Atheismus: Die Ächtung der Ungläubigen

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Nicht zu glauben, ungläubig zu sein, war lange Zeit nicht nur in Europa eine Todsünde. Auch heute noch kann Atheismus in 13 islamisch geprägten Ländern mit dem Tod bestraft werden. Dabei ist der Unglaube vermutlich genauso alt wie der Glaube selbst, wie antike Texte zeigen. Und manchmal war er sogar der Karriere förderlich.

Von Eva-Maria Götz-Laufenberg | Deutschlandfunk

Atheismus gibt es, seitdem es Religion gibt, meint die Heidelberger Historikerin Susan Richter. Zahlreiche Quellen, die belegen, dass Menschen die Existenz einer transzendentalen Macht anzweifeln, finden sich bereits in der Antike. Und auch da stand der Unglauben schon unter Strafe. Das gilt insbesondere für die Zeit der Spätantike und des frühen Christentums.

„Etwa der Codex Justinianus hat im Jahr 529 bereits strafrechtliche Maßnahmen katalogisiert, wie mit einem „Apostaten“, also einem der sich gegen Gott stellt, und von Gott abwendet, umzugehen ist, nämlich damit, dass ihm die Rechtsfähigkeit zu entziehen ist, und dass er kein Testament aufstellen darf, nicht zuletzt, um seine Ideen nicht zu vererben.“

Die Begründung für die Verfolgung atheistischer Vorstellungen liegt auf der Hand: Religionen waren immer mit Werten verbunden und diejenigen, die die Existenz eines Gottes leugneten, standen unter dem Verdacht, damit auch den moralischen Verhaltenskodex von Staat und Gesellschaft infrage zu stellen. Sie wurden zur Bedrohung.

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Enthüllungsjournalist sorgt mit Buch für Unruhe im Vatikan

Der italienische Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi in Rom in seiner Redaktion. In Händen hält er sein neues Buch
Der italienische Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi in Rom in seiner Redaktion. In Händen hält er sein neues Buch „Lussuria“, das sich mit Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche beschäftigt. Foto: Stefania Fumo / dpa
Wollust ist in der katholischen Lehre eine der Todsünden. „Wollust“ heißt ein Buch zum Missbrauchsskandal, das den Vatikan angreift.

Berliner Morgenpost

Ein neues Buch zeigt, dass Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche immer noch ein Problem ist. Viel Gerede, wenig Taten und ein hilfloser Papst: Das sind die Vorwürfe gegen den Vatikan. Beschuldigte vermuten dahinter andere Motive.

Autor Emiliano Fittipaldi ist kein gerngesehener Mann im Vatikan. Der italienische Journalist kennt die Anklagebank des Kirchenstaates gut. Als er 2015 ein Buch über Geldverschwendung im Vatikan veröffentlicht hatte, saß er wenig später vor Gericht. Das als „Vatileaks 2“ bekannt gewordene Verfahren hielt ihn jedoch nicht davon ab, sondern bestärkte ihn, ein neues Buch über den Vatikan zu schreiben. „Lussuria“ (Wollust) erscheint diesen Donnerstag und beleuchtet ein dunkles Kapitel: Kindesmissbrauch, pädophile Priester und das Versagen des Vatikans, dagegen entschieden vorzugehen.

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Zum Affen gemacht: Wie eine atheistische Stiftung Stimmung gegen Muslime macht

Themenbild.
Themenbild.

Die Mehrheit der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens lehnt die Evolutionstheorie ab. Das zumindest behauptet die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung. Doch die Studie, die das beweisen soll, genügt selbst keinen wissenschaftlichen Standards.

Von Fabian Köhler | IslamiQ

Wächst an unseren Universitäten eine Generation muslimischer Kreationisten im Lehrergewand heran? Lehren muslimische Pädagogen demnächst, die Entstehung des Menschen durch Lehm und Rippe anstatt durch Mutation und Selektion? Lernen unsere Kinder im Biologieunterricht bald die koranische Schöpfungsgeschichte anstatt der Mendelschen Gesetze?

Diesen Eindruck kann bekommen, wer dieser Tage auf islamfeindlichen Seiten in Sozialen Netzwerken unterwegs ist. Auslöser ist eine Meldung der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung (GBS). „Mehrheit der muslimischen Lehramtsstudenten bestreitet die Evolution“, schrieb diese vergangene Woche auf ihrer Website und viele Medien schrieben ab. Einer Befragung unter Lehramtsstudenten zufolge sollen 60 Prozent der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens bestreiten, dass der heutige Mensch aus affenartigen Vorfahren hervorgegangen ist“. Sogar 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten würden die  Evolutionstheorie gleich ganz ablehnen.

Von einer „bildungspolitischen Katastrophe“ spricht der Vorsitzende der GBS Michael Schmidt-Salomon auf der Website der Stiftung: Wer die Evolutionstheorie ablehne, habe „keinen universitären Abschluss verdient“, schreibt der Philosoph dort und fordert, muslimische Lehramtsstudenten nicht weiter „auf wehrlose Kinder loszulassen“. [https://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/muslime-evolution].

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Wer sich verpartnert, muss bei der Caritas mit Kündigung rechnen

Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Eine neue Folge unserer Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Diesmal geht es um Glaube und Homosexualität.

Von Anja Kühne | DER TAGESSPIEGEL

Für die meisten Glaubensgemeinschaften gilt Homosexualität als Sünde. Wie haltet ihr es also mit der Religion? – Hartmut, Falkensee

Es stimmt, die großen Religionen, jedenfalls das Christentum, das Judentum und der Islam, haben generell ein angespanntes Verhältnis zur Sexualität, wenn sie nicht bloß der Fortpflanzung dient. Entsprechend verurteilen die heiligen Schriften nach konventioneller Auslegung Homosexualität. Darauf berufen sich religiöse Menschen, wenn sie Homosexuelle herabsetzen, ausgrenzen oder – im Fall von Fanatikern – sogar physisch attackieren. Weltweit gibt es Prediger aller Richtungen, die regelmäßig dazu beitragen, die gesellschaftliche Atmosphäre zu vergiften.

Leider hat auch Papst Franziskus, für liberale Christen ein Hoffnungsträger, gerade erst den katholischen Katechismus bestätigt. Demnach verstoßen homosexuelle Handlungen „gegen das natürliche Gesetz“. Allerdings solle Homos „mit Achtung, Mitleid und Takt“ begegnet werden.

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Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Ditib-Spionage

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Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageaktivitäten im größten deutschen Islamverband Ditib gegen Unbekannt.

evangelisch.de

Wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte, wurden die Ermittlungen wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit aufgenommen. Der türkische Islamverband Ditib mit Sitz in Köln hatte bereits in der vergangenen Woche Bespitzelungen für den türkischen Staat eingeräumt. Etwa drei bis fünf Imame des Verbandes hätten Informationen über die Gülen-Bewegung an die Regierung in Ankara weitergegeben, hatte Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga eingeräumt.

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Jesus‘ Schmuddelkinder

 

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“
Albert Schweitzer

Die christlichen Amtskirchen in deutschen Landen bemühen sich Distanz zum neo-nazistischen, christlichen Schmuddelkind AfD(Alternative für Deutschland) zu schaffen. Sie bestimmen wer Christ ist. Genau das steht ihnen nicht zu. Taufe, Konfirmation/Kommunion, kirchliche Trauung und Beerdigung sichern den Bestand des Fanklubs Jesus Christus. Ganz wichtig in dieser Hinsicht ist die personale Beziehung der Betroffenen zum untoten Jesus. Zwiegespräche mit ihm sichern diese Beziehung und sind wichtig für das Werden des Christen. Leicht erkennbar, Amtskirche kann einem Christen das Christsein nicht absprechen, das ist Sache Gottes. Katholik Adolf Hitler wurde nie exkommuniziert, das Jüngste Gericht soll über ihn entscheiden. Und so wird es mit all jenen passieren, deren sich die Kirchen heute so schämen, den Rassisten, Rechtspopulisten, Fremdenfeinden und radikalen Extremisten. Der christliche Alleinvertretungsanspruch der Kirchen lässt diese Leute wie die fette Krätze am Bein kleben.
Hoher christlicher Schöpfungsgrad sichert die Pfründe der Kirchen, die Allgemeinheit bezahlt. Auch für den Judenhass eines Martin Luthers. Selbiger ist der Kulminationspunkt christlicher Entwicklung, praktisch umgesetzt durch den Katholiken Adolf Hitler und seiner Verbrecherbande. Es wird ein Mann gefeiert, der in seiner Weltsicht viel extremer daher kommt als die Raubritter des „christlichen Abendlandes“ der AfD. Luther war Extremist. Sein Frauenbild barbarisch. Frauen haben die Pflicht zum Gebären.

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“Martin Luther

Bei solchen Sprüchen, und es gibt weitaus schlimmere, fragt man sich, wie Feministinnen den Reformator hochleben lassen können.

Das Bemühen der Kirchen um Distanz zur Alternative für Deutschland ist bigott. Man feiert auf der einen Seite Luthers Reformation des Glaubens, versucht Positives zu okkupieren und vermeint das Negative auf den Müll der Geschichte entsorgen zu können. Scheibenweise Vereinnahmung eines Mannes der heute im Knast sitzen würde.

„Darum ehrt auch Gott das Schwert mit so hohen Worten, dass er es seine eigene Ordnung nennt (Römer 13, 1) und nicht will, dass man sage oder denke, die Menschen hatten es erfunden und eingesetzt. Denn die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott henkt, rädert, enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine Werke und sein Gericht.“ Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526

Und so segnete er den Krieg.

Gegen Kopftuch, Kreuz, Kippa & Co. im öffentlichen Dienst

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Dass ich als Naturwissenschaftler zur Debatte über das Kopftuch beitrage, finde ich eigentlich selbst befremdlich. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass langfristig nur die Äquidistanz des Staates zu den Religionen – unter gleichzeitiger Gewährleistung von deren Freiheit – den Frieden im Land erhalten kann.

Von Kurt Kotrschal | Die Presse.com

Nur so gedeiht jenes liberal-aufgeklärte Klima, in dem sich Wissenschaften und Künste entfalten können. Das war ja auch in der Vergangenheit so. Wo die Religionen friedlich zusammenlebten, blühten Kultur und Geist. Goldrichtig ist deshalb die Ansage von Heinz Fassmann von der Uni Wien, dem Leiter des Integrationsbeirats, über ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst.

Goldrichtig allerdings nur dann, wenn sie als Verbot jeglicher religiöser Insignien gemeint war – also auch von Kreuz und Kippa. Als Staatsbürger will ich nicht mit Beamten, Polizisten, Richtern oder Lehrern jeglicher Art zu tun haben, die mir durch Zurschaustellung ihrer Religion deutlich zu verstehen geben, dass sie einer religiösen Ideologie mehr verpflichtet sein könnten als dem staatstragenden Geist der Aufklärung.

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Naturforschung: 200 Jahre Senckenberg

Präparator Christian Kopp 1934 mit einem Elchkopf. Foto: Senckenberg
Präparator Christian Kopp 1934 mit einem Elchkopf. Foto: Senckenberg
Konzerte, Partys, Wettbewerbe, Ausstellungen – mit großem Programm geht die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in ihr Jubiläumsjahr. Von der Stadt gibt es dazu ein symbolisches Präsent: Die U-Bahnstation Bockenheimer Warte erhält zusätzlich den Namen Senckenberg.

Von Thomas Stillbauer | Frankfurter Rundschau

Im kommenden November jährt sich zum 200. Mal der Gründungstag. Was bis dahin geplant ist, und auch, was die Wissenschaftler schon erreicht haben, darüber gaben sie am Montag Auskunft im Naturmuseum.

Ein würdiger Auftakt braucht einen würdigen Ehrengast. Zum offiziellen Start ins Senckenberg-Jubiläumsjahr sind am Montag gleich zwei gekommen: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) – und Johann Christian Senckenberg höchstpersönlich. Na gut, fast persönlich. Der Uni-Dozent und Biologe Helmut Wicht, erfahrener Senckenberg-Mime, ist wieder mal ins Kostüm aus der Zeit des großen Naturwissenschaftlers, Stifters und Namenspatrons (1707–1772) geschlüpft.

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Gysi hält Kanzelrede in Leipzig: „Keine Moral ohne die Kirchen“

Gregor Gysi. Bild: FB
Gregor Gysi. Bild: FB

„Krieg und Frieden“ im Zeichen des Reformationsjubiläum: Zu dem Thema hat der Politiker Gregor Gysi am Sonntag in der Michaeliskirche in Leipzig referiert. Im domradio.de-Interview erklärt der Atheist, warum Religion für uns so wichtig ist.

domradio.de

domradio.de: Ihr Thema in der Michaeliskirche war „Krieg und Frieden“. Da denkt man im Moment schnell an islamistischen Terrorismus. Wo sehen Sie in dem Zusammenhang die Rolle von Religion?

Gregor Gysi (Mitglied des Bundestags, Die Linke, Vorsitzender der Europäischen Linken): Ich habe versucht zu erklären, weshalb Religion und Kirchen in unserer Gesellschaft so wichtig sind. Ich habe – obwohl ich selbst nicht an Gott glaube – versucht, der Gemeinde zu erklären, dass ich eine gottlose Gesellschaft ganz furchtbar fände. Und zwar schon aus folgenden Gründen: Erstens sind die Religions- und Kirchengemeinschaft Bestandteil unserer Kultur, und zweitens sind zurzeit nur die Kirchen- und Religionsgemeinschaften in der Lage, allgemeinverbindliche Moralnormen aufzustellen. Die Linke konnte das mal, aber seit dem Scheitern des Staatssozialismus kann sie zwar Moralnormen aufstellen, die sind dann nur nicht allgemeinverbindlich. Der Kapitalismus ist auf Konkurrenz aus, das heißt, für den einen ist es besser, wenn der andere pleitegeht; auch das hat alles wenig mit Moral zu tun. Wenn wir also die Kirchen und die Religionsgemeinschaften nicht hätten, gäbe es keine verbindliche Moral. Über dieses Bild kann man sich dann auch dem Thema „Frieden und Krieg“ nähern. Dazu habe ich den Römerbrief aus Kapitel 12 ausgesucht und die Verse 17 bis 21 vorgelesen.

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Zwischen Wahrheitsanspruch und Religionsfreiheit

Darf eine Lehrerin ein Kopftuch tragen? - Die niedersächsische Lehrerin Iyman Alzayed vor dem niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. (Hans-Jürgen Wege / dpa)
Darf eine Lehrerin ein Kopftuch tragen? – Die niedersächsische Lehrerin Iyman Alzayed vor dem niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. (Hans-Jürgen Wege / dpa)
Wie säkular muss und kann ein Staat sein? Wie weit darf die Religionsfreiheit reichen? – Diesen Fragen geht Christian Spieß in dem Buch „Zwischen Gewalt und Menschenrechten“ nach, greift dabei aktuelle Themen wie Religionsunterricht oder Kopftuchverbot auf.

Von Anne Françoise Weber | Deutschlandradio Kultur

Wie passen Religion und Moderne zusammen? Konkreter: Wie lassen sich religiöser Wahrheitsanspruch auf der einen Seite, individuelle Freiheitsrechte und ein säkularer Staat auf der anderen verbinden? Das sind Fragen, die Christian Spieß mit seinem Buch „Zwischen Gewalt und Menschenrechten: Religion im Spannungsfeld der Moderne“ zu beantworten sucht. Und zwar sowohl theoretisch als auch empirisch-historisch.

Für die empirische Herangehensweise beschränkt sich der Autor, Professor für Christliche Sozialwissenshaften an der Katholischen Privat-Universität Linz, auf die katholische Kirche. Hier zeigt er auf, wie der ausgeprägte Antimodernismus des katholischen Lehramts mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) verschwand und „die Kirche, ihre Verbände und Vereine, karitativen Organisationen und Hilfswerke zu einem bedeutenden Teil der Bewegung für die weltweite Ausbreitung der Menschenrechte geworden sind“. Dabei ist der Autor kritisch genug, um zu betonen, dass die Modernisierung der Kirche nicht abgeschlossen ist und beispielsweise die Verweigerung der Priesterweihe für Frauen einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz darstellt.

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Gott und die Welt

Carel van Schaik, Kai Michel Das Tagebuch der Menschheit Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016 ISBN: 9783498062163
Carel van Schaik, Kai Michel
Das Tagebuch der Menschheit
Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016
ISBN: 9783498062163

Carel van Schaik, Evolutionsbiologe und Anthropologe, und Kai Michel, Historiker und Wissenschaftsjournalist, betrachten die Bibel aus ungewohnter Perspektive. Sie lesen die Heilige Schrift als Protokoll der menschlichen Evolution und versuchen, daran die kulturelle Entwicklung der Menschheit nachzuvollziehen.

Von Julia Schulz | Spektrum.de

Auf rund 500 Seiten setzen sie wissenschaftliche Ergebnisse aus Anthropologie und Evolutionsforschung in einen Sinnzusammenhang mit biblischen Texten, um den Widerspruch zwischen beiden aufzulösen. Dabei wird klar, dass viele Probleme heutiger Gesellschaften schon in den damaligen Geschichten eine Rolle spielten. Ungleich verteilter Besitz, Benachteiligung der Frauen, Ausbruch und Bekämpfung von Krankheiten sind nur einige hoch aktuelle Themen, die bereits vor 3.000 Jahren im Alten Testament dokumentiert wurden.

Van Schaik und Michel begreifen die Bibel als eine Komposition aus Zeitzeugenberichten. In mehr als 1.000 Jahren der Niederschrift kamen unzählige Autoren zu Wort und schafften eine Sammlung von Erzählungen zur kulturellen Evolution des Menschen. Es entstand ein Kaleidoskop der menschlichen Natur, die auch religionskritische Leser in den Bann ziehen kann.

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Dänemark: Strammes aus dem Whiskybelt

Pernille Vermund. Screenshot aus dem YouTube-Video
Pernille Vermund. Screenshot aus dem YouTube-Video
Die Nye Borgerlige, eine neue liberale, aber scharf gegen Migration ausgerichtete Partei, überholt die Rechtspopulisten in dem Land, das hyggelig bleiben will

Von Jens Mattern | TELEPOLIS

In Dänemark scheint unter dem Gros der Parteien ein Wettbewerb zu bestehen – wer vertritt die „strammere“ Migrations- und Asylpolitik? Derzeit stark im Rennen – die 2015 gegründete „Nye Borgerlige“ (Neue Bürgerliche), die der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti (DF) die Wähler weg nimmt und in Umfragen bis zu sechs Prozent erreicht.

Die DF, die bei den Parlamentswahlen 2015 mit 21,1 Prozent ihr bestes Ergebnis einholte, scheint den Einwanderungskritikern in Dänemark zu weich geworden. Zwar ist die Partei nicht an der Regierung, sie duldet jedoch die Minderheitsregierung der rechtsliberalen „Venstre“ unter Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen, welche im November um zwei Kleinparteien aufgestockt wurde

Die Dansk Folkeparti spricht den „Nye Borgerlige“ ab, schärfer in der Ausländerpolitik zu sein und wirklich mit dem Herzen islamkritisch zu wirken. Doch für viele dänische Rechte scheint sie zu sehr Mainstream geworden zu sein, bereits jeder vierte Wähler habe sich von der DF abgewendet.

Dabei ist der Mainstream in Dänemark deutlich asylkritisch. So rechnet die auflagenstärkste Zeitung „Jyllands Posten“, international bekannt durch den Abdruck der Mohammed-Karrikaturen, vor, dass 5.000 Bewilligungen für Asyl im Jahre 2016 weitaus zu viel sein und das Land einen vollkommenen Asylaufnahmestopp umsetzen soll. Die Anerkennungsrate in Dänemark sei viel zu hoch, da 6.606 Menschen Asyl beantragt haben. Im Jahr 2015 waren es noch 21.000. Der Kontinent Afrika wird in einer Karikatur zum Text als Kinderwagen gezeigt, der sich Richtung Europa bewegt.

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Private Helfer fordern Rettungsprogramm für Flüchtlinge im Mittelmeer

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Tausende Menschen werden auch in diesen Tagen noch jede Woche aus dem Mittelmeer gerettet. Private Rettungsorganisationen rufen nach mehr staatlicher Hilfe.

evangelisch.de

Die private Hilfsorganisation „SOS Mediterranee“ hat ein umfassendes Seenotrettungsprogramm für Flüchtlinge im Mittelmeer gefordert. Immer wieder würden Menschen von Libyen aus in völlig überfüllten, nicht seetauglichen Booten auf die Reise nach Europa geschickt. „Keines dieser Boote schafft es ohne Hilfe nach Italien. Die Menschen werden gerettet oder sie ertrinken, eine andere Möglichkeit gibt es nicht“, sagte Geschäftsführer Timon Marszalek am Samstag.

Seit Donnerstag hat die Hilfsorganisation, die mit dem Rettungsschiff „Aquarius“ im Seegebiet zwischen Libyen und Italien kreuzt, nach eigenen Angaben 342 Flüchtende vor dem Ertrinken gerettet. Auf einem einzigen Schlauchboot seien 193 Menschen zusammengepfercht gewesen. Zwei Minderjährige hätten nur noch tot geborgen werden können. Insgesamt seien am Freitag und Samstag laut italienischer Küstenwache rund 1.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet worden. Mitte der Woche sei ein Notruf eines mit etwa 120 Menschen besetzten Bootes eingegangen. Trotz intensiver Suche sei es nicht gefunden worden.

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0.0% of Icelanders 25 years or younger believe God created the world, poll reveals

Iceland seems to be on its way to becoming an even more secular nation. Image: Church and State
Iceland seems to be on its way to becoming an even more secular nation. Image: Church and State
Iceland seems to be on its way to becoming an even more secular nation, according to a new poll. Less than half of Icelanders claim they are religious and more than 40% of young Icelanders identify as atheist. Remarkably the poll failed to find young Icelanders who accept the creation story of the Bible.

Staff Church and State

93.9% of Icelanders younger than 25 believed the world was created in the big bang, 6.1% either had no opinion or thought it had come into existence through some other means and 0.0% believed it had been created by God.

The poll, which was conducted by the polling firm Maskína on behalf of Siðmennt, The Icelandic Ethical Humanist Association, an association of Icelandic atheists, found that 46.4% of Icelanders identify as religious, which is the lowest figure to date.

Younger people and inhabitants of Reykjavík are least religious
Older people are far more likely to profess religious beliefs and to identify as Christian than those who are younger. 80.6% of those older than 55 identified as Christian and only 11.8% said they were atheists. At the same time 40.5% of people who were 25 years or younger said they were atheists, and only 42% said they were Christian. Traditional Christian beliefs also seem more common outside of Reykjavík, where 77-90% of people identified as Christian and 7.1-18 were atheists, compared to 56.2% of people in Reykjavík who identified as Christian and 31.4% as atheist.

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Käßmann kritisiert „Glaubenstests“ deutscher Behörden – plötzlich trennt sie Staat und Kirche

Margot-KässmannDie evangelische Theologin Margot Käßmann hat sogenannte „Glaubenstests“ für konvertierte Flüchtlinge durch deutsche Behörden scharf kritisiert.

evangelisch.de

„Es ist unerträglich, wenn Behörden meinen, Christinnen und Christen, die in Deutschland getauft wurden, einem Glaubenstest unterziehen zu können“, sagte Margot Käßmann am Samstag bei einem interkulturellen Weihnachtsfest in Hannover. „Es gibt eine Trennung von Kirche und Staat in Deutschland“, betonte sie und fügte hinzu: „Über ein Taufbegehren entscheidet ein Pfarrer oder eine Pfarrerin mit der Gemeinde und nicht ein staatliches Formular.“

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Brandenburg führt Bleiberecht für Opfer rechter Gewalt ein

Was tun, wenn ein Asylbewerber Opfer einer rechten Gewalttat wird? Brandenburg hat als erstes Bundesland ein befristetes Bleiberecht angeordnet. Mehrere andere Länder prüfen eine solche Regelung. Flüchtlingshilfsorganisationen begrüßen den Vorstoß.

evangelisch.de

Nur das Land Brandenburg hat ein Bleiberecht für Opfer rechter Gewaltstraftaten angeordnet. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei den zuständigen Ministerien der Bundesländer. Das brandenburgische Innenministerium hatte kurz vor Weihnachten einen entsprechenden Erlass an die Ausländerbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten herausgegeben. Demnach sollen Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt worden war und die Opfer oder Zeugen rechter Gewalttaten wurden, mindestens bis zum Abschluss der Ermittlungs- und Strafverfahren nicht ausgewiesen werden – in enger Absprache mit der Staatsanwaltschaft und Strafgerichten.

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Hass auf Religion: Mitbewohnerin ermordet

(Quelle: dpa)
(Quelle: dpa)
Horror-WG in Freiburg: Nach nur neun Tagen gemeinsamer WG ermordete ein heute 25-Jähriger seine Mitbewohnerin. Der Grund: Sie war religiös und kirchlich engagiert. Der Mann sitzt in Freiburg auf der Anklagebank. Als Vorbild nannte er den Serienmörder aus dem Kinofilm „Das Schweigen der Lämmer“.

heute.de

Kontakte zu Menschen sind ihm ein Graus, als seine Leidenschaft nennt er gewaltverherrlichende Videospiele und entsprechende Filme. Sein Zimmer in der Studenten-Wohngemeinschaft in Freiburg hat er kaum verlassen, meist saß er vor dem Bildschirm.

Familie der Getöteten im Gerichtssaal

Es ist ein düsteres Bild, das ein Mordprozess in Freiburg zeichnet. Vor dem dortigen Landgericht muss sich seit Donnerstag ein junger Mann verantworten. Er gibt zu, vor fünf Monaten seine 31 Jahre alte Mitbewohnerin ermordet zu haben. Sein Motiv: Die Religiosität der Frau. Dafür habe er Hass und Verachtung empfunden.Der junge Mann, der vor wenigen Tagen 25 Jahre alt geworden ist, wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Im vergitterten Krankenwagen ist er nach Freiburg gebracht worden – wegen Suizidgefahr ist er seit seiner Festnahme im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg untergebracht.

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Dass Jesus gelebt habe, ist nicht mit letzter Sicherheit zu sagen

Richard David Precht (2012), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/ Jens Komossa
Richard David Precht (2012), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/ Jens Komossa
Er ist ein attraktiver Mann, er kann sehr gut reden, und er versteht es, das Philosophieren als Genuss des Wissens und des Denkens zu vermitteln: Richard David Precht (52), Bestseller-Autor („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“) und Moderator der interessanten ZDF-Philosophiesendung „Precht“.

Von Stefan Meetschen | Die Tagespost

Nun liegt der erste Band einer auf insgesamt drei Bände angelegten Philosophiegeschichte Prechts vor und eigentlich könnte man diesen ersten Band sehr loben. Von der Antike bis zum Mittelalter, von Thales von Miles bis Meister Eckhart, von Platon und Aristoteles bis zu Augustinus und Thomas von Aquin – leicht verständlich, unterhaltsam und chronologisch führt Precht den Leser durch die verschiedenen Bezirke der Wahrheitssuche. Scharfsinnig und ohne falschen Respekt vor den Unzulänglichkeiten der Geistesgrößen des Abendlandes.

Beispiel Aristoteles: „Bei aller Hochachtung vor Aristoteles können wir eines nicht übersehen. Seine gesamte politische Philosophie ist auf dem Grundsatz aufgebaut, dass der tugendhafte Bürger nicht arbeitet.“ Schlimmer noch: „Arbeiten zu müssen bedeutet für Aristoteles, von der Tugend ausgeschlossen zu sein. Damit fallen Frauen und Sklaven durch den Rost… Für Aristoteles sind Frauen und Sklaven kognitive Mängelwesen.“ Precht folgert: „Aristoteles bescheinigt Frauen und Sklaven nicht nur eine unveränderliche Natur, sondern er zieht daraus auch politische Schlüsse. Dabei weiß er als Logiker eigentlich genau, dass man politische Spielregeln nicht lückenlos aus der Natur des Menschen ableiten kann.“

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Asyl ist kein Gruppenrecht

© Fotolia / Traumbild
© Fotolia / Traumbild
Nach den Angaben des UNHCR gab es 2015 58 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind. Im Jahr 2016 ist die Zahl sprunghaft auf 65 Millionen angestiegen. In der ersten Oktoberwoche 2016 hat Amnesty International einen Anklagebericht gegen «reiche Länder» veröffentlicht, die nicht bereit sind, diese Flüchtlinge unbegrenzt aufzunehmen. Meine Reaktion darauf ist: Das ist der reine Wahnsinn.

Von Bassam Tibi | The European

Die grosse Völkerwanderung

Die EU hat für die Flüchtlingskrise ausser frommen Sprüchen keine Strategie zu bieten. Mit Gesinnungsterror wird jede freie Diskussion über das Thema unterdrückt.

Seit Beginn dieses Jahrhunderts und extrem seit der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015/2016 befindet sich Westeuropa vor einer existenziellen Herausforderung durch eine demografische Explosion. Diese findet ausserhalb der europäischen Grenzen statt, trifft Europa aber ins Knochenmark dadurch, dass sie in sein Territorium eindringt. Die Bevölkerung der Region des Nahen Ostens und Nordafrikas hat sich in den wenigen vergangenen Jahrzehnten beinahe verdoppelt. Diese demografische Explosion wird unglücklicherweise von wirtschaftlicher Stagnation aller Länder der Region sowie durch einen politischen Rückfall in mittelalterlich-despotische Herrschaftsstrukturen begleitet. Die verzweifelten Nahost-Muslime suchen nach einem «Outlet» und glauben, dies in Europa zu finden; sie kommen zu Millionen und Europa ist auf diese demografische Lawine nicht vorbereitet.

In dieser Atmosphäre fand der Arabische Frühling statt und bot einen Hoffnungsschimmer für Freiheit, Demokratie und Entwicklung. Statt­dessen erfolgte Staatszerfall, woraus innere Kriege in Libyen, Syrien, Irak und Jemen resultierten, deren Ende nicht in Sicht ist. In den nächsten Jahren werden weitere nahöstliche Staaten folgen, vorrangig die Türkei und möglicherweise Ägypten und Algerien. Zur Globalisierung unserer Zeit gehört der Missstand, dass andere Staaten die Zeche für diese Fehlentwicklung im Nahen Osten zu zahlen haben, konkret ist hier Westeuropa angesprochen.

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„taz“ startet deutsch-türkisches Internetportal

Die Berliner „tageszeitung“ will den Eingriffen in die Pressefreiheit in der Türkei mit einem neuen Internetportal begegnen. Die Internetseite „taz.gazete“ soll am 19. Januar online gehen, kündigte die Zeitung am Freitag in Berlin an. Auf dem Portal würden vor allem türkische Autoren berichten. Alle Beiträge sollen in türkischer und deutscher Sprache erscheinen.

evangelisch.de

Grund für den Start des Internetportals sei die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der immer aggressiver gegen die freie Presse vorgehe, erklärte die Zeitung. „Während das autoritäre türkische Regime ein Medium nach dem anderen ausschaltet, geben wir ein neues, freies und unabhängiges Medium heraus“, sagte „taz“-Redakteurin Fatma Aydemir, die das Projekt leiten wird.

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