Gereimtes und Ungereimtes in Ankara

© AFP Angeklagt: Mutmaßliche Putschisten auf dem Weg zum Prozess
Seit dem gescheiterten Staatsstreich in der Türkei wurden Tausende Verdächtige verhaftet. Doch die Prozesse gegen die mutmaßlichen Putschisten werfen viele Fragen auf.

Von Michael Martens | Frankfurter Allgemeine

Geheimdienste gehören für gewöhnlich nicht zu jenen Behörden, die ihr Tun oder Lassen durch Presseerklärungen dokumentieren. Der türkische Geheimdienst MITbildet da keine Ausnahme, weshalb es einige Aufmerksamkeit erregte, als die Organisation sich Anfang April mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit wandte. Der islamische Theologe Adil Öksüz, hieß es darin, habe weder für den türkischen Geheimdienst gearbeitet noch sei er dessen Informant gewesen. Anderslautende Behauptungen ordnete der Geheimdienst einem „psychologischen Krieg“ gegen die Türkei zu, der von „ausländischen Mächten und Terrororganisationen“ geführt werde.

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Pinguine beim Tauchen ausspioniert

Geheimes Unterwasserleben: Biologen haben erstmals Eselspinguine beim Tauchen belauscht und beobachtet. Auf Kopf und Rücken der Vögel montierte Miniatur-Kameras dienten ihnen dabei als Spionage-Werkzeug. Sie enthüllten, wie Pinguingruppen unter Wasser kommunizieren und gemeinsam nach Futter suchen. Warum die Vögel jedoch gruppenweise jagen, ist bisher rätselhaft. Und über die Bedeutung der Tauchrufe können die Biologen bisher ebenfalls nur spekulieren.

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Eselspinguine sind gesellig und ziemlich kommunikativ – zumindest an Land. Während der Paarungszeit lassen die bis zu 90 Zentimeter großen Vögel fast ständig ihre lauten, trompetenartigen Balzrufe ertönen. Zum Repertoire gehören aber auch grunzende Warnlaute, kurze Kontaktrufe und das helle Piepen der Küken. In den großen Kolonien, die die Eselspinguine zur Brutzeit an den Küsten des Südpolarmeeres bilden, sind ihre lautstarken Rufe kaum zu überhören.

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Levitator zum Selberbauen

Der Selbstbau-Levitator in Aktion: Sein Ultraschall-Feld hält kleine Objekte bis zu zwei Stunden in der Schwebe. © Asier Marzo/ University of Bristol
Schweben wie von Geisterhand: Jeder kann nun selbst Objekte mittels Ultraschall zum Schweben bringen – ein akustischer Levitator zum Selberbauen macht es möglich. Dafür haben Forscher die normalerweise teure und hochsensible Technik so vereinfacht, dass ein paar günstige Elektronik-Bauteile und ein Gerüst aus dem 3D-Drucker ausreichen. Der Selbstbau-Levitator kann immerhin Wassertropfen, kleine Styroporbröckchen und andere kleine Objekte bis zu zwei Stunden in der Schwebe halten – ideal für Schule und Hobbyforscher.

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Schallwellen erzeugen nicht nur Geräusche, sie können auch Objekte zum Schweben bringen. Mit dieser akustischen Levitation haben Forscher bereits Wassertropfen in der Luft gehalten, schwebende Styropor-Bröckchen manipuliert und sogar eine Art Traktorstrahl auf Ultraschall-Basis konstruiert.

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Neuroscientists Hack Itching, Exposing a Mysterious Neural Circuit

Shutterstock/Ingrid Prats
A key to understanding why scratching an itch feels so good.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

Scratching an itch doesn’t take a whole lot of brain horsepower. It’s not automated in the same sense that breathing and heart beating are, but when it comes to everyday itch-scratching it might as well be. The brain registers itching—via the same pathways that transport sensations like temperature and pain from the skin—and it naturally responds by deploying fingernails. The itch is scratched, and that feels good.

Actually, scratching an itch feels more than good. As someone that suffers from chronic eczema and spends a disproportionate amount of time in contact with poison oak, I’m something of a connoisseur of scratching and its unique, fleeting gratification. I’m a lot like a dog, if we’re being honest. I love a good scratch.

There’s more to itch scratching than one might imagine, at least from a neuroscientific perspective. It’s only been in recent years that we’ve started to isolate and identify that actual neural circuitry responsible for itching. The first identification of a nerve in the skin—any nerve—responsible for the itch sensation came in 1997. Now, researchers from the Chinese Academy of Sciences have successfully identified a neural circuit in the brain that’s thought to service this elusive sensation—a major advance. Their work is described this week in Science.

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Reichtum und Christentum: Durch das Nadelöhr in den Himmel

Bild: tilly
Wie das frühe Christentum es mit dem Reichtum hielt, wie Rom unterging und wie die Kirche aufstieg: Der Historiker Peter Brown führt es in einem meisterlichen neuen Werk vor Augen.

Von Stefan Rebenich | Neue Zürcher Zeitung

Wer kennt Jesu Wort aus dem Matthäusevangelium nicht? «Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben.» Der reiche Jüngling, dem diese Aufforderung galt, wollte aber von seinem Besitz nicht lassen und wandte sich ab. Jesus erklärte daraufhin seinen Jüngern: «Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.»

Peter Brown hat dem schwierigen Verhältnis von christlichem Glauben und irdischem Reichtum sein neuestes Buch gewidmet. Einmal mehr schreibt der grosse irische Historiker, der in Oxford, London, Berkeley und Princeton geforscht hat, ein faszinierendes Kapitel der Geschichte der Spätantike. Die englische Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel «Through the Eye of a Needle. Wealth, the Fall of Rome, and the Making of Christianity in the West, 350–550 AD».

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Fremdenfeindlichkeit in Polen: Feindbild Islam

Während auch in Polen offener Antisemitismus tabubelastet ist, gilt das für Islamophobie nicht. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Terroristen, Gewalttäter, Sexualverbrecher – immer öfter werden Muslime in Polen öffentlich verunglimpft und grundlos mit Straftaten in Verbindung gebracht. Die pauschale Herabwürdigung von Muslimen ist mittlerweile Alltag in Polen. Dazu trägt auch die Regierungspartei PiS bei.

Von Jan Pallokat | Deutschlandfunk

Sprechchöre gegen Araber im Warschauer Stadtzentrum bei einem Aufmarsch der Allpolnischen Jugend, dem wohl ältesten Rechtsaußen-Verband des Landes mit etwa 5000 Mitgliedern. Dass Polens Rechtsradikale jenseits des traditionellen Antisemitismus einen neuen Hauptfeind gefunden haben, zeigen auch Untersuchungen des Warschauer Zentrums zur Erforschung von Vorurteilen. Psychologin Karolina Hansen erklärt: „Was sich in den letzten Jahren verschlimmert hat, ist der Gebrauch von Hasssprache mit Blick auf Muslime und Flüchtlinge. Obwohl insbesondere letztere in Polen gar nicht vorhanden sind, sind die Leute sehr voreingenommen. Sie wollen keine Flüchtlinge aufnehmen und auch keinen Kontakt mit ihnen.“

Übergriffe nehmen zu

Ähnliches berichtet auch der Verein „Nie wieder“, der Übergriffe gegen Minderheiten dokumentiert. Er spricht von einem „explosionsartigen“ Anstieg von Aggressionen gegen die, die der Norm dessen nicht entsprechen, was angeblich einen „richtigen“ Polen ausmacht.

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TRAPPIST-1 ist fast doppelt so alt wie die Sonne

Artist’s render of the TRAPPIST-1 system. Image: ESO/M.Kornmesser Themenbild
Uralter Zwerg: Der nahe Zwergstern TRAPPIST-1 und seine sieben Erdzwillinge sind schon überraschend alt. Neuen Analysen nach könnte das nahe Planetensystem mehr als sieben Milliarden Jahre alt sein, vielleicht sogar doppelt so alt wie unsere Sonne. Spannend ist dies für die Frage, ob es Leben auf diesen Exoplaneten gibt. Denn das hohe Alter macht dies in mancher Hinsicht wahrscheinlicher, in anderer dagegen nicht, wie die Astronomen erklären.

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Vielversprechende Nachbarn: Anfang 2017 entdeckten Astronomen gleich sieben erdähnliche Planeten um den 40 Lichtjahre von uns entfernten Zwergstern TRAPPIST-1. Zwar umkreisen diese sieben Exoplaneten ihren Stern sehr eng, weil dieser aber ein sehr kühler Zwerg ist, liegen mindestens drei der Erdzwillinge in der habitablen Zone.

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Ältestes Eis der Erde entdeckt

Das Eis in diesem Eisbohrkern ist bis zu 2,7 Millionen Jahre alt. © Yuzhen Yan/ Princeton University
Eisiger Rekord: In der Antarktis haben Forscher erstmals 2,7 Millionen Jahre altes Eis geborgen – das bisher älteste Eis der Erde. Das Spannende: Dieses Eis stammt aus der Zeit kurz vor Beginn des Eiszeitalters und könnte daher verraten, warum damals das Erdklima so wechselhaft wurde. Der Eisbohrkern stammt aus einem Gebiet, in dem die Eisschichten quer gekippt waren. Erst das machte das Uralt-Eis zugänglich.

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Eisbohrkerne sind ein Fenster in die Vergangenheit der Erde. Denn im Eis und in den darin eingeschlossenen Luftbläschen sind Gase und Moleküle gespeichert, die Auskunft über Klima und Lebenswelt zur Zeit der Eisentstehung liefern können. Forscher versuchen daher, über Eisbohrungen, an möglichst alte Eisschichten zu gelangen. Der bisher älteste Eisbohrkern reichte jedoch „nur“ knapp 900.000 Jahre zurück. Er stammt aus knapp drei Kilometer tief liegendem antarktischen Eis.

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Robert E. Lee: Amerikas Rommel

Relief am Stone Mountain. Bild: wikimedia.org/CC BY 2.5 – SteamFan
  • An der Frage, ob eine Statue von Robert E. Lee abgebaut werden soll, hatte sich der Neonazi-Aufmarsch von Charlottesville entzündet.
  • Der Südstaaten-General symbolisiert das zwiespältige Verhältnis einiger Amerikaner zur Sklaverei: Er sprach sich stellenweise dagegen aus, profitierte aber davon.
  • Viele Konservative definieren sich heute wieder über ihre Hautfarbe. Sie sehen in Lee vorrangig einen Unabhängigkeitskämpfer.

Von Johannes Kuhn | Süddeutsche.de

Der Künstler Clyde Broadway hat die Perspektive der konservativen weißen Südstaaten-Bewohner einmal in einem Gemälde festgehalten: „Trinity“ (Dreifaltigkeit) zeigt drei Heilige, umgeben von Blumen und rosa Wolken: Elvis Presley, Jesus Christus und den Konföderierten-General Robert E. Lee. Dabei ist der vermeintliche Held eine historisch ambivalente Figur, an dem sich eine landesweite Debatte entzündet hat.

Pläne zur Demontage einer Statue Robert E. Lees waren der offizielle Anlass für den Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville, Virginia. Am Dienstag stellte sich US-Präsident Donald Trump auf die Seite der so genannten „Monument-Befürworter“ und wagte den Vergleich: Wenn Lee und sein treuer Untergebener Thomas „Stonewall“ Jackson abmontiert würden, was komme danach? Auch George Washington und Thomas Jefferson hätten schließlich Sklaven gehalten.

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Oury Jalloh: Haben Polizisten den Asylbewerber misshandelt und angezündet?

Während einer Kundgebung zum Tod von Oury Jalloh © Uwe Hiksch @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Der Fall Oury Jalloh steht vermutlich vor einer weiteren Wende. Ein Gutachten nährt Zweifel an der offiziellen Darstellung, der Asylbewerber habe sich selbst angezündet. Jetzt sollen die genauen Umstände des Todes geklärt werden.

MiGAZIN

Der Fall des 2005 beim Brand in einer Dessauer Polizeizelle zu Tode gekommenen Asylbewerbers Oury Jalloh steht nach Informationen der Tageszeitung Die Welt möglicherweise vor einer weiteren Wende. Wie die Zeitung berichtet, hätten gutachterliche Bewertungen zu einem neuen Brandversuch Zweifel am bisher vermuteten Ablauf genährt. Die Welt beruft sich auf Justizkreise. Demnach sei unklar, ob der Mann aus Sierra Leone tatsächlich an den Folgen des Brandes gestorben sein kann.

Der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Er starb gefesselt an einer Matratze bei einem Brand in der Gewahrsamszelle. 2008 waren in einem ersten Prozess zwei Polizisten in Dessau freigesprochen worden. Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil gekippt hatte, wurde ein Beamter 2012 vom Landgericht Magdeburg wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine erneute Revision verwarf der BGH 2014. Jalloh soll die Matratze selbst mit einem Feuerzeug angezündet haben.

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Der Lego-Islam der Attentäter

Bild: qantara.de
Wer in den Dschihad zieht, kennt mitunter nicht einmal den Koran. Es gibt andere Zeichen, die darauf hindeuten, dass jemand einen Anschlag im Namen Allahs begehen könnte.

Von Friederike Haupt | Qantara.de

Warum zieht jemand in den Dschihad, wenn ihm die Ideologie des Dschihad wenig bedeutet? Die Frage stellt sich, weil Selbstmordattentäter, die sich auf Allah berufen, oft kaum etwas über Allah wissen. Eine internationale Studie, für die vergangenes Jahr die Daten von 330 Rekruten des „Islamischen Staates“ ausgewertet wurden, zeigt: Je mehr religiöses Wissen sich die Männer selbst zuschrieben, desto weniger waren sie bereit zum Selbstmordanschlag. Was diejenigen antreibt, die dazu bereit sind, ist wichtig für die Frage, wie Anschläge verhindert werden können.

Im Fall des 26 Jahre alten Palästinensers, der vor einiger Zeit in einem Hamburger Supermarkt einen Mann erstach, ist es zu früh für eine Antwort. Auffällig ist, dass er zwar während der Tat „Allahu Akbar“ rief und später zu Protokoll gab, er habe gehofft, den Märtyrertod zu sterben. Allerdings sagte er auch, er habe sich erst zwei Tage vor der Tat zu einer islamischen Lebensweise entschlossen und erst am Tag der Tat zu dem Anschlag. Das Messer brachte er nicht mit in den Supermarkt, sondern er schnappte es sich aus dem Sortiment. Zuvor hatte der Mann wochenlang brav mitgeholfen, die Papiere für seine Ausreise aus Deutschland zu organisieren.

Nun sitzt er in Untersuchungshaft, in einer Spezialzelle für Suizidgefährdete. Der Palästinenser galt schon vor der Tat als psychisch labil, die Staatsanwaltschaft sieht aber derzeit keine „belastbaren Anhaltspunkte für eine erheblich eingeschränkte Schuldfähigkeit“. Die Ermittlungen dauern an.

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Exploding Star Smashes Into Its Non-Exploding Star Friend

NGC 5643. Image: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 Based on observations made with the NASA/ESA Hubble Space Telescope, and obtained from the Hubble Legacy Archive, which is a collaboration between the Space Telescope Science Institute (STScI/NASA), the Space Telescope European Coordinating Facility (ST-ECF/ESA) and the Canadian Astronomy Data Centre (CADC/NRC/CSA).
“The universe is crazier than science fiction authors have dared to imagine.”

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Stars, like people, often hang out with their neighbors. Though our Sun appears to be a bit of a loner, with no obvious companions nearby, scientists have estimated that around half of all star systems in the Milky Way are comprised of at least two stars, including the closest system to our own, Alpha Centauri, which contains three.

But as fun as it is to have friends in life, kicking it with other stars also comes with major risks, as demonstrated by new research published in The Astrophysical Journal Letters. Led by Griffin Hosseinzadeh, an astrophysics PhD student at the University of California, Santa Barbara, the study reveals that an exploding star called SN (supernova) 2017cbv straight-up bodyslammed its companion star. While we’ve all had self-destructive friends, this is truly a whole other level.

„The universe is crazier than science fiction authors have dared to imagine,“ said Andy Howell, a staff scientist at Las Cumbres Observatory and Hosseinzadeh’s PhD adviser, in a statement. „Supernovae can wreck nearby stars, too, releasing unbelievable amounts of energy in the process.“

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Zehn Raumsonden „jagen“ Sonnensturm

Mit einem koronaren Massenauswurf auf der Sonne am 14. Oktober 2014 begann die „Verfolgungsjagd“ quer durch das Sonnensystem. © SDO/NASA, SOHO (ESA/ NASA)
Konzertierte Aktion: Erstmals haben Astronomen einen Sonnensturm auf seinem gesamten Weg durch das Sonnensystem verfolgt – von der Sonne bis zum Pluto. Gleich zehn Raumsonden lieferten dafür die Daten, darunter mehrere Mars-Orbiter, Cassini, Rosetta, New Horizons und Voyager 2. Diese Beobachtungen zeigten zum ersten Mal, wie sich Tempo und Magneteigenschaften eines solchen koronaren Massenauswurfs im Verlauf seines Fluges verändern.

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Eigentlich hatte sich das Bodenteam der ESA-Sonde Mars Express darauf gefreut, den Kometen Siding Spring bei seinem nahen Vorbeiflug am Mars zu beobachten. Doch es kam anders: Als sie am 14. Oktober 2014 alles für diese Passage vorbereiteten, ereignete sich auf der Sonne ein koronarer Massenauswurf (CME): Die Sonne schleuderte eine gewaltige Wolke aus geladenem und magnetischem Plasma ins All hinaus.

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Vom Fluchen

Die Kugel Schokoeis ist gleich vor der Eisdielentür auf den Gehsteig geplatscht? Schweinebraten! Foto: imago
Ach, der schöne Pomadenhengst ist rausgeflogen aus dem Duden. Wegen Nichtgebrauchs. Glücklicherweise werden andere Schimpfwörter noch munter gebraucht.

Von Sylvia Staude | Frankfurter Rundschau

Es gab einmal einen kleinen Jungen (und diese Geschichte ist wahr), der fluchte, wenn ihm etwas stark missfiel: Schweinebraten! Schweinebraten! Mancher, der den kleinen Jungen nicht näher kannte, meinte, er müsse sich verhört haben. Wie, Schweinebraten? Das soll ein Schimpfwort sein? Jahre später wurde der Junge Vegetarier, noch später Vater. Vielleicht gibt er das S-Wort ja an seine Kinder weiter. Vielleicht hat er aber auch längst vergessen, dass es für ihn einmal Ausdruck höchster Empörung war. Ein Erwachsener ist aus Versehen auf den kleinen gelben Bagger getreten (Lieblingsspielzeug!) und hat ein Rad abgebrochen? Schweinebraten! Die Kugel Schokoeis ist gleich vor der Eisdielentür auf den Gehsteig geplatscht? Schweinebraten!

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Missing-Link im Dino-Stammbaum

Rekonstruktion des Chilesaurus-Skeletts: Er sah aus wie ein Raubdinosaurier,war aber ein Pflanzenfresser. © Machairo/ CC-by-sa 4.0
Spannender Fund: Ein in Chile entdecktes Fossil könnte sich als entscheidendes Bindeglied der Dinosaurier-Evolution erweisen. Denn der Chilesaurus besitzt sowohl Merkmale der zweibeinig laufenden Raubdinosaurier als auch der pflanzenfressenden Vogelbecken-Dinosaurier. Diese bizarre Mischung spricht dafür, dass dieser Dinosaurier eine Übergangs-Art zwischen beiden Gruppen war – ein Missing-Link. Das Fossil könnte damit einen revolutionären, erst vor kurzem vorgestellten Stammbaum-Entwurf stützen.

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Lange Zeit teilten die Paläontologen die Dinosaurier in zwei Großgruppen ein: Eine bilden die Vogelbecken-Dinosaurier (Ornithischia) mit Pflanzenfressern wie dem Triceratops oder Stegosaurus. Diesen gegenüber stehen die Echsenbecken-Dinosaurier (Saurischia). Zu dieser Gruppe gehören die langhalsigen, pflanzenfressenden Sauropoden und die zweibeinig laufenden Theropoden, die Gruppe von Raubdinosauriern, zu der auch der berühmte Tyrannosaurus rex gehörte.

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Frankreichs geschorene Frauen – filles à boche

Der Volkszorn macht sich Luft bei der Befreiung Frankreichs 1944/45. Tausende von Frauen werden in der «Säuberung» kahlgeschoren, als Strafe für «horizontale Kollaboration» mit dem Feind.

Von Andres Wysling | Neue Zürcher Zeitung

«Horizontale Kollaboration», lautet der Vorwurf. Die «Deutschenflittchen» (filles à boche) werden gepackt, eingesperrt, auf dem Hauptplatz vor der johlenden Menge geschoren, schliesslich von der Meute durch die Strassen getrieben, manche halb oder ganz nackt. Sie sind nur noch hässliche Glatzköpfe, ausgeschlossen von der Gesellschaft. Mit ihren Haaren verlieren sie ihr Aussehen und ihr Ansehen, ihre Weiblichkeit und ihre Persönlichkeit. Manchen wird ein Hakenkreuz auf die Stirn gemalt.

Das Kahlscheren ist ein öffentliches Rache- und Erniedrigungsritual, das überall in Frankreich stattfindet bei der Befreiung 1944/45, in grossen und kleinen Städten und in vielen kleinen Dörfern. Es richtet sich fast ausschliesslich gegen Frauen, nach einer Schätzung waren etwa 20’000 betroffen. Das brutale Geschehen kann man heute im Internet nachverfolgen und nachvollziehen, anhand von Fotos und Youtube-Videos.

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Türkei: „Wiege der Metallurgie“ war keine

Zeugnis einer Kupferverarbeitung oder Zufallsprodukt? Kupferhaltiges Relikt aus der Steinzeit-Siedlung Çatalhöyük. © Çatalhöyük Research Project
Sie galt als ältester Beleg einer gezielten Kupferverhüttung durch den Menschen. Doch nun hat sich vermeintliche Schlacke aus der rund 9.000 Jahre alten Steinzeit-Siedlung Çatalhöyük in Anatolien als zufällig entstanden entpuppt. Chemische und mikrostrukturelle Analysen des Materials ergaben: Das erzhaltige Mineral schmolz wohl nicht durch Menschenhand – stattdessen könnte ein Brand zu der nur oberflächlichen Verschlackung geführt haben.

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Im Südosten Anatoliens entstand vor tausenden von Jahren eine der frühesten Großsiedlungen der Menschheit: Çatalhöyük. Die Relikte der jungsteinzeitlichen Stätte sind unter einem unscheinbaren Hügel verborgen, der für Archäologen immer wieder Überraschungen bereithält und interessante Einblicke in das Leben der ersten sesshaften Menschen ermöglicht.

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Forscher finden fast einhundert Vulkane unter der Antarktis

Unter dem Eis schlummert das Feuer. (Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Forscher haben fast einhundert Vulkane unter dem Eis der Antarktis gefunden.

Dlf24

Dazu nutzten sie Radarsysteme, die Eis durchdringen können, und kombinierten diese Messungen mit Satellitendaten und Luftaufnahmen. So konnten die Wissenschaftler aus Edinburgh 91 bisher unbekannte Vulkane ausmachen.
Der kleinste von ihnen ist 100 Meter hoch, der Größe misst 3.850 Meter. Die Ergebnisse lassen keinen Rückschluss darauf zu, ob es sich dabei um aktive Vulkane handelt.

Die Forscher haben ihre Arbeit in den Geological Society Special Publications“ veröffentlicht. Sie liefert Informationen darüber, wie Vulkane den Antarktischen Eisschild beeinflussen. Außerdem könnte die Arbeit dabei helfen, zu verstehen, wie der Kontinent sich während der Erdgeschichte verändert hat.

Strafe für den Arzt der Colonia Dignidad

Hartmut Hopp in einer Aufnahme aus dem Jahr 1999. (Foto: Marcelo Agost/dpa)
  • Hartmut Hopp leitete das berüchtigte Krankenhaus der Kolonie, die heutzutage Villa Baviera heißt, Bayerisches Dorf.
  • 2011 wurde Hopp in Chile wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt, flüchtete aber nach Deutschland.
  • Er lebt seither unbehelligt in Krefeld, obwohl ihn Interpol suchte.

Von Peter Burghardt | Süddeutsche.de

Jahrzehntelang wurde in der deutschen Enklave im Süden Chiles verschleppt, vergewaltigt, gequält, versklavt, gemordet. Deutschlands Justiz unternahm so gut wie nichts, obwohl erste Vorwürfe gegen diese sogenannte Colonia Dignidadbereits vor einem halben Jahrhundert ans Licht kamen. Jetzt wollen die Behörden in zumindest einem prominenten Fall zugreifen, und auch das nur, weil chilenische Kollegen die Vorlage lieferten. So beschloss das Krefelder Landgericht am Dienstag, die in Chile längst gültige Haftstrafe gegen den früheren Sektenarzt Hartmut Hopp hierzulande zu vollstrecken.

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Holocaust Memorial in Boston Shattered, Days After Neo-Nazi Rally in Charlottesville

One civil rights group blames Trump for creating an „incubator of hate.“

By Conor Gaffey / Newsweek/Alternet

A civil rights group has accused President Donald Trump of creating an “incubator of hate” after a Holocaust memorial in Boston was vandalized for the second time in two months on Monday.

Police in Boston arrested a 17-year-old male suspect on Monday evening after being told by witnesses that he had thrown a rock and smashed part of a glass panel at the New England Holocaust Memorial.

The suspect’s name has not been released, as he is a juvenile, but police said he would be charged with wilful and malicious destruction of property. The Boston Police Department’s civil rights unit is also looking into the incident.

The New England Holocaust Memorial consists of six luminous glass towers that are each 54 feet high. The panels are etched with millions of numbers that reflect the numbers tattooed onto victims by Nazi guards at concentration camps.

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