Archiv der Kategorie: Wissenschaften

Philosophie-Festival phil.Cologne: Peter Singer empört über Ausladung

Peter Singer im März 2009, Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0

Die diesjährige phil.Cologne hat ihren ersten Skandal: Der Veranstalter hat den Bioethiker Peter Singer wegen seiner radikalen Thesen wieder ausgeladen. Der Australier ist fassungslos. Die Festival-Leitung ringt um Erklärungen.


Von Michael Hesse|Kölner Stadt-Anzeiger

Der australische Philosoph Peter Singer hat verärgert auf die Ausladung von dem Philosophie-Festival phil.Cologne reagiert. „Wie können sie sich als Philosophie-Festival bezeichnen, wenn sie zu ängstlich sind, Fragen zu diskutieren, die einige Menschen stören?“, sagte Singer in einem Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „War das nicht immer die Rolle von Philosophen seit den Zeiten von Sokrates?“, fragte er. Der australische Denker hatte erst vor wenigen Tagen in der Berliner Urania einen Preis erhalten, den nach ihm benannten “Peter-Singer-Preis für Strategien zur Tierleidminderung” eines neu gegründeten gleichnamigen Fördervereins.

Er verwies  darauf, dass er  innerhalb einer Woche eine Reihe von Ehrungen erhalten habe, unter anderem wurde ihm die Ehrendoktorwürde an der Universität in Athen und der Universität von Bukarest verliehen. Auch die New York Times hatte erst vor zwei Tagen ein Interview mit ihm veröffentlicht. „Sie sind weniger ängstlich, kontroverse Themen zu diskutieren als das internationale Philosophie-Festival in Köln“, sagte Singer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

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Asteroid Impacts 3.3 Billion Years Ago Caused Earth’s Oceans To Boil

Image Credit: NASA/Don Davis

Image Credit: NASA/Don Davis

Don’t complain too much when temperatures rise this summer, because it used to be worse. A lot worse.


By Ed Mazza|The Huffington Post

Some 3.3 billion years ago, monster asteroids — in some cases bigger than Rhode Island — repeatedly slammed into the Earth with impacts so violent that air temperatures soared to 932 degrees Fahrenheit for weeks at a time, according to a new study published in the journal Geology.

Temperatures rose to such extreme levels that the oceans literally boiled, causing sea levels to drop by about 330 feet.

Yet somehow, early life managed to survive.

These impacts would have a profound influence on any life trying to evolve into more complex, low-temperature organisms,” geologist Donald Lowe of Stanford University, who led the research, told Science News. “They’d keep getting whacked by these giant impactors and driven to extinction or near extinction.”

Lowe and study co-author Gary Byerly of Louisiana State University made the discovery while examining the Barberton Greenstone belt in South Africa, where ancient rock is exposed.

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Antijudaismus: Das Märchen vom christlich-jüdischen Abendland

“do warden die iuden…mit gepürlicher peen des tods gestraft”: Pogrome in einer Darstellung der Schedel’schen Weltchronik aus dem Jahr 1493 Foto: commons.wikimedia.org

Eine Studie von David Nirenberg zeigt: Das Christentum war stets vom Kampf gegen die “Judaisierung” des Abendlandes geprägt. Dürfen wir unsere Kultur überhaupt noch “christlich-jüdisch” nennen?


Von Alan Posener|DIE WELT

Als Hannah Arendt 1933 aus Deutschland floh, widmete die Schülerin Martin Heideggers ihren ersten Essay dem Antisemitismus. Wie in ihrer späteren Arbeit über den Totalitarismus kritisierte die jüdische Denkerin die Vorstellung, der Antisemitismus sei etwas völlig Irrationales. Die Juden müssten sich fragen, warum sie von den Nazis als “Sündenböcke” auserwählt wurden. Ihre “Verhaftung” für die Ideologie, der sie zum Opfer fielen, lag – so Arendt – in den “speziellen Funktionen”, die sie im Kapitalismus ausübten: “Alle ökonomischen Statistiken beweisen, dass die deutschen Juden nicht zum deutschen Volk gehörten, höchstens zu seiner Bourgeoisie.”

Nun, die Statistiken, die Arendt heranzog, waren oft den Werken nationalsozialistischer Ökonomen entnommen. Aber selbst wenn es stimmte, wovon auch Theodor Adorno und Max Horkheimer bei ihren Erklärungsversuchen für den Antisemitismus ausgingen, dass Juden vor allem in der “Zirkulationssphäre” des Kapitals tätig waren: Wieso wurden nur sie zu Sündenböcken, und nicht die “Bourgeoisie” oder das “Finanzkapital” insgesamt?

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Homosexualität: Schwule Fliegen machen Weibchen fruchtbarer

Bild:4ever. bearb.: bb

Bild:4ever. bearb.: bb

Untersuchungen an Taufliegen liefern Indizien dafür, dass Homosexualität tatsächlich einen langfristigen evolutionären Vorteil bietet.


Von Lars Fischer|Spektrum.de

Gleichgeschlechtliche Liebe ist im Tierreich so universell verbreitet, dass dieses Verhalten vermutlich einen deutlichen evolutionären Vorteil bietet. Aus Fortpflanzungssicht erscheint es allerdings erst einmal eher kontraproduktiv – deswegen suchen Forscherinnen und Forscher schon eine ganze Weile nach dem versteckten Gewinn der Homosexualität. Jessica Hoskins und zwei Kollegen von der University of St Andrews in Großbritannien fanden jetzt einen Hinweis darauf, dass Homosexualität und Fruchtbarkeit zusammenhängen. In Versuchen mit Fruchtfliegen entdeckte das Team, dass in Stammbäumen mit vielen homosexuellen Männchen der weibliche Nachwuchs fruchtbarer war – die Forscherin schließt daraus, dass die Männchen dort ein genetisches Merkmal tragen, über das beide Eigenschaften verknüpft sind und das so die fehlende Fortpflanzung ausgleicht. Ob das Merkmal auch für weibliche Homosexualität verantwortlich ist, geht aus der Studie nicht hervor.

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Forscher finden “Lucys” Nachbar

Kiefer des Australopithecus deyiremeda, entdeckt in der Afar-Region Äthiopiens © Yohannes Haile-Selassie

Der Menschen-Stammbaum wird verwirrender: Forscher haben in Äthiopien ein Vormenschen-Fossil entdeckt, das von keiner bisher bekannten Art stammt. Dieser Australopithecus deyiremeda getaufte Vormensch lebte vor rund 3,3 – 3,5 Millionen Jahren in der Afar-Region und war damit direkter Nachbar von “Lucy” und anderen Vertretern des Australopithecus afarensis. Warum damals mehrere Vormenschenarten in einem Gebiet lebten, ist bisher rätselhaft, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


scinexx

Kaum eine Phase der Menschheitsgeschichte ist so rätselhaft wie die Zeit vor rund drei Millionen Jahren. Lange ging man davon aus, dass damals nur eine Vormenschenart existierte – der Australopithecus afarensis. Ihre berühmteste Vertreterin ist das Fossil Lucy, das 1974 in der Afar-Region Äthiopiens entdeckt wurde.

Rätsel um Lucys Zeitgenossen

Doch 2012 wurden ebenfalls in der Afar-Region 3,4 Millionen Jahre alte Fußknochen gefunden, die sich von denen dieses Vormenschen unterschieden. Auch im Tschad stießen Forscher auf Fossilien, die zwar zur Gattung Australopithecus, aber zu einer anderen Art gehören mussten. Und vor wenigen Wochen stellten Paläontologen fest, dass auch das berühmte Fossil “Little Foot” aus Südafrika keineswegs ein Nachfahre von Lucy und Co war, sondern ebenfalls ihr Zeitgenosse.

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54 Millionen Euro Entschädigung für Holocaust-Überlebende

Holocaust-Überlebende. Bild: yadvashem.org

Die Claims Conference hat mit der Entschädigung jüdischer Holocaust-Überlebender begonnen, die zur NS-Zeit noch Kinder waren.


evangelisch.de

Zunächst sollen 21.600 Überlebende aus 49 Ländern Einmalzahlungen von jeweils 2.500 Euro erhalten, wie die Opferorganisation am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Das entspricht einem Gesamtbetrag von 54 Millionen Euro. “Das besondere Leiden der jüdischen Kinderüberlebenden hat über Jahrzehnte keine Anerkennung erfahren”, sagte der deutsche Repräsentant der Claims Conference, Ruediger Mahlo. Durch die überfällige symbolische Zahlung 70 Jahre nach Kriegsende werde dies nun korrigiert.

Ältester Mord der Menschheit entdeckt

Lage, Einschlagswinkel und Form der Schäden sprechen für vorsätzliche Schläge © Sala et al./ PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0126589.g004

Mord in der Vorzeit: Forscher haben den bisher ältesten Mord der Menschheit aufgeklärt: Zwei Verletzungen an einem 430.000 Jahre alten Neandertaler-Schädel deuten darauf hin, dass dieser vorsätzlich angegriffen und durch Schläge mit einem stumpfen Gegenstand ermordet wurde. Das in Nordspanien entdeckte Fossil ist damit der älteste Beleg für Mord und Totschlag in der Menschheitsgeschichte, wie die Forscher im Fachmagazin “PloS ONE” berichten.


scinexx

Mord und Totschlag sind keine Erfindung der Neuzeit – ganz im Gegenteil. Schon vor rund 50.000 Jahren tötete einer unserer Vorfahren einen Neandertaler mit einem Wurfspeer, wie Ausgrabungen im Irak vor einigen Jahren zeigten. Und auch die berühmte Eismumie “Ötzi” wurde vor rund 5.000 Jahren Opfer eines Angriffs durch einen Mitmenschen.

Ein noch erheblich älteres Zeugnis zwischenmenschlicher Gewalt haben nun Nohemi Sala von der Universität Madrid und ihre Kollegen in Nordspanien entdeckt. Im Höhlensystem Sima de los Huesos stießen sie auf die Skelette von mindestens 28 Neandertalern. Diese müssen vor rund 430.000 Jahren durch den einzigen Zugang der Höhle, einen kleinen, senkrechten Schornstein im Fels, in die Kaverne hinabgeworfen worden sein – möglicherweise als eine Form der Bestattung.

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If You’ve Wondered Why So Many Politicians Deny Climate Change, Science Has Your Answer

Sen. James Inhofe, R-Okla., one of the Senate’s most high-profile deniers of climate science. CREDIT: AP Photo/J. Scott Applewhite

Scientists have known for a long time what’s causing current climate change. What’s been less clear is why so many U.S. politicians aren’t listening.
Sure, there’s been falsely balanced media coverage of climate science. And there are both financial and ideological incentives to deny that carbon emissions are causing the phenomenon.


By Emily Atkin|ClimateProgress

But according to new research published in Nature Climate Change, there’s at least one statistically proven reason why more than 56 percent of Congressional Republicans deny climate change: echo chambers.

The term “echo chambers” traditionally refers to situations where people surround themselves with information they want to hear, and block out the rest. We’ve known for a while that these present themselves in climate politics; A 2014 study suggested that the reason Americans haven’t fully accepted the scientific consensus on climate change is because of echo chambers like Fox News, where conservative viewers are “exposed only to content consistent with their opinions, while shielded from dissenting views.”

The study published Monday, however, looked at how echo chambers specifically affected members of Congress and the people who influenced them during the 2010 debate over cap-and-trade. And what it found was that the presence of echo chambers only impeded scientific debate when they appeared on the side that denied the science of human-caused climate change. That’s because those echo chambers relied on significantly fewer pieces of peer-reviewed science to make their claims that carbon emissions were not worth limiting.

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Kann man Robotern Moral beibringen?

Bild: 4ever.eu bearb.: bb

Bild: 4ever.eu bearb.: bb

Vernunft, Entscheidungsfähigkeit, Urteilskraft – wie viel von diesen menschlichen Kompetenzen lässt sich auf Roboter übertragen? Maschinen könnten durchaus ähnlich wie ein Mensch handeln, sie seien “Quasi-Akteure”, sagt die Philosophin Janina Sombetzki.


Janina Sombetzki im Gespräch mit Liane von Billerbeck|Deutschlandradio Kultur

In Köln findet derzeit das Internationale Festival der Philosophie “phil.COLOGNE” statt. Dort wird die Kieler Philosophin Janina Sombetzki einen Vortrag zum Thema Roboterethik halten.

Maschinen könnten durchaus ähnlich “wie ein Mensch” handeln, sie seien als “Quasi-Akteure” zu betrachten, sagte Sombetzki im Deutschlandradio Kultur. Bestimmte menschliche Fähigkeiten und Kompetenzen ließen sich in äquivalenter Weise auf Maschinen übertragen, etwa Urteilskraft, Entscheidungsfähigkeit, Vernunft oder Autonomie.

“So dass man nicht sagen muss: Maschinen haben Autonomie, Maschinen haben  Verantwortung. Sondern sie tragen etwas vergleichsweise Ähnliches. Sie funktionieren in einer ähnlichen Weise wie Menschen. Und sie werden in Situationen zum Einsatz gebracht, in denen eben vorher auch Menschen handelten und immer noch handeln.”

Bei der Diskussion um Roboterethik sei das Verständnis von Autonomie von zentraler Bedeutung, meinte Sombetzki. Viele Kritiker definierten Autonomie ausschließlich als das Fehlen von äußeren Gründen. Dem sei eine andere Definition von Autonomie “im starken Sinne” entgegenzusetzen:

“Autonomie ist überall dort, wo wir unserem Handeln Gründe setzen. Bei Menschen ist das relativ einfach, da sagt man: wie kommen wir zu unseren guten Gründen? Durch Erziehung beispielsweise, durch Bildung, durch Kommunikation. Und bei Maschinen müssten wir dann sagen: Die guten Gründe stellen sozusagen die Programmierung dar.”

Aufgabe der Wissenschaftler sei es, den Diskurs über die Roboterethik in die Öffentlichkeit zu tragen. Dabei gehe es besonders um moralische und ethische Fragen:

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Ozon: Was wäre wenn…

Entwicklung des antarktischen Ozonlochs von 1957 bis 2001 © RedAndr/ CC-by-sa 3.0

Ein Ozonloch über dem Nordpol, UV-Alarm in unseren Breiten und viermal so viel Hautkrebs: Wenn es 1987 das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht nicht gegeben hätte, wäre all dies heute Realität. Das belegt eine ungewöhnliche “Was wäre wenn”-Studie von Klimaforschern im Fachmagazin “Nature Communications”. Ihre Simulation belegt, dass das Verbot vieler ozonzerstörender Substanzen sich bereits messbar positiv auf die Ozonschicht ausgewirkt hat.


scinexx

Die irdische Ozonschicht ist unser wichtigster Schutz vor schädlicher UV-Strahlung. Doch anthropogene Emissionen chlorhaltiger Treibgase und anderer Halogenkohlenwasserstoffe setzte in der Ozonschicht eine zerstörerische Kettenreaktion in Gang, die über der Antarktis ein Ozonloch verursachte und die Ozonschicht auch in anderen Regionen ausdünnte. Um dem Einhalt zu gebieten, beschloss die internationale Staatengemeinschaft 1987 im Montreal-Protokoll, chlor- und bromhaltige ozonabbauende Substanzen zu verbieten oder ihre Produktion zumindest stark zu reduzieren.

Was wäre wenn…?

Allerdings war damals schon klar, dass sich die Ozonschicht wegen der Langlebigkeit der Chlorverbindungen nur mit großer Verzögerung erholen wird. So hat sich das antarktische Ozonloch zwar seither bereits verkleinert, im Winter 2011 riss aber dafür ein Ozonloch über dem Nordpol auf, ausgelöst durch eine ungewöhnliche Kälte. Studien zeigen zudem, dass die irdische Ozonschicht noch immer um rund vier Prozent unter dem langjährigen Mittel liegt.

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Das Dach der Welt verliert sein Eis

Blick auf Mount Everest und Co vom Dubh Kosi Becken aus © Patrick Wagnon

Himalaya ohne Schnee? Die Gletscher rund um den höchsten Berg der Welt könnten schon bald drastisch schrumpfen: Bis 2050 droht eine Halbierung des Eisvolumens in der Mount Everest-Region, bis 2100 könnte sogar fast alles Eis verschwinden, wie Forscher im Fachjournal “Cryosphere” berichten. Für die Bewohner Nepals und anderer angrenzender Gebiete wäre dies fatal, denn ihre Wasserversorgung hängt größtenteils von den Himalaya-Gletschern ab.


scinexx

Die Gletscher des Himalaya sind das größte irdische Eisreservoir außerhalb der Polargebiete. Ihr Eis spielt daher für den Wasserhaushalt der Region, aber auch für das Klima Asiens eine wichtige Rolle. Wie sich der Klimawandel auf diese Region auswirkt, ist aber bisher nur in Teilen klar. “Die meisten Regionen zeigen in den letzten Jahren deutliche Gletscherrückgänge”, berichten Joseph Shea vom International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) in Kathmandu und seine Kollegen. Es gibt aber auch Ausnahmen, darunter der Karakorum und das Pamirgebirge.

Dach der Welt im Computermodell

Wie sensibel die Himalaya-Region rund um den Mount Everest reagiert, haben Shea und seine Kollegen nun ermittelt. Sie untersuchten das Gebiet des sogenannten Dudh Kosi-Beckens. Dieses umfasst nicht nur die Gipfel des Mount Everest, des Nuptse, Makalu und anderer Gebirgsriesen, es enthält auch gut 400 Quadratkilometer Eisfläche. “Diese Region gilt als potenziell sensibel gegenüber der globalen Erwärmung”, erklären die Forscher. Aber weil 80 Prozent der Gletscher im Dubh Kosi-Becken oberhalb von 5.000 Metern liegen, sind Messdaten rar.

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Pietistische Mission nannte Juden zur NS-Zeit einen “Fluch”

Bild: wikimedia.org

Die evangelikale Liebenzeller Mission hatte laut neuen Forschungsergebnissen während des Nationalsozialismus einen rassistischen Umgang mit Juden, selbst wenn sie zum Christentum übergetreten waren.


evangelisch.de

So heißt es in einer 1934 veröffentlichten Stellungnahme der Missionsleitung, die Juden seien “für die anderen Völker der Erde ein Fluch”. Der evangelische Pfarrer und Dozent Helmuth Egelkraut legte am Dienstag im baden-württembergischen Bad Liebenzell das Ergebnis seiner Recherchen vor, die er im Auftrag der Liebenzeller Mission in den vergangenen zweieinhalb Jahren über die Geschichte des Werks unternommen hatte.

Egelkraut zufolge war die Mission stark einem preußischen und patriotischen Denken verhaftet. Deshalb habe sie die Machtübernahme Hitlers begrüßt. Gleichzeitig heißt es in der Stellungnahme der damaligen Leitung, man habe “Mäckerer” und “kritische Stimmen in unseren Versammlungen” gegen die Hitler-Regierung nicht geduldet.

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Überraschende Polarlichter auf dem Mars

So grünlich könnten die Polarlichter auch auf dem Mars leuchten © NASA/ James Spann

Grünliche Schleier am Marshimmel: Die NASA-Sonde MAVEN hat erstmals auch auf der Nordhalbkugel des Roten Planeten Polarlichter entdeckt. Das Überraschende daran: Sie treten damit auch dort auf, wo der Mars gar kein Magnetfeld besitzt und sind damit viel weiter verbreitet als bisher angenommen. Das bisher im UV-Bereich nachgewiesene Himmelsphänomen würde Astronauten auf dem Mars vermutlich als grünliches Leuchten erscheinen, so die Forscher.


scinexx

Polarlichter auf der Erde entstehen überall dort, wo die energiereichen Partikel des Sonnenwinds auf die geladenen Teilchen der oberen Atmosphäre treffen. Dies geschieht vor allem in den Polarregionen, wo die Feldlinien des schützenden Magnetfelds nahezu senkrecht zur Erde stehen. Die Sonnenwindteilchen werden entlang dieser Linien in Richtung Erdoberfläche geleitet.

Auroren außerhalb der “Magnetpilze”

Auf dem Mars gibt es aber kein planetares Magnetfeld, der “Schutzkäfig” fehlt daher. Stattdessen gibt es vor allem auf der Südhalbkugel einige lokale Magnetfelder, die pilzförmig aus dem Untergrund in die Höhe ragen. Sie sind die Relikte eines einst vollständigeren Felds, das schon vor Milliarden Jahren verschwand. Vor rund zehn Jahren entdeckte die ESA-Raumsonde Mars Express an diesen “Magnetpilzen” die ersten marsianischen Polarlichter.

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Atheistenpreis für “Bad Religion”-Sänger Greg Graffin

Bad Religion

Promovierter Evolutionsbiologe ist er, aber auch eine Punkrock-Ikone. Jetzt erhielt „Bad Religion“-Sänger Greg Graffin in Köln den Atheistenpreis.


Von Thomas Mader|WAZ

Eine Punkrock-Ikone stellt man sich, nun ja, unfrisierter vor. Ordentliche schlohweiße Haare (mit 50 Jahren), ein unscheinbares Hemd und Wanderturnschuhe – äußerlich entspricht der Amerikaner Greg Graffin eher dem Klischee seiner anderen Profession: Der „Bad Religion“-Sänger ist auch promovierter Evolutionsbiologe. In Köln verlieh ihm am Samstag der „Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten“ seinen Preis „Sapio“ – weil Graffin es sich zur Mission gemacht hat, für Selbstbestimmung und gegen Denkverbote einzutreten.
Punk für eine bessere Gesellschaft

In seinem neuen Buch „Population Wars“ (etwa „Kriege der Völker“) zum Beispiel, das im September erscheint, will Graffin zeigen, dass es nicht um Sieg oder Ausrottung geht, wenn Bakterien oder Tiere sich bekämpfen, dass das Bild vom Krieg als Treiber der Evolution falsch ist.

„Wenn eine Population sich erst mal etabliert hat, ist sie nur sehr schwer auszulöschen. Viel öfter enden Konflikte mit Assimilation.“ Und wären Kriege, wie Menschen sie führen, nicht vermeidbar, wenn wir einen neuen Blick darauf gewännen?

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So begründet Peter Singer Tötung behinderter Babys

Foto: Wikipedia/Joel Travis Sage/ CC BY 3.0 Der australische Philosoph Peter Singer kämpft für die Rechte von Tieren. Hoch umstritten ist er, weil er die Tötung behinderter Säuglinge nicht zwangsläufig als “Unrecht” betrachtet

Gegen eine Preisverleihung für den Tierrechtler Peter Singer heute in Berlin gibt es Widerstand. Ihm wird geistige Nähe zu Nazis attestiert. Seine Schriften zeigen: Der Vorwurf ist schwer zu halten.


Von Ulli Kulke|DIE WELT

Peter Singer könnte ein Star sein in der politisch korrekten Welt. Der australische Philosoph ist einer der weltweit bekanntesten Tierrechtler, der Affen auf eine Stufe mit Menschen stellt, Leib und Leben von beiden denselben Schutz zukommen lassen will. Singer spricht sich aber auch für die Aufnahme von viel mehr Flüchtlingen in den reichen Ländern aus, selbst wenn es dort für die Menschen dann ungemütlicher wird. Er plädiert für weniger Kino- oder Restaurantbesuche, um mehr an die Dritte Welt spenden zu können. Aus alldem fügt sich sein Gesamtkonzept des Utilitarismus – das Bemühen, den Nutzen für alle Lebewesen gleichzustellen und ihn zu mehren, ohne Unterschiede zwischen Ethnien, aber eben auch nicht zwischen Arten, zwischen Tier und Mensch.

So weit, so gut. Da sollte der Beifall eigentlich groß sein in der Szene, wenn der Philosoph an diesem Dienstag in der Berliner Wissenschaftsarena Urania einen Preis bekommt für sein Engagement, insbesondere für das “Great Ape Project” (Projekt für große Affen), das unter dem Motto “Menschenrechte für Menschenaffen” steht. Der Name der Auszeichnung: Peter-Singer-Preis, gestiftet vom Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V.

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Schmidt-Salomon sagt Laudatio auf Peter Singer ab

M. Schmidt-Salomon, Bild: BB

M. Schmidt-Salomon, Bild: BB

Der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, hat seine Beteiligung am Festakt zur Verleihung eines Tierschutzpreises an den australischen Philosophen Peter Singer abgesagt.


giordano bruno stiftung

Grund ist ein aktuelles Interview mit Singer, das die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am gestrigen Sonntag veröffentlichte: „Peter Singer hat in diesem Interview Positionen vertreten, die meines Erachtens nicht nur im Widerspruch zu einem humanistisch-emanzipatorischen Politikverständnis, sondern auch im Widerspruch zu seinen früheren Standpunkten stehen“, sagte Schmidt-Salomon. „In dieser Situation muss ich die Reißleine ziehen, denn ich kann keine Laudatio auf einen Preisträger halten, bei dem ich nicht einschätzen kann, welche Positionen er tatsächlich vertritt.“

Michael Schmidt-Salomon hob in seinem Statement hervor, „dass Peter Singer die ethische Debatte über Tierrechte, Anti-Diskriminierung, Bekämpfung der absoluten Armut, Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe befruchtet hat wie kaum ein anderer Philosoph weltweit“. Seine Impulse für eine zeitgemäße ethische Debatte seien unverzichtbar, seine aktuellen Äußerungen jedoch unverständlich, wenn nicht gar unverantwortlich: „Falls Peter Singer tatsächlich die Auffassungen vertritt, die in dem aktuellen NZZ-Interview zum Ausdruck kommen, muss man seine Argumente nicht nur auf philosophischer, sondern auch auf politischer Ebene entschieden kritisieren.“

Peter Singer hatte in dem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung erklärt, dass die Geburt „keine scharfe Grenze“ markiert und „andere Faktoren“ entscheidend sind, etwa „ob das Kind Schmerz empfindet oder Selbstbewusstsein entwickelt“. Ein „Frühgeborenes im Alter von 23 Wochen“ habe „keinen anderen moralischen Status als ein Kind mit 25 Wochen in der Gebärmutter“. Die NZZ fasste dies – von Singer unwidersprochen – mit den Worten zusammen: „Ein Neugeborenes halten Sie nicht für schützenswerter als einen Embryo.“

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Waldrapp in Palmyra: IS-Einmarsch bedroht auch seltene Vogelart

Waldrapp-Jungvogel (Geronticus eremita). Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0

Angesichts der vielen Gräueltaten der Terrormiliz ist es nur eine Randnotiz, für Naturschützer dürfte es dennoch eine traurige Nachricht sein: Die Eroberung der Oasenstadt Palmyra durch den IS könnte auch das Ende der letzten Waldrappe Syriens bedeuten.


SpON

Der “Islamische Staat” (IS) hat vor wenigen Tagen Palmyra besetzt. Meldungen zufolge werden Anhänger von Dikator Assad systematisch aufgespürt und ermordet.

Den Ruinen der antiken Oasenstadt, die zum Weltkulturerbe zählen, droht die Zerstörung.

Ein Bericht der britischen BBC zeigt also bei weitem nicht das drängendste Problem in der besetzten syrischen Stadt auf, es ist jedoch ein weiteres Beispiel für die Zerstörung, die der IS über Syrien bringt.

Die letzten Waldrappe Syriens brüteten nahe Palmyra. Drei Vögel wurden laut dem Bericht in Gefangenschaft gehalten. Nachdem ihre Betreuer wegen der Kämpfe geflohen sind, weiß man nicht, was aus ihnen geworden ist. Wo sich ein bestimmtes Waldrapp-Weibchen aufhält, ist auch unbekannt: Es geht um den einzigen Vogel, der die Reiseroute vom Brutquartier in Syrien zum Winterquartier in Äthiopien zuverlässig kennt und daher enorm wichtig ist, um die Zugvogel-Population zu erhalten.

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Digital Anthropologists Explore What It Means to Be a Human in a Dataverse

Image: DaC3

Image: DaC3

Hannah Redler wants to examine how humans own and control their information within a dataverse. “We wanted to look at the human at the centre of all the technology and data,” she told me. “It isn’t just about being tech-savvy, but about how technology affects us in our everyday lives.”


By Emiko Jozuka|MOTHERBOARD

Redler is the curator in residence for the Data as Culture 3 exhibit, currently on show at the UK’s Open Data Institute, which promotes public engagement with open data. For this year’s exhibit, titled “Data Anthropologies,” current artists in residence Alison Craighead and Jon Thomson are showing documentary-led artworks that focus on how humans are dealing with an increasingly data-dense digital environment.

The duo’s past and most recent works, based on freely available data, are dotted around ODI’s office space. Inside the reception area, you’ll glimpse “Six Years of Monday,” featuring an alternative, split-screen view onto a series of time-lapse recordings of the weather. The images come from a collection of footage painstakingly taken by a Scottish man from his window every Monday from 6 AM to 6 PM since 2006 in the Scottish Kingdom of Fife.

Venture further into the office, and you’ll see an older piece from 2004 called “Decorative Newsfeed” that shows a series of live news headlines rotating like digital snakes around a screen. “Corruption” features a frame from a corrupt video file on a photographic lightbox, and “Voyager” offers a curiously analogue take on the first man-made probe to venture into our solar system. The piece is a woodblock print displaying a selection of then UN secretary general’s greeting messages to the roaming probe.

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Ist der ewige Gott nur ein Hirngespinst?

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Theologen sprechen über Gott, Hirnforscher über das menschliche Denkzentrum. Die Neurotheologie beschäftigt sich mit beidem. Kann man Gott im Gehirn dingfest machen?


Von Markus Brauer|Stuttgarter Nachrichten.de

Im Deutschen Epilepsiemuseum in Kehl-Kork kann man sich über die Geschichte der Anfallkrankheiten und über prominente Betroffene wie den Apostel Paulus (10–65 n. Chr.) informieren. Im alten Irland wurde Epilepsie auch „Saint Paul’s disease“ (Krankheit des heiligen Paulus) genannt. Paulus’ „Damaskus-Erlebnis“, bei dem ihm laut Bibel Christus erschienen ist (Apostelgeschichte 9, 3–9), soll ein epileptischer Anfall zugrunde liegen.

Gott im Gehirn

Wenn Gott allgegenwärtig ist, wie die Kirchen lehren, muss er auch im Zentralnervensystem gegenwärtig sein. Offenbart sich der Allmächtige und Ewige im menschlichen Gehirn? Oder ist er ein Hirngespinst? Sind religiöse Erlebnisse nichts anderes als Hirnprodukte und eine subjektive Täuschung?

Neurotheologie

Wie alles Erleben hängen auch Glaubenserfahrungen mit komplexen Vorgängen im Gehirn zusammen. Seit einigen Jahren versuchen Hirnforscher dem Geheimnis des Glaubens auf die Spur zu kommen. Wenn bestimmte Hirnregionen bei Meditation und Gebet besonders aktiv sind, könnte dies ein Hinweis auf eine biologische Basis für die Glaubensfähigkeit des Menschen sein.

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Das Rätsel um den Reichstagsbrand

Foto: Getty Images Am 27. Februar 1933 brennt der Berliner Reichstag. Bis heute wird darüber diskutiert, wer dafür verantwortlich war

Der Reichstagsbrand markierte den Beginn der Nazi-Diktatur. Der Glaube an einen Einzeltäter hält sich – obwohl viel dagegen spricht. Wer hätte ein Interesse, die Existenz mehrerer Täter zu vertuschen?


Von Benjamin Carter Hett|DIE WELT

Historiker wissen, welche giftige Debatte jahrelang über die Frage geführt wurde, wer das Feuer im Reichstag legte, am 27. Februar 1933, einen Monat nach der Machtergreifung Hitlers. Der Reichstagsbrand wurde von den Nationalsozialisten ein Tag später benutzt, um die “Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat” zu verkünden. Es war der entscheidende Schritt in Richtung auf eine Diktatur. Die Nationalsozialisten rechtfertigten die Notverordnung mit der Behauptung, die Brandstiftung sei Teil einer kommunistischen Verschwörung gewesen.

Seitdem wird darüber gestritten, ob der am Tatort festgenommene 24-jährige niederländische Maurergeselle und Anarchosyndikalist Marinus van der Lubbe den Brand im Reichstag als Einzeltäter allein gelegt hat – oder ob die Nationalsozialisten auf irgendeine Weise an der Brandstiftung beteiligt waren.

Die These von der Alleinschuld van der Lubbes

Es ist bekannt, dass einige Verfechter der These von der Nazi-Täterschaft ihre Behauptung durch gefälschte Dokumente zu stützen versuchten. Auch aus diesem Grund herrscht seit Jahrzehnten fast einhelliger Konsens, dass van der Lubbe Einzeltäter war und den Brand ohne Hilfe von Kommunisten oder Nationalsozialisten gelegt hat. Kommunistische Funktionäre, die mit ihm vor Gericht gestanden hatten, wurden freigesprochen, was nach Hitlers Machtergreifung keinesfalls zu erwarten war.

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