Schlagwort-Archive: Völkermord

Das Dersim-Massaker an den alevitischen Kurden in der Türkei

Dersim (1937); Karte: NordNordWest/CC BY-SA 3.0

Nach der Diskussion um den Genozid an den Armeniern rückt ein neues Massaker ins Blickfeld: das Massaker an den kurdischen Aleviten in Dersim (heute Tunceli) vor 77 Jahren


Von Elke Dangeleit|TELEPOLIS

Die Diskussion um den Völkermord an den Armeniern (Völkermord an den Armeniern) hat international für einigen Wirbel gesorgt, nachdem der Papst und etliche Staaten, nicht zuletzt auch die Bundesregierung – zwar zögerlich und verklausuliert – in Person von Bundespräsident Gauck und Bundestagspräsident Lammert (CDU) von Völkermord sprechen.

Die Türkei reagiert pikiert und wehrt sich, das Massaker als Völkermord zu bezeichnen. Nach wie vor wird von “Umsiedlung” gesprochen. Ministerpräsident Davutoglu beschwert sich persönlich bei Merkel, der türkische Präsident Erdogan will Deutschland den Mund verbieten.

Dabei hält die Unterdrückungs- und Diskriminierungspolitik gegenüber Minderheiten auch in der heutigen Türkei an. Auch die Geschichte der Verfolgung und Diskriminierung der Aleviten hat ihre Wurzeln im Osmanischen Reich. Schon vor der Gründung der Türkischen Republik (1923) wurde die Provinz Dersim, das Hauptsiedlungsgebiet der kurdischen Aleviten in der Osttürkei, von den Osmanen angegriffen und Massaker verübt.

Historische Hintergründe

In dieser damals schwer zugänglichen Bergregion konnten die kurdischen Aleviten ihre Kultur nahezu unbehelligt leben. Die Aleviten stellen mit 10 – 20% der Bevölkerung in der Türkei die größte religiöse Minderheit dar. Hauptsiedlungsgebiete sind die kurdischen Provinzen Dersim (türk: Tunceli), Xarpet (türk: Elazig, und Bingöl, wie auch die gemischten Provinzen Sivas, Erzincan und Adana und die türkischen Provinzen Malatya, Kayseri und Tokat.)

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Herero in Deutsch-Südwestafrika: Der andere Völkermord

Gefangene Herero – Zehntausende Menschen starben während der Kolonialherrschaft der Deutschen. (Foto: Archiv)

  • Zwischen 1904 bis 1908 ermordeten deutsche Truppen im heutigen Namibia etwa 90 000 Angehörige der Herero und Nama. Auch Frauen und Kinder wurden Opfer der Kolonialherren.
  • Nachkommen von Überlebenden fordern seit Jahrzehnten von Deutschland, die Massaker als Völkermord anzuerkennen und Entschädigungen zu zahlen. Die Bundesregierung vermeidet den Terminus Genozid.
  • Es gibt Anzeichen, dass die Bundesregierung ihre Haltung in der Causa ändert.


Von Paul Munzinger|Süddeutsche.de

Das politische Berlin, sieht man von der Bundesregierung einmal ab, hat eine Woche der klaren Worte hinter sich. Der Bundespräsident, der Bundestagspräsident, die Bundestagsfraktionen – sie alle bezeichneten die Vertreibung und Ermordung der Armenier während des Ersten Weltkriegs als Völkermord.

“Wir können uns nicht von Schuld befreien, wenn wir sie leugnen, verdrängen oder bagatellisieren”, sagte Joachim Gauck. “Heute beenden wir das Verdrängen und das Vertuschen”, sagte Norbert Röttgen.

Israel Kaunatjike könnte wütend sein über diese Worte, sie könnten wie Hohn in seinen Ohren klingen. Doch Kanautjike ist nicht verbittert. Er ist zuversichtlich, dass Deutschland nun auch die eigene Vergangenheit nicht weiter leugnen und bagatellisieren, verdrängen und vertuschen kann.

Er glaubt, dass Deutschland die Verbrechen an den Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika als das benennen muss, was sie für Israel Kaunatjike sind: der erste Völkermord des zwanzigsten Jahrhunderts.

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Völkermord: Der absurde Herr Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier (2014), Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0 de/Mueller

Der deutsche Außenminister hätte es gerne verhindert, dass man den Völkermord an den Armeniern “Völkermord” nennt. Schlimm genug. Doch seine “Holocaust”-Äußerung ist geradezu dreist.


Von Robert Roßmann|Süddeutsche.de

Frank-Walter Steinmeier ist schon von Haus aus kein Mann der klaren Sätze. Der Sozialdemokrat mäandert gern. Seine Worte fließen, aber man weiß oft nicht, wohin. Besonders schlimm wird es, wenn Steinmeier als Außenminister spricht. Diplomaten müssen geschmeidig sein, Ausgleich gehört zu ihrer Berufsbeschreibung. Aber bei Steinmeier wird daraus schon mal Konturlosigkeit. Das zeigt sich zurzeit auf erschreckende Weise in der Armenien-Debatte.

Vor 100 Jahren wurden im Osmanischen Reich mehr als eine Million Armenier vertrieben und getötet. Das Europa-Parlament, der Papst und viele andere haben die schrecklichen Taten trotz aller Drohungen der Türkei als Völkermord verurteilt. In der vergangenen Woche haben das endlich auch der Bundespräsident, der Bundestagspräsident und alle Fraktionen getan. Das war überfällig – auch wegen der deutschen Mitschuld an den Gräueltaten.

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Türkei empört über Gaucks Völkermord-Aussage

Joachim_Gauck Die Äußerungen des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum “Völkermord” an den Armeniern haben eine diplomatische Krise mit der Türkei ausgelöst. “Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen”, erklärte das Außenministerium in Ankara am späten Freitagabend.


derStandard.at

Gauck hatte die Massaker an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg am Donnerstagabend erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Das Staatsoberhaupt setzte sich damit über Bedenken hinweg, dass die Einordnung des damaligen Geschehens als Völkermord die Beziehungen zur Türkei beschädigen könnte.

Am Freitag schloss sich der Bundestag dieser Bewertung an. “Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord”, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht selbst zu Wort.

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Genozid-Vorwurf: Wieso die Türkei nur gegen kleine Gegner zuschlägt

erdogan-sultanAus mehreren Ländern hat die Türkei ihre Botschafter abgezogen, weil die von Völkermord an den Armeniern sprachen. Gegenüber großen Handelspartnern wie Deutschland übt Ankara aber Zurückhaltung.


Von Boris Kálnoky|DIE WELT

Die türkische Regierung brodelt. Und das schon seit Längerem. Immer öfter zieht sie ihre Botschafter aus anderen Ländern ab, denn Ankara ist unzufrieden. Gegenwärtig gibt es in sieben Ländern keinen türkischen Botschafter. Aus Israel zog die Türkei ihren Gesandten bereits 2010 ab, nachdem das Land gewaltsam gegen militante türkische Aktivisten vorgegangen war, die die Gaza-Blockade durchbrechen wollten. Dabei waren neun Türken getötet worden.

Aus Österreich und aus dem Vatikanstaat zog Ankara seine Botschafter ab, weil sie von einem “Genozid an den Armeniern” gesprochen hatten – ein Begriff, den die Türkei vehement ablehnt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gab dazu die wohl verbindliche Parole aus: “Unsere Vorfahren haben keinen Völkermord begangen.” Aus dieser Formulierung klingt zwischen den Worten heraus, dass ein Eingeständnis die “Ehre” der heutigen Türken beschmutzen würde.

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Erdoğan warnt Obama: US-Präsident sollte den Begriff „Genozid“ nicht benutzen

erdogan-sultanDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gibt in der Armenier-Debatte nun offenbar auch Anweisungen gen USA: Er erwarte von Präsident Barack Obama, dass dieser in einer Erklärung zum 100. Jahrestag der Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich den Begriff Genozid tatsächlich nicht verwende. Bislang hat die US-Regierung eine solche Einordnung vermieden – aus Rücksicht auf ihre türkischen Freunde.


Deutsch Türkische Nachrichten

Kurz vor den Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Gräueltaten an den Armeniern stellt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch einmal deutlich den vermeintlichen Alleinanspruch seiner Position heraus. Nach einem verbalen Schlagabtausch mit Papst Franziskus sendet er nun vorsorglich noch einmal warnende Worte gen Weißes Haus.

„Ich möchte von Obama so etwas nicht hören. Und ich erwarte auch nicht, dass er so etwas sagt“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Erdoğan anlässlich eines Pressegesprächs zum Besuch der irakischen Präsidenten Fuad Masum in Ankara. Zuvor war in den Medien kursiert, dass Obama den Begriff Völkermord anlässlich des Gedenktags wohl erneut vermeiden würde. „Die Einschätzung der Rolle der Türkei und die Haltung der USA in dieser Sache liegen damit auf der Hand“, so der türkische Präsident weiter.

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Armenien-Gedenken: Türkische Vereine von Erdogan domestiziert

Bild: Wikimedia Commons/JesterWr

Bild: Wikimedia Commons/JesterWr

Türkische Vereine in Deutschland lehnen das Wort “Völkermord” zur Bezeichnung der Verbrechen an den Armeniern vor 100 Jahren im osmanischen Reich weiter vehement ab.


evangelisch.de

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin kritisierten die Türkische Gemeinde Berlin sowie die Vereine “Dialog für Frieden” und “Gedankengut Atatürks” den Antrag der Koalitionsfraktionen, der erstmals ausdrücklich den Begriff “Völkermord” enthält und am Freitag voraussichtlich vom Plenum verabschiedet wird. Die Vereine wehren sich dagegen, weil sie den Begriff für historisch nicht belegt halten.

Die Politik sei für geschichtliche Wahrheitsfindung nicht geeignet, sagte Bekir Yilmaz von der Türkischen Gemeinde Berlin. 80 Prozent der Türkischstämmigen in Deutschland lehnten den Begriff “Völkermord” ab.Yilmaz warf Bundestag, Bundesregierung und Bundespräsident Joachim Gauck Anmaßung vor, sollten sie den Begriff verwenden. Sie gefährdeten die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei.

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Türkei beruft Botschafter nach Ankara ein

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)

Die Regierung in Ankara protestiert mit der Maßnahme gegen die Verwendung des Wortes “Völkermord” in einer Erklärung des österreichischen Nationalrats.


Die Presse

Die türkische Regierung hat aus Protest gegen die Erklärung des Österreichischen Nationalrats zum Völkermord an den Armeniern 1915 ihren Botschafter Mehmet Hasan Gögüs zu Konsultationen nach Ankara einberufen.  Davon informierte Gögüs die “Presse” Mittwochabend auf dem Weg zum Flughafen.

Dies sei ein erster Schritt, sagte der Botschafter und kündigte eine offizielle Stellungnahme des Außenministeriums in Ankara an.

“Aufgrund der historischen Verantwortung – die österreich-ungarische Monarchie war im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet – ist es unsere Pflicht, die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen”, hatte es in einer Erklärung der Klubobleute Andreas Schieder (SPÖ), Reinhold Lopatka (ÖVP), Heinz-Christian Strache (FPÖ), Eva Glawischnig (Grüne), Waltraud Dietrich (Team Stronach) und Matthias Strolz (Neos) am Dienstag geheißen, und weiter:  “Ebenso ist es die Pflicht der Türkei, sich der ehrlichen Aufarbeitung dunkler und schmerzhafter Kapitel ihrer Vergangenheit zu stellen und die im Osmanischen Reich begangenen Verbrechen an den Armeniern als Genozid anzuerkennen.”

Völkermord – eine deutsche Erfindung

20 Schädel von getöteten Herero und Nama, die nach Deutschland gebracht wurden, gab die Berliner Universitätsklinik Charité 2011 zurück an Namibia. In der damaligen deutschen Kolonie wurde 1904 bis 1908 der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts verübt Foto: picture alliance / dpa

Lange hatte die Welt kein angemessenes Wort für die Vernichtung ganzer Nationen und Ethnien. Bis ein polnischer Anwalt, der vor den Nazis geflohen war, 1944 “Völkermord” ins Englische übersetzte.


Von Matthias Heine|DIE WELT

Der mutmaßlich erste Völkermord an Armeniern fand nicht 1915 statt, sondern 688. Jedenfalls nennt der Historiker Friedrich Leopold zu Stolberg das, was der byzantinische Kaiser Justinian II. den Mardaiten antat, einen “fluchwürdigen Völkermord”. Die Mardaiten waren ein Volk im Nurgebirge, das sich entlang des Mittelmeeres von der Türkei über Syrien bis zum Libanon erstreckt. Viele Forscher glauben, die Mardaiten wären armenischen Ursprungs gewesen. Justinian II. ließ dieses Volk umsiedeln und zu großen Teilen abschlachten. Das Zitat von Stolberg aus seiner “Geschichte der Religion” von 1832 ist einer der frühesten Belege des Wortes Völkermord in seiner heutigen Bedeutung.

In Berlin wird der Bundestag am Freitag über einen Antrag von CDU/CSU und SPD abstimmen. Darin werden die Vorgänge innerhalb des Osmanischen Reiches, die vor genau 100 Jahren zum Tod von bis zu 1,5 Millionen Armeniern führten, erstmals von einer deutschen Regierung als Völkermord bezeichnet, und die “unrühmliche Rolle des Deutschen Reichs” wird bedauert. Die Wortwahl ist hier von höchster politischer Bedeutung, denn die Türkei will mit aller Macht verhindern, dass die Verbrechen von vor einem Jahrhundert Völkermord oder Genozid genannt werden.

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Türkischer Regierungssprecher: Kein absichtlicher Völkermord(Körperverletzung mit Todesfolge,fahrlässig?)

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG

Die Türkische Nationalversammlung “Der Souverän ist ausnahmslos das Volk” (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG

Seit Papst Franziskus jüngst offiziell von einem Völkermord gesprochen hatte, wächst der internationale Druck auf die Türkei, den Tod von bis zu 1,5 Millionen Armeniern als Genozid anzuerkennen.


kath.net

Der türkische Regierungssprecher Bülent Arinc hat erstmals den Begriff des Völkermords im Zusammenhang mit den Massakern an den Armeniern nicht mehr generell zurückgewiesen. Zugleich schloss er laut Presseberichten vom Dienstag jedoch eine Intention zur Vernichtung des gesamten Volkes aus. Zwar wisse die Türkei, dass es im Osmanischen Reich bei «Maßnahmen» gegen armenische Aufständische eine «Tragödie» gegeben habe, sagte Arinc. «Aber wir haben nicht wissentlich, vorsätzlich und absichtlich einen Völkermord begangen.» Die Ereignisse von 1915 fielen nicht unter die Genozid-Definition der Vereinten Nationen, so Arinc.

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Osmanen-Wahn: EU bereitet Militär-Einsatz gegen Türkei vor

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Mahir Kaynak ist im Februar verstorben. (Screenshot via Youtube)

Der im Februar verstorbene türkische Analyst Mahir Kaynak hatte durchgehend vor einem Militär-Angriff auf die Türkei gewarnt. Die Diskussion um den Völkermord an den Armeniern sei eine psychologische Vorbereitung auf einen derartigen Überfall. Als Vorwand werde ein Bürgerkrieg zwischen Kurden und Türken dienen, den die Europäer zuvor selbst provozieren werden.


Deutsch Türkische Nachrichten

Die EU bereitet sich auf einen Militär-Einsatz gegen die Türkei vor, um sich in der energiereichen Region des Nahen Ostens langfristig festsetzen zu können. Das war zumindest die Ansicht des türkischen Ex-Geheimdienstlers Mahir Kaynak, der im Februar verstorben ist. Kaynak hatte die türkische Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren immer wieder vor dieser Gefahr gewarnt. Der Hintergrund der insbesondere innerhalb der EU stattfindenden Diskussion zum Genozid an den Armeniern sei lediglich eine psychologische Vorbereitung der europäischen Öffentlichkeit auf diesen Militär-Einsatz.

„Was hier strategisch vollzogen wird, ist die psychologische Verfestigung der Türkei mit dem Tatbestand des Völkermords. Wenn sich dieser Eindruck verfestigt hat, soll in der zweiten Phase ein ethnischer Konflikt zwischen Kurden und Türken herbeigeführt werden. In solch einem Szenario wird die Türkei erneut als Völkermord begehender Staat dargestellt werden. Dann wären der Türkei die Hände gebunden. Deshalb müssen wir eine Politik vollziehen, die einen Konflikt zwischen Kurden und Türken verhindert. Andernfalls passiert folgendes: Wir führen einen Militär-Einsatz im Südosten der Türkei durch. Anschließend tut sich die gesamte Welt unter dem Völkermord-Eindruck zusammen und dann kommt es höchstwahrscheinlich zu einem Militär-Einsatz gegen die Türkei“, zitiert Aktifhaber Kaynak.

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Völkermord an Armeniern: Der geleugnete Genozid

Im Hintergrund des Denkmalkomplexes in Jerewan liegt der Sehnsuchtsort der Armenier: der Berg Ararat. / Bild: (c) Streihammer

Der Völkermord treibt viele Armenier im Schatten des Ararats noch heute um. Auch, weil mit der Katastrophe Politik gemacht wird.


Von Jürgen Streihammer|Die Presse

Die 102 Jahre alte Frau sagt kein Wort. Amaljan Arevalujs richtet sich das Kopftuch, dann legt sie die faltigen Hände in den Schoß und fixiert mit finsterem Blick den Boden. Also erzählen der Sohn, 80 Jahre jung, seine Frau und die Gattinnen der Enkelkinder die Lebensgeschichte der Amaljan Arevalujs, die da auf der Couch kauert. Es ist ein Drama. Ohne Happy End.

Zwei Jahre ist Amaljan Arevalujs alt, als sie 1915 ihren Vater töten. Amaljans Mutter, „eine bildhübsche Frau“, wird mit dem Pascha verheiratet. Eine Hochzeit mit einem Türken, die Amaljan das Leben rettet – und die sie ihrer Mutter trotzdem nie verzeihen wird. „Für mich ist sie tot. Sie hätte bei uns bleiben und wir hätten gemeinsam sterben sollen.“ Das habe sie oft gesagt, erzählt die Familie. Und sie meint es so. Die Mutter setzt sich Jahrzehnte später aus der Türkei zu Brüdern nach Syrien ab („sie wollte als Armenierin sterben“) und erfährt dort, dass ihre Tochter noch lebt – und zwar seit 1926 in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Aber Amaljan lehnt ein Wiedersehen ab. Die Mutter stirbt, so erzählen sie es, im Alter von 107 Jahren – ohne die Tochter noch einmal in die Arme geschlossen zu haben. „Wie soll ich vergessen?“ Vor 100 Jahren bricht Medz Yeghern, also „die große Katastrophe“, über die Armenier herein. Die systematische Vertreibung und Vernichtung im Osmanischen Reich reißt nach Angaben Armeniens 1,5 Millionen Angehörige des Christenvolks in den Tod. Die Überlebenden verstreuen sich über die ganze Welt, eine große Diaspora hält sich fest an der Erinnerung an die Massaker, die der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, die Türkei, bis heute nicht als Genozid anerkennen will. Im heutigen Armenien, diesem verarmten, seit 1991 unabhängigen Kaukasus-Staat östlich der Türkei, ist der Genozid ein nationales Trauma. Auch weil sie hier das Gefühl haben, dass der Völkermord ohne Anerkennung der Türkei politisch ungesühnt bleibt.

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Iran warnt Saudi-Arabien vor der “Saat des Hasses”

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnt am Sonnabend bei einer Militärparade in Teheran Saudi-Arabien vor weiteren Luftangriffen im Jemen Foto: dpa

Während einer Militärparade droht Irans Präsident Saudi-Arabien: Die Luftangriffe im Jemen werden Folgen haben. Kurz davor hatte Teheran den Vereinten Nationen einen Friedensplan vorgelegt.


DIE WELT

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, Saudi-Arabien werde deswegen eine “Saat des Hasses” ernten.

Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die im März begonnenen Luftangriffe als “Völkermord” bezeichnet hat.

“Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?”, fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. “Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen.”

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Vatikan will kein „Hickhack“ mit Erdogan

Papst Franziskus feiert eine Messe mit dem armenischen Kirchenoberhaupt Karekin II. im Vatikan (12. April)APA/EPA/ANSA/Giorgio Onorati

Der Vatikan will sich nach Worten seines Sprechers Federico Lombardi nicht auf ein „Hickhack“ mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einlassen. Papst Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet.


religion.ORF.at

„Wenn es von türkischer Seite Reaktionen gab, nehmen wir das zur Kenntnis“, sagte Lombardi mit Blick auf die Papst-Schelte durch Erdogan am Mittwoch vor Journalisten im Vatikan – mehr dazu in Erdogan: Papst redet „Unsinn“ in Armenierfrage. Man werde aber „aus der Sache keinen Streitfall“ machen, so der Jesuit. Lombardi bekräftigte am Mittwoch, man werde inhaltlich nicht zurückrudern. Der Vatikan habe in dieser Frage „eine sehr präzise und konsequente Linie“. Im Übrigen sei „sonnenklar“, dass Franziskus lediglich einen früheren vatikanischen Sprachgebrauch aufgegriffen habe.

So habe Franziskus in seiner Predigt am Sonntag ausdrücklich auf eine gemeinsame Erklärung seines Vorgängers Johannes Paul II. (1978-2005) und des armenischen Kirchenoberhaupts Karekin II. bezogen, die ebenfalls den Begriff Völkermord benutze. Zudem habe Franziskus positiv auf „den Wunsch nach Versöhnung und Dialog zwischen dem türkischen und dem armenischen Volk“ verwiesen, so der Sprecher.

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Vatikan erneut von Hackern attackiert

HP Heiliger Stuhl, Screenshot:bb

HP Heiliger Stuhl, Screenshot:bb

Via Twitter nannte sich ein «Turk Hack Team Herakles» verantwortlich für die Ausfälle. Man werde Angriffe auf die Server so lange fortsetzen, bis sich der Papst für seine Aussage über einen Völkermord an den Armeniern entschuldige.


kath.net

Der Vatikan hat erneute technische Schwierigkeiten mit seinen Servern eingeräumt. Zu den Ursachen wollte sich das vatikanische Presseamt jedoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag nicht äußern. Es habe es sich nur um eine kleine Störung gehandelt, sagte ein Sprecher.

Das Portal www.vatican.va war am Mittwochnachmittag zeitweise wieder nicht erreichbar, nachdem bereits am Montag die vatikanischen Internetseiten blockiert waren. Via Twitter nannte sich ein «Turk Hack Team Herakles» verantwortlich für die Ausfälle. Man werde Angriffe auf die Server so lange fortsetzen, bis sich der Papst für seine Aussage über einen Völkermord an den Armeniern entschuldige.

Der Papst hatte am Sonntag die vor 100 Jahren verübten Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid bezeichnet. Die Türkei bestreitet offiziell, dass es sich um einen systematischen Völkermord handelte.

Völkermord an den Armenien: Der Papst hat Recht – und irrt

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Der Papst hat die Wahrheit gesagt, und dennoch ist ihm in einem wichtigen Punkt zu widersprechen. Seine Behauptung, der Genozid an den Armeniern sei der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts gewesen, ist falsch. Wer von Völkermord redet, darf über Kolonialverbrechen nicht schweigen. Ein Kommentar.


Von Christian Bommarius|Frankfurter Rundschau

Der Papst hat über den Völkermord an den Armeniern die Wahrheit gesagt, und dennoch hat er sich geirrt. Es ist wahr, dass die Türkei vor 100 Jahren beim Versuch, das Volk der Armenier auszulöschen, einen Genozid mit bis zu 1,5 Millionen Opfern verübt hat. Nicht diese unwiderlegliche Wahrheit ist „inakzeptabel“, wie die türkische Regierung behauptet, sondern die Reaktion der türkischen Regierung, die droht, die Äußerung Franziskus’ werde nicht ohne Folgen bleiben, und den Botschafter des Vatikans ins Außenministerium einbestellt. Es wäre interessant zu hören, was die Regierung bei dieser Gelegenheit dem Botschafter mitzuteilen hat  – dass die Wahrheit über den Völkermord an den Armeniern überall in der Welt ihren Platz hat, in der Türkei aber strafrechtlich verfolgt und mit Gefängnisstrafe bedroht wird?

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Massaker von 1915: Papst nennt Gräuel an Armeniern “Völkermord”

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Rund 1,5 Millionen Armenier sollen 1915 im Osmanischen Reich hingerichtet worden sein. Die Türkei weigert sich bis heute, von einem “Völkermord” zu sprechen – genau das hat nun jedoch Papst Franziskus getan.


SpON

Politisch brisante Äußerung des Papstes: Franziskus hat die Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren als “Völkermord” bezeichnet. In einer Messe zum Gedenken an den Massenmord auf dem Gebiet der heutigen Türkei sagte er im Petersdom, im vergangenen Jahrhundert habe es “drei gewaltige und beispiellose Tragödien” gegeben. Die erste dieser Tragödien, die “weithin als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts gilt”, habe das armenische Volk getroffen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche zitierte damit eine Erklärung von Papst Johannes Paul II. und dem armenischen Patriarchen aus dem Jahr 2000. Die Türkei, der Nachfolgestaat des im Ersten Weltkrieg untergegangenen Osmanenreichs, lehnt die Bezeichnung der Gräuel als Genozid vehement ab. Zuletzt hatte Staatschef Recep Tayyip Erdogan eine Kampagne gegen sein Land beklagt: Mit “Völkermord”-Behauptungen werde versucht, Feindseligkeiten gegen die Türkei zu schüren.

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Bischof: In Syrien ereignet sich ein zweiter Genozid

Al-Hasake,Syrien, Innestadt. Bild: wikimedia.org/PD

Vorwurf an westliche Politiker: Untätigkeit angesichts eines Völkermordes in Syrien.


kath.net

Der syrisch-orthodoxe Patriarchalvikar für Jerusalem und Jordanien, Bischof Severios Malke Mourad, hat westlichen Politikern Untätigkeit beim Schutz der syrischen Christen vorgeworfen. 100 Jahre nach dem Genozid an armenischen und assyrischen Christen im ottomanischen Reich werde in Syrien ein zweiter Genozid an syrischen Christen verübt, sagte der aus Nordsyrien stammende Geistliche, dessen Geschwister in der umkämpften Region Al-Hasake leben, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag in Jerusalem.

Nach seinen Informationen seien bei den jüngsten Angriffen der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) auf nordsyrische christliche Dörfer zwischen drei- und vierhundert Christen entführt worden. Insbesondere das christliche Dorf Tell Tamer sei wegen seiner Grenznähe von strategischer Bedeutung für die IS-Terroristen, da es ihnen die Waffenzufuhr über die Türkei ermögliche. Auch im Irak seien die syrischen Christen von der Vertreibung und Verfolgung durch die Islamisten betroffen.

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Holocaust leugnen: Verbot aufheben?

Der Autor des weltbekannten Comics „Maus“ plädiert dafür, das Verbot der Holocaust-Leugnung abzuschaffen – und findet Unterstützer Foto: Chris Anthony Diaz | CC-BY / Pantheon Books

In Deutschland ist das Leugnen des Holocaust unter Strafe gestellt. Der jüdische Cartoonist Art Spiegelman plädiert dafür, den entsprechenden Paragraphen abzuschaffen. Der Journalist Alan Posener unterstützt ihn in einem Beitrag in der Tageszeitung Die Welt.


pro Medienmagazin

Der Zeichner Art Spiegelman wurde weltberühmt durch seinen Comic-Roman „Maus“, in dem er die Erfahrungen seiner Eltern in Nazi-Deutschland und den Konzentrationslagern verarbeitete. Für das Buch erhielt der Amerikaner 1992 den Pulitzer-Preis. In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit sagte der Sohn polnisch-jüdischer Eltern Anfang des Jahres, man sollte das Verbot der Holocaust-Leugnung abschaffen. „Das Problem ist, dass Verbieten nicht unbedingt hilft. Die Meinungen wandern dann nur ab in den Untergrund und finden andere Ausdrucksformen“, so Spiegelman.

Im Paragraph 130 des deutschen Strafgesetzbuches steht im Absatz 3: „Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung (…) in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.“ Spiegelman plädiert dafür, den Paragraphen abzuschaffen. „Die Antwort auf etwas Dummes sollte immer etwas Kluges sein. Obwohl ich eigentlich kein Optimist bin, glaube ich, dass sich das Wahre am Ende durchsetzt, wenn man alle Ansichten zulässt.“ Im Falle von Holocaust-Leugnern würde es zwar „sehr schmerzhaft“ sein, sagte der Künstler in der Zeit, Ausgabe 5/2015. In seinem Herzen schimpfe er auf die Nazis. „Aber wenn man Holocaust-Leugnung unter Strafe stellt, verschwindet diese Haltung ja nicht. Es gibt immer noch die gleichen verrückten Faschisten, die nur darauf warten, endlich sagen zu dürfen: Damals wurden nur acht Leute umgebracht, und die Öfen waren zum Brotbacken!“

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Eine Million neue Heilige

Source: The Color Indigo, The Armenian Genocide

Es wird eine Rekord-Heiligsprechung: Armenische Kirche erklärt alle Völkermordopfer zu Märtyrern – Papst wurde eingeladen – Türkei erkennt die Massenverfolgung armenischer Christen (1915-1917) weiterhin nicht als Völkermord an.


Von Oliver Hinz|kath.net

Es wird eine Rekord-Heiligsprechung: Alle rund eine Million Opfer des Völkermords an den Armeniern werden am 23. April von der armenisch-apostolischen Kirche als Märtyrer für ihren Glauben und das Vaterland anerkannt. Weder die katholische noch die orthodoxe Kirche hat je so eine große Zahl von Menschen kollektiv heiliggesprochen.

Anlass der Heiligsprechung ist der 100. Jahrestag des Beginns des Massenmordes an den Armeniern im Osmanischen Reich. Am 24. April 1915 hatten Einheiten der Geheimpolizei in Istanbul mehr als 200 armenische Intellektuelle verhaftet und nach Anatolien deportiert, wo die meisten getötet wurden. Insgesamt wird die Zahl der Todesopfer zwischen 1915 und 1917 auf 300.000 bis 1,5 Millionen geschätzt. Die großen Unterschiede bei den Zahlen hängen auch mit ungenauen Bevölkerungsstatistiken zusammen. Die Kirche nennt selbst keine Zahl, wie viele Menschen heiliggesprochen werden.

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