Giftige Blüten einer zerfallenden Religion

Eine Religion des Friedens? In ihren Büchern versuchen die Autoren, Beweggründe der Radikalisierung im Namen des Islams zu analysieren. ©AFP
Warum radikalisieren sich junge Muslime? Olivier Roy und Fethi Benslama entwickeln ihre Ansichten über die Ursprünge islamistischen Terrors.

Von Susanne Schröter | Frankfurter Allgemeine

Der Umstand, dass junge Muslime es für die Erfüllung ihres Lebens halten, Menschen, die sie nicht kennen und die ihnen kein Leid angetan haben, mit einem Auto zu überfahren, mit Äxten zu zerhacken oder mit Sprengstoff in Stücke zu reißen, ist erklärungsbedürftig. Insbesondere wenn es sich um Jugendliche handelt, die in Europa geboren und aufgewachsen sind und keine traumatisierenden Kriegserfahrungen besitzen.

Beunruhigend ist, dass die Angriffe auf Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel, auf Passanten in Fußgängerzonen, auf Besucher von Musikveranstaltungen, auf Kunden von Supermärkten und in Finnland auch auf eine einen Kinderwagen schiebende Mutter explizit im Namen des Islamsdurchgeführt wurden. Dass die Täter ihren eigenen Tod nicht nur in Kauf nehmen, sondern geradezu anstreben, verstört zusätzlich. Warum radikalisieren sich junge Muslime in der beschriebenen Form? Was treibt sie um, und was wollen sie? Die Wissenschaft hat bislang drei Erklärungsansätze vorgelegt, die nicht unbedingt kompatibel sind. Der erste behauptet, der Islam habe ein intrinsisches Gewaltproblem und müsse sich grundlegend reformieren, um potentiellen Attentätern die Legitimationsgrundlage zu nehmen. Der zweite unterscheidet zwischen Islam und Islamismus, wobei Letzterer als radikale Sonderform einer im Normalfall friedlichen Religion definiert wird. Der dritte versucht, Gründe jenseits der Religion zu identifizieren, und behauptet, der Islam werde von Extremisten lediglich als wohlfeile Maske missbraucht, hinter der sich ganz andere Motive verbergen.

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Als die Bibel auf der Liste der verbotenen Bücher stand

Bild: mdr.de

Die Auseinandersetzung zwischen reformierter und katholischer Kirche ist auch ein Streit um den Bibeltext.

Von Thomas Prügl | Neue Zürcher Zeitung

Keines von Luthers Werken war so einflussreich wie die Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche, die er ab 1522 in mehreren Tranchen vorlegte. Die Lutherbibel wurde nicht nur konfessionsbildend, sie veränderte die gesamte religiöse Landschaft Europas und die Theologie. Luther profitierte bei seinen Übersetzungen von den Errungenschaften der humanistischen Philologie, besonders von den Bibelstudien von Erasmus von Rotterdam und Lorenzo Valla. Aber er verfolgte mit seiner Übersetzung kein humanistisches Bildungsziel, sondern einen theologischen Zweck: Der «einfache Mann» sollte darin das Evangelium vom gnädigen Gott selbst auffinden können.

Der Erfolg der Bibelübersetzung war überwältigend. Zwar gab es bereits vor Luther verschiedene Übersetzungen der Schrift ins Deutsche, doch das waren meist Wort-für-Wort-Übersetzungen, wodurch es schwierig war, den Sinn der Texte zu erfassen. Luthers Übersetzung war die erste, die den Bibeltext in die tatsächliche Sprach- und Vorstellungswelt seiner Leser brachte. Damit wurde sie sprachprägend. Die Verteidiger des alten Glaubens versuchten, dem Einfluss der Lutherbibel mit eigenen Bibelausgaben beizukommen und Luthers theologisch-exegetische Schwerpunkte zu entschärfen. Da sie sich aber sonst weithin an die Übersetzungen Luthers anlehnten, trugen diese sogenannten Korrekturbibeln ebenfalls zum Erfolg und zur weiteren Verbreitung des Luther-Textes bei.

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Schwarzfahrer überrollen Berliner Justiz

So soll es sein: Eine Kontrolleurin der S-Bahn zeigt ihren Dienstausweis und bekommt dafür den gültigen Fahrausweis gezeigt.FOTO: PAUL ZINKEN/DPA
Immer mehr Strafanzeigen wegen Beförderungserschleichung werfen die Frage auf, ob das Delikt noch Straftatbestand sein kann – oder besser Zugänge als Tickets kontrolliert würden.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Die Berliner Justiz hat in diesem Jahr mit so viel Schwarzfahrern zu tun wie noch nie. Bis Ende September dieses Jahres hat die S-Bahn mit rund 35.000 bereits so viele Strafanzeigen erstattet wie im gesamten Vorjahr. Die BVG meldete im selben Zeitraum mehr als 8.000 Schwarzfahrer bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Während die Quote der Passagiere ohne oder mit ungültigem Ticket gegenüber den Vorjahren weiter leicht sinkt, könnte die Zahl der Verfahren bei Gerichten und Ermittlungsbehörden im Jahr 2017 erstmals die Rekordmarke von 50.000 erreichen.

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) spricht sich vor diesem Hintergrund dafür aus, Schwarzfahren als Delikt aus dem Strafgesetzbuch zu streichen: „Um diese Form der Kriminalität zu bewältigen, werden erhebliche Ressourcen gebunden, angefangen bei der Polizei bis hin zu den Gefängnissen“, sagte Behrendt dem Tagesspiegel am Sonntag.

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Houellebecq: Der Islam wird widerstehen

In seinem berühmten Roman „Unterwerfung“ geht es um die Islamisierung Frankreichs. In einem Interview sprach Michel Houellebecq nun über die Macht der Religion – und über die Wiederkehr des Katholizismus.

katholisch.de

Religion hat für den französischen Schriftsteller Michel Houellebecq („Unterwerfung“) eine „Schlüsselfunktion in der Gesellschaft und für deren Zusammenhalt“. Sie sei ein „Motor der Gemeinschaftsbildung“, sagte der Autor im Interview des „Spiegel“ (Samstag). Auf die Frage, ob die amerikanische beziehungsweise die westliche Kultur auch über den Islam „triumphieren“ könne, sagte Houellebecq, dass der Islam „widerstehen“ werde.

„Es ist meine tiefe persönliche Überzeugung, dass eine Religion, ein wahrer Glaube, sehr viel mächtiger in der Wirkung auf die Köpfe ist als eine Ideologie. Der Kommunismus war eine Art falsche Religion, ein schlechter Ersatz, kein wahrer Glaube, obwohl er sich so inszenierte, mitsamt einer eigenen Liturgie“, sagte der 61-Jährige. Eine Religion sei „sehr viel schwieriger zu zertrümmern“ als ein politisches System.

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Trump will Geheimakten zur Ermordung von John F. Kennedy freigeben

John F. Kennedy (1963), Foto: Cecil W. Stoughton. Bild: wikimedia.org/PD

Noch immer liegen Tausende Akten zu der Ermordung von John F. Kennedy im Jahr 1963 unter Verschluss.

DIE WELT

  • Das soll sich ändern: US-Präsident Donald Trump will sie öffentlich zugänglich machen.
  • Dabei geht es um 3000 Regierungsdokumente und mehr als 30.000 Zeugnisse, die teils geschwärzt wurden.

Es ist eine Entscheidung, die von Historikern wie Verschwörungstheoretikern gleichermaßen mit Spannung erwartet wurde: US-Präsident Donald Trump hat am Samstag via Twitter mitgeteilt, dass er die Geheimakten zum Tod von John F. Kennedy freigeben will.

Dabei geht es um 3000 Regierungsdokumente zum Attentat auf den damaligen US-Präsidenten am 22. November 1963 in Dallas. Außerdem um mehr als 30.000 Zeugnisse, die bislang nur mit Schwärzungen herausgegeben wurden.

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Ramelow: Investition ins Reformationsjubiläum hat sich gelohnt

Bodo Ramelow, Bild: FB

In einer guten Woche geht das Reformationsjubiläum zu Ende. Kirche und Staat haben ein Jahr lang an die Bedeutung der Reformation erinnert – und dabei auch viel Geld investiert. Das sei gut angelegt worden, sagt Thüringens Ministerpräsident Ramelow.

evangelisch.de

Vor dem Finale des 500. Reformationsjubiläums haben Vertreter von evangelischer Kirche und Staat sich zufrieden mit dem Ablauf des Festjahres gezeigt. „Die Thüringer Bilanz jedenfalls ist sehr positiv“, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er verteidigte dabei auch den den Einsatz von Steuermitteln. Die in den vergangenen Jahren innerhalb der Lutherdekade ausgegebenen 65 Millionen Euro seien „kein Staatsgeld für innere Kirchenangelegenheiten gewesen“, sondern Mittel für den Denkmalschutz und Investitionen in die Infrastruktur an den Originalstandorten, sagte er. Auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) blickt auf ein in seinen Augen gelungenes Erinnerungsjahr zurück.

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„Der Islam gehört zu Europa!“

Gefangenen-Lager Wünsdorf, erste Moschee in Deutschland Museum Europäischer Kulturen/Otto Stiehl
Was ist typisch Alte Welt? Wie fühlt sich europäische Gemeinschaft an? Der Historiker Christopher Clark wollte das herausfinden und ist durch die EU gereist

Von Teresa Pfützner | DIE WELT

Brexit, Streit über die Flüchtlingspolitik, Wiedererstarken von Nationalismus – es scheint nicht gut zu stehen um die Einheit Europas. Der australische Historiker Sir Christopher Clark („Die Schlafwandler“) ist für das ZDF mehrere Monate durch die Länder gereist und hat sich auf Spurensuche begeben: Was eint und was teilt uns? Sechs Teile von „Europa-Saga“ sind ab diesem Sonntag zu sehen.

Christopher Clark, geboren 1960 in Sydney, studierte unter anderem 1985 bis 1987 an der FU Berlin. Er lehrt Neuere Europäische Geschichte an der Universität von Cambridge, England.

DIE WELT:

Heinrich Mann hat gesagt: „Das übernationale Gemeinschaftsgefühl der Europäer ist reine Erfindung der Dichter.“ Wie haben Sie das auf Ihrer Reise durch den Kontinent für die „Europa-Saga“ erlebt: Ist das europäische Gemeinschaftsgefühl Dichtung oder Wahrheit?

Christopher Clark:

Wahrheit. Auch, wenn Wahrheiten sich oft aus der Dichtung ergeben, jedes Nationalgefühl und jede Identität sind schließlich konstruiert. Ein starkes europäisches Gefühl habe ich besonders bei Menschen zwischen 18 und 25 Jahren erlebt, ob in den Niederlanden, Spanien oder sogar Griechenland – ich dachte, dort wären die Menschen von der EU traumatisiert! Auch in Kiew habe ich ein positives Europabild erlebt. Für sie ist Europa aber eher ein Traumbild, ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

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Vogelgrippe entwickelt Pandemie-Potenzial

Das Influenza-Virus H7N9 entwickelt sich ständig weiter. © CDC/ Cynthia Goldsmith/ Thomas Rowe
Gefährliches Virus: Die Vogelgrippe H7N9 entwickelt sich immer mehr zu einem Erreger mit Pandemie-Potenzial. Analysen neuer Virus-Varianten zeigen: Der erstmals 2013 in China aufgetauchte Influenza-Erreger ist inzwischen von Säugetier zu Säugetier übertragbar und vermehrt sich erstaunlich effektiv auch in menschlichen Zellen. Manche Viren haben zudem bereits Resistenzen gegen gängige Grippemittel entwickelt.

scinexx

Experten unterscheiden heute mindestens fünfzehn verschiedene Varianten der Vogelgrippe. Eine davon ist das Virus H7N9. An dem erstmals im Frühjahr 2013 in China aufgetauchten Erreger sind bis heute rund 1.600 Menschen erkrankt und knapp 40 Prozent davon verstorben. Angesteckt hatten sie sich über den direkten Kontakt mit Geflügel. Unter den Tieren breitet sich H7N9 aus, ohne dass diese sichtbar krank werden.

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Selbst ist die Schöpfung

„Desmonema annasethe“. Die Tentakel hatten Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert. Ernst Haeckel. Scan: Ragesoss. Cleanup: Ilmari Karonen. – Kunstformen der Natur (1904), plate 8: Discomedusae. PD

Ernst Haeckel machte Biologie zur Zeichenkunst: Jetzt leuchten seine Discoquallen so prächtig wie nie

Von Michael Pilz | DIE WELT

Ernst Haeckel hatte recht. In seiner Serie „Kunstformen der Natur“, die zwischen 1899 und 1904 erschienen, schrieb er zu seinen Bildern: „Die Natur erzeugt in ihrem Schoße eine unerschöpfliche Fülle von wunderbaren Gestalten, durch deren Schönheit und Mannigfaltigkeit alle vom Menschen geschaffenen Kunstformen weitaus übertroffen werden.“ Haeckel warb im Morgengrauen der Moderne für den Teil der Schöpfung, den die Aufklärung vom Menschlichen getrennt hatte. Wenn er die Staatsquallen wie Rokoko-Koketten zeichnete, die Kalkschwämme wie Kathedralen und die Strahlentierchen wie Skulpturen von vollkommener Symmetrie, verschwanden alle Dualismen. Aus Natur wurde Kultur. Geist und Materie wurden eins.

Alles war eins bei Haeckel, auch Leben und Werk: An seinem 30. Geburtstag im Jahr 1864, als ihm die bedeutsame Cothenius-Medaille für seine wissenschaftlichen Verdienste angeheftet wurde, starb seine Frau Anna Sethe. Es war wohl der Blinddarm, jenes rätselhafte evolutionäre Erbe. Haeckel, der die Lehren Darwins volkstümlich ins Deutsche übersetzt und auf den Menschen ausgeweitet hatte, fuhr in seiner Trauer nach Italien. In einem Gezeitentümpel stieß er auf eine noch unentdeckte Scheibenqualle. Er nannte sie Desmonema annasethe, zeichnete ihre Tentakel wie das goldene Haar seiner verstorbenen Frau und kleidete sie in türkisfarbene Rüschen.

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«Antilopen-Parfüm» hält Tsetse-Fliegen von Rindern fern

Ein Farmer in Kenia verwendet beim Pflüge neuartige Halsbänder mit dem Abwehrstoff des Wasserbocks. Foto: Dr. R. K. Saini © dpa-infocom GmbH
Ein «Antilopen-Parfüm» kann die gefährliche Tsetse-Fliege in Afrika von Rindern fernhalten. Das schreiben Wissenschaftler des Zentrums für Entwicklungsforschung der Uni Bonn im Fachblatt «PLOS Neglected Tropical Diseases».

stern.de

Ein «Antilopen-Parfüm» kann die gefährliche Tsetse-Fliege in Afrika von Rindern fernhalten. Das schreiben Wissenschaftler des Zentrums für Entwicklungsforschung der Uni Bonn im Fachblatt «PLOS Neglected Tropical Diseases».

Zusammen mit Kollegen aus Kenia und Großbritannien haben sie einen Duftstoff des Wasserbocks imitiert, den die Fliegen nicht mögen, wie die Uni Bonn am Freitag mitteilte.

Wenn Medikamente töten statt heilen

In Afrika werden Medikamente meist von Strassenhändlern ohne pharmazeutische Ausbildung verkauft. (Bild: Xaume Olleros / Bloomberg)
Etwa ein Drittel der in Afrika verkauften Arzneimittel ist wirkungslos oder sogar giftig. Meist kommen die Fälschungen aus China oder Indien. Der Handel ist hochlukrativ und schwierig einzudämmen.

Von David Signer | Neue Zürcher Zeitung

30 bis 40% der Medikamente im subsaharischen Afrika gelten als gefälscht. Das heisst, dass beispielsweise jede dritte Tablette entweder wirkungslos oder sogar gefährlich ist. Nirgendwo sonst ist das Problem so gravierend. In Asien und Russland geht man von einem Anteil von 10 bis 20% gefälschter Medikamente aus, in Nordamerika und Europavon 1%. Das sind grobe Schätzungen, die auf den Funden von Zoll und Polizei beruhen.

Lukrativer als Drogenhandel

In Afrika werden die Medikamente meist von ambulanten Händlern auf der Strasse verkauft. Selbstverständlich verfügen diese über keine pharmazeutische Ausbildung. Selbst wenn das Arzneimittel also echt ist, kann die Einnahme riskant sein. Wenn der Kunde beispielsweise über Kopfweh klagt, gibt ihm der Verkäufer im besten Fall ein Aspirin aus seinem Bauchladen, im schlimmeren Fall ein Malariamittel oder ein Antibiotikum, mit einer willkürlichen Dosierung. Gerade das «wilde» Verschreiben von Antibiotika ist im Hinblick auf Resistenzbildung besonders gefährlich, nicht nur für den einzelnen Patienten, sondern auch für die Allgemeinheit.

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Ablassbrief mit dem Namen Martin Luthers entdeckt

Zum Reformationsjubiläum: Schautafel mit dem Bildnis Martin Luthers und seiner Frau Katharina von Bora auf dem Gendarmenmarkt in Berlin.. ©DPA
Der Ablasshandel war Martin Luther ein Graus. In seinen 95 Thesen übte er massive Kritik an der Praxis der Kirche. Doch jetzt hat eine Forscherin einen Ablassbrief gefunden. Er lautet auf den Namen des Reformators.

Frankfurter Allgemeine

In der spanischen Nationalbibliothek ist ein Ablassbrief mit dem Namen Martin Luthersaufgetaucht. Die Direktorin des Weserrenaissance-Museums in Lemgo, Vera Lüpkes, entdeckte das Schriftstück in Madrid bei Recherchen für eine Ausstellung, wie sie dem Kölner „Domradio“ sagte. Luther, der später den Ablasshandel der Kirche erbittert bekämpfte, hatte den Brief als Mönch im Erfurter Augustinerkloster gekauft. Dort hatte der berühmte Ablassprediger Johann Tetzel (1465 bis 1519) 1508 gepredigt. Seine Ansprachen stellten später den Anlass für Luthers 95 Thesen („Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum“) dar, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober 1517 veröffentlichte.

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„Vogel- und Insektensterben“: Die industrielle Landwirtschaft als Quelle des Übels?

Foto: Christian Fischer / CC BY-SA 3.0
Zwei Studien bekräftigen dringende Argumente für eine „Agrarwende“

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Zwei Studien bestärken die Befürworter einer „Agrarwende“ mit Material zu den Stichworten „Vogelsterben“ und „Insektensterben“, die sich, wie sich vor allem bei letzterem schon im Sommer gezeigt hat, gut für Dramatisierung und Polemik eignen.

Sie eignen sich aber auch für ernstzunehmende politische Argumente. Die Frage wird sein, ob es die Grünen etwa in den Koalitionsverhandlungen schaffen, gute Konzepte in Richtung einer maßvolleren, ökologischeren Landwirtschaft aufzustellen.

Es gab eine Reihe von Beobachtungen, die aufgrund von weniger toten Insekten auf der Windschutzscheibe oder im Rotorblattgetriebe von Modellflugzeugen auf ein allgemeineres, größeres Schwund-Phänomen schlossen, und dies zum Beispiel im Sommer eine Debatte hineinbrachten, die um das Bienen- oder Schmetterlingssterben kreiste und auf Zusammenhänge mit der Landwirtschaft zielte.

„Bis zu 80 Prozent weniger Insekten“ wurde zu einem Wahlkampfthema der Grünen, wie dies Peter Mühlbauer an dieser Stelle im Juli beschrieb. Es war viel Polemik im Spiel und den Kritikern der Grünen fiel es leicht, auf die Unwissenschaftlichkeit oder methodischen Fehler hinter der Behauptung aufmerksam zu machen.

Die Grundlage für die Behauptung sei keineswegs eine neue deutschlandweite Studie“, wie von einem Kommunikationsexperten argumentiert wurde, sondern Beobachtungen eines „Vereins von Hobbyforschern in Krefeld“ an ganzen zwei Standorten im Krefelder Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch.

Die Polemik ist unübersehbar, der Schluss einfach: Da der „Hobby-Entomologie“ auf die Frage, ob sich die „beiden Messpunkte problemlos auf ganz Deutschland hochrechnen“ ließen, mit „natürlich nicht“ antwortete, war die Sache als aufgeblähtes Wahlkampfgerede ab getan. Die beeindruckende Zahl ist nicht belegt, schloss der Kommunikationsexperte Hasso Manfeld und riet in seinem Meedia-Beitrag dazu, besser zu recherchieren. Seine Referenz war ein Artikel der FAS über die Untersuchungen der Insektenforscher.

Inzwischen sieht die Wochentagsausgabe der Frankfurter Zeitung die Sache erheblich anders: „Das Insektensterben in Deutschland ist ganz offensichtlich nicht die Erfindung einzelner Insektenliebhaber oder Entomologen Vereine“, steht am Anfang eines Artikels, der die Studie unter Leitung von Caspar A. Hallmann von der Radboud-Universität zum Thema hat.

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Israel: Bundesregierung genehmigt U-Boot-Verkauf

INS Dolphin der Israelischen Marine, U-Boot der Dolphin-Klasse. Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0 – shlomiliss
Die deutsche Regierung hat nach Informationen des SPIEGEL dem umstrittenen Verkauf von drei U-Booten an Israel zugestimmt – allerdings unter strengen Auflagen: Erst wenn alle Korruptionsermittlungen eingestellt sind, wird geliefert.

SpON

Am Donnerstag einigten sich Kanzleramt, Auswärtiges Amt und das Verteidigungsministerium darauf, ein sogenanntes Memorandum of Understanding (MoU) mit der israelischen Regierung zu unterzeichnen, das sich ungewöhnlich scharf gegen Korruption richtet. Grund sind Bestechungsvorwürfe gegen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sowie Berater und Vertraute des israelischen Regierungschefs.

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Saurierschädel unter Neutronenbeschuss

Mithilfe von Neutronenstrahlen können Wissenschaftler in Garching verschiedene Objekte durchleuchten, etwa den Schädel eines Cistecephalus. (Foto: Michael Laaß/OH)
Den Forschungsreaktor in Garching nutzen Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Fachrichtungen. Beim Tag der offenen Tür der TU an diesem Samstag kann man die Anlage besichtigen.

Von Gudrun Passarge | Süddeutsche.de

Wie gut hörten Therapsiden, die vor 230 Millionen Jahren lebten, und welche Materialmischung bewirkt, dass Batteriezellen eine längere Lebensdauer haben? Es sind Fragen wie diese, die Wissenschaftler im GarchingerForschungsreaktor (FRM II) mithilfe von Neutronenstrahlen zu beantworten versuchen. Jährlich etwa 1000 Forscher aus aller Welt nutzen den Reaktor für ihre Messungen.

„Neutronen durchdringen jedes Material mühelos“, sagt der wissenschaftliche Leiter des FRM II, Winfried Petry, „sie können damit wirklich Licht ins Dunkel bringen. Völlig zerstörungsfrei.“ Beim Tag der offenen Tür der TU am Samstag, 21. Oktober, bekommen Besucher die Gelegenheit, sich selbst ein Bild von der Technik und der Forschung im Reaktor zu machen.

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The Puerto Rican Island the US Military Destroyed Has Been Forgotten After Hurricane Maria

Image: Dennis M. Rivera PichardoThe Washington Post via Getty Image
„Currently, people in Vieques are struggling to survive. That needs to be a priority.“

By Sarah Emerson | MOTHERBOARD

Vieques, a small and vibrant Puerto Rican island, was once described to me like this: „Puerto Rico is a colony of the United States,“ I was told. „Vieques is a colony of Puerto Rico.“

Technically, Vieques is a municipality, or locally governed unit of Puerto Rico. The scenic island, with its white beaches and aquamarine waters, is situated eight miles off the mainland. Tourists know Vieques for its „biobay,“ a stretch of coastline that glows with microscopic plankton each night. The island’s national wildlife refuge, which is home to 190 bird species, was visited by 70,000 people last year; a testament to its natural beauty.

But Vieques harbors another, toxic history; one that chronicles a struggle for Puerto Ricans‘ civil rights amid environmental exploitation. And now, after Hurricane Maria, the island is once again fighting to be heard.

„The damage they have caused to Vieques is irreparable. We deserve to, at least, work toward the development of our island: building schools, better roads, equipment, and medicine for our hospital, and to have dialysis and maternity services,“ Vicente Rosario, who was born and raised on Vieques, and has family there, told me.

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Pariser Erklärung – Vorwärts in die Vergangenheit

Europas ist von einem falschen Selbstverständnis bedroht. Ein einseitiges Verständnis von Freiheit, Multikulturalismus und Fortschrittsglaube entfernen die europäischen Nationen von ihrem Wesen.

kath.net

Ein Gruppe Gelehrter und Intellektueller aus mehreren europäischen Ländern hat ein Manifest veröffentlicht, in der sie vor einem „falschen Europa“ warnt und die wesentlichen Grundprinzipien des „wahren Europa“ skizziert (siehe Link am Ende des Artikels).

Europa sei gegenwärtig von einem „falschen Verständnis seiner selbst“ bedroht. Dies sei von einem „Aberglauben an einen unaufhaltbaren Fortschritt“ geprägt, der „den wahren Quellen der menschlichen Würde“ gegenüber blind sei. Dazu gehören die christlichen Wurzeln Europas, die von den „Schirmherren des falschen Europa“ ignoriert oder gar abgelehnt würden. Tugenden wie Gerechtigkeit, Mitgefühl, Gnade, Vergebung, Friedfertigkeit und Wohltätigkeit seien christlichen Ursprungs.

Die Unterzeichner bekennen sich zu einem Europa als „Gemeinschaft von Nationen“ mit eigenen Sprachen, Traditionen und Grenzen. Zusätzlich habe sich eine europäische Identität herausgebildet, die besonders durch die Erfahrungen der beiden Weltkriege gestärkt worden sei. Europa sei eine „Einheit in der Vielfalt“. Europäische Weltoffenheit sei untrennbar mit der Anerkennung „der Vaterlandsliebe und der staatsbürgerlichen Treue“ verbunden. Die Unterzeichner lehnen einen „falscher Universalismus, der historische Selbstvergessenheit und Ablehnung des Eigenen verlangt“, ab.

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Möglicher Standort für Basis: Kilometerlange Höhle auf dem Mond gefunden

(Bild: JAXA)
Japanische Forscher haben dank einer inzwischen zerstörten Sonde eine bis zu 50 Kilometer lange Höhle auf dem Mond gefunden. In solch einer Höhle könnten Astronauten eine geschützte Basis errichten.

Von Martin Holland | heise.de

Die japanische Weltraumbehörde JAXA hat eine mutmaßlich bis zu 50 Kilometer lange Höhle auf dem Mond gefunden. Wie die Forscher nun mitteilten, wären solche Höhlen von großem Wert nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für eine mögliche Kolonisierung des Mondes. Unter der Oberfläche des Mondes könnten nicht nur Gesteinsproben gefunden werden, die von äußeren Einflüssen relativ unberührt werden. Astronauten könnten dort eine Basis bauen, die vor Strahlung, Mikrometeoriten und den immensen Temperaturunterschieden geschützt wäre. Die Höhle liegt im Gebiet der sogenannten Marius-Hügel und wurde nun in Daten der Selene-Mission vom Bodenradar an Bord der Sonde Kaguya gefunden.

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Europa: Säbelzahnkatzen noch vor 28.000 Jahren

Dieses Kiefer einer Säbelzahnkatze wurde in der Nordsee gefunden – und ist erst 28.000 Jahre alt. © Natural History Museum Rotterdam
Spannender Fund: Noch vor 28.000 Jahren könnten unsere Vorfahren in Europa Säbelzahnkatzen gejagt haben – oder von ihnen gefressen worden sein. Denn die eiszeitlichen Raubkatzen starben bei uns gut 200.000 Jahre später aus als bisher angenommen. Das bestätigen nun Analysen eines vor der holländischen Nordseeküste gefundenen Fossils. Warum die Säbelzahnkatzen in Europa ausstarben und wann genau, ist damit wieder offen.

scinexx

Mächtige, ungewöhnlich starke Pranken, dolchartige Eckzähne und ein tödlicher Biss: Säbelzahnkatzen gehörten zu den furchterregendsten Raubtieren der Eiszeit. Während jedoch die Gattung Smilodon auf dem nordamerikanischen Kontinent noch bis zum Ende der Eiszeit vor rund 12.000 Jahren überlebte, starben die Homotherium-Säbelzahnkatzen Europas schon hunderttausende Jahre früher aus – so dachte man jedenfalls bisher.

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Weltberühmt und doch vielleicht nur Fake – wie so vieles im Christentum

If I had a hammer: Ferdinand Pauwels ‚Luthers schlägt die Thesen an‘ von 1871/72. © WARTBURG-STIFTUNG EISENACH/FAZ.net
Touristen aus der ganzen Welt drängten sich in diesem Reformationsjubiläumsjahr andächtig vor Wittenbergs berühmtester Tür, unzählige Fotos und Selfies entstanden mit dem weltweit bekannten Eingangsportal im Hintergrund.

Von Markus Geiler | EKD

Dabei ist die Bronzetür an der Wittenberger Schlosskirche mit den aufgeprägten 95 Thesen Martin Luthers gar kein Original. Nach einem Brand der hölzernen Kirchentür stiftete Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. die neue Thesentür zum 375. Geburtstag Luthers am 10. November 1858. Und auch an ihrer legendären Rolle bestehen große Zweifel.

Ausgerechnet ein Katholik verwies den Urknall des Protestantismus ins Reich der Legenden. Der Anschlag der 95 Thesen durch den Augustinermönch Martin Luther am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche habe so nie stattgefunden, schrieb der katholische Kirchenhistoriker und Luther-Biograf Erwin Iserloh 1961 in seiner Abhandlung „Luthers Thesenanschlag, Tatsache oder Legende?“.

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