Hitlers indische Armee

Bild: tagesschau.de
Während des Zweiten Weltkriegs kämpften 4000 indische Soldaten auf der Seite Nazi-Deutschlands. Die „Legion Freies Indien“ hoffte auf deutsche Unterstützung im Kampf für die Unabhängigkeit Indiens – vergebens.

Von Sebastian Manz | tagesschau.de

Die „Legion Freies Indien“ war eine Einheit bestehend aus rund 4000 indischen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg an der Seite Nazi-Deutschlands kämpften – einem Regime, das Menschen wie sie als minderwertig ansah.

Dass es diese Legion dennoch gab, lag vor allem an einem Mann: Chandra Bose, indischer Nationalist und Freiheitskämpfer. Gemeinsam mit Mahatma Gandhi lehnte er sich gegen die britische Kolonialherrschaft über Indien auf. Doch anders als der Pazifist Gandhi kam Gewalt für Bose durchaus als Mittel infrage.

Nazi-Führung sollte überzeugt werden

Als in Europa der Zweite Weltkrieg ausbrach und Großbritannien unter den deutschen Angriffen litt, sah Chandra Bose die Stunde Indiens gekommen. Auf indischen Internetseiten werden noch heute Mitschnitte verbreitet, die zeigen, wie Bose damals die Nazi-Elite für seine Sache überzeugen wollte. „In diesem Kampf, der für Indien ein Kampf um Sein oder Nichtsein ist, kann es nur einen gemeinsamen Ausgang geben: Unseren gemeinsamen Sieg“, propagierte Bose.

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Kritik von Soldaten: Keine „positiven Bezüge“ auf angesammelte „Kampferfahrung“ im 2. Weltkrieg

Symbolbild.
Beim Gelöbnis am 20. Juli erhält die Verteidigungsministerin Beistand von Michael Wolffsohn

Von Dirk Eckert | TELEPOLIS

Zum 19. Mal hat die Bundeswehr den 20. Juli mit einem Rekrutengelöbnis begangen. Doch die Erinnerung an das Hitler-Attentat an diesem Tag vor 73 Jahren war diesmal ganz anders als sonst: Die nächste Bundestagswahl steht kurz bevor und die Verteidigungsministerin ist im eigenen Haus schwer umstritten, seit sie der Bundeswehr ein „Haltungsproblem“ attestiert hat sowie „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“, nachdem mal wieder rechtsextreme Tendenzen in der Truppe öffentlich geworden waren.

Umso spannender war es, was Michael Wolffsohn wohl zu all dem sagt. Als Professor hatte er jahrzehntelang selbst an der Bundeswehr-Universität in München den Soldaten Neuere Geschichte gelehrt. In diesem Jahr war er der Gastredner beim Gelöbnis am 20. Juli im Berliner Bendlerblock dabei, wo seinerzeit die Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg vergeblich den Sturz des NS-Regimes versucht hatten.

Michael Wolffsohn wird als unabhängiger Denker nicht nur unter Konservativen geschätzt. Deswegen war es geschickt, ihn einzuladen. Schon im Vorfeld hatte er sich deutlich für Ursula von der Leyen positioniert. Es gebe derzeit Soldaten, die „beleidigte Leberwurst“ spielen, monierte er. Man könne viele Einzelfälle eben irgendwann nicht mehr als solche abtun und dürfe auch nicht warten, bis diese tröpfchenweise ans Licht kommen.

Im Hof des Bendlerblocks mahnte Wolffsohn deshalb die Rekruten zum Widerspruch. Denn: „Widerspruch ist für das Denken des Einzelnen sowie für alle in einer Demokratie unverzichtbar, sogar im Militär einer Demokratie.“ Die Bundeswehr verbinde „gemäß dem Vermächtnis des 20. Juli 1944“ mit dem Konzept vom „Bürger in Uniform“ Befehle und Bürgerrechte. Das sei „moralisch und militärhistorisch (…) geradezu einzigartig“. In der Bundeswehr gehe es darum, „Befehle zu empfangen, sie auszuführen, trotzdem mit- oder gegenzudenken und, wo nötig, zu widersprechen“.

Und dann wurde er deutlich: In der Bundeswehr gebe es „Defizite und Fehlentwicklungen wie zum Beispiel das Fehlverhalten von Vorgesetzten, rassistische Deutschtümelei oder Männer-Chauvinismus“, kritisierte Wolffsohn: „Dieses Verhalten widerspricht dem Geist der Bundeswehr.“ Die Soldaten sollten sich in solchen Fällen an den Wehrbeauftragten wenden. Und wohl mit Blick auf die Kritiker von Ursula von der Leyen stellte er klar:

Hin und wieder werden Sie sich über die jeweilige Koalition oder Opposition oder auch über beide ärgern, vielleicht sogar über einzelne Minister oder Ministerinnen. Wie alle Bürger können Sie das ändern. Beteiligen Sie sich an Wahlen und bürgerschaftlichen Belangen.

Michael Wolffsohn

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Darf ich als Christ Soldat sein?

 Militärbischof Sigurd Rink (Quelle: Militärseelsorge/Walter Linkmann) |
Militärbischof Sigurd Rink (Quelle: Militärseelsorge/Walter Linkmann) |

„Wir ziehen in den Kampf für unsere Kultur – gegen die Unkultur. Für die deutsche Gesittung – gegen die Barbarei. Für die freie, an Gott gebundene Persönlichkeit – wider die Instinkte der ungeordneten Massen. Und Gott wird mit unseren gerechten Waffen sein.“Oberhofprediger Ernst Dryander,04.08.1914

Die Militärseelsorge der evangelischen Kirche feiert ihr 60-jähriges Bestehen. Militärbischof Sigurd Rink über den Alltag eines Militärpfarrers in den 1960ern, über das Vergeben von Schuld und wie die evangelische Kirche Einsatzrückkehrer noch mehr unterstützen will.

Von Dorothea Siegle | evangelisch.de

In der neu gegründeten Bundeswehr trafen in den 1950er und 1960er Jahren Männer mit ganz unterschiedlichem Hintergrund aufeinander: Deutsche, die vom Nationalsozialismus profitiert hatten – sogar Mitglieder der Waffen-SS – und solche, deren Familien Opfer des Regimes geworden waren. Auch unter den evangelischen Pfarrern gab es Täter und Mitläufer; und solche, die Widerstand geleistet hatten. Wie war die Situation zu Beginn in der Evangelischen Militärseelsorge?

Sigurd Rink: Es hat Konflikte gegeben, aber ich weiß wenig Details. In meiner Heimatkirche Hessen-­Nassau gab es für die Pfarrer das, was wir heute als Rüstzeiten haben. Das hieß, die Pfarrer mussten sich jedes Jahr für 14 Tage mit ihrem Vorgesetzten zurückziehen und wurden „nachgeschwärzt“. Wenn ein Pfarrer also im „Dritten Reich“ bei den regimetreuen Deutschen Christen gewesen war, wurde er sozusagen „auf Spur gebracht“ für die Demokratie.

Auch in der evan­gelischen Kirche waren Männer Mangel­ware. Und wenn sich einer bewarb und die fachliche Qualifikation hatte, dann wurde er genommen. Das gilt auch für die Militärseelsorge.

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Otto Skorzeny: Wie Hitlers Liebling zum Mossad-Killer wurde

Im Dienste des Mossad: Otto Skorzeny, hier 1947 im Nürnberger Gefängnis, hatte auffällige Narben auf der linken Gesichtshälfte. Sie stammen von Mensuren, Fechtkämpfe in Burschenschaften, und brachten ihm den Spitznamen „Scarface“ ein. © Picture Alliance
Ausgerechnet einen von der Waffen-SS, und dann noch einen der Skrupellosesten: Der israelische Geheimdienst Mossad soll in den 60er-Jahren mit dem Nazi-Top-Agenten Otto Skorzeny zusammengearbeitet haben. Auch, um andere Ex-Nazis zu liquidieren.

stern.de

Husarenritte waren die Welt von Otto Skorzeny. Er war – auf eigenes Verlangen – an der kampflosen Befreiung des italienischen Diktators Benito Mussolini aus der Gefangenschaft mit Hilfe von Lastenseglern beteiligt, er verhinderte durch eine Entführung, dass das mit Nazi-Deutschland verbündete Regime in Ungarn abtrünnig wurde und später, nach dem Krieg, gelang es ihm sogar, vor seinem Prozess aus dem Nürnberger Gefängnis zu fliehen. Sein Wagemut brachte Skorzeny den Rang eines Obersturmbannführer der Waffen-SS ein sowie die Bewunderung Adolf Hitlers. Trotzdem oder wohl eher deswegen hat der israelische Geheimdienst Mossad mit ihm gemeinsame Sache gemacht.

Deutsche Raketentechnik für Ägypten

Wie die israelische Zeitung „Haaretz“ jetzt berichtet, diente der Ex-Top-Nazi in den letzten Jahren seines Lebens als Spion für Israel. Und half unter anderem mit, 1962 den deutschen Wissenschaftler Heinz Krug verschwinden zu lassen. Krug hatte während des Krieges in Peenemünde Raketen für Nazideutschland mitentwickelt und seine Fähigkeiten nach dem Krieg Ägypten, damals einer von Israels Erzfeinden, zur Verfügung gestellt. Deutsche Raketenbauer waren nach 1945 weltweit gefragt. Der Vater des V2-Programms, Wernher von Braun, ging nach Amerika und war für die Nasa maßgeblich an der Entwicklung des US-Mondfahrtprogramms beteiligt.

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Donald Trump twitterte „patriotisches“ Foto mit SS-Soldaten

Screenshot: motherjones.com
US-Oligarch Donald Trump ist in seiner Aufholjagd um die peinlichste Präsidentschaftsbewerbung Sarah Palin ein gutes Stück näher gekommen. So schaffte es der Tycoon, in einem eigentlich patriotischen intendierten Tweet ein Foto mit SS-Leuten zu verbreiten. „We need real leadership. We need results. Let‘s put back the U.S. into business!“ rülpste der selbsternannte Führer auf Twitter. Auf dem unteren der neben das Konterfei Trumps hinter eine Fahne montierten Bilder sieht man martialische Marschierer. Die allerdings tragen nicht US-amerikanische Uniformen, sondern solche der Waffen-SS, wie das Magazin Mother Jones dokumentiert.


Von Markus Kompa|TELEPOLIS

Offenbar hatte man sich eines Stock-Fotos namens Marching Soldiers bedient, das in Farbe Soldaten in der Camouflage-Uniform der Waffen-SS zeigt. Nachdem die nichtamerikanischen Uniformen einem Twitterer auffielen, wurde der Tweet gelöscht. Ein Kampagnensprecher verkündete, dass es sich um ein Bild eines jungen Praktikanten gehandelt habe. Der mit anderem beschäftigte Trump habe vor dem Senden die durch die Fahne verschwommenen Soldaten nicht gesehen.

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Soldatengrab: SS-Runen, jahrzehntelang gepflegt

Mit einem Gedicht über den „süßen und ehrenhaften Tod fürs Vaterland“ wird auf dem Friedhof in Offenhausen dreier SS-Soldaten gedacht. Bis vor kurzem zierten das Kreuz auch SS-Runen und drei Stahlhelme. (Foto: OH)
  • In Offenhausen gibt es Unmut über ein Grab auf dem Kirchhof. Hier sollen drei Soldaten der Waffen-SS beerdigt sein.
  • Bis vor kurzem standen vor ihren Namen die SS-Runen, an die Enden eines Birkenkreuzes waren drei grüne Stahlhelme montiert.
  • Über Jahre wurde das Grab gepflegt und renoviert. Nun kritisiert eine Pfarrerin das Vorgehen scharf – und sieht sich nun Anfeindungen ausgesetzt.


Von Lisa Schnell|Süddeutsche.de

Tausende abgemagerte Elendsgestalten schleppten sich im April 1945 durch die Straßen von Hersbruck im Nürnberger Land. Viele konnten sich kaum auf den Füßen halten. Wer zusammenbrach, wurde zurückgelassen oder erschossen. Es waren Insassen der Außenlager des KZ Flossenbürg in Hersbruck und Happurg, die von den Nazis auf einen Todesmarsch nach Dachau geschickt wurden. Erst dieses Jahr, 70 Jahre später, soll eine Gedenkstätte entstehen, die an die Opfer erinnert. Dreier mutmaßlicher Täter wird dagegen seit Jahrzehnten gedacht.

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Alfred Grosser über Kritik an Israel: „Grass hat etwas Vernünftiges gesagt“

Der Publizist Alfred Grosser. (© dpa)

Von Cornelius Pollmer – sueddeutsche.de

Der deutsch-französische Publizist Alfred Grosser, Sohn jüdischer Eltern, stellt sich in der Debatte um die Äußerungen von Günter Grass auf die Seite des Schriftstellers. Ein Gespräch über den Verlauf der Diskussion in Deutschland und Frankreich, über Kritik an Israel und „jüdischen Selbsthass“.

Alfred Grosser, 87, geboren in Frankfurt/Main, ist Publizist und Politikwissenschaftler. Seine Eltern und Großeltern waren Juden, 1933 emigrierte die Familie nach Frankreich – heute lebt Grosser in Paris. In seinem 2009 erschienenen Buch „Von Auschwitz nach Jerusalem“ (Rowohlt) beschäftigte er sich vor allem mit der Frage, wie scharf man Israel kritisieren dürfe.

SZ: Herr Grosser, haben Sie überhaupt Lust, sich zu Günter Grass und seinem Text zu äußern?

Alfred Grosser: Ja ja, sehr. Ich bin auf Seiten von Grass und das Pro ist in dieser Diskussion doch sehr schweigsam gewesen. Außer in der Zeitung Haaretz, die sich auch fragt: Ist unsere Regierung verrückt geworden?

SZ: Warum stehen Sie auf Seiten von Grass?

Grosser: Weil er etwas Vernünftiges gesagt hat in seinem sogenannten Gedicht. Es ist natürlich kein Gedicht, aber was darin steht ist doch viel wichtiger als die Form: Die israelische Regierung provoziert. Doch was passiert, wenn sie Iran wirklich angreift und was ist, wenn Iran dann Raketen hat, mit denen es Tel Aviv angreifen kann? Dann ist der Krieg los.

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Wer behauptet, Atheisten = Mörder?

Quelle: hpd.de, Collage F. Lorenz

In dem heutigen Beitrag aus der Serie „Ohne Gott ist alles erlaubt?“ geht es um die Behauptung, dass Atheisten gleichzusetzen sind mit Mördern. Warum ist ein derart plumpes Argument überhaupt eine Diskussion wert? Auch auf den ersten Blick sollte es doch als allzu simple Pauschalisierung auffallen. Tatsächlich aber erfreut sich das Argument auch bei einflussreichen politischen oder religiösen Führern großer Beliebtheit.

Von Lukas Mihr Humanistischer Pressedienst

Denn keinesfalls kann behauptet werden, dass nur eine relativ kleine Zahl von Spinnern Atheisten allesamt als Mörder ansieht. Verfolgt man das Argument über die Geschichte hinweg, fällt auf, dass eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Apologeten eindeutig dem rechten Spektrum entstammt.

Zum ersten Mal wurde die Gleichsetzung von Kommunisten und Atheisten in der NSDAP verwendet. Im Wahlkampf warnten Plakate vor dem zerstörerischen Bolschewismus, der sich zum Ziel gesetzt hätte, die Christen allesamt auszurotten. Auch die höchste Parteigarde war davon überzeugt, dass nur der Glaube an Gott schlimmeres Unheil abwenden könne:

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