Wissenschaftliche Theologie: Die funktionalisierte Religion

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Gehört die Theologie an die Universitäten? Unbedingt, meinte der Wissenschaftsrat vor knapp zehn Jahren. Gilt das auch heute noch?

Von Felix Grigat | Forschung & Lehre

Wie hält es die Wissenschaft mit der Religion? Hört man sich um unter Wissenschaftlern, so outen sich die meisten als eher religiös unmusikalische Zeitgenossen. Dabei zählen sich die meisten der Gebildeten noch nicht einmal mehr zu den Verächtern der Religion. Sie haben schon vergessen, dass sie den Glauben vergessen haben, meint gar ein Zeitgenosse. Gut eingerichtet in einer funktional differenzierten Welt ist man damit zufrieden, nur noch für den eigenen Code zuständig zu sein. Was soll die Religion auch inmitten von Exzellenzinitiativen, anwendungsorientierter Forschung und Studienreformen? Die Religion als „Sinn und Geschmack für das Unendliche“, als das, was uns „unbedingt angeht“, stünde inmitten dieser Vorläufigkeiten wohl ein wenig verloren herum. Es sei gelungen, „das irdische Leben so reich und vielseitig zu machen“ (Schleiermacher), dass man der Religion nicht mehr bedürfe, diagnostiziert Friedrich Schleiermacher bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Inmitten dieser selbstgewissen Religionslosigkeit hatte der Wissenschaftsrat in seinen letzten Empfehlungen zum Thema aus dem Jahr 2010 dafür plädiert, die Theologien als für die Universität notwendige Wissenschaften zu stärken. Von einer „(relativen) Erfolgsgeschichte“ der Theologien war gar die Rede, ja, man habe ein „vitales Interesse“ an ihnen. Woher kam dieser neue Ton? „Die lange gängige These, in modernen Gesellschaften werde Religion bedeutungslos, hat sich als nicht haltbar erwiesen“, konstatierte der Wissenschaftsrat auf die ihm eigene nüchterne Weise. Nicht haltbar sei die These, weil „religiöse Bindungen nach wie vor Lebenswelten“ prägten, Religion einen wesentlichen Bezugspunkt kollektiver Zugehörigkeit darstelle und einen wichtigen Aspekt globaler Konflikte ausmachen könne.

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Nikab und Burka: Verhüllung in der Forschung

Symbol Bild: Reuters
In Deutschland wird aktuell wieder über ein Verbot der Vollverschleierung, insbesondere an Universitäten und Schulen debattiert. Gibt es aber überhaupt wissenschaftliche Grundlagen dafür? Antworten aus der Forschung.

Yasmin Appelhans | SPEKTRUM.de

Wie viele Frauen in Deutschland einen Gesichtsschleier tragen, ist nicht geklärt. Immer wieder ist von insgesamt etwa 300 die Rede. Dabei unterscheidet man solche mit freier Augenpartie, den Nikab, und die noch sehr viel seltener getragene Burka. Letztere stammt ursprünglich aus Afghanistan und verhüllt das Gesicht komplett. Auch wenn sie höher liegen sollte als diese Schätzung: Die Zahl der voll verschleierten Frauen dürfte im Vergleich zur Gesamtbevölkerung und auch im Vergleich zur Anzahl in Deutschland lebender Muslime verschwindend gering sein. Dennoch erhitzt die Debatte um den Gesichtsschleier auch aktuell mal wieder die Gemüter.

Auslöser ist eine knapp verfasste Richtlinie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie wurde beschlossen, nachdem eine einzelne Studentin der Ernährungswissenschaften in Vollverschleierung eine Vorlesung besuchte. In einem einzigen Absatz begründet die Richtlinie ein Verbot einer Gesichtsverhüllung. Da die Kommunikation über Gestik und Mimik durch einen solchen Schleier behindert würde, ist dieser in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Beratungsgesprächen fortan nicht erlaubt. Die Landesregierung diskutiert gerade auch darüber, das Verbot auf Schulen auszuweiten. Wie stichhaltig ihre Argumentation ist, bewerten Vertreter verschiedener Forschungsbereiche dabei sehr unterschiedlich.

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Theologie als Wissenschaft: Die Gottesfrage

Heilige Hallen. Theologie hat als universitäre Disziplin eine lange Tradition, trotzdem wird ihr Status als Wissenschaft immer…Foto: Universität Bamberg
Gehören die Theologien an die Universitäten? Ausgerechnet dort, wo es um den Glauben geht, ist das Fach umstritten.

Von Astrid Herbold | DER TAGESSPIEGEL

Glauben gilt als Privatsache. Die Frage, wie es jemand mit Gott hält, ist in der säkularisierten Gesellschaft eher unüblich. Zu heikel, zu persönlich. Ähnliches Unbehagen herrscht bei Teilen der Bevölkerung angesichts der wissenschaftlichen Gottesforschung. Zwar hat der Wissenschaftsrat 2010 in einer Empfehlung ausdrücklich betont, dass die Theologien an die Universitäten gehören. Nicht nur die evangelische und katholische Theologie, sondern auch Judaistik und Islamwissenschaften.

Doch obwohl diese großen Religionen heute ihren festen Platz an den Hochschulen haben, ist eine grundsätzliche Debatte nie richtig verstummt. Sie ist auch hochschulpolitisch brisant: Ist Theologie überhaupt eine Wissenschaft? Arbeitet sie nach wissenschaftlichen Kriterien? Gehört das Fach an die Hochschulen? Kritische Stimmen hat es immer wieder gegeben. Aktuell werden sie wieder lauter.

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Für Extremisten sind gebildete Frauen gefährlich

Afghanische Mädchen in einer Schulklasse (Foto: Getty Images)
Sogar gefährlicher als jede Militäroperation. Es ist eine Schande, dass weltweit noch immer so viele Mädchen keinen Zugang zu Bildung haben.

Von Carolin Kebekus | Süddeutsche Zeitung

Frauen tragen die Hauptlast der Armut. Das hat ganz konkrete und messbare Folgen für das Leben von Mädchen, die von großem Elend betroffen sind. Welche? Hier sind ein paar erschütternde Statistiken aus dem Bereich Bildung: Mädchen, die keine Schule besuchen, haben ein viel größeres Risiko, sich mit dem HI-Virus anzustecken und früher zu sterben. Das Risiko, als Minderjährige verheiratet zu werden, ist bei ihnen sechsmal höher, wenn sie keine weiterführende Schule abschließen. Der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) zufolge gibt es derzeit rund 700 Millionen Frauen, die als Kinder verheiratet wurden. Jeden Tag kommen 39 000 dazu. Sie bleiben meist zu Hause, bekommen oft sehr früh viele Kinder und geben damit auch ein bestimmtes Rollenbild weiter an die nächste Generation. Setzt sich der gegenwärtige Trend fort, wird ihre Zahl in etwa 15 Jahren auf knapp eine Milliarde steigen.

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GENDER-STUDIES – Die Glaubensgemeinschaft schlägt zurück

Geschlecht: eine von der Biologie unabhängige soziale Konstruktion? / picture alliance
Viele Menschen wehren sich inzwischen dagegen, dass zentrale Einrichtungen unserer Gesellschaft im Namen von Gender-Diversity und Gender-Mainstreaming umgebaut werden. Nun reagieren die Gender-Studies mithilfe verschiedener Stiftungen. Doch dabei entlarven sie sich selbst

Von Alexander Grau | Cicero

Was macht eine Glaubensgemeinschaft, wenn sie spürt, dass sie Gegenwind bekommt, dass ihre Lehre als autoritäre Anmaßung entlarvt wurde, die das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen gegen deren Willen massiv verändern will?

Nun, eine so demaskierte Glaubensgemeinschaft schlägt zurück. Am besten in einer konzertierten Aktion. Wie man das macht? Ganz einfach: Indem man Tatsachen abstreitet, Kritiker diffamiert und sich bemüht, angeblich falsche Vorwürfe zu entlarven. Und wenn die entsprechenden Vorwürfe gar nicht falsch waren, dann muss man Logik und Wissenschaft so lange strapazieren, bis das keinem mehr auffällt.

Gender-Studies stehen unter Druck

Wunderbar studieren kann man dieses Vorgehen anhand der so genannten Gender-Studies. Denn die stehen unter massivem Druck. Zum einen weil ihre Grundannahmen – Geschlecht sei eine von der Biologie unabhängige soziale Konstruktion – zweifelhaft sind. Vor allem aber, weil sich immer Menschen dagegen wehren, dass im Namen von Gender-Diversity und Gender-Mainstreaming zentrale Einrichtungen unserer Gesellschaft wie Kindergärten, Schulen, Universitäten und öffentliche Institutionen systematisch umgebaut werden.

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Können die Religionen gemeinsam forschen und lehren?

In Berlin streitet man darüber, wie viel Nähe zwischen Protestanten, Katholiken, Muslimen und Juden an den Universitäten möglich ist.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Der Thierse war’s, heißt es, wenn man herumfragt. Wolfgang Thierse, der ehemalige Präsident und Vizepräsident des Bundestages von der SPD und engagierte Katholik – im Verein mit Sawsan Chebli, der SPD-Staatssekretärin für Bundesangelegenheiten in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller und engagierten Muslimin. Die beiden hätten sich besonders dafür eingesetzt, dass nun im Koalitionsvertrag von SPD, Linken und Grünen steht, dass die „Präsenz der Theologien“ an Berlins Universitäten wichtig sei und deshalb „die bestehenden Regelungen und vorhandenen Einrichtungen zukunftsorientiert ausgestaltet und weiterentwickelt“ werden sollten.

Was konkret heißt: An der Humboldt-Universität soll bis zum Wintersemester 2018/19 ein Institut für islamische Theologie entstehen, mit fünf Professoren. Und irgendwie soll auch die katholische Theologie, die bislang an der Freien Universität mehr kümmert als lebt, an der HU in neuer Stärke strahlen. So viel Religionsbegeisterung in einem so linken Regierungsbündnis – wer hätte das gedacht?

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Der BDS als außenpolitischer Arm der Hamas

Redebeitrag bei der Kundgebung gegen die BDS/Kopi-Konferenz am 9.6.2017 vor dem Ökohaus in Frankfurt/Main

Von Jutta Ditfurth | NEWS No. 57

Einen schönen guten Abend Ihnen allen!

1943 schrieb Reichsführer SS Himmler an Amin el Husseini, den Großmufti von Jerusalem:

»die nationalsozialistische Bewegung Großdeutschlands hat seit ihrer Entstehung den Kampf gegen das Weltjudentum auf ihre Fahne geschrieben. Sie hat deshalb schon immer mit besonderer Sympathie den Kampf der freiheitsliebenden Araber vor allem in Palästina gegen die jüdischen Eindringlinge verfolgt.« Das ist die feste Basis »des natürlichen Bündnisses zwischen dem nationalsozialistischen Großdeutschland und den freiheitsliebenden Mohammedanern der ganzen Welt. […] Grüße […] für die glückliche Durchführung Ihres Kampfes bis zum sicheren Endsieg.«

Auch Goebbels und Hitler waren begeistert vom Mufti. Die Beziehungen entfalteten sich prächtig. Die Nazis finanzierten den arabischen Aufstand gegen die Juden in Palästina von 1936-1939. Man verabredete die gemeinsame Vernichtung der Juden in Palästina. Glücklicherweise verlor Deutschland den Krieg. Ein ewiges Ärgernis für deutsche Antisemiten.

Arafat gilt als des Mufti politischer Ziehsohn. Der Mufti ist auch eine wesentliche Wurzel der Hamas, einer der größten Verbrecherorganisationen im Nahen Osten. Die fundamentalistisch-islamische Hamas foltert und mordet Oppositionelle, macht Frauen und Schwulen das Leben zur Hölle, steckt Milliarden Hilfsgelder in die eigenen Taschen, in Raketenangriffe und Anschläge auf Juden statt in die demokratischen und sozialen Perspektiven der Palästinenser. Free Gaza from Hamas!

Die Hamas hat aber ein großes Problem. Sie ist in Teilen der Welt geächtet, Einreiseverbote u.a. in die USA, nach Kanada und Großbritannien. So wurde die BDS-Kampagne eine Art diplomatischer Arm der Hamas.

Izzat al-Risheq, ein hochrangiger Hamas-Führer, lobt den BDS überschwänglich, weil dessen finales Ziel die Zerstörung Israels ist. Er sagte:

„Wir rufen dazu auf, die Kampagne zur Isolation der Okkupation zur verschärfen und die Existenz der Räuberentität zu beenden“.

Ahmad Bahr, ein Amtsträger der Hamas, will die Intensivierung der BDS-Kampagne bis zum Ende des israelischen Staates.

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Studentenvertreter: „Jüdische Rechte sind Menschenrechte“

Benjamin Fischer, Präsident der Europäischen Union jüdischer Studierender, verortet Sicherheitsbedenken bei jüdischen Studierende
Benjamin Fischer, Präsident der Europäischen Union jüdischer Studierender, sieht einen Anstieg des Antisemitismus an Unis

Interview Vanessa Gaigg | derStandard.at

STANDARD: Gibt es an Hochschulen im Gegensatz zum Stammtisch eine höhere Barriere, was antisemitische Ausfälle betrifft?

Fischer: Was ich aufgrund persönlicher Erfahrung weiß: Nur weil man zu einer gehobenen Bildungsschicht gehört, heißt das noch lange nicht, dass man diskriminierungsfrei ist. Auch an Hochschulen habe ich grobe Stammtischsprüche mitbekommen oder wurde als Jude beschimpft.

STANDARD: Wie macht sich Antisemitismus an den Universitäten bemerkbar?

Fischer: Was auf dem Campus immer wieder eine Rolle spielt, ist der Umgang mit der sogenannten „Boycott, Divestment and Sanctions“-Bewegung (BDS-Bewegung), die sich gegen den Staat Israel richtet. Diese Bewegung nimmt immer wieder gezielt jüdische Studierende ins Visier, was auch schon zu gewalttätigen Übergriffen geführt hat. Juden werden mit dem Staat Israel gleichgesetzt und umgekehrt. Die Frage, wo Israel-Kritik aufhört und Antisemitismus beginnt, ist ein schmaler Grat. In Deutschland und Österreich ist diese Bewegung im Wachsen.

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Kirchenrechtler beklagt schwindenden Raum für Märchendeutung an Unis

Der Rechtswissenschaftler Hans Michael Heinig beklagt eine Zurückdrängung der Religionsfreiheit an deutschen Universitäten. „Studentische Gemeinden können sich mit ihrem Veranstaltungs- und Beratungsangebot nicht mehr wie bislang in Orientierungsveranstaltungen für Erstsemester vorstellen, Flyer dürfen nicht mehr in der Mensa ausgelegt werden“, schreibt Heinig in einem Gastbeitrag für die „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“.

evangelisch.de

Er ist Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Professor für Öffentliches Recht an der Universität Göttingen. Eine Umfrage unter evangelischen Studierendengemeinden zeige kein einheitliches Muster, aber doch einen Trend, fügt Heinig hinzu: „Sie verlieren an Akzeptanz.“ Die Tendenz sei in Großstädten und im Norden ausgeprägter als an kleinen Hochschulstandorten und im Süden.

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Trump nimmt Obamas Schutz für Transgender zurück

 Donald Trump und Gattin Melania im Oval Office des Weißen Hauses © Saul Loeb/AFP
Donald Trump und Gattin Melania im Oval Office des Weißen Hauses © Saul Loeb/AFP
Freie Wahl der Umkleide? Freie Wahl der Toiletten? Ist für Transgender in den USA ab sofort nicht mehr möglich. Donald Trump hat die von Obama geschaffene Freizügigkeit Rückgängig gemacht.

stern.de

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat am Mittwoch (Ortszeit) die von Vorgänger Barack Obama geschaffene Freizügigkeit für Transgender-Menschen rückgängig gemacht. Mitarbeiter des Justiz- und des Bildungsministeriums informierten einem Bericht der „Washington Post“ zufolge am Mittwoch den Obersten Gerichtshof, dass öffentliche Schulen und Universitäten angewiesen würden, die alte Regelung zu ignorieren.

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Türkei: Das freie Wort geht ins Exil

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Der Wahlkampf zum türkischen Verfassungsreferendum wird begleitet von Massenverhaftungen und dem Kampf gegen Universitäten und Medien

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Der Termin steht: Am 16. April soll in der Türkei über die Verfassungsreform abgestimmt werden. Das Ergebnis wäre ein Präsidialsystem, in dem Recep Tayyip Erdogan nahezu unbegrenzte Macht ausüben könnte. Die Gewaltenteilung würde aufgehoben, das Parlament überflüssig. Allerdings dürfte es ein schwieriger Wahlkampf werden für Erdogan, seine Partei AKP und die Spitze der rechtsnationalistischen MHP, die Unterstützung zugesichert hat. Denn gleich mehrere Umfragen unterschiedlicher Institute haben ergaben, dass momentan rund 58 Prozent der Türken mit „Nein“ stimmen würden.

Abgeordnete von AKP und MHP gaben sich dennoch siegessicher, während Erdogan sagte, mit der Verfassungsreform würde die Macht in die Hände der Menschen gegeben – was faktisch nicht stimmt. „Das Problem fängt schon damit an, dass ein großer Teil der Bevölkerung überhaupt nicht weiß, was mit dem Präsidialsystem auf sie zukommen würde. Vielleicht 20 Prozent der Bevölkerung weiß das einzuschätzen“, sagt die SPD-Politikerin Lale Akgün im Gespräch mit Telepolis (Aufbruch ins Mittelalter?).

Und das soll sich, wenn es nach der AKP geht, auch nicht ändern. Die Kräfteverhältnisse im Wahlkampf sind ungleich verteilt. So wird der AKP für ihre Ja-Kampagne im staatlichen Fernsehen fast doppelt so viel Zeit eingeräumt wie der Opposition – eine Praxis, die seit Langem üblich ist.

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Forschungsprojekt: Konfliktpotenzial von Religionen begrenzen

islam_christentum

Ein Forschungsprojekt der Universitäten Frankfurt am Main und Gießen will eine Grundlage für einen fruchtbaren Dialog der Religionen finden.

evangelisch.de

Konflikte mit einer religiösen Dimension nähmen weltweit zu, sagte der Direktor des Frankfurter Instituts für Religionsphilosophische Forschung, der Theologe und Judaist Christian Wiese, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Einwanderungsgesellschaften müssten sich auf mehr Vorurteile und Ängste einstellen. Das interreligiöse und interdisziplinäre Forschungsprojekt „Religiöse Positionierung“ wolle herausfinden, wie ein Dialog der Religionen zur Lösung von Konflikten beitragen könne.

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Erdogan will Türkei erweitern

erdoganDie Türkei im Ausnahmezustand: Weitere oppositionelle Medien werden geschlossen, neue Säuberungen an den Universitäten. Die Todesstrafe soll kommen, und der Präsident meldet auch noch Gebietsansprüche an.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

So ein Ausnahmezustand ist schon praktisch: Gerade einmal zehn Tage ist es her, dass sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan über das Verfahren zur Besetzung von Universitätspräsidenten ausließ. Dass dem eine Wahl zugrunde liege, führe nur zu „Chaos“, „Gruppenbildung“ und „Kränkungen“, sagte er bei der feierlichen Eröffnung des Wintersemesters, für die er die amtierenden Hochschulleiter in seinen Palast nach Ankara geladen hatte. Am Samstagabend wurde ein neues Notstandsdekret bekannt, mit dem Erdogans Wunsch Gesetz wird: Die Wahl entfällt künftig.

Bislang sah das Verfahren an staatlichen Universitäten so aus: Die akademischen Mitarbeiter wählen sechs geeignete Bewerber. Die Hochschulaufsicht reduzierte diese Liste auf drei Vorschläge, unter denen der Staatspräsident einen auswählt. In der Vergangenheit hatte Erdogan immer wieder Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten hatten, übergangen. Diese Wahl ist nun abgeschafft; künftig soll die Hochschulaufsicht drei Kandidaten vorschlagen, unter denen der Staatspräsident einen auswählt.

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Hochschulen erleichtern Quereinstieg ins evangelische Pfarramt

Angesichts des Nachwuchsmangels bei evangelischen Pfarrern wollen die Hochschulen einen Quereinstieg in den Pfarrberuf erleichtern. Der Evangelische-theologische Fakultätentag verabschiedete am Samstag auf seiner Plenarversammlung in Münster eine entsprechende Rahmenverordnung für ein berufsbegleitendes Theologiestudium.

evangelisch.de

Die Reform sei nötig, weil sich in der evangelischen Kirche ein Theologenmangel abzeichne, sagte der Vorsitzende des Fakultätentages, Professor Wolfram Kinzig von Universität Bonn.

In der neuen Rahmenordnung ist der Erwerb eines „Master of Divinity“ vorgesehen. Mit diesem Masterstudiengang, der sowohl berufsbegleitend als auch in Vollzeit absolviert werden kann, soll Menschen in einem späteren Lebensstadium der Zugang zum Pfarrdienst ermöglicht werden. Zugangsvoraussetzungen für diesen Studiengang sind ein abgeschlossenes Bachelorstudium und eine fünfjährige Berufserfahrung in einem kirchennahen Bereich, etwa als Diakon oder Kirchenjurist.

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Élisabeth Badinter: „Burkini am Nizza-Strand ist Gipfel der Unhöflichkeit“

Foto: pa/Effigie/Leema/Leemage Die französische Philosophin Élisabeth Badinter ist eine glühende Verfechterin der Laizität
Die Philosophin Élisabeth Badinter empfindet den Burkini als Provokation. Man müsse ertragen, als Muslimfeind beschimpft zu werden. Im Kampf gegen Islamismus sieht sie eine Gruppe in der Pflicht.
 

Von Martina Meister | DIE WELT

Die Welt: Die Fotos der verschleierten Frau mit den Polizisten am Strand von Nizza sind um die Welt gegangen und haben für Empörung gesorgt. Waren Sie auch schockiert, Madame Badinter?

Élisabeth Badinter: In gewisser Weise ja. Ich bin eine Verfechterin der Freiheit. Jeder soll tragen können, was er will. Insofern lässt mich der Burkini komplett kalt, obwohl er eine radikal religiöse und damit politische Bedeutung hat. Denn diese Frauen tragen den Burkini nicht, weil sie unsichtbar sein, sondern, weil sie auffallen wollen. Aber es ist ein Nebenschauplatz.

In Frankreich ist die Religionsfreiheit des Einzelnen sehr genau definiert. Das Verbot bestimmter Kleidung betrifft nur die Verwaltung, die Schulen und die Universitäten. Ansonsten gilt, dass man nicht nackt rumlaufen und sein Gesicht nicht vermummen darf.

Eine derartige Verbotswut befördert deshalb nur die schlimmsten Spaltungen. Mich schockierten diese Fotos. Allerdings schockiert mich noch mehr, dass sich jemand in diesem Aufzug an den Strand von Nizza wagt, wo wenige Meter weiter 86 Menschen ermordet wurden.

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Austria: Kirche greift manchmal in Personalfragen der Unis ein

Bild: (c) Die Presse (Fabry)
Das Konkordat schränkt die Autonomie der Unis ein. Seit 2002 wurden eine Berufung verweigert und ein Professor abberufen, der nach einer Scheidung erneut geheiratet hatte.

Die Presse.com

Die katholische Kirche greift selten, aber doch in die personelle Autonomie der Unis ein. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen Sigrid Maurer durch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Seit 2002 wurde einmal die Zustimmung zur Berufung eines Professors verweigert. Außerdem wurde ein Professor abberufen – weil er nach seiner Scheidung erneut heiratete.

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Wie sich Gott und die Wissenschaft vertragen

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Verhältnis von Religion und Wissenschaft ist nicht immer ohne Probleme. Auf den Universitäten macht sich das Spannungsfeld vor allem in den theologischen Studien bemerkbar – bei den Inhalten und bei der Personalauswahl.

Von Erich Kocina | Die Presse.com

Glauben gehört in die Kirche, Wissen auf die Universität – es wäre ein grobe Vereinfachung, diesen Satz einfach so stehen zu lassen. Doch tatsächlich stehen Religion und Wissenschaft in einem gewissen Spannungsfeld. Dann nämlich, wenn es um das Verhältnis der beiden zueinander geht. Wie sehr soll etwa die Religion in einer wissenschaftlichen Einrichtung mitbestimmen können? Eine Frage, die sich vor allem bei den theologischen Studien stellt – und genau darüber wird heute, Mittwoch, auch in Alpbach diskutiert. Vertreter von Universitäten, Religionsgemeinschaften und Bund sprechen über „Universitätsautonomie und Theologien“.

Nur ist die Theologie überhaupt eine Wissenschaft? „Natürlich“, sagt Oliver Henhapel, Leiter des Kultusamts im Bundeskanzleramt. „Letztlich geht es um Textinterpretation und historische Interpretation.“ Und natürlich haben theologische Studien auch eine spirituelle Dimension. Relevanter sei aber die Frage, wie sich die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Religion gegenüberstehen. Praktisch herunterbrechen lässt sich das auf die Frage der Autonomie, die die Theologie an der Uni von ihrer Religionsgesellschaft hat bzw. wie stark sie an sie rückgebunden ist.

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Berliner Erklärung: „Gebot zum offenen Gesicht“

Mit einer Burka verschleierte Frau in Afghanistan. Bild: AfghanistanMatters/CC BY 2.0
Zwei Wahlen stehen an, in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, die Bundestagswahl ist auch nicht mehr so fern, die Union braucht ein Zugpferd. Der Vertrauensverlust in die Regierungskompetenz ist erdrutschartig: Nur 24 Prozent halten die Union für geeignet, „das Land auf Kurs zu bringen“. Ein Erfolg der AfD lauert und die SPD zeigt mehr außenpolitische Kompetenz (weswegen Steinmeier als „Putinversteher“ in die Schmuddelecke gedrängt wird).

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Also setzt man in der Union auf Innere Sicherheit, um dort mit vertrauensbildenden Maßnahmen zu punkten. Wichtiger wäre, sich die Arbeitsverhältnisse und den sozialen Wandel als Thema vorzuknöpfen, aber die Union setzt erstmal auf leichte Symbolkost.

Aufmerksamkeit ist bei der Burka-Debatte garantiert. Wenn de Maizière Sätze sagt wie: „Wir lehnen einhellig die Burka ab, sie passt nicht zu unserem weltoffenen Land.“ Oder Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) Sätze sagt wie: „Die Vollverschleierung beeinträchtigt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und leistet der Entwicklung von Parallelgesellschaften Vorschub.“ Dann gibt es „kein Knatsch nirgends“.

Der Knatsch wurde auch dadurch vermieden, dass sich die Unions-Innenminister für ein Teilverbot der Vollverschleierung aussprachen. Das Verbot soll an bestimmten Orten gelten und in „Situationen, in denen Menschen identifizierbar sein müssen“.

Genannt werden der gesamte öffentliche Dienst, Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten, Gerichte, für Richter, Schöffen und Zeugen, Meldeämter, Standesämter und eben Pass-und Verkehrskontrollen, Demonstrationen und der Straßenverkehr.

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Wie die AKP Verschwörungstheorien über den Putsch befeuert

Sie behauptet, es seien ausschließlich Gülen-Anhänger – und vielleicht noch die CIA. Beweise bleibt sie schuldig und behindert so die Suche nach den wahren Drahtziehern.

Von Yavuz Baydar | Süddeutsche.de

Schon vier Wochen sind seit dem missglückten Putschversuch vergangen, doch die Frage nach den Drahtziehern ist noch immer nicht beantwortet. Um es mit den Worten von Dick Cheney zu sagen: „Wir wissen, dass wir nichts wissen.“ Und das ist ziemlich merkwürdig.

Seit dem 16. Juli werden wir von der Regierung Tag für Tag mit einem nicht enden wollenden Strom von Einzelheiten über die Folgen gefüttert. Das neueste Update stammt von Premierminister Binali Yıldırım. Demnach kamen 20 355 der 40 029 Festgenommenen in Haft, sie warten auf ihre Gerichtsverfahren. 79 000 Personen wurden aus ihren Berufen „entfernt“. 35 Privatkliniken, 1061 Schulen, 800 Studentenwohnheime, 129 Stiftungen, 1125 NGOs, 15 Universitäten, 19 Gewerkschaften, 130 Sender und Zeitungen und 29 Verlage wurden geschlossen.

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Türkei: Erdogan lässt 1000 Schulen schließen

erdoganDer türkische Präsident Erdogan verlängert zudem die Zeit, in denen Verdächtige ohne Anklage inhaftiert werden dürfen – von vier auf 30 Tage.

Die Presse.com

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das erste Dekret seit Einführung des Ausnahmezustands unterzeichnet. Er ordnete die Schließung von 1000 Privatschulen an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag berichtete. Zudem verlängerte er die Zeit, in denen Verdächtige ohne Anklage inhaftiert werden dürfen auf 30 von zuvor vier Tage.

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