Warum das Kinderkopftuchverbot richtig wäre

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Das von Terres des Femmes geforderte Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen wird derzeit kontrovers diskutiert. Kritiker argumentieren mit der durch das Verbot eingeschränkten Religionsfreiheit der Kinder und einem bevormundenden Staat, der dem Individuum seine Freiheiten nimmt.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Dabei vergessen sie die Rechte des Kindes und begünstigen eine ethnisch-religiöse Spaltung der Gesellschaft in moralisch und rechtlich voneinander isolierte Räume, die Minderheiten eher schwächt als stärkt und langfristig den sozialen Frieden gefährden kann.

Selbst- oder Fremdbestimmung?

Minderjährige stehen in Deutschland unter einem besonderen rechtlichen Schutz. Staatlich kann und muss zum Wohle der Kinder durchgesetzt werden, dass sie ihre Grundrechte wahrnehmen können. Bei Kindern unter 14 Jahren wird von einer fehlenden Religionsmündigkeit gesprochen. Das ist bei allen Religionen gleichermaßen zu berücksichtigen und müsste weitreichende Änderungen im Bildungssystem mit sich bringen, z.B. eine freie Wahl des Religionsunterrichts erst mit dem 14. Lebensjahr oder einen gemeinsamen Ethikunterricht.

Das Kopftuch ist in Bezug auf die fehlende Religionsmündigkeit allerdings kritischer zu sehen, weil es eine sexualisierende und politische Dimension impliziert, die junge Mädchen noch nicht überblicken können. Als Symbol des politischen und reaktionären Islams, das das Mädchen oder die Frau als religiös, rein und Verfügungsmasse des Mannes markieren soll, wird das Selbstbestimmungsrecht des Mädchens auf eine eine (auch religiöse) persönliche Entfaltung konterkariert. Darüber hinaus entspricht die Sexualisierung des Mädchens, bewirkt durch die Verdeckung ihrer (vermeintlichen) Reize gemäß religiöser Vorgabe, um sie vor den lüsternen Blicken der Männer zu schützen, nicht den emanzipatorischen Errungenschaften einer modernen Gesellschaft. Der Staat sollte folglich seine besondere Fürsorgepflicht notfalls auch gegen die religiös-fundamentalistischen Erziehungsvorstellungen von muslimischen Eltern durchsetzen, um das Kind vor dieser Form der Sexualisierung und der Einschränkung von Religionsfreiheit und Selbstbestimmung zu schützen. Mindestens bis zum vierzehnten Lebensjahr, dem Erreichen der religiösen Selbstbestimmung also, sollten Kinder nicht durch ein oktroyiertes Kopftuch in ihrem Selbstbestimmungsrecht beschnitten werden.

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Wirbel um Ditib

Ein Abgeordneter hinterfragt die finanzielle Unterstützung des Moscheeverbands Ditib in den Kommunen im Kreis Offenbach.

Von Annette Schlegl | Frankfurter Rundschau

In Hessen gibt es Vorbehalte gegen den Moscheeverband Ditib. Das Kultusministerium befürchtet zu viel Nähe zu Erdogan und hegt Zweifel an der Unabhängigkeit der türkisch-islamischen Religionsgemeinschaft. Landtagsabgeordneter Hartmut Honka (CDU) hat sich deshalb aktuell bei den Bürgermeistern in seinem Wahlkreis erkundigt, ob und wie Ditib-Moscheen und -Vereine finanziell unterstützt werden. Doch vor allem Dieter Zimmer, SPD-Bürgermeister in Honkas Heimatgemeinde Dreieich, bricht im Gespräch mit der FR eine Lanze für die türkisch-islamische Gemeinde in seiner Stadt.

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Tollwut: Alle neun Minuten stirbt ein Mensch einen unvorstellbar qualvollen Tod

Eine wichtige Massnahme gegen die Tollwut: die Impfung von Hunden. (Keystone)
Eine neue Strategie soll die Tollwut weltweit bis 2030 eliminieren. Ein Augenschein in Madagaskar zeigt, wie schwierig das sein dürfte.

Hermann Feldmeier | Neue Zürcher Zeitung

Es ist früh am Morgen. Auf dem Campus des Pasteur-Instituts in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, schaut die Sonne über dem haushohen Bambushain hervor. Vor dem Tollwut-Ambulatorium, einem Backsteingebäude aus den 1950er Jahren, hat sich bereits eine Menschenschlange gebildet. Die erste Patientin ist eine Frau mittleren Alters mit dunklen Ringen unter den Augen. Ihre Kleidung ist abgetragen, die nackten Füsse stecken in Sandalen aus dem Gummi alter Autoreifen. Sie stammt aus dem Nordwesten des Landes und war drei Tage mit dem Sammeltaxi unterwegs, um ins Ambulatorium zu gelangen.

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Starautor Martin Amis: «Religion vergiftet alles. Sie verleiht ein Mandat, im Namen Gottes oder Allahs alle möglichen Dinge zu begehen»

Martin Amis ist kein Autor, der sich dem Zeitgeist andient. (Bild: Murdo Macleod / Polaris / Laif)
Martin Amis, einer der wichtigsten zeitgenössischen britischen Autoren, ist kein Freund der Religion, dafür von eindeutigen Worten. Im Gespräch verrät er, wie man gegen Klischees kämpft, warum man nicht der Selbstgerechtigkeit erliegen sollte und was man von einer blutig endenden Abendgala über Terrorismus lernen kann.

Tobias Sedlmaier | Neue Zürcher Zeitung

Martin Amis, vor dreissig Jahren schrieben Sie in einem Ihrer nun auf Deutsch vorliegenden Essays, dass es «nichts auf der Welt gäbe, worüber man sich mehr Sorgen machen müsse, als einen atomaren Schlagabtausch». Gilt das immer noch?

Nein, wir sind vom kontrollierten Atomzeitalter in die Ära des unberechenbaren Terrorismus eingetreten. Heute sind am meisten die unkontrollierbaren Waffen der Renegaten zu fürchten. Der marxistische Historiker Eric Hobsbawm hat das Zeitalter der nuklearen Bedrohung einmal einen «Wettbewerb der Albträume» genannt. Dieser Krieg fand bis auf wenige Ausnahmen in unseren Köpfen statt.

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Bundestagsmehrheit unterstützt Religionsfreiheit für alle Religionen

Bild: © dpa/Wolfram Steinberg
Religionsfreiheit gilt für alle – dafür stimmte die große Mehrheit der Bundestagsfraktionen. AfD und Grüne scheiterten mit Anträgen: Die einen wollten bevorzugt eine Religion in den Fokus nehmen, die anderen den Blick ins Inland lenken.

katholisch.de

Die große Mehrheit der Fraktionen im Bundestag hat sich zur Religionsfreiheit bekannt. In einer Debatte über mehrere Anträge warben Vertreter von Union, SPD, FDP, Linken und Grünen am Freitag dafür, gemeinsam in Deutschland und weltweit für Glaubensfreiheit einzutreten. Vertreter der AfD legten den Fokus dagegen vor allem auf die Verfolgung von Christen.

Der Bundestag nahm einen Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD an. Darin wird Religions- und Weltanschauungsfreiheit als „zentrales Menschenrecht“ benannt.

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Stephen Hawking’s Final Book Says There’s ‚No Possibility‘ of God in Our Universe

In a new book that was published posthumously, Stephen Hawking, who died in March, wrote that it is impossible for God to exist in our universe. Credit: Frederick M. Brown/Getty Images
From his desk at Cambridge University and beyond, Stephen Hawking sent his mind spiraling into the deepest depths of black holes, radiating across the endless cosmos and swirling back billions of years to witness time’s first breath.

By Brandon Specktor | SPACE.com

He viewed creation as a scientist, and when he was called to discuss creation’s biggest puzzles — Where do we come from? What is our purpose? Are we alone? — he answered as a scientist, often to the chagrin of religious critics.

In Stephen Hawking’s final book „Brief Answers to Big Questions,“ published Tuesday (Oct. 16) by Bantam Books, the  professor begins a series of 10 intergalactic essays by addressing life’s oldest and most religiously fraught question of all: Is there a God? [Big Bang to Civilization: 10 Amazing Origin Events]

Hawking’s answer — compiled from decades of prior interviews, essays and speeches with the help of his family, colleagues and the Steven Hawking Estate — should come as no surprise to readers who have followed his work, er, religiously.

„I think the universe was spontaneously created out of nothing, according to the laws of science,“ Hawking, who died in March, wrote. „If you accept, as I do, that the laws of nature are fixed, then it doesn’t take long to ask: What role is there for God?“

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Atheisten für den Islam

Als am vergangenen Sonntag in Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert wurde, war auch eine Organisation mit dabei, die sich bisher durch ihr Eintreten gegen den Einfluss jeglicher Religion in Staat und Gesellschaft auszeichnete.

Archi W. Bechlenberg | Achgut.com

Es ist die Giordano-Bruno-Stiftung, benannt nach dem 1600 von der Heiligen Inquisition auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannten italienischen Priester, Dichter, Philosophen und Astronomen gleichen Namens. Im Gegensatz zu Opfern des IS Terrors, so erklärte mir einmal ein katholischer Theologe, sei Bruno nicht etwa unrechtmäßig hingerichtet worden; es habe zuvor ein ordentliches Gerichtsverfahren gegeben.

Die GBS nennt sich „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“, sie tritt ein für eine „tragfähige humanistische, rationale und evidenzbasierte Alternative zu den traditionellen Religionen“ und möchte dieser „gesellschaftlich zum Durchbruch zu verhelfen.“

Ob der Stiftung ihr Mitdemonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit bei in Deutschland lebenden Japanern, Griechen, Italienern, Vietnamesen oder Luxemburgern positiv aufgefallen ist, ist zumindest fraglich.

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Bittere Armut und unmenschliche Minijobs

Grafik: TP
Dieses Erbe der letzten Regierung unter einem SPD-Kanzler bleibt präsent: Der Niedriglohnbereich, ausgebaut unter Gerhard Schröder, nimmt einen zentralen Platz im sogenannten Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz ein.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Dort wird aufgezeigt, dass sich nicht nur Arbeitslose, sondern auch eine stetig wachsende Zahl von Menschen, die einem Erwerb nachgehen, selbst in Deutschland mit bitteren Phänomenen der Armut herumschlagen müssen. Dass dies aus unterschiedlichen Gründen versteckt wird, passt zum Namen des Berichts.

Offiziell wird der Begriff „Schattenbericht“ von Barbara Eschen, der Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz (Mitglieder hier), damit begründet, dass er als eine Art Parallelbericht zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (siehe dazu: „Westliche Demokratie“ ist hohl: Reichtum regiert fungieren soll. Es geht um eine Parallelwelt, die kaum, wenn überhaupt, von denen wahrgenommen wird, die damit nicht in Berührung kommen oder nicht in Berührung kommen wollen.

Große Teile des Schattenberichts schildern aus Sicht von Menschen mit Erfahrung, was es tatsächlich heißt, mit so wenig Mitteln auszukommen, von denen die Besserwisser behaupten, dass es reicht.

Das „Normale“ fehlt: Internet, Zeitung, Treffpunkte, Freizeitangebote, gute Wohnung und Arbeit, gesundes Essen und politische Beteiligung. Abgeordnete nehmen Arme kaum wahr. Die Folge: Je ärmer, desto niedriger die Wahlbeteiligung.

Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz

Die Erfahrungsberichte sind ein wichtiger Teil des Berichtes der Nationalen Armutskonferenz und sie kommen im Gegensatz zur Mehrheit der politischen Standortbestimmungen ohne Zeigefingergestus aus, beschreiben die Realität, die in den Politikproklamationen etwa der konservativen Parteien, die sich gerade in Bayern auf ein dickes Brett setzen, keine Rolle spielen.

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Union bekräftigt „Nein“ zur Streichung von Paragraf 219a

Bild: © Deutscher Bundestag / Achim Melde
Der Bundestag diskutiert am Donnerstagabend erneut über das geltende Werbeverbot für Abtreibungen. Vor der Debatte haben mehrere Fraktionen ihre Standpunkte in dieser Frage noch einmal deutlich gemacht.

katholisch.de

Die Union hat ihr „Nein“ zur Streichung des Werbeverbots für Abtreibungen bekräftigt. Sie befürchte eine veränderte gesellschaftliche Einstellung zum Abbruch einer Schwangerschaft, wenn Ärzte dafür werben könnten, sagte die rechtspolitische Sprecherin der Union, Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), am Donnerstag im rbb. Eine Abtreibung könne dann wie eine Vorsorgeuntersuchung als eine normale Dienstleistung des Arztes angesehen werden. Auftrag des Staates sei es aber, das Lebensrecht des Kindes zu schützen.

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„Afterdienst“: Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie – poehse Atheisten

Die atheistische Bedrohung

Am Samstag, 10. November, lädt die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Kelheim um 9.30 Uhr zu einem Studientag mit Professor Dr. Bertram Stubenrauch in das Kloster Weltenburg ein. Das Thema lautet: „Gott auf der Anklagebank? – Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie“.

Wochenblatt

„Es gab immer schon Menschen, die so lebten, als gäbe es Gott nicht. Und manche haben Gottes Existenz mit Argumenten ausdrücklich bestritten. Inzwischen aber hat der Atheismus einen geradezu missionarischen Eifer entwickelt: Man predigt aggressiv gegen den Gottesglauben und beginnt Gleichgesinnte miteinander zu vernetzten“, so die Beobachtung des Referenten. Der Studientag geht der Frage nach, mit welchen Methoden, mit welchen Argumenten und auf welchem Niveau atheistische Propaganda vorgeht. Er informiert über die Geschichte des Atheismus und seinen aktuellen Ist-Stand, diskutiert aber auch Versäumnisse auf Seiten der Glaubenden, mit der Herausforderung, die atheistisches Gedankengut darstellt, angemessen umzugehen. Ziel des Seminars ist die eingehende Diskussion der Teilnehmenden untereinander und mit dem Referenten. Dem dienen einführende Impulse des Referenten und die Vorstellung charakteristischer Texte.

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Religiöse Vorschrift oder historisches Produkt der Männerherrschaft?

Paula Modersohn-Becker: Kopf einer alten Frau mit schwarzem Kopftuch, 1903
In seinem Buch Ihr müsst kein Kopftuch tragen plädiert der Theologe und Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi für eine kritische Revision des islamischen Kopftuchgebots.

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Ourghi, in wie vielen islamisch regierten Staaten ist das Nicht-Tragen eines Kopftuchs gesetzlich erlaubt und wird von der Bevölkerung auch toleriert?

Abdel-Hakim Ourghi: Das ist völlig richtig, denn das Familiengesetz in vielen muslimischen Ländern, wie etwa in Nordafrika, erlaubt die Nicht-Verschleierung. Die Realität sieht jedoch anders aus. Es geht letztendlich bei der Verschleierung nicht nur um die Beherrschung des Geistes und Körpers der Frauen, sondern auch um die Steuerung ihrer Sexualität.

Viele Mädchen und Frauen, die kein Kopftuch tragen wollen, sind dem kollektiven Zwang ihrer Gemeinde und Familie ausgesetzt sind. Wenn sie schließlich doch nachgeben, dann nicht freiwillig. Die nicht kopftuchtragende Frau wird unterstellt, dass sie ihren Körper zu Schau und damit anderen zur Verfügung stellt.
In der patriarchalen Gesellschaftsordnung besteht der Konsens, eine solche Frau sei keine „wahre“, keine „richtige“ Muslimin. Sie sei eine Muslimin, die keinen Respekt vor der eigenen Religion und vor den anderen Muslimen habe. Sie sei eine Außenseiterin, da sie sich nicht an das Verschleierungsgebot halte. Ihre Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinde wird dadurch in Frage gestellt.

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Kritik an Antibiotika-Gebrauch in der Landwirtschaft

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat Landwirte und Tierärzte aufgefordert, weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung einzusetzen.

evangelisch.de

Der unsachgemäße und übermäßige Gebrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft habe dazu geführt, dass immer mehr dieser Arzneimittel nicht mehr wirkten, sagte Generalsekretär Alexander Bonde am Mittwoch am Sitz der Stiftung in Osnabrück. Hinzu kämen Hygienemängel in der Human- und Veterinärmedizin. Weltweit stürben deshalb immer mehr Menschen und Tiere an bakteriellen Erkrankungen.

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Die Folgen der christlichen Sündenlehre

Julia, eine ehemals tiefgläubige Christin, erzählt ihre Geschichte.

Richard-Dawkins-Foundation

Sie ist Mitglied des Panels von „Faith to Faithless“, einer wachsenden britischen Organisation von Menschen, die aus allen ehemaligen Glaubensrichtungen kommen und die Religion hinter sich gelassen haben: Islam, Christentum, Judentum, Sekten, Esoterik etc.

http://faithtofaithless.com/

Gründer von Faith to Faithless sind zwei ehemalige Muslime: Imtiaz Shams und Aliyah Saleem.

Dieses Video entstand bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Faith2Faithless und den Humanist Students UK.

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Streitgespräch zwischen einer religiösen und einer säkularen Weltsicht

So etwas gibt es selten zu lesen: Ein populäres deutsches Wissenschaftsmagazin hat zwei renommierte Naturwissenschaftler zu einem Gespräch über Glauben und Vernunft eingeladen.

Dr. Michael Utsch | EZW

Streit war zu erwarten, weil eine Gesprächspartnerin ehrenamtlich in einer evangelikalen orientierten Freikirche engagiert ist, ihr Gegenüber im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung sitzt. Barbara Drossel ist als Professorin für theoretische Physik an der Technischen Universität Darmstadt tätig, der Biologe Volker Sommer arbeitet als Primatenforscher an einer Londoner Universität. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die erste Frage nach der Existenz Gottes sehr unterschiedlich beantwortet wird. Das Streitgespräch kreist weiter um Fragen von Möglichkeiten und Grenzen des wissenschaftlichen Verstehens der Welt, Auch unterschiedliche Bewältigungsformen der Endlichkeit, die Ursache menschlichen Leids und die Wurzeln für moralisches Verhalten kommen zur Sprache. Während der Agnostiker Vogel bestreitet, dass sein Leben einen Sinn benötige, war die religiöse Beantwortung der Sinnfrage für die praktizierende Christin Drossel der entscheidende Anlass, zum Glauben zu finden.

Auch wenn manche Fragen in dem Gespräch nur kurz angesprochen werden, sind der sachliche Ton, die persönlichen Antworten und der spürbare gegenseitige Respekt der beiden Wissenschaftler bemerkenswert. In unserer Gesellschaft werden mehr derartige Begegnungsmöglichkeiten, Plattformen und Gesprächsformate benötigt, wo Menschen mit gegensätzlichen Sinnorientierungen und Weltanschauungen sich neugierig, offen und fair austauschen und voneinander lernen können. Dadurch könnten Vorurteile abgebaut, das Verständnis für fremden Glauben verbessert und die eigene Überzeugung modifiziert oder aber bestärkt werden.

 

Belgiens jüngster Imam Khalid Benhaddou fordert „rationalen Islam“ für Europa

Khalid Benhaddou, Bild: khalidbenhaddou.be
Spätestens seit den Anschlägen am Brüsseler Flughafen im März 2016 haben Muslime in Belgien mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfen. Imam Khalid Benhaddou will das ändern.

DOMRADIO.DE

Einst träumte Khalid Benhaddou (30) von einer Karriere als Profifußballer. Als er noch als Junge zum Training nach England eingeladen wurde, sagte sein Vater, er solle lieber in die Moschee gehen. Der Traum vom Fußballstar zerplatzte, doch ein neuer entstand.

Konnte mit zwölf den gesamten Koran auswendig

Benhaddou, dessen Eltern in den 60er Jahren aus Marokko einwanderten, folgte dem Rat des Vaters. Schon mit zwölf Jahren konnte er den gesamten Koran auswendig. Heute ist Benhaddou 30 Jahre alt und der jüngste Imam in Belgien. In seinem gutgeschnittenen blauen Anzug, Krawatte und adrettem Seitenscheitel könnte er Geschäftsmann sein.

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«Mein Bauch gehört mir» war gestern

Abtreibungsgegner (vorne) und Aktivistinnen für eine freie Wahl («free choice») (hinten) bringen ihre Anliegen auf Deutschlands Strassen. (Bild: Imago)
Ein umstrittener Paragraf hat in Deutschland eine Debatte über die Selbstbestimmung der Frau entfacht. Das hat auch mit dem Erstarken der Neuen Rechten zu tun.

Valerie Zaslawski | Neue Zürcher Zeitung

Die Gebärmutter ist erneut zum Schlachtfeld geworden: Nicht nur in den USA oder in Polen, auch in Deutschland wird seit einigen Monaten wieder über den Schwangerschaftsabbruch gestritten. Dabei zanken Christen mit Feministinnen und debattieren Anhänger der AfD mit Roten und Grünen darüber, was höher zu gewichten sei: das Recht auf Leben eines Ungeborenen oder die Selbstbestimmung der Frau. Im Zentrum der Debatte steht der Paragraf 219a. Dieser verbietet Werbung beziehungsweise Information über Schwangerschaftsabbrüche. Cornelia Möhring, die für die Linke im Bundestag sitzt, möchte ihn abschaffen: «Schwangerschaftsabbrüche müssen endlich aus der Tabuzone geholt werden, denn sie sind schon lange Realität.» Im vergangenen Jahr gab es rund deren 100 000. Straffrei sind sie allerdings nur unter bestimmten Umständen (siehe Zusatz).

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Vitaminsegen oder Agrarwüste

Foto: Susanne Aigner
Gesunde Äpfel? Vielfalt ist vom Aussterben bedroht

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Ob rote, gelbe, grüne oder süße und saure Äpfel – weltweit soll es etwa 20.000 Apfelsorten geben, 1.600 davon allein in Deutschland. Nur wenige Apfelsorten (Übersicht hier) werden in den Supermarktregalen angeboten: Sie heißen Granny Smith, Elstar, Glostar, Pink Lady, Golden Delicios und Braeburn.

Weltweit beschränkt sich die Apfelzüchtung nur noch auf wenige Elternsorten. Die daraus hervorgehenden Kultursorten unterliegen zumeist kommerzieller Nutzung. Jüngere, wie Golden Delicous, der inzwischen als wichtigste gelbgrüne Apfelsorte im Welthandel gilt, sind nicht mehr als 100 Jahre alt.

Jonagold, eine der häufigsten Apfelsorten weltweit, wurde Anfang der 1940er Jahre in den USA aus den Sorten Golden Delicious und Jonathan heraus gezüchtet. Auch Elstar kommt bei uns relativ häufig vor. Als ein Abkömmling von Golden Delicious entstand er Mitte der 1950er Jahre in den Niederlanden.

Dem gegenüber lassen sich alte Kultursorten wie der Gravensteiner bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. In Deutschland einst weit verbreitet, sind viele dieser Sorten vom Aussterben bedroht, weil sie den EU-Normen nicht genügen.

Die Reduzierung auf nur wenige Apfelsorten geht auch mit einem Gen-Verlust einher, der gravierende Folgen haben kann. Werden zum Beispiel Elternsorten von Krankheiten befallen, stehen keine widerstandsfähigen und krankheitsresistenten Gene mehr zur Verfügung.

Das Pomarium Anglicum in Schleswig-Holstein will dieser Entwicklung entgegenwirken. Seit Mitte der 1980er Jahre sammelt der Apfelkundler Meinolf Hammerschmidt alte Apfelsorten. In der Nähe von Flensburg gründete er eine Baumschule, anfangs mit alten Sorten, die er im Dorf vorfand. Im Laufe der Jahre entwickelte sich aus der Baumschule ein beachtliches Freilichtmuseum mit 700 Apfel-, aber auch zahlreichen Birnen-, Kirschen- und Pflaumensorten sowie Themengärten, Gartenstuben und Laubengängen.

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Rechtsphilosoph: „Kreuz im Klassenzimmer ist schwer zu rechtfertigen“

foto: heribert corn Stefan Hammer, Professor für Rechtsphilosophie, hält es für ein Problem, dass der säkulare demokratische Staat eigentlich immer nur religiöse, nicht aber nichtreligiöse Weltanschauungen einbezieht.

Stefan Hammer über Gott in der Schule, Kopftuchverbote und die Pflicht zum Ethikunterricht nur für Religionsabmelder

Lisa Nimmervoll | derStandard.at

Das Thema Religion taucht in der Politik immer wieder auf. Besonders oft im Zusammenhang mit Integrationsfragen, aber auch in der Bildungspolitik. Stichwörter: Kreuz, Kopftuch, Ethikunterricht. Zugleich wächst die Gruppe der Konfessionsfreien bzw. Nichtgläubigen am stärksten. Die Vortragsreihe „Fachdidaktik kontrovers“, in Kooperation von Philosoph Konrad Paul Liessmann und dem STANDARD organisiert, widmet sich daher der Frage „Wie viel Gott braucht die Schule? Über das Verhältnis von Religion und Bildung“. Zum Auftakt spricht Rechtsphilosoph Stefan Hammer am Mittwoch (17 Uhr, NIG, Hörsaal 3D, Universitätsstraße 7) zum Thema „Schulunterricht nur über oder auch in Religion: Was verhilft zur gebildeten Selbstbestimmung?“.

STANDARD: Der Titel der Vortragsreihe lautet: „Wie viel Gott braucht die Schule?“ Ich adaptiere die Frage für den Juristen: Wie viel Gott darf denn in die Schule in einem an sich säkularen Staat hinein?

Hammer: Säkularer Staat heißt ja nicht laizistischer Staat. Ein säkularer Staat grenzt Religion nicht aus, sondern lässt sie grundsätzlich im öffentlichen Raum, und damit auch in der Schule, zu – aus dem Verständnis heraus, dass auch Religionen etwas zum säkularen politischen Diskurs beitragen können. Nur muss das auf einer religiös und weltanschaulich neutralen Basis geschehen.

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Sineb El Masrar über legalistischen Islamismus – „Religion wird pervertiert“

Die deutsche Autorin und Journalistin Sineb El Masrar (dpa/ Erwin Elsner)
Die Publizistin Sineb El Masrar bezweifelt, dass deutsche Politiker die Islamverbände als Ansprechpartner brauchen. Sie so zu „demokratisieren und den Löwen zu bändigen“, werde nicht gelingen, sagte El Masrar im Dlf. Die Verbände würden zum Teil islamistische Ideologien verbreiten.

Sineb El Masrar im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Wenn es um Islam in der Öffentlichkeit geht, dann äußern sich überwiegend Männer. Das ist umso befremdlicher, als viele der heiklen Themen primär Frauen und Mädchen betreffen, vom Schwimmen im Ganzkörperbadeanzug bis hin zu anderen Formen von Verhüllung. Mir geht es hier weniger um eine Frauenquote, aber vielleicht erklären sich ja die verbissenen Schwarz-Weiß-Wadenbeißer-Debatten rund um den Islam aus dem Männerüberhang. Die Autorin Sineb El Masrar jedenfalls ist weit entfernt von diesem Schwarz-Weiß-Denken. Sie setzt sich zwischen viele Stühle. Sie ist in Hannover geboren Anfang der 80er-Jahre. Sie lebt als Journalistin in Berlin. Ihre Eltern sind aus Marokko. Sie versteht sich als Muslimin und als Feministin. Sie hat unter anderem über muslimische Frauen hierzulande geschrieben. Das Buch hieß ‚Muslim Girls‘. Jetzt sind die Männer dran, gerade eben erschienen: ‚Muslim Men: Wer sie sind, was sie wollen‘. Sineb El Masrar und ich, wir sitzen uns in unserem Berliner Funkhaus gegenüber, wo wir dieses Gespräch aufzeichnen beziehungsweise aufgezeichnet haben. Hallo und herzlich willkommen, Sineb El Masrar.

Sineb El Masrar: Hallo.

Main: Sineb El Masrar, wie erleben Sie mit Blick auf Islam und Muslime die derzeitige Stimmung in Ihrem Heimatland, in Deutschland?

El Masrar: Für mich persönlich gibt es Zeiten, wo ich durchaus positiv in die Zukunft blicke und denke, wir werden schon irgendwie zusammenwachsen. Es gibt ja auch viele Erfolgserlebnisse, wenn man bedenkt, wer alles nach Deutschland gekommen ist, mit welchen Startbedingungen. Die waren nicht immer ideal – und wie viele es dann tatsächlich in der zweiten und dritten Generation geschafft haben,

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