„Die Religionspolitik in Deutschland ist konzeptlos“

Neuer Übersichtsband „Religionspolitik heute“ vereint erstmals religionspolitische Positionen aus Wissenschaft, Politik, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften – Beiträge zu religionspolitischen Grundsatzfragen, aktuellen Konflikten und Lösungsmöglichkeiten – „Moscheebau, Kopftuch, Kruzifix, Arbeitsrecht, Antisemitismus: Wir sollten nicht mehr unvorbereitet in Konflikte stolpern“ – „Bevölkerung nicht auf religiöse Vielfalt vorbereitet – Mehr offene Gesprächsformate wie Deutsche Islam Konferenz Ende November“
Viola van Melis Zentrum für Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werfen der Politik in Deutschland „Konzeptlosigkeit“ im Umgang mit religionspolitischen Konflikten vor. „Ob Moscheebau, Kopftuch oder Kruzifix, kirchliches Arbeitsrecht, Schächten oder Beschneidung: Die Politik reagiert vielerorts konzeptlos, wenn es Streit um die Rechte, Symbole und Praktiken von Religionsgemeinschaften gibt – ohne erkennbare politische Ideen, wie sich religiöse Interessen konstruktiv aushandeln lassen“, kritisieren die Herausgeber des neuen Übersichtsbandes „Religionspolitik heute. Problemfelder und Perspektiven in Deutschland“, der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willems und die Publizistin Viola van Melis vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der WWU und der Historiker Dr. Daniel Gerster vom Centrum für Religion und Moderne. „Im Konfliktfall werden immer wieder Gerichte angerufen. Damit wurden zwar viele Einzelfälle entschieden, aber es wurden nicht dahinterliegende Grundkonflikte behandelt.“

Das im Herder Verlag erschienene Buch vereint erstmals in dieser Form religionspolitische Positionen und Analysen aus Wissenschaft, Politik, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und bietet Überblickswissen zum lange vernachlässigten Politikfeld Religionspolitik. „Damit wollen wir Debatten anregen und helfen, weniger unvorbereitet in religionspolitische Konflikte zu stolpern.“ Offene Gesprächsformate zu konkreten Fragen des Miteinanders wie die neu konzipierte Islam Konferenz Ende November in Berlin seien richtig, dürften sich aber nicht auf die Bundesebene und wenige Termine im Jahr beschränken. „Schließlich müssen wir längst Anhänger religiöser Minderheiten wie Juden und Muslime in vielen Städten auch vor Gewalt schützen.“

Die 32 Buchbeiträge beleuchten aktuelle religionspolitische Konflikte und Lösungsmöglichkeiten sowie Grundsatzfragen aus historischer, systematischer, normativer und internationaler Sicht. Es geht um Konfliktthemen wie Moscheebau, Burka, Blasphemie und Beschneidung ebenso wie um Religionsfreiheit, Körperschaftsstatus und Religionsfragen im Arbeits-, Sozial- und Medienrecht. Die religionspolitischen Positionen der deutschen Parteien sind ebenso nachzulesen wie Positionen im Ausland. „Die Vorstellungen, wie Religionspolitik in Zukunft aussehen soll, liegen teils so weit auseinander, dass Deutschland ohne breite Diskussionen nicht auskommen wird“, so die Herausgeber. Das zeige im Buch die Bandbreite an Einschätzungen aus verschiedenen Fächern sowie an kontroversen Interessenbekundungen aus Parteien und Religionsgemeinschaften. Schon jetzt werde der Ruf nach Reformen lauter: „Lobbyisten muslimischer Gruppen fordern erheblich selbstbewusster als vor wenigen Jahren Zugang zu denselben Ressourcen wie die christlichen Kirchen. Zugleich lehnt eine religionskritische Öffentlichkeit vernehmlich religiöse Praktiken wie das Kopftuchtragen oder die Beschneidung ab.“ Umfragen zeigten, dass sich die Bevölkerung bis heute nicht „an den Wandel von einer christlich homogenen zur religiös heterogenen Gesellschaft“ gewöhnt habe. Entscheidend seien entemotionalisierte Debatten. Als Vorbild nennen die Herausgeber Kanadas Provinz Québec, die mit den Philosophen Charles Taylor und Gérard Bouchard einen landesweiten Diskurs zur Religionspolitik in Gang setzte.

Befunde aus dem Überblicksband „Religionspolitik heute“

Benachteiligungen in der Religionspolitik: Das Spektrum an Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften ist heute so breit wie nie zuvor in der deutschen Geschichte. Vor diesem Hintergrund wachsen seit Jahren religionspolitische Herausforderungen und Polarisierungen, wie die Herausgeber in den ersten beiden Buchbeiträgen skizzieren. Sie liefern Überblickswissen über Grundzüge und aktuelle Ausrichtungen der deutschen Religionspolitik sowie zur Entwicklung der religiösen Landschaft in den vergangenen Jahrzehnten. In deutschen Metropolen seien vor allem durch Migration teils mehr als 200 Religionsgemeinschaften anzutreffen. „Eine weitgehend homogen christlich-kirchlich geprägte Religionslandschaft, wie sie die 1950er-Jahre prägte, ist längst passé.“ Die Herausgeber kritisieren eine Bevorzugung der christlichen Kirchen. Die rund vier Millionen in Deutschland lebenden Muslime und die wachsende Gruppe der Konfessionslosen würden angesichts einer „religiös-christlich-großkirchlichen Schlagseite“ benachteiligt, so Politikwissenschaftler Ulrich Willems. „Eine Integration des Islams in die religionspolitische Ordnung der Bundesrepublik findet vor allem als Fundamentalismus-Prävention statt: beim islamischen Religionsunterricht und der islamischen Theologie an Universitäten.“ Während der Staat hier Kreativität zeige, fehle in anderen Fällen das Entgegenkommen, etwa bei der Verleihung des Körperschaftsstatus an islamische Gruppen.

Parteien und Polarisierungen: Politikwissenschaftler Ulrich Willems kritisiert in seinem Beitrag auch religionspolitische Versäumnisse der Parteien: „Schaut man in aktuelle Wahl- und Parteiprogramme, dann findet sich bei der SPD ein freundliches Desinteresse an religionspolitischen Veränderungen und bei der Union ein beherztes Weiter so.“ Eine solche zögerliche Religionspolitik habe bei gleichzeitiger Privilegierung des Christentums zur verschärften Unterscheidung zwischen einem „christlichen Europa“ und Muslimen geführt. „Islamskepsis und die Anti-Islam-Politik der AfD sind auch die Geister dieser vernachlässigten Religionspolitik.“ Die Politik müsse handeln, bevor das religionspolitische Klima durch jüngste Verschärfungen nicht zu vergiftet für nachhaltige Debatten sei. – Der evangelische Theologe und Sozialethiker Arnulf von Scheliha analysiert die aktuellen religionspolitischen Positionierungen der Parteien, etwa im Bundestagswahlkampf 2017. Er findet darin viel „ideenpolitisch motivierte Geschichtsdeutung“, einhellige Bekenntnisse zur Religionsfreiheit sowie sehr unterschiedliche Auffassungen zum Islam. Er resümiert, dass „in der Religionspolitik durchaus eine gewisse Bewegung herrscht, aber immense Beschleunigungen nicht zu erwarten sind“.

Internationaler Vergleich: Der Philosoph Hermann Lübbe vergleicht in seinem Beitrag die deutsche mit der Religionspolitik in den USA, die Religion im Unterschied zu Deutschland schon lange als wichtigen Faktor in der Innen- und Außenpolitik wahrnehme. Auch herrsche in den USA viel mehr Offenheit gegenüber neuen Glaubensrichtungen. Lübbe warnt im deutschen Fall davor, Zuwanderungsreligionen wie den Islam zu verpflichten, sich analog zum Staatskirchenrecht zu organisieren. Er rät davon ab, eine religionskulturelle Integration erlangen zu wollen, indem „Besonderheitsprofile“ religiöser Traditionen aufgegeben werden müssen. Wenn etwa auf ein Verbot des Kopftuchtragens auch das Verbot des Ordensschleiers folge, sei diese Verpflichtung zum Verzicht auf öffentliche Bekundung von Besonderheit „schadensträchtig“ – sowohl für die alten wie für die zugewanderten (Religions-)Kulturen.

Religionsentwicklung seit den 1950ern: Die Herausgeber von „Religionspolitik heute“ zeigen, wie stark sich die religionspolitische Landschaft verändert hat: Während 1950 44,3 Prozent der westdeutschen Bevölkerung katholisch und 51,5 Prozent evangelisch waren, waren es 2010 nur noch 36,5 beziehungsweise 31,9 Prozent. Die Zahl der Konfessionslosen hat sich dagegen durch stetige Entkirchlichung massiv erhöht, sie liegt heute bei einem Drittel der Bevölkerung. Weitere 5 bis 7 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören schließlich anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften an, darunter sind Anhänger des Islams, des Judentums, von Buddhismus und Hinduismus ebenso wie Vertreter esoterischer und neureligiöser Gruppierungen. Die größte Gruppe unter den religiösen Minderheiten stellen die rund vier Millionen Musliminnen und Muslime dar, die zurzeit in Deutschland leben. – Vor diesem Hintergrund umreißt Zeithistoriker Thomas Großbölting in seinem Beitrag die Entstehung und Entwicklung des religionspolitischen Regimes in der jungen Bundesrepublik. Er zeigt, wie die religionsrechtlichen Regelungen der Weimarer Reichsverfassung ins Grundgesetz gelangten, und bettet dies in die politische Kultur und Mentalität der 1940er- und 1950er-Jahre ein.

Religionsfreiheit unter Druck: Die katholische Theologin und Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins stellt in ihrem Beitrag das Recht auf Religions-, Weltanschauungs- und Gewissensfreiheit als „konstitutiven Bestandteil der Freiheitsrechte jedes Menschen“ dar, das den Glauben des Einzelnen genauso schützt wie die individuelle und gemeinschaftliche Religionsausübung, die positive ebenso wie die negative Religionsfreiheit. Das Menschenrecht sei jedoch in religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaften aus zwei Richtungen gefährdet: aus dem Verdacht heraus, es diene bloßen Partikularinteressen oder Privilegien, und aufgrund des Versuches, Religionsfreiheit tatsächlich partikular für religiöse Interessen zu vereinnahmen oder politisch zu instrumentalisieren. Die Autorin appelliert an alle religionspolitischen Akteure in Staat und Gesellschaft, das Recht auf Religionsfreiheit vehement zu verteidigen.

Auch der Rechtswissenschaftler Thomas Gutmann unterstreicht, das Recht auf Religionsfreiheit dürfe „als grundlegende Dimension menschlicher Freiheitsentfaltung in einer liberalen Gesellschaft“ nicht zur Disposition gestellt werden. Zugleich, so Gutmann, sei die Religionsfreiheit eine wesentliche Errungenschaft des säkularen Staates, die dessen weltanschauliche Neutralität unbedingt voraussetze. Gutmann zeigt an Beispielen, inwiefern die Religionsfreiheit in Konkurrenz zu anderen Rechtsgütern steht, und arbeitet damit ihre Grenzen heraus. Ein „fragiles Gut“ nennt er die gleiche Glaubensfreiheit: In der Praxis sieht er Defizite in der Gleichbehandlung aller Religionen und „starke Tendenzen, die Hegemonie des organisierten Christentums zu verteidigen“.
Körperschaftsstatus: Die Verleihung des Körperschaftsstatus an Religionsgemeinschaften ist für Staatsrechtswissenschaftler Hinnerk Wißmann eine von mehreren Möglichkeiten, Religion zu organisieren. Ihre Zukunftsfestigkeit müsse sich angesichts zunehmender religiöser Pluralität aber erst beweisen. Der Automatismus von Sonderregelungen für Religionsgemeinschaften mit Körperschaftsstatus, die viel diskutierten „Privilegienbündel“, sollten auf ihren funktionalen Grund hin überprüft werden. So könnten künftig bestimmte Rechte herausgelöst und auf Antrag auch Religionsgemeinschaften ohne Körperschaftsstatus gewährt werden. Wißmann betont, „der Anspruch auf Gleichbehandlung aller Religionen ist nicht durch Gleichförmigkeit einzulösen.“ – Religionswissenschaftlerin Astrid Reuter schließt sich aus religionswissenschaftlicher Perspektive dem Urteil von Wißmann grundsätzlich an, indem sie die Debatte um den Körperschaftsstatus als einen „Scheinriesen“ bezeichnet. Der Körperschaftsstatus stehe in der Debatte symbolisch für das, was am herkömmlichen staatskirchenrechtlichen System als dringend reformbedürftig, wenn nicht abschaffungswürdig gelte.

Diskussionsfelder Wohlfahrtsstaat, Arbeitsrecht, Medienrecht: Der Politikwissenschaftler Philip Manow und der katholische Theologe und Sozialethiker Karl Gabriel untersuchen religiöse Einflüsse auf die Entstehung der europäischen Wohlfahrtsstaaten. Der protestantische Sozialethiker Hartmut Kreß und der evangelische Theologe Thorsten Moos diskutieren das kirchliche Arbeitsrecht, während der Kommunikationswissenschaftler Tim Karis und die Publizistin Viola van Melis den Umgang im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit religiöser Vielfalt untersuchen. Sie sehen in den Rundfunkräten und bei den Drittsenderechten viele religiöse Minderheiten nicht vertreten und sehen hier religionspolitischen Handlungsbedarf, der sich nach van Melis auch positiv auf die Berichterstattung über religiöse Vielfalt auswirken und so fundierten gesellschaftlichen Debatten Vorschub leisten könne.

Aktuelle Konflikte – Moscheebau, Burka, Blasphemie, Beschneidung: Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie zeichnet die politischen und sozialen Konflikte der vergangenen Jahrzehnte nach, die mit dem vermehrten Bau von Moscheen in westlichen Ländern aufflammten. Um künftig Eskalationen zu vermeiden, gelte es, den Streitfällen eine neue institutionelle und kommunikative „Form zu geben“. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Spohn beleuchtet die emotional diskutierten gesetzlichen Burka-Verbote in europäischen Demokratien und fragt, warum Burka-Verbotsinitiativen trotz umfassender Kritik aus der Wissenschaft immer wieder politische Erfolge erzielen. Sie sieht dies in einem grundsätzlichen „Unbehagen europäischer Gesellschaften an der Verschleierung des Gesichts“ begründet und stellt fest, dass die Verbote dennoch nicht zur Befriedung der Konflikte beitrügen. Mit der Blasphemie nimmt sich der Politikwissenschaftler Klaus von Beyme eines Themas an, das die meisten europäischen Gesellschaften nach seiner Einschätzung überwunden geglaubt hatten. Seine gesellschaftliche Sprengkraft habe sich in den vergangenen Jahren erneut erwiesen, etwa im Streit um die ‚Mohammed-Karikaturen‘ oder um Kritik an Überzeugungen evangelikaler Christen. Çefli Ademi skizziert aus Sicht der islamischen Rechtswissenschaft die Debatte über die religiöse Jungen-Beschneidung, die das Urteil des Kölner Landgerichts 2012 auslöste. Der Beitrag kann als Plädoyer gegen eine als allgemeine Religionskritik verkleidete Islamophobie verstanden werden.

Religionspolitische Akteure: In den Buchbeiträgen von religionspolitischen Akteuren aus Politik und Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften besteht Einhelligkeit, dass das Grundrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit als hohes Gut unbedingt zu schützen sei. Jenseits dieses Einvernehmens eröffnet sich allerdings eine Bandbreite an kontroversen Meinungen und Interessenbekundungen zur aktuellen Religionspolitik in Deutschland:

a) Positionen aus der Politik: Stellung beziehen fünf Politikerinnen und Politiker, deren Parteien in der 18. Wahlperiode des Deutschen Bundestages (2013–2017), in der das Buch überwiegend entstand, Fraktionen stellten. Religionsbezogene Aussagen der Parteien FDP und AfD, die seit der Bundestagswahl vom Herbst 2017 ebenfalls mit Fraktionen ins Parlament eingezogen sind, finden in den Beiträgen des Politikwissenschaftlers Ulrich Willems und des Sozialethikers Arnulf von Scheliha Beachtung. Zu den Autorinnen und Autoren, die in diesem Band zu Wort kommen, zählen als (ehemalige) Bundestagsabgeordnete: Volker Beck (Partei Bündnis 90/Die Grünen), Christine Buchholz (Die Linke), Kerstin Griese (SPD) und Johannes Singhammer (CSU); sowie Thomas Sternberg (CDU), der bis Mai 2017 Mitglied im Landtag Nordrhein-Westfalen war.

Die Beiträge aus der Politik spiegeln im Umfang ihrer thematischen Ausdifferenzierung nach Einschätzung der Herausgeber auch den Grad wider, in dem sich die Parteien bisher systematisch mit religionspolitischen Fragen befassen: So haben Bündnis 90/Die Grünen einen mehrjährigen bundesweiten Diskussionsprozess durchlaufen und einen vom Parteitag beschlossenen Abschlussbericht vorgelegt, der zu zahlreichen religionspolitischen Feldern Stellung nimmt; auch in der Partei Die Linke, die zunächst mit laizistischen Forderungen auftrat, entwickeln sich nun Debatten mit differenzierterem Themen- und Meinungsspektrum. SPD und FDP treten derzeit in religionspolitische Überlegungen ein, die sich aber noch nicht in Reformpapieren konkretisiert haben. Die CSU stellt dagegen kein Reformbestreben heraus, sondern plädiert für den Erhalt des Status quo, den Singhammer als „austarierte Balance zwischen Kirche und Politik“ würdigt, während die CDU zwar das Religionsverfassungsrecht als bewährt herausstellt, zugleich aber, wie Sternberg es nennt, „wichtige Weiterentwicklung“ etwa beim islamischen Religionsunterricht befürwortet. – Die Lektüre der Beiträge der Politikerinnen und Politiker lässt, so die Herausgeber, erkennen: Je eher diese dafür plädieren, die Pluralität als Realität anzuerkennen, desto stärker zeigen sie religionspolitische Probleme, aber auch mögliche Lösungswege auf, sei es zum Körperschaftsstatus, zum kirchlichen Arbeitsrecht, zu den Staatsleistungen, zum Religionsunterricht oder zu den Theologien an öffentlichen Hochschulen.

b) Positionen aus Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften Die Auswahl der Autorinnen und Autoren aus Religion- und Weltanschauungsgemeinschaften folgte den Herausgebern zufolge dem Ziel, ein möglichst vielfältiges Meinungsbild zu zeigen und einen Eindruck vom Facettenreichtum des religiösen Spektrums im heutigen Deutschland zu geben. Allerdings seien Vollständigkeit und Repräsentativität auf diesem Gebiet angesichts der hohen Anzahl an Religionsgemeinschaften und ihrer jeweiligen Konfessionen und Strömungen von Anfang an unmöglich. Exemplarisch kommen im Band zu Wort: Rabbiner Achivai Apel von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, Michael C. Bauer vom Humanistischen Verband Deutschlands, Mohammad Dawood Majoka von der Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, Antonius Hamers vom Katholischen Büro NRW, Mohammed Khallouk vom Zentralrat der Muslime in Deutschland, Armin Pikl von der Gemeinschaft Zeugen Jehovas, Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung sowie Irmgard Schwätzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. – Konkreten religionspolitischen Handlungsbedarf formulieren den Herausgebern zufolge in der Regel die Beiträge aus der Feder von Vertretern der Minderheiten-Religionen: So behandeln die Islam-Vertreter ausführlich die Frage des Körperschaftsstatus. Sie betonen, ohne Körperschaftsstatus ließen sich viele religionsspezifische Bedürfnisse von Muslimen „von der Wiege bis zur Bahre“ in Seelsorge, Sozialsektor und Bildung nicht regeln. Andere Beiträge nennen Benachteiligungen, die etwa Juden im Alltag in Deutschland erführen. (sca/vvm)


Weitere Informationen:

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2018/nov/PM_Religions…


Do Not Fear the Dark Matter Hurricane (The Dark Matter Hurricane Is Good)

Credit: C. O’Hare; NASA/Jon Lomberg, via Physics
Scientists think there’s a „dark matter hurricane“ heading toward Earth. In fact, it might even be blowing through us already.
But don’t worry — it’s definitely not going to kill you. Mostly, it’s just a bunch of normal dark matter with especially good branding. And it really is headed (more or less) this way.

By Rafi Letzter | SPACE.com

Here’s what’s going on: Back in 2017, astronomers spotted a stretched-out line of stars passing through our solar system’s general region of the Milky Way. The scientists named this group the „S1 stream,“ identifying it as the nearest of several stellar streams moving through the galaxy. Parades of stars like these form when the Milky Way gobbles up a dwarf galaxy, stretching the smaller object out in the process. In a new paper, published Nov. 7 in the journal Physical Review D, researchers argued that S1 might be carrying with it a hefty load of dark matter from the original dwarf galaxy. And they gave that baggage the snazzy name „dark matter hurricane.“ [The 7 Strangest Asteroids: Weird Space Rocks in Our Solar System]

Again, that hurricane is not going to kill you. Or blow the door off your house. But it just may cause some local spikes in dark matter, which would help researchers hunting dark matter actually find the stuff, the researchers wrote.

That’s because all galaxies, but especially dwarf galaxies, are held together by dark matter, physicists believe. So, the galaxy that was torn to shreds birthing the S1 stream likely dumped a bunch of dark matter into the stream’s path.

The problem is, no existing dark matter-detection devices have actually worked, in part because they’ve all been designed based on educated guesses as to what dark matter really is. (Scientists have very good reason to believe dark matter exists but are still guessing about its composition.)

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Ernährung: Wie viel Fett ist gesund?

Vor allem die Art der konsumierten Fette ist entscheidend – die Menge ist weniger ausschlaggebend. © Julija Dmitrijeva/ istock
Auf das Wie kommt es an: Ob Low-Carb oder fettarm – eine ideale Formel für die gesunde Ernährung gibt es hierbei nicht. Denn ob wir mehr Kohlenhydrate oder Fette essen, spielt für die Gesundheit eine geringere Rolle als meist angenommen, wie Wissenschaftler berichten. Stattdessen ist vor allem die Art der konsumierten Fette entscheidend. Ihre Überblicksarbeit zeigt aber auch: Für Menschen mit bestimmten Stoffwechselstörungen könnte tatsächlich eine fettreichere, kohlenhydratärmere Kost empfehlenswert sein.

scinexx

Welche Ernährungsweise ist die gesündeste? Während die einen auf No-Fat schwören, setzen die anderen auf Low-Carb, Mittelmeer-Diät oder Steinzeitkost. Einige dieser Philosophien widersprechen sich in ganz grundsätzlichen Annahmen – zum Beispiel in Bezug auf die Frage, ob Fett nun ungesund ist oder fit macht. Das verwirrt viele Menschen, die sich möglichst gesund ernähren möchten.

Dieses Problem haben auch Wissenschaftler um David Ludwig von der Harvard Medical School in Boston erkannt – und nach einer Lösung gesucht. Sie fragten sich: Muss es nicht möglich sein, einen wissenschaftlichen Konsens darüber zu erlangen, wie viel Fett tatsächlich empfehlenswert ist?

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Die schleichende Veränderung des „Zwarten Piet“

Sinterklaas mit Zwarte Pieten in einer Grundschule in Emmen, 2012. Bild: wikipedia.org/CC BY 2.0 – Alias 0591
Seit Jahren diskutieren die Niederländer, wie der Nikolausgehilfe „Zwarte Piet“ zu schminken sei, um nicht Anstoß zu erregen. An diesem Samstag findet der nationale Einzug in Zaandijk statt – Demonstrationen wohl inklusive.

DOMRADIO.DE

Mit seinem Stab steht der Sinterklaas vorn auf dem Boot und winkt den Kindern zu, während er durch die niederländischen Grachten schippert. Um ihn herum tanzen, singen und scherzen Hunderte „Zwarte Pieten“. Die Frage, ob und wie sie geschminkt werden, erregte in den vergangenen Jahren immer wieder die Gemüter. Kritiker halten das Bild des „Zwarten Piet“, der traditionell als Schwarzafrikaner dargestellt wird, für rassistisch.

Der wichtigste Tag der Vorweihnachtszeit

Für die Niederländer ist der Einzug des Nikolaus der wichtigste Tag der Vorweihnachtszeit. Jedes Kind kennt ihn und seinen Gehilfen. Von Anfang November bis Anfang Dezember wird jeden Abend ein „Sinterklaasjournaal“ im öffentlich-rechtlichen Sender NTR ausgestrahlt. Höhepunkt des Nikolausfests ist der „Pakjesavond“ (Geschenkabend) am 5. Dezember.

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„Die SA Jesu Christi“

Das Eingangsportal des 1934 eingeweihten Martin-Luther-Hauses in Köln-Marienburg zierten zwei überlebensgroße Reliefs des Bildhauers Willy Meller: links Martin Luther mit Rose und Kreuz, rechts ein SA-Mann mit NS-Hoheitszeichen. Der Reformator an der Seite eines Nazi.

Von Anne Burgmer | Kölner Stadt-Anzeiger

Es gibt unzählige Beispiele aus der Zeit zwischen 1933 und 1945, die belegen, wie häufig im nationalsozialistischen Deutschland Bezug auf Luther genommen wurde.

Das Ausmaß hat den Historiker Ulrich Prehn, Kurator der Ausstellung „Überall Luthers Worte…“, die nun im NS-Dokumentationszentrum zu sehen ist, überrascht. Prehn und seine Kollegen legen dar, dass sich diese Beschäftigung sowohl von staatlicher also auch von kirchlicher Seite durch die gesamten braunen Jahre zieht. „Luther hat eine viel größere Rolle in dieser Zeit gespielt, als ich dachte“, so Prehn.

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Ein- und Ansichten eines Vernunftmenschen und eines Forschers aus Leidenschaft

Richard Dawkins, Screengrab
Rezension zu Richard Dawkins: Forscher aus Leidenschaft – Gedanken eines Vernunftmenschen

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Die Rede ist von Richard Dawkins – Evolutionsbiologe, Aufklärer und Religionskritiker. In seinem 1976 erschienenen Buch »Das egoistische Gen« vertrat er die provozierende These, dass wir allein von unseren von Generation zu Generation weitergegebenen Genen gesteuert werden und dass alle biologischen Organismen vor allem dem Überleben und der Unsterblichkeit der Erbanlagen dienen. Dawkins klärte uns aber darüber auf, dass wir aufgrund der inzwischen gewonnenen Einsichten in den naturgesteuerten Ablauf diesem Gen-Schicksal dennoch nicht hilflos ausgeliefert seien. Spätestens mit dem Erscheinen seines weltweit verbreiteten Buches »Der Gotteswahn« wurde er auch einer großen Öffentlichkeit als vehementer Religionskritiker bekannt. »Der Gotteswahn« ist eine leidenschaftliche Streitschrift gegen das Irrationale, Fortschrittsfeindliche und Zerstörerische der Religionen. Dawkins gilt seither als einer der bekanntesten Vertreter des sog. Neuen Atheismus.

Man darf gewiss ohne Übertreibung sagen, dass Richard Dawkins einer der einflussreichsten gegenwärtigen Intellektuellen ist. Nach einer sehr fruchtbaren Phase als Wissenschaftler und Forscher, die 1967 in Berkeley/USA begann, übernahm er 1995 an der Universität Oxford eine »Professur für die Förderung des Wissenschaftsverständnisses in der Öffentlichkeit« (Professor of the Public Understanding of Science). Eine wohl einmalige Einrichtung in der internationalen Wissenschaftslandschaft, die die Informationsdefizite in der Gesellschaft in Bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisse beseitigen helfen soll. Diese Kluft an Einsichten besteht zwischen dem wissenschaftlichen und aufgeklärten Denken einer gesellschaftlichen Minderheit und dem durch Unwissen, Aberglauben und kompromissloses Festhalten an religiösen »Wahrheiten« gekennzeichneten Verhalten einer großen Mehrheit. Im Jahr 2008 zog sich Dawkins aus Altersgründen aus dem akademischen Betrieb zurück. Als Vortragender und Autor zu wissenschaftlichen, speziell evolutionsbiologischen, aufklärerischen, religionskritischen sowie politischen Themen ist er dennoch bis heute aktiv geblieben.

Das nachfolgend zu würdigende Buch umfasst 41 Aufsätze und Vorträge aus 40 Jahren wissenschaftlicher und publizistischer Tätigkeit, meist mit aktualisierenden Nachworten versehen, wobei die neueren Texte überwiegen. Die Herausgeberin Gillian Somerscales hat zusammen mit Dawkins die Texte ausgewählt, thematisch gruppiert und jeweils einleitend mit klugen und hilfreichen Kommentierungen versehen.

Teil I ist überschrieben mit: »Wert(e) der Wissenschaft«. Im Beitrag »Die Werte der Wissenschaft und die Wissenschaft der Werte« meint Dawkins mit Blick auf die Wissenschaftler: »Grundlage ihres Berufes ist die Überzeugung, dass es so etwas wie eine objektive Wahrheit gibt, die über kulturelle Unterschiede hinausgeht; wenn demnach zwei Wissenschaftler die gleiche Frage stellen, gelangen sie unabhängig von ihren vorgegebenen Überzeugungen, ihrer kulturellen Herkunft und innerhalb gewisser Grenzen auch ihrer Fähigkeiten zu der gleichen Antwort.« (S. 31f)

Während Teil I davon handelt, was Wissenschaft ist, befasst sich Teil II: »All ihre gnadenlose Pracht« damit, wie Wissenschaft betrieben wird. Es folgen ausführliche, gut verständliche Betrachtungen zur Wirkungsweise der Evolution, wobei übliche Missverständnisse geduldig geklärt werden. Es schließt sich eine Würdigung des Beitrags von Alfred Russel Wallace, eines Zeitgenossen Darwins, zur Entwicklung der Evolutionstheorie an. Erwähnt wird, dass Darwin und Wallace trotz der brisanten Konkurrenzsituation eine freundschaftliche Beziehung entwickelten. Bei aller Schönheit der Ergebnisse der Evolution macht Dawkins – wie schon in Teil I – darauf aufmerksam, dass Evolution eine höchst »blutige Angelegenheit« ist. »Die läuferische Eleganz von Geparden und Gazellen wurde auf beiden Seiten mit einem gewaltigen Blutzoll und dem Leiden unzähliger Vorfahren erkauft.« (S. 44) Neues und angepassteres Leben baut auf dem Töten und Fressen der weniger angepassten und damit unterlegenen Individuen auf. Zahllose Vorläufer beispielsweise von Antilopen oder Gazellen mussten sterben, um heutige Antilopen und Gazellen sich entwickeln zu lassen, die genügend schnell sind, um eine Überlebenschance zu haben, wenn sie von den fleischfressenden Geparden oder Löwen gejagt werden.

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Marianengraben schluckt Wasser

Am Marianengraben wird mit der absinkenden Pazifischen Platte auch viermal so viel Wasser in den Erdmantel transportiert wie gedacht. © NASA
Ab in die Tiefe: An den Subduktionszonen gelangen mit den untertauchenden Erdplatten enorme Wassermengen in das Erdinnere. Allein am Marianengraben transportiert die absinkende Pazifische Platte gut viermal mehr Wasser in den Erdmantel als bisher angenommen, wie Messungen nun enthüllen. Die Subduktionzonen spielen damit eine wichtige Rolle im irdischen Wasserkreislauf. Weltweit könnten in ihnen drei Milliarden Tonnen Wasser pro Million Jahre verschluckt werden, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Der Vorrat des irdischen Wassers beschränkt sich nicht auf die Ozeane, Gewässer oder die Atmosphäre: Auch verborgen im Erdmantel sind gewaltige Mengen Wasser gespeichert – teilweise schon seit der Frühzeit unseres Planeten. Dieses größtenteils in Mineralien gebundene Wasser spielt eine wichtige Rolle für die Prozesse im Erdmantel, aber auch für den irdischen Wasserkreislauf. Denn Teile davon treten bei Vulkanausbrüchen wieder zutage.

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Epic Crash of Neutron Stars Creates ‚Hypermassive Magnetar‘

An artist’s illustration of two merging neutron stars. Astronomers spotted gravitational waves and light emitted by such an event in August 2017. Credit: National Science Foundation/LIGO/Sonoma State University/A. Simonnet
The historic neutron-star crash that astronomers observed last year didn’t generate a black hole after all, at least not initially, a recent study suggests.

By Mike Wall | SPACE.com

In October 2017, researchers announced that they had detected both light and gravitational waves — the ripples in space-time first predicted by Albert Einstein a century ago — emanating from the merger of two superdense stellar corpses known as neutron stars.

This epic collision — called GW170817, because it was first spotted on Aug. 17, 2017 — marked the beginning of the era of „multimessenger astrophysics,“ astronomers said. This term refers to the study of a cosmic object or phenomenon using at least two different types of signals. [Neutron-Star Crash: A Gravitational Waves Discovery in Pictures]

Data gathered by the Laser Interferometer Gravitational Wave Observatory (LIGO) project indicated that the object created by the merger was about 2.7 times more massive than the sun. That’s right on the neutron star-black hole borderline, so the identity of the newly formed body was unclear: It was either the least massive black hole ever discovered, or the most massive neutron star.

Astronomers initially leaned toward the black-hole interpretation, but the recent study argues for a neutron star — specifically, a supermagnetic type known as a magnetar. That’s because the authors dug a new signal out of the data collected by LIGO and its sister project, Virgo — a 5-second descending „chirp“ that began after the initial round of gravitational waves, but before an accompanying burst of high-energy gamma rays.

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Frankreich untersucht, warum in manchen Regionen ungewöhnlich viele Kinder ohne Arme zur Welt kamen

Eine Hebamme hält ein neugeborenes Kind im Arm (Symbolbild). (Bild: Gaetan Bally / Keystone)
In drei Regionen Frankreichs sind innert kurzer Zeit auffallend viele Kinder mit Missbildungen an Armen und Händen geboren worden. Die Suche nach den Gründen ist in einem ersten Anlauf erfolglos verlaufen. Auf öffentlichen Druck hin werden die Fälle nun neu untersucht.

Nina Belz | Neue Zürcher Zeitung

Dem acht Jahre alten Sohn von Mélanie und Jonathan Vitry fehlt die rechte Hand. Ryan ist so geboren worden, doch warum, wissen seine Eltern bis heute nicht. Die Ärzte schlossen laut der Mutter genetische Gründe ebenso aus wie den Einfluss von Drogen oder Medikamenten. Mélanie Vitrys Schwangerschaft verlief unkompliziert, die Missbildung wurde erst bei der Geburt entdeckt. In Frankreich werden durchschnittlich 150 Kinder pro Jahr mit derartigen Missbildungen geboren. Doch Ryans Schicksal hat seit ein paar Wochen landesweit Aufmerksamkeit erhalten, weil der Sender France 2 darüber berichtete. Die Journalisten hatten einen Bericht der regionalen Meldestelle für Missbildungen (Remera) ausgewertet, der zwar aus dem Jahr 2014 stammt, aber angeblich lange als vertraulich galt.

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Kaffeegenuss: Auch die Gene mischen mit

Unser Geschmacksempfinden beeinflusst die Vorliebe für Kaffee – aber völlig anders als erwartet. © Shalith/ iStock
Das Bittere macht’s: Ob wir passionierte Kaffeetrinker sind oder nicht, liegt auch in unseren Genen. Denn wie eine Studie enthüllt, beeinflusst eine Genvariante, wie intensiv wir den bitteren Geschmack des Koffeins wahrnehmen. Überraschend jedoch: Gerade diejenigen, die das Koffein als besonders bitter empfinden, trinken tendenziell mehr Kaffee, wie die Forscher berichten. Offenbar haben diese Kaffeetrinker gelernt, dass „bitter“ in diesem Fall etwas Gutes bedeutet – ein Fall von Konditionierung.

scinexx

Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke weltweit – und entgegen früherer Annahmen sogar gesund. Denn der Wachmacher enthält neben dem anregenden und stresshemmenden Koffein mehrere weitere Pflanzeninhaltsstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung. Dadurch soll Kaffee unter anderem vor Gefäßerkankungen und Diabetes schützen, dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen und sogar unsere DNA vor Schäden bewahren helfen.

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Römisch-katholische Selbstwaschanlage

Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)
Die Religion des Klerikalismus kennt keine Schamgrenzen: Auch im Franziskus-Pontifikat hält der Vatikan offenbar am Plan fest, Pius XII. selig zu waschen

Peter Bürger | TELEPOLIS

Die frühen Christen werden in der biblischen Apostelgeschichte als „Leute des Weges“ vorgestellt. Unter Berufung auf Jesus von Nazareth kann Kirche lediglich ein Mittel sein, „um den Armen eine gute Nachricht der Befreiung zu bringen und zerbrochene Herzen zu heilen“. Die durch das letzte Konzil in Rom nur halbherzig überwundene Häresie des Klerikalismus hat hingegen aus der Kirche stets einen Selbstzweck und Fetisch gemacht, ein Anbetungsobjekt.

In diesem Programm „Kirche als Religion“ sind Priesteranbetung und Priesterselbstanbetung weit verbreitet. Der Papstkult des 19. Jahrhunderts schreckte beispielsweise nicht davor zurück, den Bischof von Rom als „Dritte Inkarnation Gottes“ zu feiern.

Unter solchen Vorzeichen wurde aus den „Leuten des Weges“ das unfreie Fußvolk einer hierarchischen Kirchenpyramide, die bis heute nur aus Männern besteht. Der ausgewachsene Kirchenfürst handelte stets nach der Devise: „Ich bin der Herr, mein Gott“. Allen Mitgliedern des auserwählten Priesterstandes bescheinigte der Katechismus eine sakramentale Wesensverwandlung, die nie mehr erlöschen kann.

Diese Ideologie ließ sich freilich nur aufrechterhalten durch eine systematische Verdrängung von Versagen. Dass Priester in nicht wenigen Fällen das genaue Gegenteil des christlichen Auftrags praktizierten, indem sie die Herzen von Kindern und anderen Schutzbefohlenen zerbrachen, durfte nicht zur Sprache kommen.

Ganz analog zur systematischen Verschweigung und Vertuschung von sexueller Gewalt vollzieht sich der Umgang mit historischem Versagen in Krisenzeiten. Die Religion des Klerikalismus hat die Kirche mehr als einmal in der Geschichte zur passiven Zuschauerin oder Kollaborateurin werden lassen, wo ihr Auftrag Widerstand erfordert hätte.

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Supererde um Barnards Stern

Barnards Stern (links) und sein neuentdeckter Planet – sie liegen nur sechs Lichtjahre von der Erde entfernt. © ESO/ M. Kornmesser
Eine neue Nachbarwelt: Astronomen haben einen Exoplaneten um den sonnennächsten Einzelstern entdeckt – den sechs Lichtjahre entfernten Barnards Stern. Die Supererde ist 3,2 Mal massereicher als die Erde und umkreist den Stern etwa in Merkur-Entfernung. Weil der Rote Zwerg aber viel lichtschwächer ist, herrschen auf ihr wahrscheinlich Temperaturen von minus 170 Grad – zu kalt für flüssiges Wasser und Leben, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Obwohl es in unserer nahen Nachbarschaft gleich mehrere Rote Zwerge und das Centauri-Dreifachsystem gibt, konnten Astronomen dort lange keine Planeten finden. Das aber hat sich geändert: In den letzten Jahren haben Forscher einen Erdzwilling bei unserem nächsten Nachbarn Proxima Centauri entdeckt, dazu einen erdähnlichen Planeten in elf Lichtjahren und fünf weitere Erdzwillinge in bis zu 16 Lichtjahren Entfernung. Auch Alpha Centauri könnte mehrere noch unentdeckte Erdzwillinge besitzen.

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PKK zu Unrecht auf EU-Terrorliste

Bild. tagesschau.de
Die kurdische Arbeiterpartei PKK ist zu Unrecht auf der EU-Terrorliste geführt worden. Die Vermögenssperre war nicht ausreichend begründet. Das urteilte das EU-Gericht. Konkrete Auswirkungen hat das Urteil aber nicht.

tagesschau.de

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK ist zwischen 2014 und 2017 zu Unrecht auf der EU-Terrorliste geführt worden. Das EU-Gericht erklärte die zugrundeliegenden Beschlüsse der EU-Staaten wegen Verfahrensfehlern für nichtig. Nach Ansicht des Gerichts hat der Rat der Mitgliedstaaten in notwendigen Verordnungen und Beschlüssen nicht hinreichend begründet, warum er die PKK auf der Liste führt.

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Interstellar Object ‚Oumuamua Is Probably a Small, Surprisingly Shiny Comet

An artist’s illustration of the interstellar object ‚Oumuamua passing through the solar system in October 2017. Observations of ‚Oumuamua indicate that it must be very elongated because of its dramatic variations in brightness as it tumbled through space. Credit: M. Kornmesser/European Southern Observatory
The history-making interstellar visitor ‚Oumuamua is a relatively small and reflective object, a new study suggests.

By Mike Wall | SPACE.com

Astronomers spotted ‚Oumuamua streaking through the inner solar system in October 2017 and quickly determined, based on its trajectory, that it’s not from around here. No object from interstellar space had ever been confirmed in our solar system before.

Researchers therefore scrambled to learn more about ‚Oumuamua, training a variety of telescopes on the mysterious body as it barreled toward the outer solar system. No instrument was able to resolve ‚Oumuamua, but measurements of its brightness over time indicated that it’s an oddly tumbling, needle-shaped rock perhaps six times longer than it is wide. [‚Oumuamua: Our 1st Interstellar Visitor Explained in Photos]

Astronomers also noticed that ‚Oumuamua was displaying „nongravitational acceleration“ — motion not attributable to the gravitational pull of the sun or any other solar system body. Such motion could be caused by „outgassing,“ strongly suggesting that ‚Oumuamua is a comet rather than an asteroid, scientists argued in a study published this summer.

(A different research team recently put forward an alternative hypothesis to explain the acceleration — that ‚Oumuamua may be a „sailcraft“ built by an alien civilization.)

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Kritik an schleppender Aufarbeitung der Kolonialzeit

Afrika-Aktivisten und Wissenschaftler fordern von Bund und Ländern eine baldige Aufarbeitung deutscher Gräueltaten während der Kolonialzeit. Yonas Endrias, Vize-Vorsitzender des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, betonte am Donnerstag bei einem Fachgespräch der Grünen-Fraktion im Bundestag: „Es geht nicht um Geld, es geht um Würde.“

evangelisch.de

Entscheidend seien die Anerkennung der Verbrechen, zum Beispiel gegen Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama im heutigen Namibia, und historische Gerechtigkeit. Die deutsche Kolonialgeschichte vor hundert Jahren müsse integriert werden in Kultur und Bildung, müsse an den Schulen gelehrt werden. Endrias sprach sich zudem für ein Mahnmal aus.

Der Leiter Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ an der Universität Hamburg, Jürgen Zimmerer, kritisierte, dass es in Deutschland zwar eine Debatte gebe, „aber keinen Mut“. Entschuldigungen von Bundeskanzlerin und Bundespräsidenten stünden aus. Heftige Kritik äußerten er und andere Redner am Afrika-Beauftragten der Bundesregierung Günter Nooke (CDU).

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Unter den Phlegräischen Feldern bei Neapel könnte sich Unheil zusammenbrauen

Auch in «ruhigen» Zeiten dampft und zischt es auf den Phlegräischen Feldern bei Neapel. (Bild: Christian Jungeblodt/laif)
Gesteinsanalysen erhellen das Verhalten des vulkanischen Gebiets bei Neapel. Sie deuten darauf hin, dass der Supervulkan auf den nächsten Ausbruch zusteuern könnte.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Das vulkanische Gebiet der Phlegräischen Felder bei Neapel entwickelt sich so, dass es womöglich zu einem neuen grossen Ausbruch kommen wird. Wann sich dieser ereignen wird, ist allerdings ungewiss. Das berichten Forscher aus der Schweiz, Wales und Italien jetzt im Wissenschaftsmagazin «Science Advances». Das Team um Francesca Forni und Olivier Bachmann von der ETH Zürich hat Gesteine aus der Region untersucht und zusätzlich berechnet, wie sich das Magma mit der Zeit verändert hat.

Gewaltige Eruptionen in grauer Vorzeit

Die Phlegräischen Felder sind für gewaltige Eruptionen bekannt. Vor 39 000 Jahren wurden bei einem heftigen Ausbruch riesige Wolken aus Asche und Gesteinsbrocken in die Höhe geschleudert, die bis zu hundert Meter dicke Ablagerungen in der Region hinterlassen haben. Das Magmareservoir unter dem vulkanischen Gebiet entleerte sich damals so stark, dass der Boden grossflächig nachgab.

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Meteoritenkrater in Grönland entdeckt

Der Einschlagskrater liegt unter dem Eis des Hiawatha-Gletschers im Nordwesten Grönlands. ©The Natural History Museum of Denmark
Gewaltiger Impakt: Forscher haben in Grönland die Spuren eines gewaltigen Meteoriteneinschlags entdeckt. Unter dem Eis eines Gletschers im Nordwesten der Insel liegt ein Krater von rund 31 Kilometern Durchmesser verborgen. Das dafür verantwortliche Geschoss aus dem All muss den Analysen zufolge mindestens einen Kilometer groß gewesen sein – und könnte für das Leben auf unserem Planeten gravierende Folgen gehabt haben. Wann der Meteorit genau auf der Erde einschlug, ist allerdings noch unklar, wie das Team im Fachmagazin „Science Advances“ berichtet.

scinexx

Wie alle inneren Planeten des Sonnensystems war auch die Erde im Laufe ihrer Geschichte wiederholt das Ziel von Asteroiden und Meteoriten. Diese Geschosse aus dem All brachten wahrscheinlich wichtige Lebensbausteine wie Kohlenstoff und Wasserstoff auf unseren Planeten, lösten aber auch globale Katastrophen aus – zum Beispiel den Untergang der Dinosaurier. Von diesen folgenreichen Einschlägen zeugen heute noch immer zahlreiche Krater.

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Multitasking: Dran glauben hilft

Wer glaubt, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, erbringt offenbar besonders gute Leistungen. © Maselkoo99/ istock
Interessanter Effekt: Echtes Multitasking funktioniert häufig zwar nicht – der Glaube daran hilft aber offenbar. Experimente zeigen: Wer den Eindruck hat, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, schlägt sich bei bestimmten Aufgaben besonders gut. Werden die gleichen Aufgaben erledigt, aber als eine Tätigkeit wahrgenommen, leidet dagegen die Leistung. Die Forscher leiten daraus einen Tipp ab: Eine anstehende Aufgabe mental in mehrere Unteraufgaben aufzuteilen und somit ein Gefühl von Multitasking zu erzeugen, könnte im Alltag ziemlich nützlich sein.

scinexx

Auch wenn gerade Frauen gerne das Gegenteil von sich behaupten: Echtes Multitasking funktioniert häufig nicht. Studien zeigen, dass mehrere Dinge gleichzeitig und gleich gut zu erledigen, für unser Gehirn kaum machbar ist. Denn es kann immer nur mit einem Sinn auf Höchstleistung arbeiten. Die Folge: Anstatt wirklich parallel E-Mails zu beantworten, zu telefonieren und nebenbei noch Termine zu koordinieren, wechseln wir in Wahrheit oft zwischen diesen einzelnen Aufgaben hin und her.

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Hale-Bopp: The Bright and Tragic Comet

Comet Hale-Bopp. Credit: NASA
Hale-Bopp was an unusually bright comet that flew by Earth, reaching its closest approach to the planet in 1997. It was most spectacular in the Northern Hemisphere and visible to the naked eye for about 18 months.

By Elizabeth Howell | SPACE.com

Hale-Bopp was probably one of the most viewed comets in history. It provided quite the sky show, being 1,000 times brighter than Halley’s Comet at the time of its discovery, NASA said. Its twin blue-and-white tails were clearly visible even from light-polluted areas such as Chicago.

Sadly, there was a tragic footnote to the appearance of Hale-Bopp. About 40 people who were part of the „Heaven’s Gate“ cult in San Diego committed mass suicide as the comet came close to Earth.

The Hale-Bopp comet was found independently by two amateur astronomers, Alan Hale in New Mexico and Thomas Bopp in Arizona. At the time of its discovery, Hale-Bopp was the farthest comet ever to be discovered by amateurs, according to NASA.

Both men trained their telescopes on nearby globular cluster M70 on July 23, 1995. Hale, who had a doctorate in astronomy but was running an educational company, had looked at the same area just days earlier and was surprised to see a new blob in the sky.

„As soon as I looked,“ he said in a 1997 Time magazine interview, „I saw a fuzzy object nearby. It was strange, because I’d looked at M70 a couple of weeks earlier and the object hadn’t been there.“

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Sleep Paralysis – A Personal Odyssey into an Apparently Paranormal Experience

Image: Skeptic.com
Skeptics are familiar with different sleep anomalies that help explain the various psychological experiences that people have that are often attributed to supernatural, paranormal, or even extraterrestrial causes.

Byy Heidi Love | Skeptics

Hypnagogic (just after falling asleep) and hypnopompic (just before waking up) hallucinations, for example, occur in the fuzzy borderlands between wakefulness and sleep, when our conscious brain slips into unconsciousness as we fall asleep or transition into wakefulness. Reality and fantasy blur and people report seeing and hearing things that are not actually there, such as speckles, lines, geometric patterns, representational images, and voices and sounds. Lucid dreams are stronger still, and consist of dreams in which the sleeping person is aware that they are asleep and dreaming, but can participate in and alter the dream itself. Sleep paralysis is a type of lucid dream in which the dreamer is generally not aware they are dreaming but rather they perceive themselves to be awake and in their bed. They also feel paralyzed, have difficulty breathing, feel pressure on the chest and often sense the presence of a being in the room with them. Additionally, they sometimes feel themselves floating, flying, falling, or leaving their body, with an emotional component that includes an element of terror, but sometimes also excitement, exhilaration, rapture, or sexual arousal.

I have had many such experiences myself, and now that I am a skeptic I can look back upon them with some reflective hindsight and provide here a first-hand account of what it is like to have a lucid dream under sleep paralysis. First, by way of background, I am a 44-year old white female, a first generation American raised by a working-class single, German immigrant mother. I was raised Mormon, although today I consider myself an open minded, highly inquisitive, skeptical, critically thinking agnostic who is pro-science.

I stopped believing in Mormonism (if I ever really did believe) sometime in my early teens. In my early 20s I got involved in political activism (hardcore lefty), fueled by youthful passion and idealism and intent on changing the world. During that time until my very early 30s I tended to believe in conspiracy theories, pseudoscience and all sorts of woo, including alien abductions. Yet I also had a deep skeptical streak and a fairly well developed inquisitiveness that made me question everything and seek deeper understanding.

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