Polen und die „parteiische Kirche“

Trennung von Staat und Kirche? Wie in keinem anderen EU-Land beeinflusst die katholische Kirche die Politik in Polen: Verschärfung der Abtreibungsregeln, teilweise Rücknahme der verkaufsoffenen Sonntage und noch mehr. Eine gefährliche Verbindung von „Kirche, Polentum und Nation“.

Von Jens Mattern | evangelisch.de

„Die Bischöfe sind dabei, eine parteiische Kirche zu bilden“ dieser Vorwurf des emiritierten Weihbischofs Tadeusz Pieronek sorgte Anfang November in Polen für Unruhe. Der Geistliche glaubt, dass die katholische Kirche auf Seiten der regierenden Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) unter Premierministerin Beata Szydlo agiere und diese Parteinahme sei „die wohl die größte Gefahr für die Kirche.“

Das Episkopat reagierte betont gelassen, dies sei eine individuelle Meinung, zudem wäre der der 84-jährige Amtsbruder bereits in die Jahre gekommen.

Doch die Vorhaltung Pieroneks ist nicht neu, vor allem der liberale Teil Polens erhebt sie, nach Umfragen glauben 48 Prozent der Befragten, dass das Verhältnis zwischen Kirche und Regierungspartei „zu nahe“ sei. Und das Thema ist von Interesse – schließlich bekennen sich über 90 Prozent der Bevölkerung Polens zum römisch-katholischen Glauben. Die Katholische Kirche spielte dort in den Achziger Jahren als moralischer Beistand der Solidarnosc-Bewegung, welche schließlich 1989 die ersten halbwegs freien Wahlem im Ostblock erzwingen konnte, eine wichtige Rolle.

weiterlesen

Advertisements

Sozialverbände für nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen

Kirchen und Sozialverbände haben an die Politik appelliert, den Schutz von Frauen vor Gewalt zu verbessern. Die Diakonie wies am Donnerstag in Berlin auf flächendeckend fehlende Plätze in Frauenhäusern hin. Das Deutsche Institut für Menschenrechte forderte eine konkrete politische Strategie zum Gewaltschutz. Terre des Femmes und die katholische Kirche prangerten die Praxis der Genitalverstümmelung an. Am Samstag (25. November) findet der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt.

evangelisch.de

Die Diakonie Deutschland warnte, in Ballungsgebieten sei die Suche nach einem freien Platz in einem Frauenhaus inzwischen fast aussichtslos. Aber auch auf dem Land habe sich die Versorgung drastisch verschlechtert, erklärte Diakonie-Vorstand Maria Loheide. Viele Häuser müssten Frauen abweisen. Steigende Mieten und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum verschärften das Problem weiter.

Loheide rief den Bund auf, gemeinsam mit den Ländern und Kommunen auf einer bundesweit verbindlichen Rechtsgrundlage für eine ausreichende Zahl an Plätzen zu sorgen. Loheide forderte die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Schutz und Hilfe bei Gewalt: „Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind, müssen jederzeit unbürokratisch Schutz und Hilfe in einem Frauenhaus erhalten.“

weiterlesen

Irland: Konfessioneller Glaubensunterricht in staatlichen Grundschulen wird abgeschafft

Themenbild.

In Irland dominiert die katholische Kirche den Bildungsbereich. Sogar an staatlichen Schulen durfte sie bislang Kindern Unterricht im Glauben erteilen. Das soll sich nach dem Willen der zuständigen Schulbehörde nun ändern.

Von Daniela Wakonigg | hpd.de

Über 90% der Grundschulen in Irland stehen in kirchlicher Trägerschaft – obwohl sie vom Staat finanziert werden. Als Gegengewicht zur Vormachtstellung insbesondere der katholischen Kirche im Bildungssektor werden seit 2008 sogenannte Community National Schools (Nationale Gemeinschaftsschulen) in staatlicher Trägerschaft etabliert.

Community National Schools verstehen sich laut dem irischen Bildungsminister Richard Bruton als „multi-konfessionelle Schulen, die alle Glaubensrichtungen willkommen heißen und eine Atmosphäre schaffen, in der der Glauben respektiert wird ohne irgendeinen speziellen Glauben zu fördern“. Dieser Aufgabe entsprechend bieten die staatlichen Grundschulen einen multi-religiösen Gemeinschaftsunterricht für alle Schüler an. Sofern Eltern den Unterricht ihrer Kinder in einer bestimmten Religion wünschten, war bisher allerdings auch dieser erlaubt. In der Praxis betraf dies vor allem katholische Schüler. Nicht zuletzt, weil der Staat Irland der katholischen Kirche bei Gründung der Community National Schools zugesichert hatte, dass sie dort katholischen Schülern dieselbe religiöse Ausbildung anbieten dürfe wie an katholischen Schulen. Zuvor hatte die katholische Kirche gedroht, dem neuen Schulmodell widrigenfalls die Unterstützung zu verweigern.

weiterlesen

Papst: Kirche spät dran mit Aufklärung von Missbrauch

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus hat eingeräumt, dass die katholische Kirche die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen einige Zeit verschlafen hat.

ZEIT ONLINE

„Die Kirche ist ein bisschen spät angekommen“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei einem Treffen mit der päpstlichen Kinderschutzkommission laut Radio Vatikan. Die alte Praxis, Täter zu versetzen, habe „das Bewusstsein etwas eingeschläfert“, zitierten ihn zudem italienische Nachrichtenagenturen. 2014 hatte der Papst die Kinderschutzkommission  ins Leben gerufen.

Missbrauchsstudie: „Zölibat ein begünstigender Faktor“

Australische Wissenschaftler haben eine Studie über die Ursachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche veröffentlicht. Darin habe man umfassend untersucht, ob es Gründe für sexuellen Missbrauch gibt, die im Gesamtsystem der katholischen Kirche weltweit begründet sind – also „systemische Ursachen“, heißt es in der von der RMIT University in Melbourne veröffentlichten Mitteilung.

Radio Vatikan

Zwei Gründe für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sehen die beiden Autoren Peter Wilkinson und Desmond Cahil im Zölibat und der großen Zahl der von der Kirche betriebenen Waisenhäuser. „Kinder (…) in Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen sind einem Risiko ausgesetzt, wenn psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende, einschließlich Priester und Ordensleute, zu ihnen Zugang haben“, heißt es in dem Bericht. Zudem weisen die Autoren auf eine niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen hin, in denen Priester heiraten dürfen.

weiterlesen

Von italienischen Soldaten und Domspatzen

In der Samstagsausgabe des „Osservatore Romano“, der amtlichen Tageszeitung des apostolischen Stuhls, setzt man sich mit dem Abschlussbericht des Sonderermittlers, zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen, auseinander.

Die Autorin des Artikels,Lucetta Scaraffia, Historikerin und Mitglied des nationalen italienischen Bioethik-Komitees schreibt

„Die Angewohnheit, die katholische Kirche als Quelle aller Übel zu bezeichnen, ist schon Teil der Alltagserfahrung und bereitet die öffentliche Meinung darauf vor, das für normal zu halten“

Es gäbe eine extreme Strenge gegenüber der Institution Kirche. Als Beispiel für das Gesagte führt Scaraffia uns in das Jahr 1980. Das italienische Militär wurde durch einen Skandal, Aufnahmerituale in einer römischen Kaserne mit sexueller Gewalt, erschüttert. Ein kürzlich publizierter Bericht hatte keine öffentliche Empörung ausgelöst.

Unstrittig ist, solche Aktionen kommen vor, nicht nur in der italienischen sondern auch in der deutschen Armee. Die Konsequenzen sind aber andere. Mit Bekanntwerden derartiger Vorfälle wird in der Regel die zuständige Staatsanwaltschaft eingeschaltet, welche die Sachverhalte hinsichtlich ihrer strafrechtlichen Relevanz prüft. Selbst wenn die strafrechtliche Relevanz nicht gegeben sein sollte kommen immer noch disziplinarrechtliche und personelle Konsequenzen zum tragen. Vorgesetzte, die Ereignisse solcher Art vertuschen helfen sind die längste Zeit Vorgesetzte gewesen.

Und nun zu den Domspatzen, ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen in der italienischen Armee und den Domspatzen gibt es nicht und ist wohl auch nicht die Intention der Autorin, es ist der unredliche Versuch die katholische Kirche weiß zu waschen. Gewalt bei den Domspatzen, einschließlich des sexuellen Missbrauchs ging von kirchlichen Würdenträgern aus. Priestern, die im dreistufigen Weihesakrament der katholischen Kirche zwischen Diakon und Bischof stehen. In der Nachfolge der Apostel ist die Aufgabe des Priesters die Verkündigung des Evangeliums und die Spendung der Sakramente, insbesondere die Leitung der Eucharistiefeier. Der Priester handelt dabei „in persona Christi“. Die Weihe verleiht also eine besondere Verbundenheit mit Christus.  Der erste Unterschied zwischen den Vorkommnissen in der italienischen Armee und den Domspatzen liegt im Alter der Beteiligten, Soldaten sind in der Regel volljährig, die Chorknaben des Bistums Regensburg waren Kinder, Jugendliche, die der Gewalt eines Würdenträgers ausgesetzt waren. Handelte der Priester, Chorleiter im Namen Jesu um seine cholerischen Neurosen zu pflegen und ist „Kinder ficken“ ebenso sanktioniert? Erwachsenen ist schnell klar, das die Antwort nein lautet, bei Kindern sind solche Kenntnisse nicht unbedingt gegeben. Ein Stühle werfender Apostolischer Protonotar, der zu päpstlichen Familie gehört, noch dazu  Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist eine Respektsperson, in Deutschland spricht man solche Leute mit „Hochwürdigster Herr Prälat“ an, solcher Firlefanz vergangener Zeiten würde mir nicht über die Lippen kommen, es gibt ja immer noch Zeitgenossen die sich in der Vergangenheit wohl fühlen.

Zweitens die katholische Kirche, die unfähig ist den Missbrauchsskandal aufzuarbeiten, sich aber tagtäglich neu als moralische Instanz generiert, hat versagt. Die angeblich verkündete Liebe des Gottessohns entpuppt sich bei geweihten Priestern als Deckmantel für Choleriker und und sexuellen Fantasien, die man mit Kindern und Jugendlichen auslebt. Das Versagen ist institutionell und trennt die Kirche von Gewalt im weltlichen Leben. Die Kirche selbst beansprucht für sich naturrechtlich über der Welt zustehen. Politische Konsequenzen muss sie dennoch nicht befürchten, die Politik schweigt und alle Entscheidungsträger der Kirche gehen zur Beichte und sind mit ihrem Gott wieder im Reinen.
Es darf weiter verarscht werden.

 

Die katholische Kirche muss sich reformieren

Themenbild
Wo sich die Lebenswelt der Menschen immer mehr dynamisiert, scheint die katholische Kirche immer abgehobener. Nur schon was die Menschenrechte ihrer Mitglieder betrifft, drängen sich Reformen auf.

Von Heribert Franz Köck | Neue Zürcher Zeitung

Die «Neue Zürcher Zeitung» hat am 12. Juni eine Leserdebatte zum Thema «Wie gelingt eine Modernisierung der katholischen Kirche, ohne dass diese daran zerbricht?» angestossen. Das Thema ist von hohem Interesse, betrifft es doch zwei wichtige Fragen der Kirchenreform-Debatte: Droht bei einer «Modernisierung» der katholischen Kirche eine Kirchenspaltung? Und: Müsste wegen einer drohenden Kirchenspaltung die angestrebte «Modernisierung» der katholischen Kirche unterbleiben?

Innerkirchliche Reformbewegungen verwenden Schlagworte wie «Modernisierung» ungern, um Gegen-Schlagworten wie «Keine Anpassung an den Zeitgeist!» oder «Ewige Wahrheiten kann man nicht ‹modernisieren›!» nicht unnötig Vorschub zu leisten. Natürlich birgt jede Kirchenreform auch eine «Modernisierung» in sich; diese besteht aber darin, die kirchliche Lehre und das kirchliche Recht, die sich beide vor einem früheren Erkenntnis- und Verständnishorizont herausgebildet haben, unter veränderten Gegebenheiten neu zu interpretieren und in ihrer Aussage beziehungsweise Regelung der neuen Situation anzupassen. Dabei kann dieses Neue auch ein Rückgriff auf etwas Altes, aber zu Unrecht Verschüttetes sein.

weiterlesen

Ehe für alle“: Weiter Debatte über Gang nach Karlsruhe

Befürworter und Gegner der „Ehe für alle“ debattieren darüber, ob für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben eine Grundgesetzänderung notwendig ist. Die katholische Kirche hofft auf eine Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht.

evangelisch.de

Einen Tag vor der Bundesratssitzung am Freitag haben Befürworter und Gegner der „Ehe für alle“ ihre Positionen bekräftigt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ (Online: Donnerstag/ Print: Freitag), eine Grundgesetzänderung sei nicht notwendig, um die Ehe für homosexuelle Paare zu öffnen. Bayern kündigte an, eine Verfassungsklage prüfen zu wollen. Die katholische Kirche hofft auf ein Verfahren in Karlsruhe.

Maas sieht im Verfassungsgebot zum Schutz der Ehe keinen Widerspruch zur „Ehe für alle“. Der Ehebegriff habe sich gewandelt, argumentiert der SPD-Politiker. Die Ehe sei heute die dauerhafte Lebensgemeinschaft zweier Menschen beliebigen Geschlechts. Zur Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers gehöre auch die Festlegung, wer eine Ehe eingehen könne, solange er den vom Grundgesetz gebotenen Schutzauftrag nicht verletze.

weiterlesen

Spahn: Kirche soll sich aus Politik heraushalten

Spahn auf dem CDU-Parteitag 2014. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de – Olaf Kosinsky
Der CDU-Politiker Jens Spahn ist katholisch, doch er ist mit seiner Kirche nicht zufrieden. Sie mische sich zu viel in die Tagespolitik ein. Auch eine weitere Religion kritisiert Spahn.

katholisch.de

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat seine Forderung an die Kirchen bekräftigt, sich mehr aus der Tagespolitik herauszuhalten. „Ich nehme sie an den falschen Stellen sehr offensiv wahr“, sagte er im Interview der Bistumszeitung „Kirche+Leben“ aus Münster (Sonntag) und verwies auf kirchliche Stellungnahmen zu Hartz-IV- und Steuersätzen oder zur Flüchtlingspolitik.

Spahn: Kirchen sollen in Glaubensfragen Orientierung geben

Laut Spahn fehlt bei den Flüchtlings-Appellen deutscher Bischöfe meist der von Papst Franziskus erwähnte Aspekt, dass sich eine Gesellschaft durch zu viele Schutzsuchende auch überfordern könne.

weiterlesen

Hitlergrüße und Hakenkreuze: Bei einer Nazi-Gedenkfeier der katholischen Kirche

Bild: Christopher Glanzl VICE.com
Am Samstag haben in Österreich 10.000 Menschen am wahrscheinlich größten Neonazitreffen Europas teilgenommen – unter dem Deckmantel einer kirchlichen Prozession.

Von Paul Donnerbauer | VICE.com

„Sehr geehrte Wallfahrer und Bewahrer des Andenkens an die Opfer der Bleiburger Tragödie“ – so beginnt das auf Deutsch und Kroatisch verfasste Informationsblatt, das mir am Eingang zum Loibacher Friedhof von einem durchtrainierten Security in orangefarbener Warnweste in die Hand gedrückt wird. Es soll mich an die Einhaltung der österreichischen Gesetze erinnern.

Auch dieses Jahr finden sich wieder tausende Besucherinnen und Besucher aus Deutschland, Kroatien, Österreich und anderen Teilen Europas in dem etwa drei Kilometer von Bleiburg entfernten Dorf an der österreich-slowenischen Grenze ein. Ihre Mission: Sie wollen den von Partisanen getöteten SS-Soldaten der Wehrmacht und der faschistischen Ustaša-Armee gedenken.

weiterlesen

Dürfen Frauen Priesterinnen werden?

Die Autorin und Theologin Jacqueline Straub und der Publizist Andreas Püttmann (Meli Straub )
Die Rolle der Frau in der katholischen Kirche wird leidenschaftlich diskutiert. Vor allem die Frage, ob Frauen Priesterinnen sein können, erhitzt die Gemüter in der Kirche. „Es braucht Priesterinnen in der katholischen Kirche“, fordert die Theologin Jacqueline Straub. „Keine Frauenordination“, betont dagegen der Publizist Andreas Püttmann.

Moderation: Christiane Florin | Deutschlandfunk

Jacqueline Straub, Autorin und Theologin die Priesterin werden möchte:

„Ja, es braucht Priesterinnen in der katholischen Kirche, weil Jesus Christus schon damals die Frauen zuerst aufgefordert hat, die Auferstehungsbotschaft in die ganze Welt zu verkünden. Und Paulus hat auch die Taufe höher bewertet als das Geschlecht. Das sieht man daran, dass in der Urkirche Frauen die gleichen Möglichkeiten hatten wie die Männer und auch in der Mission und in der Seelsorge tätig waren. Die katholische Kirche hat im Zweiten Vatikanischen Konzil in „Lumen gentium“ den Grundsatz der Rechtsgleichheit verankert, also Mann und Frau auf die gleiche Stufe gestellt. Frauen sollten Priesterin in der katholischen Kirche werden, weil es dem Evangelium entspricht und weil es ein großes Unrecht ist und ein Verstoß gegen die fundamentale Gleichheit aller, wenn jemand nur aufgrund seines Geschlechts nicht in die Lage kommt, zur Priesterin geweiht zu werden.“

Andreas Püttmann, Publizist und Politikwissenschaftler:

„Nein, die Kirche ist keine rein menschliche Organisation, die sich zu einer je neuen Zeit neue Regeln gibt nach eigenem Gusto oder eigenen Gerechtigkeitsvorstellungen, sondern auch eine übernatürliche Stiftung und Wirklichkeit. Es gibt ein Mitspracherecht der uns vorausgegangenen Generationen von Christen und da ist der Befund ziemlich klar: Keine Frauenordination, außer in Ausnahmefällen, nicht in der römisch-katholischen Kirche, nicht in der Orthodoxie, nicht in der Selbständig-Evangelisch Lutherischen Kirche, nicht in den meisten evangelikalen Freikirchen. Also ein überwältigendes Zeugnis Contra. Und es entspricht auch der Vorstellung der allermeisten Christen, keine Vollmacht von Jesus zu haben, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, obwohl er revolutionär war im Frauenbild. Er hat zwölf Männer ausgewählt beim letzten Abendmahl, wo die Eucharistie eingesetzt wurde.“

weiterlesen

Ö: Neues Versammlungsrecht betrifft auch Kirche – die will Ausnahmen für sich

Karlskirche in Wien – AFP
Die katholische Kirche in Österreich möchte eine Ausnahmestellung im reformierten Versammlungsrecht.

Radio Vatikan

In einem Entwurf des Gesetzes, das am 20. April im Innenausschuss des Parlaments verhandelt wird, heißt es, dass bei beabsichtigter Teilnahme eines Vertreters eines ausländischen Staates oder einer internationalen Organisation Versammlungen eine Woche vorab gemeldet werden müssen. Das beträfe etwa den Nuntius, also den Botschafter des Papstes, und Vertreter weltweiter Kirchlicher Organisationen.

Das Generalsekretariat der Bischofskonferenz geht in seiner Stellungnahme davon aus, dass Versammlungen mit kirchlichem Bezug von den Bestimmungen des Gesetzes ausgenommen sind.

weiterlesen

Mexikos Kirche gesteht Schutz von Missbrauchstätern ein

Generalsekretär der Bischofskonferenz, Miranda Guardiola: Betroffene Kinder „Märtyrer“, die „Verfolgung innerhalb der Kirche“ erlitten haben – Kirche will Straflosigkeit aufbrechen

kath.net

Erstmals hat die katholische Kirche in Mexiko öffentlich wiederholtes Fehlverhalten von Bischöfen im Umgang mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen durch Priester eingestanden. Betroffene Kinder seien „Märtyrer unserer Zeit“, die Verfolgung innerhalb der Kirche erlitten hätten, sagte Alfonso Miranda Guardiola, der Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz, laut Angaben der Tageszeitung „Milenio“ bei einer nationalen Gebetsaktion für Missbrauchsopfer am Mittwoch (Ortszeit). Die Kirche entschuldige sich für die Verbrechen, nehme die volle Verantwortung dafür auf sich und fordere eine Bestrafung der Täter.

weiterlesen

Unterschiedlicher Umgang mit sexuellem Missbrauch in Religionsgemeinschaften

Nach den Missbrauchs-Skandalen in der Katholischen Kirche in Irland und den USA wurden seit 2010 auch in Deutschland Sexualdelikte in katholischen Einrichtungen in größerem Umfang bekannt. Im Unterschied zu den Vereinigten Staaten oder Irland ging der Anstoß für eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland jedoch von dem Leiter einer kirchlichen Institution aus, dem Jesuiten Klaus Mertes, bis 2011 Rektor des Berliner Canisius-Kollegs.

Von Dr. Michael Utsch | EZW

Als eine Folge der Aufarbeitung dunkler Seiten ihrer Geschichte hat die Deutsche Bischofskonferenz 2015 eine Arbeitsgruppe für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes eingerichtet. Zudem wurde eine externe Experten-Kommission mit der wissenschaftlichen Erforschung dieser Verbrechen beauftragt. In Einzelgesprächen mit 150 Opfern und 70 Tätern sowie durch die Sichtung ausgewählter kirchlicher Personalakten wollen die Forscher herausfinden, wie es zu Missbrauchsfällen durch Geistliche und andere kirchliche Mitarbeiter kommen konnte. Das Projekt kostet die Bischofskonferenz knapp eine Million Euro, die Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres vorliegen.

2016 wurde darüber hinaus eine Vereinbarung mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung geschlossen, um Opfer angemessen zu entschädigen und Kinder und Jugendliche in der Kirche wirksamer vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Dazu wurden in den Diözesen Stabsstellen für Prävention eingerichtet und die kirchlichen Richtlinien gegen Missbrauch und Gewalt überarbeitet. Künftig müssen alle Mitarbeiter eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, mit der sie ihre Mitverantwortung für ein gewaltfreies Miteinander in der Kirche dokumentieren. Auch die Priesterausbildung wird weltweit überarbeitet. Schon seit einigen Jahren durchläuft jeder Priesteramtsanwärter ein psychologisches Auswahlverfahren, bei dem seine Eignung für ein zölibatäres Leben überprüft wird.

Bisherige Studien über sexuellen Missbrauch in Religionsgemeinschaften zeigen, dass streng hierarchische Machtstrukturen das Ausleben von Machtgefühlen von Tätern begünstigen. Die Strukturen und Dynamiken einer geschlossenen Gruppe bieten darüber hinaus einen Schutzraum, der relativ leicht auszunutzen ist. Die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen hat seit Jahren mit Vorwürfen zu kämpfen, Missbrauchsvorfälle in ihren Reihen zu vertuschen. Besonders gravierend scheinen lange zurück liegende Ereignisse bei Jehovas Zeugen in Australien zu sein.

Auch dort arbeiten staatliche Behörden seit einigen Jahren an der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in Religionsgemeinschaften. Vor dem staatlichen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Umgangs mit Missbrauchsfällen hat ein Vertreter der Zeugen Jehovas in Australien die systematische Vernichtung von Dokumenten über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger eingeräumt. Andere Fälle sind nur intern behandelt worden, ohne die mutmaßlichen Täter bei der Polizei anzuzeigen.

Durch die Kommission sind viele Skandale innerhalb dieser und anderer Religionsgemeinschaften aus früheren Zeiten ans Licht gekommen. Die katholischen Bischöfe Australiens räumten dabei ein katastrophales Versagen im Umgang mit Verdachtsfällen ein und haben ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Verbesserung auf den Weg gebracht.

Dagegen haben Jehovas Zeugen zwar einige Empfehlungen angenommen, um eine größere Transparenz zu gewährleisten. An der sog. „Zwei-Zeugen-Regel“ wollen sie allerdings weiter festhalten, wie ein Sprecher der Gemeinschaft kürzlich vor der Kommission bestätigte. Diese Regel stammt aus der internen Ethikrichtlinie und sieht vor, dass einem Fehlverhalten, das den Ältesten der Gemeinschaft angezeigt wird, nur dann nachgegangen wird, wenn zwei Zeugen dies belegen können. Auch ein Missbrauchsvorwurf wird also nur dann überprüft, wenn zwei Zeugen dabei waren und dies bestätigen.

Die australischen Richter sind erschüttert darüber, dass die Organisation realitätsfremd an ihren Richtlinien festhält, auch wenn es um Kindesmissbrauch geht, der in der Regel versteckt verübt werde. Sie halten die Richtlinien der Zeugen Jehovas für den Umgang mit sexuellem Missbrauch für völlig unangemessen und unpassend. Die Beibehaltung überholter Richtlinien zeigt, wie wenig Verständnis und Sensibilität bei Jehovas Zeugen für das Wesen dieser zerstörerischen Straftat besteht.

Katholische Exorzisten warnen vor Trump-Verfluchungen durch Hexen

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist
Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

Exorzisten aus der katholischen Kirche haben davor gewarnt, US-Präsidenten Donald Trump zu verhexen und zu verfluchen

kath.net

Exorzisten aus der katholischen Kirche haben davor gewarnt, US-Präsidenten Donald Trump zu verhexen und zu verfluchen. Genau das ist vor wenigen Tagen auf Facebook durch verschiedene Hexen und Magier passiert. Pater Vincent Lampert, Priester und Exorzist aus dem US- Bundesstaat Indiana, warnt gegenüber CNA davor, den neuen US- Präsidenten mit einem Bann zu belegen wie die „Krone“ berichtet. Man sollte sich von derartigem Hokuspokus fernhalten: „Flüche können eine große Macht bekommen, aber diese Macht kommt nicht von Gott!“ Wer eine andere Macht als die des Herrn erbitte, der begebe sich zwangsläufig auf die Seite des Bösen.

weiterlesen

Irische Ermittler finden Massengrab von Kleinkindern

 Der Eingang zu der Stätte im westirischen Tuam, an der Hunderte Kinder begraben liegen. (Foto: REUTERS)
Der Eingang zu der Stätte im westirischen Tuam, an der Hunderte Kinder begraben liegen. (Foto: REUTERS)
  • In der Stadt Tuam in Nordirland haben Forensiker ein Massengrab von Hunderten Kindern entdeckt.
  • Die Überreste der Säuglinge und Kleinkinder lagen auf dem Gelände eines Mutter-Kind-Heims, das die katholische Kirche bis 1961 betrieben hatte.
  • Die Untersuchungskommission und Irlands Kinderbeauftragte zeigten sich schockiert von dem Fund.

Süddeutsche.de

Gerichtsmediziner haben im nordirischen Tuam ein Massengrab mit den sterblichen Überresten von fast 800 Säuglingen und Kleinkindern gefunden. Auf dem Gelände eines Mutter-Kind-Heims, das die katholische Kirche bis 1961 betrieben hatte, fanden die Forensiker bei Ausgrabungen eine unterirdische Struktur mit 20 abgeteilten Kammern, die nach Angaben einer Untersuchungskommission „eine bedeutende Anzahl menschlicher Überreste“ enthielt. DNA-Analysen ergaben, dass sie von Föten ab der 35. Schwangerschaftswoche bis zu hin zu dreijährigen Kleinkindern stammen müssen.

weiterlesen

Kirchlicher Moralismus ist ein Bumerang

missbrauch

„Die katholische Kirche hat immer weniger die Auferstehung von den Toten verkündet und dafür Abstimmungsempfehlungen abgegeben, zum Beispiel über Verkaufszeiten von Tiefkühlpizzas an Tankstellen.“ Gastkommentar von Generalvikar Martin Grichting

kath.net

Wieder steht die katholische Kirche wegen Missbrauchsskandalen am Pranger. Das kommt nicht nur daher, dass ihre Ordensgemeinschaften lange im Erziehungswesen engagiert waren und Täter dies ausnutzen konnten. Staatliche Bildungseinrichtungen, Sportverbände und Behindertenorganisationen hatten auch Leichen im Keller. Die katholische Kirche wird aber zu Recht härter kritisiert, weil sie in letzter Zeit allzu sehr als Moralinstanz aufgetreten ist und an andere hohe moralische Massstäbe angelegt hat. Sie hat immer weniger die Auferstehung von den Toten verkündet und dafür Abstimmungsempfehlungen abgegeben, zum Beispiel über Verkaufszeiten von Tiefkühlpizzas an Tankstellen. Und sie hat es als ihre Aufgabe angesehen, alle zum achtsamen linksgrünen Leben zu führen. Das war hochgradiger Moralismus. Und je höher man fliegt, desto brutaler ist dann der Absturz.

weiterlesen

Australien: Kirche zahlte 190 Millionen an Missbrauchsopfer

missbrauch

Australiens katholische Kirche hat in den vergangenen Jahrzehnten umgerechnet mehr als 190 Millionen Euro an Tausende Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche gezahlt.

religion.ORF.at

m Durchschnitt bekam jedes Opfer 91.000 australische Dollar (etwa 66.000 Euro) – meist allerdings mit vielen Jahren Verspätung. Das wurde am Donnerstag bei Beratungen einer offiziellen Untersuchungskommission bekannt, die die Missbrauchsvorwürfe aufarbeiten soll.

Behandlungen und Anwaltskosten

Insgesamt zahlte die Kirche seit 1980 etwa 276 Millionen australische Dollar aus – als Entschädigung, aber auch für ärztliche Behandlungen und Anwaltskosten. 4.445 Frauen und Männer haben bisher gemeldet, dass sie als Kinder von katholischen Geistlichen missbraucht worden seien. Die Dunkelziffer liegt vermutlich viel höher. In mehr als 3.000 Fällen wurde Geld überwiesen. Mehrere hundert Fälle sind aber auch noch offen.

weiterlesen

Kindesmissbrauch in Australien: Vatikan verweigert Unterlagen

missbrauch

In der katholischen Kirche Australiens soll es massiven Kindesmissbrauch gegeben haben: Sieben Prozent aller Priester sind einem Bericht nach Täter.

Von Urs Wälterlin | taz.de

„Als Katholiken müssen wir unsere Köpfe in Scham senken“, so reagierte Francis Sullivan, einer der Vertreter der Kirche, auf die Zahlen, die eine von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission jetzt veröffentlicht hat. Zwischen 1950 und 2015 hätten durchschnittlich sieben Prozent aller katholischen Priester Kinder sexuell missbraucht, heißt es darin. In einigen Diözesen seien es 15 Prozent gewesen. In einzelnen Orden wie dem bekannten St John of God Brothers hätten sich gar bis zu 40 Prozent der Glaubensbrüder des Missbrauchs schuldig gemacht.

Die seit vier Jahren laufende Untersuchung ist einer von mehreren Versuchen, die in der katholischen Kirche Australiens offenbar endemische Schändung von Jungen und Mädchen aufzuarbeiten. Die Kommission hatte Hunderte von Überlebenden interviewt. Dabei wurden fast 4.500 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern in mehr als 1.000 kirchlichen Institutionen dokumentiert.

weiterlesen

Die wichtigsten Reformatoren: Erasmus von Rotterdam (1466-1536)

Porträt des Erasmus von Hans Holbein dem Jüngeren (1523). Bild: wikimedia.org/PD
Porträt des Erasmus von Hans Holbein dem Jüngeren (1523). Bild: wikimedia.org/PD

Der niederländische Humanist und Kosmopolit setzte sich für Reformen in der katholischen Kirche ein – und wurde zugleich zu einem scharfen Kritiker von Martin Luthers radikalen Thesen.

Von Benjamin Dürr | evangelisch.de

Aus Versehen hilft Erasmus bei der Spaltung der Kirche. Es ist 1516 und Desiderius Erasmus veröffentlicht ein weiteres Buch: „Novum Instrumentum omne“, die erste Ausgabe des Neuen Testaments auf Griechisch.

Schon das Titelblatt sorgt für Aufsehen. Erasmus und sein Basler Verleger Johann Froben haben „Testamentum“ durch „Instrumentum“ ersetzt – also „Neues Werk“ statt „Neuer Bund“. Für sie ist es ein Ausdruck von Modernisierung. Der Text soll dem Wort Jesu näher sein als die damals gebräuchliche lateinische Version.

Text-Analyse der Heligen Schrift

Erasmus wendet die Text-Analyse auf die Heilige Schrift an, wie es seine Kollegen bei antiken Schriften tun. Eine unerhörte Idee. Auch unter seinen Weggefährten sind seine Methoden umstritten, gefährden sie doch die traditionelle Auslegung, den Glauben und die Stabilität der Kirche. Mit seinem Basler Verleger aber setzt er sich durch.

weiterlesen