«Die liberale Demokratie hat mehr zum menschlichen Glück beigetragen, als Buddha es je getan hat»

An die Stelle der alten Metaphysik und der reinen Sprachanalyse setzte Richard Rorty eine Art philosophische Gelassenheit. (Bild: Steve Pyke)
Er entzauberte die grossen Metaphysiker und war ein Meister der feinen Ironie: der amerikanische Philosoph Richard Rorty (1931–2007). Die Demokratie verteidigte er ebenso wie den Kapitalismus – weil alle anderen Ordnungen noch schlechter seien. Wir publizieren eines seiner letzten Gespräche erstmals auf Deutsch.

Robert P. Harrison | Neue Zürcher Zeitung

Herr Rorty, was ist das, die analytische Philosophie?

Die analytische Philosophie startete als Reaktion gegen den Versuch, die wahre Natur der Wirklichkeit zu benennen. Das wurde als Metaphysik verurteilt, als unerwünschtes und unmögliches Unternehmen. Die Idee bestand darin, der Metaphysik über die Analyse von Sprache ein Ende zu setzen und der ganzen Philosophie ein Ende zu bereiten. Das passierte zwar nicht, aber diese Idee war es, die der Bewegung ihren Glanz verlieh.

Was geschah stattdessen?

Die Metaphysik erlebte gewissermassen eine Wiedergeburt innerhalb der analytischen Philosophie. Nachdem die Leute über Jahrzehnte Probleme «aufgelöst» und die «Begriffsverwirrung» offengelegt hatten, wurden sie dieses Verfahrens überdrüssig. Sie sagten dann: Nein, eigentlich möchten wir die Natur der Wirklichkeit ergründen, aber die Wissenschaft sagt uns das zum Glück ja schon – es sind Atome und das Leere. Alles besteht aus physikalischen Elementarteilchen. Leute wie ich sagen dagegen: Es gibt keine wahre «Natur der Welt», die Wissenschaft zeigt sie uns nicht, auch nichts anderes zeigt sie uns.

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Hunderttausende indigene Frauen wurden in den 1990er-Jahren in Peru zwangssterilisiert

Bild: tagesschau.de
Hunderttausende indigene Frauen wurden in den 1990er-Jahren in Peru zwangssterilisiert. Die Begründung: Armutsbekämpfung. Bis heute warten sie auf Entschädigung.

Von Matthias Ebert | tagesschau.de

Die Krankenschwestern kamen in Begleitung von Polizisten und schlugen die Tür von Rute Zuñigas Lehmhütte auf. Kurz darauf saß die Quechua-Frau aus einem Andental bei Cusco im örtlichen Gesundheitszentrum. Im Behandlungszimmer erklärten ihr die Ärzte, dass Zuñiga jetzt zwangssterilisiert werde – während ringsherum miserable hygienische Bedingungen herrschten.

Hände und Beine festgebunden

Als sich die damals 28-Jährige wehrte, band man ihr Hände und Beine fest, bevor die Operation losging. Weil die Betäubung offenbar nicht stark genug war, spürte Zuñiga, wie am Ende ihre Wunde zusammengenäht wurde.

All das passierte am 10. Februar 1999 – ein Datum, welches Zuñiga nie mehr vergessen wird. Die Bäuerin hatte bereits vier Kinder und ihr Mann gibt ehrlich zu, dass er heute froh ist, dass die arme Familie durch den Zwangseingriff nicht noch kinderreicher wurde. Doch für Zuñiga ist das Leben seitdem nicht mehr dasselbe.

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Gedankenverbrechen und Bestrafung

By LeonV – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34934403
Ein Jahr der Ausgrenzung und Rechtsstreite an einer kanadischen Universität

Von Lindsay Shepherd | RDF

Ende 2017 befand ich mich im Zentrum einer Kontroverse an der Wilfrid Laurier University (Waterloo, Kanada), wo ich als M.A. Student (Master of Arts) und Lehrassistent (TA) im Fachbereich Kommunikationswissenschaften tätig war. In dem Kurs, für den ich als TA arbeitete, spielte ich einen Teil einer Podiumsdiskussion, die im öffentlichen Fernsehen von Ontario ausgestrahlt wurde, vor. Wie viele Leser wissen, beinhaltete dieses Material Jordan Peterson, Professor an der University of Toronto, der gegen die Verwendung alternativer Geschlechterpronomen argumentierte, sowie die Argumente des Sexualdiversitätspädagogen Nicholas Matte, der zu dessen Gebrauch ermutigte.

Weil ich entschied, mich nicht von Petersons Ansichten zu distanzieren, bevor ich das Video zeigte, wurde ich in daraufhin vor einen Disziplinarausschuss zitiert. Der Betreuer des betreffenden Kurses, Nathan Rambukkana, sowie der Koordinator meines M.A.-Programms, Herbert Pimlott (manchmal auch bekannt als „Hillary X Plimsoll“), und die Managerin für geschlechtsspezifische Gewalt und Prävention von sexuellen Übergriffen, Adria Joel, beschuldigten mich, gegen das Gesetz zu verstoßen, indem ich ein Video mit Peterson im Klassenzimmer gezeigt, sowie Trans-Personen bedroht und angriffen habe, wodurch eine toxische Umgebung geschaffen wurde. All das ist bekannt, weil ich das ganze Treffen aufgezeichnet habe.

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Dodo Müller unzufrieden mit Amtsführung des Papstes und „Hofschranzen“

Gerhard Ludwig Müller links im Bild. Bild: bb
Müller hat sich über Papst Franziskus‘ Amtsführung gewendet: Es dürfe nicht sein, dass „die Gesamtkirche nach den Regeln des Jesuitenordens geführt wird“, sagte er dem Spiegel. Nicht nur am Papst hatte er viel auszusetzen.

DOMRADIO.DE

Kardinal Gerhard Ludwig Müller kritisiert die Amtsführung von Papst Franziskus und bescheinigt ihm zugleich Rechtgläubigkeit. Franziskus mache sich etwa bei Personalentscheidungen „von Zuträgern und ihren oft unedlen Motiven abhängig“, sagte der frühere Chef der vatikanischen Glaubensbehörde dem „Spiegel“.

Auf die Frage, ob Franziskus ein Häretiker sei, antwortete der Kardinal: „Nein. Dieser Papst ist orthodox, das heißt im katholischen Sinne rechtgläubig.“ Seine Aufgabe sei es aber, die Kirche zu einen. „Und es wäre gefährlich, wenn er der Versuchung erläge, jene Gruppe, die sich mit ihrem Progressismus brüstet, gegen den Rest der Kirche auszuspielen“.

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Spahn will Therapien gegen Homosexualität verbieten

Jens Spahn (rechts) mit seinem Partner Daniel Funke. – APA/AFP/DPA/GREGOR FISCHER
Jens Spahn will sogenannte Kornversionstherapien verbieten. Der Politiker geht mit seiner Homosexualität offen um: „Ich sage immer: Der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

Die Presse

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn will sogenannte Konversionstherapien gegen Homosexualität verbieten. „Homosexualität ist keine Krankheit, und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig“, sagte Spahn der „tageszeitung“ aus Berlin vom Freitag. Gemeinsam mit dem Justizministerium werde er bis zum Sommer einen Vorschlag für eine Verbotsregelung erarbeiten.

Sogenannte Konversionstherapien zielen darauf ab, Schwule und Lesben heterosexuell zu machen. „Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins“, sagte Spahn der „taz“. „Ich sage immer: Der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

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Giftgasangriff? Was ist in Duma am 7. April 2018 passiert?

Der Gaskanister im Bett. Screenshot
Für die USA waren die Bilder der Weißhelme Beweis genug zur Bombardierung, ein investigativer US-Journalist hat sich bemüht, den Nebel des Krieges und der Propaganda vorurteilslos zu durchdringen.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Passend zur Münchener Sicherheitskonferenz, wo die Veranstalter wie jedes Jahr einen drohenden Zusammenbruch, dieses Mal der „liberalen Weltordnung“, beschwören, ist auf Intercept der Bericht von James Harkin, Direktor des Centre for Investigative Journalism und Mitglied des Shorenstein Center der Harvard University, erschienen, der sich noch einmal den angeblichen Giftgasangriff auf das syrische Duma (Douma) im April 2018 vorgenommen hat (Das lässt aufhorchen: Angeblicher Chemiewaffenangriff in Ost-Ghouta).

Er war bereits Anfang Juli 2018 nach Duma gereist, um sich die Lage vor Ort anzusehen. Seine Reportage ist Pflichtlektüre, auch wenn man letztlich zu anderen Schlüssen kommen mag. Klar ist auf jeden Fall, dass viele Menschen umkamen, letztlich ist es egal, ob sie Opfer einer chemischen Waffe oder einer normalen Bombe wurden.

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Volker Beck: Islamverbände sind keine Religionsgemeinschaften – „Kein Stein bliebe auf dem anderen“

Volker Beck fordert „aktivere Religionspolitik“ © Wilhei (Pixabay)
Falls die großen Islamverbände in Deutschland als Religionsgemeinschaften anerkannt werden, sieht der Grünen-Politiker Volker Beck eine Gefahr für das deutsche Religionsverfassungsrecht. Er sprach von „politisierten religiösen Vereinen“.

DOMRADIO.DE

Zur Begründung verwies der Ex-Bundestagsabgeordnete, der heute am „Centrum für Religionswissenschaftliche Studien“ der Ruhr-Universität Bochum lehrt, am Mittwoch bei einer Tagung des Deutschen Richterbunds in Berlin auf eine Steuerung der Verbände aus der Türkei. Wenn „politisierte religiöse Vereine in die Rechte von Religionsgemeinschaften“ einrückten, seien die Fundamente „des bewährten deutschen Religionsverfassungsrechts“ bedroht. „Dann ginge die ordnende Kraft unseres Religionsverfassungsrechts verloren, und kein Stein bliebe da auf dem anderen“, fügte er hinzu.

Beck bezog sich auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im vergangenen Dezember in einem seit über 20 Jahren laufenden Rechtsstreit zum islamischen Religionsunterricht an Schulen in Nordrhein-Westfalen.

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Fünf Medizin-Probleme von Frauen, für die Jens Spahn wirklich mal fünf Millionen Euro locker machen sollte

Bild: bento.de
Damit Forschung macht, was sie kann: Leben retten!

Thembi Wolf | bento

Für fünf Millionen Euro will Gesundheitsminister Jens Spahn die seelischen Langzeitfolgen von Abtreibungen untersuchen lassen. Klingt erstmal gut: Über 100.000 Frauen treiben in Deutschland jährlich ab, die meisten davon zwischen 18 und 34. Was macht das eigentlich mit denen? Sind sie traumatisiert oder nur traurig? Bereuen sie das?

Weil diese Fragen naheliegend sind, haben sich das schon jede Menge Forscherinnen und Forscher gefragt und die Antworten veröffentlicht.

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Personhood & Abortion Rights: How Science Might Inform this Contentious Issue

Image: Skeptic
Although it has been 45 years since Roe v. Wade was decided by the Supreme Court of the United States (SCOTUS), abortion continues to be a highly controversial and polarizing issue within the body politic.

By Gary Whittenberger | Skeptic

At the two ends of the continuum are the radical pro-life and radical pro-choice advocates. The radical pro-life position is that from the moment of conception the human organism is a person that should have full human rights, including the right to life, and these rights should be fiercely protected by the state. On the other side, the radical pro-choice position is that the pregnant woman already has full human rights, including the right to bodily autonomy, and that she can freely decide to end her pregnancy at any time she wishes for any reason at all. Many pro-lifers view the zygote—the one-celled human organism resulting from fertilization—as sacred, and believe that causing the death of the zygote, embryo, or fetus, either directly or indirectly, is murder. By contrast, the pro-choicers believe that the organism becomes a person only after it leaves the womb and becomes disconnected from the life support of the mother. The main purpose of this essay is to articulate a third position that falls between these two extremes. Call it the “pro-person” position. Although it leans more towards the pro-choice stance, it has a much stronger philosophical and scientific foundation.

Most of us would agree that all persons should be assigned the full spectrum of human rights, e.g. rights to life, bodily autonomy, property, etc. But what is a person anyway? When does the human organism developing inside a woman become a person? Traditionally, the answer was left to theologians and religious leaders. The prevailing view during the time of Aristotle was that the human soul entered the forming body at 40 days in male embryos and at 90 days in female embryos.

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Napoleon und die Kirchen – der Papst und die Revolution: Pius salbt den Kaiser

Krönung von Napoleon Bonaparte in Anwesenheit von Papst Pius VII. © Wikimedia Commons/gemeinfrei
Der Papst als Verräter? Als Pius VII. Napoleon bei der Kaiserkrönung salbte, waren die Monarchisten empört – segnete das Kirchenoberhaupt damit doch die Französische Revolution. Doch Pius war alles andere als willfährig.

DOMRADIO.DE

Frankreich feiert in diesem Jahr den 250. Geburtstag von Napoleon Bonaparte. Der Feldherr und Kaiser, der am 15. August 1769 im korsischen Ajaccio zur Welt kam, hat Europas Landkarte umgekrempelt. Auch für Katholizismus und Kirche war seine Herrschaft ein Wendepunkt.

„Ich sterbe in der apostolischen und römischen Religion, in deren Schoß ich vor mehr als 50 Jahren geboren wurde.“ So heißt es im Testament, das Napoleon 1821 kurz vor seinem Tod am 15. Mai in der Verbannung auf St. Helena diktierte. Zuvor hatte er von zwei italienischen Patres die Sterbesakramente erhalten.

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Syrische Ex-Geheimdienstler in Deutschland wegen Folter festgenommen

In syrischen Foltergefängnissen verschwanden zahlreiche Oppositionelle. Nun könnten sich zwei Ex-Geheimdienstmänner für Gräueltaten in Deutschland verantworten müssen.

Neue Zürcher Zeitung

Wegen massenhafter Folterungen und körperlicher Misshandlungen von Oppositionellen durch den syrischen Geheimdienst hat der deutsche Generalbundesanwalt einen früheren Abteilungsleiter und einen von dessen Untergebenen festnehmen lassen.

Es geht um den Verdacht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie die oberste deutsche Anklagebehörde am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte. Die beiden 56 und 42 Jahre alten Syrer wurden den Angaben zufolge am Dienstag in Berlin und Rheinland-Pfalz gefasst und befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft.

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Staatliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften: ein Auslaufmodell?

Das Minarett der Mahmud-Moschee in Zürich. (Bild: Alessandro Della Bella / Keystone)
In der Referendumsdemokratie erfolgt die rechtliche Anerkennung erst dann, wenn eine Religionsgemeinschaft als gesellschaftlich integriert wahrgenommen wird.

René Pahud de Mortanges | Neue Zürcher Zeitung

Mit der öffentlichrechtlichen Anerkennung spricht ein Kanton einer Kirche gesellschaftliche Relevanz zu, gewährt ihr eine Reihe von Rechten und unterwirft sie staatlichen Organisationsvorschriften. Angesichts der rapiden Säkularisierung der Gesellschaft stellt sich die Frage, ob dieses in den 1960er Jahren für die damaligen Volkskirchen entwickelte Rechtsinstitut noch seine Berechtigung hat. Ist es nicht Zeit für eine strikte Trennung von Staat und Kirche, so wie dies etwa der Präsident der Freidenker-Vereinigung fordert? Kommt hinzu, dass sich die Ausdehnung des Anerkennungsrechts auf andere Religionsgemeinschaften als schwierig gestaltet. Zwar konnten in den letzten Jahrzehnten in sechs Kantonen jüdische Gemeinschaften anerkannt werden. Die Angst vor «Sekten» ebenso wie die hitzige Islamdebatte hat aber mancherorts zu politischer Stagnation in diesem Bereich geführt. Das System der staatlichen Anerkennung steht vor grossen Herausforderungen, zu denen auch gelegentliche Infragestellungen aus gewissen Kreisen der römisch-katholischen Kirche gehören.

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Achtsam statt einsam: Kann Achtsamkeitstraining einsamen Menschen helfen?

Hilft Achtsamkeit bei Einsamkeit? © Maryna Patzen/ istock
Weg aus der Einsamkeit: Einsamen Menschen können womöglich Achtsamkeitsübungen helfen. Denn sie unterstützen Betroffene dabei, sich selbst zu akzeptieren – und somit auch offener gegenüber anderen zu werden, wie eine Studie zeigt. Probanden, die ein zweiwöchiges Training zur Achtsamkeit absolviert hatten, fühlten sich demnach nicht nur weniger einsam. Sie hatten im Alltag tatsächlich auch mehr soziale Interaktionen als vorher.

scinexx

Wer sich einsam fühlt, leidet längst nicht nur psychisch: Das Gefühl der sozialen Isolation kann auf Dauer auch konkrete körperliche Auswirkungen haben. So belegen Studien, dass einsame Menschen schlechter schlafen, anfälliger für Stress sind und Schmerzen oder Krankheitssymptome als schlimmer empfinden. Zudem hemmt die Einsamkeit das Immunsystem, sodass Betroffene häufiger krank werden – und möglicherweise sogar schneller altern.

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Almost a third of Brits STILL don’t believe Charles Darwin’s theory of evolution

A significant number of Brits do not believe humans evolved from apes as Charles Darwin theorised

By Ruki Sayid | Mirror

If Charles Darwin were still around, it really would make him go ape.

Almost 160 years after he defied the ignorance of his time by publishing the theory of evolution, explaining where humanity comes from, around 31% of us still do not believe it.

A poll to mark Darwin Day today found only 50% are “certain” his theory of natural selection, set out in 1859’s On the Origin of Species, is correct.

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Sozialstaatssimulation und Flüchtlingsabwehr

Grafik: TP
Mit Klausuren bereiten sich SPD und CDU/CSU auf die nächsten Wahlkämpfe vor

Peter Nowak | TELEPOLIS

Hartz IV heißt jetzt Bürgergeld, einige „sinn- und unwürdige Sanktionen“ sollen abgeschafft werden, insgesamt sollen die Sanktionen aber nicht verschwinden. Einführen will man eine Kindergrundsicherung und der Mindestlohn soll auf 12 Euro angehoben werden. Das sind einige Kernpunkte eines Konzepts mit dem Namen „Sozialstaat 2025“, das die SPD am Wochenende auf einer Klausur in Berlin diskutiert und der Presse vorgestellt hat.

Damit will die SPD „Hartz IV hinter sich lassen“, wie die Parteivorsitzende Nahles seit Wochen betont. In der Wirtschaft gibt es allerdings Vertreter, die der Ansicht sind, Hartz IV habe sei 2005 den zugedachten Zweck erfüllt und zur Etablierung eines ausgedehnten Niedriglohnsektors in Deutschland beigetragen. Zudem könnte das Bundesverfassungsgericht, das gerade über die Frage entscheidet, ob die ausufernde Sanktionspraxis überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist, der Sanktionspraxis einige Grenzen setzen.

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Niedersachsen lehnt Ditib-Seelsorger in Gefängnissen weiter ab: Staatlich beeinflusst

Ein Imam betet in einer Moschee © Axel Heimken (dpa)
Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza hat ihre Entscheidung bekräftigt, keine Imame des türkischen Moscheeverbandes Ditib mehr als Seelsorger in niedersächsischen Gefängnissen zuzulassen.

DOMRADIO.DE

Diese Imame würden „von der türkischen Regierung bezahlt und haben eine Berichtspflicht in die Türkei“, sagte Havliza der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Montag). Das bedeute, dass die Imame berichten könnten, was sie in den Gefängnissen mitbekämen, woraus sich wiederum eine Gefährdung etwa für kurdische Gefangene oder mögliche Anhänger des Predigers Fethullah Gülen ergeben könnten.

„Unsere Gefängnisse, unsere Beamten, unsere Verantwortung“

Der Ditib als Verband gelinge es nicht, sich von staatlichen Einflüssen aus der Türkei zu lösen und allein hier in Deutschland verortet zu sein, sagte Havliza weiter.

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Genfer Staatsangestellte dürfen kein Kopftuch, keine Kippa und kein Kreuz mehr tragen

Der Kanton Genf präzisiert den Umgang mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften. Parlamentariern und staatlichen Mitarbeitern ist das Tragen von religiösen Symbolen nunmehr verboten. Das letzte Wort zum neuen Laizitätsgesetz sprechen aber die Gerichte.

Antonio Fumagalli |Neue Zürcher Zeitung

Der Kanton Genf ist in religiöser Hinsicht schon seit über einem Jahrhundert der radikalste Kanton der Schweiz. Das Prinzip der Laizität – also der Trennung zwischen Kirche und Staat – wurde schon 1907 festgehalten und nur gerade Neuenburg folgte dem Beispiel 1941, wenn auch aus anderen Beweggründen. Die Verfassungsänderung von 2012 bestätigte die Genfer Laizität.

Auf Bestreben von Staatsrat Pierre Maudet (fdp.) präzisierte in der Folge eine Arbeitsgruppe den Verfassungsgrundsatz. Das daraus entstandene Laizitätsgesetz fand im Parlament eine komfortable Mehrheit, nicht weniger als vier verschiedene Gruppierungen ergriffen jedoch das Referendum – vergeblich. Am Sonntag nahmen 55,05 Prozent der Stimmbevölkerung das neue Gesetz an.

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Wer ist wir?

Der französische Philosoph Tristan Garcia fragt nach den Grundlagen eines politischen Subjekts. (Bild: Basso Cannarsa / Opale / Bridgeman)
Philosophie «Wir» ist die politische Kategorie schlechthin. Tristan Garcia geht ihm auf den Grund.

Von Nina Fargahi | NZZamSonntag

Wir sprechen stets im Namen eines «Wir». Egal, worüber wir sprechen – über Rassismus, Sexismus, Feminismus, über Tierrechte oder über «den» Islam. Dieses «Wir» ist die politische Kategorie schlechthin. Doch wer ist «wir»? Was passiert, wenn wir «wir» sagen? Und wie hat sich diese Identitätsbildung in den letzten zwei Jahrhunderten entwickelt?

Um diese Fragen zu beantworten, lässt der französische Philosoph Tristan Garcia in seinem neuen Buch «Wir» keinen Stein auf dem anderen. Wie könne es sein, dass «wir Feministinnen», die zeitlebens für die Wahlfreiheit, gegen das Patriarchat und für das Recht, Hosen zu tragen, nun beschuldigt werden, unfreiheitlich zu handeln, weil wir muslimischen Frauen nicht das Recht zugestehen würden, ihr Gesicht zu verschleiern?, fragt er.

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Ich will, wo Es ist: Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Grafik: TP
Wie krank sind Rechtspopulisten und Rechtsextremisten? Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die ersten Gerüchte über Chemnitz, gestreut in den rechten Wahnräumen des Netzes, waren eindeutig sexuell konnotiert: Eine deutsche Frau sei von dunkelhäutigen Ausländern sexuell belästigt worden, die drei Deutsche töteten, als diese versuchten, die bedrängte Frau zu schützen. Die erste rechtsextreme Gewaltwelle, die sich spontan in Chemnitz am 26. August 2018 entlud, wurde gerade durch diese Gerüchte von einer versuchten Vergewaltigung durch Flüchtlinge angefacht.

Und dies ist ein immer wiederkehrendes Motiv der paranoiden rechten Gewaltphantasien, die einen regelrechten „Genozid“ am „deutschen Volk“ halluzinieren. Immer wieder erfinden Rechte schlicht sexuelle Übergriffe, wie etwa die angebliche Gruppenvergewaltigung einer Verkäuferin durch Flüchtlinge in Zwickau. In Görlitz wiederum hielten sich tagelang Gerüchte um Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer auf dem Gelände des dortigen Klinikums.

Auch in Chemnitz gab es im Vorfeld der Geschehnisse Ende August Gerüchte über Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer. Die in der Neuen Rechten allgegenwärtige, sexualisierte Angst vor dem Völkermord an den Deutschen, vor der „Umvolkung“ Deutschlands, sie ist eingebettet in einen hysterischen Opferwahn, der inzwischen bizarre Ausmaße angenommen hat.

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