Amos Oz: „Liebe Fanatiker. Drei Plädoyers“

Fanatismus kann auch Motor für etwas Neues sein: Heute ist Ivrit, das moderne Hebräisch, für die meisten jüdischen Israelis die Muttersprache. (Buchcover: Verlag Suhrkamp; Hintergrundbild: picture alliance / dpa / epa / Olivier Fitoussi)
Der israelische Roman-Schriftsteller Amos Oz meldet sich auch immer wieder mit Essays zu Wort. In „Liebe Fanatiker. Drei Plädoyers“ beschäftigt er sich mit religiösem Fanatismus ebenso, wie mit dem Judentum oder der Zwei-Staaten-Lösung. „Ein Buch, dass jeder lesen sollte, der verstehen will, wie Israel tickt“, sagt Matthias Bertsch im Dlf.

Matthias Bertsch im Gespräch mit Melanie Longerich | Deutschlandfunk

Melanie Longerich: „Herr Bertsch: Ist es nun ein Brief an die Fanatiker, oder doch eher ein Plädoyer gegen Fanatismus?“

Matthias Bertsch: „Also sicher eher das Letztgenannte. Dieses ‚Liebe Fanatiker‘ ist eindeutig ironisch gemeint, und Ironie ist eine der Waffen, die Amos Oz in seinem Kampf gegen Fanatismus auffährt, denn Fanatiker, so seine Diagnose, kennen keine Ironie.“

Longerich: „Worum geht es denn genau in den Essays? Das erste trägt ja den Titel des Buches: ‚Liebe Fanatiker‘.“

Bertsch: „Genau. Das geht zurück auf eine Vortragsreihe, die Oz wenige Monate nach dem 11. September 2001, also nach den Terroranschlägen in den USA, in Tübingen gehalten hat. In dem Essay geht es nicht nur um Terror im Namen des Islam sondern darum, dass Fanatiker aller Couleur bereit sind, für ihre Sache – selbstverständlich immer eine gute Sache – über Leichen zu gehen.“

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Erdogan und Macron wollen Trump in Jerusalem-Frage umstimmen

Der französische Präsident Emmanuel Macron und der türkische Präsident Tayyip Erdogan. – (c) Reuters
Der türkische und der französische Präsident wollen offenbar gemeinsam die USA überreden, die Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, zu überdenken.

Die Presse.com

Der türkische Präsident Tayyip Erdogan und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen gemeinsam die USA dazu überreden, ihre Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, zu überdenken, sagte am Samstag eine dem türkischen Präsidenten nahestehende Quelle. Die beiden Staats- und Regierungschefs stimmten demnach während eines Telefonats zu, dass der geplante Umzug für die Region besorgniserregend sei. Türkei und Frankreich würden gemeinsam versuchen, die US-Entscheidung umzukehren.

Erdogan habe am Samstag mit den Präsidenten von Kasachstan, Libanon und Aserbaidschan über das Thema gesprochen, hieß es weiter. Am Mittwoch berief er in der Türkei eine dringende Sitzung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit ein.

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Netanjahus Siedlunsgpolitik vorerst gebremst

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu reagiert auf die Kritik der USA. Foto: afp
Die umstrittene Eingemeindung weiterer Siedlungen liegt nach einer Intervention der USA vorerst auf Eis.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Aus dem israelischen Regierungsvorhaben, jüdische Westbank-Siedlungen nach Jerusalem einzugemeinden, wird vorerst nichts. Premier Benjamin Netanjahu räumte am Sonntag ein, Washington habe kritische Nachfragen zu dieser umstrittenen Gesetzesinitiative gestellt, in der Gegner einen Schritt Richtung Annexion besetzter Gebiete sehen.

Die Amerikaner verlangten Aufklärung, was es mit der Sache auf sich habe, sagte Netanjahu. Man tue gut daran, sich mit der US-Regierung zunächst zu koordinieren, so Israels Regierungschef weiter, warum derzeit ein Rückzieher bei dem „Groß-Jerusalem-Gesetz“ geboten sei. Gleichzeitig versprach er dem Kabinett, Siedlungsprojekte im Westjordanland würden weiter gefördert.

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Israel: „Wir werden weder Juden noch Araber entwurzeln“

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versprach, dass jüdische Siedlungen in besetzten Gebieten nie wieder geräumt werden. Foto: dpa
Die 50-Jahrfeier der „Befreiung von Judäa und Samaria“ stößt auch in Israel selbst auf Kritik. Unter dem Applaus seiner Anhänger gibt Premier Netanjahu eine Bestandsgarantie für Siedlungen ab.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Der Aufwand war groß, der Erfolg eher zweifelhaft. Bei dem kontroversen Staatsakt, mit dem Israels Regierung am Mittwochabend „50 Jahre Siedlungen in Judäa und Samaria“, gemeinhin bekannt als das Westjordanland, zelebrierte, blieb ein Gutteil der 4000 Sitze im eigens eingerichteten Amphitheater des Siedlungsblocks Gusch Etzion leer. Umso vollmundiger fiel die Rede von Premier Benjamin Netanjahu aus, der unter dem Applaus der versammelten Anhängerschaft eine Bestandsgarantie für Siedlungen abgab. „Ich sage es klar“, so Netanjahu: „Siedlungen werden nicht noch mal im Land Israel geräumt“ – ein Begriff, der offenkundig die besetzten palästinensischen Gebiete einschließt. „Wir werden weder Juden noch Araber entwurzeln.“

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Palästinensische Schulbücher: Lektionen in Hass

© EPA Eindeutige Botschaften: Bei der Al-Quds-Demonstration vor ein paar Tagen in Berlin.
Wer Antisemitismus sehen will, muss in Berlin nur auf die Straße gehen oder in palästinensischen Schulbüchern blättern, mit denen auch an UN-Schulen gelehrt wird. Israel kommt dort nicht vor. Auch nicht der Holocaust. Dafür wird der Terror verherrlicht.

Von Regina Mönch | Frankfurter Allgemeine

Schulbücher sollen zum Verständnis der eigenen und anderer Kulturen beitragen, indem sie gesichertes Wissen und humanistische Werte vermitteln, so wünscht es sich die Unesco. Wer in Schulbücher schaut, die vom Bildungsministerium der palästinensischen Autonomiebehörde herausgegeben werden, der wird eines Schlechteren belehrt. Fünfzehn dieser Schulbücher – für die Fächer Geschichte, Geographie, Mathematik und Nationale Erziehung – hat das „Mideast Freedom Forum Berlin“ (MFFB) im Auftrag von Bundestagsabgeordneten untersucht.

Einmal abgesehen davon, dass in diesen Büchern der Geschichte der Palästinenser eine antike Dimension verliehen wird, kommt der Staat Israel in keinem vor, weder als Gebiet, etwa auf Karten, noch mit dem Lebensalltag seiner Bevölkerung. Zweitausend Jahre jüdische Kultur und Religion werden genauso ignoriert wie die Schoa. Die Zwei-Staaten-Lösung gehört eindeutig nicht zum Lernziel, dafür wird der „Märtyrertod“ von Palästinensern und damit der Terror verherrlicht.

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Deutschlands falsche Bescheidenheit in Israel

Angela Merkel mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Kanzleramt. (Foto: AFP)
Die Bundesrepublik genießt bei Israelis und Palästinensern größtes Ansehen. Trotzdem scheut Berlin jeden Versuch, sich vermittelnd einzusetzen. Das ist verständlich – aber nicht zeitgemäß.

Von Stefan Braun | Süddeutsche.de

An deutlichen Worten zum Nahostkonflikt hat es Angela Merkel am Freitag nicht fehlen lassen. Sie hat Israels Siedlungsbau kritisiert und von „sehr besorgniserregenden Entwicklungen“ gesprochen. Sie hat die Zwei-Staaten-Lösung als einzig vernünftige Alternative gepriesen und den engen Verbündeten Israel gemahnt, den derzeit eingeschlagenen Weg mit immer neuen Siedlungen aufzugeben. Andernfalls sei das Ziel seiner Staatsgründer, einen jüdischen und demokratischen Staat zu errichten, nicht mehr lange aufrecht zu erhalten.

Auch für die Palästinenser hatte Merkel strenge Worte parat. Israel in den Vereinten Nationen an den Pranger zu stellen, sei nicht der richtige Weg, um neues Vertrauen zu schaffen. Die Kanzlerin war deutlich, ohne einer Seite die alleinige Schuld zuzuweisen. Das war gut, es war richtig, es war eine angemessene Botschaft.

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UN-Resolution gegen Siedlungen: Israel bestellt Botschafter ein

Prime Minister Benjamin Netanyahu, right, and President Barack Obama embrace at a ceremony welcoming the US leader at Ben Gurion Airport near Tel Aviv, on March 20, 2013 (photo credit: Miriam Alster/Flash90) bearb.:BB
Prime Minister Benjamin Netanyahu, right, and President Barack Obama embrace at a ceremony welcoming the US leader at Ben Gurion Airport near Tel Aviv, on March 20, 2013 (photo credit: Miriam Alster/Flash90) bearb.:BB
Der Ministerpräsident ist verärgert über eine Resolution des Weltsicherheitsrates gegen die Siedlungspolitik. Nicht nur sein ukrainischer Amtskollege bekommt das zu spüren.

Frankfurter Rundschau

Aus Zorn über eine Resolution des Weltsicherheitsrates gegen die israelische Siedlungspolitik hat Israel eine Reihe von Gegenmaßnahmen eingeleitet. Das Land will jetzt seine Beziehungen zu den Vereinten Nationen auf den Prüfstand stellen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies das Außenministerium am Sonntag an, einen «Aktionsplan» gegen die UN und andere internationale Einrichtungen auszuarbeiten. Dieser solle dem Sicherheitskabinett binnen eines Monats vorgelegt werden.

Der UN-Sicherheitsrat hatte Israel am Freitag zu einem vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalem aufgefordert. Siedlungen wurden als Verstoß gegen internationales Recht und großes Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet. Netanjahu verurteilte die Resolution als «schändlich und anti-israelisch».

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UN-Resolution: Obamas letzter Affront gegen Israel

Benjamin Netanyahu und Barack Obama. / Bild: REUTERS
Benjamin Netanyahu und Barack Obama. / Bild: REUTERS
Die USA winkten eine Resolution zum Stopp des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland durch. Damit schafft Obama vor der Amtsübernahme Trumps Tatsachen.

Die Presse.com

Im UNO-Sicherheitsrat winkt die US-Botschafterin eine Forderung nach dem Ende des israelischen Siedlungsausbaus durch – und Obama schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er gibt Netanyahu eins mit und schafft Tatsachen vor der Amtsübernahme Donald Trumps.

Er hat noch etwa einen Monat, aber ganz sang- und klanglos will der scheidende US-Präsident Barack Obama nicht die Weltbühne verlassen. Mit einem Affront gegen Israel verabschiedet er sich aus der Nahost-Politik und wirft seinem Nachfolger Donald Trump damit einige Steine in den Weg. Israel ist empört – und sieht sich von den USA verraten.

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Verbunden und verbündet mit Israel

Laut Umfragen sehen viele Israelis in Trump einen Freund des jüdischen Staats. Vor allem nationalreligiöse Siedler feiern den...Foto: Jim Hollander/dpa
Laut Umfragen sehen viele Israelis in Trump einen Freund des jüdischen Staats. Vor allem nationalreligiöse Siedler feiern den…Foto: Jim Hollander/dpa
Donald Trump und sein Team nehmen immer offener Partei für den jüdischen Staat. Welche Folgen hat das für den Nahost-Konflikt und die Region? Eine Analyse.

Von Christian Böhme, Thomas Seibert | DER TAGESSPIEGEL

Es waren schwierige Jahre. Unter Barack Obama und Benjamin Netanjahu sind die amerikanisch-israelischen Beziehungen von einer Krise in die nächste getaumelt. Nach dem Machtwechsel in Washington gibt es nun Zeichen dafür, dass Donald Trump einen eindeutig proisraelischen Kurs einschlagen will. Doch es ist unsicher, ob sich der neue US-Präsident tatsächlich mit Verve im Nahostkonflikt engagieren wird.

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Israel: Eine Statistik macht Hoffnung

Junge Israelis in einem arabischen Viertel von Jerusalem. Leider nichts Normales. Foto: REUTERS
Eine Erhebung des israelisch-palästinensischen Verhältnisses zeigt Chancen für Frieden. Vor mehr als zwei Jahren wurden die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina abgebrochen.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Was Israelis und Palästinenser voneinander halten, lässt auf trübe Friedensaussichten schließen. Nur noch eine knappe Mehrheit ist für eine Zwei-Staaten-Lösung. Fast jeder zweite Israeli wie Palästinenser glaubt indes laut aktueller Umfragen, dass die jeweils andere Seite gar keinen Frieden will. Den Preis, also die nötigen Konzessionen für ein Abkommen, ist auch nur eine Minderheit bereit zu zahlen. Ein Lösungspaket, das neun Kernpunkte beinhaltet, wird gerade mal von 39 Prozent der palästinensischen Befragten unterstützt. Die

Zustimmungsrate unter jüdischen Israelis ist genauso gering. Allerdings befürworten 90 Prozent der arabischen Israelis die Vorschläge, die sich an den Kompromisslinien früherer Verhandlungsrunden orientieren, so dass das israelische Gesamtergebnis in diesem Aspekt auf 46 Prozent kommt.

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Israel und Europa beenden Siedler-Streit

Die EU stellt klar, dass die Kennzeichnungspflicht von Westbank-Siedlerprodukten kein Boykott ist – zur Beruhigung von Israels Premier Benjamin Netanjahu.

Von Inge Günther|Frankfurter Rundschau

Die Krise im israelisch-europäischen Verhältnis, die auf den EU-Beschluss zur Kennzeichnungspflicht von Siedlerprodukten zurückging, ist beendet. Israels Premier Benjamin Netanjahu bezeichnete eine Klarstellung der EU-Außenpolitikchefin Federica Mogherini am Sonntag vor dem Kabinett in Jerusalem als „willkommenen Schritt“. Mogherini hatte Netanjahu in einem Telefonat vom Freitag versichert, dass es sich bei der Etikettierung von Agrarerzeugnissen und Kosmetika aus Westbank-Siedlungen weder um einen Boykott noch um Unterstützung der antiisraelischen BDS-Bewegung (boycott, divestment, sanctions) handele. Auch nehme Brüssel damit keine künftige Grenzziehung vorweg. Die könnten nur Israelis und Palästinenser in direkten Verhandlungen festlegen.

Netanjahu, der zugleich als Außenminister fungiert, hatte in Reaktion auf die EU-Richtlinien für Siedlerprodukte vor drei Monaten angewiesen, alle Kontakte mit Brüssel hinsichtlich der Palästinenserfrage zu suspendieren. Allerdings verstand man in Jerusalem bald, dass dies letztlich auch israelischen Interessen schadet.

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Menschenrechtsgruppe: Boykott jüdischer Siedlungen

Bild: APA/AFP
Human Rights Watch appellierte, Waren aus jüdischen Siedlungen zu boykottieren. Der US-Botschafter in Israel kritisierte die Siedlungspolitik Israels ungewöhnlich scharf.

Die Presse.com

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch hat ausländische Firmen in aller Welt dazu aufgerufen, die Zusammenarbeit mit den israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland zu vermeiden oder zu beenden. Ausländische Firmen mit Geschäftsbeziehungen zu den Siedlungen würden „ein von Natur aus rechtswidriges und missbräuchliches System“ stützen, kritisierte die Organisation.

In einem umfangreichen Bericht von Human Rights Watch (HRW) heißt es: „Israels Vorzugsbehandlung für die eigenen Siedler erstreckt sich auf praktisch jeden Aspekt des Lebens im Westjordanland.“ HRW-Direktor Arvind Ganesan erklärte, „nur mit einer Beendigung jeglicher Aktivität mit und in den israelischen Siedlungen können Unternehmen ihrer Verantwortung gerecht werden, die Menschenrechte zu beachten“.

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Interview mit Shimon Peres: „Israel sieht nur das Töten“

Schimon Peres (2009). Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0 br/ElzaFiúza

Fast täglich kommt es zu Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. Friedensnobelpreisträger Shimon Peres fordert im SPIEGEL-Interview eine Zwei-Staaten-Lösung – und kritisiert die Regierung in Jerusalem scharf.

Von Nicola Abé|SpON

Seit Monaten sieht sich Israel mit einer neuen Welle der Gewalt konfrontiert. Fast täglich werden jüdische Israelis von Palästinensern mit Messern angegriffen. An Neujahr wurden im Zentrum Tel Avivs zwei Menschen erschossen. Die Täter sind meist junge Palästinenser, die glauben, nicht mehr viel zu verlieren zu haben.

Nach fast zehn Jahren, in denen Israel von Ministerpräsident Netanyahu regiert wird, ist der Friedensprozess zum Erliegen gekommen. Die derzeitige, ultrarechte Regierung steht der Zwei-Staaten-Lösung skeptisch gegenüber. Viele Minister sprechen sich offen dagegen aus.

Die wirtschaftliche Situation im Westjordanland und im Gazastreifen ist miserabel. Radikale, islamistische Gruppen wie die Hamas heizen die Stimmung an und rufen zum Mord auf.

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Deutsche Bischöfe protestieren gegen Israels Sperrmauer

Logo Deutsche Bischofskonferenz
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Heftige Kritik auf Beginn des Mauerbaus im Cremisan-Tal bei Bethlehem – Hilfswerk „Jugend Eine Welt“: Familien und Don Bosco-Einrichtungen werden von ihrem Land abgeschnitten

kathweb

Heftige weltweite Proteste hat der Baubeginn an einem Teilstück der Trennmauer der israelischen Sperrmauer im „christlichen Dreieck“ Bethlehem, Beit Jala und Beit Sahur ausgelöst, darunter auch von Seiten der Deutschen Bischofskonferenz. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Vorsitzender der Kommission Justitia et Pax und Delegierter bei den jährlichen internationalen Bischofstreffen im Heiligen Land, sprach am Dienstag von einem Verstoß gegen die Gerechtigkeit, „wenn 58 christliche Familien ihres Landes und ihres Lebensunterhalts beraubt werden und keinen Zugang mehr zu ihren landwirtschaftlichen Flächen haben“.

Ackermann kritisierte, dass die Armee in Beit Jalla mit Rodungsarbeiten begonnen habe, ohne eine abschließende gerichtliche Entscheidung abzuwarten. Das Vorgehen im Cremisan-Tal schüre Unmut und Misstrauen und sei bezeichnend für die desolate Situation im Heiligen Land. Wörtlich sagte der Bischof: „Es ist unheilvoll für beide Völker, wenn durch die Fortsetzung dieser Art von Siedlungspolitik eine Zwei-Staaten-Lösung unmöglich gemacht wird.“

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„Breaking the Silence“ Israel: „Hier geht es um Pluralismus“

17. Juni 2015: Ein israelischer Soldat neben seinem Panzer. Foto: REUTERS
Der Streit über die Kölner „Breaking the Silence“-Schau: Kerstin Müller von der Böll-Stiftung in Tel Aviv wirft im FR-Interview Kölns OB „abgrundtiefe Naivität“ vor. Scharf rügt sie die israelische NGO-Politik.


Von Joachim Frank|Frankfurter Rundschau

Frau Müller, haben die zeitweilige Absage der „Breaking the Silence“-Ausstellung und die dann folgende Verschiebung durch den Kölner OB die Menschen in Israel interessiert?

Auf jeden Fall. Es gab eine Reihe von Presseberichten, und besonders das Friedensspektrum der Gesellschaft, das sich im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzt, war erschüttert, dass sich die Stadt Köln dem Druck der neuen Rechtsregierung in Jerusalem gebeugt hat. Die Botschaft in Berlin vertritt deren Interessen.

Hinter „Breaking the Silence“, so der Vorwurf nicht nur aus Israel, stehe eine Splittergruppe der radikalen Linken, die in Israel selbst kaum Rückhalt habe.

Radikal? Das ist absurd. Radikal sind Teile der jetzigen Regierung, die dezidiert gegen eine Zwei-Staaten-Lösung sind, die das Westjordanland annektieren wollen und eine Umsiedlung der arabischen Bevölkerung planen. Das sind extremistische Positionen. Hingegen ist der Gründer von „Breaking the Silence“ ein glühender Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung, der die Linie der internationalen Staatengemeinschaft voll unterstützt. Natürlich ist „Breaking the Silence“ der Regierung in Jerusalem nicht „genehm“, vor allem weil sie immer wieder kritische Debatten über das Vorgehen der israelischen Armee, etwa während der Gazakriege, anstößt – sie ist ganz gewiss einseitig, aber nicht propagandistisch.

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Regierungsaufgabe Israel: Entsorgung der Palästinenser

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr
Die neue stellvertretende israelische Außenministerin ist ehrlich und verkündet eine „Grundwahrheit“ über die Zwei-Staaten-Lösung. Die Palästinenser sehen sich in ihren Befürchtungen bestätigt.


Frankfurter Allgemeine

Israels neue stellvertretende Außenministerin Zipi Chotoveli hat sich von der Idee einer Zwei-Staaten-Lösung in Nahost distanziert. „Wir müssen zu der Grundwahrheit unseres Rechts auf das Land zurückkehren“, sagte sie am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenseite „ynet“. „Dieses Land gehört uns. Das ganze Land.“ Israel müsse sich dafür nicht entschuldigen. Israel besiedelt seit Jahrzehnten das palästinensische Westjordanland und durchkreuzt damit zunehmend Pläne der Palästinenser für einen eigenen Staat.

Am Mittwoch hatte Chotoveli von der konservativen Likud-Partei bei einem Treffen mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini noch bekräftigt, Israel wolle neue Friedensverhandlungen. Jedoch ist sie für die Annektierung des Westjordanlands. Dort lebende Palästinenser sollten Israelis werden. Diese aber fordern ihren eigenen Staat.

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‚Pax Christi‘ meint: Kauf nicht bei Juden – ehm Siedlern!

pax_christiDie katholische Friedensbewegung Pax Christi International (PCI) hat in Bethlehem zur Anerkennung Palästinas und zum Boykott von Produkten aus israelischen Siedlungen aufgerufen.


kath.net

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi International (PCI) hat in Bethlehem zur Anerkennung Palästinas und zum Boykott von Produkten aus israelischen Siedlungen aufgerufen. Der kontinuierliche Bau und Ausbau israelischer Siedlungen in Palästina verstoße klar gegen internationales Recht, heißt es in einer am Montagabend verbreiteten Stellungnahme zum Abschluss ihrer 70-Jahr-Feiern. Um die Wirtschaftlichkeit der Siedlungen zu behindern, müssten Siedlerprodukte gemieden werden.

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Vatikan erkennt Palästina als Staat an

Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.
Der Vatikan hat Palästina in einem neuen Abkommen als Staat anerkannt. Am Mittwoch trafen sich Unterhändler beider Seiten in Rom, um einen bilateralen Vertrag fertigzustellen. Der müsse nun nur noch von den zuständigen Autoritäten unterzeichnet werden, teilte der Vatikan mit. In dem Dokument, der die Details zum Status der katholischen Kirche in Palästina regeln soll, ist ausdrücklich von dem „Staat Palästina“ die Rede.


katholisch.de

Bereits seit Ende 2013 bezeichnet der Heilige Stuhl von Palästina stets als Staat. Der Vatikan und die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO hatten im Februar 2000 ein erstes Abkommen in Form einer Prinzipienerklärung geschlossen. 2004 wurde eine bilaterale Kommission errichtet, um die Absprachen zu konkretisieren. Bei der Reise von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) im Jahr 2009 in Bethlehem wurde die Intensivierung dieser Arbeiten vereinbart. Unter Leitung des vatikanischen Vize-Außenministers und eines ranghohen Palästinenservertreters wurde seither an konkreten Textentwürfen gearbeitet.

Vatikan setzt sich für Zwei-Staaten-Lösung ein

Der Textentwurf verfolge wie alle Verträge des Heiligen Stuhls mit Staaten das Ziel, das Leben und die Aktivitäten der katholischen Kirche zu fördern und rechtlich anzuerkennen und ihr so einen wirksamen Dienst für die Gesellschaft zu ermöglichen, betonte der vatikanische Vize-Außenminister Antoine Camillieri im Interview der Zeitung „Osservatore Romano“ (Donnerstagsausgabe).

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Israels Präsident Rivlin für Föderation mit Palästinensern

Reuven_RivlinIsraels Staatspräsident Reuven Rivlin hat sich für eine palästinensisch-israelische Föderation ausgesprochen. Eine Zwei-Staaten-Lösung lasse sich nicht erzwingen. Deutschland nannte er vor seinem Besuch in der kommenden Woche einen „guten Freund“.


Von Michael Schmidt|DER TAGESSPIEGEL

Israels Präsident Reuven Rivlin hat sich für eine Föderation mit den Palästinensern ausgesprochen. „Ein Staat für zwei Völker, mit zivilen Rechten für beide. Zwei Entitäten Seite an Seite“, sagte der Politiker, der zur rechten Likud-Partei gehört, dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Rivlin ist seit langem als entschiedener Gegner der Zwei-Staaten-Lösung bekannt. Jetzt sagte er, Israelis wie Palästinenser müssten Kompromisse eingehen, um einen Weg für ein friedliches Zusammenleben zu finden.

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UN-Debatte: Vatikan kritisiert Israels Palästinenserpolitik

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr
Der Vatikan hat Israel vor den Vereinten Nationen in New York wegen des Stillstands bei den Verhandlungen mit den Palästinensern kritisiert. Die Sicherheit Israels, um die sich das Land legitime Sorgen mache, könne nicht dadurch erreicht werden, dass man sich von seinen Nachbarn isoliere, sagte der vatikanische Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York, Erzbischof Bernardito Auza. Es herrsche „Frustration“ angesichts der gegenwärtigen Sackgasse, zitierte „Radio Vatikan“ am Mittwoch aus der Rede vom Vortag.


kathweb

Sicherheit könne es nur durch einen Friedensschluss mit den Palästinensern und die Anwendung der Zwei-Staaten-Lösung geben, die vom Heiligen Stuhl und von der internationalen Gemeinschaft unterstützt werde, sagte Auza während der Debatte über die Lage im Nahen Osten.

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