Schlagwort-Archive: Völkermord

Lammert bezeichnet Kolonialverbrechen in Namibia als Völkermord

Herero- und Nama-Delegierten in Berlin vor dem Sitz des Bundespräsidenten
Bundestagspräsident Lammert bezeichnet den Genozid deutscher Kolonialtruppen im heutigen Namibia erstmals als Völkermord. Wer vom Genozid an den Armeniern spreche, der müsse auch die Verbrechen des deutschen Militärs im Jahrzehnt davor beim Namen nennen.


MiGANZIN

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat den Vernichtungskrieg deutscher Kolonialtruppen vor über hundert Jahren im heutigen Namibia als Völkermord bezeichnet. „An den heutigen Maßstäben des Völkerrechts gemessen war die Niederschlagung des Herero-Aufstandes ein Völkermord“, schreibt Lammert in einem Beitrag für die Wochenzeitung Die Zeit. Zwischen 1904 und 1908 waren durch Gräueltaten deutscher Soldaten im damaligen Deutsch-Südwestafrika etwa 80 Prozent der Herero-Volksgruppe umgekommen. Am 9. Juli 1915 endete die deutsche Kolonialherrschaft über das Land.

Lammert betonte, wer vom Genozid an den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich spreche, der müsse auch die Verbrechen des deutschen Militärs im Jahrzehnt davor beim Namen nennen. „Nicht nur den Kampfhandlungen, sondern auch Krankheiten und dem gezielten Morden durch Verdursten- und Verhungernlassen fielen Zehntausende Herero und Nama zum Opfer, andere starben in Konzentrationslagern oder bei der Zwangsarbeit.“

weiterlesen

Strafgerichtshof droht nach Bashir-Affäre herber Rückschlag

Der Fall al-Bashir könnte den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag in eine Krise führen. / Bild: (c) REUTERS
Südafrika prüft einen Rückzug vom Internationalen Strafgerichtshof. Der Präsident des Südsudans, Hassan al-Bashir, hätte verhaftet werden müssen.


Die Presse

Südafrika erwägt einen Abbruch seiner Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Dies habe das Kabinett beschlossen, sagte am Donnerstag Minister Jeff Radebe. Hintergrund ist der umstrittene Besuch des sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir vergangene Woche in Johannesburg anlässlich des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union.

Al-Bachir wird von dem Gericht wegen Völkermords und Kriegsverbrechen mit Haftbefehl gesucht. Südafrika wäre als Mitglied des Gerichts verpflichtet gewesen, ihn festzunehmen.

weiterlesen

Protestanten beschäftigen sich mit Aufarbeitung der Apartheid

Themenbild Apartheid. Bild: oradireli.com
Die Protestanten in Deutschland beschäftigen sich mit der Aufarbeitung von Apartheid und Kolonialismus. Deren Auswirkungen «beeinflussen noch immer unsere Gegenwart, auch wenn ihre Politik der Vergangenheit angehört», erklärte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bei der Vorstellung eines deutsch-südafrikanischen Sammelbandes zum Thema.


kath.net

Dieser untersuche die Rolle des Protestantismus zwischen Deutschland und dem südlichen Afrika im Zeitraum von 1930 bis in die 1980er Jahre, wie die EKD am Freitag in Hannover mitteilte. Das Buch wurde von 23 protestantischen Kirchen und Missionswerken aus Namibia, Südafrika und Deutschland in der vergangenen Woche auf Tagungen in Berlin, Soweto und Kapstadt vorgelegt.

«Wir stehen gemeinsam in der Pflicht, die Rolle der Kirchen und Missionsgesellschaften zur Zeit des Kolonialismus und der Apartheid kritisch zu diskutieren», so die EKD-Bischöfin für Ökumene und Auslandsarbeit, Petra Bosse-Huber. «Dies gilt auch für die noch weiterhin zu führenden Diskussionen um die Anerkennung des Völkermords an Hereros, Nama und Damara 1904-1908 und um deren kirchenpolitische Konsequenzen.»

weiterlesen

Belgien: Christdemokraten werfen „Türkin“ aus Partei

Mahinur Özdemir ist die erste kopftuchtragende Frau im Brüsseler Regionalparlament. (Screenshot)
In Belgien haben die Christdemokraten der CDH ein erfolgreiches türkischstämmiges Mitglied aus der Partei ausgeschlossen. Sie hatte einem Beschluss zur „Anerkennung des armenischen Genozids“ ihre Zustimmung verweigert. Doch hinter dem Ausschluss steckt offenbar ein anderer Vorsatz. Das Parteimitglied trägt ein Kopftuch und der neue CDH-Chef sieht das nicht gerne.


Deutsch Türkische Nachrichten

Der Vorstand der belgischen Partei Demokratisch Humanistischer Zentrum (CDH) hat das CDH-Mitglied Mahinur Özdemir aus der Partei ausgeschlossen. Als offiziellen Grund gibt die christdemokratische CDH in einer Mitteilung an, dass Özdemir einen Beschluss zur „Anerkennung des armenischen Genozids“ nicht mittragen wollte.

Die Haltung der türkisch-belgischen Politikerin sei nicht im Einklang mit den Werten des CDH. Doch das Armenier-Argument dient dem CDH offenbar nur als Vorwand. Denn Özdemir trägt ein Kopftuch und das gefällt dem französischsprachig-wallonischen CDH-Chef Benoît Lutgen nicht. Dieser Wallone soll schon in der Vergangenheit sein Unmut über eine muslimische Dame in der Partei kundgetan haben. Die Zeitung Takvim zitiert Özdemir: „Benoît Lutgen ist erst seit zwei Jahren Partei-Chef. Ich bin diejenige, die bei den vergangenen Wahlen die fünftmeisten Stimmen für unsere Partei eingeholt hatte. Trotzdem hat Lutgen sich geweigert, mir eine meinem Erfolg entsprechende Position zu geben. Meinen Antrag auf die Vorstandsposition der Partei-Kommission hat er zurückgewiesen. Ich weiß, dass Lutgen mich aufgrund meines Kopftuchs nicht besonders mag. Der Beschluss zum Partei-Ausschluss war schon längst beschlossene Sache. Sie haben nur nach einem Grund gesucht. Die Armenier-Debatte war ein derartig willkommener Anlass, um mich zu entfernen.”

weiterlesen

Das Dersim-Massaker an den alevitischen Kurden in der Türkei

Dersim (1937); Karte: NordNordWest/CC BY-SA 3.0
Nach der Diskussion um den Genozid an den Armeniern rückt ein neues Massaker ins Blickfeld: das Massaker an den kurdischen Aleviten in Dersim (heute Tunceli) vor 77 Jahren


Von Elke Dangeleit|TELEPOLIS

Die Diskussion um den Völkermord an den Armeniern (Völkermord an den Armeniern) hat international für einigen Wirbel gesorgt, nachdem der Papst und etliche Staaten, nicht zuletzt auch die Bundesregierung – zwar zögerlich und verklausuliert – in Person von Bundespräsident Gauck und Bundestagspräsident Lammert (CDU) von Völkermord sprechen.

Die Türkei reagiert pikiert und wehrt sich, das Massaker als Völkermord zu bezeichnen. Nach wie vor wird von “Umsiedlung” gesprochen. Ministerpräsident Davutoglu beschwert sich persönlich bei Merkel, der türkische Präsident Erdogan will Deutschland den Mund verbieten.

Dabei hält die Unterdrückungs- und Diskriminierungspolitik gegenüber Minderheiten auch in der heutigen Türkei an. Auch die Geschichte der Verfolgung und Diskriminierung der Aleviten hat ihre Wurzeln im Osmanischen Reich. Schon vor der Gründung der Türkischen Republik (1923) wurde die Provinz Dersim, das Hauptsiedlungsgebiet der kurdischen Aleviten in der Osttürkei, von den Osmanen angegriffen und Massaker verübt.

Historische Hintergründe

In dieser damals schwer zugänglichen Bergregion konnten die kurdischen Aleviten ihre Kultur nahezu unbehelligt leben. Die Aleviten stellen mit 10 – 20% der Bevölkerung in der Türkei die größte religiöse Minderheit dar. Hauptsiedlungsgebiete sind die kurdischen Provinzen Dersim (türk: Tunceli), Xarpet (türk: Elazig, und Bingöl, wie auch die gemischten Provinzen Sivas, Erzincan und Adana und die türkischen Provinzen Malatya, Kayseri und Tokat.)

weiterlesen

Herero in Deutsch-Südwestafrika: Der andere Völkermord

Gefangene Herero – Zehntausende Menschen starben während der Kolonialherrschaft der Deutschen. (Foto: Archiv)
  • Zwischen 1904 bis 1908 ermordeten deutsche Truppen im heutigen Namibia etwa 90 000 Angehörige der Herero und Nama. Auch Frauen und Kinder wurden Opfer der Kolonialherren.
  • Nachkommen von Überlebenden fordern seit Jahrzehnten von Deutschland, die Massaker als Völkermord anzuerkennen und Entschädigungen zu zahlen. Die Bundesregierung vermeidet den Terminus Genozid.
  • Es gibt Anzeichen, dass die Bundesregierung ihre Haltung in der Causa ändert.


Von Paul Munzinger|Süddeutsche.de

Das politische Berlin, sieht man von der Bundesregierung einmal ab, hat eine Woche der klaren Worte hinter sich. Der Bundespräsident, der Bundestagspräsident, die Bundestagsfraktionen – sie alle bezeichneten die Vertreibung und Ermordung der Armenier während des Ersten Weltkriegs als Völkermord.

“Wir können uns nicht von Schuld befreien, wenn wir sie leugnen, verdrängen oder bagatellisieren”, sagte Joachim Gauck. “Heute beenden wir das Verdrängen und das Vertuschen”, sagte Norbert Röttgen.

Israel Kaunatjike könnte wütend sein über diese Worte, sie könnten wie Hohn in seinen Ohren klingen. Doch Kanautjike ist nicht verbittert. Er ist zuversichtlich, dass Deutschland nun auch die eigene Vergangenheit nicht weiter leugnen und bagatellisieren, verdrängen und vertuschen kann.

Er glaubt, dass Deutschland die Verbrechen an den Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika als das benennen muss, was sie für Israel Kaunatjike sind: der erste Völkermord des zwanzigsten Jahrhunderts.

weiterlesen

Völkermord: Der absurde Herr Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier (2014), Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0 de/Mueller
Der deutsche Außenminister hätte es gerne verhindert, dass man den Völkermord an den Armeniern “Völkermord” nennt. Schlimm genug. Doch seine “Holocaust”-Äußerung ist geradezu dreist.


Von Robert Roßmann|Süddeutsche.de

Frank-Walter Steinmeier ist schon von Haus aus kein Mann der klaren Sätze. Der Sozialdemokrat mäandert gern. Seine Worte fließen, aber man weiß oft nicht, wohin. Besonders schlimm wird es, wenn Steinmeier als Außenminister spricht. Diplomaten müssen geschmeidig sein, Ausgleich gehört zu ihrer Berufsbeschreibung. Aber bei Steinmeier wird daraus schon mal Konturlosigkeit. Das zeigt sich zurzeit auf erschreckende Weise in der Armenien-Debatte.

Vor 100 Jahren wurden im Osmanischen Reich mehr als eine Million Armenier vertrieben und getötet. Das Europa-Parlament, der Papst und viele andere haben die schrecklichen Taten trotz aller Drohungen der Türkei als Völkermord verurteilt. In der vergangenen Woche haben das endlich auch der Bundespräsident, der Bundestagspräsident und alle Fraktionen getan. Das war überfällig – auch wegen der deutschen Mitschuld an den Gräueltaten.

weiterlesen

Türkei empört über Gaucks Völkermord-Aussage

Joachim_Gauck Die Äußerungen des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum “Völkermord” an den Armeniern haben eine diplomatische Krise mit der Türkei ausgelöst. “Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen”, erklärte das Außenministerium in Ankara am späten Freitagabend.


derStandard.at

Gauck hatte die Massaker an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg am Donnerstagabend erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Das Staatsoberhaupt setzte sich damit über Bedenken hinweg, dass die Einordnung des damaligen Geschehens als Völkermord die Beziehungen zur Türkei beschädigen könnte.

Am Freitag schloss sich der Bundestag dieser Bewertung an. “Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord”, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht selbst zu Wort.

weiterlesen

Genozid-Vorwurf: Wieso die Türkei nur gegen kleine Gegner zuschlägt

erdogan-sultanAus mehreren Ländern hat die Türkei ihre Botschafter abgezogen, weil die von Völkermord an den Armeniern sprachen. Gegenüber großen Handelspartnern wie Deutschland übt Ankara aber Zurückhaltung.


Von Boris Kálnoky|DIE WELT

Die türkische Regierung brodelt. Und das schon seit Längerem. Immer öfter zieht sie ihre Botschafter aus anderen Ländern ab, denn Ankara ist unzufrieden. Gegenwärtig gibt es in sieben Ländern keinen türkischen Botschafter. Aus Israel zog die Türkei ihren Gesandten bereits 2010 ab, nachdem das Land gewaltsam gegen militante türkische Aktivisten vorgegangen war, die die Gaza-Blockade durchbrechen wollten. Dabei waren neun Türken getötet worden.

Aus Österreich und aus dem Vatikanstaat zog Ankara seine Botschafter ab, weil sie von einem “Genozid an den Armeniern” gesprochen hatten – ein Begriff, den die Türkei vehement ablehnt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gab dazu die wohl verbindliche Parole aus: “Unsere Vorfahren haben keinen Völkermord begangen.” Aus dieser Formulierung klingt zwischen den Worten heraus, dass ein Eingeständnis die “Ehre” der heutigen Türken beschmutzen würde.

weiterlesen

Erdoğan warnt Obama: US-Präsident sollte den Begriff „Genozid“ nicht benutzen

erdogan-sultanDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gibt in der Armenier-Debatte nun offenbar auch Anweisungen gen USA: Er erwarte von Präsident Barack Obama, dass dieser in einer Erklärung zum 100. Jahrestag der Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich den Begriff Genozid tatsächlich nicht verwende. Bislang hat die US-Regierung eine solche Einordnung vermieden – aus Rücksicht auf ihre türkischen Freunde.


Deutsch Türkische Nachrichten

Kurz vor den Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Gräueltaten an den Armeniern stellt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch einmal deutlich den vermeintlichen Alleinanspruch seiner Position heraus. Nach einem verbalen Schlagabtausch mit Papst Franziskus sendet er nun vorsorglich noch einmal warnende Worte gen Weißes Haus.

„Ich möchte von Obama so etwas nicht hören. Und ich erwarte auch nicht, dass er so etwas sagt“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Erdoğan anlässlich eines Pressegesprächs zum Besuch der irakischen Präsidenten Fuad Masum in Ankara. Zuvor war in den Medien kursiert, dass Obama den Begriff Völkermord anlässlich des Gedenktags wohl erneut vermeiden würde. „Die Einschätzung der Rolle der Türkei und die Haltung der USA in dieser Sache liegen damit auf der Hand“, so der türkische Präsident weiter.

weiterlesen

Armenien-Gedenken: Türkische Vereine von Erdogan domestiziert

Bild: Wikimedia Commons/JesterWr
Bild: Wikimedia Commons/JesterWr
Türkische Vereine in Deutschland lehnen das Wort “Völkermord” zur Bezeichnung der Verbrechen an den Armeniern vor 100 Jahren im osmanischen Reich weiter vehement ab.


evangelisch.de

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin kritisierten die Türkische Gemeinde Berlin sowie die Vereine “Dialog für Frieden” und “Gedankengut Atatürks” den Antrag der Koalitionsfraktionen, der erstmals ausdrücklich den Begriff “Völkermord” enthält und am Freitag voraussichtlich vom Plenum verabschiedet wird. Die Vereine wehren sich dagegen, weil sie den Begriff für historisch nicht belegt halten.

Die Politik sei für geschichtliche Wahrheitsfindung nicht geeignet, sagte Bekir Yilmaz von der Türkischen Gemeinde Berlin. 80 Prozent der Türkischstämmigen in Deutschland lehnten den Begriff “Völkermord” ab.Yilmaz warf Bundestag, Bundesregierung und Bundespräsident Joachim Gauck Anmaßung vor, sollten sie den Begriff verwenden. Sie gefährdeten die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei.

weiterlesen

Türkei beruft Botschafter nach Ankara ein

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)
Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)
Die Regierung in Ankara protestiert mit der Maßnahme gegen die Verwendung des Wortes “Völkermord” in einer Erklärung des österreichischen Nationalrats.


Die Presse

Die türkische Regierung hat aus Protest gegen die Erklärung des Österreichischen Nationalrats zum Völkermord an den Armeniern 1915 ihren Botschafter Mehmet Hasan Gögüs zu Konsultationen nach Ankara einberufen.  Davon informierte Gögüs die “Presse” Mittwochabend auf dem Weg zum Flughafen.

Dies sei ein erster Schritt, sagte der Botschafter und kündigte eine offizielle Stellungnahme des Außenministeriums in Ankara an.

“Aufgrund der historischen Verantwortung – die österreich-ungarische Monarchie war im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet – ist es unsere Pflicht, die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen”, hatte es in einer Erklärung der Klubobleute Andreas Schieder (SPÖ), Reinhold Lopatka (ÖVP), Heinz-Christian Strache (FPÖ), Eva Glawischnig (Grüne), Waltraud Dietrich (Team Stronach) und Matthias Strolz (Neos) am Dienstag geheißen, und weiter:  “Ebenso ist es die Pflicht der Türkei, sich der ehrlichen Aufarbeitung dunkler und schmerzhafter Kapitel ihrer Vergangenheit zu stellen und die im Osmanischen Reich begangenen Verbrechen an den Armeniern als Genozid anzuerkennen.”

Völkermord – eine deutsche Erfindung

20 Schädel von getöteten Herero und Nama, die nach Deutschland gebracht wurden, gab die Berliner Universitätsklinik Charité 2011 zurück an Namibia. In der damaligen deutschen Kolonie wurde 1904 bis 1908 der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts verübt Foto: picture alliance / dpa
Lange hatte die Welt kein angemessenes Wort für die Vernichtung ganzer Nationen und Ethnien. Bis ein polnischer Anwalt, der vor den Nazis geflohen war, 1944 “Völkermord” ins Englische übersetzte.


Von Matthias Heine|DIE WELT

Der mutmaßlich erste Völkermord an Armeniern fand nicht 1915 statt, sondern 688. Jedenfalls nennt der Historiker Friedrich Leopold zu Stolberg das, was der byzantinische Kaiser Justinian II. den Mardaiten antat, einen “fluchwürdigen Völkermord”. Die Mardaiten waren ein Volk im Nurgebirge, das sich entlang des Mittelmeeres von der Türkei über Syrien bis zum Libanon erstreckt. Viele Forscher glauben, die Mardaiten wären armenischen Ursprungs gewesen. Justinian II. ließ dieses Volk umsiedeln und zu großen Teilen abschlachten. Das Zitat von Stolberg aus seiner “Geschichte der Religion” von 1832 ist einer der frühesten Belege des Wortes Völkermord in seiner heutigen Bedeutung.

In Berlin wird der Bundestag am Freitag über einen Antrag von CDU/CSU und SPD abstimmen. Darin werden die Vorgänge innerhalb des Osmanischen Reiches, die vor genau 100 Jahren zum Tod von bis zu 1,5 Millionen Armeniern führten, erstmals von einer deutschen Regierung als Völkermord bezeichnet, und die “unrühmliche Rolle des Deutschen Reichs” wird bedauert. Die Wortwahl ist hier von höchster politischer Bedeutung, denn die Türkei will mit aller Macht verhindern, dass die Verbrechen von vor einem Jahrhundert Völkermord oder Genozid genannt werden.

weiterlesen

Türkischer Regierungssprecher: Kein absichtlicher Völkermord(Körperverletzung mit Todesfolge,fahrlässig?)

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung “Der Souverän ist ausnahmslos das Volk” (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Seit Papst Franziskus jüngst offiziell von einem Völkermord gesprochen hatte, wächst der internationale Druck auf die Türkei, den Tod von bis zu 1,5 Millionen Armeniern als Genozid anzuerkennen.


kath.net

Der türkische Regierungssprecher Bülent Arinc hat erstmals den Begriff des Völkermords im Zusammenhang mit den Massakern an den Armeniern nicht mehr generell zurückgewiesen. Zugleich schloss er laut Presseberichten vom Dienstag jedoch eine Intention zur Vernichtung des gesamten Volkes aus. Zwar wisse die Türkei, dass es im Osmanischen Reich bei «Maßnahmen» gegen armenische Aufständische eine «Tragödie» gegeben habe, sagte Arinc. «Aber wir haben nicht wissentlich, vorsätzlich und absichtlich einen Völkermord begangen.» Die Ereignisse von 1915 fielen nicht unter die Genozid-Definition der Vereinten Nationen, so Arinc.

weiterlesen

Osmanen-Wahn: EU bereitet Militär-Einsatz gegen Türkei vor

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Mahir Kaynak ist im Februar verstorben. (Screenshot via Youtube)
Der im Februar verstorbene türkische Analyst Mahir Kaynak hatte durchgehend vor einem Militär-Angriff auf die Türkei gewarnt. Die Diskussion um den Völkermord an den Armeniern sei eine psychologische Vorbereitung auf einen derartigen Überfall. Als Vorwand werde ein Bürgerkrieg zwischen Kurden und Türken dienen, den die Europäer zuvor selbst provozieren werden.


Deutsch Türkische Nachrichten

Die EU bereitet sich auf einen Militär-Einsatz gegen die Türkei vor, um sich in der energiereichen Region des Nahen Ostens langfristig festsetzen zu können. Das war zumindest die Ansicht des türkischen Ex-Geheimdienstlers Mahir Kaynak, der im Februar verstorben ist. Kaynak hatte die türkische Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren immer wieder vor dieser Gefahr gewarnt. Der Hintergrund der insbesondere innerhalb der EU stattfindenden Diskussion zum Genozid an den Armeniern sei lediglich eine psychologische Vorbereitung der europäischen Öffentlichkeit auf diesen Militär-Einsatz.

„Was hier strategisch vollzogen wird, ist die psychologische Verfestigung der Türkei mit dem Tatbestand des Völkermords. Wenn sich dieser Eindruck verfestigt hat, soll in der zweiten Phase ein ethnischer Konflikt zwischen Kurden und Türken herbeigeführt werden. In solch einem Szenario wird die Türkei erneut als Völkermord begehender Staat dargestellt werden. Dann wären der Türkei die Hände gebunden. Deshalb müssen wir eine Politik vollziehen, die einen Konflikt zwischen Kurden und Türken verhindert. Andernfalls passiert folgendes: Wir führen einen Militär-Einsatz im Südosten der Türkei durch. Anschließend tut sich die gesamte Welt unter dem Völkermord-Eindruck zusammen und dann kommt es höchstwahrscheinlich zu einem Militär-Einsatz gegen die Türkei“, zitiert Aktifhaber Kaynak.

weiterlesen

 

Völkermord an Armeniern: Der geleugnete Genozid

Im Hintergrund des Denkmalkomplexes in Jerewan liegt der Sehnsuchtsort der Armenier: der Berg Ararat. / Bild: (c) Streihammer
Der Völkermord treibt viele Armenier im Schatten des Ararats noch heute um. Auch, weil mit der Katastrophe Politik gemacht wird.


Von Jürgen Streihammer|Die Presse

Die 102 Jahre alte Frau sagt kein Wort. Amaljan Arevalujs richtet sich das Kopftuch, dann legt sie die faltigen Hände in den Schoß und fixiert mit finsterem Blick den Boden. Also erzählen der Sohn, 80 Jahre jung, seine Frau und die Gattinnen der Enkelkinder die Lebensgeschichte der Amaljan Arevalujs, die da auf der Couch kauert. Es ist ein Drama. Ohne Happy End.

Zwei Jahre ist Amaljan Arevalujs alt, als sie 1915 ihren Vater töten. Amaljans Mutter, „eine bildhübsche Frau“, wird mit dem Pascha verheiratet. Eine Hochzeit mit einem Türken, die Amaljan das Leben rettet – und die sie ihrer Mutter trotzdem nie verzeihen wird. „Für mich ist sie tot. Sie hätte bei uns bleiben und wir hätten gemeinsam sterben sollen.“ Das habe sie oft gesagt, erzählt die Familie. Und sie meint es so. Die Mutter setzt sich Jahrzehnte später aus der Türkei zu Brüdern nach Syrien ab („sie wollte als Armenierin sterben“) und erfährt dort, dass ihre Tochter noch lebt – und zwar seit 1926 in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Aber Amaljan lehnt ein Wiedersehen ab. Die Mutter stirbt, so erzählen sie es, im Alter von 107 Jahren – ohne die Tochter noch einmal in die Arme geschlossen zu haben. „Wie soll ich vergessen?“ Vor 100 Jahren bricht Medz Yeghern, also „die große Katastrophe“, über die Armenier herein. Die systematische Vertreibung und Vernichtung im Osmanischen Reich reißt nach Angaben Armeniens 1,5 Millionen Angehörige des Christenvolks in den Tod. Die Überlebenden verstreuen sich über die ganze Welt, eine große Diaspora hält sich fest an der Erinnerung an die Massaker, die der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, die Türkei, bis heute nicht als Genozid anerkennen will. Im heutigen Armenien, diesem verarmten, seit 1991 unabhängigen Kaukasus-Staat östlich der Türkei, ist der Genozid ein nationales Trauma. Auch weil sie hier das Gefühl haben, dass der Völkermord ohne Anerkennung der Türkei politisch ungesühnt bleibt.

weiterlesen

Iran warnt Saudi-Arabien vor der “Saat des Hasses”

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnt am Sonnabend bei einer Militärparade in Teheran Saudi-Arabien vor weiteren Luftangriffen im Jemen Foto: dpa
Während einer Militärparade droht Irans Präsident Saudi-Arabien: Die Luftangriffe im Jemen werden Folgen haben. Kurz davor hatte Teheran den Vereinten Nationen einen Friedensplan vorgelegt.


DIE WELT

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, Saudi-Arabien werde deswegen eine “Saat des Hasses” ernten.

Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die im März begonnenen Luftangriffe als “Völkermord” bezeichnet hat.

“Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?”, fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. “Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen.”

weiterlesen

Vatikan will kein „Hickhack“ mit Erdogan

Papst Franziskus feiert eine Messe mit dem armenischen Kirchenoberhaupt Karekin II. im Vatikan (12. April)APA/EPA/ANSA/Giorgio Onorati
Der Vatikan will sich nach Worten seines Sprechers Federico Lombardi nicht auf ein „Hickhack“ mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einlassen. Papst Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet.


religion.ORF.at

„Wenn es von türkischer Seite Reaktionen gab, nehmen wir das zur Kenntnis“, sagte Lombardi mit Blick auf die Papst-Schelte durch Erdogan am Mittwoch vor Journalisten im Vatikan – mehr dazu in Erdogan: Papst redet „Unsinn“ in Armenierfrage. Man werde aber „aus der Sache keinen Streitfall“ machen, so der Jesuit. Lombardi bekräftigte am Mittwoch, man werde inhaltlich nicht zurückrudern. Der Vatikan habe in dieser Frage „eine sehr präzise und konsequente Linie“. Im Übrigen sei „sonnenklar“, dass Franziskus lediglich einen früheren vatikanischen Sprachgebrauch aufgegriffen habe.

So habe Franziskus in seiner Predigt am Sonntag ausdrücklich auf eine gemeinsame Erklärung seines Vorgängers Johannes Paul II. (1978-2005) und des armenischen Kirchenoberhaupts Karekin II. bezogen, die ebenfalls den Begriff Völkermord benutze. Zudem habe Franziskus positiv auf „den Wunsch nach Versöhnung und Dialog zwischen dem türkischen und dem armenischen Volk“ verwiesen, so der Sprecher.

weiterlesen

Vatikan erneut von Hackern attackiert

HP Heiliger Stuhl, Screenshot:bb
HP Heiliger Stuhl, Screenshot:bb
Via Twitter nannte sich ein «Turk Hack Team Herakles» verantwortlich für die Ausfälle. Man werde Angriffe auf die Server so lange fortsetzen, bis sich der Papst für seine Aussage über einen Völkermord an den Armeniern entschuldige.


kath.net

Der Vatikan hat erneute technische Schwierigkeiten mit seinen Servern eingeräumt. Zu den Ursachen wollte sich das vatikanische Presseamt jedoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag nicht äußern. Es habe es sich nur um eine kleine Störung gehandelt, sagte ein Sprecher.

Das Portal www.vatican.va war am Mittwochnachmittag zeitweise wieder nicht erreichbar, nachdem bereits am Montag die vatikanischen Internetseiten blockiert waren. Via Twitter nannte sich ein «Turk Hack Team Herakles» verantwortlich für die Ausfälle. Man werde Angriffe auf die Server so lange fortsetzen, bis sich der Papst für seine Aussage über einen Völkermord an den Armeniern entschuldige.

Der Papst hatte am Sonntag die vor 100 Jahren verübten Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid bezeichnet. Die Türkei bestreitet offiziell, dass es sich um einen systematischen Völkermord handelte.

Völkermord an den Armenien: Der Papst hat Recht – und irrt

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Der Papst hat die Wahrheit gesagt, und dennoch ist ihm in einem wichtigen Punkt zu widersprechen. Seine Behauptung, der Genozid an den Armeniern sei der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts gewesen, ist falsch. Wer von Völkermord redet, darf über Kolonialverbrechen nicht schweigen. Ein Kommentar.


Von Christian Bommarius|Frankfurter Rundschau

Der Papst hat über den Völkermord an den Armeniern die Wahrheit gesagt, und dennoch hat er sich geirrt. Es ist wahr, dass die Türkei vor 100 Jahren beim Versuch, das Volk der Armenier auszulöschen, einen Genozid mit bis zu 1,5 Millionen Opfern verübt hat. Nicht diese unwiderlegliche Wahrheit ist „inakzeptabel“, wie die türkische Regierung behauptet, sondern die Reaktion der türkischen Regierung, die droht, die Äußerung Franziskus’ werde nicht ohne Folgen bleiben, und den Botschafter des Vatikans ins Außenministerium einbestellt. Es wäre interessant zu hören, was die Regierung bei dieser Gelegenheit dem Botschafter mitzuteilen hat  – dass die Wahrheit über den Völkermord an den Armeniern überall in der Welt ihren Platz hat, in der Türkei aber strafrechtlich verfolgt und mit Gefängnisstrafe bedroht wird?

weiterlesen