Evolutionslehre, Kuckucke und eigenständiges Denken

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Ein Armutszeugnis: Immer mehr Politiker und Eiferer möchten die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule gelehrt haben.

Von Manuel Battegay | Basler Zeitung

Mein ehemaliger Biologielehrer am Gymnasium Ernst Hufschmid faszinierte meine MitschülerInnen und mich früh für Biologie und biologische Kreisläufe. Alle um einen Tisch sitzend und ohne grosse Hilfsmittel, ein Bleistift und Schreibblock genügte, forderte er uns bis aufs Letzte. Ein abschweifender Blick, schon gar nicht zu reden von Kaugummis, aber auch eine Antwort ohne nachzudenken wie «Ich weiss es nicht», strafte er energisch ab.

Während Prüfungen vertraute er uns und verliess das Klassenzimmer. Er forderte und förderte eigenständiges Denken. So erarbeiteten und diskutierten wir neue, spannende Erkenntnisse der Biologie. Mal waren es Pflanzen, mal Tiere, mal der Mensch und nie war es reine Wissensvermittlung. Lapidar sagte er wissend, dass einige von uns Medizin studieren würden: «Knochennamen lernt ihr noch früh genug, ihr müsst denken und fragen!» Wie recht hatte er!

Jetzt begegnen wir immer mehr Politikern und Eiferern, so aktuell Erdogan in der Türkei, die die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule – oder gar nicht mehr – gelehrt haben möchten oder den Unterricht darüber gar verbieten. Ein Armutszeugnis! «Intelligent design», das heisst der intelligente Entwurf, die intelligente Gestaltung des Universums und des Lebens durch einen intelligenten Urheber, entsprechen autoritären Vorstellungen da schon eher.

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Levitator zum Selberbauen

Der Selbstbau-Levitator in Aktion: Sein Ultraschall-Feld hält kleine Objekte bis zu zwei Stunden in der Schwebe. © Asier Marzo/ University of Bristol
Schweben wie von Geisterhand: Jeder kann nun selbst Objekte mittels Ultraschall zum Schweben bringen – ein akustischer Levitator zum Selberbauen macht es möglich. Dafür haben Forscher die normalerweise teure und hochsensible Technik so vereinfacht, dass ein paar günstige Elektronik-Bauteile und ein Gerüst aus dem 3D-Drucker ausreichen. Der Selbstbau-Levitator kann immerhin Wassertropfen, kleine Styroporbröckchen und andere kleine Objekte bis zu zwei Stunden in der Schwebe halten – ideal für Schule und Hobbyforscher.

scinexx

Schallwellen erzeugen nicht nur Geräusche, sie können auch Objekte zum Schweben bringen. Mit dieser akustischen Levitation haben Forscher bereits Wassertropfen in der Luft gehalten, schwebende Styropor-Bröckchen manipuliert und sogar eine Art Traktorstrahl auf Ultraschall-Basis konstruiert.

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TRAPPIST-1 ist fast doppelt so alt wie die Sonne

Artist’s render of the TRAPPIST-1 system. Image: ESO/M.Kornmesser Themenbild
Uralter Zwerg: Der nahe Zwergstern TRAPPIST-1 und seine sieben Erdzwillinge sind schon überraschend alt. Neuen Analysen nach könnte das nahe Planetensystem mehr als sieben Milliarden Jahre alt sein, vielleicht sogar doppelt so alt wie unsere Sonne. Spannend ist dies für die Frage, ob es Leben auf diesen Exoplaneten gibt. Denn das hohe Alter macht dies in mancher Hinsicht wahrscheinlicher, in anderer dagegen nicht, wie die Astronomen erklären.

scinexx

Vielversprechende Nachbarn: Anfang 2017 entdeckten Astronomen gleich sieben erdähnliche Planeten um den 40 Lichtjahre von uns entfernten Zwergstern TRAPPIST-1. Zwar umkreisen diese sieben Exoplaneten ihren Stern sehr eng, weil dieser aber ein sehr kühler Zwerg ist, liegen mindestens drei der Erdzwillinge in der habitablen Zone.

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„Sternenstaub ist häufiger als lange angenommen“

Universum Nasa, Esa, Hubble SM4 ERO Team
Staubkörner von lange verglühten Sternen gehören zu den Bausteinen auch unseres Sonnensystems. Neue Analyseverfahren, die solchen Sternenstaub in Meteoriten mit bislang unerreichter Präzision nachweisen können, zeigen: Er ist gar nicht so selten wie bislang angenommen. Über die nun in der Fachzeitschrift „Nature Astronomy“ veröffentlichten Ergebnisse sprach Welt der Physik mit Peter Hoppe vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Von Dirk Eidemüller | Welt der Physik

Welt der Physik: Welche Art von Sternenstaub untersuchen Sie an Ihrem Institut?

Peter Hoppe: Der Sternenstaub, der uns interessiert, stammt von fernen Sternen, die längst verglüht sind. Am Ende ihrer Lebenszeit blähen sich massereiche Sterne zu Roten Riesen auf oder explodieren sogar als Supernova. Dabei werden gigantische Mengen an Material ins All geblasen. Ein Teil davon kondensiert noch in der Nähe des Sterns zu Staubkörnern. Diese Staubkörner tragen dadurch auch Informationen über die Zusammensetzung ihres Ursprungssterns in sich. Es gibt verschiedene interessante Minerale unter diesen Staubkörnern – Siliziumkarbid, Graphit, Oxide und Silikate. Indem wir diese Staubkörner möglichst präzise untersuchen, lernen wir also gleich mehrere Dinge: einerseits, welche Arten von Sternen diese Staubkörner ursprünglich erzeugt haben, und andererseits, zu welchem Anteil unser eigenes Sonnensystem aus solchem Sternenstaub besteht. Nach unseren neuesten Ergebnissen ist Sternenstaub häufiger, als von Meteoritenforschern lange angenommen wurde. Vermutlich stammen einige Prozent des ursprünglichen, festen Materials unseres Sonnensystems aus solchen Staubkörnern.

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Hilfe für die Bibelausleger

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Die Wissenschaft muss Charles Darwins Erkenntnisse immer mehr verteidigen, weil immer mehr Menschen seine Evolutionslehre ablehnen.

Von Jean-Martin Büttner | Der Bund

Klimawandel? Der amerikanische Präsident hat ihn abgeschafft. Umweltschutz? Sein Umweltminister hält nichts von Umweltpolitik. Wahrheit, Echtheit, Transparenz? Sind bei Donald Trump nicht zu haben. Es passt zu seiner Vorstellung von Wissenschaft, dass eine grosse Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner die Evolutionslehre von Charles Darwin zurückweist oder stark relativiert. Vierzig Prozent glauben nicht daran, dass der Mensch sich aus dem Affen und ohne Gottes Hilfe entwickelt hat. Vierzig weitere Prozent akzeptieren die Evolutionslehre, sehen diese aber göttlich gelenkt und sprechen von einem «intelligent design».

Das ergab eine Umfrage des Gallup-Instituts von 2014. Zudem zeigte sie auf, dass nur einer von hundert Kirchgängern der Evolutionstheorie vertraut. Dafür breiten sich die Kreationisten aus mit ihrer Behauptung, Gott habe die Erde vor ungefähr 10’000 Jahren geschaffen, und sowieso habe die Bibel in allem recht.

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Ist Evolution eine Tatsache?

Richard Dawkins beantwortet Fragen zum „Darwin-Tag 2015“. Mit optionalen deutschen Untertiteln.

Richard-Dawkins-Foundation

Der Darwin-Tag ist ein internationaler Gedenktag zu Ehren Charles Darwins und wird jährlich am 12. Februar, seinem Geburtstag, begangen. In dieser Serie zum „​Darwin-Tag 2015“ beantwortet Richard Dawkins eine Reihe von Fragen zum Thema Evolution.

Frage Nr. 1: Ist Evolution eine Tatsache?

Wir präsentieren diese Videos mit optionalen deutschen Untertiteln. Für das Erstellen der Untertitel und die Bearbeitung der Originalvideos bedankt sich die RDF beim Youtube Kanal Blossoming Reason.

Wer die Zeit misst, erhöht die Unordnung der Welt

Armbanduhren – (c) imago/Gottfried Czepluch
Was ist Zeit? Die trockenste Antwort darauf ist: das, was man mit einer Uhr misst. In diesem Sinn entwarf Marcus Huber, Physiker in Wien, ein Gedankenexperiment, das auch zeigt: Eine Uhr kann nicht beliebig genau gehen.

Von Thomas Kramar | Die Presse.com

„Für uns gläubige Physiker“, schrieb Albert Einstein kurz vor seinem Tod an einen Freund, „hat die Scheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur die Bedeutung einer, wenn auch hartnäckigen, Illusion.“ Ein guter Grabspruch für Physiker, gewiss, aber ist es nicht ganz essenziell für die Zeit, dass sie in eine Richtung „fließt“?

Wenn man einen Film über Billardkugeln oder über Planeten, die um einen Stern kreisen, rückwärts laufen lässt, merkt man keinen Unterschied. Sehr wohl merkt man einen Unterschied bei einem Film, der eine auf den Boden fallende und zerbrechende Tasse oder das Leben eines Menschen zeigt. Das liegt daran, dass dabei die Entropie – salopp gesagt: die Unordnung – zunimmt, wie in allen Systemen, die nicht im thermodynamischen Gleichgewicht sind. Die Zeit fließt also in Richtung der wachsenden Entropie. Gibt es im thermodynamischen Gleichgewicht (in dem alle Vorgänge reversibel sind) überhaupt eine Zeit? „Das ist eine schwierige Frage“, sagt Marcus Huber, Quantenphysiker an der Akademie der Wissenschaften, „messen kann man sie jedenfalls dann nicht. Denn auch eine Uhr ist nur eine Wärmekraftmaschine (die Wärme in Arbeit verwandelt). Im thermodynamischen Gleichgewicht kann keine Uhr existieren.“

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Sternschnuppen-Regen: Die Perseiden kommen

Ein heller Perseiden-Meteor rast über den Nachthimmel © Sky & Telescope / Dennis di Cicco
Es regnet Sternschnuppen: Am 12. August erreicht der Meteorschauer der Perseiden seinen alljährlichen Höhepunkt – einer der spektakulärsten Sternschnuppen-Regen des Jahres. In der Nacht von Samstag auf Sonntag können bis zu 100 Sternschnuppen in der Stunde fallen. Am besten zu sehen sind sie in der ersten Nachthälfte, bevor um 23:00 Uhr der helle Mond aufgeht, denn er wird viele schwächere Meteore überstrahlen.

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Sommerzeit ist Sternschnuppenzeit. Einer der Gründe dafür sind die Perseiden, einer der spektakulärsten Meteorschauer des Jahres. Alljährlich Mitte August wandert die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne durch eine Staubwolke, die der Komet Swift-Tuttle hinterlassen hat. Wenn dann die kleinen Staubkörnchen mit rund 60 Kilometern pro Sekunde durch die obere Atmosphäre rasen, erzeugen sie eine hellleuchtende Spur aus überhitzten Gasen – es regnet Meteore.

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Der Moschee-Streit von Rendsburg

Gläubige Muslime beten vor der offiziellen Eröffnung in der Zentrum Moschee im schleswig-holsteinischen Rendsburg © Carsten Rehder/Picture-Alliance
Ein Vater gegen den Lehrplan von Schleswig-Holstein: Schüler sollen nicht gezwungen werden, ein islamisches Gotteshaus zu betreten. Jetzt kommt der Fall vor Gericht.

Von Sylvia Margret Steinitz | stern.de

Berichte von integrationsunwilligen Muslimen gehören zur deutschen Nachrichtenlandschaft wie der Wetterbericht. In Hamburg verweigert ein Abiturient seiner Lehrerin den Handschlag. In Frankfurt am Main will eine Elfjährige nicht zum Schwimmunterricht. In Mainz müssen Klassenfahrten ausfallen, weil muslimische Schüler nicht mitkommen wollen. Konservatives Weltbild gegen aufgeklärte Gesellschaft, religiöse Gefühle gegen den deutschen Lehrplan – der Umbau der Bundesrepublik zur multikulturellen Wertegemeinschaft gestaltet sich mitunter kompliziert. Dass es auch Deutsche gibt, die sich diesem Bauplan verweigern, kommt vor, es ist jedoch ein selten dokumentiertes Phänomen. Der „Schulschwänzerfall von Rendsburg“ ist ein Beispiel für die Verweigerung von der „anderen Seite“.

Der Fall nahm seinen Ausgang vor etwas mehr als einem Jahr, genauer am 14. Juni 2016 kurz vor 12 Uhr mittags, als sich am Gymnasium Kronwerk in Rendsburg eine siebte Klasse anschickte, die örtliche Moschee zu besuchen. Weit mussten die Schüler nicht laufen, das Islamische Zentrum liegt gleich nebenan in der Eckernförder Straße 60. Auf dem Programm stand eine Führung durch das Gebäude, anschließend sollten die Schüler selbst vorbereitete Fragen stellen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Geografieunterrichts statt. Für den Schwerpunkt „Orient – Machtfaktor Erdöl und Wasser“ sieht der Lehrplan des Landes Schleswig-Holstein den Besuch eines islamischen Zentrums vor, „wir verlagern sozusagen unseren Unterricht“, kündigte die Erdkundelehrerin in einer Rundmail an.

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Gilt Meinungsfreiheit jetzt nur noch für Ausgewählte?

„Resist“: Amerikanische Studenten gegen Donald Trump Quelle: Getty Images
Es gibt derzeit drei Todsünden in der Öffentlichkeit: Sexismus, Rassismus und Antifeminismus. Wer sie begeht, droht aus der Debatte ausgeschlossen zu werden. Wird unser Leben so wirklich toleranter?

Von Felix Stephan | DIE WELT

Bei einer Fachtagung im Jahr 2011 hat der amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haidt einmal das Publikum gefragt, wo es sich seiner eigenen Einschätzung nach politisch befinde, bitte mit Handzeichen. Das Ergebnis der Stichprobe: Achtzig Prozent der Sozialpsychologen bei dieser Tagung identifizierten sich als „liberal oder links der Mitte“, zwei Prozent als „moderat“, ein Prozent als „libertär“, und wenn man die drei Hände, die sich für „konservativ oder rechts der Mitte“ meldeten, sachgerecht rundet, ergibt sich ein prozentualer Anteil von null.

Kurz darauf kam eine repräsentative Studie innerhalb der Sozialpsychologie zu einem ähnlichen Ergebnis: 90 Prozent der befragten Akademiker beschrieben sich als „links der Mitte“, nur 2,5 als „konservativ oder rechts der Mitte“, 94 Prozent gaben an, für Obama gestimmt zu haben, und 96 Prozent vertraten politische Positionen, die selbst in der demokratischen Partei eher als links gelten würden.

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Glaube und Evolution, passt das zusammen?

Dinosaurs of Eden by Ken Ham
Die meisten Muslime und auch viele Christen lehnen die Evolutionstheorie ab. Aber manche halten sie doch für vereinbar mit ihrem Glauben. Der Faktor Zufall bleibt allerdings ein Problem.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Unter Naturwissenschaftlern gibt es kaum etwas, das weniger umstritten wäre als die Evolutionstheorie. Seit Charles Darwin sie im 19. Jahrhundert vorgestellt hat, haben Forscher aus den verschiedensten Fachgebieten die Mechanismen der Entstehung der Arten immer weiter aufgedeckt.

Noch sind nicht alle Fragen beantwortet, vieles ist noch unverstanden. Aber nach und nach fügen sich die wachsenden Erkenntnisse der Biologen in diese Theorie ein. Wer etwas entdecken würde, das sie widerlegt, wäre ein sicherer Kandidat für den Nobelpreis.

Und doch lehnen sehr viele Menschen die Evolutionstheorie ab. Es sind jene Gläubigen, die überzeugt davon sind, dass die Erde und das Leben, so wie es derzeit existiert, von Gott geschaffen wurden. Andere zeigen sich aufgeschlossener, halten jedoch an dem Glauben fest, dass Gott zumindest lenkend eingegriffen hat, damit schließlich der Mensch entstand. Doch auch das widerspricht der Evolutionstheorie, für die der Faktor Zufall eine grundlegende Rolle spielt. Das lässt sich nur schwer mit einem Plan Gottes vereinbaren.

Trotzdem gibt es gläubige Muslime und Christen, die davon überzeugt sind, dass sich ihr Glaube wirklich mit der Evolutionstheorie vereinbaren lässt.

Widerstand gegen die Evolutionstheorie weltweit

Besonders stark ist die Ablehnung der Evolutionstheorie in den USA verbreitet. Zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung sind überzeugt, dass Gott den Menschen entweder erschaffen oder seine Entwicklung gesteuert hat.

Auch in Deutschland zeigten sich 2009 in einer Umfrage 20 Prozent überzeugt davon, dass der Mensch „von Gott geschaffen wurde, wie es in der Bibel steht“, fast ebenso viele waren sich nicht sicher.

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NASA-Rover Curiosity feiert Jubiläum: Fünf Erdenjahre auf dem Mars

Curiosity auf dem Mars (Bild: NASA/JPL-Caltech/MSSS)
Seit fünf Jahren erkundet Curiosity die Marsoberfläche und ein ende ist noch lange nicht in Sicht. Der Rover ist einer der größten Erfolge der NASA und wichtiger Teil der jüngsten Mars-Euphorie. Nur Spuren von Leben hat er noch nicht gefunden – oder doch?

Von Martin Holland | heise.de

Ein „Kleinwagen mit einer Kofferraumladung wissenschaftlicher Instrumente“: Auf den Tag genau vor fünf Erdenjahren – oder fast drei Marsjahren – landete die NASA erfolgreich die mit Abstand größte Sonde auf dem Mars und läutete damit ein neues Kapitel in der Marserkundung ein. Curiosity mit seinem Mars Science Laboratory ist seitdem auf der Oberfläche unterwegs und sucht nach Spuren von Leben. Die hat die Sonde möglicherweise schon gefunden, wirklich sicher sind aber die Anzeichen dafür, dass der Planet einst zumindest lebensfreundlich war. Lange nach dem Ende der planmäßigen Mission, ist die Arbeit Curiositys aber immer noch nicht beendet.

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Dient Homosexualität der Natur zur Bevölkerungskontrolle

Richard Dawkins beantwortet Fragen zum „Darwin-Tag 2015“. Mit optionalen deutschen Untertiteln.

Richard-Dawkins-Foundation

Der Darwin-Tag ist ein internationaler Gedenktag zu Ehren Charles Darwins und wird jährlich am 12. Februar, seinem Geburtstag, begangen. In dieser Serie zum „​Darwin-Tag 2015“ beantwortet Richard Dawkins eine Reihe von Fragen zum Thema Evolution.

Frage Nr. 1: Dient Homosexualität der Natur zur Bevölkerungskontrolle?

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Die Suche nach einer zweiten Welt begann als Häresie und heisst heute Forschung

Universum Nasa, Esa, Hubble SM4 ERO Team
Woher kommt eigentlich die unauslöschliche Neugier auf ausserirdische Wesen? Sie wurzelt in der Sehnsucht nach der Wiederherstellung der alten Schöpfungsordnung und hat über die Jahrhunderte die wunderlichsten Verkleidungen angenommen.

Von Philipp Theisohn | Neue Zürcher Zeitung

1400 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt zieht im Sternbild des Schwans ein Himmelskörper seine Kreise, von dem viel zu erwarten wäre, befindet er sich doch in einer sogenannten «habitablen Zone». Habitabel nicht für uns, aber möglicherweise für unseresgleichen, folgt man dem astrophysikalischen Kalkül: Der Abstand des Exoplaneten zu seinem Stern hält seine Durchschnittstemperatur etwa auf dem Niveau der Erde, flüssiges Wasser mag es dort geben oder gegeben haben – und dementsprechend auch Leben, so wie Erdbewohner sich nun einmal Leben vorstellen. In jenem Augenblick im Juli 2015, in welchem dem Gestirn nach seinem Entdeckerteleskop der Name Kepler 452b verliehen wurde, verwandelte es sich folgerichtig von einem Gesteinsbrocken, der sechs Milliarden Jahre auch gut ohne uns ausgekommen war, in die Projektionsfläche einer Sehnsucht: der Sehnsucht nach der zweiten Erde.

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Wer bist du?

Bild: pixabay.com/RDF
Erinnerungen, Perspektiven und das Selbst

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

The Discovery ist ein 2017 von Netflix produzierter Film, in welchem Robert Redford einen Wissenschaftler spielt, der beweist, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. „Sobald der Körper stirbt, verlässt uns ein Teil des Bewusstseins und reist auf eine neue Ebene“, erklärt der Wissenschaftler, unterstützt von seinem Apparat, der, wie es eine andere Filmfigur ausdrückt, „Gehirnwellen misst, die auf einer subatomaren Ebene den Körper nach dem Tod verlassen.”

Diese Idee ist nicht allzu weit von einer Theorie entfernt, die Quantenbewusstsein genannt wird, propagiert von etlichen Persönlichkeiten, vom Physiker Roger Penrose bis zum Arzt Deepak Chopra. Einige Varianten der Theorie behaupten, dass unser Geist nicht nur das Produkt unseres Gehirns ist, und dass Bewusstsein getrennt von Materie existiert, so dass der Tod unseres Körpers nicht das Ende unserer bewussten Existenz darstellt. Da dies das Thema meines nächsten Buches ist, Heavens on Earth: The Scientific Search for the Afterlife, Immortality, and Utopia [Himmel auf der Erde: Die wissenschaftliche Suche nach Leben nach dem Tod, Unsterblichkeit und Utopie] (Henry Holt, 2018), sprach der Film eine Reihe von Problemen an, die ich bei all diesen Konzepten festgestellt habe; wissenschaftliche wie religiöse.

Erstens, ist da die Annahme, dass unsere Identität in unseren Erinnerungen liegt, von denen man glaubt, dass sie fortwährend in unserem Gehirn aufgezeichnet werden: Wenn sie in einen Computer übertragen oder dupliziert und in einen wiederbelebten Körper oder eine Seele implantiert werden könnten, würden wir wiederhergestellt. Aber das ist nicht die Art, wie Erinnerung funktioniert. Erinnerung ist nicht wie ein Videorekorder, der die Vergangenheit auf einem Bildschirm in Ihrem Geist abspielen kann. Erinnerung ist ein fortwährend verarbeitet werdender und fließender Vorgang, der ganz und gar davon abhängt, dass die Nervenzellen in unserem Gehirn funktionieren. Gewiss, wenn Sie einschlafen und am nächsten Morgen erwachen, oder wenn Sie sich für eine Operation einer Narkose unterziehen und nach Stunden wieder zu sich kommen, kehren Ihre Erinnerungen zurück, wie sie das sogar nach sogenannter schwerer Hypothermie und Kreislaufstillstand tun. Bei dieser Prozedur wird das Gehirn eines Patienten bis auf 10 Grad Celsius abgekühlt, wodurch die elektrische Aktivität der Nervenzellen zum Stillstand kommt – und das lässt darauf schließen, dass Langzeit-Erinnerungen statisch gespeichert werden. Aber dies kann nicht geschehen, wenn Ihr Gehirn stirbt. Deshalb muss eine Reanimation auch so kurz nach einem Herzanfall oder Ertrinken ausgeführt werden: Wenn es dem Gehirn an sauerstoffreichem Blut mangelt, sterben die Neuronen zusammen mit den Erinnerungen, die in ihnen gespeichert sind.

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Warum Dawkins nicht Unrecht hat

Was die elementaren Frage – ob Evolution oder Schöpfung – angeht, kommt die Evolutionstheorie im Vergleich zur Schöpfung mit weniger Unbekannten aus. Langthaler vertritt mit Thomas von Aquin die Überzeugung, dass Schöpfung die Voraussetzung von Evolution sei. (vgl. S. 416) Die Position Langthalers zu bestimmen ist teils schwierig, wenn er sich (lediglich in einer Anmerkung!) mit K. Jaspers sehr aufgeklärt gibt, welcher Weltschöpfung durch Gott als Symbol und nicht als Wissen sieht.

Von Ockham

Langthaler versucht sich somit einen seriösen Anstrich zu verpassen. Er weist ausserdem auf Kreationistische Ansichten hin, die Lücken in den Erklärungen der „letzten Fragen“ mit Gott füllen. „Weder eine methodisch besonnene Naturwissenschaft, noch kritische Philosophie und auch keine ernsthafte Theologie würden sich bezüglich der offenen Fragen in eine „faule Vernunft“ hineinflüchten.“ (S. 498) Doch genau in diese faule Vernunft flüchtet sich Langthaler durch sein Festhalten an der Schöpfung.
Es gibt gute Gründe dafür, dass die moderne Kosmologie den Urknall oder das, was ihn erzeugt hat, letztlich nicht zu erklären vermag. Ein Schöpfungsglaube hilft da auch nicht weiter. (Quelle: Glaube und Denken: Jahrbuch der Karl-Heim-Gesellschaft. 26. Jahrgang 2013; Nichts, Urknall oder Gott?; Rüdiger Vaas; S. 65)
Langthalers Vorgehensweisen ist eine „Spielart“ des Kreationismus. Kreationisten stellen den Stand der Evolutionsbiologie systematisch falsch dar, zudem wird deren Wissenschaftlichkeit zu Unrecht in Frage gestellt: Langthaler verweist auf R. Spaemann, für den die moderne Naturwissenschaft ausschließlich Bedingungsforschung ist. (S. 73) Ebenso wird angemerkt, man solle Evolution als Bedingungsforschung genau nehmen. (vgl. S. 433) Paul Tillich vertritt z. B. die These, dass Gott unbedingt ist, aber das Unbedingte nicht Gott ist. Die Theologie versucht das Unbedingte zu retten, indem sie die Wissenschaft als Bedingungsforschung bezeichnet. Nietzsches Kritik am Unbedingten besagt, dass es nicht erkannt werden kann, sonst wäre es eben nicht unbedingt. (Quelle: Unbedingte, das; Historisches Wörterbuch der Philosophie; Joachim Ritter, Karlfried Gründer u. Gottfried Gabriel; Sonderdruck aus Band 11: U-V; S. 108-111)
Langthaler bezeichnet die Aussage von H. Mynarek: „Darwinismus und Neodarwinismus können nicht als Wissenschaft gelten, weil sie die grundlegenden Kriterien der Wissenschaft nicht erfüllen: Beobachtung, experimentelle Wiederholbarkeit /Reproduzierbarkeit, Überprüfbarkeit (Mynarek 2010, 118)“ als schwer nachvollziehbar. Er merkt dazu lediglich an, dass z. B. Papst Benedikt XVI. und Kardinal Schönborn der Evolutionstheorie als einer naturwissenschaftlichen Theorie näher stehen als Mynarek. (vgl. S. 284)
Der Aussage Mynareks kann ergänzend folgendes entgegnet werden:
Jüngere Autoren haben sich gegen die engen Grenzen der Erklärung (mittels kausaler Gesetze) von klassischen Wissenschaftsphilosophen gewandt. Auf vergangene evolutionäre Ereignisse lässt sich die experimentelle Methode nicht anwenden, daher konstruiert der Biologe eine historische Darstellung (historical narrative), indem er Rückschlüsse zieht: Der Biologe muß alle bekannten Tatsachen zu einem bestimmten Problem untersuchen, alle möglichen Folgen aus den rekonstruierten Faktorenkonstellationen erschließen und dann versuchen, ein Szenario zu entwickeln, das die beobachteten Tatsachen dieses besonderen Falles erklären würde. Natürlich kann man niemals kategorisch beweisen, daß eine historische Darstellung „wahr“ ist. (Quelle: Das ist Biologie, Ernst Mayr, 2000, vgl. S. 99)
Außerdem muss richtiggestellt werden, dass aus dem Mangel an Belegen zugunsten einer Theorie nicht geschlossen werden kann, sie sei falsch. Plausibel wäre es, positive Befunde gegen die Evolutionstheorie anzubringen. (Quelle: Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus; Martin Neukamm; vgl. S. 306) Dies findet bei Langthaler allerdings nicht statt.

Offene Detailfragen über den Ablauf und die Triebkräfte der Evolution sind der Antrieb der Evolutionsforschung. Der Blick in die Wissenschaftsgeschichte zeigt, dass eine Haltung des Abwartens, gepaart mit Neugierde und begleitet mit der Zuversicht, dass Forschung in der Zukunft noch mehr Aufschluss geben werden, vernünftig ist. Zum Schreibstil des Buches ist anzumerken, dass es stellenweise aufgrund ellenlanger, komplizierter und verworrener Sätze schwer zu lesen ist. Die Fülle der Anmerkungen bremst den Lesefluss. Ein Stichwortverzeichnis fehlt.

Die Kritik Langthalers an der Schöpfungsvorstellung Dawkins ergibt sich vornehmlich durch den unpassenden deutschen Titel von Dawkins Buch „Die Schöpfungslüge“, welches im englischen Original den Titel „The Greatest Show on Earth: The Evidence for Evolution“ trägt. Über den deutschen Titel war Dawkins unglücklich, da sich das Buch ausdrücklich nicht gegen die Religion richten sollte.
Schöpfung sei kein „innerzeitlicher Vorgang“ und folglich auch nicht kosmologisch datierbar bzw. messbar. (vgl. S. 409) Weiter ist zu lesen: Die von J. Eccles gestellte Frage: „Liegt das Rätsel der Schöpfung für immer jenseits aller Erklärung?“ sei eindeutig mit Kant zu bejahen, der erklärt: „wo alles Naturgesetz aufhört auch aller Erklärung aufhören muss“. (vlg. S. 418) Dieser Schluss ist geschickt, denn dadurch scheint Schöpfung nicht angreifbar, da sie naturwissenschaftlich nicht „greifbar“ ist.

Es geht Langthaler darum herauszuarbeiten, wie theologische bzw. philosophische Ansätze zum Thema Vernunft, Bewusstsein, Moral, Schöpfung, Teleologie, Gottesbeweise, Offenbarung, Dreieinigkeit und Wunder „richtig“ zu verstehen sind. Weitere Themen sind Platons Essentialismus; das Gotteszentrum im Gehirn; Deszendenz-Theorie; Ignorabismus; Phänomenologie; Kausal- und Finalnexus; Positivismus; Naturalismus; Anthropisches Prinzip; Multiversentheorie; Urknalltheorie; Noma-Prinzip; Szientismus; Altruismus; Phänomenologie; das Nichts.

Richtig stellt Langthaler fest, dass mit der Memetik kulturelle Phänomene in biologische Begriffe gedeutet werden sollen. (vgl. S. 143)
M. E. Kronfeldner bringt es allerdings besser auf den Punkt: Dawkins hat betont (1982a: 112), dass der Wert der Analogie (Mem zu Gen) gar nicht in der Erklärung von Kultur liege. Die Analogie könne aber helfen, das Wirken der natürlichen Selektion (auf der Basis von Replikatoren) besser zu verstehen. Die Memtheorie bietet nichts Neues, um die damit verbundenen ontologischen Fragen über den Status der postulierten ideellen Einheiten zu klären, und tritt nicht als Alternative zu den detaillierten Erklärungen, wie soziales Lernen funktioniert, auf, und ist somit auch explanatorisch trivial. Entweder wird nichts weiter behauptet, als dass Menschen aus diesen oder jenen Gründen bzw. Ursachen bestimmte Meme übernehmen, oder die „survival of the fittest meme-„Erklärungen werden tautologisch, weil die Rolle des Geistes als selektive Umwelt ignoriert wird.
(Quelle: Meme, Meme, Meme: Darwins Erbe und die Kultur, M. E. Kronfeldner, vgl. S. 13 f.)

Langthaler wirft Dawkins vor, er gebe sich durch ein Zitat von A. Einstein religiös-metaphysisch begabt:
„Das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, der Manifestation tiefster Vernunft und leuchtendster Schönheit, die unserer Vernunft nur in Ihren primitivsten Formen zugänglich sind, dies Wissen und Fühlen macht wahre Religiosität aus; in diesem Sinne, und nur in diesem gehöre ich zu den tief religiösen Menschen“. (S. 472)
Einstein sagte auch: „Was Sie über meine religiösen Überzeugungen lesen ist natürlich eine Lüge, und zwar eine, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe das auch nie verhehlt, sondern immer klar zum Ausdruck gebracht.“ Das zweite Zitat Einsteins findet sich auch in Dawkins Buch „Der Gotteswahn“ (S. 27), was Langthaler verschweigt.
Einstein Antwortete dem Rabbiner Herbert S. Goldstein, dass er an Spinozas Gott glaube, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart. (Quelle 1, vgl. S. 31) Obgleich Einstein keine Mystik, keinen religiösen Kult und sogar keinen persönlichen Gott, der „sich mit den Schicksalen und Handlungen der Menschen abgibt“, anerkannte, wäre es ein Irrtum, ihn einen Atheisten zu nennen, wie es Kardinal O’Connell getan hat. (Quelle 1: Einstein und die Religion, Max Jammer, 1995, S. 54)

Des Weiteren verkenne Dawkins naturteleologische Betrachtungsperspektiven. (S. 502)
Die Zweckmäßigkeit natürlicher Organismen, Strukturen und Systeme kann die Biologie auch erklären, ohne auf zwecksetzende Instanzen zurückgreifen zu müssen.
Da im Naturalismus alles mit rechten Dingen zugeht, sei eine teleologische Konzeption sogar notwendig. (S. 190) Damit bläst Langthaler in dasselbe Horn wie Thomas Nagel, wenn er auf dessen kontrovers diskutiertes Buch „Geist und Kosmos“ hinweist. Nagel versucht dem Kosmos Zielgerichtetheit zu unterstellen, die er gar nicht besitzt. (Quelle: Geist und Kosmos, vgl. S. 176)

Dass laut Kant Moral unumgänglich zu Gott führe, muss allerdings auch von der anderen Seite aus betrachtet werden. (S. 332) Überzeugungen können leicht als „Brandbeschleuniger“ in einen fanatischen Idealismus ausarten. Hierbei werden Menschen von hehren Idealen motiviert, böse Taten zu begehen, um die Welt vermeintlich zu verbessern, weil Gott „das Gute“ angeblich befiehlt. Beispiel hierfür sind die Kreuzzüge oder der Deißigjährige Krieg (es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es in vielen Kriegen um Macht, Einfluss, Reichtum, Bodenschätze oder um territoriale Kämpfe geht). Trotzdem hat sich Religion als Kraft erwiesen, die Menschen außerordentlich gut zu spalten und gegeneinander aufzubringen. (Quelle: Vom Bösen; Roy F. Baumeister; S. 203 ff.)

Anscheinend hält Langthaler nicht viel von einer evolutionären Ethik, wenn er schreibt, eine Ethik ließe sich nicht aus der Evolution ableiten. (S. 124)
Die evolutionäre Ethik bietet einen fruchtbaren und humanen Ansatz zum Verständnis moralischen Verhaltens von Menschen. Bei der komplizierten Frage, inwieweit bestimmte Verhaltensstrukturen genetisch oder kulturell bedingt sind, ist große Sorgfalt geboten. (Quelle: Potential und Grenzen einer evolutionären Ethik; Eckart Arnold)
Obgleich es keine eigenständige evolutionäre Ethik geben kann, ist eine Auseinandersetzung mit ihr dennoch sinnvoll, weil sie zu der grundlegenden Frage führt, inwiefern organische Evolution und kulturelle Geschichte Gemeinsamkeiten besitzen. (Quelle: Unmöglichkeit einer Evolutionären Ethik und die Möglichkeit einer Historischen Ethik; Werner Loh)

Langthaler argumentiert mit Dostojewski: „Wenn Gott nicht existiert, ist alles erlaubt.“ (S. 352) Dieses Argument wird von dem Historiker Lukas Mihr in seinem Artikel „Ohne Gott ist alles erlaubt? – Zahlen“ entkräftet bzw. relativiert.

Zum Theodizeeproblem (warum es Leid gibt, wenn Gott doch allgütig, allmächtig und allwissend sein soll) unterliegt Langthaler einem Zirkelschluss: „Wie Hiob wissen wir die Antwort auf Leid nicht, wir haben nur eine Antwort bekommen, die Gott selber gegeben hat.“ (S. 290) Programm ist auch, von dem Problem abzulenken: „Niemand wird das Theodizee-Problem übersehen, wegreden oder theologisch glätten wollen, aber für Mem-Gesteuerte ‚Überlebensmaschinen‘ gibt es diese Probleme ohnehin nicht.“ (S. 290) Es wäre eine intellektuelle Zumutung auf das Theodizeeproblem eine Antwort geben zu wollen. So kommt es nicht von ungefähr, wenn Langthaler am „Fels des Atheismus“ vorbei schippert, um nicht Schiffbruch zu erleiden.
Er hätte sich viel Empörung sparen können, wenn er den Ausdruck Überlebensmaschine statt moralisch wertend als Metapher (aus der Sicht eines Gens) verstanden hätte.

Langthaler argumentiert mit Max Planck, nach dem sich Religion und Naturwissenschaft nicht ausschlössen, sondern einander sogar ergänzen und bedingen würden. (S. 274)
Vom Liberalitätsgrad der betrachteten Einzelreligion hängt es ab, wie die Kompetenzabgrenzung aussieht bzw. welche und wie viele Konflikte mit dem Bestand wohl bestätigter wissenschaftlicher Erkenntnis bestehen. Selbst religiöse Wissenschaftler wissen, dass die Wissenschaft naturalistisch ist. Mit dem Glauben an Übernatürliches ist Beliebiges möglich, deshalb halten sie ihren Glauben lieber aus der Wissenschaft heraus. Wer als Minimalannahme einen weltimmanenten Naturalismus akzeptiert, die Vorstellung von einer Übernatur aber trotzdem nicht aufgeben will, dem bleibt nur noch ein philosophischer Deismus übrig. (Quelle: Über die Natur der Dinge; Mario Bunge; Martin Mahner; vgl. S. 220, S. 225, S. 226) Der Deismus bringt das Göttliche mit dem Ursprung des Universums in Verbindung, ein weiteres Eingreifen Gottes wird jedoch bestritten.

Leibniz Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts, könne nicht als naturwissenschaftlich zu beantwortende Frage gelten. (S. 387) Der kritische Rationalismus ersetzt den Abbruch das Rückschreitens ins Unendliche (infiniter Regress) mittels Dogma durch eine Hypothese, die so lange vertreten wird, bis man etwas besseres weiss. (Quelle: Scilog; Warum ist eigentlich etwas und nicht einfach nichts?; J. Honerkamp)

Langthaler wirft Dawkins die intellektuelle und kulturelle Zerstörung der Religion vor. Es sei eine unerfreuliche Eigenschaft, die er mit anderen Fundamentalisten teile. (S. 454) Dieses Ressentiment zeigt Langthalers Ohnmacht. Überdies ist der Fundamentalismusvorwurf hier wenig hilfreich, da der Begriff aufgrund seiner definitorischen Bedeutung am Ziel vorbei geht. (Quelle: Neuer Atheismus wissenschaftlich betrachtet; S. 28; Albert J.J. Anglberger; Paul Weingartner)

„Spaghettimonster“-Kirche wird nicht mit Kirchen gleichgestellt

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Die satirische „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ wird in Brandenburg nicht als mit den Kirchen gleichberechtigte Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt.

evangelisch.de

Der Verein vertrete „kein umfassend auf die Welt bezogenes Gedankensystem im Sinne einer Weltanschauung“, urteilte das Brandenburgische Oberlandesgerichts am Mittwoch in Brandenburg an der Havel. Die „Spaghettimonster“-Kirche habe deshalb auch kein Recht, Hinweisschilder für wöchentliche „Nudelmessen“ am Ortseingang von Templin aufzustellen. (Az.: 4 U 84/16 Brandenburgisches Oberlandesgericht)

Der Schilderstreit über die Hinweistafeln beschäftigt in Brandenburg bereits seit einigen Jahren Gerichte und Öffentlichkeit. Der „Spaghettimonster“-Verein hatte in Templin solche Schilder aufgestellt, die nach dem Vorbild der Hinweistafeln der Kirchen für Gottesdienste gestaltet waren.

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Waren die Nazis wirklich „Humanisten“? Die große Harari-Ver(w)irrung

Cover links: randomhouse.de, Cover rechts: chbeck.de. Bild hpd.de
Der israelische Historiker Yuval Noah Harari hat mit seinen Büchern „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ und „Homo deus“ internationale Bestseller vorgelegt. Tragischerweise sind ihm in der Analyse haarsträubende Fehler unterlaufen, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen.

Von Michael Schmidt-Salomon | hpd.de

Normalerweise verzichte ich darauf, Bücher anderer Autoren zu kritisieren. Allzu schnell entsteht der Eindruck, man wolle seine eigenen Werke über die Abwertung Anderer aufwerten. Doch nachdem Hararis Bücher Millionenauflagen erreicht haben, nachdem ernstzunehmende Denker wie Daniel Kahneman den Autor über den Klee lobten und nachdem sogar der Humanistische Pressedienst (!) eine unbedingte Leseempfehlung für Hararis „Kultbücher“ aussprach (Thomas Hummitzsch am 28.6.2017: „Hararis kluges, anregendes und aufwühlendes Buch ist ein Weckruf, in dem er das Heute analysiert, um die Möglichkeit einer menschlichen Zukunft zu bewahren. Wenn Sie nur ein Buch mit in den Koffer packen wollen, dann nehmen Sie dieses!“), sehe ich mich gezwungen, meine selbstauferlegte „Abstinenzregel“ zu brechen. Denn vor einem Autor, der so sehr in ideologischen Denkschablonen gefangen ist, dass er den Nationalsozialismus (!) als „humanistische Religion“ (!) beschreibt, kann nur gewarnt werden.

Wohlgemerkt: Bei dieser ungewöhnlichen Charakterisierung des Nationalsozialismus bzw. des Humanismus handelt es sich keineswegs um einen einmaligen, nebensächlichen Ausrutscher des Bestsellerautors, sondern um ein Kernelement seiner Weltsicht. Um dies verständlich zu machen, muss ich etwas weiter ausholen: In beiden Büchern, sowohl in „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ als auch in „Homo deus“, beschreibt Harari den Aufstieg des Humanismus, der die alten theistischen Religionen abgelöst habe, sowie den bevorstehenden Untergang des Humanismus, der durch neue technologische Ideologien („Posthumanismus“ bzw. „Dataismus“) ersetzt werde. In beiden Büchern meint Harari auch, den Humanismus als eine „Religion“ charakterisieren zu müssen (eine Differenzierung zwischen „Religionen“, „Weltanschauungen“ oder „Philosophien“ sucht man vergeblich), die in drei verfeindete „humanistische Sekten“ zerfällt, nämlich in die Konfessionen des „liberalen Humanismus“, des „sozialistischen Humanismus“ und des „evolutionären Humanismus“.

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Fake News in ARD-Dokus

Am späten Montagabend versteckte die ARD zwei Dokumentationen zu einem in diesem Bundestagswahlkampf besonders heißen Thema: politische Fake News im Internet. Beide Dokus sind durchaus sehenswert, scheitern aber am verfehlten Selbstanspruch gepachteter Wahrheit.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

lancierten Fake News, wie sich eine eigentlich leicht erkennbare Lügengeschichte im Netz verbreitet, etwa wenn sie das gewünschte Feindbild bedient. Neben den absichtlichen Fake News sind den Autoren allerdings selbst erstaunliche Fehler unterlaufen.

„Denn die Behauptung falscher Tatsachen ist laut Presserecht unzulässig. Dagegen hätte beispielsweise die Polizei juristisch vorgehen können.“ heißt es ab Minute 13:30. Wirklich? Über erfundene Personen kann man bis zur Grenze der Volksverhetzung fabulieren, was man will. Staatsanwaltschaften (oder Medienanwälte) werden erst aktiv, wenn existente Personen in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt werden. Soweit im Pressekodex des Deutschen Presserats etwas vom Wahrheitspflicht zu lesen ist, ist das eine Fake „News“, denn auch dort kümmert man sich vor allem um Persönlichkeitsrechte.

Politische Fake News bekämpfen weder der Presserat noch eine Behörde. Die Autoren dozieren weiter: „Die Meinungsfreiheit endet da wo das Strafrecht beginnt.“ Auch das ist ungenau, denn etliche Äußerungsverbote werden privatrechtlich durchgesetzt, ohne dass es auf eine Strafbarkeit ankäme. Unkritisch präsentieren dann die Autoren als Mittel gegen Fake News ausgerechnet das Recherche-Büro Correctiv, das sich inzwischen mehrfach für seriösen Journalismus disqualifiziert hat.

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Hochpriesterlich-seherische Verkündigung

© DLA-MARBACH, WWW.DLA-MARBACH.DE „Dieser Krieg ist nicht unser Krieg“, hatte George 1917 festgestellt. Doch sein Kreis nahm daran teil. Das Foto mit Erich Boehringer (rechts) entstand 1918.
Vor hundert Jahren, mitten im Weltkrieg, brachte Stefan George ein Gedicht heraus, das mit allem brach, was Deutschland damals lesen wollte.

Von Helmuth Kiesel | Frankfurter Allgemeine

Der Beginn des Ersten Weltkriegs wurde von einer beispiellosen poetischen Mobilisierung begleitet. Nach einer Schätzung des Literaturkritikers Julius Bab liefen bei den Redaktionen in den ersten Kriegswochen täglich etwa 50 000 Gedichte ein; 1916 besprach Bab in einer Literaturzeitschrift 220 Bände mit Kriegslyrik. Unter den Verfassern waren berühmte Namen: Richard Dehmel mit seinem „Lied an alle“: „Sei gesegnet, ernste Stunde, / Die uns endlich stählern eint . . .“; Rainer Maria Rilke mit seinen von Hölderlin inspirierten „Fünf Gesängen“: „Zum erstenmal seh ich dich aufstehn, / Hörengesagter, fernster, unglaublicher Kriegs-Gott . . .“; Hugo von Hofmannsthal mit seiner „Österreichischen Antwort“: „Antwort gibt im Felde dort, / Faust, die festgeballte . . .“. Einer aus der Riege der großen Lyriker der Vorkriegszeit aber hielt sich lange zurück: Stefan George.

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