Schlagwort-Archive: Willkür

Arbeitsrecht in der katholischen Kirche: Grauzonen der Doppelmoral

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Einem Oberarzt wird gekündigt, weil er erneut heiratet, eine Hort-Leiterin wird wegen ihrer lesbischen Lebenspartnerschaft vor die Tür gesetzt. Nun hat die katholische Kirche ihr Arbeitsrecht endlich liberalisiert. Doch damit wird die Willkür nicht abgeschafft.


Von Matthias Drobinski|Süddeutsche.de

Die katholische Kirche liberalisiert ihr Arbeitsrecht, endlich, nach Jahren der inneren Debatte, nach Jahren des Drängens vieler kirchlicher Beschäftigten, nach Jahren, in denen dieses Arbeitsrecht die Kirche viel öffentliches Ansehen gekostet hat. Wer bei der Kirche arbeitet und nach einer Scheidung wieder heiratet, wer schwul ist oder lesbisch und eine Lebenspartnerschaft eingeht, der muss nur noch in Ausnahmefällen die Entlassung fürchten, wenn der Fall in besonderer Weise ein Ärgernis darstellt oder den Frieden in der Dienststelle gefährdet. Wo das Ärgernis beginnt, sagen die Bischöfe nicht: Beim Schuft, der Ex-Frau und Kinder um den Unterhalt prellt? Bei dem, der auf dem Christopher-Street-Day eine flammende Rede für mehr Promiskuität hält?

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Trotz Foltervorwürfen: BKA weitet Polizeiausbildung in Ägypten aus

Ein zum Tode Verurteilter in einem ägyptischen Gerichtssaal: System der Folter und Repression. picture alliance
Willkür und Folter sind in Ägypten an der Tagesordnung. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung zeigte sich schon vor Monaten alarmiert. Trotzdem bildet das Bundeskriminalamt unbeirrt ägyptische Polizisten aus. Berlin will die Zusammenarbeit mit Kairo nun sogar intensivieren.


Von Sofian Philip Naceur|Cicero

Das ägyptische Innenministerium zählt zu den repressivsten Sicherheitsorganen in Nordafrika und dem Nahen Osten. Unverhältnismäßige Polizeigewalt, Willkür und selbst systematische Folter werden den Beamten am Nil vorgeworfen.

All das scheint die Bundesregierung nicht zu stören: Bereits seit 2014 verhandelt sie mit Ägyptens Innenbehörden über ein Abkommen zur Polizeikooperation. Erstmals hat sie nun Details über die geplante Zusammenarbeit offiziell bestätigt.

„Das Bundesministerium des Innern hat mit dem Ministerium für innere Angelegenheiten der Arabischen Republik Ägypten im Februar 2015 für das laufende Jahr Maßnahmen für eine intensivere Zusammenarbeit im Verantwortungsbereich der Bundespolizei vereinbart“, heißt es in der dem Cicero vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Abgeordneten der Linksfraktion im Bundestag, Andrej Hunko.

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Bodo Ramelow: Mehr Religion in der Staatskanzlei

Bodo Ramelow. Bild: Cicero/bearb. BB
Bodo Ramelow. Bild: Cicero/bearb. BB
Bodo Ramelow ist der bundesweit erste Ministerpräsident der Linkspartei. Der Thüringer Landtag wählte ihn am Freitag in Erfurt im zweiten Wahlgang zum Chef der neuen Landesregierung im Freistaat. Mit der Katholischen Nachrichten-Agentur sprach er über sein neues Amt, die SED-Vergangenheit seiner Partei und das Verhältnis von Linken und Religion.


Interview Karin Wollschläger|katholisch.de

Frage: Herr Ramelow, was erwidern Sie denjenigen, die fürchten, nun ziehe der “Gott-sei-bei-uns” in die Erfurter Staatskanzlei ein?

Ramelow: Ich erwidere, dass es ein evangelischer Christ ist und jemand, der gleichzeitig in dem Themengebiet des interreligiösen Dialogs engagiert unterwegs ist. Eher kommen jetzt mehr Glauben und mehr Religion in die Staatskanzlei.

Frage: Haben Sie Verständnis dafür, dass manche SED-Opfer einen Linken-Ministerpräsidenten als beklemmend empfinden?

Ramelow: Ja, dafür habe ich Verständnis. Ganz klar. In meiner Partei liegt immer die Verantwortung für das, was der Machtapparat der SED und der Staatssicherheit war, und das ist gekennzeichnet durch Unrecht und Willkür. Deshalb verstehe ich jeden, dessen Leben oder Biografie dadurch zerstört wurde.

Frage: Die Präambel des rot-rot-grünen Koalitionsvertrags bezeichnet die DDR ausdrücklich als Unrechtsstaat und spricht sich für Aufarbeitung der SED-Vergangenheit aus. Wie kann das konkret aussehen?

Ramelow: Das findet sich ausführlich im Koalitionsvertrag. Ich habe im Vorfeld mehrfach mit Vertretern von Opferverbänden und Aufarbeitungsinitiativen gesprochen, um dort Rat und Hinweise zu holen.

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Dodo Meisner: Das Coming-out eines Undemokraten

meisner_400qDer scheidende Kölner Kardinal Joachim Meisner warnt davor, die Mehrheitsmeinung einer Gesellschaft zu einzigen Quelle für politische Entscheidungen zu machen

kath.net

Der scheidende Kölner Kardinal Joachim Meisner warnt davor, die Mehrheitsmeinung einer Gesellschaft zu einzigen Quelle für politische Entscheidungen zu machen. Als «letzte Norm» für die Gewissensentscheidung eines Politiker dürfe nicht der herrschende Diskurs oder die am meisten verbreitete Ansicht sein, sagte Meisner am Mittwoch vor Bundestagsabgeordneten in Berlin. Vielmehr gelte es, das eigene Urteil rückzubinden an die Gebote Gottes und die Wirklichkeit der Schöpfung. Meisner sprach vor dem Kardinal-Höffner-Kreis, einer Gesprächsrunde katholischer Unionsabgeordneter.

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Ohne den Tod wäre das Leben ein Horror

Sargträger bei einer Beerdigung: Mitten im Leben vom Tode umfangen zu sein, ist nichts Selbstverständliches mehr – der Gedanke, dass der Mensch sterben muss, wird ausgesperrt dpa

Es ist schwer, sich mit der Willkür des Todes abzufinden. Heutzutage wird er hinter einem Schleier der Diskretion verborgen. Und doch muss sich der Mensch mit der Sterblichkeit versöhnen.

Von Eckhard FuhrDIE WELT

Wir wissen, dass wir sterben müssen. Das macht uns zu Menschen. Im Lichte der Wissenschaft ist nicht viel übrig geblieben von den angeblich prinzipiellen Unterschieden zwischen Mensch und Tier.

Nach der zoologischen Systematik handelt es sich beim Homo sapiens um eine von drei derzeit auf der Erde existierenden Schimpansenarten. Je weiter wir die vielstimmige Schrift der Genetik entschlüsseln, desto fragwürdiger wird die von uns Menschen beanspruchte Sonderstellung in dem, was auch in aufgeklärten Zeiten von vielen trotzig noch “Schöpfung” genannt wird.

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Christen in Palästina: Wut über Israels Siedlungspolitik

Der Pressesprecher des weltweiten Hilfswerks “Kirche in Not” in Deutschland, André Stiefenhofer, ist vor kurzem von einer dreiwöchigen Projektreise in den Nahen Osten zurückgekehrt. Im Gespräch mit der Journalistin Eva-Maria Vogel berichtet er über die aktuelle Situation der Christen im Heiligen Land, deren Zukunft in einem eigenen Staat und wie den Christen im Heiligen Land geholfen werden kann. Kathnews dokumentiert das Interview mit André Stiefenhofer im Wortlaut.

kathnews

Herr Stiefenhofer, wie erleben Christen im Heiligen Land die Umbrüche im Nahen Osten? 

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Der “vatikanische Mikrokosmos”

Die vatikanischen Strukturen sind aus Sicht des Bielefelder Religionssoziologen Franz-Xaver Kaufmann mitverantwortlich für die derzeitigen Probleme der katholischen Kirche. Die Vorstellung, die Päpste regierten den Vatikan, sei nicht gedeckt, schreibt Kaufmann in dem am Montag im Freiburger Herder-Verlag erscheinenden Buch „Kirchenkrise.

Radio Vatikan

Wie überlebt das Christentum?“ Darin bezeichnet der Soziologe die rund 1.700 Mitarbeiter der Kurie als „eine Art auf sich selbst zentrierten Mikrokosmos“; die männerdominierte Kirche stehe im Verdacht bloßer Besitzstandswahrung. Der Begriff „bürokratische Herrschaftsform“ sei eine Übertreibung, da die vatikanische Verwaltung vormodern, höfisch und nicht frei von Willkür handele. Es werde nicht kontrolliert, ob Entscheidungen richtig oder zweckmäßig seien.
Zum sexuellen Missbrauchsskandal in der Kirche schreibt Kaufmann, dass es vielen Klerikern um hinhaltenden Widerstand gegangen sei. Der Soziologe spricht von moralischer Lethargie in Verbindung mit Sorge um das Ansehen der Kirche. Was fehle, sei eine spirituelle Dimension in der Auseinandersetzung um Missbrauch.

Auf Befehl Gottes

Er machte eine religiös motivierte Politik: Der spätere US-Präsident George W. Bush im Jahr 2000. | Foto: afp

Badische Zeitung

Eine endgültig bessere Welt

“Gott befahl mir, Al-Qaida anzugreifen, und ich habe es getan. Er befahl mir, Saddam anzugreifen, und ich habe es getan.” So zitiert John Gray Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Europäische Reaktionen auf solche Äußerungen sind meist von hilflosem Moralismus, Unverständnis oder Entsetzen geprägt. Solche Gefühle helfen aber nicht weiter und geben keine Erklärungen.

Eine solche wäre etwa: Der amerikanische Präsident, durch das Volk der USA als oberste exekutive Autorität legitimiert, befolgt den Befehl einer noch höheren Autorität. Voraussetzungen dafür sind etwa: Gott spricht mit dem Befehlsempfänger, der Gegner Gottes ist böse, der Diener Gottes ist gut. Dann führt der Präsident einen religiös-moralisch gerechtfertigten Kampf – wobei sich auch der Gegner mit satanischen Beschwörungen nicht zurückhält. In der Konsequenz hat damit die Willkür gesiegt, Wahrheit und Rechtsstaat haben das Nachsehen.

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de omnibus dubitandum

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