Schrödingers Katze aus Licht – Übertragung von Überlagerungszustand auf Laserpuls macht „Katze“ mobil

Wie die berühmte Katze in Schrödingers Experimen: Forscher haben einen Lichtpuls mit dem Überlagerungszustand eines Atoms verknüpft. © Christoph Hohmann, Nanosystems Initiative Munich (NIM)
Gleichzeitig tot und lebendig: Physiker haben erstmals eine besondere Variante von Schrödingers Katze realisiert – dem berühmten Gedankenexperiment zur quantenphysikalischen Überlagerung. In ihrem Experiment übertrugen die Forscher Überlagerungszustände von einem gefangenen Atom auf einen Laserpuls. Dieser repräsentierte so eine optische Version der „Katze“, die noch dazu mobil und in Quantennetzen versendbar ist, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Photonics“ berichten.

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Das Phänomen der Überlagerung ist eine ungewöhnliche Eigenheit der Quantenwelt: In ihr nehmen Atome oder andere Teilchen solange mehrere mögliche Zustände gleichzeitig ein, bis ihr Status gemessen wird. Der Physiker Erwin Schrödinger erklärte dieses Phänomen mit einem berühmten Gedankenexperiment. In einem Kasten sitzt eine Katze, deren Leben vom Zerfall eines radioaktiven Atoms abhängt: Zerfällt es, wird Gift frei und die Katze stirbt. Doch solange man nicht in den Kasten hineinschaut, ist die Katze nach quantenmechanischer Sicht gleichzeitig tot und lebendig.

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A Pathway to Objective Morality: Why the Case for Scientific Humanism is Rational

In response to my January, 2019 column (“Stein’s Law and Science’s Mission: The Case for Scientific Humanism”), California State University historian Richard Weikart, who is also a Senior Fellow of the Discovery Institute’s Center for Science and Culture (an Intelligent Design creationism advocacy organization), has written a critique in which he claims “Michael Shermer once again confuses science with atheism, and inexplicably claims that science can support humanism.”

By Michael Shermer | Skeptic.com

He says that I try “to rewrite history by insisting that science is built on atheist assumptions.” Even though I never mention atheism, in the following passage from my column Weikart says “scientific naturalism as defined here is atheism.” Judge for yourself:

Modern science arose in the 16th and 17th centuries following the Scientific Revolution and the adoption of scientific naturalism, or the belief that the world is governed by natural laws and forces that are knowable, that all phenomena are part of nature and can be explained by natural causes, and that human cognitive, social, and moral phenomena are no less a part of that comprehensible world.

Atheism is simply the lack of belief in a God. Full stop. It is not a worldview, paradigm, or ideology. Most atheists, of course, embrace scientific naturalism as I’ve defined it, but so do many modern theists such as the renowned geneticist and Director of the National Institutes of Health, Francis Collins, whom Weikart says would not accept “this atheistic definition of science.” On the contrary, I know Dr. Collins and include our dialogue on this very topic in my book The Believing Brain (2011, Henry Holt) in which he reiterates his rejection of Intelligent Design creationism (his book The Language of God is one of the best refutations of all forms of creationism) and affirms his commitment to scientific naturalism without an underlying atheist assumption. On the evolution of the moral sense, for example, Collins told me “that wouldn’t rule out that God planned it, since for a theistic evolutionist like myself, evolution was God’s awesome plan for all creation. If God’s plan could give rise to toenails and temporal lobes, why not also a moral sense?” As Collins defined it in a 2006 article in Nature titled “Building Bridges”, theistic evolution is the position that “evolution is real, but that it was set in motion by God.”

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Ohr aus dem 3-D-Drucker – Nanozellulose-Hydrogel als Gerüst für biomedizinische Implantate

Das Gerüst für ein neues Ohr – aus dem 3-D-Drucker © Empa
Gedrucktes Implantat: Ein Hydrogel aus dem 3D-Drucker könnte künftig Gerüste für medizinische Implantate bilden – beispielsweise Knorpelersatz in Ohren oder Kniegelenken. Die neuen Implantat-Gerüste bestehen aus Nanozellulose, einem aus Holz gewonnen Material. Gemeinsam mit einem Biopolymer lässt es sich in der gewünschten Form drucken und dann mit lebenden Zellen bestücken.

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Der 3D-Druck ist längst nicht mehr nur ein Werkzeug der Industrie und Technik – auch in der Medizin kann er nützliche Dienste leisten. So haben bereits verschiedene Silikon-Implantate mittels 3D-Druck produziert und sogar biologische Gewebe wie funktionsfähige menschliche Haut oder künstliche Eierstöcke sind bereits mit Spezialdruckern erzeugt worden. Ein weiteres Anwendungsfeld für den 3D-Druck ist der Einsatz im Tissue-Engineering: Auf maßgeschneiderten bioverträglichen Gerüsten können Forscher Zellen kultivieren und so Gewebe und Organe für die Medizin züchten.

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Die Gesichter des Bösen

Sie stellen ihre Ziele über das Wohl anderer, nehmen Schäden für Mitmenschen bewusst in Kauf: Laut einer Studie haben Narzissten, Psychopathen und Sadisten einen gemeinsamen Persönlichkeitsfaktor, den „dark factor“. Theologe Utsch hält dagegen.

Ulrike Roll | evangelisch.de

Die Bosheit hat viele Gesichter. Menschen können maßlos egoistisch, gehässig, narzisstisch oder sadistisch sein. Manche haben übertriebene Ansprüche, das Beste ist gerade gut genug. Andere denken, Moral gelte nicht für sie selbst. Es gibt Psychopathen und Machiavellisten. Bei Letzteren heiligt der Zweck die Mittel, und sie manipulieren andere ohne Mitgefühl. So verschieden diese zerstörerischen Neigungen sind – sie beruhten alle auf einem dunklen Persönlichkeitskern, erklärten Psychologen in einer im vergangenen Herbst veröffentlichten Studie.

„Es gibt Dutzende dunkle Eigenschaften, doch alle lassen sich auf das gleiche Prinzip zurückführen: Menschen verfolgen ihre Ziele rücksichtslos, auch wenn sie andere schädigen“, erklärt Morten Moshagen, Professor an der Universität Ulm. Das bezeichnen die Wissenschaftler als den „dunklen Faktor“ oder D-Faktor.

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Ernst Haeckel als Erzieher

Zeichnung von E. Haeckel
Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus

Stephan Laudien Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernst Haeckel (1834-1919) zählt zu den bedeutendsten Gelehrten, die die Universität Jena hervorbrachte. Insbesondere seine Beschreibungen und Darstellungen von Radiolarien und Quallen machten ihn weit über die Saalestadt hinaus bekannt. Hinzu kam sein vehementes Eintreten für die von Charles Darwin entwickelten Evolutionstheorien.

Der „deutsche Darwin“, dessen 100. Todestag im nächsten Jahr ansteht, setzte auch Maßstäbe in der Lehre: Sage und schreibe 96 Semester lang stand Haeckel vor seinen Studenten am Pult. Ein Zeitgenosse Haeckels, Arnold Dodel, gab 1906 die Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ heraus. Jetzt erscheint ein Reprint dieses Buches, angereichert durch ein Vorwort und einen Kommentar von Wissenschaftlern der Universität Jena.

„Dodel beschreibt Ernst Haeckel als innovativ, mutig, humoristisch, liebevoll und kompetent“, sagt Dr. Karl Porges. Der Biologiedidaktiker von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) nennt zudem die ausgeprägte Fehlerkultur Haeckels, die den Beifall Dodels fand. Der kritische Umgang mit dem eigenen Werk werde beispielsweise sichtbar an den zahlreichen verbesserten Neuauflagen der Werke Haeckels.

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld, der Leiter der AG Biologiedidaktik, ergänzt: „Das sind Attribute, die bis heute einen guten Pädagogen auszeichnen!“ Schon deshalb könne Arnold Dodels Schrift von 1906 als durchaus noch zeitgemäß angesehen werden. Dodels lange vergessene Schrift werfe zudem ein Schlaglicht auf den Menschen Ernst Haeckel, der sonst meist hinter dem Gelehrten verschwinde. Dabei, so Karl Porges, schilderte Arnold Dodel Haeckel kaum aus eigenem Erleben. „Arnold Dodel und Ernst Haeckel waren Kollegen und sie stimmten in vielen Ansichten überein.“ So gehörte Dodel zu den Erstunterzeichnern der Gründung des Deutschen Monistenbundes in Jena 1906, die Haeckel initiiert hatte.

Der Schweizer Botaniker Arnold Dodel (1843-1908) stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Der Sohn eines Bauern wurde zunächst Lehrer, studierte danach und lehrte schließlich Botanik in Zürich. Seinen Beruf als Lehrer habe er nie aus den Augen verloren, sagt Dr. Porges. Auch hier lohne ein Blick nach Jena, gehörte die Stadt an der Saale doch zu den Hochburgen pädagogischer Reformbestrebungen.

Das Buch „Ernst Haeckel als Erzieher“ erscheint zur Ausstellung „100 Jahre Ernst Haeckel. Meilensteine der Evolutionsforschung“, die im Museum für Naturkunde Gera (Nicolaiberg 3) noch bis zum 2. Juni 2019 zu sehen ist. Es kann über das Museum bestellt werden, Telefon 0365 / 52003, E-Mail museum.fuer.naturkunde[at]gera.de. Museumsdirektor Dr. Thomas Hoppe war ebenfalls an der Herausgabe beteiligt.


Bibliographische Angaben:
Arnold Dodel: „Ernst Haeckel als Erzieher“, Reprint der Ausgabe von 1906, Gera 2018, 66 Seiten, 9,95 Euro, ISBN: 978-3-00-061230-5.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 (Bienenhaus), 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de

Endspurt der Kohlekommission

Bild: stevepb/CC0
Die Energie- und Klimawochenschau: Bürger wollen Klimaschutz, Ministerpräsidenten Strukturhilfe, Schüler den Klimawandel abwenden und Eisbären mehr Eis

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Nun soll es die Bundeskanzlerin also richten. Am Dienstagabend hat Angela die Ministerpräsidenten der Braunkohleländer Sachsen (Michael Kretschmer, CDU), Brandenburg (Dietmar Woidke, SPD), Sachsen-Anhalt (Rainer Haseloff, CDU) und Nordrhein-Westfalen (Armin Laschet, CDU) ins Berliner Kanzleramt einbestellt.

Auf der Tagesordnung steht der Kohleausstieg, den die Länder sich teuer abkaufen lassen wollen. Rainer Haseloff hatte die Forderung von 60 Milliarden Euro in den Raum gestellt. Mit am Tisch werden die beiden Vorsitzenden der Kohlekommission sitzen.

Umweltschützer haben Proteste angekündigt und verweisen auf Meinungsumfragen. Emnid habe ermittelt, dass 68 Prozent der Ostdeutschen befürchten, der Klimawandel könnte in ihrer Region vermehrt zu Dürren und Waldbränden führen. 52 Prozent der Befragten seien der Ansicht, dass die Landesregierungen der Braunkohle-Länder den Klimawandel nicht ernst genug nehmen.

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Physicists Built a Machine That Breaks the Normal Rules of Light

Credit: CC0 Public Domain
Physicists have built a ring in which pulses of light whip circles around each other and the normal rules that govern light’s behavior no longer apply.

By Rafi Letzter | SPACE.com

Under normal circumstances, light displays certain kids of physical symmetry. First, if you were to play a tape of light’s behavior forward and then backward, you would see it behave in the same way moving in both directions in time. This is called time-reversal symmetry. And second, light, which can move through the world as a wave, has what is called polarization: how it oscillates relative to the motion of the wave. That polarization usually stays the same, providing another type of symmetry.

But inside this ring-shaped device, light both loses its time-reversal symmetry and changes its polarization. Inside the ring, light waves turn circles and resonate with one another, producing effects that don’t normally exist in the outside world. [The 10 Most Outrageous Military Experiments]

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Die pakistanische Armee hat gewonnen

In Pakistan haben die Armee und Geheimdienste das Sagen. Foto: Gilbert Kolonko
Die Gewinner des Abzugs amerikanischer Truppen aus Afghanistan sind die pakistanischen Generäle – erfolgreich haben sie die USA an der Nase herumgeführt

Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

Zwei Tage nach dem Fall der Türme des Word Trade Centers änderte sich auch die Welt für die pakistanischen Generäle. Nur wegen ihrer militärischen und finanziellen Hilfe war es möglich, dass sich das grausame Taliban-Regime so lange an der Macht halten konnte – trotz völliger Inkompetenz, ein Land zu regieren.

In Washington bestellte der Staatssekretär Richard Armitage den pakistanischen Botschafter und den Chef des pakistanischen Geheimdienstes Inter-Services Intelligence (ISI) ein und stellte sieben Forderungen: darunter auch jene, die Unterstützung für die Taliban zu beenden. Laut des damaligen pakistanischen Diktators General Pervez Musharraf soll Armitage sogar damit gedroht haben, Pakistan zurück in die Steinzeit zu bomben.

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Auf dem Mond wächst jetzt Baumwolle

© CNSA/CLEP, FR. Der Rover „Yutu 2“ auf dem Mond, fotografiert vom Lander „Chang’e 4“.
Die chinesische Mondmission „Chang‘e-4“ hat Saatgut dabei, um zu testen, ob der Anbau von Pflanzen auf dem Mond möglich ist. Nun sprießt ein erster Baumwoll-Samen.

Von Tanja Banner | Frankfurter Rundschau

Anfang des Jahres ist die chinesische Sonde „Chang‘e-4“ auf der Rückseite des Mondes gelandet und hat dort den Rover „Yutu 2“ ausgesetzt. Nachdem die Mission erste Bilder der dunklen Seite des Mondes zur Erde geschickt hatte, berichten beteiligte Wissenschaftler nun von einem ganz anders gelagerten Erfolg: In einem Mini-Biosphären-Experiment ist es den Forschern nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erstmals gelungen, den Samen einer Baumwollpflanze zum Sprießen zu bringen.

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Antarktis: Eisverlust hat sich versechsfacht

Die Gletscherschmelze in der Antarktis hat weiter an Fahrt aufgenommen, hier ein Blick auf Mount Baldfour und den Flemiong-Gletscher auf der Antarktischen Halbinsel © NASA/ Joe MacGregor
Rapide Schmelze: In den letzten knapp 40 Jahren hat sich der Eisverlust in der Antarktis drastisch erhöht. 1979 lag der jährliche Massenverlust noch bei 40 Milliarden Tonnen, 2017 sind es schon 252 Milliarden Tonnen pro Jahr, wie die bisher umfassendste Massenbilanz des Südkontinents enthüllt. Beunruhigend dabei: Anteil an dieser Eisschmelze haben auch Teile der Ostantarktis – einem bisher als stabil geltenden Gebiet, wie die Forscher berichten.

scinexx

Die Antarktis umfasst die kältesten Orte der Erde, dennoch schmilzt auch im größte Eisreservoir unseres Planeten das Eis. Von den Schelfeisen brechen immer häufiger enorme Eisplatten ab, zuletzt am Larsen-C-Schelfeis. Warmes Tiefenwasser dringt dort durch Kerben im Untergrund weit unter die Gletscherzungen vor. In Teilen der Westantarktis könnte die Eisschmelze deshalb sogar schon unumkehrbar sein, befürchten Forscher.

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»Die deutsche Rechtspraxis ist ein Skandal«

Die betreffende Gesetzgebung spielt in der Brexit-Debatte eine besondere Rolle. Foto: dpa
Laut Oppositionspolitikern verhindert eine Gesetzeslücke, dass viele weibliche NS‐Verfolgte und ihre Nachkommen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten können. »Eine solche Ungerechtigkeit, für die niemand mehr Verständnis hat, ist nicht zu rechtfertigen«, sagte FDP‐Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff der Zeitung »taz« (Montag).

Jüdische Allgemeine

Der Bundestag müsse den Betroffenen den Weg in die deutsche Staatsangehörigkeit eröffnen. Derzeit spiele dies in der Brexit‐Debatte eine besondere Rolle.

NACHFAHREN Nach bestehender Gesetzeslage können laut dem Bericht die Nachfahren weiblicher NS‐Verfolgter, die vor Inkrafttreten des Grundgesetzes im Jahr 1949 geboren wurden, die deutsche Staatsbürgerschaft nicht erlangen, weil für sie weiterhin das Reichs‐ und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 Gültigkeit besitzt. Danach wird die Staatsangehörigkeit ausschließlich durch den Vater weitergegeben.

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Aus Krebszellen werden Fettzellen

Aus Krebszellen (grün markiert, links) sind nach der Therapie Fettzellen (dunkelgelb, rechts) geworden. © Universität Basel
Hoffnung für Krebspatientinnen: Forscher haben bestimmte Brustkrebszellen dazu gebracht, sich in harmlose Fettzellen zu verwandeln. Sie programmierten die Zellen mithilfe zweier bekannter Arzneimittel einfach um. In Versuchen mit Mäusen ließ sich durch diese Umwandlung die Bildung gefährlicher Metastasen verhindern, wie das Team berichtet. Ob dies auch beim Menschen funktioniert, muss aber noch getestet werden.

scinexx

Die Überlebensrate von Krebspatienten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten signifikant verbessert – mit einer Ausnahme: Bildet der Tumor Metastasen und streut in andere Organe, sieht die Prognose noch immer düster aus. Dies liegt auch daran, dass dieser komplexe Prozess bis heute nicht vollständig verstanden ist.

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Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es kaum Schranken: Der gefährlichste Schritt der Medizin

«Versuchskaninchen»: Eine Illustration aus dem Jahr 1891 zeigt, wie einer jungen Frau eine Ziegenbluttransfusion verabreicht wird. Magazin «L’Illustration» vom 7. März 1891 © De Agostini via Getty Images
Menschenversuche sind in der Forschung unvermeidlich –wann sie riskiert werden dürfen, ist schwierig anzugeben. Seit 1947 müssen Teilnehmer an Studien freiwillig zustimmen und dürfen nicht unnötig geschädigt werden. Das war nicht immer so.

Von Christoph Bopp | Aargauer Zeitung

«Es ist Unsinn, an die Materie zu glauben und zugleich an einen Humanismus, man kann nur an die Materie glauben und an das Ich.» Der Satz stammt aus dem Roman «Der Verdacht» von Friedrich Dürrenmatt, 1951/52 in Fortsetzungen im «Beobachter» erschienen. Gesprochen wurde er von Emmenberger, einem angesehenen Arzt und Klinikdirektor. Der Ehrenmann hat sich leider im Lauf der Geschichte als Sadist entpuppt und während des Zweiten Weltkriegs in den Konzentrationslagern der Nazis Vivisektionen durchgeführt. Dürrenmatts Held Kommissar Bärlach hat sich als Patient in die Klinik von Emmenberger einweisen lassen, um ihn zu überführen. Wie bei Dürrenmatt üblich, verliert aber Bärlach die Kontrolle, und Emmenberger droht, ihn am nächsten Morgen ebenfalls «zu operieren».

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Nobelpreisträger James Watson verliert Ehrentitel wegen rassistischer Aussagen

James Watson, 2012, Bild: wikipedia.org/PD
Der Nobelpreisträger James Watson, einer der Entdecker der Molekularstruktur der DNA, kann es nicht lassen. Schon 2007 hatte er sich abfällig über die Intelligenz von Schwarzen geäussert. Jetzt hat er seine Bemerkungen wiederholt.

Neue Zürcher Zeitung

Der amerikanische Nobelpreisträger James Watson hat wegen rassistischer Bemerkungen die Ehrentitel seiner früheren akademischen Wirkungsstätte verloren. Das auf Long Island bei New York ansässige Cold Spring Harbor Laboratory teilte in einer Stellungnahme mit, dass dem 90-Jährigen der Titel des emeritierten Kanzlers, des emeritierten Professors und des Ehrentreuhänders aberkannt wurden. Die Forschungsinstitution wies Watsons jüngste Bemerkungen zu Ethnien und Genetik als «verwerflich» und «wissenschaftlich nicht haltbar» zurück.

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Umstrittene „Nakba“-Ausstellung kommt nach Reutlingen

Die Wanderausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ wird von 17. Januar an in der Reutlinger Volkshochschule gezeigt. Im vergangenen Jahr hatte die Schau in Stuttgart, Bad Boll und Heiningen bei Göppingen Aufsehen erregt.

evangelisch.de

Der württembergische Pfarrer Michael Volkmann, landeskirchlicher Beauftragter für das Gespräch zwischen Christen und Juden, warf ihr sachliche Fehler und selektive Zitate vor. Die Kuratorin der Ausstellung, Ingrid Rumpf, wies die Kritik am Samstag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zurück.

Nach Rumpfs Überzeugung ist in Deutschland zu wenig bekannt, wie sehr die Erfahrung der „Nakba“ die Identität der Palästinenser bestimmt.

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Antibiotika überstehen auch Biogasanlagen

Mit Gülledünger gelangen oftmals auch Antibiotika-Rückstände in die Böden. © August Falkner/ piclease
Keine Lösung für das Resistenzproblem: Das Vergären von Gülle in Biogasanlagen kann darin enthaltene Antibiotika-Rückstände offenbar nicht beseitigen. Dies gilt zumindest für zwei wichtige Wirkstoffgruppen, wie eine Studie zeigt. Demnach taugt diese Form der Vorbehandlung nicht dazu, den Eintrag der Mittel in die Umwelt zu verringern – und damit der Bildung resistenter Keime entgegenzuwirken.

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Das Problem der zunehmenden Antibiotika-Resistenzen wird immer gravierender – und die Landwirtschaft hat einen nicht unerheblichen Anteil daran. Denn durch Gülle aus der Nutztierhaltung gelangen regelmäßig große Mengen Antibiotika-Rückstände in die Umwelt. Dadurch steigt die Gefahr, dass sich resistente Bakterien entwickeln.

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Evolution’s Gravity: A Paean to Natural Selection

Image: NAUTILUS
Physicists speak of four fundamental forces that govern the interactions among the bits of matter that make up our universe.

By Michael McCullough | NAUTILUS

The strongest of these four forces, aptly known as the Strong Force, is so powerful that it can keep an atom’s positively charged protons from ripping the atom’s nucleus apart as their mutually repellent positive charges push them in opposite directions. The second fundamental force, electromagnetism, is 137 times weaker than the strong force, but its ability to cause bits of matter with opposing electrical charges to attract each other, and to cause bits of matter with like charges to avoid each other, is what gives unique three-dimensional structure to atoms, molecules, and even the proteins that form the building blocks of our body’s cells. At only one-millionth the strength of the strong force, the third fundamental force—the so-called weak force—changes quarks from one bizarre “flavor” to another and gives rise to nuclear fusion reactions.

The weak force deserves a better name: It’s actually the fourth force—gravity—that’s the weakling of the bunch. At only 6/1,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000 the strength of the strong force, the influence of gravity on the interactions of protons, quarks, and other subatomic particles amounts to, well, about as close to zero as you can get. When I use the refrigerator magnet that holds up my kid’s school photo to lift the ring of keys on the kitchen table, the magnet easily overcomes the gravitational pull of the entire planet. At Subatomic Beach, gravity is the scrawny guy who’s always getting sand kicked in his face.

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Über die Liebe in Bildung und Wissenschaft

©mauritius images/Frank-Fleischmann
Um im Wissenschaftsbetrieb zu bestehen, braucht man Disziplin, etwas Genie und Durchhaltevermögen. Ist das alles? Nein, das Entscheidende fehlt.

Von Felix Grigat | Forschung & Lehre

Es gab Zeiten, da hat man sich im Denken, der Wissenschaft und an den Universitäten mehr als heute zugetraut, viel mehr. Eigentlich so ziemlich alles. Trivialitäten standen nicht zur Debatte. Ein ganz Verwegener wollte gleich die „Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist“ erkennen. Und das heiße, „die Darstellung Gottes (…) wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und eines endlichen Geistes ist.“ (Hegel) Also die Gedanken Gottes vor der Schöpfung denken – dagegen kommt selbst das Großexperiment CERN nur mit Mühe an.

Wie aber konnte es zu solcher Maßlosigkeit im Denken kommen? Die Antwort ist vergleichsweise einfach: Man hatte sich verliebt, und zwar nicht in irgendwen oder irgendetwas, sondern ins Absolute. Und wer sich solchermaßen verliebt, neigt eben zu Übertreibungen. Man wollte nichts weniger als „das Ganze“ verstehen (C.F. von Weizsäcker), wissen „What is it all about?“ (A.N. Whitehead). Die antike und europäische Denk- und Wissenschaftsgeschichte begann also nicht mit einem Plan, einer Struktur oder Organisation. Man hat auch keine Exzellenzinitiative gestartet.

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Der begnadete Wissenschafts-Erzähler

Der amerikanische Wissenschaftsautor Carl Zimmer schreibt fesselnde Bücher über Evolution, Genetik und Hirnforschung. Er selbst hat keine Ausbildung in Naturwissenschaften.

Nik Walter | Basler Zeitung

Den grössten Schrecken seines Lebens erlebte Carl Zimmer in der Praxis einer genetischen Beratung in New York. Seine Frau war schwanger, und die beiden liessen sich über mögliche genetische Risiken für das Ungeborene orientieren. Es war 2001, kurz nachdem das menschliche Genom entschlüsselt worden war, in einer Zeit also, in der es noch keine routinemässigen Gentests gab. Die Beraterin befragte das Paar nach Krankheiten in der Verwandtschaft. Zimmer, einer der erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der USA, der selber viel über Genetik und Evolution schreibt, hatte nur vage Vorstellungen davon, als es ihm plötzlich dämmerte: «Ich hatte eigentlich keine Ahnung, was ich an mein Kind weitergebe. Und da ist mir zum ersten Mal die Bedeutung von Vererbung so richtig eingefahren», sagte Zimmer bei unserem Treffen im Dezember in der Lounge eines Zürcher Hotels.

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Am Anfang war das Bit

Bis heute können sich die Gelehrten nicht darauf einigen, was die Quantentheorie eigentlich beschreibt. Liefert sie Informationen über eine Realität, die unabhängig vom Beobachter existiert? Oder ist es der Beobachter, der durch seine Ja-Nein-Fragen erst die Realität erschafft?

Eduard Kaeser | Neue Zürcher Zeitung

Die moderne Quantenphysik ist ein einziges verstörendes Paradox. Sie ist die bisher erfolgreichste Theorie der Materie, aber zugleich die unverständlichste. Sie erklärt eine atemberaubende Breite von Phänomenen – von den Prozessen zwischen Quarks bis zu den Prozessen in Weissen Zwergen und Schwarzen Löchern –, aber es gibt «Interpretationen» der Quantentheorie, als ob es sich um Lyrik handelte.

1926 war eine Art Annus mirabilis in der Geschichte der Quanten. Erwin Schrödinger legte eine neue Formulierung vor, die er Wellenmechanik nannte. Darin führte er eine für das damalige Verständnis eher obskure Wellenfunktion ein, die als theoretisches Beschreibungsmittel für das seltsame Zwitterverhalten von Materie und Licht auf atomarer Stufe dienen sollte: Teilchen verhalten sich unter Umständen wellenförmig und Lichtwellen unter Umständen teilchenförmig. Schrödinger begriff seine Funktion durchaus in einem realistischen Sinn: Sie beschreibt ein reales Substrat – Materiewellen.

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