Ambivalenter Antifaschismus

Auf der Straße. Demonstration gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD 2018 in Mecklenburg-Vorpommern. in.Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec

Alltäglicher Habitus oder Kampfinstrument? Immer wieder wandelt sich das Verständnis von Antifaschismus. Eine Begriffsgeschichte.

Von Jens Späth | DER TAGESSPIEGEL

„Kameraden! Wir Buchenwalder Antifaschisten sind heute angetreten zu Ehren der in Buchenwald und seinen Außenkommandos von der Nazi-Bestie und ihren Helfershelfern ermordeten 51 000 Gefangenen!“ Mit diesen Worten beginnt die als „Schwur von Buchenwald“ bekannte Ansprache zum Totengedenken am 19. April 1945 im gerade befreiten Konzentrationslager vor den Toren Weimars. Die aus 16 Ländern stammenden Lagerinsassen schworen in fünf Sprachen: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

In diesem konkreten Fall wurde Antifaschismus als organisierte, überparteiliche und transnationale Sammelbewegung gegen den Nationalsozialismus und sein Erbe sowie für eine friedliche und freiheitliche Welt verstanden. Dagegen gestalten sich Definitionsversuche, die das Phänomen in den folgenden Jahrzehnten bis heute greifen können, zunehmend schwieriger.

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Rechter Shitstorm nach Nazi-Durchsage im ICE

Bild: Karinkarin/pixabay.com

Nachdem sie auf eine rechtsradikale Durchsage aufmerksam gemacht hatte, geriet eine Hamburgerin in einen Shitstorm – und die Bahn reagierte zunächst dilettantisch. Ein Bericht und ein Kommentar

Gerrit Wustmann | TELPOLIS

Folgendes ist geschehen: Am vergangenen Montag saß die Hamburgerin Julietta F. im ICE von München nach Frankfurt. Vor Frankfurt wurde der Zug durch die Entschärfung einer Weltkriegsbombe aufgehalten. Manche nahmen es relaxt, andere waren genervt von der Verspätung – Alltag bei der Deutschen Bahn also. Bis über die Bordlautsprecher diese Durchsage kam: „Liebe Fahrgäste, unser Zug hat wegen der Entschärfung einer Bombe, die die Westalliierten auf die unschuldige Bevölkerung Frankfurts abgeworfen haben, zur Zeit fünfundvierzig Minuten Verspätung.“

Julietta F. war verständlicherweise entsetzt und bat noch im Zug darum, mit demjenigen, der die Durchsage gemacht hat, sprechen zu dürfen. Das wurde ihr verweigert. Also postete sie die Angelegenheit auf die Facebookseite der Deutsche Bahn Personenverkehr und fragte: „Ist es im Sinne der Deutschen Bahn, dass Mitarbeiter politische Statements verbreiten?“

Mit erheblicher Verzögerung reagierte das Social-Media-Team der Bahn und schrieb: „Hallo Julietta, was Sie da erlebt haben tut mir sehr leid. Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt sind Grundwerte der Deutschen Bahn. Rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen widersprechen diesen Unternehmenswerten. Soweit ich mitbekommen habe, haben Sie bereits einen Service dazu kontaktiert. In dem Fall wird man dem Ganzen auch intern nachgehen und entsprechend auf den Kollegen zugehen.“Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz Mit erheblicher Verzögerung reagierte das Social-Media-Team der Bahn und schrieb: „Hallo Julietta, was Sie da erlebt haben tut mir sehr leid. Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt sind Grundwerte der Deutschen Bahn. Rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen widersprechen diesen Unternehmenswerten. Soweit ich mitbekommen habe, haben Sie bereits einen Service dazu kontaktiert. In dem Fall wird man dem Ganzen auch intern nachgehen und entsprechend auf den Kollegen zugehen.“

Dennoch sammelten sich unter der Beschwerde binnen weniger Stunden hunderte Beiträge – und zwar nicht etwa in Form von Empörung über den Bahnmitarbeiter, sondern in Form von Unterstützung für die getätigte Durchsage, gemischt mit heftigen Angriffen und Beschimpfungen. Die Bahn griff nahezu nicht moderierend ein und ließ teils auch abscheuliche Beschimpfungen stehen. Wenig später ging es dann im selben Tonfall auch auf der öffentlichen Facebookseite von Julietta F. los.

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Jugendweihe in Berlin: Zugezogene aus dem Westen entdecken Ritual für sich neu

Erste Jugendfeier des Jahres: Jugendliche am Sonnabend im Friedrichstadtpalast. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Die meisten stehen zum ersten Mal im Rampenlicht. Begleitet von Musik und Spots ziehen etwa 170 Jugendliche in den Saal des Friedrichstadtpalasts ein.

Torsten Harmsen | Berliner Zeitung

Ihre bereits im Saal sitzenden Eltern, Geschwister und Großeltern verfolgen sie aufgeregt mit den Augen. „Viele haben plötzlich die Erkenntnis: Mensch, das ist ja unser Kind, das auf einmal so groß geworden ist! Und da sieht man schon so manche Träne“, sagt Anna Paterok. Sie leitet das Projekt Jugendfeier Berlin des hiesigen Humanistischen Verbandes und spricht von einem „emotionalen Höhepunkt für die ganze Familie“.

Insgesamt 320 Jugendliche nahmen am Sonnabend im Friedrichstadtpalast an zwei Auftakt-Veranstaltungen der diesjährigen Jugendfeiern des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg teil. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hielt eine der Festreden. In den vergangenen Jahren traten bereits Frank Walter Steinmeier und Gregor Gysi als Festredner auf.

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Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam

Die Linke ist es, die immer mehr Bürger nach „rechts“ treibt, weil sie bei der Linken nicht mehr finden, was einst zum linken Selbstverständnis gehörte.

In Österreich hat zuletzt die Lehrerin Susanne Wiesinger eine Debatte über den fahrlässigen Umgang mit dem Islam in Schulen losgetreten. Ein neues Buch aus Deutschland beleuchtet die Hintergründe.

Samuel Schirmbeck | derStandard.de

Die deutsche Linke und der Islam, das ist eine monströse Geschichte. Denn es ist die Begegnung zweier Seelenlagen, jede von ihnen voller Schuldgefühle. Das linke Schuldgefühl kommt aus der Hölle der deutschen Vergangenheit. Das islamische Schuldgefühl kommt aus dem allmächtigen Himmel, in dessen Dienst die muslimische Welt ihre Zukunft verpasst. Das linke Schuldgefühl entlastet sich durch maximale Toleranz. Das islamische Schuldgefühl besänftigt sich durch maximale Intoleranz. Beide Schuldgefühle erzeugen ein Monstrum an Irrationalität auf deutschem Boden.

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«Humanismus» heisst die Losung – nicht «kulturelle Apartheid»

In Europa hat sich der Mensch erstmals zur selbstbestimmten Persönlichkeit geformt. Das war ein grosses Glück, von dem alle anderen Menschen auf dem Globus profitieren. Die Selbststilisierung der Europäer als Hort der Kultur ist dabei ebenso verfehlt wie die Kultivierung des Selbsthasses wegen der eigenen kolonialistischen Vergangenheit. Eine Replik.

Hans Widmer | Neue Zürcher Zeitung

Toleranz ist schön – wenn sie nicht auf der Abwesenheit eines eigenen Standpunktes beruht. Wer tolerant ist, hält aus, was eigenen Werten widerspricht. Das allein berechtigt auch, Toleranz einzufordern. Das Geltenlassen von anything ist keineswegs Toleranz, oft eher unbekümmerte Arroganz aus privilegierter Warte. Wenn sich die Ethnologin Lizzie Wade darüber entrüstet, dass sich Leser ihrer Berichte über grausige Menschenopfer von Kulturen wie den Azteken entsetzen, tritt ein Kultur-Relativismus hervor, den René Scheu in seinem Essay als «neue kulturelle Apartheid» aufs Korn nimmt. Zu Recht, doch kommt ein bisschen viel zusammen. Klarer wird’s, wenn zwischen der spezifisch abendländischen Idee des Humanismus, westlichen Auftritten in der Weltgeschichte und dem prägenden Charakter von Kulturen unterschieden wird.

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Atheismus: Hört auf, uns zu ärgern! – Heul doch!

In der letzten Ausgabe hieß es, Christen seien ein bisschen verrückt und müssten die Skepsis aushalten, die ihnen von Atheisten entgegenschlägt. Jetzt entgegnet Hanna Jacobs den Glaubensskeptikern: Verlangt nicht Toleranz, wo ihr selbst keine aufbringt!

Von Hanna Jacobs | ZEIT ONLINE

Atheisten halten Christen für verrückt. Das schrieb Valerie Schönian letzte Woche an dieser Stelle. Ich verstehe das. Christen glauben an einen Gott, der die Welt, auf der wir leben, nicht nur erschaffen hat, sondern der nach wie vor ihren Lauf ordnet. Wirklich stichhaltige Beweise gibt es für diese Annahme nicht. Man kann Gott nicht mit bloßem Auge sehen, als Schöpfergott nicht und als Heiligen Geist schon gar nicht. Jesus Christus, Gott-Sohn, konnte man während eines kurzen Zeitfensters in der Geschichte der Menschheit durchaus sehen und anfassen. Für alle Nachgeborenen heißt es seit knapp 2000 Jahren: nicht sehen und doch glauben. Oder eben gar nicht glauben.

Ich finde es nachvollziehbar, dass man die Existenz eines solchen unsichtbaren Wesens für Humbug hält. Wie einem die Frage nach Gott allerdings dermaßen egal sein kann, dass man nicht wenigstens versucht, eine Antwort darauf zu finden, kann ich nicht verstehen. „Ein Agnostiker ist jemand, der nicht mal gläubig genug ist, um Atheist sein zu können“, erklärte der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère in seinem Katholizismus-Bestseller Das Reich Gottes. Eben darum streite ich lieber mit Atheisten als mit Agnostikern oder postmodernen Synkretistinnen, die ein bisschen an das Universum glauben, ein bisschen an Karma, die hie und da mal versuchsweise meditieren. Sie sind spirituell, aber auf keinen Fall religiös. Sie sagen: Es müsse jeder für sich selber wissen, was er glaubt. Bei Atheisten ist die Gesprächsgrundlage wenigstens klar. Wir gehen beide davon aus, dass es auf die Frage nach Gott nicht beliebig viele richtige Antworten geben kann, sondern nur eine: ja oder nein. Ich sage, es gibt ihn. Sie sagen, es gibt ihn nicht.

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Eine „Festung Europa“ wird Rechtspopulisten nicht stoppen

foto: afp/louisa gouliamaki Im Kampf gegen illiberale Kräfte wäre eine Abschottung von Migranten der falsche Weg, sagen Gegner einer „Festung Europa“.

Europa müsse erst zur Festung werden, damit Toleranz und Liberalismus auf dem Kontinent wieder eine Chance bekämen, schreibt STANDARD-Journalist Eric Frey. Diesem Gedankengang liegt allerdings ein Widerspruch zugrunde. Eine Replik

Peter Mayr, András Szigetvari | derStandard.at

Der Befund ist radikal, die Idee ist interessant. Zuerst muss Europa zur Festung werden, damit Toleranz, Liberalismus und Vielfalt wieder eine Chance bekommt, schreibt Kollege Eric Frey in seinem Plädoyer für ein Europa mit geschlossenen Außengrenzen. Denn die liberale Asylpolitik habe dazu geführt, dass die rechten und illiberalen Kräfte die Hoheit im Diskurs erringen konnten. Ohne das Reizthema Migration und Asyl gäbe es keinen Brexit, keinen Donald Trump im Weißen Haus, keine AfD im Deutschen Bundestag und keine FPÖ in der österreichischen Bundesregierung.

Müssen wir also zuerst Mauern hochziehen, das Mittelmeer abriegeln, Auffanglager weitab der europäischen Küsten einrichten, um zu einem moderaten Weg in der Politik zurückfinden zu können? Das mag sein. Doch gute Gründe sprechen dafür, dass die Preisgabe liberaler Prinzipien und Haltungen Europa noch weiter in die Hände von Nationalisten und Populisten treibt.

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Evangelische Friedensarbeit kritisiert Stiftungspläne der AfD

Die Verbände der evangelischen Friedensarbeit kritisieren Pläne der AfD, die „Desiderius-Erasmus-Stiftung“ als parteinahe Stiftung anzuerkennen. „Erasmus von Rotterdam steht für Weltoffenheit, Toleranz, Humanität, Frieden“, erklärte Jan Gildemeister, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), am Montag in Bonn.

evangelisch.de

„Sich mit den Idealen und Werten dieses großen Theologen und Humanisten zu schmücken, kann angesichts der wiederholten menschenverachtenden, intoleranten und fremdenfeindlichen Äußerungen aus der AfD nur als Geschmacklosigkeit bezeichnet werden.“

Der Geschäftsführer des Friedensverbandes rief dazu auf, eine Online-Petition des deutschen Zweiges des Internationalen Versöhnungsbundes gegen eine parteinahe Erasmus-Stiftung der AfD zu unterstützen. Die Partei forderte er auf, die entsprechenden Pläne aufzugeben und die beiden bereits bestehenden AfD-nahen „Erasmus-Stiftungen“ umzubenennen.

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Alexander Dobrindt: „Kein islamisches Land hat eine vergleichbar demokratische Kultur“

Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-LandesgruppeFoto: dpa/Peter Kneffel

CSU-Landesgruppenchef Dobrindt will nicht, dass der Islam kulturell prägend wird in Deutschland. Er vermisst in der islamischen Welt Nächstenliebe und Toleranz.

DER TAGESSPIEGEL

Der Islam soll nach Ansicht von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt für Deutschland kulturell nicht prägend werden. „Muslime, die sich in unsere Gesellschaft integrieren wollen, sind Teil unseres Landes, aber der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte Dobrindt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Er ist für unser Land kulturell nicht prägend und er soll es auch nicht werden.“

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Theologe Kuschel greift kirchlichem Missions-Fokus an

Mission neuen Typus.

Emeritierter Tübinger Theologe Kuschel behauptet: „Wer Mission will, will weder Dialog noch Toleranz, der will in letzter Konsequenz das Verschwinden des Glaubens des je Anderen“

kath.net

Mit unglaublich scharfen Worten hat der emeritierte Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel den Missionsauftrag der Kirche bei einem Vortrag in Salzburg attackiert: „Wer Mission will, will weder Dialog noch Toleranz, der will in letzter Konsequenz das Verschwinden des Glaubens des je Anderen und die weltweite Durchsetzung der eigenen als der einzig ‚wahren Religion'“, behauptete Kuschel bei einem Vortrag am Freitag in Salzburg. Der Dialog stelle in diesem Zusammenhang ein bloßes Instrument der Missionierung dar und sei nicht als Gespräch auf Augenhöhe zu werten.

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Dodo Lütz: „Toleranz ist eine christliche Erfindung“

Der Arzt und Theologe Manfred Lütz spricht im WZ-Interview über Hexenverfolgung, Inquisition und die vielen Überraschungen seines Buchs zur Geschichte des Christentums.

Interview Ekkehard Rüger | Westdeutsche Zeitung

Manfred Lütz ist überzeugt: „Das Christentum ist die unbekannteste Religion der westlichen Welt.“ Der Satz steht am Anfang des Vorworts zu seinem heute erscheinenden Buch „Der Skandal der Skandale – Die geheime Geschichte des Christentums“. Der Psychiater, Theologe und Bestsellerautor begründet den Satz damit, dass die kursierenden Informationen über das Christentum „grotesk falsch“ seien und die Religion dadurch nachhaltig erschüttert und unglaubwürdig gemacht hätten. Ein Gespräch über vermeintliche Gewissheiten, die bei genauerer Betrachtung der historischen Fakten überraschenden Neubewertungen wichen – auch beim Autor selbst.

Herr Lütz, was hat Sie bewogen, elf Jahre nach dem Erscheinen der Veröffentlichung „Toleranz und Gewalt“ des Kirchenhistorikers Arnold Angenendt dessen geschichtliche Aufarbeitung des Christentums noch einmal neu zu erzählen?

Manfred Lütz: Ich bin ja auch Theologe, habe aber das meiste von dem, was ich in „Toleranz und Gewalt“ gelesen habe, selbst nicht gewusst. Es ist eigentlich peinlich, dass zwar viele Menschen in Deutschland vom christlichen Menschenbild und vom christlichen Abendland reden, aber kaum einer weiß, was das wirklich ist. Sogar die Christen selber schämen sich für ihre eigene Geschichte, ohne sie zu kennen. Darum habe ich zehn Jahre lang versucht, eine allgemeinverständliche Kurzfassung dieses brillanten wissenschaftlichen Werks zu organisieren. Der Herder-Verlag hat dann gesagt: Machen Sie das doch selbst. Jetzt ist es mein wichtigstes Buch geworden. Ich habe es noch um einige Themen ergänzt, sodass jetzt auf 286 Seiten alle so genannten Skandale der Christentumsgeschichte auf dem heutigen Stand der Wissenschaft vorkommen. Ich habe es dann von führenden deutschen Historikern lesen lassen, damit alles stimmt – aber auch von meinem Friseur, damit es schön locker bleibt.

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Sure 109: „Der Islam kennt keine religiöse Toleranz“

Bild: Deutschlandfunk

Muslimische Gläubige verweisen oft auf Vers sechs aus Sure 109, um die Toleranz im Islam gegenüber anderen Religionen zu untermauern: „Ihr habt eure Religion und ich habe meine!“ Die Bedeutung dieser Worte sei aber eine andere, erklärt der Arabist Otto Jastrow: Der Islam kenne keine religiöse Toleranz, sie sei ein Wunschbild des Westens.

Von Prof. Dr. Otto Jastrow | Deutschlandfunk

 

„Sprich: Oh ihr Ungläubigen!
Ich verehre nicht, was ihr verehrt,
Noch verehrt ihr, was ich verehre.
Und ich werde nicht verehren, was ihr verehrt,
Noch werdet ihr verehren, was ich verehre.
Ihr habt eure Religion und ich habe meine!“

In dieser Sure, die mit der Aufforderung „Sprich“ beginnt, legt Gott seinem Propheten Mohammed die Worte in den Mund, die er an seine mekkanischen Landsleute richten soll. Ihnen wird überdeutlich klargemacht, dass Mohammed einen anderen Glauben hat als sie. Der letzte Vers leitet daraus die Forderung ab: „Ihr habt eure Religion und ich habe meine!“.

Gerne wird Sure 109 herangezogen, um die religiöse Toleranz des Islams zu belegen. Es geht hier jedoch nicht um Religionsfreiheit im Allgemeinen, sondern lediglich um Mohammeds eigene Religion.

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Türkischen Religionsbehörde Diyanet bestätigt DiTiB-Deutschland-Vorsitzenden

Die Zentralmoschee in Köln: Der Verband Ditib hat Nevzat Asikoglu als Vorsitzenden im Amt bestätigt. Foto: dpa

Der Theologe Nevzat Asikoglu bleibt Vorstandsvorsitzender der Ditib, der größten islamischen Dachorganisation in Deutschland. Er sei bei der Mitgliederversammlung am Sonntag in Köln wiedergewählt worden, teilte die Ditib mit.

Berliner Zeitung

An der Versammlung habe auch der Präsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara, Ali Erbas, teilgenommen. Erbas wurde mit den Worten zitiert: „Ich kann hier versichern, dass unsere Religionsbeauftragten ausschließlich religiöse Aufgaben haben. Sie lehren Toleranz, Respekt, Geschwisterlichkeit, Wahrung der Menschenwürde und Verbot der Diskriminierung.“

Besuch von Ungarns Regierungschef Orban in Wittenberg umstritten

Der am Montag geplante Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orban in Wittenberg ist auf Kritik gestoßen. Der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz erklärte, er erwarte von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) klare Aussagen zu Religionsfreiheit, Toleranz und Antisemitismus gegenüber dem Besucher.

evangelisch.de

Lietz, der auch Sprecher der Christen in der SPD ist, stellte vor dem Lutherhaus in Wittenberg ein Fahrrad mit Schrifttafeln auf, um seine Position auf Deutsch und auf Ungarisch deutlich zu machen. Orban wollte am Montag gemeinsam mit Haseloff die am Sonntag zu Ende gegangene Ausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ im Augusteum ansehen.

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Nach dem Islamismus

Die absolute Mehrheit der Muslime lebt ihre Religion zeitgemäß reformiert: Straßenszene aus der marokkanischen Großstadt Marrakesch. (Foto: imago stock&people)

Können Muslime heute gleichzeitig modern und authentisch sein? Natürlich. Man kann den Koran im Sinne der pluralen Demokratie deuten – es wird sogar längst getan.

Von Katajun Amirpur | Süddeutsche.de

Der Islam braucht eine Aufklärung, heißt es. Oder: Der Islam braucht eine Reformation. Gesucht wird dann der muslimische Luther, zuweilen scheint er sogar gesichtet worden zu sein. Dem Iraner Abdolkarim Soroush, dem Türken Yaşar Nuri Öztürk und dem Schweizer Tariq Ramadan wurde dieser Titel in den vergangenen Jahren schon angeheftet.

Ebenso reflexhaft wie diese Forderungen aufkommen, werden sie von Muslimen und ihnen wohl gesonnenen Islamwissenschaftlern abgelehnt. Dabei bestehen sie schon lange auch in den eigenen Reihen. In den Siebzigern erhob sie der Iraner Ali Schariati, der – ganz im Sinne Luthers – die Rückkehr zur Schrift wollte, sola scriptura. Allerdings wurde er so zum Begründer des islamischen Fundamentalismus in Iran, denn nichts ist im Islam eigentlich „allein durch die Schrift“. Schon diese Wendung zeigt, dass man vorsichtig sein sollte mit der Übertragung von Konzepten. Protestantisierung taugt nicht für den Islam.

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Dodo Lütz: „Das Mitleid ist eine christliche Erfindung, Heiden hatten kein Mitleid“

Die heutigen Christen sind doch eher defensiv in ihrer Rhetorik, und ihre moralische Überlegenheit behaupten sie zwar oft, aber vorsichtig und indirekt.

Leicht & Sinnig

Hin und wieder gibt es aber entlarvende Ausreißer. So z.B. gestern der katholischer Theologe, Kabarettist(!) und Facharzt für Nervenheilkunde(!!) Manfred Lütz, der in einem Interview mit HR-Info jegliche Scham fallen lässt und tatsächlich solche Dummheiten behauptet wie: „… z.B. das Mitleid ist eine christliche Erfindung, die Heiden hatten kein Mitleid. Die haben Behinderte ausgesetzt und so weiter. Das Christentum hat das Mitleid eingeführt, die Toleranz ist eine christliche Erfindung. Also Menschen anderer Meinung zu tolerieren, das kannten die Römer so gar nicht. (…) Aber auch Atheisten schöpfen da sozusagen aus einer christlichen Tradition. …“ Leider mehr oder weniger unwidersprochen.

Natürlich kann er sowas sagen, er ist schließlich kein Vertreter der Kirche. Von offizieller Seite habe ich schon lange nicht mehr solche moralische Arroganz erlebt.

(Hier der Ausschnitt mit obigen Zitaten)

Dodo Marx: Religionen nicht freisprechen bei gewaltsamen Konflikten

Quelle: http://www.bgland24.de

Religionen können nach Einschätzung von Kardinal Reinhard Marx mitverantwortlich für gewaltsame Konflikte sein. Man könne Religionen hierbei „nicht generell freisprechen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Wochenende in einem Interview der Zeitung „Luxemburger Wort“.

kathpress

Religionen müssten sich fragen lassen, ob sie „dazu beitragen, Konflikte zu rechtfertigen oder sogar zu schüren, oder ob sie Ausgleich, Frieden und Versöhnung zwischen kulturell unterschiedlich geprägten Nationen und Gruppen fördern“, sagte Marx.

Religionen könnten einen „recht großen Einfluss auf die charakterliche und seelische Bildung gerade von jungen Menschen haben“. Er fragte: „Nutzen sie diesen Einfluss, um zu deren Radikalisierung beizutragen oder lehren Sie Maß und Mitte? Wird Gewalt in der Theologie grundsätzlich und unzweideutig kritisch beurteilt? Werden diejenigen, die Gewalt religiös legitimieren, von der Gemeinschaft korrigiert?“ Hier müsse „Klarheit herrschen“, forderte Marx.

„In der Bibel findet sich durchgehend eine Kritik der Gewalt“, gab sich der Kardinal überzeugt. „Die Bibel verherrlicht Gewalt keinesfalls, sondern zielt auf die Überwindung von Gewalt.“ Die Kirche habe sich „leider nicht immer in der Geschichte auf diesem Niveau bewegt“. Sie habe lernen müssen, „dass Toleranz nicht dasselbe bedeutet wie Relativismus“, sagte Marx. „Und sie musste lernen, die Wahrheit des christlichen Glaubens zu bezeugen, ohne sie gewaltsam durchzusetzen“, sagte der Erzbischof von München und Freising.

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Herkunft und Religion: Toleranz der Österreicher nimmt ab

Symbolbild: Frau mit Kopftuch in einem Geschäft – (c) Clemens Fabry (Presse)

Rund 44 Prozent von 500 Befragten stört es, wenn eine Verkäuferin ein Kopftuch trägt. 71 Prozent lehnen einen Moschee-Bau in ihrer Nachbarschaft ab.

Die Presse.com

Die Toleranz der Österreich in den Bereichen ethnische Herkunft, Hautfarbe und Religion nimmt ab. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Instituts „meinungsraum.at“ im Auftrag des Mauthausen Komitee Österreich hervor. Demnach gaben etwa 44 Prozent der Befragten an, dass es sie stört, wenn die Verkäuferin in einem Lokal ein Kopftuch trägt. 2015 bejahten das nur 42 Prozent.

Anlässlich des 72-jährigen Jubiläums der Befreiung vom nationalsozialistischen Regime hat das Komitee Vergleichswerte zur Toleranzstudie von 2015 erhoben. „Toleranz ist ein Grundpfeiler der Demokratie und das Bollwerk gegen totalitäre Handlungsmuster und Regime“, so der Vorsitzende des Mauthausen Komitees, Willi Mernyi, zum Hintergrund der Studie (500 Befragte).

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Deutscher Hochschulverband kritisiert „Erosion der Debatten- und Streitkultur an Universitäten“

Die South-Park-Episode Safe Space kann man sich hier ansehen. Screenshot mit freundlicher Genehmigung von Comedy Central.

Präsident Kempen warnt, dass sich „der Anspruch von Toleranz und Offenheit in das Gegenteil verkehrt“

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat sich in die Debatte um den von Politstalkern verfolgten Osteuropa-Historiker und Gewaltforscher Jörg Baberowski eingeschaltet und eine „Erosion der Debatten- und Streitkultur an Universitäten“ kritisiert. Eine Studentengruppe in Bremen hatte sogar einen Vortrag des Merkel-Kritikers verhindert, und dabei einem im März gefällten Urteil des Landgerichts Köln nach „Äußerungen […] aus dem Zusammenhang gerissen und damit sinnentstellend wiedergegeben“, um ihn als „Hetzer“ und „Rassisten“ darzustellen – Zuschreibungen, die der Einwanderungsskeptiker weit von sich weist (Aktenzeichen 28 O 324/16).

DHV-Präsident Bernhard Kempen nach müssen die Universitäten nicht nur „Ort[e] des freien und offenen Meinungsaustausches bleiben“, sondern auch „dafür sorgen, dass jedermann – unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, einer Partei, eines Verbandes oder Vereins – seine Forschungsergebnisse, Thesen, Argumente und Ansichten ohne Angst zur Diskussion stellen kann“. Das Grundgesetz bindet seinen Worten nach „die Freiheit von Forschung und Lehre allein an die Treue zur Verfassung“ und schließt „darüber hinausgehende Denk- oder Sprechverbote […] ausdrücklich aus“.

Gefährdet ist der offene Meinungsaustausch Kempen zufolge durch ein „Meinungsklima“, in dem sich „der Anspruch von Toleranz und Offenheit in das Gegenteil verkehrt“ hat. Anliegen wie ein „verantwortungsvoller Sprachgebrauch“ und ein „sensibler Umgang mit Minderheiten“ sind seiner Ansicht nach „berechtigt“, dürfen aber nicht zu einem „Tugendterror“ werden, in dem „abweichende wissenschaftliche Meinungen Gefahr laufen, als unmoralisch stigmatisiert zu werden“. Das führe nämlich zu „Feigheit und Anbiederung“ anstatt zu „Aufbruch und Neugier“, weil „jede konstruktive Auseinandersetzung […] bereits im Keim erstickt“ werde.

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Kauder: „Im Islam gibt es leider Defizite“

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat an Muslime weltweit appelliert, Christen tolerant zu begegnen. Religionsfreiheit sei ein Gradmesser auch für andere Freiheitsrechte. Sorge machten ihm Ägypten, der Irak, Syrien und die Türkei.

SpON

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat zu Ostern von Muslimen weltweit mehr religiöse Toleranz gefordert. „Im Islam gibt es hier leider Defizite“, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa. Gerade die Fanatiker der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beriefen sich leider auch auf die Lehren des Korans.

„Diesen offenkundigen Irrlehren muss von den geistigen Autoritäten des Islams noch stärker widersprochen werden“, sagte Kauder. Diese müssten „doch selbst ein hohes Interesse haben, dass ihre Religion nicht von Fanatikern diskreditiert wird“.

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