Schlagwort-Archive: Tod

Wird die lebenslange Freiheitsstrafe bald abgeschafft?

justiz_gross

Die lebenslange Freiheitsstrafe in Deutschland ist meist auf einige Jahre begrenzt. Im Gegensatz zu den USA greift sie nicht zwingend bis zum Tod. Ein Bundesrichter fordert nun die Abschaffung. Er rügte die Prozesse als „symbolische Veranstaltung“.


FOCUS ONLINE

Bundesrichter Thomas Fischer fordert die Abschaffung der lebenslangen Freiheitsstrafe. Diese sei eine verfassungswidrige Idee aus der Vergangenheit und reine Symbolik, schreibt der Strafrichter am Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in einem Beitrag für „Zeit Online“. „Wir sollten uns von ihr verabschieden.“

Derzeit verbüßten zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilte Täter ungefähr 19,5 Jahre Haft, schreibt der Vorsitzende Richter des zweiten BGH-Strafsenats. „Die lebenslange Freiheitsstrafe ist bei uns nämlich vor allem eine symbolische Veranstaltung.“ Politiker trauten sich aber nicht, das zuzugeben.

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Die Toten an den EU-Außengrenzen sind unvermeidlich

Die Toten an den EU-Außengrenzen sind unvermeidlich © Montecruz Foto @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Erneut zeigen sich Deutschland und Europa schockiert über den Tod weiterer Flüchtlinge vor Lampedusa. Doch wie glaubwürdig ist unsere Anteilnahme? Sind Flüchtlinge nicht notwendige Folge unseres eigenen Tuns? Ein Zweiteiler von Prof. Schiffer-Nasserie”


Von Arian Schiffer-Nasserie|MiGAZIN

Weltrekord! Über 50 Millionen Menschen waren laut UNHCR im vergangenen Jahr auf der Flucht – mehr als je zuvor seit Weltkrieg Nummer 2 und allein sechs Millionen mehr als im Vorjahr. Ein kleiner Teil der Flüchtenden erreichte die Außengrenzen der EU und versuchte Mauern, Zäune und Seegrenzen ohne Erlaubnis des Staatenbündnisses zu überwinden.

Über ein Jahr liegt die „Flüchtlingskatastrophe“ von Lampedusa bereits zurück. An öffentlicher Anteilnahme, an zur Schau gestellter Scham, Trauer und Betroffenheitsbekundungen der europäischen Eliten hatte es danach ja keinesfalls gemangelt. Sogar politische Konsequenzen wurden in Aussicht gestellt: Alles sollte anders werden. Davon will man heute kaum noch etwas wissen.

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Warum Gott (nicht) doof ist

Foto: Martin U. K . Lengemann Mit “Gott ist doof” widmet sich das Berliner Stadtmagazin “Zitty” dem Thema Religion

Das Berliner Stadtmagazin “Zitty” will in seiner aktuellen Ausgabe belegen, dass die Hauptstadt keine Religion braucht. Es gab schon einmal eine nahezu gottlose Zeit. Die bessere war es sicher nicht.


Von Claudia Becker|DIE WELT

Da will auch mal jemand provozieren. Das Berliner Stadtmagazin “Zitty”. Mit einer Bemerkung, die nicht mal mehr pubertär klingt, sondern nach einem Streit in einer Sandkiste. “Du bist doof”, sagen sie. “Gott ist doof”, schreiben sie. Das steht auf dem Titel der aktuellen Ausgabe und das Versprechen, in dem Heft zu erklären, “warum Berlin gar keine Religionen braucht”, und einer ersten Antwort, die sich aus der Aufreihung “Islamisten, Pegida, Eiferer” ergibt. So als ob das alles eins wäre. Und darüber, auf tiefschwarzem Hintergrund, drei stilisierte Kirchen, mit Davidstern, mit Kreuz, mit Halbmond. Daneben ein Stift in Kirchenform, mit einem roten Haken dran. Damit auch jeder weiß, was richtig ist.

Das Editorial. “Natürlich bleiben ohne Religion viele Fragen ungeklärt”, heißt es da. “Was etwa nach dem Tod geschieht, Wiedergeburt oder Verwesung, darüber scheiden sich die Geister. Nur: Brauchen wir für die Beantwortung dieser Fragen eine Religion? Oder reicht ein bisschen Mut zur Ungewissheit?”

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Zentralrat der Muslime: “Wir bräuchten mehr Satire über Terroristen” – dann fangt mal an

Micky-Maus_Mohammed„Ich finde, wir bräuchten viel mehr Satire über die Terroristen. Über ihren fanatischen Drang zu Tod und Gewalt. Und vor allem über ihre bodenlose Feigheit.“ Das sagte der Chef des Zentralrat der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, der “Bild”-Zeitung vom Donnerstag.


Von Susanne Klaiber|Huffington Post

Empörung über vergleichsweise moderate Mohammed-Karikatur

Mazyek sprach mit der Zeitung über die Diskussion, die über die neue Mohammed-Karikatur auf dem Cover der französischen Satire-Zeitung “Charlie Hebdo”. Die Überlebenden des Massakers vergangene Woche hatten sich entschieden, die erste Ausgabe nach dem Attentat wieder mit einer Mohammed-Karikatur zu eröffnen. Einer vergleichsweise wenig provokanten. Darauf zu sehen ist der wichtigste Prophet des Islam mit dem Schild “Je suis Charlie” – mit dem Schriftzug darüber “Alles ist vergeben”.

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FAZ: Sterbehilfe-Debatte zeigt Säkularisierung

Bild: letzte-hilfe.de

Bild: letzte-hilfe.de

In der Diskussion um Sterbehilfe geht es darum, Macht über das Sterben zu gewinnen, meint das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dementgegen stehe die christliche und philosophische Vorstellung von unverfügbaren Bereichen des Lebens.

pro Medienmagazin

Mit dem biblischen Spruch „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Psalm 31,15) drückten Christen aus, dass es in Geburt, Leben und Tod einen Bereich des Unverfügbaren gebe. Daher sei dies ein „sympathischer“, wenn auch „wohl bald ganz verschwindender“ Satz, findet der Leiter des FAZ-Feuilletons, Edo Reents.

Zwar hätten auch Philosophie und Literatur traditionell die Unverfügbarkeit des Sterbens betont. Davon sei in der aktuellen Sterbehilfe-Debatte davon jedoch kaum die Rede. Im Zentrum stehe die Autonomie des Menschen. Mit dieser „Machbarkeitsbestrebung“ sei diese Debatte ein „Säkularisierungssymptom“. „Das Anschwellen der Ermächtigungsrhetorik ist nicht zu übersehen. Nun geht es also ums Sterben.“

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Keine Volksverhetzung: Anti-Israel-Demonstration nicht strafbar

Eine Demonstration gegen den Krieg in Gaza © GGAADD @ flickr.com (CC 2.0)

Kritik an einem ausländischen Staat fällt nicht unter den Straftatbestand der Volksverhetzung. Mit dieser Begründung hat die Staatsanwaltschaft Mainz die Beschwerde gegen israelkritische Parolen bei einer Kundgebung zurückgewiesen.

MiGAZIN

Anti-israelische Parolen bei einer Kundgebung in Mainz im vergangenen Juli sind strafrechtlich irrelevant. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz bestätigte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Mainz, ein Ermittlungsverfahren gegen den Veranstalter der pro-palästinensischen Kundgebung abzulehnen.

Damit wurde die Beschwerde des früheren Mainzer CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Gerster abgewiesen, teilte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Freitag dem Evangelischen Pressedienst mit. Kritik an einem ausländischen Staat falle nicht unter den Straftatbestand der Volksverhetzung.

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Sie sollte eine keusche, hörige Tochter werden

Themenbild

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Ein Tabubruch: Sie wollte nicht zwangsverheiratet werden und kehrte einer Parallelgesellschaft den Rücken. Seit Jahren hat Aliyah keinen Kontakt mehr zu ihrer muslimischen Familie.

Von Güner BalciDIE WELT

Heute schicke ich Aliyah ein paar Fotos von ihren besten Freundinnen. Es ist ungewiss, ob sie sie jemals wieder treffen wird. Seit zwei Jahren hat Aliyah keinen Kontakt mehr zu ihrem alten Leben. Damals, als ich sie an einem geheimen Treffpunkt abholte und zum Flughafen fuhr, immer auf der Hut, ob uns auch niemand von ihrer Familie oder ihren Bekannten sehen würde, wussten wir beide nicht, wohin die Reise gehen würde. Ich weiß noch, wie sie unsicher im Auto saß, den Kopf gesenkt, die Hände ineinander gepresst. Einige Wochen zuvor hatte sie angerufen und mir mitgeteilt, dass sie nun doch flüchten würde, vor ihrer Familie. Sie wusste, dass ich ihr helfen würde, wir hatten schon einmal darüber gesprochen, vor Jahren hatte ich ihr meine Hilfe zugesagt.

Aliyah ist geflohen, weil sie weder den, von ihrer Mutter für sie auserwählten Cousin, noch einen anderen kurdischen Mann, der ihren Eltern gepasst hätte, heiraten wollte. Sie hat sich in einen jungen Griechen verliebt. Mit ihm wollte sie zusammenleben. Doch weil ihre Familie diese Beziehung niemals akzeptiert hätte, mussten sie beide untertauchen. Andere Menschen und ich haben ihnen dabei geholfen. Heimlich. Sie leben heute an einem geheimen Ort. Doch nicht nur die beiden, auch Dimis Eltern mussten alles aufgeben und in einen anderen Ort ziehen. Auch sie wurden bedroht.

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Atheisten rüsten zum Suizid

Gibt es ein Recht auf einen pünktlichen Tod? Bild: Cicero/picture alliance

Ein Lobbybündnis wirbt für die Sterbehilfe. Es sind die gleichen, die früher für die Abtreibung mobil machten: Atheisten. Daran wird deutlich, dass es beim begleiteten Suizid weniger um den Tod als um die Gottesfrage geht.

Von Alexander KisslerCicero

Der brachiale Selbstmord des Udo Reiter war der Auftakt zu einem heißen Herbst des Sterbens. Genauer: der Sterbehilfe, denn um diese wird im November der Deutsche Bundestag ringen. Soll wie bisher alle „Suizidbeihilfe“ straffrei bleiben? Generell oder nur dann, wenn Ärzte sich ihrer ausnahmsweise annehmen? Mit welchen Regularien müssen „Sterbehilfe-Vereine“ rechnen, mit Verbot oder Minderem? Ohne Fraktionszwang wollen die Volksvertreter in diesen schwierigen Fragen ihrem Gewissen folgen.

Seit Anfang dieser Woche machen die Befürworter passiver und indirekter Sterbehilfe mobil. Das „Recht der Ärzte, (…) Suizidwilligen zu helfen,“ stehe unter dem Schutz der Verfassung und dürfe nicht eingeschränkt werden. Auf Bussen und an Bahnstationen wirbt ein „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ für die Losung „Mein Ende gehört mir“ – ein Slogan, so direkt wie einst das Motto der Abtreibungsverbotsgegner.

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Vom Menschen zum Monstrum

Die Erbsündelehre beschränkt den Kreis der Erlösungskandidaten: Tag des Jüngsten Gerichts als Flachrelief an der Fassade des Doms von Orvieto in Umbrien. Foto: imago

Der Philosoph Peter Sloterdijk über den zerborstenen Generationenvertrag, die Erbsünde sowie den Unterschied zwischen einer naiven und sentimentalen Moral.

Interview Michael HesseFrankfurter Rundschau

Herr Sloterdijk, Sie bezeichnen die Menschen der Moderne in Ihrem Buchtitel als „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“. Hinter dem Gedanken der „schrecklichen Kinder“ steckt die Figur der Abtrünnigkeit, das Losreißen von den Eltern. Was hat dieser Bruch mit der Tradition bewirkt?
Ich beschreibe die Moderne als ein umfassendes anti-genealogisches Experiment. Dieses gründet in dem Umstand, dass es keine kulturellen Automatismus mehr gibt, der auf gesicherte Weise von Großeltern zu Kindern zu Enkeln führt. Vielmehr könnte in jedem genealogischen Intervall die ganze Kette reißen. Für die Moderne ist typisch, dass sich das Intervall zwischen Eltern und Kindern bei jeder Wiederholung etwas weiter aufspreizt.

Eltern und Kinder werden einander immer unähnlicher?
Unvermeidlich, auch weil die Lebenswelten sich so rasch verändern. Die Moderne lässt keinen anderen Befund zu. Die herkömmliche Orientierung am Wissen der Alten geht fast völlig verloren, das Alter verliert seine Autorität. Damit beginnt das Zeitalter der immer unähnlicheren Kinder. Manchmal hat man den Eindruck, in einem einzigen generation gap könnte die Welt untergehen. Man staunt, dass die Welt trotz allem noch da ist.

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Auf deutschen Straßen darf risikolos ‘Tod, Tod Israel’ gebrüllt werden

justiz_grossMainzer Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen wegen Volksverhetzung ein – Mainzer CDU-Fraktion reagiert mit heftiger Kritik: „Parolen wie ,Tod, Tod, Israel’ oder ,Kindermörder Israel’ müssen in unserem Land verfolgt werden.“

kath.net

„Wir haben hierfür überhaupt kein Verständnis und teilen ausdrücklich die Verärgerung und Kritik von Johannes Gerster“. Derart explizit kritisierte die CDU-Stadtratsfraktion Mainz die Entscheidung der Mainzer Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen die Veranstalter der Pro-Palästina-Demonstration Mitte Juli wegen Volksverhetzung einzustellen.

„Parolen wie ,Tod, Tod, Israel’ oder ,Kindermörder Israel’ müssen in unserem Land verfolgt werden. Darüber hinaus sind aber alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, sich solchen Parolen entgegenzustellen und Antisemitismus zu bekämpfen und zu verurteilen“, sagten der CDU-Fraktionsvorsitzende Hannsgeorg Schönig und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sabine Flegel in der vergangenen Woche, wie die Mainzer Tageszeitung „Rhein Main Presse“ berichtete.

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Homöopathie und alternative Heilmethoden: Globuli stoppen Ebola nicht

Tödlicher Erreger. Ein mutmaßliches Ebolaopfer wird von Helfern abtransportiert. – Foto: Reuters

Der Westen bringt nicht nur Helfer in die betroffenen Regionen, sondern auch allerhand Gerüchte, wie die Krankheit angeblich mit Alternativmethoden geheilt werden kann. Mit verheerenden Folgen: Der Glaube an Homöopathie und anderen Hokus-Pokus kann Leben kosten.

Von Kai KupferschmidtDER TAGESSPIEGEL

Die Krankheit war plötzlich aufgetaucht. Im Sommer 1976, mitten im afrikanischen Dschungel. Die Erkrankten klagten über Kopfschmerzen und hohes Fieber, nach ein paar Tagen begannen sie zu bluten. Dann starben sie. Der Erreger war unbekannt, es gab kein Heilmittel. In einem Missionskrankenhaus im Zentrum der Epidemie versuchten belgische Nonnen, die sterbenden Patienten zu retten. Vergebens.

Beerdigung folgte auf Beerdigung. Und immer mehr Gerüchte verbreiteten sich. Viele Einheimische blieben dem Krankenhaus fern. Das scheint irrational, hat aber manchen vermutlich das Leben gerettet. Forscher stellten später fest, dass fast alle der frühen Opfer von den Nonnen behandelt worden waren, ehe sie erkrankten.

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Pädo-Sekte im Deutschen Ethikrat

missbrauch_katholWeihbischof Losinger ist gegen jeden Form der Beihilfe zur Selbsttötung. «Aus der Möglichkeit für wenige wird schleichend eine Pflicht für Viele», warnte Losinger, der Mitglied im Deutschen Ethikrat ist.

Von Christoph Scholzkath.net

Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger hat sich gegen jede Form der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung gewandt. Losinger ist Mitglied des Deutschen Ethikrates und in der Deutschen Bischofskonferenz für ethische Grundfragen zuständig. In der Debatte um eine gesetzliche Regelung des assistierten Suizids warnte er am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), davor, aus der Betroffenheit über dramatische Einzelfälle Grundprinzipien infrage zu stellen.

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Bundeswehr wirbt erneut in der „Bravo“ um Nachwuchs

Bild: Bravo/Screenshot: BB

Bild: Bravo/Screenshot: BB

Mit Sonne, Strand und Meer wirbt die Bundeswehr derzeit im Jugendmagazin „Bravo“ für seine „Adventure Camps“. Das sei völlig realitätsfern und verstoße gegen Völkerrecht, kritisieren Kinderrechtsgruppen. Minderjährige hätten beim Militär nichts zu suchen.

FOCUS ONLINE

Für „Adventure Camps“ auf Sardinien und in Deutschland wirbt die Bundeswehr auf der Internetseite des Jugendmagazins „Bravo“ und verspricht „Team-Challenges“ und einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Diese Art der Nachwuchswerbung stieß bereits im Jahr 2012 auf heftige Kritik von Kinderrechtsgruppen. In einer Mitteilung protestierte das „Deutsche Bündnis Kindersoldaten“ auch diesmal gegen die „verharmlosende Kampagne“, die nichts mit der Realität zu tun habe.

Leben mit dem Tod – Woher unsere Angst vor dem Tod kommt

Woody Allen

„Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn’s passiert.”

Von Dr. Sandra MaxeinerTHE HUFFINGTON POST

Die Wunde der Sterblichkeit, die uns das Leben einbrennt
Jeder ernsthafte Autor hat sich wohl schon mit dem Tod und der eigenen Sterblichkeit befasst. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte einmal, dass die Literatur im Grunde nur zwei große Themen kenne: die Liebe und den Tod. Wie viel Wahrheit darin steckt, wissen wohl nicht nur die Literaturfreunde unter Ihnen. Die Furcht vor dem Tod ist jedem menschlichen Wesen eigen: Sie ist unser dunkler Schatten, der uns stets begleitet, und vielleicht ist sie der zuverlässigste Begleiter, den wir im Leben haben. Und dann ist da noch das Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit, das uns das Leben einbrennt. Es zeigt sich zunächst – wie eine Verletzung – als kleine offene Stelle, dann wird die Wunde größer, blutet, mitunter schließt sie sich wieder und es bildet sich Schorf, doch irgendwann schließt sie sich nicht mehr.

Begegnungen mit dem Tod
Wohl jeder von uns hatte schon einmal eine Begegnung mit dem Tod, durch die uns die eigene Sterblichkeit bewusst wurde. Es ist wie ein Weckruf. Bis dahin haben wir zwar viele Verluste erlebt, von Bekannten über Todesfälle gehört, aber das war nichts, was uns wirklich nahe ging.

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Naturgeschichte des Glaubens

Das Kreuz mit den Religionen

Das Kreuz mit den Religionen

Warum glauben Menschen an Gott? Welchen Zweck erfüllt Religiosität? Plausible Antworten darauf finden sich neuerdings aus evolutionstheoretischer und verhaltensbiologischer Perspektive.

Von Franz M. WuketisWiener Zeitung

Religiöser Glaube tritt in sehr unterschiedlichen Ausprägungen auf und ist in allen menschlichen Kulturen beziehungsweise Gesellschaften anzutreffen. Einschließlich der verschiedenen Formen des Aberglaubens, Anbetungen von Kultgegenständen, Weltuntergangsmythen, Beschwichtigungsritualen und so weiter kann dieser Glaube – ähnlich den mit ihm oft verbundenen moralischen Vorstellungen – zu den anthropologischen Universalien gezählt werden.

Homo religiosus
Daher wurde der Mensch auch als ein “Homo religiosus” bezeichnet. Von allen bekannten Lebewesen auf der Erde ist er die einzige Spezies mit einer Disposition zu religiösem Glauben, der sich nicht zuletzt in der Hoffnung auf ein “Weiterleben” nach dem Tod im “Jenseits” manifestiert.

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Religion als Instrument der Angstbewältigung

Prof. Dr. Dirk Evers und Prof. Dr. Robert-Benjamin Illing (v.l.) Foto: bhe

Neurobiologe Robert-Benjamin Illing zur Entstehung von Religion in der Evolution – Streitgespräch „Entsteht Religion im Gehirn?“ mit dem Theologen Dirk Evers

Pressemitteilung des Exzellenzclusters vom 21. Mai 2014

Religion lässt sich aus Sicht des Freiburger Neurobiologen Prof. Dr. Robert-Benjamin Illing primär als Instrument der Angstbewältigung ansehen. „Mit Angstgefühlen sind unsere Vorfahren seit Urzeiten vertraut. Im Zuge der Zivilisations- und Bewusstseinsentwicklung sah sich der Mensch jedoch mit neuen Ängsten konfrontiert: vor Krankheit, Verfall und Tod“, sagte der Wissenschaftler am Dienstagabend in der Reihe „Streitgespräche über Gott und die Welt“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ in Münster. „Anders als vor Schlangen oder Leoparden können wir vor Existenzängsten und Sinnkrisen nicht physisch fliehen, weil sie in uns wohnen“, so der Forscher. „Im Rahmen unserer kognitiven Möglichkeiten fassen wir die neuen Ängste deswegen in Mythen und entwickeln daraus Religionen, um ihnen doch zu entkommen.“

Die Welt biete nicht nur für vielfältige Lebensformen, sondern auch für vielfältige kognitive Kreationen zahlreiche „ökologische Nischen“, so Illing. „Sie war ein vergleichsweise armseliger Ort, als es in ihr noch keine Seele, kein Ich, keine Werkzeuge, keine Freiheit, keinen Gott gab. Jetzt gibt es all das in ihr dank des Menschen. Und was sich bewährt, entspricht ihrer Hausordnung.“

Die Veranstaltung trug den Titel „Neurologie und Kognitionswissenschaft: Entsteht die Religion im Gehirn?“ In den vergangenen Jahren hatten zahlreiche Neurowissenschaftler versucht, den Sitz religiöser Vorstellungen im Gehirn genau zu lokalisieren. Neurobiologe Illing hingegen folgte in seinen Ausführungen evolutionsbiologischen Erklärungen: Der Mensch stelle anhand spärlicher äußerer Wahrnehmungen ständig Vermutungen über Gedanken und Absichten anderer Menschen an. „Mit diesem kognitiven Instrumentarium treten wir auch der Natur gegenüber, wenn wir etwa in Pilzkreisen Feenringe sehen oder Opferriten durchführen, um Vulkane zu besänftigen.“

Elektrochemische Zustände im Gehirn

Der Neurobiologe führte aus: „Wie unsere Sinnesorgane entstand auch unser Gehirn nicht aus dem Nichts, sondern als Zwischenergebnis einer Jahrmillionen langen stammesgeschichtlichen Entwicklung.“ Während der Evolution sei es zu einer zunehmend spezifischen Anpassung unserer Sinnes- und Gehirnfunktionen an eine immer komplexer werdende Umwelt gekommen. „Um uns darin schnell und sicher zu orientieren, produzieren unsere Sinnes- und Denkorgane unablässig nützliche, aber keineswegs unfehlbare Hypothesen über Dinge, Gesetzmäßigkeiten und Absichten“, sagte Illing. „Deshalb ist die Welt weder so, wie wir sie sehen, noch so, wie wir sie denken.“

Der evangelische Theologe Prof. Dr. Dirk Evers aus Halle schloss an Illings Position an. Auch er vertrat die Auffassung, Religion entstehe nicht im Gehirn. Vielmehr bilde sie sich „im sozialen Raum sprachfähiger Subjekte“ heraus, „denn im Gehirn entstehen – nach allem, was wir wissen – Muster elektrochemischer Zustände.“ Religiöse Vorstellungen und Verhaltensweisen sollten nach den Worten des systematischen Theologen gerade für solche Aspekte menschlicher Existenz stehen, die evolutionsbiologisch nicht funktional zu beschreiben sind. Dabei warf der Wissenschaftler die Frage auf, „ob ‚die‘ Religion überhaupt ein sinnvoller Singular ist, wenn man sich die Vielfalt religiöser und quasi-religiöser Erscheinungen kulturübergreifend vor Augen führt.“

Streitgespräch „Beginn des Lebens“

Foto: wikipedia, R. Wölk

Mit Blick auf das Christentum plädierte Evers dafür, „es nicht als Erweiterung des Weltwissens, sondern als eine Perspektive auf die Wirklichkeit überhaupt“ zu sehen, die die menschliche Existenz von der Geschichte Jesu Christi her verstehe. Moderator der Diskussion war der evangelische Theologe Prof. Dr. Traugott Roser aus Münster. Das nächste Streitgespräch am Dienstag, 27. Mai, befasst sich unter dem Titel „Der Beginn des Lebens“ mit medizinethischen Fragen zum Lebensanfang. Es diskutieren die Medizinethikerin Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert aus Münster und der evangelische Theologe Prof. Dr. Reiner Anselm aus Göttingen. Die Moderation übernimmt der Rechtsphilosoph Prof. Dr. Thomas Gutmann vom Exzellenzcluster.

In der Reihe „Streitgespräche über Gott und die Welt“ diskutieren im Sommersemester Theologen und Nicht-Theologen aktuelle Themen wie Hirnforschung, Wirtschaftsethik und Friedenspolitik. Veranstalter sind der Exzellenzcluster und die Evangelisch-Theologische Fakultät. Die Streitgespräche sind dienstags von 18.15 bis 19.45 Uhr in Hörsaal F1 im Fürstenberghaus am Domplatz 20-22 in Münster zu hören. Das Format trägt den Untertitel „Disputationen zwischen Theologie, Natur- und Gesellschaftswissenschaften“. (mit/vvm)

Viele Geburten können das Überleben einer Religion sichern

Bild: Uli Stein, erloeserkirche-rheinhausen.de

Evolutionsbiologe: Es gibt aber keine unfehlbare Strategie gegen das Aussterben – Wie sollen Protestanten damit umgehen, dass ihre Mitgliederzahl schrumpft?

kath.net

Das Überleben einer Religion hängt auch davon ab, ob ihre Anhänger überdurchschnittlich viele Kinder bekommen. Diese Meinung vertrat der Evolutionsbiologe Prof. Thomas Junker (Tübingen) auf dem Zukunftsforum der EKD am 16. Mai in Essen. Er sprach zum Thema „,Survival of the fittest’ – Was die Theologie von der Evolutionsbiologie lernen kann“.

Nach seinen Worten sterben religiöse Gemeinschaften aus, wenn die Zahl der Zugänge auf Dauer geringer ist als die Verluste durch Tod oder Austritte und wenn die Gläubigen ihre Ideen nicht mehr an die nächste Generation weitergeben. Statistiken zeigten, dass dies auf die evangelische Kirche in Deutschland zutreffe. Das könne zu einem Aussterben führen. Allerdings empfahl Junker der evangelischen Kirche, auf diesen Rückgang nicht hektisch zu reagieren: „Alle heute existierenden religiösen Gemeinschaften sind ja Erfolgsmodelle. Sonst gäbe es sie nicht mehr.“ Wenn die Kirche sich zu schnell ändere, könne sie auch die Dinge verlieren, die gut gewesen seien.

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Dresdens Bischof Koch: Auch der Atheist ist tiefgläubig

Heiner Koch, Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0-DE

Der Atheist glaube, dass mit dem Tod alles aus sei und es keinen Gott gebe, sagte Bischof Heiner Koch. «Glauben muss auch er – diese Erkenntnis macht viele nachdenklich.»

kath.net

Der katholische Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch, nimmt in der sächsischen Diaspora eine religiöse Aufbruchstimmung wahr. «Ich bin nicht der Meinung, dass hier plötzlich alle Christen werden, aber es wächst die Erkenntnis, dass auch der Atheist tiefgläubig ist», sagte Koch vergangene Woche in einem Interview der in Dresden erscheinenden «Sächsischen Zeitung».

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Sonderschau in Kassel: Tod bei Buddhisten und Atheisten

Buddhistischer Friedhof Wien , Bild: euxus.eu

Bestattungsrituale fremder Religionen und Kulturen zeigt das Museum für Sepulkralkultur in Kassel in seiner neuen Dauerausstellung. Einen Schwerpunkt stellten besondere Grabstätten für Angehörige anderer Religionen in Deutschland dar, hieß es am Donnerstag zur Vorstellung der Sonderschau in dem Spezialmuseum zu den Themen Tod und Bestattung.

evangelisch.de

Das Spektrum reiche dabei vom Friedhof für Konfessionslose in Berlin,  über einen chinesischen Friedhof in Hamburg bis hin zu einem buddhistischen Gräberfeld in Hannover.

In dem neuen Ausstellungsbereich mit dem Titel “Religionen – Rituale und Sitten zum Tod” werde über Bestattungssitten in zahlreichen Religionen und Kulturen informiert, sagte Sprecherin Jutta Lange in Vertretung des erkrankten Direktors Reiner Sörries am Donnerstag. Die Anregung dazu sei unter anderem auch von ausländischen Besuchern gekommen, die Informationen über den Tod in anderen Religionen vermisst hätten.

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Leben ohne Gott

Franz M. Wuketits Was Atheisten glauben Verlag: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2014 ISBN: 9783579085036 19,99 €

Der Buchtitel ist etwas missverständlich. Nein, das Werk handelt nicht über Ersatzreligionen von Häretikern oder so etwas. Vielmehr befasst es sich damit, wie gottlose Menschen zum Leben stehen und wie sich aus der Perspektive des Atheismus die “großen Fragen” beantworten lassen: Wie wichtig ist Moral, was ist der Sinn des Daseins, wie begegne ich dem Tod?

Von Frank SchubertSpektrum.de

Der Autor, Franz M. Wuketits, lehrt Philosophie mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften an der Universität Wien. Er hat zahlreiche Bücher über Biologie, Evolution und Ethik verfasst. In seinem neuen Werk umreißt er zunächst, was er unter einem Atheisten versteht: Einen Menschen, der grundsätzlich die Existenz höherer Wesen verneint und sich allein dem “Diesseits” verpflichtet fühlt. Atheisten seien im Allgemeinen Humanisten und somit ihren Mitmenschen verbunden. Ihre Grundhaltung sei nicht zu verwechseln mit Antitheismus, dem Kampf gegen Gläubige. Atheisten hätten in aller Regel kein Interesse daran, die Konflikte in der Welt zu vermehren, und bemühten sich daher um ein gedeihliches, respektvolles Zusammenleben – auch mit gläubigen Menschen. Wuketits möchte nicht gegen Religionen hetzen; er möchte deutlich machen, dass der Atheismus eine lebenswerte Daseinsform ist, die dem Gottesglauben intellektuell und ethisch in nichts nachsteht.

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