Nasa-Sonde „Juno“ am Jupiter: Der Panzer besucht den Gasriesen

Die Illustration der NASA aus dem Jahr 2010 zeigt die NASA-Sonde "Juno" vor dem Planeten Jupiter. Foto: NASA/JPL +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die Illustration der NASA aus dem Jahr 2010 zeigt die NASA-Sonde „Juno“ vor dem Planeten Jupiter.  Foto: NASA/JPL /PD
„Juno“ soll dem Jupiter nahe kommen wie nie, jetzt erreicht die Sonde die Umlaufbahn. Dicke Metallplatten schützen sie vor brutaler Strahlung. Es geht um die große Frage, wie Planeten eigentlich entstehen.

Von Christoph Seidler | SpON

„Jupiter“, sagt Scott Bolton fasziniert, „ist ein Planet auf Steroiden. Er ist so extrem.“ Wie extrem, das macht man sich am besten mit Vergleichen klar. Durchmesser? Zwölf Mal so groß wie der unseres Planeten. Masse? Rund 318 Mal so groß wie die der Erde – und nebenbei gesagt auch mehr als doppelt so groß wie die aller anderen Planeten des Sonnensystems zusammen. Jupiter ist also eine ziemliche Wuchtbrumme. Und Astrophysiker Bolton vom Southwest Research Institute in San Antonio (US-Bundesstaat Texas) will ihm jetzt ein paar seiner Geheimnisse entreißen.

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Evolutionäre Aufspaltung ohne geografische Barriere

Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Bild: ebenda
Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Bild: ebenda
Konstanzer Evolutionsbiologen gelang empirischer Nachweis von sympatrischer Artbildung
 

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing | Universität Konstanz

Eine fundamentale Frage der Evolutionsforschung lautet: Ist für die Entstehung neuer Arten eine geografische Barriere notwendig, die eine Ursprungspopulation in zwei genetisch voneinander getrennte Populationen aufteilt? Oder ist hingegen auch eine sogenannte sympatrische Artbildung möglich – die evolutionäre Auseinanderentwicklung einer Population im selben geografischen Gebiet? Weltweit sind nur sehr wenige Beispiele für sympatrische Artbildung bekannt, selbst diese sind nicht unumstritten. Konstanzer Evolutionsbiologen schlossen nun die bislang ausführlichste Untersuchung von sympatrischer Artbildung ab. Anhand von rund 20.000 genetischen Merkmalen von 450 Fischen dokumentierten sie die parallele Evolution von Buntbarschen in den nicaraguanischen Kraterseen Apoyo und Xiloá. Die Arbeit der Biologen um Prof. Axel Meyer, Ph.D., und Dr. Andreas Kautt erlaubt Rückschlüsse auf mögliche evolutionäre Mechanismen sympatrischer Artbildung. Zugleich untermauerten die Wissenschaftler die empirische Beweislage für eine vielbeachtete Vorarbeit Axel Meyers zur sympatrischen Artbildung dieser Buntbarsche, die im Jahr 2006 im Wissenschaftsjournal Nature publiziert worden war. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind in der Ausgabe vom 30. Juni 2016 von PLOS Genetics veröffentlicht.

Die Buntbarsche der vulkanischen Kraterseen Apoyo und Xiloá in Nicaragua sind eines der seltenen Beispiele sympatrischer Artbildung. In nur rund 800 Generationen – ein Zeitraum von geschätzt 1.000 bis 1.500 Jahren – hat sich hier jeweils eine Fischpopulation in vier bis fünf unterschiedliche Arten weiterentwickelt, obwohl die Fische über die gesamte Zeit hinweg im selben geographisch abgeschlossenen See zusammenlebten. Der Konstanzer Evolutionsbiologe Axel Meyer beschrieb dieses erstaunliche evolutionäre Phänomen bereits 2006 im Wissenschaftsjournal Nature. Gemeinsam mit Andreas Kautt schlüsselte er nun detailliert den genetischen Stammbaum der Fischpopulationen auf.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass es eine zweite Welle der Kolonialisierung unmittelbar vor der Aufteilung in zwei Arten gegeben hat“, erläutert Andreas Kautt. Demnach gelangte eine zweite Gruppe derselben Buntbarsch-Spezies in den Kratersee. Die Biologen vermuten, dass diese zweite Besiedlungswelle den Genpool der Buntbarsche aufgefrischt hatte und den Ausschlag für den Aufteilungsprozess in zwei Arten gab.

In der Evolutionsforschung sind drei Modelle für sympatrische und vermeintliche sympatrische Artbildung bekannt. Das erste Modell, die „reinste Form“ sympatrischer Artbildung, beschreibt die Entwicklung von zwei Arten aus einer gemeinsamen Population heraus. Im zweiten Modell finden zwei oder mehrere Wellen der Besiedlung eines Lebensraums durch dieselbe Art statt, bevor eine Aufspaltung in zwei Arten stattfindet. Gemäß diesem Szenario geht der sympatrischen Artbildung also die Bildung eines Schwarms aus mehreren Populationswellen derselben Ahnenlinie voraus – und folglich eine Auffrischung des Genpools. „Unsere Daten sprechen dafür, dass die Artbildung in den Kraterseen Apoyo und Xiloá so abgelaufen ist. Die zweite Welle der Kolonialisierung wurde in den Genpool der Kraterseepopulation integriert, bevor die evolutionäre Aufspaltung stattfand. Der Aufspaltungsprozess in zwei Arten hat sich anschließend ohne geographische Barrieren abgespielt“, erläutert Andreas Kautt.

Das dritte Modell, das nur sehr schwer zu unterscheiden ist und von Kritikern häufig als Einwand angeführt wird, beschreibt eine nur vermeintliche sympatrische Artbildung. Dieses Szenario geht ebenfalls von einer zweiten Populationswelle aus. Allerdings habe sich demnach die erste Population des Kratersees bereits weiterentwickelt, bevor die zweite Populationswelle hinzukam. Zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens seien die beiden Schwärme aus gleicher Ahnenlinie also bereits getrennte Arten gewesen. In diesem Szenario läge keine echte sympatrische Artbildung vor, da eine geografische Barriere zum Zeitpunkt der Auseinanderentwicklung eine Rolle spielte. Anhand der Genanalyse konnten die Konstanzer Evolutionsbiologen diesen Fall jedoch ausschließen: Die genetischen Stammbäume der Fische zeigen, dass die Aufspaltung in zwei Arten erst nach der zweiten Populationswelle stattfand. Damit lieferten die Genetiker den empirischen Beweis für die sympatrische Artbildung in den nicaraguanischen Kraterseen Apoyo und Xiloá.

Das Forschungsprojekt fand im Rahmen von Axel Meyers ERC Advanced Grant „Comparative genomics of parallel evolution in repeated adaptive radiations“ statt. Der Europäische Forschungsrat (ERC) hatte Axel Meyer 2011 diesen renommierten Wissenschaftspreis zur Erforschung paralleler Evolution zugesprochen. Die wissenschaftlichen Arbeiten an den Kraterseen Nicaraguas sollen in den kommenden Jahren weiter vertieft werden. Unter anderem planen die Konstanzer Evolutionsbiologen eine vollständige Sequenzierung der Genome der Fischpopulationen.

Originalpublikation: Kautt AF, Machado-Schiaffino G, Meyer A (2016) Multispecies Outcomes of Sympatric Speciation after Admixture with the Source Population in Two Radiations of Nicaraguan Crater Lake Cichlids. PLoS Genetics 12(6): e1006157. doi:10.1371/journal.pgen.1006157

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Fischfang-Managua-Un…
Bildunterschrift: Dr. Andreas Kautt und Dr. Gonzalo Machado-Schiaffino beim Fischfang in Nicaragua.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Kratersee-Xiloa-Uni-…
Bildunterschrift: Spuren vulkanischer Aktivität im Kratersee Xiloá.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Kratersee-Apoyo-Uni-…
Bildunterschrift: Kratersee Apoyo.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Axel-Meyer-Uni-KN-20…
Bildunterschrift: Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz.

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Kamikaze-Manöver: „Rosetta“-Sonde stürzt sich ins Verderben

© ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
© ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
Nach zwei Jahren beim Kometen Tschuri beendet die Sonde „Rosetta“ ihre Mission mit einer Kamikaze-Aktion. Ihre letzten Stunden könnten die spannendsten werden.

Von Christoph Seidler | SpON

Gut, dass man am Telefon nichts riechen kann. Das entspannt das Gespräch mit Sasha Lord ganz erheblich. Die junge Britin berichtet nämlich gerade von vergammelten Eiern, Katzenurin und Bittermandeln. „Wirklich ein toller Geruch, wenn man am Wochenende nach Hause geht“, witzelt sie. Das muss dieser britische Humor sein, den immer alle so loben.

Lord arbeitet bei der englischen Firma Aroma Company. Und hat den beißenden Geruch im Auftrag von Wissenschaftlern hergestellt. Genauso stinkt es nämlich auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko – und herausgefunden haben das die Forscher dank der Kometensonde „Rosetta“.

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What Is a ‘Stealth Black Hole,’ and Should We Worry One Will Gobble Us Up?

Image: X-ray: NASA/CXC/Univ. of Alberta/B.Tetarenko et al; Optical: NASA/STScI; Radio: NSF/NRAO/VLA/Curtin Univ./J. Miller-Jones
This week, scientists announced they’d found what’s been called a “stealth black hole” lurking in Milky Way, which seems to be slowly munching away at its companion star. Their research suggests our galaxy could be peppered with black holes we didn’t know about before, like a galactic piece of Swiss cheese.

By Elizabeth Howell | MOTHERBOARD

So, what is a “stealth black hole” anyway?

It’s a black hole that seems to give off radio waves. This one didn’t have the telltale X-ray radiation that black holes usually give off when they suck in material from nearby stars, forming a disc that glows brightly. That’s because it eats its companion star’s material very slowly, gently grazing on it instead of fully chowing down, for reasons that are poorly understood. Where there’s one slow eater, there likely are many others.

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Morddrohungen gegen „Charlie Hebdo“

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Die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat erneut Morddrohungen erhalten und Anzeige erstattet. Die Mitteilungen seien „sehr bedrohlich“, so die Pariser Staatsanwaltschaft.

Frankfurter Rundschau

Wegen neuer Morddrohungen gegen die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat die Pariser Staatsanwaltschaft nach einem Bericht der Zeitung „Le Parisien“ ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Es habe als „sehr bedrohlich“ eingestufte Mitteilungen an die französische Satirezeitschrift gegeben, berichtete das Blatt unter Berufung auf Ermittler. Die Leitung von „Charlie Hebdo“ kommentierte die Informationen nicht, von Seiten der Staatsanwaltschaft in Paris gab es dazu am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme.

Die Drohungen sollen auf der Facebook-Seite von „Charlie Hebdo“ sowie in einem Brief an die Redaktion formuliert worden sein. Die Redaktionsleitung habe deswegen Anzeige erstattet.

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Schweiz: Schwimmunterricht verweigert, Einbürgerung gescheitert

Muss eine muslimische Schülerin am Schwimmunterricht teilnehmen? Die Stadt Basel sagt ja, wenn die Schülerin eingebürgert werden möchte Foto: pa/dpa
Zwei jungen Mädchen wurden in Basel nicht eingebürgert. Der Grund: Die Musliminnen wollten nicht am Schwimmunterricht teilnehmen. Längst nicht überall in der Schweiz wird das so gehandhabt.

Von Stefan Häne | DIE WELT

Zwei muslimische Schwestern wollten sich in der Schweiz einbürgern lassen. Die beiden Mädchen im Alter von 12 und 14 Jahren sprechen offenbar gut Deutsch. Doch sie besuchen weder den Schwimmunterricht noch Klassenfahrten, weil dies mit ihrem Glauben nicht vereinbar sei.

Diese Haltung hat aber Konsequenzen: Die Bürgergemeinde in der Stadt Basel, die für die Einbürgerungen zuständig ist, hat das Einbürgerungsgesuch der Schwestern abgelehnt, wie das „Regionaljournal Basel“ berichtete. Der Fall hat sich letztes Jahr ereignet, ist aber erst jetzt publik geworden. Die Bürgergemeinde argumentierte, einbürgerungswillige Jugendliche müssten die Schulpflicht erfüllen. Wer dies nicht tue, verletze die Rechtsordnung und werde daher nicht eingebürgert.

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Frankreich: Wir müssen mehr Widerstand leisten

© dpa Damals sagten alle „Je suis Charlie“: Eine Demonstration nach den islamistischen Anschlägen im Januar 2015 in Paris.
Französische Intellektuelle rufen zum Widerstand gegen den radikalen Islam auf. Sie sind der Überzeugung: Staat und Gesellschaft müssen mehr tun, nicht nur in Frankreich.

Von Jürg Altwegg | Frankfurter Allgemeine

Französische Intellektuelle haben einen Aufruf gegen den Islamismus verfasst, sie rufen zu mehr kulturellem Widerstand auf. Der Anlass des Aufrufs sind die Prozesse, die in Kanada gegen die Essayistin Djemila Benhabib geführt werden. Diese kritisiert, dass eine private muslimische Schule in Montreal, die Kinder im Grundschulalter aufnimmt und vom kanadischen Staat finanziell unterstützt wird, das Kopftuch für obligatorisch erklärt. Nun wird sie von der Schule verklagt. Djemila Benhabib stand bereits 2012 vor Gericht, weil ihr eine muslimische Mutter vorwarf, die Fotos ihrer Kinder veröffentlicht zu haben: Die Bilder stammten von einem Koran-Rezitations-Wettbewerb in einer Moschee, die als Zentrum der Muslimbrüder gilt.

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Kabinett beschließt Reform der Leistungen für behinderte Menschen

Die Assistenzleistungen für behinderte Menschen werden verbessert und modernisiert.

evangelisch.de

Das Bundeskabinett beschloss am Dienstag in Berlin den Entwurf eines Bundesteilhabegesetzes. Ziel des Vorhabens ist, die Selbstbestimmung behinderter Menschen zu stärken. Behinderten- und Sozialverbänden gehen die Veränderungen nicht weit genug.

Zu den wichtigsten Änderungen zählen deutlich verbesserte Regeln für die Anrechung von Vermögen und Einkommen. In zwei Schritten werden die Vermögensfreibeträge auf 50.000 Euro erhöht. Bisher dürfen behinderte Menschen, die Eingliederungshilfe beziehen, nur 2.600 Euro sparen – und stehen damit schlechter da als Hartz-IV-Bezieher.

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Unicef warnt vor Tod von 69 Millionen Kindern bis 2030

Nigerianische Mädchen in einer Unicef-Schule im Tschad – sie flohen vor der islamistischen Terrormiliz Boko Haram. (Foto: AP)
Die unter Fünfjährigen werden aus weitgehend vermeidbaren Gründen sterben, schätzt das Kinderhilfswerk. Erschütternd sind auch die Zahlen zu Kinderehen und Bildungsmangel.

Süddeutsche.de

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) hat in der Nacht zum Dienstag seinen Jahresbericht vorgestellt. Darin finden sich erschütternde Zahlen über das voraussichtliche Leben und Sterben von Kindern weltweit bis ins Jahr 2030 – auf Basis der jüngsten Entwicklungen und des erwarteten Bevölkerungswachstums. Zentrale Aussagen im Überblick:

  • 69 Millionen Kinder unter fünf Jahren werden nach Schätzungen von Unicef bis zum Jahr 2030 an weitgehend vermeidbaren Ursachen sterben.
  • 167 Millionen Kinder werden bis dahin zudem in Armut leben.
  • 750 Millionen Mädchen werden zwangsverheiratet worden sein.
  • Besonders prekär ist die Lage im Gebiet südlich der Sahara: Dort könnten bis 2030 schätzungsweise neun von zehn Kindern in extremer Armut leben.
  • In diesem Gebiet wird dem Bericht zufolge dann auch die Hälfte aller Kinder weltweit leben, die keinen Zugang zu Grundschulunterricht hat.
  • Derzeit besuchen weltweit etwa 124 Millionen Kinder keine Schulen der Primar- und unteren Sekundarstufe.

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Check Out These Images of Jupiter’s Glowing Cloud Layers

Image: ESO
Image: ESO
A team of astronomers released spectacular new views of Jupiter a week before NASA’s Juno spacecraft is set to arrive at the gas giant.

By Amy Thompson | MOTHERBOARD

The images will be used to create high-resolution maps and will help scientists better understand the planet’s interior prior to the spacecraft’s arrival.

“Over the past five to six months, we’ve been making regular observations of the giant planet,” Leigh Fletcher, team lead from Leicester University said during a Google Hangout today. “We want to better understand what the planet is like today, before Juno’s arrival.”

This view compares a lucky imaging view of Jupiter from VISIR (left) at infrared wavelengths with a very sharp amateur image in visible light from about the same time (right). Credit: ESO

The high-resolution maps and images were created by combining data from VISIR (a thermal camera on the Very Large Telescope) and the TEXES spectrograph on NASA’s Infrared Telescope Facility in Hawaii to produce the first global spectral maps of Jupiter taken from Earth.

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Slavoj Zizek: Gedanken zum Brexit – Unordnung unter dem Himmel

Slavoj Žižek bei der Vorstellung seines Buches „Blasphemische Gedanken“ auf der Leipziger Buchmesse 2015. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0/Amrei-Marie
Europa hängt fest zwischen Brüsseler Trägheit und brennendem Nationalismus – der Brexit ist nur Symptom. Doch er könnte der Weckruf für ein neues, echtes, paneuropäischen Projekt sein.

Von Slavoj Žižek | SpON

Freud war kein ganz junger Mann mehr, als er mit der berühmt gewordenen Frage: „Was will das Weib?“ zu erkennen gab, dass die weibliche Sexualität ihm Rätsel aufgab. Eine ähnliche Ratlosigkeit befällt uns heute angesichts des Brexit-Referendums: Was will Europa?

Worum es bei diesem Referendum wirklich geht, wird klar, wenn wir es in einen größeren historischen Kontext einordnen. Sowohl in West- als auch in Osteuropa sind Anzeichen für eine langfristige Neuordnung des politischen Raums zu erkennen. Bis vor Kurzem war dieser im Wesentlichen geprägt von der Gegenüberstellung zweier großer Parteien: einer rechts der Mitte (Christdemokraten, Liberalkonservative, „Volkspartei“), einer links der Mitte (Sozialisten, Sozialdemokraten …).

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Erlebtes und das Wissen darüber

Michael Pauen Die Natur des Geistes Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2016 ISBN: 9783100024084
Michael Pauen
Die Natur des Geistes
Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2016
ISBN: 9783100024084

Sich mit der Philosophie des Geistes zu beschäftigen, ist ein undankbares Geschäft. Denn mit Hilfe des Geistes über den Geist nachzudenken, ähnelt dem Versuch, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Baron Münchhausen soll das angeblich gelungen sein, und so versucht der Philosoph Michael Pauen, es ihm gleichzutun.

Von Eckart Löhr | Spektrum.de

Wir glauben im Allgemeinen, dass wir zu unseren mentalen oder phänomenalen (auf die Wesenserscheinung der Dinge bezogenen) Erfahrungen einen privilegierten Zugang haben und diese dadurch über einen erkenntnistheoretischen Sonderstatus verfügen. Das heißt, wir sind davon überzeugt, Schmerzen zu haben, sobald wir sie fühlen – und somit der Ansicht, mit dieser phänomenalen Erfahrung auch schon etwas über ihren Wahrheitsgehalt ausgesagt zu haben. Diese Gleichsetzung von mentaler Erfahrung und dem Wissen darüber hält der Autor für historisch gewachsen und ungerechtfertigt, und er widerspricht ihr auf gut 300 Seiten nachdrücklich.

Fehleranfällige Introspektion

Pauen plädiert für eine Trennung der beiden, wobei er einige interessante Gedankenexperimente zu Hilfe nimmt. Das Wissen um eine phänomenale Erfahrung, die so genannte Introspektion, basiert ihm zufolge „auf einer ganzen Reihe von kognitiven Fähigkeiten, insbesondere setzt es Gedächtnis, Sprache und Selbstbewusstsein voraus. (…) Da die zu Grunde liegenden kognitiven Operationen prinzipiell fehlerbehaftet sind, muss man davon ausgehen, dass introspektive Überzeugungen falsch sein können.“

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Schlaf Gut! Anleitung zum nächtlichen Nichtstun

Guy Meadows Schlaf Gut! aus dem Englischen von Diane von Weltzien Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016 ISBN: 9783499631092
Guy Meadows
Schlaf Gut!
aus dem Englischen von Diane von Weltzien
Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016
ISBN: 9783499631092

„Was tun Sie, um gut zu schlafen?“ An der Antwort erkennt man, ob der Gefragte unter Schlafproblemen leidet, meint der britische Schlafexperte Guy Meadows. Während ein normaler Schläfer nichts tue, außer sich ins Bett zu legen und die Augen zu schließen, schliefen ausgerechnet jene am schlechtesten, die sich am meisten darum bemühen. Einfach wegdämmern? Fehlanzeige!

Von Elena Bernard | Spektrum.de

Guy Meadows’ Fünf-Wochen-Programm ist ein Wegweiser aus diesem Teufelskreis heraus. Ziel ist nicht, der Schlaflosigkeit den Garaus zu machen, sondern sie zu akzeptieren. Der Autor verortet sich in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), welche unter anderem verhaltenstherapeutische und achtsamkeitsbasierte Strategien miteinander verknüpft.

In Woche eins erfahren die Leser viel über die physiologischen Grundlagen des Schlafs, Risikofaktoren und klassische Bewältigungsstrategien. Tenor: Gelegentliche Schlafstörungen sind ganz normal und werden in vielen Fällen erst durch den Aktionismus der Betroffenen zum Problem. In der zweiten Woche gilt es, die eigene Schlaflosigkeit anzunehmen. Meadows verwendet hier viel Mühe darauf, seine Leser bei der Stange zu halten. Er zählt hinderliche Gedanken auf und widerlegt jeden einzelnen von ihnen. In zahlreichen Fallgeschichten kann man sich wiederfinden und lernen, welches Verhalten sinnvoll und welches schädlich ist.

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Bayerischer Integrationsbeauftragter: Lies unser Grundgesetz!

grundgesetz

Grundgesetz statt Koran: Als Antwort auf die islamistische «Lies!»-Aktion will Bayerns Integrationsbeauftragter Neumeyer (CSU) in München Gratisexemplare der deutschen und bayerischen Verfassung verteilen.

kath.net

Grundgesetz statt Koran: Als Antwort auf die islamistische «Lies!»-Aktion will Bayerns Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer (CSU) am Dienstag in München Gratisexemplare der deutschen und bayerischen Verfassung verteilen. Der Aktion der Salafisten könne man nicht absprechen, «dass sie originell war», sagte Neumeyer am Freitag. Deshalb habe er sich entschlossen, mit «Lies… unser Grundgesetz!» für Demokratie und die freiheitliche Grundordnung zu werben. Er freue sich auf interessante Gespräche.

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Juna Grossmann: Abschied vom Land des Zorns

Juna Grossmann © Hannes Leitlein

Wir treffen uns im „Masel Topf“, einem jüdischen Restaurant in Prenzlauer Berg, gleich gegenüber der Synagoge in der Berliner Rykestraße. Juna Grossmann ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Seit 2008 betreibt sie ihren Blog irgendwiejuedisch.com. Dort schreibt sie unter anderem über ihr Leben als liberale Jüdin in Berlin, Ausstellungen und ihre negativen Erfahrungen mit der DDR, in der sie aufgewachsen ist. Immer wieder bezieht sie Stellung zu kontroversen Themen. Seit Anfang dieses Jahres prasseln zunehmend Hasskommentare über Juna Grossmann herein. Nichts Neues für die 39-Jährige, doch die Worte treffen sie härter als bisher. Sie beschließt, die Kommentare nicht mehr zu löschen, sondern zu veröffentlichen. Alle sollen mitbekommen, was sie als Jüdin ständig erlebt.

Von Hannes Leitlein | ZEIT ONLINE

Frage: Frau Grossmann, glauben Sie, die Polizei vor deutschen Synagogen wird eines Tages nicht mehr nötig sein.

Juna Grossmann: Eine Zeit lang war die Dauerpräsenz nicht nötig, denke ich. Doch der Traum von offenen Synagogen ist wohl vorerst vorbei, seit mit den antiisraelischen Demonstrationen vor zwei Jahren der Antisemitismus wieder auf der Straße gelandet ist.

Frage: Wann ist die Stimmung gekippt?

Grossmann: Es gab damals, 2002, während der Möllemann-Affäre, eine erste Phase öffentlichen Antisemitismus. Da meinten Leute: „Jetzt dürfen wir’s wieder sagen.“ Große Angst vor Übergriffen hatte ich aber vor zwei Jahren das erste Mal, als Tausende gegen Israel auf die Straße gingen. Dieses Gefühl habe ich nun seit einigen Monaten wieder. Und die Stimmung ist ja nicht nur in Deutschland so aufgeladen. Der Hass hat ganz Europa ergriffen.

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Hannah Arendt: Was es heißt, fremd zu sein

Hannah Arendt. Foto: imago stock&people
Hannah Arendt zu lesen, macht es leichter, die Gegenwart zu verstehen. Jetzt in einer Sonderausgabe des „Philosophie Magazins“ abgedruckt: Der Text „Wir Flüchtlinge“. Sein erster Satz: „Vor allem mögen wir es nicht, wenn man uns ‚Flüchtlinge‘ nennt.“

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Sie gilt noch immer als Außenseiterin, dabei gehört sie längst zu den zentralen Figuren des 20. Jahrhunderts. Und hat wie wenige sonst gezeigt, dass es keine Philosophie gibt, die nicht politisch wäre, will sie nicht „weltlos“ sein. Sie hat aber auch beschrieben, wie gefährlich die Verwandtschaft von Philosophie und Politik, von Denken und Handeln ist.

Hannah Arendt hat in ihren Schriften immer die umstrittenen Fragen der Gegenwart verhandelt, weil sie nie den Kontakt zu den harten Fakten verloren hat. Es sind Fragen nach der Rolle der Arbeit in der Moderne (die Erfüllung verspricht, aber gerade nicht erfüllend ist), nach der Charakteristik totaler Herrschaft, nach dem Bösen, den Menschenrechten, dem Einzelnen in der Masse und der Frau in einer männerdominierten (Geistes-)Geschichte.

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Frühsexualisierung und antihomosexuelle Propaganda

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Der Kollege Alexander Wallasch ist auf die antihomosexuelle Propaganda (denn darum geht es tatsächlich) bei der WELT und von Birgit Kelle, die darauf spezialisiert ist, hereingefallen – und beruft sich auch noch auf das ominöse Internetorgan „gaystream“, des längst als Rechtspopulisten enttarnten David Berger. Berger hat sich inzwischen an ausgesprochene Gegner der Gleichstellung Homosexueller heran geschmeichelt, wenn es nur seinem Feldzug gegen die LGBT-Emanzipationsbewegung nützt.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Vor einem Jahr schrieb ich für meinen Blog „Gespräche über Pflaumenbäume“ diesen Beitrag. Ich habe ihn für diese Gelegenheit auf den neuesten Stand gebracht.

Das Gespenst der Frühsexualisierung

Der bildungspolitische Sprecher der CDU in Thüringen hat im vergangenen Jahr der rot-rot-grünen Landesregierung in einer Presseerklärung vorgeworfen, daß die Berücksichtigung von LGBT-Themen im Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahren „problematisch“ sei. Tichner warnte die Regierung davor, die Sexualerziehung „über die Köpfe der Eltern“ hinweg zu entscheiden. Die würden nämlich eine „zu frühe Sexualisierung ihrer Kinder“ befürchten.

Was ist das eigentlich „Frühsexualisierung“ – ein Begriff, den man seit den Demonstrationen gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg immer wieder von „besorgten Eltern“, der „Demo für Alle“, zu deren Umfeld auch Birgit Kelle gehört, und von religiös und äußerst rechts orientierten Figuren und Organisationen hört.

Bitte mal rasch googlen – man wird erfahren, daß es sich weder um einen Begriff aus der Psychologie, noch der Sexualwissenschaft oder der Soziologie handelt. Wenn man aber einmal die vielen Treffer genauer untersucht, wird man feststellen, daß dieser „Neologismus“ eine Erfindung der sexualpathologischen Rechtskatholiken ist, die sehr gerne von Evangelikalen Schwulenhassern übernommen wird und keine Frage eben auch von rechten Kämpfern für Normierung und Normalität im Sinne der AfD.

Der einzige „Fachmann“, der diesen Begriff in den Mund nimmt, ist der berüchtigte Psychiater Raphael Bonelli, opus-dei-Mitglied und Veranstalter ominöser Psychologie-Kongresse. Er müht sich seine ganze zweifelhafte Karriere hindurch Katholizismus und Psychologie zu verschmelzen – und er formuliert sehr deutlich, was „Frühsexualisierung“ für ihn bedeutet: es sei das Muster der Pädophilen schlechthin. Sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige würden schließlich stets damit beginnen, „daß der Täter beim betroffenen Kind zuerst dessen Aufklärung fördert und in ihm ein außergewöhnliches, nicht-altersadäquates Interesse an Sexualität weckt.“ Pädophile würden ihre Opfer oft zu Autoerotik und zu Sexspielchen mit Gleichaltrigen anleiten. Daß bloßes Wissen über Sexualität vor Übergriffen schütze, so Bonelli weiter, ohne Belege zu bringen, sei widerlegt.

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Princeton-Historiker Grafton zur Gelehrsamkeit des Humanismus

Für die 5. Dagmar-Westberg-Vorlesung konnte in diesem Sommersemester der Historiker Anthony T. Grafton, Henry Putnam Professor of History an der Princeton University, gewonnen werden. Der renommierte amerikanische Wissenschaftler hält in der letzten Juni-Woche drei öffentliche Vorträge an der Goethe-Universität zum Thema „Early Christianity in Early Modern Europe: Religion and Scholarship“ und ein Kolloquium zum Thema „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“.

Ulrike Jaspers Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert entstand in Europa eine neue faszinierende Welt humanistischer Gelehrsamkeit. Diese Epoche, die der Historiker in den Blick nimmt, ist entscheidend in der Geschichte der Geisteswissenschaften. In seinen Vorträgen geht Grafton der Frage nach, in welchem Maße die Forschung dieser Zeit durch theologische Prämissen geprägt war. Anhand dreier Fallstudien, die Teil eines umfassenderen Projekts sind, interpretiert er die Entwicklung der frühneuzeitlichen Gelehrsamkeit zum Frühen Christentum und zieht daraus vorläufige Schlussfolgerungen für die Charakterisierung des Verhältnisses von Religion und Wissenschaft in dieser Epoche.

In dieser Zeit der christlichen Renaissance sammelten Bibliografen die verstreuten Texte der Kirchenväter und andere frühchristliche Dokumente. Gelehrte edierten die Schriften aus der Feder von Tertullian, Augustin und Hieronymus, kommentierten sie kritisch und machten deutlich, dass die Kirchenväter keine Heiligen waren, denen vollkommene Autorität zukam, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die häufig in theologische Streitigkeiten verstrickt waren. Historiker dieser Epoche schufen neue Archive kirchlicher Dokumente und verfassten auf dieser Grundlage ausführliche, einander vielfach widerstreitende geschichtliche Darstellungen der Ursprünge und der frühen Entwicklung des Christentums. Ihr Werk offenbarte eine bis dahin vergessene Welt des kulturellen Austauschs und der institutionellen Improvisation.

Anthony Grafton entwickelt in seinen wissenschaftsgeschichtlichen Vorträgen eine vollkommen neue Sicht auf die humanistische Gelehrsamkeit. Rückblickend erscheint der Humanismus vielfach als eine säkulare Bewegung. Es stellt sich jedoch heraus, dass sich die Gelehrten dieser Zeit mit überraschender Intensität der philologischen und historischen Erforschung der Kirchengeschichte widmeten und dabei höchst innovative Forschungsmethoden entwickelten. In der Frühen Neuzeit erforschten Gelehrte die Geschichte der Frühen Kirche, um ihre Vision einer modernen Kirche aufzuzeigen und zu verteidigen. Ihre wissenschaftlichen Entscheidungen wurden in einem hohen Maße von bestehenden religiösen Bindungen und von dem Empfinden bestimmt, dass es sich bei ihren Forschungen selbst um einen religiösen Akt handelte.

Termine und Themen im Einzelnen
27.6. (Montag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Festsaal Casino: „Judaizing the Last Supper“

28.6. (Dienstag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Reading the Witnesses“

29.6. (Mittwoch), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3: „Finding the First Christians“

30.6. (Donnerstag) Beginn 18 Uhr, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 311: Dialog der Historiker Prof. Anthony F. Grafton und Prof. David B. Ruderman (University of Pennsylvania) über „Cross-Cultural Dialogues in Early Modern Europe“ .

Kolloquium „Christianity, Antiquarianism and the Sense of the Past“ zu den Vorlesungen: 30.6. von 10 bis14 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v.d. Höhe (Anmeldung unter c.wiese@em.uni-frankfurt.de)

Zur Person des Vortragenden
Nach seinem Studium am University College London (bei dem berühmten Althistoriker Arnaldo Momigliano) und an der University of Chicago, wo Grafton 1975 auch promovierte, lehrte der Historiker für kurze Zeit am Department of History der Cornell University. Noch im selben Jahr erhielt er einen Ruf an die Princeton University, an der er bis heute wirkt. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Kulturgeschichte der Renaissance, der Geschichte des Buches und seiner Leser, der Geschichte der Gelehrsamkeit in Westeuropa von der Antike bis ins 19. Jahrhundert sowie der Wissenschaftsgeschichte von der Antike bis zur Renaissance.

Zu seinen zahlreichen Büchern zählt eine profunde Studie der Gelehrsamkeit des herausragenden Philologen der Spätrenaissance, Joseph Justus Scaliger, eine Darstellung der Bedeutung des Bildungsprogramms der Renaissance (From Humanism to the Humanities, 1986) sowie Studien zu dem Astrologen Girolamo Cardano (1999) und zu dem Humanisten Leon Battista Alberti (2000). Sein originellstes und zugleich zugänglichstes Werk ist The Footnote: A curious history (1997; in der deutschen Übersetzung: Die tragischen Ursprünge der deutschen Fußnote), eine Fallstudie zur Geschichte der Geschichtsschreibung von unten.
Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter ein Guggenheim Fellowship (1989), den Los Angeles Times Book Prize (1993), den Balzan Prize for History of Humanities (2002) sowie den Mellon Foundation’s Distinguished Achievement Award (2003). Er ist zudem Mitglied der American Philosophical Society and the British Academy.

Zur Dagmar-Westberg-Vorlesung
Die Gastprofessur ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus einem Stiftungsfonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg zur Verfügung gestellt hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich eine/n weltweit renommierte/n Forscher/in nach Frankfurt einladen. In den vergangenen drei vergangenen Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der nun DFG-Präsident ist, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen und den Berliner Theologen Christoph Markschies. Der Stiftungsfonds für die Gastvorlesung ist nicht das einzige Engagement der Stifterin an der Goethe-Universität: Dagmar Westberg, mittlerweile 101 Jahre alt, engagiert sich in erheblicher Größenordnung für das Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg und finanziert seit 2010 auch einen Preis für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der britischen Literatur, Kultur und Geschichte an der Universität Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Tel. (069) 798-33313, c.wiese@em.uni-frankfurt.de



Grundschüler sollten im Ramadan nicht fasten

Schulmäppchen © birgitta hohenester / pixelio.de, bearb. MiG
Laut Lehrerverband sorgen sich immer mehr Grundschullehrkräfte um die Gesundheit muslimischer Kinder, die während des Ramadans fasten. Der Verband appelliert an Lehrer, Imame und Eltern, auf die Schüler einzuwirken. Dem Islamrat zufolge ist Fasten für Grundschulkinder ohnehin keine Pflicht.

MiGAZIN

In Deutschland zeigen sich Pädagogen besorgt über eine steigende Zahl von Grundschülern, die am Fasten während des Ramadans teilnehmen. Wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) am Mittwoch in Berlin mitteilte, verzichten immer mehr muslimische Kinder im Fastenmonat Ramadan während des gesamten Schultags auf Essen und Trinken. Die Ursachen seien den Lehrkräften zufolge unterschiedlich.

So gebe es Kinder, die das Fasten den Erwachsenen freiwillig nachmachen. Manche Eltern übten aber besonders auf die Jungen Druck aus, tagsüber nichts zu sich zu nehmen. Üblich sei eine Teilnahme am Ramadan normalerweise erst ab der Pubertät.

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Bad Religion im Docks: Der ewige Aufstand gegen die Welt

Bad Religion

Bad Religion spielen seit ihrer Gründung 1980 in Los Angeles nur einen einzigen Song. Einen Song für den ewigen Aufstand. Einen Song als Stachel, als Votum gegen die Welt, wie sie ist.

Von Marc Peschke | MOPO

Entweder man mag die L.A.-Punks von Bad Religion oder man mag sie nicht. Doch zumindest das ist klar: Scheiben wie „Suffer“, „Against The Grain“, vor allem aber das Meisterwerk „No Control“ gehören bis heute zu den besten Punkrock-Alben ever. Vor drei Jahren erschien „True North“. Gitarrist Brett Gurewitz sagt: „Wir erinnerten uns an unsere eigentliche Mission: kurze, präzise Ausbrüche von Melodien und Gedanken.“

„True North“ klingt so wie immer: 16 Songs in 35 Minuten. Und genau deshalb rockt dieser eine Bad Religion-Song seit all den Jahren immer noch so frisch: weil die Welt nicht besser geworden ist – und ein Votum dagegen immer und immer wieder Sinn macht.