Kirchenkritiker veranstalten „Ketzertag Dortmund 2019“

Bild: hpd.de
Am Mittwoch beginnt in Dortmund der Evangelische Kirchentag. Doch die Christen bekommen Konkurrenz, denn zeitgleich findet auch der „Ketzertag Dortmund 2019“ statt, der das Thema Religion sowie die staatliche Privilegierung der Kirchen kritisch beleuchten wird

Daniela Wakonigg | hpd.de

Im vergangenen Jahr fand anlässlich des Katholikentags in Münster mit dem Ketzertag Münster 2018 der erste deutsche Ketzertag statt. Mit religions- und kirchenkritischen Veranstaltungen setzte er dem staatlich finanzierten christlichen Großevent eine deutliche säkulare Stimme entgegen.

Nach dem Erfolg im letzten Jahr wird es nun auch in diesem Jahr einen Ketzertag parallel zum alljährlichen Kirchentagsevent geben: den Ketzertag Dortmund 2019. Veranstaltet wird er von der säkularen Vereinigung Religionsfrei im Revier, dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e. V. sowie der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Der Ketzertag Dortmund 2019 richtet sich primär gegen die Privilegierung der Kirchen durch den Staat, die umfangreiche Finanzierung sowie die privilegierte Behandlung im Arbeits- und Steuerrecht, er kritisiert jedoch auch Religion und Kirche selbst.

„‚Ketzer‘ sind Menschen, die sich weigern, die kirchliche Lehre als Wahrheit anzuerkennen. Dafür gibt es gute Gründe, die auf dieser 4-tägigen Veranstaltungsreihe vorgestellt und diskutiert werden sollen“, heißt es auf der Webseite des Ketzertags. „Das Wort Ketzer leitet sich ab von den ‚Katharern‘, innerkirchlichen Kritikern, die den Glauben reformieren wollten. Die mitwirkenden religionsfreien Referent*innen sind jedoch – ganz im Sinne der veranstaltenden Organisationen – der Auffassung, dass die Kirche ein grundsätzliches Problem für die moderne und aufgeklärte Gesellschaft darstellt. So kommt der Ketzertag ohne übersinnliche Erscheinungen aus und stellt die „natürliche Gegenveranstaltung“ zum Kirchentag dar!“

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Eigener Staat für Palästinenser nicht in Sicht

foto: afp / mohammed abed Am Strand von Gaza herrscht im Frühsommer Hochbetrieb. Viele Palästinenser denken statt an Politik eher an den mühsamen Alltag.
Die USA geben wohl die Zweistaatenlösung für Israel und die Palästinenser auf

derStandard.at

Zack Sabella muss nicht lange überlegen. Auf die Frage, ob er die Gründung eines Staates Palästina noch miterleben werde, folgt ein rasches „Nein“. Dabei ist Zack Sabella erst 35 Jahre alt und hätte noch ein paar Jahre Zeit. Doch er ist überzeugt: „Weder ich noch meine Kinder werden das erleben. Man muss sich für Zukunftsprognosen die Faktenlage ansehen. Tatsache ist, dass nicht einmal Barack Obama, der palästinenserfreundlichste US-Präsident der vergangenen 30 Jahre, die Zweistaatenlösung erreichen konnte.“

Und die derzeitige US-Regierung, so scheint es, will sie nicht erreichen.

Noch steht nicht fest, wann genau der Friedensplan vorgestellt wird: in Teilen bereits kommende Woche bei einer Konferenz in Bahrain, wie zunächst angekündigt? Oder doch erst im November, wie vom Nahostgesandten Jason Greenblatt am Wochenende angedeutet? So oder so: Nach allem, was bisher durchgedrungen ist, wird eine Zweistaatenlösung darin nicht mehr vorkommen.

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Autor Niko Alm über Kirche und Staat: „Alle Religionen sind menschengemachte Ideologien“

Der Autor Niko Alm trägt auf seinem Führerschein ein Nudelsieb auf dem Kopf – er ist Anhänger der Bewegung des Fliegenden…Foto: dpa
Wird mit Religion Politik gemacht? Autor Niko Alm, der leidenschaftliche Streiter für den Laizismus, fährt schwere Geschütze auf. Eine Buchkritik.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Wer denkt öfter über Gott nach – der Gläubige oder der Atheist? Die Frage ist schwer zu beantworten. Jemand kann sein Leben einer höheren Macht widmen oder dem Kampf gegen die Behauptung, dass es eine höhere Macht gibt.

In die zweite Kategorie fällt Niko Alm, 44-jähriger Österreicher und ehemaliger Politiker. Alm ist Gründer der Initiative gegen Kirchenprivilegien, Gründungsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung in Österreich, bekennender Atheist und „Pastafari“, wie sich die Anhänger der religionsparodistischen Bewegung des Fliegenden Spaghettimonsters nennen, und seit acht Jahren der Vorsitzende des Zentralrats der Konfessionsfreien. Sein Buch „Ohne Bekenntnis“ ist ein flammendes Plädoyer für eine strikte Trennung von Kirche und Staat nach dem Vorbild der französischen Laizität.

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Berliner Katholiken diskutieren mit Atheisten über Gott: Keine Chance im hippen Berlin?

Bild. Global Atheist
Christen präsentieren sich oft als geschlossene Gesellschaft. Dagegen will der Berliner Erzbischof Heiner Koch angehen. Ein „Symposium“ auch mit kirchenkritischen Gästen offenbarte viele ganz unterschiedliche Einsichten.

DOMRADIO.DE

„Gott hatte seine Chance bei mir“, ließ Philipp Möller seine Zuhörer wissen. Doch der Allmächtige hat sie offenbar nicht genutzt. Unter dem Titel „Gottlos glücklich“ hat Möller auch in einem Buch bereits ausgeführt, „warum wir ohne Religion besser dran wären“.

Es war für fromme Christen der stärkste Tobak, der am Wochenende bei einer Veranstaltung des Erzbistums Berlin geboten wurde. Zur Frage „Heute von Gott reden?“ hatte Erzbischof Heiner Koch eingeladen zum „Versuch, einen Gesprächsfaden zu knüpfen und auch nichtkirchlichen Sichtweisen Raum zu geben“. Das Angebot traf offenbar einen Nerv, schon früh waren alle Plätze ausgebucht. Auf die Podien kamen auch Gäste, die bei solchen Veranstaltungen sonst nicht anzutreffen sind.

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Ein Juso-Vorsitzender, ein wenig Eigentumskritik und deren empörte Zurückweisung

Bild Kevin Kühnert: Martin Kraft / CC BY-SA 3.0 / Illustration: TP
Eines hat er erreicht, der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert: Plötzlich fragen sich doch durch alle Empörung hindurch ein paar nachdenklichere Leute, was eigentlich dran ist an seiner Kritik am Kapitalismus.

Rainer Schreiber | TELEPOLIS

Der Befund, der sich dabei durch die Bank ergibt – und schon längst erhoben wurde -, ist eindeutig: Die Armen werden eher ärmer, die Reichen gewiss reicher:

Superreiche 45 Deutsche besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung: Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt, das sagen offizielle Statistiken. Nun hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung diese Statistiken ergänzt: Demnach ist die Ungleichheit weit extremer.

F. Diekmann, SPIEGEL online

Und da soll eine Debatte über die Art und Weise der Produktion, der Organisation und Verteilung von Eigentum und Reichtum überflüssig oder gar störend sein? Kommt darauf an: Schlecht ist diese Diskussion für alle, die von diesen absurden Verhältnissen profitieren. Die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, obwohl sie vielleicht wissen, dass dies auch für sie selbst keine Zukunft hat:

Selbst ich als Kapitalist gebe zu, dass der Kapitalismus nicht mehr funktioniert“, räumt Starinvestor Ray Dalio ein und warnt zugleich vor einer „Revolution“, sollte der Kapitalismus nicht reformiert werden.

Handelsblatt online, 05.05.2019

Der hellsichtige Starinvestor und milliardenschwere Fondsmanager Warren Buffet bemerkte schon vor vielen Jahren:

There’s a class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.

The New York Times, 26.11.2006

Buffet meinte damals auch, dass es ihm unverständlich sei, wieso seine Sekretärin mehr Steuern zu bezahlen hätte wie er, der Milliardär. Soeben war zu lesen, dass Amazon, derzeit wohl einer der verrufensten Ausbeuter-Konzerne des Planeten, trotz seiner 11,2 Milliarden Dollar an (ausgewiesenem) Gewinn in 2018 eine Steuerrückerstattung von 129 Millionen Dollar erhalten hat. Mit einem Steuersatz von minus 1 Prozent liegt Amazon deutlich unter den Steuerverpflichtungen für die 20 Prozent der ärmsten Haushalte der USA in Höhe von 1,5 Prozent. Trump macht‘s möglich; die Zahl der Konzerne, die keine Steuern mehr bezahlen, hat sich unter seiner Regierung verdoppelt.

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1000 Peitschenhiebe für Religionskritik

Von Ensaf Haidar – Picture provided by PEN International, CC BY-SA 3.0
Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik geht an den saudischen Blogger Raif Badawi

Markus Kompa | TELEPOLIS

Die Initiative für Nachrichtenaufklärung e.V. hat am Freitag zum 5. Mal den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik verliehen. Der Ehrung geht jährlich an Personen oder Institutionen, die sich laut INA auf originelle und ausgewogene Weise kritisch mit dem Journalismus auseinandersetzen. Die mit jeweils 5.000,- € dotierte Auszeichnung ging diesmal an einen entschiedenen Streiter für Meinungs- und Pressefreiheit, nämlich an den saudischen Journalisten Raif Badawi. Vor einem Jahrzehnt hatte Badawi trotz Repressalien das „Saudische liberale Netzwerk“ gegründet, seine religionskritischen Blogposts wurden von Zeitungen nachgedruckt. So schrieb Badawi etwa:

„Die Hauptmission einer jeden Theokratie ist es, jegliche Vernunft zu töten, den historischen Materialismus und den gesunden Menschenverstand rigoros zu bekämpfen und die Massen, so gut es geht, in die absolute Verdummung zu treiben.“

Wegen „Beleidigung des Islam“ wurde Badawi zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Die ersten 50 waren öffentlich durchgeführt worden, seither sitzt Badawi seit sieben Jahren hinter Gitter. Eine ihm nahegelegte Flucht hatte Badawi aus Prinzip abgelehnt. Aufgrund des Konzepts der Sippenhaft wurde letztes Jahr auch Badawis Schwester inhaftiert.

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Zentralrat begrüßt Rücktritt von Direktor des Jüdischen Museums: „Wieder auf inhaltlich wichtige Arbeit konzentrieren“

Das Jüdische Museum in Berlin-Kreuzberg © Bernd von Jutrczenka (dpa)
Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßt den Rücktritt des Direktors der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Peter Schäfer. „Es ist ein wichtiger Schritt, um weiteren Schaden von der Institution abzuwenden.“

DOMRADIO.DE

Das schrieb Zentralratspräsident Josef Schuster am Freitagabend auf Twitter. Das Museum befinde sich derzeit in einer wichtigen Phase der Neuaufstellung, die zu einem guten Abschluss gebracht werden müsse.

Der Zentralrat hatte in den letzten Tagen scharf kritisiert, dass das Museum per Internet eine Leseempfehlung für einen Zeitungsartikel über Wissenschaftler gegeben hatte, die den Beschluss des Bundestags gegen die BDS-Bewegung verurteilen. Die Bewegung ruft unter anderem zum Boykott israelischer Waren auf. Der Zentralrat stellte infrage, ob die Bezeichnung „jüdisch“ für das Museum noch angemessen sei. Überdies hatte der Rat Vorbehalte gegen eine Jerusalem-Ausstellung des Museums vorgebracht.

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Weniger Migranten kommen über die Türkei in die EU

Die Zahl der Migranten, die über die Türkei in die Europäische Union eingereist sind, ist in den ersten vier Monaten dieses Jahres einem Bericht zufolge deutlich zurückgegangen.

evangelisch.de

Bis zum 5. Mai seien 11.217 Menschen in der EU angekommen, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf ein vertrauliches Papier der EU-Kommission. Im Vorjahreszeitraum seien es noch 29 Prozent mehr gewesen.

Fast alle Migranten aus der Türkei kamen den Angaben der EU-Kommission zufolge in Griechenland (11.076) an, deutlich weniger in Bulgarien (86) und Italien (55).

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Wenn der Stadionbesuch und das Yogatraining heilig werden

Yoga statt Gottesdienst? Gerade junge Menschen leben Alternativen zur Kirche Quelle: dpa
Zum Evangelischen Kirchentag werden viele Christen nach Dortmund pilgern. Doch welche Rolle spielt der Glaube überhaupt noch in Deutschland? Experten haben keine guten Nachrichten für die beiden großen Kirchen.

DIE WELT

Im Sprachalltag scheint er noch einen festen Platz zu haben: „Um Gottes Willen“ oder „Gott sei Dank“ heißt es oft. Aber tatsächlich haben Glauben und Religion in der Bevölkerung keinen leichten Stand. Der katholischen und evangelischen Kirche kehren Jahr für Jahr Mitglieder zu Zehntausenden den Rücken. Einer Prognose zufolge wird von aktuell 44,8 Millionen (2017) Katholiken und Protestanten im Jahr 2060 gerade mal die Hälfte übrig bleiben. Reformstau und Missbrauchsskandale schaden massiv. Und Frömmigkeit ist schon lange keine Pflicht mehr. Den Osten Deutschlands sehen Experten gar als europäische Atheisten-Hochburg.

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Religion in den Medien: Zwischen Wahn und säkularer Weltanschauung

Diskussionsrunde beim Kölner Forum für Journalismuskritik. (David Ertl)
Was hat das Himmlische mit dem Boden der Tatsachen zu tun, welche Rolle sollten Religion und Weltanschauung in den Medien spielen? Darum ging es in einer Diskussionsrunde beim 5. Kölner Forum für Journalismuskritik. In der Kritik unter anderem: die sogenannten Verkündigungssendungen.

Deutschlandfunk

„Wir sind nicht mehr eine christliche Gesellschaft – wir sind eine christliche und säkulare und muslimische“, das steht für Ingrid Matthäus-Maier fest. Sie ist Mitglied des WDR-Rundfunkrates und stört sich an den zahlreichen Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Mehr als 1.700 solcher Sendungen hat sie alleine beim Westdeutschen Rundfunk pro Jahr gezählt. Der Grundsatz, es gebe keine Staatskirche, werde sehr oft durchbrochen. Matthäus-Maier forderte zudem eine stärkere Präsenz von Konfessionslosen in den Rundfunkräten öffentlich-rechtlicher Sender.

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Die Säkulare Flüchtlingshilfe stellt sich vor

Der gemeinnützige Verein finanziert seine Arbeit ausschließlich über Zuwendungen. Spenden sind daher sehr willkommen.

Richard-Dawkins-Foundation

An die Säkulare Flüchtlingshilfe wenden sich Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, weil sie wegen ihres Abfalls von der Religion in ihren Herkunftsländern in ihrer Freiheit oder des Lebens bedroht sind. Es handelt sich zurzeit ausschließlich um Ex-Muslime, deren Glaubensabfall in vielen Gesellschaften ein todeswürdiges Vergehen ist.

Hier angekommen, machen sie die Erfahrung, dass sie in Unterkünften mit Menschen zusammenleben, vor denen sie im Prinzip gerade geflohen sind.

Auch gibt es für Asylsuchende eine gesetzliche Wohnsitzauflage, die sie dazu zwingt, 3 Jahre nach Anerkennung des Asyls in der Region der ersten Unterbringung zu bleiben. Bedrohlicher ist dabei jedoch, dass fast alle in der Region als Ex-Muslime/Atheisten identifiziert werden, so dass ihre Familien, von denen sie verfolgt werden, oder die Botschaft ihres Herkunftslandes über ihren Aufenthaltsort genau informiert sind.

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https://www.facebook.com/atheistenhelfen

https://atheist-refugees.com/

Religionskritik: Kein Appeasement mit dem Islamismus

Kritischer Muslim: der deutsch-ägyptische Schriftsteller und Politologe Hamed Abdel-Samad Bild: dpa
Ist es rassistisch, den Islam zu kritisieren? Nein, meint der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad. Er verteidigt auf einer Konferenz an der Goethe-Uni in Frankfurt seine Freiheit auf Kritik.

Von Theresa Weiß | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Damit Hamad Abdel-Samad frei sprechen kann, stehen sechs Personenschützer vor dem Konferenzraum des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“ der Goethe-Uni. Der ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler ist Muslim und kritisiert den Islam: „Der Islam will von der deutschen Aufklärung profitieren, weigert sich aber, Teil dieses Prozesses zu werden.“  Auch wollen religiös-politische Gruppen Kritiker mundtot machen und somit ihren Einfluss auf die Politik ausbauen. Abdel-Samad  ist überzeugt, dass sich immer weniger Deutsche trauen, Kritisches über den Islam zu sagen, weil sie sofort den Vorwurf bekommen, rassistisch zu sein. Solche Aussagen provozieren. Doch wo, wenn nicht an der Universität solle kontrovers diskutiert werden, fragt er.

Abdel-Samad ist nicht allein. Wer sich kritisch zum Islam positioniert, sieht sich in Deutschland Bedrohungen ausgesetzt. Ein Frankfurter Beispiel aus jüngster Zeit: Zehn Menschen gehören zur „Initiative Säkularer Islam“, einer Gruppe aus Wissenschaftlern und Publizisten, die über den Islam diskutieren will und ein totalitäres Verständnis von Religion ablehnt. Vier davon müssen inzwischen von Personenschützern bewacht werden. „Weil sie auf der Abschussliste von irgendwelchen Radikalen stehen“, sagt Susanne Schröter. Die Professorin der Goethe-Universität und Direktorin des „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ will die kritische Auseinandersetzung mit der Religion vorantreiben. Auch darum hat sie zur Konferenz „Säkularer Islam und Islamismuskritik“ eingeladen, auf der auch Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Theologie in Münster, sprechen.

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Wikileaks-Gründer Assange: Die britische Justiz will erst im kommenden Jahr mit dem Auslieferungsbegehren der USA befassen

Wikileaks-Gründer Julian Assange drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft. (Bild: Matt Dunham / AP)
Der britische Innenminister hat den Auslieferungsantrag der USA für Julian Assange formell bestätigt. Der definitive Entscheid liegt aber bei der Justiz.

Neue Zürcher Zeitung

Ein Gericht in London hat das Verfahren über den amerikanischen Auslieferungsantrag für den Wikileaks-Gründer Julian Assange auf Februar nächsten Jahres angesetzt. Die fünftägige Anhörung solle am 25. Februar beginnen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Freitag aus dem Gerichtssaal.

Assange, der per Videostream aus dem Gefängnis zugeschaltet war, will sich gegen die Auslieferung wehren. Er verteidigte die Enthüllungsplattform Wikileaks als «nichts als eine Publikation». Vor dem Gerichtssaal hatte sich eine Reihe von Unterstützern des 47 Jahre alten gebürtigen Australiers eingefunden, die seine Freilassung forderten.

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Geldstrafe: Zwei Ärztinnen wegen Abtreibungs-Werbung verurteilt

Bild: © picture alliance/PhotoAlto/Frederic Cirou
Weil sie mit Schwangerschaftsabbrüchen geworben haben, müssen zwei Berliner Ärztinnen jetzt zahlen. Das Gericht blieb zwar unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, sprach sich in der Sache aber sehr klar aus.

katholisch.de

Im bundesweit ersten Strafprozess nach der Neufassung des gesetzlichen Werbeverbots für Abtreibungen sind zwei Berliner Ärztinnen zu jeweils 2.000 Euro Strafe verurteilt worden. Außerdem müssen sie die Kosten des Verfahrens tragen, urteilte das Amtsgericht Berlin-Tiergarten am Freitag. Das Gericht blieb damit unter dem Strafmaß von 7.500 Euro, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Zur Begründung erklärte die Richterin, die beiden Ärztinnen hätten einen Vermögensvorteil dadurch erzielt, dass sie auf ihrer Internetseite angegeben hätten, Abtreibungen in „medikamentöser und narkosefreier“ Weise sowie „in geschützter Atmosphäre“ vorzunehmen.

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New York schafft wegen Masern religiöse Ausnahme bei Impfpflicht ab

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio rief im April den gesundheitlichen Notstandt für Teile von Brooklyn aus. Dort wüten die Masern insbesondere in der jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft, da diese Impfungen meist ablehnt. (Bild: Shannon Stapleton/Reuters)
Angesichts der schweren Masern-Epidemie schafft der US-Gliedstaat New York Ausnahmen von der Impflicht aufgrund religiöser Motive ab. Beide Kammern des Parlaments stimmten dafür und Gouverneur Andrew Cuomo kündigte an, das Gesetz unterzeichnen zu wollen.

Neue Zürcher Zeitung

Der Bundesstaat ist seit dem vergangenen Herbst von einem schweren Masern-Ausbruch betroffen. Besonders viele Erkrankungen gibt es im New Yorker Stadtteil Brooklyn und im Landkreis Rockland. In beiden Gebieten leben zahlreiche orthodoxe Juden, die aus religiösen Gründen die Impfung ablehnen.

Zwar gibt es in New York wie in fast allen US-Gliedstaaten eine Reihe verpflichtender Impfungen für Schulkinder. Bisher wurden aber Ausnahmen aus medizinischen oder religiösen Gründen zugelassen. New York ist nun einer der wenigen Bundesstaaten, welche religiöse Motive nicht mehr als Grund für eine Ausnahme akzeptieren.

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Seine Philosophie hat die Lehren der Katastrophe verinnerlicht

Jürgen Habermas im Jahr 2012 auf dem Deutschen Juristentag (DJT) in München © Johannes Simon/dpa
Über Kants Philosophie soll Goethe einmal gesagt haben, ihre Lektüre erwecke den Eindruck, dass man ein hell erleuchtetes Zimmer betritt. Ein solches Lob gebührt nicht minder der Philosophie von Jürgen Habermas, die als spätmoderner Gipfel des von Kant begründeten rationalistischen Geistes herausragt.

Von Peter E. Gordon | ZEIT ONLINE

Was Habermas aber antreibt, sind nicht die nostalgischen Energien eines weltlosen Rationalismus; es ist vielmehr ein geläuterter Rationalismus, der die Lehren der historischen Katastrophe verinnerlicht und seinen Sitz in der sozialen Praxis selbst gefunden hat. Von metaphysischen Unbedingtheiten kann die Vernunft nicht mehr sprechen; sie überlebt einzig in der innerweltlichen und irrtumsanfälligen Form der öffentlichen Beratschlagung.

Ich begegnete Habermas zum ersten Mal in den späteren Achtzigerjahren. Damals wurden die Studierenden in den USA von Begeisterung für die anarchistischen Tendenzen gepackt, die man wahllos unter die Bezeichnung „Postmoderne“ subsumierte. Eine von Nietzsche und Heidegger inspirierte Stimmung verspielter Ironie hielt Einzug ins akademische Leben und verbreitete die Botschaft, dass der Sinn von Texten unerschöpflich und die Berufung auf universelle Moral als Maskierung der Macht zu entlarven sei. Doch die postmoderne Geisteshaltung verbraucht ihre emanzipatorischen Energien. Foucaults Verfahren der historischen Genealogie nährt die Einstellung einer alles erfassenden Skepsis: Es kann nicht erklären, warum irgendein politisches Engagement Vorrang vor einem anderen genießen sollte. Wird „Macht“ aber einmal als ultimative Bedeutung von Normalität angesehen, dann ist der zersetzende Realismus der Linken nicht mehr vom harten Realismus der politisch Konservativen zu unterscheiden – und die haben schon immer gesagt, dass Moral eine Fiktion und der Mensch ein gefährliches Tier sei.

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Das Internet bietet Marokkos Atheisten eine Heimat

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt. Doch mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Arabern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.
Das Internet ermöglicht es nicht nur, sich zum Atheismus zu bekennen, sondern auch mittels Kritik an Religion im Allgemeinen und dem Islam im Speziellen atheistische Überzeugungen in die Diskussion einzubringen und zu stärken. Ismail Azzam sprach mit jungen Marokkanern, die sich vom Islam abgewendet haben.

Ismail Azzam | Qantara.de

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt: Bereits in den vergangenen Jahrhunderten bekannten sich verschiedene wichtige Persönlichkeiten in der Region zum Atheismus. Aber mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Marokkanern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.

„Paltalk“ war das erste Medium, auf dem der Aktivist mit dem Pseudonym Hisham Nousteek über Atheismus sprach. Später wechselte er dann zur Videoplattform YouTube, über die er mittlerweile auf verschiedenen Kanälen Videos zum Thema Religion verbreitet. Darüber hinaus betreibt er eine eigene Webseite und ist auch auf seiner Facebook-Seite weiterhin sehr aktiv. Als erster Atheist Marokkos hat er zudem ein gedrucktes Buch veröffentlicht: In „Memoiren eines Ungläubigen“ schildert er im marokkanischen Dialekt seinen Weg vom Glauben zum Atheismus.

„Ein marokkanischer Ungläubiger“

„Das Internet hat unser Leben grundlegend verändert. Das hat sich auch auf unsere Überzeugungen ausgewirkt und die Art, wie wir sie thematisieren, geändert. Es war der ausschlaggebende Faktor für mich, mit meiner Kritik an Religion und meiner Abkehr vom Glauben an die Öffentlichkeit zu gehen. Auf einmal konnte ich ganz einfach und problemlos mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten“, sagt Nousteek im Gespräch mit Qantara.de. In seinen Worten spiegelt sich die weit verbreitete Idee, dass durch die sozialen Netzwerke und die Möglichkeit, öffentlich und ohne Tabus zu diskutieren, eine große Anzahl von Muslimen zu Atheisten werden könnte.

Die Verbreitung atheistischen Denkens über die sozialen Netzwerke ist jedoch nicht die einzige Veränderung, die das Internet mit sich gebracht hat: „Dank des Internets stehen den Menschen heutzutage Informationen und Quellen zur Verfügung, die es früher nur in teuren Büchern gab. Dadurch begannen viele zu hinterfragen, was sie als Kinder zu glauben gelernt haben“, erklärt Nousteek.

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Italien verabschiedet Dekret über Strafbarkeit von Seenotrettung: „Schritt zur Abschaffung des Asylrechts in Italien“

Flüchtlinge werden während eines Rettungseinsatzes vor der libyschen Küste geborgen © Laurin Schmid/SOS (dpa)
Die Zahl der Toten auf dem Mittelmeer ist in dem diesem Jahr dramatisch angestiegen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Migranten und Asylbewerber in Italien ab. Greift also die italienische Migrationspolitik, die wie Abschreckung wirkt?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Die italienische Regierung hat ein umstrittenes Dekret verabschiedet, das die Rettung von Migranten auf dem Mittelmeer für Hilfsorganisationen unter Strafe stellen kann. Private Schiffe, die sich nicht an die Anweisung halten und in italienischen Hoheitsgewässern unterwegs sind, müssen mit einer Strafe zwischen 10.000 und 50.000 Euro rechnen. Kapitän, Betreiber und Besitzer des jeweiligen Schiffes müssen die Strafe bezahlen. Der Ministerrat in Rom hat diesem Dekret zugestimmt. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Prof. Christopher Hein (Professor an der Universität Luiss in Rom für Asyl- und Migrationsrecht): Das bedeutet, dass ein weiterer Schritt zur Abschaffung des Asylrechts in Italien und auch zur Missachtung der internationalen Regeln über die Verpflichtung der Rettung von Schiffbrüchigen eingeleitet wird – egal aus welchen Gründen und egal aus welchen Meeren. Es hat in diesem Jahr im Zeitraum vom 1. Januar bis jetzt bereits 343 Tote im zentralen Bereich des Mittelmeers zwischen Libyen, Tunesien auf der einen und Malta und Italien auf der anderen Seite gegeben.

343 Tote in so wenigen Monaten. In den letzten zwölf Monaten hat es 18 Schiffsunglücke in diesem Teil des Mittelmeers gegeben. Wenn wir die Zahlen der Toten im Verhältnis zu denen setzen, die es geschafft haben, in diesen ersten fünf Monaten dieses Jahres nach Italien reinzukommen – das waren 2.144 Menschen – kann man sagen, dass jeder Siebte ums Leben kommt. Das ist ein Verhältnis, das es so vorher nie gegeben hat, das ist tatsächlich erschreckend.

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Kohle-Proteste: RWE holt den Hammer raus

Protestaktion im Februar. Bild: Ende Gelände
Energiekonzern versucht mit Vertragsrecht und Unterlassungserklärungen seine Gegner einzuschüchtern

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Der Energiekonzern RWE verlangt 50.000 Euro Vertragsstrafe von einem der Pressesprecher der Anti-Kohle-Kampagne „Ende Gelände“, wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet. Der betroffene 24jährige Bonner Student Daniel Hofinger habe im vergangenen Jahr über Twitter zu Blockaden der Kohle-Infrastruktur im Rheinischen Revier aufgerufen, womit er einer zuvor unterzeichneten Unterlassungserklärung zuwiderhandelte.

In einem Schreiben der RWE-Anwälte wird Hofinger vorgeworfen, im Oktober 2018 per Twitter zu Blockaden im rheinischen Braunkohlerevier aufgerufen zu haben. Außerdem habe er auf einer öffentlichen Veranstaltung „zu ‚zugespitzten Aktionsformen durch massenhaften zivilen Ungehorsam‘ etwa gegen das Hausrecht unserer Mandantin aufgerufen“.

Die beiden Vorwürfe deuten unter anderem darauf hin, dass RWE die Aktivitäten der Braunkohlegegner überwacht und in öffentlichen Versammlungen aufzeichnen lässt. Das ist schon für sich genommen ein äußerst bedenklicher Umstand, der viel Denkstoff über das Thema Demokratie und große Konzerne bietet.

RWE beruft sich unter anderem in dem verlinkten Anwaltsschreiben darauf, dass Hofinger im vergangenen Jahr eine Unterlassungserklärung unterschrieben habe. Darin habe er sich verpflichtet, kein RWE-Gelände zu betreten und Störungen des Betriebes zu unterlassen. Offenbar wird nun versucht, bereits Meinungsäußerungen als Störung des Betriebes auszulegen.

Hofingers Rechtsanwalt Thorsten Deppner spricht in einer Presseerklärung der Kampagne von einem einmaligen Vorgang. „In letzter Zeit greift RWE zu immer drastischeren Drohgebärden, um ihr fossiles Geschäftsmodell zu schützen. Diese Entwicklung findet hier mit einem Angriff auf die Meinungsfreiheit ihren vorläufigen Höhepunkt“, so Deppner.

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Edward O. Wilsons Lebenswerk: Kribbeln, krabbeln, kooperieren

Alles fürs Nest: Edward O. Wilson mit vergrößerten Objekten seiner Forschung Bild: Getty
Vom Sozialleben der Ameisen zur Entschlüsselung der menschlichen Natur: Dass sich der Begriff „Biodiversität“ durchgesetzt hat, ist nicht zuletzt dem Biologen Edward O. Wilson zu verdanken. Jetzt wird er 90 Jahre alt.

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist eher ungewöhnlich für einen Biologen, ein Buch des Titels „Der Sinn des menschlichen Lebens“ vorzulegen. Aber Edward O. Wilson ist nun einmal ein Biologe, der seiner Disziplin Antworten auf Grundfragen zutraut. Denn sie ist es in seinen Augen, die uns zuletzt, wenn tragfähige Einsichten verlangt sind, ein richtiges Bild unserer selbst liefert. Weshalb sie auch zuständig ist, wenn es um die Fragen geht: „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“

Es sind die Fragen, einem Gemälde Paul Gauguins entlehnt, die Wilson seinem 2012 erschienenen Buch „Die soziale Eroberung der Erde“ vorangestellt hat. Sein Untertitel lautet „Eine biologische Geschichte des Menschen“, und er war Programm. Es galt, die auf biologischem Terrain vertrauten Erklärungen evolutionärer Prozesse möglichst weit in die Kulturgeschichte der Menschheit hinein zu verlängern. Die Ameisen spielen dabei, wie es sich beim Doyen der Erforschung sozialer Insekten und insbesondere der Ameisen fast von selbst versteht, eine wichtige Rolle. Denn sie wie wir haben den im Tierreich seltenen Übergang zu sozialen Lebensformen gefunden, weshalb sich an ihnen Mechanismen sozialer Koordination gleichsam aus der Außenperspektive betrachten lassen.

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