Archiv der Kategorie: Bildung

Atheistenpreis für “Bad Religion”-Sänger Greg Graffin

Bad Religion

Promovierter Evolutionsbiologe ist er, aber auch eine Punkrock-Ikone. Jetzt erhielt „Bad Religion“-Sänger Greg Graffin in Köln den Atheistenpreis.


Von Thomas Mader|WAZ

Eine Punkrock-Ikone stellt man sich, nun ja, unfrisierter vor. Ordentliche schlohweiße Haare (mit 50 Jahren), ein unscheinbares Hemd und Wanderturnschuhe – äußerlich entspricht der Amerikaner Greg Graffin eher dem Klischee seiner anderen Profession: Der „Bad Religion“-Sänger ist auch promovierter Evolutionsbiologe. In Köln verlieh ihm am Samstag der „Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten“ seinen Preis „Sapio“ – weil Graffin es sich zur Mission gemacht hat, für Selbstbestimmung und gegen Denkverbote einzutreten.
Punk für eine bessere Gesellschaft

In seinem neuen Buch „Population Wars“ (etwa „Kriege der Völker“) zum Beispiel, das im September erscheint, will Graffin zeigen, dass es nicht um Sieg oder Ausrottung geht, wenn Bakterien oder Tiere sich bekämpfen, dass das Bild vom Krieg als Treiber der Evolution falsch ist.

„Wenn eine Population sich erst mal etabliert hat, ist sie nur sehr schwer auszulöschen. Viel öfter enden Konflikte mit Assimilation.“ Und wären Kriege, wie Menschen sie führen, nicht vermeidbar, wenn wir einen neuen Blick darauf gewännen?

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Digital Anthropologists Explore What It Means to Be a Human in a Dataverse

Image: DaC3

Image: DaC3

Hannah Redler wants to examine how humans own and control their information within a dataverse. “We wanted to look at the human at the centre of all the technology and data,” she told me. “It isn’t just about being tech-savvy, but about how technology affects us in our everyday lives.”


By Emiko Jozuka|MOTHERBOARD

Redler is the curator in residence for the Data as Culture 3 exhibit, currently on show at the UK’s Open Data Institute, which promotes public engagement with open data. For this year’s exhibit, titled “Data Anthropologies,” current artists in residence Alison Craighead and Jon Thomson are showing documentary-led artworks that focus on how humans are dealing with an increasingly data-dense digital environment.

The duo’s past and most recent works, based on freely available data, are dotted around ODI’s office space. Inside the reception area, you’ll glimpse “Six Years of Monday,” featuring an alternative, split-screen view onto a series of time-lapse recordings of the weather. The images come from a collection of footage painstakingly taken by a Scottish man from his window every Monday from 6 AM to 6 PM since 2006 in the Scottish Kingdom of Fife.

Venture further into the office, and you’ll see an older piece from 2004 called “Decorative Newsfeed” that shows a series of live news headlines rotating like digital snakes around a screen. “Corruption” features a frame from a corrupt video file on a photographic lightbox, and “Voyager” offers a curiously analogue take on the first man-made probe to venture into our solar system. The piece is a woodblock print displaying a selection of then UN secretary general’s greeting messages to the roaming probe.

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Happy Towel Day

all3dp.com

 

Kurt Gödel: “Die Philosophie ist heute bestenfalls dort, wo die Mathematik zur Zeit der Babylonier war”

Die Philosophen Herbert Feigl und Moritz Schlick (r.) in Bademänteln am Ufer des Millstätter Sees.© Institut Wiener Kreis

Er existierte nur von 1924 bis 1936 – der “Wiener Kreis”, dem nun erstmals eine Ausstellung zuteil wird. Doch diese zwölf Jahre hatten “so viel geistesgeschichtliche Dramatik in sich, dass es Tolstoi oder Shakespeare gebraucht hätte, um das entsprechend darzustellen”, sagt der Mathematiker Karl Sigmund, der die Schau an der Universität Wien mit dem Zeithistoriker Friedrich Stadler kuratiert hat.


Von Heiner Boberski|Wiener Zeitung

Deren Untertitel, “Exaktes Denken am Rand des Untergangs”, weist bereits darauf hin, wie schwer es diese Vertreter der Vernunft und Logik damals hatten, ehe ihr Zirkel tragisch endete.

In einem Pressegespräch zur Ausstellung, die bis 31. Oktober läuft, nannte Heinz Engl, Rektor der Universität Wien, die in Amerika als “Vienna Cercle” wohlbekannte Gruppe nach heutigem Sprachgebrauch eine “Forschungsplattform”, in der im besten Sinn interdisziplinär gearbeitet wurde: Hier hätten Mathematiker und Philosophen, Physiker und Sozialwissenschafter miteinander reden und Ideen entwickeln können, die bis heute Gültigkeit haben.

Wittgenstein und Gödel

Im Eingangsraum sind die führenden Köpfe der Gruppe abgebildet: Philipp Frank, Otto Neurath, Rudolf Carnap, Herbert Feigl, Moritz Schlick, Friedrich Waismann, Kurt Gödel, Hans Hahn, Karl Menger. 1924 initiierte der Philosoph Moritz Schlick mit dem Mathematiker Hans Hahn und dem Sozialreformer Otto Neurath den “Wiener Kreis des Logischen Empirismus”, der sich jeden zweiten Donnerstag im Seminarraum für Mathematik in der Boltzmanngasse 5 traf, gefolgt von “Nachsitzungen” im nahen Café Josefinum. Als geistige Vorläufer des Zirkels stellt die Schau den Physiker und Philosophen Ernst Mach (1838-1916) und den Physiker Ludwig Boltzmann (1844-1906) vor. Kontakt zum “Wiener Kreis” hatten auch die Mathematikerinnen Olga Hahn-Neurath und Olga Taussky sowie Philosophen wie Bertrand Russell, Ludwig Wittgenstein oder Karl Popper. Unter den in der Schau gezeigten Autographen fällt die handschriftliche Einfügung Wittgensteins in eines der drei originalen Typoskripte seines “Tractatus” auf: “und es ist nicht verwunderlich, dass die tiefsten Probleme eigentlich keine Probleme sind”.

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Forget Jesus on Toast. There’s a Humanist in a Tomato

Image: Friendly Atheist

I had given up on this whole atheism thing after Christians kept finding Jesus on their toast.

But Redditor Masaharta found the Humanist symbol in a tomato and now the whole world makes sense again!


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

It’s a sign that Humanists love fruits.

Or vegetables.

Screw it, I can never remember. But I’m sure it means we should all go vegetarian or something.

After all, we can’t forget the sign from the watermelon.

Sachsen: Die Linke fordert Gender-Unterricht an Schulen

Bild: FB

Bild: FB

Die Fraktion Die Linke im sächsischen Landtag fordert eine „Modernisierung“ des Sexualkundeunterrichts an Schulen. So sollten Schüler künftig verstärkt über die „Vielförmigkeit sexuellen Lebens“ und die „Pluralisierung der Lebensstile“ aufgeklärt werden, heißt es in einem Antrag an die Staatsregierung.


kath.net

Damit wolle man einer bloßen Einteilung der Menschen in Männer und Frauen sowie einer Diskriminierung anderer Geschlechtsidentitäten entgegenwirken.

Die geschlechtliche Identität könne sich je nach Lebenslage ändern, heißt es in dem Papier. Sie könne mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmen, „sie muss es jedoch nicht“. Die Vorgaben im „Orientierungsplan für die Familien- und Sexualerziehung an sächsischen Schulen“ aus dem Jahr 2006 entsprächen nicht mehr „dem Stand wissenschaftlicher Erkenntnis und der Praxis tatsächlicher Gleichstellung“.

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Aufruf: Gegen die Hexenjagd auf Peter Singer!

Wir wollen hier Peter Singers Ethik nicht im Einzelnen verteidigen – Kritik daran finden wir legitim – den Aufruf des Aktionsbündnisses ‚Kein Forum für Peter Singer‘ halten wir jedoch für niveaulos und inakzeptabel.

Die Hexenjagd auf Peter Singer ist nicht progressiv!

Dieser Aufruf versucht Peter Singers Beitrag zum (Präferenz-)Utilitarismus und zur Tierethik mit dem Vorwurf der Behindertenfeindlichkeit komplett zu negieren, rückt ihn dabei in die Nähe von Naziverbrechern und fordert schließlich, ihm das Recht auf Redefreiheit und auf die Verbreitung (offenbar aller) seiner Ideen zu entziehen (Zitat: Leute wie Peter Singer „sollten ihre Ideen nicht öffentlich verbreiten können“.) Es wird unterstellt, Singer würde Positionen vertreten, die inhaltlich in der Nähe der „Ideologie und Praxis […] des Nationalsozialismus“ anzusiedeln wären. Eine Unterstützerin des Peter-Singer-Bashings fordert: „Der Typ gehört an die wand und weg knallen. Fertig“. Wir halten das alles für reichlich überzogen. Ob man Singer einen Preis für sein Engagement für Tierleidverminderung verleihen sollte, darüber kann man streiten, aber eine emotionalisierte Hexenjagd zu veranstalten halten wir nicht für progressiv und auch nicht für links. Wir finden es ist durchaus rechtfertigbar, Veranstaltungen mit rein hetzerischer Absicht zu stören und zu verhindern – Peter Singer ist aber kein Nazi, sondern ein analytischer Moralphilosoph. Der analytischen Moralphilosophie geht es aber eben nicht einfach um politische Bekenntnisse, sondern sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch selbstverständliche Dinge zu hinterfragen. In einer Gesellschaft, die dies nicht aushält und die nicht akzeptieren kann, dass Andersdenkende ihre Meinung äußern dürfen, wollen wir nicht leben. Stattdessen muss eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Singers Ethik stattfinden, die mehr zu bieten hat, als dekontextualisierte Zitate, die vermeintlich für sich selbst sprechen. Dabei den Problemhintergrund, vor dem Singer schreibt, überhaupt nicht zu berücksichtigen, sondern mit Sätzen wie: „Wir haben ja nichts gegen Tierschutz, aber…“ abzutun, scheint uns methodisch fraglich.

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“Der Schlüssel zum NSU liegt in Heilbronn”

Themenbild. netz-gege-nazis.de

Peter Ohlendorf, Jahrgang 1952, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitete dann lange Jahre für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Heute produziert er in Freiburg mit einer eigenen Firma Dokumentarfilme. 2012 hatte sein Aufsehen erregender Enthüllungsfilm “Blut muss fließen. Undercover unter Nazis” über die europäische Szene der Nazi-Konzerte auf der Berlinale Premiere. 2014 startete er das NSU-Rechercheprojekt “Heilbronn-Komplex”.


Von Ralf Hutter|TELEPOLIS

Ende März starb im Kreis Karlsruhe eine ehemalige Zeugin des NSU-Untersuchungsausschusses des Landtags von Baden-Württemberg. Sie war eine Vertraute eines noch wichtigeren Zeugen gewesen, der 2013 kurz vor seiner wohl endgültig brisanten Aussage zum NSU in seinem Auto verbrannte. Die Frau starb angeblich überraschend an einem Blutgerinnsel, das sich nach einem leichten Motorradunfall gebildet haben soll. Haben Sie Zweifel an der offiziellen Version?

Peter Ohlendorf: Grundsätzlich sollten wir als Journalisten und Journalistinnen Zweifel haben – gerade in dem Kontext. Gerade in Baden-Württemberg ist die Aufarbeitung des NSU leider überhaupt nicht so betrieben worden, wie es nötig gewesen wäre. Der Innenminister setzte eine “Ermittlungsgruppe Umfeld” ein – es ist schon seltsam, dass gerade die Behörden, die vieles nicht so ermittelt haben, wie es hätte sein sollen, aufgefordert wurden, sich selbst noch mal zu untersuchen, um festzustellen, ob etwas falsch gelaufen ist. Der Untersuchungsausschuss ließ sehr lange auf sich warten, was – und das ist nett formuliert – peinlich ist.

Es zeigt sich, dass es super wichtig ist, dass andere hineingucken. Der Untersuchungsausschuss tut das nun und wir von der journalistischen Seite sind dazu aufgerufen, da mit aller Skepsis ranzugehen – und natürlich auch mit kühlem Kopf. Ich bin ein absoluter Gegner von Verschwörungstheorien. Wir müssen gucken, wo wir Fakten ans Tageslicht bringen können – und da muss man sich schon fragen: Wie viele Zeugen sterben eigentlich noch auf schwer erklärbare Weise weg? Im neuesten Fall müssen wir die Obduktionsergebnisse abwarten, aber auch mit langem Atem drumherum recherchieren.

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Luz von „Charlie Hebdo“:Er lehrt die Mörder das Zeichnen

Selbstporträt des Künstlers unter Personenschutz: Luz, ©VERLAG

Ein Mann zeichnet sich frei: Der Karikaturist Luz hat den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ überlebt. In seinem Buch „Catharsis“ dokumentiert er seine Trauer um die ermordeten Freunde.


Von Jürg Altwegg|Frankfurter Allgemeine

Eines Tages ist mir das Zeichnen abhandengekommen, zusammen mit einer Handvoll lieber Freunde“: Es ist der erste Satz des neuen Buchs von Luz, „Catharsis“ ist sein Titel. Der Autor erzählt vom Attentat des 7. Januar, der sein Geburtstag ist, dem er sein Überleben verdankt. Er kam zu spät in die Redaktionskonferenz.

Am Abend dieses Tages, 18 Uhr, befindet er sich im berühmten Pariser Kommissariat am Quai des Orfèvres. Hier beginnt „Catharsis“. Luz soll schildern, was er gesehen hat. Es fehlen ihm die Worte, er leiht sich vom Polizisten ein Blatt Papier. Und zeichnet – einen Kreis, zwei Kreise. Immer wieder. Daraus werden Augen. Ein Augenpaar. Am Schluss bevölkern viele Strichmännchen mit übergroßen Augen die Seite: „Um ehrlich zu sein, ich habe nicht viel gesehen.“

Das Männchen mit den großen Augen

Das Strichmännchen ist auf dem Umschlag, der Titel verweist auf die Psychoanalyse und die griechische Tragödie. Es ist keine Abrechnung mit dem religiösen Fanatismus. Luz erzählt von der Polizei, die ihn auch noch auf der Toilette und im Bett schützt. Von seinen Albträumen. Den Anspruch, den nun die ganze Welt an ihn richtet, zeichnet er als Vampir. Seinen Angstgefühlen gibt er den Namen Ginette. Mit Anspielungen auf Marilyn Monroe im Bett mit Mister President variiert er seinen Geburtstag. Wie wird er sein verspätetes Erscheinen entschuldigen? Mit einer Magenverstimmung nach einem Essen im indischen Restaurant. In früheren Jahren musste der Chinese herhalten.

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Ist Alzheimer eine Nebenwirkung unserer Intelligenz?

brain

Wir Menschen sind die einzige bekannte Art, die Alzheimer bekommt. Verantwortlich sind wohl Genveränderungen, die unsere Hirnleistung verbesserten – und uns zum Menschen machten.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Vor 50 000 bis 200 000 Jahren sorgte die Evolution dafür, dass sich sechs Gene veränderten, die stark an der Entwicklung unseres Gehirns beteiligt sind. Sie führten wahrscheinlich dazu, dass sich unsere Neurone besser miteinander verknüpften und ein ausgeprägtes neuronales Netzwerk entstand, das letztlich Homo sapiens intellektuell über seine Hominidenvorfahren hob. Doch diese Entwicklung hatte womöglich einen Preis, meinen der Populationsgenetiker Kun Tang von den Shanghai Institutes for Biological Sciences und seine Kollegen nach einer umfangreichen Genomstudie. Denn die gleichen Gene sind auch mit daran beteiligt, dass sich Alzheimer im menschlichen Denkapparat ausbilden kann – eine neurodegenerative Erkrankung, die einzig uns Menschen trifft, aber beispielsweise nicht bei unserem nächsten Verwandten, dem Schimpansen, auftritt. Tang und Co untersuchten dazu 90 Genome von Menschen mit afrikanischen, asiatischen und europäischen Wurzeln nach bestimmten Genmustern, die durch natürliche Auslese und veränderliche Bevölkerungsgrößen verursacht werden, wie “Nature” berichtet.

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Grundrechte-Report 2015: „Die Gefährdung der Verfassung geht vom Staat aus“

Schwerpunkte des diesjährigen Berichtes sind zahlreiche rechtswidrige Überwachungsaktivitäten deutscher Geheimdienste, das Versagen aller Kontrollebenen und geheimdienstliche Überwachungsgebahren der Polizei; ferner der menschenunwürdige Umgang mit Flüchtlingen, etwa bei der Gesundheitsversorgung, der Residenzpflicht und bei Abschiebungen; nicht zuletzt sozialpolitische Einschränkungen etwa der europäischen Freizügigkeit, der Gesundheitsvorsorge von Sozialhilfeempfängern oder bei der Anwendung des gesetzlichen Mindestlohns.


Gemeinsame Pressemitteilung von Verlag und Redaktion zur Präsentation des Grundrechte-Reports 2015|Humanistische Union

Präsentation des Grundrechte-Reports 2015 durch

  • Dr. Constanze Kurz, Informatikerin, Datenschutz-Expertin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs
  • Andreas Blechschmidt, Betroffener der Ausspähung durch das LKA Hamburg
  • sowie für die Herausgeber/innen Martin Heiming und Dr. Till Müller-Heidelberg

Am gestrigen  Freitag, den 22. Mai 2015, wurde der Grundrechte-Report 2015 durch Dr. Constanze Kurz in Karlsruhe der Öffentlichkeit präsentiert. Der von acht namhaften Bürgerrechtsorganisationen herausgegebene Report zieht eine kritische Bilanz zum Umgang mit den Bürger- und Menschenrechten in Deutschland im Berichtsjahr 2014.
Constanze Kurz erklärte anlässlich der Präsentation des Grundrechte-Reports: „Die Lektüre des Grundrechte-Reports 2015 macht deutlich, dass durch technisierte Ausspähung und Überwachung immer hemmungsloser in die Grundrechte eingegriffen wird. In Fragen der Menschenwürde und der informationellen Selbstbestimmung hat sich auch bald zwei Jahre nach Beginn der Snowden-Veröffentlichungen politisch nichts getan. Der nicht nennenswert kontrollierte geheimdienstliche Komplex unterminiert weiterhin Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis bis zur Unkenntlichkeit, nur jetzt mit unserem Wissen. Es steht leider zu erwarten, dass wir auch 2015 noch tiefer in die Abgründe der Überwachung blicken müssen.

Die Gefährdung der Verfassung geht vom Staat aus“, so leiten die Herausgeber ihr Vorwort zum Grundrechte-Report 2015 ein. Einen Schwerpunkt des „Alternativen Verfassungsschutzberichts“ bildet auch im Jahr 2 nach den Enthüllungen Edward Snowdens der NSA-BND-Überwachungskomplex. Rolf Gössner legt dar, dass anstelle einer Zügelung der Überwachungsmaschinerie der BND auch noch aufgerüstet werden, also aus dem Desaster gestärkt hervorgehen soll. Dass die Bundesanwaltschaft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen der massenhaften Überwachung mangels „zureichender Tatsachen“ eingestellt hat, kritisiert Gössner als Realitätsverleugnung oder Willfährigkeit, die sich nahtlos ins Bild regierungsamtlich organisierter Verantwortungslosigkeit einfüge. Illustrieren lässt sich diese auch anhand der Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen zur Kontrolle der Nachrichtendienste, die Burkhard Hirsch dokumentiert.

Andreas Blechschmidt berichtete in der Pressekonferenz über das Ausmaß der Überwachung durch eine verdeckte Ermittlerin des LKA in Hamburg. Sie hat nicht nur die politische Szene in Hamburg unterwandert, durch ihre aktive Mitarbeit in einem freien Radiosender ist auch die Pressefreiheit verletzt worden.

Thilo Weichert sieht die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung durch das Urteil des EuGH, wonach die Vorratsdatenspeicherungs-Richtlinie gegen europäische Grundrechte verstößt, „vorläufig“ beendet. Wie berechtigt seine Einschränkung hinsichtlich der Vorläufigkeit ist, zeigt der inzwischen vorliegende Referentenentwurf der Bundesregierung, mit dem die Maßnahme im Wege eines nationalen Alleingangs wieder eingeführt werden soll.

Pia Eberhardt befasst sich mit den Verhandlungen über das transatlantische Handels- und Investitionsabkommen („TTIP“). Das Abkommen soll es Investoren u.a. ermöglichen, Staaten vor privaten Schiedsgerichten zu verklagen. Eberhardt kritisiert die damit verbundenen unkalkulierbaren Risiken für die demokratische Gestaltungsmacht des Gesetzgebers.

Der jährliche Report zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland zieht auch in seinem 19. Erscheinungsjahr mit 42 Beiträgen kritisch Bilanz zum Zustand der Grundrechte. Der im Fischer Taschenbuch Verlag verlegte, 1997 erstmals erschienene Grundrechte-Report versteht sich als „alternativer Verfassungsschutzbericht”. Acht Bürger- und Menschenrechtsorganisationen dokumentieren darin jährlich den Umgang staatlicher Stellen mit dem Grundgesetz.

Grundrechte-Report 2015 – Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland; Herausgeber: T. Müller-Heidelberg, E. Steven, M. Pelzer, M. Heiming, H. Fechner, R. Gössner, H. Niehaus und M. Stößel; Preis € 10,99; 249 Seiten; ISBN 978-3-596-03288-4; Fischer Taschenbuch Verlag; Mai 2015.

Bezugsmöglichkeiten: Der Grundrechte-Report ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. Alternativ können Sie ihn über den Online-Shop der Humanistischen Union bestellen: http://www.humanistische-union.de/shop/grundrechte_reporte/.

Rezensionsexemplare ausschließlich zu Pressezwecken können über die Humanistische Union (Tel. 030/204 502 56, Fax 030/ 204 502 57 oder service@humanistische-union.de) bestellt werden.

Für Rückfragen oder Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an Sven Lüders unter Telefon 01520 183 1627 bzw. E-Mail info@humanistische-union.de oder Elke Steven unter Telefon 0177 762 1303 bzw. E-Mail info@grundrechtekomitee.de.


Faith Healing Kills Children

Sick children need doctors and medicine, not faith and prayer. Photo by djedzura/Shutterstock

As preventable diseases like measles and whooping cough are reappearing in the United States, many anti-vaxxers are re-evaluating their opposition to immunization, and others are questioning nonmedical exemptions from vaccine requirements. The California state Senate, for instance, just overruled a long-standing law that permitted parents with religious and philosophical reservations to send their children to public and private schools without their shots.


By Jerry A. Coyne|Slate

This is a sound decision: Vaccinations are safe and essential for the health of our society. We cannot allow philosophy or faith to trump public health. But denying children potentially life-saving vaccines is just one part of the problem; I’d like to eliminate even more exemptions: those now enshrined in many laws permitting religious parents to withhold scientific medical care from their children in favor of faith healing.

Forty-eight states—all except West Virginia and Mississippi—allow religious exemptions from vaccination. (California would be the third exception if its bill becomes law.) A similar deference to religion applies to all medical care for children. As the National District Attorneys Association reports, 43 states give some kind of criminal or civil immunity to parents who injure their children by withholding medical care on religious grounds.

If your faith mandates spiritual healing and your child dies because you offer prayer instead of insulin or antibiotics, your chances of being charged with a crime are slim. There are religious exemptions for child neglect and abuse, negligent homicide, involuntary manslaughter. Several states allow parents to use a religious defense against charges of murder of their child—and in some places they can’t be charged with murder at all. And even when parents are prosecuted, acquiescence to religious belief often leads to their being acquitted or given light sentences, including unsupervised parole. None of this, of course, applies to parents who refuse medical care on nonreligious grounds; those individuals get no immunity from prosecution.

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Astronomer Royal Martin Rees: How soon will robots take over the world?

‘We’re witnessing a momentous speed-up in artificial intelligence’: Nexi, a robot designed to express emotion Photo: David L Ryan/The Boston Globe via Getty Images

An explosion in artificial intelligence has sent us hurtling towards a post-human future, warns Martin Rees


By Martin Rees|The Telegraph

In Davos a few years ago, I met a well-known Indian tycoon. Knowing I had the title Astronomer Royal, he asked: “Do you do the Queen’s horoscopes?” I responded, with a straight face: “If she wanted one, I’m the person she’d ask.” He then seemed eager to hear my predictions. I told him that markets would fluctuate and that there would be trouble in the Middle East. He paid rapt attention to these insights. But I then came clean. I said I was just an astronomer, not an astrologer. He immediately lost all interest in my predictions. And rightly so: scientists are rotten forecasters – worse, often, than writers of science fiction.

Nevertheless, 12 years ago, I wrote a book that I entitled Our Final Century? My publisher deleted the question-mark. The American publishers changed the title to Our Final Hour – Americans seek instant (dis)gratification. My theme was this: our Earth is 45 million centuries old, but this century is special. It’s the first when one species – ours – can determine the biosphere’s fate.

In the years since, a few forecasts have somewhat firmed up: the world is becoming more crowded – and warmer. There will be about 2 billion more people in 2050, and their collective “footprint” will threaten our finite planet’s ecology unless we can achieve more efficient use of energy and land. But we can’t predict the path of future technology that far ahead. Today’s smartphones would have seemed magic even 20 years ago, so in looking several decades ahead we must keep our minds open to breakthroughs that may now seem like science fiction. These will offer great hopes, but also great fears.

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Debatte geht anders

cc bycc by sa “Thinker” von “Martin Fisch” lizensiert unter “CC-BY-SA”

Weil Debatten niemals enden, endet auch diese nicht. Noch einmal zum Thema Orient und Okzident, wer hat wem was zu verdanken?


Von Heiko Heinisch|The European

The European definiert sich schon im Untertitel ausdrücklich als Debattenmagazin, und so ist es zu begrüßen, dass Muhammad Sameer Murtaza auf meinen Einwand gegen seinen Artikel mit einer Erwiderung reagiert. Eine Debatte zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene Seiten ihre Argumente vortragen und versuchen, die des Gegners zu widerlegen, um Leserinnen und Leser – eventuell auch den Gegner – von den eigenen Thesen zu überzeugen. Aber anstatt in diesem Sinne auf die vorgetragenen Argumente einzugehen, verlegt sich Murtaza leider darauf, mir Aussagen zu unterstellen und andere sinnentstellend aus dem Zusammenhang zu reißen, nur um diese dann widerlegen zu können. Ganz nebenbei nimmt er seine bereits kritisierte Apologetik von Neuem auf. Debatte geht anders.

Leere Behauptungen sind keine konstruktive Kritik

Schon im ersten Satz unterstellt Murtaza, mein Artikel wolle eine Minderwertigkeit des Islam festschreiben, würde ich doch behaupten, die „seit mehr als 1000 Jahren andauernde Anwesenheit der Muslime in Europa habe überhaupt keine Rolle auf dessen Entwicklung gehabt“. Ewas weiter unten schreibt er, ich würde den Einfluss muslimischer Religionsgelehrter und Philosophen unterschlagen und den Muslimen lediglich den Transfer griechischer Schriften und griechischen Wissens zugestehen. Dass er diese Behauptungen nicht durch entsprechende Zitate untermauern kann, liegt daran, dass sich derlei Ausführungen in meinem Text nicht finden lassen. An keiner Stelle leugne ich die Leistungen arabischer und persischer Denker, Philosophen und Wissenschaftler, und an keiner Stelle schreibe ich, diese hätten nur Wissen transferiert. Im Gegenteil.

Die Rolle ibn Rushds als maßgeblicher Kommentator der Werke Aristoteles’, seinen Einfluss auf die Scholastik und damit auf die Aufklärung hebe ich dezidiert hervor. Man könnte noch präzisieren, dass ibn Rushd von den Scholastikern meist in Anlehnung an die Bezeichnung der Philosoph für Aristoteles schlicht der Kommentator genannt, also mit größter Hochachtung bedacht wurde.

Murtaza weiß auch, dass die muslimischen Eroberungen von mir nicht erwähnt wurden, um von den Kreuzzügen abzulenken, sondern einzig, weil er die Kreuzzüge zum ersten „weniger friedlichen Wissenstransfer“ zwischen Christen und Muslimen erklärt – womit er die Jahrhunderte islamischer Eroberungen, die ihnen vorausgingen, einfach unterschlägt.

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Wie digitale Transparenz die Welt verändert

Hauptplatine eines Rechners.

Hauptplatine eines Rechners.

So paradox es klingt: Die Entwicklung des Lebens im urzeitlichen Ozean kann uns einiges über die Zukunft unserer Gesellschaft lehren. Da im Zeitalter der digitalen Vernetzung kein Geheimnis mehr sicher ist, stehen wir an der Schwelle einer Epoche, die das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatleben ganz neu definieren muss.


Von Daniel C. Dennett und Deb Roy|Spektrum.de

Vor rund 543 Millionen Jahren ereignete sich die so genannte kambrische Explosion: eine spektakuläre Häufung biologischer Innovationen. Binnen weniger Millionen Jahre – nach geologischen Maßstäben fast augenblicklich – entwickelten Lebewesen völlig neue Körperformen, neue Organe, neue Strategien für Angriff und Verteidigung. Die Evolutionsbiologen streiten noch über die Ursache dieser erstaunlichen Welle von Neuerungen. Aber eine besonders überzeugende Hypothese des Zoologen Andrew Parker von der University of Oxford besagt, dass Licht der Auslöser war. Parker zufolge wurden damals die seichten Ozeane und die Atmosphäre durch plötzliche chemische Veränderungen viel lichtdurchlässiger. Zu jener Zeit gab es nur in den Meeren tierisches Leben, und sobald Sonnenlicht das Wasser durchdrang, wurde Sehkraft zum entscheidenden Evolutionsvorteil. Zugleich mit der rapiden Entwicklung von Augen entstanden auch entsprechend angepasste Verhaltensformen und weitere körperliche Besonderheiten.

Während zuvor alle Wahrnehmungen nur die nächste Nähe erfassten – durch direkten Kontakt oder durch Gespür für chemische Konzentrationsänderungen oder Druckwellen –, konnten Tiere nun auch entfernte Objekte identifizieren und verfolgen. Raubtiere schwammen gezielt auf ihre Beute zu; diese konnte sehen, dass sich Feinde näherten, und die Flucht ergreifen. Fortbewegung verläuft langsam und unsicher, solange sie nicht von Augen geleitet wird, und Augen sind nutzlos, wenn man sich nicht bewegen kann. Darum entwickelten sich Wahrnehmung und Bewegung parallel. Diese Koevolution war ein Hauptgrund für die Entstehung der heutigen Artenvielfalt.

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Biowissenschaftler kritisiert Vorherrschaft der Gender-Studien

Hans Peter Klein, Professor für Didaktik der Biowissenschaften, kritisiert die Vorherrschaft der sogenannten „Gender Studien“. Foto: PR

Scharfe Kritik an einer zunehmenden Vorherrschaft der sogenannten „Gender Studien“ in Schule und Wissenschaft übt der Professor für Didaktik der Biowissenschaften Hans Peter Klein (Frankfurt am Main). Wie er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt, haben die Propagandisten des „Gender Mainstreaming“ Fachbereiche an Universitäten und Schulfächer fest im Griff. Wer dagegen aufbegehre, werde als „reaktionär“ abgestempelt; dabei hielten die gender-orientierten Lehrpläne wissenschaftlichen Ansprüchen nicht stand.


idea.de

Die feministisch geprägten Gender Studien lehren, dass die Geschlechterverhältnisse weder naturgegeben, noch unveränderlich, sondern sozial und kulturgeprägt seien. Klein verweist unter anderem auf die Diskussion um den baden-württembergischen Bildungsplanentwurf, der vorsieht, in allen Schulen und Fächern „gendersensibel“ zu unterrichten. Bereits Achtklässler sollten sich Klarheit darüber verschaffen, ob sie wirklich heterosexuell sein wollen. Laut Klein steht die Gender-Lehre aber „im eklatanten Widerspruch zu den Erkenntnissen der Biologie“.

Gender-Erziehungsprogramm ohne demokratische Legitimation

Inzwischen seien an den deutschen Universitäten fast 200 Professuren für Gender-Studien eingerichtet worden. Durch öffentliche Proteste seien ihre Repräsentanten nicht von ihrem Weg abzubringen. Klein: „Sie wollen, dass alle Menschen so denken wie sie, weil sie sich im Besitz der Wahrheit wähnen, die alle anderen missachten oder nicht zur Kenntnis nehmen wollen.“ Dieses Erziehungsprogramm habe keine demokratische Legitimation: „Es ist erstaunlich wie Minoritäten – offenbar mit politischer Unterstützung – der Mehrheit ihre Vorstellungen mit fast religiösem Eifer diktieren können.“ Sie schafften ein Klima, in dem Andersdenkende durch Verdächtigungen und Anschuldigungen eingeschüchtert und verängstigt würden. Klein: „Wer dagegen aufbegehrt, muss mit der Diffamierung und Diskreditierung der eigenen Person oder der Zensur kritischer Beiträge rechnen.“

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Religiotie: “Christlicher Bildungsnotstand” – Staat soll christliche Bildung vermitteln

Michelangelos “Jüngstes Gericht”. Der Christensoftporno ist auch ohne weitere Kenntnisse zu verstehen. Foto: Michelangelo | gemeinfrei

In Europa gerät eine der wichtigsten kulturellen Quellen in Vergessenheit: das Christentum. Das hat der ehemalige Leiter von Radio Vatican, Eberhard von Gemmingen, erklärt. Wo die Kirchen scheitern, könnte der Staat christliche Bildung vermitteln, schlägt er vor.


pro Medienmagazin

Die Zehn Gebote, die Bergpredigt sowie die Berichte des Alten und Neuen Testamentes sind als „wesentliche Quellen“ der europäischen Kultur in Vergessenheit geraten. Das stellt der Jesuit Eberhard von Gemmingen in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit fest. Dabei habe „der gekreuzigte Mann aus Nazareth durch sein Leben und seine Lehre eine neue Generation von Menschen und eine neue Art des Denkens hervorgebracht“, schreibt er.

Seiner Auffassung nach ist Jesus von Nazareth die „kulturell wichtigste Persönlichkeit der europäischen Geschichte“. „Wir haben einen christlichen Bildungsnotstand“, erklärt er. Europa sei kulturell „keineswegs religionsneutral“, zu seinen Quellen gehörten das Alte und das Neue Testament. Ohne Kenntnisse über das Christentum seien Kulturwerke von Bach, Michelangelo, Dürer und Thomas Mann nicht zu verstehen. Deshalb fordert er vom Staat, „Grundinformationen über das Christentum als Kulturgut zu vermitteln“. Den Kirchen gelinge dies nicht mehr.

13 Teraelektronenvolt: LHC – Teilchenbeschleuniger schafft Weltrekord

Bild aus der Bauzeit des LHC. ©CERN

Bild aus der Bauzeit des LHC.
©CERN

13 Teraelektronenvolt – noch nie sind bei einem Experiment Teilchen mit solcher Wucht aufeinandergeprallt wie jetzt am Europäischen Kernforschungszentrum Cern.


SpON

Sechs Wochen nach dem Neustart prallen im größten Teilchenbeschleuniger der Welt Protonen mit bislang unerreichter Energie aufeinander. In der Nacht zum Donnerstag erreichte der Large Hadron Collider (LHC) in Genf den Rekordwert von 13 Teraelektronenvolt (TeV) – nahezu doppelt so viel wie bisher.

Allerdings handelte es sich zunächst um Testkollisionen und noch nicht um Experimente zur Suche nach unbekannten Elementarteilchen, wie das Europäische Kernforschungszentrum (Cern) am Donnerstag mitteilte.

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„Nachhaltigkeit macht den Kunden zum Feind“

Algen statt nachhaltigem Palmöl: Das fordert Nachhaltigkeitskritiker Braungart. picture alliance

Michael Braungart ist einer der schärfsten Kritiker von Nachhaltigkeit. Bevor der Umweltforscher auf der heutigen Veranstaltung „Nachhaltig und gut?“ mit Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke und anderen diskutiert, erklärt er im Interview, warum es falsch ist, Häuser zu versiegeln und warum wir Plätzchen aus Algen machen sollten


Interview mit Michael Braungart|Cicero

Herr Braungart, wenn man Ihre Thesen liest, wird sich der Vorstandsvorsitzende von RWE, Peter Terium, auf einiges gefasst machen müssen, oder?
Prof. Michael Braungart: Das kommt drauf an. Ich kenne Herrn Terium ja schon lange. Er arbeitet innovativ und hat einen sehr partnerschaftlichen Führungsstil. Leute mit anderer Meinung verschüchtert er nicht, sondern bezieht sie mit ein. Insofern sehe ich der Diskussion sehr positiv entgegen.

Okay, aber oben auf Ihrer Website steht als erster Satz „We do not want sustainability“. Wenn wir uns den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht von RWE angucken, ist dort von nachhaltiger Energieversorgung als Ziel der Energiewende die Rede. Da prallen doch zwei Welten aufeinander.
Ja, aber die Unternehmen haben die Nachhaltigkeit ja nicht erfunden. Sie sind damit inzwischen in eine Falle geraten. Die Nachhaltigkeit macht auf einmal den Kunden zum Feind. Da schwingt der Gedanke mit: ,Wenn Du es gar nicht kaufst, ist es noch besser. Brauchst Du es wirklich?’ Dadurch verhindern Diskussionen um Nachhaltigkeit Innovation. Die Innovation kann nicht nachhaltig sein, sonst wäre sie keine.

Außerdem ist Nachhaltigkeit langweilig. Wenn ich Sie fragen würde: Wie geht’s Ihnen so mit Ihrem Lebensgefährten und Sie sagen: ,Nachhaltig.’ Dann sage ich: ,Na, herzliches Beileid.’ Auf Englisch ist der Ausdruck noch besser: ,sustainable’ – man kann es also aushalten. Das ist nichts Positives.

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Älteste Steinwerkzeuge der Menschheit entdeckt

Eines der 3,3 Millionee Jahre alten Steinwerkzeuge – auf den ersten Blick ein ganz normaler Stein. © MPK-WTAP

Überraschender Fund: Am Turkanasee in Kenia haben Forscher die bisher ältesten menschengemachten Steinwerkzeuge entdeckt: Sie sind rund 3,3 Millionen Jahre alt – und entstanden damit schon vor Auftreten des Homo habilis, der bisher als der erste Werkzeugmacher galt. Wer allerdings diese primitiven Faustkeile schuf, ist bisher ein Rätsel, wie Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


scinexx

Bisher galt der Homo habilis, der “geschickte Mensch”, als der erste Werkzeugmacher unter unseren Vorfahren. Denn die bisher ältesten Steinklingen und Faustkeile stammen aus der Zeit vor rund 2,3 bis 2,6 Millionen Jahren und wurden zusammen mit Homo habilis Fossilien in der Olduvai-Schlucht in Tansania gefunden. Frühere Vormenschen, so glaubte man, hätten noch nicht die erforderliche mentale Kapazität und Auge-Hand-Koordination besessen, um gezielt verschiedenen Werkzeuge herzustellen.

Zufallsfund beim Umweg

“Man ging davon aus, dass nur unsere direkten Vorfahren den kognitiven Sprung machten und lernten, Steine so gegeneinander zu schlagen, dass scharfe Klingen entstanden”, erklären Sonia Harmand von der Stony Brook University in New York und ihre Kollegen. “Dies galt als das Fundament für unseren evolutionären Erfolg.” Andererseits aber erforderten die Olduwan-Werkzeuge bereits ziemlich viel Übung und Geschick – ein Indiz dafür, dass sie vielleicht doch nicht die ersten Versuche unserer Vorfahren mit dieser Technologie darstellen.

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