Der Umbau von Deutschland

Federführend am Leitfaden: Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz / picture alliance
Federführend am Leitfaden: Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz / picture alliance
Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft einen Leitfaden veröffentlicht. Darin steht, wie sich die Linke offenbar die Zukunft vorstellt: Deutschland soll zu einer transformatorischen Siedlungsregion in der Mitte Europas werden

Von Alexander Grau | Cicero

„Niemand ist neutral“, so steht es in dem „Leitbild und Agenda für die Einwanderungsgesellschaft“ genannten Opus, das die Friedrich-Ebert-Stiftung diese Woche vorgelegt hat. Nehmen wir es vorweg: Zumindest dieser Satz ist wahr.

Denn was die Autoren unter dem Vorsitz von Aydan Özoguz, Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, zusammengeschrieben haben, ist ein besonders aufschlussreiches Kompendium dessen, wie sich die politische Linke die Zukunft vorstellt. Um es vorwegzunehmen: Man will Deutschland umbauen und zwar gründlich.

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Warum die Arbeiterschaft in Scharen den Populisten ins Netz geht

foto: apa / epa / julien warnand Szene von einer Parteiversammlung des französischen Front National: Auf dem rechten Arm prangt Che Guevara, auf der Brust die – nicht zwangsläufig diplomatisch gemeinte – erste Zeile der Nationalhymne: Wie konnte das passieren?
foto: apa / epa / julien warnand Szene von einer Parteiversammlung des französischen Front National: Auf dem rechten Arm prangt Che Guevara, auf der Brust die – nicht zwangsläufig diplomatisch gemeinte – erste Zeile der Nationalhymne: Wie konnte das passieren?
Die Sozialdemokratie hat eine große Mitschuld am Aufstieg der Rechten, sagte der französische Starsoziologe Didier Eribon

Von Philipp Bauer, Christoph Winder | derStandard.at

Didier Eribon ist ein vielbeschäftigter Mann. Er wird von Veranstaltung zu Veranstaltung gereicht, er liest in Paris, Berlin, Buenos Aires oder, wie vergangene Woche, erstmals auch in Wien, wo er im Bruno-Kreisky-Forum vor einem bis zum Bersten gefüllten Auditorium referierte.

Den durchgetakteten Stundenplan verdankt der 1953 geborene, an der Universität Amiens lehrende französische Soziologe einem einzigen Buch. Sein 2009 erschienener Erinnerungsband „Retour à Reims“ wurde in Frankreich schlagartig zu einem Politklassiker, dessen Ruf sich inzwischen weit über die französischen Grenzen hinaus verbreitet hat.

Die im vergangenen Jahr bei Suhrkamp erschienene deutsche Übersetzung („Rückkehr nach Reims“) geriet ebenfalls zu einem kleinen Sensationsbestseller; für die Zeitschrift „Spex“ war es das sechstwichtigste Buch des Jahres 2016, weit vor den jüngsten Werken solcher Schwergewichte wie Ian McEwan, Elena Ferrante oder Jonathan Franzen. „Es ist eine Geschichte“, sagt der introvertiert-freundliche Eribon im Gespräch mit dem STANDARD, „in der sich viele wiedererkennen.“

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Lan-Party für die Wissenschaft: Aktivisten sichern Klimadaten vor Trump

Die amerikanische Weltraumorganisation Nasa forscht auch zu Klimaphänomenen wie El Niño. Foto: dpa
Die amerikanische Weltraumorganisation Nasa forscht auch zu Klimaphänomenen wie El Niño. Foto: dpa
Alles sichern, bevor es verschwindet. Das war bis jetzt die Maxime der Studenten, Hacker und Wissenschaftler, die in den letzten Wochen Klimadaten von US-Regierungsseiten gespeichert haben. Ihr nächstes Ziel: Sie wollen vorgenommene Änderungen analysieren und ihr Netzwerk dezentraler ausbreiten.

Von Hanna Gieffers | Greenpeace Magazin

Renee Bell wird seinen Samstag vor dem Laptop verbringen. Zusammen mit 260 anderen Studenten und Mitarbeitern des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Der Mathematikstudent und seine Mitstreiter werden Webseiten speichern, deren Änderungen verfolgen, Leitfäden schreiben. „Viele Wissenschaftler, die vorher nichts mit Umweltfragen zu tun hatten, engagieren sich plötzlich“, sagt Bell. „Auch mir war die Sache zu wichtig ist, um nichts zu tun.“

Was wie eine riesige Lan-Party aussehen wird, ist ein Kampf gegen das Vergessen – und das Löschen von wissenschaftlichen Daten. Allein dieses Wochenende finden in vier US-Städten solche Treffen statt. Dahinter stecken die Organisation „Environmental Data & Governance Initiative“ ( EDGI) und die Plattform „DataRefuge“. Sie helfen, die Ereignisse zu strukturieren und stellen lokalen Aktivisten Software zur Verfügung. Ziel ist es, ein umfassendes Archiv aller Umwelt- und Klimadaten der staatlichen Internetseiten aufzubauen. Neuerdings nutzen die Aktivisten auch Programme, mit denen sie Änderungen auf Webseiten nachvollziehen können. Außerdem wollen sie Leute darin schulen, von überall aus Internetseiten zu durchsuchen, auch wenn das oft eine mühevolle Sisyphusarbeit ist.

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Inside Wikipedia’s Attempt to Use Artificial Intelligence to Combat Harassment

Image: MOTHERBOARD
Image: MOTHERBOARD
A range of tactics are going to be needed to solve Wikipedia’s problem with harassment.

By Sarah Smellie | MOTHERBOARD

Despite its noble goals, Wikipedia is notorious for harassment among its editors. Now, research from tech incubator Jigsaw and the Wikimedia Foundation is looking at how artificial intelligence can help stop the trolls.

The research project, called Detox, began last year and used machine learning methods to flag comments that contain personal attacks. The researchers looked at 14 years of Wikipedia comments for patterns in abusive behaviour. Detox is part of Jigsaw’s Conversation AI project, which aims to build open-source AI tools for web forums and social media platforms to use in the fight against online harassment.

The algorithm could determine the probability of a given comment being a personal attack as reliably as a team of three human moderators

A paper published last week on the arXiv preprint server by the Detox team offers the first look at how Wikimedia is using AI to study harassment on the platform. It suggests that abusive comments aren’t the domain of any specific group of trolls, and that diverse tactics are going to be needed to combat them on Wikipedia.

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Wie Winston Churchill über Aliens dachte

Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich - udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich – udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Erstaunlich modern: Schon vor gut 75 Jahren hielt der britische Premierminister Winston Churchill außerirdisches Leben durchaus für möglich – und begründete dies mit überraschend wissenschaftlichen Gedankengängen. Das belegt ein nie veröffentlichter Essay des Politikers aus dem Jahr 1939. Lange bevor der erste Exoplanet entdeckt wurde, spekulierte er schon über die Zahl fremder Planeten und die habitable Zone in einem Planetensystem.

scinexx

Winston Churchill ist heute vor allem als der britische Premier zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und als begnadeter Redner in Erinnerung. Doch der Politiker war auch ungewöhnlich stark an der Wissenschaft interessiert. Er traf sich regelmäßig mit Physikern, Astronomen und Ingenieuren und stellte 1940 als erster britischer Premierminister einen wissenschaftlichen Berater ein. „Zu einer Zeit, in der viele heutige Politiker von Wissenschaft nichts wissen wollen, finde ich diese Erinnerung besonders wichtig“, sagt der Astrophysiker Mario Livio.

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Warum Erdogan die Universitäten schleift

Auch nach gewaltsamen Polizeiaktionen gegen Proteste an der Universität Ankara demonstrierten Studierende und Lehrende weiter...Foto: Foto: AFP/Adem Altan
Auch nach gewaltsamen Polizeiaktionen gegen Proteste an der Universität Ankara demonstrierten Studierende und Lehrende weiter…Foto: Foto: AFP/Adem Altan
Massenentlassungen angeblicher „Gülenisten“ und Friedensaktivisten: Der „Kahlschlag“ gilt dem kritischen Denken in der Türkei. Die scientific community ist entsetzt – auch in Berlin.

Von Amory Burchard | DER TAGESSPIEGEL

„Das kritische Denken in der Türkei wird mundtot gemacht.“ Sonja Hegasy, stellvertretende Direktorin des Berliner Leibniz-Zentrums Moderner Orient (ZMO), spricht aus, was die scientific community derzeit umtreibt – in der Türkei, aber auch in Deutschland und in vielen anderen Ländern. Die Entlassungen von Professorinnen, Professoren und Dozenten an den türkischen Universitäten kämen einem „Kahlschlag vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ gleich.

Das neue Jahr hat in der Türkei begonnen, wie das alte geendet hat – mit Massenentlassungen. Die AKP-Regierung nutzt weiterhin den nach dem Putschversuch im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand, um per „Notstandsdekret“ Staatsbedienstete zu kündigen. Zehntausende werden beschuldigt, als angebliche Anhänger der Gülen-Bewegung mit den Putschisten zu sympathisieren. Am 8. Februar traf es erneut fast 4500 Staatsdiener, darunter 330 Hochschullehrkräfte.

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Konkordat: Vatikan mischt sich in Studienpläne ein

Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.

Die Innsbrucker katholisch-theologische Fakultät wollte ihr Curriculum aktualisieren. Nach einem Einspruch aus Rom wurden die Pläne vertagt

Von Lisa Kogelnik | derStandard.at

Der Vatikan hat der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Innsbruck keinen Segen erteilt. Die geplante Aktualisierung des Curriculums für das Doktoratsstudium muss verschoben werden. Wie jetzt bekannt wurde, war der Senat der Uni Innsbruck im September vergangenen Jahres dazu gezwungen, die Pläne für einen neuen Studienplan, der eigentlich schon im April beschlossen worden war, wieder zurückzunehmen.

Die katholische Kirche hat in Österreich durch das Konkordat viele Einflussmöglichkeiten. Der Vertrag zwischen dem Staat und dem Heiligen Stuhl ermöglicht dem Vatikan unter anderem, Professoren und Dozenten sowie Studienpläne an den katholisch-theologischen Fakultäten abzusegnen. Eine parlamentarische Anfragebeantwortung zeigt, dass die Kirche selten, aber doch die Pläne der Universitäten durchkreuzt.

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Erste Streuung von Licht an Licht

Diphotonen-Ereignis im ATLAS-Detektor bei der Kollision zweier Bleikerne - bei diesem Ereignis wird Licht an Licht gestreut. © ATLAS Collaboration
Diphotonen-Ereignis im ATLAS-Detektor bei der Kollision zweier Bleikerne – bei diesem Ereignis wird Licht an Licht gestreut. © ATLAS Collaboration
Nach 80 Jahren endlich nachgewiesen: Physiker haben erstmals die Streuung von Licht an Licht nachgewiesen – ein Phänomen, dass in der klassischen Physik als unmöglich gilt. In der Quantenphysik jedoch wurde eine solche Photonen-Wechselwirkung schon 1935 vorhergesagt. Der erste experimentelle Nachweis gelang nun bei Kollisionen von Bleikernen im Teilchenbeschleuniger LHC.

scinexx

Im Gegensatz zu Materieteilchen galt für Lichtteilchen in der klassischen Physik bisher: Photonen sind füreinander unsichtbar, sie spüren sich nicht. Wenn Lichtstrahlen sich kreuzen, dürften sie sich daher nicht beeinflussen. Nach den von James Clerk Maxwell aufgestellten Gleichungen zur elektromagnetischen Strahlung darf es auch eine Streuung von Licht an Licht nicht geben.

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Baden-Württemberg: 1.500 Euro Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer

Arm © chris@APL @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Arm © chris@APL @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Bis zu 1.500 Euro Studiengebühren müssen Studenten aus Nicht-EU-Ländern in Baden-Württemberg in Zukunft zahlen – pro Semester. Das grün geführte Wissenschaftsministerium erwartet Einnahmen von 3,5 Millionen Euro. Das Vorhaben steht in Kritik, der Landtag muss noch zustimmen.

MiGAZIN

Als erstes Bundesland erhebt Baden-Württemberg künftig für Studenten aus Nicht-EU-Ländern Studiengebühren. Pro Semester müssen sie 1.500 Euro bezahlen, wie Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Ausnahmen soll es für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive sowie Studenten aus besonders armen Ländern geben. Der Landtag muss dem Gesetz noch zustimmen.

Von dem Geld sollen 80 Prozent dem Landeshaushalt und 20 Prozent den Hochschulen zugewiesen werden. Die Regelung gilt ab dem Wintersemester 2017/18. Ausländische Studenten, die bereits eingeschrieben sind, genießen Bestandsschutz und müssen keine Gebühren bezahlen. Dasselbe gilt für Ausländer, die ihr Abitur in Deutschland gemacht haben.

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Paleontologists Find Fossils of a Pregnant, 245-Million-Year-Old Sea Reptile

Image: MOTHERBOARD
Image: MOTHERBOARD
It’s the first time live birth has been observed in an archosauromorph, the reptilian parent group from which dinosaurs, birds, and crocodilians derive.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Some 245 million years ago, at the dawn of the Triassic period, a pregnant aquatic reptile from the genus Dinocephalosaurus perished in the seas covering what is now the Luoping region of southwest China. But as luck would have it, the expectant mother was fossilized in the seabed—along with her developing embryo.

This extraordinary specimen presents the first evidence of live birth observed in an archosauromorph, which is the reptilian parent group from which dinosaurs, birds, crocodilians, and marine animals like Dinocephalosaurus all derived. The find is described in new research published Tuesday in Nature Communications, led by Hefei University of Technology paleontologist Jun Liu.

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Exoplaneten: Hundert auf einen Streich

Der 8,3 Lichtjahre von uns entfernte Rote Zwerg GJ 411 (Lalande 21185) hat wahrscheinlich doch einen Planeten. © Ricardo Ramirez
Der 8,3 Lichtjahre von uns entfernte Rote Zwerg GJ 411 (Lalande 21185) hat wahrscheinlich doch einen Planeten. © Ricardo Ramirez
Planetenfahndung für Alle: Astronomen haben hundert weitere Exoplaneten entdeckt, darunter einen Planeten um einen sehr nahen Stern: GJ 411 liegt nur gut acht Lichtjahre von uns entfernt. Gleichzeitig veröffentlichten die Forscher gut 60.000 Beobachtungsdaten zu 1.600 Sternen. Sie sind frei zugänglich und sollen es allen ermöglichen, bei der Suche nach extrasolaren Planeten mitzuhelfen.

scinexx

Mehr als 3.500 extrasolare Planeten sind inzwischen bekannt. Nachdem lange Zeit vor allem ferne Gasriesen und eher exotische Welten entdeckt wurden, finden Astronomen nun immer mehr Erdzwillinge auch in unserer unmittelbaren Nähe. Unter ihnen ist unser nächster Nachbar, ein erdähnlicher Planet um den Stern Proxima Centauri, aber auch gleich drei Erdzwillinge um einen 40 Lichtjahre entfernten Zwergstern und eine Supererde um einen 14 Lichtjahre entfernten Roten Zwerg.

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Türkei: Das freie Wort geht ins Exil

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Der Wahlkampf zum türkischen Verfassungsreferendum wird begleitet von Massenverhaftungen und dem Kampf gegen Universitäten und Medien

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Der Termin steht: Am 16. April soll in der Türkei über die Verfassungsreform abgestimmt werden. Das Ergebnis wäre ein Präsidialsystem, in dem Recep Tayyip Erdogan nahezu unbegrenzte Macht ausüben könnte. Die Gewaltenteilung würde aufgehoben, das Parlament überflüssig. Allerdings dürfte es ein schwieriger Wahlkampf werden für Erdogan, seine Partei AKP und die Spitze der rechtsnationalistischen MHP, die Unterstützung zugesichert hat. Denn gleich mehrere Umfragen unterschiedlicher Institute haben ergaben, dass momentan rund 58 Prozent der Türken mit „Nein“ stimmen würden.

Abgeordnete von AKP und MHP gaben sich dennoch siegessicher, während Erdogan sagte, mit der Verfassungsreform würde die Macht in die Hände der Menschen gegeben – was faktisch nicht stimmt. „Das Problem fängt schon damit an, dass ein großer Teil der Bevölkerung überhaupt nicht weiß, was mit dem Präsidialsystem auf sie zukommen würde. Vielleicht 20 Prozent der Bevölkerung weiß das einzuschätzen“, sagt die SPD-Politikerin Lale Akgün im Gespräch mit Telepolis (Aufbruch ins Mittelalter?).

Und das soll sich, wenn es nach der AKP geht, auch nicht ändern. Die Kräfteverhältnisse im Wahlkampf sind ungleich verteilt. So wird der AKP für ihre Ja-Kampagne im staatlichen Fernsehen fast doppelt so viel Zeit eingeräumt wie der Opposition – eine Praxis, die seit Langem üblich ist.

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Zwischen Political Correctness und alternativen Fakten

„Freedom of Speech“ von Ahdieh Ashram (flickr)
„Freedom of Speech“ von Ahdieh Ashram (flickr)
Debattenkultur heute. In wichtigen gesellschaftlichen Debatten ist das Sprechen miteinander einem Sprechen gegeneinander gewichen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Nicht nur Verschwörungstheorien und Szenarien des Weltunterganges zeichnende Rechte, sondern auch linke Vertreter der Political Correctness, leisten durch das Übergehen von Fakten der politischen und gesellschaftlichen Lagerbildung Vorschub.

Experiment

Inwieweit würden Sie den einzelnen Aussagen zustimmen?

  1. Ideologien sind Systeme von Überzeugungen, die sich vor Kritik immunisieren, und darauf abzielen, Werte und Normen allgemeingültig durchzusetzen.
  2. Werte und Normen allgemeingültig durchzusetzen und sich dabei vor Kritik zu immunisieren, resultiert (historisch oft) in gefährlichen Konsequenzen.
    3. Monotheistische Religionen sind Ideologien
    4. Monotheistische Religionen sind gefährlich
    5. Das Christentum ist gefährlich
    6. Der Islam ist gefährlich.

Ich gehe davon aus, dass viele Leser den ersten Aussagen zustimmen, mit der Bejahung jeder weiteren Aussage (insbesondere Nr. 6) aber größere Schwierigkeiten haben. Wichtig ist vor allem, dass man die erste Definition von „Ideologie“ für sich annehmen kann. Der Begriff ist terminologisch schwer zu fassen, dürfte in der obigen Definition aber zumindest dem impliziten Wortverständnis vieler Menschen entsprechen. Alle weiteren Aussagen sind Extensionen (das ist die Menge der Gegenstände, die unter einen Begriff fallen) des Begriffes „Ideologie“. Und zwar weil monotheistische Religionen Intensionen bzw. Merkmale aufweisen, aufgrund derer sie als ideologisch bezeichnet werden können.

Gemeinsam haben sie die Merkmale meiner Arbeitsdefinition von „Ideologie“, die aus ihrem dogmatischen Charakter resultieren. Keine dieser Religionen kommt z.B. ohne das Dogma, also ohne unumstößlichen Wahrheitsanspruch aus. Auch benutzen sie einen metaphysischen Bezugsrahmen, um daraus gesellschaftliche Normen abzuleiten, die zudem für alle Zeiten gültig sein sollen. Infolgedessen sind also alle monotheistischen Religionen ideologisch. Mal abgesehen davon, dass es religiöse Narrative und Strömungen gibt, die mal mehr und mal weniger dogmatisch sind. Sie alle eint jedoch der absolute Wahrheitsanspruch. Hoch problematisch sind gerade deshalb Passagen in den „heiligen Schriften“, die zur Gewalt oder sogar Mord aufrufen. Die Zahl derer, die im Namen des Christentums oder des Islams töteten, ist groß. Je mehr Menschen eine Ideologie als Legitimationsgrundlage für die Anwendung von Gewalt benutzen (können), desto gefährlicher ist sie.

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Staatsrechtler fordert Änderungen am Berliner Neutralitätsgesetz

Kopftuchverbot @ MiG
Kopftuchverbot @ MiG
Nach dem Kopftuch-Urteil des Landesarbeitsgerichtes fordert der Staatsrechtler Pestalozza eine Reform des Berliner Neutralitätsgesetzes. Er plädiert dafür, im Schulbereich auf ein Verbot religiöser Symbole künftig zu verzichten.

Von Lukas Philippi | MiGAZIN

Der Berliner Staatsrechtler Christian Pestalozza hat sich nach dem Kopftuch-Urteil des Landesarbeitsgerichtes für eine Reform des Berliner Neutralitätsgesetzes ausgesprochen. Nötig sei eine Novellierung, die wenigstens die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes berücksichtigt, sagte Pestalozza am Freitag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst. Das Beste wäre allerdings die Abschaffung eines Verbotes religiöser Symbole in Schulen. Dazu werde es aber wohl nicht kommen, betonte der Juraprofessor an der Freien Universität.

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hatte am Donnerstag in zweiter Instanz einer wegen ihres Kopftuches abgewiesenen muslimischen Lehramtsbewerberin wegen Benachteiligung eine Entschädigung zugesprochen. Die Bewerbung der jungen Frau als Grundschullehrerin war im Frühjahr 2015 vom Land mit Verweis auf ihre religiöse Kopfbedeckung abgelehnt worden.

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New LHC Experiments May Help Explain What Happened to All the Antimatter

Bild aus der Bauzeit des LHC. ©CERN
Bild aus der Bauzeit des LHC. ©CERN
Researchers have seen a baryon decay for the first time, which may help explain why there is far more matter than anti-matter in the universe.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

For every particle in the universe, physicists believe that there should exist an antiparticle with the same mass, but the opposite charge. When a particle and an antiparticle meet, they annihilate one another and are transformed into pure energy. Looking around, though, it’s obvious that most of the antimatter has disappeared and the universe has not been annihilated into pure energy. Although antimatter has been observed in nature, it occurs in far smaller quantities than its twin, which begs one of the most perplexing questions in physics: where did all the antiparticles go? Or to put it another way: why do we exist?

Physicists have been puzzling over this matter-antimatter asymmetry for decades, but new data coming from the Large Hadron Collider beauty (LHCb) experiment may help shed some light on the problem. As reported last week in Nature, physicists at the LHC have observed CP violation in the decay of particles known as baryons and antibaryons for the first time. Although a little more data is needed before it can officially be declared a discovery, these observations may blow open the door for new experiments that will ultimately explain what happened to all the antimatter, and beyond that, why there is something in the universe rather than nothing.

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Atheism or Non-Theism?

Excerpt from The Secular Outlook: In Defense of Moral and Political Secularism, by Paul Cliteur (Wiley-Blackwell, 2010). Reprinted with permission from the author.

By Paul Cliteur | Church and State

From Chapter 1: Atheism, Agnosticism, and Theism

Atheism or Non-Theism?

In other words, atheism seems to be superior to agnosticism. Does that mean that atheism is the best position? In a certain sense it is. Atheism in the sense defined before is highly defensible. The only problem is, hardly anybody follows the semantic convention that I, following Nagel and others, have proposed. In popular parlance atheism is associated with all kinds of negative ideas and attitudes, especially due to the way it can be defended (and undoubtedly has been defended). Atheists have a reputation for being arrogant, militant, missionary, zealous, and also impolite if not rude. For that very reason George Jacob Holyoake coined the word “secularism.”

George Jacob Holyoake (1817-1906) is most famous nowadays for his trial on the grounds of “blasphemy.”[183] During one of his lectures in Cheltenham he was confronted with a question from the audience about man’s duty to God. Holyoake’s response was that England was too poor to have a God. So it would not be a bad idea to put Him on “half pay.” For this remark he was convicted of blasphemy and sentenced to six months in jail. After his release he returned to Cheltenham. There he reiterated the exact words that had gotten him into trouble the first time.

Less well known is the fact that Holyoake coined the word “secularism.” He did this because he was convinced that “atheism” was in bad repute. He defined secularism as concern with the problems of this world. He summarized his position in the following words:

(1) Secularism maintains the sufficiency of Secular reason for guidance in human duties. (2) The adequacy of the Utilitarian rule which makes the good of others, the law of duty. (3) That the duty nearest at hand and most reliable in results is the use of material means, tempered by human sympathy for the attainment of social improvement. (4) The sinlessness of well-informed sincerity. (5) That the sign and condition of such sincerity are – Freethought – expository speech – the practice of personal conviction within the limits of neither outraging nor harming others.[184]

Holyoake may have been a learned man but he did not possess the gift of making snappy phrases. Nevertheless, in one respect he was right: the concept of “atheism” is hopelessly tainted with negative images, and any author who wants to put this epithet on the banner advertising his lifestyle is confronted with almost insurmountable difficulties. He is constantly obliged to explain his use of the term “atheism” while his audience reacts by saying: “All right, but is not atheism also …?” And then the whole litany against atheism starts all over again: isn’t it a bit arrogant to pretend to know that God does not exist? (Answer: the atheist does not proclaim that God does not exist, he affirms that the reasons to believe in his existence are inadequate.) Why are people not allowed to believe in God? (Answer: atheists are not against free speech or against freedom of conscience or freedom of religion; they only claim the right to disagree with anyone who affirms the existence of God.) Isn’t atheism a bit arrogant? (Answer: atheism is no more arrogant than agnosticism or theism. The “arrogance” is not in the position itself, but in the way that people hold their opinions: that is, if people are dogmatic or not willing to discuss their views. Atheists are usually fond of discussions.)[185]

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Interreligiöse Fakultät an der HU Berlin geplant

Bild. rbb24
Bild. rbb24
In Berlin soll offenbar eine neuartige, interdisziplinäre Theologische Fakultät errichtet werden. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) am Samstag meldete, sollen an der Humboldt-Universität (HU) künftig islamische, katholische und jüdische Theologie in die bestehende, bislang ausschließlich evangelische Theologische Fakultät eingebunden werden.

rbb24 PANORAMA

Ein Mitglied der Fakultät bestätigte dies auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). In der „FAZ“ heißt es, die Professoren der Theologischen Fakultät hätten in dieser Woche einstimmig beschlossen, bis Mitte April ein Konzept zu entwickeln, das eine Kooperation in Forschung und Lehre ermöglicht.

Bisher Institut für Islamische Theologie geplant

Damit greift die Fakultät nach Darstellung der Zeitung die Verpflichtung der Berliner rot-rot-grünen Koalition auf, dass bei den theologischen, weltanschauungs- und religionsbezogenen Studien „bestehende Regelungen und vorhandene Einrichtungen zukunftsorientiert ausgestaltet und weiterentwickelt werden“. Bislang ist bereits geplant, bis zum Wintersemester 2018/19 ein Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität einzurichten.

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Wissenschaft in der Türkei: Mit eisernem Besen durch die Hörsäle

foto: apa/afp/turkish presidential press office/ kayhan ozer Ehrendoktor Erdogan: Der türkische Staatschef hat sich mit einem seiner Dekrete das Recht gegeben, selbst die Rektoren für die Universitäten in der Türkei auszuwählen.
foto: apa/afp/turkish presidential press office/ kayhan ozer Ehrendoktor Erdogan: Der türkische Staatschef hat sich mit einem seiner Dekrete das Recht gegeben, selbst die Rektoren für die Universitäten in der Türkei auszuwählen.
Tayyip Erdoğan richtet Uni-Lehre und Bildung in seinem Sinn neu aus. Die Verbannung der Evolutionstheorie aus dem Lehrplan der Schulen ist nur ein Symbol

Von Markus Bernath | derStandard.at

Es war ein verzweifelt anmutender Versuch: Erol Önen setzte sich Ende vergangener Woche mit Frau und Kindern ins Auto und fuhr von Istanbul nach Edirne an die Grenze. Der Assistenzprofessor für Elektrotechnik von der Technischen Universität Istanbul (ITÜ) wollte irgendwie über die Maritza kommen, den Grenzfluss nach Bulgarien und Griechenland. Doch die Familie fiel der türkischen Polizei leicht in die Hände. Gegen Önen lag ein Haftbefehl vor. Seinen Job an der Universität hatte der Elektrotechniker bereits bei einer der Massenentlassungen der vergangenen Monate verloren.

Bisher knapp 7.000 „Putschisten“ und „Terroristen“ haben die konservativ-islamische Führung der Türkei und ihre Justiz an den Universitäten des Landes ausgemacht. Angebliche Mitglieder der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen – lange Jahre ein Verbündeter des heutigen Staatspräsidenten und dessen Partei AKP – sowie Hochschulmitarbeiter, bei denen Verbindungen zur kurdischen Untergrundarmee PKK vermutet werden, wurden per Dekret entlassen, manche auch gleich ins Gefängnis gesteckt.

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