Eine „Ablösesumme“ für Kirchen in Sachsen-Anhalt? Katholisches Büro redet sich raus, erwartungsgemäß

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Die katholische Kirche in Sachsen-Anhalt bekommt jährliche Zahlungen von Land. Dies ist der dortigen Links-Fraktion ein Dorn im Auge. Sie möchte die Verpflichtung mit einer Einmalzahlung beenden. Das will das katholische Büro nicht.

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Nach der evangelischen Kirche hat auch die katholische Kirche zurückhaltend auf den Vorschlag der sachsen-anhaltischen Links-Fraktion reagiert, mit einer Ablösesumme von 700 Millionen Euro die jährlichen Zahlungen des Landes an die Kirchen zu beenden. Er sei beim Thema Staatsleistungen zwar durchaus „unverkrampft und gesprächsbereit“, sagte der Leiter des Katholischen Büros Magdeburg, Stephan Rether, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Katholisches Büro verweist auf den Bund

Gleichzeitig verwies er darauf, dass nicht das Land, sondern der Bund laut Grundgesetz „zur Verabschiedung eines Rahmengesetzes, das die Bedingungen für eine Ablösung vorzeichnet“, angehalten sei. Rether vertritt das Bistum Magdeburg und das Erzbistum Berlin in der Landespolitik.

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„Antichristliche Anti-Werte“: Die Homophobie der polnischen Kirche

Ein Demonstrant protestiert im zentralpolnischen Plock gegen eine Gay-Pride-Kundgebung.Foto: Wojtek Radwanski/AFP

Vor den Parlamentswahlen in Polen macht die katholische Kirche mobil. Vor allem die Verfechter von LGBTI-Rechten stehen im Zentrum der Politik.

Agata Palickova | DER TAGESSPIEGEL

Die Rhetorik von Mitgliedern der katholischen Kirche gegen Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle (LGBTI) wird in Polen und anderen östlichen EU-Ländern immer aggressiver. So haben diverse Priester die Bewegung für LGBTI-Rechte mit der Pest verglichen und sie als „Ideologie“ mit „totalitären Merkmalen“ bezeichnet.

In den zurückliegenden Wochen standen LGBTI-Themen in Polen, das am 13. Oktober ein neues Parlament wählt, ganz oben auf der Tagesordnung. Auch aus den anderen Visegrád-Ländern Ungarn, Slowakei und der Tschechischen Republik kamen kritische Töne zur LGBTI-Bewegung.

Familienpolitik und traditionelle Werte waren schon immer ein wichtiges Thema für die rechtskonservative Regierung Polens. Zwei Monate vor den Parlamentswahlen haben führende Politikerinnen und Politiker der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sowie katholische Priester eine neue Kampagne mit Anschuldigungen und Mahnungen gestartet. Damit wollen sie offenbar Angst unter den Wählern schüren. So wurden sexuelle Minderheiten in öffentlichen Reden verteufelt, das rechte Magazin „Gazeta Polska“ verbreitete Aufkleber, die „LGBTI-freie Zonen“ deklarieren, und es gab diverse Angriffe auf Pride-Paraden, beispielsweise im ostpolnischen Bialystok.

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Von Anfang an umstritten: Die Geschichte des Zölibats

Bis heute fällt er vor allem dann auf, wenn gegen ihn verstoßen wird: der Zölibat. Umstritten ist er schon lange, doch mindestens genauso lange hält die Kirche an ihm fest. Woher kommt die Enthaltsamkeitsregelung? Ein geschichtlicher Überblick.

Von Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Wer sonntags hinter dem Altar steht und das Brot bricht, lebt zölibatär, heiratet also nicht und gründet keine Familie. Bis heute ist die sexuelle Enthaltsamkeit das Ideal des Priesterdaseins in der katholischen Kirche. Viele Priester halten sich jedoch nicht ihr ganzes Leben daran, wie unter anderem die vom Vatikan veröffentlichten Leitlinien für Priesterkinder zeigen. Außerdem ist der Zölibat einer der Gründe für den akuten Priestermangel: Beim von den deutschen Bischöfen verabschiedeten „synodalen Weg“ wird er deshalb ebenso Thema sein wie auf der Amazonas-Synode im Oktober. Dort soll ausdrücklich die Priesterweihe von „viri probati“, also verdienten, verheirateten Männern, diskutiert werden. So vehement, wie manche seine Abschaffung fordern, betonen andere aber seine Bedeutung für die Kirche. Doch der Zölibat ist in der Kirche nicht erst seit Neuestem umstritten – sondern ziemlich genau so lange, wie er von Priestern verlangt wird.

Doch von Anfang: Schon in der Bibel ist die Ehelosigkeit Thema. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“ (Luk 14,26) Über Jesu eigene Lebensumstände und Sexualität hält sich die Bibel allerdings bedeckt.

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Mehr als 400 neue Missbrauchsklagen in New York eingereicht

Symbolbild Missbrauch © R.Classen (shutterstock)

Im US-Bundesstaat New York sind binnen Stunden 400 neue Klagen wegen sexuellen Missbrauchs eingegangen. Unabhängig davon, wie lange die Übergriffe zurückliegen, gibt es Opfern von Missbrauch ein Jahr lang die Möglichkeiten Wiedergutmachungen einzuklagen.

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Das berichtete der Fernsehsender CNN am Mittwoch (Ortszeit). Hintergrund der Klagewelle gegen die Erzdiözese New York, den Pfadfinderverband Boy Scouts of America und andere Institutionen ist ein im Februar verabschiedetes Gesetz des Bundesstaates.

Nachträglich Wiedergutmachungen einklagen

Der „New York Child Victims Act“ gibt Opfern von Missbrauch ein Jahr lang die Möglichkeit, nachträglich Wiedergutmachungen einzuklagen – unabhängig davon, wie lange die Übergriffe zurückliegen. Die einjährige Periode begann am Mittwoch. Die Zahl der Klagen sei so hoch, dass der Bundesstaat New York 45 Richter allein zur Bearbeitung der neuen Fälle abgestellt habe, hieß es.

Die Anwaltskanzlei Weitz & Luxenberg erklärte, sie vertrete allein 1.200 Klienten im gesamten Bundesstaat, die wegen Kindesmissbrauchs Klage einreichen wollten. Nur ein Teil davon habe dies am ersten Tag getan, weil die Gerichte überfordert seien.

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Der Kampf der Kirche mit der Sexualität

Die Kirche gilt heute vielen als sex- und lustfeindlich. Tatsächlich hat sie den gegenseitigen Spaß am Körper lange abgelehnt. Obwohl sie im Laufe der Jahrhunderte ihre Lehre angepasst hat, wirken die Schatten der Vergangenheit immer noch nach.

Von Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Die Bibel ist voller Erotik – doch mit dem Sex hatte die Kirche schon immer Probleme. Noch heute wird sie von Vielen als „Spaßbremse“ wahrgenommen, die ihren Gläubigen die Freude im Bett nicht gönnt. Jüngst warf der schweizerische Theologe Alberto Bondolfi allen Religionen vor, Sexualität viel zu biologistisch zu sehen. Mit Blick auf die katholische Kirche ist der Vorwurf nicht ganz von der Hand zu weisen.

Weitreichenden Einfluss auf die Haltung der Kirche hatte der Heilige und Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354 – 430). Für ihn war Sexualität etwas Sündhaftes, dabei hatte er vor allem die sexuelle Lust im Blick. Diese Einstellung erklärt sich aus seinem Lebenslauf: Bevor Augustinus Christ wurde, hing er dem Manichäismus an. In dieser Religionsströmung wurde alles Körperliche verteufelt und Askese gepredigt. Der vergeistigte Mensch galt als Ideal. Diese Einstellung brachte Augustinus nach seiner Konversion in das Christentum ein. Er fand: Alles, was nicht der Vernunft gehorcht und sich ihr unterordnet, ist sündhaft. In seinen „Bekenntnissen“ beschreibt er recht detailliert seine Erfahrung, dass sich Sexualität nicht der Vernunft unterordnet – denn bei ihr verliert der Mensch die Kontrolle über seine Körperfunktionen. Deswegen war sein Urteil klar: Sexuelle Lust ist Sünde.

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Katholische Kirche gibt Rekordsumme für weltweite Projekte aus

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„Der bereitgestellte Betrag übertrifft das Ergebnis des Vorjahres um 14 Millionen Euro“: Für Projekte in aller Welt hat die katholische Kirche in Deutschland im vergangenen Jahr mit 616 Millionen Euro so viel Geld wie nie zuvor ausgegeben.

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„Er stellt damit die bisher höchste Jahresleistung der katholischen Kirche in Deutschland für die Weltkirche überhaupt dar“, teilte am Donnerstag die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mit. Am selben Tag wurde der Jahresbericht Weltkirche 2018 veröffentlicht.

Mit den 616 Millionen Euro wurden den Angaben zufolge pastorale und soziale Projekte gefördert. Zu dieser Summe kämen die Aufwendungen für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit hinzu. In der „Konferenz Weltkirche“ sind die international tätigen Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland wie Bistümer, Hilfswerke und Missionsorden zusammengeschlossen.

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Italiens Regierungschaos und das Schweigen der Kirche

Matteo Salvini, Innenminister von Italien © Roberto Monaldo (dpa)

Mitten in der Ferienzeit befindet sich Italiens Regierung in einer heftigen Krise. Von der früher so einflussreichen katholischen Kirche des Landes ist indes kaum etwas zu hören.

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Von Misstrauensvotum ist die Rede, von Neuwahlen, anderen parlamentarischen Koalitionen. Zum zweiten Mal binnen weniger Tage hat die Regierungskoalition aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung gegeneinander gestimmt: vergangene Woche die Lega gegen einen Antrag der „Fünf Sterne“, das Eisenbahntunnelprojekt zwischen Turin und Lyon auf Eis zu legen, am Mittwoch die „Fünf Sterne“ mit den Sozialdemokraten der PD gegen einen Antrag der Lega, schon jetzt Ministerpräsident Giuseppe Conte das Misstrauen auszusprechen und so den Weg zu Neuwahlen freizumachen.

Nach seiner Niederlage erklärte sich Lega-Chef Matteo Salvini bereit, die von den „Sternen“ verlangte Verringerung der Abgeordnetenzahl anzugehen. Dann aber müsse sofort gewählt werden. Die Italiener sollten selbst entscheiden, wie es weitergehe, fordert Salvini seit Tagen bei abendlichen Kundgebungen an diversen Stränden des Landes. Dort halten sich die Italiener jetzt im August bevorzugt auf. Angesichts solcher „Bade-Kundgebungen“ häufen sich süffisante Meldungen darüber, welcher Politiker am besten gebräunt sei. Allein am Mittwoch in Genua, beim Gedenken an die Opfer des Brückeneinsturzes vor einem Jahr, trat für einen Moment Ruhe ein: Salvini und „Sterne“-Chef Luigi Di Maio einträchtig neben Conte und Staatspräsident Sergio Mattarella.

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Reinhard Marx regelt Aufsicht für Missbrauchstäter im Klerus

Wie umgehen mit Priestern, die sich an Kindern vergangen haben und suspendiert sind? Dazu hat das Erzbistum München und Freising nun ganz konkrete Regeln erlassen. Eine Weiterbeschäftigung in der Kirche wird darin nicht vollständig ausgeschlossen.

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Priester des Erzbistums München und Freising, die sich an Kindern vergangen haben und suspendiert sind, müssen sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Kardinal Reinhard Marx hat dazu ein im neuesten Amtsblatt der Erzdiözese veröffentlichtes Dekret zur „Führungsaufsicht für Kleriker“ erlassen.

Demnach müssen die Betroffenen – dem Vernehmen nach sind es derzeit nur einige wenige Personen – private und dienstliche Reisen dem Ordinariat zur Genehmigung vorlegen. Eine Aufsichtsperson überzeugt sich in festgelegten Intervallen durch Besuche in den Privatwohnungen des Täters von der Einhaltung der Auflagen und verfasst jährliche Entwicklungsberichte. Liegt die Wohnung in der Nähe einer Kindertagesstätte, kann ein Umzug angeordnet werden. Eine Beschäftigung des Täters in der Kirche kommt nur unter Ausschluss von Publikumsverkehr und Kontaktmöglichkeiten zu Minderjährigen in Betracht. Bei Verstößen gegen die Auflagen droht eine Kürzung der Bezüge bis zur Höhe von Hartz IV.

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Die Kirchensteuer muss weg!

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Menschen gehen, Kohle bleibt. Alles wird gut. So denken Mietlinge

Von Peter Winnemöller | kath.net

Zweihundertundsechzehnmillionen – diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das ist der Mehrertrag an Kirchensteuer im Jahr 2018 im Vergleich zum Jahr 2017. Das Jahr 2018 sah einen Rekord an Kirchenaustritten. Der Hauptgrund für den Kirchenaustritt sei – neben dem Missbrauchsskandal – die Kirchensteuer, wird man nicht müde, dies zu betonen. Das ist natürlich Blödsinn!

Wenn es eines Beweises bedürfte, wäre er hiermit erbracht. Es treten diejenigen aus der Kirche aus, die keine Kirchensteuer zahlen. Nur bei einer Gruppe hat die Kirchensteuer tatsächlich Bedeutung: Berufseinsteiger, die um die Jahrtausendwende geboren sind. Die jungen Menschen haben in dritter Generation keinerlei kirchliche Sozialisation erfahren. Somit haben sie nicht einmal eine emotionale Bindung an die Kirche. Sobald sie zahlen sollen, gehen sie.

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Katholische Kirchensteuereinnahmen mit neuem Rekordhoch

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Die katholische Kirche in Deutschland verliert immer mehr Mitglieder, im vergangenen Jahr ist die Zahl der Austritte dramatisch angestiegen. Dennoch gab es in 2018 ein neues Rekordhoch an Kirchensteuereinnahmen. Die aktuellen Zahlen und Gründe nennt die Deutsche Bischofskonferenz in einer neuen Arbeitshilfe.

katholisch.de

Die Kirchensteuereinnahmen der katholischen Kirche in Deutschland sind 2018 erneut leicht gestiegen. Trotz sinkender Mitgliederzahl gab es mit 6,643 Milliarden Euro ein neues Rekordhoch, wie aus der am Donnerstag von der Bischofskonferenz in Bonn veröffentlichten Broschüre „Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2018/19“ hervorgeht. 2017 hatte die katholische Kirche 6,427 Milliarden Euro Kirchensteuern verzeichnet.

Hauptgrund für den Trend ist die positive Lage am deutschen Arbeitsmarkt und der damit verbundene Anstieg der Lohn- und Einkommensteuer. Millionen von Mitgliedern der evangelischen wie der katholischen Kirche zahlen einen Mitgliedsbeitrag an ihre Kirchen, der als Kirchensteuer bezeichnet wird.

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Kirche zur neuen Identitätsstudie von Ostdeutschen: „Wir haben diese Wahrnehmung erkannt“

Deutsches Identitätsgefühl © shutterstock

Das Gefühl abgehängt zu sein, nimmt laut einer neuen Studie bei Ostdeutschen zu. Diese Unzufriedenheit drückt sich auch in den Wahlabschichten aus. Eine Verantwortung der Kirche nimmt auch der Leiter des Katholischen Büros in Sachsen wahr.

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DOMRADIO.DE: Der Studie des Allensbacher Institutes im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge identifizieren sich 47 Prozent der Ostdeutschen mit ihrem früheren Staatsgebiet und weniger mit der Bundesrepublik. Können Sie dieses Identitätsgefühl der Ostdeutschen bestätigen?

Dr. Daniel Frank (Leiter des Katholischen Büros Sachsen): Zwei Sachen, mit denen ich Probleme habe. Zunächst mal: Was ist ein spezifisch ostdeutsches Identitätsgefühl? Für mich ist der Begriff Identität durchweg positiv besetzt. Identität ist für mich, wenn ich mich frage, welche Wurzeln ich habe oder worauf kann ich stolz sein? Was macht mich und die Meinen aus? Was kann ich der Gesellschaft geben? Und bei dieser Studie, deren Ergebnisse ich erfahren habe, scheinen es durchweg negative Dinge zu sein, die dort mit Identität in Verbindung gebracht werden. Und zwar, dass Ostdeutschland abgehängt sei und viele Ostdeutsche der Überzeugung seien, die Lebensverhältnisse seien schlechter als im Westen. Das ist das Erste, was mich ein bisschen nachdenklich stimmt.

Das zweite, was mich nachdenklich stimmt, ist, dass es an Gebietsgrenzen festgemacht wird. Natürlich haben sich im Osten Deutschlands in den vergangenen 30 Jahren vielfältige und vielschichtige Transformationsprozesse ereignet. Eine Gesellschaft musste neu entwickelt werden und sich selbst neu finden. Das trifft natürlich auf das Gebiet der ostdeutschen Bundesländer zu. Dass man das sozusagen auch als haarscharfe Grenze für ein ostdeutsches Identitätsgefühl nimmt, halte ich für schwierig.

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Vier „Lügen“ über die katholische Kirche – und die „Wahrheit“

Über die katholische Kirche sind einige Vorurteile im Umlauf: Sie sei gegen die Wissenschaft, gegen Frauen und im Ernstfall richte es einfach die Beichte. Ein Forscher widerlegt diese Behauptungen nun – allerdings mit zum Teil umstrittenen Thesen.

Von Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Der niederländisch-US-amerikanische Forscher und bekennende Katholik Gerard Verschuuren beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Für sein Buch „Forty Anti-Catholic Lies“ hat er sich sogenannte „antikatholische Lügen“ vorgenommen und sie widerlegt. Katholisch.de stellt einige davon vor.

Die Beichte macht es einfach

„Die Lüge“: Katholiken haben mit der Beichte eine willkommene Möglichkeit, sich durch einen Priester von allen Sünden reinwaschen zu lassen. Danach können sie wieder in aller Ruhe neue Sünden begehen.

„Die Wahrheit“: Gerard Verschuuren schreibt, dass nicht der Priester Sünden vergibt, sondern Gott selbst. Ein Geistlicher ist dabei nur der Mittler. Der Katechismus sagt dazu (1441f.): „Gott allein kann Sünden vergeben“ und verweist auf Mk 2,7. Jesus hat die Kraft, Sünden zu vergeben, an seine Jünger weitergegeben: „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Joh 20,23) Die Beichte ist ein Zeichen der Gnade Gottes und für jeden Gläubigen die Möglichkeit, eine Zerrüttung in der Beziehung mit Gott aufzuheben. Doch Verschuuren sagt, dass man den Beichtakt nicht unterschätzen sollte: Denn es erfordere viel Demut, die eigenen Sünden zu bekennen und sich damit selbst einzugestehen, fehlerhaft zu sein. Die Beichte ist auch keine Einladung, neue Sünden zu begehen, sondern die Möglichkeit, noch einmal von vorne anzufangen. Wie allerdings mit Katholiken umgegangen werde soll, die die Beichte in dieser Weise gebrauchen, sagt der Wissenschaftsphilosoph nicht.

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Psychologe: Kirche lässt Kleriker mit Zölibatsproblemen allein

Bild: © ricardoreitmeyer/Fotolia.com (Symbolbild)

Joachim Reich berät Geistliche, die Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben. Er sagt, die Kirche lasse sie mit ihren Problemen allein. Schließlich hätten sie sich für die Priesterweihe entschieden, heißt es oft. Die Folgen seien dramatisch.

katholisch.de

Die katholische Kirche lässt Kleriker in Krisen mit dem Zölibat aus Sicht des Berliner Psychologen Joachim Reich allein. „Wenn einer ein Problem damit hat, wird das von der Kirche sofort individualisiert. Schließlich habe er sich für die Priesterweihe entschieden, nun solle er selber damit zurechtkommen, so die Haltung“, kritisierte Reich in der Schweizer „Sonntagszeitung“. Die Kirche übernehme „keine Verantwortung dafür, wie die Priester dieses Gelübde leben können“. Reich berät Kleriker, wenn sie Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben.

Sie könnten zwar „theoretisch in der Beichte über ihre Probleme mit der Sexualität sprechen, aber dort steht die Thematik sofort im Kontext von Schuld und Strafe“, betonte Reich. „Auch bei den geistlichen Begleitern hat man das Problem, dass sie keinerlei sexualtherapeutische Ausbildung haben.

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Erzaposteltum Berlin sieht Frauenfeiertag in Berlin kritisch – da schlagen die alten Ressentiments durch

Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus „Germania“ von 1878 (public domain)

Berlin ist das erste und einzige Bundesland, das den Weltfrauentag an diesem Freitag als Feiertag begeht. Aber die Kirchen in der Hauptstadt sind nicht besonders glücklich damit. Warum, erklärt der Pressesprecher des Erzbistums Berlin.

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DOMRADIO.DE: Ganz Deutschland muss an diesem 8. März zur Arbeit. Nur nicht die Berliner. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass Sie in Berlin jetzt einen zusätzlichen Feiertag bekommen haben?

Stefan Förner (Diplom-Theologe und Pressesprecher des Erzbistums Berlin): Wenn man – wie ich – aus Bayern nach Berlin umgezogen ist, verzichtet man auf drei bis vier Feiertage. Ich glaube, Bayern hat zwölf oder 13. In Berlin gab es nur neun und damit sind wir Schlusslicht mit anderen Stadtstaaten. In anderen Bundesländern hat man sich schon entschieden und den Reformationstag, den 31. Oktober, zum Feiertag gemacht.

Im vergangenen Jahr war auch im Zuge des Reformationsjubiläums in Berlin der Reformationstag einmalig Feiertag. Dann hat man gesagt, das könne aber so nicht bleiben. Denn insbesondere die Linkspartei hatte signalisiert, sie wolle keinen weiteren religiös motivierten und begründeten Feiertag haben. Dann fing die Debatte an: Wer kann es denn dann werden?

DOMRADIO.DE: Auch der 9. November war da im Gespräch. Warum ist es denn am Schluss der Weltfrauentag geworden?

Förner: Ich würde sagen, dass das ein Coup der Linkspartei war. Der Frauentag ist ein alter Kampftag aus dem sozialistisch-kommunistischen Hintergrund, der im Osten nach wie vor gefeiert wird.

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Nach Missbrauchsskandal: Umfrage zeigt Vertrauensverlust in Kirche

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Schlechte Noten für die katholische Kirche: Eine aktuelle Umfrage offenbart einen deutlichen Vertrauensverlust in die Kirche. Eine große Mehrheit der Befragten sieht durch den Missbrauchsskandal einen „langfristigen Schaden“.

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Deutliches Alarmzeichen für die katholische Kirche in Deutschland: Laut einer am Samstag veröffentlichten INSA-Umfrage im Auftrag der „Bild“-Zeitung glauben 82 Prozent der deutschen Katholiken, dass der Umgang mit dem Missbrauchsskandal der Kirche „langfristig schaden“ werde. 52 Prozent der Befragten hätten zudem schon einmal überlegt, aus der Kirche auszutreten, 38 Prozent dächten derzeit über einen Austritt nach und 22 Prozent hätten dies fest vor, so die „Bild“-Zeitung. Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge 4.000 Personen befragt, darunter 1.004 Katholiken.

Laut den Ergebnissen misstraut eine Mehrheit der Katholiken dem angekündigten Kurswechsel ihrer Kirche beim Thema Missbrauch. So erwarteten nur 19 Prozent, dass die Kirche ihr Null-Toleranz-Versprechen in die Tat umsetzen werde, 53 Prozent glaubten das hingegen nicht.

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Vatikan-Konferenz: „Kirche in existenzieller Krise“

Bischöfe im Vatikan, Rom (imago/Ulmer/Lingria)

Die katholische Kirche steckt nach Ansicht der Theologin Marianne Heimbach-Steins in einer existenziellen Krise.

Dlf24

Die Loyalität der Gläubigen werde auf eine harte Probe gestellt, sagte Heimbach-Steins im Deutschlandfunk. Viele Verantwortungsträger würden über Fragen nachdenken, über die man vor ein paar Jahren kaum habe sprechen dürfen – wie etwa der Zölibat. Das sei ein Signal, dass die Tragweite des Problems allmählich erkannt werde. Es handele sich nicht nur um Missbrauch. Vielmehr gebe es strukturell begünstigende Faktoren in diesem sehr hierachischen, sehr klerikalen System der katholischen Kirche.

„Riesendefizit“ bei kirchlicher Rechtskultur

Die kirchliche Rechtskultur weise ein Riesendefizit auf, das sich nicht mit einer Konferenz aufarbeiten lasse, sagte die Theologin der Universität Münster mit Blick auf den Anti-Missbrauchs-Gipfel der Bischöfe im Vatikan.

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Staat und Kirche – diese Ehe muss dringend geschieden werden

Ulrich Koch (3.v.r), Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht in Erfurt, eröffnet die Verhandlung zum Sonderstatus der katholischen Kirche als Arbeitgeber in Deutschland. Es ging um den Chefarzt eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf, dem gekündigt wurde, weil er als geschiedener Mann zum zweiten Mal geheiratet hat. Der Fall beschäftigt seit Jahren die Gerichte ©Michael Reichel DPA

Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes gegen die katholische Kirche und für einen Arzt in zweiter Ehe ist es höchste Zeit, Staat und Kirche vollständig zu trennen. Es wäre ein Segen für beide Seiten.

Frank Ochmann | stern.de

Das an diesem Mittwoch vom 2. Senat des Bundesarbeitsgerichtes in Erfurt gefällte Urteil ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis zwischen Staat und Kirche(n) in diesem Land: Demnach darf einem Arzt aus Düsseldorf, der in zweiter Ehe lebt, von seinem katholischen Arbeitgeber nicht gekündigt werden, obwohl der Mediziner durch seine Lebensführung gegen die moralischen Grundsätze der katholischen Kirche verstoßen hat. Schon deshalb ist das so, weil an seiner beruflichen Qualität bis heute kein Zweifel besteht und, wie das Gericht feststellt, das katholische Eheverständnis für die Güte seines ärztlichen Handelns offenbar keine Voraussetzung ist.

Dass der Fall viele Jahre verhandelt werden musste und durch alle Instanzen bis hin zum Europäischen Gerichtshof und wieder zurück ging, ist schon deshalb bemerkenswert, weil die katholische Kirche in Deutschland inzwischen ihr eigenes Arbeitsrecht geändert hat.

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Weshalb man in Luxemburg nicht über Religion sprechen kann, ohne die Kirche heraufzubeschwören

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0

Dass man in Luxemburg anscheinend noch immer nicht über Religion sprechen kann, ohne sogleich das Schreckgespenst der katholischen Kirche heraufzubeschwören, zeigt das Interview, das Laurent Schley, Vorsitzender von AHA, kürzlich dem Tageblatt gab.

Von Norbert Campagna* | Tageblatt Lëtzebuerg

Auf die Frage, ob die Religiosität in Luxemburg sinke, antwortete Schley bejahend mit der Feststellung, dass immer mehr Menschen aus der katholischen Kirche austreten. Auch wenn Schley mit seiner Feststellung richtig liegt, ist diese Feststellung noch kein Beweis für einen Rückgang der Religiosität. Denn es gibt schließlich andere Formen der Religiosität als der Katholizismus oder die Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirche. Doch davon einmal abgesehen könnte Schley dennoch, in einem bestimmten Sinn, mit seiner Feststellung richtig liegen. Ob man sich allerdings über diesen Rückgang freuen sollte, ist eine andere Frage.

Um sie zu beantworten, muss zuerst kurz ein Wort zur Religion bzw. zum Begriff der Religion oder Religiosität gesagt werden. Aus den Worten Schleys wird ersichtlich, dass er einen primitiven substantialistischen Religionsbegriff hat, bei dem Religion über den Glauben an ein übernatürliches Wesen – Gott, das Spaghettimonster usw. – definiert wird.

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Hauptsache weiterhin männlich – die verzweifelte Suche der Kirche nach Priestern

Iranische Priester feiern die Weihnachtsmesse in der Katholischen Kirche Saint Joseph Chaldean-Assyrian, in Teheran. Bild: AP

Der katholischen Kirche gehen die Priester aus, also weiht sie jetzt Quereinsteiger zu Priestern. Gerne auch ohne Abitur. Zwei Voraussetzungen für „Spätberufene“ gibt es dann aber doch: Sie müssen schon einmal gearbeitet haben – und natürlich ein Mann sein.

watson.ch

Ausgerechnet beim Niederknien zum Beten hat sich Wolfgang Ehrle eine Zerrung zugezogen. So ganz jung ist er mit seinen 45 Jahren eben nicht mehr. Dennoch beginnt er gerade noch mal ganz von vorn: Nach vielen Jahren als Großhandelskaufmann lässt er sich als Quereinsteiger zum Priester ausbilden. Die katholische Kirche unterhält dafür in dem kleinen Ort Grafschaft in Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen ein spezielles Ausbildungszentrum, das Studienhaus St. Lambert. Es ist deutschlandweit einzigartig.

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Angst vor Islamisierung hält viele Ältere in der Kirche

Was hält Katholiken in ihrer Kirche? Dazu liegt erstmals eine ausführliche Studie vor Quelle: pa/imageBROKER/Ulrich Niehoff

Eine neue Studie geht der Frage nach, warum Katholiken nicht aus der Kirche austreten. Mehrere Erklärungen sind banal – etwa Bequemlichkeit. Doch vor allem ältere Menschen finden auffällig viele Gründe zu bleiben.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Die gute Nachricht für die katholische Kirche vorneweg: Eine Mehrheit ihrer Mitglieder spielt nicht mit dem Gedanken auszutreten. 59 Prozent haben „keinerlei“ Absichten in diese Richtung; 21 Prozent denken zwar manchmal über einen Austritt nach, wollen aber eigentlich lieber bleiben. Die weniger gute Nachricht: Die Gründe für das Festhalten an der Kirche sind zum Teil recht banal.
Das geht aus einer Studie über „religiöse und kirchliche Orientierungen“ von Katholiken hervor, die von der Medien-Dienstleistung Gesellschaft im Auftrag des Erzbistums München und Freising durchgeführt wurde.

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