Wie sich Gott und die Wissenschaft vertragen

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Verhältnis von Religion und Wissenschaft ist nicht immer ohne Probleme. Auf den Universitäten macht sich das Spannungsfeld vor allem in den theologischen Studien bemerkbar – bei den Inhalten und bei der Personalauswahl.

Von Erich Kocina | Die Presse.com

Glauben gehört in die Kirche, Wissen auf die Universität – es wäre ein grobe Vereinfachung, diesen Satz einfach so stehen zu lassen. Doch tatsächlich stehen Religion und Wissenschaft in einem gewissen Spannungsfeld. Dann nämlich, wenn es um das Verhältnis der beiden zueinander geht. Wie sehr soll etwa die Religion in einer wissenschaftlichen Einrichtung mitbestimmen können? Eine Frage, die sich vor allem bei den theologischen Studien stellt – und genau darüber wird heute, Mittwoch, auch in Alpbach diskutiert. Vertreter von Universitäten, Religionsgemeinschaften und Bund sprechen über „Universitätsautonomie und Theologien“.

Nur ist die Theologie überhaupt eine Wissenschaft? „Natürlich“, sagt Oliver Henhapel, Leiter des Kultusamts im Bundeskanzleramt. „Letztlich geht es um Textinterpretation und historische Interpretation.“ Und natürlich haben theologische Studien auch eine spirituelle Dimension. Relevanter sei aber die Frage, wie sich die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Religion gegenüberstehen. Praktisch herunterbrechen lässt sich das auf die Frage der Autonomie, die die Theologie an der Uni von ihrer Religionsgesellschaft hat bzw. wie stark sie an sie rückgebunden ist.

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Katholiken gehen die Priester aus

Drei Priesteranwärter im Münster in Freiburg, Archivbild von 2010 (Foto: picture alliance / dpa)
  • Die katholische Kirche in Deutschlands steht vor einem dramatischen Priestermangel.
  • Manche Priester-Ausbilder hoffen auf einen „Franziskus-Effekt“ – dass der populäre Papst also den Priesterberuf für junge Katholiken interessanter macht.
  • Deutsche Bistümer reagieren auf den Priestermangel meist, indem sie Gemeinden zusammenlegen oder Priester aus dem Ausland anwerben.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Noch nie haben sich in Deutschland so wenige Männer zu katholischen Priestern weihen lassen wie im vergangenen Jahr. Den Zahlen der katholischen Bischofskonferenz zufolge gab es in den 27 deutschen Bistümern 2015 insgesamt 58 Priesterweihen; 2014 waren es noch 75 gewesen, 2013 sogar 98. 1990 hatte die Zahl der neuen Priester noch 295 betragen. Die katholische Kirche Deutschlands steht damit vor einem dramatischen Priestermangel: 2015 starben nach Angaben der Bischofskonferenz 309 Priester, 19 gaben ihr Amt auf. 1990 gab es noch fast 20 000 katholische Geistliche, jetzt sind es 14 000.

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„Kirche braucht keine Bürokraten“ – weniger reden, tun

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Die katholische Kirche soll sich nach Worten von Papst Franziskus nicht durch Ängste bremsen lassen. Sie benötige die Hilfe des Heiligen Geistes, um „Angst und Kalkulationen“ zu überwinden, sagte er am Sonntag auf dem Petersplatz.

katholisch.de

Er ermutigte die Gläubigen zudem, auch mal etwas zu riskieren. „Die Kirche braucht keine Bürokraten und fleißigen Funktionäre, sondern leidenschaftliche Missionare.“ Der Heilige Geist könne die Herzen von Egoismus und Sünden befreien, so dass die Menschen Flüchtlingen, Armen und anderen Leidenden beistehen könnten. Angesichts von materieller und spiritueller Armut sei die Kirche in der heutigen Zeit mehr als je zuvor auf „Priester, Ordensleute und gläubige Laien mit dem aufmerksamen Blick des Apostels“ angewiesen. Nicht selten setzten diese für ihren Glauben auch ihr Leben aufs Spiel. Franziskus erinnerte an den heiligen Maximilian Kolbe (1894-1941), dessen Todestag sich am Sonntag zum 75. Mal jährte. Der polnische Franziskaner war im deutschen NS-Vernichtungslager Auschwitz im Austausch für einen Familienvater gestorben.

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Hochzeit nach Scheidung: Darf die Kirche dann kündigen?

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Eine geschiedener Arzt heiratet wieder – und ist seinen Job los. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Und wenn die katholische Kirche der Arbeitgeber ist, ist das sogar rechtens. Das Bundesverfassungsgericht soll klären, ob das so bleiben kann. Fragen und Antworten zum Fall.

stern.de

Kann eine zweite Heirat nach einer Scheidung ein Kündigungsgrund sein? Ja, im Fall des Chefarztes eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf ist das passiert. Das Bundesarbeitgericht in Erfurt verhandelt an diesem Donnerstag die Kündigungsschutzklage – bereits zum zweiten Mal.

Was ist die Besonderheit dieses Falls?

Der Mann ist seit dem Jahr 2000 als Chefarzt in einem katholischen Krankenhaus in Düsseldorf beschäftigt. Er ist damit Angestellter einer kirchlichen Einrichtung. Sein Dienstvertrag basiert auf einer vom Erzbistum Köln erlassenen Grundordnung, nach der von den Mitarbeitern die Anerkennung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre erwartet wird.

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„Ein Drittel sind schwere Sexualdelikte“

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Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Welche Persönlichkeit und Hintergründe haben die Täter, wer sind die Opfer? Ein Interview mit Professor Dreßing über die Zwischenergebnisse seines Forschungsprojektes.

Von Cornelia Stenull | SWR

Die katholische Kirche arbeitet zusammen mit Wissenschaftlern des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) daran, den Missbrauch durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter aufzuklären. Jetzt hat sie Zwischenergebnisse zu den Hintergründen der Missbrauchsfälle veröffentlicht. SWR-Redakteurin Vanja Weingart hat mit Professor Harald Dreßing vom ZI gesprochen.

SWR: Herr Dreßing, fast 80 Prozent der Opfer sind männlich. Ist das für Sie ein überraschendes Ergebnis?

Professor Dreßing: Das ist ein Ergebnis, was sich zumindest von anderen Befunden des sexuellen Missbrauchs in anderen Kontexten abhebt. Wenn man sexuellen Missbrauch im Bereich der Familie oder in anderen Institutionen anschaut, sind überwiegend Mädchen betroffen. Und im Bereich der katholischen Kirche ist das ein sehr harter Befund, der einzigartig dasteht.

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Katholische Kirche: Die meisten Opfer sind Jungen

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Ein Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche liefert erste Ergebnisse. Bei einem Drittel der Taten liegt demzufolge eine „erhebliche Schwere“ vor.

Frankfurter Allgemeine

Nach dem ersten Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im großen Ausmaß in der katholischen Kirche im Jahr 2010 liegen nun Teilergebnisse eines Forschungsprojekts zu Ursachen und Ausmaß vor. Forscher stellten bei Geistlichen als Tätern unter anderem emotionale und sexuelle Unreife, Persönlichkeitsstörungen und Pädophilie fest.

Aus einer Metaanalyse bereits vorhandener Studien haben sie Aussagen zu Täter- und Opferstruktur gewonnen. Wesentliche Teile des Forschungsprojekts, darunter die geplante umfangreiche Aufarbeitung von Akten aus deutschen Bistümern, sind aber gerade erst angelaufen. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die 27 Diözesen haben die umfangreiche Studie in Auftrag gegeben, um Umfang und Hintergründe sexuellen Missbrauchs in der Kirche aufzuklären.

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Atheismus: Der Feind fehlt

Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (Deutschlandradio / Michael Borgers)
In Italien ist die katholische Kirche noch immer einflussreich, aber die Zahl der Gläubigen geht zurück. Die organisierten und politisch aktiven Atheisten werden allerdings ebenfalls weniger. Radikale Kirchenfeindlichkeit kommt nicht mehr gut an, mancher atheistische Kirchenkritiker ist zum Papstfan geworden. Es bilden sich überraschende Allianzen.

Von Thomas Migge | Deutschlandfunk

„Ich denke, dass es in diesem Land leider immer noch unerlässlich ist, über bestimmte Anomalien nachzudenken, die typisch für Italien sind und die wir bekämpfen. Das Kruzifix in den Schulklassen ist ein Unding, denn unsere Verfassung ist laizistisch. Auch die Pflichtlehrstunde Religion gehört abgeschafft, unterrichtet doch ein Lehrer, der nicht vom Staat sondern vom Bischof ernannt wird“, sagt Adele Orioli. Wenn man sie auf den Einfluss der katholischen Kirche in Italien anspricht, ist die junge blonde Frau nur schwer zu stoppen. Dass sie von den Medien immer wieder gern als die „ungläubige Kreuzritterin“ genannt wird, ist angesichts ihres kämpferisch-laizistischen Auftretens leicht nachzuvollziehen: „Sobald einem Bischof der jeweilige Religionslehrer nicht mehr passt, weil der zum Beispiel etwas unterrichtet, was der kirchlichen Doktrin auch nur ein bisschen widerspricht, kuschen der Staat und das Bildungsministerium. Ach, wie viele konfessionelle Anomalien gibt es da in Italien!“

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Frankreich: Sexueller Missbrauch erschüttert die Kirche

Kardinal Barbarin, Bischof von Lyon wusste seit 2007 über einen Missbrauchsfall Bescheid. Die Justiz ermittelt gegen den Pfarrer und den Kardinal – eine Premiere in Frankreich (picture alliance / dpa / Aurélie Ladet)
Erst jetzt kommt das Thema sexueller Missbrauch auf die Agenda der katholischen Kirche in Frankreich. Opfer organisieren sich, täglich mehren sich Enthüllungen und Anklagen. Besonders pikant: Auch die traditionalistische Piusbruderschaft steht unter Verdacht.

Von Bettina Kaps | Deutschlandfunk

Aymeri Suarez-Pazos weiß, dass er schwere Vorwürfe formuliert, aber der Vorsitzende des französischen Selbsthilfevereins AVREF ist sich seiner Sache absolut sicher. Übersetzt bedeutet das Kürzel AVREF „Hilfe für Missbrauch-Opfer in religiösen Bewegungen und für ihre Familien“.

„Wir wissen, dass es viele Bischöfe gibt, die pädophile Pfarrer schützen. Und ausgerechnet auch jene Bischöfe, die sich neuerdings als Weltmeister des Bedauerns und des Mitleids mit den Opfern darstellen. Überall können neue Skandale aufbrechen. Es ist durchaus möglich, dass jetzt viele Opfer Klage einreichen werden.“

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Missbrauchsskandal: Anträge von rund 1.600 Betroffenen

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Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche kommt nach Darstellung des Missbrauchsbeauftragten voran. Bischof Stephan Ackermann bekräftigte im Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ das Ziel, dass das Forschungsprojekt der Bischofskonferenz dazu „eine quantitative und qualitative Übersicht“ ermittelt. Es werde kommendes Jahr Ergebnisse liefern, sagte der Trierer Bischof. Vielleicht werde es schon dieses Jahr einen Zwischenstand geben, fügte er hinzu.

evangelisch.de

Zur Zahl möglicher Opfer und Täter sagte Ackermann in dem Interview, dass bis jetzt rund 1.600 Betroffene Anträge auf Anerkennung und materielle Leistungen gestellt hätten. „Wie viele Täter sich dahinter verbergen, können wir erst mit der Studie sagen“, sagte er weiter.  Gegenstand der Studie sei auch die Frage, wie viele Täter aus ihren Ämtern entlassen wurden.

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Australien: Kardinal räumt Kindesmissbrauch in Kirche ein

Kardinal George Pell / Bild: APA/AFP/ROSLAN RAHMAN
Kindesmissbrauch durch Kirchenvertreter wurde lange heruntergespielt, sagt Kardinal George Pell. Er wolle „das Unhaltbare nicht verteidigen“.

Die Presse.com

Der ranghöchste Kardinal Australiens hat vor einer Regierungskommission eingeräumt, dass die Kirche Kindesmissbrauch durch Kirchenvertreter jahrelang heruntergespielt hat. „Ich bin nicht hier, um das Unhaltbare zu verteidigen“, sagte Kardinal George Pell, als Budgetverantwortlicher heute die Nummer drei in der Vatikan-Hierarchie.

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Als die Kirche das Denken verbieten wollte

Bild: BR24
Heute vor 400 Jahren verurteilte die katholische Kirche Galileo Galilei der Ketzerei. Sie wollte das alte Weltbild wieder herstellen, das Kopernikus zuvor ins Wanken gebracht hatte: Die Erde steht im Mittelpunkt des Universums. Einige wollen heute noch das Rad zurückdrehen.

BR24

Galileo Galilei hat bewiesen, was Nikolaus Kopernikus rund 70 Jahre zuvor verkündet hatte:

„Alles, was infolge von Bewegung am Himmel erscheint, rührt nicht von dorther, sondern liegt in der Erde. Die Erde also ist es, die sich dreht.“

Nikolaus Kopernikus

Der Kirchenrechtler und Astronom Nikolaus Kopernikus widerlegte 1543 das alte Weltbild der katholischen Kirche: Die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Seine Erkenntnisse widmete er damals dem Papst.

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Bischöfe wollen keine Bevorzugung von Christen

Katholische Trachtengruppe beim Splatter-Ritual. Bild: dpa
AfD-Chefin Frauke Petry wirft der katholischen Kirche „Verlogenheit“ vor. Jetzt haben die Bischöfe ihre „Leitsätze“ zum Umgang mit Flüchtlingen verabschiedet – mit ungewöhnlich eindeutiger Botschaft.

Von Lucas Wiegelmann|DIE WELT

An Frauke Petry liegt es jedenfalls nicht, wenn der Kampf der Kulturen doch noch ins Wasser fällt. Die AfD-Chefin hatte sich am Donnerstag extra noch in einem Interview zu Wort gemeldet, in dem sie noch einmal voller Einsatzbereitschaft einen Konflikt zwischen Christentum und Islam herbeizureden versuchte. Die katholische Kirche in Deutschland, sagte Petry der „Stuttgarter Zeitung“, sei „verlogen“, weil die sich zu sehr um die Belange der mehrheitlich muslimischen Flüchtlinge kümmere, statt lieber mal zu überlegen, was man fürs Christentum tun könnte. „Inzwischen erheben einige Amtsträger der deutschen Kirchen ihre Stimme offenbar mehr für Muslime als für eigene Glaubensbrüder“, so Petry.

Doch als die katholischen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung im Kloster Schöntal (Baden-Württemberg) dann wenige Stunden später ihre bereits angekündigten „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ veröffentlichten, dürften Petry und ihre Anhänger enttäuscht gewesen sein. Selbst wenn derzeit ein Kampf der Kulturen drohte – die Bischöfe gehen jedenfalls nicht hin.

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Bistum Regensburg zahlte Opfern rund 400 000 Euro

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Die Katholische Kirche hat im Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen nach Informationen der „Welt am Sonntag“ (WamS) rund 400 000 Euro Entschädigungen gezahlt.

FOCUS ONLINE

Bis Anfang 2016 wurde dem Bericht zufolge mehr als 150 Mal ein Betrag von je 2500 Euro für Opfer körperlicher Gewalt ausgezahlt. Dazu kommen nach Angaben der „WamS“ noch Zahlungen für Opfer sexuellen Missbrauchs, die nach Informationen der Zeitung jeweils höher als 2500 Euro sein sollen. Der mit der Aufklärung der Missbrauchsfälle beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber war am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Weber hatte in seinem Zwischenbericht Anfang Januar mitgeteilt, dass nach bisherigen Recherchen von 1953 bis 1992 mindestens 231 Kinder von Priestern und Lehrern körperlich misshandelt worden seien, weitere 50 Schüler seien bei den Domspatzen Opfer sexueller Gewalt geworden – „von Streicheln bis zu Vergewaltigungen“, wie Weber sagte.

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Polens Apostel: „Unaufhaltsam – Europa wird muslimisch sein“

Er gilt als Liberaler: Kardinal Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau Foto: picture-alliance / i15/ZUMA Pres
Die neue konservativ-nationale Regierung spaltet die polnische Bevölkerung. Auch die katholische Kirche, Wagenburg der Gesellschaft, ist sich uneins. Hier streiten konservative und liberale Kräfte.

Von Gerhard Gnauck|DIE WELT

Eine neue Teilung Polens liegt in der Luft. Diesmal sind es weder Preußen noch Russen, die Soldaten schicken, um sich einen Teil des Landes unter den Nagel zu reißen. Diesmal verläuft die Teilung quer durch die Gesellschaft – und sogar durch jenes Organ, das sich immer noch als das Herz der Nation versteht: die mächtige katholische Kirche, der fast 90 Prozent der Polen angehören.

Als der Pole Johannes Paul II. die Weltkirche führte, da war in seiner Heimat die Welt noch in Ordnung. Der „Jahrtausendpapst“, wie ihn der „Spiegel“ betitelte, gab vor Polens EU-Beitrittsreferendum 2003 ein klares Votum ab: Die institutionell vereinte europäische Familie sei die Heimat auch seines Landes. Doch er hielt auch die Konservativen in der Geistlichkeit bei der Stange. Er war das einigende Band.

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Liechtenstein: Schwierige Entflechtung von Kirche und Staat

Liechtensteins Regierung hofft 2016 auf ein Konkordat mit dem Vatikan. (Bild: Eddy Risch / Keystone)
Über Jahrhunderte bildeten katholische Kirche und Staat praktisch eine Einheit im Fürstentum Liechtenstein.Die Trennung gestaltet sichnicht einfach. Dennoch hofftdie Regierung auf einen Abschluss noch in diesem Jahr.

Von Günther Meier|Neue Zürcher Zeitung

Erzbischof Wolfgang Haas erhielt am 9. Dezember einen Ziegelstein aus der Mauer der Heiligen Pforte, die Papst Franziskus zum Beginn des Heiligen Jahres geöffnet hatte. Weder der Inhalt der als «Eilpost» deklarierten Ziegelstein-Sendung aus dem Vatikan noch die Ausstellung des Steins in der Mutterkirche der Erzdiözese Vaduz sorgten in Liechtenstein für besondere Aufregung. Die geringe Aufmerksamkeit der Bevölkerung steht in einem gewissen Kontrast zu den Herausforderungen, denen sich das Fürstentum seit der umstrittenen Errichtung des Erzbistums Vaduz im Jahr 1997 gegenübersieht. Die mit der Errichtung des Erzbistums geforderte Neuordnung des Verhältnisses von Kirche und Staat ist immer noch nicht zu einem Abschluss gebracht worden, weil sich allein schon die materielle Entflechtung von Besitztum und Nutzung von Kirchen und Friedhöfen in den einzelnen Gemeinden als schwieriger erwies als erwartet. Regierungschef Adrian Hasler hat dennoch gegenüber dem Parlament angekündigt, das Reformvorhaben noch in dieser Legislaturperiode – also bis Ende 2016 – abschliessen zu wollen. Weniger Eile scheint das Erzbistum zu haben, das auf eine «sachgerechte und gesetzeskonforme Lösung» pocht.

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Warum es liberale Katholiken in Polen schwer haben

Die weltgrößte Statue von Johannes Paul II. in Czestochowa, Polen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die katholische Kirche in Polen auf Distanz zu seinen Themen gegangen ist. (dpa/ picture-alliance/ Waldemar Deska)
Die katholische Kirche in Polen ist ins Lager der Nationalkonservativen geschwenkt. Die Aufbruchstimmung, die Papst Franziskus verbreiten will, stößt hier auf Ablehnung – für liberale Katholiken ein verheerendes Signal.

Von Martin Sander|Deutschlandradio Kultur

Andrzej Luter, Theologe, Publizist und Kinohistoriker zelebriert die Messe in der Kirche des heiligen Carlo Borromeo im Zentrum von Warschau. Seit Jahrzehnten ist er Gemeindepfarrer – doch in letzter Zeit hat sich seine Kirche sehr verändert.

„Also es war so: Als ich in den 80er Jahren ins Priesterseminar eintrat, 1984 war das genau, da hatte ich wirklich den Eindruck, ich trete in eine offene Kirche ein. Damals gab es eine einfache Aufteilung: Dort die Roten, die Kommunisten, hier die Kirche. Man traf sich, man sprach miteinander. So war die Zeit. Dann kam die Freiheit, und allmählich änderte sich alles.“

Heute, sagt Andrzej Luter, verläuft die Trennlinie nicht zwischen Kirche und Staat, sondern mitten durch die Kirche hindurch. Die weltoffenen, zum Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen bereiten Katholiken stehen einer rechtsnational orientierten Kirche gegenüber. Diese Kirche hat sich mit den Nationalkonservativen der PiS-Partei von Jarosław Kaczyński verbunden und glaubt, von dessen jüngstem Wahlsieg weiter zu profitieren. Andrzej Luter wird seit längerem angefeindet, auch weil er in weltlichen liberalen Zeitungen sein Ideal einer offenen Kirche propagiert. Luter befürchtet, dass er unter jungen Priestern immer weniger Gesprächspartner finden wird.

„Ich sehe einen gefährlichen Trend unter jungen Geistlichen. Viele von denen sind in rechten Internetportalen politisch sozialisiert.“

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Gaaanz wichtig: In den Ruinen von Damaskus entsteht neue Kirche

Themenbild. Homs/Damaskus / Bild: (c) REUTERS (YAZAN HOMSY)
In den Ruinen der syrischen Hauptstadt Damaskus wird am 8. Januar eine neue katholische Kirche geweiht.

kath.net

In den Ruinen der syrischen Hauptstadt Damaskus wird am 8. Januar eine neue katholische Kirche geweiht. Das Gotteshaus wurde in den Kriegsjahren im Kachkoul-Viertel im Osten der syrischen Hauptstadt errichtet und sei ein «echtes Weihnachtsgeschenk», sagte der maronitische Erzbischof Samir Nassar von Damaskus am Dienstag dem vatikanischen Pressedienst Fides. Das Gotteshaus werde den seligen Märtyrerbrüdern Massibki geweiht, die um 1860 getötet wurden. Es solle eine «Oase des Gebets und ein Zeichen der Freude und der Hoffnung inmitten einer Welt von Gewalt, Intoleranz und Angst sein», so der Bischof.

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Frankreichs katholische Revolution

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD
Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Die katholische Kirche in Frankreich ist im Aufschwung. Sowohl im öffentlichen Leben wie auch in der Kirche des Landes gibt es eine neue Bewegung selbstbewusster Katholiken, die sich nicht scheuen, den Glauben unverkürzt zu leben und zu verkünden.

kath.net

Nach dreißig Jahren des Rückganges ist in Frankreich das Erwachen eines selbstbewussten und dynamisch-orthodoxen Katholizismus zu beobachten. Das schreibt Samuel Gregg, Forschungsdirektor des amerikanischen Acton-Institutes in einem ausführlichen Artikel für den Catholic World Report.

Die von der Zeitung Le Figaro als „Neokatholiken“ bezeichneten hätten es geschafft, ihrer Stimme in den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Debatten Frankreichs Gehör zu verschaffen. Sie hätten dabei im Gegensatz zu früheren Jahren kein Problem, mit prononciert katholischen Positionen im weitgehend säkularen öffentlichen Diskurs des Landes anzuecken. Das wohl bekannteste Beispiel sei die Bewegung „La Manif pour tous“. Diese sei eine breite Bürgerbewegung, sowohl ihre Basis als auch ihre Führungsspitze seien aber stark von katholischen Laien geprägt, schreibt Gregg. Katholische Bischöfe und viele junge Priester würden Aktionen von „La Manif pour tous“ unterstützen. Letztere seien häufig in den sozialen Medien aktiv und betreiben eigene Blogs.

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Immobilien-Irrsinn in Spanien: Kirche gehört jetzt der Kirche

Getty Images
Durch ein abstruses Gesetz konnte sich die katholische Kirche in Spanien eine der größten Sehenswürdigkeiten des Landes unter den Nagel reißen: die Mezquita-Kathedrale. Nun machen Bürger und Wissenschaftler aus aller Welt ihrer Empörung Luft.

Von Tino Brömme|SpON

Die Moschee und Kathedrale von Córdoba begeistert mit ihrer maurischen Architektur Jahr für Jahr Tausende Besucher, die ihren „Säulenwald“ und Orangengarten durchwandern. Muslimische Gebete allerdings finden hier schon seit 800 Jahren nicht mehr statt. Damals entriss die Reconquista den Arabern die iberische Halbinsel und die Moschee wurde zur katholischen Kirche geweiht.

In der Mitte des 20.396-Quadratmeter-Komplexes erhebt sich daher eine gotische Kathedrale, erbaut im 16. Jahrhundert, die zwischen den orientalischen Säulenbögen wie ein Fremdkörper wirkt. Doch die Jahrhunderte ältere arabische Vorgeschichte ist in den Informationsbroschüren, auf den Schautafeln oder der offiziellen Webseite kaum mehr als eine Randnotiz.

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Candomblé-Tempel in Berlin

Tänzer der Gruppe Afoxe Loni mit ihrem Candomblé-Priester bei ihrem Ritual auf dem Karneval der Kulturen in Berlin-Kreuzberg. (imago / IPON)
In Berlin-Kreuzberg steht der einzige Candomblé-Tempel in Deutschland. Candomblé ist eine vor allem in Brasilien verbreitete Naturreligion mit afrikanischen Wurzeln. Mehrmals im Jahr finden öffentliche Zeremonien für die afrobrasilianischen Gottheiten, die Orixas, statt. Doch ganz so einfach ist die Ausübung dieser Religion in Deutschland nicht.

Von Sandra Stalinski|Deutschlandfunk

Es ist schwierig, still zu sitzen, wenn im Candomblé-Tempel in Berlin-Kreuzberg für die Orixas getanzt und gesungen wird. Etwa 50 Leute haben sich in einem mit Tüchern und Popkornketten geschmückten Raum versammelt, um das mehrstündige Ritual mitzuerleben. Alle tragen weiße Kleidung. Denn Weiß sei zum einen die Farbe der Gemeinschaft. Zum anderen soll bei dem Ritual eine positive Energie entstehen, die auf die Anwesenden übergehen soll, erklärt Murah Soares, der sogenannte Babalorixá des Candomblé-Tempels, also so etwas wie ein Priester. Die Kraft der Orixas, der afrobrasilianischen Gottheiten, werde bei den Ritualen freigelegt.

„Erst einmal machen wir, weil wir die Orixa lieben. Weil wir glauben. Weil diese Energie ist präsent in unserem Leben. Wir machen das Ritual, um diese Kräfte zu verteilen und lebendig zu machen für uns und die Leute, die da sind. Diese Religion ist lebendig, diese Kraft ist lebendig.“

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