Höhlenbär starb aus, weil er Veganer war

Höhlenbärskelett aus der Sophienhöhle. Foto: Rainer Lippert. Lizenz. CC0 1.0
Der Höhlenbär lebte bis vor etwa 25.000 Jahren in Europa. In der Vergangenheit glaubte man, er wurde vom Menschen ausgerottet, der die Höhlen, in denen der Bär überwinterte, als Behausung haben wollte.
 

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Nun hat ein Forscherteam um Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen anhand der Untersuchung der Isotopenzusammensetzung von Aminosäuren im Bindegewebe gut erhaltener Höhlenbär-Skelette aus dem belgischen Goyet herausgefunden, dass er sich (anders als heute lebende Bärenarten) ausschließlich von pflanzlicher Kost ernährte. Diese Einschränkung sehen sie in einem im aktuellen Journal of Quaternary Science veröffentlichten Aufsatz als Grund dafür an, warum das Tier, das mit einer Schulterhöhe von 1,70 Meter und einer Länge von 3,50 Meter deutlich größer war als der heutige Braunbär, im späten Pleistozän ausstarb.

„Ähnlich wie der heutige Pandabär waren die Höhlenbären demnach sehr unflexibel, was ihre Nahrung betrifft“, so Bocherens: „Wir gehen davon aus, dass diese einseitige Ernährungsweise in Kombination mit dem geringeren Pflanzenangebot während der letzten Eiszeit letztlich zum Aussterben der Höhlenbären führte.“ Die „Bindung an eine rein vegane Lebensweise“ war seiner Ansicht nach „der ausschlaggebende Punkt“ dafür. Gab es nicht genug pflanzliche Nahrung, reichte der Fettvorrat des Höhlenbären nämlich nicht, um den Winter zu überstehen.

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Wie sich Gott und die Wissenschaft vertragen

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Verhältnis von Religion und Wissenschaft ist nicht immer ohne Probleme. Auf den Universitäten macht sich das Spannungsfeld vor allem in den theologischen Studien bemerkbar – bei den Inhalten und bei der Personalauswahl.

Von Erich Kocina | Die Presse.com

Glauben gehört in die Kirche, Wissen auf die Universität – es wäre ein grobe Vereinfachung, diesen Satz einfach so stehen zu lassen. Doch tatsächlich stehen Religion und Wissenschaft in einem gewissen Spannungsfeld. Dann nämlich, wenn es um das Verhältnis der beiden zueinander geht. Wie sehr soll etwa die Religion in einer wissenschaftlichen Einrichtung mitbestimmen können? Eine Frage, die sich vor allem bei den theologischen Studien stellt – und genau darüber wird heute, Mittwoch, auch in Alpbach diskutiert. Vertreter von Universitäten, Religionsgemeinschaften und Bund sprechen über „Universitätsautonomie und Theologien“.

Nur ist die Theologie überhaupt eine Wissenschaft? „Natürlich“, sagt Oliver Henhapel, Leiter des Kultusamts im Bundeskanzleramt. „Letztlich geht es um Textinterpretation und historische Interpretation.“ Und natürlich haben theologische Studien auch eine spirituelle Dimension. Relevanter sei aber die Frage, wie sich die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Religion gegenüberstehen. Praktisch herunterbrechen lässt sich das auf die Frage der Autonomie, die die Theologie an der Uni von ihrer Religionsgesellschaft hat bzw. wie stark sie an sie rückgebunden ist.

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„Schöne neue Welt?“: Frankfurter Zukunfts-Symposium 2016

Bild: RDF
Die Zukunft hat uns eingeholt. Maßstäbe, die gestern noch verbindlich waren, haben ihre Gültigkeit verloren. Ob wir wollen oder nicht: Leistungsfähige Elektronik, Gentechnik, Mikrochirurgie und die zunehmende Verschmelzung von Gehirn und Computer fordern das traditionelle Menschenbild heraus. Dieser Herausforderung stellt sich das „Frankfurter Zukunfts-Symposium“ (29.-30. Oktober 2016), das von der Goethe Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Giordano- Bruno-Stiftung und dem Ethikverband der deutschen Wirtschaft ausgerichtet wird.

Richard Dawkins-Foundation

Wie sieht es aus mit den Auswirkungen der Technik auf den Menschen? Perfektioniert sie ihn oder macht sie ihn ersetzbar? Und welche Rolle spielen ethische Argumente gegenüber wirtschaftlichen und politischen Interessen? Können uns traditionelle Ethiken bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen behilflich sein oder benötigen wir eine neue, postkonventionelle Ethik? Das im Turnus von zwei Jahren angesetzte „Frankfurter Zukunfts-Symposium“ soll unser Bewusstsein schärfen für intellektuelle Modelle und Strategien, die uns befähigen, Schritt zu halten mit der sich immer weiter verselbstständigenden Entwicklung autonomer technischer Systeme und Hilfsmittel für das menschliche Leben.

Folgende Referenten werden am Symposium teilnehmen:

Prof. Dr. Dieter Birnbacher
Prof. Dr. Michael Braungart
Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün
Dr. Dr. Michel Friedman
Ingrid Häußler
Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf
Mathias Horx
Dr. Irina Kummert
Prof. Dr. Reinhard Merkel
Prof. Dr. Thomas Metzinger
Dr. Michael Schmidt-Salomon
Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner
Prof. Dr. Franz Josef Wetz
Prof. Dr. Christiane Woopen

Moderation: Thomas Forwe, Michel Friedman, Gert Scobel

Das Programm des Frankfurter Zukunfts-Symposiums umfasst drei Themenblöcke: 1. Apokalypse No! – Die offene Zukunft und ihre Feinde, 2. Virtuelle Realitäten und intelligente Roboter: Gefahren und Chancen der Digitalisierung, 3. Die Würde des Menschen ist … ungeklärt: Bio-Technologie und ihre Konsequenzen. Weitere Informationen zum Veranstaltungsprogramm finden Sie hier!

Das Frankfurter Zukunfts-Symposium vom 29. bis 30. Oktober 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main Campus Westend (Hörsaal HZ 5, Theodor-W-Adorno-Platz 5, 60323 Frankfurt) beginnt am Samstag um 9:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, für die Teilnahme am Kongress ist eine vorausgehende Anmeldung (über dieses Webformular) allerdings unbedingt erforderlich! Weitere Informationen (Programm, Anmeldung, Hotelempfehlungen) gibt es auf der Website zum Kongress: www.zukunftssymposium.de

Hier geht’s zum Originalartikel…

Daran hakt der Ausbau des Islamunterrichts

Radikale Islamisten versuchen oft junge Muslime zu ködern. Das gelingt leichter, wenn diese nicht viel über ihren Glauben wissen. Trotzdem hakt der Ausbau des Schulfaches – gerade in Ostdeutschland Quelle: Die Welt
Um Radikalisierung vorzubeugen, soll der Islamunterricht an deutschen Schulen ausgeweitet werden. Doch das Projekt gestaltet sich schwierig. In einer Region gibt es gar keine Religionsklassen.

Von Valerie Schmid | DIE WELT

Einen gewaltigen Rückschlag in Sachen islamische Religionsklassen gab es Anfang August: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) brach die Gespräche mit vier islamischen Verbänden, darunter der türkisch-islamischen Religionsgemeinschaft Ditib, vorerst ab. Grund dafür war der Verdacht einer möglichen Abhängigkeit des Islamverbands von der türkischen Regierung in Ankara.

Doch nicht nur Rheinland-Pfalz hat mit dem Ausbau von islamischen Religionsklassen Probleme. Eine „Welt“-Umfrage ergab, dass nur in neun von 16 Bundesländern derzeit islamischer Unterricht angeboten wird. Oft scheitert die Einführung daran, dass es zu wenig qualifizierte Lehrkräfte gibt oder es an muslimischen Religionsgemeinschaften fehlt, die sich als passende Kooperationspartner erweisen. Denn für einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht benötigt es eine Religionsgemeinschaft.

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Öffentliche Kunst: Die Tyrannei der Beleidigten

© Ullstein Steinrelief des Anstoßes: Die „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche. Wieder einmal wird die Entfernung des infamen mittelalterlichen Bildwerks gefordert.
Im Namen politischer Korrektheit fordern Kritiker die Beseitigung irritierender Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum. Was nicht in unser Weltbild passt, gilt zunehmend als unzumutbar, wie an einem Fall in Wittenberg zu sehen ist.

Von Arnold Bartetzky | Frankfurter Allgemeine

Seit mehr als sieben Jahrhunderten prangt ein bösartiges Schmähbild an der Wittenberger Stadtkirche St.Marien. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen Menschenkinder säugen, die mit ihren Spitzhüten als Juden gekennzeichnet sind. Hinter dem Tier hockt ein Rabbiner und hebt dessen Schwanz und Hinterbein, um in den Anus zu schauen. Die besondere Perfidie der Darstellung von Juden im intimen Kontakt mit einer Sau besteht darin, dass das Schwein im Judentum als unrein gilt. Das Steinrelief sollte die Juden demütigen und zugleich Christen gegen sie aufhetzen. Die Wittenberger „Judensau“ ist ein drastisches Zeugnis des mittelalterlichen Antisemitismus, der sich immer wieder in Pogromen entlud. Martin Luther, der in der Stadtkirche predigte, steigerte den Bekanntheitsgrad der Darstellung, indem er sie in einer seiner Schmähschriften zum Ausgangspunkt für die Verhöhnung des jüdischen Glaubens nahm.

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Nahost-Historikerin: Nikab hat an deutschen Schulen nichts verloren

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Muslimische Schülerinnen mit Nikab dürfen vom Unterricht ausgeschlossen werden – das hat ein Gericht in Osnabrück entschieden. Der Beschluss ist umstritten, aber auch Nahost-Experten halten das Urteil für richtig.

stern.de

Die Nahost-Historikerin Ulrike Freitag findet es richtig, Musliminnen in deutschen Schulen das Tragen eines Gesichtsschleiers zu verbieten. „In Schulen, Ämtern und vor Gericht hat er nichts verloren“, sagte die Direktorin des Zentrums Moderner Orient (ZMO) in Berlin. Wenn eine Schülerin den Nikab vor männlichen Mitschülern und Lehrern nicht ablegen wolle, bleibe ihr immer noch die Möglichkeit, auf eine Mädchenschule zu wechseln.

Hintergrund der Debatte: Am Montag hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück ein Nikab-Verbot für eine 18 Jahre alte muslimische Schülerin an einer Abendschule bestätigt.

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Accessible Synthetic Biology Raises New Concerns for DIY Biological Warfare

For a few hundred dollars you can experiment with genome editing at your kitchen table. Image: MOTHERBOARD
This December, the signatory nations of the Biological Weapons Convention (BWC) will meet, as they do every five years, to discuss the state of bioweapons globally. In at least one way, the world has radically changed since they last met, in 2011. The discovery of several novel gene-editing techniques, most famous being CRISPR-Cas9, might be the scientific breakthrough of this century. It has unleashed a torrent of studies that aim to cure everything from cancer to world hunger.

By Joseph Neighbor | MOTHERBORAD

But this new era of synthetic biology has a dark side. Scientific discoveries generally outpace our ability to legislate sensible limits, or even understand exactly what we’re playing with; that’s the point of experimental research, after all: to chart the unknown. The discovery last year that scientists in China have begun using gene-editing techniques on human embryos—a troubling, unprecedented step towards a sci-fi dystopia —has ignited a vigorous global debate about the limits we ought to have when manipulating biology.

The advent of CRISPR has corresponded with a widespread democratization of biology. Gene-editing kits are cheap, legal, and relatively easy to use. DIY biohacking spaces have proliferated throughout the world, teaching amateurs how to perform elementary gene-editing themselves. This approach, too, holds much promise; after all, some of this nation’s most celebrated scientific achievements were discovered by tinkering amateurs in the garage.

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Wie es um den Islam hierzulande bestellt ist

Hans Markus Heimann zeigt in seinem Buch, warum das Grundgesetz dem Kirchturm nicht näher steht als dem Minarett. (picture alliance / dpa / Ronald Wittek)
Deutschland diskutiert über Burka und Kopftuch, über Integration und Religion – doch wie es um den Islam hierzulande bestellt ist, darüber gibt es nur spärliche Informationen. Diese Lücke versuchen die Bücher der Journalistin Karen Krüger und des Rechtswissenschaftlers Hans Markus Heimann zu füllen.

Von Christiane Florin | Deutschlandfunk

Um es gleich vorwegzusagen: Beide Bücher kommen ohne steile Thesen aus. Und das verdient Lob. Denn auf dem Themenquadrat mit den Eckpunkten Religion, Staat, Recht und Politik tummeln sich schon viele Thesenritter. Die rufen: „Mohammed ist ein Verbrecher, die Kirchen sind Räuber, die Scharia verdrängt das Grundgesetz, Religion gehört ganz abgeschafft.“ Für Behauptungen dieser Art gibt es einen gut sortierten Markt der Kampf-, Streit und Schrei-Schriften.

Ein Buch wie „Deutschland als multireligiöser Staat“ von Hans Markus Heimann aber gibt es noch nicht. Heimann erklärt das deutsche Religionsrecht kompakt, nüchtern, bisweilen dröge, jedenfalls provozierend unaufgeregt. Und auch die „Reise durch das islamische Deutschland“ von Karen Krüger riskiert etwas Neues. Die Redakteurin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ nimmt die Leser mit auf eine echte Erkundungstour und speist sie nicht mit einer Butterfahrt zum Salafisten-Erlebnisbauernhof ab.

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Gewerkschaft gegen Verbot der Vollverschleierung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnt den Ausschluss vollverschleierter Mädchen und Frauen vom Schulunterricht ab.

evangelisch.de

„Ein Verbot der Vollverschleierung ist der vollkommen falsche Weg“, sagte GEW-Hauptvorstand Ilka Hoffmann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Frauen dürften nicht nur deswegen von Bildung ausgeschlossen werden, weil sie Burka oder Niqab tragen.

GEW: Einzige Möglichkeit für Kontakte

Laut Hoffmann ist Schule für vollverschleierte Mädchen aus strengkonservativen islamischen Haushalten oft die einzige Möglichkeit, Kontakt zu Gleichaltrigen aufzunehmen. „Im Unterricht kann sich das Selbstbewusstsein herausbilden, das nötig ist, um entgegen der Familientradition den Schleier abzunehmen“, sagte sie. Dieser Prozess müsse gefördert und nicht behindert werden.

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RDF Talk – Interview mit Uwe Lehnert

Warum ich kein Christ sein willProf. Uwe Lehnert ist emeritierter Universitätsprofessor, hat ein naturwissenschaftliches, technisches und erziehungswissenschaftliches Studium absolviert und war bis 2002 an der Freien Universität Berlin Lehrstuhlinhaber für Bildungsinformatik und Bildungsorganisation im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.

Von Richard Dawkins-Foundation

Uwe Lehnert ist Autor auf dem Gebiet der Bildungsinformatik und befasste sich nachberuflich mit Religionskritik. Sein religions- und kirchenkritisches  Buch »Warum ich kein Christ sein will« – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung erschien 2015 in 6. Auflage.

RDF: Herr Lehnert, wurden Sie in ihrer Kindheit von einem stark religiösen Umfeld oder eher von einer orientiert indoktrinierten »Lightfassung« beeinflusst?

Uwe Lehert: Mein Vater war zeitlebens ein sehr kirchenkritisch eingestellter Mensch, meine Mutter war Katholikin, aber eher liberal in ihren Auffassungen, wenn der Begriff »liberal« im Zusammenhang mit »katholisch« überhaupt sinnvoll erscheint. Ich habe während der Schulzeit immer am Religionsunterricht teilgenommen, man konnte sich im Nachkriegsdeutschland dem ja kaum entziehen. Aber den sonntäglichen Kirchgang gab es in unserer Familie nicht. Allerdings wurde ich auf heftiges Drängen einer der Großmütter mit 14 Jahren zusammen mit meinen drei anderen Geschwistern evangelisch getauft. Meine Konfirmation folgte dann drei Jahre später.

Gab es ein Schlüsselerlebnis oder war es ein längerer Prozess, der Sie von einer religiösen hin zur naturalistischen Weltsicht führte?

Ein Schlüsselerlebnis, das schlagartig alles geändert hätte, hatte ich nicht. Aber eine skeptische Grundhaltung lag schon recht früh vor. Sie wurde im Konfirmandenunterricht verstärkt, als ich dem Pfarrer widersprach. Er meinte, dass Jesus ein unendlich großes Opfer für uns gebracht hat, weil er sich für uns am Kreuz töten ließ. Als ich daraufhin meinte, dass das Opfer so groß auch nicht wäre, weil er doch wusste, bald wieder aufzuerstehen, wurde ich so niedergeschrien, dass ich lange Zeit nicht mehr wagte, irgendetwas zu fragen, geschweige denn zu widersprechen. Ein zweiter Vorfall löste noch größere Vorbehalte gegen die christliche Lehre und Kirche aus, als ich einem Pfarrer im Religionsunterricht der Oberstufe vorhielt, dass er nur behaupten könne, dass es Gott gäbe und dass Jesus Gottes Sohn sei. Daran könnte ich jedenfalls nicht glauben. Daraufhin bekam ich eine solche Ohrfeige, dass ich in die Schulbank flog. Später allerdings entschuldigte er sich dafür und »belohnte« mich mit einer Eins in Religion wegen meines Mutes, wie er meinte.

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Schule des Lebens

Die wahre und kluge Samstagskolumne von Heinrich Schmitz über den schäbigen Unsinn des „gesunden Menschenverstandes“, an den zu glauben genauso fatal ist, wie an das „gesunde Volksempfinden“, hat bei mir eine Erinnerung geweckt.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Eigentlich wollte ich etwas schreiben über die neuerliche Internetniedertracht der Beatrix Storch (Adel als politische Macht ist in Deutschland abgeschafft und deshalb kriegt diese AfD-Dame kein „von“ zugestanden – und von menschlichem Adel kann bei ihr schon gar nicht die Rede sein) – jene blutige Häme über ein kleines verstörtes Kind aus Aleppo.

Meine Erinnerung erklärt vielleicht deutlicher als jede Analyse, woher diese grausame Kaltschnäuzigkeit, geistige Unbeweglichkeit, dieser grüne Neid und diese sättigungslose emotionale Gier stammen, die nicht nur Beatrix Storch auszeichnen, sondern vor allem die Massen, die ihr ungeniert zujubeln und behaupten, sie hätte verteidigungswerte, unangreifbare „Meinungen“, die auf gesundem Menschenverstand und ebensolchem Empfinden beruhten.

Zwergschule in Sennelager

Ich habe zwei Jahre meiner Grundschulzeit in einer Zwergschule in Sennelager verbracht, jenem künstlichen Kaff am ehemals größten deutschen Truppenübungsplatz, der schon in der Kaiserzeit dazu diente, aus Menschen Soldaten zu machen. In bloß zwei Klassenräumen waren sämtliche Jahrgangsstufen untergebracht über die zwei Lehrer herrschten, die wohl von einem allliterarisch begeisterte Schulrat hierher abgeschoben worden waren: Herr Pippert war der Jüngere und hatte wohl das Ende des Krieges als Werwolf erleben müssen. Herr Pagel erschien uns Siebenjährigen uralt; ein Erich von Stroheim mit Unteroffiziersstiernacken, dessen Sprache an das Bellen und Kläffen eines mittelgroßen Hundes denken ließ, der – so sehe ich es heute – sich weder den Dackeln, noch den Bulldoggen zurechnen konnte.

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„Sie müssen sich eingestehen, mit der falschen Person verheiratet zu sein“

„Ein bisschen mehr Skeptizismus gegenüber Gefühlen wäre hilfreich“, sagt Alain de Botton. (Foto: Mathias Marx)
Warum trennen sich Paare heute so schnell? Und was ist das Geheimnis wahrer Liebe? Der Philosoph Alain de Botton hat verstörende Antworten.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie haben noch nie von Alain de Botton gehört? Dann versuchen Sie mal, einen Termin zu bekommen! Drei Monate hat es gedauert, bis der Bestseller-Autor („Wie Proust Ihr Leben verändern kann“) und Philosoph für die SZ zu sprechen war. Er kommt gerade von einer Lesereise in den Vereinigten Staaten an Ost- und Westküste und in Australien. Sein neuestes Buch heißt „Der Lauf der Liebe“ – und alle Welt möchte jetzt vom Alltagsexperten de Botton wissen: Wie schafft man das, eine glückliche Beziehung zu führen?

De Botton lebt in London, im feinen Stadtteil Belsize Park. Er leitet in sein karges Arbeitszimmer, es gibt keinen Tee, sondern eine Flasche Sprudelwasser, die muss reichen. Die vor drei Monaten gebuchte Zeit fürs Gespräch nimmt er sich wach und konzentriert, aber nach der vereinbarten Stunde beginnt er auf die Uhr zu schauen. Morgen muss er nach Italien fliegen, Google-Chef Eric Schmidt hat ihn gebeten, auf einem Managertreffen über Liebe zu reden.

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Schülerin darf nicht mit Niqab in den Unterricht

Bild: Reuters
Bild: Reuters
  • Die Schülerin eines Abendgymnasiums in Osnabrück hatte geklagt, weil ihr der Zugang zum Unterricht mit Niqab verwehrt wurde.
  • Die Schule begründete, dass sie ihrem Bildungsauftrag bei der Frau nicht nachkommen und ihre Anwesenheit im Unterricht nicht zweifelsfrei kontrollieren könne.
  • Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen und der Schule Recht gegeben.

Süddeutsche.de

Wie weit reicht die Religionsfreiheit in Deutschland? Darf der Staat religiöse Zeichen an bestimmten Orten verbieten? Und wenn ja, welche? Alles Fragen, die tagtäglich verhandelt werden müssen – auch im Bildungswesen. Dort hat nun erneut ein Gericht entschieden, dass die Religionsfreiheit Grenzen hat.

Eine muslimische Schülerin, die wegen ihrer Vollverschleierung vom Unterricht an einem Abendgymnasium ausgeschlossen wurde, war gegen die Schule vor Gericht gezogen. Ein nicht-öffentlicher Prozesstermin musste zwar kurzfristig abgesagt werden, da die Frau wegen des großen Medieninteresses nicht erscheinen wollte. Trotzdem entschied das Verwaltungsgericht Osnabrück, dass ihr der Besuch des Abendgymnasiums mit Niqab weiterhin untersagt wird.

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Termiten: Männer-WGs jagen heterosexuelle Paare

Termiten. Bild: wikimedia.org/PD

Manchmal bauen zwei Termitenmännchen zusammen ein Nest. Doch die gemeinsame Wohnung ist eine auf Zeit – und die WG endet brutal.

Von Lars Fischer | Spektrum.de

Warum Termiten-Männchen manchmal mit anderen Männchen zusammen wohnen, statt mit einem Weibchen ein Nest zu bauen, haben jetzt drei japanische Forscher um Nobuaki Mizumoto von der Universität Tokyo erforscht. Ihr bemerkenswerter Befund: Wenn zwei männliche Termiten zusammen ein Nest bauen, ist das keineswegs eine Verwechslung, sondern ein perfider Plan. Die beiden leben nämlich keineswegs glücklich bis ans Ende ihrer Tage als Männer-WG, sondern warten ab, bis sie in ihrer Nähe die Grabgeräusche der neu entstehenden Kolonie eines heterosexuellen Paares spüren. Dann dringen die beiden Junggesellen in die Kolonie ein und versuchen das Männchen zu ersetzen.

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Epigenetik: Angriff auf Darwin

DNA-Stränge enthalten den Bauplan der Organismen. Über die Epigenetik kann die Umwelt Einfluss darauf nehmen, wie er gelesen wird. (Foto: Imperial College London)
Was Eltern erleben, kann an ihre Kinder vererbt werden, behaupten Verfechter der Epigenetik. Beobachten wir eine Revolution in der Biologie – und eine Abkehr von der Evolutionstheorie?
 

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Seit einigen Jahren geistert ein Begriff durch die Medien und Fachpresse, der für bahnbrechende Erkenntnisse von Biologen und Medizinern stehen soll: Epigenetik. Häufig wird von einer „Revolution“ oder einem „Paradigmenwechsel“ gesprochen, oder davon, dass Lehrbücher umgeschrieben werden müssten. An Universitäten taucht die Epigenetik als Fach immer häufiger auf, Lehrstühle tragen ihn inzwischen im Namen. Aber es gibt auch Zweifel daran, dass die neuen Erkenntnisse tatsächlich so bahnbrechend sind. Haben wir es vielleicht nur mit einem Hype zu tun?

Tatsächlich wirken die Ergebnisse mancher epigenetischer Untersuchungen spektakulär: So sollen Erfahrungen, die Tiere oder Menschen im Laufe ihres Lebens gemacht haben, sich auf deren Nachwuchs auswirken können – und zwar manchmal sogar dann, wenn sie stattfanden, bevor der Nachwuchs gezeugt und ausgetragen wurde.

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„Veganismus ist keine Lösung“

Bild: DER TAGESSPIEGEL
Jeanette Koepsel ist Tierärztin und Berlins einzige Stadtjägerin. Beim Italiener in Spandau erzählt sie, was ihr im Sommer vor die Flinte kommt.

Von Stefanie Golla | DER TAGESSPIEGEL

Auf Trophäen legt sie keinen Wert. Aber bei Bedarf holt Jeanette Koepsel das Fell eines Keilers hervor, den sie am Wasserwerk in Tegel erlegt hat. Das Tier lief mehrmals über die Straße und provozierte Unfälle. Mit einem Tellerschuss hinters Ohr hat sie ihn zur Strecke gebracht. Der Tod tritt so am schnellsten ein, weil die Kugel direkt ins Gehirn geht. Der Keiler lag sofort, was wichtig ist, wenn man in der Stadt jagt, denn ein angeschossenes Tier kann viel Schaden anrichten. Den zu vermeiden, ist Aufgabe der 30 Stadtjäger in Berlin. Jeanette Koepsel ist die einzige Frau.

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‚Deus Ex: Mankind Divided‘ Neglects Humans in Its Bid for Transhumanism

Image: Square Enix.
There were black and white portraits hanging in the vestibule of the Human by Design conference. Within each baroque, gold leaf frame was a model sporting a futuristic, photoshopped prosthetic.

By Nick Cappozoli | MOTHERBOARD

They seemed well-suited to an event that was itself a sort of hybrid—part intellectual forum, part sales pitch. Courageous, CNN’s “branded content” shop, had assembled the day of panels, guest speakers, and documentary-lite fare alongside Square Enix, to buoy promotion of the latter’s upcoming game, Deus Ex: Mankind Divided. Academics weighed the implications of transhumanism. Futurist artists sketched out the idea of “cyborg” as a self-identifier. Most strikingly, presenters showed off the bleeding-edge prosthetics and body modifications that enable them to grip, walk, see, and hear—in some cases even beyond normal human ranges.

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Gesunder Menschenverstand – Ach was

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Er ist ein mächtiger Helfer in der Diskussionsnot. Selbst wenn man keine Argumente hat und auf verlorenem Posten steht, wenn die hässliche Frage nach dem Warum gestellt wird, wenn einem nichts mehr einfällt. Dann ist er stets zur Stelle. Bei jedem Thema. Ohne Ausnahme. Wie ein Notheiliger. Der Joker. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Der gesunde Menschenverstand.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Ich hatte dem vor ein paar Jahren bei The European schon mal eine gehörige Breitseite verpasst, aber der Kerl ist nicht tot zu bekommen, dabei ist er nur ein elender Blender und Betrüger. Ein talentierter Mr. Ripley der Diskussionskultur.

Immer wieder wird behauptet, der gesunde Menschenverstand sage irgendetwas. Das ist eine plumpe Lüge. In Wirklichkeit sagt nur derjenige etwas, der behauptet, der gesunde Menschenverstand habe ihm etwas geflüstert. Das soll seiner Aussage mehr Gewicht verleihen, als sie in Wirklichkeit hat. Früher konnte man noch erzählen, man habe seine absoluten Weisheiten im unmittelbaren Gespräch mit Gott erhalten und sie in Stein gemeißelt vom Berg geschleppt, aber das ist heute zu gefährlich. Da landet man sehr schnell in der Psychiatrie, selbst wenn es denn wahr wäre. Göttliche Nachrichten gelten heute als suspekt. Also nennt man stattdessen den gesunden Menschenverstand als Quelle seiner Erkenntnis und macht ein wichtiges, bedeutsames Gesicht dazu. Oder das, was man dafür hält.

Der gesunde Menschenverstand und ein bisschen finanzielle Bildung reichen völlig aus.

meint z.B. Christian W. Röhr, Gründer der Internetplattform Dividenden-Adel. Komischer Name, denn in manchen Regionen Deutschlands bedeute Adel auch Gülle. Aber egal, dann versuchen Sie mal damit Ihr Geld zu vermehren. Wenn’s nicht klappt, war Ihr Menschenverstand vermutlich ein wenig kränklich. Aber Sie hätten dann immerhin eine wichtige Erfahrung gemacht: Ihr Geld ist futsch.

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Laizismus an der Schule: Die Religion aus dem Klassenzimmer verbannen

«He, Frau Lehrerin, Kevin zeigt den Hinduismus in protziger Art und Weise!» (Bild: Zep)
Genf ist ein laizistischer Kanton. Doch wie verhält sich ein neutraler Staat im Umgang mit Schülern, die während dem Ramadan nicht turnen möchten? Ein Leitfaden gibt Antworten.

Von Andrea Kucera | Neue Zürcher Zeitung

Darf eine Lehrerin mit Kopftuch zum Unterricht erscheinen? Müssen auch Hindus oder jüdische Schüler am christlichen Religionsunterricht teilnehmen? Und darf ein muslimischer Schüler während des Fastenmonats Ramadan dem Sporttag fernbleiben? Anlässlich des Beginns des Schuljahres 2016/17 gibt die Erziehungsdirektion des Kantons Genf eine Broschüre zum Thema Religion und Schule heraus. Das rund 30-seitige, mit Karikaturen des Genfer Zeichners Zep gespickte Dokument «Laizismus an der Schule» wurde am Freitag den Medien vorgestellt.

Der Staat ist neutral

Das Büchlein soll dem Genfer Lehrpersonal gemäss den Worten von Erziehungsdirektorin Anne Emery-Torracinta in einem politisch aufgeheizten Klima als Leitfaden im Umgang mit schwierigen Situationen dienen. Mit anderen Worten: Die Broschüre soll unter anderem verhindern, dass es in Genf zu einer ähnlichen Affäre wie in Therwil im Kanton Basel-Land kommt. Dort verweigerten zwei jugendliche Schüler muslimischen Glaubens ihrer Lehrerin den Händedruck, was vom zuständigen Schulleiter toleriert wurde.

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Muslimin klagt gegen Abendgymnasium

Bild: Wikimedia Commons/Steve Evans
Bild: Wikimedia Commons/Steve Evans

Darf ein Abendgymnasium eine Schülerin wegen ihres Gesichtsschleiers ablehnen? Darüber muss das Verwaltungsgericht Osnabrück jetzt in einem Eilverfahren entscheiden.

SpON

Weil sie wegen des Tragens eines gesichtsverhüllenden Schleiers nicht das Abendgymnasium besuchen darf, zieht eine muslimische Frau vor das Osnabrücker Verwaltungsgericht. Die Frau hatte im April zunächst eine Zulassung zum Abendgymnasium bekommen.

Die Schule hatte diese Zulassung später aber wieder zurückgezogen, weil die Schülerin aus religiösen Gründen ihren Nikab, einen Gesichtsschleier, im Unterricht nicht abnehmen wolle, sagte eine Gerichtssprecherin am Freitag.

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