Archiv der Kategorie: Säkulares

Grüne: »Wir stehen für Pluralität«

Bettina Jarasch, Bild: IPON/imago
Vergangene Woche kritisierte der Göttinger Jurist Hans Michael Heinig das Grundsatzpapier der Grünen zur Religion. Jetzt antwortet die Leiterin der Kommission

Von Bettina Jarasch | Christ & Welt

Was genau hat Hans Michael Heinig an dem Bericht der grünen Kommission zu Religionsgemeinschaften, Weltanschauungen und Staat eigentlich so empört? Der Bericht sei »illiberal« und »paternalistisch«, propagiere eine »relativistische Leitkultur«, tue sich mit dem Wesen von Religion schwer und sei daher nicht in der Lage, mit den Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft umzugehen. Das sind Vorwürfe, die uns als eine libertäre Partei hart treffen müssten – wenn sie denn zuträfen. Tatsächlich teilt der Heinig unsere Analyse der gesellschaftlichen Veränderungen und fordert als Konsequenz Positionen ein, die er im Text finden würde, wenn ihn nicht so offensichtlich etwas anderes umgetrieben und am gründlichen Lesen gehindert hätte.

Heinigs Vorwurf, der Bericht sei Ausdruck von Illiberalität, weise ich entschieden zurück. Es ist gerade der Freiheitsgedanke, der unseren Bericht trägt. Wir verstehen Religionspolitik als Politik für Freiheit und Pluralität. Deshalb ist für uns die Verwirklichung der Religions- und Glaubensfreiheit in allen ihren drei Dimensionen maßgeblich: als individuelle Freiheit zum Glauben ebenso wie als Freiheit vom Glauben und als kollektive Freiheit, den gemeinsamen Glauben öffentlich und sichtbar zu leben.

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„Die 33. Hochzeit der Donia Nour: „Bitterböse Groteske gegen den Islamismus

Hazem Ilmis Sci-Fi-Groteske stellt viele kritische Fragen an den Islam (imago/Xinhua)
Großägypten im Jahr 2048: Islamisten sind an der Macht, es gilt eine Neo-Scharia, das Ministerium für Sleepvertising sendet Botschaften direkt in die Gehirne. Gegen diese totalitäre Herrschaft begehrt die junge Donia Nour auf. Orwell arabisch.

Von Dina Netz | Deutschlandradio Kultur

Großägypten im Jahr 2048 ist dreigeteilt: Im Norden leben die Reichen, in der Mitte – klar – die Mittelschicht, im Süden die Armen. Das hat der weise Herrscher, der „Nizam“, so geregelt, um die Konflikte zwischen den Bevölkerungsschichten zu beenden.

Das Zusammenleben regelt die Neo-Scharia, eine Art islamistische Koran-Auslegung, die die Menschen in der Mitte und im Süden quasi entmündigt und die Wohlhabenden zum Konsumieren antreibt. Hazem Ilmis Vision von Großägypten im Jahr 2048 ist eine bitterböse Groteske, die die Pläne der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ mit den finsteren Auswüchsen des Kapitalismus kreuzt.

Werbebotschaften direkt ins Gehirn

Ein muslimisches „1984“ nach Orwell: Das Ministerium für Sleepvertising sendet den Bürgern Werbebotschaften direkt in die schlafenden Gehirne. Die Menschen werden bewertet nach der Zahl ihrer Gebete, die ein elektronischer Rosenkranz übermittelt. Jeder, der sich kritisch äußert, wird verbannt.

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Menschenrechtler fordert: Keine Gebetsräume in Flüchtlingsunterkünften

coexist

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte: Solche Gebetsräume ermöglichten es Islamisten erfahrungsgemäß, einen Gruppenzwang aufzubauen, denen Christen, Jesiden und Säkulare in den beengten Unterkünften nicht entrinnen könnten.

kath.net

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) warnt davor, Gebetsräume in Flüchtlingsunterkünften einzurichten. Man habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Atmosphäre dann dramatisch verschlechtere. Islamisten sei es dadurch möglich, einen Gruppenzwang aufzubauen, denen Christen, Jesiden und Säkulare in den beengten Unterkünften nicht entrinnen könnten. Dadurch sei der religiöse Frieden in den Einrichtungen massiv gestört, sagte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin. Viele Muslime würden in einer Atmosphäre des öffentlichen Zwangs zu „religiös korrektem“ Verhalten immer radikaler. Regelmäßige öffentliche Gebete stärkten somit den Einfluss von Islamisten.

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Rassismus statt Religionskritik

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Vor ihrem Bundesparteitag hat die AfD einen Programmentwurf veröffentlicht, in dem Islamkritik ein hoher Stellenwert zukommt. Die Partei betreibt jedoch keine Religionskritik, sondern die rassistische Verteidigung ihres Deutschtums.

Von Richard Gebhardt | Jungle World

Der stellvertretende Vorsitzende der »Alternative für Deutschland« (AfD), Alexander Gauland, sagte unlängst der Zeit, er wolle nicht »in einer muslimischen Gesellschaft leben«, denn »dafür haben wir schließlich 1683 die Türken vor Wien aufgehalten«. Gaulands historisch überhöhte Klage war ein schillerndes Beispiel für den Versuch der AfD, sich als »Anti-Islam-Partei« zu profilieren. Die Stichworte hierfür liefert die christliche Lebensschützerin und stellvertretende Vorsitzende der Partei, Beatrix von Storch. Bekanntlich liegt der Europaabgeordneten der AfD der Schutz des geborenen Lebens nicht unbedingt am Herzen. Die christliche Tugend der Nächstenliebe wird bei ihr im Wortsinne interpretiert – als Liebe zum eigenen Volk. Die Unterstützung muslimischer Flüchtlinge wird hingegen als »Fernstenliebe« geschmäht.

Dabei könnte die AfD gerade erzkonservative Muslime eigentlich als Stammwähler umwerben. Denn Gender Mainstreaming und gleichgeschlechtliche Ehe haben die führenden Islamverbände ebenso wenig im Programm wie die rechte Partei. Doch die Warnung vor der Islamisierung trifft den Nerv der Bevölkerung. Zwar hindert kein Freitagsgebet in einer Moschee einen Katholiken am Besuch des sonntäglichen Hochamtes. Aber der Islam gilt der AfD nicht als Weltreligion, sondern als politische Ideologie. Der muslimische Glaube ist für die Partei kein Gegenstand der Theologie, sondern ein Fall für den Verfassungsschutz.

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Das Wagnis der Religionsfreiheit

coexist

Das Grundgesetz schützt den Islam. Es kommt aber immer darauf an, wie er hier gelebt wird.

Von Reinhard Müller | Frankfurter Allgemeine

Etwas zu heftig war die europäische Kritik an Viktor Orbáns Äußerung, Europa sei ein christlicher Club. Natürlich ist dieser Kontinent christlich geprägt. Der freiheitlich-säkulare Verfassungsstaat ist ohne Christentum so nicht denkbar. Das gilt gerade für Deutschland, für das Land der Reformation und für dessen Grundgesetz. Die christlichen Kirchen haben bisher faktisch eine Sonderstellung. Und die Präambel der Verfassung hebt an mit den Worten: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen…“

Aber was folgt daraus? Wohl hatten die Väter und Mütter des Grundgesetzes einen christlichen Gott im Sinn. Doch hatten sie noch vieles andere aus ihrer Zeit im Sinn – und haben gerade nicht eine christliche Gottesordnung aufgestellt. Die Präambel ist vielmehr ein Hinweis auf die Fehlbarkeit des Menschen, eine Mahnung gegen absolute Staatsgewalt.

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Rörig: Bei sexuellem Missbrauch wird noch zu viel weggeschaut

Bild: WAZ
Bild: WAZ
Sechs Jahre nach Bekanntwerden der kirchlichen Missbrauchsskandale wird die Dimension sexueller Gewalt gegen Kinder nach Einschätzung des Unabhängigen Beauftragten Johannes-Wilhelm Rörig noch immer verkannt.

evangelisch.de

Bei diesem Thema werde in Deutschland zu viel weggeschaut, bagatellisiert und verdrängt, sagte Rörig am Dienstag in Berlin. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern gab Rörig den offiziellen Startschuss für die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie soll bis 2019 mehr Informationen über Ausmaß, Strukturen und Hintergründe von Missbrauch in Institutionen und im privaten Umfeld aufklären.

Anhörung der Opfer

Seit Dienstag können Betroffene unter einer kostenfreien und anonymen Telefonhotline (0800/4030040) oder auf der Website http://www.aufarbeitungskommission.de Kontakt zu dem Gremium aufnehmen, um über ihre Erfahrungen zu berichten. Anhörungen von Opfern stünden im Zentrum der Kommissionsarbeit, sagte die Vorsitzende Sabine Andresen.

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Grundsatzprogramm der AfD: »Angriff aufs Judentum«

Zentralratspräsident Josef Schuster ©ZR
Zentralratspräsident Schuster kritisiert das religionsfeindliche Grundsatzprogramm der AfD

Jüdische Allgemeine

Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) hat ihren strikten Anti-Islam-Kurs beschlossen. Die Delegierten des Bundesparteitags in Stuttgart verabschiedeten am Sonntag mit großer Mehrheit das Kapitel »Der Islam gehört nicht zu Deutschland« als Teil ihres Grundsatzprogramms. Darin lehnen sie unter anderem Minarette und Muezzinrufe ab. Sie stehen nach Auffassung der AfD »im Widerspruch zu einem toleranten Nebeneinander der Religionen, das die christlichen Kirchen in der Moderne praktizieren«. Auch sollten islamische Organisationen keinen Körperschaftsstatus öffentlichen Rechts erlangen.

Weiter heißt es in dem Programm, die AfD bekenne sich »uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit«, doch wolle sie der Religionsausübung Schranken setzen durch »die staatlichen Gesetze, die Menschenrechte und unsere Werte«. Unter anderem will die Partei das Schächten verbieten.

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Und geheiligt werde die Willkür

Bild: RDF
Gender-Ideologen machen den Fehler, dass sie „Mann“ und „Frau“ rein kulturell verstehen. Zunächst einmal unterscheiden sich Männer und Frauen jedoch biologisch. Kulturelle Studien sind legitim, müssen aber von biologischen Grundlagen ausgehen.

Von Andreas Müller | Richard Dawkins-Foundation

Es gibt auch Frauen mit XY-Chromosomen. Das teilte man mir vor kurzem mit. Und ich Naivling meinte, Männer hätten XY-Chromosomen und Frauen XX-Chromosomen. Das Phänomen der XY-Frauen erklärt sich allerdings durch eine partielle oder komplette Testosteronblockade, zum Beispiel bei Fehlen des TDF-Proteins. Mit anderen Worten ist das nicht normal. Eine biologische Fehlfunktion führt zu diesem seltenen Phänomen der XY-Frauen. Das ist kein Vorwurf an die XY-Frauen oder an XX-Männer, es ist einfach so. Und dieses „die Dinge sind, wie sie sind“, die wissenschaftlich erkundbaren Tatsachen der Realität, drohen der politischen Korrektheit und dem Relativismus geopfert zu werden.

Es ist sinnvoll, „männlich“ und „weiblich“ biologisch zu definieren und voneinander abzugrenzen. Bereits Charles Darwin setzte sich in seinem „Ursprung der Arten“ mit dem Problem der zahlreichen Grenz-, Übergangs- und Ausnahmefälle in der Natur auseinander. Er schrieb, es sei manchmal schwierig, Arten eindeutig voneinander zu unterscheiden. Manche Forscher betrachteten eine Lebensform als Art, andere nur als Rasse. Und trotz der Grenz-, Übergangs- und Ausnahmefälle leugnen Biologen nicht, dass es Arten gibt.

Doch genau das ist die Tendenz unseres Zeitgeistes. An die Stelle der Unterscheidung – wozu klar definierte Begriffe dienen – tritt die Gleichmacherei. Letzten Endes sind dann aber nicht alle Menschen gleich, sondern alles ist gleich. Und somit ist alles nichts Bestimmtes. Ist es ein Mann? Ist es eine Frau? Warum nicht etwas dazwischen, warum nicht beides zugleich? Letztlich ist dann alles im Grunde nichts.

„An die Stelle der Unterscheidung tritt die Gleichmacherei.“

Die Kritiker meiner Artikel über Transgender sehen sich dem Problem ausgesetzt, dass sie im Namen der heiligen politischen Korrektheit, des gesegneten Relativismus, in die Richtung argumentieren: Es gibt keine Geschlechter. Wenn sie nämlich einräumen, dass es voneinander abgrenzbare Geschlechter gibt, dann kann sich nicht jeder einfach als „Frau“ oder „Mann“ definieren, weil er sich besser dabei fühlt. Schließlich müssen ihrer Weltanschauung zufolge auch biologische Frauen „eigentlich“ Männer sein dürfen und andersherum.

„Alles fließt“, wie Heraklit es ausdrückte. Mit anderen Worten gibt es keine Kontinuität und somit keine Attribute und somit keine Entitäten und somit – gibt es gar nichts. Ein Mann ist demzufolge nicht von Natur aus ein Mann, weil er natürliche männliche Eigenschaften einfach ablegen oder sie wegoperieren lassen kann. Und gibt es keine männlichen Eigenschaften, so gibt es auch keine Männer – wodurch sollen sich diese ohne Eigenschaften schließlich auszeichnen? Und wir können uns jede Diskussion über das gar nichts, was übrigbleibt, ersparen, alleine schon deshalb, weil wir dieser Logik zufolge selbst auch nicht existieren. Oder gibt es etwa doch Frauen und Männer?

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Von Storch wird nach Morddrohungen vom LKA bewacht

beatrix_storch

Wegen Morddrohungen in Briefen und E-Mails wird die AfD-Vizechefin von Storch laut einem Medienbericht rund um die Uhr vom LKA beschützt. Insgesamt sechs Beamte sind der Politikerin zugeordnet.

DIE WELT

AfD-Vizechefin Beatrix von Storch wird derzeit rund um die Uhr von Beamten des Landeskriminalamts beschützt. Das berichtet die „Bild„-Zeitung unter Berufung auf LKA-Kreise. Grund seien „ständige Morddrohungen, in Briefen und E-Mails“, hieß es.

Insgesamt sechs Beamte seien seit drei Wochen im Einsatz, um die wegen ihrer „Schießbefehl“-Äußerung aus der EKR-Fraktion im EU-Parlament zurückgetretene Politikerin zu bewachen. Für von Storch gelte Gefährdungsstufe III: „Eine Gefährdung der Person ist nicht auszuschließen.“ Jeden Tag werde die Gefahrensituation neu bewertet, heißt es in dem Bericht weiter. Die Parteivorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen ließen sich von jeweils zwei Leibwächtern beschützen.

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AfD beschließt Anti-Islam-Kurs

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Nach einer hitzigen Debatte hat die AfD die Ablehnung des Islams in ihrem Grundsatzprogramm verankert. Die Mitglieder stimmten mit großer Mehrheit für die Formulierung „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“.

evangelisch.de

Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) hat ihren strikten Anti-Islam-Kurs beschlossen. Die Delegierten des Bundesparteitags in Stuttgarts verabschiedeten am Sonntag mit großer Mehrheit das Kapitel „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ als Teil ihres Grundsatzprogramms. Unter dem Punkt „Kultur, Sprache und Identität“ heißt es weiter, dass „ein orthodoxer Islam, der unsere Rechtsordnung nicht respektiert oder sogar bekämpft und einen Herrschaftsanspruch als allein gültige Religion erhebt“, mit „unserer Rechtsordnung nicht vereinbar“ sei. Dem Beschluss ging eine kontroverse Diskussion voraus.

Die Partei sehe in der „Ausbreitung und Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen“ eine große Herausforderung, heißt es in dem Programm weiter. Dennoch bekenne sich die AfD „uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit“. Die Partei wolle jedoch der Religionsausübung Schranken setzen, durch „die staatlichen Gesetze, die Menschenrechte und unsere Werte“.

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Kenya: Religious leaders demand deregistration of Atheists society

Congregation at a church in Mombasa.Photo/File/THE STAR
Church leaders have spoken against the registration of the atheist society by the Attorney General.
The Kenya National Congress of Pentecostal Churches and Ministries issued a statement on Friday, saying it was abominable, and unconstitutional to have the society registered and given a certificate.

By RAMADHAN RAJAB | THE STAR

“All people who believe in God, we register our disgust and protestation to AG for the way he has causally and in utter contempt been handling religious issues in our country. He has now touched nerves of every person of faith by registering a society that denies existence of God,” Stephen Ndicho the Congress vice chairperson said during the Friday briefing held at All Saints Cathedral.

Separately, the Muslims’ Shuura Council chairperson Abdullahi Abdi faulted the registration of the society saying that it not only goes against the constitution of Kenya; it mocks Kenya’s cultural and social norms.

“We are a people of faith, therefore registering any party that believes that there is no God is a mockery to people of Kenya. The danger is that we are now opening up to ideas that are out to promote immorality through erosion of our values, which are anchored on religion,” he said.

The Atheist Society of Kenya was registered early this year and has following of over 5000 members. The organisation embarked on a countrywide recruitment and is currently advocating for the scrapping off of religious studies from the syllabus.

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Das rassistische Dschungelbuch?

Dschungelbuch, historisches Titelblatt – gemeinfrei
Die Apologie eines sozialdarwinistischen „Gesetz des Dschungels“. Die imperialistische Gegenüberstellung dieses Gesetzes mit der rationalistisch-zivilisierten Naturbeherrschung. Ein jingoistisches, also britisch-imperialistisches Buch.

Von Sören Heim | DIE KOLUMNISTEN

Ein düsteres und gewaltvolles Buch. All das sind, sich teilweise widersprechende, Charakterisierungen von Rudyard Kiplings Dschungelbuch, die man in Diskussionen über das Werk, durchaus auch im akademischen Milieu, zu hören und zu lesen bekommt. Etwa hier, in einem prototypischen Text von Katharine Trendacosta:

The thread running throughout the stories is that Mowgli is superior to the animals that raised him by virtue of being man, not beast.

Zuletzt wurde man mit solchen Versatzstücken in Debatten über den neuen Disneyfilm konfrontiert, der dem Original näher sei als der alte, weil er den Kampf ums Dasein stärker in den Mittelpunkt rücke.

Erst lesen, dann urteilen!

Über die Vielschichtigkeit von Kiplings Dschungelbuch ließen sich zahlreiche Aufsätze schreiben. Über das Mensch-Tier-Verhältnis, die Art wie sich einzelne Geschichten spiegeln oder konterkarieren, und und und. Ich möchte hier in aller Kürze nur ein paar Aspekte zu Herrschaft, Macht und Gewalt herausgreifen, in denen das verfemte Werk sehr viel komplexer ist als man es ihm gemeinhin unterstellt. Ich konzentriere mich dabei auf die wegen der Disney-Neuverfilmung wieder diskutierten drei Mowgli-Geschichten und traue dem Leser zu, selbst zu erkennen, dass, sobald Kiplings Erzählungen, etwa im Schlusstext des Dschungelbuchs „Her Majesty’s Servants“ zeitgenössische politische Ereignisse berühren, der Autor tatsächlich rassistische Stereotype bemüht und aus seinen imperialen Schuhen nicht heraus kann, noch will.

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Religion und Demokratie: Gebt uns die Hand!

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Sich die Hand zu reichen ist eine Geste der Versöhnung. Des Respekts, vor allem zwischen den Geschlechtern. Überkommene religiöse Vorstellungen sollten da nicht dazwischen funken.

Von Sibylle Berg | SpON

Neues aus der Schweiz, meinem Nabel der Welt. Zentrum politischer Schönheit und Eleganz. Vor einigen Wochen kam es da zu einem Schüttelgate. Zwei Schüler verweigerten es, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Macht man normalerweise so, in Schweizer Schulen, aber eben nicht, wenn man bescheuert ist. Die Empörung im Land war groß, wurde irrational, mischte sich mit der Angst vor dem Islam, der Zuwanderung und na ja, sie wissen schon, was man im Moment so alles befürchtet.

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Wahl Dodo des Monats April 2016

Dodo des Monats April 2016 ©HFR
Dodo des Monats April 2016
©HFR

Die Mediale Aufmerksamkeit im Monat April konzentrierte sich in aller Gänze auf Jan Böhmermann, der nun mit der Ermächtigung durch die Bundesregierung, strafrechtlich wegen Majestätsbeleidigung zur Verantwortung gezogen werden kann. Der „Irre vom Bosporus“ darf nun ganz öffentlich in Deutschland seinen paranoiden Gelüsten nachgehen. Aber auch Kirchtürme, Minarette, MIssion unter Muslimen und religiöse Parallelwelten spielten im Zirkus der öffentliche Meinung eine Rolle. Von extrem bis banal ist alles vertreten.
Die Wahl ist bis zum 07. Mai 2016, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden.
Viel Spaß!

Hier sind die Kandidaten:

  1.  Frauke Petry, „weiß die Architektur von Minaretten nicht zu schätzen.“
  2.  Volker Kauder, „will Moscheen überwachen lassen, seine christlichen Extremisten spart er aus.“
  3. Bono, „singt weniger, dafür mehr Religiotie.“
  4. Rainer Maria Woelki, „mag spitze Phallussymbole.“
  5. Aiman Mazyek, „braucht Fremd-Imame für seinen Glauben.“
  6. Christian Troll, „möchte unter Flüchtlingen christlich trollen.“
  7. Joachim Gauck, „möchte gekrönt werden.“
  8. Alexander Kissler, „katholisch demagogische Weltsichten.“
  9. Eckart von Hirschhausen, „die Einfachheit der Bibel im Medizin-Studium vermisst.“
  10. Bernd Lucke, „mit Vulgärsprache mediale Aufmerksamkeit.“
  11. Wolfgang Thierse, „beschwört den Religionsfrieden.“
  12. Dr. Georg Rüter, „mag dezente Hinrichtungswerkzeuge.“
  13. Andreas Kersten, „Kondome vom Bibel-Apotheker.“
  14. Ulrich Parzany, “ weiß dass die Apostel nicht schwul waren.“
  15. Gert Pickel, „Religionsphobie unter den neuen Atheisten.“
  16. Nabil Arab, „mit dem Islam kam die Befreiung der Frauen.
  17. Recep Tayyip Erdoğan, „gelebte Paranoia.“

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Kanada: Suizidserie in Indianerreservat

foto: reuters / chris wattie Bewohner von Attawapiskat nehmen an einer Mahnwache teil. In den vergangenen Monaten kam es dort zu zahlreichen Suizidversuchen.
Der Häuptling in Attawapiskat erklärt den Notstand und wirft so ein Schlaglicht auf die schlechte Lage der Ureinwohner

Von Bernadette Calonego | derStandard.at

Im isolierten kanadischen Indianerreservat Attawapiskat werden die Menschen von Suizidwünschen heimgesucht, als ginge ein tödliches Virus um. Am 11. April entdeckte der Stammesrat einen entsprechenden Pakt zwischen zwanzig Bewohnern des Reservats, darunter dreizehn Kinder. Sie hatten sich auf Facebook abgesprochen. Nur zwei Tage zuvor hatten sich elf Stammesmitglieder in der entlegenen Siedlung im Norden der Provinz Ontario umzubringen versucht. Daraufhin erklärte Häuptling Bruce Shisheesh den Notstand für sein Reservat. „Attawapiskat braucht Hilfe“, sagte er Politikern und Journalisten.

Seit vergangenem September hat es in dem isolierten Dorf Attawapiskat rund hundert Suizidversuche gegeben. Das jüngste Opfer unter den rund 1500 Bewohnern war elf Jahre alt, das älteste 71.

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Präsentation des Grundrechte-Reports 2016

Der 20. Grundrechte-Report stellt in über 30 Beiträgen die Einschränkungen und Gefährdungen der Menschen- und Grundrechte in Deutschland dar.

Humanistische Union

Der Report nennt aktuelle Missstände beim Namen und zeigt auf, wie Gesetzgeber, Verwaltung und Behörden, aber auch Gerichte und Privatunternehmen die demokratischen und freiheitlichen Grundlagen unserer Gesellschaft gefährden. Er wird von acht deutschen Bürgerrechtsorganisationen herausgegeben, auf deren Expertise und praktischen Erfahrungen die Berichte beruhen.

Der Grundrechte-Report 2016 wird vorgestellt von dem Schriftsteller, Übersetzer und Verleger Ilija Trojanow.

Für die im Buch beschriebenen Fälle sind stellvertretend einige Betroffene anwesend. Herausgeber, Redakteure und Autoren stehen für Rückfragen zur Verfügung. Für Journalisten werden Rezensionsexemplare bereitgehalten.

Schwerpunkte des aktuellen Berichts sind:

  • der menschenunwürdige Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen und die Außerkraftsetzung europäischer Rechtsnormen
  • illegale Überwachungsmaßnahmen der Geheimdienste und Defizite ihrer gerichtlichen wie parlamentarischen Kontrolle
  • Datenschutz im Gesundheitsbereich und beim internationalen Datentransfer
  • unverhältnismäßige Polizeieinsätze bei Demonstrationen, im Anti-Terror-Kampf und im Großstadtalltag.

Rezensionsexemplare ausschließlich zu Pressezwecken können vorab über die Humanistische Union bestellt werden: Tel. 030 / 204 502 56 oder info@humanistische-union.de.

Mittwoch, 15. Juni 2016 um 11.15 Uhr

Schlosshotel Karlsruhe, Bahnhofplatz 2

Konservative Bildung: Kein Sport in der Bibel

Gebet und Glaube im Spitzensport

Die Pfingstlergemeinde im Landkreis Cloppenburg hat eine Schule ohne Sexualkunde und Sport beantragt. Manche deuten das als Abschottungsversuch

Von Petra Schellen | taz.de

Molbergens Stadtväter sind müde. Sie wollen weder zitiert noch mit Namen genannt werden, wenn die Rede auf diese neue Schule kommt. Schlechte Erfahrungen hätten sie gemacht, sagen sie verhuscht am Telefon, die Presse sehe immer nur das Negative, wolle den Landkreis Cloppenburg, zu dem Molbergen gehört, schlecht machen. Kein Mensch wisse, warum.

Schlecht machen? Eigentlich geht es um eine formaljuristisch unscheinbare, fast unspektakuläre Geschichte: Die evangelikale Freie Evangeliums-Christengemeinde Molbergen hat im September 2015 bei der niedersächsischen Landesschulbehörde einen Antrag auf Genehmigung einer Grundschule in freier Trägerschaft eingereicht. Träger sollte ein eigens gegründeter Verein sein, Start zum Schuljahr 2016/17.

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Volker Kauder will Moscheen überwachen lassen

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Unionsfraktionschef Kauder verlangt eine staatliche Kontrolle von Moscheen. Manche Predigten seien mit dem deutschen Staatsverständnis nicht vereinbar.

DER TAGESSPIEGEL

Unionsfraktionschef Volker Kauder hält eine staatliche Kontrolle von Moscheen im Kampf gegen Radikalisierung und Terror für nötig. In einigen Moscheen würden Predigten gehalten, die mit dem deutschen Staatsverständnis nicht in Einklang stünden, sagte der CDU-Politiker der „Berliner Zeitung„.

„Der Staat ist hier gefordert. Er muss das kontrollieren“, sagte Kauder. Deutschland sei ein säkularer Staat, in dem die Religion nicht über dem Staat stehe, sondern der Staat über der Religion. „Daran haben sich alle zu halten und dies müssen die Vertreter und die Angehörigen aller Religionen akzeptieren“, sagte Kauder weiter.

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Trump und die Evangelikalen: Im Zweifel für den pragmatischen statt gläubigen Kandidaten

Evangelikale Studenten an der Liberty Universtiy in Lynchburg warten auf Donald Trumps Auftritt (AFP/Nicholas Kamm)
Es scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Die weltliche Biografie des Republikaners Donald Trump und die bibeltreuen-rechtskonservativen Werte der Evangelikalen. Doch in einigen Südstaaten konnte er diese Wählerschichten für sich gewinnen.

Von Marcus Pindur | Deutschlandfunk

„Ich glaube, viele Evangelikale sind zu dem Schluss gekommen, dass wir uns nicht auf den Staat verlassen können, wenn es um die Aufrechterhaltung traditioneller biblischer Werte geht. Also soll der Staat einfach praktische Probleme lösen wie Einwanderung, die Wirtschaft, und nationale Sicherheit. Und wenn wir nur das wollen, dann brauchen wir auch keinen spirituellen Übermenschen im Weißen Haus. Und deswegen sind viele evangelikale Christen offen für einen säkularen Kandidaten wie Donald Trump.“

Der Kandidat hatte sich das Forum mit Bedacht ausgesucht. In Iowa bilden evangelikale Christen 40 Prozent der republikanischen Wähler, sind also für jeden Kandidaten eine enorm wichtige Wählergruppe. Vor den Vorwahlen in Iowa Ende Januar hielt Donald Trump eine Rede in einer der größten evangelikalen Universitäten der USA, der Liberty University in Lynchburg, Virginia.

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Darwins Streiter

Darwin statt Kreuz. Die Bücher von Richard Dawkins (75) kreisen um die Ideen des Begründers der Evolutionstheorie.Foto: Aus dem Buch
Biologe, Autor und Atheist: Der streitbare und umstrittene Richard Dawkins hat seine Memoiren vorgelegt.

Von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

1976 brachte ein junger Wissenschaftler von der Universität Oxford die Welt der Biologie in Unordnung. Seine Name: Richard Dawkins. Mit seinem ersten Buch, dem er den provokanten Titel „Das egoistische Gen“ gab, löste der 35-Jährige ein bis heute nachhallendes geistiges Beben aus. Und bis heute ist Dawkins jemand, der keine lauwarmen Reaktionen zulässt. Man kann ihn lieben oder hassen, ist für oder gegen ihn – gleichgültig lässt er kaum jemanden. „Man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Langweiler bin“, hat Dawkins dazu mit dem ihm eigenen Sarkasmus bemerkt. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag ist nun seine Autobiografie unter dem Titel „Die Poesie der Naturwissenschaften“ auf Deutsch erschienen.

„Das egoistische Gen“ ist eigentlich eine Abrechnung mit der Idee der Gruppenselektion. Also der Vorstellung, dass die Ebene der Gruppe eine wichtige Bühne ist, auf der sich die Evolution, die Entwicklung der Lebewesen, abspielt. Die natürliche Auslese (Selektion), der Motor der Evolution, begünstigt demnach Gruppen von Organismen. Der Einzelne tritt hinter dem Kollektiv zurück.

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