Parsifal: Schluss mit der Religion

Wie Jesus erscheint der verwundete Gralshüter Amfortas (Ryan McKinny), an dessen Blut sich die Gralsritter laben. ©dpa
Vor der Türe Polizei, auf der Bühne Militär: Beim neuen Parsifal in Bayreuth trifft Terrorangst auf Glaubenskritik.

Von Heinrich Maria Löbbers | Sächsische Zeitung

Wer sich auskennt in Bayreuth, geht in der Pause ins Freiluftbad gleich hinterm Festspielhaus. Die Liegewiese mit Kneippbecken ist Kult, und die obligatorischen Pausenwürstchen kosten hier am Kiosk nicht mal die Hälfte. Genau das macht den skurrilen Charme der Festspiele aus, dass die Herrschaften in Festgarderobe vorm Holzbüdchen für ein Paar Wiener und ein Spezi anstehen, während die Damen schwärmen, was für einen sexy Body doch Amfortas hat, als er im ersten Akt des Parsifal wie Jesus am Kreuz dasteht, mit Dornenkrone und blutenden Wundmalen.

Nackte Jungfrauen im Regen

Die Kioskverkäuferin macht sich ganz andere Gedanken an diesem Montag. „So viel Polizei hatten wir noch nie“, sagt sie. „Das ist bedrückend.“ Nach den jüngsten Anschlägen ist der Grüne Hügel Hochsicherheitstrakt geworden. Überall Absperrungen, Trauerwimpel an Fahnenmasten, Polizisten patrouillieren, kontrollieren Tickets, linsen den schicken Damen in ihre noch schickeren Handtaschen. Alles sehr höflich und entspannt, auch die Gäste nehmen’s gelassen. Gelöste Stimmung selbst ohne roten Teppich und Staatsempfang, Politiker haben abgesagt, Premierenpromis auch. Abgesehen von Fürstin Gloria, gehört einer wie Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl schon zu den Bekannteren, deshalb sind auch die Schaulustigen überschaubar.

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Gott, was soll das?

Mahnend erheben Atheisten den Finger. Foto: Ketzerstammtisch
Wer ohne Religion ist, fühlt sich oft nicht richtig gehört. Im sehr katholischen Münster treffen sich deshalb Atheisten und Konfessionslose zum Austausch. Ein Besuch beim sogenannten „Ketzer-Stammtisch“.
 

Von Harald Biskup | Frankfurter Rundschau

Hell und trotzdem irgendwie schwer rufen Ludgerus, Andreas und Maria, die drei „Werktags-Glocken“ des nahen Doms, zur Abendmesse. Lange schwingt das Ausläuten nach. „Gehen wir lieber rein“, schlägt die studierte katholische Theologin Daniela Wakonigg vor, „irgendwo bimmelt es immer.“ Gleich wird sich hier im Café Malik am Schlossplatz, das mit seinem Namen sowohl die Erinnerung an den gleichnamigen einstigen linken Verlag hochhält als auch an die Schriftstellerin Else Lasker-Schüler, eine Runde versammeln, die im nach wie vor sehr katholisch geprägten Münster einzigartig ist. Die Wirtin hat eine gemütliche Ecke reserviert, wie alle zwei Monate freitags, wenn der „Ketzer-Stammtisch“ tagt.

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Rechtspopulismus und Islamismus: Analyse einer beunruhigenden Nähe

Scheinbar sind sie die ärgsten Gegner: Rechtspopulisten und Islamisten. Diplom-Psychologe und Rechtspsychologe Dr. Guido F. Gebauer hält diese Gegnerschaft aber nur für scheinbar. Hinter ihr verberge sich eine gefährliche Nähe, die nach seiner Überzeugung auf gemeinsamen Persönlichkeits-Strukturen beruht. In diesem Artikel diskutiert er diese Nähe und gibt vorläufige Antworten auf die Frage, wie sich die Gesellschaft am Besten vor Rechtspopulisten und Islamisten schützen kann.

Von Guido F. Gebauer | menschenrechte.eu

Wer warnt in Deutschland eindringlicher als Pegida und AfD vor dem Islam? Stellen sich nicht auch in Frankreich, den Niederlanden, England und Schweden Rechtspopulisten an die Spitze der anti-islamischen Bewegung? Will der soeben in den USA gekürte US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump nicht gar seine angestrebte Präsidentschaft nicht ganz unter das Banner des Kampfes gegen den Islam stellen?
Ist es also nur eine unbedeutende Randnotiz, dass der AfD Abgeordnete Gehlmann im Landesparlament von Sachsen-Anhalt, als es um Ausgrenzung und Verfolgung Homosexueller in den muslimischen Maghrebstaaten ging, gemäß Protokoll äußerte: Das sollten wir in Deutschland auch machen!?
Ich halte dies nicht für eine Randnotiz, sondern ein zentrales Merkmal. Bei näherer Betrachtung lässt es nach meiner Überzeugung die scheinbare Distanz zwischen Rechtspopulisten und Islamisten zusammenbrechen. Psychologisch sichtbar wird ein Abgrund von Nähe.
Rechtspopulisten und Islamisten weisen Gemeinsamkeiten auf

Die Begriffe Rechtspopulismus und Islamismus werden hier nicht als Synonyme für Rechtsterrorismus oder islamischem Terrorismus verwandt, die nach Ansicht des Autors vielmehr gesteigerte Formen von Rechtspopulismus und Islamismus darstellen.

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Die Niederlage emanzipatorischer Bewegungen

In einer Welt von faschistischen Einzeltätern werden die strafende Polizei und die heilende Psychiatrie wieder zu vermeintlichen Rettern

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Im Interesse der Sicherung ihrer Pfründe unterlassen die christlichen Großkirchen nicht jede Kritik am Islam. Sie sind sogar beriet, ihm Terrain – geistliches, ideologisches, materielles zu überlassen. Dazu passt, dass der Ramadan, der islamische Fastenmonat, in Deutschland mittlerweile wie ein nationales Ereignis zelebriert wird, bei dem sich sogar der Bundespräsident medienwirksam in Szene setzt. Fast könnte man meinen, die „Unterwerfung“ (was „Islam“ auf deutsch heißt), die der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in seinem gleichnamigen Roman fiktonal-dystopisch thematisiert, sei bereits im Gange.

Eine solche Islamkritik ist in Deutschland an vielen Stellen zu lesen. Erstaunlich ist eher die Quelle des Textes, aus dem dieser Abschnitt stammt. Verfasst hat ihn Ingolf Bossenz, Experte für Religion der Tageszeitung Neues Deutschland, die sich ganz klar gegen Rassismus und Rechtspopulismus positioniert.

Auch in der Wochenzeitung Jungle World, die sich gegen jegliche Form von Rassismus einsetzt, waren in einem Interview mit dem Vorstandsmitglied der NGO Eziden weltweit, Mizgin Saka, eher ungewohnte Töne für die Zeitung zu lesen:

Die Lage in deutschen Flüchtlingsheimen beschäftigt uns sehr und ich höre oft von Übergriffen muslimischer Geflüchteter auf religiöse Minderheiten. Letztes Jahr gab es einen solchen Fall in Bielefeld, wo es Messerattacken gegen einen yezidischen Flüchtling gab, weil er während des Ramadan nicht fasten wollte. Das ist kein Einzelfall, sondern steht für die bedrohliche Lage religiöser Minderheiten in deutschen Flüchtlingsheimen.

Beinahe ohne Ausnahme gingen alle Übergriffe von radikalen Muslimen aus, die ihre Opfer als „Ungläubige“ betiteln und als Rechtfertigung für diese diskriminierende Gewalt ihren Glauben heranziehen.Wir bemerken einen drastischen Anstieg dieser Gewalttaten – und auch die momentane Flüchtlingssituation in Europa und im Nahen Osten deutet nicht darauf hin, dass mit einem Rückgang zu rechnen ist.

Wir fühlen uns im Stich gelassen – die Bundesregierung muss endlich konsequenter und umsichtiger vorgehen. Oftmals sind Sicherheitspersonal oder Dolmetscher Komplizen dieser Attacken – die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen müssen verbessert werden. Nicht nur Yeziden, sondern auch Juden und Christen sind durch islamistische Attacken bedroht sind.

  Saka spitzt ihre Kritik sogar noch zu:

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Wer von Turboradikalisierung redet, hat null Ahnung

Foto: AFP/Getty Images Muslime beim Freitagsgebet in der Sehitlik-Koschee in Berlin-Neukölln
Der alltägliche, traditionelle Islam birgt viele Keimlinge in sich, aus denen im passenden Gewächshaus eine extreme Interpretation aufblühen kann. Das betrifft den IS, aber auch die AKP und Hamas.

Von Ahmad Mansour | DIE WELT

Es ist nur wenige Tage her, da war ich in Bonn eingeladen zu einer Diskussion mit dem Großmufti von Ägypten. Es ging um Toleranz und Frieden, ein interkultureller Dialog, all das Schöne und Gute, das wir uns als Demokraten wünschen.

Tatsächlich hat der Großmufti in seinen Beiträgen viel über die große Toleranz des Islam und das friedliche Miteinander gesprochen, über die Akzeptanz der anderen und die Freundlichkeit der Frommen.

Im Anschluss an die Diskussion wollte ich gern ein gemeinsames Bild mit dem Großmufti machen. Aber er und seine Berater verweigerten sich. Ihre Erklärung: Mit einem israelischen Staatsbürger, also mit mir, einem arabischen Israeli, wolle der Großmufti nicht auf dasselbe Bild.

Das war wieder eine der Situationen, in denen ich, sprachlos und traurig, die Doppelmoral meiner Glaubensbrüder erlebe. Wir sprechen beide Arabisch, wir gehören derselben Religion an, wir waren beide bereit, miteinander zu debattieren, gute und versöhnliche Worte auf dem Podium zu sprechen, Worte, die das Publikum im Saal hören sollte und wollte. Und dann das.

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Religiotisch: Suchmaschine „Hulbee zensiert Sex“

Suchmaschine "Hulbee". Screenshot: bb
Suchmaschine „Hulbee“. Screenshot: bb

Die Welt des christlichen Fundamentalismus ist retardiert. Sex etwas übles und Pornografie geht schon gar nicht. Bekannt ist, dass aus dem amerikanischen „Bible Belt“, schlicht der Playground des evangelikalen Weltverständnisse, die meisten Zugriffe auf Porno-Webseiten im Internet kommen, die meisten Schwangerschaften unter Jugendlichen auftreten und ebenso die meisten Abbrüche. Bibel-Fundis in Deutschland können aufatmen, die größere Dislozierung lässt solche Analysen, wie in den USA, unmöglich erscheinen.
Also schafft man eine Suchmaschine, weil ja die Datenkrake Google die Pornoschleuder schlechthin ist und Kinder übersexualisiert werden. Sex ist böse, gut nur, wenn er der Fortpflanzung dient und eine Familie dahinter steht. Der eigenen Homophobie kann man dann wundervoll frönen.
Gibt man in die Suchmaschine den Begriff „Sexualität“ ein, kommen die im Screenshot dargestellten Ergebnisse, das linke Bild ist dann auch für die lieben Kleinen, Herzijesulein sichtbar.

Pappa geht dann heimlich auf die einschlägigen Pornoseiten und weil Mama nicht kann, wird kräftig einer runtergeholt. Christliche Bigotterie. Hodenhasser und lebende Retros wollen zurück in die Wüste.

„Zerquetsche sie, verbrenne sie“ – der Whatsapp-Chat der Putschisten

Türkische Soldaten und Demonstranten auf dem Taksim-Platz in Istanbul. Staatlichen Quellen zufolge forderte die Nacht 264 Tote. (Foto: AFP)
  • Das Recherchenetzwerk „Bellingcat“ hat das Chatprotokoll einer Whatsapp-Gruppe hochrangiger türkischer Militärs veröffentlicht.
  • Sie koordinieren darin Teile des Putschversuchs, vor allem in Istanbul.
  • Einige von ihnen befehlen, auf Zivilisten zu schießen.

Von Benedikt Peters | Süddeutsche.de

Zunächst klingen die Putschisten siegesgewiss. „Keine Probleme“, schreiben sie, nachdem sie strategisch wichtige Punkte in Istanbul eingenommen haben – Brücken, Flughäfen, Polizeiquartiere. „Alles ist gut.“ Nach und nach aber schleicht sich die Unsicherheit in ihre Sätze – immer häufiger fordern sie Verstärkung – und nur sehr selten wird ihre Forderung erfüllt. Schließlich geben sie auf.

Im Netz sind diese Details aus der Nacht vom 15. Juli nun nachzulesen, in der Teile des türkischen Militärs versuchten, die Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu stürzen. Das renommierte Recherchenetzwerk Bellingcat hat das Chatprotokoll einer Whatsapp-Gruppe veröffentlicht, in der 24 hochrangige Soldaten Teile des Putschversuchs koordinierten, vornehmlich in Istanbul.

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Antisemitismus 2016: Das neue Unbehagen in jüdischen Gemeinden

Schild „Nie wieder“ (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
Fast ein dreiviertel Jahrhundert nach Auschwitz könnte man meinen, alles sei gesagt über den Antisemitismus. Eine internationale Tagung in Berlin scheint das Gegenteil zu beweisen. Demnach gibt es immer wieder neue Erscheinungsformen des Antisemitismus.

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Also den mittelalterlichen religiösen Antijudaismus, wonach die Juden das Volk der Gottesmörder sind, das ist eigentlich nicht mehr ernst zu nehmen. Das erlebt man auch in stark christlich-religiösen Kreisen eigentlich nicht mehr.“

Antisemitismusforscher Olaf Glöckner vom Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam weiß um das Auf und Ab antisemitischer Argumentationsmuster. Der christliche Antijudaismus tritt kaum noch in Erscheinung, sicherlich auch das Ergebnis einer „Theologie nach Auschwitz“. Juden werden nicht mehr als vermeintliche Christusmörder verachtet. Das Judentum gilt heute als unumstößliche Wurzel des christlichen Glaubens. –  Auch der nationalsozialistische Antisemitismus begegnet einem heute kaum noch. Olaf Glöckner:

„Rasse-Antisemitismus, also eine Form von Vernichtungsantisemitismus a la Adolf Hitler ist im Großen und Ganzen auch out. Diese Form von Antisemitismus mögen vielleicht Neonazis nach wie vor im stillen Kämmerlein pflegen, aber man weiß, dass das öffentlich radikal sanktioniert ist.“

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Was einen Terroranschlag von einem Amoklauf unterscheidet

Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses. Hier endete 2009 der Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger 15 Menschen tötete. (Foto: dpa)
Wenn ein Muslim Zivilisten ermordet oder verletzt und dabei „Allahu Akbar“ ruft, dann ist er Terrorist. Oder vielleicht schwer gestört? So ganz einfach lässt sich das nicht unterscheiden.

Analyse von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Terroranschlag oder Amoklauf, Massenmord, School Shooting, Attentat, Anschlag oder Rache – die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, wie schwierig es inzwischen ist, die richtigen Begriffe für verschiedene Taten zu finden.

Als eine Gruppe von Al-Qaida-Mitgliedern 2001 vier Passagierflugzeuge entführte und in die Türme des World Trade Centers und ins Pentagon steuerte – eine weitere Maschine stürzte in Pennsylvania ab -, war die Sache klar: Terror. Genauso war es bei fast allen großen Anschlägen davor und für lange Zeit danach. In der Regel standen dahinter Mitglieder von organisierten Gruppen mit einer extremistischen politischen oder religiösen Agenda.

Schwieriger wird es dagegen, wenn einzelne Personen, die nicht Mitglieder einer Terrororganisation oder -gruppe zu sein scheinen (sogenannte Lone Actors oder Lone Wolves), Anschläge oder Attentate verüben. Die französischen Behörden etwa haben nur vage Verbindungen zwischen dem Massenmörder von Nizza, Mohamed Lahouaiej Bouhlel, und dem sogenannten „Islamischen Staat“ gefunden. Der 32-Jährige war offenbar labil, aggressiv, eine gestörte Persönlichkeit. Er hatte sich innerhalb kurzer Zeit radikalisiert und wurde von der Terrororganisation erst im Nachhinein als „Soldat des Islamischen Staates“ bezeichnet.

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Can Dündar: „Die zivile Diktatur hat bereits begonnen“

Bild: tagesschau.de
Can Dündar ist untergetaucht. Bei einer Rückkehr in die Türkei droht dem Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ Haft. Auch mit dem Tode wird er bedroht. Cornelia Kolden hat Dündar getroffen und mit ihm über die Entwicklung in der Türkei gesprochen.

Von Cornelia Kolden | tagesschau.de

Wir treffen uns in einem Hotelzimmer irgendwo in Europa. Eigentlich wollte er nur Urlaub machen, der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“. Jetzt hängt er am Internet, schaut fassungslos auf die Ereignisse in seiner Heimat.

„Es herrscht eine Atmosphäre der Angst im Land. Alle fürchten sich, zu sprechen, zu schreiben. Weil nicht nur die Regierungskräfte drohen, sondern auch einige militante AKP-Anhänger. Sie brüllen herum und schüchtern Menschen ein“, sagt Dündar. „Und es kursieren viele Listen in den sozialen Netzwerken. Eine Liste der Journalisten, die verhaftet werden sollen. Eine Liste für Akademiker, für Bürokraten, … . Das zeigt, dass sie schon auf so einen Putschversuch vorbereitet waren.“

„Sind Sie auf einer Liste?“, frage ich. „Ich stehe ganz oben“, sagt Dündar.

Das hat ihn schon im Mai fast das Leben gekostet. Mit Erfolg ging Dündar vor Gericht gegen sechs Jahre Haft wegen Spionage vor. Und dann das: Vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul wird auf ihn geschossen, er bleibt aber unverletzt. Der Angreifer ist AKP-Mitglied. Erdogan selbst hat Dündars Freilassung durch die Verfassungsrichter nie akzeptiert.

„Ich habe die Nachrichten nachts gesehen, dass Militär auf der Brücke in Istanbul steht. Das erste, was ich dachte, war: Wenn sie Erfolg haben, wird es furchtbar für uns. Wenn sie scheitern, ist es auch schrecklich. Denn, wenn sie Erfolg haben, wird es eine Militärdiktatur. Wenn nicht, wird es eine zivile Diktatur. Und die hat bereits begonnen“, so Dündar.

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Es sind unsere Terroristen – wir brauchen keine religiöse Integration

Vor der Tat hatte er sich zum IS bekannt – der 17jährige Axt-Attentäter.Foto: dpa
Die Täter sind jung, berufen sich auf den Islam und haben sich oft schnell radikalisiert – wie zuletzt in Würzburg. Was tun dagegen? Eine Antwort: Wir brauchen auch eine religiöse Integration.
 

Von Ehrhart Körting | DER TAGESSPIEGEL

Seit dem Anschlag vom 11. September 2001 führen wir eine Debatte über religiös geprägte Straftaten und islamistischen Terrorismus. Die Zahl der Anschläge von Madrid über London nach Paris und Brüssel ist kaum noch übersehbar. Hinzurechnen muss man die fehlgeschlagenen Anschlagsversuche und -vorbereitungen wie die sogenannten Kofferbomber und die Sauerlandgruppe in Deutschland. Neben die organisierten und ferngesteuerten, zumindest fernunterstützten Taten von Al Qaida, IS und anderen Gruppen treten zunehmend Einzeltäter. Das wirft Fragen nach der angemessenen Repression und Prävention auf.
Der in einem religiös geprägten Haushalt aufgewachsene 19-jährige Ayhan Sürücü tötet am 7. Februar 2005 auf offener Straße in Berlin seine Schwester Hatun Sürücü. Es mag erstaunen, dass ich diesen Mord in dem Kontext mit aufführe. Aber es ist ein Fall, bei dem religiös geprägte Mentalitäten über die Rolle der Frau mitwirkten.
Am 2. März 2011 erschießt der 21-jährige Kosovo-Albaner Arid Uka am Flughafen in Frankfurt am Main zwei amerikanische Soldaten und verletzt zwei weitere schwer, weil er seinen persönlichen Beitrag zum Dschihad (Heiligen Krieg) gegen die „Feinde des Islam“ leisten wollte.
In London töten am 22. Mai 2013 zwei zum Islam konvertierte 22 beziehungsweise 28 Jahre alte britische Staatsbürger auf offener Straße einen 25-jährigen Soldaten mit Stichen und einem Beil und schwören öffentlich bei Allah, nie aufzuhören, die Ungläubigen zu bekämpfen, bis die Ungläubigen die Muslime in Ruhe lassen.

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Dodo Marx mit Gebeten gegen Terror – Bullshistic

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,
Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Nach Nizza, Würzburg und München: Gebet, Zeugnis für das Evangelium und den «Einsatz für alle Bedrängten, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe». Eine solche Haltung sei weder naiv noch unrealistisch.

 

kath.net

Einen Tag nach dem Münchner Amoklauf hat Kardinal Reinhard Marx die Menschen zu einem stärkeren Miteinander aufgerufen. Am späten Samstagabend forderte er im ARD-Fernsehen eine Atmosphäre des Vertrauens, des Respekts und der Solidarität. «Wenn wir nicht immer neu lernen – so verschieden wir sind in Traditionen, Weltanschauungen, Religionen und Konfessionen – miteinander und füreinander zu leben, werden die Terroristen und Gewalttäter weiterhin die Saat der Angst, der Gewalt und des Hasses ausstreuen. Dagegen werden wir als Christen aufstehen.» Der Erzbischof von München und Freising äußerte sich in der Sendung «Wort zum Sonntag», die aus Anlass der Gewalttat mit zehn Toten kurzfristig geändert wurde.
Als konkrete Schritte nannte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz das Gebet, Zeugnis für das Evangelium und den «Einsatz für alle Bedrängten, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe». Eine solche Haltung sei weder naiv noch unrealistisch, fügte Marx hinzu. «Die Zukunft gehört nicht der Gewalt, dem Hass und dem Kampf gegeneinander, sondern der Hoffnung, dass die eine Menschheitsfamilie im gemeinsamen Haus der Erde Heimat findet.»

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«Meine Brust, meine Rechte»: Hunderte von Müttern stillen aus Protest auf der Strasse

(Bild: Keystone)
Mit einem Massen-Stillen haben Hunderte von argentinischen Müttern für das Recht demonstriert, ihrem Kind öffentlich die Brust geben zu dürfen.

Neue Zürcher Zeitung

Auf Spruchbändern in Buenos Aires standen Slogans wie «Meine Brust, meine Rechte» oder «Stillen steht nicht zur Debatte».

Bei der Aktion auf einem Platz der Hauptstadt Buenos Aires zeigten die Frauen am Samstag (Ortszeit) ihren Unmut über die Festnahme einer jungen Mutter wegen öffentliche Stillens in der vergangenen Woche. Auch ausserhalb der Hauptstadt gingen argentinische Frauen am Samstag wegen des Vorfalls auf die Strasse.

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Schwuler Imam auf dem Christopher Street Day

Vor dem CSD Berlin diskutieren Vertreter von Religionsgemeinschaften über Homosexualität (picture alliance / dpa – Britta Pedersen)
Ein homosexueller Imam aus Frankreich erzählt von seinen Erlebnissen. Nicht nur muslimische Homosexuelle kämpfen um Anerkennung: Vertreter mehrerer Religionsgemeinschaften sind vor dem Christopher Street Day in Berlin zu einem runden Tisch zusammengekommen, um über ihr Verhältnis zum Thema Trans-, Bi-, und Homosexualität zu diskutieren.

Deutschlandfunk

„Es kann nicht dem Selbstverständnis von Gläubigen und Mitgliedern von Weltanschauungsgemeinschaften entsprechen, sich über die Abgrenzung zu und die Ausgrenzung von homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen zu definieren“, heißt es in der Schöneberger Erklärung für Vielfalt und Respekt, die die Teilnehmer des Runden Tischs gestern in Berlin unterzeichnet haben. Dazu zählten unter anderem Vertreter der Alt-Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, des Liberal-Islamischen Bunds und des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus. Niemand dürfe dazu genötigt werden, sich zwischen seinem Glauben und seiner sexuellen Identität entscheiden zu müssen. Das gelte auch für die jeweiligen Beschäftigten und Ehrenamtlichen.

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Quidditch-WM in Deutschland: Muggels auf Harry Potters Besen

© Isabella Gong Beim Quidditch geht es ordentlich zur Sache – wie hier im Duell zwischen den Boston Night Riders und Rochester United.
Was bei Harry Potter als Phantasie begann, ist nicht nur an amerikanischen Unis zur Realität geworden. Quidditch ist zu einem ernsthaften Sport geworden. Nun findet die dritte WM statt – in Deutschland.
 

Von Robin Knapp | Frankfurter Allgemeine

Das Japan-Festival in einem Park in Boston an der Ostküste der Vereinigten Staaten hat viele auffällig gekleidete Menschen angelockt: Mit Perücken, Umhängen und geschminkten Gesichtern huldigen die Manga-Anhänger ihren Helden aus den japanischen Comics. Gleich nebenan eine Gruppe, die in die merkwürdige Szenerie passt. Sie betreibt Sport, doch auch der sieht aus wie aus einer anderen Welt.

Die Spieler halten zwischen ihren Beinen: Besen, und es gibt nur ein bekanntes Spiel, das auf einem Besen sitzend gespielt wird: Quidditch, der Sport aus den Harry-Potter-Romanen von Joanne K. Rowling. Aber das hier ist kein Harry-Potter-Fantreffen. Das sieht nach ernstem Sport aus. Bälle fliegen durch Ringe, junge Männer und Frauen laufen über das Spielfeld und liefern sich harte Zweikämpfe. „Wir sind an einem Punkt, an dem Quidditch keine erfundene Sportart mehr ist, sondern eine tatsächliche, wettkampfmäßige Vollkontaktsportart“, sagt Jayke Archibald von den Boston Night Riders.

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Mehr als 1.600 Homo-Ehen 2015 in NRW geschlossen

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Auf den Standesämtern in Nordrhein-Westfalen haben im vergangenen Jahr 1.663 Paare eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft geschlossen.

evangelisch.de

Das war ein Rückgang um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das statistische Landesamt am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. Die Daten zur Beurkundung von Homo-Ehen werden seit 2014 erhoben. Insgesamt gaben sich 2015 in NRW 857 weibliche und 806 männliche Paare das Ja-Wort, wie es weiter hieß. Die Frauen waren dabei im Durchschnitt 40,6 Jahre alt, die Männer 43,4 Jahre. Eheschließende waren dagegen zum Zeitpunkt der standesamtlichen Trauung mit 34,5 bzw. 37,3 Jahren um etwa sechs Jahre jünger. Der Altersunterschied der Lebenspartner lag bei 30 Prozent der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zwischen zwei und knapp fünf Jahren.

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Terror: Wie sich die konservativen Islamverbände wegducken

Zentralmoschee der türkisch-islamischen Union Ditib in Köln / picture alliance
Die größte Gefahr geht nach Ansicht des Freiburger Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi nicht von polizeibekannten Salafisten aus, sondern von den konservativen muslimischen Dachverbänden. Sie seien noch „meilenweit“ von einem aufgeklärten Islam entfernt. Ourghi fordert drastische Maßnahmen.

Von ABDEL-HAKIM OURGHI | Cicero

Vor einigen Jahren sagte der heutige Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Gewiss prägen solche ideologischen Sätze das kollektive Gedächtnis und bestimmen den Umgang der türkischstämmigen Menschen mit Nichtmuslimen. Solche Sätze sind nicht nur sinnstiftend, sondern bilden sogar eine Barriere für die Integration der türkischstämmigen Menschen. Und sie sind auch die Ebnung eines Wegs für die Parallelgesellschaft, besonders wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der türkischen Moscheen, wie etwa die der Ditib, von diesem finanziellen und ideologischen Einfluss abhängig sind.

Der türkische Islam wird immer islamistischer und nationalistischer. Er bildet sogar die Basis für einen „Ghetto-Glauben“ in die Parallelgesellschaft. Es ist auch kein Wunder, dass ein Drittel aller deutschen Gotteskrieger in Syrien und im Irak türkischstämmig ist. Aus Dinslaken-Lohberg ist eine Gruppe von 22 Jugendlichen geschlossen in den „Heiligen Krieg“ gezogen. Auch die Ditib-Jugendlichen posierten mit dem Finger als Siegeszeichen des IS im Netz. Auf der Internet-Seite der Ditib-Gemeinde in Melsungen sind im Jahre 2015 antisemitische Hetzparolen übelster Sorte gegen die Juden aufgetaucht.

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Wie im Straßenverkehr: Wir brauchen Führerschein für Religion

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Das Grauen von Nizza zeigt: Es laufen im Augenblick zu viele Irre rum. Die hat es zwar immer gegeben. Zurzeit sind sie bloß durch einen „religiösen“ Gewalt-Cocktail extra gefährlich. Wenn man sich ansieht, wie viele Morde pseudo-religiöse Menschen begehen, muss man leider sagen: Religion ist gefährlich und nichts für Anfänger.

Von Chin Meyer | Berliner Kurier

Wie der Straßenverkehr. Der ist auch gefährlich und nichts für Anfänger. Deshalb muss man im Straßenverkehr einen Führerschein machen. Aber an Religion wird jeder Idiot rangelassen. Warum eigentlich?
Wir brauchen einen Führerschein für Religion. Der muss nicht auf den Islam beschränkt sein. Christen, Juden, Hindus, Buddhisten brauchen den genauso. Bevor man das erste Mal betet oder in Tempel/Moschee/Kirche/Synagoge eingelassen wird, muss man eine Religions-Reifeprüfung ablegen und nachweisen, dass man zugleich tiefstes Vertrauen in die Existenz eines göttlichen Wesens hat als auch die Möglichkeit gelten lässt, total daneben zu liegen und dann besoffen Sirtaki zu tanzen.

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Religionsfreiheit: Abtrünnige im Islam

Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Fahne: Die Hinrichtung von Abtrünnigen sei nach islamischem Recht legitim, so der IS. (AFP / TAUSEEF MUSTAFA)
Im Sudan, Jemen und Iran sowie in vielen anderen Ländern kann die Abkehr vom Islam noch heute mit dem Tode bestraft werden. Besonders brutal agiert der sogenannte Islamische Staat. IS-Terroristen richten Menschen hin, weil sie anders glauben. Dabei berufen sie sich auf den Islam. Doch wie sieht es mit der Religionsfreiheit im Islam tatsächlich aus?

Von Hüseyin Topel | Deutschlandfunk

Abtrünnige werden im Islam als „Murted“ bezeichnet. Ismet Macit, Experte im islamischen Recht, erklärt was dieser Begriff bedeutet:

„Murted bedeutet im Wörterbuch zunächst einmal Umkehrer; und nach islamischem Recht bezeichnet dieser Begriff speziell diejenigen, die aus dem Islam austreten und einen anderen oder gar keinen Glauben annehmen.“

Dieses Phänomen ist auch in anderen Religionen bekannt.

„Das ist nicht nur im Islam so. Das ist ein generelles Problem. Das gab es – in unterschiedlicher Form – auch im Judentum oder im Christentum. Religionsgemeinschaften haben Austreter stets bestraft.“

Dennoch ist dieser Begriff gegenwärtig so aktuell wie nie.

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Wieviel Religion verträgt Deutschland?

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Der Jurist Hans Markus Heimann analysiert in seinem neuen Buch „Deutschland als multireligiöser Staat“ das Verhältnis zwischen Staat und Glauben in der Bundesrepublik. Auf Grundlage des Grundgesetzes stellt der Autor dabei die Gretchenfrage an die deutsche Verfassung.
 

Hamburger Abendblatt

Das Kruzifix an der Wand in öffentlichen Gebäuden oder das Kopftuch, getragen von einer Lehrerin: An religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit entbrennen immer wieder gesellschaftliche Diskussionen.

Der Staats- und Verwaltungsrechtler Hans Markus Heimann erklärt in seinem Buch „Deutschland als multireligiöser Staat“, wie die rechtliche und gesetzliche Grundlage der Religionsfreiheit in Deutschland gestaltet ist und wie weit sie gehen kann.

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