Mission Rosetta: Letzte Landung auf dem Kometen

© ESA / Rosetta / MPS for OSIRIS Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA
© ESA / Rosetta / MPS for OSIRIS Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA
Am 30. September endet der Auftrag der Raumsonde Rosetta mit einem kontrollierten Absturz. Auf der Erde ist die Arbeit aber noch lange nicht vorbei

Von David Rennert | derStandard.at

Als Swetlana Gerassimenko in der Nacht auf den 12. September 1969 in Kasachstan Fotoplatten belichtete, konnte sie nicht ahnen, wie bedeutsam das einmal für die europäische Raumfahrt sein würde. Mit den Aufnahmen, die den seit 1926 bekannten Kometen Comas Solà zeigen sollten, stimmte etwas nicht.

Nähere Untersuchungen durch den ukrainischen Astronomen Klym Tschurjumow zeigten: Auf den Bildern war tatsächlich ein schwaches Abbild von Comas Solà zu sehen, aber viel deutlicher noch ein anderer, unbekannter Komet. Er trägt seither die offizielle Bezeichnung 67P/Tschurjumow-Gerassimenko.

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Sexuelle Vielfalt darf kein Lernziel des Unterrichts sein

Gutachten kritisiert schleswig-holsteinische Schulpolitik: Förderung von „Akzeptanz“ vielfältiger sexueller Verhaltensweisen statt „Toleranz“ ist verfassungswidrig und mit dem geltenden Schulgesetz in Schleswig-Holstein unvereinbar

kath.net

Der Staat ist im Bereich der Sexualerziehung zu Zurückhaltung und Toleranz verpflichtet. Die Förderung der Akzeptanz vielfältiger sexueller Verhaltensweisen ist verfassungswidrig und mit dem geltenden Schulgesetz in Schleswig-Holstein unvereinbar. Zu diesem Ergebnis kommt ein Rechtsgutachten des Verfassungsrechtlers Christian Winterhoff (Hamburg), das der Verein „Echte Toleranz“ (Aumühle) in Auftrag gegeben hat. In dem 100-seitigen Dokument schreibt Winterhoff, die Schule müsse jeden Versuch unterlassen, ein bestimmtes Sexualverhalten zu befürworten oder abzulehnen: „Sie hat das natürliche Schamgefühl der Kinder zu achten und muss allgemein Rücksicht nehmen auf die religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen der Eltern, soweit sie sich auf dem Gebiet der Sexualität auswirken.“ Staatliche Vorgaben für die schulische Sexualerziehung, die Hetero-, Bi-, Homo- und Transsexualität als „gleichwertige Ausdrucksformen von Sexualität vorgeben, verstoßen gegen das verfassungsrechtliche Indoktrinationsverbot“, so Winterhoff. Im Falle eines unzulässigen Sexualerziehungskonzepts bestehe für Kinder ein Anspruch auf Befreiung vom Unterricht.

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Time might only exist in your head, say physicists

Pete LinForth/Pixabay
Pete LinForth/Pixabay
Out of all the pressures we face in our everyday lives, there’s no denying that the nature of time has the most profound effect. As our days, weeks, months, and years go by, time moves from past to present to future, and never the other way around.

science alert

But according to the physics that govern our Universe, the same things will occur regardless of what direction time is travelling in. And now physicists suggest that gravity isn’t strong enough to force every object in the Universe into a forward-moving direction anyway.

So does time as we know it actually exist, or is it all in our heads? First off, let’s run through a little refresher about the so-called arrow of time.

Thanks to the forward-facing arrow of time, young becomes old, and the past becomes the present, which was once the future. You can’t unscramble your eggs, and you can’t Control Z a broken leg.

But if we forget our own perspective for a second, zoom right out, and look at the Universe as a whole, as far as we can tell, the only thing that governs the behaviour of the Universe are the laws of physics.

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Ostdeutschland: Der Ossi macht einfach alles falsch

Wegen der Bilder aus Heidenau würden sich Investoren nicht mehr in den Osten trauen, sagt die Bundesregierung. So kann man einen Landesteil auch verdammen, da braucht man gar keine Reisewarnungen mehr. Foto: afp
Wegen der Bilder aus Heidenau würden sich Investoren nicht mehr in den Osten trauen, sagt die Bundesregierung. So kann man einen Landesteil auch verdammen, da braucht man gar keine Reisewarnungen mehr. Foto: afp
Ostdeutsche werden verspottet in einer Härte, wie es eigentlich mehr als 25 Jahre nach der deutschen Einheit nicht mehr denkbar schien. Waren wir da nicht schon weiter?
 

Von Sabine Rennefanz | Frankfurter Rundschau

Am nächsten Montag jährt sich die deutsche Einheit, 26 Jahre ist das jetzt her. Es gibt Ausländer, die einem zum Einheitstag gratulieren. Und die Deutschen? Freuen sich über den freien Tag. Aber feiern, so mit Sekt?

Von Anfang an war der 3. Oktober ein unemotionaler, künstlicher Feiertag – und in diesen Tagen ist die Stimmung so mies wie seit Jahren nicht. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Gräben zwischen Ost und West gewachsen. Die Bundesregierung erklärte gar im Bericht zum Stand der Einheit ganz Ostdeutschland zum Gefahrengebiet, als gebe es nicht große Unterschiede zwischen verlassenen ländlichen Regionen und Boom-Städten wie Leipzig.

Fremdenhass würde die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland bedrohen. Wegen der Bilder aus Freital, Heidenau, Bautzen würden sich Investoren nicht mehr in den Osten trauen, sagt die Bundesregierung. So kann man einen Landesteil auch verdammen, da braucht man gar keine Reisewarnungen mehr.

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Mercury Is More Earth-Like Than We Thought

Topography of Mercury’s northern hemisphere. Image: NASA/JHUAPL/Carnegie Institution of Washington/USGS/Arizona State University
Topography of Mercury’s northern hemisphere. Image: NASA/JHUAPL/Carnegie Institution of Washington/USGS/Arizona State University
Mercury has been hiding an exciting secret: the closest planet to our Sun is perpetually shrinking, according to new data from NASA, which shows the appearance of new, tiny cracks on Mercury’s surface called “fault scarps”. This means that out of all the planets in our solar system, only Mercury and the Earth are tectonically active, with crusts that change their shapes from the inside out.

By Madison Margolin | MOTHERBOARD

The findings come from images collected by NASA’s MESSENGER (MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry and Ranging) spacecraft, and are scheduled to be published in the October issue of Nature Geoscience. The uncrewed MESSENGER orbited Mercury at an extremely low-altitude for part of its mission, allowing it to capture details of the planet’s surface from closer than ever before. The images were obtained in the last 18 months of the MESSENGER’s orbit, before the spacecraft crashed on Mercury on April 30, 2015.

„Mercury is not a body where most of the activity has occurred in the distant past,“ lead author and Smithsonian senior scientist Thomas Watters told Motherboard. „These faults are so small, they’ve got to have formed very recently.“ Because Mercury, like Earth, is tectonically active, the planet’s contractions caused the faults to form.

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Was ist deutsch – und wenn ja, wie viele?

Das „Wesen“ der Deutschen bekommt wieder Relevanz und Aktualität / picture alliance
Das „Wesen“ der Deutschen bekommt wieder Relevanz und Aktualität / picture alliance
Hierzulande wird immer wieder versucht, ein übernationales Selbstverständnis zu basteln. Doch die Mehrheit der Deutschen sieht die deutsche Kultur als „Leitkultur“ an. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern ganz normal.

Von Alexander Grau | Cicero

Mit sich selbst beschäftigen sich die Deutschen am liebsten. Vorzugsweise kritisch. Das ist keine neue Eigenart. Schon der von ihnen zum Dichterfürsten erkorene Goethe haderte mit seinen Landsleuten. Schopenhauer bekannte, dass er „die deutsche Nation wegen ihrer Dummheit verachte“. Und Nietzsche ätzte: „So weit Deutschland reicht, verdirbt es die Kultur.“

Nein, deutsche Selbstzweifel sind kein Produkt von Nachkriegszeit und Vergangenheitsbewältigung. Allerdings haben Weltkrieg und Massenmord das ohnehin verwickelte Verhältnis der Deutschen zu sich selbst endgültig pathologisiert. Kein Volk der Welt ist so leidenschaftlich damit beschäftigt, nicht es selbst zu sein – und dabei ganz bei sich.

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„Faschistische Mentalität war nie tot“

Die Eigentumsverhältnisse blieben unangetastet: italienische Faschisten in den zwanziger Jahren Foto: afp
Die Eigentumsverhältnisse blieben unangetastet: italienische Faschisten in den zwanziger Jahren Foto: afp
Für Faschisten ist die Gesellschaft ein lebender Organismus: der israelische Politologe Zeev Sternhell über die Aktualität ihres Denkens.

Interview Jan Feddersen | taz.de

taz: Herr Sternhell, nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Holocaust dachte die Welt, die faschistische Gefahr sei vorüber. War das eine unsinnige Diagnose?

Zeev Sternhell: Das war das Ergebnis davon, das Wesen des Faschismus und auch des Nazismus zu missverstehen. Für die meisten Menschen in Europa war es sehr bequem zu denken, dass die 1920er und 1930er nicht mehr waren als ein unglückliches Ergebnis des Ersten Weltkrieges. Ein Unfall, der nicht wirklich zur Geschichte dieser Länder gehörte. Für Benedetto Croce war der italienische Faschismus ein Phänomen „in Klammern“, das nicht zur italienischen Geschichte gehörte. In Frankreich wurde die Vichy-Diktatur als ein unbedeutendes Übergangsphänomen zwischen der Dritten und Vierten Republik gesehen.

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Alan Turing: Wissenschaftler rekonstruieren erste Computer-Musikaufnahme

Alan Turing (ca. 1938). Bild: wikimedia.org/PD
Alan Turing (ca. 1938). Bild: wikimedia.org/PD

Erst knackte er Enigma, dann programmierte er „God Save the King“: Vor 65 Jahren nahm der Informatiker Turing Musik mit einem selbstgebauten Rechner auf. Jetzt ist sie wieder zu hören.

DER TAGESSPIEGEL

Neuseeländischen Wissenschaftlern ist es nach eigenen Angaben gelungen, die allerersten Aufnahmen von mit Computern generierter Musik zu restaurieren. Die 65 Jahre alten Aufnahmen zeigten, dass der britische Mathematiker und Informatiker Alan Turing auch auf musikalischem Gebiet ein Wegbereiter gewesen sei, erklärten die Forscher der Universität von Canterbury im neuseeländischen Christchurch am Montag.

Turings Pionierarbeit bei der Umwandlung des Computers zum Musikinstrument in den 40er Jahren sei bislang wenig bekannt, erklärten sie. Die Musikaufnahmen wurden 1951 in einem Labor im nordenglischen Manchester gemacht. Der von Turing gebaute Rechner war so groß, dass er einen großen Teil des Labors ausfüllte. Der Computer generierte damals drei Musikstücke: Die britische Hymne „God Save the King“, das Kinderlied „Baa Baa Black Sheep“ und Glenn Millers Swing-Klassiker „In the Mood“.

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Auszüge der Aufnahme können Sie hier hören.

This Hubble Image Is a Premonition of the Sun’s Violent Death

NGC 2440, Bild: NASA/PD
NGC 2440, Bild: NASA/PD
The planetary nebula NGC 2440, captured in dazzling detail in this new Hubble Space Telescope image, was once a star much like our Sun.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

But after billions of years of steady output, this solar twin ran out of hydrogen fuel, and started blowing itself up episodically in a spectacular series of pulse-like blasts. Any life that might have evolved on planets orbiting the star would have been vaporized as it died, leaving behind only its white dwarf shell, with its searing temperatures of 360,000 degrees Fahrenheit (200,000 degrees Celsius), and a surrounding cloud of kicked up dust and gas.

Fortunately, NGC 2440 is located over 4,000 light years away from Earth, so its self-destruct sequence poses no threat to life here at home.

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Deutsch-türkisches Magazin kämpft gegen Klischees

Vielseitig. Chefredakteurin Melisa Karakus hat aufgehört, darüber nachzudenken, ob sie nun türkisch oder deutsch ist.Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Vielseitig. Chefredakteurin Melisa Karakus hat aufgehört, darüber nachzudenken, ob sie nun türkisch oder deutsch ist.Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Das deutsch-türkische Magazin „renk.“ will Klischees entgegenwirken. Online läuft das schon sehr gut – nun soll es auch in gedruckter Form erscheinen.
 

Von Yasmin Polat | DER TAGESSPIEGEL

Sie selbst trägt Schwarz. „Als Kontrast“, sagt Melisa Karakus und lacht. „Außerdem muss ich ja meinem Namen gerecht werden.“ Karakus, das heißt auf Deutsch: schwarzer Vogel.

Sie sitzt entspannt an einem der Tische der Blogfabrik und trinkt einen Schluck von ihrer Cola, auch schwarz, ist ja klar. Hier, im Hinterhof der Kreuzberger Oranienstraße, arbeitet sie seit drei Jahren an ihrem Online-Magazin „renk.“, zu Deutsch: Farbe. Das Magazin beschäftigt sich mit Klischees über Türken und stellt deutsch-türkische Kreative vor.

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Warum der Dschihadismus weiter andauern wird

 Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar (AFP / Damien Meyer)
Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar (AFP / Damien Meyer)
Seit fast 30 Jahren erforscht Farhad Khosrokhavar das Phänomen der Radikalisierung unter Moslems. Europa werde das nächste Jahrzehnt mit dschihadistischem Terror leben müssen, ist sich der iranisch-französische Soziologe sicher.

Moderation: Burkhard Birke | Deutschlandradio Kultur

Welche Parallelen gibt es zwischen Selbstmordattentätern vor Jahren im Iran und den Attentätern von Paris und Brüssel? Welche Rolle spielen Kleinkriminalität und Gefängnisse bei der Radikalisierung? Weshalb kehren sich immer mehr junge Menschen von der Gesellschaft ab und wollen diese bekämpfen? Wie kann man dem Phänomen der Radikalisierung europaweit begegnen? Antworten auf diese und andere Fragen gibt der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar in Tacheles.

Europa wird die nächste Dekade mit dschihadistischem Terror leben müssen

Die Europäer müssten bereit sein, die Gefahr durch islamistischen Terror zu akzeptieren, ohne die Demokratie infrage zu stellen, sagte der Soziologe von der École des Hautes Études en Sciences Sociales aus Paris. Mindestens eine Dekade lang wird Europa mit dschihadistischem Terror leben müssen, betonte der aus dem Iran stammende Khosrokhavar im Deutschlandradio Kultur.

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„Wir Muslime sind doch normale Menschen“

Bassam Tibi: „Beim Bild des Muslim pendeln die Deutschen zwischen den Extremen“ / picture alliance
Bassam Tibi: „Beim Bild des Muslim pendeln die Deutschen zwischen den Extremen“ / picture alliance
Die Deutschen, auch ihre Wissenschaftler, sehen den Muslim entweder als unterlegenen Gewaltmenschen oder als „edlen Wilden“. Nichts davon ist wahr, schreibt Bassam Tibi in seinem Essay
 

Von Bassam Tibi | Cicero

Ein unbeteiligter Beobachter, der die Wahrnehmung „des Muslim“ als homo islamicus in der deutschen Perzeption des Fremden verfolgt, gerät zuweilen in Unsicherheit darüber, was er überhaupt vernimmt. In dieser Unsicherheit stellt man sich eben verunsichert die Frage: Was ist denn dieser homo islamicus für ein Mensch? Ist er etwa der gleichermaßen verteufelte und dem Europäer rassenpsychologisch unterlegene Gewaltmensch des Dschihad? Oder ist er gar das Gegenteil hiervon, also ein dem Europäer überlegener homo islamicus, der wegen freier Sexualität zu verherrlichen ist? Und gibt es überhaupt diesen homo islamicus?

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Die soziale Wirklichkeit ist komplexer, als es Talkrunden vorgaukeln

In den sechziger Jahren etablierte sich die Soziologie als neue Schlüsselwissenschaft. Heute, wo sich jeder seine eigene Soziologie zusammenbastelt, muss gegen Vereinfachungen offensiv gemacht werden.

Von Gerhard Schulze | Neue Zürcher Zeitung

Kann die Soziologie eine ganz normale akademische Disziplin sein? Alle Wissenschaften, etwa Medizin, Biologie oder Physik, gewinnen ihre Eigenart durch den speziellen Gegenstand im Fokus ihrer Analysen. Nur bei der Soziologie ist es damit noch nicht getan. Sie ist erst dann am Ziel, wenn sie gefragt und verstanden wird. Andere Wissenschaften können dieses Verstehen professionellen Anwendern überlassen, etwa Ärzten, Gentechnikern oder Ingenieuren. Anwender der Soziologie sind dagegen potenziell wir alle. Sie gestattet uns einen neuen Blick auf unsere Sozialwelt und eröffnet damit die Möglichkeit des Andersseins.

Am 26. September beginnt der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Das Programmheft führt eine ganz normale Wissenschaft vor Augen; in vielen hundert Vorträgen wenden sich Insider an Insider. Doch der Weg vom anlaufenden Soziologiekongress bis zur soziologischen Aufklärung ist noch weit. Dies bestätigt die Sonderrolle der Soziologie, dass der Vorwurf von Unverständlichkeit, Praxisferne und Selbstbezüglichkeit sie wie ein Schatten begleitet, tritt doch in dieser Kritik die Forderung ihrer Adressaten zutage, so beschrieben zu werden, wie sie es selbst nicht können, aber brauchen.

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Sexualerziehung in Hessen: Die Rechten blasen zum Gegenangriff

In Stuttgart ist die Neuausrichtung der Sexualerziehung heftig umstritten. In Hessen wurde der neue Lehrplan einfach eingeführt. Foto: imago
In Stuttgart ist die Neuausrichtung der Sexualerziehung heftig umstritten. In Hessen wurde der neue Lehrplan einfach eingeführt. Foto: imago
Seit diesem Schuljahr gilt in Hessen ein neuer Sexualkundelehrplan, der für Verschiedenheit und Vielfalt wirbt. Jetzt formieren sich die Rechten zum Widerstand.

Von Katja Thorwarth | Frankfurter Rundschau

Es ist keine Woche her, dass der neue Lehrplan zur Sexualerziehung öffentlich wurde, da schießt die rechte Szene um die berüchtigte „Demo für alle“ aus allen Rohren. Grund: Das Land Hessen hatte es gewagt, die sexuelle Aufklärung im Unterricht dahingehend zu modifizieren, den Schülern die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen vermitteln zu wollen – und damit „ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt“.

Der ursprüngliche Lehrplan von 2005 hatte schon seinerzeit nach Niederbayern anno 1950 gerochen, sind doch andere Lebenskonzepte jenseits des heterosexuellen Vater-Mutter-Kinder-Modells längst gesellschaftliche Realität. Das zu akzeptieren, davon aber ist der Verein um Hedwig von Beverfoerde mit tatkräftiger Unterstützung von Beatrix von Storch und Birgit Kelle jahrhunderteweit entfernt.

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Pädophiler Lehrer führte Strichlisten über Opfer

Die Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt (Hessen): Hier wurde jahrelang weggeschaut Quelle: dpa
Die Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt (Hessen): Hier wurde jahrelang weggeschaut Quelle: dpa
Jahrzehntelang vergriff sich ein als Reformpädagoge geschätzter Lehrer an einer Darmstädter Grundschule an seinen Schülern. Von ekelhaften Szenen wird berichtet. Doch die Schulleitung schaute weg.

Von Claudia Becker | DIE WELT

Dein Lehrer bittet dich nach dem Unterricht noch mal zu ihm zu kommen und fasst dir in die Hose. Dein Lehrer steht plötzlich in der Umkleidekabine zum Sportraum und kommt dir viel zu nahe. Dein Lehrer zwingt dich zum Oralverkehr. Dein Lehrer hält dich so fest, dass du dich nicht gegen seine anale Penetration wehren kannst.

Dein Lehrer ist ein hochgeschätzter Pädagoge, den deine Eltern nett finden, weil du ihn auch nachmittags besuchen kannst und weil er mit dir in den Odenwald fährt, um Wildschweine zu beobachten. Deine Eltern sagen, dass dein Lehrer ein freundlicher Mensch ist, weil er dir Marzipanschokolade geschenkt hat. Aber du könntest dich übergeben, wenn du nur daran denkst, was du für die Schokolade machen musstest.

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Tom Wolfe – der gekränkte Nacktaffe

Tom Wolfe (2004). Bild: wikimedia.org/PD
Tom Wolfe (2004). Bild: wikimedia.org/PD
Bestsellerautor Tom Wolfe hat ein Buch über die Sprache geschrieben, in dem er Charles Darwin und Noam Chomsky erledigt

Von Hannes Stein | DIE WELT

Der amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe ist für drei Dinge berühmt: seine weißen Anzüge, seinen ausufernden Prosastil, der von vielfachen Ausrufe- und anderen Satzzeichen geschmückt wird wie ein Barockbau von blumigen Säulen, und schließlich seine Neigung, mit Lust pompöse Gestalten anzugreifen, vor allem, wenn diese pompösen Figuren auf der politischen Linken beheimatet sind.

Doch nun hat Tom Wolfe ein neues Thema für sich entdeckt: die Sprache. „Sprache, und nur die Sprache, gibt dem Menschen die Kraft, Fragen über sein eigenes Leben zu stellen – und dieses Leben zu beenden“, schreibt er. „Kein Tier hat jemals Selbstmord begangen. Sprache, und nur die Sprache, erzeugt in uns den Drang, andere in großer Zahl zu töten, sei es im Krieg oder in anderen Feldzügen des Terrors. Sprache, und nur die Sprache, verleiht uns die Gewalt, uns selbst zu vernichten und den Planeten unbewohnbar zu machen, einfach so, in 35 oder 40 nuklearen Minuten. Nur die Sprache gibt dem Menschen die Kraft, Religionen hervorzuträumen – und Götter, die sie beseelen.“ Ohne Sprache kein kulturelles Gedächtnis, keine Zukunftspläne, keine Zivilisation.

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Unter dem Titel: Die Evolution frisst ihre Kinder, erschienen.

Volkswagen erhält Anti-Nobelpreis für Abgasaffäre

 Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen
Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen „Ig-Nobelpreis“, in der Kategorie „Chemie“. (Foto: dpa)
Forschung zu „pseudo-profundem Bullshit“ und der Persönlichkeit von Steinen: In Harvard werden die „Ig-Nobelpreise“ verliehen. Volkswagen gewinnt in der Kategorie „Chemie“.

Von Christoph Behrens | Süddeutsche.de

Für die meisten Forscher ist die Auszeichnung mit einem „Ig-Nobelpreis“ ein großer Spaß: Bei der schrillen Zeremonie in einer noblen Aula der Harvard University gibt es unter anderem zehn Billionen Dollar zu gewinnen. Zimbabwe-Dollar versteht sich. „Ig-Nobel“ ist ein Wortspiel, das Adjektiv „ignoble“ bedeutet so viel wie „unwürdig“. Der Preis versteht sich als scherzhafte Auszeichnung für Forschung, die es üblicherweise nicht in die Schlagzeilen schafft – überreicht wird er aber von echten Nobelpreisträgern.

Bei Volkswagen dürfte die Freude verhaltener ausfallen – der Autohersteller wurde vergangene Nacht in Boston für die Abgasaffäre in der Kategorie „Chemie“ ausgezeichnet. VW sei es gelungen, so die Jury, „exzessive Automobil-Schadstoffemissionen“ zu senken – wenn ein Auto gerade getestet wird. Als „Referenz“ fügen die Organisatoren die Originalmeldung der US-Umweltbehörde bei, die den Betrug öffentlich machte.

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Missbrauch: Mindestens 35 Schüler an Darmstädter Schule missbraucht

Bild: WAZ
Bild: WAZ
An der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt sind – so ein Gutachten – mindestens 35 Schüler von einem Lehrer missbraucht worden. Wie der Skandal an der Odenwaldschule liegen auch die Fälle in Darmstadt bereits viele Jahre zurück.

Frankfurter Rundschau

Nach dem Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule gibt es in Hessen einen zweiten großen Fall, der ebenfalls viele Jahre zurückliegt. An der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt sind einem Gutachten zufolge vor vielen Jahren mindestens 35 Schüler von einem Lehrer missbraucht worden. Der Bericht wurde am Donnerstag im hessischen Kultusministerium in Wiesbaden vorgestellt. Die Behörde hatte zwei Juristinnen mit der Aufklärung des Falles beauftragt. Bei der Odenwaldschule wird von mindestens 132 Opfern ausgegangen.

Auch die Übergriffe an der Odenwaldschule liegen etliche Jahre zurück und wurden lange verschwiegen. Der Lehrer in Darmstadt, der 2005 wegen sexuellen Missbrauchs in 15 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, starb 2008.

Creationism Invades Europe

A sculptor's rendering of the hominid Australopithecus afarensis. Credit: DAVE EINSEL Getty Images
A sculptor’s rendering of the hominid Australopithecus afarensis. Credit: DAVE EINSEL Getty Images
An antiscience movement once limited mostly to the U.S. is gaining ground on the eastern side of the Atlantic
 

By Stefaan Blancke, Peter C. Kjærgaard | Scientific American

“This is outrageous!” Red-faced and visibly agitated, the 60-something was darting toward a hyperrealistic silicone reconstruction of Lucy, the world-famous, 3.2-million-year-old Australopithecus afarensis. After a highly confused couple of minutes it emerged that the man was operating within a 6,000-year biblical time frame. But he did not object to the evolutionary age of Lucy. He objected to her nakedness. “You have to cover her up! It’s almost as bad as going to the beach!”

Lucy is one of the star attractions on the Evolution Stairs in the central hall at Moesgaard Museum in Denmark. The new attraction had just opened, boosting annual visitor numbers from tens of thousands at the museum to a whopping 500,000 in the first year. Great care had been taken in giving the scientific reconstructions individual expressions, making them stand out as persons, not just distant evolutionary relatives.

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Christen zwischen Dünnhäutigkeit und Selbstkritik

Gerhard Kruip, Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik in Mainz, plädiert für Offenheit gegenüber Kritik - wie auch der Wissenschaftspublizist Martin Urban. (Peter Pulkowski)
Gerhard Kruip, Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik in Mainz, plädiert für Offenheit gegenüber Kritik – wie auch der Wissenschaftspublizist Martin Urban. (Peter Pulkowski)
Die Kirchen müssen sich selbstkritisch mit ihren Positionen auseinandersetzen und die Erkenntnisse der Wissenschaften anerkennen. Das forderten im Deutschlandfunk der katholische Theologe Professor Gerhard Kruip sowie der evangelische Wissenschaftspublizist Martin Urban. Beide wandten sich gegen Fundamentalisten und Traditionalisten in den eigenen Reihen.

Gerhard Kruip und Martin Urban im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Herr Kruip, Sie sind Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Mainz. Sie haben vor fünf Jahren ein Memorandum mitinitiiert, in dem 300 Theologen eine Reform ihrer Kirche forderten. Fünf Jahre später und mit einem Papst, der eher Ihrer Position entspricht als sein Vorgänger – hat sich das erledigt mit der Kritik an kirchlichen Zuständen?

Gerhard Kruip: Nein, erledigt hat sich das nicht. Man muss allerdings gleichzeitig sagen, dass sehr viel in Gang gekommen ist. Viel mehr, als wir damals 2011 erhofft haben. Wir sind überrollt worden durch die Dynamik, die vielleicht zum Teil ein bisschen durch unser Memorandum ausgelöst worden ist, aber natürlich durch viele andere Kräfte in der Kirche, die unzufrieden waren mit den Verhältnissen, mit den Zuständen, mit der Praxis und die Veränderungen eingeklagt haben. Und es ist sehr erfreulich, dass Papst Franziskus eben zumindest die Möglichkeiten vergrößert hat, die Szenerie eröffnet hat, darüber auch offener zu diskutieren.

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