Modeunternehmen wirbt mit Nazi-Spruch

„Jedem das Seine“ – Spruch im Konzentrationslager Buchenwald © Lars K Jensen @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
„Jedem das Seine“ – mit diesem Spruch wirbt das Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg in einem Werbeprospekt. Der Spruch stand am Eingang des NS-Konzentrationslagers Buchenwald und war als zynische Botschaft an die Lagerinsassen gerichtet.

MiGAZIN

Das Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg hat mit dem KZ-Spruch „Jedem das Seine“ für Mode geworben. Der Sprichwort war am Pfingstwochenende in einem Werbeprospekt im Umkreis von bundesweit mehr als 20 Filialen verbreitet worden, wie das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg am Mittwoch dem „Evangelischen Pressedienst“ bestätigte. Die gedruckte Auflage habe bei rund einer Million Exemplaren gelegen. Der Spruch „Jedem das Seine“ stand am Eingang des NS-Konzentrationslagers Buchenwald und war als zynische Botschaft an die Lagerinsassen gerichtet. Die Zahl der Todesopfer im KZ wird auf etwa 56.000 geschätzt.

Es gibt in Deutschland zwei rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen Peek & Cloppenburg mit ihren Hauptsitzen in Düsseldorf und Hamburg. Von dem Vorfall betroffen war die Peek & Cloppenburg KG in Hamburg.

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Something Is Sucking Iron Out of Earth’s Crust, and Scientists Think They Know What

Are garnet gemstones behind the case of Earth’s missing iron? Credit: Shutterstock
What makes the Red Planet red? The answer, as Sherlock Holmes might say, is elementary. And that element is iron.

By Brandon Specktor | SPACE.com

The continental crust of Mars is so iron-rich that, over billions of years, surface rocks actually rust when exposed to the meager oxygen in the planet’s atmosphere. The result is a rust-coated planet that appears red, even from Earth.

Earth might rust, too, for that matter, if just a fraction more iron was present in the planet’s continental crust. But something, deep underground, is stealing Earth’s iron.

For decades, scientists have pegged the case of the missing iron on a process involving volcanoes, and a mineral called magnetite that sponges up iron from molten magma pools deep underground. Now, a new paper published May 16 in the journal Science Advances points the finger at a new culprit for Earth’s missing iron. The true thief is not magnetite, researchers from Rice University in Texas say, but a sparkly mineral we all know and love: garnet. [Sinister Sparkle: 13 Mysterious & Cursed Gemstones]

„The accepted wisdom is that magnetite pulls iron from the [magma] melt before the melt rises and gets erupted out at continental [volcano] arcs,“ study author Ming Tang, an assistant professor at Rice University, said in a statement. „Iron depletion is most pronounced at continental arcs, where the crust is thick, and much less so in island arcs, where the crust is thin.“

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Forschungsprojekt über religiöse Radikalisierung

Ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Universitäten Bielefeld und Osnabrück untersucht die Rolle der Religiosität bei der Radikalisierung junger Muslime.

Dr. Michael Utsch | EZW

Im Projekt werden die umstrittenen Fragen diskutiert, ob junge Muslime aufgrund ihrer religiösen Orientierung besonders empfänglich für radikale Botschaften sind, ob Radikalisierungsprozesse mit einer „richtigen“ religiösen Unterweisung unterbunden werden können und ob Moscheegemeinden mit ihrer Bildungsarbeit aktuell ein Korrektiv bilden.

Gefördert wird das Vorhaben mit 397.000 Euro vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Förderung schließt an ein Projekt über junge Menschen im gewaltbereiten Islamismus an, fokussiert jetzt aber den Einfluss religiöser Bindungen und Orientierungen und den Prozess der Radikalisierung. Keinesfalls könne Radikalisierung pauschal auf einen Generalfaktor Religion zurückgeführt werden, so die Forscher. Deshalb wird die Religiosität der Befragten differenziert nach inhaltlichen und persönlichkeitsspezifischen Dimensionen untersucht.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Islamische Theologie (Universität Osnabrück) und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universität Bielefeld) untersucht den Faktor Religion in Radikalisierungsprozessen junger Menschen aus einer islamwissenschaftlichen, theologischen, erziehungswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektive. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Marokkos Babys an betuchte Spanier verkauft

foto: apa/afp/antonio ruiz Der Grenzzaun zur spanischen Exklave Melilla im Norden Marokkos zieht immer wieder flüchtende Menschen an. Neue Recherchen zeigten auch den schrecklichen Menschenhandel mit Babys an jenem Ort auf.
Jahrzehntelange Praxis von Menschenhändlerringen aufgedeckt – Dunkelziffer hoch

Jan Marot | derStandard.at

In Spanien steht mit Eduardo V. am 26. Juni erstmals einer jener Ärzte vor Gericht, die beschuldigt werden, zwischen 1977 und 1985 mindestens 28 Babys aus Marokko geraubt und nach Spanien verkauft zu haben. Wenngleich offizielle Zahlen fehlen, geht man in Spanien, Frankreich und Marokko von hundertausenden ähnlich gelagerten Fällen, vor allem im faschistischen Spanien der 1930er- bis 1970er-Jahre, aber auch darüber hinaus, aus. Neugeborene wurden unter der falschen Angabe deren plötzlichen Todes ihren Müttern im Spital entwendet und an betuchte spanische Familien verkauft. Zwischen 1200 und 6000 Euro verlangten die Menschenhändler für die Erfüllung des Kinderwunsches. Neue Recherchen der spanischen Tageszeitung El Mundo zeigten nun, wie in Marokko ebenfalls ein Netzwerk aus Menschenschmugglern in Kliniken aktiv war und die Babys über die Nordafrikaenklave Melilla nach Spanien brachte.

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Violinen: Stradivaris „singen“ wie Tenöre

Violinen von Stradivari wird ein ganz besonderer Klang nachgesagt. © Metropolitan Museum of Art
Stimme als Vorbild: Der Wohlklang der berühmten Geigen von Stradivari und Amati kommt nicht von ungefähr, wie eine Analyse ihres Klangspektrums enthüllt. Die alten Geigenbaumeister konstruierten ihre Violinen demnach bewusst so, dass sie wie die menschliche Singstimme klingen. Interessant auch: Der Klang der frühesten Geigen ähnelt eher der männlichen Bariton- und Bassstimme. Stradivari dagegen imitierte mit seinen Instrumenten die etwas höhere Tenor- und Altstimme.

scinexx

Ob Stradivari, Amati oder Guarneri – die Violinen aus der Blütezeit des italienischen Geigenbaus gelten bis heute als besonders wohltönend. Worin das Geheimnis ihres Klangs liegt, ist jedoch bis heute nur in Teilen geklärt. So scheinen unter anderem die Form des Schallochs sowie das Holz und seine Vorbehandlung eine wichtige Rolle zu spielen. Auch ein Pilzbefall des Holzes trägt zum Wohlklang der Instrumente bei.

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In vielen alkoholfreien Bieren versteckt sich Glyphosat

Die Forscher von Stiftung Warentest haben alkoholfreies Bier getestet – und Rückstände von Glyphosat entdeckt Quelle: dpa-infocom GmbH
In einer aktuellen Auswertung haben Warentester den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in zahlreichen alkoholfreien Bieren entdeckt. Den Geschmackstest gewinnen die Craft-Biere – doch ausgerechnet dort lauert eine zweite Gefahr.

DIE WELT

Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat finden sich in vielen alkoholfreien Bieren. Das ergab eine Untersuchung von Stiftung Warentest von 20 alkoholfreien Bieren, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde.

Abgesehen von zwei Bio-Bieren fanden die Tester in allen Produkten das umstrittene Pflanzenschutzmittel – in Flensburger Frei und Holsten Alkoholfrei sogar so viel, dass diese im „test“-Qualitätsurteil abgewertet wurden. Immerhin neun Sorten wurden aber insgesamt als „gut“ bewertet.

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Here’s Why Saturn’s Inner Moons Are Shaped Like Ravioli and Potatoes

Saturn’s moon Atlas got its flat, ravioli-like shape from the merging collision of two similar-size bodies, according to new research. Here, Atlas is shown mid-collision. Credit: A. Verdier
The odd shapes of Saturn’s inner moons, which resemble objects ranging from ravioli to potatoes, may be due to mergers of tiny moonlets, a new study finds.

By Charles Q. Choi | SPACE.com

The new finding may help to explain how moons in general may form, researchers said in a new paper describing the work.

The Cassini spacecraft, which studied the ringed planet up close for 13 years, revealed that unlike Earth’s spherical moon, the small moons closest to Saturn had strange, irregular shapes. These odd forms range from Pan’s and Atlas‚ ravioli-like shape to Prometheus‚ resemblance to a combination of Moby Dick, a potato and H. R. Giger’s Alien skull. [Cassini Spacecraft Photographs Saturn’s Strangest Moons]

Previous research had suggested ways in which each of these bizarre moons might have formed. However, until now, researchers did not have an explanation that encompassed the whole range of these unusual shapes, study lead author Adrien Leleu, a dynamicist at the University of Bern in Switzerland, told Space.com.Leleu’s team ran computer simulations to see how the shapes of Saturn’s inner moons might have evolved over time. The powerful effects of Saturn’s gravitational pull were a key influence on these simulations.

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Wenn der Krieg kommt – Schweden bereitet seine Bevölkerung auf den Ernstfall vor

Die Broschüre wird an sämtliche schwedischen Haushalte verteilt. (Bild: Reuters)
Eine Broschüre informiert alle Bewohner Schwedens über mögliche Gefahren und ihre Abwehr. Die veränderte geopolitische Lage löst in Skandinavien neue Bedrohungsgefühle aus.

Andreas Ernst | Neue Zürcher Zeitung

Die Geschichte wiederholt sich nicht – aber gelegentlich sind Parallelen zwischen der jetzigen Ost-West-Konfrontation und dem Kalten Krieg des vergangenen Jahrhunderts unübersehbar. Jedenfalls wenn man die neue Informationsbroschüre der schwedischen Regierung für den Krisen- und Kriegsfall betrachtet, die dieser Tage an alle Haushalte verteilt wird. «Wenn die Krise oder der Krieg kommt» ist eine 19-seitige Schrift, die eine Vorgängerin von 1961 ablöst, die schon lange in Vergessenheit geraten ist.

Neues Bedrohungsgefühl

Zwar sei Schweden immer noch ein sicheres Land, liest man, sicherer als viele andere. Jahrelang sei die Kriegsgefahr sehr begrenzt gewesen. Doch «die Welt um uns herum» habe sich verändert. Wo es um Naturgefahren geht, wird die Bedrohung konkret genannt: der Klimawandel, der Überschwemmungen und Waldbrände verursachen kann. Gleichzeitig drohen Terrorattacken, Cyberangriffe und schliesslich, als schlimmster Fall, der militärische Angriff durch ein anderes Land. Das Bedrohungsgefühl in Schweden hat sich geändert.

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Vorurteile werden erst hergestellt

Chris Buck, „Let’s talk about race“, 2017. Foto: Chris Buck
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigt „Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen“ und denkt über die Gründe der Ausgrenzung nach.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Es ist eine gar nicht so große Ausstellung und ihre zentrale Botschaft hat man schnell verstanden. Sie steht schon im Untertitel: „Die Erfindung von Menschenrassen“. Rassen sind also nicht einfach da. Sie werden geschaffen. Sie werden gezüchtet. Wer einen Wachhund möchte, der kann sich Hunde kaufen, die exakt dafür gezüchtet wurden. Wer ein Schoßhündchen möchte, kann es haben. Seit Tausenden von Jahren werden Hunde nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gezüchtet. Mal mit großem, mal mit weniger großem Erfolg.

Die Idee, dass das bei Menschen nicht viel anders sein könnte, liegt nahe. Schließlich gibt es sehr unterschiedliche Menschentypen. Es gibt die großen Schlanken, es gibt Pykniker und es gibt die Athleten. Es gibt die Glatthaarigen und die Kraushaarigen, die Langnasen und die mit den flachen Gesichtern. Es gibt Weiße und Schwarze. Und es gibt die „natürliche Zuchtwahl“. Jedenfalls sah das Charles Darwin so. Er erklärte: „Die Erhaltung günstiger individueller Verschiedenheiten und Abänderungen und die Zerstörung jener, welche nachteilig sind, ist es, was ich natürliche Zuchtwahl nenne oder Überleben des Passendsten.“

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Michael Jacksons „unmögliche“ Kippe

Mit gestrecktem Körper 45 Grad nach vorne geneigt – mit dieser scheinbar unmöglichen Kippbewegung sorgte Michael Jackson für Staunen und Aufsehen. © Manjul Tripathi
Gegen die Schwerkraft: Im Jahr 1987 verblüffte Michael Jackson seine Fans weltweit mit einer eigentlich unmöglichen Tanzbewegung: Er kippte seinen gesamten Körper gestreckt 45 Grad vornüber, ohne dabei umzufallen. Was dahinter steckt und wie dies mit Anatomie und Physik vereinbar ist, haben nun zwei indische Forscher untersucht. Sie bestätigen: Dahinter steckte ein Trick.

scinexx

Michael Jackson ist für seinen ungewöhnlichen und innovativen Tanzstil bis heute berühmt. Der „King of Pop“ verblüffte seine Fans seine Fans immer wieder durch neue Moves“ – vom Moonwalk über Breakdance-ähnlich Bewegungen bis hin zu verwirrend schnellen Schrittkombinationen. Doch 1987 zeigte der Künstler in seinem Musikvideo „Smooth Criminal“ eine Bewegung, die komplett unmöglich schien: Er neigte seinen gesamten Körper um 45 Grad nach vorne – und stand dabei gerade und steif wie ein Brett, scheinbar nur von seinen Füßen am Boden gehalten.

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Kein Eis mehr auf der Donau

Die Donau bei Tulcea in Rumänien: Eine winterliche Eisdecke auf dem Fluss ist heute die absolute Ausnahme. © alex78tl/ CC-by-sa 3.0
Die Donau – Europas zweitgrößter Fluss – zeigt klare Symptome des Klimawandels. Denn bis vor rund 70 Jahren fror Unterlauf der Donau im fast jedem Winter wochenlang zu. Seit den 1950er Jahren aber ist eine Eisdecke die absolute Ausnahme geworden, wie die Auswertung von Langzeitdaten belegt. Hinter diesem drastischen Eisschwund steckt vor allem der Anstieg der Wintertemperaturen in Europa, wie Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

scinexx

Viele alte Gemälde und historische Aufzeichnungen zeugen davon, dass zugefrorene Flüsse im winterlichen Europa früher keine Seltenheit waren. Das bestätigt auch die Klimaforschung: „Auf der Nordhalbkugel erfahren rund 60 Prozent aller Flüsse signifikante saisonale Effekte in Form von Wintereis“, erklären Monica Ionita vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und ihre Kollegen. Heute jedoch sind solche Winter mit eisbedeckten Gewässern eher selten – so scheint es jedenfalls.

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Todesfälle durch zunehmende Hitzewellen lassen sich verhindern

(Bild: „After the flood“ / Colleen / PD)
Hitzewellen zählen zu den Naturkatastrophen mit den meisten Todesopfern weltweit. Mit dem Klimawandel dürften sie häufiger und intensiver werden – was allerdings nicht unbedingt noch mehr Tote bedeuten muss.

Sascha Mattke | heise online

Steigende Temperaturen weltweit durch menschengemachten Klimawandel würden ohne Gegenmaßnahmen bedeuten, dass noch mehr Menschen bei Hitzewellen ums Leben kommen – dabei sind sie schon heute die Naturkatastrophe mit den meisten Todesopfern weltweit. Forscher mehrerer Institutionen haben sich mit diesem Thema beschäftigt und kommen zu einem relativ beruhigenden Schluss: „An vielen Orten müsste es möglich sein, aktiv zu werden und Anpassungen vorzunehmen“, heißt es in ihrer Anfang Mai in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlichten Studie. Das berichtet Technology Review online in „Die Gefahren der Hitze„.

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Blutgruppe beeinflusst Durchfall-Risiko

Wie krank eine E. coli-Infektion macht, hängt auch von der Blutgruppe ab. © Eraxion/ thinkstock
Fiese Keime: Menschen mit Blutgruppe A sind besonders anfällig für heftigen Reisedurchfall. Eine Studie zeigt: Diese Personen werden durch bestimmte, in Entwicklungs- und Schwellenländern verbreitete E. coli-Bakterien schneller und schwerer krank. Der Grund ist ein von den Erregern produziertes Protein. Dieses bindet besonders gut an Zuckermoleküle, die nur auf der Oberfläche von Zellen des Typs A vorkommen.

scinexx

Sie machen häufig Kleinkinder in Entwicklungsländern krank und verursachen bei Touristen die typische Reisediarrhoe: Enterotoxische Escherichia coli (ETEC) sind bestimmte Stämme des bekannten Darmbakteriums, die massiven wässrigen Durchfall auslösen können. Über verunreinigte Nahrung oder Trinkwasser befallen sie jedes Jahr Millionen von Menschen – bei zehntausenden verläuft die Infektion tödlich.

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Anti-Aufklärung? Kriegstechnologie?

Grafik: TP

Solange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird.

Martin Walser

Joachim Paul | TELEPOLIS

„Das Menschenbild des Silicon Valley ist das der Kybernetik, nicht das der Aufklärung“, äußerte der Philosoph Richard David Precht am 16.12.2017 in einem Interview des Magazins Focus anlässlich einer Buchveröffentlichung. Auf die Rückfrage des Interviewers, was das denn bedeute, erläuterte er, dass „die Aufklärung … den Menschen als Individuum“ betrachte, sie seinen Wunsch des Gebrauchs der Freiheit respektiere und ihn auffordere, „die eigene Urteilskraft zu schärfen, damit er als mündiger Bürger zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen“ könne. Allerdings, so führte Precht weiter aus, müsse „dieser Bürger natürlich auch eine Struktur in der Gesellschaft vorfinden, die es ihm ermöglicht, sich mit seinen individuellen Vorstellungen an ihr zu beteiligen.“

Grundlegend anders sei hingegen das Menschenbild der Kybernetik. Es gehe laut Precht davon aus, „dass sich der Mensch seiner Umwelt anpasst“:

Was Lust auslöst, das findet der Mensch gut, und was Unlust auslöst, findet er schlecht. Wenn ich also das Verhalten der Menschen verändern will, dann muss ich – wie bei Tierversuchen im Labor – einfach ihre Umweltbedingungen verändern, indem gezielt andere Lust- bzw. Erfolgsreize gesetzt werden, gewinne ich Einfluss auf das Verhalten der Leute, ohne Rücksicht auf Vorstellungen von individueller Freiheit, Urteilskraft oder Mündigkeit zu nehmen.

Richard David Precht

Der Physiker und Kybernetiker Heinz von Foerster, damals Leiter eines führenden Kybernetik-Instituts, des Biological Computer Lab (BCL) an der University of Illinois, Urbana-Champaign, äußerte sich in seinem Grundsatzreferat „Die Verantwortung des Experten“1 auf der Herbsttagung der American Society for Cybernetics am 19.12.1971 wie folgt:

Der Großteil unserer institutionalisierten Erziehungsbemühungen hat zum Ziel, unsere Kinder zu trivialisieren. … Da unser Erziehungssystem daraufhin angelegt ist, berechenbare Staatsbürger zu erzeugen, besteht sein Zweck darin, alle jene ärgerlichen inneren Zustände auszuschalten, die Unberechenbarkeit und Kreativität ermöglichen. Dies zeigt sich am deutlichsten in unserer Methode des Prüfens, die nur Fragen zulässt, auf die die Antworten bereits bekannt (oder definiert) sind, und die folglich vom Schüler auswendig gelernt werden müssen. Ich möchte diese Fragen als „illegitime Fragen“ bezeichnen.

Heinz von Foerster

Schon beim bloßen Überfliegen der beiden Aussagen fällt auf, dass hier etwas ganz und gar nicht passen will. Der Philosoph deutet Kybernetik als Anpassung und projiziert sie sogleich als Menschenbild auf das Silicon Valley, der Kybernetiker hingegen spricht sich für Unberechenbarkeit und Kreativität aus, mehr noch, später entwickelt er im Nachgang zum kategorischen Imperativ des Aufklärers Kant einen (kybern-)ethischen Imperativ: „Handle stets so, dass die Zahl der Wahlmöglichkeiten größer wird.“

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„Stiller Staatsstreich in Spanien“

Mariano Rajoy bei der Verkündigung der verordneten Neuwahlen am 3. Oktober 2017. Bild: Gobierno de España
Obwohl im Senat im Herbst beschlossen wurde, dass der Verfassungsartikel 155 automatisch mit einer Regierungsbildung fällt, wollen sich die PP, die PSOE und die Ciudadanos auch darüber hinwegsetzen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Der Ausnahmezustand in Katalonien soll nun weiter aufrecht erhalten bleiben, obwohl Katalonien eine Regierung gebildet hat. Eigentlich hatte die Volkspartei (PP) von Mariano Rajoy mit den Sozialdemokraten (PSOE) und den rechten Ciudadanos (Bürger) im vergangenen Herbst beschlossen, dass der Artikel 155 automatisch mit einer Regierungsbildung in Katalonien aufgehoben werden muss. Doch auch daran will sich in Spanien, das sich mit großen Schritten immer weiter von einer formalen Demokratie entfernt, nun niemand mehr halten, weil es nicht gelungen ist, die Amtseinführung von Quim Torra vergangene Woche zu verhindern.

Er war schon der vierte Kandidat, nachdem die Regierung über viele juristische Tricks durch das ihr hörige Verfassungsgericht verhindert, dass Carles Puigdemont wieder ins Amt gewählt wird. Nun hat sich der spanische Regierungschef Rajoy am Wochenende mit dem Sozialdemokraten Pedro-Sánchez und Albert Rivera abgestimmt, die Ernennung der Minister schlicht nicht im Amtsblatt zu veröffentlichen, womit sie nicht effektiv wird. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass die Zwangsverwaltung über Katalonien aufrechterhalten werden soll.

Man darf vermuten, dass das Abkommen auch eine Regelung zur Verabschiedung des Haushalts umfasst, um nicht mehr von den Stimmen der Baskisch-Nationalistische Partei (PNV) abhängig zu sein. Die PNV hatte stets erklärt, sie werde den Haushalt nicht abnicken, solange der 155 in Kraft ist. Vermutlich erhält Rajoy nun die dafür nötigen Stimmen von den Sozialdemokraten (PSOE). Die blieben sich treu – nicht ihren Wählen -, denn gegen das Wahlversprechen verhalfen sie Rajoy zur Macht, obwohl sie stets versprochen hatten, ihn keinesfalls zu wählen.

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Berlin rehabilitierte bislang acht verurteilte Homosexuelle

Bild: bpb.de
In den ersten neun Monaten seit seiner Geltung haben in Berlin acht Menschen vom Gesetz zur Rehabilitierung verurteilter Homosexueller profitiert. Wie aus einer am Montag vom Abgeordnetenhaus veröffentlichten Antwort des Berliner Senats auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht, wurden bis zum 24. April zwölf Anträge auf strafrechtliche Rehabilitierung gestellt.

evangelisch.de

Acht davon seien positiv beschieden worden. In zwei Fällen erfolgte den Angaben zufolge eine teilweise Rehabilitierung, weil das zugrundeliegende Urteil auch andere Delikte umfasste.

Zwei der zwölf Fälle wurden nach Angaben der Justizverwaltung an andere Staatsanwaltschaften abgegeben, weil Berlin nicht zuständig war. In einem Fall wurde der Antrag wegen fehlender Glaubhaftmachung abgelehnt, hieß es. Ein Fall sei nicht entschieden worden, weil der Antragsteller zwischenzeitlich starb. Alle Anträge wurden nach Senatsangaben von den früher verurteilten Personen selbst gestellt.

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Jupiter hat eingewanderten Asteroiden eingefangen

Diese Nasa-Illustration zeigt die sogenannten Trojanischen Asteroiden, die um den Jupiter in derselben Richtung kreisen. Ein kleiner Asteroid bewegt sich in entgegengesetzter Richtung Quelle: dpa
Forscher haben in unserem Sonnensystem einen Asteroiden ausgemacht, der von einem anderen Stern gekommen ist. Er umkreist unsere Sonne als eine Art Geisterfahrer. Planet Jupiter hat ihn eingefangen.

Von Till Mundzeck | DIE WELT

Astronomen haben erstmals einen dauerhaft in unser Sonnensystem eingewanderten Asteroiden identifiziert. Der Brocken mit der Katalognummer 2015 BZ509, der aus einem anderen Sonnensystem stammt, ist eine Art kosmischer Geisterfahrer.

Er bewegt sich ungefähr auf der Umlaufbahn des Riesenplaneten Jupiter um unsere Sonne, kreist aber in entgegengesetzter Richtung zu fast allen anderen Himmelsobjekten unseres Systems.

Fathi Namouni vom Observatorium der Cote d’Azur in Frankreich und Helena Morais von der Staatlichen Universität São Paulo in Brasilien präsentierten die Entdeckung in der britischen Fachzeitschrift „Monthy Notices of the Royal Astronomical Society: Letters“.

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Aurora Humanitarian Index: Mythen über Migranten – und wie die Realität aussieht

Die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit sind Kinder, hier in einem Lager im Irak.Imago/Florian Gaertner
Die meisten Flüchtlinge leben im Süden, nicht in den entwickelten Ländern: Der Aurora Humanitarian Index deckt diese und andere Fehleinschätzungen zu Migration und Flucht auf.

Von Dorothee Nolte | DER TAGESSPIEGEL

Über die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit sind Kinder – aber kaum jemand weiß das. Die meisten Menschen glauben, Kinder stellten etwa ein Drittel der Geflüchteten, wie es einem normalen Anteil an der Bevölkerung entspräche. Diese Fehleinschätzung hat möglicherweise fatale Folgen: Denn Menschen sind sehr viel eher bereit zu helfen, wenn es um Kinder geht. Wüssten sie, wie sehr Kinder von den weltweiten Fluchtbewegungen betroffen sind – würden sie dann mehr spenden?

Mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen, aber der „Aurora Humanitarian Index“ bemüht sich immerhin, die Einstellungen von Menschen zu Flucht und Migration zu erforschen, Fehleinschätzungen aufzudecken und daraus Folgerungen für die Politik abzuleiten. Die aktuelle Auswertung, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde, basiert auf knapp 11.000 Online-Interviews, die im März und April 2018 mit Menschen aus 12 Ländern geführt wurden – jeweils rund 1000 Menschen in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, USA, Argentinien, Japan, Armenien, Russland und der Türkei. Mit je 300 Befragten sind auch die Länder Iran, Kenia und Libanon dabei.

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Die US-Wahl und der tiefe Staat – FBI-Informant war CIA-Mann

(Bild: dpa, Carolyn Kaster)
Der skurrile Wahlkampf um das Weiße Haus von 2016 beschäftigt Justiz, Medien und Comedians auf vielfacher Ebene. In diesem als bislang schmutzigstem Wahlkampf geltenden Drama fiel nunmehr eine weitere Personalie auf.

Markus Kompa | TELEPOLIS

Nach bis vor Kurzem geltendem Informationsstand soll das FBI auf eine mögliche Verwicklung Russlands in den Skandal mit Hillary Clintons E-Mails durch die Geschwätzigkeit von Trumps Wahlkampfhelfer George Papadopulos gekommen sein. Papadopulos prahlte in feuchtfröhlicher Runde mit australischen Diplomaten aus, dass das Trump-Lager Clinton mit russischem Schmutz am Zeug flicken wolle. Papadopulos‘ Kolportage brachte das FBI auf die Spur einer mögliche Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl – sowie zur Ermittlung einer möglichen Konspiration der Russen mit Trump.

Nun aber scheint es, dass das FBI bereits vorher über die Trump-Kampagne von einem gut vernetzten Professor informiert war. Zwar bemühte man sich in Washington darum, den Namen des Professors aus der Öffentlichkeit zu halten, doch Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald sah sich diesem Codex jedoch nicht verpflichtet. Bei dem geheimen FBI-Informanten handelt es sich um einen ehemaligen CIA-Mann, der bereits bei Reagans infamen Wahlkamp von 1980 durch geheimdienstliche Kolportagen mitmischte.

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Zwischen Mäusen und Menschen

Bild: TP
Wissenschaftliche Befunde an Versuchstieren werden gerne für allgemeingültig und übertragbar gehalten. Sie sind es aber oft nicht. Ein trotziges Plädoyer für die Grundlagenforschung

Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Ich liebe die Grundlagenforschung. Jederzeit würde ich sie gegen Angriffe verteidigen. Neugier ist die köstlichste Frucht der Intelligenz und der Motor aller Kreativität. Die Suche und Sucht nach Wissen, der Wille, die Welt besser zu verstehen, brauchen keine Rechtfertigung. Sie sind eines der Fundamente menschlicher Kultur. Ich wollte in keinem Umfeld leben, in dem die zwecklose Erkundung von Zusammenhängen verpönt wäre.

Manchmal macht es mir die Natur zwar nicht leicht. Aber gerade dann zeigt sich bei näherem Nachdenken der Wert der Grundlagenforschung.

Zum Beispiel gibt es bei Ratten und Mäusen eine seit mehr als zehn Jahren bewährte Methode, um die erwachsene Sehrinde wieder dazu zu bringen, ihre Verschaltung zu ändern, wenn ein Auge für ein paar Tage verschlossen wird: Man hält die Tiere vorher fünf bis zehn Tage in absoluter Dunkelheit.

Als das erstmals gefunden wurde, wurde es höchstrangig publiziert, wirft es doch einerseits ein Licht auf die Mechanismen, wie die Formbarkeit kortikaler Verschaltungen geregelt wird, und bietet andererseits eine minimal-invasive, einfache Methode, wie eine Amblyopie (also die induzierte Fehlsichtigkeit eines Auges) zu heilen sein könnte.

Könnte. Denn einige Jahre später wiederholten Forscher aus dem kanadischen Halifax die Untersuchung mit Katzen. Ebenso wie Menschen, aber anders als Nagetiere, haben Katzen nach vorne gerichtete Augen. Ebenso wie Menschen, aber anders als Nagetiere, haben Katzen eine nach Augen- und Orientierungspräferenz wohlsortierte Sehrinde. Ebenso wie Menschen, aber anders als Nagetiere, verlassen sich Katzen auf ihren Gesichtssinn (s. hier eine Demonstration dafür, wie grottenschlecht Mäuse sehen). – Anders als Nagetiere zeigen Katzen keine erhöhte Plastizität nach zehn Tagen in Finsternis. Mäuse sind anders als Katzen.

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