Archiv der Kategorie: Säkulares

Dodo Müller: „Tötung unschuldiger Menschen im Mutter­schoß“

Gerhard L. Müller links im Bild

Gerhard L. Müller links im Bild

Politiker und Geistliche kritisieren die massenhafte Abtreibung von gesunden Embryonen bei Mehrlingsschwangerschaften in Deutschland, den sogenannten Fetozid.


FOCUS ONLINE

Laut FOCUS gehen Experten von mehreren Hundert Fällen im Jahr aus, genaue Zahlen existieren jedoch nicht. CDU-Gesundheitspolitiker Hubert Hüppe forderte im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS „eine belastbare Meldepflicht“. Es müsse klar sein „dass Fetozide bei Mehrlingsschwangerschaften unter den Paragraphen 218 fallen, damit wenigstens eine Beratung der Frau stattfindet“.

Der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Leiter der Abteilung für Öffentliche Verantwortung, Friedrich Hauschildt, sagte gegenüber FOCUS, die Reduktion durch Fetozid sei ein „schwerwiegendes ethisches Dilemma“. Wenn die Mehrlingsschwangerschaft durch künstliche Befruchtung zustande komme, werde „dieses Dilemma oft in Kauf genommen“, da in der Regel mehrere befruchtete Eizellen eingepflanzt würden. Hauschildt: „Die EKD steht deshalb und aus weiteren Gründen der künstlichen Befruchtung kritisch gegenüber.“

weiterlesen

Türkei empört über Gaucks Völkermord-Aussage

Joachim_Gauck Die Äußerungen des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum “Völkermord” an den Armeniern haben eine diplomatische Krise mit der Türkei ausgelöst. “Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen”, erklärte das Außenministerium in Ankara am späten Freitagabend.


derStandard.at

Gauck hatte die Massaker an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg am Donnerstagabend erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Das Staatsoberhaupt setzte sich damit über Bedenken hinweg, dass die Einordnung des damaligen Geschehens als Völkermord die Beziehungen zur Türkei beschädigen könnte.

Am Freitag schloss sich der Bundestag dieser Bewertung an. “Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord”, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht selbst zu Wort.

weiterlesen

Bullshistic: Die Kraft der Religion

DPA

Die öffentliche Präsenz von Religion in Deutschland bewegt sich in diesen Tagen zwischen Trost und Terror. Soll sie deshalb Privatsache werden – oder ihr Wahrheitspotential offensiver zur Geltung bringen? Eines ist sicher: Mehr denn je brauchen wir in Deutschland wie in Europa Orte und Zeitpunkte der öffentlichen Auseinandersetzung mit Religion.


Dr. Heinrich Bedford-Strohm|Frankfurter Allgemeine

Religion hat Kraft. Wie kraftvoll sie ist, das ist für Christen selten so greifbar wie in den Tagen vor und nach Ostern. Es tut gut, eine religiöse Sprach- und Bildwelt zu haben, um Trauer und Schmerz zu bewältigen. Gerade dann, wenn eigene Worte fehlen. Die zweitausend Jahre alte Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod kann uns Halt schenken, wo alle Hoffnung verloren scheint. Das spüren auch Menschen, die sich sonst eher als religiös unmusikalisch bezeichnen würden.

Die Attentate von Paris, Kopenhagen, Tunis und Sanaa wie auch die massive Polizeipräsenz in deutschen Städten sprechen eine andere Sprache. Ließe man sich ganz von den damit verbundenen Eindrücken leiten, könnte es gar so erscheinen, als sei Religion zum Sicherheitsrisiko geworden. Die öffentliche Präsenz von Religion in Deutschland bewegt sich in diesen Tagen zwischen Trost und Terror. Die medial inszenierte Ikonographie der Gewalt im Namen von Religion hat Spuren hinterlassen und lastet als Hypothek auf uns allen.

weiterlesen

Virologe warnt vor gefährlichen tropischen Stechmücken

Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopictus). Bild. wikimedia.org/CC-BY-2.5

Die Tigermücke überträgt das Dengue-Fieber, der japanische Buschmoskito das West-Nil-Virus. Beide breiten sich derzeit in Deutschland aus. Tropenmediziner sind alarmiert.


DIE WELT

Insekten aus tropischen Regionen breiten sich nach Beobachtung von Forschern auch in Deutschland aus. “Die zwei wichtigsten invasiven Stechmückenarten, die uns Sorge bereiten, sind die Tigermücke und der Japanische Buschmoskito”, sagte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Die Tigermücke, die das Dengue-Fieber übertragen kann, sei bereits in Bayern und Baden-Württemberg zu finden.

Der Japanische Buschmoskito habe sich noch sehr viel weiter ausgebreitet, so im Raum Köln/Bonn und sogar bis nach Hannover. Diese Mücke könne das West-Nil-Virus oder auch den Erreger für die Japanische Enzephalitis, eine Gehirnentzündung, übertragen.

Ursache der Entwicklung sei in erster Linie der interkontinentale Waren- und Reiseverkehr, nicht der Klimawandel, betonte Schmidt-Chanasit.

TV-Pastor über Absturz-Opfer: “Menschen sterben, weil sie schuldig sind”

Bergungskräfte haben in den französischen Alpen den gesuchten Flugschreiber von Germanwings-Flug 4U9525 gefunden. Nun erhoffen sich die Ermittler weitere Hinweise auf die Absturzursache dpa/Yves Malenfer/Dicom/Ministere Interieur/HO

Ein TV-Pastor hat mit einer Predigt für Aufregung gesorgt. In dieser verhöhnt er vermeintlich die Opfer der Germanwings-Katastrophe. Menschen sterben, weil sie schuldig sind – so seine Aussage. Seine Gemeinde äußerte sich zu seinen umstrittenen Worten.


FOCUS ONLINE

“Wenn Menschen sterben, ob in einem Altersheim oder bei einem Flugzeugabsturz, sterben sie, weil sie schuldig sind.“ Mit diesem Satz hat der Hamburger TV-Pastor Wolfgang Wegert rund einen Monat nach dem tragischen Absturz der Germanwings-Maschine für Aufregung gesorgt.

Seine Predigt mit dem Titel „Wenn es Gott gereut“ hielt der Pfarrer vor laufenden Kameras. Viele verstanden seine Äußerung vor dem Hintergrund der Tragödie um Flug 4U9525 als unpassende Anspielung. 150 Menschen waren an Bord der Germanwings-Maschine ums Leben gekommen. Darunter auch mehrere Babys und Kinder.

„Es tut Pastor W. Wegert sehr leid”

Auf der Homepage der reformierten Freikirche „Arche“ bezieht die Gemeinde zu der Predigt Stellung: „Leider wurde die Erwähnung ‚Flugzeugabsturz‘ von Medienvertretern so gedeutet, als ob Pastor W. Wegert sich speziell auf die Germanwings Katastrophe fokussiert und gesagt hätte, die Absturzopfer seien an ihrem Tod selbst Schuld und dass er sie und ihre Angehörigen auf diese Weise hätte verhöhnen wollen“, heißt es dort.

weiterlesen

Seenotrettung: Es fehlt am politischen Willen

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Schiffe und Experten sind im Mittelmeer genug vorhanden – doch auf dem EU-Gipfel fehlt der politische Wille, die Seenotretter einzusetzen


Von Dr. Hermannus Pfeiffer|evangelisch.de

Die EU verdreifacht ihre Gelder zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Das beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel in Brüssel. “Wenn das Geld nicht ausreichen sollte, müssen wir eben noch einmal darüber reden”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dabei fehlt es weniger am Geld, als am politischen Willen, die vorhandenen Rettungsmittel einzusetzen.

UN-Organisationen kritisierten den Zehn-Punkte-Plan der EU als unzureichend; Amnesty International sprach von einer Mission, “die das Gesicht wahrt, aber nicht Menschenleben rettet”. Auch der Reederverband VDR zweifelt: Die angekündigten Maßnahmen für die Seenotrettung “können nur ein Anfang sein”.

weiterlesen

Joss Whedon: Politicians Who Deny Climate Change ‘Deny Basic Scientific Truth’

Avengers’ writer and director Joss Whedon is quite familiar with dystopian futures. CREDIT: Photo by Jordan Strauss/Invision/AP

If there’s anything to be gleaned about Joss Whedon’s worldview from his hit show Firefly, it might be that he’s pessimistic about the future of politics.


By Emily Atkin|CLIMATEPROGRESS

“Nothing will change in the future,” Whedon, who also wrote and directed the enormously successful Avengers movie, once said about the dystopian universe depicted in Firefly. “Technology will advance, but we will still have the same political, moral, and ethical problems as today.”

On Wednesday — Earth Day — Whedon revealed that he thinks one of those political problems of today is climate change. In a series of tweets, the Buffy the Vampire Slayer creator chastised U.S. politicians who don’t accept climate science, saying they are denying “basic scientific truth.”

“The climate IS changing — if we can’t, that makes us dumber than weather #ClimateChangeIsReal,” he tweeted. “Policy makers who deny basic scientific truth should also be denied penicillin, horseless carriages, [and] air time on the magic box of shadows,” read a subsequent tweet.

read more

Superstition Is Making Beijing’s Air Pollution Even Worse

Chart: Nan Zhong

There are a lot of things contributing to the record-level air pol​lution suffocating the capital of China, but there’s one factor making an impact that you might not have considered: good, old-fashioned superstition.


By Kaleigh Rogers|MOTHERBOARD

After the Olympics in 2008 (during which Beijing cut its traf​fic in half by alternately banning odd-number-ending license plates and even-number-ending plates) the city introduced a longer term traffic ban based on the last number of each license plate. Every plate in the city ends with a number between 0 and 9, so each day during the workweek, two ending digits are banned from the road between 7 AM and 8 PM (on Monday, license plates ending in 1 and 6 are banned, for instance).

Here’s the problem: on one day of the week, the number 4 is banned. In Chinese numerology, the number 4 is very unlucky (it sounds a lot like the word death, so, understandably people avoid it). Because of this superstition, a lot of people reject license plates ending in 4.

So since there aren’t as many “4” cars registered in Beijing, the ban doesn’t take as many cars off the road as it does for other numbers. Nan Zhong, a PhD student in the sustainable development program at Columbia University, wanted to find out whether this makes a noticeable impact on the air quality, traffic congestion, and public health. Though her research has not been published in a peer-reviewed journal (Zhong told me she’s in the process of submitting it at a few publications), she presented her findings Thursday at the school’s symposium on sustainable development.

read more

„Es gibt eine moralische Mitschuld“

Flüchtlinge, die am 12. April mit ihrem Boot auf dem Mittelmeer gekentert sind. Foto: dpa

Der Philosoph Oliviero Angeli über die Flüchtlingstragödie, Einwanderung und Pegida


Saarbrücker Zeitung

Europa ringt um Antworten auf die Flüchtlingstragödie im Mittelmeer, in Deutschland tobt eine zunehmend schärfer geführte Einwanderungsdebatte. Jenseits von TV-Talkshows beschäftigen sich auch Philosophen mit dem Thema. Was kann die Philosophie zur Debatte beitragen? Eine Menge, sagt Oliviero Angeli. Im Gespräch mit SZ-Redakteur Johannes Kloth spricht der gebürtige Italiener, der nach einer Station in Saarbrücken nun in Dresden Politische Philosophie lehrt, vom „Recht auf Einwanderung“.

Die Debatte um die Flüchtlingstragödie im Mittelmeer läuft meist auf die Frage nach der moralischen Verantwortung Europas hinaus. Trägt die EU (Mit-)Schuld am Tod der Flüchtlinge?

Der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung wiegt schwer, ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Tatsächlich könnte Europa mehr für die Rettung von Bootsflüchtlingen tun. Wer seine Mittel hier nicht ausschöpft, trägt eine moralische Mitschuld.

Sie haben sich mit dem Thema Migration aus rechtsphilosophischer Perspektive beschäftigt. Was kann die Philosophie überhaupt beitragen zu der Debatte?

Angeli: Eine Menge. Dass das bislang nur zögerlich geschah, hat einen einfachen Grund: Häufig endet die Debatte in pauschalen Vorwürfen. Wer sich für eine Beschränkung von Zuwanderung ausspricht, gilt als kaltherzig; ein Plädoyer für offene Grenzen hingegen wird schnell als realitätsfern abgetan. Daher sind Philosophen oft der Frage nach einem Recht auf Einwanderung ausgewichen. Dabei können wir die Debatte bereichern. Wir können die grundsätzlichen Interessen beider Seiten, der Aufnahmegesellschaft und der Einwanderer, deutlicher rausarbeiten, als es bisher geschah.

weiterlesen

Wie es sich anfühlt, unsichtbar zu sein

© Screenshot: YouTube / University of Rochester oe24.at

Unsichtbar sein klingt in manchen Situationen sehr verlockend. Aber hätte das auch tatsächlich Vorteile? Schwedische Forscher haben jetzt den Test gemacht.


Von Daniela Zeibig|Spektrum.de

Auch, wenn Forscher auf dem Gebiet der Tarnkappentechnik immer weiter Fortschritte machen: Bis es einen Unsichtbarkeitsumhang gibt, mit auch Menschen verschwinden können, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Wissenschaftler um Arvid Guterstam vom Karolinska-Institut in Stockholm hat das aber nicht davon abgehalten, schon mal zu testen, wie man sich als unsichtbarerer Mensch denn so fühlt. Dabei zeigte sich: Vor allem jene, die nicht gerne vor großem Publikum stehen, könnten davon profitieren.

weiterlesen

“In einem Konzentrationslager ist das nun mal so”

Blick von der “Rampe” zum Eingangstor des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.Bild: Michel Zacharz/CC-BY-SA-2.5

Angeklagter im Lübecker Auschwitz-Prozess sieht sich nur als pflichtbewusstes “Rädchen im Getriebe”


Von Birgit Gärtner|TELEPOLIS

Oskar Gröning ist fast 94 Jahre alt. Beheimatet im beschaulichen niedersächsischen Nienburg/Weser lebte er ein ebenso beschauliches Leben als Personalchef einer Glasfabrik und ehrenamtlicher Richter am dortigen Amtsgericht. Aber es gab ein Leben vor diesem beschaulichen Leben, eines als Mitglied der NSDAP und der SS, eines als “Sonderbeauftragter” der SS im Konzentrationslager Auschwitz, wo er über das den inhaftierten und ermordeten KZ-Insassen aus aller Welt geraubte Hab und Gut penibel Buch führte, und es bisweilen in den Tresor des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA) in Berlin schaffte. Für dieses Leben steht er nun in Lüneburg vor Gericht. Der Vorwurf: Beihilfe zu 300.000fachem Mord! Im Juli soll das Urteil verkündet werden.

Nein, persönlich gemordet hat Oskar Gröning vermutlich nicht. Aber er hat zugesehen und aktiv daran mitgewirkt, dass die Rädchen in Getriebe der Menschenvernichtungs-Fabrik Auschwitz nicht außer Takt kamen. Was er da sah und erlebte, hat ihm nicht alles gefallen, aber “in einem Konzentrationslager ist das nun mal so”, zitiert ihn der Spiegel. Wat mut dat mut.

Und es muss ja schließlich alles seine Ordnung haben. Deshalb, so berichtet er freimütig vor Gericht, wurde in Auschwitz Birkenau auch darauf geachtet, dass bei Ankunft der mit Todeskandidaten überfüllten Waggons alles ruhig und gesittet zuging und sie hübsch der Reihe nach “versorgt” wurden. Für die meisten Betroffenen bedeutete dieses “versorgt” werden, dass sie umstandslos ins Gas geschickt wurden.

weiterlesen

Angriffe auf Kirche in Berlin – Russland fordert Aufklärung

Die russisch-orthodoxe Kirche in Marzahn-Hellersdorf. Foto: Philipp Mangold

Seit zwei Monaten erhalten eine russisch-orthodoxe Kirche und eine Schule in Marzahn-Hellersdorf Drohbriefe, zwei Mal sei ein Sprengsatz an der Kirche detoniert. Nun schaltet sich Russland ein.


Berliner Morgenpost

Nach Drohungen gegen eine russisch-orthodoxe Kirche und Schule in Berlin hat Russland von der deutschen Bundesregierung Aufklärung verlangt. Wie das Ministerium in Moskau am Donnerstagabend mitteilte, wurde der Briefkasten der Kirche bereits zweimal durch einen Sprengsatz zerstört. Seit zwei Monaten erhalte die Kirche zudem Drohbriefe, die von einer “Legion Königsberg” unterzeichnet seien. Darin werde damit gedroht, die Kirche anzuzünden.

weiterlesen

Das Recht zur Beleidigung verteidigen

Von Kurt Westergaard

Von Kurt Westergaard

Es ist fast zehn Jahre her, dass eine dänische Zeitung Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlichte und damit eine Welle von muslimischen Protesten auf der ganzen Welt auslöste.


Von Ayaan Hirsi Ali|The Huffington Post

Ebenso wurde die Kluft in Europa sichtbar zwischen jenen, die an freie Meinungsäußerung glauben und jenen, die um des lieben Friedens Willen religiöse Fanatiker beschwichtigen. Ziemlich genau zu dieser Zeit kam ich nach Berlin, um das Recht zur Beleidigung zu verteidigen. Leider ist dieses Recht heute weniger sicher als 2005.

Man denke nur an das Massaker an den Charlie Hebdo-Mitarbeitern in Paris am 7. Januar und die brutale Erschießung von Menschen im jüdischen Feinkostgeschäft am selben Tag. Und dann sind da die befremdlichen Kommentare des amerikanischen Karikaturisten Garry Trudeau in einer Rede vor zehn Tagen, in welcher er „die Absolutisten der Redefreiheit” dafür verdammte, dass sie nicht „Urteilsvermögen und gesunden Menschenverstand” benutzten.

Durch das Veröffentlichen von „geschmacklosen und vulgären Zeichnungen, die eher an Graffiti als Karikaturen erinnern”, so Traudeau, „sei Charlie im Bereich der Volksverhetzung gelandet”. Er kritisierte sogar die französischen Behörden dafür, dass sie Muslime verhaftet hätten, die „unüberlegterweise von der Redefreiheit Gebrauch gemacht und die Attacken gutgeheißen hätten”. Hätte er lieber gesehen, dass Stéphane Charbonnier, der Herausgeber von Charlie Hebdo, verhaftet wird?

Rufmord mit System

Ich bin ein Absolutist der Redefreiheit. Es ist vielleicht die größte Tragödie der westlichen Zivilisation heute, dass Redefreiheit nicht mehr selbstverständlich ist. Sie ist ein Privileg jener mit bewaffnetem Sicherheitspersonal.

Jenen, die die Debatte über den Islam – jene Dinge, die explizit im Namen Mohammeds und gemäß den Anweisungen des Korans geschehen – verstummen lassen wollen, wird nicht nur körperlicher Mord angedroht, sondern auch Rufmord mit System.

weiterlesen

“Hubble” – das scharfe Auge im All

Astronauten der letzten Reparaturmission haben dieses Bild von Hubble im Mai 2009 aufgenommen. Seitdem war kein Mensch mehr bei dem Weltraumteleskop. Foto: NASA/REUTERS

Es ist seit knapp 25 Jahren im All unterwegs und hat den Blick der Menschheit auf das Universum verändert: Das Hubble-Weltraumteleskop wird 25 und kommt langsam in die Jahre. Doch Ersatz ist bereits in Planung.


Von Tanja Banner|Frankfurter Rundschau

Es ist seit knapp 25 Jahren im All unterwegs und hat den Blick der Menschheit auf das Universum verändert: Das Weltraumteleskop Hubble. Am 24. April 1990 startete das Space Shuttle “Discovery” (STS-31) mit Hubble ins All, am 25. April 1990 wurde es in einer Erdumlaufbahn ausgesetzt und blickt seitdem in die Tiefen des Weltalls. In einer Höhe von etwa 550 Kilometern umkreist Hubble den blauen Planeten mit einer Geschwindigkeit von gut 28.100 Kilometern pro Stunde und blickt tief hinein ins Universum, ohne störende Wolken oder die Erdatmosphäre, die die Sicht beeinträchtigen würde. Sterne, Planeten, Galaxien – kaum etwas ist vor dem scharfen Auge Hubbles sicher.

Dabei lief zu Beginn nicht alles glatt: Ursprünglich sollte das Teleskop im Oktober 1986 von einem Space Shuttle ins All transportiert werden. Doch das “Challenger”-Unglück, bei dem im Januar 1986 sieben Astronauten ums Leben kamen, veränderte die Planung. Erst vier Jahre später, im April 1990 startete die Hubble-Mission. Das Space Shuttle “Discovery” brachte Hubble in seine Umlaufbahn. Kaum dort angekommen, sorgte jedoch ein Fehler im Hauptspiegel des Teleskops für Ärger: Die Bilder, die das Teleskop lieferte, waren nicht zu gebrauchen, eine teure Reparaturmission wurde notwendig.

weiterlesen

Das Prinzip der Gleichwertigkeit aller Menschen

Katarzyna Plucinska © privat, bearb. MiG

Die Menschenwürde lässt sich aus der kantischen Ansicht über die Selbstzwecklichkeit des Menschen ableiten. Das Prinzip der Gleichwertigkeit aller Menschen wird zur moralischen Verpflichtung jedes Einzelnen, die Würde anderer zu achten und zu schützen. Die menschliche Wertigkeit scheint jedoch schwer greifbar zu sein, solange sie nicht legitimiert ist.


Von Katarzyna Plucinska|MiGAZIN

Als eine universelle und kulturübergreifende Verschriftlichung den jedem Menschen zukommenden Rechten wurde z.B. die UN-Menschenrechtscharta ins Leben gerufen. Dokumente wie dieses sollten zur Normalisierung und Humanisierung in der Welt beitragen. Insbesondere die Ereignisse der letzten Tage zeigen aber, dass selbst das Abendland von diesem Soll-Zustand weit weg ist.

Migrationsversuche, wie die aus dem Mittelmeer, weisen ein geradezu erschreckendes Ausmaß an Inhumanität auf. Hunderte von Menschen versuchen in unwürdigen Bedingungen und um jeden Preis nach Europa zu gelangen. Im Angesicht der letzten Tragödie, in der nach Berichten etwa 900 Migranten ums Leben kamen, stellt sich die Frage nach der Rolle der EU und ihrer Flüchtlingspolitik.

Das Mittelmeer kann man heutzutage schon als Massengrab bezeichnen. Massiv überlastete Boote schaffen oft nicht den Weg nach Europa: Entweder werden sie durch Küstenwachboote gerettet oder sie gehen zusammen mit ihren Passagieren unter. Die Seenotrettung wurde bis Ende Oktober 2014 dem italienischen Mare Nostrum überlassen, danach begann die EU-Operation Triton, deren Hauptaufgabe nicht die Rettung von Flüchtlingen ist, sondern die Sicherung der EU-Außengrenzen.

Das Mittelmeer wird zwar weiterhin überwacht, nur das Einsatzgebiet hat sich enorm verkleinert. Im Gegensatz zu Mare Nostrum, das noch das Gebiet bis zur afrikanischen Küste bewachte, patrouillieren die Triton-Boote nur bis 30 Seemeilen vor der italienischen Küste und vor Lampedusa.

weiterlesen

Kein türkischer Honig mehr für Österreich?

erdogan-sultanAnkara erwägt wirtschaftliche Strafmaßnahmen als Reaktion auf Nationalratserklärung. Außenamt versucht, die Wogen zu glätten. Minister Kurz telefonierte mit türkischem Amtskollegen.


Die Presse

Der Streit zwischen der Türkei und Österreich über die Anerkennung des Genozids an den Armeniern eskaliert weiter. Wie „Die Presse“ erfahren hat, sondiert die türkische Regierung wirtschaftliche und andere Strafmaßnahmen. Das Außenministerium in Wien stellt sich bereits auf Sanktionen ein. 650 österreichische Unternehmen sind derzeit in der Türkei aktiv. Betroffen sein könnten auch Ausgrabungen in der antiken Stadt Ephesos im Westen des Landes, die durch die türkische Antikenverwaltung jedes Jahr neu genehmigt werden müssen.

Da der Nationalrat die Massenmorde von 1915 als Völkermord eingestuft hatte, berief Ankara am Mittwoch seinen Botschafter in Wien, Mehmet Hasan Gögüs, zu Gesprächen ein. In einer Stellungnahme der türkischen Regierung hieß es zudem, die Erklärung des Parlaments werde die Beziehungen „dauerhaft beschädigen“. Die Ereignisse so zu verdrehen sei „nichts weniger als ein Massaker des Rechts“.

weiterlesen

EU-Flüchtlingsgipfel: Humanitäre Fassade und vergiftete Angebote

Cameron vor den Kameras. Bild: EU

EU-Flüchtlingsgipfel: Künftig sollen in Europa Menschenleben wieder “an erster Stelle” stehen, forderte Kanzlerin Merkel. Die Beschlüsse sagen anderes: Es geht vor allem um Abschottung und Militarisierung des Mittelmeers


Von Eric Bonse|TELEPOLIS

Der Gipfel begann mit einem Paukenschlag. Gleich zwei EU-Chefs – der britische Premier David Cameron und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande – schoben die Verantwortung für das Massensterben im Mittelmeer anderen zu. Sein Land sei durchaus bereit zu helfen, setzte Cameron an. London werde das Flaggschiff “HMS Bulwark” bereitstellen, dazu drei Hubschrauber und zwei Boote des Grenzschutzes.

“Als das Land in Europa mit dem größten Verteidigungshaushalt können wir einen wirklichen Beitrag leisten”, brüstete sich Cameron. Allerdings unter einer entscheidenden Bedingung: Die aufgefischten Flüchtlinge dürften nicht in Großbritannien landen, sondern müssten in Italien bleiben. Der Wahlkampf in UK stand ganz offensichtlich Pate bei diesem vergifteten Angebot.

Hollande war nicht ganz so plump. Auch sein Land sei bereit zu helfen. Allerdings müsse die Weltgemeinschaft endlich begreifen, dass am Südrand des Mittelmeers ein nicht regierbares Land existiere – nämlich Libyen. Ohne diese Erkenntnis werde die Hilfe zur Rettung der Flüchtlinge oder gegen Schlepper nichts bringen, sagte Hollande beim Aufmarsch ins Brüsseler Ratsgebäude.

Niemand habe sich bei der westlichen Militärintervention im Jahr 2011 Gedanken gemacht, was aus Libyen werde, setzte Hollande nach. “Es geht also darum, die Fehler der Vergangenheit zu beseitigen”, betonte der Sozialist. Auch das war ein wahlkampfbedingter Seitenhieb – auf seinen konservativen Rivalen Nicolas Sarkozy, der bei der Präsidentschaftswahl 2017 erneut antreten will.

weiterlesen

Forscher manipulieren Genom menschlicher Embryonen

Bild: merakname.com

Bild: merakname.com

Mitten in die Debatte um die ethischen Aspekte dieser Forschung platzt die Nachricht: Der erste Test einer neuen Hightech-Methode ist bereits erfolgt – mit durchwachsenem Ergebnis.


Von David Cyranoski, Sara Reardon|Spektrum.de

Lange hatte es nur Gerüchte gegeben, nun ist die Bestätigung offiziell: Ein Team chinesischer Forscher experimentiert mit der gezielten Veränderung von Genen in menschlichen Embryos. Das geht aus einer gerade erschienenen Veröffentlichung der Wissenschaftler hervor.

Die Studie im Fachmagazin “Protein & Cell” ist die weltweit erste Publikation über solche Experimente an menschlichen Embryonen. Erst vergangenen Monat hatten hochrangige Wissenschaftler eine Debatte über die ethischen Aspekte derartiger Forschungen angeregt.

Leiter der Studie war Junjiu Huang, der an der Universität Sun Yat-sen in Guangzhou an der Funktion von Genen forscht. Ethische Bedenken versuchten die Forscher zu zerstreuen, indem sie ausschließlich nicht lebensfähige Embryonen nutzten, die im Rahmen von künstlichen Befruchtungen entstanden waren.

Konkret versuchten die Wissenschaftler, das Gen zu verändern, das die manchmal tödliche Blutkrankheit β-Thalassämie auslöst. Dazu nutzten sie ein neuartiges Genmanipulationswerkzeug namens CRISPR/Cas9. Ihre Tests hätten nun gezeigt, dass dem medizinischen Einsatz dieser Technik erhebliche Hindernisse entgegenstehen, erklären die Wissenschaftler.

weiterlesen

Scientology, Netzfrauen, Spirit of Health: Wenn Blödmannsgehilfen aktiv werden

Aus aktuellem Anlass stellen wir heute mal die Doku

Die Spitzel von Scientology: Der Sektengeheimdienst OSA”

vor, die im Februar bei Phoenix wiederholt worden ist.

Darin sieht man so schön, wie Sekten-Honks sich breitbrüstig und schmalhirnig vor Kritikern aufpumpen, diese fotografieren oder in absurde Diskussionen verwickeln.

Von Bernd Harder|GWUP–Die Skeptiker

Ach so – was genau ist der aktuelle Anlass?

Das überlassen wir der Phantasie von diversen “Netzfrauen” und MMS-Fans, die zurzeit um Psiram und den Deutschen Konsumentenbund herumschleichen.

Macht Euch doch nicht lächerlich, oder wollt Ihr ausgelacht werden, so wie diese Scientologen-Blödmannsgehilfen?

weiterlesen

Another Compilation of Richard Dawkins’ Best Arguments and Comebacks

dawkins

By Hemant Mehta|Friendly Atheist

Here’s another compilation of Richard Dawkins‘ best arguments and comebacks.