Türkische Ehebroschüre: „Wenn du als Ehefrau beim Sex sprichst, wird dein Kind stottern“

Eine Broschüre mit dem Titel „Ehe und Familienleben“ sorgt in der Türkei für Aufregung. Sie gibt Frischvermählten Tipps. Schläge gegen eine ungehorsame Frau würden demnach „wie Medizin“ wirken.

Von Hasnain Kazim | SpON

Wer in der türkischen Stadt Kütahya heiratet, bekommt von der Ortsverwaltung eine kleine Aufmerksamkeit: eine rosafarbene Broschüre mit einer Rose auf dem Cover, darüber ein weißes Herz, Titel „Ehe und Familienleben“. Das Werk soll es Braut und Bräutigam leichter machen, sich im Irrgarten der Ehe zurechtzufinden – es ist ja mitunter alles nicht so einfach.

Allerdings sind die Ratschläge in dieser Broschüre so hanebüchen, dass sie eine Debatte im Land ausgelöst haben.

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Spanien kriminalisiert Kataloniens Regierungschef doch

Artur Mas (2010), Bild: wikimedia.org/CC BY 2.0
Beinahe hätte es dem spanischen Generalstaatsanwalt Eduardo Torres-Dulce seinen Job gekostet, weil er die Anklage gegen den katalanischen Regierungschef Artur Mas zunächst nicht durchsetzen konnte. Eine klare Mehrheit der Staatsanwälte am Obersten Gerichtshof in Katalonien sah kein Delikt darin, eine unverbindliche Volksbefragung zur Unabhängigkeit durchzuführen, der in Katalonien „Partizipationsprozess der Bürger“ genannt wurde.

Von Ralf Streck|TELEPOLIS

Doch auf Druck der konservativen Regierung, die stets Repression gegen die Befragung angekündigt hatte, weil auch sie vom Verfassungsgericht vorläufig ausgesetzt worden war, suchte sich Torres-Dulce in Madrid eine Mehrheit. Damit konnte er nun den katalanischen Staatsanwälten eine Klage gegen Mas, dessen Vizepräsidentin Joana Ortega und die Kultusministerin Irene Rigau „aufzwingen“, wie auch die Madrider Zeitung Público titelt.

Mas, Ortega und Rigau wird „Ungehorsam, Rechtsbeugung, Amtsanmaßung und Unterschlagung öffentlicher Gelder“ zur Last gelegt. Wo sie zum Beispiel das Geld unterschlagen haben sollen, ist völlig unklar, aber dafür droht mit sechs Jahren die längste Haftstrafe. Allen ist klar, wohin das Geld geflossen ist, als die Abstimmung organisiert wurde. Die Anklage entbehrt nicht einer unfreiwilligen Komik und ist Realsatire in einem Land, in dem die Staatsanwaltschaft gegen führende Vertreter der regierenden Volkspartei (PP) keine Anklagen erhebt. Dabei liegen die Listen des ehemaligen PP-Schatzmeisters der Justiz vor. Der hat zugegeben, dass sich die PP wenigstens „in den letzten 20 Jahren illegal finanzierte“.

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Karlheinz Deschner: Unsere tägliche Illusion gib uns heute!

Karlheinz Deschner 2006 in dem Filmporträt von Peter Kleinert und Marianne Tralau
Quelle: KAOS Film- und Video-Team

Am Sonntag nach Pfingsten feierte die evangelische und katholische Christenheit den Tag der Heiligen Dreifaltigkeit („Trinitatis“). Auf diesen Termin hat uns eine Mitarbeiterin des am 8. April nach langer Krankheit im Alter von 89 Jahren verstorbenen Kirchenkritikers Karlheinz Deschner hingewiesen (1). Sie schickte uns dazu diesen zu „Trinitatis“ passenden satirischen Text, den Deschner am 13. Juni 1993 anlässlich der Verleihung des von Walter Steinmetz gestifteten Alternativen Büchnerpreises an ihn vortragen ließ. Man findet ihn in dem 2013 erschienenen spannenden Beiheft zum 2013 bei Rowohlt erschienenen 10. Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“. Er ist einer der zentralen Texte des Autors, die nicht die kriminelle Geschichte der Kirche beleuchten, sondern deren zutiefst fragwürdige Glaubens-Grundlagen.Die Redaktion NRhZ

Es war einmal ein alter Herr. Der lebte, mit vielen, vielen Jahren auf dem Buckel, lange ganz allein. Er lebt, schwer vorstellbar, doch finden wir uns damit ab, schon ewig, ohne Anfang, ohne Ende, im Vollgefühl der Allmacht, seines Wissens, seiner Güte.
Doch plötzlich hat er, gottweißwarum, das dauernde Alleinsein satt, die wenn auch noch so souveräne Solitüde, das Dolcefarniente tagaus, tagein, das ja auch unsereinem nicht bekommt. Ja, nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen. Oder wie Georg Büchner den Leonce sagen läßt: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Offenbar mußte sich die Omnipotcnz endlich betätigen, bestätigen. Brauchen doch auch wir immer wieder ein kleines Erfolgserlebnis. Und er hatte es nie!
Und seine grenzenlose Güte? Wohin damit? Und wollte er nicht auch verehrt, ein wenig angebetet sein, verherrlicht? War nicht, wer weiß, ein bißchen Eitelkeit im Spiel? Ein wenig Rachsucht gar, ein Zorn, hochheilig, sicher, der freilich einmal raus, der einfach sich entfalten, entladen mußte? Wie seine grenzenlose Güte? Beides zusammen, liebevoller Vater und Folterknecht in perpetueller Kooperation ?
Aber Hölle und Himmel beweisen es. Beide gleich vis-à-vis, damit man von diesem – Herrgott, wofür ist man Engel!, wofür singt man Halleluja! – ganz bequem in jene gucken und sich in all dem Teufelselend gehörig auch ergötzen kann, durch alle Ewigkeit, wie höchste Kirchenleuchten lehren. Alles schwer vorstellbar für unsern schwachen menschlichen Verstand. Aber es ist so. Die nackte Realität, Kurz und gut, so haut er eines Tages auf die Pauke, – haut — warum erst jetzt? Warum nicht früher schon? Nicht später? Warum, warum! In seiner Weisheit wußte er warum, ja, jetzt, jetzt wollte er, nach langer Lethargie ein ungeheurer Tatendrang, und haut, in schöpferischer Schaffenslust, das Universum kühn heraus; ob gleich komplett, ob erst im Ei, ob mit großem Knall, ob ohne, das alles, gott, ist eitles Klügeln, Spintisieren, vage Wissenschaft von Menschenköpfen, heute so und morgen so. Was zählt, sind Fakten. Und Faktum ist: alles war bestens geraten. Authentisch bezeugt. Und bloß Fieslinge, Mieslinge, zehnmal scheiterhaufenreife Kerle, denen nichts wunderbar, nichts heilig ist, selbst das Heiligste nicht, können da leugnen. Denn war der alte Herr allmächtig, konnte er alles. War er allgütig, wurde auch alles gut – ein sonnenklarer Fall.

Gerd Althoff über die RKK und die Hinwendung zur Gewalt

Prof. Dr. Gerd Althoff, Dozent für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster, hat sich dem Thema Päpste und Gewalt im Hochmittelalter auseinander gesetzt. Foto: nn

„Selig sind, die Verfolgung ausüben“ – so lautet der Titel des neuen Buches von Prof. Dr. Gerd Althoff über Päpste und Gewalt im Hochmittelalter dreht. Mit dem Dozenten für Mittelalterliche Geschichte der Universität sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke.

Westfälische Nachrichten

Herr Althoff, was hat Sie bewogen, ein Buch über Päpste im Hochmittelalter zu schreiben?

Althoff: Das Papsttum erhob im elften Jahrhundert völlig neue Geltungsansprüche. Es strebte die Vorherrschaft in Kirche und Welt an, indem es alle Gläubigen auf Gehorsam gegenüber dem apostolischen Stuhl verpflichtete und Ungehorsam als Ketzerei einstufte. Hierdurch entstanden die hierarchische Struktur der Kirche und eine Hinwendung zur Gewalt, indem hartnäckiger Ungehorsam nun auch gewaltsam bekämpft werden konnte.

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Evangelikale und Pius-Brüder gegen Aufklärung

Die Erzkonservativen am rechten Rand der Katholiken ähneln in Vielem den Evangelikalen, lautet das Fazit der Radiosendung „SWR2 Glauben“
Foto: danielkedinger (CC-BY-NC-ND)

Extreme Evangelikale und Mitglieder der erzkonservativen Piusbruderschaft haben viel gemeinsam. Das ist das Fazit, das die Radiosendung „Bedingungslos fromm“ in der Reihe „SWR2 Glauben“ am Sonntagmorgen zog. Das Radio-Feature begleitete einen evangelikalen Gemeindeleiter und einen Anhänger der Pius-Bruderschaft aus Stuttgart.

pro Medienmagazin

„Fundamentalistische Strömungen in Katholizismus und Protestantismus“ lautete der Titel der Sendung vom Sonntag, den 26. August im SWR2. Der Redakteur Bastian Wierzioch ging der Frage nach, worin sich beide religiösen Richtungen ähneln. „Sie setzen Homosexualität mit Sünde gleich, verpönen Sex vor der Ehe, teilen die Welt in Gut und Böse ein, arbeiten gegen die Gleichberechtigung der Frauen in Familie und Beruf und halten die Bekehrung der Juden für notwendig“, heißt es in der Sendungsankündigung.

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„Mord wird verziehen, eine zweite Ehe nicht“

Papst Benedikt XVI, wiederverheirateter Seehofer: Streitfrage Kommunion,REUTERS

Mehr als 180 Priester und Diakone fordern, wiederverheirateten Geschiedenen das Abendmahl zu gewähren. Unter katholischen Geistlichen wächst die Zustimmung, Bischof Zollitsch hat die Gruppe nun zu einem Treffen eingeladen. Ein Gespräch mit Mitinitiator Konrad Irslinger.

Von Peter WensierskiSpON

Der Ungehorsam unter katholischen Priestern greift weiter um sich. Im Erzbistum Köln hat jetzt ebenso wie in Freiburg eine Gruppe Geistlicher, darunter der ehemalige Caritas-Direktor, Forderungen nach grundlegenden Reformen erhoben. Auch in Bistümern wie Würzburg und Stuttgart-Rottenburg haben sich Priestergruppen als Unterstützer geoutet.

Die Kölner Priester schickten ihren Brief direkt an Kardinal Joachim Meisner. Der musste nun lesen, dass seine Untergebenen den österreichischen „Aufruf zum Ungehorsam“ voll und ganz unterstützen. Eine Reaktion Meisners steht noch aus.

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Mädchenangst im Vatikan

Zu vielen Fragen finden sich Weisheiten in Goscinnys und Uderzos „Asterix“, so auch in Band XXIX (Asterix und Maestria):

Asterix: Ich hätte nicht gedacht, dass es weibliche Barden gibt!

Miraculix: Wir treten in das moderne Zeitalter der Antike ein, wo sich vieles verändern können wird, Asterix! So wird die Frau mit Fug und Recht dem Manne gleichberechtigt werden, mit Bedürfnissen und Ansprüchen, die ihr bisher ungerechterweise versagt waren!

Asterix: Dann könnte es also auch weibliche Druiden geben?

Miraculix: Na, na, na, Asterix! Mach keine Witze!

Von Wolfgang BergmannderStandard.at

Im außerordentlichen Messritus der katholischen Kirche können keine weiblichen Messdiener eingesetzt werden„, berichtete durch das Sommerloch weitgehend unbeachtet, die deutschsprachige Ausgabe von L’Osservatore Romano (Nr 24/2011). Vier Jahre nachdem der derzeitige Papst die vorkonziliare Messe wieder – eben als außerordentlichen Ritus – zugelassen hat, versuchen nun vatikanische Behörden das Reformrädchen noch weiter zurück zu drehen.

Lapidare Begründung: Weil 1962, als dieser Ritus der allgemein gebräuchliche war, noch keine Ministrantinnen erlaubt waren, so sind sie auch jetzt ausgeschlossen. Damit wird nebenbei in Erinnerung gerufen, dass sich Rom erst 1996 durchrang, auch Mädchen Brot und Wein zum Altar tragen zu lassen. Vorher war es hierzulande allerdings schon weit verbreitet. Womit sich einmal mehr zeigt, dass manches im Ungehorsam geschehen muss, bis der Vatikan zu Reformschritten kommt.

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Papsttreue Vereinigung und der Herr Wowereit

Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen: Der Berliner Bürgermeister, der Verständnis für Proteste gegen die kirchliche Sexuallehre habe, könne aus der Geschichte sehen, dass sich die Kirche immer geweigert hat, Gottes Gebot außer Kraft zu setzen.

kath.net

Der Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen (ZPV) e. V. hat in einer Presseaussendung zu Bürgermeister Klaus Wowereits (siehe Foto) „großem Verständnis“ für die Proteste gegen die katholische Sexuallehre Stellung genommen. „Nach dem Bericht der FAZ in „Inland in Kürze“ vom 27.08.2011 sowie in Kath.net vom gleichen Tage hat der Regierende von Berlin, Klaus Wowereit, “’großes Verständnis‘ für Proteste gegen die Sexuallehre der katholischen Kirche während des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Berlin Ende September“. Die katholische Kirche vertrete mit ihrer Lehre Thesen, „die weit in die zurückliegenden Jahrtausende gehören, aber nicht in die Neuzeit“.

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Österreichische „Kirchenspalter“ – Schisma

Kirchenspalter machen mobil und veröffentlichen einen ‚Aufruf zum Ungehorsam‘ – Gefordert werden Priesterinnen – Aushilfspriester werden dafür abgelehnt, lieber möchte man „selbstgestaltete Wortgottesdienste“

kath.net

Die umstrittene Vereinigung „Pfarrer-Initiative“ ruft in einem neuen Schreiben zum Ungehorsam in der Kirche auf. Das Pamphlet wurde vor einigen Tagen am Dreifaltigkeitssonntag veröffentlicht. Die Anti-Rom-Initiative möchte ab sofort auch die Hl.Messen missbrauchen und in jedem Gottesdienst „eine Fürbitte um Kirchenreform“ sprechen. Geschieden-Wiederverheiratete, Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene möchte man in Zukunft die Hl. Eucharistie geben. Dann möchte man möglichst vermeiden, „an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren“ oder „durchreisende und ortsfremde Priester“ einzusetzen. Besser ist für die Gruppe ein „selbstgestalteter Wortgottesdienst“ als „liturgische Gastspielreisen“. Wortgottesdienste mit Kommunionspendung möchte man auch als „priesterlose Eucharistiefeier“ ansehen.

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Das christlich-jüdische Abendland wird abgeschafft

Quelle: christuskirche-mainz.de

Theologisch konservative Kreise haben die geplante Ergänzung der bayerischen Kirchenverfassung hinsichtlich der Stellung der Kirche zum Judentum kritisiert.

idea.de

Anlass war ein Studientag der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern für Pfarrer, Kirchenvorsteher und interessierte Gemeindemitglieder am 15. Januar in Neuendettelsau (Mittelfranken). In der vorgesehenen Ergänzung des Grundartikels ist unter anderem von der „bleibenden Erwählung des Volkes Israel“ die Rede. Außerdem wird behauptet, dass die Kirche „aus der Wurzel des biblischen Israel hervorgegangen“ und mit dem „jüdischen Volk geschwisterlich verbunden“ sei. Diese Formulierungen wurden auf dem Studientag als nicht sachgemäß und unscharf kritisiert. Es sei nicht klar, welches Israel diese Wurzel sein solle. „Sind damit auch die ungehorsamen Israeliten gemeint, die ständig in Götzendienst verstrickt waren?“ fragte Pfarrer Martin Fromm (Rüdenhausen/Unterfranken). Außerdem erteile Paulus allen Überlegungen eines Heils ohne Christus eine Absage.

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