was Menschen imstande sind, anderen Menschen anzutun. Andererseits begegnen mir in der Sendung auch so viele mutige, tapfere, selbstlose und gute Menschen. Dies wiegt alles wieder auf und ist der Grund dafür, dass ich nicht ansatzweise bitter oder zynisch geworden bin.

Ist die Welt ein guter oder ein schlechter Ort?

Domian: Ich glaube, sie ist ein heikler Ort, wo man permanent auf der Hut sein muss. Die wesentliche Erkenntnis meiner Arbeit ist, dass es extreme Ausschläge nach beiden Seiten gibt. Es gibt viel Verzweiflung, aber auch viel Hoffnung.

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Was kommt nach dem Tod?

Bild: jamie/Pinterest
Der Fernsehjournalist Steffen König hat sich in der ersten Folge der dreiteiligen ARD-Serie „Was glaubt Deutschland?“ mit der Frage beschäftigt, was nach dem Tod kommt. Der 34-Jährige befragte in dem am 17. August um 23.30 Uhr ausgestrahlten Film einen Katholiken, einen Muslim, einen Juden, einen Buddhisten und eine Atheistin nach ihren Vorstellungen vom Jenseits.


kath.net

Doch den „religiösen Skeptiker“, wie er sich selbst nennt, konnten die Aussagen nicht überzeugen. Am Ende der SWR-Produktion berichtet er vom Tod seines Großvaters, der im Alter von 87 Jahren gestorben ist. Er habe „keine Ahnung, wo Opa jetzt ist“, sagte König. Er glaube, „dass er jetzt weg ist“; nur in seinem Herzen bleibe er in der Erinnerung lebendig. Damit kommt der für den SWR tätige Journalist der von ihm interviewten Atheistin Assunta Tammelleo am nähesten. Sie hat einen Sohn im Alter von acht Monaten durch plötzlichen Kindstod verloren. Auch sie trägt nach eigenen Aussagen die Erinnerung in ihrem Herzen, aber im Tod sehe sie keinen Sinn – wie auch letztlich nicht im Leben.

Katholischer Theologe: Gott rettet alle

König betonte mehrfach, dass Judentum, Islam und Christentum Regeln aufstellen, wie man in den Himmel oder ins Paradies kommen kann. Doch der katholische Theologieprofessor Albert Biesinger (Tübingen) widerspricht: „Man kann sich den Himmel nicht verdienen.“ Er persönlich glaube, dass der barmherzige Gott alle Menschen rette – auch die, die sich nicht für ihn öffnen. Biesinger hat selbst eine Nahtoderfahrung gemacht. Bei einer schweren Erkrankung habe er Gottes Stimme an der Schwelle zum Jenseits gehört.

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Lieber Fanatiker: Ist es gut, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen?

Der Glaube kann gut tun. Weckt er Ängste und übt Druck aus, so wird es Zeit, sich von ihm zu befreien.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

Nehmen wir einmal an, zwei Marsmännchen versuchten, für die Menschheit eine möglichst positive Zukunft zu planen. Die Beurteilung der Religion hinge wahrscheinlich von zwei komplizierten Fragen ab.

1.Tragen die Religionen dazu bei, dass die Menschen anständig miteinander umgehen?

2.Machen Religionsgemeinschaften glücklich?

Schon die erste Frage ist nicht leicht zu beantworten. Fast alle Religionen verbieten Mord, Raub und Grausamkeit. Sie können sich also positiv auf das Verhalten der Menschen auswirken. Andererseits werden Religionen immer wieder zur Rechtfertigung von Krieg und Gewalt herangezogen. Wahrscheinlich ließen unsere Marsmännchen nur Religionen zu, die zuvor ihre friedliche Natur bewiesen hätten.

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Muss ein Atheist Angst vor dem Tod haben?

Bild. Frankfurter Rundschau
Brief 8: Und was ist, wenn es kein Leben nach dem Tod gibt? Nun, jede Party ist irgendwann vorbei, schlechter wird sie dadurch nicht.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

Haben dich die Argumente für ein Leben nach dem Tod überzeugt? Wenn nicht, ist die Alternative natürlich bitter: Mit dem Tod ist alles aus – Schluss, aus, vorbei!

Muss ein Atheist also Angst vor dem Tod haben? Unser Kollege Epikur war schon 300 Jahre vor Christus ganz anderer Ansicht: Wieso sollte man vor etwas Angst haben, dem man nie begegnet? Solange wir sind, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, sind wir nicht mehr. Genau genommen geht der Tod uns also nichts an! Todesangst wäre demnach logischer Unsinn.

Allerdings ist der Verlust des Lebens natürlich ein Ärgernis. Doch auch hier hat die Philosophie einigen Trost parat. Nach Friedrich Nietzsche ist das Leben herrlich. Die Tatsache, dass wir irgendwann sterben müssen, ändert daran gar nichts. Die Sensation ist vielmehr, dass wir überhaupt leben und diese wundervolle Welt erleben dürfen. Wenn du auf eine Party gehst, jammerst du hoffentlich auch nicht die ganze Zeit herum, nur weil die Feier irgendwann zu Ende sein wird. Die Party bleibt herrlich, auch wenn sie ein Ende hat.

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Wie die fünf Weltreligionen mit dem Tod umgehen

Themenbild.
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Für Gläubige ist der Tod nicht unbedingt das Ende. Buddhisten, Muslime, Juden, Christen und Hindus gehen sehr verschieden mit Tod und Trauer um. Doch alle Religionen zeigen, wie Gemeinschaft Trost spenden kann.


Redaktion Süddeutsche Zeitung

Hindus

Für einen Hindu ist der Tod nur eine weitere Stufe, er ist der Übergang in eine neue Existenz. Es gibt im Hinduismus eine Größe, die vom Tod nicht betroffen ist, einen unsterblichen Kern in jedem Lebewesen. Wie man seine alten Kleider ablegt, so legt der Mensch seinen alten Körper ab. Der Sterbende soll möglichst positive Gedanken haben, wenn es so weit ist. Er wird gebadet, eingesalbt, in Tücher gewickelt, möglichst schmucklos, damit die Seele nicht abgelenkt ist. Mit den Füßen zuerst wird er aus der Hintertür des Hauses getragen und vom erstgeborenen Sohn am Einäscherungsplatz entzündet.

Es ist das größte Glück eines Hindus, in der heiligen Stadt Varanasi am heiligen Fluss Ganges verbrannt zu werden, wo das Universum erschaffen wurde und in Flammen stehen wird am Ende der Zeit. Der Tod ist hier die reine Freude, moksha, Erlösung. Keine Träne. Wer hier verglüht, dem flüstert Gott Shiva das Taraka Mantra ins Ohr, das Mantra der Überfahrt. Tod ist an diesem Ort Befreiung, das Ende vom ewigen Kreislauf aus Geburt, Tod und Wiedergeburt. Wer hier brennt, wird keine weltlichen Qualen mehr erleiden.

Wer nicht das Glück hat, am Ganges zu sterben, der folgt dem Pfad des vorhergegangenen Lebens. Nur Hindus der obersten Kaste können dem Kreislauf des Samsara entfliehen, bei den niederen Kasten entscheidet das Karma, die guten oder bösen Handlungen im Leben, in welcher Gestalt man wiedergeboren wird. Niemand weiß, wann er dem Kreislauf entrinnen wird, niemand weiß, in welchen Körper seine Seele ziehen wird. Alles ist Wandel. Nur eines ist sicher: Sterben ist Teil des Lebens. Und es ist ein Geschäft. Keiner soll weinen, wenn am Einäscherungsplatz die Toten brennen, wenn ihre Bauchdecken im Feuer aufplatzen, der Schädel aufgebrochen wird, damit die Seele, atman, den Körper verlassen kann. Daneben preisen Händler Acht-Gewürze-Pulver und Sandelholz an, damit der Geruch des Todes nicht zu aufdringlich wird. Dazu gibt es Tüten voll buttrigem Ghee, damit sie gut brennen: die leeren, seelenlosen Hüllen.

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Wird die lebenslange Freiheitsstrafe bald abgeschafft?

justiz_gross

Die lebenslange Freiheitsstrafe in Deutschland ist meist auf einige Jahre begrenzt. Im Gegensatz zu den USA greift sie nicht zwingend bis zum Tod. Ein Bundesrichter fordert nun die Abschaffung. Er rügte die Prozesse als „symbolische Veranstaltung“.


FOCUS ONLINE

Bundesrichter Thomas Fischer fordert die Abschaffung der lebenslangen Freiheitsstrafe. Diese sei eine verfassungswidrige Idee aus der Vergangenheit und reine Symbolik, schreibt der Strafrichter am Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in einem Beitrag für „Zeit Online“. „Wir sollten uns von ihr verabschieden.“

Derzeit verbüßten zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilte Täter ungefähr 19,5 Jahre Haft, schreibt der Vorsitzende Richter des zweiten BGH-Strafsenats. „Die lebenslange Freiheitsstrafe ist bei uns nämlich vor allem eine symbolische Veranstaltung.“ Politiker trauten sich aber nicht, das zuzugeben.

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Die Toten an den EU-Außengrenzen sind unvermeidlich

Die Toten an den EU-Außengrenzen sind unvermeidlich © Montecruz Foto @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Erneut zeigen sich Deutschland und Europa schockiert über den Tod weiterer Flüchtlinge vor Lampedusa. Doch wie glaubwürdig ist unsere Anteilnahme? Sind Flüchtlinge nicht notwendige Folge unseres eigenen Tuns? Ein Zweiteiler von Prof. Schiffer-Nasserie“


Von Arian Schiffer-Nasserie|MiGAZIN

Weltrekord! Über 50 Millionen Menschen waren laut UNHCR im vergangenen Jahr auf der Flucht – mehr als je zuvor seit Weltkrieg Nummer 2 und allein sechs Millionen mehr als im Vorjahr. Ein kleiner Teil der Flüchtenden erreichte die Außengrenzen der EU und versuchte Mauern, Zäune und Seegrenzen ohne Erlaubnis des Staatenbündnisses zu überwinden.

Über ein Jahr liegt die „Flüchtlingskatastrophe“ von Lampedusa bereits zurück. An öffentlicher Anteilnahme, an zur Schau gestellter Scham, Trauer und Betroffenheitsbekundungen der europäischen Eliten hatte es danach ja keinesfalls gemangelt. Sogar politische Konsequenzen wurden in Aussicht gestellt: Alles sollte anders werden. Davon will man heute kaum noch etwas wissen.

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Warum Gott (nicht) doof ist

Foto: Martin U. K . Lengemann Mit „Gott ist doof“ widmet sich das Berliner Stadtmagazin „Zitty“ dem Thema Religion
Das Berliner Stadtmagazin „Zitty“ will in seiner aktuellen Ausgabe belegen, dass die Hauptstadt keine Religion braucht. Es gab schon einmal eine nahezu gottlose Zeit. Die bessere war es sicher nicht.


Von Claudia Becker|DIE WELT

Da will auch mal jemand provozieren. Das Berliner Stadtmagazin „Zitty“. Mit einer Bemerkung, die nicht mal mehr pubertär klingt, sondern nach einem Streit in einer Sandkiste. „Du bist doof“, sagen sie. „Gott ist doof“, schreiben sie. Das steht auf dem Titel der aktuellen Ausgabe und das Versprechen, in dem Heft zu erklären, „warum Berlin gar keine Religionen braucht“, und einer ersten Antwort, die sich aus der Aufreihung „Islamisten, Pegida, Eiferer“ ergibt. So als ob das alles eins wäre. Und darüber, auf tiefschwarzem Hintergrund, drei stilisierte Kirchen, mit Davidstern, mit Kreuz, mit Halbmond. Daneben ein Stift in Kirchenform, mit einem roten Haken dran. Damit auch jeder weiß, was richtig ist.

Das Editorial. „Natürlich bleiben ohne Religion viele Fragen ungeklärt“, heißt es da. „Was etwa nach dem Tod geschieht, Wiedergeburt oder Verwesung, darüber scheiden sich die Geister. Nur: Brauchen wir für die Beantwortung dieser Fragen eine Religion? Oder reicht ein bisschen Mut zur Ungewissheit?“

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Zentralrat der Muslime: „Wir bräuchten mehr Satire über Terroristen“ – dann fangt mal an

Micky-Maus_Mohammed„Ich finde, wir bräuchten viel mehr Satire über die Terroristen. Über ihren fanatischen Drang zu Tod und Gewalt. Und vor allem über ihre bodenlose Feigheit.“ Das sagte der Chef des Zentralrat der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag.


Von Susanne Klaiber|Huffington Post

Empörung über vergleichsweise moderate Mohammed-Karikatur

Mazyek sprach mit der Zeitung über die Diskussion, die über die neue Mohammed-Karikatur auf dem Cover der französischen Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“. Die Überlebenden des Massakers vergangene Woche hatten sich entschieden, die erste Ausgabe nach dem Attentat wieder mit einer Mohammed-Karikatur zu eröffnen. Einer vergleichsweise wenig provokanten. Darauf zu sehen ist der wichtigste Prophet des Islam mit dem Schild „Je suis Charlie“ – mit dem Schriftzug darüber „Alles ist vergeben“.

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FAZ: Sterbehilfe-Debatte zeigt Säkularisierung

Bild: letzte-hilfe.de
Bild: letzte-hilfe.de
In der Diskussion um Sterbehilfe geht es darum, Macht über das Sterben zu gewinnen, meint das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dementgegen stehe die christliche und philosophische Vorstellung von unverfügbaren Bereichen des Lebens.

pro Medienmagazin

Mit dem biblischen Spruch „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Psalm 31,15) drückten Christen aus, dass es in Geburt, Leben und Tod einen Bereich des Unverfügbaren gebe. Daher sei dies ein „sympathischer“, wenn auch „wohl bald ganz verschwindender“ Satz, findet der Leiter des FAZ-Feuilletons, Edo Reents.

Zwar hätten auch Philosophie und Literatur traditionell die Unverfügbarkeit des Sterbens betont. Davon sei in der aktuellen Sterbehilfe-Debatte davon jedoch kaum die Rede. Im Zentrum stehe die Autonomie des Menschen. Mit dieser „Machbarkeitsbestrebung“ sei diese Debatte ein „Säkularisierungssymptom“. „Das Anschwellen der Ermächtigungsrhetorik ist nicht zu übersehen. Nun geht es also ums Sterben.“

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Keine Volksverhetzung: Anti-Israel-Demonstration nicht strafbar

Eine Demonstration gegen den Krieg in Gaza © GGAADD @ flickr.com (CC 2.0)
Kritik an einem ausländischen Staat fällt nicht unter den Straftatbestand der Volksverhetzung. Mit dieser Begründung hat die Staatsanwaltschaft Mainz die Beschwerde gegen israelkritische Parolen bei einer Kundgebung zurückgewiesen.

MiGAZIN

Anti-israelische Parolen bei einer Kundgebung in Mainz im vergangenen Juli sind strafrechtlich irrelevant. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz bestätigte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Mainz, ein Ermittlungsverfahren gegen den Veranstalter der pro-palästinensischen Kundgebung abzulehnen.

Damit wurde die Beschwerde des früheren Mainzer CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Gerster abgewiesen, teilte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Freitag dem Evangelischen Pressedienst mit. Kritik an einem ausländischen Staat falle nicht unter den Straftatbestand der Volksverhetzung.

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Sie sollte eine keusche, hörige Tochter werden

Themenbild
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Ein Tabubruch: Sie wollte nicht zwangsverheiratet werden und kehrte einer Parallelgesellschaft den Rücken. Seit Jahren hat Aliyah keinen Kontakt mehr zu ihrer muslimischen Familie.

Von Güner BalciDIE WELT

Heute schicke ich Aliyah ein paar Fotos von ihren besten Freundinnen. Es ist ungewiss, ob sie sie jemals wieder treffen wird. Seit zwei Jahren hat Aliyah keinen Kontakt mehr zu ihrem alten Leben. Damals, als ich sie an einem geheimen Treffpunkt abholte und zum Flughafen fuhr, immer auf der Hut, ob uns auch niemand von ihrer Familie oder ihren Bekannten sehen würde, wussten wir beide nicht, wohin die Reise gehen würde. Ich weiß noch, wie sie unsicher im Auto saß, den Kopf gesenkt, die Hände ineinander gepresst. Einige Wochen zuvor hatte sie angerufen und mir mitgeteilt, dass sie nun doch flüchten würde, vor ihrer Familie. Sie wusste, dass ich ihr helfen würde, wir hatten schon einmal darüber gesprochen, vor Jahren hatte ich ihr meine Hilfe zugesagt.

Aliyah ist geflohen, weil sie weder den, von ihrer Mutter für sie auserwählten Cousin, noch einen anderen kurdischen Mann, der ihren Eltern gepasst hätte, heiraten wollte. Sie hat sich in einen jungen Griechen verliebt. Mit ihm wollte sie zusammenleben. Doch weil ihre Familie diese Beziehung niemals akzeptiert hätte, mussten sie beide untertauchen. Andere Menschen und ich haben ihnen dabei geholfen. Heimlich. Sie leben heute an einem geheimen Ort. Doch nicht nur die beiden, auch Dimis Eltern mussten alles aufgeben und in einen anderen Ort ziehen. Auch sie wurden bedroht.

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Atheisten rüsten zum Suizid

Gibt es ein Recht auf einen pünktlichen Tod? Bild: Cicero/picture alliance
Ein Lobbybündnis wirbt für die Sterbehilfe. Es sind die gleichen, die früher für die Abtreibung mobil machten: Atheisten. Daran wird deutlich, dass es beim begleiteten Suizid weniger um den Tod als um die Gottesfrage geht.

Von Alexander KisslerCicero

Der brachiale Selbstmord des Udo Reiter war der Auftakt zu einem heißen Herbst des Sterbens. Genauer: der Sterbehilfe, denn um diese wird im November der Deutsche Bundestag ringen. Soll wie bisher alle „Suizidbeihilfe“ straffrei bleiben? Generell oder nur dann, wenn Ärzte sich ihrer ausnahmsweise annehmen? Mit welchen Regularien müssen „Sterbehilfe-Vereine“ rechnen, mit Verbot oder Minderem? Ohne Fraktionszwang wollen die Volksvertreter in diesen schwierigen Fragen ihrem Gewissen folgen.

Seit Anfang dieser Woche machen die Befürworter passiver und indirekter Sterbehilfe mobil. Das „Recht der Ärzte, (…) Suizidwilligen zu helfen,“ stehe unter dem Schutz der Verfassung und dürfe nicht eingeschränkt werden. Auf Bussen und an Bahnstationen wirbt ein „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ für die Losung „Mein Ende gehört mir“ – ein Slogan, so direkt wie einst das Motto der Abtreibungsverbotsgegner.

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Vom Menschen zum Monstrum

Die Erbsündelehre beschränkt den Kreis der Erlösungskandidaten: Tag des Jüngsten Gerichts als Flachrelief an der Fassade des Doms von Orvieto in Umbrien. Foto: imago
Der Philosoph Peter Sloterdijk über den zerborstenen Generationenvertrag, die Erbsünde sowie den Unterschied zwischen einer naiven und sentimentalen Moral.

Interview Michael HesseFrankfurter Rundschau

Herr Sloterdijk, Sie bezeichnen die Menschen der Moderne in Ihrem Buchtitel als „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“. Hinter dem Gedanken der „schrecklichen Kinder“ steckt die Figur der Abtrünnigkeit, das Losreißen von den Eltern. Was hat dieser Bruch mit der Tradition bewirkt?
Ich beschreibe die Moderne als ein umfassendes anti-genealogisches Experiment. Dieses gründet in dem Umstand, dass es keine kulturellen Automatismus mehr gibt, der auf gesicherte Weise von Großeltern zu Kindern zu Enkeln führt. Vielmehr könnte in jedem genealogischen Intervall die ganze Kette reißen. Für die Moderne ist typisch, dass sich das Intervall zwischen Eltern und Kindern bei jeder Wiederholung etwas weiter aufspreizt.

Eltern und Kinder werden einander immer unähnlicher?
Unvermeidlich, auch weil die Lebenswelten sich so rasch verändern. Die Moderne lässt keinen anderen Befund zu. Die herkömmliche Orientierung am Wissen der Alten geht fast völlig verloren, das Alter verliert seine Autorität. Damit beginnt das Zeitalter der immer unähnlicheren Kinder. Manchmal hat man den Eindruck, in einem einzigen generation gap könnte die Welt untergehen. Man staunt, dass die Welt trotz allem noch da ist.

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Auf deutschen Straßen darf risikolos ‚Tod, Tod Israel‘ gebrüllt werden

justiz_grossMainzer Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen wegen Volksverhetzung ein – Mainzer CDU-Fraktion reagiert mit heftiger Kritik: „Parolen wie ,Tod, Tod, Israel’ oder ,Kindermörder Israel’ müssen in unserem Land verfolgt werden.“

kath.net

„Wir haben hierfür überhaupt kein Verständnis und teilen ausdrücklich die Verärgerung und Kritik von Johannes Gerster“. Derart explizit kritisierte die CDU-Stadtratsfraktion Mainz die Entscheidung der Mainzer Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen die Veranstalter der Pro-Palästina-Demonstration Mitte Juli wegen Volksverhetzung einzustellen.

„Parolen wie ,Tod, Tod, Israel’ oder ,Kindermörder Israel’ müssen in unserem Land verfolgt werden. Darüber hinaus sind aber alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, sich solchen Parolen entgegenzustellen und Antisemitismus zu bekämpfen und zu verurteilen“, sagten der CDU-Fraktionsvorsitzende Hannsgeorg Schönig und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sabine Flegel in der vergangenen Woche, wie die Mainzer Tageszeitung „Rhein Main Presse“ berichtete.

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Homöopathie und alternative Heilmethoden: Globuli stoppen Ebola nicht

Tödlicher Erreger. Ein mutmaßliches Ebolaopfer wird von Helfern abtransportiert. – Foto: Reuters
Der Westen bringt nicht nur Helfer in die betroffenen Regionen, sondern auch allerhand Gerüchte, wie die Krankheit angeblich mit Alternativmethoden geheilt werden kann. Mit verheerenden Folgen: Der Glaube an Homöopathie und anderen Hokus-Pokus kann Leben kosten.

Von Kai KupferschmidtDER TAGESSPIEGEL

Die Krankheit war plötzlich aufgetaucht. Im Sommer 1976, mitten im afrikanischen Dschungel. Die Erkrankten klagten über Kopfschmerzen und hohes Fieber, nach ein paar Tagen begannen sie zu bluten. Dann starben sie. Der Erreger war unbekannt, es gab kein Heilmittel. In einem Missionskrankenhaus im Zentrum der Epidemie versuchten belgische Nonnen, die sterbenden Patienten zu retten. Vergebens.

Beerdigung folgte auf Beerdigung. Und immer mehr Gerüchte verbreiteten sich. Viele Einheimische blieben dem Krankenhaus fern. Das scheint irrational, hat aber manchen vermutlich das Leben gerettet. Forscher stellten später fest, dass fast alle der frühen Opfer von den Nonnen behandelt worden waren, ehe sie erkrankten.

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Pädo-Sekte im Deutschen Ethikrat

missbrauch_katholWeihbischof Losinger ist gegen jeden Form der Beihilfe zur Selbsttötung. «Aus der Möglichkeit für wenige wird schleichend eine Pflicht für Viele», warnte Losinger, der Mitglied im Deutschen Ethikrat ist.

Von Christoph Scholzkath.net

Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger hat sich gegen jede Form der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung gewandt. Losinger ist Mitglied des Deutschen Ethikrates und in der Deutschen Bischofskonferenz für ethische Grundfragen zuständig. In der Debatte um eine gesetzliche Regelung des assistierten Suizids warnte er am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), davor, aus der Betroffenheit über dramatische Einzelfälle Grundprinzipien infrage zu stellen.

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Bundeswehr wirbt erneut in der „Bravo“ um Nachwuchs

Bild: Bravo/Screenshot: BB
Bild: Bravo/Screenshot: BB
Mit Sonne, Strand und Meer wirbt die Bundeswehr derzeit im Jugendmagazin „Bravo“ für seine „Adventure Camps“. Das sei völlig realitätsfern und verstoße gegen Völkerrecht, kritisieren Kinderrechtsgruppen. Minderjährige hätten beim Militär nichts zu suchen.

FOCUS ONLINE

Für „Adventure Camps“ auf Sardinien und in Deutschland wirbt die Bundeswehr auf der Internetseite des Jugendmagazins „Bravo“ und verspricht „Team-Challenges“ und einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Diese Art der Nachwuchswerbung stieß bereits im Jahr 2012 auf heftige Kritik von Kinderrechtsgruppen. In einer Mitteilung protestierte das „Deutsche Bündnis Kindersoldaten“ auch diesmal gegen die „verharmlosende Kampagne“, die nichts mit der Realität zu tun habe.

Leben mit dem Tod – Woher unsere Angst vor dem Tod kommt

Woody Allen

„Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn’s passiert.“

Von Dr. Sandra MaxeinerTHE HUFFINGTON POST

Die Wunde der Sterblichkeit, die uns das Leben einbrennt
Jeder ernsthafte Autor hat sich wohl schon mit dem Tod und der eigenen Sterblichkeit befasst. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte einmal, dass die Literatur im Grunde nur zwei große Themen kenne: die Liebe und den Tod. Wie viel Wahrheit darin steckt, wissen wohl nicht nur die Literaturfreunde unter Ihnen. Die Furcht vor dem Tod ist jedem menschlichen Wesen eigen: Sie ist unser dunkler Schatten, der uns stets begleitet, und vielleicht ist sie der zuverlässigste Begleiter, den wir im Leben haben. Und dann ist da noch das Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit, das uns das Leben einbrennt. Es zeigt sich zunächst – wie eine Verletzung – als kleine offene Stelle, dann wird die Wunde größer, blutet, mitunter schließt sie sich wieder und es bildet sich Schorf, doch irgendwann schließt sie sich nicht mehr.

Begegnungen mit dem Tod
Wohl jeder von uns hatte schon einmal eine Begegnung mit dem Tod, durch die uns die eigene Sterblichkeit bewusst wurde. Es ist wie ein Weckruf. Bis dahin haben wir zwar viele Verluste erlebt, von Bekannten über Todesfälle gehört, aber das war nichts, was uns wirklich nahe ging.

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