Archiv der Kategorie: Bildung

“Raum der Stille” an der TU Dortmund: “Wir halten das Experiment für gescheitert”

Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Muslimische Studenten haben einen “Raum der Stille” der TU Dortmund umgebaut: Männer links, Frauen rechts, dazwischen eine Trennwand. Jetzt wurde er geschlossen. Was ist da los?

Ein Interview von Matthias Kaufmann|SpON

SPIEGEL ONLINE: Frau Prost, an der TU Dortmund gibt es Ärger um einen “Raum der Stille”: Einige Muslime haben ihn für ihre Zwecke vereinnahmt, daraufhin hat die Uni ihn geschlossen. Warum muss eine Universität überhaupt einen Gebetsraum anbieten?

Prost: Das muss sie nicht. Und es gab auch nie einen Gebetsraum, weder für muslimische noch für christliche Studierende. Unser “Raum der Stille” war vielmehr ein Angebot an alle, die Ruhe und Einkehr im oft stressigen Universitätsalltag suchen. Wer dann im Stillen ein Gebet sprechen möchte, darf das dort auch tun. Aber nur, wenn er niemand anderen damit stört oder von der Nutzung des Raums ausschließt.

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Diese Karten zeigen die Eroberung der Erde durch den Menschen

Die obenstehende Vorher-Nachher-Ansicht zeigt den Bevölkerungssprung zwischen den Jahren 1016 und 2016: von 263.280.000 auf 7.403.400.000 Menschen. Jeder Punkt steht für die Anzahl von einer Million Menschen. Bild. stern.de
Eine interaktive Grafik verdeutlicht, wie flächendeckend sich der Mensch in den vergangenen 2000 Jahren auf der Erde ausgebreitet hat. Lediglich die als lebensfeindlich geltenden Regionen sind noch unbevölkert.

stern.de

7,4 Milliarden Menschen tummeln sich auf unserem Planeten. Vor tausend Jahren waren es noch deutlich weniger, nämlich rund 263 Millionen – wieder tausend Jahre früher gerade mal 170 Millionen. Die Menschheit hat sich in den vergangenen 2000 Jahren rasant vergrößert und sich die Erde buchstäblich zu eigen gemacht. Die obenstehende Grafik macht den steilen Anstieg der Bevölkerungszahl recht eindrucksvoll sichtbar. Deutlich zu erkennen ist ebenfalls, um welche Gebiete der Homo Sapiens auf seinem Eroberungsfeldzug einen Bogen machte: unter anderem Regenwälder, Wüsten, Taiga und Tundra, das australische Outback, die Polargegenden. Allesamt Gebiete, die für Menschen eher als lebensfeindlich gelten.

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Screenshots: http://worldpopulationhistory.org/

Junge Sterne neigen zu Kannibalismus

© NASA, GSFC / SDO / SVS
© NASA, GSFC / SDO / SVS
Sterne sammeln ihre Endmasse nicht stetig an, sondern in einer Serie von gewaltigen Ereignissen – diese sind als starke Helligkeitsausbrüche zu erkennen. Eduard Vorobyov, Astrophysiker an der Universität Wien, hat nun herausgefunden, dass solche Helligkeitsvariationen in Folge von gravitativen Instabilitäten in der massiven, gasreichen Scheibe um Sterne entstehen. Die Resultate erscheinen aktuell in der Fachzeitschrift “Science Advances”.

Stephan Brodicky Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien|idw-online

Sterne entstehen innerhalb einer rotierenden Wolke aus interstellarem Gas und Staub, welche, dank ihrer Eigengravitation, zu stellaren Dichten komprimiert. Bevor eine solche Wolke allerdings den Stern erreicht, sammelt sich ein Großteil ihres Materials in einer zirkumstellaren Scheibe rund um den Zentralstern. Dies ist eine Folge der sogenannten “Drehimpulserhaltung”. Der Transport von Material der Scheibe in Richtung Stern wurde jüngst zu einem der Hauptforschungsgebiete der Astrophysik.

Vor kurzem stellte sich heraus, dass Sterne nicht wie bisher angenommen ihre Masse stetig über einen gewissen Zeitraum ansammeln, sondern dies in einer Reihe an gewaltigen Ereignissen tun. Diese sind bei ihrem Auftreten durch starke Anstiege der Leuchtkraft zu erkennen. “Der junge Stern FU Orionis im Sternbild Orion etwa ist ein Prototyp eines Objekts mit solchen Ereignissen. Er zeigte einen Anstieg seiner Leuchtkraft um einen Faktor 250 über einen Zeitraum von nur einem Jahr”, erklärt Eduard Vorobyov vom Institut für Astrophysik der Universität Wien.

Er hat bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit Shantanu Basu von der University of Western Ontario in Kanada einen möglichen Vorgang aufgezeigt, der diese Helligkeitsanstiege beschreiben könnte. Demgemäß könnten die Helligkeitseruptionen von Fragmentationen durch gravitative Instabilitäten in massiven, gasreichen Scheiben um junge Sterne, gefolgt von der Aufnahme der dichten Gasklumpen des Sternes, verursacht werden.

Vorobyov beschreibt den Prozess der Entstehung von Klumpen in der zirkumstellaren Scheibe sowie deren darauffolgende “Verschlingung” durch den jeweiligen Stern als “Kannibalismus auf astronomischen Skalen”: “Es sind Klumpen, die zu gigantischen Planeten wie Jupiter werden könnten, aber vom Mutterstern aufgesaugt werden”, so der Astrophysiker: “Dies weckt eine interessante Analogie zur griechischen Mythologie, in welcher Chronos, der die erste Generation an Titanen anführte, seine neugeborenen Kinder verschlang.”

Bei der aktuellen Studie kamen hoch entwickelte Instrumente wie das im Optischen und Infraroten beobachtende SUBARU 8,2-Meter Teleskop auf Mauna Kea (Hawaii) zum Einsatz. Mit dessen Hilfe war es zum ersten Mal möglich, die Modellvorhersagen zu prüfen. Das hochauflösende und mit adaptiver Optik ausgestattete Teleskop untersuchte das polarisierte Licht des Objekts. Eine internationale Gruppe von Astronomen um Hauyu Liu vom Institute of Astronomy and Astrophysics in Taipeh konnte die Existenz wesentlicher Komponenten des Modells nachweisen.

“Dies ist ein großer Schritt, wenn wir verstehen wollen, wie sich Sterne und Planeten bilden und entwickeln”, so Vorobyov. “Können wir beweisen, dass ein Großteil der Sterne solche Helligkeitsausbrüche aufgrund von Gravitationsinstabilitäten in der Scheibe vollführen, dann folgt, dass dies auch unsere eigene Sonne im Kindesalter erlebt haben dürfte. Die großen Planeten unseres Sonnensystems könnten glückliche Überlebende der turbulenten Vergangenheit unserer Sonne sein”, erklärt der Astrophysiker abschließend.

Publikation in “Science Advances”
Hauyu Baobab Liu, Michihiro Takami, Tomoyuki Kudo, Jun Hashimoto, Ruobing Dong, Eduard I. Vorobyov, Tae-Soo Pyo, Misato Fukagawa, Motohide Tamura, Thomas Henning, Michael M. Dunham, Jennifer Karr, Nobuhiko Kusakabe, ToruTsuribe: “Circumstellar Disks of the Most Vigorously Accreting Young Stars”. Published online February 5, 2016.

Wissenschaftliche Kontakte
Mag. Dr. Dr. Thomas Posch, Privatdoz.
Institut für Astrophysik
Universität Wien
1180 Wien, Türkenschanzstraße 17
T +43-1-4277-538 00
M +43-664-60277-538 00
thomas.posch@univie.ac.at

Abgründig hündisch

Lupus, der Wolf. Genetisch fast identisch mit dem Hund, und doch völlig anders.

Wie jede gute Geschichte über Hunde muss auch diese mit dem Wolf beginnen – Tom Appleton glaubt, dass die Vorfahren der heutigen Haustiere auch als Nahrungsspeicher und Müllbeseitiger domestiziert wurden

Von Tom Appleton|TELEPOLIS

Eigentlich ist es ein bisschen arg blöd, aber als Illustration zur Einstimmung brauchte ich hier ein Bild-Zitat, und dazu bietet sich der Titel dieser australischen Medizinerzeitschrift als durchaus tauglich an. Die Grafik-Firma, die das Heft produziert, sollte eine Story über die Auto-Immun-Erkrankung “Lupus” illustrieren. Also wanderte man in den Zoo, vermutlich in Sydney, fotografierte den nächstbesten amerikanischen Wolf, und mit etwas Photoshopping stand das Tier auch schon im Phantasie-Schnee und blickte — leicht dusselig — in die Welt hinaus.

Doch für meine Zwecke reicht es. So sieht er eben aus — der Wolf, von dem der heutige Hund, in all seiner Vielgestaltigkeit, abstammt.

Darüber hinaus kann uns dieses Bild nun aber auch beim Google-Test helfen. Man gibt die Wörter “North”, “American”, “Indian”, “Dog” ein, und es erscheinen genügend Beispiele für einen Hund — mit den gleichen, aufgestellten, dreieckigen Ohren und dem senkrecht nach unten zeigenden Schwanz, wie dieser Wolf — und mit zudem einer leicht gelblichen Färbung des dicken Pelzes.

Das Interessante an diesem gelben Hund ist nun, dass er genau so aussieht wie der einheimische Hund der Maori in Neuseeland, der unter dem Namen “Kuri” bis 1830 überlebte.

“Kuri”, das sollte man noch hinzufügen, ist ein schwedisches Wort – für “Hund”. Das schottische Wort “cur” für “Hund” — ausgesprochen “kör” — stammt von den Norwegern, die dort einst als Wikinger eingefallen waren. Insofern mag der englische Entdecker Neuseelands, Captain James Cook, im Jahr 1769 gemeint haben, es sei wohl ganz natürlich, dass ein Hund eben “Kuri” hieße.

Andererseits gibt es in der Maori-Sprache noch ein zweites Wort für das gleiche Tier, “Pero”. Das spanische Wort für “Hund” schreibt sich “Perro”, mit Doppel-R. Ist ansonsten aber identisch.

Das hat in der offiziellen Geschichtsschreibung Neuseelands noch nie eine Augenbraue zur Fragezeichenform hochschnellen lassen – vielleicht, weil man die Rechtmäßigkeit des Anspruchs der britischen Krone auf diese Kolonie nicht in Zweifel ziehen wollte.

Und auch heute noch tun sich die Neuseeländer ein bisschen schwer damit, die Geschichte des Kuri zu untersuchen. So stellte die Internetseite stuff.co.nz beispielsweise in einer Story zum Thema “Warum starb der Kuri aus?” fest, der Maori-Hund sei “aus ungeklärten Gründen […] irgendwann im 19. Jahrhundert” ausgestorben. Die Frage, warum das passiert sei, werde nun von zwei Genetikerinnen anhand von Haaren aus Museumspelzen untersucht.

Dabei kann man aus historischen Quellen erfahren, dass der letzte Kuri oder die letzten seiner Art um 1830 zu einer rituellen Mahlzeit verarbeitet wurden.

Obwohl das flauschige Fell dieses Hundes gern als prestigeträchtige Kleidung der Maori-Häuptlinge diente, haben sich — wenn überhaupt — nur wenige ausgestopfte Ganzkörperpräparate erhalten. Im Wellingtoner Te Papa Museum befindet sich ein lächerliches Objekt, das so wirkt, als hätte man ein Tierfell mit etlichen Sofakissen vollgestopft, und dann den Schwanz in Marsupilami-Form hintendran durch die Luft schweben lassen wollen.

Die oben verlinkte stuff-Seite zeigt ein weiteres Tierpräparat, das dem Kuri ähnlich sieht, aber keineswegs echt zu sein braucht. Dafür, dass es an die 200 Jahre alt ist, oder sein müsste, befindet es sich in einem geradezu “unglaublichen” Zustand. Ohne eine genetische Probe hätte ich für dieses Versteigerungsobjekt keinen Pfifferling geboten.

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Uni schließt Raum der Stille nach Schwierigkeiten mit Muslimen

TU Dortmund: Muslimische Männer hatten Frauen den Zugang nur zu einem abgetrennten Bereich erlaubt – Flyer empfahl Frauen Kopftuchtragen und Parfumverzicht – Rektorat: “Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein unantastbarer Kernbereich”

kath.net

Mehrfach wurden „weibliche Besucher des Raumes am Eingang von männlichen muslimischen Nutzern abgefangen und darauf hingewiesen, dass sie nur Zugang zu einem kleineren, optisch und tatsächlich abgegrenzten Raumteil hätten, der größere Raumteil sei nur Männern vorbehalten.“ Dies beschreibt die Technische Universität Dortmund Beschwerden über das Verhalten muslimischer Studenten im hochschuleigenen „Raum der Stille“ im Physikgebäude des Campus. Das Rektorat gab nun bekannt, dass man dieses Angebot nicht länger aufrechterhalten werde, der Raum werde einer anderen Nutzung zugeführt. Die Technische Universität begründet ihre Entscheidung damit, dass dies ein „unter keinen Umständen hinnehmbarer Verstoß“ gegen „Art. 3 unseres Grundgesetzes (u. a. Gleichberechtigung von Mann und Frau)“ sei, was sie „zu einem unverzüglichen Handeln gezwungen“ habe. „Vor diesem Hintergrund betrachten wir den Versuch, einen neutralen und allen Glaubensrichtungen in gleicher Weise zur Verfügung stehenden ‚Raum der Stille‘ zu schaffen, leider als gescheitert“, erläuterte das Rektorat in einem Brief an Beschwerdeführer vom 3.2.2016.

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Skurril: Urzeit-Antilope mit Dinosaurier-Nase

Der fossile Schädel einer Rusingoryx -Antlilope, gelb markiert ist der Nasenkamm. © Cell Press
Überraschender Fund: In Kenia haben Paläontologen eine Steinzeit-Antilope mit einem auffallenden Nasenkamm entdeckt. Das Ungewöhnliche daran: Eine solche knöcherne Struktur war bisher nur von Dinosauriern bekannt. Bei Säugetieren wurde ein solcher Knochenkamm dagegen noch nie gefunden. Wozu der seltsame Kamm diente, ist unklar, er könnte den Steinzeit-Antilopen aber vielleicht Infraschall-Rufe ermöglicht haben, so die Forscher im Fachmagazin “Current Biology”.

scinexx

Im Osten des Victoriasees in Kenia liegt eine kleine Insel, Rusinga Island. Auf ihr ereignete sich vor rund 18.000 Jahren ein wahres Massaker, wie Ausgrabungen von Paläontologen ergaben. Denn sie fanden dort die durcheinander geworfenen Knochen einer ganzen Herde von urzeitlichen Antilopen, zusammen mit Steinwerkzeugen und zerschlagenen Skelettteilen. Wie genau diese Antilopen, Rusingoryx atopocranion getauft, aussahen, blieb jedoch unklar, weil intakte Schädel fehlten.

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Elektronen reagieren verzögert auf Licht

Optische Attosekundenblitze fangen die Bewegung von Elektronen im Atom ein. © Christian Hackenberger
Physikern ist das bisher Unmögliche gelungen: Sie haben so kurze Laserblitze erzeugt, dass sie sogar die Reaktion von Elektronen auf Licht damit messen können. Ihre Attosekunden-Pulse sind die kürzesten je im sichtbaren Bereich erzeugten. Mit ihrer Hilfe haben die Forscher erstmals nachgewiesen, dass Elektronen auf die Zufuhr von Energie mit einer Verzögerung reagieren. Dieser Anregungsprozess galt bisher als zu schnell um gemessen zu werden, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.

scinexx

Es ist eine fundamentale Wechselwirkung von Licht und Materie: Wenn energiereiches Licht auf ein Atom fällt, reagieren dessen Elektronen darauf und springen auf ein höheres Energieniveau – sie werden angeregt. Dieser Prozess bildet die Grundlage für eine Vielzahl von Technologen, von der Fluoreszenzmikroskopie über Röntgenbeugungen bis hin zum Laser. Auch die optische Datenverarbeitung.

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Das Gender-Paradoxon 2016 von U. Kutschera vor der Auslieferung

Bild: RDF
Da in den letzten Wochen immer wieder Anfragen bzgl. des Fachbuchs „U. Kutschera: Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. LIT-Verlag, Berlin“ eingegangen sind, folgt hier die gewünschte Information.

Von Ulrich Kutschera|Richard Dawkins-Foundation

Entgegen der ersten Ankündigung hat die Monographie, als Ergänzungsband zum UTB-Lehrbuch „Evolutionsbiologie“ Die Gott-lose Evolution und ihre Antriebskräfte, ca. 445 Druckseiten mit 75 Originalabbildungen und wird daher zum Preis von 24,90 € Ende Februar erhältlich sein. Obwohl im UTB-Standardwerk der Mensch, von der ersten bis letzten Druckseite, immer wieder als Biospezies behandelt wird, konnten dort aus Platzgründen zahlreiche humanbiologische Aspekte nicht berücksichtigt werden (vorgegebene Seitenzahl durch den Verlag). Daher folgen im „Gender-Paradoxon“ mehrere Kapitel, z. B. zur „Frau als primärem Geschlecht“, zu dem „neuen evolutionsbiologischen Menschenbild (Ganzkörper-XY- bzw. -XX-Modell)“ sowie ausführliche Darlegungen zur „Homosexualität bei Tieren, Pflanzen und Menschen“. Während im UTB-Lehrbuch der Kreationismus ausführlich thematisiert und als Pseudowissenschaft widerlegt worden ist, sind im Ergänzungsband, neben biowissenschaftlichen Abhandlungen zu „Sex und Gender“, die Thesen der Gender-Ideologen ausführlich dargelegt und ad absurdum geführt. Grundlegende Begriffe, wie z. B. „Heteronormalität“, „Biophobie“, „homoerotische Handlungen“, „Moneyismus“ (als Synonym für die Gender-Irrlehre) werden eingeführt.

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Arabisch als Pflichtfach: Tausend und eine Umnachtung

© dpa Wäre es sinnvoll, Arabisch bis zum Abitur verpflichtend zu unterrichten?
Die Flüchtlingsdebatte treibt die buntesten Blüten. Aber wie kommt ein Universitätspräsident auf die Idee, alle Schüler müssten jetzt Arabisch lernen? Ganz einfach: Der Mann glaubt an Zauberei.

Von Jürgen Kaube|Frankfurter Allgemeine

Thomas Strothotte, der Präsident der „Kühne Logistics University“ in Hamburg, hat einen Vorschlag zur wechselseitigen Integration von Deutschen und Flüchtlingen gemacht: Nicht nur sollten jetzt alle Flüchtlingskinder aus dem Nahen Osten Deutsch lernen, sondern auch alle deutschsprachigen Schüler Arabisch. Bis zum Abitur solle Arabisch verpflichtend werden. Schon im Kindergarten könne „geradezu spielend“ damit begonnen werden. Später soll die Klassensprache Englisch sein, mit der Begründung, das könnten weder die Deutschen noch die Flüchtlinge, weswegen sie unter diesen Umständen „auf Augenhöhe“ begännen. In all dem liege die Anerkennung, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei. Wären statt des Englischen das Deutsche und das Arabische sogar gleichberechtigte Unterrichtssprachen, würden die Kinder sich als künftige Partner der Wandlungsprozesse im Nahen Osten empfehlen.

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Moralische Versager und wissenschaftliche Dilettanten

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Bischof Fürst (DBK-Bioethikkommission) warnt vor Genmanipulationen an menschlichen Embryonen, dies verändere gezielt Keimzellen des betreffenden Menschen sowie Genstruktur nachfolgender Generationen – „Verbrauchende Embryonenforschung“

kath.net

Vor „gravierendsten ethischen Probleme“ warnt Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) in der DBK-Stellungnahme zur Genehmigung an eine britische Forschergruppe, künftig das Erbgut von Embryonen verändern zu dürfen. Fürst äußerte sich in seiner Funktion als der Vorsitzende der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz. Zum einen seien „Eingriffe in die menschliche Keimbahn“ „aus Sicht der katholischen Kirche moralisch nicht erlaubt“, „sie verändern gezielt nicht nur die Keimzellen des betreffenden Menschen, sondern auch die Genstruktur nachfolgender Generationen“. Außerdem ist vorgesehen, „dass die genetisch manipulierten Embryonen nach wenigen Tagen vernichtet und nicht in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt werden dürfen. Dies veranschaulicht deutlich, dass es sich hier um verbrauchende Embryonenforschung und damit um die Tötung menschlichen Lebens handelt. Auch der künftige Anwendungsbereich, die In-vitro-Fertilisation, hat die Selektion und Verwerfung menschlicher Embryonen zur Folge.“

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“Die islamische Welt lebt in völliger Sünde”

Analphabetismus, wenig Bildung: Die muslimische Welt sei in einem schlimmen Zustand, klagt ein einflussreicher Prediger aus Tunesien. Er zieht deshalb erstaunliche Schlussfolgerungen.

DIE WELT

In Tunesien ist Abdelfattah Mourou ein einflussreicher Mann: Der Rechtsanwalt ist Mitgründer der islamistischen Partei Ennahdha und Vizepräsident des Parlaments in Tunis. Der 67-Jährige ist aber auch ein Islamgelehrter, und in dieser Funktion hielt er am 1. Januar dieses Jahres als Gast in einer amerikanischen Moschee eine erstaunliche Predigt.

Die muslimische Gemeinschaft sei in einem erschreckenden Zustand, sagte Mourou im islamischen Zentrum von Paterson im US-Bundesstaat New Jersey. Er rief die amerikanischen Muslime dazu auf, als Vorbilder für einen modernen Islam zu dienen und der Religion “neue Hoffnung” einzuimpfen.

In seiner Predigt, die von der unabhängigen Organisation The Middle East Media Research Institute (MEMRI) auf Video aufgezeichnet und aus dem Arabischen übersetzt wurde, nahm Mourou Bezug auf das “goldene Zeitalter” des Islams im frühen Mittelalter, in dem die Wissenschaften unter der Herrschaft der Kalifen florierten. “Sieben Jahrhunderte lang lieferte der Islam der Menschheit Wissen und Weisheit”, sagte Mourou. “Wo sind das Wissen und die Weisheit der Muslime heute geblieben?”

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DIE PARTEI: “Notfalls lassen wir auf Anderswählende schießen”

Martin Sonneborn. Bild: Martin Krolikowski/CC-BY-SA-2.0
Die Rheinland-Pfalz-Wahl wird überschattet von der Nichtteilnahme der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI), die ausgerechnet bei ihrem Kernthema Populismus diesmal nicht mit den Mitbewerberinnen mithalten konnte. Doch der Parteivorsitzende Martin Sonneborn bleibt zuversichtlich.

Von Markus Kompa|TELEPOLIS

In Rheinland-Pfalz stehen Wahlen an. Die PARTEI wurde bei der Elefantenrunde jedoch nicht berücksichtigt, weshalb CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner ihre Teilnahme abgesagt hatte. Zeichnet sich eine neue Allianz ab?

Martin Sonneborn: Das kann ich noch nicht abschließend beantworten. Wir haben die erforderlichen 2.000 Unterstützer-Unterschriften nicht zusammengebracht, weil die Pfälzer zu dumm sind für moderne Turbopolitik. Deswegen versteigert Deniz Y. Dix, Landesvorsitzender der PARTEI in Rheinland-Pfalz, gerade das Stimmpaket der PARTEI bei Ebay. Ich hoffe, der Preis geht noch ein bisschen nach oben, ein paar Zehntausend Stimmen sind in Rheinland-Pfalz ja kein Klacks. Der Höchstbietende derzeit kommt aus dem FDP-Umfeld.

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»Man irrt sich empor«

Gerhard Vollmer. Bild: TUni Braunschweig

Der Welterklärung »aus der Natur« und der Kritik am Glauben stellte sich der Arbeitskreis Naturwissenschaft und Glaube bei einem Symposium im Januar.

Von Klaus Bratengeier|Evangelisch-methodistische Kirche

Mitte Januar traf sich der Arbeitskreis »Naturwissenschaft und Glaube« (AKNG) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zu einem Symposium über das Thema »Naturalismus, Atheismus und christlicher Glaube« in Würzburg. Dabei stand der Naturalismus, eine unter vielen Naturwissenschaftlern verbreitete Denkart, im Mittelpunkt der Diskussion.

Gerhard Vollmer, emeritierter Professor für Philosophie an der Technischen Universität Braunschweig präsentierte als renommierter Philosoph und Physiker den Naturalismus als Programm zur Durchdringung der Welt. Dieser beschränke sich auf möglichst wenige Annahmen, wobei der Rückgriff auf Übernatürliches völlig vermieden werde. Der Rückgriff auf das Übernatürliche würde nämlich nicht wirklich etwas erklären, sondern stehe weiterer Forschung sogar im Wege. Wenn »Gott« als Erklärung zugelassen würde, bräuchte nicht mehr weitergedacht zu werden. Gerade mit diesem sparsamen Konzept habe die Forschung die Welt in so hohem Ausmaß erfassen können, wie es heutiger Stand der Wissenschaft sei. Andererseits sei man bei der Bildung von Theorien sehr selbstkritisch: »Man irrt sich empor«, denke bei der Bildung einer Hypothesen sogar mit, wie sie sich prüfen oder widerlegen lasse. Gottesvorstellungen und insbesondere Dogmen aller Art stehe er daher ablehnend gegenüber.

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Altägyptische Totenbarke im Wüstensand entdeckt

Blick auf den Fundort der altägyptischen Totenbarke in Abusir © L. Jirásková/ Tschechisches Institut für Ägyptologie
Eine echte Rarität: Archäologen haben in der altägyptischen Totenstadt Abusir eine 4.500 Jahre alte Totenbarke entdeckt. Unter dem Wüstensand begraben blieb das 18 Meter lange Schiff ungewöhnlich gut konserviert. Das Spannende daran: Typischerweise wurden solche Barken damals nur königlichen Toten als Grabbeigabe mitgegeben. Wem diese Totenbarke gehörte, bleibt aber vorerst rätselhaft.

scinexx

Das unweit von Kairo gelegenen Abusir war zur Zeit des alten Reichs eine der wichtigsten Totenstädte der ägyptischen Eliten. 14 Pyramiden markieren die Grabstätten von Angehörigen der fünften Dynastie, außerdem existieren zahlreiche Gräber von höheren Würdenträgern und Priestern. In einem Teil der Nekropole haben Archäologen zudem die Überreste einiger Mastabas ausgegraben – rechteckigen Steinbauten mit schrägen Wänden, die als die Vorläufer der Pyramiden gelten.

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Darmstadt: Polizei verhaftet Doktoranden mit IS-Sympathien

Ein Ausschnitt aus dem Propagandavideo: Malik F., ein an der Technischen Universität (TU) Darmstadt eingeschriebener syrischer Promotionsstudent, wirbt darin für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Bild: dpa
Ein an der TU Darmstadt promovierender Syrer hat in einem Video für den „Islamischen Staat“ geworben. Die Polizei hat den Mann nun festgenommen. Die Uni strebt zudem seine Exmatrikulation an.

Von Rainer Hein, Jacqueline Vogt|Frankfurter Allgemeine

Die Polizei hat am Dienstagabend einen 35 Jahre alten Doktoranden der Technischen Universität Darmstadt festgenommen, der mit einem Propaganda-Video für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) geworben hatte. Das bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. Details wollte er nicht nennen, die Ermittlungen dauerten an. Während einer einer konzertierten Polizeiaktion war der Mann in Darmstadt nahe dem Dornheimer Weg mit zwei Begleitern angetroffen und festgenommen worden.

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Richard Dawkins in Hamburg – Ticketverkauf

Am 19. März 2016 stellt Richard Dawkins seine Autobiographie „Die Poesie der Naturwissenschaften“ im Rahmen eines RDF Talks in Hamburg vor.

Richard Dawkins-Foundation

Richard Dawkins wird im Rahmen der Veröffentlichung seines neuen Buches, der Autobiographie „Die Poesie der Naturwissenschaften“ (Erscheinungsdatum: 14. März 2016), nach Deutschland kommen. Die RDF veranstaltet zu diesem Anlass einen RDF Talk mit Richard Dawkins in Hamburg.

RDF Talk mit Richard Dawkins
„Die Poesie der Naturwissenschaften“
19. März 2016 um 18:00 Uhr in Hamburg
Freie Akademie der Künste in Hamburg

Hier geht es zum Ticketverkauf.

Unisex-Toiletten im Studierendenhaus?

Piktogramm für eine gemeinsame Toilette in Berlin, Luckenwaldstaße. Foto: dpa
Sollte das neue Studierendenhaus der Frankfurter Goethe-Universität Unisex-Toiletten bekommen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Der AStTA ist dafür, der RCDS meint dagegen: „Schluss mit Gender-Gaga!”

Von Madeleine Hesse|Frankfurter Rundschau

Keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, auch nicht vor dem Pissoir oder auf der Toilettenschüssel – das erhofft sich das Studierendenparlament (StuPa) der Frankfurter Goethe-Universität vom neuen Studierendenhaus auf dem Campus Westend. Allerdings sorgen die für den Neubau beschlossenen Unisex-Toiletten seit Monaten schon für Kontroversen – auch in Form von Wortwitzen rund um das stille Örtchen.

Valentin Fuchs, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), ist ein Verfechter der Unisex-WC´s. „Sie unterscheiden nicht mehr nach der klassischen Aufteilung Mann oder Frau“, sagt er. „Sie können der Diskriminierung von trans- und intersexuellen Personen entgegenwirken, die sich so keinem Geschlecht mehr zuordnen müssen.“

Während also der AStTA und Queer-Referate mehrerer Universitäten das Toilettenkonzept begrüßen, kritisierte es der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) Frankfurt zur Wahl des Studentenparlaments Ende Januar erneut. „Schluss mit Gender-Gaga! Geht euch der übliche Gender-Wahnsinn von gegenderten Klausuren bis Unisex-Toiletten gehörig auf die Nerven?“, fragt der RCDS in der AStA Zeitung und wirft dem Studierendenausschuss zudem vor, Meinungen und Bedürfnisse der Studierenden zu übergehen.

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Temple of Dendur’s Lost Colors Brought to Life at the Met

A digital projection at the Metropolitan Museum of Art shows what the Temple of Dendur may have looked like in its original form more than 2,000 years ago. Credit Brian Harkin for The New York Times
As depicted in popular culture, ancient Egypt is awash with the color beige. A trip to the Metropolitan Museum of Art would seem to reflect that notion: The Temple of Dendur, with its weatherworn sandstone, could fit in naturally with the earth tones of “Aida” or “The Mummy.”

By Joshua Barone|New York Times

But Egyptologists know that this temple, like many others of the ancient world, was painted with vivid colors and patterns. In “Color the Temple,” a marriage of research and projection-mapping technology, visitors to the Met can now glimpse what the Temple of Dendur may have looked like in its original, polychromatic form more than 2,000 years ago.

The Met’s MediaLab has installed a projector that fills in the temple’s carvings with color. Through March 19, one section of the structure’s south side is on view: a scene of the Roman emperor Augustus, dressed as a pharaoh and making an offering to the deities Hathor and Horus. Because the sun would wash out the projector’s light (the gallery has floor-to-ceiling windows), the scene is illuminated on Friday and Saturday evenings, when the Met offers extended hours.

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Homöopathiekritiker starten Informations-Netzwerk

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Bild: DAZ.de
Eine Initiative will in den nächsten Monaten ein Homöopathie-Netzwerk gründen und eine Informationskampagne starten, um kritische Einordnungen der Homöopathie zu bündeln. Geleitet wird es von der ehemaligen Alternativmedizinerin Natalie Grams. Sie will auch den Begriff „Pseudomedizin“ prägen – und sich für eine Änderung des Arzneimittelgesetzes einsetzen.

Von Hinnerk Feldwisch-Drentrup|DAZ.de

Als eine Gruppe von gut 30 Homöopathiekritikern am Sonntag zur Pressekonferenz nach Freiburg geladen hat, warteten auf die Journalisten weder Kulis, Imagebroschüren noch ein Buffet – sondern eine Packung  „Dubium C30 – enthält nur Zucker, kein Arzneimittel“. Bernd Harder, Pressesprecher der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), zerstreute mögliche Hoffnungen auf Geschenke direkt und nutzte die Gelegenheit, auf das rein ehrenamtliche und pharmafreie Engagement hinzuweisen. Zwei Tage lang hatten sich Interessierte zuvor getroffen, um eine Strategie zum Umgang mit Globuli und Co zu entwickeln. Da die Alternativmedizin laut Harder bisher weitestgehend unbeobachtet vor sich hin arbeite, will die Gruppe der Homöopathiekritiker Widersprüche und leere Versprechen öffentlich machen. Und – als ein Ergebnis des Treffens – zukünftig nur noch von Pseudomedizin sprechen.

„Wir wissen natürlich ganz genau, dass auch in der evidenzbasierten Medizin und in unserem Gesundheitssystem vieles im Argen liegt“, sagte er, „aber das macht Homöopathie nicht wirksamer“. Die Alternative könne nur bessere Medizin sein, keine Pseudomedizin. Die Gruppe will nun Informationen für Patienten aufbereiten, damit jeder die Möglichkeit hat, sich aufgeklärt selbst zu entscheiden. Und es soll ein Homöopathie-Netzwerk gegründet werden, welches die Aktivitäten koordiniert.

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Super Mario wird sozial

Mario und Co lernen und helfen sich gegenseitig © Universität Tübingen
Räuberleiter statt Einzelkämpfer: Informatiker haben bekannte Videospiel-Figuren wie Mario, Luigi, Yoshi und Toad mit sozialen Fähigkeiten ausgestattet. Eine soziale künstliche Intelligenz verleiht ihnen die Fähigkeit, miteinander zu interagieren, voneinander zu lernen, aber auch feindselig zu reagieren. Dieses auf Erkenntnissen der Kognitionswissenschaft basierende Verhalten soll neue Denkanstöße für die KI-Forschung geben, aber auch in der Lehre eingesetzt werden.

scinexx

Der pixelige Klempner Mario ist wahrscheinlich die bekannteste Videospiel-Figur weltweit. In unzähligen Varianten bewältigt er in den Jump-’n’-Run-Spielen diverse Hürden, muss entführte Prinzessinnen befreien und Gegnern ausweichen oder sie besiegen. 2015 haben Informatiker der Universität Tübingen unter Leitung von Martin Butz die klassischen Funktionen dieses Spiels erweitert, indem sie der Figur Mario eine künstliche Intelligenz verpassten.

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