Archiv der Kategorie: Bildung

How earthworms stomach their dirty diet: to eat even poisonous fallen leaves

Without them fallen leaves would pile up – but worms (pictured, file image) chew leaves up and return them to the soil, keeping it fertile, and clearing the ground of fallen leaves but until now how they did it was a mystery
  • Earthworms clear fallen leaves and Darwin called them ‘Nature’s ploughs’
  • How they do it was a mystery as chemicals in leaves make them poisonous
  • Research shows they produce chemical in their guts called drilodefensins
  • This allows their gut to break up the poison like dishwasher fluid breaks up stains on a plate


By Colin Fernandez|Mail Online

Earthworms have got one of the toughest diets around – munching through fallen leaves and roots that other animals simply cannot stomach.

Without them fallen leaves would pile up – but worms chew them up and return them to the soil, keeping it fertile.

It is no wonder that Charles Darwin called them ‘nature’s ploughs’.

But until now scientists had no idea how they managed to pull off the trick.

Research on the wriggling creatures has found they produce a chemical in their guts called drilodefensins that counteract the polyphenols.

Polyphenols – chemicals in leaves – are poisonous to many creatures which help stop them being eaten.

Lead scientist Dr Jake Bundy, from Imperial College London, said: ‘Without drilodefensins, fallen leaves would remain on the surface of the ground for a very long time, building up to a thick layer. Our countryside would be unrecognisable’.

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„Es gibt keine Frauenbeschneidung ohne Männerbeschneidung“

Anders als die Beschneidung von Mädchen ist die rituelle Beschneidung von Jungen hierzulande trotz ihres Charakters als Körperverletzung erlaubt. Viele Kinderärzte und -chirurgen empfinden das in ihrer täglichen Arbeit als Dilemma, wie auf einem Symposium in Essen deutlich wurde.


Von Bülent Erdogan|Ärztekammer Nordrhein

Viele Familien richten zur Beschneidung ihres Sohnes ein großes Fest aus. In der Vergangenheit war auch der Akt der Beschneidung mitunter Teil der Feierlichkeiten. Die Beschneidungsanzüge, die die Jungen in der Regel zu diesem Anlass tragen, sollen an Prinzenkostüme oder Uniformen erinnern. Foto: Picture-alliance/dpa

Der Beschluss hallt wie ein Paukenschlag durch die Republik: Im Sommer 2012 entscheidet das Kölner Landgericht, dass die religiöse Beschneidung von Jungen als strafbare Körperverletzung zu werten ist – auch wenn sie von Ärzten durchgeführt wird. Ein Aufschrei geht durch große Teile der muslimisch und jüdisch geprägten Bevölkerung in Deutschland, die ihre Religionsfreiheit und das Recht der elterlichen Personensorge in Gefahr sehen. Denn die Beschneidung gilt unter den meisten Juden und Moslems seit Jahrtausenden als Zeichen der Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft. Schnell erkennen Politiker aller Parteien die Brisanz des Themas. Noch vor Weihnachten trifft der Deutsche Bundestag ­eine gesetzliche Sonderregelung für die Entfernung des Präputium penis aus religiösen, rituellen oder traditionellen Motiven.

Die Zirkumzision ist weltweit eine der häufigsten Operationen, ein Drittel der männlichen Bevölkerung hat Schätzungen zufolge kein Präputium mehr, meist in Ländern, die in islamischer Tradition stehen. Auch in den USA wird bei etwa jedem zweiten männlichen ­Neugeborenen die Vorhaut noch in der Geburtsklinik amputiert. Zum Einsatz kommt dabei auch das Circumstraint, eine Apparatur zur ­Fixierung des Säuglings: „Die komfortabel gekurvte Form des ­Circumstraints hält den Säugling in Position mit erhöhten Hüften und präsentiert auf perfekte Weise die ­Genitalien“, heißt es in einer Produktbeschreibung. Auf den Philippinen, einem katholisch geprägten Staat, kam es 2011 zu einer Massenbeschneidung im Stadion, mit der die Stadt in das Guiness-Buch der ­Rekorde aufgenommen werden wollte.

Über viele Jahrzehnte, beginnend mit der Einwanderungswelle der 1960er-Jahre, war die medizinisch nicht-indizierte Beschneidung in Deutschland in der Regel ein türkisches Thema. Wenn Deutsche mit dem Ritus in Kontakt kamen, dann vielleicht als Gäste einer Beschneidungs-Feier (Sünnet) oder vom Hörensagen. Oder aber als Kinderarzt oder -chirurg. Einer von ­ihnen ist Dr. Engelbert Kölker aus Essen.

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Ältestes Tier der Welt verblüfft Forscher

So könnte Fractofusus ausgesehen haben © CG Kenchington
Erfolgreich dank Doppelstrategie: Eines der ältesten Tiere der Erde besaß bereits eine verblüffend raffinierte Fortpflanzung. Denn es kombinierte gleich zwei verschiedene Strategien miteinander. Es produzierte schwimmfähige Stadien, die mit der Strömung in günstige Regionen trieben. Dort angekommen, bildeten diese ihrerseits Nachkommen durch “Ableger”. Diese Doppelstrategie ist erstaunlich komplex für ein fast 570 Millionen Jahre altes Lebewesen, so die Forscher im Fachmagazin “Nature”.


scinexx

Heute gibt es im Tierreich eine Vielzahl ganz verschiedener Vermehrungs-Strategien. Neben der klassischen sexuellen Vermehrung – Männchen sucht Weibchen – gibt es auch Arten, die ganz ohne Paarung Nachwuchs produzieren. Viele wirbellose Tiere und sogar die Sägefische schaffen dies per Jungfernzeugung, andere Tiere wie Schwämme oder Polypen bilden eine Art Ableger, sie vermehren sich durch Knospung.

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Is Our Universe a Fake?

universeRobert Lawrence Kuhn is the creator, writer and host of “Closer to Truth,” a public television and multimedia program that features the world’s leading thinkers exploring humanity’s deepest questions. Kuhn is co-editor, with John Leslie, of “The Mystery of Existence: Why Is There Anything at All?” (Wiley-Blackwell, 2013). This article is based on a “Closer to Truth” episode produced and directed by Peter Getzels. Kuhn contributed this article to Space.com’s Expert Voices: Op-Ed & Insights.

By Robert Lawrence Kuhn|Space.com

I began bemused. The notion that humanity might be living in an artificial reality — a simulated universe — seemed sophomoric, at best science fiction.

But speaking with scientists and philosophers on “Closer to Truth,” I realized that the notion that everything humans see and know is a gigantic computer game of sorts, the creation of supersmart hackers existing somewhere else, is not a joke. Exploring a “whole-world simulation,” I discovered, is a deep probe of reality.

David Brin, sci-fi writer and space scientist, relates the Chinese parable of an emperor dreaming that he was a butterfly dreaming that he was an emperor. In contemporary versions, Brin said, it may be the year 2050 and people are living in a computer simulation of what life was like in the early 21st century — or it may be billions of years from now, and people are in a simulation of what primitive planets and people were once like.

Philosopher Nick Bostrom, director of the Future of Humanity Institute at Oxford University, describes a fake universe as a “richly detailed software simulation of people, including their historical predecessors, by a very technologically advanced civilization.”

It’s like the movie “The Matrix,” Bostrom said, except that “instead of having brains in vats that are fed by sensory inputs from a simulator, the brains themselves would also be part of the simulation. It would be one big computer program simulating everything, including human brains down to neurons and synapses.”

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Fantasy als Religion: Von Zwergen, Elfen und Zauberern

Szenenfoto “Der Herr der Ringe: Die Gefährten” (dpa-Film / Warner)
Fantasy ist ein Genre, das – wie die Religionen – die elementaren Fragen des Lebens stellt. Die Helden der Geschichten begeben sich auf eine Reise, geraten in Lebensgefahr, werden geläutert und finden am Ende ihre ganz eigenen Antworten


Von Kirsten Dietrich|Deutschlandradio Kultur

Harry Potter: Waisenjunge, Schüler eines magischen Internats für Zauberei, Heilsbringer – und Star einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Fantasy-Serien der Welt. Sieben Bücher, acht Filme, hunderte Millionen Leserinnen und Zuschauer. Und eine Frage: Warum um Himmels Willen sind so viele Menschen dazu bereit, in fantastische Welten einzutauchen, in denen Werwölfe und Zentauren angehende Zauberer unterrichten oder ein sprechender Löwe ein magisches Reich erlöst, das man durch die Rückseite eines Wandschranks erreicht?

Matthias Hurst: “In der Fantasy sehen wir einen Akt der Kreativität, der Schöpfung. Tolkien sagt auch: fantasy is a human right, das ist quasi ein Menschenrecht, dass wir Fantasie und Imagination benutzen, weil wir selbst geschaffen wurden und weil wir eine kreative Spezies sind.2

Und deswegen ist Fantasy mitnichten nur etwas für Kinder, sondern viel mehr: ein Befindlichkeitsanzeiger des kollektiven Unbewussten, könnte man salopp sagen. Oder mit dem Literatur- und Filmwissenschaftler Matthias Hurst:

“All das, was uns fehlt in der realen Welt, oder von dem wir glauben, dass es uns fehlt, das muss ja nicht immer so sein, all das, Spiritualität, Emotionalität, der Glaube an Dinge, die größer, höher, schöner, bedeutender sind als der pure Schein, Industrialisierung, Oberfläche, Wirtschaft, Geld, Kapitalismus, all das erschaffen wir uns dann in unseren Fantasiewelten. Natürlich hat Fantasy auch deshalb so einen Boom erlebt, weil die Menschen zunehmend unzufriedener werden mit der Realität, in der wir leben.”

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Sternenwanderung in der Milchstraße entdeckt

Wanderung von Sternen in der Milchstraße © Dana Berry/SkyWorks Digital, Inc., SDSS Collaboration
Überraschender Ortswechsel: Die Position der Sterne in der Milchstraße ist nicht so stabil wie gedacht. Denn rund ein Drittel aller Sterne hat im Laufe ihres Lebens die galaktische Umlaufbahn dramatisch verändert. Sie stehen heute weit entfernt von ihrem ursprünglichen Entstehungsgebiet, wie eine Kartierung der Sternenchemie in unserer Galaxie ergab. Dies sei ein erster Beleg für eine solche stellare Migration in der gesamten Milchstraße, so die Forscher im Fachmagazin “The Astrophysical Journal”.


scinexx

Unsere Milchstraße ist ein durchaus dynamischer Ort: Das Schwarze Loch in ihrem Zentrum saugt Materie an, Sternenexplosionen lassen Sterne durch die Galaxie rasen und sowohl im Zentrum als auch in den Außenbereichen der Milchstraße entstehen neue Sterne in gewaltigen Gasnebeln. Die Grundstruktur der Galaxie und die relative Position eines Großteils ihrer Sterne galten aber bisher als relativ stabil.

Sternenchemie verrät Geburtsort

Doch Michael Hayden von der New Mexico State University in Las Cruces und seine Kollegen haben diese Annahme nun widerlegt. Für ihre Studie analysierten sie im Rahmen des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) die chemischen Zusammensetzung von fast 70.000 Roten Riesen in verschieden Gebieten der Milchstraße. Anhand der charakteristischen Spektrallinien im Licht dieser Sterne ermittelten sie den Anteil verschiedener schwerer Elemente.

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Trennung von Staat und Religion ist unschätzbar wichtig

Themenbild
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Die Hälfte der Berliner hat kein Problem damit, wenn eine muslimische Lehrerein an einer staatlichen Schule mit einem Kopftuch unterrichtet. Unsere Chefredakteurin begrüßt die Toleranz und erinnert gleichzeitig daran, dass es ohne staatliche Neutralität keine Freiheit der Religion gibt.


Von Brigitte Fehrle|Berliner Zeitung

In der Apotheke meiner Wahl treffe ich in aller Regel Frauen mit Kopftuch an. Hinter dem Verkaufstresen wohlgemerkt. Das stört mich weder noch freut es mich. Es ist für mich Teil einer Normalität in der Großstadt Berlin, die ich kaum wahrnehme. Ob die Frauen das Kopftuch aus religiösen, politischen oder modischen Gründen tragen, ist dabei für mich völlig unerheblich. Ich erwarte kompetente Bedienung und Beratung.

So weit ist die Sache einfach. Sprechen wir aber von Lehrerinnen, Richterinnen, Staatsanwältinnen, Justizvollzugsbeamtinnen, so ist die Frage anders zu beurteilen. Die Trennung von Staat und Religion ist ein unschätzbar wichtiger und fundamental bedeutender Grundsatz in unserem Land.

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Thomas Mann verfolgte “Christlichen Humanismus”

Es ist müßig, Thomas Mann (1875-1955) als Schriftsteller zu würdigen; auch seine Größe als einer der einflussreichsten Literaten und Denker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist selbsterklärend. Schon schwieriger gestaltet sich da die Beschreibung des Humanismus, für den Thomas Mann stand.


kathweb

Thomas Mann, 1937 Foto von Carl van Vechten.  wikimedia.org/PD

Dieser – so die These des Göttinger Literaturwissenschaftlers und Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering – war vor allem in der Spätzeit Manns deutlich “religiös imprägniert” und könne ohne Umschweife als “Christlicher Humanismus” bezeichnet werden. Detering erörterte diese These am Sonntag in Salzburg in seinem Festvortrag zum Abschluss der heurigen “Salzburger Hochschulwoche”.

Doch der Weg zu diesem christlich imprägnierten Humanismus, den Mann vor allem in der Zeit des US-amerikanischen Exils in den 1940er Jahren in der “First Unitarian Church of Los Angeles” entfaltete, war weit: “Humanismus war Thomas Mann eigentlich ein Gräuel”, so Detering im Blick auf den frühen Thomas Mann. Die Kritik entzündete sich vor allem an jenen Formen des Humanismus’, die darunter ein “selbstsicheres Festhalten am klassischen Erbe” des Humanismus verstanden. Erst 1913 tauchte daher das Wort Humanismus in einem Nachruf auf Manns Schriftsteller-Freund Friedrich Huch, in dessen Werken Mann einen “neuen Humanismus” zu erkennen glaubte, der die bisherige humanistische Treffnung von Natur und Kultur, von Körper und Geist zu überwinden versuchte.

Diesem Ziel – nämlich dem Widerstand gegen jede “Erstarrung humanistischer Bildungskultur” – blieb Mann zeitlebens verbunden, so Detering weiter – ebenso seinem Schopenhauer verdankten Argwohn jeder optimistischen Überhöhung des Menschenbildes und Weltverständnisses gegenüber. So zielte Mann in seinen Überlegungen zum Humanismus zunächst auf eine Verbindung einer weitgehend pessimistischen Weltsicht, die “vom Tode weiß”, mit einer bleibenden “Lebensfreundlichkeit” – literarisch entfaltet finde man diese etwa im “Zauberberg” (1924).

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Was den Mensch zum Menschen macht

Wer sind wir, woher stammen wir und was ist unsere Bestimmung? Das fragen sich wohl alle Menschen irgendwann. Naturwissenschaftler enträtseln unsere stammesgeschichtliche Herkunft und unsere Physiologie, einschließlich der Vorgänge im Gehirn, immer weiter und entmystifizieren sie damit.


Von Melinda Baranyai|Spektrum.de

Gerd Rudolf Wie Menschen sind  Verlag: Schattauer, Köln 2015 ISBN: 9783794531271 24,99 €
Gerd Rudolf
Wie Menschen sind
Verlag: Schattauer, Köln 2015
ISBN: 9783794531271
24,99 €

Philosophen, Soziologen und Anthropologen dagegen orientieren sich mehr am direkten Erleben des Individuums und an seinen unmittelbaren Umweltfaktoren, um die Eigenarten unseres Daseins zu erklären. Dazwischen steht die moderne Psychologie: Sie versucht, die Befunde der Neurowissenschaft in therapeutische Konzepte zu integrieren, um Menschen mit Sinnkrisen und psychischen Störungen behandelnd und beratend zu unterstützen.

Aus dieser Zwischenperspektive heraus schreibt Gerd Rudolf. Mit seiner langjährigen Erfahrung als tiefenpsychologischer Psychotherapeut versucht er, im vorliegenden Werk verschiedene Perspektiven der philosophischen Anthropologie – etwa Theorien über die individuelle Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung – mit eigenen Überlegungen bezüglich des Menschseins zu verknüpfen. Dabei zitiert er nicht nur große Denker sämtlicher Epochen, sondern auch Künstler und Forscher, und trägt somit sehr heterogenes Material zusammen.

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Antijudaismus: So wurden Juden im Westen seit jeher gehasst

In Tirol begründete ein frei erfundener Ritualmord von Juden an einem Christenkind die Verehrung des “Anderl von Rinn”. Die katholische Kirche ließ diese Figurengruppe in den 1960er Jahren entfernen, doch den Kult gibt es immer noch. (Foto: Oliver Das Gupta)
US-Historiker David Nirenberg belegt, wie Juden seit 2000 Jahren in ganz Europa diskriminiert und verfolgt wurden. Gibt es eine westliche Tradition des Antijudaismus?


Von Stephan Speicher|Süddeutsche.de

Am 14. Juli 1790, dem ersten Jahrestag des Sturms auf die Bastille, beging die südfranzösische Stadt Saint-Ginest das “Föderationsfest”. Der Pater Antoine-Pascal-Hyacinthe Sermet hielt eine Predigt und gab seiner Genugtuung über die Revolution Ausdruck. Dazu zitierte er aus dem Galaterbrief des Apostel Paulus: “Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!”

Und Sermet erklärte, dass die Knechtschaft, von der Paulus sprach, das Judentum und sein Gesetz sei, die Freiheit aber der christliche Glaube. Und so verhalte es sich politisch: Die Monarchie gleiche dem überwundenen Judentum und seiner Knechtschaft, die revolutionäre Erneuerung aber dem Christentum als dem Glauben der Freiheit.

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Deutscher Ethikrat: Organspende – ja oder nein?

Organspende – ja oder nein? Kann ich mit meinen Organen vielleicht anderen Menschen das Leben retten, wenn ich die Organe nicht mehr brauche? Und ab wann ist mein Körper bereit für eine Organspende? Wer entscheidet wann mein Körper dafür bereit ist?


Radio Vatikan

Weihbischof Anton Losinger

Fragen, die man sich oft nicht mehr rechtzeitig stellen kann. Das sollte man aber, denn das dramatische ist, wenn die Entscheidung an den Angehörigen hängen bleibt, erklärt Weihbischof Anton Losinger, Mitglied des Deutschen Ethikrates im Gespräch mit Radio Vatikan. Die deutschen Bischöfe haben diese Woche in Bonn eine „Orientierungshilfe“ diesbezüglich veröffentlicht. Sie machen sich stark für die Organspende an sich und halten an dem umstrittenen Kriterium des Hirntodes als zuverlässiges Kriterium für den Tod des Menschen fest. Das Dokument der Deutschen Bischofskonferenz greife drei wesentliche Punkte auf, die sich mit der Expertise des deutschen Ethikrates decken, so der Augsburger Weihbischof Losinger.

„Das Erste: Das Organspende auch in der Novellierung des Transplantationsgesetzes in der Bundesrepublik Deutschland, wo wir ja inzwischen eine Entscheidungslösung als ein Ergebnis haben, absolut freiwillig sein soll. Eine Spende ist nur Spende, wenn sie frei ist. Das Zweite: Die Bischöfe halten fest, an einer grundsätzlichen Organspende als einen Akt der mitbrüderlichen und mitfühlenden Nächstenliebe zur möglichen Rettung des Lebens eines anderen Menschen sieht. Und drittens: Die absolute Voraussetzung für die Spendung eines lebenswichtiges Organs ist die Feststellung des sicheren Todes des Spenders. Sie erinnern sich, Papst Benedikt XVI. hat diese starke Kriterium geprägt: Ex-Cadavere. (Anm. Red.: Dass Organe nur vom toten Leichnam entnommen werden dürften). Deswegen ist das Kriterium des Hirntodes ein wichtiges und leitendes Kriterium dieses Dokument der deutschen Bischöfe.“

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Wer zuerst lacht, wird erschossen

Das Vermächtnis von Charb, des ermordeten Chefredakteurs von »Charlie Hebdo«: die Streitschrift »Brief an die Heuchler«


Von Thomas Blum|ND

charlie_hebdo

»Religion ist wie ein Penis. Es ist in Ordnung, einen zu haben. Aber man sollte damit nicht denken.« Diese Empfehlung, die vor einiger Zeit in den sogenannten sozialen Netzwerken kursierte, möchte man vor allem all jenen Männern geben, die nicht damit aufhören können, in der Öffentlichkeit ständig stolz ihre Religion hin- und herzuschwenken, und außer ihr nichts mehr im Kopf haben.

Religiöse Spinner, vom erzreaktionären katholischen Fundamentalisten bis zum islamistischen Gotteskrieger, haben oft Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass den Wahn, dem sie anhängen, nicht alle anderen uneingeschränkt teilen möchten. Und wer es, im Dienst der Aufklärung, wagt, sich über sonderbare religiöse Zwangsvorstellungen, Praktiken oder Rituale von Gläubigen lustig zu machen, bekommt nicht selten den Unmut der religiösen Fanatiker zu spüren.

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„Als ich Europa bereiste, umfuhr ich Deutschland absichtlich“

© Max Tholl
Daniel Libeskind hat dem jüdischen Leben in Deutschland ein Museum gebaut. Der Architekt spricht mit Max Tholl über Heimat, Abwesenheit als sein zentrales Motiv und erklärt, warum selbst Nazi-Architektur ihre Berechtigung hat.


The European

The European: Herr Libeskind, viele Ihrer Bauprojekte haben einen sehr geschichtsträchtigen Hintergrund – allen voran das neue World Trade Center in New York oder das Jüdische Museum in Berlin. Verspüren Sie beim Planen solcher Gebäude eine besondere Verantwortung?
Libeskind: Alles ist geschichtsträchtig, selbst ein unbebautes grünes Feld. Ich habe gerade in Connecticut auf einer Grünfläche gebaut, und es wäre einfach zu behaupten, es gäbe dort keinen historischen Bezug.

The European: Gab es den?
Libeskind: Ja. Ureinwohner Amerikas lebten einst dort, und daher muss man sich gewissen ethischen Fragen stellen. Es kommt immer drauf an, welche Erinnerungen an einem Ort haften und wie lebendig diese noch sind.

The European: Ein Ereignis wie der 11. September dürfte den Menschen noch besser in Erinnerung sein als die Tötung der amerikanischen Ureinwohner im 19. Jahrhundert, oder?
Libeskind: Ereignisse wie 9/11 werden auch deshalb so stark thematisiert, weil sie an einem Ort stattfanden, den die Menschen gut kennen. Mir geht es aber nicht nur um das Sichtbare dieser Ereignisse, sondern auch um das Unsichtbare. Also nicht nur um die offensichtliche Geschichte, sondern auch um die versteckten Details.

The European: Als Sie das Jüdische Museum gestalteten, ging es Ihnen auch darum, „die Bedeutung des Holocausts physisch und spirituell in das Bewusstsein Berlins zu integrieren“. Ist Ihnen das gelungen?
Libeskind: Das müssen andere beantworten. Aber mir haben oft Politiker und Journalisten berichtet, dass das Museum die Haltung gegenüber dem jüdischen Leben in Berlin zum Positiven verändert hat – mehr als politische Reden im Bundestag oder Zeitungsartikel.

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Aufklärung ist ein arabisches Wort

Gefährdeter Sieg. Nur in Tunesien (hier eine Szene von 2011) war der Arabische Frühling erfolgreich. Doch auch nach der Revolution wird noch gefoltert. – Foto: AFP
Was hat die Philosophie mit dem Arabischen Frühling zu tun? In Kassel diskutierten nordafrikanische und deutsche Denkerinnen über das Erbe der Diktaturen und verschiedene Lesarten der Vernunft.


Von Andrea Dernbach|DER TAGESSPIEGEL

Tanwir heißt Aufklärung. Vor mehr als 20 Jahren, lange bevor Syrien im Krieg in Schutt und Asche fiel und Ägypten seinen kurzen, brutal erstickten demokratischen Aufbruch erlebte, wurde in beiden Ländern um diesen Begriff gestritten. Wem gehört die Aufklärung? Die Frage war in beiden Ländern die gleiche, nicht aber die jeweiligen Kontrahenten. In Ägypten reklamierten säkulare, zugleich staatsfromme Intellektuelle Tanwir für sich – gegen die Ansprüche muslimischer Vordenker. In Syrien besetzten Oppositionelle den Begriff, um Regimekritik zu üben, in den engen Grenzen, die der Repressionsapparat des Assad-Clans gezogen hatte. Muslimische Intellektuelle gab es kaum in Syrien; das Regime hatte die meisten in den achtziger Jahren ermordet. In Mubaraks Ägypten wiederum wurden Islamisten zwar politisch unterdrückt, hatten aber freie Hand, die Gesellschaft zu islamisieren.

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Religionskritik: Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit

Image. Sam Harris The Blog
Image. Sam Harris The Blog
Warum kämpfen die Menschen im Westen nicht für ihre Freiheit? Warum entwickeln sie keine Leidenschaft für Werte der Aufklärung? Dies fragt Carlo Strenger in seinem Essay “Zivilisierte Verachtung”. Der Psychologie-Professor aus Tel Aviv warnt: Wenn die Fähigkeit verloren geht, die eigene Lebensform zu verteidigen, ist der Weg frei für Rückwärtsgewandte.


Carlo Strenger im Gespräch mit Andreas Main|Deutschlandfunk

Andreas Main: Ein “schöner Essay”, schreibt die Süddeutsche Zeitung, ein “leidenschaftlicher Essay”. Geschrieben hat ihn Carlo Strenger, geboren 1958 in der Schweiz und auch dort aufgewachsen. Carlo Strenger ist Psychologie-Professor an der Universität Tel Aviv. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und schreibt regelmäßig für den britischen Guardian und Israels führende linksliberale Zeitung Haaretz. Carlo Strenger ist einer der prononciertesten regierungskritischen Stimmen in Israel. Das muss man wissen, wenn man seinen Essay liest, der im Frühjahr bei Suhrkamp erschienen ist. Der Titel: “Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit.” Mit Carlo Strenger habe ich vor dieser Sendung gesprochen. Wir sind via Skype verbunden. Hallo, Herr Strenger.

Carlo Strenger: Hallo, Herr Main.

Main: Lassen Sie uns den Untertitel Ihres Buches ernst nehmen: Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit. Damit Sie uns wirklich anleiten können, muss erst einmal klar sein, worum es geht. Welche Freiheit wollen Sie verteidigt wissen?

Strenger: Ich will die Freiheit verteidigt wissen, die die westliche Welt in den letzten 400 Jahren auf ziemlich schmerzhafte Weise errungen hat. Die Freiheit, zu denken. Nach bestem Wissen und Gewissen zu kritisieren, wo man Kritik üben will. Und die Meinung in Ruhe und ohne Gefahr öffentlich zu äußern. In vielen Teilen der Welt ist es überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Ich denke, dass es gute Gründe gibt anzunehmen, dass die westliche Welt – speziell Europa – schon heute, doch sicher noch mehr in der Zukunft, in der nahen Zukunft, immer wieder in der Situation sein wird, in der diese Freiheit verteidigt werden muss.

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Lieber Fanatiker: Ist es gut, religiösen Pflichten nachzugehen?

Nach Kant jedenfalls gibt es nur einen sinnvollen Gottesdienst: anständiges Verhalten.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Religionen haben zahlreiche Rituale und Verhaltensregeln entwickelt und längst nicht alle wurden zum Schutz der Mitmenschen formuliert. Die Vorschriften betreffen Nahrung, Arbeitstage, Gebetszeiten, Beichte, Gottesdienste und vieles mehr.

Verteidiger betonen die Vorteile dieser Vorgaben. Beispielsweise hilft ein geregelter Tagesablauf vielen Menschen dabei, ihr Leben zu gestalten. Zu einer Zeit ohne Kühlschrank und Mikrowelle dürften nicht wenige Essensvorschriften zur Gesundheitsvorsorge beigetragen haben.

Skeptiker halten viele religiöse Alltagsvorschriften entweder für veraltet oder für absurd. Sie verweisen auf die hygienischen Fortschritte in der Nahrungszubereitung. Sie fragen, ob es für einen Gott wirklich von Bedeutung sein kann, zu welchen Tageszeiten er angebetet wird oder an welchen Wochentagen der Rasen gemäht werden darf. Eine viel grundlegendere Kritik stammt von Immanuel Kant, der die Bezeichnung „Afterdienst“ prägte. Bis heute wird darüber gestritten, ob Kant damit „Hinterherdienst“ (engl.: after) gemeint hat. Die zweite Deutung bezieht sich auf das deutsche Wort „After“ und legt eine weit unhöflichere Bewertung nahe.

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Forschungssonde “Philae”: Erste Blicke auf den Kometen Tschuri

Photo credit: ESA/ATG. Artist's impression of Philae
Photo credit: ESA/ATG. Artist’s impression of Philae
Steinharte Kruste, seltsame Schleifspuren, ein wahrer Baukasten organischer Verbindungen: Die Sonde „Philae“ enthüllt überraschende Geheimnisse des Himmelskörpers Tschuri.


Von Roland Knauer, Ralf Nestler|DER TAGESSPIEGEL

Was hätte alles schiefgehen können. Nach zehn Jahren Anflug landete im November 2014 erstmals eine Forschungssonde mehr oder weniger sanft auf einem Kometen, um ihn genau zu erkunden. Bereits die ersten Bilder überraschten: „67/P Tschurjumow-Gerassimenko“ entsprach so gar nicht dem Bild, das Forscher vor ihrem inneren Auge hatten. Der drei mal fünf Kilometer große Körper erinnerte an eine Badeente, deren Oberfläche mit Bergen, Kratern und Ebenen ausgesprochen abwechslungsreich ist. Rund 60 Stunden arbeitete die Landeeinheit namens Philae ihr Forschungsprogramm ab, bevor ihr der Saft ausging. In einer Sammlung von sieben Artikeln im Fachmagazin „Science“ stellen die beteiligten Wissenschaftler nun eine Fülle neuer Erkenntnisse vor. Wieder gibt es einige Überraschungen, etwa Funde organischer Moleküle, die prinzipiell als Grundbausteine für Leben gelten, oder neue Erkenntnisse zur steinharten Oberfläche.

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CERN-Chef: “Extra-Dimensionen wären eine Möglichkeit”

Nachdem das Higgs-Boson endeckt ist, nehmen die Forscher des Kernforschungszentrums CERN in Genf die nächsten Ziele ins Visier. Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer im Interview.


Von Markus Keßler|futurezone.at

Künstlerische Darstellung eines Schwarzen Lochs aus der “Nähe” Bild: NASA, ESA, STScI-RCC14-41a

Die Entdeckung des Higgs-Bosons war eines der großen Ziele, die Europäische Organisation für Kernforschung mit dem Large Hadron Collider (LHC) erreichen wollte. Nachdem diese Aufgabe erfolgreich bewältigt und das Standardmodell der Elementarteilchenphysik vervollständigt ist, wenden sich die Physiker am Teilchenbeschleuniger in der Schweiz jetzt neuen Herausforderungen zu und suchen nach einer “neuen Physik”. Die futurezone hat den CERN-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer am Rande einer Hochenergiephysikkonferenz in Wien zum Kurzinterview getroffen.

futurezone: Die Supersymmetrie (SUSY), die schwerere Partner für Elementarteilchen postuliert, ist ein Kandidat für eine Erweiterung des Standardmodells. Nach den bisherigen LHC-Ergebnissen gibt es keine Hinweise auf die massereicheren Partnerteilchen. Gibt es vielleicht keine neue Physik mehr zu entdecken?
Rolf-Dieter Heuer: Es gibt mehrere SUSY-Modelle. Die einfachsten davon sind mittlerweile in Schwierigkeiten, es gibt aber noch vielversprechende Kandidaten. Wir wollen zwar immer elegante Theorien, aber das heißt nicht, dass SUSY nicht existiert.

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Magnetfeld: Trigger für Umpolung gefunden?

Feldlinien des Erdmagnetfelds im Modell © Gary Glatzmaier/ Los Alamos National Laboratory
Störstelle im Erdmagnetfeld: Unter Südafrika könnte ein entscheidender Störfaktor für das irdische Magnetfeld liegen. Denn dort gibt es eine geologische Anomalie, die immer wieder für eine Abschwächung der magnetischen Feldstärken sorgt, wie Forscher im Fachmagazin “Nature Communications” berichten. Diese Störzone könnte sogar der Auslöser für die periodischen Umpolungen des Erdmagnetfelds sein.


scinexx

Aus Nord wird Süd und umgekehrt: Schon mehrfach in der Erdgeschichte hat sich die Polung des Erdmagnetfelds komplett umgekehrt. In dieser Umbruchsphase ist das irdische Magnetfeld zeitweilig sehr schwach und chaotisch, es können sich vorübergehend Regionen abweichender Polung und sogar zusätzliche Pole bilden. Die letzte große Polumkehr liegt knapp 800.000 Jahre zurück und eine weitere könnte sich bereits anbahnen.

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Egoismus kann tödlich für eine Population sein

Gemeinsam sind wir stark – dieser Ansatz gilt auch in der Evolution. Denn wenn einzelne Mitglieder einer kleinen Populationen kooperieren und so die Ressourcen in ihrem Lebensraum effizienter Ausnutzen, können sie das Überleben der ganzen Population sichern. Im Gegensatz dazu kann Eigennutz tödlich sein und zum Aussterben einer Population führen. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie haben nun ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem man diese Zusammenhänge genauer als bisher simulieren kann.


Max-Planck-Gesellchaft

Das Modell basiert auf der sogenannten Spieltheorie. Mit ihr kann zum Beispiel untersucht werden, wie sich Menschen verhalten, wenn ihnen ein Gewinn winkt. In einem solchen Szenario können meist unterschiedliche Strategien gewählt werden: man maximiert den eigenen Gewinn auf Kosten aller Mitspieler, oder man erhöht den Gewinn aller Spieler, indem man kooperiert, gibt dadurch aber die Chance auf den eigenen Maximalgewinn auf.

Auch in der Natur gibt es solche Strategien, bei der sich ein bestimmtes Merkmal durchsetzt, das zwar für ein Individuum einen Nachteil bringen kann, für die gesamte Gruppe aber vorteilhaft ist. Die Dynamik solcher Strategien können dementsprechend mit der Evolutionären Spieltheorie beschrieben werden.

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