Intelligenzgene identifiziert

Unsere Intelligenz beruht zwar zu fast 80 Prozent auf genetischer Veranlagung. Bisher sind jedoch nur einige der Genfaktoren dafür bekannt. © Phonlamai/ thinkstoc
52 Gene – mindestens: Unsere Intelligenz beruht auf unzähligen Genfaktoren, statt auf nur einem oder einigen wenigen Genen. Das bestätigt die bisher umfassendste Großfahndung nach Intelligenzgenen im menschlichen Erbgut. Sie identifizierte 52 Gene mit Einfluss auf unsere geistigen Leistungen. Doch selbst diese Gene bestimmen nur knapp fünf Prozent unserer Intelligenz, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ berichten. Ein genetischer IQ-Test droht daher wohl auch in Zukunft nicht.

scinexx

Was bestimmt, wie intelligent ein Mensch wird? Sind es die Gene, die Umwelt oder doch beides? Nachdem jahrzehntelang darüber gestritten wurde, welche Faktoren den größeren Anteil an unserer Intelligenz haben, scheint sich nun die Vererbung als wichtigster Einflussfaktor durchzusetzen. Nach neueren Schätzungen könnten bei Erwachsenen sogar rund 80 Prozent der geistigen Leistungsfähigkeit auf die Gene zurückgehen.

weiterlesen

Kreationist verklagt Grand Canyon

Der Grand-Canyon-Nationalpark Weil ein Geologe keine Gesteinsproben entnehmen durfte, verklagt er nun den ganzen Park. © via pixabay / CC0 Public Domain
Ein Geologe wollte im Grand Canyon Gesteinsproben sammeln. Die sollten beweisen, dass die Felsschluchten durch die Sintflut Gottes entstanden. Doch die Verantwortlichen erlaubten ihm nicht, die Proben zu entnehmen. Deshalb verklagt er jetzt den ganzen Park.

Von Franziska Ottillinger |Galileo TV

Andrew Snelling ist ein Wissenschaftler mit dem Doktortitel in Geologie. Anders als seine akademischen Kollegen stellt er aber so ziemlich alles infrage, was die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten über die Entstehung der Welt herausfand.

Trotz seiner universitären Karriere ist er nämlich ein Anhänger des Kreationismus. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Snelling und andere Kreationisten sind davon überzeugt, dass Gott die Welt vor wenigen tausend Jahren schuf und alles in der Bibel wahr ist. Adam, Eva, Noah, die Sintflut – laut dem Geologen sind das historische Fakten.

weiterlesen

„Frauen sind Sklaven, sie müssen ihren Mund halten“

Weil sie Unterhalt forderte, fesselte Nurettin B. seine Ex-Frau an seinen Wagen und schleifte sie durch Hameln. Das Opfer erzählt aus einer „höllischen“ Ehe – und einem verstörenden Frauenbild des Täters.

Von Christine Kensche | DIE WELT

Es ist nicht die Frage nach dem Ob, auch nicht die nach dem Weshalb, die in diesem Prozess im Mittelpunkt steht. Dass er versucht hat, seine Ex-Frau zu töten, weil sie seinen Lohn pfänden lassen wollte, gibt der Deutschkurde Nurettin B. gleich zu Beginn zu. Es ist das Wie, das Rätsel aufgibt. Denn die Tat erinnert an eine mittelalterliche Hinrichtung.

An Einzelheiten könne er sich nicht erinnern, lässt der 39-Jährige seinen Verteidiger verlesen. Nur daran, dass er einen solchen Hass verspürt habe wie noch nie in seinem Leben. „Es war wie eine andauernde Explosion.“

weiterlesen

A Killer Whale Killing Spree on the West Coast Is Actually Good News

A killer whale tries to drown a gray whale calf as the calf mother defends it. Image: Jodi Frediani
Natural whale deaths benefit the whole ocean ecosystem. Human-caused ones, though, are another story.

By Erica Cirino | MOTHERBOARD

This past 4/20, while marijuana merrymakers gathered on the UC Santa Cruz campus to celebrate, just a few miles away on the shores of Monterey Bay, whale watchers boarded boats to see killer whales. One of them was California-based wildlife photographer Jodi Frediani, who counted more than 30 of the iconic black-and-white cetaceans. That day, she witnessed them begin what many experts consider to be an unprecedented gray-whale killing spree.

Over the course of the next two weeks, Frediani and other observers watched more than 30 killer whales (led by a pod of nine) attack eight gray whale calves, killing six. The massacre was so unusual it made the local news. Many who heard about or saw the event expressed their shock and sadness that the killer whales nabbed so many young gray whales.

To Frediani, the killings of the gray whales, which in the eastern Pacific were once an endangered species—while disturbing to watch—are examples of nature taking its course. Like all animals, killer whales need to eat, Frediani told me, and it just so happens they have a taste for other whales‘ blubber.

read more

Philosoph Žižek: „Macron ist das Establishment in reinster Form“

foto: malensek Philosoph Slavoj Žižek: „Wer Marine Le Pen wählt, wählt Marine Le Pen jetzt. Wer Macron wählt, wählt Marine Le Pen in vier Jahren.
Slavoj Žižek über die politische Situation Frankreichs und der USA und die Notwendigkeit radikaler Änderungen

Von Anja Malenšek | derStandard.at

Wenn aus dem fast unüberschaubaren Spektrum an Themen in Slavoj Žižeks Rede ein roter Faden zu erkennen war, dann vielleicht dieser: ein leicht fatalistischer Aufruf zur Anerkennung der düsteren Lage, in der wir uns befinden. Nahende ökologische Katastrophen, terroristische Bedrohung, geopolitische Konflikte – all dies erfordere ein „Neudenken“, ein Ende vom „Traum einer Alternative“.

Žižeks im Rahmen der Wiener Festwochen am Wochenende gepredigten Mut muss man bei manchen seiner Aussagen tatsächlich bewundern. Der marxistische Philosoph, der schon allein mit seinen hektischen Gesten das Publikum fesseln kann, ließ auch allerjüngste politische Ereignisse nicht außer Acht.

weiterlesen

Top Ten der neuentdecken Arten 2017

Dies sind nur sechs der zehn ungewöhnlichsten Arten des Jahres 2017 © Sumukha, Peter Kirk, Kevin Rowe, Georg Fischer, M. Kolanowska, Siriwut, Edgecombe and Panha
Eine Orchidee mit Teufelsgesicht, ein schwimmender Tausendfüßer und eine Spinne, die dem Hut des Zauberers Gryffindor aus Harry Potter ähnelt: Dies sind nur drei der rund 18.000 im letzten neuentdeckten Tier- und Pflanzenarten. Die zehn bizarrsten und spannendsten von ihnen stellen Biologen in ihrer Top Ten-Liste vor. Die Neuentdeckungen demonstrieren, dass wir bisher nur einen kleinen Teil der Natur überhaupt kennen.

scinexx

Obwohl wir Menschen und unsere Zivilisation die Erde mehr und mehr verändern und beeinträchtigen, kennen wir bisher nur einen Bruchteil unserer tierischen und pflanzlichen Mitbewohner auf diesem Planeten. Um darauf aufmerksam zu machen, haben Forscher des International Institute for Species Exploration (IISE) nun eine Liste der zehn ungewöhnlichsten, spannendsten und bedeutendsten Neuentdeckungen des letzten Jahres zusammengestellt.

weiterlesen

Menschheit verändert das Weltraumwetter

Die atmosphärischen Kernwaffentests des Kalten Krieges erzeugten künstliche Strahlengürtel um die Erde. © NASA/GSFC, Genna Duberstein
Wirkung sogar aufs All: Der Einfluss der Menschheit reicht längst weit in den Weltraum hinaus, wie Daten der NASA belegen. So erzeugten die Atombombentests des Kalten Krieges kurzzeitig zusätzliche Strahlengürtel um die Erde und verursachten Polarlichter sogar in den Tropen. Die heute zur Kommunikation genutzten niederfrequenten Radiosignale dagegen haben die Innengrenze des Van-Allen-Gürtels messbar verändert und nach außen verschoben.

scinexx

Als Weltraumwetter werden typischerweise alle Phänomene bezeichnet, die sich im nahen Weltraum rund um unseren Planeten abspielen – in dem Bereich, der durch das Erdmagnetfeld und die Van-Allen-Strahlengürtel vor kosmischer Strahlung und Sonnenstürmen weitgehend abgeschirmt wird. Erst diese gestaffelten Schutzschilde ermöglichen es Satelliten und Astronauten, längere Zeit im Erdorbit ohne schwere Schäden zu überstehen.

weiterlesen

These Bicycles Eat Smog and Spit Out Clean Air

Image: Studio Roosegaarde
The Smog Free Project was inspired by air pollution problems in Beijing.

By Lisa Cumming | MOTHERBOARD

Bike sharing programs in China are big right now. There are over 30 Chinese start-ups and one of the largest of them all, Ofo, has about 2.2 million bikes in 43 cities. Daan Roosegaarde, an inventor from the Netherlands and the designer behind China’s smog-sucking tower, wants to get in on the action with a bike that sucks up smog and releases clean air.

About three years ago his design and technology company, Studio Roosegaarde, launched the Smog Free Project, which started after he visited Beijing and saw the impacts of pollution. „Some days I couldn’t see the other side of the street,“ he told me over the phone.

„The project is about the dream of clean air, clean water and clean energy,“ he said.

read more

„Wann wird Karrierismus zur Gefahr?“

© dpa Betrügereien fangen oft schon im kleinen an: Zum Beispiel, wenn mögliche Nebenwirkungen verschwiegen werden.
Auch in Deutschland kommen manchmal Patienten durch medizinische Forschung zu Schaden. Der Arzt Carsten Engelmann will untersuchen, wie das geschehen kann – und wie die Aufklärung behindert wird.

Von Lucia Schmidt | Frankfurter Allgemeine

Deutsche Wissenschaftler, die in der Forschung rechtliche Grenzen überschreiten und damit in manchen Fällen das Patientenwohl gefährden: In einer Studie möchten Sie untersuchen, unter welchen Bedingungen so etwas geschehen kann. Wie kommen Sie auf diese Fragestellung, Herr Engelmann?

Ich habe in meinem beruflichen Leben erstmals 1996 an einer Berliner Großforschungseinrichtung erlebt, wie in Medizin und Wissenschaft Dinge grundlegend schieflaufen, und danach – reiner Zufall – einige vergleichbare Fälle ganz aus der Nähe miterlebt. Gemeinsamer Nenner in allen Vorfällen: Alle rücken von den „Sündern“ ab, aber systematische Konsequenzen bleiben meist aus. Es waren jüngst aktuelle Beispiele, die mich haben begreifen lassen, dass der „Skandal“ kein geeignetes Format ist, hier nachhaltig voranzukommen. So darf es nicht weitergehen, und das hat mich motiviert, eine solche Studie durchzuführen.

weiterlesen

Riesenauge in Chiles Wüste soll Sternenlicht einfangen

Das Extremely Large Telescope kostet 1,1 Milliarden Euro – EPA
Ein abgelegener Berggipfel in Chiles Atacamawüste wird zum Zentrum eines weltweit einmaligen Projekts. Hier wird nach jahrelangen Vorbereitungen das größte optische Teleskop der Welt gebaut.

Die Presse.com

Der Armazones-Berg (3.048 Meter) befindet sich 130 Kilometer südlich von Antofagasta im Norden Chiles. Vor zwei Jahren wurde die Spitze gesprengt, um eine Plattform für das Extremely Large Telescope (ELT) zu errichten. Am 26. Mai will Chiles Staatschefin Michelle Bachelet den Grundstein legen. Ab 2024 soll das Teleskop hier sein erstes Sternenlicht einfangen.

Das Projekt der Europäischen Südsternwarte (ESO) hat in der Wüste einen idealen Standort gefunden. Dank der sogenannten Humboldt-Strömung ist die Region fast ständig wolkenfrei. Die Wolken bleiben entweder über dem Pazifischen Ozean oder auf der argentinischen Seite der Anden. In rund 90 Prozent der Nächte ist der Sternenhimmel in der äußerst sauberen und trockenen Wüstenatmosphäre zur Beobachtung frei.

weiterlesen

Katalaunische Felder: Mit diesen Schätzen zogen Hunnen in die Schlacht

Die Restaurierung der Stücke war wesentlich teurer, als es eine sachgerechte Bergung gewesen wäre Quelle: GDKE, Sigmar Fitting
2013 fand ein Raubgräber in der Pfalz einen Schatz. Jetzt sind sich die Forscher sicher, dass es sich um die Beute eines Hunnen handelte, der mit Attila nach Gallien zog. Ein Stück ist eine Sensation.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Der Mann ging ohne Skrupel vor. Irgendwann im Sommer oder Frühherbst 2013 stach er im Wald von Rülzheim im südlichen Rheinland-Pfalz seine Schaufel in den Boden und warf die Erde auf. Der Raubgräber, damals gerade 20 Jahre alt, ahnte wohl nichts davon, dass das Eisen, das ihm sein Metalldetektor im Waldboden angezeigt hatte, eine echte Sensation war. Mehr als anderthalbtausend Jahre lang war es im Boden vergraben gewesen. Der junge Mann ahnte vielleicht auch nichts von der zerstörerischen Kraft der Korrosion, die das Eisen, sobald es Sauerstoff, wechselnden Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt war, angriff. Doch durch die kriminelle Grabung war der Schatz in großer Gefahr. Ein spektakuläres Zeugnis des Lebens in der Spätantike war kurz davor, für immer zu zerfallen.

weiterlesen

„Missing Link“: Vom Antikommunismus bis zu Ufos – Blick in alte BND-Akten

(Bild: Bundesarchiv)
Das Bundesarchiv verwahrt in digitaler Form auch alte Akten des BND und seiner Vorgängerin, der Organisation Gehlen. Im Oktober 2016 gingen 30.000 Seiten online; weitere sollen folgen. Wir haben für Sie aufgeklärt.

Von Ralf Bülow | heise online

Geheimdienste sind ja gar nicht so. Im Januar dieses Jahres gab die CIA ihre CREST-Datenbank mit mehr als 11 Millionen Seiten ins Netz. Andere Unterlagen der Agency sind schon länger in gleicher Weise zugänglich. Auch Akten der NSA und des FBI lassen sich mühelos online einsehen. Manche Passage ist nach wie vor mit weißen Streifen überklebt und viele CIA-Akten sind recycelte Zeitungsartikel. Dennoch liest man sie ganz gerne.

Der Bundesnachrichtendienst setzte von 2011 bis 2016 zehn Mitteilungen der Forschungs- und Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“ ins Internet, die einst geheime Papiere darboten. Über die James-Bond-Kopie „Mister Dynamit“ berichteten wir schon im Dezember 2014. Weniger bekannt wurde im Oktober 2016 eine Pressemitteilung des Koblenzer Bundesarchivs. Sie besagte, dass Akten aus der Frühzeit des BND nunmehr online zur Verfügung stünden.

weiterlesen

Bestandaufnahme der irdischen Pflanzenwelt

Pflanzen sind unsere Lebensgrundlage – aber auch eine längst nicht komplett erforschte Welt © Kew Gardens
Grüne Lebensgrundlage: Die irdische Pflanzenwelt ist bisher nur in Ansätzen erfasst und erforscht. Allein im letzten Jahr wurden 1.730 neue Pflanzenarten entdeckt, wie der aktuelle Zustandsbericht zur irdischen Pflanzenwelt darlegt. Erst bei 225 Pflanzenarten hat man bisher das Erbgut entschlüsselt – angesichts von knapp 400.00 Gefäßpflanzenarten weltweit eine verschwindend geringe Zahl.

scinexx

Sie produzieren den lebenswichtigen Sauerstoff und liefern Mensch und Tier die nötige Nahrung: Pflanzen. Ohne sie sähe die Erde nicht nur völlig anders aus, die Pflanzenwelt ist auch eine Voraussetzung für Leben wie wir es kennen. „Pflanzen bilden die Basis der irdischen Ökosysteme und haben das Potenzial, einige unsere drängendsten Probleme zu lösen“, sagt Kathy Willis, wissenschaftliche Leiterin der Royal Botanical Gardens im englischen Kew.

weiterlesen

Auf ein Grab gründeten die Nachfolger Petri ihre Macht

Eine Rekonstruktion des antiken Petrus-Grabes. In der Erde im offenen Schacht sollen die sterblichen Überreste des Apostels verscharrt worden sein Quelle: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
Wie wurde aus dem Jünger Jesu der Bischof von Rom und das Oberhaupt der größten Glaubensgemeinschaft? Die unwahrscheinliche Karriere verdankt sich einem Grab, wie jetzt in Mannheim zu sehen ist.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Der kleine Schacht ist nicht einmal einen halben Quadratmeter groß und kaum 50 Zentimeter tief. Dennoch ist die nicht ganz rechteckige Lücke das vielleicht „historisch bedeutendste Denkmal überhaupt“, urteilt Hugo Brandenburg, der Doyen der christlichen Archäologie, denn es wird durchgehend seit mindestens 1850 Jahren verehrt.

Eine originalgetreue Eins-zu-eins-Rekonstruktion dieser Nische ist der Auftakt zur großen Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“, die jetzt im Zeughaus der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen eröffnet. Denn bei der eher unscheinbaren Konstruktion, die um 160 n. Chr. am Rande des Mons Vaticanus oberhalb des westlichen Tiberufers in Rom errichtet wurde, handelt es sich um das Grabdenkmal für den Apostel Petrus. Also um den eigentlichen Ursprung des Papsttums und damit der christlichen Kirche.

weiterlesen

Pfeiffer: Kirche muss Luthers Judenfeindlichkeit aufarbeiten

links: Bildnis von Gewalt gegen Juden entstanden 1250 ;rechts: „Von den Juden und ihren Lügen“: mit dieser Schrift begann Martin Luthers Serie judenfeindlicher Schriften von 1543. Bild: zu-Daily.de
Die Kirche habe es vor vier Jahren zum 75. Jahrestag der NS-Pogromnacht von 1938 versäumt, selbstkritisch Rückschau zu halten, schreibt Pfeiffer in einem Beitrag für die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (Samstag).

evangelisch.de

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat die evangelische Kirche aufgefordert, die Judenfeindlichkeit des Reformators Martin Luther (1483-1546) gründlich aufzuarbeiten. Die Kirche habe es vor vier Jahren zum 75. Jahrestag der NS-Pogromnacht von 1938 versäumt, selbstkritisch Rückschau zu halten, schreibt Pfeiffer in einem Beitrag für die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (Samstag). Evangelische Theologen hätten sich bis zur NS-Zeit immer wieder zustimmend mit Luthers judenfeindlichen Äußerungen auseinandergesetzt. Luthers Forderungen hätten bereits vorweggenommen, was knapp 400 Jahre später von den Nazis in der Pogromnacht verwirklicht worden sei.

weiterlesen

Jane Goodall: „Wer sehr arm ist, wird Bäume fällen“

foto: the jane goodall institute Ihre Forschungsergebnisse wurden wegweisend für die Wahrnehmung dieser Tiere. Sie beschrieb ihre Charaktere, ihre Emotionen, ihre Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, und zeigte damit, wie ähnlich sie uns Menschen sind.
Die Verhaltensforscherin berichtet, wie man die Umwelt durch den Bau von Toiletten in Schulen und Bildung von Mädchen stärken kann

Interview Julia Schilly | derStandard.at

Mit 23 Jahren und ohne Universitätsabschluss in der Tasche zog Jane Goodall los, um Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark im Westen Tansanias zu erforschen. Das Budget kam von dem Paläoanthropologen Louis Leakey, der auch die Arbeit von Dian Fossey mit Gorillas und Birutė Galdikas mit Orang-Utans unterstützte. „Zu der Zeit waren wir alle sehr naiv in dem Alter“, sagt die Britin. Dennoch konnte sie bald erste Erfolge vorweisen: Schon im ersten halben Jahr sammelte sie bahnbrechende Erkenntnisse. So beobachtete sie etwa, wie Schimpansen mit Ästen nach Termiten fischten und mit Steinen Nüsse knackten. Den Gebrauch von Werkzeugen trauten sich die Menschen bis dahin nur selbst zu. der STANDARD traf die 83-Jährige am Donnerstag vor ihrem Vortrag in der ausverkauften Expedithalle in der Ankerbrotfabrik.

STANDARD: Ihre Arbeit Anfang der 1960er-Jahre wurde von Kollegen als unkonventionell bewertet: Sie gaben den Schimpansen Namen anstatt Nummern und betrachteten sie als Individuen mit eigenständigen Persönlichkeiten. War diese Herangehensweise ohne die Scheuklappen der damaligen wissenschaftlichen Regeln ein Vorteil?

Goodall: Mein Mentor Louis Leakey war überzeugt, dass diese Denkweise nicht durch die wissenschaftlichen Theorien jener Zeit eingeschränkt war. Ich weiß nicht, wie sehr mich ein akademischer Grad verändert hätte.

STANDARD: Sie beobachteten Schimpansen etwa beim Gebrauch von Werkzeugen. Wie war die Reaktion anderer Wissenschafter?

Goodall: Mir wurde nicht geglaubt. Ich hatte ja noch keine wissenschaftlichen Referenzen. Mir wurde sogar vorgeworfen, dass ich den Affen beigebracht hätte, die Werkzeuge zu verwenden. Wie sollte man das komplett wilde Tiere lehren? Das wäre doch ein brillanter Erfolg gewesen. (lacht)

weiterlesen

„Es gehört viel Mut dazu, Gesicht zu zeigen“

Iris Gleicke (SPD) ist Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa)
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung über die neue Rechtsextremismus-Studie, die sie in Auftrag gegeben hat.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Frau Gleicke, das Göttinger Institut für Demokratieforschung kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass Ostdeutschland ein größeres Problem mit Rechtsextremisten habe als Westdeutschland, warnt aber vor einem Generalverdacht. Teilen Sie die Einschätzung?
Ich finde die Ergebnisse sehr interessant, weil sie deutlich machen, dass es den Rechtsextremismus in Ostdeutschland eben nicht gibt. Es geht im Übrigen auch nicht um Stigmatisierung, sondern darum, Prozessen in bestimmten Regionen ein Stück weit nachzuspüren. Es gibt vielfältige, ganz unterschiedliche Gründe. Damit kann man weiter arbeiten. Die Antworten müssen vor Ort gefunden werden.

Man hat zuweilen den Eindruck, die Autoren wollten dem Osten nicht allzu wehtun, damit Sie nicht so viel Ärger kriegen wie 2016, als Sie erklärten, der Rechtsextremismus schade der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.
Ich gehe davon aus, dass das Echo wie im vergangenen Jahr sehr geteilt sein wird. Die Ministerpräsidenten egal welcher Couleur haben mich damals alle beschimpft, auch die „Berliner Zeitung“ hat einen angeblichen ‚neuen Osthass‘ entdeckt. Dabei habe ich schon im vergangenen Jahr gesagt, dass Rechtsextremismus kein alleiniges Ost-Problem sei. Aber das Problem ist im Osten größer; die Zahlen sind da eindeutig. Deshalb ist es wichtig, sich das anzugucken und Handlungsempfehlungen zu geben.

weiterlesen

Times of Israel: Bannon und Breitbart: Freunde Israels, keine Antisemiten

Adolf Eichmann + Steve Bannon = Zionists!?! Bild. dailykos.com
In seinem inspirierenden Buch “Worte, die schmerzen, Worte, die heilen,” schreibt Rabbi Joseph Telushkin: “Weil Worte eingesetzt werden können, um zerstörendes und unwiderrufliches Leid zuzufügen, geht die jüdische Lehre soweit, grausame Worte mit Mord zu vergleichen.”

Von Morton A. Klein | The Times of Israel/haOlam.de

Daher ist es schmerzlich, den bösartigen Rufmord und die falschen “Antisemitismus” Anschuldigungen mit anzusehen, die gegen den vom designierten Präsidenten Trump ernannten Stephen Bannon und gegen dessen Breitbart Medien geschleudert werden.

Der Pro-Israel Autor und leitende Redakteur von Breitbart Medien, Joel E. Pollak, bekämpfte dies, indem er schrieb, dass Bannon in Wahrheit “ein amerikanischer Patriot sei, der Israel verteidigt und tiefes Mitempfinden mit dem jüdischen Volk hat.” Pollak ist ein orthodoxer Jude. Würde ein orthodoxer Jude Bannon loben und ertragen, sechs Jahre mit ihm zusammenzuarbeiten, wenn Bannon ein häßlicher Judenhasser und Israelankläger wäre?

ZOAs eigene Erfahrungen und die Analyse von Breitbart Artikeln bestätigt Bannons und Breitbarts Freundschaft und faire Einstellung zum jüdischen Volk und zu Israel. Die Anklage gegen Bannon und Breitbart wegen Antisemitismus könnte direkt von Orwell stammen (Anm. in Orwells Roman “1984” wird die Realität von staatlicher Seite bekanntlich in ihr Gegenteil verkehrt, während die Lüge zur Realität erklärt wird).

weiterlesen

Molekulare Kondome machen Spermien unfähig für den letzten Kraftakt

Mit einem molekularen Kondom könnten Spermien nicht mehr in Eizellen eindringen Quelle: Getty Images/Dorling Kindersley
Zwei neue Wirkstoffe könnten herkömmliche Verhütungsmittel überflüssig machen. Pristimerin und Lupeol verhindern, dass die Spermien in die Eizellen eindringen. Aber es gibt ein Problem.

Von Pia Heinemann | DIE WELT

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler, die Pille für den Mann marktfähig zu machen. Und seit Jahrzehnten versuchen sie auch, für Frauen ein Mittel zu finden, das die Befruchtung der Eizelle nach dem Sex verhindert. Doch obwohl erste Substanzen bereits in Tierversuchen erfolgsversprechend sind, hat es bisher noch kein Produkt auf den Markt geschafft. Offenbar ist es nicht so einfach, Spermien sicher und ohne Nebenwirkungen zu blockieren.

Nun weckt der Fund neuer Substanzen die Hoffnung auf eine Revolution der Verhütung.

Wissenschaftler aus den USA setzen nun auf molekulare Kondome. Dabei setzen sie vor allem auf zwei Stoffe. Der eine ist Lupeol, eine Substanz, die aus Kapernpflanzen, Mango und Birkenrinde gewonnen werden kann und in der Medizin auch als Mittel gegen viele verschiedene Erkrankungen erforscht wird.

weiterlesen

CHP: Ist Atatürks Partei am Ende?

Kemal Kılıçdaroğlu. Bild: Ziya Koseoglu/CC BY-SA-2.0
Die Republikanische Volkspartei CHP, gegründet von Mustafa Kemal Atatürk, steckt in einer tiefen Krise. Seit Jahren ist sie ziellos auf der Suche nach einem neuen Profil, schafft es aber kaum, der regierenden AKP etwas entgegenzusetzen. Statt ernstzunehmender Konzepte zur Lösung der Probleme des Landes setzt sie auf die alten kemalistischen Ideen, die in weiten Teilen längst anachronistisch geworden sind, und schwankt zwischen Fundamentalopposition und Appeasement.

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Parteichef Kemal Kilicdaroglu ist ein blasser Berufspolitiker, der außer populistischen Phrasen selten etwas zu bieten hat. Zwar war es ihm zeitweise gelungen, der CHP zu neuem Schwung zu verhelfen, nachdem er 2010 den Nationalisten Deniz Baykal abgelöst hatte – doch zu neuer Blüte konnte er die Partei nicht führen.

Und im letzten Jahr hat Kilicdaroglu einen Fehler an den anderen gereiht. Heute ist die Zukunft der CHP so unsicher wie nie zuvor. Die Immunität von Kilicdaroglu und mehreren CHP-Abgeordneten soll aufgehoben werden. Ihnen drohen – ebenso wie den Politikern der HDP – Strafverfahren und Gefängnis. Möglich ist das allein deshalb, weil die CHP vor rund einem Jahr, noch vor dem Putschversuch vom Juli 2016, einer Gesetzesänderung zugestimmt hatte, die die Immunitätsaufhebung erlaubt. Kilicdaroglu und seine Truppe müssen geglaubt haben, es würde sie nicht betreffen. Eine Entscheidung, die von Naivität geprägt war – wie so viele in jüngster Zeit.

Aber in AKP-Kreisen und regierungsnahen Medien wird schon seit einer ganzen Weile vom Ende der CHP geraunt. Nach Erdogans Säuberungslogik wäre der Schritt folgerichtig. Systematisch entledigt er sich seiner Gegner. Die Pressefreiheit ist abgeschafft, die Gewaltenteilung auch. Die Strukturen der Gülen-Bewegung sind weitgehend zerschlagen. Die Parteispitze, mehrere Parlamentarier und tausende Mitglieder der HDP sind in Haft, ebenso wie Politiker kleinerer oppositioneller und vor allem kurdischer Parteien. Der kurdische Südosten der Türkei steht unter Zwangsverwaltung, seit die gewählten Bürgermeister abgesetzt wurden.

weiterlesen