Evolutionstheologie: 7 Tage Schöpfung ins Genom gequetscht

Bild, theologie-naturwissenschaften.de
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Wie die planvolle Schöpfung eines gütigen Gottes mit den Zufällen der Evolution zu vereinbaren sei, ist die zentrale Fragestellung des vorliegenden Buches von Wolfgang Schreiner. Der Autor ist Professor für Medizinische Computerwissenschaften, also Naturwissenschaftler und zudem „praktizierender Christ“. Diese Wortwahl macht deutlich, aus welchem christlichen Milieu der Autor kommt und er kann daher recht treffend darstellen, welche Probleme sich für ein bestimmtes christliches Selbstverständnis aus der Konfrontation mit den Evolutionsprozessen ergeben, wenn man diese nicht kreationistisch weginterpretieren will. Insofern ist das vorliegende Buch ein sehr ehrliches Buch.

Von Dr. Andreas Losch | Dialog Theologie & Naturwissenschaften

Wenn die evolutionären Genomveränderungen, mit denen sich der erste Teil des Buches befasst, tatsächlich zufällig verlaufen, wäre der Mensch ein Zufallsprodukt, seine Besonderheit in der Natur in Frage gestellt. Wie könnte man dann noch von seiner absichtsvollen Erschaffung durch Gott reden? Und wie lassen sich die vielen negativen Genomveränderungen, die Leiden und Krankheit verursachen, mit der Vorstellung eines gütigen und planenden Gottes zusammendenken? Wäre ein solch „würfelnder“ Gott noch gerecht?

Der Autor möchte den naturwissenschaftlichen Fakten ebenso gerecht werden ebenso wie dem Wortlaut der Bibeltexte, wobei er sich dessen bewusst ist, dass deren spätere Rezeption und Interpretation durchaus zu hinterfragen ist (S. 53). Den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sind die ersten fünf Kapitel des Buches gewidmet, in denen anschaulich auf den Erkenntnisweg der Naturwissenschaften eingegangen und dann recht detailliert der Prozess der evolutionären Genomveränderungen geschildert wird.

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Juristen-Protest gegen geplantes Verbot von Kinderehen

Themenbild rnw.nl
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Noch ist das Gesetz zum Verbot der Kinderehe noch nicht vom Bundesrat beschlossen. Juristen versuchen dies nun zu verhindern. Sie warnen vor den Konsequenzen, die die Nichtigerklärung einer Ehe hätte.

DIE WELT

Das von der großen Koalition geplante Gesetz zum Verbot von Ehen mit Minderjährigen stößt einem Zeitungsbericht zufolge auf teils heftige Kritik bei juristischen Fachverbänden. Der Deutsche Notarverein bezeichnet den Gesetzentwurf als verfassungswidrig, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Montag unter Berufung auf eine Stellungnahme des Verbandes berichtet.

Besonders problematisch sei demnach das Vorhaben der Bundesregierung, im Ausland rechtskräftig geschlossene Ehen künftig für nichtig zu erklären, wenn ein Partner jünger als 16 Jahre ist.

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Die AfD und der Kulturkampf in den Kirchen

Klare Kante gegen rechts: Kardinal Woelki nutzte 2016 bei der Fronleichnamsmesse ein Boot als Altar.Foto: picture alliance / dpa
Klare Kante gegen rechts: Kardinal Woelki nutzte 2016 bei der Fronleichnamsmesse ein Boot als Altar.Foto: picture alliance / dpa
Das Christentum verpflichte dazu, Flüchtlinge aufzunehmen, sagen die Bischöfe. Doch nicht alle Christen denken so. Der Kampf um Identität und Sicherheit hat auch die Kirchen erreicht.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Wenn es um die Flüchtlinge geht, stehen die beiden großen Kirchen fest hinter Angela Merkels Willkommenskurs von 2015. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kardinal Reinhard Marx und Bischof Heinrich Bedford-Strohm, begrüßten die Flüchtlinge persönlich am Münchner Hauptbahnhof. Sie predigen entschieden über christliche Nächsten- und Fernstenliebe und zeigen „klare Kante“ (Bedford-Strohm) gegen die AfD, gegen „völkisches Gedankengut“ und „rechtsextremistische Kampfrhetorik“ .

„Die Kirche lehnt die politische Programmatik des Rechtspopulismus ab, bestimmten rechtspopulistischen Positionen und Kampagnen widerspricht sie entschieden und ächtet sie“, schreibt der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in dem gerade erschienenen Buch „AfD, Pegida und Co – Angriff auf die Religion?“ (Herder). Die Kirche trete ein für die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt. „Denn Christen unterscheiden nicht nach Herkunft, Kultur oder Religion, sondern erkennen in jedem Menschen das Abbild Gottes.“

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Afghanen: Verpflichtet zu gehen – aber berechtigt zu bleiben

Nur jeder fünfte Afghane wird als Flüchtling anerkannt, trotzdem bleiben Tausende in Deutschland. Die Bundesregierung will einen härteren Kurs durchsetzen, aber besonders ein Mann stellt sich in den Weg.

Von Marcel Leubecher | DIE WELT

Was Masse ist, hängt von der Bewegungsrichtung ab: Die Ankunft Zehntausender Afghanen bezeichnen wenige als Massenzuwanderung, während die Rückführung Dutzender als Massenabschiebung begriffen wird. 18 Afghanen wurden am Mittwoch mit der dritten Sammelrückführung von München nach Kabul geflogen, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 67, in den Jahren zuvor jeweils sogar nur neun.

Schon seit Jahren ist Afghanistan eines der Hauptherkunftsländer von Schutzsuchenden in Deutschland. Im vergangenen Jahr beantragten 127.000 von ihnen Asyl. Doch nur jeder Fünfte (20,2 Prozent) wurde 2016 als Flüchtling anerkannt – dafür muss eine individuelle Verfolgung drohen; die Herkunft aus einem Kriegsland reicht nicht aus. Weitere 35,6 Prozent erhielten den schwächeren subsidiären oder den Abschiebeschutz, weil zwar keine Verfolgung, aber Gefahr für Leib- und Leben bestand. Die Anträge der Übrigen wurden abgelehnt.

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So unterdrücken Religionen die Sexualität ihrer Gläubigen und fördern Missbräuche

 Priester bei der Kommunion mit Kindern auf einem polnischen Gemälde von 1881. Bild: wikipedia
Priester bei der Kommunion mit Kindern auf einem polnischen Gemälde von 1881. Bild: wikipedia
Sexualität mit religiösen oder moralischen Geboten zu unterdrücken, ist ein Verbrechen an der Menschheit.

Von Hugo Stamm | watson.ch

Glaube und Sexualität – eine explosive Mischung. Die meisten Glaubensgemeinschaften wollen die sexuellen Regungen und Bedürfnisse ihrer Gläubigen mit moralischen Dogmen zähmen – und scheitern dabei grandios.

Anschauungsunterricht liefern die Vorfälle mit Muslimen, die ihre Hände nicht im Zaum halten können. Wer die Mentalität in manchen muslimischen – vor allem arabischen Ländern kennt – ist wenig überrascht. Dort wird die Sexualität aus religiösen Gründen derart radikal unterdrückt, dass sich die Frauen verhüllen müssen, um nicht Freiwild zu werden. Die Männer wissen nur zu gut, weshalb sie ihre Frauen nicht in engen Jeans und wallenden Haaren auf die Strasse lassen.

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Selbstbedienungsladen Religion

Er begrüsst den Wettbewerb unter den Welt- anschauungen: Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. Bild: Madeleine Schoder
Er begrüsst den Wettbewerb unter den Welt- anschauungen: Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. Bild: Madeleine Schoder
Heute sind Weltanschauungen und Religionen frei wählbar, sagt Judith Albisser vom Forschungsinstitut SPI der katholischen Kirche. Für Andreas Kyriacou von der Freidenker-Vereinigung ist das eine erfreuliche Entwicklung.

BERNER ZEITUNG

Bald scheint der Wendepunkt erreicht zu sein. Wie die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, fehlt nicht mehr viel, bis die Konfessionslosen die Reformierten in der Schweiz zahlenmässig eingeholt haben. Immer mehr Menschen drehen der Kirche den Rücken zu. In Basel-Stadt entzieht sich mit 46 Prozent sogar fast die Hälfte der ­Bevölkerung einer Religions­gemeinschaft. «Konfessionslose sind ein Massenphänomen geworden», bestätigt Judith Albisser vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI). Die Mitarbeiterin dieses Forschungsinstituts der katholischen Kirche schreibt von einem «rasanten Anstieg in wenigen Jahrzehnten», der auf drei Faktoren zurückzuführen sei: Menschen treten aus der Kirche aus; Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr taufen; konfessionslose Personen wandern in die Schweiz ein.

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Reproductive Politics in a Post-Truth America

“Caught Up,” by artist Polly Nor. http://pollynor.com/
“Caught Up,” by artist Polly Nor. http://pollynor.com/
On January 27th, swarms of people descended upon Washington to attend the 43rd annual March for Life. Defined as a “peaceful demonstration to share the truth concerning the greatest human rights violation of our time, legalized abortion on demand,” the march aimed to organize individuals who share a belief that abortion access should be abolished in America.

By Jex Blackmore | Medium.com

This position is deeply bound to religious beliefs concerning the beginning of personhood, which is obvious when reviewing the March for Life’s roster which included prayer led by Catholic Archbishop Timothy Dolan of New York, a Christian rock band, Bishop Vincent Mathews Jr., president at Church of God In Christ World Missions, and Vice President Mike Pence.

“Life is winning,” Pence announced, speaking at the Washington Monument, “I believe a society can be judged by how it deals with its most vulnerable. The aged. The infirm. The disabled. And the unborn.” These remarks highlight a view of the “most vulnerable” that seems, at best, selective, and more realistically, grossly deficient. Of course, ending abortion has been a platform issue for the Republican Party from the moment they realized they could use the issue as a catalyst for the Catholic vote. Extreme legislation has continued to pour in with eager sponsors waiting for their Conservative stamp of approval.

One radical bill, H.R. 490, was introduced two weeks prior to the march and would prohibit abortion as soon as a fetal heartbeat can be detected, typically around six weeks after conception.

“We think this bill properly applied does eliminate a large, large share of the abortions — 90% or better — of the abortions in America,” said Steve King, the Iowa congressman who introduced the bill.

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Karl Jaspers in seinen Korrespondenzen: Die humane Gestalt eines Philosophen

Karl Jaspers, 1968. (Bild: Keystone)
Karl Jaspers, 1968. (Bild: Keystone)

Karl Jaspers‘ Briefwechsel zeigen einen moralisch integren Denker – und sie lassen noch tiefer in die Abgründe Martin Heideggers blicken.

Von Ludger Lütkehaus | Neue Zürcher Zeitung

Der politische und philosophische Skandal Martin Heidegger wartet in kurzen Abständen mit neuen «schwarzen» Offenbarungen in Heftform auf. Übergangen wird seitens der Kommentatoren allerdings allzu grosszügig der am schwersten wiegende Punkt der Verstrickung Heideggers in den Nationalsozialismus: des Philosophen Kontamination mit der erbbiologischen und rassenhygienischen NS-Ideologie. Diese Vergiftung ist mit der «Tischrede», die der Rektor Martin Heidegger zum fünfzigjährigen Bestehen des Freiburger Instituts für pathologische Anatomie unter dem NS-orientierten Dekanat Ludwig Aschoffs gehalten hat, eindeutig dokumentiert. Seit deren Veröffentlichung besteht kein begründeter Zweifel, dass Heidegger – zumindest zu jener Zeit – explizit einer völkischen Blut-und-Boden-Politik das Wort geredet hat.

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UN-Koordinator: Zustände in libyschen Lagern sind grauenhaft

Der UN-Koordinator für Libyen, Martin Kobler, hat davor gewarnt, aus dem Mittelmeer gerettete Bootsflüchtlinge nach Libyen zurückzubringen.

evangelisch.de

„Die Lage vor Ort in Libyen ist menschenunwürdig“, sagte Kobler der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag). Die Zustände in den 21 Lagern, in denen derzeit Flüchtlinge festgehalten würden, „sind furchtbar, entsetzlich, grauenhaft. Die Menschen werden im Dunkeln eingepfercht, müssen in Schichten schlafen, sie leiden an Unterernährung.“

Darüber hinaus existierten Lager, die von Schleppern illegal betrieben würden und für UN-Vertreter nicht zugänglich seien, sagte Kobler. Von Flüchtlingen wisse er, dass dort gefoltert und vergewaltigt werde. „Es gibt zum Teil sogar Erschießungen, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen.“

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Amnesty wirft Politikern Profilierung „auf Kosten der Menschenrechte“ vor

foto: apa/techt Heinz Patzelt ist gegen ein Burkaverbot, das Gesichtverhüllen bei Ausnahmen allgemein untersagt.
foto: apa/techt Heinz Patzelt ist gegen ein Burkaverbot, das Gesichtverhüllen bei Ausnahmen allgemein untersagt.
Kritik an Mitterlehner, Sobotka. Obergrenzendiskurs negativ, Fußfessel für Gefährder verfassungswidrig

Von Irene Brickner | derStandard.at

Österreichische Regierungspolitiker versuchten, sich auf Kosten der Menschenrechte populistisch zu profilieren, meinte Amnesty-Österreich-Generalsekretär Heinz Patzelt anlässlich der Präsentation des Amnesty-Jahresberichts 2016. In der Länderberichtssammlung von Amnesty International hat die Kritik an Österreich einen Hauptpunkt: die Asylantragsobergrenze. Träte sie in Kraft, würde möglicherweise Menschenrecht an zwei im Asylbereich zentralen Punkten verletzt. Asylsuchende würden dann riskieren, in Staaten zurück zu müssen, in denen ihnen Verfolgung oder unmenschliche Behandlung droht. Und sie könnten um ihr Recht auf Zugang zu fairen Asylverfahren kommen, heißt es im Österreich-Kapitel.

Davon abgesehen beeinflusse die Obergrenze aber auch die Sichtweise auf Flüchtlinge höchst negativ, ergänzt Amnesty-Österreich-Generalsekretär Heinz Patzelt im Standard-Gespräch. Denn die Obergrenzen-Notwendigkeit werde nicht nur durch „teils reale Probleme“ bei hohen Flüchtlingszahlen am Jobmarkt, in der Bildung und Gesundheit begründet.

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Leonardo da Vincis genialer Panzer hatte 16 Geschütze

Universalgenie der Renaissance. Leonardo da Vinci(1452-1619) im Selbstportät. Quelle: picture alliance/Luisa Ricciar
Universalgenie der Renaissance. Leonardo da Vinci(1452-1619) im Selbstportät. Quelle: picture alliance/Luisa Ricciar
Er war nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein Militärtechniker. Leonardo da Vinci entwarf rollende Geschütze und eine Art Maschinengewehr. Den Triumph seiner Grundidee erlebte er noch.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Sein Name steht für die perfekte Verbindung von genialer Kunst und bahnbrechender Wissenschaft. Schon den Zeitgenossen galt Leonardo da Vinci (1452–1519) als Inbegriff eines Universalgelehrten, der das letzte Abendmal Christi ebenso formvollendet gestalten konnte wie den Palast eines Königs oder die Müllabfuhr von Mailand. Aber als italienischer Intellektueller der Renaissance wusste Leonardo seinen Marktwert auch durch Beiträge zu der dunklen Seite jener Epoche zu erhöhen: Mit einer Fülle von Kriegsgeräten faszinierte er seine Auftraggeber, die den Beginn der Neuzeit vor allem mit endlosen Kriegen begleiteten. Sogar ein Panzer gehörte zu seinen gefürchteten Konstruktionen.

Dass der Schöpfer der „Mona Lisa“ sich mit mörderischen Waffen beschäftigte, mag seine heutigen Bewunderer verblüffen. Zu seiner Zeit war es eher ein Ausweis von pragmatischer Intelligenz. Die bewies der Sohn eines Notars und einer Magd oder Sklavin, der in Florenz früh sein Talent als Maler hatte ausbilden können, als er sich 1482 nicht – wie viele seiner Freunde – um die Gunst des verschwenderischen Papstes Sixtus IV. bemühte, sondern sich bei den Sforza, den Herren Mailands, bewarb. Die waren zum einen mit den Medici von Florenz verbündet, zum anderen an militärischer Unterstützung im Kampf gegen Venedig interessiert. In seinem Bewerbungsschreiben versprach Leonardo, diese zu liefern.

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„Es ist nicht legitim, eine Frau zu behandeln, als wäre sie ein ausgeliehener Akkuschrauber“

„Die Menschen tun so, als würde sie das Thema nicht betreffen“: Die Autorin Nora Bossong hat Orte erkundet, an denen mit Sex Geld gemacht wird. (Foto: dpa)
Wie soll unsere Gesellschaft mit Prostitution umgehen? Und warum kaufen sich Frauen keinen Sex? Für ihr Buch „Rotlicht“ erforschte die Autorin Nora Bossong das Geschäft mit der Lust.

Interview von Luise Checchin | Süddeutsche.de

Wie verändert sich das Erleben von Sexualität, wenn man Geld dafür bezahlt? Das ist die Kernfrage in Nora Bossongs Reportagenband „Rotlicht“. Die 35-jährige Schriftstellerin hat dafür Orte erkundet, die sonst meist nur dem männlichen Blick vorbehalten sind: Von der Frankfurter Tabledancebar über eine Sexmesse in Berlin bis zur Verrichtungsbox auf dem Dortmunder Straßenstrich.

SZ.de: Beim Wort „Rotlicht“ hat jeder sofort bestimmte Bilder im Kopf. Sind Sie während Ihrer Erkundungen auch auf Orte gestoßen, die ganz anders waren als erwartet?

Nora Bossong: Das Sexkino in Hamburg hat mich überrascht. Ich hatte die naive Vorstellung, man gehe dorthin, um sich tatsächlich einen Porno auf einer Leinwand anzuschauen. Aber es ist ja eigentlich klar, dass das in Zeiten der Internetpornographie nicht mehr der Grund sein kann. Stattdessen wurde dort in einem der Räume live relativ extremer, orgiastischer Sex praktiziert, bei dem es mir schon mulmig wurde. Andere Orte widersprachen aber auch gar nicht so sehr meiner Vorstellung und trotzdem ist es immer noch einmal etwas anderes, sich die Dinge in der Realität anzugucken. Das Laufhaus, in dem ich war, sah auf den ersten Blick zum Beispiel aus wie erwartet: Flure, dahinter Zimmer. Aber es waren dann die Details, die Brüche oder Irritationen, die diesen Ort greifbar machten: Das Teelicht, das noch einen Rest an Behaglichkeit ausstrahlen sollte, aber total verloren wirkte an diesem ansonsten auf die Verrichtung ausgerichteten Ort. Oder die Bibel, in einem Plastikumschlag, die dort auf dem Tisch lag.

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Polizeigewahrsam für deutsch-türkischen Journalisten verlängert

 Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel befindet sich in der Türkei in Polizeigewahrsam © Can Merey/DPA
Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel befindet sich in der Türkei in Polizeigewahrsam © Can Merey/DPA
Seit bald einer Woche ist der deutsche Journalist Deniz Yücel in Polizeigewahrsam, wo er auf Antrag der Staatsanwaltschaft nun zunächst bleiben muss. Amnesty fordert die Behörden auf, Beweise für eine Straftat zu präsentieren – oder Yücel umgehend freizulassen.

stern.de

Der in der Türkei festgenommene „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel bleibt vorerst in Polizeigewahrsam. „Am Montag teilte die Polizei Yücels Rechtsanwälten mit, dass der Staatsanwalt die Verlängerung des Gewahrsams um weitere sieben Tage verfügt hat“, meldete die „Welt“. Der Journalist – der sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt – hatte sich am vergangenen Dienstag bei der Polizei gemeldet, weil wegen Terrorverdachts nach ihm gefahndet wurde. Er war dann in Polizeigewahrsam genommen worden.

Während des Ausnahmezustands können Verdächtige in der Türkei sieben Tage in Polizeigewahrsam gehalten werden. Diese Frist wäre bei Yücel (43) am Dienstagnachmittag ausgelaufen. Der Gewahrsam kann – wie in seinem Fall geschehen – auf Beschluss des Staatsanwaltes um weitere sieben Tage verlängert werden. Spätestens nächste Woche Dienstag muss Yücel entweder freigelassen oder einem Haftrichter vorgeführt werden. Dieser Richter müsste dann über Untersuchungshaft entscheiden.

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Dodo Müller: Die katholische Kirche ist keine ‚Papstkirche‘

Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild
Präfekt der Glaubenskongregation warnt in neuem Buch über Franziskus vor Personenkult – Kirche ist Versammlung

kath.net

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller plädiert für eine behutsame Dezentralisierung der katholischen Kirche. „Im Sinne der Neuevangelisierung müssen auch die Bischöfe, die Synoden und Bischofskonferenzen eine größere Verantwortung wahrnehmen inklusive einer ‚gewissen lehramtlichen Kompetenz'“, schreibt der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation in seinem neuen Buch, das am Montag im Freiburger Verlag Herder erschien.

Papst Franziskus habe mit seiner Forderung nach einer „heilsamen Dezentralisierung“ jedoch keineswegs ein „Signal für einen Richtungswechsel oder eine Revolution im Vatikan gegeben“, so Müller weiter. „Separatistische Tendenzen und präpotentes Verhalten“ schadeten der katholischen Kirche. Eine Bischofskonferenz könne niemals „separate verbindliche dogmatische Erklärungen abgeben oder gar definierte Dogmen und konstitutive sakramentale Strukturen relativieren“. Konkrete Beispiele dafür, was Bischofskonferenzen künftig selbst entscheiden könnten, nennt Müller nicht.

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Offener Brief des IBKA zum Berliner Neutralitätsgesetz

Themenbild
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(hpd)Der Landesverband Berlin-Brandenburg des Internationalen Bundes der Atheisten und Konfessionslosen e.V. (IBKA) hat an die Linksfraktion und die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen sowie den Justizsenator und den Kultursanator einen offenen Brief gesandt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Bestürzung haben wir, die Berliner Regionalgruppe des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e.V., zur Kenntnis genommen, dass Sie das Kopftuch-Urteil des Landesarbeitsgerichtes (LAG) Berlin-Brandenburg zum Anlass nehmen wollen, das Berliner Neutralitätsgesetz aufzuweichen oder gar abzuschaffen. Als Begründung dafür geben Sie an, dass ein pauschales Kopftuchverbot nicht verfassungskonform sei.

Jedoch handelt es sich bei diesem Gesetz keinesfalls um das Verbot des Tragens von Kopftüchern und schon gar nicht um das Verbot eines Glaubens. Das Neutralitätsgesetz verlangt in seinem die Schule betreffenden Teil lediglich, dass Lehrkräfte und andere Beschäftigte mit pädagogischem Auftrag in den öffentlichen Schulen sich mit der Demonstration ihres Glaubens oder ihrer Weltanschauung zurückhalten. Es geht um das Verbot aller(!) religiösen und weltanschaulichen Symbole und Kleidungsstücke in wohldefinierten Situationen und Umgebungen. Auch ein Lehrer, der ein T-Shirt mit dem bekannten Marx-Zitat vom Opium des Volkes trüge, müsste es für die Dauer seiner dienstlichen Tätigkeit ablegen. Die klageführende Lehrerin jedoch wollte nicht einmal stundenweise für die Zeit des Unterrichts von Grundschulkindern auf die Demonstration ihres muslimischen Glaubens verzichten, obwohl auch ihr vermutlich klar ist, wie leicht beeinflussbar Kinder sind. Das lässt ernsthafte Zweifel aufkommen, ob der Lehrerin eine neutrale Erziehung der Kinder wirklich wichtig  ist. Andere Pädagogen können dieser Forderung im Interesse ihrer Schüler ohne weiteres nachkommen.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass Grüne und Linke sich dafür einsetzen, einzelnen Interessengruppen zu gestatten, gegenüber unmündigen Kindern offensiv für ihre Ideologie zu werben. Der Erziehungs­wunsch konfessionsfreier Eltern wird in dieser Angelegenheit komplett ignoriert. Die Kinder selbst haben ein Recht darauf, Wissen zu erwerben und vor religiöser Beeinträchtigung geschützt zu werden. Und eine Lehrkraft mit Kopftuch, Kreuz oder Kippa mag vielleicht versuchen, sich neutral zu verhalten – durch das gesamte Erscheinungsbild wird immer eine Botschaft übermittelt. In diesem speziellen Fall die Botschaft, der Islam wäre eine wichtigere Religion als alle anderen, und muslimische Frauen haben die Pflicht, ein Kopftuch zu tragen.

Fatal ist auch die Auffassung, ein  Verbot von Kopftüchern an Schulen käme nur bei einer konkreten Störung des Schulfriedens in Frage. Eine solche Argumentation macht eine Störung des Schulfriedens geradezu erforderlich, um religiöse Symbole aus einer Schule zu verbannen. Abgesehen davon, dass es unseriös ist, politische Streitigkeiten auf dem Rücken der Kinder auszutragen – in der Konsequenz  leistet man damit einer Separierung der Schulen nach Glaubensrichtungen Vorschub. Lehrerinnen mit Kopftuch würden sich an Schulen konzentrieren, an denen Beispiele von Frauen, die sich religiösen Dogmen nicht unterwerfen, besonders nötig wären.

Das Neutralitätsgesetz auf ein Kopftuchverbot zu reduzieren oder gar als Glaubensverbot darzustellen, wäre eine Verfälschung der Tatsachen. Anders als in kirchlichen Einrichtungen wie Diakonie und Caritas, deren Betreibern es gestattet wird, ihre Angestellten zu christlichem Glauben und kirchengefälligem Privatleben zu verpflichten, dürfen staatliche Beamte und Lehrkräfte glauben, was sie wollen, oder es auch bleiben lassen. Mehr Religionsfreiheit geht nicht.

Das Berliner Neutralitätsgesetz trägt ganz wesentlich dazu bei, diese Freiheit zu schützen und ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Menschen  aller Glaubens- und Denkrichtungen zu sichern. Sollte es aufgeweicht werden, dann würde auch die Neutralität kippen, dann würde eine Minderheit über neue Privilegien verfügen. Das ist kein Beitrag zu Integration. Deshalb fordern wir Sie auf, das Neutralitätsgesetz zu verteidigen.

Mit freundlichen Grüßen,
Silvia Kortmann, Wolfgang Mahnfitz, Frank Fuhlbrück
IBKA e.V. Landesverband Berlin-Brandenburg

Deniz Yücel – Opfer fragwürdiger Politik

© Reuters Proteste in Berlin gegen die Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel durch die türkische Polizei
© Reuters Proteste in Berlin gegen die Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel durch die türkische Polizei
Bei der Verhaftung des Korrespondenten Deniz Yücel geht es nicht nur um Journalismus. Auch auf politischer Ebene steht Einiges auf dem Spiel im Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland.

Von Michael Martens | Frankfurter Allgemeine

Wenn Menschen ungeschickt lügen, macht sie das oft sympathisch, liebenswert geradezu. Aber für das Auswärtige Amt wäre es vielleicht besser, wenn es einige weniger liebenswerte Leute in den eigenen Reihen hätte – zumindest in dem Fall, der hier geschildert werden soll. Eine Szene Mitte Januar, Ankara. Drei deutsche Journalisten unterhalten sich mit einer Person, die bei der deutschen Botschaft beschäftigt ist, über die Türkei. Es geht um das Verfassungsreferendum, den andauernden Ausnahmezustand, die Angst vor Terroranschlägen. Ein munteres Gespräch, offen werden Ansichten und Prognosen ausgetauscht, im Vertrauen natürlich, denn Diplomaten lassen sich nur selten zitieren, und in der Türkei in diesen Tagen schon gar nicht.

Als es um die Verfolgung von Journalisten geht, fragt ein Journalist in die Runde: „Was ist eigentlich mit Deniz Yücel? Der hat schon seit Wochen nichts mehr geschrieben.“ Yücel ist Türkei-Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ mit Sitz in Istanbul – und seit Dienstag in Polizeigewahrsam. Seine Festnahme sorgt in Deutschland für Empörung. Als das Gespräch stattfand, war es schon mehr als einen Monat her, seit der letzte Artikel Yücels in der „Welt“ erschienen war. Und seltsam war, dass Yücel, eifriger Nutzer des Kurzmitteilungsdienstes Twitter, auch dort schwieg.

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Als erstes kam ein Gebührenbescheid

Die Trauer bleibt. Mit Blumen und Kerzen erinnert Berlin weiter an die Toten vom Breitscheidplatz.Foto: dpa/Jörg Carstensen
Die Trauer bleibt. Mit Blumen und Kerzen erinnert Berlin weiter an die Toten vom Breitscheidplatz.Foto: dpa/Jörg Carstensen
Bundespräsident Gauck und Innenminister de Maizière haben sich mit Angehörigen der Attentatsopfer vom Breitscheidplatz getroffen. Die kritisierten lange fehlende Informationen – aber einen schnellen Brief der Gerichtsmedizin.

Von Klaus Kurpjuweit | DER TAGESSPIEGEL

Der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck hat – ganz im Stillen – nochmals ein Zeichen gesetzt: Ohne Pomp hat er im Schloss Bellevue am Freitagnachmittag rund 50 Angehörige der Todesopfer des Attentats vom Breitscheidplatz empfangen und ihnen seine Anteilnahme ausgesprochen. Zwölf Menschen waren heute vor genau 2 Monaten getötet worden, eine offizielle Trauerfeier hatte es nicht gegeben. Gauck sowie der ebenfalls anwesende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) versprachen nach Angaben von Teilnehmern, in Zukunft die Kommunikation bei ähnlichen Ereignissen – die nicht kommen sollten – zu verbessern.

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Schwingungen der Raumzeit

Günter Spanner Das Geheimnis der Gravitationswellen Verlag: Kosmos, Stuttgart 2016 ISBN: 9783440154137 19,99 €
Günter Spanner
Das Geheimnis der Gravitationswellen
Verlag: Kosmos, Stuttgart 2016
ISBN: 9783440154137
19,99 €

Der 14. September 2015 war ein besonderer Tag in der Geschichte der Physik. Er brachte den lang ersehnten direkten Nachweis von Gravitationswellen. Das sensationelle Ergebnis wurde allerdings fünf Monate lang geheim gehalten und erst am 11. Februar 2016 offiziell verkündet.

Von Wolfgang Steinicke | Spektrum.de

Nicht die lange Wartezeit ist erstaunlich – man benötigt sie, um die Daten zu prüfen und jeden erdenklichen Fehler auszuschließen –, sondern dass die rund tausend weltweit beteiligten Wissenschaftler so lange dichtgehalten haben. Offenbar steckte ihnen noch der Schock vom März 2014 in den Knochen. Damals hatten Kollegen voreilig gemeldet, Gravitationswellen des Urknalls im kosmischen Mikrowellenhintergrund nachgewiesen zu haben. Ein peinlicher Fehler, denn wie sich bald herausstellte, war eine banale „Verschmutzung“ in Form kosmischen Staubs die Ursache. Statt des erhofften Nobelpreises gab es weltweit Hohn und Spott.

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Wer bedroht unsere Gesellschaftsordnung?

Bild: bb
Bild: bb
Üblicherweise lautet die Antwort auf diese Frage, dass es der Rechtsextremismus sei, der unsere Gesellschaft bedroht, dass Parteien wie die NPD oder die AfD die Grundlagen unserer Verfassung in Frage stellen und aushöhlen würden.

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Zur NPD hat das Bundesverfassungsgericht jüngst erklärt, dass diese zwar verfassungswidrig, aber mangels Potenz und relevanter Anhängerschaft als Gefahr zu vernachlässigen sei. Was die AfD angeht, so wird diese Partei – von einigen im Zwielicht verfassungswidrigen Verhaltens sich bewegender Mitglieder abgesehen – vom Verfassungsschutz nicht als beobachtungsbedürftig eingeschätzt. Programm und Auftritte dieser Partei mögen rückwärtsgewandtes, in Teilen erzkonservativ-religiöses, europaskeptisches bis europafeindliches und nationalkonservatives bis nationalistisches Denken aufweisen – verboten sind solche Auffassungen nicht. Sie sind generell durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Verboten wären Aktivitäten, die gegen die verfassungsmäßige Ordnung gerichtet sind oder die Strafgesetze verletzen. Meinungsfreiheit schließt dennoch nicht aus, die politischen Ziele der AfD angesichts einer sich zunehmend multikulturell entwickelnden und global sich öffnenden Gesellschaft für falsch oder gefährlich zu halten.

Die eigentliche Gefahr für unsere freiheitsliebende, demokratische, offene, tolerante Gesellschaft geht von einer polit-religiösen Ideologie aus, die über Zuwanderung aus muslimisch geprägten Ländern zu uns gekommen ist und zusätzliche finanzielle und personelle Unterstützung aus dem muslimischen Ausland erhält. Dieser orthodoxe Islam wird vertreten in Deutschland zum Beispiel von der DITIB, einer von der türkischen Religionsbehörde in Ankara personell, finanziell und weisungsmäßig vollständig gesteuerten muslimischen Organisation. Ebenso zwielichtig einzuschätzen ist der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) unter der Führung von Aiman Mazyek. Ein Mitglied des ZMD ist die Islamische Gesellschaft in Deutschland (IGD). Für den bayerischen Verfassungsschutz ist die IGD ein Tarnverein für die islamistische und antidemokratische Muslimbruderschaft. Ein weiteres Mitglied im ZMD ist die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB), den wiederum der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz als Tarnverein den ultra-nationalistischen und faschistoiden Grauen Wölfen zuordnet. Von Milli Görüs, ebenfalls eine muslimische Organisation, ist bekannt, dass sie wiederholt ins Visier der deutschen Sicherheitsbehörden geraten ist. Dabei repräsentieren die verschiedenen muslimischen Verbände, die in erster Linie politisch agieren, dabei nur rund 15 Prozent der Muslime in Deutschland. Dennoch werden DITIB und ZMD bisher von der Bundesregierung als Vertreter »der« Muslime anerkannt und geradezu hofiert.

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Berlin verhindert Elternnachzug minderjähriger Flüchtlinge

Das Berliner Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten © MiG
Das Berliner Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten © MiG
Dem Berliner Koalitionsvertrag zufolge sollen Aufenthalt- und Asylrecht wohlwollend ausgelegt werden. In Wirklichkeit werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, um Aufenthalte zu verhindern – selbst humanitär gebotene. Ein Fall aus der Praxis:

Von Tim Gerber | MiGAZIN

In einer juristischen Nacht- und Nebelaktion hat die Ausländerbehörde der Bundeshauptstadt den Nachzug eines syrischen Ehepaars zu ihrer minderjährigen Tochter in letzter Minute verhindert. SPD-Innensenator Andreas Geisel dürfte damit gegen die Koalitionsvereinbarungen mit Linken und Grünen verstoßen haben.

Es ist ein Schicksal wie so viele: Als sie zusammen mit ihren Eltern aus Syrien flüchten muss, ist das Mädchen 14 Jahre alt. Die Familie reist zunächst nach Ägypten, zweieinhalb Jahre später, im September 2015 fliegt sie allein zu ihrem „Verlobten“ in die Türkei. Der Mann, den sie aus ihrer Heimat nur „vom Sehen“ kennt, lässt sie allein dort zurück, sie schlägt sich „übers Meer“ durch bis nach Berlin. Sie wird vom Jugendamt der Hauptstadt „in Obhut genommen“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Anfang April 2016 muss sie vor den Übergriffen ihres „Verlobten“ in einer Notunterkunft untergebracht werden. Im September 2016 wird sie vom Bundesamt als Flüchtling anerkannt, die Eltern der inzwischen 17jährigen sind noch immer in Ägypten auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat.

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