Evolution : „Der Mensch als solcher wird zwangsläufig verschwinden“

Auch der Homo sapiens entwickelt sich weiter. © Mads Perch/Getty Images, Montage ZEIT ONLINE
Seit Jahrmillionen entwickelt sich Leben auf der Erde. Kreucht es andernorts auch? Ein Gespräch über irdische Evolution – und das Ende der Menschheit

Von Alina Schadwinkel | ZEIT ONLINE

Die Evolution kennt kein Halten. Seit mehr als vier Milliarden Jahren gibt es auf der Erde Leben und von der ersten Sekunde an hat es sich rasant entwickelt – darauf deuten Fossilienfunde bislang hin. Von plumpen Einzellern ging es über Bakterien und Viren zu größeren Organismen, zu Pflanzen und noch komplizierteren Lebewesen wie Tier und Mensch. Da stellen sich unseren Lesern die Fragen: Wieso kam es überhaupt zu dieser Entwicklung? Woher hat die Evolution ihre Motivation? Und wenn es auf der Erde möglich war, muss es dann nicht irgendwo anders im Universum weitere Lebensformen geben? Mit Forschern haben wir im Liveblog Antworten auf diese Fragen gesucht.

Die junge Erde – sie war völlig anders als der blaue Planet, den wir heute kennen. Es seien extreme Zeiten mit hohen Temperaturen gewesen, die die Entwicklung von Leben begünstigt hätten, erklärte die Biologin Anna Müllner. Sie ist eine von drei Bloggerinnen der Wissenschaftsplattform SciLogs, die sich am zweiten Tag unserer Serie Die großen Fragen an die Wissenschaft gestellt hat. Auch die Zoologin Bettina Wurche und die Planetenforscherin Ludmila Carone haben versucht, Antworten auf die Fragen unserer Leser zu finden.

Charles Darwins Theorien haben bis heute Bestand

Müllner führte zu Beginn der Diskussion weiter aus: „Die Teilchen, aus denen wir bestehen, sind sehr komplex und die Begebenheiten damals haben beschleunigt, dass diese Komplexität bestehen konnte – einfach weil alles so hoch herging“. Es sei ein bisschen, als wäre unsere Erde damals in der Pubertät gewesen. „Da sind ja auch Jugendliche gerne sehr kreativ.“

weiterlesen

Advertisements

Uni Hamburg veröffentlicht Verhaltenskodex für Religionsausübung

Universität © ninastoessinger auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Ein Burka-Verbot hat die Universität Hamburg nicht beschlossen, jedoch einen Verhaltenskodex herausgegeben. Danach sind rituelle Fußwaschungen in sanitären Anlagen ebenso verboten wie hörbare Gebete in Bibliotheken.

MiGAZIN

An der Universität Hamburg wird es auch künftig kein allgemeines Burka-Verbot geben. Der neue Verhaltenskodex zur Religionsausübung untersage eine Vollverschleierung aber, wenn es den Wissenschaftsbetrieb beeinträchtigt, sagte Präsident Dieter Lenzen am Mittwoch bei der Vorstellung des Kodex‚. Dazu zählten unter anderem Prüfungen, Labor-Praktika und medizinische Untersuchungen. Die Universität Hamburg sei bundesweit die erste, die mit Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen ein Zehn-Punkte-Papier zur Religionsausübung erarbeitet habe.

Diskriminierung von Frauen aus religiösen Gründen will die Universität nicht dulden. So ist eine Trennung nach Geschlechtern im „Raum der Stille“ nicht erlaubt. Dies gelte unabhängig davon, so Lenzen, ob die Frauen dies selbst wünschen oder nicht. Wer aus religiösen Gründen ein Zeugnis nicht aus den Händen einer Frau entgegen nehmen will, müsse auf das Zeugnis verzichten. Fußwaschungen in sanitären Anlagen oder hörbare Gebete in Bibliotheken, wie es vereinzelt praktiziert worden sein soll, sollen ebenfalls unterbleiben.

weiterlesen

Bildung: Kritiker sehen Naturwissenschaften im neuen G 9 benachteiligt

Der aktuelle Entwurf muss noch vom Parlament beschlossen werden. (Foto: SZ-Grafik, Kultusministerium)
  • Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ist beschlossen, die Stundentafel dafür ausgearbeitet.
  • Kritiker sehen die naturwissenschaftlichen Fächern benachteiligt.
  • Beispielsweise soll Chemie in der 11. Klasse gar nicht gelehrt werden, wenn es sich nicht um einen naturwissenschaftlichen Zweig handelt.

Von Anna Günther | Süddeutsche.de

Es klang alles so einfach vor den Sommerferien: Schulminister Ludwig Spaenle präsentierte die Stundentafel für das neue Gymnasium, gemeinsam mit Vertretern von Schülern, Eltern, Direktoren und Gymnasiallehrern. Ein Kompromiss, der die Wünsche der Schulfamilie und alle Vorgaben der Politik erfüllte. Nach Jahren der Kritik am achtjährigen Gymnasium betonte Spaenle die Harmonie – und schneller als der Zeitplan war man übrigens auch noch. Das scheint Geschichte zu sein, denn wann der Gesetzesentwurf zum neuen Gymnasium im Landtag diskutiert werden soll, weiß im Ministerium derzeit niemand. Nur, ohne Abstimmung im Parlament keine Änderung der Schulordnung und damit keine definitive Stundentafel. Und auch die Harmonie ist passé.

Schon vor der Präsentation des Entwurfs murrten alle leise, die befürchteten, im neuen G 9 zu kurz zu kommen. Nach der Präsentation sahen sich die Vertreter von Geografie, Wirtschaft/Recht, Biologie und Chemie bestätigt. Dabei sollte die gemeinsame Arbeitsgruppe von Lehrern, Eltern und Schülern doch verhindern, dass einzelne Fachgruppen oder Verbände um Stunden und damit auch um Stellen streiten.

weiterlesen

„Sinn des Lebens“

„Also, nun kommt der Sinn des Lebens. Nun, es ist wirklich nichts besonderes. Versuch einfach, nett zu den Leuten zu sein, vermeide fettes Essen, lese ab und zu ein gutes Buch, lass Dich mal besuchen und versuch mit allen Rassen und Nationen in Frieden und Harmonie zu leben.“ Monty Python, Der Sinn des Lebens

Föderation des Determinismus

Was ist Sinn?
I. Da gibt es die einen, die sagen, Sinn ist immer Zweck. Es geht um die Erfüllung eines Ziels, möglichst global, übergeordnet.

Die Frage erscheint Atheisten schon etwas absurd. Welchen Zweck soll ein bestimmter Mensch haben? Aus wessen Sicht? Denn unter „Zweckrichtung“ ist doch letztendlich immer eine von außen kommende Verzweckung gemeint. Das Kind dient den Eltern zu deren Selbstverwirklichung ihres Lebenskonzepts. Der Christ dient der Gottheit zum Spielen in dessen Sandkiste und der Hund dient dem Herrn bei der Bewachung des Hofes.

Wenn ein Mensch sich als selbstbestimmtes Wesen versteht, wie könnte er eine von außen kommende Verzweckung je innerlich akzeptieren? Wohl könnte er es, aber er ein selbstbestimmter Mensch müsste sich dafür entscheiden. Also hinge ein solcher Sinn doch wieder vom Menschen ab.

Und letztendlich geht es bei der Sinngebung doch auch darum, dass ein übergeordneter Sinn einen untergeordneten schlägt. Wie im Kartenspiel, die zehn schlägt die neun: Wenn die Christen den Sinn ihres Lebens von einer Gottheit abhängig machen, dann auch deshalb, weil ihnen die Vorstellung anhaftet, dass das Leben in einem sinnlosen Universum, die globale Sinnlosigkeit, nicht gut sei, nicht schön sei – genau das haben sie dann aber, denn die vorgestellte Gottheit lebt doch selbst gottlos in einem sinnlosen Universum. Diese Vorstellung ist also völlig undurchdacht.

Für uns Atheisten lautet die Antwort: Einen von oben nach unten von einer abgeleiteten Sinn kann es rein logisch gar nicht geben – dann brauchen wir ihn aber auch nicht.

weiterlesen

Konkurrenz für den Konsulatsunterricht

Lernen nach Ankara-Methode. Den Konsularunterricht dürfen nur regimetreue Lehrer geben.FOTO: IMAGO
Jetzt geht plötzlich alles ganz schnell: An den ersten Berliner Schulen sollen Türkisch-AGs starten. Lehrer dafür wurden gefunden.

Von Susanne Vieth-Entus | DER TAGESSPIEGEL

Der türkische Konsulatsunterricht an den Grundschulen bekommt Konkurrenz: Die Bildungsverwaltung hat genug Türkischlehrer gefunden, um mit eigenen Angeboten zu starten. Ab Februar soll es nach Tagesspiegel-Informationen die ersten Arbeitsgemeinschaften geben. Die Zeit drängt vor allem in Mitte, wo der Konsulatsunterricht durch Mietforderungen zum Erliegen kam. Andere Bezirke wollen zwar keine Miete, suchen aber ebenfalls Alternativen, um den Einfluss der Lehrer aus der Türkei einzudämmen. Die Bildungsverwaltung bestätigte am Montag auf Anfrage, dass die AGs im zweiten Schulhalbjahr starten könnten.

Die Kultusminister entschieden – nichts

Von der Kultusministerkonferenz (KMK) ist aktuell keine Unterstützung zu erwarten: Zwar warf sie die Frage auf, inwieweit die Grundlage des Konsulatsunterrichts, nämlich die EU-Richtlinie zu Wanderarbeitern von 1977, „noch zeitgemäß“ sei. Die Kultusminister konnten sich am Donnerstag aber nicht auf sofortige Schritte einigen.

weiterlesen

Evolutionstheorie hat heute mehr Gegner als zu Darwins Zeit

Die Evolutionstheorie hat mehr Gegner denn je. Bild: akg
Die Gegner der Evolutionstheorie sind lauter denn je – und zahlreicher. Sie scheuen auch vor Drohungen gegenüber Wissenschaftlern nicht zurück.

Von Harald Ries | WESTFALENPOST

Zwei Kommentare zu einem Interview, das Angela Schwarz, Geschichts-Professorin an der Uni Siegen, als Herausgeberin von „Streitfall Evolution“ gegeben hat, einer allgemein verständlichen, großzügig bebilderten und enorm facettenreichen Kulturgeschichte zum Wesen und Wirken von Darwins folgenreicher Theorie.

Eine Minderheit meldet sich lautstark zu Wort. Zunehmend lauter. „Heute gibt es mehr christlich-fundamentalistische Gegner, seit etwa hundert Jahren Kreationisten genannt, als im Jahr 1859, als Charles Darwin ‘Die Entstehung der Arten’ veröffentlichte“, sagt Angela Schwarz. Christen, die die Bibel wörtlich nähmen, an einen einmaligen Schöpfungsakt glaubten, in dem alle Pflanzen und Tiere so geschaffen wurden, wie wir sie heute vorfinden, hätten sich von den USA aus ausgebreitet: „Auch im Siegerland gibt es Sympathisanten, die fordern, ihre Lehre vom Kreationismus oder intelligenten Design müsse gleichberechtigt in den Schulen behandelt werden.“

weiterlesen

„Missing Link“: Manipulation, Meinungsfreiheit und Propaganda bei Facebook & Co.

(Bild: ariapsa)
Große Medienhäuser haben sich neben Facebook, Twitter & Co. und Sonderermittlern daran gemacht, Vorwürfe im US-Wahlkampf 2016 aufzuarbeiten. Es geht nicht nur um russische Trollarmeen, sondern auch um Macht und Verantwortung der sozialen Netze.

Von Stefan Krempl | heise.de

Im November soll die Wahrheit ans Licht kommen. Vertreter von Facebook, Google, Twitter & Co. müssen dann in Anhörungen im US-Kongress Farbe bekennen über mögliche russische Informationsoperationen auf ihren Plattformen im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016. Schon vor dem Termin hat sich der neue „Kalte Krieg“ im Internet mit den Untersuchungen des Ex-FBI-Chefs Robert Mueller und mehrerer Kongressausschüsse zu möglichen Verbindungen zwischen Donald Trumps Wahlkampfteam und russischen Stellen deutlich verschärft.

So vergeht kaum ein Tag mehr, an dem US-Medien nicht vermeintliche Enthüllungsberichte bringen und dabei vor allem die sozialen Medien im Blick haben. Auch die Financial Timesspricht von schweren Bedenken, dass Russland vor allem Facebook in eine „Waffe“ verwandelt habe und das „Produkt Mark Zuckerbergs“ außer Kontrolle zu geraten drohe.

Prinzipiell sehen sich die Betreiber sozialer Netzwerke selbst eigentlich als neutrale Vermittler von nutzergenerierten Inhalten, die sich aus der Meinungsmache herauszuhalten versuchen. Doch Politiker in immer mehr Ländern betonen, dass mit wachsender Reichweite der übertragenen Botschaften auch eine größere Verantwortung einhergeht. Die bislang propagierte Selbstregulierung reiche da nicht mehr aus. Das Geschäftsmodell der Plattformen, das auf der algorithmischen Einstufung von Inhalten und größtmöglicher Automatisierung beruht, könnte damit ins Wanken geraten.

Zwei Tage nach der US-Wahl, aus der für viele überraschend der Immobilienmogul und Reality-TV-Star Trump als Sieger hervorging, tat Facebook-Gründer Zuckerberg im vorigen November auf einer Konferenz noch seine persönliche Meinung kund, er halte es für eine „verrückte Idee“, dass „Fake News“ auf der Plattform in irgendeiner Form den Ausgang des Urnengangs beeinflusst haben könnten. Auch weil Falschmeldungen generell nur einen „sehr kleinen Anteil“ der dortigen Inhalte ausmachten.

Sein Kommentar zur Bundestagswahl ein knappes Jahr später hört sich ganz anders an. „Wir haben daran gearbeitet, die Integrität der deutschen Wahl sicherzustellen“, konstatierte der Konzernchef im September. Das klingt in seiner Allgemein- und Vagheit beruhigend und erinnert an die Sprache von Politikern oder Parteien. Hinter der neuen Diktion steckt offenbar eine Kehrtwende um schier 180 Grad.

Erstmals räumte Facebook Ende April öffentlich ein, dass es staatlich unterstützte Versuche gebe, das weltgrößte Online-Netzwerk als Instrument zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu missbrauchen. Die Sicherheitsabteilung des Konzerns erklärte, dass vor allem mit Hilfe gefälschter Profile bestimmte Meinungen und teils auch falsche Informationen in den Vordergrund gerückt werden sollen. Ziel sei es, konzertiert gewisse Ansichten unters Volk zu bringen, die sonst kaum eine entsprechende Verbreitung fänden. Automatisierte „Social Bots“ oder kompromittierte Konten kämen dafür weniger zum Einsatz.

weiterlesen

Ich, Neuron

Grafik: TP
Die Sichtweise, dass Nervenzellen nichts als passive Träger von Verknüpfungen sind, wird zunehmend aufgegeben

Von Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Lernen in neuronalen Netzen wird gemeinhin gleichgesetzt mit Änderungen an den Verbindungen zwischen den Nervenzellen, den Synapsen. Diese Idee war ursprünglich ein Postulat von Donald Hebb (und, im Westen weniger bekannt, zeitgleich von Jerzy Konorski).

Viel später erst wurde es möglich, unmittelbar zu beobachten, wie sich Synapsenstärken während eines Lernvorgangs ändern, wie neue Rezeptormoleküle eingelagert werden, und wie sich die winzigen Dornfortsätze auf den Eingangsstrukturen der Nervenzellen dabei vermehren und in ihrer Form verändern. Dass man diese Veränderungen seit ungefähr 15 Jahren in der lebenden Großhirnrinde über Wochen hinweg verfolgen kann, gehört für mich immer noch zu den großen Wundern der Mikroskopie und Neurobiologe, Daran, dass synaptische Veränderungen beim Lernen vor sich gehen, besteht kein Zweifel. Aber bewahren sie auch die Erinnerung?

Die Frage mag überraschen. Umso mehr, als hinreichend gründlich bewiesen ist, dass Gedächtnisspeicherung in Synapsen funktioniert. Man denke etwa an die immer leistungsfähiger werdenden künstlichen neuronalen Netze. Eine klassische und sehr einfache Form solcher Netze – die McCulloch-Pitts-Netze – wird sogar gemeinhin nur als Matrix der Verbindungsstärken dargestellt. Die Neuronen sind darin nichts als Nummern für Zeilen und Spalten.

weiterlesen

Neue Studie: Leben auf der Erde entstand viel früher als gedacht

Wie entstand das Leben auf der Erde? Getty Images/Magnilion
Es ist eines der noch ungeklärten Rätsel: Wie entstand unsere Erde und das Leben darauf? Forscher werteten interdisziplinäre Daten aus und kamen zu neuen Ergebnissen. Diese stützen nicht nur Darwins Theorie, sondern liefern auch Anhaltspunkte dafür, weshalb auf dem blauen Planeten Leben möglich ist.

Von Michael Odenwald | FOCUS ONLINE

Wie entstand auf der Erde vor rund vier Milliarden Jahren das Leben? Dies ist eine der großen Fragen der Wissenschaft. Hypothesen dazu gibt es viele, doch jede davon hat Schwächen, deshalb fehlt bis heute ein stimmiges Bild.

Neues Szenario

Jetzt entwickelten Forscher der kanadischen McMaster University und des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg anhand von astronomischen, geologischen, chemischen und biologischen Daten jedoch ein Szenario, das den bislang wahrscheinlichsten Ablauf der Lebensentstehung skizziert. Ihre Ergebnisse legten sie in den „Proceedings der US National Academy of Sciences“ vor.

weiterlesen

Blick auf die andere Seite der Milchstraße

Auf der anderen Seite der Galaxie: Künstlerische Darstellung der Milchstraße mit der Position der Erde und dem Sternentstehungsgebiet © Bill Saxton/ NRAO /AUI /NSF; Robert Hurt/ NASA
Wie sieht die Milchstraße von oben aus? Um ein besseres Bild davon zu erhalten, wollen Astronomen unsere Galaxie vermessen. Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg ist ihnen nun gelungen: Sie bestimmten die Entfernung zu einem Sternentstehungsgebiet, das sich auf der anderen Seite der Milchstraße befindet – den Messungen zufolge ist es 66.000 Lichtjahre von uns entfernt. Damit sind die Forscher so weit in die unbekannten Tiefen unserer Galaxie vorgedrungen wie niemals zuvor.

scinexx

Unsere Heimatgalaxie ist noch lange nicht vollständig erkundet und erforscht – im Gegenteil. So gelang es Astronomen erst kürzlich, die Positionen von einer Milliarde Sternen in der Milchstraße genau zu bestimmen. Auch das zweitgrößte Schwarze Loch unserer Galaxie haben sie erst vor kurzem aufgespürt, ebenso wie einen kosmischen Teilchenbeschleuniger in ihrem Zentrum. Dank einer ersten Alterskarteist zudem jetzt bekannt, dass die Milchstraße einst von innen nach außen gewachsen ist.

weiterlesen

Externe Einflüsse auf die Wissenschaft

Zitate sind die Währung in der Wissenschaft, mit welcher der „Wert“ einer Veröffentlichung beziffert wird. © istock.com/littlehenrabi
Viele Forschungsprojekte in den USA werden durch Investitionen aus der Industrie gefördert oder gar vollkommen finanziert. Auch das Militär investiert große Summen in die Forschung, daher prägen die Interessen der Investoren die amerikanische Forschungslandschaft.

scinexx

Nicht nur die prestigereichen Ivy League Unis wie Harvard, Yale oder Princeton buhlen um die Gunst der Investoren, auch kleinere Forschungseinrichtungen wollen von den großen Geldgebern berücksichtigt werden. An diesem Punkt kommen die Medien ins Spiel, denn durch mediale Aufmerksamkeit gewinnen die Universitäten die Aufmerksamkeit der Investoren. Eine Hochschule, die auf cleveres Marketing verzichtet, schneidet sich oft selbst den Geldfluss ab.

Interessengesteuerte Forschung?

Da sowohl große Konzerne als auch das Militär in die Forschung investieren, geben sie oft auch eine Richtung vor. Die Sponsoren wollen schließlich Ergebnisse, die sie für ihre Projekte und Vorhaben nutzen können. Die Wissenschaftler können sich dagegen kaum wehren und akzeptieren diese Konditionen als Teil des Jobs. Kevin Esvelt, Biochemiker am MIT, wird beispielsweise mit der Aussage zitiert, dass es für gute Wissenschaft nie genug Geld gebe und es daher besser ist, Geld von großen Industriesponsoren anzunehmen.

weiterlesen

Wikipedia’s Science Articles Are Elitist

Image: MOTHERBOARD
Maybe Wikipedia readers shouldn’t need science degrees to digest articles about basic topics. Just an idea.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

As science journalists, we aren’t all neuroscientists, astrophysicists, and-or climate scientists. Which is to say that at least some of the time we’re learning about this stuff alongside you, the reader. And in the course of that learning, we may happen upon a Wikipedia page for, say, nonribosomal peptide. Good journalists know well enough that Wikipedia is in itself not a reliable source, but a page’s references section can wind up being a solid repository of links to sources like to be reliable. With that disclaimer out of the way: Yes, I look up science stuff on Wikipedia.

As such, I’m a regular witness to something that until recently I’d had a hard time articulating. What changed was an episode of the podcast Breaking Math about the very long-standing problem of science and elitism. In making the general point that science uses its intrinsic difficulty as a mechanism for enforcing an otherwise artificial exclusivity, one of the hosts noted something I’d been observing every day without it quite registering: Wikipedia articles about „hard science“ (physics, biology, chemistry) topics are really mostly written for other scientists.

This particular class of Wikipedia article tends to take the high-level form of a scientific paper. There’s a brief intro (an abstract) that is kinda-sorta comprehensible, but then the article immediately degenerates into jargon and equations. Take, for example, the page for the electroweak interaction in particle physics. This is a topic of potentially broad interest; its formulation won a trio of physicists the Nobel Prize in 1979. Generally, it has to do with a fundamental linkage between two of the four fundamental forces of the universe, electromagnetism and the weak force.

read more

Kurdische Gemeinde warnt vor Spionage durch Konsulatslehrer

Die Kurdische Gemeinde hat den türkischen Konsulatsunterricht in Deutschland als untragbar kritisiert und die Überführung in das staatliche Schulwesen gefordert. 

ZEIT ONLINE

Es sei fatal zu glauben, dass dieser aus Ankara gesteuerte Unterricht für türkische Muttersprachler politisch neutral sei, sagte der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde, Cahit Basar, der „Heilbronner Stimme“. „Der dort vermittelte Nationalismus lässt sich mit unserem Grundgesetz nicht vereinbaren.“ Basar äußerte den Verdacht, dass es türkische Spione unter den Konsulatslehrern gebe.

Was glaubt jemand, der nicht glaubt?

Vernunft als Leitfaden, der Mensch im Mittelpunkt: Wie ein Weltbild jenseits der Religionen aussehen kann.

Von Uwe Lehnert | DER TAGESSPIEGEL

Was Christen oder Muslime glauben, das ist in groben Zügen so ziemlich jedem geläufig. Dagegen ist in der Öffentlichkeit so gut wie nichts darüber bekannt, was konfessionsfreie Menschen denken und für „glaubwürdig“ halten. Das ist eigentlich erstaunlich, bilden sie doch in Deutschland mehr als ein Drittel der Bevölkerung, in Berlin zum Beispiel stellen sie die übergroße Mehrheit dar. Eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Frühjahr 2016 ergab für Berlin, dass sich 61 Prozent der Berliner als konfessionsfrei, 21 Prozent als evangelisch und neun Prozent als Mitglied der katholischen Kirche bezeichneten. In den restlichen neun Prozent sind Muslime, Juden und rund 50 weitere Religionsgemeinschaften enthalten.

Konfessionsfreie vertreten mehrheitlich eine Weltanschauung, die sich bewusst von Religion und einem über allem stehenden Gott abgrenzt. Eine Minderheit unter ihnen ist zwar aus der Kirche ausgetreten, betrachtet sich aber oft noch in irgendeiner Weise als religiös.

Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen halten sich vornehm zurück, wenn es um die Darstellung des Denkens und Handelns nichtreligiöser Menschen in Deutschland geht. Dabei ist in allen Staatsverträgen, die zwischen jedem Bundesland und den jeweiligen Rundfunk- und Fernsehanstalten geschlossen wurden, ausdrücklich festgeschrieben, dass diese über alle relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen und über alle relevanten gesellschaftlichen Ansichten und Meinungen angemessen zu berichten hätten. Aber lediglich die „staatstragenden“ Religionen haben Vertreter in den Medienräten. Und von denen verfügen fast nur die christlichen Kirchen über eigene Redaktionen und feste Sendezeiten. Diese besitzen somit trotz aller behaupteten Trennung von Staat und Religion ein staatlich gewährtes Privileg. Daher ist es verständlich, dass in oben erwähnter Emnid-Befragung 54 Prozent der interviewten Berliner sich durch die Medien und die Politik nicht ausreichend über die große Gruppe der Konfessionsfreien informiert fühlen.

weiterlesen

Erdogans Lehrer und die deutschen Bildungsminister

Unter türkischer Flagge läuft seit 1977 der Türkischunterricht in vielen Bundesländern, die auf diese Weise nicht selbst Angebote…FOTO: AFP PHOTO / ODD ANDERSEN
Für rückkehrende Gastarbeiterkinder war der Konsulatsunterricht einst gedacht, aber diese Adressaten gibt es nicht mehr. Die Länder sollten daraus Konsequenzen ziehen. Ein Kommentar.

Von Susanne Vieth-Entus | DER TAGESSPIEGEL

Susanne Eisenmann, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, hat ihre Kollegen um ein „Stimmungsbild“ zum Konsulatsunterricht gebeten, wenn sie an diesem Donnerstag zusammentreffen. Vielleicht wäre das eine gute Gelegenheit, gemeinsam die Köpfe über den türkischen Lehrplan zu beugen, dem aktuell rund 40.000 Schüler in Deutschland ausgesetzt sind. Denn es ist keineswegs so, dass nur in Berlin die „Reinheit des Islam“ und der „Respekt vor der türkischen Flagge“ Themen des Curriculums sind. Offenbar ist diese Textarbeit wichtig, damit die Kultusminister in Stimmung kommen, ernsthaft nach Alternativen zu suchen.

weiterlesen

Verlagerung von Biodiversitätsforschung

Foto: pixabay.com
Wird die Biodiversitätsforschung zunehmend in Zweit- und Drittweltländer verlagert und verliert dort durch Massenpublikationen mäßig vorgebildeter Forscher an Wert?

Von Stefan Wirth | Richard-Dawkins-Foundation

Es erscheint zunächst plausibel: Ein sinnvoller Naturschutz muss zwingend an genaue Kenntnisse unserer Natur anknüpfen. Da unsere natürliche Umwelt zu erheblichen Teilen biologisch belebt ist, ist die Artenkenntnis eine wichtige Grundlage, um unsere irdischen Ökosysteme und damit auch uns selbst zu erhalten. Forscher gehen von insgesamt über acht Millionen Arten weltweit aus. Hierbei zeigen vor allem die Tiere eine hohe Artenvielfalt auf. Ein erheblicher Prozentsatz der Biodiversität, so der Fachterminus für Artenvielfalt, ist jedoch noch immer unbekannt.

Jeder vernünftige Mensch würde doch an dieser Stelle schlussfolgern, dass Biologen und insbesondere Zoologen händeringend benötigt würden, um zu dem Mammutprojekt „Biodiversitätsforschung“ Beiträge leisten zu können. Doch weit gefehlt! Deutsche Stellenangebote suchen in der Regel nach Pharma-Mitarbeitern oder versuchen stellenlose Wissenschaftler unter ihrem Leistungsniveau in Großlaboratorien der medizinischen Forschung unterzubringen. Der Rest bleibt ohne Anstellung und muss mitunter als Hatz-IV-Bezieher ein klägliches Dasein fristen.

Und die Biodiversitätsforschung? Die ist längst nicht mehr in Deutschland zuhause. Nur wenige Grüppchen sind bundesweit verteilt übrig geblieben, und die investieren mehr Zeit damit, ihre Ellbogen zu stärken, um ihre Fördermittel gegen Konkurrenten zu verteidigen, als in gute Forschung. Machtregierungen denken an nichts anderes als an ihren Machterhalt, kurzsichtiges Agieren, denn was nach ihnen passiert, ist ihnen völlig gleichgültig. Steuergelder wandern in die Geldbörsen gieriger Politiker, und das in rauen Mengen, und nicht dahin, wo sie hingehören: in die langfristige Sicherung der Zukunft. In der Zwischenzeit sterben Arten zu Hunderten aus, noch bevor sie überhaupt entdeckt und beschrieben werden können, und mit ihnen vergehen mitunter ganze Ökosysteme.

Dabei verfügte Deutschland über eine seit Jahrhunderten gewachsene Tradition in qualitativ hochwertiger Forschung in den Naturwissenschaften. Gerade in der Biologie waren deutsche Wissenschaftler weltweit bekannt für präzise Gedanken und sorgfältige Terminologien sowie gründlich durchdachte Hypothesen. Inzwischen sind deutsche Spezialisten im Umfeld der Biologie entweder auf Dauer arbeitslos oder zu Überlebenskünstlern geworden. Die USA haben das Feld übernommen, sie investieren immense Forschungsgelder in die Grundlagenforschung. Und das doch mit für das Land typischen Einschränkungen. Wer sich einen US-Wahlkampf anschaut, wer Hollywood-Action-Filme konsumiert, der weiß, dass subtiles Gedankengut oft nicht Sache der US-Amerikaner ist. So auch allzu häufig nicht in den Naturwissenschaften.

USA sequenziert vorwiegend

Terminologien, die wir sorgsam voneinander abgrenzen, werden gerne lax pauschalisiert verwendet. Feinheiten des Artbegriffes? Für manche Systematiker völlig uninteressant! Die USA sequenziert vorwiegend, das ist zeitgemäß und erfasst die Artenvielfalt objektiv und genau, so jedenfalls glaubt man. Einwände werden nicht selten als unmodern verworfen. Aber welches Gen kodiert denn nun für die Artgrenze? Blöde Frage, kein bekanntes natürlich, die Grenzen, die legen wir einfach willkürlich fest. Aber wer um alles in der Welt wählt denn dann das Material nach sinnvollen Kriterien aus, das überhaupt zur Sequenzierung gelangt? Gute Frage, so die Antwort, hier werden nach wie vor Spezialisten benötigt, aber bitte, günstig müssen sie sein und produktiv im Akkord. Ich berichte hier aus meinen eigenen Erfahrungen im Bereich der systematischen Milbenforschung.

weiterlesen

Holyge Bimbel – Storys vong Gott u s1 Crew

Die Heilige Schrift in Internetdeutsch – Shahak Shapira erzählt die schrillsten ‚Storys vong Gott u s1 crew Bild: Verlag
Einige Medien bezeichnen ihn als den „neuen Luther“. Der Berliner Satiriker Shahak Shapira hat Teile der Bibel neu übersetzt – in die im Internet bekannt gewordene „Vong-Sprache“. Aber warum eigentlich? Und was halten Bibel-Experten davon?

Von Leonore Kratz | evangelisch.de

Wenn Shahak Shapira die Schöpfungsgeschichte erzählt, klingt das so: „Im Anfang war die Universe leer u schwarz wie 1 coke zero am bimsen, also buildete Gott 1 Earth u 1 Heaven. Aber die Earth war dark wie 1 Berghain u needete 1 Boss-Transformation…“ „Gangesis“ nennt der in Berlin lebende Satiriker das erste Kapitel seiner „Holygen Bimbel“. Darin übersetzt der 29-jährige Israeli Teile des Alten und Neuen Testaments in die sogenannte Vong-Sprache, die sich seit etwa einem Jahr im Internet großer Beliebtheit erfreut. Wichtigste Merkmale: Mengen in Ziffern angeben, möglichst viele englische Wörter einstreuen und natürlich Sätze mit der Konstruktion „vong…her“ bilden.

weiterlesen

Nietzsche und der Nazarener

Jesus von Nazareth ist die heilige Kuh des christlich geprägten Abendlandes, an die sich kaum einer herantraut.

Von Jürgen Fritz | Richard-Dawkins-Foundation

Einer, der sich traute, war Friedrich Nietzsche. Auch wenn ich kein großer Freund dessen Denken bin, aber müssen wir den Nazarener, dessen Lehre uns so viele Probleme einbrockte, insbesondere die fehlende Wehrhaftigkeit, die fehlende Fähigkeit zur Abgrenzung, dessen Lehre uns in immerwährender Infantilität und Unmündigkeit hält und damit unsere Selbstbestimmungsfähigkeit und unsere Würde untergräbt, nicht endlich vom Sockel stoßen und ihn einer substanziellen Kritik unterziehen, wenn wir uns als Menschheit weiterentwickeln, wenn wir endlich erwachsen werden, wenn wir endlich mündige, würdige Wesen werden wollen?

Der dichtende Denker, der eigentlich ein unerschrockener, denkender Dichter war

Friedrich Nietzsche wird gemeinhin als Denker, als Philosoph angesehen, der zugleich ein großartiger Dichter gewesen wäre, der größte Dichter unter den Denkern seit Platon. Ich bin kein sehr guter Nietzsche-Kenner, habe ihn nie wirklich intensiv studiert, weil er mich nicht genug anzuziehen vermochte, um mich ganz intensiv mit ihm zu befassen. Und ich bin gar nicht sicher, ob ich Nietzsche überhaupt als Philosophen rubrizieren würde. Dazu ist mir persönlich sein Denken viel zu unpräzise. Meistens liegt er nicht richtig, hat für meinen Geschmack viel zu wenig Stringenz.

Seine große Leistung besteht meines Erachtens in etwas anderem. Ich sehe in ihm eher einen großartigen, wortgewaltigen Dichter, der keine inhaltlich simplen Liebes- oder Frühlingsgedichte schrieb, sondern sich mit philosophischen Themen beschäftigte und der vor allem ein unglaubliches Gespür, eine Intuition für die Verlogenheit der Menschen hatte. Und er hatte Mut, einen unglaublichen Mut, ja noch mehr als das: Unerschrockenheit. Er hatte keine Hemmungen, heilige Kühe anzupacken, sie zu melken, um zu sehen, ob da überhaupt Milch kommt und wenn ja, ob und wie viel diese taugt.

Jesus – ein Idiot ober einfach nur geistig ein Teenager, der unsere Infantilität für immer manifestierte?

Den Nazarener nannte Nietzsche einen Idioten. Auch hier scheint mir der denkende Dichter wieder unpräzise zu sein – das sind Dichter immer, genau das macht ihr Wesen gerade aus. Aber das Wichtige ist auch hier etwas anderes. Nietzsche wagte, was die seit fast zweitausend Jahren zurechtgestutzten, klein gehaltenen Seelen fast nie wagen: er nahm den Nazarener in die Mangel. Er machte etwas, wozu sonst kaum einer imstande ist respektive sich die allerwenigsten nur trauen: Er kritisierte den, der in unserem Kulturkreis nicht kritisiert werden darf. Damit war Nietzsche in all seiner Verrücktheit, in all seiner Überdrehtheit eines vor allem nicht: Er war kein geistiges Kind. Er war ein Erwachsener. Er war ein Mann. Ein richtiger Mann. Kein Bub. Kein Teenager.

Solange wir unsere heiligen Kühe nicht kritisieren, sie nicht dialektisch beleuchten – a) was haben sie geleistet, wo haben sie uns vorangebracht, welchen Beitrag zur Weiterentwicklung haben sie vollbracht und b) wo haben sie ihre Schwächen, wo haben sie versagt, wo bremsen sie uns -, solange wir das nicht tun, bleiben wir geistige Kinder, sind noch keine Erwachsenen.

weiterlesen

Nur ein Sokrates kann uns retten

Andenken an die Opfer des Terroranschlags im Juni 2017 auf der London Bridge (Bild: Keystone)
Peter Sloterdijk ist ein Denker der Konsequenz, Jürgen Habermas ein Normalisierer. Von Sokrates lässt sich lernen, dass Philosophie korrumpieren muss, wenn sie sich selbst ernst nimmt – nur, was bedeutet das heute?

Von Slavoj Žižek | Neue Zürcher Zeitung

Die Aufgabe der Philosophie besteht darin, die Jugend zu korrumpieren. Und der französische Philosoph Alain Badiou, der dies schreibt, fragt zugleich: Ist nicht dies Sokrates‘ Lektion für uns Heutige? Dabei hat Korruption für Badiou eine präzise positive Bedeutung: die Entfremdung von der gerade vorherrschenden ideologisch-politischen Ordnung. Philosophen säen radikale Zweifel in den Köpfen der Jungen, die dadurch in eine Distanz zu ihrer Welt geraten. Und erst wer diesen Schritt einmal gemacht hat, kann von sich ernsthaft behaupten, selbständig zu denken.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Sokrates, der Begründer der westlichen Philosophie, zugleich ihr erstes Opfer war. Er verführte die Jugend durch sein freies Denken, bis ihn ein Gerichtshof der attischen Demokratie dazu verurteilte, den tödlichen Schierlingsbecher zu trinken.

Umstürzler und Normalisierer

Aber der grosse Sokrates hat nicht nur die Jugend, sondern auch gleich das ganze westliche Denken korrumpiert. Alle ernstzunehmenden Philosophen nach ihm waren Korrumpierer erster Güte: Platon unterzog die altgedienten Gewohnheiten und Mythen seiner Zeit einer schonungslosen rationalen Prüfung. Descartes unterminierte das harmonische Universum des Mittelalters. Spinoza wurde wegen seiner Ketzerei exkommuniziert; Hegel setzte die zerstörerische Kraft der Negativität frei; Nietzsche demaskierte die Grundlage unserer Moral. Auch wenn sich diese Herren zuweilen staatsmännisch gaben, so pflegte das Establishment nie einen wirklich ungezwungenen Umgang mit ihnen.

weiterlesen

„Alien-Stern“: Doch nur Staub?

Warum wird das Licht des Sterns KIC 8462852 immer wieder unrgelmäßig abgedimmt? Neue Daten sprechen zunehmend gegen größere Objekte in seinem Orbit. © NASA/JPL-Caltech
Keine Aliens: Das seltsame Verhalten des Sterns KIC 8462852 könnte doch natürliche Ursachen haben. Denn neue Beobachtungen zeigen, dass sein rätselhaftes Abdimmen je nach Wellenlänge verschieden stark ausfällt. Dies spreche eher für eine umgebende Staubwolke als für außerirdische Konstruktionen im Sternenorbit, sagen Astronomen. Unerklärt bleibt aber weiterhin, warum sich die Helligkeit des Sterns so abrupt verändert.

scinexx

Der knapp 1.500 Lichtjahre entfernte Stern KIC 8462852 gibt Astronomen schon seit zwei Jahren Rätsel auf. Denn das Licht dieses Sterns wird nicht nur ganz allmählich immer schwächer – zwischendurch verdunkelt er sich kurzzeitig sogar um bis zu 20 Prozent. Weil diese Episoden der Abdimmung unregelmäßig auftreten, können sie nicht von einem Planeten oder anderem im Orbit kreisenden natürlichen Objekt stammen.

weiterlesen