Vier „Lügen“ über die katholische Kirche – und die „Wahrheit“

Über die katholische Kirche sind einige Vorurteile im Umlauf: Sie sei gegen die Wissenschaft, gegen Frauen und im Ernstfall richte es einfach die Beichte. Ein Forscher widerlegt diese Behauptungen nun – allerdings mit zum Teil umstrittenen Thesen.

Von Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Der niederländisch-US-amerikanische Forscher und bekennende Katholik Gerard Verschuuren beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Für sein Buch „Forty Anti-Catholic Lies“ hat er sich sogenannte „antikatholische Lügen“ vorgenommen und sie widerlegt. Katholisch.de stellt einige davon vor.

Die Beichte macht es einfach

„Die Lüge“: Katholiken haben mit der Beichte eine willkommene Möglichkeit, sich durch einen Priester von allen Sünden reinwaschen zu lassen. Danach können sie wieder in aller Ruhe neue Sünden begehen.

„Die Wahrheit“: Gerard Verschuuren schreibt, dass nicht der Priester Sünden vergibt, sondern Gott selbst. Ein Geistlicher ist dabei nur der Mittler. Der Katechismus sagt dazu (1441f.): „Gott allein kann Sünden vergeben“ und verweist auf Mk 2,7. Jesus hat die Kraft, Sünden zu vergeben, an seine Jünger weitergegeben: „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Joh 20,23) Die Beichte ist ein Zeichen der Gnade Gottes und für jeden Gläubigen die Möglichkeit, eine Zerrüttung in der Beziehung mit Gott aufzuheben. Doch Verschuuren sagt, dass man den Beichtakt nicht unterschätzen sollte: Denn es erfordere viel Demut, die eigenen Sünden zu bekennen und sich damit selbst einzugestehen, fehlerhaft zu sein. Die Beichte ist auch keine Einladung, neue Sünden zu begehen, sondern die Möglichkeit, noch einmal von vorne anzufangen. Wie allerdings mit Katholiken umgegangen werde soll, die die Beichte in dieser Weise gebrauchen, sagt der Wissenschaftsphilosoph nicht.

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Psychologe: Kirche lässt Kleriker mit Zölibatsproblemen allein

Bild: © ricardoreitmeyer/Fotolia.com (Symbolbild)
Joachim Reich berät Geistliche, die Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben. Er sagt, die Kirche lasse sie mit ihren Problemen allein. Schließlich hätten sie sich für die Priesterweihe entschieden, heißt es oft. Die Folgen seien dramatisch.

katholisch.de

Die katholische Kirche lässt Kleriker in Krisen mit dem Zölibat aus Sicht des Berliner Psychologen Joachim Reich allein. „Wenn einer ein Problem damit hat, wird das von der Kirche sofort individualisiert. Schließlich habe er sich für die Priesterweihe entschieden, nun solle er selber damit zurechtkommen, so die Haltung“, kritisierte Reich in der Schweizer „Sonntagszeitung“. Die Kirche übernehme „keine Verantwortung dafür, wie die Priester dieses Gelübde leben können“. Reich berät Kleriker, wenn sie Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben.

Sie könnten zwar „theoretisch in der Beichte über ihre Probleme mit der Sexualität sprechen, aber dort steht die Thematik sofort im Kontext von Schuld und Strafe“, betonte Reich. „Auch bei den geistlichen Begleitern hat man das Problem, dass sie keinerlei sexualtherapeutische Ausbildung haben.

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Erzaposteltum Berlin sieht Frauenfeiertag in Berlin kritisch – da schlagen die alten Ressentiments durch

Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus „Germania“ von 1878 (public domain)
Berlin ist das erste und einzige Bundesland, das den Weltfrauentag an diesem Freitag als Feiertag begeht. Aber die Kirchen in der Hauptstadt sind nicht besonders glücklich damit. Warum, erklärt der Pressesprecher des Erzbistums Berlin.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Ganz Deutschland muss an diesem 8. März zur Arbeit. Nur nicht die Berliner. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass Sie in Berlin jetzt einen zusätzlichen Feiertag bekommen haben?

Stefan Förner (Diplom-Theologe und Pressesprecher des Erzbistums Berlin): Wenn man – wie ich – aus Bayern nach Berlin umgezogen ist, verzichtet man auf drei bis vier Feiertage. Ich glaube, Bayern hat zwölf oder 13. In Berlin gab es nur neun und damit sind wir Schlusslicht mit anderen Stadtstaaten. In anderen Bundesländern hat man sich schon entschieden und den Reformationstag, den 31. Oktober, zum Feiertag gemacht.

Im vergangenen Jahr war auch im Zuge des Reformationsjubiläums in Berlin der Reformationstag einmalig Feiertag. Dann hat man gesagt, das könne aber so nicht bleiben. Denn insbesondere die Linkspartei hatte signalisiert, sie wolle keinen weiteren religiös motivierten und begründeten Feiertag haben. Dann fing die Debatte an: Wer kann es denn dann werden?

DOMRADIO.DE: Auch der 9. November war da im Gespräch. Warum ist es denn am Schluss der Weltfrauentag geworden?

Förner: Ich würde sagen, dass das ein Coup der Linkspartei war. Der Frauentag ist ein alter Kampftag aus dem sozialistisch-kommunistischen Hintergrund, der im Osten nach wie vor gefeiert wird.

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Nach Missbrauchsskandal: Umfrage zeigt Vertrauensverlust in Kirche

Bild: © Jürgen Fälchle/Fotolia.com
Schlechte Noten für die katholische Kirche: Eine aktuelle Umfrage offenbart einen deutlichen Vertrauensverlust in die Kirche. Eine große Mehrheit der Befragten sieht durch den Missbrauchsskandal einen „langfristigen Schaden“.

katholisch.de

Deutliches Alarmzeichen für die katholische Kirche in Deutschland: Laut einer am Samstag veröffentlichten INSA-Umfrage im Auftrag der „Bild“-Zeitung glauben 82 Prozent der deutschen Katholiken, dass der Umgang mit dem Missbrauchsskandal der Kirche „langfristig schaden“ werde. 52 Prozent der Befragten hätten zudem schon einmal überlegt, aus der Kirche auszutreten, 38 Prozent dächten derzeit über einen Austritt nach und 22 Prozent hätten dies fest vor, so die „Bild“-Zeitung. Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge 4.000 Personen befragt, darunter 1.004 Katholiken.

Laut den Ergebnissen misstraut eine Mehrheit der Katholiken dem angekündigten Kurswechsel ihrer Kirche beim Thema Missbrauch. So erwarteten nur 19 Prozent, dass die Kirche ihr Null-Toleranz-Versprechen in die Tat umsetzen werde, 53 Prozent glaubten das hingegen nicht.

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Vatikan-Konferenz: „Kirche in existenzieller Krise“

Bischöfe im Vatikan, Rom (imago/Ulmer/Lingria)
Die katholische Kirche steckt nach Ansicht der Theologin Marianne Heimbach-Steins in einer existenziellen Krise.

Dlf24

Die Loyalität der Gläubigen werde auf eine harte Probe gestellt, sagte Heimbach-Steins im Deutschlandfunk. Viele Verantwortungsträger würden über Fragen nachdenken, über die man vor ein paar Jahren kaum habe sprechen dürfen – wie etwa der Zölibat. Das sei ein Signal, dass die Tragweite des Problems allmählich erkannt werde. Es handele sich nicht nur um Missbrauch. Vielmehr gebe es strukturell begünstigende Faktoren in diesem sehr hierachischen, sehr klerikalen System der katholischen Kirche.

„Riesendefizit“ bei kirchlicher Rechtskultur

Die kirchliche Rechtskultur weise ein Riesendefizit auf, das sich nicht mit einer Konferenz aufarbeiten lasse, sagte die Theologin der Universität Münster mit Blick auf den Anti-Missbrauchs-Gipfel der Bischöfe im Vatikan.

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Staat und Kirche – diese Ehe muss dringend geschieden werden

Ulrich Koch (3.v.r), Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht in Erfurt, eröffnet die Verhandlung zum Sonderstatus der katholischen Kirche als Arbeitgeber in Deutschland. Es ging um den Chefarzt eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf, dem gekündigt wurde, weil er als geschiedener Mann zum zweiten Mal geheiratet hat. Der Fall beschäftigt seit Jahren die Gerichte ©Michael Reichel DPA
Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes gegen die katholische Kirche und für einen Arzt in zweiter Ehe ist es höchste Zeit, Staat und Kirche vollständig zu trennen. Es wäre ein Segen für beide Seiten.

Frank Ochmann | stern.de

Das an diesem Mittwoch vom 2. Senat des Bundesarbeitsgerichtes in Erfurt gefällte Urteil ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis zwischen Staat und Kirche(n) in diesem Land: Demnach darf einem Arzt aus Düsseldorf, der in zweiter Ehe lebt, von seinem katholischen Arbeitgeber nicht gekündigt werden, obwohl der Mediziner durch seine Lebensführung gegen die moralischen Grundsätze der katholischen Kirche verstoßen hat. Schon deshalb ist das so, weil an seiner beruflichen Qualität bis heute kein Zweifel besteht und, wie das Gericht feststellt, das katholische Eheverständnis für die Güte seines ärztlichen Handelns offenbar keine Voraussetzung ist.

Dass der Fall viele Jahre verhandelt werden musste und durch alle Instanzen bis hin zum Europäischen Gerichtshof und wieder zurück ging, ist schon deshalb bemerkenswert, weil die katholische Kirche in Deutschland inzwischen ihr eigenes Arbeitsrecht geändert hat.

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Weshalb man in Luxemburg nicht über Religion sprechen kann, ohne die Kirche heraufzubeschwören

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Dass man in Luxemburg anscheinend noch immer nicht über Religion sprechen kann, ohne sogleich das Schreckgespenst der katholischen Kirche heraufzubeschwören, zeigt das Interview, das Laurent Schley, Vorsitzender von AHA, kürzlich dem Tageblatt gab.

Von Norbert Campagna* | Tageblatt Lëtzebuerg

Auf die Frage, ob die Religiosität in Luxemburg sinke, antwortete Schley bejahend mit der Feststellung, dass immer mehr Menschen aus der katholischen Kirche austreten. Auch wenn Schley mit seiner Feststellung richtig liegt, ist diese Feststellung noch kein Beweis für einen Rückgang der Religiosität. Denn es gibt schließlich andere Formen der Religiosität als der Katholizismus oder die Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirche. Doch davon einmal abgesehen könnte Schley dennoch, in einem bestimmten Sinn, mit seiner Feststellung richtig liegen. Ob man sich allerdings über diesen Rückgang freuen sollte, ist eine andere Frage.

Um sie zu beantworten, muss zuerst kurz ein Wort zur Religion bzw. zum Begriff der Religion oder Religiosität gesagt werden. Aus den Worten Schleys wird ersichtlich, dass er einen primitiven substantialistischen Religionsbegriff hat, bei dem Religion über den Glauben an ein übernatürliches Wesen – Gott, das Spaghettimonster usw. – definiert wird.

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Hauptsache weiterhin männlich – die verzweifelte Suche der Kirche nach Priestern

Iranische Priester feiern die Weihnachtsmesse in der Katholischen Kirche Saint Joseph Chaldean-Assyrian, in Teheran. Bild: AP
Der katholischen Kirche gehen die Priester aus, also weiht sie jetzt Quereinsteiger zu Priestern. Gerne auch ohne Abitur. Zwei Voraussetzungen für „Spätberufene“ gibt es dann aber doch: Sie müssen schon einmal gearbeitet haben – und natürlich ein Mann sein.

watson.ch

Ausgerechnet beim Niederknien zum Beten hat sich Wolfgang Ehrle eine Zerrung zugezogen. So ganz jung ist er mit seinen 45 Jahren eben nicht mehr. Dennoch beginnt er gerade noch mal ganz von vorn: Nach vielen Jahren als Großhandelskaufmann lässt er sich als Quereinsteiger zum Priester ausbilden. Die katholische Kirche unterhält dafür in dem kleinen Ort Grafschaft in Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen ein spezielles Ausbildungszentrum, das Studienhaus St. Lambert. Es ist deutschlandweit einzigartig.

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Angst vor Islamisierung hält viele Ältere in der Kirche

Was hält Katholiken in ihrer Kirche? Dazu liegt erstmals eine ausführliche Studie vor Quelle: pa/imageBROKER/Ulrich Niehoff
Eine neue Studie geht der Frage nach, warum Katholiken nicht aus der Kirche austreten. Mehrere Erklärungen sind banal – etwa Bequemlichkeit. Doch vor allem ältere Menschen finden auffällig viele Gründe zu bleiben.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Die gute Nachricht für die katholische Kirche vorneweg: Eine Mehrheit ihrer Mitglieder spielt nicht mit dem Gedanken auszutreten. 59 Prozent haben „keinerlei“ Absichten in diese Richtung; 21 Prozent denken zwar manchmal über einen Austritt nach, wollen aber eigentlich lieber bleiben. Die weniger gute Nachricht: Die Gründe für das Festhalten an der Kirche sind zum Teil recht banal.
Das geht aus einer Studie über „religiöse und kirchliche Orientierungen“ von Katholiken hervor, die von der Medien-Dienstleistung Gesellschaft im Auftrag des Erzbistums München und Freising durchgeführt wurde.

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Drewermann: „Kirche wird als falsch und unnütz empfunden“

Spricht Klartext: Unter den Theologen könne man nicht mehr die geistige Elite vermuten, sagt Eugen Drewermann. Die katholische Kirche in ihrer jetzigen Form hat für ihn keine Zukunft mehr. | © Marc Köppelmann
Die katholische Kirche steckt aktuell in einer tiefen Krise – der Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann findet dazu klare Worte. Zu Missbrauchstätern unter den Priestern macht er einen revolutionären Vorschlag.

Birger Berbüsse | nw.de

Herr Drewermann, wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand der katholischen Kirche?

Eugen Drewermann: Da ist eine einzige Zahl sehr auskunftsreich: Um 1950 hatten wir einen Kirchenbesuch sonntags von etwa 50 Prozent der Katholiken, die unter Androhung einer schweren Sünde verpflichtet waren, sonntags zur Messe zu gehen. 1970 waren wir auf 35 Prozent abgesunken und stehen derzeit bei 12 Prozent. Das heißt, im letzten halben Jahrhundert ist die Zahl derer, die aktiv einem zentralen Punkt der katholischen Lehre folgen, um 75 Prozent gesunken. Eine Kirche, die über eine solche Macht verfügt, aber mit einem solchen Ergebnis aufwartet, kann sich nicht mehr dem Glauben hingeben, dass ihre Art der Verkündung glaubhaft die Menschen erreicht und ihnen hilfreich sein könnte. Im Gegenteil: Sie wird in zentralen Punkten als falsch, desorientierend, hinderlich, lästig, überflüssig und unnütz empfunden.

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Ein dunkles Jahr für die Kirche

Bild: © Fotolia.com/Imaginis
Mit voller Wucht kehrte der Missbauchsskandal in diesem Jahr in die Kirche zurück. Doch nicht nur deshalb war 2018 für die Kirche in Deutschland ein schwieriges Jahr. Trotzdem gibt es beim Blick zurück auch ein paar schöne Ereignisse zu würdigen.

Von Steffen Zimmermann | katholisch.de

Wenn man das zu Ende gehende Jahr aus kirchlicher Sicht auf ein Schlüsselereignis reduzieren wollte, käme man am 25. September nicht vorbei. An diesem Tag wurde bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda die lange erwartete Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland vorgestellt. Der Missbrauchsskandal, der im Jahr 2010 öffentlich geworden war, kehrte damit mit voller Wucht in die Kirche zurück.

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Jesus war Jude. Und es wäre ein starkes Zeichen gegen den Antisemitismus, wenn die katholische Kirche wieder daran erinnern würde

Jesus trug das jüdische Zeichen des Bundes: Beschneidung Christi. Meister des Wiener Schottenaltars, um 1470. (Bild: Institut für Realienkund)
Als Sohn einer jüdischen Mutter wurde Jesus beschnitten. Jahrhundertelang hat ein Fest im katholischen Kalender daran erinnert. Die Kirche sollte es wiederbeleben.

Jan-Heiner Tück |Neue Zürcher Zeitung

Der Antisemitismus nimmt wieder zu. Gewiss, in den Hinterzimmern der extremen Rechten waren judenfeindliche Überzeugungen nie ganz verstummt. Aber seit kurzem werden auch in der politischen Linken Stimmen lauter, die unter dem Mantel des Antizionismus und der Kritik am Staat Israel antisemitische Ideen verbreiten. Hinzu kommen neue Formen eines islamischen Antisemitismus – ein Problem, das durch Migranten aus dem arabischen Raum nicht geringer geworden ist.

Die katholische Kirche, die jahrhundertelang selbst antijüdische Denkweisen gefördert hat, sollte dazu nicht schweigen. Sie hat aus dem Schrecken der Shoah gelernt und ihr Verhältnis zum Judentum nach dem II. Vatikanischen Konzil auf eine neue Grundlage gestellt.

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Ambivalentes Verhältnis zum Patriarchat

Foto: Pixabay.com / Websi
Doris Strahm, eine feministische Theologin aus der Schweiz, ist letzte Woche (19. November, Anm. d. Red.) mit fünf weiteren prominenten linken Frauen medienwirksam aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Von Giordano Brunello | RDF

In Deutschland und in Österreich dürfte man sie vermutlich außer in Fachkreisen kaum kennen, was für die weitere Lektüre dieses Blogs keine Rolle spielt, zumal ähnliche Kuriositäten, die ich heute ansprechen möchte, sich auch in unseren beiden Nachbarländern abspielen dürften und wohl auch anderswo in der westlich geprägten Welt. Doris Strahm ist jedenfalls schweizweit bekannt unter dem Stichwort „interreligiöser Dialog“, hat diverse Bücher und Aufsätze hauptsächlich in diesem Themenbereich geschrieben, hatte mehrere Lehraufträge und ist die Mitbegründerin des „interreligiösen Think-Tanks“ „IG feministische Theologinnen“. In ihrer gemeinsamen Medienmitteilung, in welcher sie insbesondere die rigide Abtreibungspolitik der katholischen Kirche kritisierten und sich dabei auf die jüngste Äußerung von Papst Franziskus bezogen, wonach Abtreibung Auftragsmord sei, schrieben die sechs Frauen:

„(…) Die Frauenfeindlichkeit hat in der römisch-katholischen Klerikerkirche seit Jahrhunderten System. Zölibatäre Kirchenmänner bestimmen über den Körper und die Sexualität der Frau, vertreten eine rigide und menschenfeindliche Sexualmoral (…)“.

Weiter schrieben sie:

„(…) Einem solchen System wollen wir als Feministinnen nicht länger angehören: Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Und wie sich zeigt, ist auch unter Papst Franziskus nicht zu erwarten, dass sich dieses patriarchale System vielleicht doch noch ändern könnte. (…)“

Und sie schlossen mit den Worten:

„(…) Doch den römisch-katholischen Machtapparat mit seiner patriarchalen Theologie wollen wir mit unserer Mitgliedschaft nicht länger unterstützen. Wir gehen.“

Gegenstand meines heutigen Blogs ist nicht der Kirchenaustritt dieser Frauen, sondern die islamapologetische Haltung Doris Strahms sowie eine Aussage aus einem Aufsatz, die mir ganz besonders auffiel. Nachdem Doris Strahm wegen des Patriarchats der katholischen Kirche, dessen Existenz ich selbstverständlich niemals bestreiten würde, ausgetreten war, wollte ich natürlich ihre Auffassungen über den Islam erfahren. Da sie sich als eine „feministische Theologin“ bezeichnet und sie und ihre Mitstreiterinnen politisch links stehen, hatte ich natürlich eine ganz konkrete und teilweise auch von Vorurteilen geprägte Erwartung, die allerdings nicht wirklich zu meiner großen Überraschung in jeder Hinsicht erfüllt wurde: Doris Strahm hat meines Erachtens eine überaus verharmlosende und in jeder Hinsicht wohlwollende Haltung gegenüber dem Islam. Dass das Patriarchat im Islam ein Wesensmerkmal ist und jenes der von ihr vielgescholtenen katholischen Kirche geradezu harmlos erscheinen lässt, würde sie in ihrer ganz grundsätzlich islamapologetischen Haltung so nicht stehen lassen.

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Wie die katholische Kirche ein attraktiver Arbeitgeber bleiben will

Symbolbild Foto: Michael Bönte
Wer sich nach einer Scheidung neu verliebt, heiratet vielleicht noch einmal. In der Regel interessiert das den Chef wenig. Eine Ausnahme ist die katholische Kirche.

Kirche+Leben

Wie in den Richtlinien des kirchlichen Dienstes festgelegt ist, wird von katholischen Mitarbeitern erwartet, „dass sie die Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre anerkennen und beachten“. Eine neue Ehe nach einer Scheidung ist nach katholischem Verständnis eine Sünde und kann dazu führen, dass der Mitarbeiter gefeuert wird. Vielen Menschen in Deutschland kommt das weltfremd vor.

800.000 Beschäftigte bundesweit

„In der Erziehung, Pflege und Verwaltung tun sich viele Sozialunternehmen schwer, qualifiziertes Personal zu finden“, sagt Sascha Koller, Abteilungsleiter Weltliches Recht im Bischöflichen Generalvikariat Limburg. Die katholische Kirche habe es allerdings aufgrund der öffentlichen Wahrnehmung ein bisschen schwerer als andere Arbeitgeber. „Die Leute denken immer, wir seien eine starre Institution und könnten uns nicht anpassen“, sagt Justiziar Koller.

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Das Schweigen zu Viganòs Vorwürfen schadet Papst und Kirche

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus schadet sich selbst und der Kirche, wenn er auf Erzbischof Viganòs Vorwürfe nicht antwortet. Homosexualität ist ein Faktor in der Missbrauchskrise.

kath.net

Die katholische Kirche muss selbst in der Lage sein, klerikale Missbrauchsfälle aufzuklären. Diese Aufgabe darf nicht auf die weltliche Justiz beschränkt bleiben. Dies ist eine der wesentlichen Aussagen der Sendung „World Over“ des katholischen Senders EWTN von 25. Oktober.

Moderator Raymond Arroyo diskutierte mit Robert Royal, dem Chefredakteur von The Catholic Thing und Gerald Murray, einem Kirchenrechtler und katholischen Priester der Erzdiözese New York.

Murray kritisierte, dass noch immer kein kirchlicher Prozess gegen den ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick durchgeführt worden sei. Er sei bereits im Juni glaubwürdig beschuldigt worden, einen Ministranten in der St. Patricks Kathedrale in New York sexuell belästigt zu haben.

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Trump befreit Arbeitgeber von Versicherungspflicht für Pille

Picture: Tiffany Trump/Facebook
Mit einer neuen Regelung will US-Präsident Donald Trump Arbeitgebern ermöglichen, ihren weiblichen Angestellten den kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln im Rahmen ihrer Krankenversicherung zu verweigern.

DOMRADIO.DE

Laut Medienberichten (Freitag) soll der Versicherungsschutz für Verhütungsmittel Ausnahmen aus religiösen und moralischen Gründen erlauben. Bislang sind die meisten Unternehmen verpflichtet, kostenlose Empfängnisverhütung mitzuversichern.

Regelung soll in zwei Monaten in Kraft treten

Die katholische Kirche, Evangelikale und konservative Gruppen fordern seit langem, die bisherige Praxis zu ändern. Die Ankündigung löste dagegen heftige Proteste von Frauen- und Bürgerrechtlern aus. In Kalifornien und Pennsylvania gibt es Klagen gegen das Vorhaben.

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30 Prozent aller Nonnen werden missbraucht

Heute findet Doris Wagner Rom schön. Vor zehn Jahren wurde die Stadt für sie zur Hölle. Bild: filmcoopi
Die 34-jährige Philosophin und Theologin spricht mit uns über ihr tragisches Leben hinter Klostermauern. Und darüber, wieso sie jetzt im Schweizer Dokfilm «#Female Pleasure» mitmacht.

Simone Meier | watson.ch

Wenn ich mir Männer und Frauen in der Bibel anschaue, läuft es immer auf diese ganz einfache Ordnung hinaus: Der Mann kann herrschen, aber er kann sich nicht beherrschen. Jedenfalls nicht, wenn er sich einer Frau gegenübersieht. Die ist automatisch eine Versuchung.

In der Bibel, auch der christlichen Tradition, ist so viel drin, was auch toll ist. So viele Sachen, die wertvoll sind, die schön sind, die mich durchs Leben tragen, die Freude machen. Das Problem ist, dass das immer alte Männer waren, die bestimmten, wie diese Texte gelesen werden sollen und wie das rezipiert werden muss. Die Bibel selbst ist gar nicht so schrecklich und es gibt viele befreiende Geschichten.

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„An keiner Stelle verurteilt die Bibel Homosexualität!“

Der Streitfall um den Frankfurter Neutestamentler Ansgar Wucherpfennig zeigt, wie konfliktreich der kirchliche Umgang mit Homosexualität ist. Dabei verurteilt die Bibel gleichgeschlechtliche Liebe an keiner Stelle, sagt Ilse Müllner im katholisch.de-Interview. Die Theologin erklärt, warum einige Bibelstellen für heutige Ohren missverständlich klingen.

Von Madeleine Spendier | katholisch.de

Der Neutestamentler Ansgar Wucherpfennig hatte sich vor zwei Jahren zur Bewertung von Homosexualität in der Bibel geäußert. Nun verweigert ihm die vatikanische Bildungskongregation das „Nihil obstat“ für das Amt als Rektor der Hochschule Sankt Georgen. Doch der Jesuit hat differenziert und nachvollziehbar argumentiert, findet die Bibelwissenschaftlerin Ilse Müllner.

Frage: Frau Müllner, der Jesuit Ansgar Wucherpfennig hat die biblische Verurteilung der Homosexualität als „missverständlich formulierte Stellen“ bezeichnet – und wurde dafür vom Vatikan gemaßregelt. Wie sehen Sie das? Lässt sich aus der Bibel eine Abwertung von Homosexualität herauslesen?

Müllner: Nein, aus der Bibel lässt sich überhaupt nicht ableiten, wie man sich heute als Christ oder als Christin mit Blick auf das Thema Homosexualität positionieren muss. Erstens, weil die Bibel nichts über Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, aussagt. Und zweitens, weil die sexuellen Akte, die darin beschrieben werden, immer in ihrem jeweiligen kulturellen und sozio-historischen Kontext betrachtet werden müssen. Die Vorstellungen von einer homosexuellen Partnerschaft gab es damals noch nicht. Davon spricht man erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

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In Italien ist Kindesmissbrauch durch Geistliche bis heute ein Tabu

Ich habe den Glauben verloren und will mit der Kirche nichts mehr zu tun haben», sagt Alessandro Battaglia heute. Gegen das Verhalten der Kirche demonstriert er in Sichtweite des Petersdoms. (Bild: Tony Gentile / Reuters)
Während in den letzten Monaten weltweit immer neue Missbrauchsskandale publik geworden sind, ist es in Italien auffällig still geblieben. Die katholische Kirche hat hier bis heute starken Einfluss auf Medien, Politik und Justiz. Doch die Stimmen der Opfer werden lauter.

Andrea Spalinger | Neue Zürcher Zeitung

Alessandro Battaglia war im Alter von 15 Jahren von einem Priester in der Kirchgemeinde Rozzano bei Mailand missbraucht worden. Vor kurzem ist der Täter, Don Mauro Galli, zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Für Italien ist das ungewöhnlich. In den meisten Fällen von Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche werden die Täter nie bestraft. Die Kirchenoberen vertuschen die Verbrechen, und der Staat schaut geflissentlich weg.

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Und alle so: Huch, herrje!

© dotpolka, flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0
Kirchenvertreter zeigen sich schockiert über den sexuellen Missbrauch, den ihre Kollegen weltweit zigtausendfach begangen haben. Die Wahrheit ist: Diese perfide Form der Unterdrückung ist in Ideologie und Struktur der Kirche bereits angelegt.

Von Klaus Ungerer | hpd.de

Wie um Himmels Willen konnte das passieren? Die nun allseits verlautbarte Betroffenheit ist groß. Kirchliche Vortragskünstler gucken mit traurigen Gesichtern in die Kameras, offensichtlich haben auch sie schwer, schwer zu tragen daran: Tausende von jungen Menschen sind von ihren Kollegen, hauptberuflichen Märchenerzählern einer religiösen Organisation, an Leib und Seele massiv geschädigt worden, aus Geilheit und Machtgenuss, was ja gerade bei Männern oft ineinanderfällt. Ja, sapperlot noch einmal, wie überraschend! Wie unglaublich betroffen machend, nachdem der ganze Saustall das jahrzehntelang gedeckt und die Schuldigen im besten Fall weggelobt hat!

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