Drittes Reich: Audi stellt sich endlich seiner dunklen Historie

Das Logo des Herstellers Auto Union am Kühlergrill eines DKW Meisterklasse F7 von 1938. Das Audi-Vorgängerunternehmen beutete in der NS-Zeit Zwangsarbeiter aus. (Foto: dpa)
  • Nach sieben Jahrzehnten stellt sich der Ingolstädter Autokonzern Audi allmählich seiner Vergangenheit im Dritten Reich.
  • KZ-Häftlinge mussten in den Fabriken während der NS-Zeit Zwangsarbeit leisten. Bei Audi tat man lange so, als ginge einen das Thema nichts an.
  • Nun gerät doch einiges in Bewegung – noch gibt es nämlich Zeitzeugen.

Von Uwe Ritzer | Süddeutsche Zeitung

Eine runde Marke aus grauem Blech, etwas größer als früher ein Fünf-D-Mark-Stück. Darauf ist nur die Zahl 280 eingestanzt. „Ich musste sie vorne am Revers tragen“, sagt Helga Kinsky, 88. Damals hieß sie noch Pollak und war 14 Jahre alt. Ein halbes Kind noch, halb verhungert, in zerlumpten Kleidern. 280 war ihre Arbeitsnummer. „Auf den Rücken malten sie uns mit Ölfarbe groß ‚KL‘, damit man uns schon von Weitem identifizieren konnte.“ KL für Konzentrationslager.

Mehr als siebzig Jahre später erhielt die in Wien lebende Jüdin einen Brief aus Ingolstadt. „Sie gehören zu den Damen, die von 1944 bis 1945 von der Auto Union-Tochter Agricola GmbH unter unwürdigen Umständen ausgebeutet wurden und viel Leid erfahren mussten“, heißt es da. „Hierfür möchten wir Sie aus tiefstem Herzen um Entschuldigung bitten.“ Es ist ein einfühlsam formuliertes Schreiben, in dem Audi verspricht, dieses „dunkelste Kapitel in unserer Historie“ nun aufzuarbeiten und Helga Kinsky um Mithilfe bittet.

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Missing Link: Verschwörungstheorien, Karl Popper und die politische Diskussion

Mittlerweile ein Klassiker der Verschwörungstheorie: Die Aliens, die in der „Area 51“, einem militärischen Sperrgebiet der US AIr Force, untersucht werden. (Bild: mdherren, gemeinfrei )
26.7.1948: der Philosoph Karl Popper führt „conspiracy theory of society“ ein. Start der wissenschaftlichen Karriere eines Begriffs der politischen Diskussion

Ralf Bülow | heise online

Verschwörungen gab es eigentlich schon immer. Die Römer konspirierten, um wahnsinnige Cäsaren loszuwerden, die Schweizer schworen den Rütlischwur gegen den bösen Landvogt Gessler. 1605 gelang es den Schießpulver-Plottern um Guy Fawkes beinahe, das englische Parlament plus König in die Luft zu jagen. Die Verschwörer des 20. Juli versuchten 1944 vergeblich, die Nazi-Herrschaft zu Fall zu bringen.

Der Glaube an imaginäre Verschwörungen ist ebenfalls alt. Finstere Pläne wurden seit dem Mittelalter den Juden zugeschrieben, später traf es Freimaurer und Katholiken. Telegraphie-Pionier Samuel Morse malte 1835 eine „Foreign Conspiracy“ gegen die Freiheiten der USA aus, sprich die Infiltration durch katholische Einwanderer. Sein Vater, der Pastor Jedidiah Morse, hatte schon 1798 über die teuflischen Illuminaten gepredigt.

In den 1890er Jahren stand die politische „conspiracy theory“ in amerikanischen und englischen Zeitschriften, wie der Debunker Mick West herausfand. Eine Suche mit Google Books erbringt weitere Belege für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den akademischen Diskurs drang der Begriff vor 70 Jahren ein, genauer gesagt, am 26. Juli 1948. An diesem Tag sprach Karl Popper auf einer Gelehrtentagung in Oxford über rationale Theorien der Tradition.

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New Look Inside Sun’s Atmosphere Yields Clues About Mysterious Solar Wind

Heavy data cleaning allowed scientists to study the sun’s corona, or outer atmosphere, in stunning detail. Credit: Craig DeForest, SwRI
Our sun is surrounded by a deep, million-degree atmosphere that affects everything in the solar system — but how, precisely, it does so is a mystery.

By Meghan Bartels | SPACE.com

The atmosphere, called the corona, produces the solar wind — a flood of charged particles that stream out of the sun and across the solar system. As the solar wind travels to Earth, it brings threats of radiation and magnetic interference.

Now, in a new study, researchers have finally managed to watch it being born in the sun’s outer corona. The images provide enough detail for researchers to be able to start piecing together why it flows in such complex ways. They have concluded that one likely explanation is that the turbulence is a legacy of where it comes from. [During Eclipses, Astronomers Try to Reveal the Secrets of the Solar Wind]

„Previous images showed the outer corona as a smooth structure, but in deep space, the solar wind is turbulent and gusty,“ co-author Craig DeForest, a solar physicist at the Southwest Research Institute in Texas, said in a university statement. „Using new techniques to improve image fidelity, we realized that the corona is not smooth, but structured and dynamic. Every structure that we thought we understood turns out to be made of smaller ones, and to be more dynamic than we thought.“

The research relied on data from STEREO, a NASA mission that has been orbiting the sun since 2006. It carries an instrument called a coronagraph, which uses a black disk to block out the bright surface of the sun. That lets scientists see what’s happening in the corona, which is much fainter than the surface and would otherwise be washed out by its light.

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Hamburg: „Unsere eigene historische Verantwortung“

Bürgermeister Peter Tschentscher bei seiner Ansprache im Michel Quelle: dpa
Vor 75 Jahren wurde Hamburg von alliierte Bombern weitgehend zerstört. In einer Gedenkfeier im Hamburger Michel wird daran erinnert – aber auch daran, was diese Katastrophe auslöste.

DIE WELT

Spitzenvertreter von Stadt und Kirchen haben am Sonntag im Hamburger Michel in einer offiziellen Gedenkfeier an den „Hamburger Feuersturm“ vor 75 Jahren erinnert. Bei der „Operation Gomorrha“ vom 24. Juli bis 3. August hatten alliierte Bomber weite Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. 35.000 Menschen starben, 125.000 wurden verletzt, 900.000 flüchteten aus der Stadt.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte, die Erinnerung an die „Operation Gomorrha“ und die nationalsozialistische Zivilisationszerstörung diene immer auch als Mahnung und Aufforderung, sich heute für Demokratie und Menschenrechte sowie für die freiheitlich demokratische Grundordnung stark zu machen. „Das ist unsere eigene historische Verantwortung für den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der sich in den Sommertagen des Jahres 1943 mit der Operation Gomorrha in besonderer Härte gegen die Freie und Hansestadt Hamburg gerichtet hat.“

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Martin Meters Plädoyer für wissenschaftliches Denken in Zeiten anschwellender Verschwörungstheorien

Martin Meter: Die Befreiung des Denkens. Foto: Ralf Julke
Sein großer Gegner heißt eigentlich Platon. Genug Unheil hat der griechische Philosoph mit seiner Ideenlehre ja angerichtet. Es ist nur den meisten Menschen nicht bewusst, weil 2.000 Jahre Christentum auch dafür gesorgt haben, dass der platonische Dualismus tief in unserem Denken steckt. Und genau darum geht es, wenn der Informatiker Martin Meter sein Buch „Die Befreiung des Denkens“ nennt.

Von Ralf Juhlke | Leipziger Internet Zeitung

Den meisten Menschen ist überhaupt nicht bewusst, wie tief die platonischen Vorstellungen in unserem Denken stecken. Sie ist aufs Engste verquickt mit dem Christentum, das den griechischen Philosophen so intensiv rezipierte, wie es sonst nur noch mit Aristoteles geschah. Und da kommt einem natürlich ein Verdacht, denn von vielen anderen griechischen Philosophen, die zu ihrer Zeit genauso berühmt waren, sind deutlich weniger Schriften, oft nur noch Fragmente oder Zitate in den Werken anderer Autoren übermittelt.

Wir rühmen zwar die frühen Klöster gern dafür, dass sie das antike Schriftgut durch emsiges Kopieren für uns gerettet hätten. Aber augenscheinlich wurde sehr gezielt kopiert. Und was mit dem dualistischen Weltbild der christlichen Kirche nicht kompatibel war, hatte kaum Chancen, überliefert zu werden.

Wie sehr dieser platonische Dualismus in unseren Köpfen steckt, das schildert Martin Meter sehr ausführlich und akribisch. Es geht dabei um das, was Platon als erster Philosoph systematisch getan hat – der alte Platon, müsste man sagen. Denn der jüngere Platon war ja bekanntlich ein Schüler des Sokrates. Sokrates’ beharrliche Methode, das scheinbar felsenfest Gewusste seiner Zeitgenossen zu hinterfragen, wird ja in mehreren der berühmten platonschen Dialoge überliefert – und zwar nur dort.

Es war eine Schule des rigiden Skeptizismus, die alles für gewusst Geglaubte hinterfragte und die Gesprächspartner wahrscheinlich an den Rand der Verzweiflung brachte, wenn Sokrates immer wieder darauf drang, eine wirklich belastbare Begründung für eine Aussage zu bekommen. Es mutet stellenweise modern an. Denn in der Konsequenz läuft so ein Denken auf wissenschaftliches Denken hinaus, dessen wichtigste Grundlage die zentrale sokratische Aussage „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist. Obwohl die

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Dublins Erzbischof hofft auf Papstworte zum Thema Missbrauch

Der irische Erzbischof Diarmuid Martin wünscht sich von Papst Franziskus klare Worte zum Thema Missbrauch. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wird am 25. und 26. August Irland besuchen, Anlass ist das Weltfamilientreffen in Dublin.

DOMRADIO.DE

Es sei wichtig, dass der Papst bei seinem bevorstehenden Irlandbesuch das Thema nicht als Teil der Kirchengeschichte anspreche, sondern „als Teil der Gegenwart, denn die Wunden sind da, und es entstehen neue Wunden“, sagte der Erzbischof von Dublin dem Sender RTE am Samstag.

Wenn man ihn vor zwei Jahren gefragt hätte, hätte er wohl von Institutionen und Missbrauch durch Kleriker gesprochen, sagte Martin weiter. Aber heute gebe es den Fall der sogenannten Magdalenen-Wäschereien, der Mutter- und Kindheime und „eine ganze Reihe anderer Orte, an denen Missbrauch als traurige Dimension der Entwicklung der Kirche entsteht“, so der Erzbischof.

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Data from Weather-Tracking Satellite Helps Scientists Predict Cholera Outbreak

Extra-Tropical Cyclone Off the Coast of Japan, March 10, 2014 Credit: NASA/JAXA
Hurricanes are devastating for the populations they hit, not only because of the damage caused by winds but also because of the increased risk of diseases after the storm passes. To help people affected by these storms, researchers used data from NASA’s Global Precipitation Measurement (GPM) satellite to make predictions about cholera outbreaks.

By Elizabeth Howell | SPACE.com

Cholera, according to the Mayo Clinic, is a bacterial disease that spreads through contaminated water or food. Symptoms of cholera can include nausea, vomiting, severe diarrhea, dehydration and even death if left untreated. There were more than 130,000 reported cases of cholera worldwide in 2016, according to the World Health Organization, but estimates of the true number of cholera cases are much higher – between 1.4 million to 4 million cases annually.

„In the countries less developed with infrastructure that is not the equivalent, let’s say, of Europe or the United States or Canada, then, the population that has to rely on river water or pond water is at risk for cholera,“ microbiologist Rita Colwell said in a new video from NASA’s Goddard Space Flight Center. She is a microbiologist and professor at the University of Maryland, College Park, and at Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health. [Photos: NASA’s Rain-Tracking GPM Satellite Mission in Pictures]

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Führt weniger Religion zu mehr Wohlstand?

Foto: apa
Es ist eine Henne-Ei-Frage: Führt mehr Wohlstand zu einer geringeren Glaubensfestigkeit? Oder sorgt erst Säkularisierung für breiter verteilten Reichtum?

Von Daniel Lingenhöhl | Spektrum.de

Einige der reichsten Nationen der Welt sind gleichzeitig auch die am wenigsten religiösen – allen voran Deutschland. Umgekehrt sind gerade Menschen in sehr armen Staaten laut den Statistiken besonders gläubig. Die Ölstaaten am Golf sind hiervon wohl jeweils eine Ausnahme, ebenso wie vielleicht die USA, die unter den westlichen Industriestaaten wahrscheinlich die höchste Zahl an bekennenden Gläubigen aufweisen. Für einige Wissenschaftler liegt es dennoch nahe, einen Zusammenhang zwischen beiden Aspekten zu sehen. Nur: welchen? Führt wachsender Wohlstand zu einem Rückgang an Religiosität? Davon gingen viele Sozialwissenschaftler in der Vergangenheit aus. Wissenschaftler um Damian Ruck von der University of Bristol drehen dies nun mit einer neuen statistischen Analyse in »Science Advances« um: Ihre Daten legen nahe, dass die Säkularisierung dem Wohlstandsgewinn vorausgegangen ist – und womöglich sogar die Voraussetzung dafür war.

Sie werteten dazu verschiedene Messwerte zur Säkularisierung aus 109 Ländern und einem Zeitraum von 1910 bis 2014 mit Hilfe einer Regressionsanalyse aus und kamen damit zu einem eindeutigen Ergebnis. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Gesellschaften zuerst säkularisierten und danach wohlhabender wurden – und nicht andersherum«, so Ruck. Je mehr die Werte für Säkularisierung anstiegen, desto stärker schlug sich das im Bruttosozialprodukt nieder.

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Die Jesus-Lüge: Untersuchung von Turiner Grabtuch bestätigt lang gehegten Verdacht

Das Turiner Grabtuch wird als Totentuch von Jesus Christus verehrt. Doch die Untersuchung eines Forensikers und eines Chemikers ergab nun Unstimmigkeiten in den Blutspuren auf dem Leintuch.

FOCUS ONLINE

Ihre Studie, die vergangene Woche im „Journal of Forensic Siences“ veröffentlicht wurde, zeigte deutlich: Ein Blutfleck, der von einem Lanzenstich in die Seite des Gekreuzigten herrühren soll, sei „völlig unrealistisch“. Sie entdeckten noch weitere Unstimmigkeiten.

Die Forscher begründeten ihre Zweifel anhand von Experimenten. Mit einem Freiwilligen und einer Puppe wurde der Verlauf der Blutspuren auf dem Grabtuch simuliert. Sie stellten den Speerstich mit einem Holzbrett nach, in dem ein mit Kunstblut vollgesogener Schwamm steckte. Das Brett rammten die Wissenschaftler dann in die Puppe. Auf diese Weise wurde deutlich, wie sich das Blut der Speerwunde über den Körper verteilt haben musste. Das Fazit: Jesus lag wohl nie im Turiner Grabtuch.

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Schadet Handystrahlung dem Gedächtnis?

Die erhöhte Strahlenbelastung durchs drahtlose Telefonierern könnte zumindest bei Jungendlichen doch negative Effekte haben. © OJO image/ iStock
Doch schädlich? Wenn Jugendliche viel mit dem Handy telefonieren, könnte dies negative Auswirkungen auf ihre Gedächtnisentwicklung haben. Wie eine Schweizer Studie mit 700 Jugendlichen ergab, beeinträchtigt die erhöhte Strahlenbelastung vor allem das visuell-gegenständliche Gedächtnis. Halten die Vieltelefonierer ihr Handy vorwiegend an die linke Kopfseite, ist dagegen das verbale Gedächtnis stärker betroffen, wie die Forscher berichten.

scinexx

Die Frage, ob und wie Handystrahlung der Gesundheit schadet, ist nach wie vor hoch umstritten. Studien zu den Folgen erhöhter Strahlenbelastung durch die hochfrequenten elektromagnetischen Felder kamen bisher zu widersprüchlichen Ergebnissen. So gibt es Hinweise auf eine lokale Erhöhung der Hirnaktivitätund Veränderungen des Ionenhaushalts im Gehirn. Während jedoch die Weltgesundheitsorganisation WHO Mobilfunkstrahlung als potenziell krebserregend einstuft, gab eine der bisher größten Studien dazu eher Entwarnung.

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„Wolkenfraß“ gibt Rätsel auf

Typisch für das neuentdeckte Phänomen: Der klare Himmel frisst sich schnell und fast geradeliniig in das Wolkenfeld vor. © North Carolina State University
Mysteriöser Wolkenschwund: Ein neu entdecktes Wetterphänomen vor der Südwestküste Afrikas gibt Forschern Rätsel auf. Dort kommt es immer wieder zu einem abrupten, verblüffend geradlinigen Wolkenschwund – wie abgeschnitten erscheint die Grenze dieser Auflösungszone. Der klare Himmel frisst sich dabei in einer hunderte Kilometer lange Linie nach Westen in die Wolkendecke vor. Was hinter diesem „Wolkenfraß“ steckt, darüber können die Wissenschaftler bisher nur spekulieren.

scinexx

Für die Westküste Afrikas, aber auch das subtropische Amerika sind sie typisch: ausgedehnte Felder tiefliegender Stratocumulus-Wolken, die das Meer in Küstennähe bedecken. „Diese großen, persistierenden Meereswolken werden oft die ‚Kühlschränke der Erde‘ genannt, weil sie viel Sonnenstrahlung ins All hinaus reflektieren“, erklären Sandra Yuter von der North Carolina State University und ihre Kollegen.

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Nachfahren der Hitler-Attentäter warnen vor Populismus

400 Nachfahren deutscher Widerständler in der NS-Zeit haben am Jahrestag des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 vor nationalen Alleingängen und der Gefährdung eines geeinten Europas gewarnt.

evangelisch.de

In einem am Freitag im Berliner „Tagesspiegel“ veröffentlichten Appell heißt es, „wir möchten an diesem Tag an den Mut und die visionäre Kraft unserer Eltern, Urgroß- und Großeltern, Onkel und Tanten erinnern und hoffen, dass nationale Alleingänge nicht das geeinte, starke, friedliche Europa gefährden, das sie für sich, uns und unsere Kinder erhofft hatten“.

Der europäische Staatenverbund stehe heute vor einer Zerreißprobe. Die Grundsätze von Humanität, Solidarität und Gerechtigkeit, die in der Aufklärung und durch die Erfahrungen zweier Weltkriege erarbeitet wurden, schienen immer weniger wert zu sein. Statt gemeinsam an den Herausforderungen der Zukunft zu arbeiten, zögen sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger zurück, während Populisten mehr und mehr Zulauf erhielten, Politiker verbal aufrüsteten und auf Abschottung setzten.

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Künstliche Fotosynthese: „Ein neues Betriebssystem für lebende Zellen“

Lichtmaschine der Fotosynthese, verpackt in künstliche Zellen Quelle: Lichtmaschine der Fotosynthese, verpackt in künstliche Zellen
Im Reagenzglas ist die Umwandlung von Licht in chemische Energie bereits effizienter als die natürliche Fotosynthese. Jetzt wollen Forscher den künstlichen Stoffwechsel in eine lebende Zelle einbauen.

Von Norbert Lossau | DIE WELT

Pflanzen können Kohlendioxid aus der Luft fischen und daraus mithilfe von Sonnenlicht energiereiche Kohlenhydrate produzieren. Dieser wunderbare Prozess ist eine wichtige Voraussetzung für das Leben auf unserem Planeten. Jetzt wollen Max-Planck-Forscher gemeinsam mit dem US-Wissenschaftler Craig Venter eine künstliche, lebensfähige Zelle erschaffen, die Licht in chemische Energieträger umwandeln kann. Es geht also um die Nachahmung der Fotosynthese von Pflanzen – und die soll deutlich effizienter als das natürliche Vorbild sein. Im Reagenzglas funktioniert die künstliche Fotosynthese schon heute.

Bereits vor mehr als einhundert Jahren hatte der italienische Chemiker Giacomo Ciamician die Idee, die Fotosynthese der Pflanzen technisch nachzuahmen. Eine solche direkte Nutzung der Solarenergie habe viele Vorteile gegenüber der Verbrennung von Kohle, betonte damals Ciamician.

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Neandertaler waren doch Feuermacher

Feuerschlagen mit Feuerstein und Stahl. Unsere Vorfahren nutzten statt Stahl das eisenhaltige Mineral Pyrit. © DGerrie Photography/ iStock
Von wegen rückständig: Entgegen bisherigen Annahmen beherrschten schon die Neandertaler das Feuermachen. Sie nutzten ihre Faustkeile als Steinzeit-Feuerzeug, wie Analysen von 50.000 Jahren alten Steinwerkzeugen enthüllen. Forscher haben darauf Nutzungsspuren gefunden, die nur beim Feuerschlagen entstehen, wie sie im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten. Unsere eiszeitlichen Vettern standen demnach auch in dieser Technologie unseren Vorfahren in nichts nach.

scinexx

Schon vor mehr als 700.000 Jahren, vielleicht sogar schon vor einer Million Jahren könnten Frühmenschen das Feuer natürlicher Brände für ihre Zwecke genutzt haben. Archäologische Funde belegen zudem, dass die Neandertaler schon vor 170.000 Jahren Holzwerkzeuge im Feuer härteten.

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Junger Stern frisst Babyplanet

Der junge sonnenähnliche Stern RW Aur A könnte Trümmer eines seiner Planeten verschlingen © NASA/CXC/ M.Weiss
Planetare Katastrophe: Astronomen könnten erstmals einen jungen Stern dabei ertappt haben, wie er Trümmerteile eines Planeten verschluckt. Das könnte erklären, warum dieser 450 Lichtjahre entfernte Stern sich immer wieder vorübergehend abdimmt – die verbliebenen Trümmer verdecken sein Licht, wie die Forscher im „Astronomical Journal“ berichten. Die Planetenreste entstanden, als zwei Protoplaneten in Sternennähe kollidierten.

scinexx

Die meisten Sterne senden ein nur wenig in seiner Intensität oder Zusammensetzung schwankendes Licht aus. Dennoch beobachten Astronomen immer wieder auch Sterne, deren Lichtemission sich regelmäßig oder unregelmäßig verändert. Bei den meisten von ihnen lässt sich dies durch vor ihnen vorüberziehende Planeten oder Partnersterne erklären. Es gibt aber einige, deren Verhalten den Astronomen bis heute Rätsel aufgeben, darunter die blauen „Pulsatoren“, der „Alien-Stern“ KIC 8462852, aber auch der Stern RW Aur A in der Konstellation Tauri-Auriga.

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Reformkatholiken: „Pillen-Enzyklika“ hat Kirche immens geschadet

Paul VI., Pillenpapst. Bild: wikipedia.org/PD

Die katholische Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ hat die vor 50 Jahren veröffentliche Enzyklika „Humanae vitae“ als eine der umstrittensten päpstlichen Verlautbarungen der neueren Kirchengeschichte kritisiert.

evangelisch.de

Das als sogenannte Pillen-Enzyklika bekannt gewordene Rundschreiben schade dem „öffentlichen Ansehen der römisch-katholischen Kirche bis heute immens“, teilte die Bewegung am Donnerstag in München mit. Mit dem Lehrschreiben „Humanae vitae – über die rechte Ordnung der Weitergabe des menschlichen Lebens“ hatte Papst Paul VI. 1968 katholischen Christen die Verwendung von Verhütungsmitteln wie der Anti-Baby-Pille und Kondomen verboten.

Die Kirchenvolksbewegung verurteilte auch die darauffolgenden lehramtlichen Äußerungen von Papst Paul II. und Papst Benedikt XVI. zum Thema Verhütung, die sich dem Tenor der Enzyklika angeschlossen hätten. Nach den überwiegend sehr positiv aufgenommenen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) habe der Vatikan mit der „Pillen-Enzyklika“ die Ergebnisse des Konzils erstmals reaktionär interpretiert.

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Die fünf grössten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt verursachen zusammen mehr Treibhausgase als ExxonMobil, Shell oder BP

Vor allem in reichen Ländern wird zu viel Milch und Fleisch produziert, konsumiert und exportiert. (Bild: Regis Duvignau / Reuters)
Zwei NGOs zeigen auf, dass der Fleischkonsum in den reichen Ländern einen gewaltigen Anteil am Klimawandel hat. Ihre Empfehlungen für den Einzelnen sind aber alles andere als radikal.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Bei der Suche nach den Verantwortlichen für den Klimawandel gehören Ölkonzerne sprichwörtlich zu den üblichen Verdächtigen. Überraschender dürfte für viele deshalb sein: Die fünf grössten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt sind zusammen für mehr Treibhausgase verantwortlich als Ölkonzerne wie ExxonMobil, Shell oder BP. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP), eine Non-Profit-Organisation mit Büros in Minneapolis und Genf, zusammen mit der NGO Grain durchgeführt hat. Beide Organisationen setzen sich für nachhaltige Landwirtschaft ein.

Demnach emittieren die Fleisch- und Milchproduzenten JBS, Tyson, Cargill, Dairy Farmers of America sowie Fonterra zusammen 578,3 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr und liegen damit – wenn auch knapp – vor dem grössten Ölkonzern der Welt, ExxonMobil mit 577 Millionen Tonnen. (Allerdings ändert das nichts daran, dass ExxonMobil, Shell und BP zusammen 1,5 Milliarden Tonnen und damit so viel klimaschädliche Emissionen verursachen wie Japan.)

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Tausende Forscher sind auf Fake-Journale hereingefallen

Bild: Fotolia
Immer mehr seriöse Forscher lassen sich von „Raubverlagen“ das Geld aus der Tasche ziehen. Ihr Ziel: der schnelle Ruhm. Nun sind Zahlen über das Ausmaß auf dem Tisch, Gegenmaßnahmen werden gefordert.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Markt für Pseudowissenschaften wächst offenbar immer schneller, und auch seriöse Wissenschaftler gehen den Strippenziehern vermehrt auf den Leim, die vor allem als Wissenschaftsverlage mit offenen Zugang (Open access) auftreten. „Mehr als 5000 deutsche Wissenschaftler“ wurden von dem Sender NDR, WDR und das „Süddeutsche Zeitung Magazin“ identifiziert, die mindestens einmal in einem dieser als „Raubverlage“ bezeichneten Plattformen publizierten. Ausgenommen seien auch einzelner Wissenschaftler aus hoch angesehenen  Institutionen und Hochschulen nicht. Zumindest so viel hat das Recherchenetzwerk ein paar Tage vor der Ausstrahlung einer halbstündigen Dokumentation im ARD mitgeteilt.

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Sonnenrotation beeinflusst irdische Blitze

Wie oft es bei uns blitzt, hängt auch von der Sonne und ihrer Aktivität ab. © Krivosheev/ iStock
Kosmischer Blitzmacher: Auch die Sonne hat einen Einfluss darauf, wie oft es auf der Erde gewittert und blitzt, wie eine neue Studie bestätigt. Demnach fördern nicht nur starke Sonnenstürme die irdische Blitzhäufigkeit, sondern auch die rund 27 Tage dauernde Rotation unseres Sterns führt zu messbaren Schwankungen. Enthüllt hat dies die Auswertung ungewöhnlicher Daten: historischen Tagebüchern aus dem Japan des 18. Jahrhunderts.

scinexx

Blitze entstehen, wenn sich Ladungsunterschiede in Gewitterwolken abrupt entladen. Die Folge ist eine elektrische Entladung, die als heller Blitz zu sehen ist. Dabei ist die Blitzhäufigkeit lokal durchaus unterschiedlich, weil sie durch das örtliche Klima, aber auch die Landschaftsformen beeinflusst wird. So liegen die irdischen Blitzhotspots in Afrika und Südamerika, in Deutschland blitzt es am Alpenrand am häufigsten.

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Nordatlantik: Streit um die Umwälzpumpe

Die nordatlantische Umwälzströmung ist ein entscheidender Akteur im Klimaystem. © Peter Hermes Furian/ iStock
Umstrittene Strömung: Eine neue Studie zur nordatlantischen Umwälzströmung liefert Zündstoff. Denn sie widerspricht den gängigen Theorien zur Klimawirkung dieser Strömungspumpe. Demnach ist nicht der Klimawandel an der Abschwächung dieser Umwälzpumpe schuld, sondern umgekehrt die Umwälzpumpe an der aktuellen Erwärmung des Klimas, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten. Dem allerdings widersprechen einige renommierte Klimaforscher vehement.

scinexx

Der Nordatlantik ist eine Schlüsselregion für die globalen Meeresströmungen, aber auch für das Klima Europas. Denn hier liegt eine der großen Umwälzpumpen der Ozeane: Vor Grönland sinkt warmes, salziges Wasser in die Tiefe und strömt dann abgekühlt in der Tiefe nach Süden. An der Meeresoberfläche zieht dies warmes Wasser aus den Tropen nach.

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