Das neue kapitalistische Mittelalter

Palazzo Salimbeni in Siena, Hauptsitz der Bank Monte dei Paschi di Siena. Bild: Tango7174 / CC-BY-SA-4.0
Palazzo Salimbeni in Siena, Hauptsitz der Bank Monte dei Paschi di Siena. Bild: Tango7174 / CC-BY-SA-4.0
Das mittelalterliche Ideal der Universalität der christlichen Religion kehrt als Ideologie der Globalisierung des Finanzmarktes zurück

Von Diego Fusaro | TELEPOLIS

Die neue Weltordnung nach dem Jahr 1989 hat sich in Form einer Refeudalisierung der kapitalistischen sozialen Beziehung im Rahmen eines einheitlichen globalen Raums strukturiert, der als die Verwirklichung des „neuen Mittelalters“ bezeichnet werden könnte, das Alain Minc 1993 in seiner Studie Le nouveau Moyen Âge vorausgesehen hat.

Im neuen historischen Kontext weist die soziale Form des Klassismus in der Tat starke und beschämende Analogien mit der feudalen Struktur auf: Die von den Beherrschten passiv erlittene Unterdrückung erreicht mit der Wiedereinführung der Corvée (Praktika, vermeintliche Freiwilligenarbeit nach dem Modell der Mailänder Expo, angebliche Part Time Jobs, Mini-Jobs, etc.), mit der Neupositionierung des Knechtes als flehendes („prekär“, von Prex, das „Gebet“) und nicht als forderndes Individuum und mit der Neudefinierung des Herrn als Dominus absolutus, als losgelöster Lehnsherr und autokratischer Entscheider, eine außerordentliche Intensität.

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Vom völkischen Größenwahn des Katholizismus

Vorige Woche im Vatikan. Der Papst ernennt 6 Kardinäle und nutzt die Gelegenheit, in Arroganz und Impertinez kaum zu übertreffender Art, den weltumspannenden Anspruch der katholischen Kirche zu betonen.

B16:

[…] Die Kirche sei „katholisch“, weil sich die christliche Botschaft an allen Menschen richte, […]Zwar habe sich Jesu Mission zu Lebzeiten auf das jüdische Volk beschränkt. Von Anfang an sei sie jedoch darauf ausgerichtet gewesen, „allen Völkern das Licht des Evangeliums zu bringen“.

Die katholische Kirche sei im Auftrag Jesu verpflichtet jede ethnische, nationale und religiöse Spaltung zu überwinden. Tränen in den Augen knien die Katholen darnieder. Der Pappa gibt ihnen Größe zurück, verbal. Nach den Schlüpfrigkeiten unter priesterlicher Soutane, vor allem gegen Kinder, endlich wieder eine Frohbotschaft. Es kann nur eine Kirche Christi geben, natürlich die katholische. Ihre Universalität gründe letztlich auf der Universalität des „einzigen göttlichen Heilsplans für die Welt“.

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