Zum ersten Mal – seit 1492!

Inzwischen auf Distanz: Türkische und amerikanische Fahnen auf dem Time Square im Gedenken an den gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016.© LEV RADIN/PACIFIC PRESS VIA ZUMA WIRE/DPA
Die Amerikaner geben Türken keine Visa mehr. Das trifft viele Menschen hart und hat auch für Erdogans Regierung Konsequenzen. Die sind schwer zu kaschieren.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

Liebe Leser, ich will Ihnen heute vom „Visumelend“ erzählen. Da schauen Sie mich vermutlich an, als würde ich etwas Unsinniges sagen oder Japanisch sprechen. Nicht ganz zu Unrecht. Sie haben ja das Elend mit dem Visum nicht. Soeben wurde der Passport Index 2017 veröffentlich, da steht Ihr Land, wie bereits in den vergangenen fünf Jahren, unter 195 Ländern auf Platz eins. Sie können reisen, wohin und wann Sie wollen.

Unser Land hat hingegen keinen so guten Stand auf dem Index. In der Liste, aufgestellt nach der Anzahl an Visumanträgen, steht die Türkei auf Platz achtzig. Dorthin gelangten wir dank einiger Dritte-Welt-Länder, die kein Visum von uns wollen. Ansonsten verlangt man in fast jedem Land, in dem wir Urlaub machen, uns behandeln lassen oder investieren wollen oder in das wir zu Ausbildung oder Studium reisen möchten, ein Visum von uns. Last-Minute-Ticket ist ein Fremdwort für uns. Wir können nicht mal eben eine Karte für ein Konzert irgendwo in Europa buchen. Unsere Freunde im Ausland können wir nicht bei jedem Sehnsuchtsanfall besuchen. Zuerst brauchen wir ein Visum. Vorausgesetzt, der Staat hat nicht ohnehin unseren Pass aus politischen Gründen für ungültig erklärt.

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Zur türkischen Fassung der Kolumne
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Waffenhersteller-Aktien steigen nach Todesschüssen von Las Vegas

(c) AFP (MARK RALSTON)
Verrückte Welt: Nach dem Blutbad mit mindestens 50 Toten in Las Vegas dürften die Waffenkäufe in den USA steigen. Aktien von Waffenherstellern ziehen an. Aktien von Kasinobetreibern hingegen fallen.

Die Presse.com

Nach den Todesschüssen auf ein Musikfestival in Las Vegas sind die Aktien von US-Waffenherstellern am Montag gestiegen. Smith & Wesson-Hersteller American Outdoor Brands stiegen im Eröffnungsgeschäft um 5,8 Prozent, Sturm Ruger & Co und Vista Outdoor legten fünf und 2,7 Prozent zu. Hintergrund dürften Spekulationen auf eine mögliche Verschärfung der Waffengesetze sein, wie sie immer wieder nach solchen Vorfällen in den Vereinigten Staaten aufkommen. Anleger rechnen dann damit, dass der Absatz kurzfristig steigt, weil die Bürger einen Waffenkauf vorziehen.

Unter Druck standen hingegen die Aktien von Kasinobetreibern. MGM Resorts International fielen um fast vier Prozent. Die Titel von Melco Resorts & Entertainment, Wynn und Las Vegas Sands gaben ein bis zwei Prozent nach.

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„Der politische Islam“ ist nicht vom Himmel gefallen

foto: picturedesk / everett collection Ibn Saud und Roosevelt 1945 auf der USS Quincy. Das Treffen gilt als Beginn der Partnerschaft zwischen USA und politischem Islam.
Im österreichischen Wahlkampf kommt „der politische Islam“ als der Feind unserer Zivilisation schlechthin vor. Richtig groß wurde er als Verbündeter des Westens

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Der politische Islam: Wenn sich denn ein Konsens zwischen allen Wahlkämpfenden finden ließe, dann jener, dass sich bei diesem Wort jedes Verständnis fürs „Fremde“ aufhört. Aber das gilt nicht nur für Politiker. Es gebe gar keine Probleme zwischen den Menschen, Einheimischen und (auch muslimischen) Zugereisten.

Die angebliche Angst vor dem Fremden sei nur eine „Divide et impera“-Erfindung der Mächtigen, sagte unlängst mein Nachbar bei einer Podiumsdiskussion. Nur den politischen Islam, den müsse man natürlich bekämpfen.

Wer könnte dem widersprechen? Schwieriger wird es allerdings, wenn man definieren will, wo denn „der Islam“ „politisch“ wird. Für viele beim Kopftuch, ist das nicht ein politisches Symbol? Eine konservative Golfaraberin würde angesichts der Behauptung, ihre im Luxusgeschäft auf der Kärntner Straße getragene Gesichtsverschleierung enthalte eine politische Botschaft, groß schauen.

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„So lange es Atomwaffen gibt, wird die Nato ein nukleares Bündnis sein“

Am 21. September begegneten sich Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und UN-Generalsekretär António Guterres anlässlich der UN-Generalversammlung in New York. Bild: Nato
50 Staaten haben bislang den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen unterzeichnet, die Nato kritisiert ihn scharf und warnt vor einer Gefährdung der internationalen Sicherheit

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Seit dem 20. September können Regierungen dem von 122 Staaten am 7. Juli beschlossenen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen unterzeichnen. Die Bundesrepublik hatte wie die anderen Nato-Staaten und fast alle EU-Staaten die Verhandlungen bei den Vereinten Nationen boykottiert. Sobald den Vertrag 50 Staaten ratifiziert haben, tritt er in Kraft.

Ziel ist es, die Verpflichtung der Atomwaffenstaaten zur Abrüstung, die sie mit dem Atomwaffensperrvertrag eingegangen sind, aber nicht umgesetzt haben, sondern wieder in einen atomaren Rüstungswettlauf eingetreten sind, auf diesem Weg durchzusetzen. Der Vertrag verbietet die Entwicklung, das Testen, die Herstellung, die Beschaffung, den Besitz und Lagerung von Atomwaffen aller Art, verboten ist neben den Einsatz auch schon die Drohung mit ihnen. Für Deutschland würde dies bedeuten, dass auch die nukleare Teilhabe verboten wäre, also die Lagerung von amerikanischen Atomwaffen und deren Einsatz im Kriegsfall (70 Prozent der Deutschen für das Abkommen zum Verbot von Atomwaffen)

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Russland wirft US-Truppen in Syrien Kooperation mit dem Islamischen Staat vor

Vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahme.
Im Wettlauf der syrischen Truppen und der von den USA unterstützten SDF-Verbände auf die strategisch bedeutende Stadt Deir-ez-Zor verschärft sich der Konflikt zwischen Russland und den USA

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie schon lange klar ist, führt die Niederschlagung und Vertreibung des Islamischen Staats in Syrien nicht zu einer Lösung des Konflikts. Zu stark gehen die geopolitischen Interessen der USA und Russland sowie der mit ihnen verbündeten Regionalmächte auseinander, die wiederum mit den syrischen Parteien am Boden verbunden sind (Machtpoker in Syrien). Derzeit überwölbt den Konflikt das Interesse Irans, über den Irak und Syrien eine Landbrücke zum Libanon zu errichten, was auf den entschiedenen Widerstand seitens der USA stößt. Zudem ist die Stadt strategisch wichtig, in der Umgebung befinden sich Ölquellen.

Die Vertreibung des Islamischen Staats um die Stadt Deir ez-Zor führte zu einem Wettrennen der syrischen Truppen und der schiitischen Milizen aus dem Iran, dem Irak und dem Libanon und der kurdischen SDF, die als amerikanische Bodentruppen der USA fungieren und von amerikanischen Spezialeinheiten sowie US-Kampfflugzeugen unterstützt werden.

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Missbrauchsstudie: „Zölibat ein begünstigender Faktor“

Australische Wissenschaftler haben eine Studie über die Ursachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche veröffentlicht. Darin habe man umfassend untersucht, ob es Gründe für sexuellen Missbrauch gibt, die im Gesamtsystem der katholischen Kirche weltweit begründet sind – also „systemische Ursachen“, heißt es in der von der RMIT University in Melbourne veröffentlichten Mitteilung.

Radio Vatikan

Zwei Gründe für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sehen die beiden Autoren Peter Wilkinson und Desmond Cahil im Zölibat und der großen Zahl der von der Kirche betriebenen Waisenhäuser. „Kinder (…) in Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen sind einem Risiko ausgesetzt, wenn psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende, einschließlich Priester und Ordensleute, zu ihnen Zugang haben“, heißt es in dem Bericht. Zudem weisen die Autoren auf eine niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen hin, in denen Priester heiraten dürfen.

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Roboter im Kampfeinsatz: Wenn die künstliche Intelligenz Krieg führt

Bei einer Parade in Bagdad im November 2011 marschieren Einheiten des US-Militärs und der irakischen Armee gemeinsam mit Robotern. Bild: ap
Der Roboter auf dem Werbevideo von Boston Dynamics sieht nicht so aus, als würde er in einen Krieg zeihen. Viel eher ähnelt er verblüffend einem Hund. Auf vier Beinen stolziert er durch die Gegend.

Von Anna Sawerthal | derStandard.at

Ein anderer, groß wie ein Pony, stapft durch einen Wald, geht Bäumen selbstsicher aus dem Weg und erklimmt Stiegen. Einer der Entwickler gibt einem Roboter einen festen Tritt in die Seite – die Maschine tariert aus, fängt sich und steht wieder fest auf ihren Beinen. Ein anderer Roboter greift in einer Küche nach einer Cola-Dose.

Selbst erkennen kann er die Dose noch nicht, meint Markus Vincze vom Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien. Er erkennt die Position nur durch Mark-ups. Was die Roboter aber gut können, ist, robust über unwegsames Gelände zu gehen. Sie wissen durch GPS auch, wo sie sich selbst befinden. Dass sie auch andere Objekte erkennen können, sei nur noch eine Frage der Zeit.

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Amerikas großes Dilemma mit der Türkei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan empfing US-Verteidigungsminister Mattis im Präsidentenpalast Quelle: AP/POOL Presidency Press Service/LP
Die USA und die Türkei sind historische Verbündete. Vor wenigen Jahren galt das System Erdogan noch als leuchtendes Vorbild. Das hat sich massiv geändert – und stellt Amerika vor ein Problem. Die Zeit des Taktierens ist jetzt vorbei.

Von Boris Kálnoky | DIE WELT

n Ankara geben sich derzeit ausländische Militärs die Klinke in die Hand. Eben war erstmals seit 1979 der iranische Generalstabschef in der Türkei. Am Mittwoch folgte US-Verteidigungsminister James Mattis, und nach ihm hat sich der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow angesagt.

Da liegt etwas in der Luft, als stünden große, folgenschwere Dinge kurz bevor. Tatsächlich scheint die Türkei entschlossen, den Amerikanern in Syrien militärisch die Stirn zu bieten. Dort nämlich stärken die USA die syrischen Kurden. Diese hält Washington inzwischen für verlässlicher als die Türkei, ihren jahrzehntelangen Nato-Partner, der sich immer mehr zum Problemstaat entwickelt.

Es ist ein doppeltes Umdenken in Washington und Ankara, das die historischen Partner – die Türkei ist der zentrale US-Vorposten im Nahen Osten – zu Gegnern machen könnte. Die Geschichte dieser Entfremdung begann vor gut zehn Jahren.

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So viele nukleare Sprengköpfe bunkern die Atomnationen

© Statista
14.935 atomare Sprengköpfe gibt es weltweit. Mehr als 92 Prozent der todbringenden Waffen lagern in den Arsenalen nur zweier Länder.

stern.de

Weltweit geht die Zahl der Atomwaffen zwar zurück, wie nah ein nuklearer Konflikt trotzdem sein kann, bewiesen in dieser Woche Nordkorea und die USA. Nachdem die gegenseitigen Drohungen aus Washington und Pjöngjang immer schärfer wurden, lenkte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zuletzt ein und kündigte an, die USA zunächst weiter beobachten zu wollen.

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China ist wieder größter Gläubiger der USA

Yuan und Dollar-Banknoten – REUTERS
Die USA schulden China umgerechnet rund 980 Milliarden Euro. Mit dem Anstieg löste China auch Japan wieder als größten Gläubiger ab.

Die Presse.com

Mitten im sich verschärfenden Handelskonflikt mit China ist die Volksrepublik wieder größter Gläubiger der US-Regierung: Keinem anderen Land der Welt schuldet der US-amerikanische Staat so viel Geld wie China – insgesamt 1,15 Billionen Dollar (rund 980 Milliarden Euro).

So hoch bezifferte das US-Finanzministerium in einer am Dienstagabend veröffentlichten Statistik den Bestand an US-Staatsanleihen und anderen Schuldtiteln in chinesischen Händen Ende Juni. Ende Mai waren es noch rund 44 Milliarden Dollar weniger.

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Nordsyrien: Türkische Provokationen an der syrischen Grenze

Zerstörte Häuser in Rakka. Screenshot, YPG-Video, Twitter
Das Verhältnis zwischen Washington und Ankara könnte schlechter nicht sein. Al-Qaida macht Probleme in Idlib. Die SDF dringt in Rakka weiter vor

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die Türkei verstärkt ihre Militärpräsenz an der Grenze zu Syrien. Täglich greifen türkische Truppen und ihre islamistischen Verbündeten den Kanton Afrin und die Sheba-Region an. Auch in Kobane wird von Angriffen der türkischen Armee berichtet.

Das Verhältnis zwischen Washington und Ankara könnte schlechter nicht sein, denn die USA durchkreuzen mit ihrer Unterstützung der kurdisch-arabischen Syrian Democratic Forces (SDF) immer wieder die Pläne Ankaras. Die Türkei ist außenpolitisch komplett gescheitert. Es gibt kaum noch ein Land, das sich nicht über die Unberechenbarkeit Erdogans und seiner Außenpolitik beschwert.

Vor allem dank der Türkei ist die Provinz Idlib mittlerweile in den Händen von Al Qaida, was der internationalen Koalition einige Kopfschmerzen bereitet. Längst wird in der Anti-IS Koalition über eine längerfristige Kooperation mit der nordsyrischen demokratischen Föderation nach Rakka nachgedacht. Russland und die USA scheinen in der Syrien-Frage das Kriegsbeil begraben zu wollen. Einiges deutet auf eine vorsichtige Annäherung hin. Ob sich das Assad-Regime dem noch entgegenstellen kann, ist die Frage.

In der Nacht zum Samstag verlegte das türkische Militär weitere Artillerie in die Provinz Kilis an der Grenze zum syrischen Kanton Afrin. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Dogan handelte es sich um Haubitzen, Panzer und Militärfahrzeuge. Afrin ist einer der Kantone der nordsyrischen demokratischen Föderation und wird seit Wochen immer wieder von der türkischen Armee mit Artillerie angegriffen.

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Der Mops bellt: EKD ruft zur Vermittlung zwischen USA und Nordkorea auf

Angesichts der Spannungen zwischen Nordkorea und den USA hat die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) andere Staaten zur Vermittlung aufgerufen, um eine weitere Eskalation des Konflikts zu vermeiden.

evangelisch.de

Die derzeitige Rhetorik sei „besorgniserregend“, sagte der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Konflikt gehe von der nordkoreanischen Führung aus. Darauf mit „martialischen Bildern“ von „Zorn“ und „Feuer“ zu reagieren treibe ihn aber in eine Eigendynamik, die schwer zurückzuholen sei. „Komplizierte Weltlagen lassen sich eben nicht mit Twitter-Kommentaren oder Urlaubspressegesprächen lösen“, kritisierte Brahms mit Blick auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump.

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Extreme Dürre in den USA: Vorerst keine Problem für den Weltmarkt

Plötzliche Dürre bedroht im Mittleren Westen der USA große Teile der Weizenernte. Bedeutung der US-Produktion für den Weizen-Weltmarkt ist allerdings in den letzten Jahren zurückgegangen

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

„Flash Drought“, Blitzdürre heißt ein neues Schreckgespenst, das durch die USA geistert. Und wenn sich bewahrheiten sollte, was einige bereits befürchten, nämlich die Vernichtung der Hälfte der Weizenernte auf den sogenannten High Plains, dem östlichen Vorland der Rocky Mountains, dann sollten auch rund um den Globus die Menschen aufhorchen.

Noch vor drei Monaten gab es nach den Berichten diverser US-Medien kaum Anzeichen für eine Dürre, aber nun zieht sich ein Band mäßigen bis schweren Niederschlagsdefizits durch den Weizen-Gürtel der USA. Besonders betroffen seien die Staaten Montana, Nord- und Süddakota.

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Soziologin: Kirchen müssen „Versuchung der Macht widerstehen“

Innsbrucker Forscherin Stöckl bei „Salzburger Hochschulwochen“: Europäisches kooperatives Staats-Kirchen-Modell bewährt sich in „postsäkularen Konflikten“ – Berliner Neurowissenschaftler Haynes: Hirnforschung führt zu neuen ethischen Debatten
In einer Zeit zunehmender globaler kultureller Konflikte, in denen auch religiöse und moralische Fragen immer stärker eine Rolle spielen, sollten Kirchen und Religionsgemeinschaften der „Versuchung der Macht widerstehen“.

kathpress

Das hat die auf postsäkulare Konflikte spezialisierte Innsbrucker Soziologin Kristina Stoeckl im Rahmen eines Vortrags bei den „Salzburger Hochschulwochen“ am Samstag unterstrichen. Zwar sei diese Gefahr in Europa nicht virulent, aber Beispiele etwa aus Russland oder den USA würden zeigen, wie leicht in postsäkularen Konflikten Religionen und Kirchen zu politisch einflussreichen Kräften werden könnten. Hüten sollten sich die Kirchen vor dieser Versuchung insofern, als dies einem konservativen, modernitäts-skeptischen Flügel innerkirchlich in die Hände spiele.

„Postsäkulare Konflikte“ zeichnen sich laut Stoeckl u.a. dadurch aus, dass sie potenziell transnational sind, keine eindeutigen Lösungen mehr kennen und vor allem nicht mehr an der Bruchlinie religiös-säkular entlang laufen, sondern sich zwischen konservativen und liberalen Positionen entwickeln und damit zum Teil quer durch Religionen und Kirchen laufen. Beispiele hierfür seien etwa die Debatten über die „Ehe für alle“, aber auch die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Kreuzes in öffentlichen Räumen.

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USA reichen Austritt aus Klimaabkommen ein

Foto: dpa
Die USA informieren die Vereinten Nationen offiziell über den geplanten Austritt aus dem Pariser Weltklimavertrag.

Frankfurter Rundschau

Die USA haben am Freitagabend (Ortszeit) bei den Vereinten Nationen offiziell ihren Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen eingereicht. Das Außenministerium in Washington teilte mit, dass den UN eine entsprechende Erklärung übermittelt worden sei. US-Präsident Donald Trump hatte das Klimaabkommen bereits Anfang Juni verkündet und diesen weltweit kritisierten Schritt damit begründet, amerikanische Interessen für immer an die erste Stelle zu setzen.

In der am Freitagabend veröffentlichten Erklärung erinnerte das US-Außenministerium an die Bereitschaft Trumps zu weiteren Klimaverhandlungen, „sollten die USA Bedingungen vorfinden, die günstiger für ihre „Wirtschaft, Arbeiter, das Volk und die Steuerzahler sind“. Die USA unterstützten eine „ausgewogene Herangehensweise“ an eine Klimapolitik, die Emissionen senke, aber gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum und Energiesicherheit ermögliche.

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Ab heute leben wir auf Pump

2017 liegt der Earth Overshoot Day bereits am 2. August – die Menschheit bräuchte 1,7 Erden um ihren Ressourcenverbrauch zu decken. © NASA/ freeimages,Oliver Gruener
Ab heute bräuchten wir eine zweite Erde: Mit dem heutigen Tag hat die Menschheit alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde aufgebraucht. Der ökologische Fußabdruck der Menschheit ist damit erneut angewachsen – inzwischen bräuchten wir 1,7 Erden, um unseren jährlichen Ressourcenverbrauch zu decken. 2016 lag der Earth Overshoot Day noch sechs Tage später.

scinexx

Der Zeitpunkt könnte kaum symbolträchtiger sein: Während in Deutschland der Dieselgipfel auf einen faulen Kompromiss hinsteuert, demonstriert der Erdüberlastungstag eindeutig, welchen Raubbau die Menschheit an unserem Planeten betreibt. Der „Earth Overshoot Day“ –Erdüberlastungstag – markiert den Tag, an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde im Jahr regenerieren kann.

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Wenn der Attentäter Muslim ist, berichten Medien fünfmal so häufig

Bild: heise.de/tp
Eine amerikanische Studie zeigt: Medien berichten wesentlich häufiger, wenn der Täter Muslim ist, obwohl Rechtsextremisten in den USA deutlich mehr Anschläge begehen

Von Fabian Köhler | TELEPOLIS

Als Darren Osborne in der Nacht vom 19. zum 20. Juni sein Auto in eine Menschenmenge steuerte, war es für die Bewohner Londons bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass Extremisten mit Fahrzeugen auf Menschenjagd gingen. Doch obwohl auch der Angriff auf Muslime vor der Londoner „Finsbury Park-Moschee“ wie die Anschläge zuvor tödlich endete und die britische Regierung den Angriff als Terroranschlag einstufte, war diesmal etwas anders.

Anders als die islamistischen Auto-Anschläge vom 22. März und 4. Juni schaffte es Islamhasser Osborne nicht in Vollformat auf die Titelseiten britischer Medien, vielen britischen Zeitungen war der Anschlag Osbornes lediglich eine Schlagzeile unter vielen wert.

Der Frage, wie sich die mediale Berichterstattung über islamistische und nicht-islamistische Anschläge unterscheidet, sind nun zwei amerikanische Kommunikations- und Terrorismus-Forscher nachgegangen. Mit Blick auf die Berichterstattung in den USA haben sie Anschläge und Medienberichte ausgewertet und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Über Attentäter, die als muslimisch gelten, werde 449 Prozent häufiger berichtet als über nicht-muslimische Attentäter.

Verantwortlich für die Untersuchung sind Erin M. Kearns, Konfliktforscher an der Georgia State University und Anthony Lemieux, Professor für „Global Studies and Communication“, ebenfalls an der Georgia State University. Für ihre Studie haben sie sämtliche Terroranschläge in den USA zwischen 2011 und 2015 ausgewertet. Dabei haben sich die Forscher an der Terrorismus-Definition des amerikanischen Heimatschutz-Ministeriums und dessen „Global Terrorism Database“ orientiert.

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G20-Gipfel endet mit klaren Dissens

Abflug aus Hamburg: US-Präsident Donald Trump folgt Ehefrau Melania in die Air Force One. Foto: afp
Üblicherweise werden die Ergebnisse nach G20-Treffen überaus positiv nach außen verkauft. In Hamburg ist das anders. Von Meinungsverschiedenheiten ist nicht nur die Rede – sie werden auch offen benannt.

Von Damir Fras, Thorsten Knuf | Frankfurter Rundschau

Donald Trump gegen den Rest der Welt: Die Differenzen zwischen den USA und der Staatengemeinschaft in Sachen Klimaschutz bleiben unüberbrückbar.

Auch am letzten Tag des G20-Gipfels der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Hamburg gelang es den Teilnehmern am Samstag nicht, den US-Präsidenten beim Kampf gegen die Erderwärmung wieder ins Boot zu holen. Die Amerikaner bleiben dabei, das Pariser Welt-Klimaabkommen verlassen zu wollen.

Damit endete der Hamburger Gipfel mit einem klaren Dissens. Das ist bei G20-Treffen äußerst ungewöhnlich, denn normalerweise sind die Teilnehmer darauf bedacht, in allen Punkten gemeinsame Positionen zu finden.

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Studie: Jeder Fünfte könnte unerkannt krankheitsrelevante Gen-Mutation in sich tragen

(Bild: MIKI Yoshihito / Flickr / cc-by-2.0)
In den USA wurde erstmals das komplette Genom von anscheinend gesunden Personen sequenziert. Wie sich dabei zeigte, liegen relativ häufig genetische Variationen vor, die eine Erbkrankheit erwarten lassen würden.

Von Sascha Mattke | heise online

Mediziner in den USA haben erstmals in einer randomisierten Studie das komplette Genom von Personen sequenzieren lassen, bei denen keine Anzeichen für Krankheiten zu erkennen waren. Das wichtigste Ergebnis des MedSeq-Projekts: Jeder fünfte Proband trug eine Mutation in sich, die eine seltene Erbkrankheit auslösen kann, obwohl er keinerlei Symptome zeigte. Das berichtet Technology Review online in „Was heißt „gesund“?

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„Wir glauben an denselben Gott“

Historiker und Publizist Michael Wolffsohn. (dpa-Zentralbild / Karlheinz Schindler)
Der Historiker Michael Wolffsohn ruft Juden, Christen und Muslime dazu auf, trennende Mauern zwischen den Religionsgemeinschaften niederzureißen. Es gelte, die jeweiligen liberalen Strömungen zu stärken, sagte Wolffsohn im Dlf. Es gehe um die „Freiheit, nach dem Geist der Religion“ und nicht nach dem Buchstaben der religiösen Gesetze zu leben.

Michael Wolffsohn im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Einer unserer treuesten Hörer ist Michael Wolffsohn und er tritt auch regelmäßig auf hier bei „Tag für Tag“, und zwar nicht zu den einschlägigen Themen, zu denen er sonst gefragt wird und die zweifellos auch wichtig oder noch wichtiger sind, wie Bundeswehr, Israel, USA, Antisemitismus, sondern bei uns zu Religionsfragen, obwohl oder gerade, weil Michael Wolffsohn kein Theologe ist, sondern Historiker. Aber ihm sind Religionsfragen wichtig, gerade auch, wenn es darum geht, wo sich Christen und Juden fern und wo sie sich nahe sind. Denn an diesem Punkt hat Religion definitiv eine gesellschaftliche, ja, politische Relevanz. Das gilt auch für sein jüngstes Buch „Deutschjüdische Glückskinder – eine Weltgeschichte meiner Familie“. Darin gibt es ein Kapitel, das sich explizit mit unserem Thema beschäftigt. Es heißt „Gott und die Wolffsohns – Familientheologie“. Darüber sprechen wir jetzt. Michael Wolffsohn, guten Morgen und willkommen.

Michael Wolffsohn: Guten Morgen Herr Main.

Main: Sie schreiben über Religion so, dass ich oft schmunzeln musste. Geben Sie denjenigen, die sehr verkniffen ihre Religionen betreiben, mal einen Tipp. Wie gelingt es Ihnen, Religion ernst zu nehmen, aber nicht zu ernst?

Wolffsohn: Doch, ich nehme Religion sehr ernst, aber ich nehme nicht die institutionalisierten Religionen so ernst, wie sie sich selber nehmen. Das gilt in Bezug auf das Judentum, vor allem die jüdische Orthodoxie, aber auch Teile des Reformjudentums, wo es – aber das gibt es überall – Rabbiner gibt, die mehr Schauspieler und weniger Seelsorger sind.

„Jesuanische Ethik ist für mich der Höhepunkt jüdischer Ethik“

Und ich nehme das Christentum auch sehr ernst, weil vor allem die jesuanische Ethik für mich der Höhepunkt eigentlich der jüdischen Ethik ist, also der vortalmudischen Ethik, die dann in den Talmud mündete.

Und darüber hinaus die Fragen, die unsere Gesellschaft betreffen, also Integration und die Zusammenführung von Christen oder Nenn-Christen oder Einst-Christen und Juden und Muslimen, also in unserer pluralistischen Gesellschaft, das ist doch das Thema schlechthin.

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