Peter Gauweiler und die Religion: „Unschuldig sind wir nicht“

Der ehemalige CSU-Politiker Peter Gauweiler hat ein Buch vorgelegt: Evangelisch in Bayern (imago stock&people)
Der Westen trägt nach Ansicht von Peter Gauweiler Mitschuld an den Spannungen mit der islamischen Welt. Die aktuelle Auseinandersetzung habe mit „dem völkerrechtswidrigen Krieg der USA und anderer Staaten im Irak“ begonnen, sagte Gauweiler im Dlf. Es gebe eine „große Mitverantwortung, vor der wir uns nicht verstecken dürfen.“

Peter Gauweiler im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Peter Gauweiler war Politiker, bevor er vor gut zwei Jahren die Machtfrage in der CSU stellte und alle Ämter niederlegte. Er war lange Bundestagsabgeordneter, er hatte diverse politische Ämter inne. Jeder oder fast jeder kennt ihn – gerade weil er Ecken und Kanten hat und immer wieder angeeckt ist. Er stand Franz-Josef Strauß nahe. Wie dieser bayerische Ministerpräsident nimmt Gauweiler kein Blatt vor den Mund. Heute ist er Rechtsanwalt in München. Peter Gauweiler ist evangelisch. Das reflektiert er in einem Buch mit dem Titel „Evangelisch in Bayern“.

Darin bezeichnet Gauweiler den ehemaligen Papst Benedikt, als „den Reformator schlechthin“. Im Gespräch über Benedikts Verhältnis zum Protestantismus sagte Gauweiler:

„Er hat immer wieder klar gemacht – bei dem sogenannten interkonfessionellen Dialog -, dass die Theologen nicht diskutieren dürfen, als wären sie Politiker und würden sich wechselseitig irgendwelche Geschenke oder Vergünstigungen in Fragen des Glaubens mitbringen. Und er hat immer darauf Wert gelegt, dass dieser Dialog in Angelegenheiten der Religion nur auf festen Fundamenten geführt werden kann. Und er hat uns so ein Beispiel geliefert, dass wir keine falschen Pseudo-Mischformen brauchen, wenn es viel besser ist, dass wir uns wechselseitig im Gottesdienst besuchen können uns dass wir das Anderssein des Anderen nicht als trennend empfinden, sondern als zusätzlichen Wert.“

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Waffenherstellung im IS: „Eine verdrehte Maker-Kultur“

Von den USA unterstützte „Neue Syrische Armee“ in al-Tanf. Foto: MaT/Hammurabi’s Justice News
Laut Recherchen eines CAR-Ermittlers sind die technischen Fähigkeiten zur Herstellung größerer Mengen von Munition und Waffen bei den IS-Dschihadisten weit fortgeschritten

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Im Oktober 2014 verkaufte Rumänien 9.252 Panzerfäuste („Rocket-propelled grenade“) an das US-Militär. Die USA unterzeichneten für den Handel ein sogenanntes „end-use“-Zertifkat. Das Dokument soll bestätigen, dass die Waffen und die Munition von der US-Armee benutzt und nicht an andere weiterverkauft werden.

2016 fiel einem Waffenexperten in einem IS-Video eine Kiste mit Panzerfäusten und Munition aus dieser Lieferung auf. In dem Video wurde die Kiste als Kriegsbeute des IS aus den Händen einer Miliz namens Jaysh Suriyah al-Jadid dargestellt. Wörtlich übersetzt heißt der Name die „neue syrische Armee“.

Die Miliz operiert mit Unterstützung der USA in anscheinend wechselnden Besetzungen im Süden Syriens. In einem Artikel vom Juni dieses Jahres berichtet das Long War Journal davon, dass die 2015 mit Unterstützung der USA gegründete Neue Syrische Armee „gegenwärtig von Maghaweir al Thowra (MaT) verkörpert wird“.

MaT machte im Sommer Schlagzeilen, weil sie unterstützt von US-Elitesoldaten den Posten in al-Tanf hielt (siehe Al Tanf: Schlacht um syrisch-irakischen Grenzübergang in der Wüste). Der IS war und ist noch immer in Wüste im Süden Syriens präsent, dass IS-Milizen Waffen von anderen Milizen erobern, ist nicht ungewöhnlich. Laut South-Front gab es 2016 Kämpfe zwischen IS-Milizen und der „New Syrian Army“ und Panzerfäuste waren begehrt.

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Israel schlägt in Syrien zu – und kommt Russland gefährlich nahe

Israelische Soldaten beobachten auf den Golanhöhen das geschehen jenseits der Grenze in Syrien Quelle: REUTERS
Der israelische Angriff auf eine syrische Kaserne, die der Iran nutzen will, könnte der Auftakt einer neuen Konfrontation zwischen Jerusalem und Teheran sein. Er lässt zudem die Spannungen mit Moskau wachsen.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Syriens Bürgerkrieg neigt sich langsam seinem Ende zu, doch längst hat ein neuer Kampf begonnen – zwischen Russland und dem Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite. Es geht darum, wer die Zukunft dieses geopolitischen Drehkreuzes in Nahost beherrscht, und welche strategischen Vorteile die Parteien aus der Nachkriegssituation ziehen können.

Russland und der Iran haben Präsident Baschar al-Assad massiv unterstützt und wollen nun eine Rendite dafür. Russland baut seinen einzigen Mittelmeerhafen in Tartus aus und hat Wirtschafts- und Militärabkommen mit Damaskus unterzeichnet.

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Erdoğans Kampf gegen die USA lässt die Lira stürzen

Mit dem Heranrücken eines brisanten Gerichtsverfahrens in New York verschärft Erdoğan die Gangart gegenüber den USA

Von Markus Bernath | derStandard.at

Als die türkische Zentralbank an den Schrauben dreht und das Kreditlimit ihres wichtigsten Leitzinssatzes auf null setzt, um den Sturz der Lira zu stoppen, da tritt Tayyip Erdoğan vor die Parlamentsabgeordneten seiner Regierungspartei und attackiert die USA. Und als Zentralbankchef Murat Çetinkaya erklärt, er wüsste, es gebe da ein großes Problem, aber er wüsste auch, was zu tun sei, da spricht Erdoğan von Verschwörungen in Washington gegen ihn und sein Land. Ein weiterer Tag zur Rettung der Lira versinkt am Dienstag in der Schlacht, die sich der türkische Staatspräsident mit Amerika und dem Westen liefert.

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Unheimliche Krieger

Photograph: Solent News/Rex
Killerroboter töten Menschen für andere Menschen. Doch ein internationales Verbot steht nicht zur Debatte. Bis Freitag beraten Regierungsvertreter bei den UN über die Revolution der Kriegsführung.

Von Jan Dirk Herbermann | evangelisch.de

Indiens Abrüstungsbotschafter bei den Vereinten Nationen verliert sich gerne im Philosophischen. Und der Diplomat gräbt ebenso engagiert in der langen Geschichte seiner Heimat. „Das alte Indien hatte Kriegsregeln“, erklärt Amandeep Gill. „Die Kämpfe mussten bei Sonnenuntergang stoppen.“ Dann spannt er den Bogen zu seinem aktuellen Job. Gill leitet die UN-Konferenz der Regierungsexperten, die bis Freitag über militärische und ethische Aspekte einer unheimlichen neuen Waffengattung berät: sogenannte Killerroboter.

„Die Experten werden keine neue Regeln für die Kriegsführung mit Killerrobotern verabschieden“, sagt Gill ohne Umschweife. „Sie werden auch keine Empfehlung an die Vertragsstaaten der UN-Waffenkonvention abgeben, Killerroboter zu verbieten.“ Ebenso hält es der Botschafter für unwahrscheinlich, dass die Vertragsstaaten der UN- Waffenkonvention auf ihrem Treffen ab Mitte nächster Woche (22.11.) Gespräche für eine Ächtung der Todesmaschinen beschließen.

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„Russia Today“ auf Liste der Auslandsagenten: Moskau will nachziehen

foto: apa/afp/kudryavtsev Der staatlich kontrollierte Sender RT (Russia Today) sendet auf Englisch, Arabisch, Spanisch. Seit 2014 gibt es RT Deutsch online.
Nachdem der Sender RT in den USA auf der Liste der Auslandsagenten landete, gerät nun neben US-Medien auch die Deutsche Welle ins Visier Russlands

Von André Ballin | derStandard.at

Auge um Auge: Das US-Justizministerium hat den russischen Staatssender RT trotz massiven Widerstands aus Moskau als „foreign agent“ registriert. RT ist damit einer von vier russischen (von insgesamt 409) „Auslandsagenten“. Der Sender habe keine andere Wahl gehabt, als die Registrierungsunterlagen einzureichen, ansonsten hätte ein Strafverfahren gedroht, klagte RT-Chefin Margarita Simonjan, die die Einstufung als „diskriminierend“ und als Zensur bezeichnete.

RT muss nun jedes Halbjahr Rechenschaft über seine Finanzen ablegen und – sollte das US-Justizministerium die RT-Tätigkeit als politische Propaganda einschätzen – seine Berichte mit dem Vermerk „Vertreter einer ausländischen Organisation“ markieren.

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Die getrennten Staaten von Amerika

Links die USA, rechts Mexiko. Donald Trump will die Grenzbefestigung auf 3200 Kilometer ausweiten.FOTO: ANNA SAUERBREY
3200 Kilometer lang ist die Grenze zwischen den USA und Mexiko. Hier wird Identität verteidigt und Freiheit gesucht. Und gestorben. Eine Reportage.

Von Anna Sauerbrey | DER TAGESSPIEGEL

Durch das Insektennetz vor der Tür des Wohnwagens sieht Tim Foley die Sonne aufgehen. Der glühende Himmel durchringt die wellig gewordenen, grauen Maschen, Vögel zwitschern, Rocko, der Pitbull, hebt den Kopf. Tim Foley steckt seine Glock in das Halfter an seinem Gürtel und tritt hinaus. Der rote Staub vor dem Trailer leuchtet. Ein guter Tag für einen Erkundungsmarsch, nicht zu heiß. 34, 35 Grad sind für die Sonora-Wüste vorhergesagt. Foley betrachtet die karge Landschaft. Irgendwo da draußen, eine halbe Stunde Autofahrt entfernt, beginnt Mexiko.

Foley ist Ende fünfzig, vom Wetter alterslos gegerbt. Ein sehniger Typ, Arme und Hals sind tätowiert, doch seine Haut ist so dunkel, die Motive sind nicht mehr zu erkennen. Er schüttet Hundefutter in eine Metallschüssel, füllt eine zweite mit Wasser, klopft dem Pitbull auf die Flanken. Nächsten Freitag erwartet er ein Dutzend Freiwillige zu einer „Operation“ des „Arizona Border Recon“, der „Grenzaufklärung Arizona“. Tim Foley hat „AZBR“ 2010 gegründet. Auf der Webseite heißt es, die Gruppe stelle „Wissen und Sicherheitsdienste in Partnerschaft mit dem US-Grenzschutz“ zur Verfügung. In der Nachbarschaft sagen die Leute, Tim Foley sei Chef einer Miliz, die in der Wüste schwer bewaffnet Jagd auf Migranten macht, um sie dann den staatlichen Grenzschützern zu übergeben. Außerdem sei er verrückt.

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Deutsche Kampfflugzeuge über dem Negev

Ein deutscher Eurofighter landet in der israelischen Wüste. (Bild: Abir Sultan / Keystone)
In Israel finden die weltweit grössten Luftwaffen-Manöver dieses Jahres statt. Sieben ausländische Staaten nehmen teil, unter ihnen Deutschland und Indien. Geübt wird Kooperation, gefeiert Israels Westintegration.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Über dem Negev herrscht stets viel Flugverkehr. Für Israels Luftwaffe ist die südliche Wüste ein gutes Übungsgebiet, und wer gerne in ihre atemraubende Stille hineinhorcht, wird oft vom brachialen Donner von Kampfflugzeugen gestört, die ihre weissen Spuren in den Himmel malen. In diesen Tagen ist besonders viel los, denn bis zum Donnerstag finden über dem Negev die weltgrössten Luftmanöver dieses Jahres statt.

Das Eiserne Kreuz in Israel

«Blue Flag» heisst die elftägige Übung, an der über tausend Soldatinnen und Soldaten aus 8 Nationen teilnehmen. Polen, die USA, Griechenland und Italien waren bereits bei früheren Manövern dabei, erstmals erschienen sind in diesem Jahr Kontingente aus Deutschland, Frankreich und Indien.

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The US Is the Last Country to Remain Outside the Paris Climate Agreement

Image: Presidencia de la Republica Mexicana/Wikipedia
Syria signed the agreement in Germany this week.

By Ankita Rao | MOTHERBOARD

It’s official, the US is number one. And by that I mean the only country in the world to not participate in the Paris climate accord now that Syria agreed to sign the agreement at the United Nations talks in Bonn, Germany today.

Earlier, Syria and Nicaragua had both held back from the agreement—a pact to limit carbon emissions—alongside the US, but for different reasons. Syria, as you might have heard, is dealing with a brutal civil war. Nicaraguan leaders, meanwhile, said the Paris accord didn’t go far enough to address climate change concerns, but decided to climb on board in October. But President Donald Trump decided to leave the agreement*, signed and ratified under Barack Obama, in June.

Trump cited some interesting reasons for not wanting to be held to the same standards as the rest of the world. In his June remarks, he said he wanted to protect the country from „the draconian financial and economic burdens the agreement imposes on our country“ and legal implications.

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USA und China: Der unausweichliche kriegerische Konflikt?

Chinesische Parade. Bild: Pentagon/ gemeinfrei
US-amerikanische Vordenker und der Think-Tank RAND wägen das Pro und das Contra, sowie das Wie und Wann eines Krieges zwischen China und den USA ab

Von Hermann Ploppa | TELEPOLIS

Möglicherweise haben wir Frankensteins Monster entfesselt

Ex-Präsident Richard Nixon rückblickend über seine Annäherungspolitik an China

Was macht man denn jetzt mit einem aufstrebenden Riesenreich, wo andauernd die Ketten klirren und krachen, an die der Koloss bislang gefesselt war? China baut künstliche Inseln im Südchinesischen Meer und erklärt dieses Gewässer kurzerhand zu seiner eigenen Hoheitszone.

Donald Trump reagiert, wie man es vom Twittergott gewohnt ist: Bevor er selber Südkorea und China besucht, schickt er schon mal drei Flugzeugträger als milliardenteure Herolde vorweg an die Küsten der koreanischen Halbinsel. Müssen wir uns jetzt warm anziehen?

Altgediente Offiziere aus der Bundeswehr winken lachend ab: eine reine „Show of force“ sei das, nichts als Theater für die Presse. Militärstrategisch ohne jeden Nährwert. Nun ja. Es ist schon seltsam, was sich da neulich in der Straße von Malakka zutrug. Ein US-amerikanisches Kriegsschiff war mitten in der Nacht bei spiegelglatter See und exzellenter Sicht mit einem Tanker havariert. Das US-Schiff soll mit Autopilot gesteuert worden sein.

Möglicherweise, so vermuten Journalisten, sei das Versagen der automatischen Steuerung auf ein Störmanöver einer anderen Militärmacht zurückzuführen. Ein Denkzettel möglicherweise. Das US-Militär hielt sich auffällig bedeckt und legte seine Schiffe in dieser Region einstweilen vor Anker. Und jetzt die drei Flugzeugträger, um die peinliche Malakka-Episode möglichst schnell vergessen zu machen.

Geostrategen und Historiker in Washington stellen sich schon ernsthaft die Frage, ob ein heißer Krieg zwischen den USA und China nicht doch eines unglückseligen Tages ausbrechen könnte. Und das möglicherweise gegen den Willen beider Kontrahenten, durch einen dummen Zufall.

Einmal befanden sich die USA und die Volksrepublik China bereits in einem heißen Krieg, nämlich als Stellvertreterkrieger auf der koreanischen Halbinsel. Dabei kamen 940.000 Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten ums Leben. US-Streitkräfte verübten Massaker unter der Zivilbevölkerung, die bis heute nicht vergessen, geschweige denn aufgearbeitet sind. Donald Trumps Machtdemonstration mit den Flugzeugträgern bewirkt deswegen sehr ungute Gefühle bei der koreanischen Bevölkerung.

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Erbgut gewaltiger Baumkiller entschlüsselt

Die Fruchtkörper der Hallimasche sind um befallene Bäume herum zu sehen. Unterirdisch bilden sie riesige Netzwerke. | Eidg. Forschungsanstalt WSL
544 Tonnen wiegt eines der grössten Lebewesen der Welt: Ein Pilz der Gattung Armillaria (Hallimasche). Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Forschungsanstalt WSL hat nun das Erbgut von vier Arten dieser Pflanzenschädlinge entschlüsselt.

Luzerner Zeitung

Weltweit befallen Hallimasche mehr als 500 Pflanzenarten in Wäldern und Parks und lösen Wurzelfäule aus. Ihr unterirdisches Netzwerk aus Pilzfadensträngen (Rhizomorphen), mit denen sie nach neuen Wurzeln suchen, kann gewaltig werden: So ist beispielsweise das grösste Lebewesen der Schweiz ein Riesen-Hallimasch, der 2004 im Schweizer Nationalpark entdeckt wurde und eine Grösse von 50 Fussballfeldern hat. Die sichtbaren Fruchtkörper sind dagegen geradezu unscheinbar.

Ein Individuum in den USA mit dem Spitznamen „humongous fungus“ („gigantischer Pilz“) besitzt sogar ein Netzwerk mit einer Fläche von fast 1000 Hektaren und einem Gewicht von 544 Tonnen. Damit gehört es zu den grössten Lebewesen der Erde, wird allerdings beispielsweise von Riesenmammutbäumen übertroffen.

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Zum ersten Mal – seit 1492!

Inzwischen auf Distanz: Türkische und amerikanische Fahnen auf dem Time Square im Gedenken an den gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016.© LEV RADIN/PACIFIC PRESS VIA ZUMA WIRE/DPA
Die Amerikaner geben Türken keine Visa mehr. Das trifft viele Menschen hart und hat auch für Erdogans Regierung Konsequenzen. Die sind schwer zu kaschieren.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

Liebe Leser, ich will Ihnen heute vom „Visumelend“ erzählen. Da schauen Sie mich vermutlich an, als würde ich etwas Unsinniges sagen oder Japanisch sprechen. Nicht ganz zu Unrecht. Sie haben ja das Elend mit dem Visum nicht. Soeben wurde der Passport Index 2017 veröffentlich, da steht Ihr Land, wie bereits in den vergangenen fünf Jahren, unter 195 Ländern auf Platz eins. Sie können reisen, wohin und wann Sie wollen.

Unser Land hat hingegen keinen so guten Stand auf dem Index. In der Liste, aufgestellt nach der Anzahl an Visumanträgen, steht die Türkei auf Platz achtzig. Dorthin gelangten wir dank einiger Dritte-Welt-Länder, die kein Visum von uns wollen. Ansonsten verlangt man in fast jedem Land, in dem wir Urlaub machen, uns behandeln lassen oder investieren wollen oder in das wir zu Ausbildung oder Studium reisen möchten, ein Visum von uns. Last-Minute-Ticket ist ein Fremdwort für uns. Wir können nicht mal eben eine Karte für ein Konzert irgendwo in Europa buchen. Unsere Freunde im Ausland können wir nicht bei jedem Sehnsuchtsanfall besuchen. Zuerst brauchen wir ein Visum. Vorausgesetzt, der Staat hat nicht ohnehin unseren Pass aus politischen Gründen für ungültig erklärt.

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Zur türkischen Fassung der Kolumne
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Waffenhersteller-Aktien steigen nach Todesschüssen von Las Vegas

(c) AFP (MARK RALSTON)
Verrückte Welt: Nach dem Blutbad mit mindestens 50 Toten in Las Vegas dürften die Waffenkäufe in den USA steigen. Aktien von Waffenherstellern ziehen an. Aktien von Kasinobetreibern hingegen fallen.

Die Presse.com

Nach den Todesschüssen auf ein Musikfestival in Las Vegas sind die Aktien von US-Waffenherstellern am Montag gestiegen. Smith & Wesson-Hersteller American Outdoor Brands stiegen im Eröffnungsgeschäft um 5,8 Prozent, Sturm Ruger & Co und Vista Outdoor legten fünf und 2,7 Prozent zu. Hintergrund dürften Spekulationen auf eine mögliche Verschärfung der Waffengesetze sein, wie sie immer wieder nach solchen Vorfällen in den Vereinigten Staaten aufkommen. Anleger rechnen dann damit, dass der Absatz kurzfristig steigt, weil die Bürger einen Waffenkauf vorziehen.

Unter Druck standen hingegen die Aktien von Kasinobetreibern. MGM Resorts International fielen um fast vier Prozent. Die Titel von Melco Resorts & Entertainment, Wynn und Las Vegas Sands gaben ein bis zwei Prozent nach.

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„Der politische Islam“ ist nicht vom Himmel gefallen

foto: picturedesk / everett collection Ibn Saud und Roosevelt 1945 auf der USS Quincy. Das Treffen gilt als Beginn der Partnerschaft zwischen USA und politischem Islam.
Im österreichischen Wahlkampf kommt „der politische Islam“ als der Feind unserer Zivilisation schlechthin vor. Richtig groß wurde er als Verbündeter des Westens

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Der politische Islam: Wenn sich denn ein Konsens zwischen allen Wahlkämpfenden finden ließe, dann jener, dass sich bei diesem Wort jedes Verständnis fürs „Fremde“ aufhört. Aber das gilt nicht nur für Politiker. Es gebe gar keine Probleme zwischen den Menschen, Einheimischen und (auch muslimischen) Zugereisten.

Die angebliche Angst vor dem Fremden sei nur eine „Divide et impera“-Erfindung der Mächtigen, sagte unlängst mein Nachbar bei einer Podiumsdiskussion. Nur den politischen Islam, den müsse man natürlich bekämpfen.

Wer könnte dem widersprechen? Schwieriger wird es allerdings, wenn man definieren will, wo denn „der Islam“ „politisch“ wird. Für viele beim Kopftuch, ist das nicht ein politisches Symbol? Eine konservative Golfaraberin würde angesichts der Behauptung, ihre im Luxusgeschäft auf der Kärntner Straße getragene Gesichtsverschleierung enthalte eine politische Botschaft, groß schauen.

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„So lange es Atomwaffen gibt, wird die Nato ein nukleares Bündnis sein“

Am 21. September begegneten sich Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und UN-Generalsekretär António Guterres anlässlich der UN-Generalversammlung in New York. Bild: Nato
50 Staaten haben bislang den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen unterzeichnet, die Nato kritisiert ihn scharf und warnt vor einer Gefährdung der internationalen Sicherheit

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Seit dem 20. September können Regierungen dem von 122 Staaten am 7. Juli beschlossenen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen unterzeichnen. Die Bundesrepublik hatte wie die anderen Nato-Staaten und fast alle EU-Staaten die Verhandlungen bei den Vereinten Nationen boykottiert. Sobald den Vertrag 50 Staaten ratifiziert haben, tritt er in Kraft.

Ziel ist es, die Verpflichtung der Atomwaffenstaaten zur Abrüstung, die sie mit dem Atomwaffensperrvertrag eingegangen sind, aber nicht umgesetzt haben, sondern wieder in einen atomaren Rüstungswettlauf eingetreten sind, auf diesem Weg durchzusetzen. Der Vertrag verbietet die Entwicklung, das Testen, die Herstellung, die Beschaffung, den Besitz und Lagerung von Atomwaffen aller Art, verboten ist neben den Einsatz auch schon die Drohung mit ihnen. Für Deutschland würde dies bedeuten, dass auch die nukleare Teilhabe verboten wäre, also die Lagerung von amerikanischen Atomwaffen und deren Einsatz im Kriegsfall (70 Prozent der Deutschen für das Abkommen zum Verbot von Atomwaffen)

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Russland wirft US-Truppen in Syrien Kooperation mit dem Islamischen Staat vor

Vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahme.
Im Wettlauf der syrischen Truppen und der von den USA unterstützten SDF-Verbände auf die strategisch bedeutende Stadt Deir-ez-Zor verschärft sich der Konflikt zwischen Russland und den USA

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie schon lange klar ist, führt die Niederschlagung und Vertreibung des Islamischen Staats in Syrien nicht zu einer Lösung des Konflikts. Zu stark gehen die geopolitischen Interessen der USA und Russland sowie der mit ihnen verbündeten Regionalmächte auseinander, die wiederum mit den syrischen Parteien am Boden verbunden sind (Machtpoker in Syrien). Derzeit überwölbt den Konflikt das Interesse Irans, über den Irak und Syrien eine Landbrücke zum Libanon zu errichten, was auf den entschiedenen Widerstand seitens der USA stößt. Zudem ist die Stadt strategisch wichtig, in der Umgebung befinden sich Ölquellen.

Die Vertreibung des Islamischen Staats um die Stadt Deir ez-Zor führte zu einem Wettrennen der syrischen Truppen und der schiitischen Milizen aus dem Iran, dem Irak und dem Libanon und der kurdischen SDF, die als amerikanische Bodentruppen der USA fungieren und von amerikanischen Spezialeinheiten sowie US-Kampfflugzeugen unterstützt werden.

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Missbrauchsstudie: „Zölibat ein begünstigender Faktor“

Australische Wissenschaftler haben eine Studie über die Ursachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche veröffentlicht. Darin habe man umfassend untersucht, ob es Gründe für sexuellen Missbrauch gibt, die im Gesamtsystem der katholischen Kirche weltweit begründet sind – also „systemische Ursachen“, heißt es in der von der RMIT University in Melbourne veröffentlichten Mitteilung.

Radio Vatikan

Zwei Gründe für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sehen die beiden Autoren Peter Wilkinson und Desmond Cahil im Zölibat und der großen Zahl der von der Kirche betriebenen Waisenhäuser. „Kinder (…) in Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen sind einem Risiko ausgesetzt, wenn psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende, einschließlich Priester und Ordensleute, zu ihnen Zugang haben“, heißt es in dem Bericht. Zudem weisen die Autoren auf eine niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen hin, in denen Priester heiraten dürfen.

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Roboter im Kampfeinsatz: Wenn die künstliche Intelligenz Krieg führt

Bei einer Parade in Bagdad im November 2011 marschieren Einheiten des US-Militärs und der irakischen Armee gemeinsam mit Robotern. Bild: ap
Der Roboter auf dem Werbevideo von Boston Dynamics sieht nicht so aus, als würde er in einen Krieg zeihen. Viel eher ähnelt er verblüffend einem Hund. Auf vier Beinen stolziert er durch die Gegend.

Von Anna Sawerthal | derStandard.at

Ein anderer, groß wie ein Pony, stapft durch einen Wald, geht Bäumen selbstsicher aus dem Weg und erklimmt Stiegen. Einer der Entwickler gibt einem Roboter einen festen Tritt in die Seite – die Maschine tariert aus, fängt sich und steht wieder fest auf ihren Beinen. Ein anderer Roboter greift in einer Küche nach einer Cola-Dose.

Selbst erkennen kann er die Dose noch nicht, meint Markus Vincze vom Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien. Er erkennt die Position nur durch Mark-ups. Was die Roboter aber gut können, ist, robust über unwegsames Gelände zu gehen. Sie wissen durch GPS auch, wo sie sich selbst befinden. Dass sie auch andere Objekte erkennen können, sei nur noch eine Frage der Zeit.

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Amerikas großes Dilemma mit der Türkei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan empfing US-Verteidigungsminister Mattis im Präsidentenpalast Quelle: AP/POOL Presidency Press Service/LP
Die USA und die Türkei sind historische Verbündete. Vor wenigen Jahren galt das System Erdogan noch als leuchtendes Vorbild. Das hat sich massiv geändert – und stellt Amerika vor ein Problem. Die Zeit des Taktierens ist jetzt vorbei.

Von Boris Kálnoky | DIE WELT

n Ankara geben sich derzeit ausländische Militärs die Klinke in die Hand. Eben war erstmals seit 1979 der iranische Generalstabschef in der Türkei. Am Mittwoch folgte US-Verteidigungsminister James Mattis, und nach ihm hat sich der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow angesagt.

Da liegt etwas in der Luft, als stünden große, folgenschwere Dinge kurz bevor. Tatsächlich scheint die Türkei entschlossen, den Amerikanern in Syrien militärisch die Stirn zu bieten. Dort nämlich stärken die USA die syrischen Kurden. Diese hält Washington inzwischen für verlässlicher als die Türkei, ihren jahrzehntelangen Nato-Partner, der sich immer mehr zum Problemstaat entwickelt.

Es ist ein doppeltes Umdenken in Washington und Ankara, das die historischen Partner – die Türkei ist der zentrale US-Vorposten im Nahen Osten – zu Gegnern machen könnte. Die Geschichte dieser Entfremdung begann vor gut zehn Jahren.

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So viele nukleare Sprengköpfe bunkern die Atomnationen

© Statista
14.935 atomare Sprengköpfe gibt es weltweit. Mehr als 92 Prozent der todbringenden Waffen lagern in den Arsenalen nur zweier Länder.

stern.de

Weltweit geht die Zahl der Atomwaffen zwar zurück, wie nah ein nuklearer Konflikt trotzdem sein kann, bewiesen in dieser Woche Nordkorea und die USA. Nachdem die gegenseitigen Drohungen aus Washington und Pjöngjang immer schärfer wurden, lenkte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zuletzt ein und kündigte an, die USA zunächst weiter beobachten zu wollen.

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