Archiv der Kategorie: Wissenschaften

Exotischer Teilchenzustand gibt Rätsel auf

Blick in einen geöffnetten Magneten des COMPASS-Experiments am CERN © CERN
Physikalisches Rätsel: Forscher des CERN haben im Teilchenbeschleuniger ein unbekanntes Teilchen entdeckt. Noch ist unklar, ob es sich um eine exotische Kombination aus zwei Mesons oder ein Partikel aus vier Quarks handelt. Klar ist dagegen, dass bisherige theoretische Erklärungen das Verhalten dieses Teilchens nicht ausreichend beschreiben. Ein Physiker bezeichnete es daher als “neues Mitglied im Club der bisher unerklärten Zustände”.

scinexx

Quarks sind die fundamentalen Bausteine der Materie, aus ihnen bestehen alle Atomkerne und viele weitere Teilchen. Die sechs Quarksorten und ihre Antiteilchen verbinden sich dabei mit Vorliebe zu Zweier- oder Dreierpaaren: Die Neutronen und Protonen im Atomkern bestehen aus jeweils drei Quarks. Die Mesonen, instabile Zerfallsprodukte schwererer Teilchen, bestehen dagegen aus einem Quark und einem Antiquark.

weiterlesen

Plastikmüll bedroht bald alle Meeresvögel

Diese Plastikteile steckten im Verdauungstrakt eines toten Seevogels. © Britta Denise Hardesty
Tod durch Plastik – dieses Schicksal könnte bis 2050 fast allen Meeresvögeln drohen. Denn wie Forscher ausrechneten, werden 99 Prozent aller Seevogelarten dann mehr oder weniger regelmäßig Kunststoffpartikel oder -objekte verschlucken. Besonders stark betroffen sind schon heute Vogelarten im Pazifik und an der Grenze zum Südpolarmeer, wie die Forscher im Fachmagazin “Proceedings of the National Academy of Sciences” berichten.

scinexx

Schon jetzt verseucht unser Plastikmüll die Meere bis in die entlegensten Gebiete hinein: Selbst in der Tiefsee und in küstenfernen Gebieten der Ozeane haben Forscher Reste von Fischernetzen, Plastiktüten oder Mikroplastik-Partikel nachgewiesen. Mehr als fünf Billionen Kunststoffpartikel schwimmen weltweit in den Meeren.

weiterlesen

Fahndung auf der Autobahn: Tigermücke gesucht

Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta, syn. Aedes albopictus) Bild: wikimedia.org/PD
In Katalonien werden Autos durchsucht, um die Ausbreitung der gefährlichen Mücke zu verhindern, die schon in Deutschland angekommen ist

Von Ralf Streck|TELEPOLIS

Die gefährliche Tigermücke breitet sich über Spanien weiter nach Nordeuropa aus. Die Klimaveränderungen bereiten auch ihr den Weg. Als Transportmittel benutzen die Mücken auch das Auto, wie spanische Wissenschaftler vermuten. Die Mücken fahren scheinbar als blinde Passagiere mit, denn eigentlich bleibt sie während ihres Lebens innerhalb eines Umkreises von 500 Metern. In Spanien wurde die Mücke, die unter anderem sowohl den Dengue- als auch den Chikungunya-Virus übertragen kann, erstmals 2004 in der katalanischen Metropole Barcelona festgestellt.

Von dort aus breitet sie sich seither über die gesamte Mittelmeerküste aus. Der Nachweis gelang auch mit “Tigatrapp”. Mit der Handyanwendung konnten im ganzen Land Orte der Fortpflanzung festgestellt werden. Die Gesundheitsbehörde von Barcelona bläst längst zur Jagd auf die “mosquitos tigre”. Über das Projekt “Atrapaeltigre” (Fange die Tigermücke) werden auch die Daten der Handy-App ausgewertet. Die Wissenschaftler haben darüber hinaus auch festgestellt, dass bei der Ausbreitung der gefährlichen Tigermücke die Autobahn A-7 an der Mittelmeerküste eine enorme Bedeutung hat.

weiterlesen

Poet der Medizin ist tot

(Luigi Novi / Wikimedia Commons)

Anlässlich des Todes von Oliver Sacks bringen wir nochmal die Rezension seiner bewegenden und spannenden Autobiografie “On the move: Mein Leben”, die Ende Mai erschienen ist.

Von Veronika Szentpetery|Technology Review

Der britische Neurologe und gefeierte Buchautor Oliver Sacks ist am Sonntag in New York an Krebs gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. In seinen Büchern beschrieb er verständlich und mitfühlend Fallbeispiele für neurologische Krankheiten. Patienten waren für ihm nie bloße Diagnosen, sondern Lehrer, die die Medizin voranbrachten.”Es ist kein Zufall, dass viele der Eigenschaften, die Oliver Sacks zu einem brillanten Schriftsteller gemacht haben, ihn auch zu einem hervorragenden Arzt machten: seine scharfsinnige Beobachtungsgabe und Hingabe für Details, ein tiefes Mitgefühl und intuitives Verständnis für die endlosen Rätsel des menschlichen Gehirns und für die vertrackten Verbindungen zwischen Körper und Geist“, schreibt die New York Times. Die Süddeutsche Zeitung sekundiert: „Mit den Fallgeschichten, die witzig und einfach geschrieben sind, stellt Sacks die eigene Normalität immer wieder infrage. ‚Eine winzige Hirnverletzung, und wir geraten in eine andere Welt’, erklärte er einst.”

“Sie sind eine Gefahr für das Labor. Warum kümmern Sie sich nicht um Patienten – da werden Sie weniger Schaden anrichten.” Das Urteil seiner Vorgesetzten klingt zynisch, sollte sich für den Jung-Neurologen Oliver Sacks aber als goldrichtig erweisen. Gerade hat der schusselige Forscher sein Notizbuch auf der Stadtautobahn verloren, weil er es nicht ordentlich auf dem Motorradgepäckträger befestigt hatte. Darüber hinaus sind ihm auch Proben des Nervenbaustoffs Myelin im Labor abhandengekommen.

weiterlesen

The Moon Is Going to Look Insane on September 27

Image: NASA Goddard/YouTube
Image: NASA Goddard/YouTube
Skywatchers have been treated to a lot of spectacular celestial shows this year, from a total solar eclipse to an unusually radiant Perseids shower.

By Becky Ferreira|MOTHERBOARD

Bu on the night of September 27, a rare astronomical event known as a Supermoon Lunar Eclipse is set to overshadow them all. This confluence of a total lunar eclipse with a supermoon—like the one that graced the skies this past weekend—only occurs about once every few decades. According to this handy NASA explainer, the last one appeared in 1982.

read more

Fehlgeleitete Galileo-Satelliten für Forschungsmission freigegeben

Galileo-Satellit. Bild: timeandnavigation.si.edu
Als im August 2014 bekannt wurde, dass die Galileo-Satelliten 5 und 6 nicht die vorgesehene Höhe erreichten, erkannte Claus Lämmerzahl, geschäftsführender Direktor des Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen, darin sofort einen möglichen Glücksfall für seine Forschungen zu Einsteins Relativitätstheorie. Inzwischen hat er vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Genehmigung und Unterstützung für sein „scientific recycling“-Projekt erhalten und beginnt im Oktober 2015 mit der wissenschaftlichen Auswertung der Galileo-Daten.

scinexx

Falsche Umlaufbahn

„Milena“ und „Doresa“ waren ursprünglich dafür konzipiert, die Erde in 23.000 Kilometern Höhe zu umkreisen und als Teil des europäischen GPS-Systems hochpräzise Navigationsdaten zu liefern. Aufgrund von eingefrorenen Treibstoffleitungen auf der russischen Trägerrakete SOJUS wurden die beiden Satelliten statt auf der geplanten Kreisbahn auf einer elliptischen Umlaufbahn ausgesetzt und sind folglich für diesen Zweck nicht mehr geeignet.

Da ihr Abstand zur Erde regelmäßig zwischen 17.500 und 25.000 Kilometern variiert, lassen sich die von den Satelliten gespeicherten Zeitdaten allerdings hervorragend zur Untersuchung der sogenannten gravitativen Rotverschiebung verwenden. Die Rotverschiebung ist eine der zentralen Vorhersagen der von Albert Einstein vor 100 Jahren aufgestellten Allgemeinen Relativitätstheorie. Sie besagt, dass Gravitation – in diesem Fall die Erdanziehungskraft – die Zeit beeinflusst. Das bedeutet, dass eine Uhr, die an der Spitze eines hohen Turms angebracht ist, aufgrund der dort schwächeren Gravitation schneller läuft als eine Uhr am Fuße desselben Turms.

weiterlesen

Carbon dating suggests ‘world’s oldest’ Koran is even older than the Prophet Muhammad

A Mongol prince studying the Koran (Wikimedia Commons)
Scholars believe a copy of the Koran held in England may be even older than the Prophet Muhammad.

By Travis Gettys|RawStory

Carbon dating of a fragment from a Koran stored at a Birmingham library suggests that the book was produced between 568 and 545 A.D., said scientists at the University of Oxford, but Islamic scholars generally believe Muhammad lived between 570 and 632 A.D.

If the carbon dating is accurate, the Koran was made before the first formal text was assembled on orders from the caliph Uthman in 653 — and it could date from Muhammad’s childhood or even before his birth, reported The Times of London.

That’s comparable to the discovery of gospel sayings dating from Jesus Christ’s infancy, academics say.

Muslim scholars strongly dispute the findings, which contradict most accounts of the prophet’s life, but some historians say evidence was mounting that traditional accounts of Islam’s origins are unreliable.

read more

Die dunkle Seite der Empathie!

Forschungen zeigen: Stress vermindert soziale Fähigkeiten und die Empathie bei Männern, während bei Frauen das Gegenteil der Fall ist. Ist das Klischee von den “bösen” Männern und den “guten” Frauen also doch wahr? Schauen wir uns das Ganze einmal genauer an!

Von Susanne Frisch|Huffington Post

Ein Forscherteam an der Uni Wien untersuchte 40 Männer und 40 Frauen in einem Experiment. Die Probanden wurden in eine stark belastende Situation gestellt. Diese bestand darin, dass die Teilnehmer einen Vortrag und komplexe Rechenaufgaben unter schweren Bedingungen lösen sollten.

Dass die Probanden auch wirklich gestresst waren, wurde über einen Anstieg der Pulsfrequenz und des Stresshormons Cortisol geprüft. Im Anschluss bekamen die Versuchspersonen verschiedene Aufgaben zur Messung ihrer Empathiefähigkeit.

Das waren die Ergebnisse!

Die Studie zeigte, dass Männer sich unter Stress anders verhielten als Frauen, und zwar egozentrischer. Frauen waren demnach empathischer und in der Lage, auch unter Druck angepasster auf andere Personen zu reagieren.

Insoweit bestätigt die Studie die gängigen Klischees. Aber heißt, das auch, dass Frauen netter und humaner sind? Natürlich nicht! Es sind nur verschiedene Überlebensmechanismen der Natur, die sich herausgebildet haben.

weiterlesen

MP Haseloff gibt den katholischen Jubel-Lutheraner

Reiner Haseloff (2012). Bild: wikimedia.org/CC-by-sa 4.0

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat den christlich-jüdischen Dialog als Beitrag zum vertrauensvollen Verhältnis zwischen Israel und Deutschland gewürdigt.

evangelisch.de

“Der 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland ist in jeder Beziehung ein einzigartiges Jubiläum”, sagte Haseloff laut Redemanuskript am Sonntag auf der Tagung “Reformation und Israel gestern, heute, morgen” in Wittenberg.

Dass es nach der Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch im selben Jahrhundert gelang, zum jüdischen Staat nicht nur diplomatische Beziehungen aufzunehmen, sondern stabile und inzwischen von Vertrauen und sogar von Freundschaft geprägte Beziehungen zu gestalten, sei “eine Leistung, die uns staunen lassen kann”, sagte er.

Reformation und Israel seien in diesem Zusammenhang wichtige Stichworte, unterstrich Haseloff weiter: “Für den christlichen Glauben war und ist es von größter Bedeutung, sich bewusst zu machen, wie stark dieser aus jüdischer Geschichte, aus jüdischer Theologie, aus jüdischem Denken und aus jüdischer Liturgie erwachsen ist”.

weiterlesen

Goliaths Erbe zeigt sich in Israels Natur

Ein alter Maulbeer-Feigenbaum (Ficus sycomorus) im israelischen Aschkelon – ohne die Philister gäbe es ihn nicht. © Ian Scott/ CC-by-sa 2.0
Bronzezeitliche Importe: Ohne die Philister gäbe es im heutigen Israel weder Mohn, noch Lorbeer, Kreuzkümmel oder die Maulbeer-Feige. Denn erst das geheimnisvolle Seevolk brachte diese Pflanzen mit, als es vor rund 3.200 Jahren die Küsten des alten Kanaan eroberte. Sogar die heutigen Wildschweine der Region verdanken ihr genetisches Erbe den Philistern, denn sie stammen von Schweinen ab, die diese mitbrachten, wie Forscher im Fachmagazin “Scientific Reports” berichten.

scinexx

In der Bibel kommen die Philister nicht gut weg, denn sie sind über Generationen die Feinde der Israeliten. Immer wieder liefern sich beide erbitterte Kämpfe. Erst der legendäre Kampf Davids gegen den Philister Goliath soll der Überlieferung nach dieses vom Mittelmeer her eingedrungene Volk vertrieben oder zumindest zurückgedrängt haben. Überreste von Goliaths Heimstadt Gat haben Archäologen erst vor kurzem ausgegraben.

weiterlesen

Gut 1.500 Minerale warten noch auf Entdeckung

Rhodochrosit ist ein ziemlich häufiges Karbonatmineral. © Robert Downs
Einzigartiger Reichtum: Forscher schätzen, dass es auf der Erde noch mindestens 1.500 unentdeckte Minerale gibt. Und das, obwohl schon rund 5.000 Mineralvarianten bekannt sind. Aber nicht nur das: Die mineralogische Vielfalt unseres Planeten könnte sogar einzigartig im Universum sein. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass genau dieser Bestand woanders vorkommt, ist verschwindend gering, wie die Wissenschaftler ausrechneten.

scinexx

Den Mineralreichtum unseres Planeten gab es nicht von Anfang an: Als unser Sonnensystem entstand, kreisten im Staub der Urwolke wahrscheinlich nur rund ein Dutzend verschiedener Minerale. Erst im Laufe der Erdgeschichte sorgten geologische Prozesse wie Vulkanismus und Plattentektonik, aber auch Wechselwirkungen von Wasser und Gestein dafür, dass sich die Elemente zu immer neuen kristallinen Verbindungen kombinierten.

weiterlesen

Tabak-Studie: Raucher sind billiger

Rauchen kostet Frauen im Schnitt sieben Lebensjahre. Foto: REUTERS
Rein finanziell betrachtet profitiert die Gesellschaft vom Rauchen – zu diesem Schluss kommen zwei Wissenschafter. Die Mehrausgaben wegen des Rauchens seien deutlich kleiner als die „Einsparungen“ durch verkürzte Leben.

Von Timot Szent-Ivanyi|Frankfurter Rundschau

Raucher sind bedauernswerte Zeitgenossen. Sie sind Gefangene ihrer Sucht, haben gelbe Zähne, sind häufiger krank und sterben früher. Zudem wird ihnen – untermauert durch zahlreiche Studien – immer wieder der Vorwurf gemacht, durch ihre ungesunde Lebensweise die Sozialsysteme zu schädigen. Aber stimmt das überhaupt? Zwei Wissenschaftler haben für Deutschland alle Be- und Entlastungen bestimmt und zusammengerechnet, die durch Raucher entstehen. Das Ergebnis: Rein finanziell betrachtet profitiere die Gesellschaft enorm vom Rauchen.

Ausgangspunkt der Untersuchung von Florian Steidl und Berthold Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie war die Frage, ob die Tabaksteuer mit Einnahmen von rund 14 Milliarden Euro jährlich die Kosten, die durch Raucher entstehen, tatsächlich deckt. Ausgehend von dem Basisjahr 2011 bestimmten die Autoren die bis zum Tode aller Altersgruppen entstehenden Kostenunterschiede zwischen der rauchenden und der nichtrauchenden Bevölkerung.

weiterlesen

Protest gegen Sperrmauer: Soldaten schießen mit Tränengas

Einwohner von Beit Jala und umliegenden Dörfern protestieren gegen den Bau der Mauer im Cremisan-Tal am 23.08.2015. Bild: cremisan.de
Bei Protesten gegen den Bau der Sperrmauer in Israel ist es zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften zu Ausschreitungen gekommen. Die Soldaten hätten ohne Vorwarnung Tränengas in die Menge geschossen, berichteten Augenzeugen am Sonntag. Katholiken aus Beit Dschalla unweit von Bethlehem hatten zu einem Gebet für Frieden und gegen den von Israel geplanten Mauerbau im Cremisan-Tal aufgerufen.

kathweb

Anfang Juli hatte Israels Oberstes Gericht den Bau der Sperrmauer auf privatem Land bei Beit Dschalla gestattet. Damit korrigierte das Gericht ein eigenes Urteil vom April, das die geplante Mauerführung als unzulässig bewertet hatte. Eine weiteres Urteil steht aus. Von der Sperranlage betroffen sind neben 58 christlichen Familien zwei Klöster und eine Schule des Salesianerordens.

Jerusalems katholischer Alt-Patriarch Michel Sabbah rief laut Augenzeugenberichten die palästinensische Führung vor den Protesten zu einer gewaltfreien “Intifada des Geistes” auf. Die Demonstranten forderte der Palästinenser zu einem “Friedensmarsch ohne Kugeln und Steine” auf.

weiterlesen

Barockkirche in Berlin-Mitte: Die Parochialkirche bekommt neue Glocken und einen Turm

Pachorialkirche Berlin, Bild: yelp.de

Die Parochialkirche im Klosterviertel erhält jetzt ihren Turm zurück. Der war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die Barockkirche ist mittlerweile mehr als 300 Jahre alt, doch berühmt ist sie wegen etwas anderem.

Von Uwe Aulich|Berliner Zeitung

Das Holzpodest sieht massiv aus, es ist fast einen halben Meter hoch. Gezimmert wurde es jetzt auf der Klosterstraße in Mitte direkt vor der Parochialkirche. Und es soll einem ganz speziellen Zweck dienen: Auf der Holzplattform wird in den nächsten Monaten die Stahlkonstruktion für den neuen Turm der Parochialkirche montiert. „Es ist traumhaft, dass der Turm mit seinem einzigartigen Glockenspiel über 70 Jahre nach der Zerstörung jetzt neu errichtet werden kann“, sagt der Architekt Jochen Langeheinecke aus Werneuchen (Barnim).

Schon seit 1991 begleitet der Architekt die Rekonstruktion der über 300 Jahre alten Barockkirche. Der Turmstumpf ist wiederhergestellt, ebenso das Kirchenschiff und die helle Putzfassade. Auch für den Turm hat der Architekt die Planung erarbeitet, doch trotz vieler privater Spenden fehlte lange das Geld. „Ich verfolge über 20 Jahre die Idee für den Turm. Von Tag zu Tag wird nun alles klarer“, so Langeheinecke.

weiterlesen

Spitzbergen: Die nördlichste Kirche der Welt

Die Svalbard Kirke am Rande von Longyearbyen auf Spitzbergen (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
In Longyearbyen auf Spitzbergen hat sich eine verschworene Gemeinschaft aus Seeleuten, Wissenschaftlern, Minenarbeitern, Verwaltungsangestellten und Künstlern aus aller Herren Länder zusammengefunden. Hier steht auch die nördlichste Kirche der Welt, sie ist offen für alle christlichen Konfessionen.
 

Von Harald Brandt|Deutschlandfunk

78°13’32” Nord. Longyearbyen, Spitzbergen. Die Norweger nennen die Inselgruppe in der nördlichen Barentssee Svalbard, “kühle Küste”.

In der kleinen Kirche im ältesten Ortsteil von Longyearbyen hat Pfarrer Leif Magne Helgesen gerade ein Kind getauft und zum Abschluss des Gottesdiensts singt er mit den beiden anderen Mitgliedern des Svalbard Kirkes Trio ein Lied. Danach gibt es Kaffee und Kuchen im Gemeindesaal, der sich wie ein gemütliches Wohnzimmer direkt an den Kirchenraum anschließt. Die Kirche ist immer offen, auch wer um drei Uhr morgens hier beten, meditieren oder einfach nur in Ruhe am Kamin sitzen und ein Buch lesen will, kann das tun.

weiterlesen

Im Osten rangiert der Glaube unter ‚ferner liefen‘

Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Soziologin: Die meisten Konfessionslosen sind „voll distanzierte Atheisten“.

kath.net

Das östliche Bundesgebiet gilt als eines der am stärksten verweltlichten Gebiete der Welt. Der Anteil der Konfessionslosen an den rund 14 Millionen Einwohnern nähert sich der 80-Prozent-Marke. Die meisten sind bereits in der zweiten Generation konfessionslos.

Etwa 58 Prozent von ihnen können als „voll distanzierte Atheisten“ gekennzeichnet werden; sie lehnen jegliche Religion als irrational ab. Etwa ein Viertel (23 Prozent) gelten als „normale Konfessionslose“. Ihnen ist jede Form von Religion fremd; sie halten die Beschäftigung mit Glaubensfragen für überflüssig. Das berichtet die Referentin für empirische Kirchen- und Religionssoziologie im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD, Oberkirchenrätin Petra-Angela Ahrens (Hannover).

weiterlesen

Voreingenommen, ohne es zu merken

Mahzarin Banaji, Anthony Greenwald Vor-Urteile Aus dem Englischen von Enrico Heinemann Verlag: dtv, München 2015 ISBN: 9783423260718 16,90 €
Mahzarin Banaji, Anthony Greenwald
Vor-Urteile
Aus dem Englischen von Enrico Heinemann
Verlag: dtv, München 2015
ISBN: 9783423260718
16,90 €

Vorurteile sind eben Vor-Urteile. Ohne eine Person zu kennen, fällen wir in Sekundenbruchteilen ein Urteil über sie. Das kann dazu führen, dass wir bestimmte Menschen bevorzugen, obwohl wir so gut wie nichts über sie wissen.

Von Nicole Paschek|Spektrum.de

So zeigen bei Untersuchungen drei von vier Menschen eine Vorliebe für Weiße gegenüber Schwarzen – ganz unbewusst. Bedeutet das, dass sie Rassisten sind? Die Autoren des vorliegenden Buchs meinen entschieden: Nein! Trotzdem entstehe aus dieser Voreingenommenheit heraus eine Tendenz zu diskriminierendem Verhalten.

Ermittelt wurde dieses Ergebnis mit Hilfe des impliziten Assoziationstests (IAT), den die Autoren, beide Professoren für Psychologie, entwickelt haben. Dieser Test soll unbewusste Präferenzen messen. Zahlreiche US-Bürger (Banaji und Greenwald schreiben nicht genau, wie viele) haben an dem so genannten Rassen-IAT der Autoren teilgenommen, unter ihnen viele Schwarze. Dabei ergab sich unterm Strich die oben genannte Quote von 75 Prozent.

weiterlesen

The NSA Has Quantum Fever

Five qubit quantum circuit. Image: Martinis Group/UCSB
Five qubit quantum circuit. Image: Martinis Group/UCSB
Earlier this week, the NSA announced plans to make plans to transition to quantum-resistant algorithms—so much as they currently exist—while advising everyone else to starting planning to plan for the same. While quantum computers don’t really exist at useful scales, nor are they likely to in the very near future, their emergence at some point seems reasonably assured. And this will be very, very bad for encryption as we know it—where “bad” translates roughly to “completely destroy.”

By Michael Byrne|MOTHERBOARD

At the moment, the NSA’s Information Assurance Directorate (IAD) uses Suite B algorithms for protecting classified and unclassified National Security Systems. This is a collection of four NIST-specified algorithms employed for such ends as digital signatures, message hashing, anonymous key agreement protocols, and symmetric encryption. The Suite B algorithms have been around since 2005 and are an open standard widely employedin the private sector via the Internet Engineering Task Force.

The agency now says it’s time to move on, with its most recently published guidance offering the following:

IAD will initiate a transition to quantum resistant algorithms in the not too distant future. Based on experience in deploying Suite B, we have determined to start planning and communicating early about the upcoming transition to quantum resistant algorithms. Our ultimate goal is to provide cost effective security against a potential quantum computer.

So, that’s probably a good thing. Every single digital security protocol suddenly failing at once would be less than ideal.

read more

Stoßkraft der Reformation

Heinrich Heine: Die Reformation war nicht nur ein Bruch mit der katholischen Kirche, sie ermöglichte selbständiges Denken und wissenschaftliche Forschung. Ölgemälde von Émile Delpérée (1850–1896): »Luther 1521 in Worms« aus dem Jahr 1878 Foto: Archiv/public domain
»Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner.« Diesen Kernsatz plazierte Heinrich Heine wirkungsbewusst an den Schluss seines vor nunmehr 180 Jahren geschriebenen Pamphlets »Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland«.

Von Martin Hundt|jW

Dabei steht die in Hegel gipfelnde klassische deutsche Philosophie für den Gedanken, eine künftige gründliche gesellschaftliche Revolution für die Tat: »Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig, und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wisst: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. (…) Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte. Jetzt ist es freilich ziemlich still (…)«. Dennoch meinte Heine: Kant sei ein weit größerer Revolutionär als Robespierre gewesen.

Seinen ob solcher revolutionären Prophezeiungen gewiss schockierten Zeitgenossen – und ganz sicher nicht nur ihnen – leitete Heine auf rund 100 Seiten aus der Geschichte der deutschen Literatur (in der er Lessing besonders hervorhob) und vor allem aus der Geschichte der europäischen Philosophie (Spinoza!) mit tiefer Sachkenntnis ab: Es sei gerade die Reformation gewesen, die eine geistige Entwicklung in Bewegung setzte, gipfelnd in der klassischen deutschen Philosophie Kants, Fichtes und Hegels, die unerhörte Potentiale in sich berge.

weiterlesen

Mars-Experiment: Sechs Menschen leben ein Jahr in Isolation

Bild: (c) University of Hawaii
Drei Männer und drei Frauen ließen sich unter einer Kuppel im US-Bundesstaat Hawaii einschließen.

Die Presse

Ein Jahr lang Wohnen auf engem Raum, wenig Kontakt zur Außenwelt und Dosenessen – dafür haben sich sechs Menschen aus den USA, Deutschland und Frankreich zur Vorbereitung einer bemannten Mars-Mission entschlossen. Die Teilnehmer, drei Männer und drei Frauen, ließen sich am Freitag um 15.00 Uhr Ortszeit (Samstag 03.00 Uhr MESZ) unter einer Kuppel im US-Bundesstaat Hawaii einschließen.

Ziel des Experiments der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist es, abgeschieden von der Außenwelt die Bedingungen einer Mars-Mission zu simulieren.

weiterlesen