Ersatz für „Hitlerglocke“ in Rheinland-Pfalz eingeweiht

Einweihung einer neuen Glocke in der Wendelinuskapelle © Andreas Arnold (dpa)

Die neue Glocke der Wendelinuskapelle im Landkreis Südliche Weinstraße ist mit einem Festgottesdienst eingeweiht worden. Sie ist der Ersatz für die sogenannte Hitlerglocke, die wegen Aufschrift und Hakenkreuz abgehängt wurde.

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Wolfgang Volz vom Vorstand des Heimatvereins St. Wendelinus läutete am Sonntag in Essingen den neuen Klangkörper.

Die alte Glocke von 1936 trägt unter anderem die Aufschrift „Als Adolf Hitler Schwert und Freiheit gab dem deutschen Volk, goß uns der Meister Pfeifer Kaiserslautern“ und ein Hakenkreuz. Sie ist künftig in einem Museum untergebracht. Die neue Glocke trägt die Inschrift „Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber alle seid Brüder“, ein Zitat aus dem Matthäus-Evangelium. Diese Worte standen auf einer Glocke, die einst im Turm hing, während des Zweiten Weltkriegs aber eingeschmolzen wurde.

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Der Erdkern ist „undicht“

Seit 2,5 Milliarden Jahren tritt Kernmaterial in den Erdmantel über, wie nun eine Isotopenstudie nahelegt. © Johannes Gerhardus Swanepoel/ thinkstock

Schleichende Diffusion: Der Erdkern ist offenbar seit rund 2,5 Milliarden Jahren undicht – seither tritt ständig Kernmaterial in den Erdmantel aus. Forscher haben diese „Leckage“ nun anhand veränderter Anteile von Wolfram-Isotopen im Mantelgestein aufgespürt. Die Analysen belegen aber auch, dass der Erdkern in der Frühzeit des Planeten noch dicht war. Das Leck muss demnach durch einen danach einsetzenden Prozess entstanden sein, so die Wissenschaftler.

scinexx

Der Erdkern ist ein ebenso prägender wie rätselhafter Bestandteil unseres Planeten. Erst durch seine Kombination aus festem und flüssigem Eisen bekommt die Erde ihr Magnetfeld, denn die Strömungen im flüssigen äußeren Kern treiben den Geodynamo an. Gleichzeitig liefert die Hitze des Erdkerns die Energie, die Phänomene wie die Plattentektonik, Mantelplumes und den Vulkanismus ermöglichen. Zu den Rätseln des Erdkerns gehört dagegen, wann der feste innere Kern erstarrte.

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Übergewicht macht schon Kinder krank

Übergewicht kann schon bei Kindern Stoffwechselstörungen wie Bluthochdruck zur Folge haben. © kwanchaichaiudom/ istock

Folgenschweres Übergewicht: Dicken Menschen drohen nicht erst im Erwachsenenalter gesundheitliche Folgen wie Bluthochdruck und Co. Wie eine Studie bestätigt, können auch Kinder aufgrund überflüssiger Pfunde bereits solche Stoffwechselstörungen entwickeln – Risikofaktoren für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diesen ungesunden Prozess wieder rückgängig zu machen, ist offenbar nur schwer möglich. Umso wichtiger sei die frühzeitige Prävention, betonen die Forscher.

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Die Menschheit hat ein im wahrsten Sinne des Wortes dickes Problem. Denn die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen nimmt weltweit immer weiter zu – und damit auch die Fälle von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen mit überflüssigen Pfunden in Verbindung stehenden Leiden.

Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass auch immer mehr Kinder von Übergewicht und den damit einhergehenden Gesundheitsrisiken betroffen sind. So hat sich die Zahl der fettleibigen Kinder und Jugendlichen in den vergangenen 40 Jahren mehr als verzehnfacht.

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Meeresspiegel steigt in der Arktis um 2,2 Millimeter pro Jahr

Der Meerespiegel steigt – das werden künftig auch Städte wie New York City zu spüren bekommen.Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Drew Angere

Forscher stellen große regionale Unterschiede fest. Nördlich von Grönland, Kanada und Alaska fand ein Anstieg um zehn Zentimeter in 22 Jahren statt

derStandard.at

Eine Auswirkung des Klimawandels ist, dass der Meeresspiegel steigt, daran gibt es mittlerweile keinen Zweifel mehr – allerdings tut er das nicht überall gleichmäßig. Im Gegenteil: Forscher registrieren regional extreme Unterschiede. Der durchschnittliche Anstieg in der Arktis lag bei 2,2 Millimetern jährlich und damit unter dem globalen Mittel von etwa drei Millimetern pro Jahr, wie nun ein dänisch-deutsches Forscherteam im Fachblatt „Remote Sensing“ berichtet.

Die Forscher der Technischen Universität München (TUM) und der Technischen Universität Dänemark (DTU) entdeckten, dass der Meeresspiegel entlang der Küste Grönlands sogar sinkt – teilweise um mehr als fünf Millimeter pro Jahr. Nördlich von Grönland, Kanada und Alaska innerhalb des sogenannten Beaufort-Wirbels hingegen stieg das Meer in 22 Jahren um mehr als zehn Zentimeter und damit doppelt so viel wie in der Arktis insgesamt.

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Wie der Klimawandel den Monsun durcheinander wirbelt

Vom Hochwasser betroffene Kinder sitzen neben ihren Habseligkeiten.Foto: dpa

Die Monsunwinde in Südasien forderten in diesem Jahr schon mehr als 270 Todesopfer. Die extremen Regenfälle werden immer unberechenbarer.

Von Joana Nietfeld | DER TAGESSPIEGEL

„Es regnet weiter und alles ist überschwemmt. Die Flüsse haben extremes Hochwasser und laufen über“, berichtet Geeta Lama von Save the Children aus Assam dem Tagesspiegel. Sie ist im Nordosten Indiens, in einer Region, die neben Bangladesch, Pakistan und Nepal besonders stark von den Monsun-Regenfällen betroffen ist. Der Dauerregen verursacht Erdrutsche und lässt Häuser einstürzen, ganze Straßenzüge werden von Schlammlawinen mitgerissen. In Mumbai kamen insgesamt 14 Menschen ums Leben, nachdem am Dienstag ein Gebäude eingestürzt war. Mittlerweile verzeichnen die Behörden über 270 Todesopfer, die Zahlen steigen täglich.

Geeta Lama schildert die Lage: „Mehr als 450 Hilfslager wurden in Assam erbaut und versorgen die Menschen mit Trockennahrung. Allein in Indien sind schätzungsweise 1,7 Millionen Kinder von dem Monsun betroffen. Viele der Regionen sind aber nach wie vor unzugänglich.“ Momentan versuche die Organisation 15000 Kinder in Assam zu erreichen, um sie mit Wasser, Nahrung, Zelten und Medikamenten zu versorgen. Das Risiko, dass Krankheiten und Epidemien ausbrechen könnten, sei extrem hoch.

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Can Neuroscience Understand Free Will?

Perhaps free will won’t forever be an issue philosophers mull over for a lifetime. Whatever the result, there’s always the ironic answer to the question of whether we have free will: “Of course we do. We have no choice.” Screengrab via The Good Place / YouTube

In The Good Place, a cerebral fantasy-comedy TV series, moral philosophy gets teased. On YouTube, the show released a promotional video, “This Is Why Everyone Hates Moral Philosophy,” that gets its title from a line directed at Chidi, a Senegalese professor of moral philosophy who suffers from chronic indecision: The pros and cons of even trivial choices have long paralyzed him.

By Brian Gallagher | NAUTILUS

We see him, as a precocious boy, urged to get on with picking teammates for a soccer game. Flustered, Chidi explains, “I have to consider all the factors: athletic strategies, the fragile egos of my classmates, and gender politics! Should I pick a girl as a gesture toward women’s equality, or is that pandering? Or do I think it’s pandering because of my limited male point of view? I’m vexed!” The kids waiting to play shake their heads, facepalming. A friend later insists he “fix his brain.” An M.R.I., courtesy of a neuroscientist named Simone, shows he’s fine. “Wow, there are actual answers here—data you can observe, and learn from,” Chidi says. “Yeah, man! Science is all about getting answers,” Simone replies. “You philosophers can spend your entire life mulling over a single question. That’s why everyone hates moral philosophy professors.” Both of them chuckle and she adds, “No offense.”

This is mock-hate, born of love. Before Mike Schur, the show’s creator, started shooting scenes, he paid a visit to the UCLA moral philosopher Pamela Hieronymi for insight. She’s interested in the sort of control humans have over our intentions and emotions, and how it might differ from control over our actions. Her favorite thought experiment comes from a 1983 paper, “The Toxin Puzzle,” by Gregory Kavka. A delightful head-scratcher, it invites you to imagine that an eccentric billionaire has offered you a deal: If you merely intend to drink a toxin tonight, at midnight, that will make you painfully ill for a day, he will wire you a million dollars—it’ll be in your bank tomorrow morning. A sophisticated and reliable brain scanner will determine whether you really formed the intention to imbibe the toxin. After you have the funds in your bank account, you’re free to decide not to drink it. An easy way to become a millionaire, no? Just intend to drink it for the scanner and, once you have the cash, switch your intention.

The sense of freedom we have to act on our moral understanding is regulated and vulnerable, and can break.

This is absurd, of course, and that’s Kavka’s point: We don’t have that sort of control over ourselves. If you intend to drink it (for the sake of the scanner) but also intend, later, to not drink it (to avoid the sickness), you’re really intending to not drink it. Our intentions are only “partly volitional,” Kavka says. “One cannot intend whatever one wants to intend any more than one can believe whatever one wants to believe. As our beliefs are constrained by our evidence, so our intentions are constrained by our reasons for action.” The sense that you have of being in control, of having free will, is just that—a sense. And it can break.

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Der Kümmeltürke ist in Wirklichkeit Deutscher

Kümmelblüte – (c) imago/CHROMORANGE (CHROMORANGE / Weingartner)

Dass etwas getürkt ist, kommt nicht daher, dass Türken besonders kreativ im Fingieren wären.

Erich Kocina | Die Presse.com

Warum gibt es eigentlich die Redewendung, dass etwas getürkt ist, wenn von einer Manipulation die Rede ist? Nun, die Annahme, dass Türken besonders kreativ im Fingieren wären, steckt nicht dahinter. Eigentlich eher umgekehrt, wenn man einen möglichen Deutungsversuch betrachtet. So kursiert die Geschichte, dass 1895 bei der Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal) im Hafen von Kiel Vertreter aller seefahrenden Nationen zu einem Galadinner geladen waren. Sobald einer ankam, wurde die Nationalhymne des entsprechenden Landes gespielt. Doch als ein türkisches Schiff landete, stellte die Kapelle fest, dass man die Hymne nicht kannte – also spielte man, da auf der Flagge ein Halbmond zu sehen war, „Guter Mond, du gehst so stille“. Daraus soll sich die militärische Wendung „einen Türken bauen“ entwickelt haben.

Eine andere Erklärung rührt vom sogenannten Schachtürken her – einem Gerät, das im frühen 18. Jahrhundert für Aufsehen sorgte. Eine Puppe in türkischer Tracht spielte scheinbar von selbst und unter mechanischem Knarren gegen echte Gegner Schach. Allein, im Inneren verbarg sich keine Maschine, sondern ein professioneller Schachspieler. Und somit, liegt die Vermutung nahe, war der Automat eben getürkt.

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Vatikan-Rätsel um vermisstes Mädchen: Experten entdecken «Tausende» von Knochen

Experten öffnen am Samstag das sogenannte Beinhaus auf dem deutschen Friedhof im Vatikan. (Bild: DTM MS / Vatican Media Handout)

1983 verschwand die damals 15 Jahre alte Tochter eines Vatikan-Dieners. Seitdem ranken sich um ihren Verbleib Verschwörungstheorien. Nun könnte ein Knochenfund neue Erkenntnisse bringen.

Neue Zürcher Zeitung

Der Vatikan will mit einem neuen Anlauf das Rätsel um ein vor 36 Jahren verschwundenes Mädchen lösen: Ein Expertenteam entdeckte am Samstag «Tausende» von Knochen auf dem deutschen Friedhof im Vatikan. Anhand dieser Überreste soll nun nicht nur geklärt werden, ob es die Überreste verschwundenen Tochter eines Vatikan-Dieners, Emanuela Orlandi, sind. Gesucht wird mittlerweile auch nach den Gebeinen zweier adeliger Frauen, die auf dem Friedhof bestattet worden sein sollen.

Um den Verbleib Orlandis ranken sich seit Jahren Verschwörungstheorien. Die damals 15-Jährige verschwand 1983 nach dem Besuch einer Musikschule. Auf der Suche nach ihr hatte der Vatikan Mitte Juli zwei Gräber auf dem deutschen Pilgerfriedhof Campo Santo Teutonico öffnen lassen: Von Sophie von Hohenlohe (gestorben 1836) und Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg (gestorben 1840). Doch überraschenderweise waren die beiden Gräber leer.

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7.000 neue Spezies auf der Roten Liste der bedrohten Arten

Die Roloway-Meerkatze zählt heute zu den seltensten Primaten Afrikas. Die IUCN stuft sie als „stark gefährdet“ ein.
Foto: Hans Hillewaert [cc;3.0;by-sa]

Insgesamt hat die Weltnaturschutzunion die Lage von 105.000 Arten untersucht. 28.000 davon sind direkt vom Aussterben bedroht

derStandard.at

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat der Roten Liste 7.000 bedrohte Arten hinzugefügt. In der neuesten Fassung der Roten Liste sind somit 105.000 Arten aufgeführt, von denen 28.000 als direkt vom Aussterben bedroht gelten. „Der Niedergang der Natur vollzieht sich in einem nie dagewesenen Tempo“, erklärte IUCN-Chefin Grethel Aguilar.

Primaten, Fische und Bäume sind demnach vor allem durch die Rodung der Wälder und Überfischung bedroht. Im Mai hatte der Weltrat für Biodiversität (IPBES) in seinem Bericht gewarnt, dass rund eine Million Tier- und Pflanzenarten schon „in den kommenden Jahrzehnten“ ausgestorben sein könnte, sollte die Menschheit ihren Umgang mit der Natur nicht ändern. Die Wissenschafter forderten vor allem „tiefgreifende Änderungen“ vor allem in der Landwirtschaft.

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Transhumanismus: Von der Technikverehrung zur Mythologie

Der Biologe und Philosoph Max Schnetker über den Transhumanismus als Krypto-Religion und Eliten-Ideologie

Matthias Becker | TELEPOLIS

Der Transhumanismus stellt die Überwindung des Menschen mit technischen Mitteln in Aussicht. Ausgangspunkt seiner Hoffnungen und Befürchtungen sind denkende Maschinen, deren Fähigkeiten die von Menschen weit übertreffen sollen. Solche Geräte sind allerdings nirgendwo in Sicht, die erwartete Superintelligenz rein spekulativ und viele transhumanistische Annahmen abenteuerlich – warum verbreitet sich der Transhumanismus dennoch?

Zum ersten Mal begegnet bin ich mit dem Transhumanismus, als ich ziellos durch das Internet stöberte. Meine erste Reaktion war, dass ich die Debatte über die Rachegelüste der kommenden Superintelligenz für eine Satire hielt. Wie war deine erste Reaktion?

Max Schnetker: Bei mir war es anders. Ich kam an der Universität mit transhumanistischen Ideen in Kontakt, allerdings mit ihren sozusagen seriösen Ausläufern, Autoren wie Ray Kurzweil oder Nick Bostrom. Einem unvoreingenommenen Laien wie mir damals konnte der Transhumanismus auf den ersten Blick als seriöse Wissenschaft erscheinen, mit akademisch anmutenden Publikationen und Instituten wie dem Machine Learning Research Institute oder der Singularity University. Je mehr ich mich dann eingelesen habe, umso erschreckender fand ich die transhumanistischen Ideen. Schließlich wurde mir klar, dass sich diese Strömung nur mit den Mitteln der Ideologiekritik begreifen lässt.

Aus diesem Grund hast du vor kurzem eine Studie mit dem Titel „Transhumanistische Mythologie“ veröffentlicht. Aber lass uns erst einmal ein paar Grundlagen zum besseren Verständnis legen. Der Transhumanismus ist eine Bewegung, die vor allem in den Vereinigten Staaten aktiv ist und von der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung erwarten. KI wird sich angeblich ab einem bestimmten Zeitpunkt – der sogenannten Singularität – permanent erweitern und optimieren. Sie markiert sozusagen den Takeoff der rekursiven Selbstoptimierung.

Max Schnetker: Transhumanisten glauben, dass mit der Singularität eine Superintelligenz entstehen wird. Weil deren Intelligenz angeblich exponentiell anwachsen wird, wird sie uns Menschen schnell in einem nicht mehr nachvollziehbaren Maß überlegen sein. Häufig vergleichen Transhumanisten den Unterschied zwischen ihr und uns mit dem zwischen einem Menschen und einer Maus oder einem Insekt. In den Debatten dient diese Annahme häufig dazu, kritische oder skeptische Einwände abzuwehren, weil wir uns die Handlungsmöglichkeiten der kommenden Superintelligenz einfach nicht vorstellen können. Sie ist geradezu allmächtig, letztlich verhält sie sich zu uns wie ein Gott.

Das klingt tatsächlich nach einem kniffligen theologischen Problem. Die Ratschlüsse der Superintelligenz sind für uns Sterbliche unergründlich …

Max Schnetker: Gleichzeitig sind wir es, die dieses höchste Wesen schaffen. Wir müssten sicherstellen, dass die Superintelligenz unsere Existenz toleriert, denn sonst wird sie uns an den Rand drängen, so wie wir Menschen einen Ameisenbau planieren, um einen Parkplatz zu bauen. Die Transhumanisten sprechen in diesem Zusammenhang vom Value-Loading-Problem: Wie kriegen wir es hin, dass die KI uns wohlgesonnen bleibt – was schwierig ist, weil sie sich in einem Prozess rekursiver Optimierung selbst programmieren soll, also das eigene Programm fortlaufend verbessert.

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Scham für die Flugscham

Grafik: TP

Ein Gespenst geht nicht nur um in Europa – nein, nicht erneut das Gespenst des Kommunismus, sondern das der Scham. Und anders als beim Kommunismus haben sich auch keine Mächte zur Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet.

Jörg Räwel | TELEPOLIS

Vielmehr ist mittlerweile breite Zustimmung und Wohlwollen nicht nur der Mächtigen z.B. zur „Fridays-for-Future“ Bewegung und damit verbundenen moralischen Ansprüchen zu vermerken. Dies wohl auch, weil eine Kritik der Moral selbst oft moralische Empörung hervorruft. Es ist plausibel geworden, etwa Fleischkonsum zu ächten, hingegen Stolz über den praktizierten Veganismus zu empfinden, sich z.B. der Flugreisen zu schämen, hingegen Achtung ob des vergleichsweise mühsamen und teuren Zugreisens zu ernten.

Im Folgenden geht es nicht um die Sache des gesellschaftlich verursachten, aufgrund seiner Geschwindigkeit bedrohlichen Klimawandels. Wir gehen davon aus, dass dieser wissenschaftlich klar belegt ist. Die wissenschaftlich bewiesene Schädlichkeit des CO2-Ausstoßes, etwa durch individuelle Massenverkehrsmittel, Flugreisen oder durch Massentierhaltung soll nicht in Frage gestellt werden. Hinterfragt werden soll aber die Form des Protests, die offensichtlich Hoffnung in Appelle an individuelle Verantwortlichkeit setzt und davon ausgeht, dass eine moralische, also an Achtung und Missachtung geknüpfte Bewertung individuellen Verhaltens positive Effekte zeitigen könnte.

Doch was ist verwerflich daran, festzustellen, dass dann, wenn wir alle achtsamer mit der Umwelt umgehen, wir alle Ressourcen schonender leben, etwa auf Massentierhaltung verzichten würden, wir alle z.B. unnötige Fernreisen vermeiden, lokale Produkte konsumieren, die Welt zu einem besseren Ort machen würden, den die Menschheit bedrohenden Klimawandel vielleicht sogar abwenden könnten? Liegt die Achtung gebietende Stimmigkeit geforderter Verhaltensweisen nicht auf der Hand?

Verwerflich ist an diesen Forderungen die offensichtlich werdende naive, unrealistische Wahrnehmung der modernen Gesellschaft. Verwerflich ist die dabei zutage tretende, am Thatcherismus angelehnte Vorstellung von „Gesellschaft“, bestehend schlicht aus der Summe individueller, selbstverantwortlicher (bestenfalls Familien verpflichteter) Subjekte:

They are casting their problems at society. And, you know, there’s no such thing as society. There are individual men and women and there are families. And no government can do anything except through people, and people must look after themselves first. It is our duty to look after ourselves and then, also, to look after our neighbours.

Margaret Thatcher

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Es ist diese Anschauung von Gesellschaft, eher noch das Verleugnen gesellschaftlicher Strukturen, die auch andere Formen der Scham plausibilisiert. Etwa die Scham für Arbeitslosigkeit oder für den Empfang von Sozialhilfen („Hartz IV“). Werden gesellschaftliche Phänomene, wie hier etwa die Beeinflussung des Arbeitsmarktes durch Rationalisierung und Automatisierung oder etwa Altersdiskriminierung, unterschätzt oder gar negiert, so bleibt nur individuelle Verantwortlichkeit – und Scham im Angesicht individuellen Scheiterns bis hin zur Selbstverleugnung.

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Die verflixte Hubble-Konstante führt Astronomen an der Nase herum

Der Rote Riese Camelopardalis stösst seine Gashülle ab, nachdem das Helium in seinem Inneren zu fusionieren begonnen hat. (Bild: ESA, Nasa)

Die gemessene Expansionsrate des heutigen Universums ist grösser, als es Extrapolationen erwarten lassen. Eine Gruppe von Astronomen hat jetzt untersucht, ob das an der Messmethode liegen könnte. Ihre Antwort lautet: Jein.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Einem Astronomen muss man nicht erklären, wer Wendy Freedman ist. Die kanadisch-amerikanische Forscherin hatte in den 1990er Jahren mit dem Hubble-Teleskop die Entfernung zu 24 Galaxien gemessen und auf dieser Grundlage einen relativ genauen Wert für die sogenannte Hubble-Konstante ermittelt. Mit dieser Messung beendete Freedman im Jahr 2001 einen jahrzehntelangen Streit darüber, wie schnell das heutige Universum expandiert. Inzwischen gibt es allerdings eine neue Kontroverse um die Hubble-Konstante. Denn die von Freedman und anderen Forschern gemessene Expansionsrate verträgt sich nicht mit der extrapolierten Entwicklung des Universums.

Jetzt meldet sich Freedman erneut zu Wort. In einer Arbeit, die demnächst im «Astrophysical Journal» erscheinen wird, hat eine von ihr geleitete Arbeitsgruppe einen anderen Weg eingeschlagen als vor zwanzig Jahren, um die Expansionsrate des Universums mit dem Hubble-Teleskop zu messen. Das Ergebnis sorgt für Ratlosigkeit. Denn es fällt gewissermassen zwischen Stuhl und Bank.

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Genetische Daten anstelle eines persönlichen Gesprächs?

Wären Sie bereit, ihre eigene DNA und andere medizinische Daten für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen? Welche Art von Umgang sich Bürger mit ihren Gesundheitsdaten vorstellen können, untersucht Barbara Prainsack. – (c) TEK Image/Science Photo Library/picturedesk.com

Die Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack beschäftigt sich mit den Auswirkungen der personalisierten Medizin auf die Gestaltung künftiger Gesundheitspolitik.

Von Erika Pichler | Die Presse.com

Personalisierte Medizin“ – nach Meinung mancher Experten einer der wichtigsten medizinischen Zukunftstrends – ist ein irreführender Begriff. Allgemeinsprachlich ist damit gemeint, individuelle Gegebenheiten von Patienten in die medizinische Behandlung einzubeziehen. Ein prinzipiell wünschenswerter Zugang, der auch psychische und soziale Merkmale und Bedürfnisse beinhalten würde.

Im engeren Sinn jedoch, in dem der Begriff hauptsächlich verwendet wird, bedeutet personalisierte Medizin, biologische messbare Merkmale eines Patienten (sogenannte Biomarker) als Basis für eine Diagnose, Therapie oder Beratung heranzuziehen, darunter vor allem genetische Merkmale. Im Mittelpunkt stehen also nicht die personenspezifischen oder biografischen Eigenschaften eines Patienten, sondern seine biologischen individuellen Strukturen.

„Personalisierte Medizin ist eine digitale, algorithmenbasierte Medizin“, erklärt Barbara Prainsack, Universitätsprofessorin für Vergleichende Politikfeldanalyse, im Podcast „Audimax“ der Universität Wien. Die Politikwissenschaftlerin, die vergangenes Jahr eine umfangreiche Monografie über personalisierte Medizin veröffentlichte, steht manchen großen Versprechen dieser Vision kritisch gegenüber.

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Kassel: 10.000 Gegendemonstranten empfangen 120 Rechte

Kundgebung in Kassel – imago images / Eibne

Rechtsextreme marschierten in Kassel auf, um gegen eine „Instrumentalisierung“ des Verbrechens an Walter Lübcke zu protestieren.

Die Presse.com

Rund 10.000 Menschen haben am Samstag in Kassel gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen demonstriert. Die Kundgebung der Rechten fiel wesentlich kleiner aus, rund 120 von ihnen versammelten sich auf einem Platz außerhalb der Innenstadt. Sie protestierten gegen eine angebliche mediale Vorverurteilung im Zusammenhang mit der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Trotz eines Großaufgebotes der Polizei kamen sich Rechtsextreme und Gegendemonstranten zeitweise bis auf wenige Meter nahe. Flaschen flogen, es gab Gerangel mit Einsatzkräften. Laut Polizei wurden 31 Personen zeitweise fest- oder in Gewahrsam genommen.

Seit den Morgenstunden war die nordhessische Stadt in einer Art Ausnahmezustand: Busse und Bahnen hatten in der Innenstadt den Betrieb eingestellt. Die Polizei kontrollierte an Bahnhöfen, Teile der Stadt waren gesperrt. Das Stadtbild beherrschten die Gegendemonstranten, ein Bündnis gegen Rechts hatte zu zahlreichen Veranstaltungen aufgerufen und zog bereits vor Ankunft der Rechten mit 3.000 Menschen durch Kassel.

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Mit Strom das Gehirn ankurbeln

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project

Die Gehirnleistung ist von elektrischen Frequenzen im Kopf abhängig – US-Forscher zeigen, wie die Stimulierung von Theta-Wellen das Denken verbessern könnte

Christian Wolf | der Standard.at

Ein Orchester funktioniert nur, wenn alle Mitglieder im gleichen Takt fein aufeinander abgestimmt miteinander spielen. Auch im menschlichen Gehirn ist sehr vieles eine Sache des guten Timings. Es kann allerdings vorkommen, dass einzelne Hirnregionen untereinander aus dem gemeinsamen Takt geraten. Das hat unerwünschte Folgen. Oft ist es auch eine Altersfrage. Bekanntlich lässt mit den Lebensjahren auch das Gedächtnis nach. Betroffen vom Alterungsprozess ist sehr oft das Arbeitsgedächtnis. Dieses System im Gehirn hält, ähnlich wie der Arbeitsspeicher eines Computers, diejenigen Informationen präsent, die im Moment benutzt werden.

Älteren Menschen fällt es schwerer, Informationen kurzzeitig im Gedächtnis zu behalten. Sie haben etwa Schwierigkeiten, sich die Zwischensummen beim Kopfrechnen zu merken oder eine Telefonnummer kurzfristig im Gedächtnis zu behalten, bevor sie sie niederschreiben. Einer Theorie zufolge hängt das Nachlassen des Erinnerungsvermögens im Alter genau damit zusammen, dass Hirnregionen, die an Gedächtnisleistungen beteiligt sind, nicht mehr optimal untereinander koordiniert und synchron aktiv sind. Damit können sie auch nicht mehr so gut kommunizieren.

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Suche nach Orlandi im Vatikan geht weiter – keine neuen Erkenntnisse

Bild: © katholisch.de

Bei der Suche nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi sind auf dem deutschen Friedhof im Vatikan zwei weitere Gräber geöffnet worden. Dabei seien Überreste gefunden worden, die nun untersucht werden müssten.

katholisch.de

Eine neuerliche Suche im Vatikan nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi ist am Samstag ohne Zwischenergebnis unterbrochen worden. Wie Vatikansprecher Alessandro Gisotti mitteilte, brachte die Öffnung von zwei unterirdischen Gebeinkammern im deutschen Priesterkolleg Campo Santo Teutonico am Petersdom Überreste zutage, die einer ersten Begutachtung unterzogen wurden. Auf Anordnung der vatikanischen Staatsanwaltschaft würden die morphologischen Analysen der Funde kommenden Samstag fortgesetzt, hieß es. Die Bergung und die ersten Untersuchungen dauerten den Angaben zufolge sechs Stunden.

Die Nachforschungen sollen Licht in das Schicksal der jungen Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi bringen, die am 22. Juni 1983 vom Musikunterricht nicht nach Hause zurückgekehrt war.

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Auch Schwebfliegen wandern

Die Hainschwebfliege ist eine von 450 in Deutschland vorkommenden Schwebfliegen-Arten. © Will Hawkes

Vom Festland auf die Insel: Auch Schwebfliegen gehören zu den Zugtieren unter den Insekten. Wie Radarbeobachtungen enthüllen, pendeln jedes Jahr bis zu vier Milliarden dieser Tiere zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland hin und her. Die Schwebfliegen sorgen dadurch für wichtigen Nachschub an Bestäubern und transportieren auch Pollen und Nährstoffe über den Ärmelkanal, wie Forscher im Fachmagazin „Current Biology“ berichten.

scinexx

Zugvögel sind nicht die einzigen Tiere, die im Rhythmus der Jahreszeiten um die Welt reisen. Auch manche Fische, Säugetiere und sogar Insekten pendeln alljährlich zwischen ihren Winter- und Sommerlebensräumen. So legt beispielsweise der Monarchfalter auf seinem Weg zwischen Nord- und Südamerika viele tausend Kilometer zurück und auch der Distelfalter oder die Wanderlibelle sind echte Langstreckenflieger.

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Mittelalter: Sergius wird Papst – der Beginn der „Pornokratie“ im Vatikan

Im 10. Jahrhundert geht es im Vatikan wenig christlich zu: Es ist die Zeit der Pornokratie zwischen der Inthronisierung von Sergius III. im Jahr 904 und der Absetzung von Johannes XII. im Jahr 963. Es geht um Macht und Einfluss. Außerdem spielen zwei Mätressen eine entscheidende Rolle.

Deutschlandfunk Nova

Als Karl der Große im Januar 814 stirbt, setzen Nachfolgekämpfe innerhalb der karolingischen Dynastie ein. Der stabilisierende Einfluss des römischen Kaisertums in Italien und im Vatikan geht zu Ende und ein Vakuum entsteht.

In der Folge geht es im Vatikan wenig christlich zu: Päpste kämpfen um Macht und Einfluss auf weltliche Entscheidungen. Mächtige italienische Familien versuchen, Kandidaten auf den Heiligen Stuhl zu bringen, die ihnen nahe stehen.

Der Einfluss von Theodora und Marozia

Zwischen 904 und 963 herrscht die sogenannte Pornokratie im Vatikan. Es ist die Zeit zwischen der Inthronisierung von Sergius III. als Papst im Jahr 904 und der Absetzung von Johannes XII. im Jahr 963.

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Wenn Gedenken zur Performance verkommt

Bild: Kein & Aber

Yishai Sarids Roman „Monster“ ist ein fiktionaler Bericht an den Direktor von Yad Vashem. Das Buch schlägt einen Bogen vom Holocaust zur politischen Gegenwart – und rechnet bitterböse mit der israelischen Erinnerungskultur ab.

Von Lena Bopp | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was bedeutet die Erinnerung an den Holocaust den wenigen, die noch leben? Und was macht sie mit denen, die Erinnerung lernen? Yishai Sarid antwortet darauf in seinem Buch „Monster“, das vor allem Leser in Israel im Blick hat, wo diese Erinnerung ein identitätsstiftendes Merkmal ist, mit fast bösartiger Klarheit: Die Erinnerung hält jeden gefangen, und sie macht alle wahnsinnig.

Gleich zu Beginn gesteht der namenlose Ich-Erzähler, er habe in seinem Leben eigentlich etwas anderes vorgehabt und sei in die Holocaust-Forschung nur „aus pragmatischen Gründen“ gelangt. Zur Diplomatenausbildung hatte ihn das Außenministerium nicht zugelassen, und den Job als Iran-Experte für den militärischen Nachrichtendienst wollte er nicht. Als Historiker, so wurde ihm signalisiert, blieben ihm damit nur die Holocaust-Studien – ganz so, als könne es für Historiker, die sich mit etwas anderem beschäftigen, in Israel kein Auskommen geben. Bald bietet der junge Doktorand auch Führungen durch die Gedenkstätte Yad Vashem an. Später kommen Touren durch die Konzentrationslager in Polen hinzu, die rasch zu seiner vornehmlichen Beschäftigung werden, weil sie ihn und seine kleine Familie ernähren. Als Guide von Schülergruppen, denen er in Polen die Maschinerie der Vernichtung erläutert, vergehen seine Jahre.

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