„Die meisten Flüchtlinge bringen starke demokratische Grundeinstellungen mit“

Etwa die Hälfte der Geflüchteten verrichtet Fachkrafttätigkeiten.Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Wie viele Geflüchtete arbeiten? Welche Rolle spielt der Familiennachzug? Über Migration wird viel gestritten, Experte Brücker kennt die Details. Ein Interview.

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Herbert Brücker ist Direktor des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt Universität – zusammen mit der Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan – und leitet den Bereich „Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung“ am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Herr Brücker, die Arbeitsintegration von Geflüchteten lief bisher überdurchschnittlich. Stimmt das noch? Wie sind die aktuellen Zahlen?

Im April sind 36 Prozent der Einwanderer aus den Asylherkunftsländern, die seit 2015 zugezogen sind, in bezahlter Arbeit – nach der deutschen Definition, die ab dem ersten Euro Lohn gilt. Von ihnen sind wiederum etwa 80 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt etwas geringer als in der gesamten arbeitenden Bevölkerung.

In den Wintermonaten stagnierte die Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten leicht, im April– der übliche Frühjahrseffekt – zog die Beschäftigung wie im Vorjahr wieder um 10.000 Personen an.

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Transhumanismus: Von der Technikverehrung zur Mythologie

Der Biologe und Philosoph Max Schnetker über den Transhumanismus als Krypto-Religion und Eliten-Ideologie

Matthias Becker | TELEPOLIS

Der Transhumanismus stellt die Überwindung des Menschen mit technischen Mitteln in Aussicht. Ausgangspunkt seiner Hoffnungen und Befürchtungen sind denkende Maschinen, deren Fähigkeiten die von Menschen weit übertreffen sollen. Solche Geräte sind allerdings nirgendwo in Sicht, die erwartete Superintelligenz rein spekulativ und viele transhumanistische Annahmen abenteuerlich – warum verbreitet sich der Transhumanismus dennoch?

Zum ersten Mal begegnet bin ich mit dem Transhumanismus, als ich ziellos durch das Internet stöberte. Meine erste Reaktion war, dass ich die Debatte über die Rachegelüste der kommenden Superintelligenz für eine Satire hielt. Wie war deine erste Reaktion?

Max Schnetker: Bei mir war es anders. Ich kam an der Universität mit transhumanistischen Ideen in Kontakt, allerdings mit ihren sozusagen seriösen Ausläufern, Autoren wie Ray Kurzweil oder Nick Bostrom. Einem unvoreingenommenen Laien wie mir damals konnte der Transhumanismus auf den ersten Blick als seriöse Wissenschaft erscheinen, mit akademisch anmutenden Publikationen und Instituten wie dem Machine Learning Research Institute oder der Singularity University. Je mehr ich mich dann eingelesen habe, umso erschreckender fand ich die transhumanistischen Ideen. Schließlich wurde mir klar, dass sich diese Strömung nur mit den Mitteln der Ideologiekritik begreifen lässt.

Aus diesem Grund hast du vor kurzem eine Studie mit dem Titel „Transhumanistische Mythologie“ veröffentlicht. Aber lass uns erst einmal ein paar Grundlagen zum besseren Verständnis legen. Der Transhumanismus ist eine Bewegung, die vor allem in den Vereinigten Staaten aktiv ist und von der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung erwarten. KI wird sich angeblich ab einem bestimmten Zeitpunkt – der sogenannten Singularität – permanent erweitern und optimieren. Sie markiert sozusagen den Takeoff der rekursiven Selbstoptimierung.

Max Schnetker: Transhumanisten glauben, dass mit der Singularität eine Superintelligenz entstehen wird. Weil deren Intelligenz angeblich exponentiell anwachsen wird, wird sie uns Menschen schnell in einem nicht mehr nachvollziehbaren Maß überlegen sein. Häufig vergleichen Transhumanisten den Unterschied zwischen ihr und uns mit dem zwischen einem Menschen und einer Maus oder einem Insekt. In den Debatten dient diese Annahme häufig dazu, kritische oder skeptische Einwände abzuwehren, weil wir uns die Handlungsmöglichkeiten der kommenden Superintelligenz einfach nicht vorstellen können. Sie ist geradezu allmächtig, letztlich verhält sie sich zu uns wie ein Gott.

Das klingt tatsächlich nach einem kniffligen theologischen Problem. Die Ratschlüsse der Superintelligenz sind für uns Sterbliche unergründlich …

Max Schnetker: Gleichzeitig sind wir es, die dieses höchste Wesen schaffen. Wir müssten sicherstellen, dass die Superintelligenz unsere Existenz toleriert, denn sonst wird sie uns an den Rand drängen, so wie wir Menschen einen Ameisenbau planieren, um einen Parkplatz zu bauen. Die Transhumanisten sprechen in diesem Zusammenhang vom Value-Loading-Problem: Wie kriegen wir es hin, dass die KI uns wohlgesonnen bleibt – was schwierig ist, weil sie sich in einem Prozess rekursiver Optimierung selbst programmieren soll, also das eigene Programm fortlaufend verbessert.

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Kellers 200. Geburtstag: Atheismus zur Verschönerung der Welt

Älter geworden, nahm er Abschied von den Freuden des dramatisch üblen Endes: Gottfried Keller Bild: Picture-Alliance

Schreibfaul, streitlustig und an der Schwelle zur Moderne: Zum zweihundertsten Geburtstag von Gottfried Keller, dem Entschleuniger des Erzählens.

Von Jochen Hieber | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Immer öfter geht es gut aus. In Gottfried Kellers erzählerischen Hauptwerken, den beiden Fassungen des Romans „Der grüne Heinrich“ und den zehn Novellen der zweibändigen Sammlung „Die Leute von Seldwyla“, überwiegen das gelinde und das glückliche Ende. In die biographische Reihe gebracht: Je älter der Autor wird, desto abholder ist er dem traurigen, gar tragischen Finale.

Er ist Mitte dreißig, als zwischen 1853 und 1855 die erste Version des „Grünen Heinrichs“ in vier Bänden erscheint – und auf ein doppeltes Desaster hinausläuft. Heinrich, ein nach sieben Jahren gescheitert aus der Fremde heimkehrender Kunstmaler, begegnet, kaum ist die Heimat in Sicht, dem Trauerzug für die tote Mutter und stirbt kurz danach an gebrochenem Herzen und seiner Sohnesschuld. Diesen „zypressendunklen Schluss“ hat Keller rasch bedauert. Er war der Hauptgrund für die lange erwogene Revision des Romans, die aber erst ein Vierteljahrhundert später verwirklicht wurde. Jetzt trifft Heinrich die Mutter zwar schon auf dem Sterbebett, aber noch bei Bewusstsein an. Nach ihrem Tod wird er selbst noch Jahrzehnte vor sich haben, dabei ein kleines Staatsamt versehen und bei getrennter Behausung ein vertrautes Zusammensein mit der um einiges älteren Jugendliebe Judith erfahren.

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Mannheim hebt Bußgeld gegen streikende Schüler wieder auf

Die Bußgelder gegen Schüler aus Mannheim, die an „Fridays for Future“- Protesten teilnahmen, sind nun doch vom Tisch.Foto: Georg Wendt/dpa

Rolle rückwärts: Die Stadt Mannheim verzichtet nun doch auf Bußgelder gegen streikende Schüler. Der Grund: Die Schule soll andere Erziehungsmaßnahmen ergreifen.

DER TAGESSPIEGEL

Die Stadt Mannheim hat vier Bußgeldbescheide gegen Schüler wieder aufgehoben, die während der Schulzeit zu „Fridays for Future“-Protesten gegangen waren. Die Schule hätte andere Maßnahmen als die Bußgelder ergreifen können, wie es in einer Mitteilung der Stadt hieß. Das habe eine erneute Prüfung ergeben.

Die Stadt wies darauf hin, dass sie sich jährlich mit rund 300 Bußgeldverfahren wegen Schulschwänzens befasse. Deshalb sei die „Besonderheit“ der klimastreikenden Schüler im Vergleich zum klassischen Schulschwänzen bei der Prüfung zunächst nicht aufgefallen. Die Betroffenen hätten allerdings auch keinen Gebrauch von ihrem Recht gemacht, sich zum Sachverhalt zu äußern. Nach der Aufhebung müssen die betroffenen Familien nun doch nicht die 88,50 Euro zahlen.

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88,50-Euro-Bußgeld für Teilnahme an „Fridays for Future“

Wenn die Kinder zur „Fridays for Future“-Demo gehen, kann es für die Eltern teuer werden. In Mannheim erhielten nun mehrere Familien einen Bußgeldbescheid: Für nur zwei Fehlstunden an einem Tag werden fast 100 Euro fällig.

DIE WELT

Wegen der Teilnahme ihrer Kinder an einer Demonstration der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ haben vier Familien in Mannheim Bußgeldbescheide bekommen. Das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe bestätigte am Mittwoch, dass die Eltern jeweils 88,50 Euro zahlen sollen. Nach einem Bericht der Zeitung „Mannheimer Morgen“ geht es um das unentschuldigte Fehlen der Gymnasiasten in jeweils zwei Stunden am 24. Mai.

Einen Antrag auf Befreiung vom Unterricht hatten die Eltern nach Angaben des Regierungspräsidiums nicht gestellt. Der Klassenlehrer habe sie schriftlich darüber informiert, welche Konsequenzen ein unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht hat. Auch mit den Schülern seien mehrfach Gespräche geführt worden, teilte die Behörde unter Berufung auf Angaben der Schulleitung weiter mit.

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Rote Riesen vertiefen Rätsel um kosmische Expansion

Ein bestimmtes Stadium von Roten Riesensternen lässt sich als Messlatte für die kosmische Expansion nutzen. Der über sie ermittelte Wert für die Hubble-Konstante sorgt nun für Überraschung. © NASA

Zwischen den Stühlen: Astronomen haben das Tempo der kosmischen Expansion erstmals mithilfe von Roten Riesen ermittelt – und ein überraschendes Ergebnis erzielt. Denn ihr neuer Wert für die Hubble-Konstante liegt zwischen den mittels Supernovae und Cepheiden einerseits und der kosmischen Hintergrundstrahlung andererseits ermittelten Werten. Das wirft nun neue Fragen darüber auf, was hinter dieser rätselhaften Diskrepanz steckt.

scinexx

Klar ist: Unser Universum dehnt sich aus – und diese Expansion hat sich in den letzten Milliarden Jahren sogar noch beschleunigt. Doch das genaue Tempo der kosmischen Ausdehnung ist strittig – und damit auch der Wert der Hubble-Konstante – einem der Grundpfeiler unseres kosmologischen Standardmodells. „Die Hubble-Konstante ist der Parameter, der den Maßstab, die Größe und das Alter des Kosmos setzt“, erklärt Wendy Freedman von der University of Chicago.

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Das Klimabuch: Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken

Das Klimabuch: Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken

Dürre und Hitzewellen, aber auch Kälteeinbrüche, Überflutungen und Starkregen: Die Klimakrise ist zu einem globalen Thema geworden, das niemand mehr ignorieren kann.

Von Esther Gonstalla | scinexx

Gebundenes Buch, 128 Seiten
oekom verlag, 2019
Preis: € 24,00

Hier setzt »Das Klimabuch« an: Mit der Unterstützung zahlreicher Wissenschaftler hat Esther Gonstalla die komplexen Zusammenhänge und wissenschaftlichen Daten zur globalen Erwärmung zu leicht verständlichen Infografiken verarbeitet – für alle, die nicht nur begreifen, sondern auch handeln wollen.

Etwas katholischer Big-Bang-Kreationismus

Albert Einstein im Gespräch mit Georges Lemaitre am 12. Januar 1933 im kalifornischen Pasadena. Bild: © picture alliance/akg-images

Kopernikus und der „Fall Galilei“ werden bis heute in der Schule gelehrt. Sie trieben einen Keil des Misstrauens zwischen Kirche und Wissenschaft. Doch es war auch ein katholischer Priester, der zuerst den Knall hörte.

Von Alexander Brüggemann | katholisch.de

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde aber war wüst und leer (…), und Gottes Geist schwebte über den Wassern.“ So wird der Anfang der Welt in der Genesis beschrieben, dem ersten Buch der Bibel. Dass dieser Schöpfungsbericht kein wissenschaftliches Traktat, sondern vielmehr ein mehr als 2.500 Jahre altes Glaubenszeugnis ist, hat sich außerhalb der kreationistischen Lehre herumgesprochen. Wissenschaftsfeindlichkeit wird der Kirche bis heute unterstellt. Aber es war ausgerechnet ein katholischer Priester, der die Gegentheorie vom „Urknall“ entwickelte: der Belgier Georges Lemaitre, der vor 125 Jahren, am 17. Juli 1894, geboren wurde.

Die wichtigste Erkenntnis dieses Astrophysikers und Theologen ist so simpel wie einleuchtend: Das Weltall hat seinen Ursprung in der Zeit. Wenn Galaxien permanent auseinanderdriften, dann müssen sie früher näher beieinandergelegen haben. Und das legt nahe, dass noch viel früher das gesamte Universum in einem einzigen Punkt konzentriert gewesen sein muss: dem „Ur-Atom“, das „im Moment der Entstehung des Universums explodierte“. Lemaitre ging davon aus, dass die kurz zuvor entdeckte Rotverschiebung von Sternennebeln nicht als Folge einer Bewegung von Galaxien im All, sondern der Ausdehnung des Weltalls selbst zu deuten sei.

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Tust Du nur so, oder glaubst Du schon? – Religion kann auch Sache des Kalküls sein, sagt Blaise Pascal

Der Mathematiker Blaise Pascal gibt sich als Anwalt der Vernunft – und argumentiert zugleich mit der Eindringlichkeit eines gläubigen Christen. (Bild: Wellcome Library, London / CC BY 4.0)

Wo es keine Gewissheit gibt, genügt es auf das Wahrscheinliche zu wetten. Vielleicht sogar, wenn’s um Gott geht: Blaise Pascal zeigt Skeptikern einen Weg zur Seligkeit

Thomas Ribi | Neue Zürcher Zeitung

Das Rezept ist einfach. Vielleicht zu einfach, als dass man ohne weiteres darauf vertrauen würde. Schliesslich geht es um den Glauben. Um die ewige Seligkeit. Im Frankreich des 17. Jahrhunderts also um viel, wo nicht um alles. Aber Blaise Pascal spricht ohne Augenzwinkern. Er argumentiert mit der Eindringlichkeit des gläubigen Christen – und zugleich mit der gelassenen Autorität des Mathematikers, der sich der Rationalität seiner Beweisgründe sicher ist. Nur zwischendurch klingt er wie ein Bankberater, der uns einen Fonds mit bester Rendite andrehen will. Ganz ohne Risiko natürlich.

Das klingt so: «Wenn Ihr gewinnt, so gewinnt Ihr alles, und wenn Ihr verliert, so verliert Ihr nichts. Wettet also, ohne zu zögern.» Eine Wette auf die Existenz Gottes bietet Pascal an, in einem nur wenige Seiten umfassenden Fragment seiner nachgelassenen Schriften, der 1670 erstmals erschienenen «Pensées sur la Religion et sur quelques autres sujets». Eine Wette für Skeptiker, die nicht davon zu überzeugen sind, dass es Gott gibt – eine Haltung, die für Pascal durchaus der Vernunft entspricht.

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Adorno zum 50. Todestag: Die Vernunft der Verrückten

Engagement im öffentlichen Raum. Der Schriftsteller Heinrich Böll, der Philosoph Theodor W. Adorno und Suhrkamp-Verleger Siegfried…Foto: Manfred <EL-2>Rehm/p-a/dpa

Was hat uns die Kritische Theorie noch zu sagen? Zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno, des vielseitigsten Denkers der Frankfurter Schule, erscheint ein verblüffend aktueller Vortrag über Rechtsradikalismus.

Von Gregor Dotzauer | DER TAGESSPIEGEL

Im Auf und Ab der philosophischen Strömungen erhebt auch die Kritische Theorie immer wieder ihr gestrenges Haupt. Am stolzesten reckt sie es seit jeher in Frankfurt am Main, wo ihr Max Horkheimer Anfang der 1930er Jahre im Rahmen des Instituts für Sozialforschung die Aufgabe einer Unruhestifterin wider den Quietismus der herkömmlichen Philosophie zuwies. Von der Mischung aus Marxscher Gesellschaftsinterpretation, Hegelscher Begriffsdialektik und Freudscher Psychoanalyse, wie sie die „Dialektik der Aufklärung“ prägt, eines ihrer im amerikanischen Exil zusammen mit Theodor W. Adorno verfassten Hauptwerke, hat indes vor allem der ideologiekritische Zug überlebt.

Nicht nur die alljährlichen Adorno-Vorlesungen an der Goethe-Universität, das Aushängeschild ihrer Vitalität, haben sich in viele Themenfelder hinein geöffnet. Seit 2002 haben so unterschiedliche Denker und Denkerinnen wie die Philosophin Judith Butler, die Soziologin Eva Illouz, der Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt oder der Germanist Albrecht Koschorke Motive der Kritischen Theorie weitergesponnen. Im Vorfeld von Adornos 50. Todestag am 6. August, zu dem heute auch ein Vortrag über Rechtsradikalismus von ungewöhnlicher Aktualität erscheint, ging es dieses Jahr mit Peter E. Gordon zurück zu den Quellen: Der in Harvard lehrende Ideenhistoriker interpretierte Adorno im Hinblick auf dessen Verständnis von Materialismus, Metaphysik und Ästhetik.

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Höckes AfD: Die Stärke des „Flügels“

Die AfD hat im Osten kaum Mitglieder. Trotzdem sind die Radikalen um Höcke stärker denn je.

Von Markus Wehner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das Kyffhäuser-Treffen des rechtsnationalistischen „Flügels“ der AfD am vergangenen Wochenende, auf dem Björn Höcke seine Kampfansage an die Parteiführung machte, stand unter dem Motto „Der Osten steht auf“. Es zeugt von dem Anspruch der AfD, die neue Ost-Partei der Republik zu sein. Zwar ist diese Selbstdarstellung überzogen, nimmt man die Gesamtheit der Wähler in den Blick. Selbst bei Wahlergebnissen von 20 bis 25 Prozent, welche die AfD in den ostdeutschen Ländern erzielt, wählt die große Mehrheit der Bürger dort andere Parteien. Ohne Grundlage ist der Anspruch allerdings nicht.

Schließlich ist die Partei in Sachsen und in Brandenburg bei der Europawahl vor wenigen Wochen stärkste Kraft geworden. Bei den Landtagswahlen im September und Oktober könnte es ähnlich ausgehen. In Sachsen ringt die AfD mit der CDU um die Führungsrolle; in Brandenburg gibt es gleich vier Parteien, nämlich SPD, CDU, Linke und Grüne, die knapp hinter der AfD liegen. Nur in Thüringen verteidigt die Linke, die dort den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow stellt, ihren einstigen Nimbus als die Ost-Partei schlechthin. Auch die Thüringer CDU liegt in den Umfragen vor der Höcke-AfD. Doch die wird seit langem stabil bei 20 Prozent gemessen.

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„Aufschieberitis“ liegt auch in den Genen

Lieber morgen als heute: Der Hang zum Prokrastinieren liegt auch in den Genen. © Brain Jackson/ istock

Morgen ist auch noch ein Tag: Wer getreu dieses Mottos immer wieder Aufgaben aufschiebt, kann künftig seinen Genen die Schuld geben – zumindest als Frau. Denn wie eine Studie offenbart, lässt sich der Hang zum Prokrastinieren beim weiblichen Geschlecht an der Ausprägung eines bestimmten Gens ablesen. Dieser DNA-Abschnitt beeinflusst die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Gehirn: Je höher der Dopaminspiegel, desto eher neigen Frauen zum Aufschieben.

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Manche Menschen arbeiten ihre To-do-Liste lieber schnell ab, andere schieben unangenehme Aufgaben immer wieder vor sich her. Diese „Aufschieberitis“ kann im Extremfall so weit gehen, dass sie das Privat- und Berufsleben der Betroffenen beeinträchtigt. Doch wie lässt sich die Neigung zum Prokrastinieren erklären? Studien legen nahe, dass unter anderem die Gehirnanatomie eine Rolle spielt. So lässt sich der Hang zum Aufschieben an der Größe und Verknüpfung zweier Hirnareale ablesen.

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„Random Transiter“ gibt Rätsel auf

Der sonnenähnliche Stern HD 139139 gibt Astronomen Rätsel auf, denn seine Abschattungen sind zwar gleichartig, aber völlig zufällig verteilt. © NASA/JPL-Caltech

Unerklärliche Schatten: Astronomen haben einen Stern entdeckt, dessen Licht gleich 28 Mal in kurzer Folge verdunkelt wurde. Das Seltsame jedoch: Diese Transits sind zwar alle gleich stark, aber so unregelmäßig, als hätte sie ein Zufallsgenerator erzeugt. Dass sie durch Planeten oder Asteroiden im Orbit dieses Sterns verursacht werden, sei daher unwahrscheinlich, so die Forscher. Auch Staubwolken oder zerfallende Planeten passen nicht ins Bild. Was aber ist dann die Ursache?

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Wenn ein Stern einen oder mehrere Planeten besitzt, verraten sich diese oft durch Schatten in der Lichtkurve des Sterns: In periodischen Abständen dimmen sie das Sternenlicht ab, weil sie vor ihrem Mutterstern vorüberziehen. Diese Transits ähneln scharf abgegrenzten, regelmäßig auftretenden Trögen in der Lichtkurve. Doch es gibt auch Exoten mit unregelmäßigen oder seitlich „ausgeschmierten“ Abdimmungen, darunter der „Alien-Stern“ KIC 8462852 oder der junge Stern RW Aur A. Bei solchen Sternen können Astronomen nur spekulieren, was die ungewöhnlichen Transits verursacht.

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Gravitation: Alternative zu Einstein?

Diese Galaxie entstand in einer Simulation unter den Bedingungen einer modifizierten Relativitätstheorie, bei der sich die Gravitation mit der Materiedichte verändert (links Aufsicht, rechts Seitenansicht). © Christian Arnold, Baojiu Li/ Durham University

Veränderliche Gravitation? Physiker haben erstmals die Gültigkeit einer alternativen Version der Allgemeinen Relativitätstheorie für die Galaxienbildung getestet. Demnach wäre die Gravitation im Gegensatz zu Einsteins Modell nicht konstant, sondern würde sich je nach Materiedichte verändern. Die neue Simulation belegt, dass selbst unter diesen Umständen die bekannten Galaxienformen und -eigenschaften zustande kommen können, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Astronomy“ berichten.

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Die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein bildet bis heute die Grundlage unseres physikalischen Weltbilds. In ihr beschrieb er die Gravitation und ihre Wirkungsweise auf völlig neue Art – als eine direkte Folge der Raumzeit-Geometrie. Seither hat Einsteins Theorie ihre Gültigkeit in unzähligen Tests bewiesen, sei es in der Gravitations-Rotverschiebung, beim Äquivalenzprinzip und auch in extragalaktischen Skalen.

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Zukunftslabor Lindau 2019: „Es reicht nicht, was bisher erreicht wurde“

Wolfgang Ketterle auf der Nobelpreisträgerung 2019 Bild: Christian Flemming

Die 69. Nobelpreisträgertagung am Bodensee war so kämpferisch aufgelegt wie selten. Für die Wissenschaft geht es ums Ganze: gegen Populismus und Demagogie. Physik, das Thema des Treffens, trat aber nur kurzzeitig in den Hintergrund, 580 Jungforscher aus 89 Ländern sorgten dafür, dass der Blick nach vorne ging.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Man kann die Sippe, die seit nun fast siebzig Sommern Jahr für Jahr in einem Inseldorf am Bodensee zusammengetrommelt wird, als einen höchst ungewöhnlichen, höchst elitären Menschenstamm begreifen. Man kann es aber auch wie Brian Schmidt sehen. Er ist Australier, Physik-Nobelpreisträger von 2011, und er hat auf dieser 69. Lindauer Nobelpreistragung in einer faszinierenden Eröffnungsrede den „Stamm“ der Wissenschaftler aufgerufen, alles zu tun, den Rest der Gesellschaft wieder an das gemeinsame Lagerfeuer zurückzuholen – auch die Ignoranten, Andersmeinenden und vor allem die Demagogen und „politischen Kräfte, die unsere Welt zerstören wollen“.

Gut 580 ausgewählte junge Wissenschaftler aus sage und schreibe 89 Ländern (Rekord!) hörten ihm ehrfürchtig zu, und auch die 39 Nobelpreisträger in der Inselhalle hingen an Schmidts Lippen. Denn was der Kosmologe zu sagen hatte, der sich inzwischen auch als politischer Anwalt der aufgeklärten Welt versteht, hatte etwas von einer Ruckrede. „Wir müssen es irgendwie schaffen“, sagte Schmidt, zusammen mit allen eine Zukunft zu bauen, „in der man Wissenschaft und Evidenz wieder vertraut.“ Schon Bettina Gräfin Bernadotte, Gastgeberin des Laureatentreffens, gab in ihrer Rede dieser Sehnsucht eine Stimme. Den antiwissenschaftlichen Strömungen müsse etwas Überzeugendes entgegengesetzt werden. „Es reicht nicht, sich mit dem zufrieden zu geben, was erreicht ist“, sagte die Gräfin mit Blick auf die vielen Nachwuchstalente. Ja, die Zeiten sind ganze besondere.

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Die Dritte Aufklärung“ von Michael Hampe: Wissen wagen wollen

Kants Gedanken zur Aufklärung scheinen nicht alle zu überzeugen: 2018 wurde seine Statue in Kaliningrad mit rosa Farbe besudelt.Foto: dpa/Vitaly Nevar

Bildungsoffensive zur Vermeidung von Gewalt: Michael Hampe versucht sich in seinem Buch „Die Dritte Aufklärung“ an einer Neudefinition der Philosophie.

Von Hendrikje Schauer | DER TAGESSPIEGEL

„Dare to know“ prangt in großen, weißen Lettern auf den Rückseiten der neuen Bände aus der 1713 in Berlin gegründeten Nicolaischen Verlagsbuchhandlung, die jetzt Nicolai Publishing & Intelligence, kurz: NP&I heißt. Aufklärung reloaded? „Die Dritte Aufklärung“ von Michael Hampe, Philosophieprofessor an der Zürcher ETH, gehört zu den ersten Büchern des Verlags (Nicolai Publishing & Intelligence, Berlin 2019. 96 Seiten, 20 €). Es kommt, mit fünf anderen Bänden, in einem Schuber: „Diskurse, die wir führen müssen“.

1783 provozierte die Frage des Berliner Pfarrers Johann Friedrich Zöllner, was Aufklärung denn sei, eine Reihe von prominenten Antworten. Darunter ist der berühmte Beitrag Immanuel Kants, der wiederum Worte des Horaz aufgriff. Dabei war die Frage des Pfarrers, zu jener Zeit Prediger an der Marienkirche, in einer Fußnote versteckt und als Spott gedacht. Eine „zweite Aufklärung“ rief der italienische Philosoph Ernesto Grassi, der bei Martin Heidegger studiert hatte, in den Nachkriegsjahren aus. Es war als Rechtfertigung der von ihm herausgegebenen Reihe „rowohlts deutsche enzyklopädie“ angelegt. 75 Bände waren seit 1955 erschienen. Bildung für die Massen wollte Grassi: Das klang schon fast wieder nach der Predigt von der Kanzel.

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Philosophie ganz ohne Bart

Die Ermordung der Philosophin Hypathia (4. Jahrhundert). Viele weibliche Intellektuelle vor und nach ihr blieben gänzlich unbekannt. Dass aber Frauen schon immer eine Rolle in der Philosophie spielten, zeigt ein mehr als 300 Jahre altes Buch. (Imago / Leemage)

Sinnbildlich für die Philosophie steht die antike Männerbüste: bärtig, in Denkerpose. Gilles Ménages „Geschichte der Philosophinnen“ aus dem 17. Jahrhundert zeigt: Philosophie war schon immer auch weiblich. Erstmals ist das Buch nun auf Deutsch erschienen.

Von Catherine Newmark | Deutschlandfunk Kultur

Die Geschichte der Philosophie wird gerne entlang von großen toten Männern erzählt: Platon, Aristoteles, Descartes, Kant, Hegel usw. Dass Frauen kaum auftauchen, fällt den meisten schon längst nicht mehr auf. Und wer drei Philosophinnen nennen soll, denkt meist an solche aus dem 20. Jahrhundert, als sich die Lebensverhältnisse so weit modernisiert und die akademischen Institutionen so weit geöffnet hatten, dass die Philosophie Frauen offen stand: Simone de Beauvoir, Hannah Arendt, Judith Butler.

Versuch, weibliche Intellektuelle sichtbar zu machen

Dass auch frühere Jahrhunderte – und das bis zurück zu den alten Griechen und damit den Ursprüngen der westlichen Philosophie – voller philosophierender Frauen waren, hat die „Frauenforschung“ seit den 1970er- und 1980er-Jahren immer wieder gezeigt. Gerade für die feministischen Philosophinnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es wichtig zu betonen, dass es natürlich auch Vorläuferinnen gegeben hat, und dass diese zu Unrecht vergessen wurden. So wurden in den letzten Jahrzehnten viele weibliche Denkerinnen wiederentdeckt: von der antiken Philosophin Hypathia über die mittelalterliche Feministin Christine de Pizan bis zur Naturphilosophin Margaret Cavendish im 17. Jahrhundert.

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Blutsaugende Fliegen vernichten die Brut von Darwins Finken

Der kleine Baumfink gehört zu den am stärksten von den Parasiten betroffenen Arten auf den Galapagosinseln. – (c) Michael Dvorak

Die Vögel, die Charles Darwin 1835 erstmals auf den Galapagosinseln beobachtete, werden von einem aggressiven Parasiten heimgesucht, der sie in kürzester Zeit ausrotten könnte – auch deshalb, weil sich die Blutsauger evolutionär schneller verändern als ihre Opfer.

Von Wolfgang Däuble | Die Presse.com

Die Fliege kommt, sobald die Küken geschlüpft sind: Sie legt ihre Eier in die Nasenlöcher der Neugeborenen, dort schlüpfen die Larven, die sogleich damit beginnen, den Neugeborenen das Blut aus den Schnäbeln zu saugen. Ab dem zweiten Larvenstadium wandern die Parasiten dann in den dicken, weichen Nestboden, aus dem sie nachts wieder hervorkriechen, um sich an der wehrlosen Vogelbrut zu laben – vergeblich steigen die winzigen Küken übereinander, um den schmerzhaften Stichen zu entgehen. Die Maden saugen sich an ihren Bäuchen fest und lassen nicht eher locker, bis sie sich vollgesogen haben.

„Alle Nester der siebzehn Arten von Darwinfinken sind betroffen“, schildert Sabine Tebbich, Evolutionsbiologin der Abteilung für Kognitionsbiologie der Uni Wien, die dramatische Lage auf den Galapagosinseln. „Die Anzahl der Larven ist extrem hoch, 70, 80 Larven haben wir pro Nest gezählt. Diese Parasiten werden bis zu zwei Zentimeter lang, ein Küken wiegt aber nur ein paar Gramm – das hat keine Chance.“

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Bangladesch: Nur der Mensch belügt sich selber

Auf der Abdul Hamid Road in Pabna gehen sich zwei Verkehrsteilnehmer an der Kragen. Foto: Gilbert Kolonko

In Bangladesch ist der eigentliche Wahnsinn nicht in der größten Nervenheilanstalt des Landes zu Haus. Eher am ersten Atomkraftwerks Bangladeschs

Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

Es kokelt und lärmt am staubigen Abschnitt der Sadarghat-Road in Dhaka – der schwarze Buriganga-Fluss ist nur zu riechen. In gespieltem Ernst ringen zwei Arbeiter an einem Teestand miteinander, während andere Teetrinker sie anfeuern. Mit einer geschickten Drehung reißt sich der kleinere von seinem Gegner los, springt zwei Schritte zurück, streckt die Brust vor und ruft mit ausgestrecktem Zeigefinger: „Du bist verrückt (bhabna). Geh nach Pabna!“

Obwohl der Satz in Bangladesch täglich tausende Male ausgesprochen wird, brechen die Teetrinker in herzhaftes Lachen aus – anschließend ist jeder von ihnen wieder ein Teil des Gewimmels aus beladenden Rikschas und Lastenträgern, die sich zwischen brennenden Müllhaufen und Fabrikabgasen für zwei bis drei Dollar am Tag verdingen.

160 Kilometer südwestlich der 20 Millionen Einwohner-Metropole Dhaka stehe ich inmitten eines begrünten Geländes vor einem Ziegelsteingebäude. Es herrscht himmlische Ruhe, Männer und Frauen spazieren plaudernd in kleinen Gruppen herum. Nur drei Kilometer entfernt im Zentrum der Kleinstadt Pabna tobt der Wahnsinn auf der Abdul Hamid Road. Fußgänger, Autos, Motorräder und Rikschas schieben sich schreiend, hupend oder klingelnd Stück für Stück voran.

Dass sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer nur ab und zu an den Kragen gehen, grenzt an ein Wunder. An den Straßenrändern ist gefühlt jedes dritte Geschäft eine Apotheke. In einer der offenen Betonboxen sitzt der 28-jährige Ashit und gibt beinahe im Sekundentakt allerhand Pillen an seine Kunden aus. Auf die Frage, warum er sich das antue, täglich zehn Stunden in diesem Lärm zu sitzen, schreit er freudig: „Weil ich im Monat knapp 100.000 Taka (ca.1.100 Euro) Gewinn mache.“ Bei einem Textilarbeiter-Durchschnittslohn von umgerechnet 60 Dollar im Monat ist das mehr als ordentlich. Den Gedanken, dass Ashit in ein paar Jahren wohl sein eigener bester Kunde sein wird, behalte ich für mich.

„Vom Kopf her sehr robust“

Eigentlich sollte der Wahnsinn im Backsteingebäude selbst zu Hause sein, schließlich beherbergt es die größte Nervenheilanstalt Bangladeschs. Doch in den Gängen des Gebäudes treffe ich auf entspannte Menschen. „Wir behandeln aktuell 401 Patienten stationär, vorwiegend wegen Schizophrenie“, sagt der Superintendent der Klinik Susanto Kumar in seinem geräumigen Büro. Sein Kollege Doktor Munnaf ergänzt: „Die meisten Patienten behandeln wir jedoch ambulant.“ Bis zu einem Prozent der Menschen trügen die psychische Erkrankung Schizophrenie in sich, doch ob sie ausbreche, liege oft an äußeren Einflüssen.

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«Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich»

Entwicklungsphasen des Universums. Bild: NASA, WMAP Science Team/public domain

Der Nobelpreisträger Adam Riess gehört zu den Wegbereitern des Standardmodells der Kosmologie. Im Interview mit Christian Speicher erklärt er, warum er heute nicht mehr restlos von diesem Modell überzeugt ist.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Herr Riess, es ist nicht vielen Kosmologen vergönnt, einem neuen Weltbild zum Durchbruch zu verhelfen. Sie hatten daran Ende der 1990er Jahre grossen Anteil. Was ist damals geschehen?

Damals war man davon überzeugt, dass das Universum im Wesentlichen aus Materie besteht, die durch ihre Anziehungskraft die Ausdehnung bremst – möglicherweise sogar so stark, dass das Universum eines Tages wieder kollabiert. Zu unserer Verwunderung stellten wird damals jedoch fest, dass sich die Expansion nicht verlangsamt, sondern im Gegenteil sogar beschleunigt. Daraus folgte unmittelbar, dass die Materie nicht die wichtigste Zutat des Universums ist. Es muss vielmehr etwas geben, was der Anziehungskraft der Materie entgegenwirkt und die Expansion beschleunigt. Dieses Etwas, was immer es ist, nennen wir dunkle Energie.

Was war Ihr erster Eindruck, als Sie die Daten sahen?

Ich dachte, dass sie falsch seien und wir bei der Messung einen Fehler gemacht hätten. Was wir sahen, war verrückt. Aber als Wissenschafter hat man die Pflicht, seine Ergebnisse zu veröffentlichen, wenn man sein Bestes gegeben und alle Fehlerquellen ausgeschlossen hat. Nur so können andere Kosmologen versuchen, diese Ergebnisse zu bestätigen oder zu widerlegen.

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