GENDER-STUDIES – Die Glaubensgemeinschaft schlägt zurück

Geschlecht: eine von der Biologie unabhängige soziale Konstruktion? / picture alliance
Viele Menschen wehren sich inzwischen dagegen, dass zentrale Einrichtungen unserer Gesellschaft im Namen von Gender-Diversity und Gender-Mainstreaming umgebaut werden. Nun reagieren die Gender-Studies mithilfe verschiedener Stiftungen. Doch dabei entlarven sie sich selbst

Von Alexander Grau | Cicero

Was macht eine Glaubensgemeinschaft, wenn sie spürt, dass sie Gegenwind bekommt, dass ihre Lehre als autoritäre Anmaßung entlarvt wurde, die das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen gegen deren Willen massiv verändern will?

Nun, eine so demaskierte Glaubensgemeinschaft schlägt zurück. Am besten in einer konzertierten Aktion. Wie man das macht? Ganz einfach: Indem man Tatsachen abstreitet, Kritiker diffamiert und sich bemüht, angeblich falsche Vorwürfe zu entlarven. Und wenn die entsprechenden Vorwürfe gar nicht falsch waren, dann muss man Logik und Wissenschaft so lange strapazieren, bis das keinem mehr auffällt.

Gender-Studies stehen unter Druck

Wunderbar studieren kann man dieses Vorgehen anhand der so genannten Gender-Studies. Denn die stehen unter massivem Druck. Zum einen weil ihre Grundannahmen – Geschlecht sei eine von der Biologie unabhängige soziale Konstruktion – zweifelhaft sind. Vor allem aber, weil sich immer Menschen dagegen wehren, dass im Namen von Gender-Diversity und Gender-Mainstreaming zentrale Einrichtungen unserer Gesellschaft wie Kindergärten, Schulen, Universitäten und öffentliche Institutionen systematisch umgebaut werden.

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Zehn Schweine als Wiedergutmachung für eine Vergewaltigung

Sexuelle Gewalt ist in Papua-Neuguinea weit verbreitet. Vom schwachen Staat können die Opfer wenig Hilfe erwarten.

Von Patrick Zoll | Neue Zürcher Zeitung

Deborah schaut zum eisernen Tor an der Einfahrt zum Haus. Draussen quält sich der Morgenverkehr von Port Moresby durch die Schlaglöcher. Busse holpern vorbei, Menschen schlendern scheinbar ziellos. Deborah könnte sich problemlos unter sie mischen, das Tor steht offen. Doch die Furcht hält sie zurück, die Furcht vor ihrem Ehemann. «Wenn er mich zufällig auf der Strasse sehen, aus seinem Auto steigen und mich verprügeln würde – niemand käme mir zu Hilfe», sagt sie auf der Terrasse, von wo sie das Tor nicht aus den Augen lässt.

Die gekaufte Frau

Deborah will ihren richtigen Namen nicht nennen. Einer lokalen Zeitung würde sie auch nie erzählen, was sie erlebt hat. Aber einer, die in einer fremden Sprache und weit weg erscheint – das sollte eigentlich ungefährlich sein, meint sie, ebenfalls zögernd. Obwohl Deborah sagt, dass es ihr jetzt gutgehe und dass sie glücklich sei, ist ihre Angst deutlich zu spüren. «Eine Frau ohne Mann gilt in Papua-Neuguinea nichts», sagt sie. Eine Narbe über dem rechten Auge und die zersprungene Lippe sind Spuren des Missbrauchs, den sie jahrelang erleiden musste – von ihrem Ehemann. Dass er ihr den Arm und die Seele gebrochen hat, ist weniger sichtbar.

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So viele nukleare Sprengköpfe bunkern die Atomnationen

© Statista
14.935 atomare Sprengköpfe gibt es weltweit. Mehr als 92 Prozent der todbringenden Waffen lagern in den Arsenalen nur zweier Länder.

stern.de

Weltweit geht die Zahl der Atomwaffen zwar zurück, wie nah ein nuklearer Konflikt trotzdem sein kann, bewiesen in dieser Woche Nordkorea und die USA. Nachdem die gegenseitigen Drohungen aus Washington und Pjöngjang immer schärfer wurden, lenkte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zuletzt ein und kündigte an, die USA zunächst weiter beobachten zu wollen.

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Assad: Das westliche Projekt ist in Syrien gescheitert

Screenshot der Rede Assads. Video der Nachrichtenagentur Sana auf YouTube.
Der syrische Präsident erklärt in einer Rede zur Zukunft Syriens eine klare „Ostorientierung“

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Es ist ein eklatanter Kontrast. Zwischen dem Papier eines US-Think-Tanks und der Rede Baschar al-Assad zur Zukunft Syriens liegen Welten. Zwar räumt das Atlantik-Council-Papierein, dass es nicht sicher sei, in welchem Ausmaß die USA am Wiederaufbau Syriens beteiligt sein wird, aber man mahnt dort schon einmal an, dass es prioritär darum gehen müsse, den Fokus auf die syrische Zivilgesellschaft zu richten, um das Land zu „stabilisieren“.

Jeder, der lesen kann, weiß, welche Wünsche hinter den Empfehlungen des Atlantic Councils stecken, die Mitwirkung der Zivilgesellschaft an der Regierungsarbeit zu stärken. Der Atlantik Council-Denkbunker ist seit jeher Unterstützer eines Umsturzes in Syrien. So bedeutet der Vorschlag lediglich einen Umweg, um zu bewirken, was auf anderem Weg nicht gelang, die Beschneidung der Macht Assads. Auf lange Frist bleibt es beim Ziel, Assad von der Regierung zu entfernen. Nun halt durch den Aufbau einer Opposition über das Governance-Paradigma.

Ganz anders stellt sich die Lage aus Sicht des syrischen Präsidenten dar. Er ging in seiner Rede am gestrigen Sonntag (auf Arabisch hier, englisch, von der syrischen Nachrichtenagentur Sana zusammengefasst, hier) auf diesen Ansatz ein:

Wir werden es unseren Feinden und Rivalen nicht erlauben, über Politik das zu erreichen, woran sie mit der Unterstützung von Terroristen gescheitert sind. (…) Alles, was mit der Zukunft von Syrien zu tun hat, ist zu 100 Prozent eine Angelegenheit Syriens.

Baschar al-Assad

Manche, wie der syrisch-amerikanische Beobachter Ehsani2, halten die etwa einstündige Rede Assads für eine seiner wichtigsten, weil sie eine Grundausrichtung formuliert, und das angegebene Zitat für einen Schlüsselsatz. Damit, so Ehsani2, könne sich der UN-Sonderbotschafter de Mistura von seinem Posten zurückziehen, die Genfer Gespräche seien nicht mehr sinnvoll, da Assad sich vom Westen und seinen arabischen Verbündeten nicht in die politische Gestaltung hineinreden lassen wolle.

Tatsächlich lässt es Assad bei seiner vom TV übertragenen Rede zu einer Konferenz des Außenministeriums nicht an Deutlichkeit fehlen, wenn es um sein Verhältnis zum Westen und dessen arabische Partnern und Erdogan geht. Für die westliche Politik der Einflussnahme in Syrien erhebt er nicht nur den Vorwurf der Unterstützung von Terroristen, er vergleicht sie mit Bulldozer und Schlangen.

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Austria: Problem mit Geld für Islamvereine

Die Finanzierung von Islamvereinen bereitet Staatssekretärin Duzdar Sorgen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Kultusamt hat mehrere Verdachtsfälle verbotener Auslandsfinanzierung im Visier. Wiens Stadtschulrat hat Anzeige gegen Schule erstattet. Verein unterstützte Linzer SPÖ-Stadtchef.

Die Presse.com

In Österreich wird intensiv gegen mehrere islamische Vereine wegen des Verdachts der verbotenen Finanzierung aus dem Ausland ermittelt. Im Mittelpunkt des Interesses steht zwar derzeit eine Islamschule in Wien Liesing. Gegen diese hat der Wiener Stadtschulrat am Montag Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Islamgesetz erstattet.

Allerdings handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Man sei bei den seit Februar dieses Jahres laufenden Prüfungen draufgekommen, dass es mehrere Verdachtsfälle gibt, wurde der „Presse“ im Bundeskanzleramt, wo auch das zuständige Kultusamt angesiedelt ist, erklärt. Kanzleramtsstaatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) selbst unterstreicht: „Die Auslandsfinanzierung ist ein ernstes Problem und darf nicht kleingeredet werden.“

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Käßmann: Nächstenliebe bedeutet Einmischung in die Welt

Nach Ansicht der Theologin Margot Käßmann kann das christliche Gebot der Nächstenliebe heutzutage zur Einmischung in die Welt ermutigen, wenn es als radikale Botschaft verstanden wird.

evangelisch.de

„Dann kann ich nämlich nicht wegschauen, wenn Menschen ertrinken im Mittelmeer, wenn Neonazis Geflüchtete angreifen, wo Islamophobie um sich greift und deutsche Rüstungsgüter in alle Welt exportiert werden“, sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag bei einer Kanzelrede in Wittenberg.

Fünf Wochen vor der Bundestagswahl appellierte Käßmann zudem an die Politik, das Gebot der Wahrheit ernst zu nehmen. An die Gesellschaft gerichtete sagte sie, alles unter den Verdacht der Lüge und Fake News zu stellen, sei keine Grundlage für Zusammenleben.

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Wien: Anzeige gegen islamische Privatschule

Das Bildungsministerium hat Anzeige gegen eine islamische Privatschule in Wien erstatten lassen. Nach einer Prüfung liege nahe, dass diese ohne Anmeldung betrieben werde, sagte Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) am Sonntag zur APA. Zudem hätten sich Verdachtsmomente wegen verbotener Auslandsfinanzierung gegen andere islamische Vereine erhärtet, hieß es wiederum aus dem Bundeskanzleramt.

Die Presse.com

Derzeit prüft das Kultusamt diverse islamische Organisationen auf Finanzierung aus dem Ausland, die laut Islamgesetz verboten ist. Verstöße auf anderer Ebene vermutet man nun durch den Wiener Fachverein Imam Hatip. Hintergrund sind Spendenaufrufe der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) in Deutschland für eine Imam-Schule in Linz und eine weiterführende Schule in Wien.

Schule soll schon länger ohne Genehmigung betrieben werden

Die Behörden hegen nun den Verdacht, dass die Schule in Wien bereits seit längerer Zeit und ohne Kenntnis des Ministeriums betrieben wird. Dort sollen – nicht nur schulpflichtigen Kindern – theologische Inhalte vermittelt werden, die dem Privatschulrecht widersprechen. Hammerschmid hat am Freitag von den Vorwürfen erfahren und den Wiener Stadtschulrat angewiesen, Anzeige beim magistratischen Bezirksamt zu erstatten. „Wir müssen sofort Untersuchungen einleiten“, sagte sie zur APA.

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Seehofer beharrt auf Obergrenze

Schöne Kulisse im schönen Berlin: Seehofer und ARD-Journalisten beim Aufzeichnen des Interviews, dass am Sonntagabend ausgestrahlt wird (Foto: dpa)
  • Seehofer mache die Obergrenze nicht mehr zur Bedingung für die nächste Koalition, berichten Medien – das sei falsch, sagt der CSU-Chef.
  • „Kein Abrücken von der Obergrenze. Die 200 000 bleiben“, so Seehofer. Die Zahl bezieht sich auf die maximale Zahl von Flüchtlingen, die die CSU jährlich aufnehmen will.

Süddeutsche.de

Am Sonntagabend ist CSU-Chef Horst Seehofer in einem ARD-Interview im Fernsehen zu sehen. Vorab hatten Medien berichtet, Seehofer gebe darin eine zentrale Forderung der CSU auf: Die Partei rücke davon ab, die Obergrenze für Flüchtlinge zur Bedingung für eine Regierungsbeteiligung der CSU zu machen. Doch Seehofer widersprach umgehend den Meldungen, die für einiges Aufsehen gesorgt hatten: „Kein Abrücken von der Obergrenze. Die 200 000 bleiben.“

Der Name sei dabei nicht so wichtig, sagte Seehofer. „Wenn anstelle der ‚Obergrenze‘ ‚Kontingent‘ steht, das ist nicht mein Problem“, so der CSU-Chef. „Wir garantieren, dass dieser Dreiklang kommt: Humanität, Integration, Begrenzung“, sagte Seehofer. „Wenn ich das sage, gilt das. “

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„Eine Gesellschaft aus Atheisten könnte perfekt funktionieren“

Aber wie? Philosoph Andreas Urs Sommer über das Fast-Verschwinden der Religion, Angst vor dem Tod und die Frage: Ist uns die Suche nach dem Sinn des Lebens einfach egal?

ZEIT Campus ONLINE

ZEIT Campus ONLINE: Herr Sommer, es ist doch so: In die Kirche gehen junge Menschen, wenn überhaupt, nur noch an Weihnachten. Vielleicht schicken wir vor schweren Klausuren noch ein Stoßgebet in den Himmel. Aber mehr auch nicht. Ist Religion für uns heute überflüssig geworden?

Andreas Urs Sommer: Überflüssig nicht — jedenfalls nicht für alle. Für viele Menschen unserer pluralen Gesellschaft hat Religion aber tatsächlich als Lebensorientierung jede Bedeutung verloren. Und für nicht wenige ist Religion lediglich ein schönes Accessoire zu feierlichen Anlässen, weil man noch keine überzeugenden säkularen Riten gefunden hat: zur Taufe, an Weihnachten, bei einer Beerdigung.

ZEIT Campus ONLINE: Glauben Sie, solche säkularen Riten werden sich noch entwickeln?

Sommer: Eher nicht, denn ich glaube, Religion wird niemals vollkommen erledigt sein, so wie sich das etwa atheistische Aufklärer des 18. und 19. Jahrhunderts gewünscht haben. Das ist eine Illusion — zumal das An-den-Rand-Drängen von Religion im menschlichen Leben eine sehr westlich-europäische Erscheinung ist und Religion breiten Bevölkerungsschichten in anderen Erdteilen Halt gibt. Das hat damit zu tun, dass unsere westlichen Gesellschaften dem Individuum weiten Freiraum bei der privaten Sinnstiftung gewähren, während andere Gesellschaften eher auf Sinnvermittlung von oben herab gepolt sind: Man erwartet dort, dass autoritäre Instanzen, als die sich religiöse Anführer gerne gebärden, den Sinn des Lebens vorgeben.

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Pakistan: Staatsbegräbnis für deutsche Lepra-Ärztin Ruth Pfau

Eine Militäreskorte begleitete den Leichenwagen zum Friedhof.FOTO: REUTERS
Ein Land verneigt sich: Mit einer außerordentlichen Ehrbezeugung hat sich Pakistan von der deutschen Ordensfrau Ruth Pfau verabschiedet.

DER TAGESSPIEGEL

Mit einem Staatsbegräbnis hat Pakistan Abschied von der hoch angesehenen deutschen Ordensfrau und Lepraärztin Ruth Pfau genommen. Armeeangehörige trugen den mit einer pakistanischen Flagge bedeckten Sarg der gebürtigen Leipzigerin am Samstag unter Salutschüssen aus der Kathedrale von Karachi. Pakistans Präsident Mamnoon Hussain nahm an dem Trauergottesdienst teil, das Außenministerium würdigte Ruth Pfau in einer Erklärung als „Nationalheldin“.

Ein Staatsbegräbnis für eine christliche Ausländerin gilt im muslimischen Pakistan als außerordentliche Ehrbezeugung. Ruth Pfau, die am 10. August mit 87 Jahren gestorben war, genoss in ihrer Wahlheimat Pakistan großes Ansehen, ihr Einsatz für Leprakranke hatte ihr den Ruf als „Pakistans Mutter Teresa“ eingetragen.

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Was wäre die Folge einer unfehlbaren DNA?

Richard Dawkins beantwortet Fragen zum „Darwin-Tag 2015“. Mit optionalen deutschen Untertiteln.

Richard-Dawkins-Foundation

Der Darwin-Tag ist ein internationaler Gedenktag zu Ehren Charles Darwins und wird jährlich am 12. Februar, seinem Geburtstag, begangen. In dieser Serie zum „​Darwin-Tag 2015“ beantwortet Richard Dawkins eine Reihe von Fragen zum Thema Evolution.

Frage Nr. 3: Was wäre die Folge einer unfehlbaren DNA?

Wir präsentieren diese Videos mit optionalen deutschen Untertiteln. Für das Erstellen der Untertitel und die Bearbeitung der Originalvideos bedankt sich die RDF beim Youtube Kanal Blossoming Reason.

Israel-Kritiker rufen zu Boykott von Pop-Festival auf – aber ihr Vorwurf ist falsch

Reef Cohen, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 – Yanai Yechiel
Eine jüdische Künstlerin wird vor dem Auftritt auf dem „Pop-Kultur“ in Berlin mit der Politik Israels gleichgesetzt. Das trägt Züge von Antisemitismus.

Von Jan Kedves | Süddeutsche.de

Dieser Tage möchte man nicht in der Haut von Reef Cohen stecken. Der Auftritt der 33-jährigen Sängerin aus Tel Aviv beim Festival „Pop-Kultur“ am kommenden Mittwoch in Berlin ist zum Politikum geworden. Und zwar aufgrund der Tatsache, dass die israelische Botschaft Cohens Reisekosten mit einem Betrag von 500 Euro bezuschusst. Wegen dieser Unterstützung listet das Festival, das die einst glücklose „Berlin Music Week“ ersetzt und mit 1,5 Millionen Euro öffentlich gefördert wird, die israelische Botschaft auf seiner Website als „Partner“. Nichts Besonderes eigentlich. Das Institut français ist auch „Partner“. Ein Partner hat bei „Pop-Kultur“ keine inhaltliche oder organisatorische Mitsprache. Trotzdem behauptet die Initiative BDS („Boycott, Divestment and Sanctions“) in ihrem Boykottaufruf, das Festival sei von Israel„mitorganisiert“ und „sponsored by Apartheid“.

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Kölner Schriftsteller auf Betreiben der Türkei festgenommen

Die spanische Polizei hat den deutschen Autor Doğan Akhanlı festgenommen. Sie reagierte auf einen Dringlichkeitsvermerk von Interpol, den die Türkei veranlasst hatte.

ZEIT online

Der Kölner Schriftsteller Doğan Akhanlı ist auf Veranlassung der türkischen Regierung in der spanischen Stadt Granada festgenommen worden. Das teilte sein Anwalt mit. Das Auswärtige Amt bat die spanische Regierung Akhanlı nicht an die Türkei auszuliefern. Des weiteren sei die spanische Regierung gebeten worden, die „schnellstmögliche konsularische Betreuung“ des Schriftstellers zu ermöglichen.

Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hatte zuvor Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) aufgefordert, sich unverzüglich für die Freiheit Akhanlis einzusetzen. „Der Haftbefehl ist eindeutig rechtsmissbräuchlich“, teilte er mit.

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz sprach gegenüber der Bild am Sonntag von einem un­ge­heu­er­li­chen Vor­gang. Er for­derte die Bun­des­re­gie­rung und die Eu­ro­päi­sche Union zu einer deut­li­chen Re­ak­ti­on auf: „Es muss mit aller Ve­he­menz dar­auf ge­drun­gen wer­den, dass Herr Akhanlı nicht in die Tür­kei aus­ge­lie­fert wird und statt­des­sen schnellst mög­lich frei­ge­las­sen wird.“ Das Ver­hal­ten von Prä­si­dent Recep Tayyip Erdoğan trage in­zwi­schen „pa­ra­no­ide Züge.“

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Kinder sind für homosexuelle Eltern lebende Puppen? So ein Schmarrn!

Bei der Kalkulation der Familienversicherung spielt das Geschlecht der beiden Erwachsenen keine Rolle. (Foto: Jens Kalaene/dpa)
Man kann nur hoffen, dass es hilft, wenn die Wissenschaft das Gegenteil beweist. Immer wieder.

Von Astrid Viciano | Süddeutsche.de

Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, mit diesem wunderbaren Satz hatte Malu Dreyer die Plenardebatte vor zwei Jahren über die Ehe für alle im Bundesrat eröffnet. Kaum etwas ist allerdings mächtiger als Vorurteile, muss man leider ergänzen. Zumindest, wenn es um homosexuelle Paare geht, die vom 1. Oktober an heiraten dürfen – und auch Kinderadoptieren können.

Die armen Kleinen könnten keine Geschlechtsidentität entwickeln, sie würden öfter kriminell, warnen Kritiker. Von Homosexuellen würden sie als „ein Bio-Ding, wie eine Plastik-Puppe, um daran Hetero-Papa-Mama zu spielen“ missbraucht, hieß es sogar jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Bloß nicht zu integriert

Bild: Amed Sherwan/FB, barb.:bb
Ich habe ein Integrationsproblem. Dabei ist es gar nicht so, dass es mir schwer fällt, mich in die deutsche Gesellschaft einzuleben, im Gegenteil. Aber genau deswegen falle ich seltsamerweise immer wieder auf. Vielleicht bin ich einfach zu integriert?

Von Amed Sherwan | jungle world

Ich gehe lieber in die Kneipe als in den Kulturverein, denn ich trinke lieber Bier als Chai. Ich esse lieber vegetarisch als halal, rauche lieber Weed als Shisha und finde Frauen mit Dreadlocks schöner als mit Kopftuch. Ich tanze lieber bei LGBTI-Partys als in der Oriental-Disco und feiere lieber CSD als Eid. Ich gehe lieber Wandern als ins Fitnessstudio, spare lieber für eine Weltreise als auf ein Auto, und ich sage lieber Moin als Salaam.

Wenn ich im Ausland gefragt werde, wo ich herkomme, sage ich Deutschland und empfinde das auch so. Deutschland ist derzeit meine Heimat, Kurdistan nur der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Mit meiner Flucht habe ich meine Vergangenheit hinter mich gelegt und alles Neue begeistert aufgesogen. Meine erste Zeit in Deutschland war ich das einzige Kind mit Migrationshintergrund in einem Kinderheim – ich musste einfach auch schnell ankommen, um nicht alleine zu sein.

Ich kenne viele Geflüchtete, die ihre Heimat vermissen. Sie mussten weg, wären aber viel lieber dort geblieben. Und nun hängen sie in einer Art kulturellem Niemandsland fest. Sie kommen nicht richtig an, haben aber auch keinen Kontakt mehr nach Hause. Sie isolieren sich in ihrem Communities, hören traurige Musik aus ihrer Heimat und zelebrieren ihre Kultur. Im Exil werden sie dabei oft viel traditioneller, als sie jemals in ihrer Heimat gewesen sind.

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Sicherungsverwahrung

Gefängnis (Public Domain)

In meiner letzten Kolumne ging es die Frage der Dauer einer lebenslangen Freiheitsstrafe bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Einige Leser hielten die Verlängerung der Verbüßungszeit für eine Sicherungsverwahrung. Aber nein, das ist sie nicht. Ein Anlass sich erneut mit der Sicherungsverwahrung zu beschäftigen.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Was macht der deutsche Staat mit gefährlichen Straftätern? Wissen Sie nicht? Was würden Sie denn machen? Nein, nicht Sie von „Keine Gnade für Kinderschänder“ oder „Todesstrafe für Kinderschänder“, Sie können meine Kolumnen zur Todesstrafe lesen und Ihre Phantasien danach entweder begraben oder Ihre sadistischen Triebe weiter im Internet ausleben. Wie sagte bereits der Dichter 海因里希

Will der Nazi einen Ständer, brüllt er, Tod dem Kinderschänder

Nein, ich meine Sie, die Sie sich berechtigte Sorgen um die Sicherheit Ihrer Kinder und um Ihre eigene Sicherheit machen, aber aus guten Gründen nicht darauf aus sind, den Rechtsstaat aufzugeben und sich auf eine Stufe mit Gewalttätern  zu stellen. Sie meine ich!

Wenn Sie eine Weile überlegt haben, werden Sie vermutlich auf eine Möglichkeit stoßen, die der frühere Rechtsanwalt, Bundeskanzler und Putin-Freund Gerhard Schröder 2001 wie folgt formulierte:

Wegschließen – und zwar für immer.

Nur, das geht in einem Rechtsstaat, der in Art. 1 GG auf die Menschenwürde eines jeden Menschen verpflichtet ist, nicht ganz so einfach wie im Staat des lupenreinen Demokratenkumpels. Wegschließen, ja – für immer, eventuell, aber eben nicht zwingend. In Deutschland nennt man das Sicherungsverwahrung.

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Islamgelehrter: Terrorismus und Islam hängen zusammen

© EPA In stillem Gedenken an die Opfer des Anschlags: Trauernde an diesem Freitag in Barcelona
Der Islamgelehrte Kyai Haji Yahya Cholil Staquf ist Generalsekretär der größten Muslim-Vereinigung Indonesiens. Zum islamistischen Terror spricht er Klartext. Der Westen müsse aufhören, Kritik am religiösen Fundament des Extremismus für „islamophob“ zu erklären, sagt er.

Frankfurter Allgemeine

Es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Fundamentalismus, Terror und Grundannahmen der islamischen Orthodoxie“ sagt Kyai Haji Yahya Cholil Staquf, Generalsekretär der größten Muslim-Vereinigung in Indonesien, in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe vom 19. August, zu lesen von 20 Uhr an diesem Freitag an im E-Paper und bei F.A.Z. plus). Insbesondere das Verhältnis von Muslimen zu Nichtmuslimen, sowie die Einstellung von Muslimen zu Staat und Recht seien problematisch und führe zu Segregation und Feindschaft. „Zu viele Muslime sehen die Zivilisation, das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens, als etwas an, das bekämpft werden muss“, sagt Yahya Cholil Staquf. Die zunehmende Angst des Westens vor dem Islam sei daher durchaus verständlich. Und über die Zusammenhänge müsse man deutlich sprechen: „Der Westen muss aufhören, das Nachdenken über diese Fragen für islamophob zu erklären.“

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Streit in Marburg über vermeintliche Homo-„Heiler“

Die Haltung des Christus-Treffs in Marburg zu Homosexuellen ist Streitpunkt im Stadtparlament. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)
Eine „Kindererlebniswelt“ und einen Gebetsraum will der „Christus-Treff“ am Marburger Bahnhof errichten. Mitten in den Planungen ist in der Stadtpolitik ein Streit darüber entbrannt, ob diese evangelikale Gemeinde schwulenfeindlich ist. Hinweise darauf gibt es.

Von Katrin Kimpel | hessenschau.de

Die einen sehen homosexuelle Jugendliche der Gefahr einer Gehirnwäsche ausgesetzt, die anderen wittern ein durchschaubares Manöver im Geschacher um eine denkmalgeschützte Immobilie: In Marburg arbeitet sich die Stadtverordnetenversammlung derzeit am „Christus-Treff“ (CT) ab, einer umstrittenen evangelikalen Gemeinde mit verschiedenen Einrichtungen in der Stadt.

Befürchtung: „Schwulen-Bekehrungen“ auf dem Waggonhallen-Areal

Nun möchte der CT einen weiteren Standort eröffnen. In dem historischen Werkstattgebäude „Lokschuppen“ und der Waggonhalle am Bahnhof plant die Gemeinschaft, einen Gebetsraum und eine „Kindererlebniswelt“ einzurichten. Doch dieser Plan ist umstritten.

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Evolutionslehre, Kuckucke und eigenständiges Denken

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Ein Armutszeugnis: Immer mehr Politiker und Eiferer möchten die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule gelehrt haben.

Von Manuel Battegay | Basler Zeitung

Mein ehemaliger Biologielehrer am Gymnasium Ernst Hufschmid faszinierte meine MitschülerInnen und mich früh für Biologie und biologische Kreisläufe. Alle um einen Tisch sitzend und ohne grosse Hilfsmittel, ein Bleistift und Schreibblock genügte, forderte er uns bis aufs Letzte. Ein abschweifender Blick, schon gar nicht zu reden von Kaugummis, aber auch eine Antwort ohne nachzudenken wie «Ich weiss es nicht», strafte er energisch ab.

Während Prüfungen vertraute er uns und verliess das Klassenzimmer. Er forderte und förderte eigenständiges Denken. So erarbeiteten und diskutierten wir neue, spannende Erkenntnisse der Biologie. Mal waren es Pflanzen, mal Tiere, mal der Mensch und nie war es reine Wissensvermittlung. Lapidar sagte er wissend, dass einige von uns Medizin studieren würden: «Knochennamen lernt ihr noch früh genug, ihr müsst denken und fragen!» Wie recht hatte er!

Jetzt begegnen wir immer mehr Politikern und Eiferern, so aktuell Erdogan in der Türkei, die die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule – oder gar nicht mehr – gelehrt haben möchten oder den Unterricht darüber gar verbieten. Ein Armutszeugnis! «Intelligent design», das heisst der intelligente Entwurf, die intelligente Gestaltung des Universums und des Lebens durch einen intelligenten Urheber, entsprechen autoritären Vorstellungen da schon eher.

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Kirchensteuer: Steuerschuldig, bis die Unschuld bewiesen ist

Kirchensteuer-Rasterfahndung: Solche Fragenbögen verschicken die Kirchensteuerstellen bei den Finanzämtern in Berlin zehntausendfach. Foto: © A. Platzek
Wie die Evangelische Kirche versucht, Konfessionsfreie zur Kasse zu bitten – ein Erfahrungsbericht

Von Barbro Walker | Gläserne Wände

Im Frühjahr dieses Jahres bin ich berufsbedingt nach Berlin umgezogen und erhielt nun – nach fünf Monaten am Wohnort – zu meiner Überraschung ein Schreiben von der „Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Treptow-Köpenick“, die behauptet, dass meine Kirchenmitgliedschaft „ungeklärt“ sei. Ich bin vor 16 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Ich wurde gebeten, umgehend hierzu Angaben in einem beigefügten Bogen zu machen. Der Bogen enthielt allerlei sehr persönliche Fragen (wie etwa wann und wo ich getauft wurde) und darüber hinaus wurden Angaben abgefragt, die wohl kaum von einem mittelalten Erwachsenen gemacht werden können (etwa wie meine genaue Anschrift zum Zeitpunkt meiner Geburt lautete). Insgesamt stellte der Bogen mehr als 20 Fragen, zu denen auch Details zu meinem Kirchenaustritt (wann, wo, zuständige Behörde) gehören. Ich wurde gebeten, meinen Kirchenaustritt nachzuweisen, indem ich die Austrittbescheinigung der Behörde, die mir (vor Jahrzenten) meinen Austritt bescheinigt hat, beizufügen. Selbstredend musste ich befürchten, das entsprechende Dokument nicht mehr zu haben. Ich wusste nicht mal mehr mit Sicherheit zu sagen, welchen Wohnort ich zum Zeitpunkt meines gewollten und ganz bewusst gewählten Austrittes hatte. Ich sollte nun aber bitte binnen zwei Wochen antworten.

Meiner verärgerten Rückfrage bei der „Kirchensteuerstelle“ des Finanzamtes wurde mit entspannter Nachdrücklichkeit begegnet. Ich brauche nur das beantworten, was ich auch wisse und man wolle mir ja keine Kirchenmitgliedschaft unterstellen. Die Verärgerung über den Fragebogen kenne man schon; das sei sogar schon in der Presse diskutiert worden.

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