Islamismus-Experte Ahmad Mansour spricht in Herborn „Klartext zur Integration“

Islamismus-Experte Ahmad Mansour spricht „Klartext zur Integration“. Foto: Klaus-Dieter Schwedt

Wenn der bekannte Experte für Islamismus Ahmad Mansour bei TV- Talkshows oder Seminaren auftritt, ist immer Polizei anwesend. Auch in Herborn, bei der Eröffnung der Interkulturellen Woche.

Klaus-Dieter Schwedt | mittelhessen

Zur Eröffnung der Interkulturellen Woche hat Diplom-Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mandour am Freitagabend im voll besetzten Herborner Vitos-Festsaal „Klartext zur Integration“ gesprochen.
Wenn der bekannte Experte für Islamismus und Antisemitismus bei TV- Talkshows oder Seminaren auftritt, ist immer Sicherheit geboten. So auch in Herborn, wo Polizeibeamte Taschen kontrollierten und staatliche Personenschützer links und rechts der Bühne mit aufmerksamen Blicken den Festsaal im Auge hatten.
Der 1976 als Sohn arabischer Israelis geborene Ahmad Mandour kennt sich aus bei seinen Arbeitsschwerpunkten Salafismus, Antisemitismus sowie psychosoziale Fragen und Probleme bei Migranten muslimischer Herkunft. Während seiner Schulzeit wäre er durch Kontakt mit einem fundamentalistischen Imam beinahe selbst ein Islamist geworden. Sein Psychologiestudium half ihm, sich vom Islamismus zu lösen. 2004 ging er nach Deutschland und setzte sein Studium in Berlin fort.

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Im Reich der Pflanzen

Alexander als Pflanze. Der Berliner Bildhauer Gerald Matzner (1943–2018) hat den Botaniker Humboldt auf originelle Weise verewigt.Foto: Rena Matzner

Durchaus kein „trocknes Studium“: Wie Alexander von Humboldt die Botanik in Bewegung brachte. Eine Neuerscheinung.

Dorothee Nolte | DER TAGESSPIEGEL

Festgewurzelt sind sie, die Pflanzen, an ihren Ort gefesselt, schön anzusehen, aber doch ein wenig langweilig. Wer mag sich schon im Detail mit ihnen befassen, mit ihren Variationen und ihren langen lateinischen Namen?

Er entwarf die Vision einer „Pflanzengeographie“

Alexander von Humboldt selbst hat die Botanik einmal als „trocknes, hyperlangweiliges Studium“ bezeichnet. Damit meinte er aber nur jene Pflanzenwissenschaft, die stubenhockerisch auf Feldforschung verzichtet. Grundsätzlich stand für ihn fest: „Die Botanik ist die Wissenschaft, von der sich die menschliche Gesellschaft am meisten zu versprechen hat“, der Pflanzenbau sei „die edelste und wichtigste Beschäftigung des Menschen“. Bereits in jungen Jahren entwarf der preußische Adlige die Vision einer neuen Disziplin, der „Pflanzengeographie“. Damit ging er weit über die Tradition des Klassifizierens hinaus, die der schwedische Botaniker Carl von Linné begründet hatte. Auf seiner Amerikareise schickte er kistenweise Herbarbelege nach Europa – und betrachtete sie im Zusammenhang mit der menschlichen Kultur. „In das Gebiet dieser Wissenschaft“, so Humboldt, „gehören Betrachtungen über lange Seefahrten und Kriege, durch welche ferne Nationen vegetabilische Produkte sich zu verschaffen oder zu verbreiten suchen. So greifen die Pflanzen gleichsam in die moralische und politische Geschichte des Menschen ein.“

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Der Mist mit den Rassen

Der Kampf gegen Rassismus wütet auch in der Modemetropole Mailand. Bild: dpa

Streicht den Begriff „Rasse“, fordern Biologen, denn Rassismus hat wissenschaftlich null Substanz. Wenn das so einfach wäre. Über Säuberungsversuche im Reich der Mythen.

Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist fast schon ein Naturgesetz: Wann immer der Mensch sich aufmacht, seinen Platz in der Natur zu finden, geht etwas schief. Manchmal ist es nur komisch, meistens aber wirklich zum Mäusemelken. Unser Blick vom Ufer auf den schottischen Süßwassersee Loch Ness etwa ist heute leider nicht mehr ungetrübt. Seit anderthalbtausend Jahren verbindet der Mensch am See die Aussicht aufs Wasser mit der dringenden Erwartung eines schlangenähnlichen Riesenmonsters, das schon Menschen angegriffen haben und sogar fotografiert worden sein soll.

Die Frage für jeden war: Sind die sagenumwobenen Plesiosaurier immer noch unter uns? Die Menschen mochten dran glauben, die Biologen nicht. Und deshalb haben diese jetzt so viel DNA aus ihren Wasser- und Sedimentproben analysiert, dass sie meinen, sicher sagen zu können: Es ist ein Aal. Ein großer Aal zwar, vielleicht ein paar Meter lang und oberschenkeldick, aber eben ein Aal und kein Dinosaurier. Dass die Entmythologisierung des Loch-Ness-Ungeheuers damit gelingt, ist schwer vorstellbar. Die irrige Vorstellung, der Mensch stehe als Krönung an der Spitze der Schöpfung oder, noch billiger, der Mensch stamme vom Affen ab und Schokolade mache schlank, hält sich ja auch weiterhin, obwohl Heere von Naturgelehrten von Charles Darwin bis zu Hightech-Forschern wie Craig Venter all das längst widerlegt haben.

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Wissenschaft im Gegenwind

Grafik: TP

Über Wissenschaft, rechte Elitenkritik und die Vertrauenskrise Teil 1

Matthias Becker | TELEPOLIS

Der mächtigste Staat der Welt wird bekanntlich von einem Mann regiert, der den Klimawandel für einen Schwindel hält. 13 Prozent der Deutschen sehen das ähnlich, auch wenn sie die Schuld nicht den Chinesen, sondern einer ominösen „Klimalobby“ geben, die sich den Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Erdatmosphäre und dem Verbrennen fossiler Energieträger angeblich ausgedacht hat.

Der Anteil der Klimaleugner (dieser Ausdruck hat sich eingebürgert, auch wenn sie natürlich nicht das Klima, sondern die anthropogene Ursachen der Erwärmung leugnen) ist im vergangenen Jahrzehnt sogar leicht gestiegen. Trotz eines überwältigenden wissenschaftlichen Konsens, obwohl wir mittlerweile die Klimakrise im Alltag zu spüren bekommen.

Ignoranz und Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es nicht nur beim Thema Klima. In Meinungsumfragen äußert einer von fünf Deutschen Zweifel an der Evolutionstheorie. In den USA sorgte vergangenes Jahr eine Umfrage für Schlagzeilen, in der nur 84 Prozent eindeutig überzeugt waren, dass die Erde tatsächlich rund ist. Je jünger die Befragten, umso größer war die Unsicherheit: 16 Prozent in der Altersgruppe 18 und 24 antworteten mit „nicht sicher“, weitere 9 Prozent sagten, sie hätten in letzter Zeit zu zweifeln begonnen (wobei diese Zahlen vorsichtig interpretiert werden müssen). Große Teile der Bevölkerung setzen auf medizinische Behandlungen wie die Homöopathie, die keine wissenschaftliche Grundlage hat. Dafür werden wirksame und sichere Therapien wie Impfungen skeptisch betrachtet.

Bei repräsentativen Umfragen wie dem jährlich erhobenen „Wissenschaftsbarometer“ erklärt zwar nur eine Minderheit von sieben Prozent ausdrücklich, dass sie der Wissenschaft misstraut, aber ein gutes Drittel zeigt sich unentschieden. Auf einzelne Forschungsgebiete wie Genetik oder medizinische Forschung angesprochen, wächst die Ablehnung. Welche Ursachen hat sie – und was können die Wissenschaft und ihre Freunde dagegen tun?

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Die frappierende Aktualität Adornos selten zitierter Texte

Tiefer, weiter Blick – und die Analyse einer Gegenwart, die noch 50 Jahre entfernt war: Theodor Wiesengrund Adorno, Philosoph und…Foto: akg-images

Alltagskonflikte, Rechtsextremismus, Verrohung. Und die Flucht ins Nationale: Warum gerade jetzt die Lektüre des Frankfurter Soziologen lohnt.

Juljan Krause | DER TAGESSPIEGEL

Als Adorno im Herbst 1949 erstmals seit seiner Flucht aus Nazi-Deutschland wieder Frankfurter Boden unter den Füßen hatte, notierte er in seinem Tagebuch: „Eigentlich gibt es Frankfurt nicht mehr, aber das Leben wirkt normal.“ Die emsig-betriebsame Rückkehr zum Alltag steht in krassem Widerspruch zur Ruinenkulisse der Stadt. Der Aufschwung der 1950er und 1960er Jahre, der die Menschen von den Extremen fort in die sogenannte soziale Marktwirtschaft hinein zu integrieren suchte, führte dann auch zu einer zumindest ökonomischen Befriedung der Gesellschaft. Für Adorno aber vermochten die gefüllten Supermarktregale und der Mittelklassewagen vorm Reihenhäuschen das ungeheuerliche Gewaltpotential bestenfalls zu überspannen, welches unter der Oberfläche der Alltagsökonomie nach wie vor gärt.

Die Spielarten des Lachens als Spiegel der Gesellschaft

Der falsche Friede des Alltäglichen, die augenscheinliche Normalität, aus der die Gewalt aber doch immer wieder hervorbricht, sind Kernthemen in der Gesellschaftsanalyse Adornos und machen insbesondere seine weniger beachteten Texte, 50 Jahre nach seinem Tod und 116 Jahre nach seinem Geburtstag am 11. September 1903, aktueller denn je. Das Gesellschaftliche wird für Adorno gerade dort interessant, wo die Ausfallserscheinungen der spätkapitalistischen Ordnung Einblick gewähren in die Maschinerie, die Menschen als gesellschaftskompatibel zurechtstanzt.

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„Waldorf hat den Charakter einer Sekte“

Foto: dpa. Schon die Architektur der Waldorfschule ist besonders, wie ein Blick in die Freie Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart zeigt. Williams hat eine andere Waldorfschule besucht, der Baustil war aber ähnlich.

Nicholas Williams hat an drei Waldorfschulen unterrichtet – ehe er sich entsetzt abwandte.

Protokoll von Bernd Kramer | Süddeutsche Zeitung

Die Waldorfschulen begehen ihren 100. Geburtstag, und kritische Töne an der vom Hellseher und Okkultisten Rudolf Steiner im Schnellverfahren ersonnenen Pädagogik sind in diesen Tagen eher selten zu vernehmen. Beim Festakt in Stuttgart am Samstag hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Waldorfschulen gar als „eine der erstaunlichsten und erfolgreichsten deutschen Bildungsideen des letzten Jahrhunderts“ bezeichnet. Die „Tagesthemen“ der ARD lobten sie vor einigen Tagen und sahen offenbar keinen Interessenkonflikt darin, dass die Autorin des Films selbst äußerst eng mit der Waldorfszene verbandelt ist.

Nicholas Williams, Jahrgang 1981, kennt die Binnensicht gut. Er war Waldorflehrer in Baden-Württemberg – und hat der Schule inzwischen den Rücken gekehrt. Ein Protokoll.

„Ich habe Waldorf aus verschiedenen Perspektiven kennen gelernt. Meine Mutter war Lehrerin an einer Waldorfschule; ich habe dort mein Abitur gemacht und später selbst an drei Waldorfschulen unterrichtet. Was ich da zuletzt erlebt habe, hat mich verstört: Es geht in den Waldorfschulen viel esoterischer zu, als ich mir das früher je gedacht hätte. Waldorf hat den Charakter einer Sekte, und mittlerweile bin ich überzeugt: Waldorf richtet Tag für Tag Schaden an. An fast jeder Schule findet sich ein harter Kern an Leuten, die Rudolf Steiner wie einen Religionsgründer behandeln.

Ich will nicht sagen, dass alles Blödsinn wäre, was die Waldorfschulen machen. Theaterprojekte, Kunst und Gartenbau sind gut, aber das wäre genauso an staatlichen Schulen möglich, ohne den ganzen ideologischen Ballast. Vor allem unterrichten selbstverständlich auch an den Waldorfschulen Menschen, die davon beseelt sind, jungen Leuten etwas beizubringen, die unglaublich gebildet und belesen sind und als Lehrer begnadet. Ich habe viel von diesen Menschen gelernt und von ihnen profitiert. Aber die tolle Arbeit leisten sie nicht wegen, sondern trotz der Anthroposophie.

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Jeder achte Erwachsene in Nordrhein-Westfalen ist Analphabet

Ein Mann schreibt in einer Volkshochschule bei einem Analphabeten-Grundkurs an der Tafel. Jeder achte Erwachsene in Nordrhein-Westfalen kann nicht richtig Deutsch lesen und schreiben. Foto: picture alliance / dpa

Etwa jeder achte Erwachsene in Nordrhein-Westfalen kann nach Schätzungen nicht richtig Deutsch lesen und schreiben. Insgesamt werde die Zahl der sogenannten funktionalen Analphabeten im bevölkerungsreichsten Bundesland auf 1,36 Millionen Menschen geschätzt, sagte Tim Henning vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. der Deutschen Presse-Agentur.

Kölner Stadt-Anzeiger

Der Bundesverband warf der Landesregierung vor, zu wenig für diese Menschen zu tun. Die hohe Zahl von funktionalen Analphabeten in NRW sei ein „unhaltbarer Zustand“. Die Betroffenen können zwar ihren Namen und einzelne Sätze schreiben, aber keine längeren zusammenhängenden Texte verstehen. Damit werden alltägliche Dinge wie Bedienungsanleitungen, Automaten oder Fahrpläne zu Herausforderungen.

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Warum sollten sich nicht auch Kinder für Naturwissenschaften begeistern können?

Charles Darwin erkundet mit der HMS «Beagle» die Welt mit ihren Lebewesen und entwickelt die Evolutionstheorie. (Bild: Jérémie Royer / Knesebeck-Verlag)

In Geschichten und Bildern wird greifbar, was die Welt im Innersten zusammenhält. Darin besteht die hohe Kunst von Kinderbüchern über Physik oder Biologie.

Manuela Kalbermatten | Neue Zürcher Zeitung

Was für eine Idee: «Quantenphysik für Babys» im Papp-Format! Bücher zur Frühförderung florieren. Sie sind Ausdruck des breit abgestützten Willens, schon bei den Jüngsten die Freude am Denken zu wecken. Sie sind aber auch Produkte eines Markts, der blitzschnell auf Trends reagiert, von denen erwartet wird, dass sie sich Erziehern gut verkaufen lassen. Welches Kind wünscht sich schon ein «Yoga-Bilderbuch» oder eine Anleitung zur «Achtsamkeit»?

Und nun sollen die Kleinen also lernen, was Protonen und Elektronen sind. Erschienen ist das Buch in der Reihe «Baby-Universität». Unter dem Motto «Es ist niemals zu früh, ein Quantenphysiker / Raketenwissenschafter / Evolutionsbiologe zu werden» erklärt der Physiker Chris Ferrie darin die Naturgesetze.

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Religionsfreiheit oder Neutralität? Gutachten bestärkt Kopftuchverbot

Themenbild

Berlins rot-rot-grüne Koalition ist uneins über das Kopftuchverbot für Lehrerinnen. Ein Gutachten zum geltenden Neutralitätsgesetz bestätigt nun die Position der Bildungssenatorin: Religiöse Symbole sollen für bestimmte Berufsgruppen tabu bleiben.

Sabine Menkens | WELT

Dürfen Lehrerinnen Kopftuch tragen? In Berlin wurde diese Frage lange Jahre sehr eindeutig beantwortet. Das Neutralitätsgesetz, 2005 erlassen, regelte die Frage religiöser Symbole für Angehörige aller Religionen gleich: In Schulzimmern, Polizeidienststellen und Gerichten sind Kopftuch, Kippa und Kruzifixe für Lehrer, Polizisten und Juristen tabu. Die Senatsverwaltung für Bildung sieht darin den einzigen Weg, in einer multiethnischen Stadt wie Berlin einen neutralen Raum zu schaffen, in dem Kinder jeder Herkunft frei von religiöser Beeinflussung gemeinsam lernen können.

Mit dem Neutralitätsgesetz war der Senat den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2003 gefolgt, den Umgang mit religiösen Kleidungsstücken und Symbolen eindeutig gesetzlich zu regeln. Doch seit dem zweiten „Kopftuch-Urteil“ des Bundesverfassungsgerichts von 2015, das pauschale Kopftuchverbote für nicht verfassungskonform erklärt hatte, gibt es in Berlin verstärkt Arbeitsgerichtsklagen von muslimischen Lehrerinnen, die sich diskriminiert und in ihrer Religionsfreiheit beeinträchtigt fühlen.

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Sind Harry-Potter-Bücher eine Gefahr für die Kirche? „Es ist nur die pure Angst einiger Leute“

Eine katholische Schule in den USA hat alle Harry-Potter-Bände aus der hauseigenen Bibliothek verbannt. Sogar Exorzisten waren bei der Entscheidung beteiligt. Ist der Junge mit der Brille und der Zackennarbe ernsthaft eine Gefahr für die Kirche?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Sie beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit Harry Potter. Ist der junge Mann tatsächlich ein Bote Satans, wie manche behaupten?

Matthias Frohmann-Stadtlander (Theologe, Lehrer und Dozent am Institut für Erziehungswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum): Ich glaube eher, das behaupten diejenigen, die das Buch nicht gelesen haben. Wenn man genau hinschaut, gibt Joanne K. Rowling in allen sieben Bänden eigentlich die Grundwerte jüdisch-christlicher Motive wieder.

Es gibt sogar spannenderweise eine Untersuchung aus dem Journal für angewandte Sozialpsychologie, dass Leser und Leserinnen der Harry-Potter-Bände deutlich empathischer sind und deutlich weniger Vorurteile haben. Also kann ich diese Aussage vollständig entschärfen.

DOMRADIO.DE: Der Pfarrer an dieser Schule in den USA behauptet, die Zaubersprüche bei Harry Potter seien echt. Haben Sie als Harry Potter-Kenner schon einmal probiert, etwas nachzuzaubern? Funktioniert das?

Frohmann-Stadtlander: (lacht) Ich habe es noch nicht probiert. Aber ich hege auch berechtigten Zweifel.

Schon in der Bibel wird ja – wenn es um Zauberei geht – immer die Frage gestellt, in wessen Vollmacht gezaubert wird. Denn auch Jesus und Moses zaubern ja sozusagen. Das ist bei Harry Potter auch sehr genau geregelt. Böser Zauber ist verboten und guter Zauber muss immer den Menschen dienen. Dadurch kann man sagen, ist das im biblischen Sinne auch eine Tradition ist, die da fortgesetzt wird.

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Wozu ein Informationsdienst zur Polizeientwicklung im Jahr 2019?

Cover des letzten Cilip-Hefts

Das Magazin Cilip zeigt, wie man Repression und Staatsgewalt ohne Phrasendrescherei und Moralisieren kritisieren kann, was heute nötiger denn je ist

Peter Nowak | TELEPOLIS

Im Vorfeld des 30ten Jahrestag des Mauerfalls heißt es immer, dass damals die Freiheit über die Diktatur gesiegt hat. Kaum erwähnt wird, dass es in der BRD eine lange Geschichte von Grundrechtseinschränkungen, aber auch einen langen Kampf dagegen gab. Das Magazin Cilip mit dem Untertitel „Bürgerrechte und Polizei“ ist ein Archiv von vier Jahrzehnten Kampf gegen Gesetzeseinschränkungen und gegen Polizeigewalt. Das aktuelle Heft 118/119 vom Juni 2019 ist gleichzeitig auch eine Ausgabe zum 40ten Jubiläum.

Im März 1978 war die Nullnummer von Cilip erschienen. Die Texte wurden damals noch mit der Schreibmaschine abgetippt. Wenn sich heute auch das Erscheinungsbild stark verändert hat, so haben die im Laufe der Jahrzehnte wechselnden Autoren doch an den Inhalten festgehalten. „Wozu ein Informationsdienst zur Polizeientwicklung?“ lautete die Überschrift eines Artikels in der ersten Ausgabe. Dort finden man eine sehr präzise Analyse über die Veränderung bei der Polizeiarbeit, die 40 Jahre später nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Viele Zeichen deuten aber darauf hin, dass die liberal-rechtsstaatlichen Demokratien durch ihre eigenen Verfahrensweisen, durch die Tendenzen der Konzentration und Zentralisation insbesondere, einschließlich der damit einhergehenden Bürokratisierung gefährdet werden. Viele Zeichen deuten auch darauf hin, dass der Gewaltapparat im Inneren, sprich: die Polizei- und Informationsdienst mehr als je zuvor zu zentralen Steuerungsagenturen einer exekutiv definierten Stabilität werden. Besteht auch nur die Möglichkeit, dass diese Beobachtungen nicht ganz falsch sind, dann erscheint es dringend erforderlich, die öffentlich zugangliche Information über Polizei- und Polizei-Entwicklung zu vergrößern und zu verbreitern, um damit die Debatte über den Stellenwert und die Wirkungsweise der Polizei wach zu halten.

Aus der Nullnummer von Cilip aus dem Jahr 1978

Vorbeugende Verbrechensbekämpfung wurde neues Leitziel

Die Zeitschrift wurde in einer Zeit gegründet, als die vorbeugende Verbrechensbekämpfung zum neuen Leitziel der Polizei geworden war. Wie der Politologe Norbert Pütter in seinem einführenden Artikel darlegt, ist damit der Ausbau von verdeckten Polizeimethoden und der länderübergreifende Austausch von Daten von Millionen Menschen verbunden, die irgendwann in Polizeidateien gelandet sind. Die Cilip-Gründer hätten sich 1978 nicht ausmalen können, wie rasant sich durch die technologische Entwicklung begünstigt, der Aufbau dieser Dateien entwickeln würde.

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Experte: Immer noch hohe Zahl von Analphabeten in Deutschland

Zum Weltalphabetisierungstag (8. September) machen Selbsthilfegruppen, Bildungseinrichtungen und Fachleute mit bundesweit 80 Aktionen auf die immer noch hohe Zahl an Analphabeten aufmerksam.

evangelisch.de

Nach jüngeren Studien könnten rund 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland trotz Schulbesuch nicht richtig lesen und schreiben, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung, Ralf Häder, in Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Erfreulich sei aber, dass das Thema in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren breiteren Raum einnehme, sagte der Experte.

Weil Analphabetismus kein Tabu-Thema mehr sei, wagten sich auch viel mehr Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten „aus der Deckung“, betonte Häder. So suchten deutlich mehr Betroffene Rat am „Alfa-Telefon“ des Bundesverbandes. Aber auch Menschen, die im Beruf mit Analphabeten zu tun hätten, wie etwa Ärzte in Krankenhäusern, holten sich dort Informationen.

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Waldorfschulen sind in ihrem Kern autoritär

Rudolf Steiner wird von seinen Anhängern verehrt, der Religionshistoriker Helmut Zander sieht ihn vor allem kritisch: „Seine Autorität gründete in dem Anspruch, universales Wissen aus einer übersinnlichen Welt auf die Erde herabzuholen.“ (Buchcover: Schöningh Verlag / Hintergrundbild: dpa/akg)

Vor einhundert Jahren gründete Rudolf Steiner die Waldorf-Schule. Unterrichtet wird bis heute nach den Grundlagen der Anthroposophie. Aber was bedeutet Anthroposophie überhaupt? Der Religionshistoriker Helmut Zander hat dazu ein neues Buch vorgelegt.

Von Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Die anthroposophischen Praxisfelder sind vielfältig und heute zum Teil erfolgreicher denn je: Dazu gehören Karotten von bio-dynamischen Demeter-Höfen ebenso wie Salben der Firma Weleda. Außerdem natürlich Waldorf-Schulen, an denen es seit ihrer Gründung vor einhundert Jahren keine Zensuren gibt und Kinder im Fach Eurythmie lernen, ihren Namen zu tanzen. Es gibt anthroposophische Drogeriemärkte und Seifen-Hersteller, anthroposophisch arbeitende Ärzte und Krankenhäuser und sogar Banken, die nach anthroposophischen Kriterien wirtschaften.

Hinter all dem steht eine Weltanschauung, erklärt der Religionswissenschaftler Helmut Zander: „Die geht bei Anthroposophen zurück auf Rudolf Steiner, und seine zentrale Idee war, dass das Geistige und das Materielle eigentlich zwei Seiten einer Medaille sind.“

Rudolf Steiner habe eine geistige Weltsicht konzipiert, erklärt Zander, „und geistig heißt bei ihm, Einsicht in übersinnliche, höhere, geistige Welten. Das ist das Zentrum der Anthroposophie.“

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Schulen in der Türkei: Religion auf Kosten der Bildung?

Das türkische Schulwesen steckt in einer Krise: Schüler rutschen mit ihren Leistungen ab. Kritiker machen die Erdoğan-Regierung für den Trend verantwortlich. Sie gründeten zuletzt Hunderte religiöse Imam-Hatip-Schulen.

Burcu Karakaş, Daniel Derya Bellut | Qantara.de

In der türkischen Öffentlichkeit findet seit Wochen eine Debatte über die Mängel im Bildungswesen statt. Angestoßen wurde die Diskussion von einem Bericht, der vor wenigen Wochen vom Ministerium für Nationale Bildung herausgegeben wurde: Die ABIDE-Studie – in etwa vergleichbar mit der PISA-Studie in Deutschland – bewertet die Leistungsfähigkeit von türkischen Schülern. Das Ergebnis: Viele türkische Schüler haben verheerende Leistungsschwächen. Vor allem ihre Leistungen in Mathematik und Türkisch lassen zu wünschen übrig.

Viele Oppositionelle und Experten machen die sogenannten Imam-Hatip-Schulen für die Bildungsmisere verantwortlich. Das sind Schulen, deren Schwerpunkt auf religiösen Fächern liegen – der Koran und die Lehren des Propheten Mohammed haben im Unterricht große Priorität. Ursprünglich dienten solche Schulen zur Ausbildung von Imamen, doch die islamisch-konservative AKP-Regierung führte Schulreformen durch, um die Schulen gesellschaftsfähiger zu machen.

Hunderte von Neugründungen

Die Reformbemühungen führten dazu, dass in den letzten Jahren immer mehr solcher religiöser Schulen wie Pilze aus dem Boden schossen: Nach Angaben des Ministeriums für Nationale Bildung verdreifachte sich die Anzahl der Mittelschulen in den letzten fünf Jahren von 1.099 auf 3.286 Einrichtungen. Die Anzahl der Imam-Hatip-Gymnasien stieg ebenfalls stark: von 537 auf 1.605 – über 620.000 solcher Gymnasiasten gibt es mittlerweile in der Türkei. Um die vielen Neugründungen zu ermöglichen, wurden staatliche Schulen umgehend umfunktioniert – in häufigen Fällen ohne die Zustimmung von Eltern und Schülern.

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Kopftuchverbot an Grundschulen laut Rechtsgutachten möglich

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Kann ein mögliches Kopftuchverbot für Mädchen an Grundschulen in Deutschland rechtens sein? Laut Einschätzung des Tübinger Verfassungsrechtlers Martin Nettesheim durchaus. Er verweist in der Begründung auf Artikel 7 des Grundgesetzes.

DOMRADIO.DE

Ein solches Kopftuchverbot wäre sowohl vereinbar mit der im Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit als auch mit dem Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder.

Nettesheim begründete seine Einschätzung am Donnerstag in Berlin mit einem Verweis auf Artikel 7 des Grundgesetzes. Danach steht das Schulwesen unter Aufsicht des Staates.

Eine bestimmte intellektuelle Reife erreicht haben

Zudem müssten Kinder eine bestimmte intellektuelle Reife entwickelt haben, „bevor ihre Handlungen als Ausdruck der Religionsfreiheit angesehen werden können“, so Nettesheim weiter. Das Kopftuch sei ständig sichtbarer Ausweis der Religionszugehörigkeit und könne zur Ausgrenzung der Betroffenen führen.

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Experimentierfreund Goethe: Schau zu Naturwissenschaften

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

Geologen streiten erbittert um Steine und Darwins Evolutionstheorie steht vor der Tür: Zu Goethes Lebzeiten ging es rund in den Naturwissenschaften – und der Dichter war voller Forschungseifer und Humor mitten drin, wie eine neue Schau verdeutlicht.

ntv

Johann Wolfgang von Goethes Begeisterung für die Naturwissenschaften ist der Klassik Stiftung Weimar eine besondere Ausstellung wert – pünktlich zum 270. Geburtstag des vor allem als Dichterfürsten bekannten „Faust“-Autors. 400 Objekte aus Goethes (1749-1832) eigener naturwissenschaftlicher Sammlung von 23 000 Tier- und Pflanzenpräparaten, Mineralien, historischer Experimentiervorrichtungen und mehr zeigt die Stiftung in der Schau „Abenteuer der Vernunft. Goethe und die Naturwissenschaften um 1800“.

Erstmals ein solcher Überblick der Sammlung Goethes gezeigt. Auch Leihgaben sind zu sehen sowie Stücke, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Vom 27. August bis zum 5. Januar zeichnet die Ausstellung im Schiller-Museum Weimar die damalige Situation der Forschung nach, die sich etwa mit den Fragen nach dem Ursprung der Welt und des Lebens beschäftigte. „Goethe sah sich mittendrin und ließ es sich nicht nehmen, wirklich lebhaft mit zu diskutieren“, sagte eine der Kuratorinnen, Kirstin Knebel.

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Gotteserfahrungen als »Beweis«

Ich komme nun zu einem Punkt besonderer Art, und zwar zu den sogenannten Gotteserfahrungen. Ich will im Folgenden erläutern, warum sogenannte Gotteserfahrungen für manche Menschen eine ihr Leben umwälzende Erfahrung bedeuten können, für mich dennoch keinen Beweis für die Existenz Gottes darstellen.

Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Diese Gotteserfahrungen sind mir in Diskussionen mit gläubigen Menschen meist in zwei Formen begegnet. Erstens

Die Schöpfung als sichtbares Zeichen der Existenz Gottes

Viele gläubige Menschen meinen, in der Natur Gott zu erkennen. Zum Beispiel bei einer Bergwanderung oder beim Anblick eines Sonnenuntergangs am Meer. In diesem Zusammenhang wird dann auf die uns oft überwältigende Schönheit der Natur verwiesen und auf die wunderbare Ordnung, die in der Tier- und Pflanzenwelt zu beobachten sei.

Das Alles könne nur einem Schöpfer zu verdanken sein, der das geschaffen habe – so heißt es dann.

Wir wissen, dass die Naturwissenschaften, insbesondere in Form der Evolutionstheorie, dafür andere Erklärungen anbieten. Diese wissenschaftlichen Begründungen halte ich für weitaus überzeugender.

Wie der Artenreichtum im Pflanzen- und Tierreich sich entwickelte, kann die Evolutionstheorie inzwischen detailliert erläutern und belegen. Selbst die Entstehung von Leben überhaupt dürfte in naher Zukunft vollständig geklärt sein. Der Irrtum vieler Gottgläubiger besteht darin, dass sie das aufeinander abgestimmte Leben von Pflanzen und Tieren, diese beeindruckende, durch Regelkreise sich einstellende Ordnung, sich nur begreiflich machen können durch eine zielorientiert und planvoll vorgehende, übernatürliche Kraft, gemeinhin Gott genannt.

Ihr gewohntes und täglich angewandtes Denken in den Kategorien von Ziel und Plan beziehungsweise Absicht und Zweck projizieren Gläubige auch in die Natur hinein. Was existiert, das erscheint ihnen aufgrund seiner Ästhetik und Perfektion als gewollt und geplant, eine andere Erklärung widerspricht ihrer täglichen Erfahrung. Die Natur jedoch, genauer: die Evolution, kennt keine Ziele, sie folgt nur Ursachen und löst Wirkungen aus nach den Gesetzmäßigkeiten dieser materiellen Welt.

Tatsächlich ist das, was unter Zufallseinfluss zum Beispiel durch Mutationen entstand und heute existiert und bewundert wird, nur das ist, was unter den jeweils gegebenen Umständen »funktionierte«, folglich überlebte. Alles andere ist längst wieder untergegangen und allenfalls in Form von Fossilien erhalten. Eines Schöpfers und Lenkers dieses Prozesses bedarf die Natur nicht.

Wird somit die Gültigkeit der Evolutionstheorie aufgrund der erdrückenden Beweislast von den Wissenschaften und – wie schon früher erwähnt – selbst von der katholischen und evangelischen Kirche im Grundsatz nicht mehr bestritten, so wird die Frage ihrer Bedeutung in Bezug auf das Selbstverständnis des Menschen keinesfalls einhellig beantwortet. Für die Kirche bleibt der Mensch das gottgewollte Ziel der Evolution und der Endpunkt dieser Entwicklung, das Ebenbild Gottes, ausgestattet mit einer unsterblichen Seele.

Aber für metaphysische Begriffe wie Ebenbild Gottes oder unsterbliche Seele gibt es aus naturwissenschaftlicher Sicht keinerlei Ansatzpunkte. Und so sind für den Naturwissenschaftler solche Charakterisierungen zwar streng genommen nicht als falsch zu bezeichnende, weil nicht widerlegbare, aber überflüssige, weil zu Erklärung und Verständnis nicht beitragende Behauptungen.

Wenn ich von der Richtigkeit der Evolutionstheorie überzeugt bin, welchen Anlass sollte ich dann haben, einer etwa dreitausend Jahre alten biblischen Legende Glauben zu schenken, dass ich mein Dasein und meine Bedeutung in dieser Welt einem separaten Schöpfungsakt verdanke? Für mich gibt es nicht die geringsten Hinweise, dass der Mensch außerhalb der biologischen Gesetze stünde und er zu seiner Erklärung außernatürlicher, überirdischer Kräfte bedürfte.

Ein an die Mitwirkung Gottes Glaubender müsste nachweisen, dass ohne die Hypothese Gott die Entstehung der Artenvielfalt und des Menschen nicht möglich ist. Die christliche Botschaft vom planvollen Eingreifen Gottes bei der Entstehung der Welt und des Menschen hat für mich nur noch historische und literarische Bedeutung.

Ziel und Plan, Absicht und Zweck sind typisch menschliche Kategorien, nach denen wir die Welt als Ganzes beurteilen möchten. Das Existierende erscheint uns nur deshalb als »gewollt«, weil wir gewohnt sind, Zweckmäßiges und Angepasstes in den Kategorien von Ziel und Plan zu interpretieren. Es ist aber vielmehr so: Das Vorhandene existiert nur, weil es durch Mutation und Auslese an seine Umwelt zweckmäßig angepasst ist. Alles andere ist längst untergegangen.

Eine weitere Form der Gotteserfahrung ist zweitens

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Evolutionstheorie: Nur selten Thema in der Lehrerausbildung

Im Sachunterricht der Grundschulen sollen unter anderem naturwissenschaftliche Phänomene vermittelt und erklärt werden. Die Evolutionstheorie ist bisher sehr selten Teil des Schulcurriculums. 

Helge Brunswig | hpd.de

Eine Analyse der Modulhandbücher1 deutscher Hochschulen zeigt nun, dass sie oft selbst in der Ausbildung der angehenden Lehrkräfte fehlt, obwohl sie von zentraler Bedeutung für das Verständnis aller Prozesse in der belebten Natur ist. Der Vergleich des Umgangs deutscher Hochschulen mit dem Thema Evolution zeigt große Unterschiede und Überraschungen. 

„Nichts in der Biologie ergibt Sinn, außer im Lichte der Evolution“ (Dobzhansky)

Die Bedeutung der Evolution hat in der Wissenschaft stetig zugenommen. Die Evolutionstheorie wird in Deutschland meist erst ab der achten Klasse unterrichtet, obwohl biologiedidaktische Studien nahelegen, dass Evolution schon ab der Grundschule unterrichtet werden kann und sollte. Die Bereitschaft, die Evolution als Erklärung für die Artenentstehung und -vielfalt anzuerkennen, hängt von Faktoren wie Bildungsgrad und Religiosität ab. Nicht überraschend: ungebildete, stark religiöse Menschen wissen weniger über die Evolution und sind seltener bereit sie anzuerkennen. Im Gegensatz zur Evolution wird der christliche Schöpfungsmythos in jedem Bundesland in Deutschland behandelt. 

Dass das Evolutionswissen mit der Evolutionsakzeptanz zusammenhängt, zeigt sich sowohl an Schülerbefragungen als auch an Lehrerstudien. Grundschullehrkräfte haben schlechtere Ergebnisse bei Evolutionsakzeptanz und Evolutionswissen erzielen können als ihre Gymnasialkollegen. Dies liegt vor allem in der unterschiedlichen Ausbildung begründet.

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Longlist zum Buchpreis: Debütanten, olé!

Stapelware: Der Deutsche Buchpreis hat Romane immer wieder zu Bestsellern gemacht. Bild: dpa

Die Vorauswahl zum Deutschen Buchpreis 2019 steht fest: Ein Blick auf die Verteilung der nominierten Romane – und auf die Hoffnungen des Buchmarkts.

Andreas Platthaus | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ungewöhnlich viele Debütanten – das ist der interessanteste Eindruck der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis, die an diesem Dienstagmorgen bekanntgegeben worden ist. Unter den nunmehr noch zwanzig Kandidaten, die aus den 203 gesichteten Romanen ausgewählt wurden, sind gleich sieben Erstlinge, acht sogar, wenn man berücksichtigt, dass Karen Köhler bislang nur einen Erzählungsband veröffentlicht hat.

Dafür sind unter den anderen zwölf viele Bekannte: Nora Bossong, Marlene Streeruwitz, Norbert Scheuer, Alexander Osang, Saša Stanišić oder Eva Schmidt, um nur die Vertrautesten zu nennen. In den kommenden vier Wochen wird die Jury aus den Nominierungen sechs Titel herausfiltern, die dann die Shortlist bilden, aus der das diesjährige Siegerbuch gewählt wird. Es wird am Abend des 14. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum Auftakt der Buchmessewoche verkündet. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert, für die fünf weiteren Finalisten bleiben noch jeweils 2500 Euro, die Aufnahme in die Longlist bringt nicht mehr ein als Aufmerksamkeit.

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Darwin Was a Slacker and You Should Be Too

Photocollages by Hannah K. Lee

Many famous scientists have something in common—they didn’t work long hours.

By Alex Soojung-Kim Pang | NAUTILUS

When you examine the lives of history’s most creative figures, you are immediately confronted with a paradox: They organize their lives around their work, but not their days.

Figures as different as Charles Dickens, Henri Poincaré, and Ingmar Bergman, working in disparate fields in different times, all shared a passion for their work, a terrific ambition to succeed, and an almost superhuman capacity to focus. Yet when you look closely at their daily lives, they only spent a few hours a day doing what we would recognize as their most important work. The rest of the time, they were hiking mountains, taking naps, going on walks with friends, or just sitting and thinking. Their creativity and productivity, in other words, were not the result of endless hours of toil. Their towering creative achievements result from modest “working” hours.

How did they manage to be so accomplished? Can a generation raised to believe that 80-hour workweeks are necessary for success learn something from the lives of the people who laid the foundations of chaos theory and topology or wrote Great Expectations?

I think we can. If some of history’s greatest figures didn’t put in immensely long hours, maybe the key to unlocking the secret of their creativity lies in understanding not just how they labored but how they rested, and how the two relate.

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