Archiv der Kategorie: Säkulares

Das Klischee vom ausländischen U-Bahn-Schläger

Sie lauern in der U-Bahn, verticken Drogen und machen mit Schlägerbanden deutsche Innenstädte unsicher. Jeden Tag begegnet uns in Medien das Klischee vom kriminellen Migranten. Eine Studie hat das Phänomen “Ausländerkriminalität” nun untersucht. Mit einem eindeutigen Ergebnis.


Von Fabian Köhler|TELEPOLIS

16. Juni, U-Bahn-Station Steintor in Hannover: Ein 59-jähriger Mann wird von mehreren Männern zu Boden geschlagen. Anschließend treten sie auf den Mann ein, rauben Tasche, Handy und Armbanduhr. Die Täter entkommen unerkannt. Die Lokalpresse berichtet später die jungen Männer hätten “vermutlich arabisch” gesprochen. Ihr Aussehen sei “südeuropäisch” oder “nordafrikanisch” gewesen. “War ja klar”, kommentiert ein Leser. Eine anderer fragt: “Wie lange sollen wir uns diese Schlägerbanden noch gefallen lassen, bis was passiert?”

Was am Phänomen der Ausländerkriminalität wirklich dran ist, hat nun ein Kriminalwissenschaftler untersucht. Das Ergebnis der am Mittwoch veröffentlichten Studie: Das Klischee, dass Migranten häufiger kriminell werden, ist falsch. Im Auftrag des “Mediendienst Integration” wertete der Kriminalwissenschaftler Christian Walburg von der Uni-Münster Polizeistatistiken, Studien und Umfragen aus. Seine Untersuchung widerspricht gleich in mehreren Punkten dem Klischee von der Ausländerkriminalität.

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“From Piss to Pilsener”: Kann man Bier aus dem eigenen Urin gewinnen?

Mit Bierdosen kann man Vieles machen. Doch auch das in den Dosen enthaltene Bier lässt sich auf vielfältige Weise herstellen. Bild: stern.de
Zwei Dinge fließen bei einem Festival in rauen Mengen: Bier und Urin. Warum nicht beides zusammenbringen? Im Rahmen des Roskilde-Festivals läuft gerade das Projekt “Beercycling” – aus dem Urin soll später wieder Bier werden. Kann das klappen?


Von Carsten Heidböhmer|stern.de

Es ist mehr als ein populärer Mythos: Urin ist ein hervorragender Dünger. Manche Wissenschaftler bezeichnen ihn sogar als “Dünger der Zukunft“. Denn darin sind zahlreiche Mineralstoffe enthalten, die Pflanzen zum Wachsen brauchen, darunter Kalzium, Magnesium, Kalium und vor allem Phosphor. Bei einem Rockfestival wird naturgemäß viel Bier getrunken und auf diese Weise viel Urin produziert. Bei mehr als 100.000 Besuchern kommt beim Festival im dänischen Roskilde, das noch bis Samstag läuft, einiges an Pipi zusammen.

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Inzest: Weniger risikoreich als gedacht

Rund eine Milliarde Menschen leben in Ländern, in denen Ehen zwischen nahen Verwandten üblich sind. Das kann gesellschaftliche Vorteile haben, birgt aber auch Risiken. In einer Studie wurde jetzt der generelle Einfluss des Verwandtschaftsgrads von Vater und Mutter untersucht, mit durchaus überraschenden Ergebnissen.


Von Volkart Wildermuth|Deutschlandfunk

Die Gene von Mutter und Vater haben weniger Einfluss auf die Kinder als gedacht. (imago / McPHOTO)

Fangen wir mit Charles Darwin an. Der Naturforscher hat nicht nur die Evolutionstheorie ersonnen, sondern sich auch mit Züchtungsversuchen beschäftigt. “Über den guten Einfluss der Kreuzung und die schädlichen Effekte der Inzucht”, lautet eine Kapitelüberschrift in Darwins Buch über Pflanzen- und Tierzucht. Er selbst war davon überzeugt, dass sich diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. Das erfüllte ihn sein ganzes Leben lang mit Sorge, denn Darwin hatte Emma Wedgwood geheiratet, seine eigene Cousine. Drei ihrer zehn Kinder sind früh verstorben. Aber das war damals nicht ungewöhnlich. Mit den Mitteln der Genomforschung lässt sich heute der Einfluss der Verwandtschaft der Eltern sehr viel genauer abschätzen.

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Bangladesch: Lebensgefährlicher Atheismus

Immer wieder werden in Bangladesch Blogger getötet. (pa/dpa/EPA/Abdullah)
Apostasie, der Abfall vom Glauben, führt in einigen islamischen Ländern zum Tod. Der 31-jährige Blogger Asif Mohiuddin hat es am eigenen Leib erfahren: Beinahe wäre er einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. In Bangladesch ist eine freie Meinungsäußerung in Religionsfragen kaum möglich. Nun hat er in Hamburg Schutz gefunden. Aber auch hier kann er nur schwer über seine Vorstellungen sprechen.


Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

Es fing damit an, dass er schon als Schuljunge einfach nur Fragen stellte, erinnert sich Asif Mohiuddin. Er bekam aber nie Antworten, die ihn zufrieden stellten.

“Wir feiern einmal im Jahr das Eid Al-Adha-Fest und schlachten in muslimischen Familien in Bangladesch eine Kuh oder andere Tiere. Ich war von all dem Blut geschockt. Warum tut ihr das? Und meine Eltern sprachen, Allah ist darüber glücklich, dass wir ihm eine Kuh schlachten.”

Dies geschieht in Erinnerung daran, dass Ibrahim statt seines Sohnes in letzter Minute ein Opfertier schlachtete und so sein Vertrauen zu Gott bewies. Die berühmte Geschichte des Urvaters dreier Weltreligionen wird nicht nur im Islam, sondern auch im Judentum und Christentum bis heute erzählt und gelesen. Für den jungen Asif ist sie aber eine Geschichte verabscheuenswürdiger Brutalität.

“Ich möchte diesen Gott nicht anbeten. Abraham hatte doch ein psychisches Problem, auf Gottes Geheiß hin seinen Sohn töten zu wollen. Wenn er in heutigen Zeiten leben würde, würde er in eine Psychiatrie eingeliefert und nicht als Prophet verehrt werden.”

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Goldener Reis: Wenn Technikfeindlichkeit tötet

Viele tausend Kinder sterben jedes Jahr an Vitamin-A-Mangel. Eine spezielle genmanipulierte Reissorte könnte diese Kinder retten. Doch das erlauben wir nicht.


Von Florian Aigner|futurezone.at

Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0

Vitamin-A-Mangel ist eines der großen Gesundheitsprobleme in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern. Am schlimmsten betroffen sind kleine Kinder. Hunderttausende erblinden jedes Jahr, sie sind besonders anfällig für Infektionskrankheiten, man schätzt dass jedes Jahr 670.000 Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren daran sterben.

In Europa verdient man Geld mit Schlankheitstipps und Abmagerungskuren, man diskutiert über die gesundheitsfördernde Wirkung irgendwelcher neuer Lifestyle-Grüntee-Mixgetränke, man erkundigt sich, ob das Biovollkornbrot auch mit energetisiertem Wasser gebacken wurde. Und gleichzeitig sterben auf der anderen Seite der Erde Menschen an Vitamin A-Mangel. Das Schlimmste daran ist: Man könnte das ändern. Doch das erlauben wir nicht.

Vitamin-A-Magel betrifft vor allem Länder in Afrika und Südostasien. Wer sich abwechslungsreich ernährt und viel Gemüse isst, der muss davor keine Angst haben. Doch wer in Staaten wie Indien, Bangladesch oder den Philippinen wenig Geld hat, versorgt seine Familie hauptsächlich mit Reis, und genau dadurch kommt es zu Mangelkrankheiten.

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Korrektive Vergewaltigung: Mutter vergewaltigt schwulen Sohn

Nach Vergewaltigungen von Frauen geraten in Indien jetzt “korrektive Vergewaltigungen” zur “Heilung von Homosexualität” in die Schlagzeilen. Die protestantischen Kirchen Indiens verurteilen sie als “grausame Ungerechtigkeit”.


Von Michael Lenz|evangelisch.de

Mit dem Slogan “Incredible India” wirbt Indien um Touristen. Die kulturelle, die ethnische, die religiöse, die natürliche Vielfalt Indiens ist in der Tat unglaublich bunt, reich, aufregend und verwirrenden. Unglaublich ist aber auch die tägliche sexuelle Gewalt gegen Frauen, Mädchen, Kinder und sexuelle Minderheiten. Dazu gehören auch sogenannte “korrektive Vergewaltigungen” von Lesben, Schwulen und Transsexuellen. Ziel der Brutalität: Das Opfer die Freuden des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs erleben zu lassen und den Menschen so von der Homo- oder Transsexualität zu “heilen”.

“In der Regel sind es Eltern oder nahe Verwandte, die ein homosexuelles Familienmitglied vergewaltigen”, berichtet Deepthi Tadanki. Sie recherchiert und dreht den Film “Satyavati”, der die fiktive Geschichte der “korrektiven Vergewaltigung” einer lesbischen Inderin erzählt. Die Arbeit an dem Film stockt allerdings derzeit, weil das Crowdfunding noch nicht die kompletten 16 Lakh Rupien (das indische Zahlwort steht für 100.000) eingebracht hat, oder umgerechnet 1,6 Millionen Euro. “40 Prozent des Films sind schon abgedreht. Jetzt muss ich erst Geld auftreiben, bevor ich weiterdrehen kann”, erzählt die 27 Jahre alte Filmemacherin aus Hyderabad.

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Skandal in Heimen für schwer Erziehbare: Mädchen mussten sich zur Strafe nackt ausziehen

Friesenhof, Bild: Foto: Carsten Rehder/abendblatt
Kollektivstrafen, sexueller Missbrauch und ständige Kontrolle: Zwei Mädchenheime in Schleswig-Holstein mussten wegen schwerwiegender Vorwürfe dichtmachen. Jetzt stellt sich auch noch heraus: Eine Mitarbeiterin des Sozialministeriums soll Akten manipuliert und E-Mails gelöscht haben, um den Skandal zu vertuschen.


FOCUS ONLINE

  • Erniedrigende Strafen in Mädchenheimen in Schleswig-Holstein
  • Zwei der Heime sind jetzt geschlossen worden
  • Zwei Staatsanwaltschaften ermitteln

Gezielter Schlafentzug, Isolationshaft, Erniedrigungen, Kollektivstrafen – was klingt wie der Alltag in einem nordkoreanischen Straflager, hat sich bis vor kurzem in Mädchenheimen des Betreibers „Friesenhof“ in Schleswig-Holstein zugetragen. Zwei Heime für Mädchen mit schweren psychischen Problemen oder kriminellem Hintergrund wurden Anfang Juni geschlossen, nachdem es immer mehr Berichte über die Schikanen der Heimbetreuer gab. Mittlerweile ermitteln zwei Staatsanwaltschaften – unter anderem gegen einen Betreuer, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird.

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“Charlie Hebdo”-Ausstellung startet im Internet

Die Online-Schau umfasst Karikaturen aus 250 Heften. Am 7. Jänner hatten radikale Islamisten in der Redaktion des Satire-Blatts zwölf Menschen erschossen.


Die Presse

charlie_hebdo_2Rund ein halbes Jahr nach dem Terror-Anschlag auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” startet eine Online-Ausstellung über das französische Satiremagazin. Für das Projekt haben sich vier Karikaturmuseen aus Hannover, Frankfurt am Main, Kassel und Basel zusammengetan. Es gehe darum, die getöteten Zeichner und deren Themen vorzustellen, sagte die Direktorin des Museums Wilhelm Busch, Gisela Vetter-Liebenow.

Bei dem Attentat auf “Charlie Hebdo” am 7. Jänner hatten Islamisten zwölf Menschen erschossen. Die traumatisierten Redaktionsmitglieder kämpfen seither um ihren Kurs. Der bekannteste überlebende Zeichner Luz kündigte vor kurzem seinen Ausstieg an. Während der Vorbereitung des Projekts standen die deutschen Museen im Kontakt mit der Redaktion von “Charlie Hebdo”. Vetter-Liebenow sagte: “Sie haben versucht, es zu unterstützen, so weit es ihnen in dieser Ausnahmesituation möglich ist.” Eine große Riege von Karikaturisten sei ausgelöscht. “Die Zeichner fehlen.”

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Die Präsentation ist ab 3. Juli auf der Seite www.museen-fuer-satire.com abrufbar.

»Miete einen Juden«

Alexander Rasumny über das Vermittlungsportal »Rent a Jew«, den deutsch-jüdischen Dialog und Berührungsängste


Von Philipp Peyman Engel|Jüdische Allgemeine

Screenshot: bb
Screenshot: bb

Herr Rasumny, die Europäische Janusz Korczak Akademie in München hat jetzt ein Vermittlungsportal unter dem Motto »Rent a Jew« (Miete einen Juden) ins Leben gerufen. Wie ernst ist die Initiative gemeint?
Wir haben uns bewusst für einen etwas provozierenden Titel entschieden. Der deutsch-jüdische Dialog ist ja oft schon ernst genug, da kann man die Leute auch mal ein bisschen herausfordern. Vielleicht trägt der Slogan dazu bei, Berührungsängste abzubauen.

Worum geht es bei dem Programm?
»Rent a Jew« möchte einen Austausch zwischen Nichtjuden und Juden ermöglichen. Viele Institutionen sprechen häufig über das Judentum und würden es gerne mit Leben füllen. Auf der anderen Seite wiederum würden viele junge jüdische Menschen der Mehrheitsgesellschaft gern einen Einblick gewähren, wie jüdisches Leben in Deutschland im Jahr 2015 aussieht. Mit unserer Webseite www.rentajew.org sorgen wir dafür, dass beide zueinander finden.

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Abgeordnete ringen um Positionen in Sterbehilfe-Debatte

Die Sterbehilfe-Debatte im Bundestag wird konkret. Am Donnerstag hat das Parlament erstmals die Gruppenanträge beraten. Für einen Entwurf gegen organisierte Suizidbeihilfe zeichnet sich weiter eine Mehrheit ab. Entschieden ist aber noch nichts.


evangelisch.de

todesspritzeIn einer emotionalen, teils erregten Debatte hat sich der Bundestag am Donnerstag mit den Vorschlägen zur Neuregelung der Suizidbeihilfe befasst. Gegner und Befürworter einer organisierten oder ärztlichen Hilfe bei der Selbsttötung warben in einer knapp dreistündigen Debatte um ihre Positionen. Kerstin Griese (SPD), deren Gruppe für ein Verbot der umstrittenen Sterbehilfevereine eintritt, sagte, sie halte ein solches Geschäftsmodell für ethisch nicht tragbar. Sie wolle “keine Hilfe zum Sterben, sondern beim Sterben”, sagte sie. Peter Hintze (CDU) warb um sein Vorhaben, Ärzten die Hilfe beim Suizid zu erlauben. “Leiden ist immer sinnlos”, sagte er.

Den Parlamentariern liegen insgesamt vier Gruppenanträge vor, die größtenteils auf einen Umgang mit Vereinen und Einzelpersonen zielen, die organisiert Hilfe zum Suizid anbieten. Diese Hilfe, die etwa geleistet wird, wenn todbringende Medikamente überlassen werden, ist in Deutschland nicht strafbar.

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Komet “Chury” hat Löcher

Diese Aufnahme zeigt eines der aktivsten Löcher auf “Chury”. © Vincent et al./ Nature
Rätselhafte Krater: Die ESA-Raumsonde Rosetta hat auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko ungewöhnlich tiefe, kreisrunde Löcher entdeckt. Sie ähneln zwar auf den ersten Blick Einschlagskratern, entstanden aber wahrscheinlich eher durch Kräfte von unten: Durch Hohlräume im Untergrund des Kometen, deren Decke einbricht. Das könnte auch erklären, warum besonders viele Staub- und Gasfontänen von diesen Löchern ausgehen, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


scinexx

Die Raumsonde Rosetta und ihr kürzlich wieder erwachter Compagnon Philae haben schon einige spannende Details über den Kometen “Chury” übermittelt. So entdeckte Rosettas Kamera OSIRIS einen Wackelstein und eine rätselhafte Staubfontänen auf der Nachtseite des Kometen. Je näher der Komet der Sonne kommt, desto mehr Eis und anderes Material verdampft zudem.

Rätselhafte Löcher

Aufnahmen von Rosetta zeigen aber auch, dass viele der größeren Ausbrüche von seltsamen, kreisförmigen Kratern auszugehen scheinen. “Diese Löcher sind bemerkenswert symmetrisch, haben alle eine ähnliche Größe und zeigen interessante morphologische Details”, berichten Jean-Baptiste Vincent vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen und seine Kollegen. Die steilen Wände der Löcher sind von horizontalen Schichten und Terrassen durchzogen. Ihr Durchmesser variiert von mehreren Dutzend bis zu mehreren hundert Metern.

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Juden in Deutschland verunsichert: Netzwerk gegründet

Im Kampf gegen den Antisemitismus haben sich mehrere Organisationen in Deutschland zu einem Netzwerk zusammengeschlossen.


Berliner Morgenpost

Bild: bb
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Das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum, die Amadeu Antonio Stiftung und das American Jewish Committee wollen sich gemeinsam gegen “das Erstarken des Antisemitismus in verschiedenen Formen” einsetzen und die Ursachen dafür untersuchen, hieß es bei der Gründungskonferenz des Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus (NEBA).

Nach der Beschneidungsdebatte und pro-palästinensischen Demonstrationen mit antisemitischen Ausfällen fühlen sich Juden in Deutschland zunehmend verunsichert. Die Perspektive der 120 000 Juden in der Bundesrepublik werde im Kampf gegen Antisemitismus zu wenig wahrgenommen, erklärten mehrere Organisationen am Donnerstag in Berlin.

»Du Jude!«

Woher kommen Vorurteile und Hass in den Schulen – und was kann dagegen getan werden?


Von Mike Samuel Delberg|Jüdische Allgemeine

Bild: bb
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Wie stellt ihr euch einen Juden vor?« Mit dieser Frage eröffne ich meist den »jüdischen« Teil meiner interreligiösen Workshops an Berliner Oberschulen. Die Reaktionen sind verhalten, fast schüchtern. Nach einigem Herumdrucksen peinlich berührter junger Mädchen und Kommentaren wie »Die essen doch koscher«, will ich aber auf den Punkt kommen: »So Freunde, Tacheles! Sagt einfach, was euch wirklich auf der Zunge liegt!«

Jetzt geht es los: »Geld, Holocaust, Rothschild, Kontrolle der Medien, lange Bärte, große Nasen, Sex durch ein Tuch mit Löchlein, Adolf Hitlers Oma war jüdisch, Illuminati, illegale Besatzung und Israel«. Rumms! Es ist raus! Nach diesem für die Schüler selbst überraschend offenen Ausstoß an Meinungsbildern kehrt plötzlich wieder die gleiche peinliche Stille wie am Anfang ein, und eine große, deutlich in den Gesichtern vieler Schüler ablesbare Frage schwebt im Raum: »Habe ich gerade etwas Falsches gesagt?«

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Ist das Universum leerer als gedacht?

Bisher sehen wir nur die hellsten Galaxien im fernen Universum, wie viele es noch gibt, ist unklar. © NASA/CXC/STSci/ DSS/ Magellan
Kein Gedränge im frühen Kosmos: In der Frühzeit des Universums könnte es sehr viel weniger Galaxien gegeben haben als bisher angenommen. Denn auf jede sehr helle, für uns sichtbare Galaxie kommen möglicherweise nur rund zehn lichtschwächere, wie Astronomen anhand eines Computermodells ermittelt haben. Bisher ging man von hundert- bis tausendfach mehr frühen Galaxien aus, die wir bisher aufgrund der zu schwachen Teleskope schlicht nicht sehen.


scinexx

Dank immer besserer Teleskope reich der Blick der Astronomen heute schon zurück bis in die Zeit der allerersten Galaxien und Sterne. Doch selbst die scharfen Augen des Hubble-Weltraumteleskops können nur die hellsten und größten Vertreter dieser frühen Population aufspüren. Wie viele lichtschwächere Galaxien es im fernen Universum gibt, ist daher bisher Gegenstand der Spekulation.

Wie viele kleinere Galaxien gibt es?

“Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass die Menge der lichtschwachen Galaxien im frühen Universum um das Hundert- bis Tausendfache größer ist als die Zahl der wenigen hellen Sternenansammlungen, die wir mit dem Hubble-Teleskop sehen können”, erklärt Erstautor Brian O’Shea von der Michigan State University.

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Berlin: Staatsvertrag mit Hamas-Freunden und Hasspredigern

Die Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln gilt als Hochburg radikaler Salafisten. Foto: dpa/Paul Zinken
Berlin will einen Staatsvertrag mit muslimischen Verbänden verhandeln. Klingt nicht verkehrt. Doch ein Vertragsentwurf von Ex-Innensenator Ehrhart Körting (SPD) macht die Probleme deutlich. Unter den möglichen Vertragspartnern sind nicht selten politische Extremisten.


Von Jan Thomsen|Berliner Zeitung

Das heikle Projekt schien schon von der Tagesordnung verschwunden: Anfang dieses Jahres hatte die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus beschlossen, dass Berlin einen „Staatsvertrag“ mit muslimischen Verbänden und Moscheevereinen schließen solle. Inhalt: die Regelung gegenseitiger Rechte und Pflichten, ähnlich wie bei den Verträgen mit den christlichen Kirchen und der Jüdischen Gemeinde.

Von einem „wichtigen Symbol“ der Anerkennung sprach damals der Fraktionsvorsitzende Raed Saleh, selbst Muslim: „Wir wollen klarmachen, dass der Islam zu Deutschland gehört.“ Die SPD-Fraktion folgte seinem Vorschlag mit großer Mehrheit, allerdings auch kritischen Stimmen. Dann ging die Angelegenheit zunächst in die für Religionsfragen zuständige Senatsverwaltung für Kultur.

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Genitaluntersuchung bei Flüchtlingen

Minderjährig oder volljährig? Um diese Frage zu beantworten, lässt Hamburg im Zweifelsfall Genitalien und Brustdrüsen begutachten. Foto: dpa
Ist der Flüchtling wirklich so alt wie er behauptet? Hamburg will nun mit Untersuchungen von Genitalien und Brustdrüsen für Klarheit sorgen.


Frankfurter Rundschau

Zur genaueren Altersbestimmung junger Flüchtlinge lässt Hamburg im Zweifelsfall Genitalien und Brustdrüsen begutachten. Die Untersuchung solle klären, ob die Flüchtlinge wie behauptet minderjährig seien, heißt es in der Antwort des Senats auf eine Anfrage der FDP.

Der Test sei freiwillig. Können die Zweifel durch die Untersuchung nicht ausgeräumt werden, wird die Person als volljährig eingestuft und kommt in eine Unterkunft für Erwachsene. Minderjährige werden dagegen von der Jugendhilfe betreut, dürfen zur Schule gehen und sind vor Abschiebung geschützt.

Plötzliche Trockenheit im Paläo-Tschadsee

Auf dem Trockenen: Fossiler Fisch aus dem Tschadbecken © University of Royal Holloway London
Von schwappenden Wellen zu staubigen Dünen: Der Klimawandel von der fruchtbaren Savanne zur heutigen Sahara ließ auch den Tschadsee plötzlich schrumpfen. Britische Wissenschaftler haben den Wandel des Sees vom größten Süßwassersee zur größten Staubquelle der Erde rekonstruiert. Daraus ergeben sich neue Fragen, die bis in den südamerikanischen Regenwald reichen, schreiben die Forscher in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.


scinexx

Die Sahara und die südlich davon gelegene Sahelzone sind berüchtigt für Hitze und Wassermangel. Doch das war nicht immer so: Noch vor rund 10.000 Jahren erstreckte sich in der heutigen Wüstenregion eine fruchtbare Savannenlandschaft, in der auch nomadische Frühmenschen lebten. Diese Idylle war jedoch nicht von Dauer: Ein plötzlicher Klima-Umschwung schuf die Wüste, die wir heute kennen.

Schrumpfende Süßwasserquelle

Betroffen davon war auch der Tschadsee südlich der Sahara, eine wichtige Wasserquelle für die angrenzenden Staaten Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun. Heute droht der See durch die intensive Wassernutzung durch den Menschen zu schrumpfen. Vor tausenden von Jahren schwand das Wasser des Sees jedoch in noch viel größerem Ausmaß: Während der fruchtbaren Zeit der Sahara war der Paläosee “Mega-Tschad” der größte Süßwassersee der Erde.

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How Do You Make a Memory? This Study Puts Us Closer to the Answer

Human memory—the encoding of information into our very brains—is a process at once fascinating and still pretty mysterious. In a study published Wednesday in study published Wednesday in Neuron, researchers offer new insight into how new memories are created, with a little help from Jennifer Aniston, Clint Eastwood, and Tiger Woods.


By Victoria Turk|MOTHERBOARD

brainIn the study, researchers from the University of Leicester in the UK and UCLA in the US looked at how neurons changed as people formed new episodic memories after the researchers showed them images of people including family members and celebrities in different places.

They found that neurons that were initially responsive to a specific person began to respond to a specific place too, after the two had been linked in the subject’s memory.

“If you want to remember something from your past, basically what you remember is a few concepts that you relate together. For example, ‘I remember meeting a friend in the cinema one or two months ago,’” explained Rodrigo Quian Quiroga, an author on the paper from the University of Leicester, in a phone call. “So basically you make a link between a few concepts; this is, let’s call it the ‘skeleton’ of what we call episodic memories.” Episodic memories are memories related to your personal experience.

The new study suggests how neuronal activity in a part of the brain called the medial temporal lobe changes as these concepts—people and places, for instance—are linked.

In one example, the researchers showed subjects a picture of Clint Eastwood and a picture of the Leaning Tower of Pisa, and then a picture of Clint Eastwood photoshopped at the Leaning Tower of Pisa. They found that the neurons that originally fired in response to the actor would then start firing in response to the landmark, and vice versa, even though they didn’t before. A new association between the two formerly unrelated things—Eastwood and the tower—was encoded.

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Wenn Patienten verhungern wollen

Ob Ärzte Schwerkranke beim Sterbefasten begleiten dürfen, ist sehr umstritten
Der Bundestag diskutiert darüber, ob es erlaubt sein soll, Menschen beim Suizid zu helfen. Ein besonderer Fall ist, wenn Patienten entscheiden, sich durch Fasten selbst das Leben zu nehmen. Umstritten ist aber, welche Rolle den Ärzten dabei zukommt.


evangelisch.de

Bild: heizung-simon.de

Mit 56 Jahren entschied Marion M., ihrem Leben ein Ende zu setzen. Die Unternehmensberaterin hatte sich in Indonesien mit einer Amöbenruhr infiziert. Als alle Versuche scheiterten, die schwere Infektionskrankheit zu heilen, dachte sie über Selbstmord nach. Dann stieß M. auf das Buch “Ausweg am Lebensende” des niederländischen Psychiaters Boudewijn Chabot und des deutschen Biochemikers Christian Walther. Es beschreibt, wie man durch Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit aus dem Leben scheidet. Doch an der Rolle, die die Ärzte dabei übernehmen, scheiden sich die Geister.

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Frankreichs Bürgermeistervereinigung: „Nein zu Gebet und Kreuzzeichen im Sport“

Es mag sein, daß manches Kreuzzeichen, das bei Wettkämpfen auf dem Sportplatz gemacht wird, mehr ein abergläubischer Gestus als ein wirklicher Glaubensakt zu sein scheint. Die persönliche Frömmigkeit hat jedoch unterschiedlichste Ausprägungen und sollte als solche respektiert werden.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Gebet und Glaube im SpitzensportJedenfalls ist es allemal besser, wenn Sportler zum Kreuz Zuflucht nehmen, als zu etwas anderem. Das Kreuzzeichen und jede andere religiöse Ausdrucksform im Sport zu verbieten, ist in jedem Fall ein Akt präpotenter Willkür.

Das aber soll in Frankreich durchgesetzt werden. Die Association des maires de France (AMF), in der die Mehrheit der Bürgermeister Frankreichs organisiert ist, verschickte ein Rundschreiben mit zahlreichen „Empfehlungen“, die den Gemeindeoberhäuptern „helfen“ sollen, die laizistische Staatsdoktrin Frankreichs im täglichen Leben umzusetzen. Diese „Propositions des maires de France en faveur de la laïcité“ betreffen vor allem die Schule einschließlich der Kindergärten und die Sportveranstaltungen.

Kreuzzeichen fällt ausdrücklich unter die Verbotsempfehlungen

Besonders den Sportlern, ob Profis, Dilettanten oder auch nur den Schülern beim Schulsport wird ausdrücklich verboten, bei den Wettkämpfen oder Fußballspielen zu beten oder auf dem Sportplatz religiöse Zeichen zu zeigen. Das Kreuzzeichen fällt explizit auch unter dieses Verbot. Die Bestätigung kam am 24. Juni von Patrick Molinoz, dem stellvertretenden AMF-Vorsitzenden und Co-Präsidenten der Arbeitsgruppe Laizität der Bürgermeistervereinigung. Molinoz nannte als Negativbeispiel einen Fußballer, der vor dem Betreten des Spielfeldes ein Kreuzzeichen macht und verglich ihn mit verschleierten Sportlerinnen, wie sie der Weltfußballverband FIFA erlaubt.

Molinoz wörtlich in einer Presseerklärung: „Eine Gemeinde kann keine Veranstaltung subventionieren, in der ein kultischer Charakter zum Ausdruck kommt, auch dann nicht, wenn es sich um einen traditionellen handelt und dieser im Rahmen von kulturellen Initiativen oder Festen erfolgt“.

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