Gewalt gegen Indigene in Kanada: Angst auf dem „Highway der Tränen“

Highway of Tears in Colorado, Kanada | Bildquelle: picture alliance/AP Images

In Kanada werden indigene Frauen zwölfmal öfter Opfer von Gewalt als andere. Ein 700 Kilometer langer Straßenabschnitt – der „Highway der Tränen“ – hat traurige Berühmtheit erlangt.

Antje Passenheim | tagesschau.de

Gigantische Tafeln mit Bildern indigener Frauen prangen am Rand des Highway 16. Sie ist nicht vergessen, steht auf einem. Hunderte Namen sind es, die nicht vergessen sind: Namen all der Frauen und Mädchen indigener Völker, die in den vergangenen Jahrzehnten in Kanada ermordet wurden. Vergewaltigt, gepeinigt, brutal beseitigt. Frauen, an die die Tafeln seit diesem Sommer wieder erinnern.

Nach Schätzungen sind allein Dutzende hier auf dieser einsamen Straße verschwunden, der die Anwohner einen Namen gegeben haben: „Highway of Tears“ – „Highway der Tränen“.

 „Warum? Weil sie indigen ist“

700 Kilometer lang schlängelt sich die Straße durch Gebirge und dichte Wälder, vorbei an ärmlichen Reservaten der Ureinwohner. Es gibt kaum Busse. Es gibt viele Trucks. Es gibt viele Tramperinnen.

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Gotteserfahrungen als »Beweis«

Ich komme nun zu einem Punkt besonderer Art, und zwar zu den sogenannten Gotteserfahrungen. Ich will im Folgenden erläutern, warum sogenannte Gotteserfahrungen für manche Menschen eine ihr Leben umwälzende Erfahrung bedeuten können, für mich dennoch keinen Beweis für die Existenz Gottes darstellen.

Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Diese Gotteserfahrungen sind mir in Diskussionen mit gläubigen Menschen meist in zwei Formen begegnet. Erstens

Die Schöpfung als sichtbares Zeichen der Existenz Gottes

Viele gläubige Menschen meinen, in der Natur Gott zu erkennen. Zum Beispiel bei einer Bergwanderung oder beim Anblick eines Sonnenuntergangs am Meer. In diesem Zusammenhang wird dann auf die uns oft überwältigende Schönheit der Natur verwiesen und auf die wunderbare Ordnung, die in der Tier- und Pflanzenwelt zu beobachten sei.

Das Alles könne nur einem Schöpfer zu verdanken sein, der das geschaffen habe – so heißt es dann.

Wir wissen, dass die Naturwissenschaften, insbesondere in Form der Evolutionstheorie, dafür andere Erklärungen anbieten. Diese wissenschaftlichen Begründungen halte ich für weitaus überzeugender.

Wie der Artenreichtum im Pflanzen- und Tierreich sich entwickelte, kann die Evolutionstheorie inzwischen detailliert erläutern und belegen. Selbst die Entstehung von Leben überhaupt dürfte in naher Zukunft vollständig geklärt sein. Der Irrtum vieler Gottgläubiger besteht darin, dass sie das aufeinander abgestimmte Leben von Pflanzen und Tieren, diese beeindruckende, durch Regelkreise sich einstellende Ordnung, sich nur begreiflich machen können durch eine zielorientiert und planvoll vorgehende, übernatürliche Kraft, gemeinhin Gott genannt.

Ihr gewohntes und täglich angewandtes Denken in den Kategorien von Ziel und Plan beziehungsweise Absicht und Zweck projizieren Gläubige auch in die Natur hinein. Was existiert, das erscheint ihnen aufgrund seiner Ästhetik und Perfektion als gewollt und geplant, eine andere Erklärung widerspricht ihrer täglichen Erfahrung. Die Natur jedoch, genauer: die Evolution, kennt keine Ziele, sie folgt nur Ursachen und löst Wirkungen aus nach den Gesetzmäßigkeiten dieser materiellen Welt.

Tatsächlich ist das, was unter Zufallseinfluss zum Beispiel durch Mutationen entstand und heute existiert und bewundert wird, nur das ist, was unter den jeweils gegebenen Umständen »funktionierte«, folglich überlebte. Alles andere ist längst wieder untergegangen und allenfalls in Form von Fossilien erhalten. Eines Schöpfers und Lenkers dieses Prozesses bedarf die Natur nicht.

Wird somit die Gültigkeit der Evolutionstheorie aufgrund der erdrückenden Beweislast von den Wissenschaften und – wie schon früher erwähnt – selbst von der katholischen und evangelischen Kirche im Grundsatz nicht mehr bestritten, so wird die Frage ihrer Bedeutung in Bezug auf das Selbstverständnis des Menschen keinesfalls einhellig beantwortet. Für die Kirche bleibt der Mensch das gottgewollte Ziel der Evolution und der Endpunkt dieser Entwicklung, das Ebenbild Gottes, ausgestattet mit einer unsterblichen Seele.

Aber für metaphysische Begriffe wie Ebenbild Gottes oder unsterbliche Seele gibt es aus naturwissenschaftlicher Sicht keinerlei Ansatzpunkte. Und so sind für den Naturwissenschaftler solche Charakterisierungen zwar streng genommen nicht als falsch zu bezeichnende, weil nicht widerlegbare, aber überflüssige, weil zu Erklärung und Verständnis nicht beitragende Behauptungen.

Wenn ich von der Richtigkeit der Evolutionstheorie überzeugt bin, welchen Anlass sollte ich dann haben, einer etwa dreitausend Jahre alten biblischen Legende Glauben zu schenken, dass ich mein Dasein und meine Bedeutung in dieser Welt einem separaten Schöpfungsakt verdanke? Für mich gibt es nicht die geringsten Hinweise, dass der Mensch außerhalb der biologischen Gesetze stünde und er zu seiner Erklärung außernatürlicher, überirdischer Kräfte bedürfte.

Ein an die Mitwirkung Gottes Glaubender müsste nachweisen, dass ohne die Hypothese Gott die Entstehung der Artenvielfalt und des Menschen nicht möglich ist. Die christliche Botschaft vom planvollen Eingreifen Gottes bei der Entstehung der Welt und des Menschen hat für mich nur noch historische und literarische Bedeutung.

Ziel und Plan, Absicht und Zweck sind typisch menschliche Kategorien, nach denen wir die Welt als Ganzes beurteilen möchten. Das Existierende erscheint uns nur deshalb als »gewollt«, weil wir gewohnt sind, Zweckmäßiges und Angepasstes in den Kategorien von Ziel und Plan zu interpretieren. Es ist aber vielmehr so: Das Vorhandene existiert nur, weil es durch Mutation und Auslese an seine Umwelt zweckmäßig angepasst ist. Alles andere ist längst untergegangen.

Eine weitere Form der Gotteserfahrung ist zweitens

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Kanada: Erzapostel verurteilt öffentliche ‚schwarze Messe’

Die atheistische Organisation ‚The Satanic Temple’ hat zur ersten öffentlichen ‚schwarzen Messe’ Kanadas geladen. Jede Verwicklung in okkulte Praktiken kann ein Tor in das Reich des Bösen öffnen, warnt der Erzbischof.

kath.net

Terrence Prendergast, der Erzbischof von Ottawa (Kanada), hat eine für Samstag angesetzte „satanistische schwarze Messe“ als schändlich und abscheulich verurteilt.


Die Organisation „The Satanic Temple“ hat für den 17. August die erste öffentliche schwarze Messe in einer Heavy-Metal Bar in Ottawa angesetzt. Organisator Nicholas Marc hat 50 Eintrittskarten zu je 20 Dollar angeboten.

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Brennender Regenwald in Brasilien: Deutschland und Frankreich stellen Freihandelsabkommen in Frage

Der brennende Regenwald im Amazonas-Gebiet.Foto: Christian Niel Berlinck/dpa

Ohne Garantien für den Regenwald sei das Abkommen mit Brasilien nicht verantwortbar, sagt Umweltministerin Schulze. Macron kündigt an, den Vertrag abzulehnen.

Claudia von Salzen | DER TAGESSPIEGEL

Angesichts massiver Waldbrände im Amazonas-Regenwald stellen Deutschland und Frankreich das gerade ausgehandelte Freihandelsabkommen mit Brasilien und anderen südamerikanischen Staaten in Frage. „Ein Mercosur-Handelsabkommen ohne Schutzgarantien für den Regenwald ist nicht verantwortbar“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dem Tagesspiegel.

Frankreich drohte am Freitag ebenfalls damit, den Vertrag zu blockieren. Präsident Emmanuel Macron sei zu dem Schluss gekommen, dass der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro ihn über seine Absichten beim Umweltschutz „belogen“ habe, sagte ein ranghoher Mitarbeiter Macrons am Freitag. „Unter diesen Bedingungen wird Frankreich das Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Form ablehnen.“

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Homosexuelle und Kirchen: Konversionstherapien sollen verboten werden

Fällt Sexualität vom Himmel? Einem Kongress des evangelischen Fachverbands Weißes Kreuz in Kassel wurde 2014 vorgeworfen, „Homoheilung“ zu propagieren. (imago stock&people / epd)

Die sexuelle Identität eines Menschen ändern, aus Homosexuellen Heterosexuelle machen – das versprechen sogenannte Konversionstherapien. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will sie verbieten. Einige Theologen jubeln, andere warnen.

Michael Hollenbach | Deutschlandfunk

Lange Zeit galt Homosexualität als Krankheit. Erst 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus der Liste anerkannter psychischer Krankheiten. Bis Ende der 70er-Jahre versuchten Psychiater, die sexuelle Identität unter anderem mit einer Aversionstherapie zu ändern:

„Da hat man homosexuellen Menschen Bilder von gleichgeschlechtlicher Sexualität gezeigt und sie dazu angeregt, sich zu erbrechen oder ihnen auch Elektroschocks verpasst. Das macht man heute, soweit wir wissen, nicht mehr“, erläutert Kerstin Lammer.

Die Theologieprofessorin von der Evangelischen Hochschule Freiburg war Mitglied in einer Fachkommission des Gesundheitsministeriums.

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Bürokratische Massenvernichtungswaffen

Grafik: TP

Wirtschaftssanktionen gelten westlichen Politkern als friedliche Alternative zum Krieg. Doch für die Betroffenen sind die Embargos nicht weniger tödlich als Bomben

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Es war im Winter 433/432 v. Chr. als der Tod über die Bewohner Megaras kam. Keine feindlichen Heere standen vor den Toren, keine Belagerungswaffen schleiften die Mauern der griechischen Stadt. Stattdessen reichte eine Verordnung des Athener Staatsmannes Perikles, um die Katastrophe einzuleiten.

Dieser hatte die Händler der abtrünnigen Nachbarstadt von den Märkten seines Reiches verbannt, die Häfen des mächtigen Attischen Seebundes für Kaufleute Megaras geschlossen. Die Folgen waren verheerend: Die Wirtschaft Megaras brach zusammen. Vom „langsamen Verhungern“ der Megarer schriebt der griechische Dramatiker Aristophanes.

Perikles‘ „Dekret von Megara“ gilt heute als erstes Wirtschaftsembargo der europäischen Geschichte. Über die tatsächlichen Ursachen und Folgen gibt es bei Historikern aufgrund knapper Quellenlage zwar auch heute noch keine Einigkeit, doch sicher ist: Über 2.400 Jahre später sind wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen nach attischem Vorbild so populär wie nie.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Politiker unliebsame Herrscher mittels Sanktionen zur Ordnung rufen wollen. Ein beschlagnahmter Tanker am Golf, Gasbohrungen der Türkei nahe Zyperns, Polizeigewalt in Honkong, ein russisches Pipeline-Projekt, ein zu billiger Chinesischer Yuan, amerikanischen Waffenlieferung an Taiwan … Das sind einige der Ereignisse, die allein im vergangenen Monat, Politiker dazu veranlassten, wirtschaftliche Strafmaßnahmen zu fordern oder zu verhängen.

Was früher einer Kriegserklärung gleichkam, gilt heute als friedliches Mittel der Diplomatie

Während Historiker auch noch nach über 2.400 Jahren über die Folgen von Perikles‘ Dekret diskutieren, fällt es bei der Geschwindigkeit heutiger Handelsbeschränkungen schwer, überhaupt den Überblick zu behalten. Über 30 Staaten stehen derzeit allein auf der Sanktionsliste der Europäischen Union.

Ganze 8.000 einzelne Strafmaßnahmen haben die USA derzeit verhängt, 2000 allein in den letzten vier Jahren. Über 150 Mal hat der UN-Sicherheitsrat in den letzten zehn Jahren wirtschaftliche Restriktionen beschlossen. Zum Vergleich: Von 1990 bis 1999 gab es insgesamt nur fünf solcher Beschlüsse.

Und noch etwas hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert: Kam die Blockade von Handelswegen und Häfen in der Geschichte oftmals einer Kriegserklärung gleich, gelten Sanktionen heute als Mittel der Diplomatie. Als zielgerichtete Instrumente gegen Menschenrechtsverbrecher. Als humanitär motivierte Notmaßnahmen, um Bevölkerungen vor ihren eigenen tyrannischen Herrschern zu schützen. Als friedliche Alternative zum Krieg. Doch mit der Realität haben diese Mythen nichts zu tun.

Mehr Opfer als die Bomben von Nagasaki und Hiroshima

Um Beispiele zu finden, wie Sanktionen ein ganzes Land mitsamt seiner Bevölkerung in die humanitäre Katastrophe stürzen können, braucht man nicht 2.400 Jahre zurückblicken. Es reichen 29. Vier Tage, nachdem am 2. August 1990 irakische Truppen in Kuwait einmarschierten, verhängte der Sicherheitsrat der Vereinten Nation eine Wirtschaftsblockade über das Land.

Betroffen vom Embargo waren nicht nur Waffen oder die Ölindustrie des Landes, sondern nahezu die gesamte Grundversorgung: von landwirtschaftlichen Geräten bis zu Impfstoffen, von Nahrungsmitteln bis Milchpulver. Die Folge: Die irakische Wirtschaft verlor über 90 Prozent ihrer Importe und Exporte. Wirtschaft, Bildungs- und Gesundheitssystem brachen zusammen.

Vor allem eine Zahl illustriert das Grauen, welches das internationale Sanktionsregime über die Menschen im Irak brachte: Über 500.000 Kinder verloren infolge der sanktionsbedingten Lebensmittel- und Medikamentenknappheit ihr Leben, berichtete das Kinderhilfswerk UNICEF 1999 in einer Untersuchung zur Kindersterblichkeit im Irak.

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Islamvertreter gegen Verbot religiöser Symbole vor Gericht

Illustration: Religiöse Symbole vor Gericht
© Domnitsky (shutterstock)

Vertreter des Islam in Niedersachsen kritisieren das geplante Gesetz, das unter anderem Richtern das Tragen von religiösen Symbolen bei Verhandlungen verbieten soll. Die katholische Kirche in Niedersachsen begrüßte dagegen den Gesetzentwurf.

DOMRADIO.DE

Es diskriminiere Personen, „die aus religiösen Gründen ein bestimmtes Kleidungsstück wie die Kippa oder das Kopftuch tragen“, sagte der Vorsitzende des Landesverbands der Muslime (Schura), Recep Bilgen, in Hannover. Ihnen werde unterstellt, dass sie in ihrer Amtsausübung nicht neutral agieren könnte. Das aber sei eine nicht belegte Behauptung.

Das geplante Gesetz sei eine Verletzung der Religionsfreiheit und der Freiheit der Berufswahl, so der Schura-Vorsitzende. Ein Verbot bestimmter Kleidungsstücke stelle „ein faktisches Berufsverbot“ in Hinblick auf Bereiche der Justiz dar. Die Landesregierung stoße damit viele Frauen in diesem Berufszweig vor den Kopf, die aus religiöser Überzeugung Kopftuch tragen.

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Hessen: Abtreibungsgegner dürfen vor Praxen nur noch begrenzt demonstrieren

Der Erlass gilt ab sofort: Als erstes Bundesland schränkt Hessen Demonstrationen von Abtreibungsgegnern vor Beratungsstellen, Arztpraxen und Kliniken stark ein. Ein solcher Eingriff in die Versammlungsfreiheit sei nicht nur erlaubt, sondern geboten, heißt es.

katholisch.de

Hessen hat per Erlass des Innenministeriums Mahnwachen und Demonstrationen von Abtreibungsgegnern vor Arztpraxen stark eingeschränkt. Die Regelung gelte ab sofort, sagte Ministeriumssprecher Marcus Gerngroß am Donnerstag in Wiesbaden auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Hessen sei seines Wissens das erste Bundesland, das eine solche Regelung getroffen habe.

Der Erlass des Innenministeriums, der der KNA vorliegt, wurde bereits am 20. August an die Regierungspräsidien verschickt. Zuvor hatte die „Frankfurter Rundschau“ (Donnerstag) berichtet, dass Schwangere in Hessen nicht mehr durch Demonstranten behelligt werden dürfen, wenn sie Beratungsstellen oder Arztpraxen aufsuchen. Demonstrationen oder Mahnwachen seien nur dort zu genehmigen, wo „kein Sicht- oder Rufkontakt mit der Beratungsstelle besteht“, heißt es in dem Papier. Ein solcher Eingriff in das Versammlungsrecht sei „in der Regel zulässig, wenn nicht sogar geboten“, um das Persönlichkeitsrecht der schwangeren Frauen zu schützen. Weiter wird das Recht der Frauen herausgehoben, „vertraulich und auf Wunsch auch anonym“ beraten zu werden.

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„Wir müssen lauter werden“

Armin Navabi, Gründer von „Atheist Republic“, erläuterte dem Düsseldorfer Publikum, wie man den Islam bekämpft, ohne Muslime zu bekämpfen. Bild: Ricarda Hinz

Wenn wir das politische Spiel nicht mitspielen, verlieren wir – das ist die klare Botschaft von Armin Navabi, Gründer von „Atheist Republic“, bei seinem Vortrag in Düsseldorf. Er appellierte an Atheisten, sich füreinander zu engagieren, so wie es religiöse Gemeinschaften sehr erfolgreich tun. Andernfalls werde sich an der kritischen Lage der Ungläubigen in der Welt nichts ändern. Im Zuge dessen sprach der hpd mit ihm.

hpd.de

Armin Navabi ist ein Promi in der internationalen Atheisten-Szene. Er ist der Gründer von „Atheist Republic“, einer Organisation, die Ungläubige weltweit vernetzen und unterstützen will. 2011 ging die Facebook-Seite online, heute haben sie 2,3 Millionen Menschen mit „Gefällt mir“ markiert. Die Online-Community hat 1,7 Millionen Mitglieder, kann man auf der Website nachlesen. Dort gibt es unter anderem eine Sammlung atheistischer Blogs, einen Podcast, dem Besucher der Seite ihre selbst aufgenommenen Ansichten und Botschaften zur Verfügung stellen können und eine Galerie von Menschen, die sich selbst mit Schildern oder T-Shirts des Netzwerks ablichten.

Ein besonders Berühmtes ist das Bild von Rana Ahmad, die einen „Atheist Republic“-Zettel mit der Kaaba im Hintergrund fotografierte. So wurde die Online-Community auf sie aufmerksam und half ihr über eine Fundraising-Kampagne schließlich auch bei ihrer Flucht. Aber nicht nur das: Ranas Geschichte habe ihn inspiriert, nicht nur atheistische Inhalte zu verbreiten, sondern sich auch politisch zu engagieren und „Atheist Republic“ zu einer Hilfsorganisation zu machen, sagte Armin Navabi dem hpd: „Als ich dieses Foto gesehen habe, konnte ich es nicht fassen. Das kann man jemandem, der nicht selbst mal Muslim war, überhaupt nicht beschreiben, was das bedeutet. Das ist der heiligste Ort in der islamischen Welt. Was sie getan hat, war unglaublich mutig.“ Heute gebe es Vertretungen seiner Organisation in jeder größeren Stadt der Welt.

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Eine „Ablösesumme“ für Kirchen in Sachsen-Anhalt? Katholisches Büro redet sich raus, erwartungsgemäß

Bild: tilly

Die katholische Kirche in Sachsen-Anhalt bekommt jährliche Zahlungen von Land. Dies ist der dortigen Links-Fraktion ein Dorn im Auge. Sie möchte die Verpflichtung mit einer Einmalzahlung beenden. Das will das katholische Büro nicht.

DOMRADIO.DE

Nach der evangelischen Kirche hat auch die katholische Kirche zurückhaltend auf den Vorschlag der sachsen-anhaltischen Links-Fraktion reagiert, mit einer Ablösesumme von 700 Millionen Euro die jährlichen Zahlungen des Landes an die Kirchen zu beenden. Er sei beim Thema Staatsleistungen zwar durchaus „unverkrampft und gesprächsbereit“, sagte der Leiter des Katholischen Büros Magdeburg, Stephan Rether, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Katholisches Büro verweist auf den Bund

Gleichzeitig verwies er darauf, dass nicht das Land, sondern der Bund laut Grundgesetz „zur Verabschiedung eines Rahmengesetzes, das die Bedingungen für eine Ablösung vorzeichnet“, angehalten sei. Rether vertritt das Bistum Magdeburg und das Erzbistum Berlin in der Landespolitik.

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Longlist zum Buchpreis: Debütanten, olé!

Stapelware: Der Deutsche Buchpreis hat Romane immer wieder zu Bestsellern gemacht. Bild: dpa

Die Vorauswahl zum Deutschen Buchpreis 2019 steht fest: Ein Blick auf die Verteilung der nominierten Romane – und auf die Hoffnungen des Buchmarkts.

Andreas Platthaus | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ungewöhnlich viele Debütanten – das ist der interessanteste Eindruck der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis, die an diesem Dienstagmorgen bekanntgegeben worden ist. Unter den nunmehr noch zwanzig Kandidaten, die aus den 203 gesichteten Romanen ausgewählt wurden, sind gleich sieben Erstlinge, acht sogar, wenn man berücksichtigt, dass Karen Köhler bislang nur einen Erzählungsband veröffentlicht hat.

Dafür sind unter den anderen zwölf viele Bekannte: Nora Bossong, Marlene Streeruwitz, Norbert Scheuer, Alexander Osang, Saša Stanišić oder Eva Schmidt, um nur die Vertrautesten zu nennen. In den kommenden vier Wochen wird die Jury aus den Nominierungen sechs Titel herausfiltern, die dann die Shortlist bilden, aus der das diesjährige Siegerbuch gewählt wird. Es wird am Abend des 14. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum Auftakt der Buchmessewoche verkündet. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert, für die fünf weiteren Finalisten bleiben noch jeweils 2500 Euro, die Aufnahme in die Longlist bringt nicht mehr ein als Aufmerksamkeit.

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Zehntausende syrische Kriegsflüchtlinge müssen Istanbul verlassen

Proteste türkischer Aktivisten gegen die Ausweisung syrischer Flüchtlinge.Foto: O. Kose/AFP

Für viele Flüchtlinge in Istanbul beginnt der Exodus. Sie sollen umgesiedelt werden – mit teilweise lebensgefährlichen Folgen.

Susanne Güsten | DER TAGESSPIEGEL

Manchmal kommen Rana die Tränen, doch dann reißt sie sich rasch wieder zusammen: Sie muss stark bleiben, damit ihre Kinder leben können. Zum zehnten Mal packt die 40-Jährige die Habseligkeiten ihrer Familie, die auf der Flucht immer weniger geworden sind. Das Haus bei Damaskus, das Auto, ihre Arbeit als Psychologin, die Restaurantkette ihres Mannes in Syrien – das alles ist längst verloren.

Aber sie sind am Leben: sie selbst und ihr Mann, die beiden Söhne von 22 und 23 Jahren und die Töchter, fünf und zehn Jahre alt. Ein paar billige Möbel besitzen sie, die sie in Istanbul von geliehenem Geld gekauft und mit den Hungerlöhnen ihrer Hilfsjobs abgestottert haben. Nun geht es darum, wie sie die nach Bursa bekommen sollen – eine westtürkische Stadt, in die sie auf Befehl des Gouverneursamtes von Istanbul bis zu diesem Dienstag umsiedeln sollen.

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HVD Bayern trennt sich vom Bundesverband

Der Humanistische Verband Deutschland, die Dachorganisation der rechtlich anerkannten Weltanschauungsgemeinschaften von Humanistinnen und Humanisten, wird in diesem Jahr seinen zweitgrößten Mitgliederverband verlieren.

Dr. Hanna Fülling | EZW

Der 1993 gegründeten Dachorganisation gehören gegenwärtig zwölf Landesverbände in 13 Bundesländern an, die ungefähr 25000 Mitglieder vertreten. Die Dachorganisation versucht, die verschiedenen Mitgliederverbände und deren jeweilige Auffassungen über die Strukturen, die Ausrichtung, die Kooperationspartner und die Zielsetzungen zusammenzuhalten. Dass diese Bemühungen jedoch nicht immer von Erfolg gekrönt sind, zeigte sich im April dieses Jahres. Auf der Bundesdelegiertenversammlung verließen die Delegierten des HVD Landesverbands Bayern geschlossen die Versammlung vor deren Ende. Ulrike von Chossy, die Vizepräsidenten des Dachverbandes sowie Mitglied im HVD Bayern ist, berichtet in „humanistisch!“, dem Magazin des HVD Bayern, dass dieser Entscheidung eine Abstimmung auf der Bundesdelegiertenversammlung vorausgegangen war, durch welche die Autonomie der einzelnen Mitgliederorganisationen stärker als bisher eingeschränkt werden sollte. Diese neuen Bestimmungen hätten insbesondere den HVD Bayern betroffen.

Diesem Vorfall waren jedoch weitere Unstimmigkeiten vorausgegangen. Ulrike von Chossy führt aus, dass etwa die Mitgliedschaft des HVD-Dachverbandes im Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) strittig war. Diese habe die Kompromissbildung im HVD zusätzlich erschwert. Kompromisse des Dachverbandes seien im KORSO noch einmal zur Kompromissbildung vorgelegt worden, wodurch das Profil des HVD empfindlich geschwächt worden sei. Strittig war beispielsweise der Humanistische Unterricht an öffentlichen Schulen, für den sich der HVD Bayern einsetzte und der vom KORSO vehement kritisiert wurde. Ulrike von Chossy sieht darin insgesamt eine Schwächung der humanistischen Position.

Der Landesverband Bayern wird seine Konsequenzen daraus ziehen und sich Ende des Jahres vom HVD trennen. Erste Schritte der Ablösung hat der Verband bereits durch eine Namensänderung durchgeführt. Seit Juli 2019 ist er nicht mehr als HVD Bayern, sondern als Humanistische Vereinigung (HV) eingetragen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Bundesverband des HVD in Zukunft entwickeln wird. Dabei wird besonders zu beobachten sein, ob die humanistischen oder die säkular-laizistischen Strömungen mehr Gewicht bekommen werden. Der Austritt des Bayerischen Landesverbandes deutet daraufhin, dass sich zukünftig die säkulare-laizistische Position stärker etablieren wird. Doch es bleibt abzuwarten, ob sich diese Prognose bewahrheiten wird.

Deutschland holt erstmals IS-Waisenkinder aus Syrien zurück

Deutschland holt erstmals Kinder von deutschen IS-Anhängern in die Bundesrepublik zurück. An der Grenze zwischen Syrien und Irak wurden nach Angaben einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag vier Kinder an Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats in Erbil übergeben.

Neue Zürcher Zeitung

Die Kinder hatten nach dem Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien im Flüchtlingslager al-Hol gelebt. Es handele sich um drei Waisen und ein krankes Baby, sagte Abdel Karim Omar, Sprecher der kurdischen Behörden in Syrien, der Deutschen Presse-Agentur.

Nach dpa-Informationen sollten die drei Waisenkinder und das kranke Mädchen in Begleitung ihrer Grosseltern von Erbil nach Deutschland fliegen. Die Mutter des kranken Kindes lebt demnach noch mit weiteren Kindern in al-Hol.

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Die irreale Angst der CDU-Verwalterin vor der Teaparty-Bewegung

Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

Es ist wahrscheinlich, dass Kramp-Karrenbauer mit ihrer Kritik an Maaßen und der Werteunion Verbündete für die Auseinandersetzung mit Friedrich Merz sammeln will

Peter Nowak | TELEPOLIS

Der ehemalige Präsident des Inlandgeheimdienstes Hans Georg Maaßen bewegt sich nach seiner Entlassung ungezwungener in der „Braunzone“ zwischen der Werteunion der CDU und dem rechtspopulistischen Portal Journalistenwatch. Dass die Unionsvorsitzende Kramp-Karrenbauer nun einen Parteiausschluss Maaßen ins Gespräch gebracht hat und es wenige Stunden später aber nicht so gemeint haben will, kommt dann doch überraschend.

Schließlich ist unklar, warum die Drohung mit einem Parteiausschluss, die dann so ernst gemeint gar nicht war, wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen erfolgt. Schließlich will die Union in beiden Ländern ihr rechtes Profil schärfen und den Wählern deutlich machen, dass konservative Politik auch mit der Union zu machen ist. Nun könnte Kramp-Karrenbauer genau dieser Strategie wahrscheinlich eher unbewusst entgegengewirkt haben.

Auf rechten Plattformen wird schon triumphierend darauf hingewiesen, dass die Einlassungen von Kramp-Karrenbauer doch zeigen, dass die Union für Rechte nicht wählbar ist. Damit wird also eher die AfD gestärkt und der Unionsvorsitzenden könnten ihre Äußerungen zu Maaßen und Co. nach einem schlechten Wahlergebnis in Sachsen noch vorgehalten werden. Ein Kommentator der Süddeutschen Zeitung sieht die Unionsvorsitzende bereits als Verliererin in dieser Debatte:

Kramp-Karrenbauer hat sich jetzt in eine Zwickmühle gebracht: Wenn die CDU nun kein Parteiausschluss-Verfahren gegen Maaßen einleitet, werden CDU-Wähler aus der politischen Mitte enttäuscht sein. Und wenn sie ein Verfahren einleitet, droht der Partei eine quälende Auseinandersetzung, wie sie die SPD im Fall Sarrazin nun schon seit einem Jahrzehnt erlebt.

Robert Roßmann, SZ

Nun ging es bei Sarrazin um Bücher mit sehr konkreten Aussagen, die Gründe für Ausschlussanträge waren. Was aber wird nun Maaßen konkret vorgeworfen, das einen Ausschlussantrag aus der Union begründet? Die Kritik, dass die Union nach links gerückt ist, kann ja wohl nicht der Grund sein. Dabei gäbe es durchaus Gründe für einen Parteiausschuss, wenn er denn ernst gemeint ist. So schreiben Korrespondenten, bei seinen Auftritten in Sachsen könne man oft nicht unterscheiden, ob es sich um Veranstaltungen der CDU oder AfD handelt.

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Niederlande: Protest gegen Vergleich von Burqa-Verbot mit Holocaust

Burqua Burka
Burka (CC-by-sa/2.0/en by Rockin‘ the Khuff)

Ronny Naftaniel, ehemaliger Leiter der CIDI-Wachorganisation gegen Antisemitismus und gegenwärtiger Vize-Vorsitzender des Zentralen niederländischen Jüdischen Vorstandes, protestierte gegen die Behauptung eines muslimischen Aktivisten, wonach das Teilverbot der Behörden gegen das Tragen des Gesichtsschleiers (Burqa) eine «Wiederholung der Verfolgungen im Holocaust» sei.

tachles.ch

Der Aktivist stellte seine Behauptung in einer Rede anfangs August auf, während er an einer Demonstration gegen das Verbot des gesichtsabdeckenden Stoffstücks auftrat.

Das Verbot untersagt das Tragen von Gesichtsabdeckungen, einschliesslich Burqas und Niqabs, in öffentlichen Transportmitteln, Schulen, Krankenhäusern und anderen Regierungsgebäuden. Zuwiderhandlungen können mit Strafen von bis zu 160 Dollar bestraft werden. «Wir sind hier, um zu erklären, dass wir uns in der Zeit nicht zurückwerfen lassen», sagte der Demonstrant, dessen Identität nicht bekannt ist.

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Fruchtbarkeitsbehandlung außerhalb Deutschlands: Die soziale Kühltruhe

In-vitro-Fertilisation (IVF) unterm Mikroskop.Foto: imago/epd

Im Ausland sind Fruchtbarkeitsbehandlungen bereits Firmenstrategie: Man übernimmt die hohen Kosten fürs Einfrieren von Eizellen, um Personal zu werben.

Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Als die Internetriesen Apple und Facebook vor fünf Jahren öffentlich machten, dass sie die Kosten des sogenannten „Social Freezing“ für ihre Angestellten übernehmen wollten – also das Einfrieren von Eizellen, damit Frauen ihren Kinderwunsch auch nach dem 40. Lebensjahr noch erfüllen können –, folgte ein weltweites Echo.

„Deutsches Embryonenschutzgesetz in die Jahre gekommen“

Inzwischen, so ist im aktuellen „Economist“ zu lesen, hat das Beispiel Schule gemacht. Kürzlich entschied auch die Kaffeekette Starbucks, allen Frauen und Männern Fruchtbarkeitsbehandlungen zu bezahlen, die mindestens 20 Stunden pro Woche an ihren Kaffeetheken arbeiten. Von vier großen US-Konzernen bezahle mindestens einer solche Behandlungen, schreibt der „Economist“ – einige hätten damit auch die Negativschlagzeilen wegen sexueller Belästigung ausbalancieren wollen. Das Geld fließt wohl auch, weil in den USA Mutterschutz, Erziehungszeiten und finanzielle Hilfen per Gesetz auf niedrigstem Niveau sind. Zudem bietet das Silicon Valley, für weibliche Techies ohnehin quasi Sperrgebiet, kaum familienfreundliche Arbeitsplätze.

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Ein Stück Wissenschaftsgeschichte auf 4.000 Metern Seehöhe

Das Original hat der Zeit bislang ganz gut getrotzt.
Foto: Anna Nöbauer/Universität Bamberg

Die Hütte, von der Alexander von Humboldt einst zu einer Vulkanbesteigung aufbrach, steht immer noch und wurde nun 3-D-vermessen

DERSTANDARD

Der deutsche Entdecker und Universalgelehrte Alexander von Humboldt (1769 – 1859) ist der sogenannte Jahresregent 2019. Anlässlich seines 250. Geburtstags haben sich deutsche Forscher auch einer ganz speziellen Hinterlassenschaft von Humboldts gewidmet, wie die Universität Bamberg berichtet: nämlich jener Berghütte in Ecuador, von der aus der Naturforscher Anfang des 19. Jahrhunderts auf seiner Reise durch Südamerika und die „Allee der Vulkane“ zu einer Besteigung des Vulkans Antisana aufbrach.

„Die Berghütte gehört zu den wenigen authentischen Zeugnissen, die von Humboldts Anwesenheit in Südamerika geblieben sind“, sagt Projektleiter Tobias Arera-Rütenik. Sein Team hat die auf 4.000 Metern Seehöhe gelegene Hütte im Juni 2019 mit digitalen Denkmaltechnologien erfasst und ein 3-D-Modell von ihr erstellt.

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Religion oder Tierwohl

Deutschland ist ein säkularer Staat. Also: Er sollte es eigentlich sein. Denn immer wieder versuchen religiöse Partikularinteressen, diesen Grundsatz auszuhebeln und religiöse Vorschriften über das Gemeinwohl zu stellen.

Jan Weber | hpd.de

Gestern meldete sich die SPD-Politikerin Sawsan Chebli via Twitter zu Wort und gab bekannt, dass, wer für Tierwohl einstehe, die jüdische und islamische Religion angreife und die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit verletze.

Sie schreibt: „Schächten gehört zum Judentum und zum Islam. Wer das verbieten will, greift die jüdische und islamische Religion an und verletzt die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit. […]“

Für diesen Tweet hat sie bereits viel berechtigten Widerspruch erhalten. So schreibt beispielsweise Bernhard Janßen: „Religionsfreiheit muss Grenzen haben. Auch Menschenopfer gehörten früher zu einigen Religionen. Seit 2002 steht der Tierschutz im Grundgesetz! Religionsfreiheit des Einzelnen hat mit Töten nichts zu tun und hat in Deutschland keinen Vorrang vor dem Tierschutz!“ Ein Nutzer namens Cryptocoinfox(Unrasiert) antwortet: „[…] wenn zu einer Religion etwas gehört, dass [sic] zutiefst unseren Werten und Gesetzen widerspricht, wie das Schächten, kann man das nicht mit Tradition oder sonst was relativieren […].“

Mehrfach wird zu Recht darauf hingewiesen, dass das Tierwohl in Deutschland grundgesetzlich geschützt ist.

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Martin Mahner: Naturalismus. Metaphysik der Wissenschaft

Ruhen die Natur- und empirischen Sozialwissenschaften (Realwissenschaften) auf metaphysischen Annahmen? Eine breite Mehrheit von Wissenschaftlern dürfte diese Frage entschieden verneinen. Wissenschaft, so die populäre Meinung, beschäftige sich ausschließlich mit Fakten und Belegen. Und um sie zu gewinnen, genüge ein „virtuoser Zirkel“ aus Theorienbildung und Theorienüberprüfung. Dieser Zirkel ist unter der Bezeichnung wissenschaftliche Methode geläufig.

Martin Neukamm | AG-Evolutionsbiologie

Aber dass diese „Methode“ ohne ein bestimmtes metaphysisches Fundament gar nicht erst sinnvoll anwendbar wäre, ist kaum bekannt. Intellektuelle, die dem Empirismus nahestehen, setzen Metaphysik gar mit nutzloser Spekulation oder Religion gleich – ein schwerer Irrtum, wie der Biologe und Wissenschaftstheoretiker Martin MAHNER in seinem Buch darlegt.   

Warum ein Buch über den metaphysischen Naturalismus? 

Bereits der Titel verdeutlicht in erfrischender Klarheit, dass die Wissenschaften nicht ohne den metaphysischen (oder: ontologischen) Naturalismus auskommen. Um die bekannten Abwehrreflexe zeitgenössischer Wissenschaftler zu kontern, betont der Autor, dass Metaphysik (Ontologie) mit Religion heute nichts mehr zu tun habe. Vielmehr handele es sich um eine respektable philosophische Disziplin, die allgemeine Fragen zum Sein und Werden der Welt thematisiert. Die Metaphysik behandelt Fragen, die den Zuständigkeitsbereich der Einzelwissenschaften übersteigen: Gibt es eine subjektunabhängige Wirklichkeit? Was ist Kausalität? Kann etwas aus nichts entstehen? Ist das Universum „kausal geschlossen“? Und so weiter.

Der Naturalismus der Realwissenschaften ist ebenfalls metaphysisch; er postuliert, dass es in der Welt überall „mit rechten Dingen“ zugeht. Freilich ist dies ist eine stark verkürzte Definition, die Philosophen im Rahmen einer systematisch ausgearbeiteten Ontologie konkretisieren müssen. Intuitiv weiß aber jeder, was damit gemeint ist: Übernatürliche Wesen wie Götter, Gespenster und Dämonen brauchen sich als personale immaterielle Geist-Entitäten weder an Naturgesetze zu halten noch notwendigerweise mit materiellen Objekten („Dingen“) zu interagieren. Sie sind Wesen mit beliebigen magischen Fähigkeiten. Dem Naturalismus zufolge existieren solche Entitäten nicht. Und in der Praxis verhalten sich alle Wissenschaftler wie metaphysische Naturalisten. Andernfalls müssten sie ihren empirischen Methoden misstrauen, da diese (etwa, wenn ein Experiment scheitert) übernatürlich beeinflusst sein könnten.

Mit der naturalistischen Basis ist es wie mit der muttersprachlichen Grammatik: Intuitiv wenden wir sie alle an, systematisch darlegen können sie nur wenige. Solange sich Wissenschaftler auf ihr Handwerk beschränken, ist das unproblematisch. Da jedoch Angriffe „von außen“ nicht ausbleiben, ist es notwendig, sie zu verteidigen. Spätestens wenn wir uns mit dem Kreationismus beschäftigen und darlegen müssen, warum er nicht als wissenschaftliche Alternative zu den etablierten Theorien taugt, ist die Rückbesinnung auf metaphysische Aspekte erforderlich.

In überzeugender Weise schlägt MAHNER die logische Brücke zwischen naturalistischer Ontologie und Methodologie. Er klärt auf, warum Operationen wie Beobachten, Experimentieren, Erklären sowie das Überprüfen von Theorien nicht metaphysisch voraussetzungsfrei zu haben sind. Bereits die Annahme, dass eine Substanz in einer Messapparatur weder aus dem Nichts entstand noch ins Nichts verschwindet, ist metaphysisch. Experimente wären sinnlos, wenn wir in Betracht zögen, dass unsere Datenerhebung, Wahrnehmung und theoretischen Interpretationen durch Übernatürliches kontaminiert sein könnten.    

Kommt die Wissenschaft mit einem schwächeren Naturalismus aus? 

Um diese Konsequenz zu vermeiden, einigten sich die Supranaturalisten geflissentlich auf die These, dass sich das Übernatürliche nur dort austobt, wo es um heilsgeschichtliche Zusammenhänge geht: beim Erhören von Gebeten etwa, bei der Erschaffung der menschlichen Seele und der Welt. Dort hingegen, wo experimentiert und theoretisiert wird, soll alles Übernatürliche konsequent wegschauen. Unser Autor entlarvt diesen sogenannten Nicht-Interventionismus als willkürliche Hilfshypothese, die dazu dient, den Supranaturalismus wissenschaftskonform zu gestalten.

Konsequent sind aus MAHNERs Sicht nur zwei Positionen: zum einen der starke ontologische Naturalismus, der die Existenz von Übernatürlichem verneint. Sein Markenkern ist der Anspruch der universellen Geltung bzw. Reichweite, der, wie wir noch sehen werden, scheitern könnte. Konsequent ist zum anderen der Okkasionalismus von Nicolas MALEBRANCHE (1638–1715), wonach jeder kognitive Zustand einer göttlichen Verursachung bedürfe. (In einer weiter gefassten Version des Okkasionalismus sind sogar alle in der Natur stattfindenden Prozesse eines göttlichen Anstoßes bedürftig.)

Doch Wissenschaft zu betreiben wäre unter dieser Annahme nicht vernünftig möglich. Religiöse mögen zwar behaupten, ihr Gott garantiere die Vertrauenswürdigkeit unserer Wahrnehmungen, da er uns nicht täusche. Wer einen solchen Gott ins Auge fasst, kann aber nicht intersubjektiv nachvollziehbar erklären, warum es nicht auch geboten sein sollte, Interventionen des Teufels oder diverser Lügengeister zuzulassen.

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