Weiterentwicklung der Evolutionstheorie?

Eva Jablonka, Marion J. Lamb
Evolution in vier Dimensionen
Aus dem Englischen von Martin Battran und Sabine Grauer

Bei Debatten rund um die Evolutionstheorie kommt das Gespräch heute rasch auf den Kreationismus, also die Auffassung, alle Lebewesen seien durch das Eingreifen eines schöpferischen Gottes in natürliche Vorgänge entstanden.

Von Maren Emmerich | Spektrum.de

Die Verfechter dieser Pseudowissenschaft artikulieren sich in den Vereinigten Staaten dermaßen lautstark, dass sie einen durchaus erheblichen Einfluss auf das Bildungswesen nehmen konnten. In Europa ist der Kreationismus eine Randerscheinung, findet aber Zulauf. Dazu mag beitragen, dass die Synthetische Evolutionstheorie, welche die klassischen Arbeiten von Alfred Russel Wallace und Charles Darwin mit der Genetik und anderen neueren Fachdisziplinen verknüpft, noch etliche Fragen offen lässt, obwohl sie wissenschaftlicher Konsens ist. Evolutionsbiologen arbeiten deshalb daran, die Theorie zu erweitern und die Wissenslücken zu schließen.

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Wanka will Anteil von Migranten in Schulklassen begrenzen

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) Quelle: dpa
Der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund solle in Schulklassen künftig „möglichst ausgewogen sein“.

DIE WELT

  • Das fordert Bildungsministerin Johanna Wanka. Sie sei allerdings gegen eine starre Quote.
  • Wanka forderte die Eltern in Migrationsfamilien zudem auf, zu Hause mehr Deutsch zu sprechen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, mit Blick auf eine erfolgreiche Integration in Schulklassen den Migrantenanteil zu begrenzen.

„Ich bin gegen eine starre Quote, denn die regionalen Unterschiede sind groß“, sagte Wanka dem am Samstag erschienen „Focus“. „Klar ist aber, dass der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund möglichst ausgewogen sein muss.“

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‚Everything I Stand for Is Being Threatened Right Now:‘ The Best Signs at the March for Science

Image: MOTHERRBOARD
Thousands of scientists and allies of science march on Washington, DC.

By Jason Koebler | MOTHERBOARD

The water cycle is definitely working at the March for Science in Washington, DC. These people braved the elements to stand up for truth and data-driven policies. I asked them each a bit about why they came.

„I was planning to drive my electric car to give people rides and yesterday there was a microburst in my community. Ten of them fell down in my community and one blocked the entrance so no one could leave. I looked around at those trees and I said, ‚This is a sign,‘ so I made a sign.“ – Lynne Parsons

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Die Top 10 der merkwürdigsten Dinge, die Menschen glauben

Bild: Pixabay.com
Michael Shermers „Hitliste“ abstruser Vorstellungen, die weit verbreitet sind. Im ersten Teil Platz 6 bis 10.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Seit der Veröffentlichung meines Buches „Warum Menschen merkwürdige Sachen glauben“ (1997) wurde ich gefragt, was in meiner Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert professionellen Skeptizismusses die abstrusesten Dinge seien, die Menschen glauben. Ich dachte, es wäre lustig und instruktiv eine Top 10 Liste zusammenzustellen. Natürlich sind die Kriterien, was „merkwürdig” ist zwangsläufig subjektiv, aber im Allgemeinen spreche ich über Dinge, die von den meisten Experten als unwahr abgetan werden, die aber dennoch in unserem kollektiven kulturellen Bewusstsein Fuß fassen konnten. Außerdem ziehe ich die allgemeinen Auswirkungen der Behauptungen auf die Gesellschaft in Betracht. Die Überzeugung, dass die Erde flach oder hohl ist, mag merkwürdig sein, aber es ist nichts über das die Allgemeinheit großartig nachdenkt. Im Gegensatz dazu scheinen die folgenden zehn Hirngespinste die Gedanken der Menschen nahezu anzuziehen.

#10. URALTE AUSSERIRDISCHE

Die Überzeugung, dass Außerirdische seit Jahrtausenden die Erde besuchen, wurde zur Massenbewegung, als Erich von Däniken 1968 sein Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ veröffentlichte, das ein internationaler Bestseller wurde. Verlage lieben solche Goldesel und Verkäufe im zweistelligen Millionenbereich sorgten für zahlreiche Folgebücher, wie „Aussaat und Kosmos“, „Die Götter waren Astronauten“ und natürlich, gerade rechtzeitig zur Weltuntergangs Hysterie vom 21. Dezember 2012, „Götterdämmerung – Die Rückkehr der Außerirdischen“. Auf diese Rückkehr warten die Erdlinge noch heute.

Das jüngste Ventil für den Glauben, das antike Völker nicht in der Lage gewesen sein können, solche unglaublichen Leistungen wie das pyramidenförmige Aufeinanderstellen von zugeschnittenen Steinen zu vollbringen, ist der History Channel, oder genauer H2, dem bezeichnenderweise der Sauerstoff (O) des Originals fehlt. Dessen Serie „Ancient Aliens – Unerklärliche Phänomene“ präsentiert vom blauäuigen, volltourpierten Weltverbesserer Giorgio Tsoukalos, dessen Leitthema sich am besten in einem Poster mit seinem trotteligen Gesichtsausdruck und dem Ausspruch wiederfindet: „Ich sage nicht, dass es Außerirdische sind… aber es sind Außerirdische.”

Der Grund, dass es dieses Thema in die Top Ten geschafft hat, ist dessen Allgegenwart (77% der Amerikaner glauben, dass es Zeichen dafür gibt, dass Aliens zu irgendeiner Zeit die Erde besucht haben) und die Exemplarität für den logischen Trugschluss, den man als argumentum ad ignorantiam, bzw. Argument aus Unwissenheit kennt. Die unlogische Argumentation geht wie folgt: Wenn es keine zufriedenstellende irdische Erklärung für die ägyptischen Pyramiden oder beliebige andere antike Landmarken – wie die Nazca Linien Perus oder die Statuen der Osterinseln – gibt, so muss die extraterrestrische Theorie, dass sie von fremden Wesen geschaffen wurden, wahr sein.

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Die Top 10 der merkwürdigsten Dinge, die Menschen glauben#

Bild: Pixabay.com
Michael Shermers „Hitliste“ abstruser Vorstellungen, die weit verbreitet sind. Im zweiten Teil Platz 1 bis 5.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Seit der Veröffentlichung meines Buches „Warum Menschen merkwürdige Sachen glauben“ (1997) wurde ich gefragt, was in meiner Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert professionellen Skeptizismusses die abstrusesten Dinge seien, die Menschen glauben. Ich dachte, es wäre lustig und instruktiv eine Top 10 Liste zusammenzustellen. Natürlich sind die Kriterien, was „merkwürdig” ist zwangsläufig subjektiv, aber im Allgemeinen spreche ich über Dinge, die von den meisten Experten als unwahr abgetan werden, die aber dennoch in unserem kollektiven kulturellen Bewusstsein Fuß fassen konnten. Außerdem ziehe ich die allgemeinen Auswirkungen der Behauptungen auf die Gesellschaft in Betracht. Die Überzeugung, dass die Erde flach oder hohl ist, mag merkwürdig sein, aber es ist nichts über das die Allgemeinheit großartig nachdenkt. Im Gegensatz dazu scheinen die folgenden zehn Hirngespinste die Gedanken der Menschen nahezu anzuziehen.

 

#5. JFK VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN

Kevin Costner hatte auf Anhieb Recht, als er in dem 1988 erschienenen Film Annies Männer Susan Sarandons Charakter erklärte: „Ich glaube Lee Harvey Oswald hat allein gehandelt“ (neben anderen Wahrheiten wie „Viele Ballaststoffe, guter Scotch, der richtige Zeitpunkt, Softcore Pornos, die Weihnachtsgeschenke am Morgen statt am Heiligen Abend zu öffnen” und höchst einprägsam, „Ich bin Anhänger von langen, langsamen, tiefen, sanften, nassen Küssen, die drei Tage andauern”). Im Gegensatz zu Costners 1991er Film JFK, in dem er unvergesslich immer und immer wiederholte „hinten und links”, um klar zu machen, dass es mehrere Schützen – mindestens drei Teams – gab, versteckt im Dealey Plaza, in Position im Dal-Tex Gebäude, auf der von Rasen bedeckten Anhöhe, hinter dem Zaun, auf der Autobahnbrücke… die Möglichkeiten werden nur durch die Vorstellungskraft beschränkt.

Diese Theorie schafft es auf die Liste, weil sie sich im Laufe des letzten halben Jahrhunderts zur Mutter aller Verschwörungstheorien entwickelt hat (vielleicht mittlerweile von der nächsten auf der Liste abgelöst) und bemerkenswerte Verbreitung in der Öffentlichkeit genießt. Eine 2009 von CBS News durchgeführte Umfrage zum Beispiel ergab, dass 60-80% der Amerikaner glauben, dass Präsident Kennedy das Opfer eines Mord Komplotts wurde.

Auch wenn die Verschwörungstheorien große Unterstützung haben, so sind sie doch alle falsch. Oswald handelte allein. Wenn Gerald Posners vernichtendes Enthüllungsbuch „Case Closed“ es Ihnen nicht klarmacht (für mich tat es das), Vincent Bugliosis gigantisches „Reclaiming History“ zerstört auf 1648 Seiten (oder in der „Kurzfassung“ „Four Days in November“ mit schlanken 688 Seiten) jede einzelne Behauptung, die für die Verschwörung sprechen. Betrachten wir nur ein paar der vielen Fakten, die nicht gerade für die Anhänger der Verschwörung sprechen:

Verschwörungstheoretiker machen viel Aufhebens um die Tatsache, dass Oswald gerade erst einen Job in einem Gebäude auf JFKs Route gefunden hatte, was darauf hindeute, dass er dort von Verschwörern eingeschleust wurde. Tatsächlich hat Gerald Posner die zeitliche Abfolge aber minutiös zurückverfolgt, bis zu dem Zeitpunkt an dem im Weißen Haus die Entscheidung fiel, dass Kennedy überhaupt nach Dallas reisen sollte, was weit nach der Einstellung Oswalds war. Es war reiner Zufall.

Oswalds Carcano Repetiergewehr – mitsamt seinen Fingerabdrücken – wurde im sechsten Stock des Texas Schulmittel-Lagerhauses, in dem er auch angestellt war, gefunden, in einem Scharfschützennest, das er aus Kartons, ebenfalls mit seinen Fingerabdrücken, gebaut hatte.

Drei dort gefundene Hülsen entsprechen den, laut Aussagen von 81% der Zeugenaussagen des Dealey Plaza berichteten, drei Schüssen.

Tests mit diesem Gewehrtyp ergaben, dass drei Schuss in der Zeit die Oswald hatte, möglich sind.

Das Carcano war die gleiche Waffe, die Oswald im März 1963 im Versandhandel kaufte.

Mitarbeiter sahen Oswald im sechsten Stock des Gebäudes kurz bevor JFKs Autokorso eintraf und sahen ihn auch kurze Zeit später, nach dem Attentat, das Gebäude verlassen.

Oswald ging nach Hause und holte seine Pistole, machte sich wieder auf den Weg und wurde kurze Zeit später von J.D. Tippet, einem Streifenpolizisten der Dallas Police gestoppt. Ihn erschoss Oswald mit vier Kugeln, was von zahlreichen Augenzeugen belegt ist. Er floh vom Tatort in ein nahegelegenes Theater ohne Eintritt zu zahlen. Die Polizei wurde gerufen und Oswald wurde gestellt. Er zog seinen Revolver und versuchte auf einen Polizisten zu schießen, hatte jedoch Ladehemmung und wurde verhaftet, was er mit den Worten „Nun, dann ist jetzt alles vorbei.“ quittierte.

Und so ist es. Vorbei ist’s mit all den JFK Verschwörungstheorien. Oswald handelte allein. Punkt.

#4. 9/11 VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN

War 9/11 ein „Inside Job”? Soll heißen, hat die Bush Administration die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon am 11, September 2001 fingiert? Nein.

Viele Leute denken, es wäre möglich, oder das Präsident Bush und seine Berater zumindest im Vorfeld der Angriffe von diesen wussten und sie geschehen ließen, um die amerikanische Öffentlichkeit für einen Krieg gegen den Irak zu einen. Um einen Job zu beenden, den Bushs Vater begonnen, aber nicht zu Ende gebracht hatte und die Interessen am irakischen Öl und an den Verbündeten im Mittleren Osten zu wahren. Genauso wie ich niemals geglaubt hätte, dass es die Holocaust-Leugnung irgendwie in die allgemeine Medienlandschaft schaffen würde, konnte ich mir nie vorstellen, dass 9/11 Leugnung irgendwie medial auf die Beine kommen würde. Aber jetzt kommt es nicht nur auf die Beine, sondern trägt sogar 7-Meilenstiefel und daher haben wir uns beim Skeptic Magazin entschlossen, eine vollständige Widerlegung aller 9/11 Verschwörungsthemen zu veröffentlichen.

Der Glaube, dass eine Handvoll ungeklärter Anomalien eine gängige Theorie unterminieren kann, ist das Herzstück jedes Verschwörungsdenkens und ist leicht durch die Anmerkung zu widerlegen, dass Glaube und Theorien nicht auf einzelnen Fakten beruhen, sondern auf einer Ansammlung von Beweisen aus verschiedensten Untersuchungen. Alle „Beweise“ für eine 9/11 Verschwörungstheorie fallen in diese Rubrik von Trugschlüssen. Im Gegensatz dazu sind die Beweise für eine echte Verschwörung durch Osama bin Laden und Al-Qaida überwältigend. Zum Beispiel:

Der Angriff auf die Armeeunterkünfte im Libanon von einer radikalen Hisbollah Fraktion 1983.

Der Bombenangriff auf das World Trade Center 1993.

Der Versuch, 12 von den Philippinen in Richtung USA gestartete Flugzeuge zu sprengen 1995.

Die Bombenanschläge auf die US Botschaft in Kenia und Tansania 1995, die 12 Amerikaner und 200 Kenianer und Tansanier töteten.

Die Angriffe auf den Khobar Tower in Saudi Arabien 1996, bei denen 19 amerikanische Militärangehörige starben.

Der versuchte Anschlag auf den Los Angeles International Flughafen durch Ahmed Ressam 1999.

Der Selbstmordanschlag 2000 mit einem Boot auf die U.S.S. Cole, bei dem 17 Seeleute getötet und weitere 39 verletzt wurden.

Die ausführlich dokumentierten Beweise, dass Osama bin Laden ein führender Finanzier und Führer Al-Qaidas war.

Die 1996 durch Bin Laden erklärte Fatwa, die den Jihad gegen die Vereinigten Staaten ausrief.

Die 1998 erlassene Fatwa, die seine Anhänger dazu aufrief „Amerikaner und ihre Verbündete zu töten – Zivilisten und Soldaten ist die persönliche Pflicht jedes Muslims der dazu in der Lage ist, in allen Ländern in denen es möglich ist.“

Nimmt man diese Beweise und die Tatsache, dass Osama bin Laden und Al-Qaida sich offiziell zu den Angriffen vom 9. September bekannt haben, sollten wir ihnen hier auch Glauben schenken.

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Wissenschaftler verteidigen die „Waffe der Aufklärung“

Zum Auftakt des inzwischen weltweiten Protests demonstrierten Wissenschaftler im Februar 2017 in Boston. Foto: picture alliance / AP Photo
„Science, not Silence“ – unter diesem Motto werden Tausende am morgigen Earth Day in mehr als 500 Städten auf die Straße gehen. Ihr Protest richtet sich nicht nur gegen den wissenschaftsfeindlichen US-Präsidenten Trump. Es geht ihnen um mehr: um einen globalen Aufstand gegen „alternative Fakten“ und für die Freiheit der Wissenschaft.​

Von Andrea Hösch | greenpeace magazin

Die Trump-Regierung leugnet den Klimawandel, verordnet Maulkörbe, löscht wissenschaftliche Daten. In Ungarn und Polen stehen Wissenschaftler unter Druck, in der Türkei werden viele entlassen oder verhaftet, Gegen diese zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit gehen Menschen auf die Straße – auch in Deutschland. In zwanzig Städten sind hierzulande Demonstrationen geplant, etwa in Berlin, Köln, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Münster, Stuttgart oder  Tübingen. Sogar in Helgoland soll es eine Veranstaltung geben. Viele Universitäten und Institutionen rufen zur Teilnahme am „March for Science“ auf.

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Keine Angst vor „Überalterung“

Pflegeroboter aus dem Film „Robot & Frank“. Screenshot: c’t
Der Mathematiker Hansjörg Walther widerlegt Medienvorstellungen, die auf Oswald Spengler und Arthur Moeller van den Bruck zurückgehen

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Dem aktuellen Bevölkerungsbericht des japanischen Innenministeriums nach lebten in Japan im letzten Herbst mit rund 126.933.000 etwa 162.000 (oder 0,13 Prozent) weniger Menschen als im Jahr davor. 76.562.000 davon befanden sich im Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Der Anteil dieser Gruppe sank seit 1992 von 69,8 auf 60,3 Prozent. 34.591.000 Japaner (beziehungsweise 27,3 Prozent) waren älter als 65, 16.908.000 (13,3 Prozent) älter als 75.

Deutsche Medien berichten solche Zahlen regelmäßig wie Katastrophenmeldungen – verbunden mit der Warnung, dadurch würden Gesellschaften „überaltern“, „vergreisen“ und massiv an Innovationskraft und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verlieren.

Der Mathematiker Hansjörg Walther hat sich diese Befürchtungen in der Zeitschrift Novo genauer angesehen. Dazu verglich er unter anderem die im International Innovation Index, im Bloomberg Innovation Index und im Innovation Union Scoreboard der EU-Kommission für einzelne Länder ermittelten Innovationswerte mit dem Medianalter in diesen Ländern und kam zum Ergebnis, dass ein Land danach sogar umso innovativer sein müsste, je höher das Medianalter dort liegt. Vergleicht man nur die entwickelten Länder miteinander, ergibt sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang.

Beim Medianalter, das sich „aus den Gewichtungen in der Altersstruktur [und] nicht durch eine Verschiebung auf der Zeitachse“ ergibt, liegt Deutschland mit 46,5 Jahren hinter Monaco und knapp vor Japan auf Platz 2. In den nächsten Jahrzehnten könnte es Prognosen nach um vier Punkte ansteigen. Ein Anstieg darüber hinaus ist unrealistisch – ebenso wie ein Absinken unter 15 Jahre. Geburtenstarke Jahrgänge, die älter werden, verlieren mit der Zeit an Bedeutung, weil ihre Gruppe mit zunehmendem Alter immer kleiner wird.

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Supernova mit Linseneffekt

Zum ersten Mal haben Astronomen eine Typ 1a-Supernova entdeckt, die von einer Gravitationslinse verzerrt und in vier Abbilder aufgespalten wird. © Joel Johansson
Spannende Entdeckung: Astronomen haben erstmals eine Supernova des Typs 1 a in kosmischer Vergrößerung beobachtet – ihr Licht wird durch den Gravitationslinseneffekt einer Galaxie verstärkt und in vier Abbilder aufgespalten. Das Spannende daran: Diese Sternexplosionen gelten als „Standardkerzen“ des Kosmos. Ihr verzerrtes und verstärktes Abbild könnte nun eine genauere Kalkulation der kosmischen Expansion ermöglichen, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Eine Supernova des Typs 1a ereignet sich, wenn ein Weißer Zwerg in einem Doppelsternsystem explodiert. Dabei gibt er enorme Mengen an Strahlung ab, deren Helligkeit und Spektrum immer gleich sind. Das ermöglicht es Astronomen, die Entfernung solcher Sternexplosionen sehr genau zu bestimmen. Deshalb gelten Supernovae Typ 1a als wichtige „kosmische Messlatten“, durch die sich beispielsweise die Hubble-Konstante und damit das Tempo der kosmischen Expansion ermitteln lässt.

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Südafrika: Gold entstand auf ungewöhnliche Weise

Golderz aus der Carbon Leader-Formation in Witwatersrand: Das Gold ist typischerweise mit Uranerz und dunklen, kohlenstoffhaltigen Ablagerungen vermischt. © James St. John/ CC-by-sa 2.0
Überraschende Entdeckung: Das größte Goldvorkommen der Erde wurde durch Erdöl, heiße Quellen und Uranerz erschaffen. Erst das Zusammenwirken dieser Akteure bildete das berühmte Gold aus dem südafrikanischem Witwatersrand – durch einen zuvor völlig unbekannten Mechanismus. Seine Entdeckung könnte darauf hindeuten, dass Goldvorkommen auch anderswo eng mit Erdöl verknüpft sind, wie die Forscher erklären.

scinexx

Das wertvolle Edelmetall Gold ist auf der Erde sehr ungleich verteilt: Im größten Teil der Erdkruste ist es äußerst rar, gleichzeitig gibt es an einigen Stellen große und reiche Goldlagerstätten. Wie diese Vorkommen entstanden, ist längst nicht immer vollständig geklärt. In einigen Fällen könnten Erdbeben eine Rolle gespielt haben, in anderen die Tätigkeit von Mikroben. Auch hydrothermale Schlote und heiße Quellen können Gold anreichern.

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Evolutionsbiologie: Leopoldina empfiehlt stärkere Präsenz in Lehrplänen und intensivere Forschung

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Die Evolutionsbiologie ist das übergreifende Erklärungsprinzip der Lebenswissenschaften. Aktuelle Fragen, wie zunehmende Antibiotikaresistenzen, Ausbreitung von Epidemien, neue Zivilisationskrankheiten oder soziale Konfliktlösung können mit evolutionsbiologischen Modellen beschrieben werden. Gemessen an ihrer gewachsenen Bedeutung sollten die modernen Erkenntnisse der Evolutionsbiologie in Schule und Hochschule stärker vertreten sein. Darauf weist die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in der Stellungnahme „Evolutionsbiologische Bildung in Schule und Hochschule“ hin, die heute veröffentlicht wurde.

Caroline Wichmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Die Evolutionsbiologie liefert Erkenntnisse zum Selbstverständnis des Menschen, zu seinen Interaktionen mit Umwelt und Mitmenschen, ökonomischem Handeln und kultureller Entwicklung. Viele Fragen, zum Beispiel auf welchen Wegen sich Krankheitserreger um die Welt bewegen, wie Bakterien Antibiotikaresistenzen entwickeln oder wie sich Krebszellen im Körper vermehren, lassen sich mit Hilfe der Evolutionsbiologie beantworten. Evolutionsbiologische Modelle zeigen Wege zur Lösung von Interessenkonflikten sowohl innerhalb von sozialen Gruppen, wie auch im ökologischen Kontext. Angesichts dieser in den letzten Jahrzehnten schnell gewachsenen Bedeutung sieht die Leopoldina Nachholbedarf im Umfang, den evolutionsbiologische Inhalte an Schulen und Hochschulen einnehmen, und formuliert dazu Empfehlungen.

Die Stellungnahme empfiehlt zunächst eine genaue Bestandsaufnahme der Situation in Forschung und Lehre und regt an, eine länderübergreifende Koordinierungsgruppe einzurichten. An den Universitäten empfiehlt das Papier, evolutionsbiologischer Forschung und Lehre eine zentralere und interdisziplinärere Rolle zu geben. Für den Schulunterricht befürwortet die Stellungnahme, dass die Evolutionsbiologie als „roter Faden“ des Biologieunterrichtes ab Klasse 5 etabliert wird. Die mitunter abstrakten Konzepte und Modelle sollten im Unterricht mittels anschaulicher Beispiele und Experimente vermittelt werden. Ein bundesweites Rahmen-Curriculum könnte dafür sorgen, dass das Thema Evolution nicht erst am Ende der Schulzeit seinen Platz findet. Die Stellungnahme fordert darüber hinaus, auch in anderen Schulfächern Berührungspunkte deutlich zu machen.

Die Stellungnahme Evolutionsbiologische Bildung in Schule und Hochschule ist Ergebnis einer interdisziplinären Arbeitsgruppe aus den Bereichen Evolutionsbiologie, Fachdidaktik und Schulpraxis.


Weitere Informationen:

http://www.leopoldina.org/de/evolutionsbiologie

Tief im Inneren von M87

Bild: NASA/public domain
Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.
Norbert Junkes Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger Energieausstoß wird im Allgemeinen auf die Umwandlung von Gravitationsenergie in Strahlung zurückgeführt.

Aktive Schwarze Löcher produzieren Strahlung über das Ansammeln (“Akkretion”) von Materie. Es entsteht eine sogenannten Akkretionsscheibe, die die Zentralquelle umgibt. Ein deutliches Anzeichen für den Akkretionsvorgang im Zentralbereich von Galaxien stellen Jets von enormer Ausdehnung dar, die sich über etliche Millionen Lichtjahre Entfernung vom Galaxienzentrum aus erstrecken und damit weit über den sichtbaren Bereich der Galaxie hinausragen.

M87, die Zentralgalaxie des Virgo-Galaxienhaufens in Richtung des Sternbilds “Jungfrau” liegt in einer Entfernung von 17 Megaparsec (das entspricht ungefähr 50 Millionen Lichtjahren). Sie stellt die zweitnächste Galaxie mit einem aktiven Galaxienkern („Active Galactic Nucleus“, AGN) dar und enthält in ihrem Zentrum ein aktives Schwarzes Loch mit einer Masse von rund sechs Milliarden Sonnenmassen. M87 war die erste Galaxie, bei der ein Jet gefunden werden konnte, und zwar bereits in optischen Beobachtungen am Lick-Observatorium vor rund 100 Jahren: „ein bemerkenswerter geradliniger Materiestrahl, der mit dem Galaxienkern verbunden scheint“ (Heber Curtis, 1918).

Der Jet von M87 ist einer der am sorgfältigsten untersuchten astrophysikalischen Jets. Er ist über das gesamte elektromagnetische Spektrum – von Radiowellen bis zu Röntgenwellen – sichtbar. M87 stellt ebenfalls die erste Galaxie dar, für die Signale selbst bei den höchsten Gammastrahlungsenergien im Teraelektonenvolt (TeV-) Bereich nachgewiesen werden konnten.

Trotz einer Fülle von Beobachtungsmaterial ist die genaue Art und Weise, wie der leuchtkräftige Jet an das akkretierende Schwarze Loch koppelt, unbekannt. Die Forscher sind dieses Problem dadurch angegangen, dass sie interferometrische Radiobeobachtungen von M87 mit dem „Very Long Baseline Array“ (VLBA) analysiert haben. Das VLBA verbindet Radioteleskope von Hawaii bis zu den Virgin Islands miteinander. Dadurch kann bei einer Frequenz von 15 GHz (bzw. 2 cm Wellenlänge) eine Winkelauflösung von nur 0,6 Millibogensekunden am Himmel erreicht werden, das entspricht gerade mal 0,16 Lichtjahren oder 84 Schwarzschildradien für M87.

Obwohl bereits mehr als hundert Jets von aktiven Schwarzen Löchern detailliert untersucht werden konnten, bietet nur M87 die Möglichkeit, die unmittelbarste Nachbarschaft des zentralen Schwarzen Lochs zu erforschen.

Die Radiobeobachtungen wurden im Rahmen des MOJAVE-Projekts (“Monitoring of Jets in Active galactic nuclei with VLBA Experiments”) durchgeführt. „Wir haben diese Daten erneut analysiert, um so einen Einblick in die komplexen Prozesse zu gewinnen, die den Jet und die Akkretionsscheibe von M87 miteinander verbinden“, sagt Silke Britzen vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR), die Erstautorin der Veröffentlichung. „Soweit wir wissen, ist dies das erste Mal, dass die Vorgänge im Zusammenhang mit dem Fußpunkt des Jets, also seiner Entstehung, und dem Aufladen des Jets mit Material untersucht werden konnten.“ Schnelle turbulente Prozesse bei denen magnetische Rekonnektion ein wichtige Rolle spielt, wie man sie im kleineren Maßstab von Vorgängen auf der Sonnenoberfläche her kennt, bieten die beste Möglichkeit zur Erklärung der Beobachtungsergebnisse (vgl. Abb. 1).

“Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die Oberfläche der Akkretionsscheiben sich ähnlich verhält wie die Sonnenoberfläche – blubberndes heißes Gas mit ständiger magnetischer Aktivität wie Rekonnektion und Strahlungsausbrüchen“, fügt Christian Fendt vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) hinzu, Ko-autor der Studie und ein Experte für die die theoretische Modellierung von Jets. Während nahe der Oberfläche der Akkretionsscheibe eher kleinskalige magnetische Strukturen die Massenübertragung in die Jets dominieren, bleibt über größere Distanzen hin nur das globale spiralförmige Magnetfeld bestehen und dirigiert die Bewegung des Jets.

In Zukunft werden Beobachtungen bei noch höheren Frequenzen und somit besserer Winkelauflösung im Rahmen des Event-Horizon-Teleskops (EHT) es ermöglichen, sich den supermassereichen Schwarzen Löchern in den Zentren von aktiven Galaxien noch weiter zu nähern. „Es gibt nur zwei Zielobjekte, die es uns erlauben, den Ereignishorizont selbst als Schatten in den Radiobeobachtungen abzubilden“, stelle Andreas Eckart von der Universität zu Köln fest. „Das zentrale Schwarze Loch in der Galaxie M87 und dasjenige im Zentrum unserer Milchstraße. Beide sind sehr unterschiedlich, sowohl in der Aktivität als auch in ihrer Masse. Aber auch in ihrer Entfernung von uns sind sie verschieden. Dadurch erscheint in beiden Objekten das Schwarze Loch in vergleichbarer Winkelauflösung am Himmel und es sollte auch bei beiden ein dunkler Schatten von ähnlicher Größe sichtbar werden.“

Vladimir Karas (Astronomical Institute of the Czech Academy of Sciences) betont, dass die Beobachtungsergebnisse für M87 als Grundlage für weitere Untersuchungen sowohl von Beobachtungen als auch von der Theorie her dienen könnten. Die direkte Umgebung eines Schwarzen Lochs umfasst einen sehr interessanten als „Ergosphäre“ bezeichneten Bereich, der aber noch jenseits der Auflösung der derzeitigen Generation von Teleskopen liegt.

Die Beobachtungen im Rahmen des EHT-Projekts mit der höchsten derzeit verfügbaren Winkelauflösung haben in den ersten beiden Aprilwochen 2017 stattgefunden. Die Ergebnisse dieser Beobachtungen könnten dazu beitragen, das in der vorliegenden Arbeit präsentierte Modell weiter zu verfeinern und die Verbindung zwischen Jets und supermassereichen Schwarzen Löchern in den Zentren von Galaxien besser zu verstehen.


Zum Forscherteam gehören Silke Britzen, Christian Fendt, Andreas Eckart, und Vladimir Karas.

Der Schwarzschildradius wird definiert als Radius einer Kugelsphäre bei der, wenn die Gesamtmasse innerhalb dieses Radius konzentriert wird, die Fluchtgeschwindigkeit an der Kugeloberfläche gleich der Lichtgeschwindigkeit wäre. Dieser Radius ist benannt nach Karl Schwarzschild, der im Jahr 1916 die erste exakte Lösung für Einsteins Feldgleichungen für ein nichtrotierendes sphärisch-symmetrisches Objekt gefunden hat.

Der Ereignishorizont im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie ist eine Begrenzung in der Raumzeit, jenseits der Ereignisse keine Auswirkungen mehr auf Beobachter von außen haben können. Dabei ist der Schwarzschildradius der Radius des Ereignishorizonts um ein nicht rotierendes Schwarzes Loch. Der Schwarzschildradius von Sgr A* hat eine Größe von 12 Mio. km, entsprechend 10 Mikrobogensekunden. Bei der Galaxie M87 erscheint der Ereignishorizont aufgrund der größeren Masse des Zentralobjekts, aber auch der wesentlich größeren Entfernung geringfügig kleiner, mit einem Wert von etwa 4 – 7 Mikrobogensekunden am Himmel. Jedoch wird vorhergesagt, dass der tatsächlich sichtbare Ereignishorizont größer erscheint, verursacht durch einen Gravitationslinseneffekt des eigenen Gravitationspotentials. Der Durchmesser des beobachteten Schattens sollte ca. 1 bis 5mal größer sein als der Schwarzschildradius.

Die hier analysierten VLBA-Beobachtungen ermöglichen die Untersuchung des Jets von M87 in einem Bereich von ungefähr 30 bis 3500 Schwarzschildradien Abstand von der Zentralquelle. Das VLBA (Very Long Baseline Array) Netzwerk von Radioteleskopen umfasst insgesamt 10 Radioteleskope von jeweils 25 m Durchmesser in den Vereinigten Staaten – von Hawaii bis zu den Virgin Islands.

Originalveröffentlichung:

A new view on the M87-jet origin: Turbulent loading leading to large-scale episodic wiggling, S. Britzen, C. Fendt, A. Eckart, and V. Karas et al., 2017, Astronomy & Astrophysics (April 2017), DOI: 10.1051/0004-6361/201629469
https://www.aanda.org/10.1051/0004-6361/201629469

LHC: Hinweis auf unbekanntes Teilchen?

Bild: LHC Genf
Spannende Diskrepanz: Eine Anomalie bei Protonenkollisionen im Large Hadron Collider (LHC) könnte auf ein noch unbekanntes Teilchen hindeuten. Bei Zerfällen des sogenannten B-Mesons wurden deutlich mehr Elektronen als Myonen erzeugt – nach dem Standardmodell müssten beide jedoch gleich häufig sein. Noch reicht die Signifikanz für eine Entdeckung nicht aus, die Anomalie passt aber zu weiteren, früher schon festgestellten Abweichungen.

scinexx

Von den energiereichen Kollisionen im Teilchenbeschleuniger LHC erhoffen sich die Physiker Antworten auf offene Fragen zum Standardmodell – und möglicherweise die Entdeckung noch unbekannter Teilchen. Tatsächlich gab es seit der Entdeckung des Higgs-Bosons Abweichungen bei den Teilchenzerfällen, die auf ein schweres, noch unbekanntes Boson hinzudeuten schienen. Und auch beim Zerfall der sogenannten B-Mesonen im Detektor LHCb wurden schon mehrfach Anomalien registriert.

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Dumme, ignorante Wähler wählen schlechte Regierungen

Platon (links, vor der Kunstakademie in Athen) hielt das Volk für zu uninformiert, um gute Regierungen zu wählen.Foto: dpa
Brexit und der Aufstieg Donald Trumps haben das Vertrauen in die Vernunft der Wähler in Demokratien beschädigt. Der amerikanische Philosoph Jason Brennan plädiert dafür, künftig nur noch politisch informierte Bürger entscheiden zu lassen. Ein Gespräch über „Epistokratie“.

Von Sabine Sasse | DER TAGESSPIEGEL

Der amerikanische Politikwissenschaftler und Philosoph Jason Brennan, 37, stellt in seinem soeben erschienenen Buch „Gegen Demokratie“ (aus dem Englischen von Stephan Gebauer, Ullstein Verlag, Berlin, 464 Seiten, 24 €) eine provokante These auf. Er behauptet, dass das Wahlrecht für alle oft zu fatalen Ergebnissen geführt habe und deshalb nur noch politisch informierte Bürger wahlberechtigt sein sollten. Brennan lehrt Strategie, Wirtschaft, Ethik und Öffentliche Ordnung an der Georgetown University in Washington D.C. Vor wenigen Tagen präsentierte er sein Buch in Berlin.

Mr Brennan, Sie plädieren in Ihrem Buch für eine Epistokratie, eine sogenannte Philosophenherrschaft, in der nur noch gebildete, politisch informierte Bürger wählen dürfen.

Wenn man sich die Modelle ansieht, wie Demokratien nach philosophischen Vorstellungen funktionieren sollten und dann die empirischen Daten, wie es in Wirklichkeit zugeht, besteht ein großes Missverhältnis. Klar ist, dass die Qualität unserer Regierungen zum großen Teil von der Qualität der Wähler abhängt. Aber die meisten von ihnen sind schlecht informiert und wissen kaum etwas über Politik. Als Ergebnis hat man dann eine schlechte Regierung. Die Folge sind womöglich Kriege, Mauern oder eine schlechte Sozialpolitik.

Sie folgen Platon, der das Volk für zu dumm, irrational und unwissend hielt, um sich eine gute Regierung zu geben. Aber sind die meisten heute nicht besser informiert als vor 2500 Jahren?

Platon hatte keine Daten, um seine Behauptungen zu stützen, aber wir haben sie, ganz besonders in den USA. Trotzdem lag Plato größtenteils richtig. Die Leute sind nicht unbedingt inkompetent, aber sie haben keinen Anreiz, sich anders zu verhalten. In der Wirtschaftslehre nennen wir das rationale Ignoranz. Die Leute entscheiden sich nur, Informationen zu konsumieren und zu behalten, wenn es für sie nützlich oder interessant ist.

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Warum die Tsavo-Löwen plötzlich Menschen jagten

Löwen jagen Beute – Menschen gehören für gewöhnlich nicht dazu Quelle: picture alliance / blickwinkel/M
Zwei Löwen jagten in Kenia auf einmal Menschen. War ihnen andere Beute ausgegangen? Dieser bislang gültigen Theorie widersprechen Forscher jetzt: Die Löwen plagte etwas ganz anderes.

DIE WELT

Das Grauen ging um vor knapp 120 Jahren in den Lagern der Gleisarbeiter für die Uganda-Bahn im Südosten des heutigen Kenia: Mehrere Dutzend Menschen wurden dort 1898 binnen wenigen Monaten von zwei menschenfressenden Löwenmännchen getötet.

Erst der britische Oberstleutnant John Patterson konnte die „Löwen von Tsavo“ erlegen. 28 bis 135 Menschen sollen dem Duo nach unterschiedlichen Quellen zum Opfer gefallen sein. Was trieb die Tiere dazu, sich auf die ungewöhnliche Beute Mensch zu konzentrieren?

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Paarungsverhalten – Was für ein toller Kerl

© Picture-Alliance Nicht wie ein Pfau, sondern wie ein V sieht der ideale Männerkörper aus.
Der Evolutionsbiologe Michael Jennions über die Attraktivität der Geschlechter und den „March for Science“.

Von Sonja Kastilan | Frankfurter Allgemeine

Herr Jennions, derzeit wird viel über Geschlechterrollen debattiert. Was kann die Biologie zu dieser Diskussion beitragen?

Wenn man Tiere betrachtet, sind die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen meist sehr klar. Schaut man Fische, Frösche oder Insekten an, finden man sie eigentlich überall. Es wirkt nun mal bei den meisten Arten ein völlig anderer Selektionsdruck auf weibliche oder männliche Tiere. Biologen können über unterschiedliche Verhaltensweisen, Körpergrößen oder sogar Aspekte, die das Gehirn betreffen, sprechen. Man sollte allerdings vorsichtig sein, diese Sichtweise einfach auf den Menschen zu übertragen.

Was können wir über uns selbst lernen, wenn es dabei doch um Fische oder Winkerkrabben geht?

Es wäre sicherlich falsch, spezielle Merkmale in ihrer Bedeutung auf den Menschen zu übertragen, etwa Farbenpracht oder Körpergröße. Will man wissen, was für Menschen attraktiv erscheint, muss man es auch am Menschen herausfinden. Natürlich gibt es Prinzipien, die für mehrere Arten gleichermaßen gelten, weil die natürliche und die sexuelle Selektion unterschiedliche Merkmale für weiblich und männlich begünstigen. Das findet sich auch auf der genetischen Ebene. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Gen, dass einen tollen Kerl prägt, würde wohl kein gutes Weibchen ausmachen. Wir sprechen dann von einem „interlocus sexual conflict“. Solche Prinzipien dürften für den Menschen ebenfalls gelten.

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„March for Science“: Woher kommt der Hass auf Forscher?

Bild: heise online
In aller Welt sind Wissenschaftler mit wachsender Skepsis und sogar Anfeindungen konfrontiert. Manche müssen ihr Land verlassen – und bekommen Asyl in Deutschland. Am Samstag nun wollen Menschen in aller Welt für die Freiheit der Forschung demonstrieren.

Von Violetta Kuhn | heise online

Das Ende ihrer wissenschaftlichen Karriere in der Türkei besiegelte Latife Akyüz selbst, mit einer einfachen Unterschrift. Die Forscherin unterzeichnete im Januar 2016 eine Petition und forderte darin den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf, mit den Kurden im Land Frieden zu schließen. Unmittelbar darauf habe eine wahre Lynchkampagne gegen sie begonnen, erzählt sie. „Es war beängstigend.“

Die Lokalzeitung ihrer Stadt Düzce, nahe Istanbul, berichtete über sie als „Terroristin“ an der örtlichen Universität, TV-Sender schlossen sich an, in den sozialen Medien ergoss sich Hass über die heute 42-Jährige. Akyüz wurde suspendiert, festgenommen, mit einem Reiseverbot belegt und schließlich wieder freigelassen – „alles innerhalb von drei Tagen nach meiner Unterschrift“, sagt Akyüz. Sie verließ erst die Stadt, dann das Land. Heute forscht die Sozialwissenschaftlerin in Frankfurt, wo sie eine Art wissenschaftliches Asyl bekommen hat.

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Deutscher Hochschulverband kritisiert „Erosion der Debatten- und Streitkultur an Universitäten“

Die South-Park-Episode Safe Space kann man sich hier ansehen. Screenshot mit freundlicher Genehmigung von Comedy Central.
Präsident Kempen warnt, dass sich „der Anspruch von Toleranz und Offenheit in das Gegenteil verkehrt“

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat sich in die Debatte um den von Politstalkern verfolgten Osteuropa-Historiker und Gewaltforscher Jörg Baberowski eingeschaltet und eine „Erosion der Debatten- und Streitkultur an Universitäten“ kritisiert. Eine Studentengruppe in Bremen hatte sogar einen Vortrag des Merkel-Kritikers verhindert, und dabei einem im März gefällten Urteil des Landgerichts Köln nach „Äußerungen […] aus dem Zusammenhang gerissen und damit sinnentstellend wiedergegeben“, um ihn als „Hetzer“ und „Rassisten“ darzustellen – Zuschreibungen, die der Einwanderungsskeptiker weit von sich weist (Aktenzeichen 28 O 324/16).

DHV-Präsident Bernhard Kempen nach müssen die Universitäten nicht nur „Ort[e] des freien und offenen Meinungsaustausches bleiben“, sondern auch „dafür sorgen, dass jedermann – unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, einer Partei, eines Verbandes oder Vereins – seine Forschungsergebnisse, Thesen, Argumente und Ansichten ohne Angst zur Diskussion stellen kann“. Das Grundgesetz bindet seinen Worten nach „die Freiheit von Forschung und Lehre allein an die Treue zur Verfassung“ und schließt „darüber hinausgehende Denk- oder Sprechverbote […] ausdrücklich aus“.

Gefährdet ist der offene Meinungsaustausch Kempen zufolge durch ein „Meinungsklima“, in dem sich „der Anspruch von Toleranz und Offenheit in das Gegenteil verkehrt“ hat. Anliegen wie ein „verantwortungsvoller Sprachgebrauch“ und ein „sensibler Umgang mit Minderheiten“ sind seiner Ansicht nach „berechtigt“, dürfen aber nicht zu einem „Tugendterror“ werden, in dem „abweichende wissenschaftliche Meinungen Gefahr laufen, als unmoralisch stigmatisiert zu werden“. Das führe nämlich zu „Feigheit und Anbiederung“ anstatt zu „Aufbruch und Neugier“, weil „jede konstruktive Auseinandersetzung […] bereits im Keim erstickt“ werde.

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Warum Türken in Deutschland auf Erdogan stehen – und Türken in den USA nicht

Die Türkin Gulay Turkmen-Dervisoglu arbeitet als Soziologin an der Universität Göttingen. Auch sie hat Ihre Stimme abgegeben. © Gulay Turkmen-Dervisoglu
In Deutschland gibt es unter den Wählern viel mehr Befürworter der Verfassungsreform von Präsident Erdogan als in der Türkei oder unter Türken, die in Übersee leben. Weshalb ist das so? Eine türkische Soziologin hat eine Erklärung.

stern.de

In der Türkei war die Wahlbeteiligung hoch, das Ja zur Verfassungsreform des Präsidenten knapp. In Deutschland stimmten knapp 50 Prozent der wahlberechtigten Türken ab – und sagten mit beinahe Zwei-Drittel-Mehrheit (63,1 Prozent) Ja zu Recep Tayyip Erdogan. In den USA, in Kanada und Großbritannien sieht das ganz anders aus. Weshalb findet Erdogan mehr Unterstützung bei den türkischen Wählern in Deutschland als sonstwo in der Welt? Die türkische Soziologin Gulay Turkmen-Dervisoglu erforscht an der Universität Göttingen den türkischen Nationalismus, insbesondere im Verhältnis zu Religion und Gewalt. Seit einem Jahr wohnt sie in Deutschland, zuvor lebte sie in den USA. Im Gespräch mit dem stern erzählt sie von dem Unterschied zwischen den Türken hierzulande und den Türken in Übersee.

Frau Turkmen-Dervisoglu, rund die Hälfte der Türken in Deutschland ist zur Wahl gegangen. Ist das Ihrer Meinung nach viel oder wenig?

Im Ausland ist die Wahlbeteiligung ja grundsätzlich eher niedriger, schon allein deshalb, weil es mit höherem Aufwand verbunden ist, wenn man wählen will. Ich zum Beispiel musste anderthalb Stunden bis nach Hannover fahren, um meine Stimme abgeben zu können. Dafür sind 46 Prozent Wahlbeteiligung natürlich recht viel. Allerdings ging es hier ja auch nicht um irgendeine Wahl, sondern um einen echten Wandel.

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Großer Asteroid passiert heute die Erde

Der Asteroid 2014 JO25 kreuzt heute knapp hinter der Erde die Erdbahn – für einen so großen Brocken kommt er uns dabei relativ nahe. © NASA
Naher Vorbeiflug: Heute Mittag passiert ein 650 Meter großer Asteroid die Erde in relativ geringem Abstand. Der Brocken fliegt zwar in 4,6-facher Mondentfernung an unserem Planeten vorbei, dennoch ist dies die engste Passage eines so großen Asteroiden seit 13 Jahren. Weltweit werden Astronomen die Chance nutzen, den Asteroiden mit Teleskopen zu beobachten – denn über seine genaue Größe und Beschaffenheit ist bisher kaum etwas bekannt.

scinexx

Rund 15.000 erdnahe Asteroiden sind bisher bekannt und werden überwacht. Unter diesen sind vor allem größere Brocken von mehreren hundert bis zu rund einem Kilometer Durchmesser. Würden sie die Erde treffen, könnten die Folgen ähnlich verheerend sein wie nach dem Einschlag des „Dinokillers“ vor rund 65 Millionen Jahren.

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Auferstehung, Gottes- und Nächstenliebe – alles Unsinn?

Bild: RDF
Kann man ein Wesen, das sinnlich gar nicht zugänglich, das vielleicht gar nicht existent, dennoch lieben?

Von Jürgen Fritz | Richard-Dawkins-Foundation

Können Götter, die frei von jedem Mangel, lieben? Kann man Liebe gebieten? Gab es tatsächlich eine Auferstehung?

Warum man Gott nicht lieben und Liebe nicht gebieten kann

Der Nazarener, dessen Auferstehung heute gefeiert wird, war bekanntlich ein sehr lieber, herzensguter Kerl, wahrscheinlich auch ein sehr empathischer Charismatiker, aber kaum ein großer Denker. Deswegen kam er beim einfachen Volk wohl auch so gut an. Das Gerede von Gottes- und Nächstenliebe erscheint zunächst einmal als genau das: Gerede. Denn offensichtlich wurde hier der Begriff der Liebe gar nicht recht verstanden.

„Aber Liebe zu Gott als Neigung (pathologische Liebe) ist unmöglich; denn er ist kein Gegenstand der Sinne. Eben dieselbe gegen Menschen ist zwar möglich, kann aber nicht geboten werden; denn es steht in keines Menschen Vermögen, jemanden bloß auf Befehl zu lieben.“ – Immanuel Kant, Metaphysik der Sitten, A 149.

Lieben bedeutet auch, das Wohl des Geliebten zu wollen

Außerdem bedeutet lieben nicht nur a) sich zu dem Objekt der Liebe hingezogen fühlen, sich nach ihm zu verzehren, Sehnsucht nach ihm zu haben und zu leiden, wenn man ihm allzu lange fern ist – ein Gefühl, welches man nicht erzeugen kann, das einem vielmehr widerfährt, das man „erleidet“ -, sondern lieben bedeutet b) zugleich auch – und nur dann ist es lieben und nicht nur begehren -, dass einem das Wohl des Geliebten am Herzen liegt, dass man sich um ihn sorgt.

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