Schlagwort-Archive: katholische Kirche

Austria: Stifte und Klöster haben viel Platz – aber nicht für Flüchtlinge

Stift Altenburg: Keine freien Zimmer für Flüchtlinge © Michael Rausch-Schott
Die katholische Kirche ist die drittgrößte Immobilienbesitzerin des Landes. Doch Stifte und Klöster haben bisher kaum Flüchtlinge aufgenommen, meist mit fadenscheinigen Begründungen. Die öffentliche Kritik daran wird immer lauter – auch in der ÖVP.


Von Otmar Lahodynsky|profil.at

„Wir sind kein leerstehendes Haus“, seufzt Abt Georg Wilfinger vom Benediktinerstift Melk: „Wir haben keinen Platz für Flüchtlinge. Soll ich sie etwa gar im Kaisersaal oder in der Bibliothek unterbringen?“

Im größten österreichischen Barockkloster, dessen Hauptachse sich über 320 Meter erstreckt, ist derzeit angeblich kein einziges Zimmer frei. Nach dem Bosnien-Krieg fanden dort noch 50 Flüchtlinge im ehemaligen Internat des Stiftgymnasiums Unterschlupf. Und jetzt: kein Platz. Nicht einmal in den Schulferien werden die Klassenzimmer zur Verfügung gestellt. „Kein Personal“, bedauert der Abt – und fügt eilig hinzu, dass das Stift Sozialprojekte in Rumänien, Sri Lanka und Afrika betreibe.

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Gut für die Umwelt: Antarktis jetzt priesterfrei

Die Chapel of the Snows im ersten Schnee. Bild: wikimedia.org/CC BY 2.0/AlanLight
Nach 57 Jahren entsendet die katholische Kirche in Neuseeland keinen Priester mehr in die Antarktis. Grund sei unter anderem der schwache Kirchenbesuch, erklärte das Bistum Christchurch laut der neuseeländischen Online-Zeitung «Stuff» (Freitag)


kath.net

Der Priester Dan Doyle, der erstmals vor 40 Jahren die Kirche «Chapel of the Snows»  im Forschungsstützpunkt McMurdo betreute, verwies darauf, auch die Einwohnerzahl des Kontinents während des arktischen Sommers von Oktober bis Februar sei von früher 2.000 auf jetzt 1.200 gesunken.

Dem Bericht zufolge ging der Wunsch nach einer Kürzung der Seelsorgestelle von der National Science Foundation aus, die das US-amerikanische Antarktis-Forschungsprogramm betreibt. Das Budget für Wissenschaftler und Hilfspersonal wurde zurückgefahren, nicht zuletzt, um ökologische Folgen der Forschungstätigkeit in der Antarktis zu vermindern.

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Polen: Katholische Kirche verteufelt künstliche Befruchtung

Der Preis für ein Kind sei der Tod seiner Geschwister, so ein Standpunkt der Katholischen Kirche in Polen. Foto: dpa
Der Druck ist sowieso schon enorm. Ungewollte Kinderlosigkeit belastet Paare sehr. Ein neues Gesetz soll in Polen Betroffenen helfen und eine in-vitro-Behandlung erleichtern. Die Katholische Kirche bezeichnet das Gesetz als „verbrecherisch“ und will es verhindern.


Von EVA KRAFCZYK|EXPRESS.DE

Wenn es nach manchen Kirchenführern und Politikern in Polen ginge, dürfte es Magdalena Kolodziej gar nicht geben. Denn die 28-jährige wurde im ostpolnischen Bialystok dank künstlicher Befruchtung geboren – sie war einst Polens erstes Retortenbaby.

Eigentlich wollte die junge Frau nicht an die Öffentlichkeit treten, doch vor wenigen Tagen entschloss sie sich dennoch zu einem offenen Brief. „Etwas in mir ist zerbrochen“, schrieb sie darin. „Ich kann nicht länger dasitzen und all die Lügen hören, erlauben, dass ich und meine Familie verletzt werden.“

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Kirchenaustritte: Ich glaube nichts – und mir fehlt nichts

Warum sind fast 220 000 Katholiken in einem Jahr ausgetreten? Natürlich liegt es nicht nur an der Kirchensteuer.


Von Matthias Drobinski|Süddeutsche.de

Bad ReligionMan kann dem Staat die Schuld geben oder den Banken. Dem Staat, weil er das Verfahren für die Erhebung der Steuer auf Zinserträge geändert hat – und bei vielen Menschen der Eindruck entstand, sie müssten so ihrer Kirche noch mehr zahlen. Den Banken, weil vielleicht doch mancher Berater dem Kunden zum Kirchenaustritt geraten hat, um Steuern zu sparen.

Doch selbst, wenn dieses Missverständnis zum massenhaften Kirchenaustritt im vergangenen Jahr geführt haben sollte, wäre die Erkenntnis für die Volkskirchen bitter. Dann wären die Leute einfach gegangen, ohne sich groß zu informieren. Fast 218 000 waren es in der katholischen Kirche, wohl noch mehr in der evangelischen, die ihre Zahlen noch nicht veröffentlicht hat. Es sind Rekordzahlen. Nicht einmal im Missbrauchsjahr 2010 sind so viele Katholiken gegangen.

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Deutscher Rekord: 218.000 Katholiken treten aus der Kirche aus

Noch nie sind in Deutschland so viele Gläubige aus der katholischen Kirche ausgetreten wie im vergangenen Jahr. Ein Grund ist die Verwirrung um die Kirchensteuer.


SpON

Bild: tilly
Bild: tilly

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland ist auf einen Rekordwert gestiegen: Im vergangenen Jahr traten 217.716 Menschen aus. Damit wurde das bisherige Rekordniveau von 2010 deutlich übertroffen – damals waren vor allem wegen des Missbrauchsskandals 181.193 Menschen aus der Kirche ausgetreten.

Die Katholiken machen in Deutschland jetzt noch 29,5 Prozent der Bevölkerung aus, das sind knapp 24 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Die evangelische Kirche in Deutschland hat rund 22,5 Millionen Mitglieder, auch dort sinken die Zahlen stetig.

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Neues Arbeitsrecht in katholischer Kirche greift nicht bundesweit

Mitarbeiter der katholischen Kirche mussten bisher nach Scheidung und erneuter Heirat um ihren Job bangen. Mit dem neuen Arbeitsrecht ändert sich das nun. Es gibt aber einen Haken.


Augsburger Allgemeine

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de

Das neue, liberalere Arbeitsrecht in der katholischen Kirche wird zum 1. August nicht bundesweit umgesetzt, sondern nur in 23 der 27 Diözesen. Drei bayerische Bistümer scheren wegen inhaltlicher Bedenken aus und übernehmen die Lockerungen vorerst nicht: Die Bischöfe von Eichstätt, Regensburg und Passau haben zusätzlichen Klärungs- und Beratungsbedarf. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auch das Erzbistum Berlin wendet die neuen Regeln noch nicht an. Das liegt aber daran, dass der künftige Erzbischof dort noch nicht im Amt ist.

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Inquisition: Gesinnungsterror im Namen Gottes

Zum Schutz vor Irrlehren schafft sich die katholische Kirche eine Behörde, die Strafgericht und Repressionsapparat zugleich ist. Mit Zwangsmethoden gehen die Glaubenswächter der Inquisition jahrhundertelang gegen Abweichler vor.


Von Volker Eklkofer, Simon Demmelhuber|Bayern2

Wappen der Spanischen Inquisition: Neben dem Kreuz als Symbol für den geistlichen Charakter der Inquisition halten Olivenzweig und Schwert die Waage, wodurch das Gleichgewicht zwischen Gnade und Strafe angedeutet werden sollte. Bild: wikimedia.org/PD

 

Der Aufstieg des Christentums

Schon die Urkirche ringt um die korrekte Auslegung der Schrift, doch erst als der römische Kaiser Konstantin (306-327) dem Christentum weit reichende Privilegien einräumt, werden die Auseinandersetzungen schärfer. Kaiser Theodosius I. (379-394) erhebt das Christentum schließlich zur Staatsreligion. Allmählich formiert sich eine Staatskirche, die zwischen wahrem und falschem Glauben trennt und zunehmend beansprucht, über die Lebensform der Gesellschaft zu bestimmen.

Roma locuta, causa finita

Als Nachfolger der Apostel Petrus und Paulus erringen die Bischöfe von Rom schrittweise eine Vorrangstellung (Primat). Nur noch sie tragen ab dem 5. Jahrhundert den anfangs für alle Bischöfe üblichen Ehrentitel papa. Am Ende dieser Entwicklung verfügt der Papst in Fragen der christlichen Glaubens- und Sittenlehre über die absolute Autorität. Im Zuge der Kreuzzugsbewegung, die in der Hand der Kirche liegt, wächst der Einfluss des Papstes. Eine vom Kloster Cluny in Burgund ausgehende Reformbewegung wagt im 11. Jahrhundert die Auseinandersetzung mit der weltlichen Macht. Sie fordert die Unabhängigkeit des Papsttums vom Kaiser und verlangt die kirchliche Universalherrschaft.

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Ohne Frauen könnte die Kirche zusperren

Starke Frauen braucht die Kirche. Elisabeth Rathgeb (l.) und Maria Plankensteiner haben eine Männerdomäne durchbrochen. © Thomas Boehm / TT
Von Gleichberechtigung ist die katholische Kirche weit entfernt. Das Priesteramt ist Männern vorbehalten. Doch das wird sich ändern, sind Elisabeth Rathgeb und Maria Plankensteiner überzeugt. Beide bekleiden wichtige Funktionen in der Diözese Innsbruck – als erste Frauen überhaupt.


Von Markus Schramek|Tiroler Tageszeitung Online

Frauen an die Macht? Das spielt es in der katholischen Kirche noch lange nicht. Geistliche Würdenträger männlichen Geschlechts stehen im Vordergrund. Doch dahinter wirken Frauen an einflussreichen Stellen.

In der Diözese Innsbruck leitet die Theologin Elisabeth Rathgeb (48) seit 2005 das Seelsorgeamt. Sie ist Ansprechpartnerin für jene Menschen, die in den Pfarren mitarbeiten. Ganz neu und noch gar nicht richtig im Amt ist Maria Plankensteiner. Die 55-jährige Vorarlbergerin hat Religionspädagogik und Germanistik studiert. Derzeit leitet sie die Schule für Sozialbetreuungsberufe in Innsbruck. Per 1. September wechselt Plankensteiner an die Spitze des Schulamts der Diözese. Sie übernimmt damit die Aufsicht über den Religionsunterricht an den Schulen.

Rathgeb und Plankensteiner sind die ersten Frauen in diesen hohen Kirchenfunktionen. Kein Zufall, wie im Gespräch mit beiden klar wird. Denn ohne engagierte Frauen sähe es in der Kirche mit all ihren Problemen deutlich finsterer aus.

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Falsche Mitgliedszahlen: Norwegen verlangt Millionen-Rückzahlung von katholischer Kirche

Hat die katholische Kirche in Norwegen ihre Mitgliederzahlen manipuliert, um mehr Kirchensteuer zu kassieren? Entsprechende Vorwürfe werden von Behörden erhoben. Der Staat fordert nun 40 Millionen Kronen zurück.


SpON

Bild: tilly
Bild: tilly

Der norwegische Staat verlangt von der katholischen Kirche umgerechnet rund 4,6 Millionen Euro, weil sie die Zahl ihrer Gläubigen wissentlich übertrieben haben soll. Dies teilte das Bistum Oslo mit. Seit Februar hatten die Behörden in dem Fall gegen die Kirche ermittelt, Gebäude wurden durchsucht.

Die Behörden werfen der Kirche vor, sie habe in Telefonverzeichnissen nach Namen von Einwanderern gesucht und diese als Gläubige eingetragen – wenn dem Namen nach eine Herkunft aus einem katholischen Land als wahrscheinlich erschien. So sollten öffentliche Zahlungen an die Kirche in die Höhe getrieben werden.

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Die Ideologie des sexuellen Missbrauchs

Christian Füller über die Ideologie des sexuellen Missbrauchs bei den Grünen, der katholischen Kirche, der Odenwaldschule, den Nazis und Netzaktivisten.


Von Reinhard Jellen|TELEPOLIS

Bild. heise.de

Der Journalist Christian Füller zeichnet in seinem Buch Die Revolution missbraucht ihre Kinder nach, wie der sexuelle Missbrauch von Kindern getarnt als Akt der Befreiung ein integraler Bestandteil deutscher Protestbewegungen werden konnte. Besonders die Grünen tun sich schwer, mit diesem Erbe umzugehen. Teil 2 des Gesprächs.

Herr Füller, kann man den sexuellen Missbrauch bei den Grünen mit dem in der katholischen Kirche vergleichen?

Christian Füller: Ja. Sexueller Missbrauch hat immer Opfer, und zwar doppelt: von Gewalt und von Betrug. Viele Kinder werden ja nicht physisch vergewaltigt, sondern “verführt” – auch wenn das Wort hier eigentlich nicht passt.

Warum nicht?

Christian Füller: Weil auch die Verführung eines Kindes Gewalt ist. Täter versprechen Kindern Geschenke und überhöhen sie als Prinzessinnen und Prinzen – zum Zweck des Missbrauchs.

Was ist der Unterschied zwischen ideologischem und kirchlichem Missbrauch?

Christian Füller: Die Wandervögel, die Reformpädagogen und die 68er haben ein sehr positives, überschießendes Körper- und Nacktheitsgefühl. Dazu wird ein vermeintlicher Egalitarismus aller Altersgruppen erklärt: Kinder und Erwachsene seien gleich und könnten angeblich auch miteinander Sex haben. So wird es jedenfalls behauptet. Das ist ein ganz anderes Konzept als bei den Kirchen. Der Unterschied wird vielleicht an den Tatorten am deutlichsten.

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Zentralrat der Juden und Bischöfe werben für christlich-jüdischen Dialog

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, hat an die katholische Kirche appelliert, am christlich-jüdischen Dialog keine Zweifel aufkommen zu lassen.


evangelisch.de

Bild: bb
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Hinter die bleibende Verpflichtung gegenüber dem Judentum dürfe die katholische Kirche nicht mehr zurückfallen, sagte Schuster am Sonntag auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main.

Zu der Veranstaltung hatten die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Katholische Akademie Rabanus Maurus aus Anlass des 50. Jahrestages der Konzilserklärung “Nostra aetate” eingeladen. Mit dem Dokument “In unserer Zeit” hatte das Zweite Vatikanische Konzil für eine theologische Wende im Verhältnis zum Judentum gesorgt. Ohne die Bereitschaft vieler Juden, wenige Jahre nach der Schoah mit Christen zu sprechen, wäre der damit eingeleitete Dialog nicht möglich gewesen, sagte der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff laut Redetext.

In seiner verlesenen Rede bekannte Kurienkardinal Kurt Koch, Christen müssten ehrlich bedauern, dass erst das “beispiellose Verbrechen der Schoah” ein wirkliches Umdenken bewirkt habe. Der christliche Widerstand gegen die unmenschliche Brutalität des Nationalsozialismus habe nicht die Klarheit aufgewiesen, die man hätte erwarten müssen, sagte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates.

Jesuitenpater Mertes: Missbrauch konsequent aufklären

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Um sexuellen Missbrauch von vornherein zu verhindern, fordert der Schuldirektor und Jesuitenpater Klaus Mertes, die katholischen Missbrauchsskandale restlos aufzuklären.


evangelisch.de

Der Jesuitenpater Klaus Mertes hat die katholische Kirche aufgefordert, Fälle von sexuellem Missbrauch in den eigenen Reihen weiter konsequent aufzuklären. “Prävention setzt voraus, dass aufgeklärt wurde”, sagte er am Montag bei einer Fachtagung zu sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche in Hannover und fügte hinzu: “Erst die Aufklärung deckt Fehler auf.”

Mertes hatte 2010 als damaliger Leiter des Canisius-Kollegs in Berlin den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland in die Öffentlichkeit gebracht. An dem Gymnasium hatten sich zwei Padres hundertfach an Schülern vergangen. Heute ist Mertes Direktor des Internats St. Blasien im Schwarzwald.

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Italien: Homo-Ehe hat kaum Chancen – Vatikan wettert dagegen

Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.
Die katholische Kirche wettert in Italien gegen die Homo-Ehe. Ein politischer Anlauf, sie einzuführen, hat vor wenigen Tagen eine Hürde genommen.


Von Bettina Gabbe|SüdwestPresse

Der Ausgang des irischen Referendums über die Homo-Ehe hat Befürworter und Gegner eingetragener Lebenspartnerschaften in Italien bestärkt. Mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gab der zweite Mann im Vatikan nach Papst Franziskus die in Italien weiterhin entscheidende Haltung der katholischen Kirche vor: Das Ergebnis sei eine “Niederlage für die Menschheit”.

Immer wieder sorgen gewalttätige Übergriffe auf Homosexuelle für Schlagzeilen in den italienischen Zeitungen. Die Mehrheit der Bürger steht Versuchen der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften gleichgültig gegenüber.

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Vatikan: Notgeile Altmänner-Riege

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Nachdem die Iren Ja zur Homoehe gesagt haben, wird über die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare endlich wieder debattiert. Nur die katholische Kirche hat damit Probleme, was auch mit dem Zölibat zu tun hat. Und dann gibt es ja noch die Feinde des Kitsches.


Von Daniel Haufler|Berliner Zeitung

In Europa wurde das Ja der Iren zur Homoehe weitgehend begrüßt. Zudem hat es in Deutschland die Debatte über die Gleichstellung der Homoehe wieder belebt. Hier allerdings blockiert die CDU jegliche Reform, obwohl jüngere Mitglieder wie Jens Spahn zu Protokoll gaben: „Man sollte denken, was die katholischen Iren können, können wir auch.“ Apropos Katholiken. Erwartungsgemäß scharf kritisierte der Vatikan die irische Entscheidung als „Niederlage der Menschheit“ (Italienisch umanità, was zudem „Menschlichkeit“ bedeutet).

Gustav Seibt hält das in der Süddeutschen Zeitung für eine Anmaßung. Das Problem der kirchlichen Sexualmoral entstehe „durch die Verbindung von Zölibat und Verbot der Homosexualität. Beides zusammen führte seit Jahrhunderten zu einem überproportionalen Anteil homosexueller Männer in der katholischen Kirche, die hier eine respektable Lösung für ihr Problem fanden“ – während die Kirche Homosexualität verurteilte und mit ihren Moralvorstellungen dazu beitrug, sie zu kriminalisieren.

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Homosexualität: Diesen Text wollte die katholische Kirche nicht veröffentlichen

Ratzinger_HomoDeutschland debattiert über die Homo-Ehe – die katholische Kirche schweigt. Und sperrt sich gegen fortschrittliche Gedanken. Das zeigen der Text eines Theologen und die Geschichte seiner Unterdrückung.


Von Peter Wensierski|SpON

Die deutschen Bischöfe waren im Herbst 2012 sehr stolz auf ihren Relaunch. Die Webseite “katholisch.de” sollte “neue User” ansprechen, “modernere Milieus” und “jüngere Zielgruppen”. Sogar Katholiken, die sich von der Kirche entfernt hatten. Das Design mit schicken Bildern, einer ausgefeilten Typografie und ruhigen Farben entwickelte sogar eine renommierte Werbeagentur, die Hamburger Jung von Matt.

Es hieß, wenn Menschen neuen Kommunikationswegen folgten, könne die Kirche nicht abseits stehen. Der Anspruch des Katholischen Medienhauses in Bonn: führende Marke der deutschen katholischen Kirche im Internet zu werden. Mehr Transparenz, mehr Diskussion. Medienbischof Gebhard Fürst sagte, man wolle “ein Zeichen setzen hin zu einer Kirche, die auf die Menschen zugeht”.Nun setzt die Geschichte eines bestellten und dann nicht veröffentlichten Textes ganz andere Zeichen. Sie lässt erahnen, wie tief die Angst der katholischen Kirche vor offener und ehrlicher Diskussion ist.

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Religionskritik: Unterscheiden statt polemisieren

Katholiban "Großstadt-Mission" in elf Städten Europas

Beim Zweiten Vatikanum hat die katholische Kirche die Religionsfreiheit anerkannt. Das sollten auch Bekenntnislose anerkennen, statt sich in substanzloser Religionskritik zu ergehen und dem Fundamentalismus damit Tür und Tor zu öffnen


Kommentar der anderen |Józef Niewiadomski|derStandard.at

“Weihrauch statt kritischer Analyse” habe der ORF im Radiokolleg: Gewalt und Religion serviert. Die anschauliche Formel verdichtet den von Martin Praska an diesem Ort veröffentlichten Kommentar (“Religion ist friedlich, der Kimono griechisch”, STANDARD vom 6. Mai). Hätte sich Praska von der Etymologie des Wortes Kritik inspirieren lassen, so müsste er damit ernst machen, dass Kritik vom “krinein” kommt. Sie zeichnet sich durch die Gabe der Unterscheidung aus.

Mit einer solchen scheint er nicht gesegnet zu sein. Deswegen verkommt sein Text zum recht geistlosen “Abwatschen”. Auf dem Niveau und auch im Stil einer Bierstammtischrunde religionskritischer Zeitgenossen werden der Reihe nach: der ORF als eine kryptoreligiöse Funkanstalt entlarvt, der verantwortliche Gestalter der Sendung, Johannes Kaup, als “katholischer Theologe” geoutet, die Sendereihe als “Schwafelei” der Theologen diffamiert.

Wer auf diese Weise einen “kritischen” Diskurs beginnt, will auf seinen gesellschaftlichen Ort, sein Interesse und auch sein Leiden aufmerksam machen. Als Vertreter von Menschen “ohne Bekenntnis” beklagt Praska, dass dem “säkularen Element in unserer Gesellschaft” und den “religionskritischen” Sendungen im Radio kaum Raum gegeben werde. Deswegen verfestige die mediale “Volksbildung” die Vorurteile eines “katholischen Landes”. Und wer will heute schon in einem Land leben, dessen Lebenskultur Praska auf die prägnante Formel bringt: “Hände falten, Gosch’n halten”? Schon diese Qualifizierung wird für den Applaus in der Stammtischrunde sorgen.

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Der Vatikan schweigt auch 70 Jahre danach

ReichskonkordatFür die katholische Kirche wäre es an der Zeit, demütig ihr Versagen während der Schoa einzuräumen


Von Klaus Kühlwein|Jüdische Allgemeine

War das Schweigen der katholischen Kirche zur Schoa ein Fehler? Ist sie mitschuldig geworden, weil sie abseits stand bei der großen Judenjagd in Europa? 70 Jahre nach Kriegsende wäscht der Vatikan noch immer seine Hände in Unschuld. Zu bedauern gebe es nichts – im Gegenteil. Pius XII. habe mit seinem Schweigen und seiner klugen Diplomatie »Schlimmeres verhütet«. Der hellsichtige Weckruf der Jüdin Edith Stein an den Heiligen Stuhl war schon 1933 ignoriert worden.

Niemand kann bestreiten, dass Pius XII. durch Hintertür-Diplomatie vielen Juden die Ausreise oder die Flucht in Verstecke ermöglichte. Das war für den Vatikan mit seinen Kontakten eine selbstverständliche Christenpflicht. Vorwerfen kann man Pius keinen Antisemitismus, wohl aber einen Antijudaismus, der ein Nährboden war für den Antisemitismus. Pius sympathisierte auch nicht mit dem NS-Regime oder dem Krieg gegen Stalin, obwohl er den Kommunismus für gefährlicher hielt als den Nationalsozialismus.

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Katholische Kirche lockert ihr Arbeitsrecht

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Die katholische Kirche mildert ihr Arbeitsrecht ab. In Zukunft führen schwere Loyalitätsverstöße gegen den kirchlichen Arbeitgeber nicht automatisch zu Kündigungen, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag in Bonn mitteilte.


evangelisch.de

Das neue Arbeitsrecht wurde von mehr als zwei Dritteln der katholischen Bischöfe beschlossen. Es wird damit gerechnet, dass es in den nächsten Monaten in Kraft tritt.

Nach den neuen Regelungen ist auch nach einer Wiederheirat eine Weiterbeschäftigung in einer katholischen Einrichtung möglich. Die Kündigung eines Mitarbeiters soll “das allerletzte Mittel” sein, wie die Bischofskonferenz mitteilte. Dasselbe gilt, wenn Kirchenbeschäftigte eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Auch hier ist der katholische Arbeitgeber nach dem neuen kirchlichen Arbeitsrecht verpflichtet, “alle anderen denkbaren milderen Mittel” auszuschöpfen.

Sozialethiker: Menschenrechte bleiben “Hausaufgabe der Kirche”

Themenbild
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Die Menschenrechte bleiben eine “dringende Hausaufgabe für die katholische Kirche”: Das hat der Schweizer Sozialethiker Peter Kirchschläger im Gespräch mit “Kathpress” unterstrichen. Durch eine breite Rezeption des Menschenrechtsdiskurses auch in der Theologie könne die katholische Kirche inzwischen am internationalen Menschenrechtsdiskurs als geachteter Diskurspartner teilnehmen “und aus ihrer Perspektive dazu beitragen”, so Kirchschläger. Der Sozialethiker äußerte sich am Rande des internationalen Symposions “Wirtschaft – Gemeinwohl – Glück” am Freitagabend an der Universität Wien.


kathweb

Gerade mit ihrer Lehre von der Gottebenbildlichkeit könne die Kirche einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es um die Frage gehe, warum der Mensch überhaupt Rechte besitze. Zugleich gebe es aber auch blinde Flecken in der kirchlichen Rezeption der Menschenrechte, wies Kirchschläger hin.

Zugleich appellierte der Sozialethiker an die großen multinationalen Konzerne, den Einsatz für die Menschenrechte als ein wertvolles Kapital und “ethischen Referenzpunkt” zu entdecken: Gerade multinationale Konzerne verfügten über große Reichweite und Macht, sich auch politisch für die Durchsetzung der Menschenrechte einzusetzen. Dies stelle zweifellos eine Gratwanderung dar, stünden doch gerade multinationale Wirtschaftsunternehmen durch Prinzipien der Gewinnmaximierung immer auch im Verdacht, Menschenrechte zu missachten.

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Kirche begrüßt Vorschlag zum Werteunterricht in Luxemburg

Themenbild.Bild: katholisches.info
Themenbild.Bild: katholisches.info
Die katholische Kirche in Luxemburg hat einen Vorschlag der Regierung für den geplanten Werteunterricht begrüßt. Es sei gut, dass in dem Papier auf das Erbe jüdischer und christlicher Religionen sowie des philosophischen Humanismus verwiesen werde, heißt es in der am Montagabend veröffentlichten Stellungnahme der Kirche. Der Bezug zur Geschichte und Kultur sei unabdingbar.


kathweb

Die Kirche begrüßte zudem einen “schülerzentrierten und lebensweltlichen Ansatz des künftigen Faches” sowie die Wissensvermittlung aus dem Bereich der Religionen. Schüler bräuchten “eine Einführung in die lebendigen Denk- und Lebenswelten der Religionen, die sowohl ihre lebensfördernden als auch ihre gefährlichen Potenziale darstellt”, heißt es.

Die luxemburgische Regierung hatte am Montag ein Rahmenpapier zum neuen Schulfach “Leben und Gesellschaft”, dem sogenannten Werteunterricht, vorgestellt. Dieser soll zukünftig den Religionsunterricht ersetzen.

Luxemburg will in den kommenden 20 Jahren eine schrittweise Trennung von Staat und Kirche vornehmen und damit das Staat-Kirchen-Verhältnis in dem traditionell katholischen Großherzogtum neu regeln.