NACHFAHRE HITLERS: Ein deutsches Leben

Erna Hitler, Bild: tvmovie.de
Die Großmutter hieß Erna Hitler, der Enkel konvertierte zum Judentum und lebt heute in Israel. Das Erbe einer Verwandtschaft wider Willen

Von Annabel WahbaZEIT ONLINE

Manuel Stein hat seine Großmutter kaum gekannt. Er kann sich nur an ein Treffen mit ihr erinnern, da muss er etwa zwölf gewesen sein. Es war ein Samstagnachmittag, als ein Mercedes mit Hamburger Kennzeichen vorfuhr. Eine füllige Frau mit hochgesteckten grauen Haaren stieg aus, sie hatte ihren zweiten Ehemann dabei, Manuel Steins Stiefgroßvater. Die Nachbarn guckten neugierig aus ihren Fenstern, so ein teures Auto sah man nicht oft in der bescheidenen Frankfurter Wohnsiedlung der sechziger Jahre. Manuel Stein ahnte damals noch nicht, dass diese Frau, die einige Jahre darauf sterben sollte, sein Leben einmal ziemlich durcheinanderbringen würde.

Ein halbes Jahrhundert später steht Manuel Stein auf dem Balkon seiner Wohnung in Jerusalem und schiebt die Kippa auf seinem Hinterkopf zurecht. Ein warmer Wind weht über die Stadt, es ist Hochsommer. Stein sagt: „Meine Großmutter war sehr stolz auf ihren Nachnamen.“ Sie hieß Erna Hitler.

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Jerome Segal: “Als Jude sage ich, Beschneidung ist barbarisch”

IN WIEN WAGEN JUDEN NICHT, SICH ÖFFENTLICH GEGEN BESCHNEIDUNG AUSZUSPRECHEN. Jerome Segal, Universitätsdozent in Wien und Assistenzprofessor an der Pariser Sorbonne, ist Jude, Atheist und Beschneidungsgegner.

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Seine Söhne ließ er nicht beschneiden, denn für ihn wäre dies ein “grausamer und barbarischer Akt”. Auch andere Thora-Vorschriften, etwa Todesstrafe bei Ehebruch, werden nicht mehr angewendet. Für die Beschneidung gibt es das jüdische “Brit Schalom” Ritual, das in Israel und den USA immer häufiger angewendet wird, hier wird Beschneidung nur symbolisch durchgeführt. In Wien hingegen sei der soziale Druck in der israelitischen Kultursgemeinde dermaßen hoch, dass niemand es wage, sich öffentlich gegen Beschneidung zu äußern. Wer seine Buben nicht beschneiden lässt, verheimlicht dies, aus Sorge, dass ihnen beispielsweise der Besuch einer jüdischen Schule in Wien verwehrt wird.