Archiv der Kategorie: Wissenschaften

Bibel: Wozu gibt es das Alte Testament?

Gott ist auf diesem Deckenbild aus der Kirche “Unser lieben Frauen auf dem Berge” in Penig, Sachsen, fleißig mit der Erschaffung der Welt befasst. Foto: © epd-bild / Rainer Oettel
Sollte das Alte Testament aus dem biblischen Kanon verschwinden? Der Berliner Theologe Notger Slenczka hat einen heftigen Bibel-Streit in Gang gesetzt. Seine Thesen, nicht neu, aber neu diskutiert, sind eine Provokation.


Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Es gibt in den Wissenschaften Fragen, die immer wieder diskutiert werden, obwohl sie als längst entschieden gelten. Sie sind es offenbar nicht. Eine der heikelsten dieser Fragen lautet: Wozu braucht das Christentum ein Altes Testament? Bereits Marcion von Sinope hat in der Mitte des zweiten Jahrhunderts darauf gedrungen, dieses Alte Testament aus der christlichen Bibel zu verbannen. Er trennte dabei scharf zwischen einem angeblich dunklen, zürnenden Gott des Alten und einem Erlösergott im Neuen Testament.

Diese grob dualistische Lehre wurde von der Alten Kirche jedoch abgelehnt und Marcion aus der Gemeinde von Rom ausgeschlossen. Er gründete eine Gegenkirche, die bis ins 5. Jahrhundert Anhänger fand.

In der Kirche setzte sich dagegen die Lehre durch, dass der heilsgeschichtliche Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament, Judentum und Christentum nicht zerschnitten werden dürfe; andernfalls verliere das Christentum seine Wurzel.

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Papst will in Südamerika Aufarbeitung der Diktaturen fördern

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Vatikan-Sprecher Lombardi: Reise nach Ecuador, Bolivien und Paraguay soll zur demokratischen Teilhabe ermutigen – Koka-Kauen gegen Höhenluft möglich und auch “nicht überraschend” – Verschiedene Themenschwerpunkte in jedem Besuchsland


kathweb

Papst Franziskus will mit seiner Südamerika-Reise nach Aussage von Vatikansprecher Federico Lombardi auch die Aufarbeitung der Militärdiktaturen und autoritären Regime in Ecuador, Bolivien und Paraguay fördern. Der Papst wolle zu einer “Erneuerung des sozialen und politischen Lebens” und zur “demokratischen Teilhabe” in den drei Ländern ermutigen, sagte Lombardi am Dienstag vor Journalisten im Vatikan. Franziskus besucht vom 5. bis zum 13. Juli Ecuador, Bolivien und Paraguay. Erste Station seiner neunten Auslandsreise ist am Sonntag die ecuadorianische Hauptstadt Quito.

Die bekannteste Militärdiktatur war die des deutschstämmigen Generals Alfredo Stroessner, der von 1954 bis 1989 in Paraguay mit brutaler Hand regierte. In Bolivien war von 1971 bis 1978 der ebenfalls deutschstämmige General Hugo Banzer an der Macht. In Ecuador herrschte von 1972 bis 1976 General Guillermo Rodriguez Lara. Diese Vergangenheit ist bislang kaum aufgearbeitet.

Franziskus hat Opfern und Angehörigen der Militärdiktatur in seinem Heimatland Argentinien wiederholt seine Hilfe bei der Aufarbeitung der Vergangenheit in Aussicht gestellt. Derzeit lässt er dazu eine Freigabe der Akten über die Militärdiktatur in den Vatikanischen Archiven prüfen.

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Bakterien-Evolution: Wie die Pest zum Todesbringer wurde

Allein im 14. Jahrhundert starben etwa 50 Millionen Menschen an der Pest. Entstanden ist der Erreger aus einem relativ harmlosen Darmbakterium. Zwei Gen-Veränderungen machten es zum Todesbringer.


SpON

Pesterreger Yersinia pestis, Bild: wikimedia.org/PD

Bis heute ist die Pest nicht abschließend besiegt. Nun haben Forscher genauer untersucht, wie der tödliche Erreger entstanden ist. Wyndham Lathem und seine Kollegen von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago haben die Fähigkeiten verschiedener Erregerstämme verglichen, die Krankheit auszulösen.

Ausgangspunkt war das Darmbakterium Yersinia pseudotuberculosis, das Krankheiten im Verdauungstrakt verursachen kann, ohne einem Säugetier oder dem Menschen wirklich gefährlich zu werden. Aus ihm hat sich das Bakterium Yersinia pestis entwickelt – der Auslöser der lebensgefährlichen Pest. “Jedoch ist nicht bekannt, wann Yersinia pestis die Fähigkeit erwarb, eine fulminante Lungenentzündung zu verursachen”, schreiben die Forscher im Fachmagazin “Nature Communications”.

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Das mit der Gentherapie klärt die Wissenschaft lieber selbst

Neue Methoden erlauben gezielte Eingriffe in das Erbgut des Menschen. Damit könnte man einmal genetische Krankheiten heilen – vielleicht auch mehr. Muss man die genetische Optimierung des Menschen verbieten? Die Nobelpreisträger würden auf eine politische Debatte lieber verzichten.


Von Alexander Mäder|Stuttgarter-Zeitung.de

Bild: merakname.com
Bild: merakname.com

Eigentlich sind sich die vier Wissenschaftler einig: Die neue Methode CRISPR (ausgesprochen: „Krisper“) ist zwar vielversprechend, funktioniert aber noch lange nicht gut genug, um sie bei menschlichen Embryonen einzusetzen. Mit CRISPR kann man, so die Idealvorstellung, krankhaft veränderte Gene ersetzen und dadurch einem heranwachsenden Kind eine Erbkrankheit ersparen. Doch eine Studie von Junjiu Huang und seinem Team von der Sun Yat-sen Universität im chinesischen Guangzhou hat vor einigen Wochen gezeigt, dass CRISPR noch viele weitere Veränderungen im Erbgut vornimmt, ohne dass die Wissenschaft verstehen würde, warum. Und nur bei 4 von 86 Embryonen hatte das Ersetzen des Gens überhaupt geklappt. (Die chinesischen Forscher hatten Embryonen verwendet, die bei künstlichen Befruchtungen aussortiert worden waren. Womöglich hat das die Fehlerrate zusätzlich erhöht.) Die vier Wissenschaftler auf dem Podium der Nobelpreisträgertagung in Lindau halten es daher für verfrüht und unverantwortlich, jetzt schon klinische Anwendungen von CRISPR in Erwägung zu ziehen.

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Ratten träumen von Orten, an denen sie gerne wären

Bild: ratten.de
Mit Hilfe von Elektroden lauschen Forscher die Träume schlafender Ratten ab. Es zeigt sich: In Gehirn der Tiere geht so einiges vor sich.


Von Jan Dönges|Spektrum.de

Ratten können von einem Ort träumen, obwohl sie ihn noch nie besucht, sondern nur gesehen haben. Das zeigt jetzt eine Studie von Hirnforschern um Hugo Spiers vom University College London, die das Gehirn der schlafenden Tiere mit Elektroden angezapft haben. Offenbar verfügen die Tiere also über ein gewisses Maß an Vorstellungsvermögen.

Die Träume einer Ratte zu erforschen, ist möglich dank der Aktivität so genannter Ortszellen in ihrem Hippocampus. Jede dieser Zellen spezialisiert sich auf einen bestimmten Punkt in der Umgebung des Tiers und wird immer dann aktiv, wenn die Ratte an diesen Ort gelangt. Schläft das Tier, beginnen die Ortszellen erneut zu feuern, wobei die Reihenfolge, in der sie aktiv werden, nahelegt, dass die Ratte gedanklich durch ihren Käfig läuft.

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Hunderte Buddhisten protestieren in England gegen den Dalai Lama

Konflikt mit Shugden-Gemeinde sorgt seit Jahren für Streit


DIE WELT

Statue von Dorje Shugden, Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/JoeMabel

Mehrere hundert Buddhisten haben am Montag im südenglischen Aldershot gegen den Dalai Lama protestiert. Die Anhänger der Shugden-Gemeinde warfen dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter religiöse Verfolgung vor. “Dalai Lama, hör auf zu lügen!”, riefen sie, als der Tibeter eintraf, um das erste buddhistische Gemeindezentrum in Großbritannien einzuweihen. Die Anhänger des Dalai Lama hielten eine Gegendemonstration ab.

Zweite Bedrohung für den Nordatlantikstrom

Der entscheidende Motor für die Meeresströmungen im Atlantik liegt im Nordatlantik © Brisbane/CC-by-sa 3.0
Gefahr für die Pumpe: Forscher haben eine zweite Bedrohung für die “Fernheizung Europas” ausgemacht. Der Nordatlantikstrom wird demnach nicht nur durch einströmendes Schmelzwasser geschwächt, auch das schwindende Meereis bremst ihn aus. Denn am Eisrand gibt das von Süden kommende warme Meerwasser besonders viel Wärme ab und kann absinken. Fehlt das Eis, verlangsamt sich diese Wärmeabgabe und damit auch die nordatlantische Umwälzströmung, so die Forscher im Fachmagazin “Nature Climate Change”.


scinexx

Im Nordatlantik, kurz vor Grönland, liegt gewaltige Umwälzpumpe: Hier stürzt warmes Oberflächenwasser mehr als 2.000 Meter in die Tiefe und fließt dann als kalte Tiefenströmung nach Süden. Der Sog dieser Pumpe wiederum zieht warmen Wassernachschub aus tropischen Breiten in den Norden. Angetrieben wird diese sogenannte atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC)
von Unterschieden im Salzgehalt und in der Temperatur des Meerwassers – das aber macht sie sensibel für den Klimawandel.

Erst März 2015 stellten Forscher fest, dass der Nordatlantikstrom, der warmes Wasser auch nach Europa bringt, sich bereits abgeschwächt hat. Ein Grund dafür ist der Einstrom von Schmelzwasser in der Arktis. Weil es sich dabei um Süßwasser handelt, senkt dies den Salzgehalt des Meerwassers und verhindert, dass das warme Oberflächenwasser im Nordatlantik in die Tiefe absinken kann.

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Pubertät: Hyperaktiver Totalumbau im Gehirn

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Neurologe Uhlhaas: “Man kann nicht davon ausgehen, dass sich ein Jugendlicher in allen Kontexten adäquat verhält”


Von Walter Müller|derStandard.at

“Jetzt räum endlich deine Sachen weg, es müffelt ja schon in deinem Zimmer. Und außerdem: Solange du nicht Mathe lernst, kannst du dir die Party am Wochenende abschminken.” Die Appelle der Eltern sind deutlich – verfehlen aber das Ziel. Sie gehen beim einen Ohr hinein und, ohne irgendwo dazwischen in der grauen Masse hängenzubleiben, beim anderen wieder hinaus. Nach einigen Minuten der Stille meldet sich der sechszehnjährige Sprössling: “Was habt ihr gesagt?” Er war nicht da, irgendwo, aber nicht im Hier und Jetzt der Eltern.

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Heute Abend: Himmlisches Rendezvous

Venus und Jupiter stehen heute Abend nur ein Drittel Grad auseinander – wie ein heller Doppelstern. © Sky and Telescop
Heute Abend lohnt ein Blick an den Himmel: Über dem Westhorizont stehen Venus und Jupiter so eng zusammen, dass sie fast zu verschmelzen scheinen. Die beiden hellsten Himmelsobjekte nach Sonne und Mond sind bei diesem Rendezvous nicht zu übersehen. Auch in den nächsten Tagen werden die beiden Planeten noch eng beisammen am Abendhimmel leuchten, sie entfernern sich dabei aber allmählich wieder voneinander.

scinexx

Der Gasriese Jupiter und unser nächster Nachbarplanet, die Venus, sind schon unter normalen Umständen die hellsten Lichter am Nachthimmel – nach dem Mond. Schon seit einigen Wochen bewegen sich diese beiden hellen Planeten am Himmel langsam aufeinander zu. Blickt man abends nach Westen, stehen sie dort kurz nach Sonnenuntergang nebeneinander über dem Horizont.

Helles Doppellicht am Westhorizont

Heute Abend nun kommt es zur engsten Begegnung der beiden Planeten: Venus und Jupiter sind dann nur noch ein Drittel Grad voneinander getrennt. Sie erscheinen als hellleuchtender Doppelstern über dem Westhorizont. “Jeder, der eine Weile lang nicht in den Abendhimmel geschaut hat, wird überrascht sein, wie dramatisch diese Paarung ist”, sagt Kelly Beatty vom Magazin Sky and Telescope.

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Schmerz ist eine Frage des Geschlechts

In den vergangenen Jahren sind Forscher den Ursachen von chronischen Schmerzen immer näher gekommen. Nun zeigt sich: Die Wurzel des Übels könnte bei Männern und Frauen verschieden sein.


Von Daniela Zeibig|Spektrum.de

Bild: das-schmerzhandbuch.blogspot.de

Schmerz ist ein wichtiges Warnsignal unseres Körpers. Wird er jedoch über eine Verletzung oder Krankheit hinaus zum Dauerzustand, entwickelt er sich schnell zu einer Qual für die Betroffenen. Manche Menschen reagieren dann mit der Zeit so sensibel auf Reize aus ihrer Umwelt, dass ihnen plötzlich auch Berührungen, die eigentlich völlig harmlos sind, große Pein bereiten. Forscher sind bereits seit Jahrzehnten auf der Suche nach Medikamenten und Therapien, mit denen sich solche chronischen Leiden wirkungsvoll in den Griff bekommen lassen.

Eine Studie, die Wissenschaftler um Jeffrey Mogil von der McGill University in Montreal, Kanada, im Fachmagazin “Nature Neuroscience” veröffentlichten, deutet nun allerdings darauf hin, dass das grundlegende Verständnis, das Forscher seit rund 15 Jahren von der Entstehung chronischer Schmerzen haben, falsch sein könnte. Bei Mäusen entdeckten sie erstmals, dass sich ein Teil der bisherigen Erkenntnisse offenbar nur auf männliche Tiere anwenden lässt. Weibliche Nager verarbeiten Schmerzen nämlich anders.

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How Do You Teach a Robot Feelings? Make It Sing Opera

Gif from video: Komische Oper Berlin/YouTube
Last week, a humanoid robot called Myon took a lead role in “My Square Lady”, a new opera that opened in Berlin’s Komische Oper in Germany. But while Myon can sing and wave its arms around, will robot performers ever live up to their human counterparts?


By Emiko Jozuka|MOTHERBOARD

Myon was built in the context of the European Union’s Artificial Language Evolution on Autonomous Robot’s (ALEAR) project to explore cognitive robotics and artificial language evolution. It is a creation from Professor Manfred Hild’s Neurorobotics Research Laboratory at the Humboldt University in Berlin, Germany.

For My Square Lady, the researchers and cast worked together for two years to teach Myon an assortment of behaviours, and have it sing and perform with the singers and an orchestra.

Myon isn’t controlled from backstage by a hidden robo-operator; it’s programmed to respond to the opera crew and act on its own. For example, it can shuffle around slowly, focus on visual cues (in this case the colour red) and sounds, and sing with an orchestra.

“The opera is about showing the robot what it means to be a human being with emotions,” Bernhard Hansky, a singer from the opera, told me. “Every piece that we sing for him in the show is about a different emotion.” Hansky sings about death and destruction in the opera.

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Schwerewellen verursachen Kobold-Blitze

Falschfarben-Aufnahme von Sprites über einem Gewitter in Kansas aus dem Jahr 2000 © Walter Lyons, FMA Research, Fort Collins, Colorado
Rätselhafte Himmelslichter: Blitzeinschläge am Boden können auch oberhalb von Gewitterwolken spektakuläre Entladungen fast bis in 100 Kilometer Höhe auslösen. Einen wichtigen Faktor bei der Entstehung dieser “Sprites” haben Wissenschaftler nun ausgemacht: Schwerewellen in der oberen Atmosphäre verstärken demnach Störungen in elektrischen Feldern und lassen so die Blitze auch weit nach oben ausschlagen, schreiben die Forscher im Journal “Nature Communications”.


scinexx

Die Blitze bei einem starke Gewitter bieten schon vom Boden aus gesehen einen spektakulären Anblick. Trotz intensiver Gewitterforschung werfen sie jedoch noch viele Fragen auf – und noch viel rätselhafter ist, was oberhalb einer Gewitterwolke geschieht: Bei starken Blitzeinschlägen flackern dort ebenfalls elektrische Entladungen bis in Höhen von 80 Kilometern in der Mesosphäre, oberhalb der Stratosphäre. Wie sie so flüchtig und rätselhaft sind, erhielten diese Blitze die Bezeichung “Sprites”, englisch für “Kobolde”. Wissenschaftlich belegt sie erst seit 1989. Wie sie entstehen ist aber noch weitgehend unklar.

Feuerwerk in der Mesosphäre

Sprites sind manchmal bei Nacht mit bloßem Auge vom Boden aus erkennbar, die meisten Aufnahmen stammen aber bisher von Flugzeugen, Space Shuttles oder der Internationalen Raumstation. Sie sind meist rötlich gefärbt und erscheinen wie eine Stichflamme, die sich nach oben verzweigt. Viele haben auch strahlenartige Ausläufer nach unten und erinnern geradezu an eine explodierende Feuerwerksrakete – allerdings mit einem Lichterspiel von bis zu 50 Kilometern im Umkreis.

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Tod eines Punks

  • Vor 15 Jahren starb in Eberswalde der Punk Falko Lüdtke – sein Tod wird von den Forschern als eindeutig politisch motiviert bewertet.
  • Es gibt eine große Diskrepanz zwischen offizieller Statistik von Todesopfern rechtsextremer Gewalt und Recherchen von Journalisten und Stiftungen.
  • Als erstes Bundesland hat Brandenburg eine externe Forschungsstelle damit beauftragt, Altfälle zu überprüfen: Die Forscher kommen in neun Fällen zu dem Ergebnis, dass die Taten politisch motiviert waren.


Von Antonie Rietzschel|Süddeutsche.de

Mike B. trug ein Hakenkreuz am Hinterkopf. Der Punk Falko Lüdtke sprach ihn darauf an – das war sein Todesurteil. (Foto: Illustration: Yinfinity)

Der Taxifahrer kann nicht mehr bremsen. Der Körper von Falko Lüdtke knallt gegen die Motorhaube des Autos, zerschlägt die Windschutzscheibe, wird hochgeschleudert und bleibt leblos auf der Straße liegen. Zwei Stunden später stirbt Falko Lüdtke im Krankenhaus an einem Lungenriss. Was am 30. Mai 2000 an der Bushaltestelle Spechthausenerstraße in der brandenburgischen Stadt Eberswalde geschah, war jedoch kein einfacher Verkehrsunfall.

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Dozentin darf Studenten nicht zum Gendern zwingen

Der Verkehrswesenstudent Sebastian Zidek hat durchgesetzt, dass er seine Prüfungs- und Seminararbeiten an der Technischen Universität Berlin nicht mit Binnen-Is, Sternchen oder Unterstrichen in Personenbezeichnungen versehen muss.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

TU Berlin. Foto: Pressestelle / Ulrich Dahl

Stein des Anstoßes waren die Richtlinien des Seminars “Einführung in das Verkehrswesen”, in denen es hieß, eine “gendersensible Sprache” werde “in einer wissenschaftlichen Arbeit erwartet”. Begründet wurde die Forderung am Ende des Absatzes lediglich mit dem Verweis “BMFSFJ 2012″. Zideks wissenschaftliche Neugier ließ ihn diese Behauptung nicht einfach schlucken. Stattdessen schrieb er auf den Rat des Portals ScienceFiles hin die Dozentin an und verlangte weitere Erläuterungen dazu .

Die Dozentin schrieb ihm zurück, das Gendern sei “eine Vorgabe seitens der TU Berlin”, deren Nichtberücksichtigung einen Punktabzug zur Folge habe. Außerdem habe es sich “inzwischen als gesellschaftlicher Konsens auch in wissenschaftlichen Ausarbeitungen niedergeschlagen”. Und wenn er sich entschließe, eine Prüfung oder Seminararbeit stattdessen nur auf Wissenschaftlichkeit und Lesbarkeit hin auszurichten und dafür eine schlechtere Note bekomme, dann werde ihm “alles diskutieren” nichts helfen.

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The Underfunded, Disorganized Plan to Save Earth from the Next Giant Asteroid

Man looking out over the Barringer Crater just east of Flagstaff in Northern Arizona, which was created by a meteorite measuring only 50 meters in diameter. Image: Daniel Oberhaus
It is a cold January afternoon on the peak of Mt. Bigelow, an hour’s drive north from Tucson, and the wind burns my face as I watch the colors of the desert sunset bleed into the foothills of the Catalina mountains.


By Daniel Oberhaus|MOTHERBOARD

This is the home of the University of Arizona’s Catalina Sky Survey, a secluded astronomical observatory whose mission it is to discover and monitor Near Earth Objects (NEOs), comets and asteroids which pass within roughly 120 million miles of Earth’s orbit and therefore have the greatest potential to obliterate humanity.

I traveled here with Eric Christensen, a University of Arizona scientist and the principal investigator for the survey, who is letting me tag along to observe for an evening. Eric is 37, easy-going, and soft-spoken, with dark eyebrows accentuated by his shaved head. We unload groceries from his truck and haul them into the cramped combined kitchen-bedroom where he will be based for the next three nights while scanning the skies for NEOs—weather permitting, of course.

After he stores his groceries, Eric and I watch the sunset and the mass of thunderclouds amassing on the horizon. “It’s not looking good,” he says.

Arizona gets around 300 days of clear skies a year and as luck would have it I happened to pick one of the few stormy nights to participate in an activity that demands perfect visibility.

“The effects of an impact, even a comet or asteroid of a modest size, would be devastating.”

Eric’s phone rings; it’s his four-year-old daughter calling to say goodnight. He disappears into the observatory for a few minutes and then comes back outside. He takes another look at the sky as night descends, beckoning me indoors in the hope that we might be able to run some observations before our view is totally obscured by thunderheads.

For an outpost tasked with preventing mass extinction, the pace is certainly relaxed here at Catalina.

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Judenhasser auf dem Bischofssitz

Terrortruppe: Mit fast 250.000 Mitgliedern war die Eiserne Garde die drittgrößte faschistische Bewegung in Europa, neben der deutschen NSDAP und der Nationalen Faschistischen Partei in Italien. Hier sind Angehörige der gewaltbereiten Organisation 1936 in Bukarest mit Hakenkreuzsymbolen zu sehen. ©AP
Terrortruppe: Mit fast 250.000 Mitgliedern war die Eiserne Garde die drittgrößte faschistische Bewegung in Europa, neben der deutschen NSDAP und der Nationalen Faschistischen Partei in Italien. Hier sind Angehörige der gewaltbereiten Organisation 1936 in Bukarest mit Hakenkreuzsymbolen zu sehen. ©AP
Im faschistischen Rumänien hetzte Viorel Trifa gegen Juden. In den USA machte er später eine steile Karriere in der Kirche – protegiert von J. Edgar Hoover. Bis seine dunkle Vergangenheit endgültig zum Vorschein kam.


Von Gerhard Köpernik|SpON EINESTAGES

“Es lebe Deutschland! Sieg Heil!”, brüllten etwa 10.000 Mitglieder der faschistischen “Eisernen Garde”, als sie am 20. Januar 1941 auf einem Protestmarsch an der deutschen Botschaft in Bukarest vorbeizogen. Ihr Zorn richtete sich gegen den rumänischen Staatsführer Ion Antonescu, der seinen von den Faschisten gestützten Innenminister wegen Unfähigkeit entlassen hatte. Am Tag zuvor war der deutsche Major Döring, Chef der Transportabteilung der deutschen Heeresmission in Bukarest, nahe seinem Dienstort erschossen worden.

Die “Eiserne Garde”, auch Legion genannt, bildete seit September 1940 mit Antonescu die Regierung, war aber bereits seit Wochen mit ihm zerstritten. Bei den Kundgebungen tat sich vor allem der Führer des Studentenverbandes der Legion, der Theologiestudent Viorel Trifa, hervor. Die Demonstranten verteilten von Trifa unterschriebene Flugblätter. “Wir verlangen, dass das freimaurerische und verjudete Personal in der Regierung durch anderes ersetzt wird”, war darauf zu lesen. “Wir verlangen eine legionäre Regierung.”

Am 21. Januar begannen Schießereien zwischen Gardisten, die öffentliche Gebäude besetzt hielten, und Armeeangehörigen. Es kam zu Plünderungen jüdischer Geschäfte, etwa 120 Juden wurden bestialisch ermordet. Zwei Tage später ergaben sich die aufständischen Legionäre.

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1965: “Satisfaction“, eine renitente Hymne rast um die Welt

Rolling Stones / Bild: (c) imago stock&people (imago stock&people)
Vergesst die 68er, die Sixties-Revolte begann im Sommer 1965. Vor 50 Jahren hörte die Welt zum ersten Mal „Satisfaction“. Der Song explodierte wie eine Granate, es war das wildeste und beste Jahr der Rolling Stones.


Von Günther Haller|Die Presse

„Es war der Sommer von ‚Satisfaction‘ – man hörte die Stones aus jeder Tür, jedem Fenster, jedem Zimmer und jedem Auto, du wusstest, dass es ‚Satisfaction‘ war, bevor die ersten paar Noten gespielt waren.“ So brachte es Andy Warhol auf den Punkt. Man kann es nachlesen in „POPism“, seiner Hymne auf die New Yorker Kultur der sechziger Jahre, als „sogar die steifen europäischen Typen zugeben mussten, dass Pop-Art Teil der Weltkultur geworden war.“ Seine, Warhols, Generation verachtete Schlaf, liebte Aufputschmittel. Die Röcke wurden kürzer, Mary Quant stellte den Minirock vor, neue halluzinogene Drogen kursierten, bei den Hollywoodparties von Zsa Zsa Gabor lernten die Stars LSD kennen. Das Leben: eine einzige Party. Der New Yorker Stromausfall von 1965: eine einzige große Liebesnacht in Zeiten des Blackouts; der Besuch von Papst Paul VI. in New York: eine religiöse Party.

Zugleich gaben die Jungen unmissverständlich ihren Frust und Überdruss, der sie beschäftigte, zu verstehen: Wir werden alles anders machen als die Alten. Es war das Jahrzehnt der berühmten Morde: die Kennedys, Malcolm X, Martin Luther King. Durch die grassierende Beatlemania wurden „die Gefühle von Hoffnung und schierer Unmittelbarkeit wiederhergestellt, die viele für immer tot geglaubt hatten, als Kennedy starb.“ (Charles Kaiser) In den Charts tauchten jetzt Songs auf, die sich mit Atombomben, Grundrechten und rassistischen Übergriffen gegen Schwarze beschäftigten, der Krieg in Vietnam wuchs sich aus. Irgendwann wurde dann der jugendliche Traum von einer besseren Welt zur Revolte, die Marseillaise dazu war „Satisfaction.“

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Just a Tentacled Micro-Robot Clutching a Helpless Ant

Image: Kim et al
Microscale “soft” robots are a key feature of the robotic future, but they require suitably soft ways of manipulating micro-objects. A tiny translucent tentacle might make a lot of sense.


By Michael Byrne|MOTHERBOARD

The technology now exists, at least, courtesy of an Iowa State University-based team of engineers who’ve described their work in the current Scientific Reports. The point, as described in the paper, is to provide an alternative to the angular metal clutches of most of the robots we’re used to, thus enabling the “non-damaging manipulation of soft, fragile micro-objects.” Like ants, but a lot of other stuff that’s likely biomedical in nature.

There are several problems involved in creating robots with micro-tentacles and they often reduce to fabrication technology. The appendages are pneumatically-driven—which enables the requisite softness—but the actuators needed to make that happen are generally too complex and consist of many sub-elements. The solution the ISU researchers found was a material known as polydimethylsiloxane (PDMS), a silicon-based organic polymer with the unusual property of viscoelasticity. In some conditions it behaves as a thick liquid, like honey, and in others it’s more of a rubber-like solid. Jaeyoun Kim, the new paper’s lead author, had previously patented a method making PDMS-based wires.

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Greg Graffin: Darwin und Kriege statt Punkrock

Bad Religion

Mit „Population Wars“ veröffentlicht Bad Religion-Frontmann Greg Graffin am 15. September diesen Jahres sein erstes Buch. In dem untersucht er, wie die Evolutionstheorie von Charles Darwin in den letzten Jahrzehnten als Begründung für Kriege herangezogen und so verhindert wurde, dass sich die Menschheit um dringendere Probleme kümmert. Das Buch, das auf 2500 Exemplare limitiert ist, umfasst außerdem eine Single mit vier Akustik-Songs.


Rockszene.de

Dass der Sänger einer Punkrockband ein Buch über die Evolutionstheorie Darwins ein Buch schreibt, wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas sonderbar. Bei genauerer Betrachtung ist es dies aber ganz und gar nicht, schließlich ist Greg Graffin nicht nur Frontmann von Bad Religion sondern auch promovierter Evolutionsbiologe.

Zusammen mit „Population Wars“ veröffentlicht Graffin eine Single, die vier Akustik-Songs von Bad Religion enthält. Diese vier Songs sind jene, die den 50-Jährigen während des Schreibens seines Buches am meisten inspiriert haben.

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Astronomen finden Planet mit Kometenschweif

Es sieht aus wie ein Komet, ist aber ein Exoplanet – Gliese 436b (Illustration) © Ehrenreich, Bourrier/ Universität Genf, Gracia Berná/ Universität Bern
Ein Schweif wie ein Komet: Astronomen haben erstmals einen Exoplaneten beobachtet, der einen gewaltige Wolke aus Wasserstoffgas hinter sich her zieht. Sie entsteht, weil die harte Strahlung des nahen Sterns Atome aus der Gashülle des Planeten Gliese 436b wegreißt. Diese Entdeckung stützt die Theorie, nach der auch manche Gesteinsplaneten früher eine dichte Gashülle besaßen, berichten die Forscher im Fachmagazin “Nature”.


scinexx

Der Exoplanet Gliese 436b gehört zu den heißen Neptunen: Er ist etwa genauso groß wie sein Namensvetter im Sonnensystem, aber statt eisiger Kälte herrschen auf ihm Temperaturen von rund 800 Kelvin, wie Messungen ergaben. Der Grund dafür ist simpel: Gliese 436b kreist in einer Umlaufbahn, die seinem Stern extrem nahe ist. Er streift während seines nur 2,64 Tage langen Umlaufs sogar die Hülle dieses kühlen Roten Zwergs.

Tausend Tonnen Gas pro Sekunde

Dass das nicht ohne Folgen bleibt, haben nun David Ehrenreich vom Observatorium der Universität Genf und seine Kollegen festgestellt. Als sie mit Hilfe des Hubbble-Weltraumteleskops das UV-Lichtspektrum von Stern und Exoplanet genauer analysierten, fanden sie Überraschendes: Der Planet zieht eine gewaltige Wolke aus Wasserstoffatomen hinter sich her. Wandert Gliese 436b vor seiner Sonne vorbei, bedeckt dieser Schweif 56 Prozent der sichtbaren Sternenoberfläche.

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