Papst ruft Armenier und Türken zur Versöhnung

Papst Franziskus und das Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche, Katholikos Karekin II. pflanzen gemeinsam einen Baum. Reuters/Alessandro Bianchi
Mit einem Appell zur Versöhnung zwischen Armeniern und Türken hat Papst Franziskus den zweiten Tag seiner Armenien-Reise beendet. Zuvor besuchte der Papst die Gedenkstätte Zizernakaberd in der armenischen Hauptstadt Eriwan.

religion.ORF.at

„Gott segne eure Zukunft und gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde“, sagte er anlässlich eines ökumenischen Friedensgebets auf dem Platz der Republik in Jerewan. Zugleich mahnte der Papst eine friedliche Beilegung des Konflikts zwischen Armenien und dem Nachbarland Aserbaidschan um die Region Bergkarabach an.

Die Armenier müssten sich engagieren, „um die Fundamente für eine Zukunft zu legen, die sich nicht von der trügerischen Kraft der Rache vereinnahmen“ lasse, sagte Franziskus mit Blick auf die Massaker an den Armeniern, die das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg beging. Sie belasten das Verhältnis zwischen der Türkei, der Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs, und Armenien. Armenien erkennt die Grenze mit der Türkei bis heute nicht an. Zusätzlich angespannt ist die Lage in der Region durch den Konflikt um Bergkarabach, in dem die Türkei Aserbaidschan unterstützt. Seit 1993 hält die Türkei die Grenze zu Armenien geschlossen.

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Schlaf Gut! Anleitung zum nächtlichen Nichtstun

Guy Meadows Schlaf Gut! aus dem Englischen von Diane von Weltzien Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016 ISBN: 9783499631092
Guy Meadows
Schlaf Gut!
aus dem Englischen von Diane von Weltzien
Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016
ISBN: 9783499631092

„Was tun Sie, um gut zu schlafen?“ An der Antwort erkennt man, ob der Gefragte unter Schlafproblemen leidet, meint der britische Schlafexperte Guy Meadows. Während ein normaler Schläfer nichts tue, außer sich ins Bett zu legen und die Augen zu schließen, schliefen ausgerechnet jene am schlechtesten, die sich am meisten darum bemühen. Einfach wegdämmern? Fehlanzeige!

Von Elena Bernard | Spektrum.de

Guy Meadows’ Fünf-Wochen-Programm ist ein Wegweiser aus diesem Teufelskreis heraus. Ziel ist nicht, der Schlaflosigkeit den Garaus zu machen, sondern sie zu akzeptieren. Der Autor verortet sich in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), welche unter anderem verhaltenstherapeutische und achtsamkeitsbasierte Strategien miteinander verknüpft.

In Woche eins erfahren die Leser viel über die physiologischen Grundlagen des Schlafs, Risikofaktoren und klassische Bewältigungsstrategien. Tenor: Gelegentliche Schlafstörungen sind ganz normal und werden in vielen Fällen erst durch den Aktionismus der Betroffenen zum Problem. In der zweiten Woche gilt es, die eigene Schlaflosigkeit anzunehmen. Meadows verwendet hier viel Mühe darauf, seine Leser bei der Stange zu halten. Er zählt hinderliche Gedanken auf und widerlegt jeden einzelnen von ihnen. In zahlreichen Fallgeschichten kann man sich wiederfinden und lernen, welches Verhalten sinnvoll und welches schädlich ist.

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Gauland warnt seine AfD im Antisemitismus-Streit

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
AfD-Vize Gauland attackiert das Vorgehen im Skandal um den baden-württembergischen Abgeordneten Gedeon: Man brauche kein Gutachten, um Antisemitismus zu erkennen. Und er spricht eine Warnung aus.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Tagelang haben AfD-Politiker herumgedruckst im Antisemitismusstreit. Jetzt aber bekennt Parteivize Alexander Gauland offen, dass er das Vorgehen der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion im Fall des Abgeordneten Wolfgang Gedeon für falsch hält.

„Die Vorstellung, dass bei uns nun bis zum Herbst diskutiert werden soll, was Antisemitismus ist und was nicht, erfreut mich überhaupt nicht“, sagte Gauland der „Welt am Sonntag“. Damit kritisierte Gauland, dass Gedeon entgegen dem ursprünglichen Plan des AfD-Landtagsfraktionschefs und Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen nicht aus der Fraktion ausgeschlossen wird, sondern seine Fraktionsmitgliedschaft bis zum Herbst nur ruhen lässt.

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Frankreich: Druckwasser-Reaktoren unter Verdacht einer „Anomalie“

Kernkraftwerk Fessenheim (auch auf der Liste der „verdächtigen“ Reaktoren). Bild: Florival fr/CC BY-SA 3.0
Laut einer Einschätzung der Behörde für nukleare Sicherheit ist die Umkleidung der Reaktordruckbehälter weniger widerstandskräftig als erwartet

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Druckwasser-Reaktoren in Frankreich sind erneut wegen Sicherheitsmängel in der Diskussion. Eine Analyse der Behörde für nukleare Sicherheit (ASN) bemängelt „Anomalien“ am Boden des Reaktordruckbehälters in der Art, wie sie vor gut einem Jahr in Flamanville festgestellt wurden (Flamanville: „Anomalien“ beim Reaktordruckbehälter). Das Material, die Stahlumkleidung des Druckbehälters, sei durch den Einschluss von Kohlenstoff weniger widerstandsfähig als erwartet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass bei einer hohen Belastung Risse entstehen können.

Die Beanstandungen betreffen 18 Reaktoren (von neun AKWs) der insgesamt 58 Reaktoren des französischen Nuklearparks und, wie hervorgehoben wird, im Gegensatz zur Anomalie-Affäre bei dem EPR in Flamanville, sind diesmal Reaktoren betroffen, die aktiv sind.

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Franz in Armenien: Papst legt sich mit Erdogan an

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Das dürfte Streit mit der Türkei geben: Bei einem Besuch in Erewan hat Papst Franziskus die Verfolgung der Armenier als „Genozid“ bezeichnet.

SpON

Papst Franziskus hat die Verfolgung der Armenier im Ersten Weltkrieg wie schon im Vorjahr als Völkermord eingestuft. „Diese Tragödie, dieser Genozid hat leider den Beginn der traurigen Serie von riesigen Katastrophen im vergangenen Jahrhundert markiert“, sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit dem armenischen Präsidenten Sersch Sarkissjan in Erewan.

Damit ist Streit mit der Türkei programmiert. Ankara hatte 2015 kurzzeitig den Botschafter aus dem Vatikan abberufen, nachdem Franziskus von einem Genozid gesprochen hatte. Der Botschafter des Vatikans war ins Außenministerium einbestellt worden. Die Türkei lehnt den Begriff Genozid ab.

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It’s Safe to Eat These 4 Crops Grown in ‚Martian Soil‘

A photo of the cress that was grown in normal, ‚moon‘, and ‚martian‘ soil. Image: Wieger Wamelink
Remember that scene in The Martian where actor Matt Damon grows crops in a makeshift greenhouse on Mars so he can eat them? There are people on Earth making that a reality.

By Emiko Jozuka | MOTHERBOARD

Since 2013, a Dutch researcher has successfully been cultivating crops and wild plant varieties in a soil that closely resembles that from the red planet and the moon. Now lab results have shown that four of his crops are safe for human consumption.

Wieger Wamelink, an ecologist at the Wageningen University in the Netherlands initially wanted to grow a garden in a computer simulation using the scientific data he had on Martian and moon soil. However, when he discovered that NASA sold “Mars soil”—soil that is found on Earth but shares similar chemical properties to Martian soil—Wamelink knew he had to try it out for real.

“Nobody could tell what would happen if you tried growing crops in this soil as NASA had made it to test habitats, rovers, and not for crop cultivation,” explained Wamelink. “People couldn’t even tell me what would happen if I added water to it.”

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Hannah Arendt: Was es heißt, fremd zu sein

Hannah Arendt. Foto: imago stock&people
Hannah Arendt zu lesen, macht es leichter, die Gegenwart zu verstehen. Jetzt in einer Sonderausgabe des „Philosophie Magazins“ abgedruckt: Der Text „Wir Flüchtlinge“. Sein erster Satz: „Vor allem mögen wir es nicht, wenn man uns ‚Flüchtlinge‘ nennt.“

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Sie gilt noch immer als Außenseiterin, dabei gehört sie längst zu den zentralen Figuren des 20. Jahrhunderts. Und hat wie wenige sonst gezeigt, dass es keine Philosophie gibt, die nicht politisch wäre, will sie nicht „weltlos“ sein. Sie hat aber auch beschrieben, wie gefährlich die Verwandtschaft von Philosophie und Politik, von Denken und Handeln ist.

Hannah Arendt hat in ihren Schriften immer die umstrittenen Fragen der Gegenwart verhandelt, weil sie nie den Kontakt zu den harten Fakten verloren hat. Es sind Fragen nach der Rolle der Arbeit in der Moderne (die Erfüllung verspricht, aber gerade nicht erfüllend ist), nach der Charakteristik totaler Herrschaft, nach dem Bösen, den Menschenrechten, dem Einzelnen in der Masse und der Frau in einer männerdominierten (Geistes-)Geschichte.

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Grabeskirche Jesu: Hasskirche mit Gottesliebe

Von Berthold Werner CC BY-SA 3.0, wikimedia.org
Die Grabeskirche in Jerusalem ist der heiligste Ort des Christentums. Sechs Konfessionen streiten deshalb um jeden Quadratzentimeter. Die Renovierung soll Harmonie stiften – eine trügerische Hoffnung.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Als der Fußtritt Andrew Hayworth in den Bauch traf, vergaß er alle seine guten Vorsätze: „Ich hätte zurückschlagen müssen“, sagt er. Der Ärger steht ihm eine Woche nach dem Zwischenfall ins Gesicht geschrieben. Und was ist mit der Aufforderung Jesu, einem Angreifer die andere Wange hinzuhalten? „Ach ja, vielleicht habe ich es deswegen nicht getan“, antwortet er beiläufig. Was überrascht, schließlich ist der aus Ghana stammende Diakon katholischer Hauptmesner der Grabeskirche in Jerusalem. Aber im wichtigsten Gotteshaus des Christentums gibt es armenische, griechisch-orthodoxe, syrisch-orthodoxe, koptische und äthiopische Mönche und Franziskaner. Und die ignorieren dort seit Jahrhunderten die Leitsätze ihres Glaubens und schlagen aufeinander ein, wie jener armenische Mönch, der Hayworth vor einer Woche mit einer Eisenstange angriff.

Die Kirche, unter der Jesus begraben liegen soll, ist der heiligste Ort des Christentums – und Symbol für die Spaltung der Glaubensgemeinschaften. Für jene Eifersucht und Machtgier, die seit 2000 Jahren zwischen den Strömungen wuchert. Nun aber sollte aus dem Gotteshaus des Hasses ein Ort der Harmonie werden. Mithilfe einer Renovierung der Kirche. Sie soll ein Symbol werden für die Kooperation der drei großen Kirchen – den Griechen, den Katholiken und den Armeniern. Zusammen mit Jordaniens König Abdullah II. haben sie rund drei Millionen Euro bereitgestellt für die Arbeiten an der Kirche, deren Grundstein 325 nach Christus vom römischen Kaiser Konstantin gelegt worden war.

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Curiosity: Überraschender Fund auf dem Mars

Image credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS)
Image credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS)
Der Mars-Rover „Curiosity“ findet auf dem Mars das Mineral Tridymit, das nur durch kieselsäurereichen Vulkanismus entsteht. Muss die Geschichte des Mars neu geschrieben werden?

Von Tanja Banner | Frankfurter Rundschau

Seit knapp vier Jahren untersucht der Rover „Curiosity“ den Mars. Nun haben Forscher eine überraschende Entdeckung gemacht: In einer Gesteinsprobe, die der Rover vor einem Jahr am so genannten Gale-Krater entnommen hat, haben die Forscher Tridymit gefunden. Der Fund des Minerals habe die Forscher überrascht, teilte die US-Raumfahrtorganisation Nasa mit. Tridymit werde normalerweise mit kieselsäurereichem Vulkanismus in Zusammenhang gebracht, so die Forscher. Diesen Vulkanismus gebe es auf der Erde, man habe jedoch nicht geahnt, dass es ihn auch auf dem Mars geben könnte.

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Vom Riesenstern zur Gravitationswelle

LIGO/Aurore Simonnet/Sonoma State University
LIGO/Aurore Simonnet/Sonoma State University
Die erste Messung einer Gravitationswelle war ein Meilenstein der Physik. Forscher haben nun ihre Vorgeschichte rekonstruiert. Sie beginnt mit zwei gewaltigen Sternen.

Von Rainer Kayser | DER TAGESSPIEGEL

Im September empfingen zwei große Detektoranlagen in den USA erstmals Gravitationswellen aus dem fernen Kosmos. So bezeichnen Physiker minimale Stauchungen der Raumzeit, die Albert Einstein bereits vor hundert Jahren vorhergesagt hatte. Die erste Messung von Gravitationswellen gilt als Meilenstein in der Wissenschaft. Computersimulationen eines Forscherteams aus Polen und den USA zeigen jetzt, wie sich mit solchen Beobachtungen neue Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung von Sternen im frühen Kosmos gewinnen lassen. Die Gravitationswellen stammen demnach von Schwarzen Löchern, die ursprünglich Riesensterne mit der 40- bis 100-fachen Masse unserer Sonne waren, schreiben die Autoren im Fachblatt „Nature“.

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Jerusalem: Gott kann sein Grab nicht pflegen – ein Muslim bezahlt das

Jerusalem – AP
In Jerusalem hat die Renovierung der Grabstelle Jesu in der Grabeskirche begonnen. Ein Team der Technischen Universität Athen, das bereits die Akropolis renoviert hat, untersucht laut Angaben der „Washington Post“ derzeit die Statik einsturzgefährdeten Grabeskapelle.

Radio Vatikan

Zum Einsatz kommen dabei u.a. Radar- und Laserscanner sowie Drohnen, zudem soll erstmals seit über 200 Jahren auch das Grab Jesu geöffnet werden. Neun Monate sind für die Arbeiten veranschlagt, die Kosten trägt Jordaniens König Abdullah II. persönlich.

Die Sanierung wird durch komplizierte Besitz- und Nutzungsverhältnisse deutlich erschwert: Sechs christliche Konfessionen erheben auf das Heiligtum Anspruch und folgen seit 1852 einem starren Status quo, der akribisch regelt, wer wann wo feiern darf. Dass die aktuellen Arbeiten zustandekommen, gilt daher bereits als kleine Sensation. Da Heiligtum für Gebete und Gottesdienste weiterhin geöffnet bleiben, müssen die Arbeiten in der Nacht mit nur wenig künstlichem Licht stattfinden.

 

Princeton-Historiker Grafton zur Gelehrsamkeit des Humanismus

Für die 5. Dagmar-Westberg-Vorlesung konnte in diesem Sommersemester der Historiker Anthony T. Grafton, Henry Putnam Professor of History an der Princeton University, gewonnen werden. Der renommierte amerikanische Wissenschaftler hält in der letzten Juni-Woche drei öffentliche Vorträge an der Goethe-Universität zum Thema „Early Christianity in Early Modern Europe: Religion and Scholarship“ und ein Kolloquium zum Thema „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“.

Ulrike Jaspers Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert entstand in Europa eine neue faszinierende Welt humanistischer Gelehrsamkeit. Diese Epoche, die der Historiker in den Blick nimmt, ist entscheidend in der Geschichte der Geisteswissenschaften. In seinen Vorträgen geht Grafton der Frage nach, in welchem Maße die Forschung dieser Zeit durch theologische Prämissen geprägt war. Anhand dreier Fallstudien, die Teil eines umfassenderen Projekts sind, interpretiert er die Entwicklung der frühneuzeitlichen Gelehrsamkeit zum Frühen Christentum und zieht daraus vorläufige Schlussfolgerungen für die Charakterisierung des Verhältnisses von Religion und Wissenschaft in dieser Epoche.

In dieser Zeit der christlichen Renaissance sammelten Bibliografen die verstreuten Texte der Kirchenväter und andere frühchristliche Dokumente. Gelehrte edierten die Schriften aus der Feder von Tertullian, Augustin und Hieronymus, kommentierten sie kritisch und machten deutlich, dass die Kirchenväter keine Heiligen waren, denen vollkommene Autorität zukam, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die häufig in theologische Streitigkeiten verstrickt waren. Historiker dieser Epoche schufen neue Archive kirchlicher Dokumente und verfassten auf dieser Grundlage ausführliche, einander vielfach widerstreitende geschichtliche Darstellungen der Ursprünge und der frühen Entwicklung des Christentums. Ihr Werk offenbarte eine bis dahin vergessene Welt des kulturellen Austauschs und der institutionellen Improvisation.

Anthony Grafton entwickelt in seinen wissenschaftsgeschichtlichen Vorträgen eine vollkommen neue Sicht auf die humanistische Gelehrsamkeit. Rückblickend erscheint der Humanismus vielfach als eine säkulare Bewegung. Es stellt sich jedoch heraus, dass sich die Gelehrten dieser Zeit mit überraschender Intensität der philologischen und historischen Erforschung der Kirchengeschichte widmeten und dabei höchst innovative Forschungsmethoden entwickelten. In der Frühen Neuzeit erforschten Gelehrte die Geschichte der Frühen Kirche, um ihre Vision einer modernen Kirche aufzuzeigen und zu verteidigen. Ihre wissenschaftlichen Entscheidungen wurden in einem hohen Maße von bestehenden religiösen Bindungen und von dem Empfinden bestimmt, dass es sich bei ihren Forschungen selbst um einen religiösen Akt handelte.

Termine und Themen im Einzelnen
27.6. (Montag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Festsaal Casino: „Judaizing the Last Supper“

28.6. (Dienstag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Reading the Witnesses“

29.6. (Mittwoch), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Finding the First Christians“

30.6. (Donnerstag) Beginn 18 Uhr, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 311: Dialog der Historiker Prof. Anthony F. Grafton und Prof. David B. Ruderman (University of Pennsylvania) über „Cross-Cultural Dialogues in Early Modern Europe“ .

Kolloquium „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“ zu den Vorlesungen: 30.6. von 10 bis14 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v.d. Höhe (Anmeldung unter c.wiese@em.uni-frankfurt.de)

Zur Person des Vortragenden
Nach seinem Studium am University College London (bei dem berühmten Althistoriker Arnaldo Momigliano) und an der University of Chicago, wo Grafton 1975 auch promovierte, lehrte der Historiker für kurze Zeit am Department of History der Cornell University. Noch im selben Jahr erhielt er einen Ruf an die Princeton University, an der er bis heute wirkt. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Kulturgeschichte der Renaissance, der Geschichte des Buches und seiner Leser, der Geschichte der Gelehrsamkeit in Westeuropa von der Antike bis ins 19. Jahrhundert sowie der Wissenschaftsgeschichte von der Antike bis zur Renaissance.

Zu seinen zahlreichen Büchern zählt eine profunde Studie der Gelehrsamkeit des herausragenden Philologen der Spätrenaissance, Joseph Justus Scaliger, eine Darstellung der Bedeutung des Bildungsprogramms der Renaissance (From Humanism to the Humanities, 1986) sowie Studien zu dem Astrologen Girolamo Cardano (1999) und zu dem Humanisten Leon Battista Alberti (2000). Sein originellstes und zugleich zugänglichstes Werk ist The Footnote: A curious history (1997; in der deutschen Übersetzung: Die tragischen Ursprünge der deutschen Fußnote), eine Fallstudie zur Geschichte der Geschichtsschreibung von unten.
Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter ein Guggenheim Fellowship (1989), den Los Angeles Times Book Prize (1993), den Balzan Prize for History of Humanities (2002) sowie den Mellon Foundation’s Distinguished Achievement Award (2003). Er ist zudem Mitglied der American Philosophical Society and the British Academy.

Zur Dagmar-Westberg-Vorlesung
Die Gastprofessur ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus einem Stiftungsfonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg zur Verfügung gestellt hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich eine/n weltweit renommierte/n Forscher/in nach Frankfurt einladen. In den vergangenen drei vergangenen Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der nun DFG-Präsident ist, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen und den Berliner Theologen Christoph Markschies. Der Stiftungsfonds für die Gastvorlesung ist nicht das einzige Engagement der Stifterin an der Goethe-Universität: Dagmar Westberg, mittlerweile 101 Jahre alt, engagiert sich in erheblicher Größenordnung für das Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg und finanziert seit 2010 auch einen Preis für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der britischen Literatur, Kultur und Geschichte an der Universität Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Tel. (069) 798-33313, c.wiese@em.uni-frankfurt.de



Approved: First Ever Human Trials Involving CRISPR Gene Editing

Cancer Cell. Image: Cell.com
Cancer Cell. Image: Cell.com
A team of Physicians at the University of Pennsylvania’s School of Medicine now has their project of modifying the immune cells of 18 different cancer patients with the CRISPR-Cas9 system approved by the National Institute of Health.

By Neil C. Bhavsar | Futurism

CRISPR is the gift that keeps on giving—when it’s not fighting blindness, tackling HIV, or even recording real-time immune responses, it is taking on the emperor of all maladies: cancer.

But what’s even more fascinating about this use of CRISPR is that the National Institute of Health’s (NIH) Recombinant DNA Research Advisory Committee (RAC) has approved the first-ever use of CRISPR in human cancer therapy, a monumental step in the history of the gene-editing technology.

While receiving funding from the Parker Immunotherapy Foundation, physicians at the University of Pennsylvania School of Medicine plan on working with the T-cells of 18 patients who have either melanoma, sarcoma, or myeloma by performing three distinct CRISPR edits:

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NSU-Skandal: Mord an „Corelli“ nicht mehr ausgeschlossen

Bei dieser Behörde wird offenbar manches übersehen. Foto: rtr
Im Fall des 2014 verstorbenen V-Manns im Umkreis des NSU werden dem Bundesamt für Verfassungsschutz weitere Versäumnisse vorgeworfen.
 

Von Andreas Förster | Frankfurter Rundschau

Den Fall des toten Ex-V-Manns „Corelli“ hatten die Behörden bereits abgehakt, jetzt aber müssen die Ermittler doch noch einmal ran. Und zwar an breiter Front: Die Staatsanwaltschaft Paderborn prüft, ob der plötzliche Tod des Verfassungsschutzagenten vielleicht doch ein Mord war, und das Bundeskriminalamt muss auf Handys, SIM-Karten, Laptops und anderen Datenträgern aus „Corellis“ Besitz nach Spuren suchen, die in das Umfeld der rechten Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) führen könnten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das den verstorbenen Neonazi Thomas Richter unter dem Decknamen „Corelli“ fast zwei Jahrzehnte als Topquelle in der rechtsextremen Szene führte, hat diese Auswertung offenbar unterlassen oder vertuscht.

So war erst vor einem Monat bekannt geworden, dass in einem Panzerschrank des früheren V-Mann-Führers von „Corelli“ angeblich zufällig mehrere SIM-Karten sowie ein Handy des Spitzels gefunden wurden, die bislang dem Amt nicht bekannt gewesen sein sollen. Zwar tat das BfV den Fund als unerheblich ab, da das Handy nur ein halbes Jahr lang und nach dem Auffliegen des NSU in Gebrauch war. Nach FR-Informationen aber waren darauf rund 4200 SMS-Nachrichten sowie Hunderte Twitter-Einträge gespeichert. Ob sich darunter auch von älteren Handys übernommene Meldungen befinden und wer „Corellis“ Kommunikationspartner waren, prüft das BKA.

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Das christliche Abendland ist Fiktion

© Bild: dpa/katholisch.de
Wohl nur wenige Begriffe sind derartig frömmelnd, unpräzise und emotionsbeladen wie der des christlichen Abendlandes. Er hat weder klare geografische noch ideologische Grenzen, zudem wandelte sich die Bedeutung in seiner langen Geschichte mehrfach. Dennoch ist der Begriff gerade in der derzeitigen Debatte um Flüchtlinge und Zuwanderung wieder populär – und war für die Bezeichnung von Deutschland und seiner Kultur nie unzutreffender als heute.

Von Manfred Becker-Huberti | katholisch.de

„Christlich“ und „Abendland“ scheinen klare Begriffe zu sein, sind aber ganz und gar nicht eindeutig. Was bedeutet denn „christlich“? Das Christentum in sich ist nämlich ausgesprochen differenziert. Das zeigt die Geschichte: Im Orient spielte die Orthodoxie ab 1054 eine eigene Rolle. Dagegen grenzte man sich als „christliches Abendland“ ab – und war dennoch gemeinsam Christ. Dann, im 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert, waren sich Protestanten und Katholiken untereinander so spinnefeind, dass sie sich gegenseitig totschlugen. Die mit dem Jahr 1517 angesetzte Reformation war vorausgegangen, ein Schisma innerhalb der Westkirche. Und das, was heute die deutsch-französische Freundschaft ist, war vor ihrem Beginn in den sechziger Jahren eine Jahrhunderte lang gepflegte Erbfeindschaft – unter Christen.

Überdies ist nicht alles, was sich auf das Christentum beruft, auch vom Christentum geprägt. Das macht ein Blick in die jüngere Vergangenheit Deutschlands deutlich: Unter den Nationalsozialisten gab es solche, die sich überzeugt, aber nicht überzeugend, Christen nannten und nur wenige Mitmenschen überzeugten. Auch in unserem Brauchtum, das wir als christlich bezeichnen, kommt vieles zusammen. Da vermischten sich im Laufe der Zeit Dinge aus dem kirchlich-liturgischen Bereich mit anderen aus weltlich-heidnischen Bräuchen. Im Nachhinein kann man das nur noch schwer trennen.

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Adorno-Vorlesungen: Leben und am Leben lassen

© action press Der Anthropologe Didier Fassin lehrt in Princeton und an der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales.
Der französische Soziologe Didier Fassin verteidigt den Wert des „nackten“ Lebens gegen moralische Überhöhungen – und zeigt seine schockierende Ungleichbehandlung weltweit auf.

Von Thomas Thiel | Frankfurter Allgemeine

Die Reflexion auf die objektiven Mächte, die das Individuum bis in die vorletzte Faser seiner Existenz durchdringen, brachte Theodor W. Adorno von der Philosophie zur Soziologie. Der Versuch, die empirische Sozialforschung mit philosophischen Konzepten zu verschränken, blieb aber trotz vieler Anläufe Stückwerk, zumal Adorno, der den Konzertflügel mehr als die Werkbank liebte, das empirische Temperament fehlte. Der Staub der Realität war widerständig, und die befragten Industriearbeiter mit ihren Berufsroutinen waren zufriedener, als ihnen der Dozent des unglücklichen Bewusstseins antrug. Was noch nichts heißen mag: Die empirische Selbstauskunft ist nicht die letzte Weisheit der Theorie. Adornos Seminarprotokolle, die gerade am Frankfurter Institut für Sozialforschung ediert werden, belegen jedoch die zähe, unermüdliche Beschäftigung mit dem, was nicht zusammenwachsen wollte: Empirie und Theorie.

In den Minima Moralia gibt Adorno eine Deutung des Lebens im Moment seines Verschwindens aus der philosophischen Reflexion. Das (heute wieder gefragte) gute Leben, zweifelte Adorno, richtet sich die Philosophie noch daran aus? Und was (Adorno fragt es nicht mehr) macht dieses Leben in seinen unterschiedlichen Formen aus? Der dem deutschen Publikum noch weitgehend unbekannte französische Soziologe Didier Fassin kam auf einem ganz anderen Weg zur gleichen Frage. Fassin begann als Arzt, erforschte das Leben in Favelas, Flüchtlingslagern, amerikanischen Gefängnissen und bot den Verfolgten, Aids-Kranken und Papierlosen dieser Erde in zahlreichen Initiativen seine aktive Unterstützung an.

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Bärinnen suchen beim Menschen Schutz vor aggressiven Männchen

Bärinnen suchen Schutz beim Menschen. / Bild: (c) AFP (ALEXANDER NEMENOV)
Trotz angeborener Scheu vor Menschen setzen Bärenmütter „menschliche Schutzschilde“ zum Wohle ihrer Jungen ein. Das zeigt eine Studie.

Die Presse.com

Schwedische Bärenmütter suchen gezielt die Nähe zum Menschen, um ihren Nachwuchs vor aggressiven Männchen zu schützen: Trotz angeborener Scheu vor Menschen setzten die Bärinnen regelrechte „menschliche Schutzschilde“ zum Wohle ihrer Jungen ein, heißt es in einer Studie, die am Mittwoch im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“ erschien.

Die skandinavischen Forscher stützten ihre Erkenntnisse auf jahrelange Beobachtungen von Bären in einem schwedischen Wald. Bären-Kindern droht in den ersten Monaten ihres Lebens eine große Gefahr durch Männchen, die sie zu töten versuchen. In der Paarungszeit von Mai bis Juli beißen Männchen junge Bären tot, um deren Mütter wieder zur Paarung zu bewegen. Bärinnen mit Jungen sind normalerweise nicht paarungsbereit.

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Ethikrat berät über neue Techniken bei Gen-Veränderung

Bild: Deutscher Ethikrat
Bild: Deutscher Ethikrat
Der Deutsche Ethikrat berät heute auf seiner Jahrestagung über die Konsequenzen neuer technischer Möglichkeiten zum Eingriff ins Erbgut.
 

evangelisch.de

Im Mittelpunkt der Konferenz steht die sogenannte Crispr-Cas9-Technik, die es verhältnismäßig einfach und kostengünstig möglich macht, Veränderungen am Genom vorzunehmen. Besonders bei der Anwendung beim Menschen ist das Verfahren umstritten.

Bei der Jahrestagung des Ethikrats werden Naturwissenschaftler und Mediziner zum aktuellen Stand der Forschung referieren. Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, wird sich mit den ethischen Fragen beschäftigen. Es ist die erste Jahrestagung des Ende April neu berufenen Ethikrats. Das 26-köpfige Gremium berät regelmäßig über ethisch umstrittene Sachfragen und erstellt Stellungnahmen mit Empfehlungen an die Politik.

„Säbelrasseln“ gegen Russland: Herr Steinmeier, danke für dieses klare Wort

Frank-Walter Steinmeier warnt vor „Säbelrasseln und Kriegsgeheul“ gegen Russland / picture alliance
Außenminister Frank-Walter Steinmeier wird nach seiner Warnung vor einem „Säbelrasseln und Kriegsgeheul“ gegenüber Russland heftig kritisiert. Dabei ist sein Satz nicht nur richtig, sondern auch überfällig. Ein Gastbeitrag von Frank Elbe, Ex-Botschafter in Polen und Redenschreiber Genschers
 

Von Frank Elbe | Cicero

Säbelrasseln! Das Wort ist endlich einmal ausgesprochen worden. Nicht von irgendjemandem, sondern von dem für die deutsche Sicherheitspolitik zuständigen Mitglied der Bundesregierung. Außenminister Steinmeier mahnt in der Krise mit Russland ungewöhnlich klar den Primat der Politik gegenüber dem Militär – und möglicherweise auch gegenüber der Verteidigungsministerin an. Der Bild am Sonntag sagte er: „Was wir jetzt nicht tun sollten, ist durch lautes Säbelrasseln und Kriegsgeheul die Lage weiter anzuheizen. Wer glaubt, mit symbolischen Panzerparaden an der Ostgrenze des Bündnisses mehr Sicherheit zu schaffen, der irrt.“

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Wildlife Needs New Corridors to Escape Rising Heat

An otter tries to cross a road. Hard times are ahead for species that can find no safe passage to habitat. (Mandcrobertson via Wikimedia Commons)
US scientists worried about what global warming and climate change may do to wildlife have come up with the ultimate in creature-friendly versions of road maps or highway patrols.

By Tim Radford | Climate News Network, truthdig.com

They want to see natural corridors that link safe habitats and ecosystems, so that as conditions change, plants and animals—and the continental US is home to 800 species of bird, more than 400 kinds of mammal and more than 600 reptiles and amphibians—get a chance to migrate.

And, they report, only 2% of the eastern US offers the climate connectivity—their word for it—that could deliver the slow, safe passage that the native flora and fauna need to cope with shifts in temperature and changing rainfall patterns.

For decades, ecologists have been worried about what climate change will do for creatures that have evolved to flourish in a range of suitable habitats. They have warned that many wild things—already threatened by pollution, hunting and habitat destruction—could be pushed closer to extinction and have separately made the case for, for example, mammals in Borneo, birds in America and trees everywhere

Concrete obstacles

And increasing urbanisation presents a new hazard: creatures that start to lose parts of their range in the south may not be able to migrate north because vast conurbations, linked by tarmacadam and pavement, and screened by industrial zones and intensively farmed land, block the way.

Jenny McGuire, a biologist at Georgia Institute of Technology, and colleagues report in the Proceedings of the National Academy of Sciences that they looked at the problem of escape routes for creatures that will need to shift their ground with the gradual shift in climate.

Around 45% of the contiguous US is “natural.” The Western US is a landscape of mountain chains, prairie, high plains and forested coasts, pockmarked with desert regions, and a procession of national parks. The connectivity rating there is as high as 41%.

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