„Keinen Inch weiter nach Osten“: Was den Russen zur Wiedervereinigung über die Nato versprochen wurde

US-Präsident Bush und UdSSR-Präsident Gorbatschow beim Gipfeltreffen am 31. Mai 1991 im Weißen Haus. Bild: George H.W. Bush Presidential Library, P13298-18
Jetzt frei gegebene Dokumente zeigen, dass die westlichen Regierungen den zu naiven Gorbatschow mit falschen Versprechungen hereingelegt haben

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Immer wieder wurde von Politikern der Nato-Mitgliedsstaaten beteuert, es habe bei den Verhandlungen zur Wiedervereinigung Deutschlands keine Zusicherungen an Russland gegeben, dass sich die Nato nicht über Ostdeutschland hinaus nach Osten erweitert. An den Verhandlungen zum Zwei-plus-Vier-Vertrag haben neben der Sowjetunion, die USA, Frankreich, Großbritannien, BRD und DDR teilgenommen.

Der damalige US-Präsident George H.W. Bush hatte zur Bedingung gemacht, dass das vereinte Deutschland Nato-Mitgliedsstaat wird bzw. bleibt. Obgleich nach dem Vertrag Deutschland „auf Herstellung und Besitz von und auf Verfügungsgewalt über atomare, biologische und chemische Waffen“ verzichtet, gab es weiterhin das Schlupfloch mit der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ an US-Atomwaffen, mit denen im Konfliktfall deutsche Flugzeuge ausgerüstet werden können. Die ostdeutschen Bundesländer müssen atomwaffenfrei bleiben: „Ausländische Streitkräfte und Atomwaffen oder deren Träger werden in diesem Teil Deutschlands weder stationiert noch dorthin verlegt.“

Ursprünglich hatte die Sowjetunion den Austritt Deutschlands aus der Nato gefordert, Gorbatschew stimmte schließlich zu, dass Deutschland frei über eine Bündniszugehörigkeit entscheiden kann. Man muss vermuten, dass es hier weitere Vereinbarungen gegeben haben muss, schließlich sind die Vorkehrungen für Ostdeutschland klar genug, dass hier weder ausländische Truppen noch Atomwaffen stationiert werden dürfen. Ohne eine gewisse Garantie, dass sich die Nato nicht weiter nach Osten ausdehnt, wird Gorbatschew dem Nato-Beitritt des vereinten Deutschlands wohl sonst nicht zugestimmt haben.

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Streit um Homöopathie bei Krankenkassen

Die Wirksamkeit von homöopathischen Globuli sind umstritten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Obwohl homöopathische Therapien laut großen Studien keine Wirkung besitzen, zahlen viele Krankenkassen sie. Damit müsse Schluss sein, fordern Kritiker.

Von Hinnerk Feldwisch-Drentrup | Frankfurter Rundschau/dpa

Quecksilber, Pflanzenteile, Hundekot: Hochverdünnte Stoffe sollen Krankheiten heilen oder zumindest lindern können, glauben Anhänger der Homöopathie. Kaum eine Therapieform ist derart umstritten.

Viele Patienten versprechen sich eine sanfte Heilung durch die Zuckerkügelchen oder Tropfen, während Wissenschaftler warnen: Globuli besitzen keine Wirkung, sondern stellen nur eine Schein-Behandlung dar.

Kassen dürfen eigentlich nur die Kosten von anerkannt wirksamen Therapien erstatten, doch für Homöopathie und ähnliche Verfahren hat der Gesetzgeber Sonderregeln geschaffen. Sie müssen nicht in aufwendigen Studien ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen.

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Schweizer Diamantbestattung für Deutschland

Ein wunderschöner Erinnerungsdiamant in einem Ring verarbeitet. © Lonité AG
Auch Hinterbliebene in Deutschland können von dem einzigartigen Verfahren der Diamantbestattung in der Schweiz profitieren. Dabei wird ein Teil der Asche aus dem Vorgang des Einäscherns in einem sechs bis zwölf Monate dauernden Vorgang in einen Diamanten verwandelt. Auch Haar kann hierfür verwendet werden. Wer eine Diamantbestattung plant, sollte sich zuvor mit dem zuständigen Bestatter absprechen.

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Wie werden Erinnerungsdiamanten hergestellt?

Natürlich entstandene Diamanten bestehen aus Kohlenstoff [C], der mit 18% ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Körpers ist. Erinnerungsdiamanten sind echte Diamanten, die unter Zuhilfenahme des Kohlenstoffs in der Kremationsasche oder in den Haaren eines Verstorbenen, gezüchtet werden. Dieser Vorgang dauert sechs bis zehn Monate.

Da der menschliche Körper auch Stickstoff [N], entstehen durch den Vorgang gelbe bzw. orangefarbene Diamanten. Sollen farblose Diamanten gezüchtet werden, muss der Stickstoff entfernt werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, rote, blaue oder grüne Erinnerungsdiamanten zu züchten.

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Historians Are Calling Out Trump Online Whenever He Misreads the Past

Trump under a portrait of populist President Andrew Jackson in the Oval Office, February 1, 2017. Image: Michael Reynolds-Pool/Getty
Engaging with new media is no longer a dalliance for the history profession in the misinformation age.

By Daniel Crown | MOTHERBOARD

A new wrinkle seems to have developed this year in the relentless news cycle. It usually plays out something like this:

To explain away a gaffe or to justify controversial policy, someone in Trump world, an administration notorious for its anti-academic tilt, plumbs the depths of history for precedent. In doing so, he or she often contrives or repeats something historically unsound. Talking heads then react on television, as print journalists tweet while firing up their laptops to meet evening deadlines. And, finally, in the days to follow, web editors commission articles from historians, in hopes of putting said comments into greater historical context.

A good example of this came in late October, after White House Chief of Staff John Kelly made controversial remarks regarding the origins of the Civil War. Repeating a talking point once commonly taught in southern classrooms, Kelly blamed the war on “the lack of the ability to compromise.” Within days, The Atlantic, the Washington Post, TIME, and several other institutions responded with articles from working historians, which broached such fraught topics as the Fugitive Slave Act, the racism of Robert E. Lee, and the fallacy of the “Lost Cause of the Confederacy” myth.

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Hanauer Sektenfall: Schuldfähigkeit von Mordverdächtiger wird überprüft

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Nach der Mordanklage im Hanauer Sektenfall soll ein Gutachter die Verdächtige untersuchen. Ihr wird vorgeworfen, 1988 einen Gutachterzu haben.

Von Gergor Haschnik | Frankfurter Rundschau

Im Fall des kleinen Jan, der 1988 in einer mutmaßlichen Sekte starb, holt das Landgericht ein psychiatrisches Gutachten über die wegen Mordes angeklagte Anführerin ein. Mit Hilfe des Gutachtens solle die juristische Verantwortlichkeit der 70-Jährigen geprüft werden – also vor allem, ob sie schuldfähig ist oder nicht. Das teilte Peter Grasmück, Vorsitzender der zuständigen ersten großen Strafkammer am Hanauer Gericht, auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Mit einem Ergebnis rechnet Grasmück, auch wegen des großen Umfangs der Akten, in etwa drei Monaten.

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Ältestes Eis außerhalb der Polargebiete erbohrt

Das Eis eines Eisbohrkerns aus den Kunlun-Bergen in Tibet ist bis zu 600.000 Jahre alt. © Giuliano Bertagna/ Byrd Polar and Climate Research Center
Eisiges Archiv: In den Bergen Tibets haben Forscher den ältesten Eisbohrkern außerhalb der Polargebiete gewonnen. Der gut 300 Meter lange Bohrkern aus dem Gletschereis reicht 600.000 Jahre weit in die Vergangenheit zurück. Erste Analysen dieses Eises bestätigen, dass sich der Himalaya – und damit der „dritte Pol“ der Erde – in den letzten Jahrzehnten stärker erwärmt hat als tiefer gelegenen Regionen.

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Das Eis von Gletschern speichert nicht nur große Teile des irdischen Süßwassers, die im Laufe von Jahrtausenden bis Jahrmillionen abgelagerten Eisschichten sind auch ein wertvolles Archiv der Erdgeschichte. Die im Eis eingeschlossenen Luftbläschen und Isotope liefern Informationen über die Klimageschichte, vergangene Vulkanausbrüche, und sogar über die Umweltsünden der Konquistatoren oder der antiken Europäer.

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Die Bibel: Das zersägte Testament

Luther-Bibel aus Nürnberg (um 1700) (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Wie wichtig ist das Alte Testament? Weniger wichtig als das Neue, befand vor vier Jahren der evangelische Theologe Notger Slenczka. Die Debatte hält bis heute an. Gestritten wird über den biblischen Kanon – und über das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum.

Von Carsten Dippel | Deutschlandfunk

„Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“(Jesaja 43, Vers 1)

Es ist ein beliebter Taufspruch, die bekannte Stelle aus Jesaja 43. Eigentlich jedoch umfasst der Vers aus dem Alten Testament einen entscheidenden Punkt mehr. Denn der Spruch, der unter Christen als segensreich gilt, hat einen ganz konkreten Adressaten, der vorangestellt ist. So beginnt der Vers mit den Worten:

„So spricht Gott zu Jacob, so spricht Gott zu Israel: Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ (Jesaja 43,1)

Es ist die unmittelbare Anrede Gottes an sein Volk Israel. Wenn Christen diesen Vers zur Taufe ihrer Kinder auswählen, dann jedoch nicht, weil sie sich in den Bund Gottes mit Israel gestellt sähen. Sie stellen ihn vielmehr in einen neuen Sinnzusammenhang.

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Mapuche: Indigenes Volk unter Terrorverdacht

Schon mit den Spaniern stritten die Mapuche um ihr Land, heute tun sie es mit der chilenischen Regierung. (Bild: Rodrigo Abd / AP)
Die Mapuche-Indianer haben sich im Kampf um ihr angestammtes Land radikalisiert – Chile reagiert darauf mit zunehmender Härte.

Von Tjerk Brühwiller | Neue Zürcher Zeitung

Celestino Córdova giesst seinen Mate auf und gibt etwas Honig hinzu. Er sitzt auf seinem Bett in einem Spitalzimmer. Eine stoische Ruhe umgibt den Machi, wie die Mapuche-Indianer ihre Medizinmänner nennen. Dann reicht er den Tee weiter und nimmt das Gespräch wieder auf. Alles habe vor 500 Jahren begonnen, als die Spanier gekommen seien, sagt er. «Die Mapuche wurden unterdrückt, beraubt und in Fesseln gelegt. Bis heute hat sich wenig verändert.» Das hier sei ein Symbol für die letzten 500 Jahre, sagt Córdova und lässt seinen Blick nach unten schweifen. An seinem Fussgelenk ist eine Fussfessel angebracht, die ihn an sein Bett kettet.

Bewacht wie ein Terrorist

Wir sind im Hospital Intercultural von Nueva Imperial in der südchilenischen Region Araucanía. Aus gesundheitlichen Gründen hat man Celestino Córdova hierhinverlegt. Zuvor war er im Gefängnis von Temuco eingesperrt. Vor der Tür halten vier schwerbewaffnete Polizisten Wache, zwei weitere stehen vor dem Zugang zum Spitaltrakt. Der Mapuche wird bewacht wie ein Terrorist.

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Peter Gauweiler und die Religion: „Unschuldig sind wir nicht“

Der ehemalige CSU-Politiker Peter Gauweiler hat ein Buch vorgelegt: Evangelisch in Bayern (imago stock&people)
Der Westen trägt nach Ansicht von Peter Gauweiler Mitschuld an den Spannungen mit der islamischen Welt. Die aktuelle Auseinandersetzung habe mit „dem völkerrechtswidrigen Krieg der USA und anderer Staaten im Irak“ begonnen, sagte Gauweiler im Dlf. Es gebe eine „große Mitverantwortung, vor der wir uns nicht verstecken dürfen.“

Peter Gauweiler im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Peter Gauweiler war Politiker, bevor er vor gut zwei Jahren die Machtfrage in der CSU stellte und alle Ämter niederlegte. Er war lange Bundestagsabgeordneter, er hatte diverse politische Ämter inne. Jeder oder fast jeder kennt ihn – gerade weil er Ecken und Kanten hat und immer wieder angeeckt ist. Er stand Franz-Josef Strauß nahe. Wie dieser bayerische Ministerpräsident nimmt Gauweiler kein Blatt vor den Mund. Heute ist er Rechtsanwalt in München. Peter Gauweiler ist evangelisch. Das reflektiert er in einem Buch mit dem Titel „Evangelisch in Bayern“.

Darin bezeichnet Gauweiler den ehemaligen Papst Benedikt, als „den Reformator schlechthin“. Im Gespräch über Benedikts Verhältnis zum Protestantismus sagte Gauweiler:

„Er hat immer wieder klar gemacht – bei dem sogenannten interkonfessionellen Dialog -, dass die Theologen nicht diskutieren dürfen, als wären sie Politiker und würden sich wechselseitig irgendwelche Geschenke oder Vergünstigungen in Fragen des Glaubens mitbringen. Und er hat immer darauf Wert gelegt, dass dieser Dialog in Angelegenheiten der Religion nur auf festen Fundamenten geführt werden kann. Und er hat uns so ein Beispiel geliefert, dass wir keine falschen Pseudo-Mischformen brauchen, wenn es viel besser ist, dass wir uns wechselseitig im Gottesdienst besuchen können uns dass wir das Anderssein des Anderen nicht als trennend empfinden, sondern als zusätzlichen Wert.“

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Fracking schadet Ungeborenen

Fracking scheint die Entwicklung von Ungeborenen im Mutterleib zu beeinträchtigen. © Janulla/ thinkstock
Folgenschwere Gasförderung: In unmittelbarer Nähe von Fracking-Anlagen kommen Babys häufiger mit einem geringen Geburtsgewicht auf die Welt. Eine US-amerikanische Studie zeigt: Betroffene Kinder haben ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko, mit einem Gewicht von unter 2.500 Gramm geboren zu werden – ein deutlicher gesundheitlicher Nachteil. Vermutlich sind die bei der umstrittenen Methode freiwerdenden Chemikalien schuld an dem Effekt. Der genaue Verursacher sei jedoch noch unklar, schreiben die Forscher.

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In den USA hat die Gasförderung durch das sogenannte Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Boom erlebt. Bei diesem Verfahren pressen Erdgasförderer einen Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien in gashaltige Gesteinsschichten. Das Gestein bricht dadurch auf und so lassen sich auch ansonsten nicht lohnenswerte oder schwer zugängliche Gasvorkommen erschließen.

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Die Physik hinter dem Latte Macchiato

Latte Macchiato: Espresso trifft Milch © Seen001/ thinkstock
Kaffee und Physik: Wenn heißer Espresso auf warme Milch trifft, setzt dies im Glas einen komplizierten Prozess in Gang. Im Latte Macchiato entsteht dabei idealerweise eine Abfolge mehrerer horizontaler Schichten. Entscheidend dafür ist neben der Temperatur auch die Eingieß-Geschwindigkeit, wie Forscher nun herausgefunden haben. Nur wenn der Espresso mit dem richtigen Tempo ins Glas fließt, ist das Ergebnis ein „gestreifter“ Latte Macchiato.

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Die Natur ist voller faszinierender Muster: Ob die Wellen auf der Oberfläche eines tiefen Gewässers, riesige Wirbelstraßen in Wolken oder die symmetrische und doch komplexe Form von Schneeflocken – solche Strukturen sind nicht nur schön anzusehen. Auch Wissenschaftler interessieren sich für diese Musterbildung.

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Zecken saugten tatsächlich Dinoblut

Im Bernstein konserviert: Diese 99 Millionen Jahre alte Zecke klammert sich noch im Tode an die Feder eines Dinosauriers. © Nature Communications/ Penalver et al.
Auf frischer Tat ertappt: Urzeitliche Zecken saugten tatsächlich schon das Blut der Dinosaurier – das belegen nun gleich mehrere Funde in 99 Millionen Jahre altem Bernstein. In einem Klumpen entdeckten Paläontologen eine Zecke, die noch im Tod an die Feder eines gefiederten Dinosauriers geklammert war. In weiteren Bernsteinstück fanden sie eine mit Blut vollgesogene Zecke sowie zwei mit den Haaren eines Nestparasiten eingeschlossene Exemplare.

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Bernstein ist wie eine Zeitkapsel, denn das urzeitliche Baumharz konserviert in ihm eingeschlossene Tiere oder Pflanzen über Jahrmillionen hinweg. Besonders spannende Einblicke in die Lebenswelt der Vergangenheit liefert der Bernstein unter anderem dann, wenn er Parasiten wie beispielsweise mit Blut vollgesogene Stechmücken oder Zecken konserviert. Aus solchen extrem seltenen Funden weiß man, dass es schon vor rund 100 Millionen Jahren Zecken gab – zur Zeit der Dinosaurier.

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Philipp Lenards „Deutsche Physik“ gegen Albert Einsteins „Jüdische Physik“

The Man who stalked Einstein. How Nazi Scientist Philipp Lenard Changed the Course of History. Von Bruce J Hillman, Birgit Ertl-Wagner und Bernd C. Wagner. Guilford, Connecticut 2015, 212 Seiten. ISBN 978-1-4930-1001 (Hardcover) ISBN 978-1-4930-1569-6 (ebook)© WEKA Fachmedien
Wie sich Physik, Mathematik, gesunder Menschenverstand, Ideologie, Esoterik, Nationalismus und Politik zu einem tödlichen Mix verbinden: Die wahre Geschichte von Lenard und Einstein – so spannend wie ein Thriller.

Von Heinz Arnold | Markt&Technik

Experimentalphysiker gegen die Theoretiker: Die Frontlinie hatte sich schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgebildet. Damals war noch nicht abzusehen, dass der Antagonismus sich zusätzlich noch national und schließlich nationalsozialistisch sowie antisemitisch aufladen sollte. Schon kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges stand plötzlich »Deutsche Physik« gegen »Jüdische Physik«.

Mit der abfällig gemeinten Bezeichnung »Jüdische Physik« bezeichneten »Deutsche Physiker« vor allem die Anhänger der Relativitätstheorie, aber auch alle, die mehr den abstrakten mathematischen Ableitungen vertrauten als dem »gesunden Menschenverstand«, den sie ebenfalls als etwas typisch deutsches klassifizierten.

Besonders schossen sie sich auf die Person Albert Einstein ein. Weil er Jude war, Pazifist und als Kosmopolit alles Nationale verachtete. Außerdem passte ihnen sein Humor, seine Ironie und vor allem die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können, ganz und gar nicht. Wer sich als Ideologe ernst nehmen will, der darf vor allem nicht über sich selber lachen können, geschweige denn die Welt mit Humor betrachten.

Ein ganz besonderes Exemplar dieser Gattung war der in doppeltem Sinne deutsche Physiker und Nobelpreisträger (1905) Philipp Lenard. Im Gegensatz zu den meisten seiner Genossen im Geiste war er sogar ein begabter Physiker. Er verrannte sich allerdings – angetrieben durch persönliche Schicksalsschläge, aber auch dem Gefühl, ständig im Leben zu kurz gekommen zu sein – dermaßen in seine Ideologie, dass die Gegnerschaft zur Relativitätstheorie in persönlichen Hass gegenüber ihrem Urheber und Helden umschlug. Lenard sah in Einstein die Personifikation all dessen, was er nicht nur für falsch hielt und ablehnte, sondern was er vom Antlitz der Erde vertilgen wollte.

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Exotische Materieform im Kristall

Excitonen (gelb) in einem Kristall. Diese Paare aus Elektronen und Elektronenlöchern verhalten sich wie ein Teilchen. © Peter Abbamonte/ University of Illinois
Nach rund 50 Jahren endlich entdeckt: In einem Kristall haben Physiker erstmals eine bisher nur theoretisch postulierte Materieform nachgewiesen. Dabei verbinden sich ein Elektron und ein Elektronenloch in einem Titan-Diselenid-Kristall zu einem exotischen Teilchen – einem sogenannten Exciton. Forscher haben seit rund 50 Jahren nach dieser Variante des Bose-Kondensats gesucht, jetzt ist der Nachweis dank einer neuen Messmethode gelungen, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

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Kühlt man normale Materie bis fast zum absoluten Nullpunkt herunter, kann eine exotische Materieform entstehen – ein Bose-Kondensat. In diesem Zustand verhalten sich die Atome oder Elektronen plötzlich wie eine Einheit – sie zeigen ein typisches Quantenverhalten in makroskopischem Maßstab. Solche Kondensate entstehen beispielsweise in heruntergekühlten Atomwolken, aber auch als Cooper-Paare in Supraleitern.

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Brain-Wave Treatment for Alzheimer’s Is Promising, but the First Human Subject Is Left Behind

Photo Credit: Coalition for Life Sciences
An Alzheimer’s patient sees improvement‚ but declines again when the study ends.

By Carolyn Weaver | Alternet

Peg Gleason, who is 83 and lives in San Francisco, was the first to sign up for the initial human trial of an MIT-backed experimental treatment for Alzheimer’s disease last January.

The trial had a slightly eccentric setting at the warehouse offices of TheraNova, a San Francisco-based medical-device developer. Seven days a week for seven months, until the study ended, Peg and her husband Ed, 85, were dropped off by Uber at a side door and taken to a small room inside an old metal vault.

The experimenters were “all very good and smart people, and they were all 32-and-a-half-years old,” Ed, a retired product manager for AT&T, joked.

“They put very large sunglasses on Peg with the lenses blacked out,” he said in a phone interview, in which Peg also participated. “[They] taped very small LED lights to them, so that when you put them on, all you saw were the four little lights on each lens. And they would be calibrated to flicker at 40 hertz.”

Along with the glasses, Peg was fitted with earphones that played a tone at 40 hertz, and pads on each hand that vibrated at that frequency. The treatment lasted an hour a day, with another 15 minutes for post-trial cognitive testing, and then the Gleasons were driven home.

The San Francisco experiment began last January, a month after Nature published an MIT study reporting that exposure to LED lights flickering at 40 hertz (40 cycles per second) was linked to a sharp reduction in beta-amyloid plaques—clumps of abnormal proteins—in the visual cortex of mice bred to develop an Alzheimer’s-like disease.

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Trump will Astronauten auf den Mond schicken

© NASA, JSC
Direktive beauftragt Nasa mit „innovativem Programm“ zur Weltraumerkundung

derStandard.at

US-Präsident Donald Trump will Amerikaner wieder auf den Mond schicken. Das Präsidialamt kündigte an, Trump werde noch am Montag eine Direktive unterzeichnen, die die Nasa damit beauftragt, ein „innovatives Weltraumerkundungsprogramm“ aufzulegen, „um Amerikaner zurück zum Mond zu senden – und letztendlich zum Mars“. Trump werde die bemannte Raumfahrt der USA so verändern, dass das Land „die treibende Kraft in der Weltraumindustrie wird, neue Erkenntnisse aus dem Kosmos gewinnt und unglaubliche Technologie in Gang setzt“. Als bislang letzter Astronaut war Eugene Cernan im Dezember 1972 auf dem Mond. Er starb im Januar im Alter von 82 Jahren.

Wenn wir im falschen Leben stecken

Der IQ der Mutter hat Auswirkungen auf die Intelligenz ihrer Kinder.
Verwirklichung. Die Kinder kluger Eltern sind nicht automatisch auch klug. Genau das wird von ihnen aber erwartet. Und zwingt sie in ein Leben fern ihrer Grundbedürfnisse und Kompetenzen.

Von Andrea Lehky | Die Presse.com

Mama und Papa haben es weit gebracht. Sie haben studiert und ihre eigenen Eltern karrieretechnisch weit hinter sich gelassen. Dasselbe erwarten sie von ihren Kindern. Weil, so die Logik, jede Generation klüger ist als die vorhergehende.

So wird es das nicht spielen, widerspricht der Schweizer Kinderpsychologe Remo H. Largo. Zwar wurden die Menschen in unserer westlichen Welt über die vergangenen Generationen immer intelligenter, im Schnitt um drei bis fünf IQ-Punkte pro Jahrzehnt. Das hatte aber keine genetische Gründe. Es lag an der kontinuierlich besseren Ernährung und Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Jetzt sind auch die untersten Schichten so gut versorgt, dass keine Steigerung mehr möglich ist.

Für Ausreißerbegabungen geht es nun wieder bergab. Als Beweis führt Largo das Gesetz von Galton an, benannt nach dem 1911 verstorbenen Briten Sir Francis Galton, Cousin von Charles Darwin und Mitbegründer der Genetik. Diesem Gesetz zufolge tendiert jedes Merkmal zur „Regression zur Mitte“. Begabte Eltern haben damit nicht notwendigerweise auch begabte Kinder.

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„Göttliche“ Siegelabdrücke entdeckt

Siegelabdrücke aus dem Archiv der antiken Stadt Doliche © Forschungsstelle Asia Minor
Göttlich besiegelt: Archäologen haben in der antiken Stadt Doliche auf dem Gebiet der heutigen Türkei hunderte Dokumente mit besonderen Siegelabdrücken gefunden. Die Artefakte zeigen neben dem römischen Kaiser Augustus eine Vielzahl griechisch-römischer Götter – und geben damit neue Einblicke in die religiösen Vorstellungen der damaligen Zeit. Neben dem Siegelfund haben die Forscher bei ihren Grabungen in Doliche zudem Hinweise auf eine spätantike Kirche entdeckt.

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Die Religion der antiken Griechen und Römer war geprägt von einer polytheistischen Götterwelt. Ob Zeus, Hera oder Jupiter: Die altertümliche Mythologie bevölkerten damals zahlreiche Gottheiten, die das Schicksal des Volkes lenkten. Neue Einblicke in diese faszinierende Welt gibt nun ein archäologischer Fund aus der antiken Stadt Doliche in der Südosttürkei.

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Paragraf 175: Keine Gerechtigkeit für Homosexuellen

Gibt nicht auf: Wolfgang Lauinger. (Archiv) Foto: Andreas Arnold
Der Frankfurter Wolfgang Lauinger saß in den 50er Jahren als Homosexueller im Gefängnis, doch das Entschädigungsgesetz gilt nicht für ihn.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Es sollte „ein später Akt der Gerechtigkeit“ werden, wie es Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) formulierte. Am 22. Juli trat das Gesetz zur Rehabilitierung und Entschädigung jener schwulen Männer in Kraft, die in der Bundesrepublik wegen ihrer Homosexualität nach dem berüchtigten Paragrafen 175 verurteilt worden waren. Bis heute sind nach Angaben des Justizministeriums Entschädigungen für 38 Männer bewilligt worden. Aber nicht für Wolfgang Lauinger. Sein Antrag wurde abgelehnt. Ausgerechnet.

Ausgrenzung und Verfolgung von Homosexuellen

Der Frankfurter Lauinger, der heute 99 Jahre alt ist, zählt trotz seines fortgeschrittenen Alters zu den wichtigsten Kämpfern für die Rehabilitierung. Jüngst nahm er an der Eröffnung einer Ausstellung über die Ausgrenzung und Verfolgung von Homosexuellen im Wiesbadener Landtag teil. Der schwule Mann war 1950 ins Gefängnis geworfen worden, nach einer Denunziation. Monatelang saß er hinter Gittern. Im Februar 1951 wurde Lauinger freigelassen. Der Belastungszeuge hatte die Aussage verweigert, die Anklage kam nicht zustande.

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Homosexualität: Eine Frage der Gene?

Unsere sexuelle Orientierung ist zumindest zum Teil genetisch bedingt. Doch welche Gene dafür verantwortlich sind, ist bisher unklar. © thinkstock
Spurensuche im Genom: Forscher haben im Erbgut schwuler Männer zwei Genvarianten entdeckt, die möglicherweise die sexuelle Orientierung mitbeeinflussen. Sie treten bei homosexuellen Männern etwas häufiger auf als bei heterosexuellen, wie die erste genomweite Assoziationsstudie zu diesem Thema ergab. Allerdings: Angesichts der komplexen genetischen Basis der sexuellen Orientierung sind dies bestenfalls erste Anhaltspunkte, wie die Forscher betonen.

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Ob heterosexuell, bi- oder homosexuell: Was bestimmt unsere sexuelle Orientierung? Noch gibt diese Frage Rätsel auf. Klar scheint, dass unsere Vorlieben für gleichgeschlechtliche oder gegengeschlechtliche Partner kein rein psychologisches Phänomen sind – es gibt eine biologische Basis. Indizien dafür liefern unter anderem Vergleiche der Hirnstruktur, die sowohl bei schwulen Männern als auch bei lesbischen Frauen Unterschiede zu ihren heterosexuellen Geschlechtsgenossen fanden.

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