Norwegens katholische Kirche soll Zahlen frisiert haben

Bild: tilly
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In Norwegen läuft derzeit ein aufsehenerregender Prozess. Die katholische Kirche und das staatliche Kulturamt stehen sich wegen der Forderung nach einer Rückzahlung von 40 Millionen Kronen (4,4 Millionen Euro) vor Gericht gegenüber. Im protestantischen Norwegen erhalten religiöse Minderheiten auf Basis ihrer Mitgliederzahlen Geld vom Staat. Die dafür landesweit verantwortliche Diözese Oslo soll zwischen 2010 und 2014 die Anzahl der Katholiken im Lande deshalb kräftig nach oben frisiert haben.

Von André Anwar | RP ONLINE

In dieser Zeit stieg die Anzahl der Katholiken deutlich von 66.000 auf 140.000 an. Kirchenangestellte sollen die örtlichen Telefonbücher durchgegangen sein, um unter anderem Einwanderer ausfindig zu machen, deren Namen darauf hindeuteten, dass sie aus mehrheitlich katholischen Ländern stammen. Danach soll die Kirche das in Norwegen weitgehend öffentliche Melderegister genutzt haben, um die Geburtsdaten der Auserwählten ordnungsgemäß in das Mitgliederregister einzutragen. Die Betroffenen wurden nicht gefragt.

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Ruanda: Katholische Kirche entschuldigt sich für Genozid

Fotografien von Opfern des Völkermordes befinden sich am 15.01.2006 in einer Gedenkstätte in Ruandas Hauptstadt Kigali. (picture-alliance/ dpa / Wolfgang Langenstrassen)
Fotografien von Opfern des Völkermordes befinden sich am 15.01.2006 in einer Gedenkstätte in Ruandas Hauptstadt Kigali. (picture-alliance/ dpa / Wolfgang Langenstrassen)
Die katholische Kirche in Ruanda hat sich für ihre Rolle beim Völkermord im Jahr 1994 entschuldigt.

Deutschlandfunk

Man bedauere die Taten jener, die sich damals an den Massakern beteiligt hätten, heißt es in einer Stellungnahme der Bischofskonferenz. Darin wird konkret eingeräumt, dass Kirchenmitglieder den Genozid planten, unterstützten und ausführten. In den Jahren nach dem Völkermord wehrte sich die katholische Kirche gegen Bemühungen, ihre eigenen Verstrickungen aufzudecken. – Im Jahr 1994 töteten radikale Mitglieder der Volksgruppe der Hutu mehr als 800.000 Menschen, die mehrheitlich zu der Gruppe der Tutsi gehörten.

Papst geht auf Homosexuelle zu, hält sie aber für „Sünder“

Ratzinger_HomoFranziskus plädiert dafür, Schwule und Lesben „näher zu Gott“ zu führen. Genau das würde Jesus heute tun, meint das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Die Presse.com

Homosexuelle dürfen nach Ansicht von Papst Franziskus nicht aus der katholischen Kirche ausgegrenzt werden. Lesben und Schwule sollten vielmehr von den Gemeinden integriert, begleitet und „näher zu Gott“ geführt werden, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag an Bord seines Flugzeugs auf der Rückreise nach Rom von einer Reise in den Kaukasus. „Genau das würde Jesus heutzutage tun“, sagte er.

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AfD in Sachsen-Anhalt: Staatsleistungen an Kirchen kürzen

Für eine Kürzung der Zahlungen an die Kirchen in Sachsen-Anhalt hat sich der AfD-Landtagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt (Magdeburg) ausgesprochen.

kath.net

„Wir wollen mit den Kirchen ins Gespräch kommen, um die Staatsleistungen nach und nach abzuwickeln“, sagte der 25-jährige Politiker der Mitteldeutschen Zeitung. Für die evangelischen Kirchen, die katholische Kirche sowie die jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt geht es dabei um Millionenbeträge. Nach Angaben des dortigen Finanzministeriums bekommen die Kirchen in diesem Jahr 32 Millionen Euro; 2010 waren es noch 29 Millionen Euro gewesen. Die jüdischen Gemeinden im Land erhalten im laufenden Jahr rund 1,4 Millionen Euro. Die Staatsleistungen gehen zurück auf den sogenannten Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Damals waren als Entschädigung für die Enteignung von Kirchengütern zeitlich unbegrenzte Zahlungen des Staates an die Kirchen vereinbart worden. Sie werden heute von den Bundesländern als Rechtsnachfolger der damaligen Fürstentümer an evangelische Landeskirchen und katholische Diözesen geleistet. Sie könnten durch eine Einmalzahlung abgegolten werden.

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Mittelamerika: Katholiken verlieren an Evangelikale

Katholiken in El Salvador: Sinkende Mitgliederzahlen. APA/AFP/Yuri Cortez/picturedesk.com
Katholiken in El Salvador: Sinkende Mitgliederzahlen. APA/AFP/Yuri Cortez/picturedesk.com
Die katholische Kirche in Mittelamerika verliert weiter an Boden. So sei die Zahl der Katholiken in Nicaragua zwischen 1995 und 2013 von 77 Prozent auf 47 Prozent eingebrochen, so salvadorianische Medien am Sonntag (Ortszeit).

religion.ORF.at

Die Medien zitierten aus einer Studie des Spanischen Instituts für Strategische Studien (IEEE). Einen deutlichen Rückgang verzeichnet die Statistik auch für Honduras (76 auf 57 Prozent), El Salvador (67 auf 54 Prozent) und Guatemala (54 auf 47 Prozent).

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Kirche sagt esoterischen Angeboten Kampf an

In St. Fidelis (Mi.) soll ein neues spirituelles Zentrum entstehen. Es soll die Sehnsucht von Menschen stillen, die mitunter in fernöstlichen oder esoterischen Angeboten eine Heimat finden Foto: Stuttgarter Zeitung.de
Die katholische Kirche in Stuttgart investiert 750 000 Euro in ein neues spirituelles Zentrum. Stadtdekan Christian Hermes nennt den Grund: „Wir können nicht hinnehmen, dass die katholische Kirche mit all ihrer geistlichen Weisheit und Erfahrung nicht mehr als spirituell kompetent wahrgenommen wird.“

Von Martin Haar | Stuttgarter-Zeitung.de

Wie lässt sich im „Smog die Gegenwart Gottes erkennen?“, fragte Papst Franziskus im September 2015 im New Yorker Madison Square Garden und formulierte damit eine der größten Herausforderungen von Kirchen in dieser Zeit. Wo finden Menschen heute noch einen Anker? Wo und wie wird die geistliche Sehnsucht und oft auch Not heutiger Stadtbewohner gestillt? Ob in New York oder Stuttgart. Überall ist die Kirche und das Christentum nicht mehr erste Wahl. „Viele Menschen kennen die tradierten Kirchen und volks- oder gemeindekirchlichen Frömmigkeits- und Spiritualitätsformen nicht mehr“, weiß der katholische Stadtdekan Christian Hermes, „sie verstehen darin kein hilfreiches Angebot für ihr Leben.“

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Wie sich Gott und die Wissenschaft vertragen

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Verhältnis von Religion und Wissenschaft ist nicht immer ohne Probleme. Auf den Universitäten macht sich das Spannungsfeld vor allem in den theologischen Studien bemerkbar – bei den Inhalten und bei der Personalauswahl.

Von Erich Kocina | Die Presse.com

Glauben gehört in die Kirche, Wissen auf die Universität – es wäre ein grobe Vereinfachung, diesen Satz einfach so stehen zu lassen. Doch tatsächlich stehen Religion und Wissenschaft in einem gewissen Spannungsfeld. Dann nämlich, wenn es um das Verhältnis der beiden zueinander geht. Wie sehr soll etwa die Religion in einer wissenschaftlichen Einrichtung mitbestimmen können? Eine Frage, die sich vor allem bei den theologischen Studien stellt – und genau darüber wird heute, Mittwoch, auch in Alpbach diskutiert. Vertreter von Universitäten, Religionsgemeinschaften und Bund sprechen über „Universitätsautonomie und Theologien“.

Nur ist die Theologie überhaupt eine Wissenschaft? „Natürlich“, sagt Oliver Henhapel, Leiter des Kultusamts im Bundeskanzleramt. „Letztlich geht es um Textinterpretation und historische Interpretation.“ Und natürlich haben theologische Studien auch eine spirituelle Dimension. Relevanter sei aber die Frage, wie sich die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Religion gegenüberstehen. Praktisch herunterbrechen lässt sich das auf die Frage der Autonomie, die die Theologie an der Uni von ihrer Religionsgesellschaft hat bzw. wie stark sie an sie rückgebunden ist.

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Katholiken gehen die Priester aus

Drei Priesteranwärter im Münster in Freiburg, Archivbild von 2010 (Foto: picture alliance / dpa)
  • Die katholische Kirche in Deutschlands steht vor einem dramatischen Priestermangel.
  • Manche Priester-Ausbilder hoffen auf einen „Franziskus-Effekt“ – dass der populäre Papst also den Priesterberuf für junge Katholiken interessanter macht.
  • Deutsche Bistümer reagieren auf den Priestermangel meist, indem sie Gemeinden zusammenlegen oder Priester aus dem Ausland anwerben.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Noch nie haben sich in Deutschland so wenige Männer zu katholischen Priestern weihen lassen wie im vergangenen Jahr. Den Zahlen der katholischen Bischofskonferenz zufolge gab es in den 27 deutschen Bistümern 2015 insgesamt 58 Priesterweihen; 2014 waren es noch 75 gewesen, 2013 sogar 98. 1990 hatte die Zahl der neuen Priester noch 295 betragen. Die katholische Kirche Deutschlands steht damit vor einem dramatischen Priestermangel: 2015 starben nach Angaben der Bischofskonferenz 309 Priester, 19 gaben ihr Amt auf. 1990 gab es noch fast 20 000 katholische Geistliche, jetzt sind es 14 000.

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„Kirche braucht keine Bürokraten“ – weniger reden, tun

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Die katholische Kirche soll sich nach Worten von Papst Franziskus nicht durch Ängste bremsen lassen. Sie benötige die Hilfe des Heiligen Geistes, um „Angst und Kalkulationen“ zu überwinden, sagte er am Sonntag auf dem Petersplatz.

katholisch.de

Er ermutigte die Gläubigen zudem, auch mal etwas zu riskieren. „Die Kirche braucht keine Bürokraten und fleißigen Funktionäre, sondern leidenschaftliche Missionare.“ Der Heilige Geist könne die Herzen von Egoismus und Sünden befreien, so dass die Menschen Flüchtlingen, Armen und anderen Leidenden beistehen könnten. Angesichts von materieller und spiritueller Armut sei die Kirche in der heutigen Zeit mehr als je zuvor auf „Priester, Ordensleute und gläubige Laien mit dem aufmerksamen Blick des Apostels“ angewiesen. Nicht selten setzten diese für ihren Glauben auch ihr Leben aufs Spiel. Franziskus erinnerte an den heiligen Maximilian Kolbe (1894-1941), dessen Todestag sich am Sonntag zum 75. Mal jährte. Der polnische Franziskaner war im deutschen NS-Vernichtungslager Auschwitz im Austausch für einen Familienvater gestorben.

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Hochzeit nach Scheidung: Darf die Kirche dann kündigen?

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Eine geschiedener Arzt heiratet wieder – und ist seinen Job los. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Und wenn die katholische Kirche der Arbeitgeber ist, ist das sogar rechtens. Das Bundesverfassungsgericht soll klären, ob das so bleiben kann. Fragen und Antworten zum Fall.

stern.de

Kann eine zweite Heirat nach einer Scheidung ein Kündigungsgrund sein? Ja, im Fall des Chefarztes eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf ist das passiert. Das Bundesarbeitgericht in Erfurt verhandelt an diesem Donnerstag die Kündigungsschutzklage – bereits zum zweiten Mal.

Was ist die Besonderheit dieses Falls?

Der Mann ist seit dem Jahr 2000 als Chefarzt in einem katholischen Krankenhaus in Düsseldorf beschäftigt. Er ist damit Angestellter einer kirchlichen Einrichtung. Sein Dienstvertrag basiert auf einer vom Erzbistum Köln erlassenen Grundordnung, nach der von den Mitarbeitern die Anerkennung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre erwartet wird.

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„Ein Drittel sind schwere Sexualdelikte“

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Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Welche Persönlichkeit und Hintergründe haben die Täter, wer sind die Opfer? Ein Interview mit Professor Dreßing über die Zwischenergebnisse seines Forschungsprojektes.

Von Cornelia Stenull | SWR

Die katholische Kirche arbeitet zusammen mit Wissenschaftlern des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) daran, den Missbrauch durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter aufzuklären. Jetzt hat sie Zwischenergebnisse zu den Hintergründen der Missbrauchsfälle veröffentlicht. SWR-Redakteurin Vanja Weingart hat mit Professor Harald Dreßing vom ZI gesprochen.

SWR: Herr Dreßing, fast 80 Prozent der Opfer sind männlich. Ist das für Sie ein überraschendes Ergebnis?

Professor Dreßing: Das ist ein Ergebnis, was sich zumindest von anderen Befunden des sexuellen Missbrauchs in anderen Kontexten abhebt. Wenn man sexuellen Missbrauch im Bereich der Familie oder in anderen Institutionen anschaut, sind überwiegend Mädchen betroffen. Und im Bereich der katholischen Kirche ist das ein sehr harter Befund, der einzigartig dasteht.

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Katholische Kirche: Die meisten Opfer sind Jungen

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Ein Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche liefert erste Ergebnisse. Bei einem Drittel der Taten liegt demzufolge eine „erhebliche Schwere“ vor.

Frankfurter Allgemeine

Nach dem ersten Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im großen Ausmaß in der katholischen Kirche im Jahr 2010 liegen nun Teilergebnisse eines Forschungsprojekts zu Ursachen und Ausmaß vor. Forscher stellten bei Geistlichen als Tätern unter anderem emotionale und sexuelle Unreife, Persönlichkeitsstörungen und Pädophilie fest.

Aus einer Metaanalyse bereits vorhandener Studien haben sie Aussagen zu Täter- und Opferstruktur gewonnen. Wesentliche Teile des Forschungsprojekts, darunter die geplante umfangreiche Aufarbeitung von Akten aus deutschen Bistümern, sind aber gerade erst angelaufen. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die 27 Diözesen haben die umfangreiche Studie in Auftrag gegeben, um Umfang und Hintergründe sexuellen Missbrauchs in der Kirche aufzuklären.

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Atheismus: Der Feind fehlt

Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (Deutschlandradio / Michael Borgers)
In Italien ist die katholische Kirche noch immer einflussreich, aber die Zahl der Gläubigen geht zurück. Die organisierten und politisch aktiven Atheisten werden allerdings ebenfalls weniger. Radikale Kirchenfeindlichkeit kommt nicht mehr gut an, mancher atheistische Kirchenkritiker ist zum Papstfan geworden. Es bilden sich überraschende Allianzen.

Von Thomas Migge | Deutschlandfunk

„Ich denke, dass es in diesem Land leider immer noch unerlässlich ist, über bestimmte Anomalien nachzudenken, die typisch für Italien sind und die wir bekämpfen. Das Kruzifix in den Schulklassen ist ein Unding, denn unsere Verfassung ist laizistisch. Auch die Pflichtlehrstunde Religion gehört abgeschafft, unterrichtet doch ein Lehrer, der nicht vom Staat sondern vom Bischof ernannt wird“, sagt Adele Orioli. Wenn man sie auf den Einfluss der katholischen Kirche in Italien anspricht, ist die junge blonde Frau nur schwer zu stoppen. Dass sie von den Medien immer wieder gern als die „ungläubige Kreuzritterin“ genannt wird, ist angesichts ihres kämpferisch-laizistischen Auftretens leicht nachzuvollziehen: „Sobald einem Bischof der jeweilige Religionslehrer nicht mehr passt, weil der zum Beispiel etwas unterrichtet, was der kirchlichen Doktrin auch nur ein bisschen widerspricht, kuschen der Staat und das Bildungsministerium. Ach, wie viele konfessionelle Anomalien gibt es da in Italien!“

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Frankreich: Sexueller Missbrauch erschüttert die Kirche

Kardinal Barbarin, Bischof von Lyon wusste seit 2007 über einen Missbrauchsfall Bescheid. Die Justiz ermittelt gegen den Pfarrer und den Kardinal – eine Premiere in Frankreich (picture alliance / dpa / Aurélie Ladet)
Erst jetzt kommt das Thema sexueller Missbrauch auf die Agenda der katholischen Kirche in Frankreich. Opfer organisieren sich, täglich mehren sich Enthüllungen und Anklagen. Besonders pikant: Auch die traditionalistische Piusbruderschaft steht unter Verdacht.

Von Bettina Kaps | Deutschlandfunk

Aymeri Suarez-Pazos weiß, dass er schwere Vorwürfe formuliert, aber der Vorsitzende des französischen Selbsthilfevereins AVREF ist sich seiner Sache absolut sicher. Übersetzt bedeutet das Kürzel AVREF „Hilfe für Missbrauch-Opfer in religiösen Bewegungen und für ihre Familien“.

„Wir wissen, dass es viele Bischöfe gibt, die pädophile Pfarrer schützen. Und ausgerechnet auch jene Bischöfe, die sich neuerdings als Weltmeister des Bedauerns und des Mitleids mit den Opfern darstellen. Überall können neue Skandale aufbrechen. Es ist durchaus möglich, dass jetzt viele Opfer Klage einreichen werden.“

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Missbrauchsskandal: Anträge von rund 1.600 Betroffenen

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Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche kommt nach Darstellung des Missbrauchsbeauftragten voran. Bischof Stephan Ackermann bekräftigte im Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ das Ziel, dass das Forschungsprojekt der Bischofskonferenz dazu „eine quantitative und qualitative Übersicht“ ermittelt. Es werde kommendes Jahr Ergebnisse liefern, sagte der Trierer Bischof. Vielleicht werde es schon dieses Jahr einen Zwischenstand geben, fügte er hinzu.

evangelisch.de

Zur Zahl möglicher Opfer und Täter sagte Ackermann in dem Interview, dass bis jetzt rund 1.600 Betroffene Anträge auf Anerkennung und materielle Leistungen gestellt hätten. „Wie viele Täter sich dahinter verbergen, können wir erst mit der Studie sagen“, sagte er weiter.  Gegenstand der Studie sei auch die Frage, wie viele Täter aus ihren Ämtern entlassen wurden.

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Australien: Kardinal räumt Kindesmissbrauch in Kirche ein

Kardinal George Pell / Bild: APA/AFP/ROSLAN RAHMAN
Kindesmissbrauch durch Kirchenvertreter wurde lange heruntergespielt, sagt Kardinal George Pell. Er wolle „das Unhaltbare nicht verteidigen“.

Die Presse.com

Der ranghöchste Kardinal Australiens hat vor einer Regierungskommission eingeräumt, dass die Kirche Kindesmissbrauch durch Kirchenvertreter jahrelang heruntergespielt hat. „Ich bin nicht hier, um das Unhaltbare zu verteidigen“, sagte Kardinal George Pell, als Budgetverantwortlicher heute die Nummer drei in der Vatikan-Hierarchie.

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Als die Kirche das Denken verbieten wollte

Bild: BR24
Heute vor 400 Jahren verurteilte die katholische Kirche Galileo Galilei der Ketzerei. Sie wollte das alte Weltbild wieder herstellen, das Kopernikus zuvor ins Wanken gebracht hatte: Die Erde steht im Mittelpunkt des Universums. Einige wollen heute noch das Rad zurückdrehen.

BR24

Galileo Galilei hat bewiesen, was Nikolaus Kopernikus rund 70 Jahre zuvor verkündet hatte:

„Alles, was infolge von Bewegung am Himmel erscheint, rührt nicht von dorther, sondern liegt in der Erde. Die Erde also ist es, die sich dreht.“

Nikolaus Kopernikus

Der Kirchenrechtler und Astronom Nikolaus Kopernikus widerlegte 1543 das alte Weltbild der katholischen Kirche: Die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Seine Erkenntnisse widmete er damals dem Papst.

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Bischöfe wollen keine Bevorzugung von Christen

Katholische Trachtengruppe beim Splatter-Ritual. Bild: dpa
AfD-Chefin Frauke Petry wirft der katholischen Kirche „Verlogenheit“ vor. Jetzt haben die Bischöfe ihre „Leitsätze“ zum Umgang mit Flüchtlingen verabschiedet – mit ungewöhnlich eindeutiger Botschaft.

Von Lucas Wiegelmann|DIE WELT

An Frauke Petry liegt es jedenfalls nicht, wenn der Kampf der Kulturen doch noch ins Wasser fällt. Die AfD-Chefin hatte sich am Donnerstag extra noch in einem Interview zu Wort gemeldet, in dem sie noch einmal voller Einsatzbereitschaft einen Konflikt zwischen Christentum und Islam herbeizureden versuchte. Die katholische Kirche in Deutschland, sagte Petry der „Stuttgarter Zeitung“, sei „verlogen“, weil die sich zu sehr um die Belange der mehrheitlich muslimischen Flüchtlinge kümmere, statt lieber mal zu überlegen, was man fürs Christentum tun könnte. „Inzwischen erheben einige Amtsträger der deutschen Kirchen ihre Stimme offenbar mehr für Muslime als für eigene Glaubensbrüder“, so Petry.

Doch als die katholischen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung im Kloster Schöntal (Baden-Württemberg) dann wenige Stunden später ihre bereits angekündigten „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ veröffentlichten, dürften Petry und ihre Anhänger enttäuscht gewesen sein. Selbst wenn derzeit ein Kampf der Kulturen drohte – die Bischöfe gehen jedenfalls nicht hin.

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Bistum Regensburg zahlte Opfern rund 400 000 Euro

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Die Katholische Kirche hat im Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen nach Informationen der „Welt am Sonntag“ (WamS) rund 400 000 Euro Entschädigungen gezahlt.

FOCUS ONLINE

Bis Anfang 2016 wurde dem Bericht zufolge mehr als 150 Mal ein Betrag von je 2500 Euro für Opfer körperlicher Gewalt ausgezahlt. Dazu kommen nach Angaben der „WamS“ noch Zahlungen für Opfer sexuellen Missbrauchs, die nach Informationen der Zeitung jeweils höher als 2500 Euro sein sollen. Der mit der Aufklärung der Missbrauchsfälle beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber war am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Weber hatte in seinem Zwischenbericht Anfang Januar mitgeteilt, dass nach bisherigen Recherchen von 1953 bis 1992 mindestens 231 Kinder von Priestern und Lehrern körperlich misshandelt worden seien, weitere 50 Schüler seien bei den Domspatzen Opfer sexueller Gewalt geworden – „von Streicheln bis zu Vergewaltigungen“, wie Weber sagte.

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Polens Apostel: „Unaufhaltsam – Europa wird muslimisch sein“

Er gilt als Liberaler: Kardinal Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau Foto: picture-alliance / i15/ZUMA Pres
Die neue konservativ-nationale Regierung spaltet die polnische Bevölkerung. Auch die katholische Kirche, Wagenburg der Gesellschaft, ist sich uneins. Hier streiten konservative und liberale Kräfte.

Von Gerhard Gnauck|DIE WELT

Eine neue Teilung Polens liegt in der Luft. Diesmal sind es weder Preußen noch Russen, die Soldaten schicken, um sich einen Teil des Landes unter den Nagel zu reißen. Diesmal verläuft die Teilung quer durch die Gesellschaft – und sogar durch jenes Organ, das sich immer noch als das Herz der Nation versteht: die mächtige katholische Kirche, der fast 90 Prozent der Polen angehören.

Als der Pole Johannes Paul II. die Weltkirche führte, da war in seiner Heimat die Welt noch in Ordnung. Der „Jahrtausendpapst“, wie ihn der „Spiegel“ betitelte, gab vor Polens EU-Beitrittsreferendum 2003 ein klares Votum ab: Die institutionell vereinte europäische Familie sei die Heimat auch seines Landes. Doch er hielt auch die Konservativen in der Geistlichkeit bei der Stange. Er war das einigende Band.

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