Außerirdisches Leben auf Braunen Zwergen?

In der Atmosphäre von Braunen Zwergen und Gasplaneten könnte es durchaus schwebende Mini-Aliens geben. © scinexx
In der Atmosphäre von Braunen Zwergen und Gasplaneten könnte es durchaus schwebende Mini-Aliens geben. © scinexx
Schwebende Heimat: In der Atmosphäre kühler Brauner Zwerge könnte es außerirdisches Leben geben. Denn in ihrer Gashülle gibt es eine habitable Zone mit Nährstoffen, milden Temperaturen und vielleicht sogar Wasserwolken, wie Forscher berichten. Ihre Simulation ergab: In dieser Zone könnten winzige schwebende Lebewesen vorkommen und auch lange genug überleben. Sogar unsere nächsten Nachbarn im All könnten demnach belebt sein.

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Braune Zwerge gelten als gescheiterte Sterne: Weil ihre Masse für eine Zündung der Kernfusion nicht ausreichte, sind sie oft nicht wärmer als ein Gasplanet. Allein in unserer kosmischen Nachbarschaft gibt es gleich mehrere solcher kühlen Braunen Zwerge, ein Zwergenpaar liegt nur 6,5 Lichtjahre von uns entfernt, ein weiterer Brauner Zwerg, WISE 0855-0714, hat sogar Minusgrade auf seiner Oberfläche und liegt 7,2 Lichtjahre entfernt.

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Hessen: Apostel Algermissen verbietet Lehrplan an katholischen Schulen

Kultusminister Lorz will mit Handreichung Missverständnisse ausräumen – Fuldaer Bischof Algermissen verbietet die Umsetzung des Lehrplans an katholischen Schulen

kath.net

Hessens Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU) will den umstrittenen Bildungsplan Sexualerziehung für allgemeinbildende und berufliche Schule nicht überarbeiten. Missverständliche Formulierungen, an denen sich Kritik entzündet, sollen aber in einer Handreichung erläutert werden. Das kündigte Lorz bei einer Informationsveranstaltung des CDU-Kreisverbandes Fulda am 2. Dezember in der Domstadt an. Lorz hatte den Lehrplan im September durch Ministererlass in Kraft gesetzt. Er sieht vor, dass Schüler unterschiedliche sexuelle Orientierungen und Familiensituationen kennenlernen und akzeptieren sollen. Kritik am Lehrplan hatten zuvor der Landeselternbeirat und die katholischen Bischöfe in Hessen geäußert. Zustimmung gab es von den evangelischen Landeskirchen. Ende Oktober demonstrierten jeweils rund 2.000 Menschen in Wiesbaden für und gegen den Lehrplan.

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Physicists Mold Giant Photons Into Custom Shapes

Image: Timothy Yeo/Centre for Quantum Technologies/National University of Singapore
Image: Timothy Yeo/Centre for Quantum Technologies/National University of Singapore
It’s hard to imagine a photon having a shape at all. For one thing, photons—pointlike, indivisible units of light—are massless, which is the whole essence of being a photon to begin with and what enables such particles to set the universe’s maximum speed limit (the c in E = mc2). How does something without mass even occupy geometric space? Alternatively, how can space be not empty yet not contain any mass?

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

As it turns out, photons can take on different shapes and sizes and this winds up mattering a great deal when it comes to interactions between light and matter (such as atoms). To this end, researchers at the National University of Singapore have devised a method for shaping photons with extreme precision, allowing for an unprecedented look at these light-matter interactions at atomic scales.

Their work, which is described this week in Nature Communications, demonstrates that shape plays a key role in predicting whether or not an atom is likely to absorb an incoming photon, an insight likely to have consequences for the development of quantum information technologies, which hinge upon light-matter interactions.

This is among the most fundamental things in the electromagnetic world: Photons carry energy, and when a photon is absorbed by an atom, the atom takes up that energy. This might result in the atom emitting its own photons at new wavelengths (giving rise to the innate colors of objects) or otherwise displaying new properties. This interaction is what enables photosynthesis, as photons from the Sun convey energy to chloroplasts, which convert light energy into chemical energy.

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In der Antarktis droht riesige Eisplatte zu zerbrechen

© AFP Eine Luftaufnahme der Nasa, die den Riss in der Antarktis am 1. Dezember zeigt
© AFP Eine Luftaufnahme der Nasa, die den Riss in der Antarktis am 1. Dezember zeigt
Eine der größten Eisplatten in der Antarktis droht bald abzubrechen. Der Riss wird rasant größer, wie neue Fotos der Nasa belegen. Dann könnte ein riesiger neuer Eisberg entstehen.

Frankfurter Allgemeine

Im Nordwesten der Antarktis könnte die viertgrößte Eisschelfplatte bald zerbrechen. Ein bereits vorhandener Riss im Larsen C-Eisschelf wächst rasant an, wie Wissenschaftler in den vergangenen Monaten beobachtet haben. Der Riss wird weiterhin schnell größer, wie ein Luftbild der Nasa vom 1. Dezember belegt, das jetzt veröffentlicht wurde.

Larsen C ist mit 48.600 Quadratkilometern halb so groß wie Island. Die Nasa schätzt aufgrund des aktuellen Bildes, dass der Riss 113 Kilometer lang, mehr als 91 Meter breit und rund 530 Meter tief ist. Sollte die Eisschelfplatte zerbrechen, würde sich ein riesiger Eisberg bilden, dessen Fläche Wissenschaftler auf 6000 Quadratkilometer (ungefähr so groß wie Zypern) schätzen.

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30 Billionen Tonnen Technik: Ausmaß und Diversität der Technosphäre

Abb. 1: Mit den von uns produzierten Technomaterialien könnten wir die Erde nicht nur komplett in Plastik- oder Alufolie einwicheln, sondern tatsächlich 50 Kilogramm Material auf jedem Quadratmeter dieser Erde platzieren. (Abb. von Univ. Leicester zur Verfügung gestellt)
Abb. 1: Mit den von uns produzierten Technomaterialien könnten wir die Erde nicht nur komplett in Plastik- oder Alufolie einwicheln, sondern tatsächlich 50 Kilogramm Material auf jedem Quadratmeter dieser Erde platzieren. (Abb. von Univ. Leicester zur Verfügung gestellt)
Vor wenigen Tagen erschien unsere neue Arbeit „Scale and diversity of the physical technosphere: A geological perspective“ vorab als online-first Publikation im Wissenschaftsjournal The Anthropocene Review. Die 25 Autoren, darunter auch ich, sind überwiegend Mitglieder der „Working Group on the ‚Anthropocene‘ der Internationalen Stratigraphischen Kommission. Die Mehrheit der Autoren sind Geologen (darunter die „Lead Autoren“ der Universität Leicester), aber auch Erdsystemwissenschaftler, Archäologen, Umwelthistoriker und andere sind dabei.

Von Prof. Dr. Reinhold Leinfelder | Der Anthropozäniker

Wir versuchten erstmalig, die Masse und Vielfalt aller vom Menschen produzierten technischen Dinge, vom Bleistift bis zum Atomkraftwerk quantitativ abzuschätzen, um daraus ein weiteres Kriterium für den Eingriff des Menschen ins Erdsystem zu erhalten. Unter den in der Arbeit angegebenen Prämissen und Vorbehalten kamen wir auf ein Gesamtgewicht aller von Menschen gemachten Dinge von rund 30 Billionen Tonnen. Dies entspricht einer Belastung von 50 Kilogramm pro Quadratmeter Erdoberfläche. Zu dieser Technosphäre zählen wir, alles was von Menschenhand gemacht ist, beispielsweise Gebäude und Straßen, aber auch Dinge des täglichen Lebens wie Smartphones und Computer und nicht zuletzt Müll.

Tab. 1: Ungefähre Masse der Hauptmaterialien der physischen Technosphäre (1 Tt entspricht 10hoch12 metrischen Tonnen, d.h. 1 Billion Tonnen. Aus Zalasiewicz et al. 2016

Tab. 1: Ungefähre Masse der Hauptmaterialien der physischen Technosphäre (1 Tt entspricht 10hoch12 metrischen Tonnen, d.h. 1 Billion Tonnen. Aus Zalasiewicz et al. 2016

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Neue Fahndung nach Gravitationswellen

© Caltech Zwei Schwarze Löcher verschmelzen - und senden Gravitationswellen aus
© Caltech Zwei Schwarze Löcher verschmelzen – und senden Gravitationswellen aus
Bereit für neue Raumzeit-Rippel: Die beiden Gravitationswellen-Detektoren des LIGO-Observatoriums haben ihre neue Laufzeit begonnen. Dank verbesserter Laser, neuer Optik und Elektronik können sie jetzt noch weiter ins Weltall hinaus lauschen. Astrophysiker hoffen, dass dadurch in den nächsten Monaten gleich mehrere Gravitationswellen-Ereignisse detektiert werden können.

scinexx

Der erste Nachweis von Gravitationswellen im Februar 2016 war eine weltweite Sensation. Erstmals war es gelungen, die feinen Erschütterungen der Raumzeit einzufangen, die schon Albert Einstein vor gut hundert Jahren vorhergesagt hatte. Verursacht wurden die registrierten Gravitationswellen durch die Verschmelzung zweier schwarzer Löcher. Einige Monate später gelang ein zweites Mal ein solcher Nachweis.

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Leyen will Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss einstellen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).Foto: dpa
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).Foto: dpa
Verteidigungsministerin von der Leyen will mehr junge Menschen für die Bundeswehr gewinnen – auch Schulabbrecher und EU-Ausländer sollen eine Chance bekommen.

DER TAGESSPIEGEL

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will einem Zeitungsbericht zufolge mit neuen Personalstrategien mehr Soldaten für die Bundeswehr gewinnen. So sollten etwa Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss eine zweite Chance bekommen, berichtete das „Handelsblatt“ am Donnerstag unter Berufung auf eine neue Personalstrategie. Wenn sie sich als Zeitsoldaten verpflichteten, könnten sie bei der Bundeswehr den Abschluss parallel nachholen.

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Islamismus: „Darf ich Eis nach Scharia würzen, um Kinder zu töten?“

Themenbild
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Dschihadistischer Dialog in Kinderschrift: Zwei junge Salafisten aus NRW haben selbst in der Haft noch ihre Mord- und Vergewaltigungsfantasien ausgetauscht. Auch mal verziert mit Herzchen und Blumen.

Von Florian Flade | DIE WELT

Yusuf T. war sichtlich genervt. „Muhammed lass das mit den Flaggen“, schrieb er an seinen Freund. Gemeint war wohl das auf Papier gekritzelte Emblem der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). „Wenn jemand diese Briefe sieht, können wir ein gutes Urteil vergessen. Muhammed du musst endlich verstehen, dass das kein Kindergarten mehr ist.“

Muhammed Ö. gelobte Besserung. „Ich habe deinen Brief erhalten und werde so Allah will deine Anweisungen halten“, schrieb er zurück. Dann folgten zwei Fragen. Ob es denn nach islamischem Recht erlaubt sei, die Mädchen von „Abtrünnigen“ zu vergewaltigen, wollte Ö. wissen, „Weil man ja Sex-Sklavinnen vergewaltigen darf.“

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Hitlerjugend: „Eine herrische, grausame Jugend will ich“

Eine Hitlerjugend-Zeichnung von Robert Ziller
Eine Hitlerjugend-Zeichnung von Robert Ziller
Fahnen, Rituale, Uniform: Millionen Kinder waren während der NS-Zeit in der Hitlerjugend, es gab Gemeinschaft, Sport und Zeltlager. Dahinter steckten Prägung im Sinne der NS-Ideologie und eine paramilitärische Ausbildung: die Erziehung zum Soldaten.

Von Dirk Baas | MiGAZIN

„Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“: So umschrieb Adolf Hitler 1935 in Nürnberg sein Idealbild der deutschen Jugend. Als diese Sätze fielen, bestand die Hitlerjugend (HJ) schon fast zehn Jahre. Die NSDAP hatte früh einen Jugendverband gegründet, um die Mädchen und Jungen im eigenen Geist zu formen. Zunächst war der Eintritt freiwillig, aber mit dem Gesetz vom 1. Dezember 1936 wurde die HJ offiziell zur Staatsjugend. Zwei Jahre später hatte sie sieben Millionen Mitglieder.

„Meine Pädagogik ist hart“, hatte Hitler 1940 schwadroniert: „Das Schwache muss weggehämmert werden. (Es wird eine) Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich.“

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Das unberechenbare Genom

Model eines DNA-Moleküls (imago/Westend61)
Model eines DNA-Moleküls (imago/Westend61)
Leicht, lebendig und verständlich – so bringen die beiden Biologen und Science-Slammer Helga Hofmann-Sieber und Timo Sieber Forschungsergebnisse der Molekulargenetik auf den Punkt. Sie zeichnen dabei ein grelles Bild unserer wilden, sprunghaften Gene.

Von Michael Lange | Deutschlandradio Kultur

Molekulargenetik muss nicht kompliziert oder langweilig sein. Selbst neueste Forschungsergebnisse lassen sich leicht, lebendig und verständlich auf den Punkt bringen. Und wer könnte das besser als zwei erfolgreiche Science-Slammer, die auch auf einer Comedy-Bühne für Stimmung sorgen können?

Helga Hofmann-Sieber und Timo Sieber haben gelernt, in zehn Minuten ein meist junges Publikum in ihren Bann zu ziehen. Obwohl oder gerade weil sie über Wissenschaft reden: schnell, originell, locker, flapsig und rotzfrech. Was auf der Bühne funktioniert, das gelingt dem Paar jetzt auch in Buchform. Dabei kopieren sie nicht eins zu eins die Scherze, die auf der Bühne funktionieren. Statt auf knallige Effekte oder zotige Witze setzen die beiden auf einleuchtende Vergleiche, einfache Metaphern und schräge Alltagsgeschichten.

Begeisterung, die ansteckend wirkt

Ribosomen, Promotoren und Transposons: Weder komplizierte Themen oder Fachausdrücke sparen die beiden Molekularbiologen aus. Sie erklären, wie springende Gene in unserem Erbgut herumhüpfen, wie Viren mit molekularen Tricks unser Erbgut überlisten und wie erste Lebensformen aus RNA auf sich allein gestellt auf der frühen Erde zurechtkamen. Alles auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Der Inhalt könnte auch in einem modernen Lehrbuch der Molekularbiologie stehen. Statt auf Didaktik oder Vereinfachung setzen sie auf Begeisterung, und die wirkt ansteckend.

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„Charlie Hebdo“ auf Deutsch: Politisch Korrekte, bitte Abstand halt

Bild: AFP. Shit or get off the pot. :D
Bild: AFP.
Am Donnerstag erscheint die erste deutsche Ausgabe der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Die Werbung zeigt Angela Merkel auf dem Klo. Wer auf politische Korrektheit setzt, sollte nicht weiterlesen.

Von Martina Meister | DIE WELT

Angela Merkel muss sich jetzt warm anziehen. „Es tut Politikern immer ganz gut, sich an neuen Dingen zu reiben und zu lernen, was politische Satire ist“, sagt Gérard Biard, Chefredakteur der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Demnächst wird die deutsche Kanzlerin unvollständig bekleidet auf dem Klo zu sehen sein, erwischt bei der Lektüre von „Charlie Hebdo“.

„Wirkt befreiend“ steht auf dem Plakat mit Angela Merkel auf der Toilette, das ab Donnerstag an deutschen Kiosken hängen wird. Es ist Werbung in eigener Sache.

Am 1. Dezember wird das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zum ersten Mal seine deutschsprachige Ausgabe herausbringen. Mit 200.000 Exemplaren wollen sie an den Start gehen. Allerdings wird sich das Blatt anfangs von dem französischen Original nicht groß unterscheiden. Die meisten Artikel werden schlicht ins Deutsche übersetzt.

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Michael Schmidt-Salom: Rechtspopulisten und Islamisten tolerieren, solange keine Gesetze verletzt werden

 Gegendemonstranten blockieren im April Delegierten der AfD den Zugang zu deren Bundesparteitag in Stuttgart. (Foto: Getty Images)
Gegendemonstranten blockieren im April Delegierten der AfD den Zugang zu deren Bundesparteitag in Stuttgart. (Foto: Getty Images)
Wo sind die Grenzen der Toleranz? Der Philosoph Schmidt-Salomon sagt, man solle Demagogen recht geben, wo sie recht haben – und zugleich ihre Lächerlichkeit aufzeigen.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Die AfD ist in Deutschland sehr stark geworden, in den USA wird Donald Trump Präsident, in Frankreich könnte Marine le Pen die Regierung übernehmen. Was ist der richtige Umgang mit Rechtspopulisten, wo liegen die Grenzen der Toleranz, und wann wird Kritik zur Beleidigung? Fragen an den Philosophen und Publizisten Michael Schmidt-Salomon.

SZ: Manche Journalisten halten die Wahlerfolge von Trump oder der AfD für die Quittung dafür, dass Politik und Medien den Kontakt zu den „Unvernünftigen“, „Vergessenen“, „Abgehängten“ verloren haben und sie nur noch verachten und beschimpfen. Ist da was dran?

Michael Schmidt-Salomon: Der Erfolg der Rechtspopulisten ist, wie ich meine, auf zwei zentrale Faktoren zurückzuführen. Erstens auf eine zunehmende soziale Ungleichheit. Es ist ja leider so: Wenn Menschen ihren sozialen Status nicht verbessern können, wenn sie sich selbst als Individuen nicht mehr wahrgenommen fühlen, dann neigen sie dazu, sich über die Mitgliedschaft zu einer Gruppe zu definieren, was chauvinistische Abgrenzungen gegenüber „den anderen“ verstärkt.

Zweitens fehlt es tatsächlich an einer rationalen Streitkultur. Eine vernünftige gesellschaftliche Debatte hätte diesem Lagerdenken entgegenwirken können, aber dazu ist es in den letzten Monaten nicht gekommen.

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Rassismus: Europas ambivalenter Humanismus

 Schriftzug " Multikulti nein Danke" (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Schriftzug “ Multikulti nein Danke“ (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Die Idee des Humanismus ist mit der europäischen Tradition verbunden. Aber Letztere beinhaltet auch Kolonialzeit, Rassismus und ausbeuterischen Kapitalismus. Der europäische Rassismus habe deshalb eine besondere Dimension, betont die Historikerin und Drehbuchautorin Fatima El-Tayeb in ihrem neuen Buch „Undeutsch. Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft“.

Von Norbert Seitz | Deutschlandfunk

Von den Rettungsschirmen über den Brexit bis zur Flüchtlingsbewegung – Europa stolpert von einer Krise in die andere. Doch die Ursachen für die derzeitige Instabilität des Kontinents liegen tiefer als nur in Finanzierungslücken oder nationalen Egoismen, sagt Fatima El-Tayeb, die schwarze deutsche Historikerin und Drehbuchautorin. Sie beklagt eine folgenreich missratene Geschichtsaufarbeitung nach dem Epochenbruch von 1989.

„Um den veränderten Konstellationen Rechnung zu tragen, war nicht nur eine Neuformulierung deutscher und europäischer Zukunftsvisionen nötig, auch die Erinnerung musste neu gestaltet werden. Im Übergang zur gegenwärtigen Weltordnung wurde die Chance zu einer realen Neuordnung der Welt auf allen Ebenen verpasst.“

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Größte offene Verwerfung der Erde entdeckt

© Pownall et al./Australian National University Eine Subduktion am Inselbogen führte dazu, dass die ozeanische Kruste unter der Bandasee ausdünnte und riss.
© Pownall et al./Australian National University Eine Subduktion am Inselbogen führte dazu, dass die ozeanische Kruste unter der Bandasee ausdünnte und riss.
Mysteriöse Tiefe: Seit 90 Jahren rätseln Geologen über die Entstehung der sieben Kilometer tiefen Bandasenke vor Indonesien – jetzt haben sie die Lösung gefunden. Denn wie sie entdeckten, senkte sich der Meeresgrund hier ein, als ein unterseeischer Krustenteil auseinander gerissen wurde. Die an dieser Stelle neuentdeckte tektonische Störung ist die größte freiliegende Verwerfung weltweit, wie die Forscher im Fachmagazin „Geology“ berichten.

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In der Bandasee zwischen Indonesien und Australien liegt das tiefste Becken der Erde – nur einige Tiefseegräben sind tiefer. Im sogenannten Weber Deep bildet der Meeresboden eine mehr als sieben Kilometer tiefe Senke. Wie diese jedoch entstand, ist rätselhaft. „Dieser Abgrund ist seit 90 Jahren bekannt, aber bislang konnte niemand erklären, wie er so tief wurde“, erklärt Jonathan Pownall von der Australian National University.

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Sexuelle Gewalt: Vor aller Augen

Bild: WAZ
Bild: WAZ
Ein Darmstädter Lehrer vergewaltigte 38 Jahre lang Schüler. Opfer berichten, wie er sie zu sich nach Hause lockte – und niemand ihnen half.

Von Matthias Bartsch | SpON

Das Leiden hätte ein Ende haben können an diesem Vormittag vor fast 40 Jahren. Andreas Ratz erinnert sich noch gut daran, wie er damals auf einer Holzbank vor dem Büro der Schulleiterin hockte. Er habe vorsichtig angeklopft, erzählt er, es gehe „um einen Lehrer“, habe er der Sekretärin gesagt.

Ungefähr eine Stunde lang habe er im Flur gewartet, sagt Andreas Ratz. Er habe auf die geschlossene Bürotür gestarrt, sich Worte zurechtgelegt und wieder verworfen. In seinem Inneren kämpfte die Furcht vor dem Gespräch mit der Rektorin gegen die Wut auf den Mann, der sein Leben so brutal aus der Bahn geworfen hatte. Und der gerade dabei war, anderen Kindern dasselbe anzutun.

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Warum Eis auch bei Minusgraden immer nass ist

© Murata et al./ PNAS, Mal wie ein Spiegelei, mal wie ein klassischer Tropfen: Die quaisflüssige Schicht auf dem Eis ist verschieden und nicht vollständig.
© Murata et al./ PNAS, Mal wie ein Spiegelei, mal wie ein klassischer Tropfen: Die quaisflüssige Schicht auf dem Eis ist verschieden und nicht vollständig.
Rätsel gelöst: Nach gut 170 Jahren haben Forscher ein rätselhaftes Phänomen des Wassereises aufgeklärt. Denn Eis ist immer nass – selbst bei Minusgraden bildet sich eine hauchdünne Schicht aus flüssigem Wasser. Die neuen Analysen enthüllen, dass diese Nässeschicht entgegen bisheriger Theorie nicht im Gleichgewicht ist, sondern vor allem beim Sublimieren und Verdampfen auftritt.

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Eigentlich scheint die Sache klar: Wird Wasser bis unter den Gefrierpunkt abgekühlt, dann kristallisiert es aus und wird zu Eis. Aber in der Praxis ist das das Ganze weitaus komplizierter. Denn je nach Druck und den im Wasser gelösten Substanzen kann Wasser bis weit unter den Gefrierpunkt hinaus flüssig bleiben. Forschern ist es sogar schon gelungen, hochreines Wasser bei extrem hohem Druck bis minus 130 Grad flüssig zu halten.

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Gilles Kepel: Millionen „Likes“ für den Terror

foto: picturedesk / tim birven
foto: picturedesk / tim birven „Salafismus breitet sich unter europäischen Muslimen aus“: Gilles Kepel.
Die Geheimdienste in Frankreich hätten ein Jahrzehnt im Kampf gegen den Dschihadismus verloren, weil sie dessen Wesen verkannt hätten, meint der in Paris lehrende Sozialwissenschafter

Interview derStandard.at

Wann immer die Rede auf islamistischen Terror in Frankreich kommt, ist Gilles Kepel ein gefragter Mann. Der 1955 geborene Sozialwissenschafter – er unterrichtet an der renommierten Science Po in Paris – gilt als einer der besten Spezialisten für den politischen Islam und dessen Artikulationsformen. Kepel spricht Arabisch und hat lange Feldforschung in französischen Banlieues und Gefängnissen, in denen der Islamismus floriert, betrieben; seit sehr ernst zu nehmenden Morddrohungen von islamistischer Seite ist er ständig in Gegenwart eines Leibwächters unterwegs. Anders als sein Kollege Olivier Roy, dem er in lustvoller Gegnerschaft verbunden ist, lehnt Kepel die These ab, bei den Terroristen von Charlie Hebdo, Bataclan etc. handle sich um jugendliche Nihilisten, die der RAF vergleichbar seien. Vielmehr hätten in all diesen Fällen mehr oder minder professionell agierende Dschihadisten, die dem Westen den Kampf angesagt haben, die Hände mit im Spiel.

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«Teile der Mehrheitsgesellschaft wollen, dass ich still bin»

Layma Kaddor kämpft sowohl gegen den Islamismus als auch gegen Islamophobie. Bild: Franziska Rothenbühler
Layma Kaddor kämpft sowohl gegen den Islamismus als auch gegen Islamophobie. Bild: Franziska Rothenbühler
Völkisches Denken werde in Deutschland wieder salonfähig, sagt die islamische Religionslehrerin Lamya Kaddor.

Von Bernhard Ott | DER BUND

Der Mann im blauen Anzug blieb während des Gesprächs mit Lamya Kaddor im Raum anwesend. Erst mit der Zeit wurde klar, dass es sich um einen Personenschützer handelte. Auch beim Podium zum Thema «Fundamentalismus» im Anschluss an das Interview stand er hinter Kaddor auf der Bühne.

Frau Kaddor, Sie gelten als Kämpferin gegen den Islamismus. Nun widmen Sie sich in Ihrem neuen Buch dem Rassismus in Deutschland. Warum dieser Fokuswechsel?
Zwischen beiden Phänomenen gibt es strukturelle Zusammenhänge. Sie beruhen auf einer Radikalisierung bestimmter Gesellschaftsgruppen, die sich gegenseitig befördern. Das ist mir bei meinen Forschungen zum Islamismus bewusst geworden. Je mehr islamistische Anschläge es gibt, desto sichtbarer wird die Fremdenfeindlichkeit. Es bringt daher wenig, nur gegen ein Phänomen anzukämpfen. Ich bekämpfe seit fünfzehn Jahren den Islamismus und tue es weiter. Nun ist es an der Zeit, auch die Islamfeindlichkeit zu thematisieren.

Sie drehen den Spiess einfach um.
Ja. Integration ist keine Einbahnstrasse. Daher muss ich auch die Defizite der Mehrheitsgesellschaft ansprechen. Es braucht ein neues deutsches Wir. Ich will das Alte nicht loswerden. Aber wir müssen dem Neuen eine Chance geben. Wir müssen dem deutschen Wir Werte hinzufügen – zum Beispiel die Pluralität.

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Dunkle Energie gibt es nicht? Nicht so hastig!

© ESO / Asymmetric Ashes (artist's impression) / CC BY 4.0 CC BY (Ausschnitt)
© ESO / Asymmetric Ashes (artist’s impression) / CC BY 4.0 CC BY
(Ausschnitt)
Von Zweifeln an der beschleunigten Expansion des Kosmos und damit auch an der Dunklen Energie berichteten unlängst die Medien – doch das war irreführend.

Von Dan Scolnic, Adam G. Riess | Spektrum.de

„Kosmologie: Beschleunigte Expansion im Zwielicht“ und „Die Dunkle Energie ist tot“. So oder ähnlich lauteten Ende Oktober Schlagzeilen in den Medien. Auslöser des Hypes war der Artikel „Marginal evidence for cosmic acceleration from Typ Ia supernovae“ von J. T. Nielsen, A. Guffanti und S. Sarkar im Fachblatt „Scientific Reports“. Auf Deutsch lautet der Titel der Arbeit etwa: Supernovae des Typs Ia liefern nur geringe Hinweise auf eine kosmische Beschleunigung.

Liest man sich diesen Artikel allerdings durch, so kommt man zu dem Schluss, dass wir unser gegenwärtiges Bild vom Universum keineswegs revidieren müssen. Denn die drei Forscher verringern lediglich ein klein wenig die Sicherheit, mit der wir unsere Aussagen über den Kosmos treffen – und das auch nur, indem sie einen großen Teil der Daten verwerfen, auf denen unsere Kenntnisse basieren. Außerdem ignorieren sie wichtige Details in den Daten, die sie verwenden. Doch selbst, wenn man all das beiseitelässt, sind die Schlagzeilen falsch: Die drei Wissenschaftler kommen nämlich zu dem Schluss, dass wir jetzt nur noch zu 99,7 Prozent sicher sind, dass sich die kosmische Expansion beschleunigt. Und das ist weit davon entfernt, die beschleunigte Expansion und damit die Existenz der Dunklen Energie zu widerlegen.

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Für eine demokratische Polarisierung

 Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0/Wolfram Huke
Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0/Wolfram Huke
Wie man dem Rechtspopulismus den Boden entzieht

Von Jürgen Habermas | Blätter.de

Blätter-Redaktion: Nach 1989 war vom „Ende der Geschichte“ in Demokratie und Marktwirtschaft die Rede, heute erleben wir das Aufziehen eines neuen Phänomens autoritär-populistischer Führerschaft, von Putin über Erdogan bis zu Donald Trump. Offensichtlich gelingt es einer neuen „autoritären Internationale“ mehr und mehr, die Diskurse zu bestimmen. Hatte Ihr Jahrgangsgenosse Ralf Dahrendorf also Recht, als er ein autoritäres 21. Jahrhundert vorhersah? Kann man, ja muss man bereits von einer Zeitenwende sprechen?

Jürgen Habermas: Als Fukuyama nach der Wende von 1989/90 den ursprünglich auf einen grimmigen Konservativismus gemünzten Slogan vom „Posthistoire“ aufgriff, drückte sich in seiner Umdeutung der kurzsichtige Triumphalismus westlicher Eliten aus, die dem liberalen Glauben an eine prästabilisierte Harmonie von Marktwirtschaft und Demokratie anhingen. Diese beiden Elemente prägen die Dynamik der gesellschaftlichen Modernisierung, verbinden sich aber mit funktionalen Imperativen, die immer wieder in Konflikt geraten. Der Ausgleich zwischen kapitalistischem Wachstum und einer auch nur halbwegs als sozial gerecht akzeptierten Teilhabe der Bevölkerung am durchschnittlichen Wachstum hoch produktiver Wirtschaften konnte nur durch einen demokratischen Staat herbeigeführt werden, der diesen Namen verdient. Eine solche Balance, die erst den Namen „kapitalistische Demokratie“ rechtfertigt, war aber, historisch gesehen, eher die Ausnahme als die Regel. Schon deshalb war die Idee einer globalen Verstetigung des „amerikanischen Traums“ eine Illusion.

Die neue Unordnung der Welt, die Hilflosigkeit der USA und Europas angesichts der zunehmenden internationalen Konflikte ist beunruhigend, und die humanitären Katastrophen in Syrien oder im Südsudan zerren ebenso an unseren Nerven wie die islamistischen Terrorakte. Dennoch kann ich in der Konstellation, auf die Sie hinweisen, keine einheitliche Tendenz zu einem neuen Autoritarismus erkennen, sondern eher verschiedene strukturelle Ursachen und viele Zufälle. Das Verbindende ist die Klaviatur des Nationalismus, den aber haben wir mittlerweile auch im eigenen Haus. Russland und die Türkei waren auch schon vor Putin und Erdogan keine „lupenreinen Demokratien“. Mit einer etwas klügeren Politik des Westens hätten die Weichen im Verhältnis zu beiden Ländern vielleicht anders gestellt, hätten vielleicht auch liberale Kräfte in diesen Bevölkerungen gestärkt werden können.

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