Archiv der Kategorie: Säkulares

Harald Range: “Unerträglicher Eingriff in Unabhängigkeit der Justiz”

Harald_Range
Generalbundesanwalt Harald Range greift seinen Vorgesetzten, Justizminister Heiko Maas (SPD), scharf an und warnt vor einem Eingriff in die Freiheit der Justiz.


Von Katrin Schulze, Christian Tretbar|DER TAGESSPIEGEL

Generalbundesanwalt Harald Range geht gegen Justizminister Heiko Maas (SPD) in die Offensive. Er berichtete am Dienstag, dass ein von ihm in Auftrag gegebenes externes Gutachten die Auffassung seines Hauses sowie des Bundesamtes für Verfassungsschutz bestätigte, wonach es sich bei den vom Blog Netzpolitik.org veröffentlichten Dokumenten um Staatsgeheimnisse handelte. Dieses Gutachten habe er am Montag an Maas überstellt. Dieser habe ihn dann aber angewiesen, das Gutachten zu stoppen und den Gutachterauftrag zurückzuziehen. Dieser Weisung sei er gefolgt.

Range belässt es aber nicht bei der Veröffentlichung dieses Vorgangs, sondern greift Maas direkt an. “Auf Ermittlungen Einfluss zu nehmen, weil deren mögliches Ergebnis politisch nicht opportun erscheint, ist ein unerträglicher Eingriff in die Unabhängigkeit der Justiz”, sagte Range. Die Presse- und Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut. “Dieses Freiheitsrecht gilt aber nicht auch nicht im Internet schrankenlos. Es entbindet Journalisten nicht von der Einhaltung der Gesetze.” (Die Erklärung von Harald Range gibt es hier im Wortlaut)

weiterlesen

Ältestes Tier der Welt verblüfft Forscher

So könnte Fractofusus ausgesehen haben © CG Kenchington
Erfolgreich dank Doppelstrategie: Eines der ältesten Tiere der Erde besaß bereits eine verblüffend raffinierte Fortpflanzung. Denn es kombinierte gleich zwei verschiedene Strategien miteinander. Es produzierte schwimmfähige Stadien, die mit der Strömung in günstige Regionen trieben. Dort angekommen, bildeten diese ihrerseits Nachkommen durch “Ableger”. Diese Doppelstrategie ist erstaunlich komplex für ein fast 570 Millionen Jahre altes Lebewesen, so die Forscher im Fachmagazin “Nature”.


scinexx

Heute gibt es im Tierreich eine Vielzahl ganz verschiedener Vermehrungs-Strategien. Neben der klassischen sexuellen Vermehrung – Männchen sucht Weibchen – gibt es auch Arten, die ganz ohne Paarung Nachwuchs produzieren. Viele wirbellose Tiere und sogar die Sägefische schaffen dies per Jungfernzeugung, andere Tiere wie Schwämme oder Polypen bilden eine Art Ableger, sie vermehren sich durch Knospung.

weiterlesen

Landesverrat in Maaßen

Das Bundesamt für Verfassungsschutz © verfassungsschutz.de, bearb. MiG
Wer meint, die Unfähigkeit des Inlandsgeheimdienstes mit dem irreführenden Namen „Verfassungsschutz“ wurde im NSU Komplex ausreichend belegt, reibt sich dieser Tage verwundert die Augen. Wolf Wetzel über den Generalbundesanwalt, Landesverrat und Pressefreiheit.


Von Wolf Wetzel|MiGAZIN

Über 13 Jahre lange befand sich der deutsche Inlandsgeheimdienst mit dem irreführenden Namen ‚Verfassungsschutz‘ im künstlichen Koma, als es darum ging, die Mord- und Terrorserie des NSU zu verhindern bzw. aufzuklären. Dass es auch ganz anders geht beweist diese Institution zurzeit: Der Chef dieser Behörde, Hans-Georg Maaßen, stellte Strafanzeige gegen die Herausgeber des Internet-Blogs: netzpolitik.org. Der Vorwurf lautet in aller Bescheidenheit: Landesverrat. Darauf steht im günstigsten Fall ein Jahr, im schlechtetsten Fall lebenslängliche Haft.

Der entsprechende § 94 im Strafgesetzbuch, hat die Präzision einer Schrotflinte: „Wer ein Staatsgeheimnis […] an einen Unbefugten gelangen läßt oder öffentlich bekanntmacht, um die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen, und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

weiterlesen

Wie US-Psychologen zur Folter beitrugen

Der “Krieg gegen den Terror” seine Folgen: Häftlinge und ihre Bewacher im Camp X-Ray auf Guantanamo. (Foto: dpa)
  • Eine Untersuchung zeigt, wie die Gesellschaft Amerikanischer Psychologen (APA) über Jahre am “Krieg gegen den Terror” der USA mitgewirkt hat.
  • Mitglieder der APA entwickelten nicht nur Foltermethoden, sondern waren auch anwesend, als man sie anwendete, etwa in Guantanamo.
  • Es ist von einer “systematischen Kollaboration” zwischen dem Verteidigungsministerium und der APA die Rede.


Von Sacha Batthyany|Süddeutsche.de

Erste Vorwürfe, dass amerikanische Psychologen in George W. Bushs “Krieg gegen den Terror” an der Ausarbeitung von Foltermethoden mitgewirkt hätten, gab es schon 2007. Doch nun liegt eine neue Untersuchung vor, für die interne Dokumente und E-Mails ausgewertet wurden. Sie zeigt, wie die Gesellschaft Amerikanischer Psychologen (APA) über Jahre systematisch mit dem Verteidigungsministerium zusammenarbeitete.

Basierend auf der Annahme, dass die menschliche Fähigkeit zur Selbstkontrolle bei extremer Angst und Verwirrung abnimmt, haben Mitglieder der APA Foltermethoden wie das berüchtigte Waterboarding nicht nur entwickelt; sie waren auch anwesend, als man sie anwendete, etwa in Guantanamo oder Abu Ghraib.

weiterlesen

Israel billigt härtere Verhörmethoden gegen jüdische Extremisten

Nach dem Brandanschlag auf eine palästinensische Familie hat Israel härtere Verhörmethoden auch gegen jüdische Verdächtige genehmigt.


derStandard.at

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr

Das Sicherheitskabinett habe grünes Licht etwa für gewaltsames Schütteln bei Verhören gegeben, sagte der Minister für Innere Sicherheit, Gilad Erdan, am Montag. Bisher waren solche Methoden nur bei Verhören palästinensischer Terrorverdächtiger zulässig.

“Das Sicherheitskabinett hat den Diensten erklärt: Alle Methoden sind koscher”, sagte Erdan. “Eine Verhörmethode wie Tiltul oder irgendetwas, das gemacht wird, wenn es um palästinensische Terroristen geht – dasselbe muss getan werden, wenn es um einen jüdischen Terroristen geht”, sagte Erdan im Rundfunk. Tiltul, das hebräische Wort für gewaltsames Schütteln eines Verdächtigen, war 1999 vom Obersten Gerichtshof verboten worden. Allerdings gibt es Sicherheitsexperten zufolge zulässige Ausnahmen.

weiterlesen

When robots eliminate jobs, humans will find better things to do

The Terminator films envisage a future in which robots have become sentient and are at war with humankind. Ray Kurzweil thinks that machines could become ‘conscious’ by 2029 but is optimistic about the implications for humans. Photograph: Solent News/Rex
The Terminator films envisage a future in which robots have become sentient and are at war with humankind. Ray Kurzweil thinks that machines could become ‘conscious’ by 2029 but is optimistic about the implications for humans. Photograph: Solent News/Rex
The fear of millions of jobs being automated out of existence by robots and artificial intelligence is real. Here’s how it will change the world — for the better.


By Jason Hiner|ZDNet

The specter of robots taking over many of the world’s jobs — from retail to manufacturing to janitorial work to the military — has been hanging over humanity for decades. The threat has expanded recently to include not just robots but also artificial intelligence — algorithms — with solutions like Google’s search engine and IBM Watson proving that not only can technology do manual labor better than humans but it can also solve problems better, in some cases.

Preparations should be made to help retrain and place workers whose jobs are being eliminated — especially since some of society’s most economically vulnerable people and communities will be hit the hardest by the transition.

But while plenty of jobs will be automated out of existence, many types of jobs will remain resilient to automation. And, many of the people whose jobs are replaced by machines and algorithms will do what human beings have always done when technology has forced one of these transitions — they find better and more interesting things to do with their time. Some of them will even invent new things and push humanity forward in the process.

read more

Is Our Universe a Fake?

universeRobert Lawrence Kuhn is the creator, writer and host of “Closer to Truth,” a public television and multimedia program that features the world’s leading thinkers exploring humanity’s deepest questions. Kuhn is co-editor, with John Leslie, of “The Mystery of Existence: Why Is There Anything at All?” (Wiley-Blackwell, 2013). This article is based on a “Closer to Truth” episode produced and directed by Peter Getzels. Kuhn contributed this article to Space.com’s Expert Voices: Op-Ed & Insights.

By Robert Lawrence Kuhn|Space.com

I began bemused. The notion that humanity might be living in an artificial reality — a simulated universe — seemed sophomoric, at best science fiction.

But speaking with scientists and philosophers on “Closer to Truth,” I realized that the notion that everything humans see and know is a gigantic computer game of sorts, the creation of supersmart hackers existing somewhere else, is not a joke. Exploring a “whole-world simulation,” I discovered, is a deep probe of reality.

David Brin, sci-fi writer and space scientist, relates the Chinese parable of an emperor dreaming that he was a butterfly dreaming that he was an emperor. In contemporary versions, Brin said, it may be the year 2050 and people are living in a computer simulation of what life was like in the early 21st century — or it may be billions of years from now, and people are in a simulation of what primitive planets and people were once like.

Philosopher Nick Bostrom, director of the Future of Humanity Institute at Oxford University, describes a fake universe as a “richly detailed software simulation of people, including their historical predecessors, by a very technologically advanced civilization.”

It’s like the movie “The Matrix,” Bostrom said, except that “instead of having brains in vats that are fed by sensory inputs from a simulator, the brains themselves would also be part of the simulation. It would be one big computer program simulating everything, including human brains down to neurons and synapses.”

read more

Riskantes Tüfteln am Erbgut

Markus Hengstschläger ist Leiter des Instituts für Medizinische Genetik und Organisationseinheitsleiter des Zentrums für Pathobiochemie und Genetik an der Medizinischen Universität Wien

Die Entwicklung der gentechnischen Methoden schreitet rasant voran – damit scheint auch die Keimbahntherapie in greifbare Nähe zu rücken. Der Genetiker Markus Hengstschläger macht in einem Gastbeitrag auf die möglichen Risiken solcher Eingriffe aufmerksam: Die Wechselwirkung der Gene sei noch viel zu wenig erforscht.

Von Markus Hengstschläger|SCIENCE.ORF.at

Kein Mensch gleicht dem anderen. Der Mensch ist das Produkt der Wechselwirkung aus Genetik und Umwelt. Als Mechanismus seiner biologischen Entstehung dient sexuelle Reproduktion. Das Ergebnis dieser Art von Fortpflanzung ist eigentlich Ungleichheit. Bei sexueller Reproduktion wird nämlich durch so genannte Rekombinationsprozesse dafür Sorge getragen, dass die “genetischen Karten” immer wieder neu gemischt werden. So ist schließlich schon (fast) jeder Mensch auf der Ebene seiner DNA individuell.

Und auch eineiige Zwillinge, die gewissermaßen mit dem gleichen genetischen Ausgangsmaterial starten und daher die Ausnahme darstellen, sind eigentlich auch gleich wieder ungleich, weil schon vom embryonalen Zeitpunkt ihrer Entwicklung an ihr epigenetischer Code, der Verwendung und Umsetzung genetischen Materials regulieren kann, auseinanderweicht. Dazu kommt, dass auf zwei Menschen nie die genau gleiche Umwelt wirken kann, was die Ungleichheit der Menschen enorm erweitert. Und je länger ein Mensch lebt, umso ungleicher wird er all den anderen Menschen dieser Welt.

Kaum Interesse der Industrie

Eine besondere Bedeutung bekommen Begriffe wie “Gleichheit” und “Ungleichheit” vielleicht im Zusammenhang mit genetischen Ursachen für die Entstehung von Erkrankungen des Menschen. Mehrere Tausend Gene des Menschen können, wenn in ihrer DNA Sequenz bestimmte Veränderungen (Mutationen) auftreten, kausal mit Krankheiten assoziiert sein. Für manche solcher monogenen Erkrankungen stehen heute bereits gute Therapien, in manchen Fällen sogar effizient anwendbare prophylaktische Ansätze, zur Verfügung, für viele leider aber noch nicht. Die Schere zwischen genetischer Diagnostik und Therapie ist noch groß.

Es gibt viele verschiedene monogene Erkrankungen, jede einzelne davon kommt aber meist nur sehr selten vor. Was auch der Grund dafür ist, dass die Forschung an diesen seltenen Erkrankungen zumeist an Universitäten angesiedelt ist. Das Interesse der Pharmaindustrie ist zu oft enden wollend, weil sich selbst ein effizientes Therapeutikum nicht in großen Mengen verkaufen ließe.

weiterlesen

Wünschelrutengänger liegt verdächtig oft richtig

Foto: Getty Images/Dorling Kindersley Es gibt vier mögliche Erklärungen für das gute Ergebnis des Wünschelroutengängers im Test
Damit hat die Gesellschaft für die Untersuchung von Parawissenschaften nicht gerechnet: Ein Kandidat hätte ihren Test beinahe bestanden. Das Ergebnis erscheint den Wissenschaftlern suspekt.


Von Teresa Nauber|DIE WELT

Wasser oder kein Wasser – das war die Frage, die Bernd Textor beantworten sollte: mit seiner Wünschelrute. Seit mehr als zehn Jahren lädt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) Rutengänger und Hellseher ein, um ihre Fähigkeiten ernst zu nehmenden Tests zu unterziehen, eigentlich um zu beweisen, dass alles nur Hokuspokus ist. Bernd Textor sollte beantworten, ob durch einen Gartenschlauch Wasser floss oder Pressluft – und überraschte die Wissenschaftler. In 36 von 50 Fällen lag er richtig. Das ist deutlich mehr, als durch Zufall zu erwarten wäre.

Mit dem Versuchsaufbau gibt sich die Gesellschaft viel Mühe. Die Rutengänger sollen unter Bedingungen getestet werden, die hinterher tatsächlich darüber Aufschluss geben, ob paranormale Kräfte vorliegen könnten oder nicht. Bisher hat noch nie jemand den Test bestanden, indem er 40 von 50 Mal richtig lag. Aber ein so hoher Ergebnis wie Textor hat bisher niemand erzielt.

weiterlesen

Dodo Schavan im apostolischen Paradies für Ungelernte

Von der deutschen Politik in den Vatikan: Ex-Bildungsministerin Annette Schavan ist seit einem Jahr Botschafterin Deutschlands beim Heiligen Stuhl. Wie ihr ihre Arbeit gefällt, hat sie “Radio Vatikan” erzählt.


domradio.de

Annette Schavan (Bild: Wikimedia Commons/Laurence Chaperon, CC-BY-SA 3.0)
Annette Schavan (Bild: Wikimedia Commons/Laurence Chaperon, CC-BY-SA 3.0)

Für jemanden, der den Berliner Politikbetrieb gewohnt ist, sind die Erfahrungen im Vatikan etwas ganz Neues: Die Diplomatie sei auf lange Linien angelegt und auf Nachhaltigkeit. Als Politiker träume man davon, so arbeiten zu können. Annette Schavan ist seit einem Jahr Botschafterin Deutschlands beim Heiligen Stuhl, davor war sie Bildungsministerin im Bundeskabinett.

Papst als moralische Instanz

Sie lobte vor allem die Friedensdiplomatie des Vatikan. Den Papst bezeichnete sie als einen moralischen Kompass und “unglaublich ermutigend für viele”. Franziskus gehöre “nicht zu einer Partei, nicht zu einer Nation, nicht zu einer Region der Welt, er spricht nicht aus diesem oder jenem Interesse heraus, sondern im Verständnis der Welt als über den Parteien stehend”, so Schavan.

weiterlesen

Sternenwanderung in der Milchstraße entdeckt

Wanderung von Sternen in der Milchstraße © Dana Berry/SkyWorks Digital, Inc., SDSS Collaboration
Überraschender Ortswechsel: Die Position der Sterne in der Milchstraße ist nicht so stabil wie gedacht. Denn rund ein Drittel aller Sterne hat im Laufe ihres Lebens die galaktische Umlaufbahn dramatisch verändert. Sie stehen heute weit entfernt von ihrem ursprünglichen Entstehungsgebiet, wie eine Kartierung der Sternenchemie in unserer Galaxie ergab. Dies sei ein erster Beleg für eine solche stellare Migration in der gesamten Milchstraße, so die Forscher im Fachmagazin “The Astrophysical Journal”.


scinexx

Unsere Milchstraße ist ein durchaus dynamischer Ort: Das Schwarze Loch in ihrem Zentrum saugt Materie an, Sternenexplosionen lassen Sterne durch die Galaxie rasen und sowohl im Zentrum als auch in den Außenbereichen der Milchstraße entstehen neue Sterne in gewaltigen Gasnebeln. Die Grundstruktur der Galaxie und die relative Position eines Großteils ihrer Sterne galten aber bisher als relativ stabil.

Sternenchemie verrät Geburtsort

Doch Michael Hayden von der New Mexico State University in Las Cruces und seine Kollegen haben diese Annahme nun widerlegt. Für ihre Studie analysierten sie im Rahmen des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) die chemischen Zusammensetzung von fast 70.000 Roten Riesen in verschieden Gebieten der Milchstraße. Anhand der charakteristischen Spektrallinien im Licht dieser Sterne ermittelten sie den Anteil verschiedener schwerer Elemente.

weiterlesen

Trennung von Staat und Religion ist unschätzbar wichtig

Themenbild
Themenbild
Die Hälfte der Berliner hat kein Problem damit, wenn eine muslimische Lehrerein an einer staatlichen Schule mit einem Kopftuch unterrichtet. Unsere Chefredakteurin begrüßt die Toleranz und erinnert gleichzeitig daran, dass es ohne staatliche Neutralität keine Freiheit der Religion gibt.


Von Brigitte Fehrle|Berliner Zeitung

In der Apotheke meiner Wahl treffe ich in aller Regel Frauen mit Kopftuch an. Hinter dem Verkaufstresen wohlgemerkt. Das stört mich weder noch freut es mich. Es ist für mich Teil einer Normalität in der Großstadt Berlin, die ich kaum wahrnehme. Ob die Frauen das Kopftuch aus religiösen, politischen oder modischen Gründen tragen, ist dabei für mich völlig unerheblich. Ich erwarte kompetente Bedienung und Beratung.

So weit ist die Sache einfach. Sprechen wir aber von Lehrerinnen, Richterinnen, Staatsanwältinnen, Justizvollzugsbeamtinnen, so ist die Frage anders zu beurteilen. Die Trennung von Staat und Religion ist ein unschätzbar wichtiger und fundamental bedeutender Grundsatz in unserem Land.

weiterlesen

Israel: Soziologische Essays

Die Essay-Sammlung der israelischen Soziologin Eva Illouz gehört zu den interessantesten Veröffentlichungen zur Identität des Staates Israel.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Die Autorin ist mit der Politik der rechtsextremen Netanyahu-Regierung absolut nicht einverstanden und spricht sich für ein säkulares, liberales und weltoffenes Israel und gegen die vorherrschende nationalistische und rassistische Engstirnigkeit aus. Dass die zunehmende Fokussierung der israelischen Politik auf Ethnie und Religion den liberalen Charakter des Staates zu unterwandern drohe, fragt sich der Leser, ob dies nicht schon längst geschehen sei, wenn man ohne ideologische Scheuklappen die Entwicklung Israels verfolgt.

Illouz setzt sich für eine Staatsbürgerschaft ein, die nicht ethnisch begründet ist, weil dadurch alle Nicht-Juden zu Bürgern zweiter Klasse degradiert würden. “Ein Rassismus, der aus der Bevölkerung komme, ist etwas anderes als ein Rassismus, der sich in den Gesetzen des Staates niederschlägt.”

Die Autorin war religiös und in der orthodoxen Glaubenswelt zuhause. Sie hat lange in Frankreich und den USA gelebt. Ihre “säkulare Epiphanie” erlebte sie, als ein religiöser Extremist Ministerpräsident Yitzhak Rabin 1995 ermordete. Für die Autorin sind die Privilegien der Orthodoxen und die absolute Macht des Oberrabinates völlig inakzeptabel; beide gehörten abgeschafft.

weiterlesen

Flüchtlinge in Tschechien: Präsident Zeman schlägt harten Ton an

Harte Worte gegen Flüchtlinge: Der tschechische Präsident Milos Zeman kommentiert eine Revolte von Flüchtlingen in einem Abschiebezentrum mit den Worten: “Niemand hat euch hierher eingeladen”.


Frankfurter Rundschau

Miloš Zeman, 3. Präsident der Tschechischen Republik, 2013. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der tschechische Präsident Milos Zeman hat nach einer Revolte von Flüchtlingen in einem Abschiebezentrum einen harten Ton gegenüber illegal einreisenden Migranten angeschlagen. “Niemand hat euch hierher eingeladen”, sagte Zeman in einem Interview, das am Sonntag in der Online-Ausgabe der Zeitung “Blesk” veröffentlicht wurde. “Wenn ihr schon hier seid, müsst ihr unsere Regeln respektieren, so wie wir die Regeln respektieren,wenn wir in euren Ländern sind”, fügte Zeman hinzu.

Am Donnerstag und Freitag war die tschechische Polizei mit Tränengas in einem Abschiebezentrum im Nordwesten des Landes gegen revoltierende Flüchtlinge vorgegangen. Rund hundert Migranten hatten nach Polizeiangaben in Bela-pod-Bezdezem Widerstand gegen die Beamten geleistet. Demnach versuchten die vor allem aus Afghanistan, Pakistan und dem Irak stammenden Flüchtlinge aus dem Zentrum auszubrechen. Sie sollten in die europäischen Länder abgeschoben werden, in denen sie erstmals den Schengen-Raum betraten.

weiterlesen

Cannabis: Die Enttabuisierung einer Droge

Seit einigen Jahren wird die Cannabis-Forschung eifrig vorangetrieben. Die Belege für den medizinischen Nutzen sind mittlerweile erstaunlich und werden nicht länger ignoriert – von der Kifferdroge zum Heilmittel.


Von Hampton Sides und Jürgen Nakott|stern.de

Bild: Wikimedia commons/Bogdan (CC BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia commons/Bogdan (CC BY-SA 3.0)

In 5000 Jahre alten Grabhügeln in Sibirien fanden Archäologen Cannabissamen. Die Chinesen nutzten die Pflanze schon vor Jahrtausenden als Grundlage für Arzneimittel. In der Geschichte der Menschheit waren Cannabisprodukte zumeist legal, sie waren ein Bestandteil vieler medizinischer Tinkturen und Extrakte – auch in Deutschland.

Dann kam das 20. Jahrhundert. 1930 lief der Film “Reefer Madness” (“Kiffer-Wahnsinn”) in den Kinos, ein von der Kirche finanzierter Streifen über Marihuana als Mörder der Jugend. Das Killergras. Die Einstiegsdroge. Das war der Beginn der Kriminalisierung von Cannabis.

Doch nun naht die Befreiung. Seit einigen Jahren wird die Cannabisforschung wieder vorangetrieben.

weiterlesen

Thomas Mann verfolgte “Christlichen Humanismus”

Es ist müßig, Thomas Mann (1875-1955) als Schriftsteller zu würdigen; auch seine Größe als einer der einflussreichsten Literaten und Denker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist selbsterklärend. Schon schwieriger gestaltet sich da die Beschreibung des Humanismus, für den Thomas Mann stand.


kathweb

Thomas Mann, 1937 Foto von Carl van Vechten.  wikimedia.org/PD

Dieser – so die These des Göttinger Literaturwissenschaftlers und Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering – war vor allem in der Spätzeit Manns deutlich “religiös imprägniert” und könne ohne Umschweife als “Christlicher Humanismus” bezeichnet werden. Detering erörterte diese These am Sonntag in Salzburg in seinem Festvortrag zum Abschluss der heurigen “Salzburger Hochschulwoche”.

Doch der Weg zu diesem christlich imprägnierten Humanismus, den Mann vor allem in der Zeit des US-amerikanischen Exils in den 1940er Jahren in der “First Unitarian Church of Los Angeles” entfaltete, war weit: “Humanismus war Thomas Mann eigentlich ein Gräuel”, so Detering im Blick auf den frühen Thomas Mann. Die Kritik entzündete sich vor allem an jenen Formen des Humanismus’, die darunter ein “selbstsicheres Festhalten am klassischen Erbe” des Humanismus verstanden. Erst 1913 tauchte daher das Wort Humanismus in einem Nachruf auf Manns Schriftsteller-Freund Friedrich Huch, in dessen Werken Mann einen “neuen Humanismus” zu erkennen glaubte, der die bisherige humanistische Treffnung von Natur und Kultur, von Körper und Geist zu überwinden versuchte.

Diesem Ziel – nämlich dem Widerstand gegen jede “Erstarrung humanistischer Bildungskultur” – blieb Mann zeitlebens verbunden, so Detering weiter – ebenso seinem Schopenhauer verdankten Argwohn jeder optimistischen Überhöhung des Menschenbildes und Weltverständnisses gegenüber. So zielte Mann in seinen Überlegungen zum Humanismus zunächst auf eine Verbindung einer weitgehend pessimistischen Weltsicht, die “vom Tode weiß”, mit einer bleibenden “Lebensfreundlichkeit” – literarisch entfaltet finde man diese etwa im “Zauberberg” (1924).

weiterlesen

Die Rechtslage: Journalisten dürfen keine Staatsgeheimnisse verraten

Generalbundesanwalt Harald Range, aufgenommen am 04.06.2014 in Karlsruhe (Baden-Württemberg). – Foto: dpa
Journalisten dürfen keine Staatsgeheimnisse verraten – so haben Verfassungsrichter bisher geurteilt. Dennoch muss im Einzelfall das Interesse des Staates mit der Pressefreiheit abgewogen werden.


Von Ursula Knapp|DER TAGESSPIEGEL

Die Wellen um das Ermittlungsverfahren gegen den Blog Netzpolitik.org schlugen am Wochenende weiter hoch. Darf gegen Journalisten wegen Landesverrats ermittelt werden, wenn sie geheime Dokumente veröffentlichen? Hat Generalbundesanwalt Harald Range das Grundrecht der Pressefreiheit verletzt?

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen verteidigte in der „Bild am Sonntag“ seine Strafanzeige wegen Herausgabe geheimer Dokumente des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV). Er müsse die Arbeitsfähigkeit seines Hauses im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus sicherstellen, begründete Maaßen sein Vorgehen. Die Strafanzeige war Grundlage dafür, dass Generalbundesanwalt Harald Range ein Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats gegen den Blog-Gründer Markus Beckedahl und den Autor André Meister einleitete.

weiterlesen

Know Your Language: Brainfucked by Brainfuck

Image: Petit Computer Wiki
Image: Petit Computer Wiki
I’m not so sure Brainfuck is an actual brainfuck so much as it is exhausting. Nor was it meant to be a brainfuck, for that matter.


By Michael Byrne|MOTHERBOARD

By most accounts, the esoteric programming language’s founder, Urban Müller, was interested in creating a Turing-complete language that had the smallest possible compiler, which is the in-between program that coverts high level languages like C to a given computer architecture’s machine-representational assembly instructions. Müller wanted tiny, the complete minimum that a language could be and still be a “real” language.

The Brainfuck compiler is down to about 171 bytes now, which is about half the capacity of all of the processor registers in a canonical x86 architecture combined. That is, you could imagine running it without using any memory outside of the actual processor cores. That is truly an accomplishment, of sorts.

While Brainfuck is knotty as hell, there’s a satisfying element. For one thing, any other programming language that I can think of takes assembly code and adds more structural and syntactical complexity while also adding new layers of abstraction. Which is the point of high-level languages. Things become simpler as code gets more specific and more abstract, but there’s also a lot of extra stuff that comes with high-level languages and their myriad extensions and outgrowths. Below the surface, things become muddier, more opaque.

read more

Die tödlichen Zweifel des deutschen Dschihadisten

Tweets über den möglichen Tod des Kickboxers Valdet Gashi Bild:Twitter/DIE WELT
Ein deutscher Thaiboxer wird zum Dschihadisten und tritt der Terrormiliz IS bei. Doch in Syrien ist er sich seiner Sache plötzlich nicht mehr sicher und wendet sich an einen deutschen Politiker.


Von Alfred Hackensberger|DIE WELT

Seine rote Glitzerjacke funkelte im Scheinwerferlicht, zu wummerndem Rap schritt er in den Ring, und jeder im Publikum kannte seinen Namen: Valdet Gashi, deutscher Thaiboxer und mehrfacher Weltmeister. Doch er wird nie wieder in den Ring steigen. Gashi trat im Oktober 2014 der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei, reiste nach Syrien, um “Gutes zu tun”. Im Juni soll der IS den 28-Jährigen hingerichtet haben. Gashi hatte am Kurs der Terrormiliz gezweifelt – Zweifel, die er einem deutschen Politiker über Facebook mitteilte. Ein seltener Einblick in den Sinneswandel eines Terroristen.

weiterlesen

Israel will härter gegen jüdische Terroristen vorgehen

Wütend: Israelische Sicherheitskräfte halten Palästinenser nahe des Tempelbergs zurück, die nach dem Tod des Kleinkindes demonstrieren am Sonntag demonstrieren. ©AFP
Nach dem Tod eines Kindes beim Anschlag auf eine palästinensische Familie wird Kritik an den israelischen Sicherheitskräften laut: Terrorismus von Juden müsse ebenso effektiv bekämpft werden wie der von Palästinensern.


Von Hans-Christian Rößler|Frankfurter Allgemeine

Nach dem jüngsten Ausbruch der Gewalt greift die israelische Regierung härter gegen potentielle jüdische Terroristen durch. Verteidigungsminister Mosche Jaalon ordnete am Sonntag an, Israelis, die Anschläge planten, in sogenannte Administrativhaft zu nehmen. Bisher wurde diese Art des Gewahrsams nur gegen Palästinenser verhängt. Sie dürfen ohne ordentliches Gerichtsverfahren sowie Zugang zu Anwalt und Besuchsrecht monatelang festgehalten werden. In Israel war nach dem Brandanschlag am Freitag, bei dem im Westjordanland ein 18 Monate alter Junge umgekommen war, Kritik an den Sicherheitskräften laut geworden. Die Regierung habe es versäumt, den Inlandsgeheimdienst Schinbeth mit ausreichenden Kompetenzen auszustatten, um jüdischen Terrorismus ähnlich schnell und effizient zu bekämpfen, wie das bei Palästinensern der Fall sei, kritisierte die Zeitung „Jediot Ahronot“ am Sonntag. Das Attentat am Freitag zeige, dass „wir nicht besser sind als sie“, heißt es in einem Kommentar der Zeitung, der Israelis und Palästinenser vergleicht.

weiterlesen