Der erste Atheist der Neuzeit trat in Jena in Erscheinung

Stadtansicht Jenas aus dem Jahr 1674. Damals verteilte Knutzen die Flugblätter in der Jenaer Stadtkirche. Bild: Stadtmuseum

Wie Matthias Knutzen vor 345 Jahren ganz Jena und die Region in Aufruhr brachte.

Immanuel Voigt | Ostthüringer Zeitung

Wir schreiben das Jahr 1674, genauer gesagt Sonnabend, den 5. September. Gegen Abend begibt sich ein bis dato in Jena unbekannter Mann in die Stadtkirche. Unbehelligt legt er in der vordersten Reihe des Kirchengestühls heimlich Flugblätter aus, die er zuvor selbst geschrieben hatte. Anschließend verlässt er das Gotteshaus wieder und ward zunächst in der Stadt nicht mehr gesehen. Was er allerdings hinterlassen hat, war gesellschaftlicher Sprengstoff. Schon bald wurden die Blätter gefunden und das Entsetzen war groß.

In den in deutscher und lateinischer Sprache verfassten Schreiben behauptete der Verfasser: „Es gibt weder Gott noch Teufel“, weder „Obrigkeit noch Priester müsse man achten“. Stattdessen solle man vielmehr anstelle der Obrigkeit und des Klerus „das Wissen und die Vernunft mit dem Gewissen verknüpfen“, da dieses einen lehre „ehrlich zu leben, niemanden zu beleidigen und jedem das Seine zu achten“.

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Wenn man über Atheismus dilettiert

Bild: Global Atheist

Hier ein neuer Atheismus, dort ein undogmatisches Christentum. Ein unmögliches Paar? Muss nicht sein. Ein Plädoyer für Respekt als Grundlage einer offenen Debatte im Geiste der Aufklärung.

Helmut Reinalter | Tiroler Tageszeitung

Ein in der Tiroler Tageszeitung ausgetragener Streit über den Atheismus zwischen der Biochemikerin Renée Schroeder und dem Theologen Jozef Niewiadomski war unbefriedigend, weil beide zum Teil in polemischer Weise ihre jeweilige Position vertraten und diese zu wenig fundiert haben. Von gegenseitigem Respekt oder Verständnis konnte hier keine Rede sein. Im Kern vertreten nämlich christlicher Glaube und humanistischer Atheismus eine Ethik des menschlichen Zusammenlebens, die wir allerdings bei der fundamentalistischen Spielart des Atheismus und der Religionen nicht finden. Auch wenn der Atheismus die Überzeugung vertritt, dass ein Gott, wie er in allen monotheistischen Religionen angenommen wird, nicht existieren kann, ist der humanistische Atheismus nicht ohne praktische Ethik.

Atheisten engagieren sich für eine humane Gesellschaft, und ihre Überzeugung ist mit Wissenschaft durchaus vereinbar. Das hinter dem aufgeklärten Atheismus steckende Freidenkertum verdeutlicht die kritische Selbstreflexion, das Selbstdenken (Kant), das Tragen von Entscheidungen in Würde, die stark ausgeprägte Eigenverantwortlichkeit und Selbstkritik. Ihre Ethik verfolgt das Ziel, ein gutes, gelingendes Leben anzustreben.

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Motive trotz fehlenden Glaubens in der Kirche zu bleiben

Berliner Hedwigs-Kathedrale. Themenbild. Bild: bb

Es geht hier um Menschen, die in der Kirche geblieben sind, obwohl sie eigentlich nicht mehr gläubig sind. Es ist nicht uninteressant, sich zu fragen, warum sie dennoch in der Kirche als Mitglied bleiben.

Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Vorweg ein kurzer Blick auf die Verteilung der Weltanschauungen in Deutschland und einige Daten aus Erhebungen zur Lage zum Beispiel der Evangelischen Kirchen in Deutschland.

Wir sehen anhand von Folie 12, dass die Konfessionsfreien mit 38 % inzwischen den größten Block unter den verschiedenen Weltanschauungen darstellen. Die Katholiken stellen 28 %, die Evangelischen 25 %, die konfessionsgebundenen Muslime 5 % und die sonstigen Gemeinschaften zusammen 4 %.

Schaut man sich allerdings die großen Städte an, dann sieht es dort noch deutlich anders aus. So sind in Berlin z.B. nur noch etwa 25 Prozent der Bürger Mitglied in einer der beiden großen Kirchen. Den allergrößten Teil bilden in Berlin die Konfessionsfreien mit derzeit über 60 Prozent. In den neuen Bundesländern liegen die Werte oft bei bis zu 80 Prozent Nichtchristen.

Fasst man die beiden christlichen Religionen zusammen, dann bilden diese dennoch immer noch den größten Block. Aber genau da lohnt es sich, mal genauer hinzuschauen, was Christen wirklich denken.

Das tut die Evangelische Kirche alle 10 Jahre und macht eine sehr gründliche Erhebung zur Lage ihrer Kirche in Deutschland. Die beiden letzten Umfragen fanden 2003 und 2013 statt. Die Ergebnisse werden – Respekt! – mit großer Ehrlichkeit veröffentlicht (siehe Folie 13).

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Religionskritik im Comic: Gott vor Gericht

„An popkulturellen Medien lässt sich sehr gut die Stimmung ablesen“ (Reprodukt / Marc-Antoine Mathieu)

Seit es Menschen gibt, denken sie darüber nach, wo sie her kommen und wo sie hingehen. Manche sprechen von Gott – etwa in der Bibel, einem sehr populären Buch. Heute sind Comics populär. Wie wäre Gott heute – im Spiegel des Comics? Und muss er vor Gericht? Und wie fing alles an?

Andrea Heinze | Deutschlandfunk

Am Anfang war der Teig. Oder besser: ein ziemlich missratener Teig, den Gottes Oma da verzapft hat. Denn den hatte sie zwar ganz korrekt nach Brigitte-Rezept angerührt – aber selbst beim Backen ging der Teig nicht auf. Und deshalb blieb das Universum, das eigentlich aus diesem Teig geschaffen werden sollte, erst mal ein klitschiger kleiner Teigklumpen. So beschreibt Aike Arndt die Erschaffung der Welt in seiner Cartoonsammlung „Das Nichts und Gott“.

„Es sind lustige Geschichten, es sind Nonsens-Geschichten – und sie regen vielleicht dazu an, in die Bibel zu schauen. Das ist ja auch manchmal Nonsens. Da erschafft jemand eine Welt aus dem Nichts heraus oder aus dem Tohuwabohu – das kann auch keiner verstehen erst einmal, was das bedeutet. Und hier wird es variiert.“

Jürgen Mohn ist Ordinarius für Religionswissenschaft an der Universität Basel. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten und in Lehrveranstaltungen nimmt er sich auch immer wieder Comics vor, in denen religiöse Themen behandelt werden.

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Sonneborn: „Ich umgebe mich nicht mit Losern“

Martin Sonneborn und Parlamentspräsident Tajani. Bild: Samuel Groesch

Das Sommer-Interview mit dem PARTEI-Chef

Markus Kompa | TELEPOLIS

Herr Sonneborn, haben Sie sich gut von der Europawahl erholt?

Martin Sonneborn: Ja, vielen Dank der Nachfrage. Aber wir stehen ja schon wieder mitten im Wahlkampf. Gerade haben Polizei und Verwaltungsmitarbeiter in Bautzen, Plauen, Meerane, Glauchau einfach mal unsere Wahlplakate abhängen lassen. Und nach juristischem Einspruch wieder aufhängen müssen. Sachen gibt’s in Sachsen …

Sie haben sich erneut keiner Fraktion im Europaparlament angeschlossen. Lieber nicht regieren, als falsch regieren?

Martin Sonneborn: Smiley. Yep, hab ich von Christian Lindner gelernt, einem gescheiterten Unternehmer, der eine ähnliche Spaßpartei führt wie ich. Ich hoffe, wir machen anschließend nicht eine ähnlich desaströse Phase durch wie die Marktradikalinskis von der FDP. Tatsächlich aber kann ich leichter das Zünglein an der Waage spielen, wenn ich unabhängig bin. Es deuten sich schon wieder knappe Entscheidungen an.

„Die SPD-Strukturen sind nicht reparabel“

Die SPD wurde kürzlich im Bund bei 11,5 % gesehen und beklagt einen Verschleiß an Vorsitzenden. Haben Sie schon einmal über eine feindliche Übernahme nachgedacht?

Martin Sonneborn: 11,5? Immerhin. Trotzdem, klares Nein. Die SPD-Strukturen sind nicht reparabel und würden uns das Momentum nehmen. Wenn Olaf Scholz, angeblich Sozialdemokrat, Vorsitzender wird, hat sich die Sache eh erledigt. Wir haben kürzlich den Film Hamburger Gitter im EU-Parlament gezeigt. Dass Scholz – „Polizeigewalt hat es nicht gegeben!“ – nach dem G20-Treffen in Hamburg nicht zurückgetreten ist, ist schon beeindruckend.

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Religiöses Mobbing

Muslimische Mädchen werden in Deutschland zum Teil früh unter Druck gesetzt, ein Kopftuch zu tragen. Wolfram Kastl / Keystone

Die Forscherin Susanne Schröter zeigt den Einfluss des politischen Islam in Deutschland auf und warnt davor, ihn zu verharmlosen. Tipp aus «Bücher am Sonntag»

Silke Mertins | NZZamSonntag

Was tun Jihadisten eigentlich in ihrer Freizeit? Die jungen Krieger des Islamischen Staats befassen sich offenbar mit Katzenvideos. Sie posieren mit Katzenbabys, füttern sie aus dem Fläschchen, lassen sie auf ihren Gewehren herumkrabbeln und schlafen sogar mit ihnen. Schliesslich hat das auch schon ein Gefährte des Propheten Mohammed, Abu Huraia – Vater des Kätzchens – getan.

Mit dieser gewissermassen sanften Seite der Jihadisten warb die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in einem Video um junge Frauen. Der «Staat» brauchte schliesslich Ehefrauen für seine Gotteskrieger. Und tatsächlich: die Zahl der Musliminnen, die ausreisten, um sich dem IS anzuschliessen, stieg sprunghaft an.

Antisemitismus wurzelt auch im Koran

Es sind nicht nur solche überraschenden Details, die die Lektüre von «Politischer Islam – Stresstest für Deutschland» so interessant machen.

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Gotteserfahrungen als »Beweis«

Ich komme nun zu einem Punkt besonderer Art, und zwar zu den sogenannten Gotteserfahrungen. Ich will im Folgenden erläutern, warum sogenannte Gotteserfahrungen für manche Menschen eine ihr Leben umwälzende Erfahrung bedeuten können, für mich dennoch keinen Beweis für die Existenz Gottes darstellen.

Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Diese Gotteserfahrungen sind mir in Diskussionen mit gläubigen Menschen meist in zwei Formen begegnet. Erstens

Die Schöpfung als sichtbares Zeichen der Existenz Gottes

Viele gläubige Menschen meinen, in der Natur Gott zu erkennen. Zum Beispiel bei einer Bergwanderung oder beim Anblick eines Sonnenuntergangs am Meer. In diesem Zusammenhang wird dann auf die uns oft überwältigende Schönheit der Natur verwiesen und auf die wunderbare Ordnung, die in der Tier- und Pflanzenwelt zu beobachten sei.

Das Alles könne nur einem Schöpfer zu verdanken sein, der das geschaffen habe – so heißt es dann.

Wir wissen, dass die Naturwissenschaften, insbesondere in Form der Evolutionstheorie, dafür andere Erklärungen anbieten. Diese wissenschaftlichen Begründungen halte ich für weitaus überzeugender.

Wie der Artenreichtum im Pflanzen- und Tierreich sich entwickelte, kann die Evolutionstheorie inzwischen detailliert erläutern und belegen. Selbst die Entstehung von Leben überhaupt dürfte in naher Zukunft vollständig geklärt sein. Der Irrtum vieler Gottgläubiger besteht darin, dass sie das aufeinander abgestimmte Leben von Pflanzen und Tieren, diese beeindruckende, durch Regelkreise sich einstellende Ordnung, sich nur begreiflich machen können durch eine zielorientiert und planvoll vorgehende, übernatürliche Kraft, gemeinhin Gott genannt.

Ihr gewohntes und täglich angewandtes Denken in den Kategorien von Ziel und Plan beziehungsweise Absicht und Zweck projizieren Gläubige auch in die Natur hinein. Was existiert, das erscheint ihnen aufgrund seiner Ästhetik und Perfektion als gewollt und geplant, eine andere Erklärung widerspricht ihrer täglichen Erfahrung. Die Natur jedoch, genauer: die Evolution, kennt keine Ziele, sie folgt nur Ursachen und löst Wirkungen aus nach den Gesetzmäßigkeiten dieser materiellen Welt.

Tatsächlich ist das, was unter Zufallseinfluss zum Beispiel durch Mutationen entstand und heute existiert und bewundert wird, nur das ist, was unter den jeweils gegebenen Umständen »funktionierte«, folglich überlebte. Alles andere ist längst wieder untergegangen und allenfalls in Form von Fossilien erhalten. Eines Schöpfers und Lenkers dieses Prozesses bedarf die Natur nicht.

Wird somit die Gültigkeit der Evolutionstheorie aufgrund der erdrückenden Beweislast von den Wissenschaften und – wie schon früher erwähnt – selbst von der katholischen und evangelischen Kirche im Grundsatz nicht mehr bestritten, so wird die Frage ihrer Bedeutung in Bezug auf das Selbstverständnis des Menschen keinesfalls einhellig beantwortet. Für die Kirche bleibt der Mensch das gottgewollte Ziel der Evolution und der Endpunkt dieser Entwicklung, das Ebenbild Gottes, ausgestattet mit einer unsterblichen Seele.

Aber für metaphysische Begriffe wie Ebenbild Gottes oder unsterbliche Seele gibt es aus naturwissenschaftlicher Sicht keinerlei Ansatzpunkte. Und so sind für den Naturwissenschaftler solche Charakterisierungen zwar streng genommen nicht als falsch zu bezeichnende, weil nicht widerlegbare, aber überflüssige, weil zu Erklärung und Verständnis nicht beitragende Behauptungen.

Wenn ich von der Richtigkeit der Evolutionstheorie überzeugt bin, welchen Anlass sollte ich dann haben, einer etwa dreitausend Jahre alten biblischen Legende Glauben zu schenken, dass ich mein Dasein und meine Bedeutung in dieser Welt einem separaten Schöpfungsakt verdanke? Für mich gibt es nicht die geringsten Hinweise, dass der Mensch außerhalb der biologischen Gesetze stünde und er zu seiner Erklärung außernatürlicher, überirdischer Kräfte bedürfte.

Ein an die Mitwirkung Gottes Glaubender müsste nachweisen, dass ohne die Hypothese Gott die Entstehung der Artenvielfalt und des Menschen nicht möglich ist. Die christliche Botschaft vom planvollen Eingreifen Gottes bei der Entstehung der Welt und des Menschen hat für mich nur noch historische und literarische Bedeutung.

Ziel und Plan, Absicht und Zweck sind typisch menschliche Kategorien, nach denen wir die Welt als Ganzes beurteilen möchten. Das Existierende erscheint uns nur deshalb als »gewollt«, weil wir gewohnt sind, Zweckmäßiges und Angepasstes in den Kategorien von Ziel und Plan zu interpretieren. Es ist aber vielmehr so: Das Vorhandene existiert nur, weil es durch Mutation und Auslese an seine Umwelt zweckmäßig angepasst ist. Alles andere ist längst untergegangen.

Eine weitere Form der Gotteserfahrung ist zweitens

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Kanada: Erzapostel verurteilt öffentliche ‚schwarze Messe’

Die atheistische Organisation ‚The Satanic Temple’ hat zur ersten öffentlichen ‚schwarzen Messe’ Kanadas geladen. Jede Verwicklung in okkulte Praktiken kann ein Tor in das Reich des Bösen öffnen, warnt der Erzbischof.

kath.net

Terrence Prendergast, der Erzbischof von Ottawa (Kanada), hat eine für Samstag angesetzte „satanistische schwarze Messe“ als schändlich und abscheulich verurteilt.


Die Organisation „The Satanic Temple“ hat für den 17. August die erste öffentliche schwarze Messe in einer Heavy-Metal Bar in Ottawa angesetzt. Organisator Nicholas Marc hat 50 Eintrittskarten zu je 20 Dollar angeboten.

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„Wir müssen lauter werden“

Armin Navabi, Gründer von „Atheist Republic“, erläuterte dem Düsseldorfer Publikum, wie man den Islam bekämpft, ohne Muslime zu bekämpfen. Bild: Ricarda Hinz

Wenn wir das politische Spiel nicht mitspielen, verlieren wir – das ist die klare Botschaft von Armin Navabi, Gründer von „Atheist Republic“, bei seinem Vortrag in Düsseldorf. Er appellierte an Atheisten, sich füreinander zu engagieren, so wie es religiöse Gemeinschaften sehr erfolgreich tun. Andernfalls werde sich an der kritischen Lage der Ungläubigen in der Welt nichts ändern. Im Zuge dessen sprach der hpd mit ihm.

hpd.de

Armin Navabi ist ein Promi in der internationalen Atheisten-Szene. Er ist der Gründer von „Atheist Republic“, einer Organisation, die Ungläubige weltweit vernetzen und unterstützen will. 2011 ging die Facebook-Seite online, heute haben sie 2,3 Millionen Menschen mit „Gefällt mir“ markiert. Die Online-Community hat 1,7 Millionen Mitglieder, kann man auf der Website nachlesen. Dort gibt es unter anderem eine Sammlung atheistischer Blogs, einen Podcast, dem Besucher der Seite ihre selbst aufgenommenen Ansichten und Botschaften zur Verfügung stellen können und eine Galerie von Menschen, die sich selbst mit Schildern oder T-Shirts des Netzwerks ablichten.

Ein besonders Berühmtes ist das Bild von Rana Ahmad, die einen „Atheist Republic“-Zettel mit der Kaaba im Hintergrund fotografierte. So wurde die Online-Community auf sie aufmerksam und half ihr über eine Fundraising-Kampagne schließlich auch bei ihrer Flucht. Aber nicht nur das: Ranas Geschichte habe ihn inspiriert, nicht nur atheistische Inhalte zu verbreiten, sondern sich auch politisch zu engagieren und „Atheist Republic“ zu einer Hilfsorganisation zu machen, sagte Armin Navabi dem hpd: „Als ich dieses Foto gesehen habe, konnte ich es nicht fassen. Das kann man jemandem, der nicht selbst mal Muslim war, überhaupt nicht beschreiben, was das bedeutet. Das ist der heiligste Ort in der islamischen Welt. Was sie getan hat, war unglaublich mutig.“ Heute gebe es Vertretungen seiner Organisation in jeder größeren Stadt der Welt.

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HVD Bayern trennt sich vom Bundesverband

Der Humanistische Verband Deutschland, die Dachorganisation der rechtlich anerkannten Weltanschauungsgemeinschaften von Humanistinnen und Humanisten, wird in diesem Jahr seinen zweitgrößten Mitgliederverband verlieren.

Dr. Hanna Fülling | EZW

Der 1993 gegründeten Dachorganisation gehören gegenwärtig zwölf Landesverbände in 13 Bundesländern an, die ungefähr 25000 Mitglieder vertreten. Die Dachorganisation versucht, die verschiedenen Mitgliederverbände und deren jeweilige Auffassungen über die Strukturen, die Ausrichtung, die Kooperationspartner und die Zielsetzungen zusammenzuhalten. Dass diese Bemühungen jedoch nicht immer von Erfolg gekrönt sind, zeigte sich im April dieses Jahres. Auf der Bundesdelegiertenversammlung verließen die Delegierten des HVD Landesverbands Bayern geschlossen die Versammlung vor deren Ende. Ulrike von Chossy, die Vizepräsidenten des Dachverbandes sowie Mitglied im HVD Bayern ist, berichtet in „humanistisch!“, dem Magazin des HVD Bayern, dass dieser Entscheidung eine Abstimmung auf der Bundesdelegiertenversammlung vorausgegangen war, durch welche die Autonomie der einzelnen Mitgliederorganisationen stärker als bisher eingeschränkt werden sollte. Diese neuen Bestimmungen hätten insbesondere den HVD Bayern betroffen.

Diesem Vorfall waren jedoch weitere Unstimmigkeiten vorausgegangen. Ulrike von Chossy führt aus, dass etwa die Mitgliedschaft des HVD-Dachverbandes im Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) strittig war. Diese habe die Kompromissbildung im HVD zusätzlich erschwert. Kompromisse des Dachverbandes seien im KORSO noch einmal zur Kompromissbildung vorgelegt worden, wodurch das Profil des HVD empfindlich geschwächt worden sei. Strittig war beispielsweise der Humanistische Unterricht an öffentlichen Schulen, für den sich der HVD Bayern einsetzte und der vom KORSO vehement kritisiert wurde. Ulrike von Chossy sieht darin insgesamt eine Schwächung der humanistischen Position.

Der Landesverband Bayern wird seine Konsequenzen daraus ziehen und sich Ende des Jahres vom HVD trennen. Erste Schritte der Ablösung hat der Verband bereits durch eine Namensänderung durchgeführt. Seit Juli 2019 ist er nicht mehr als HVD Bayern, sondern als Humanistische Vereinigung (HV) eingetragen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Bundesverband des HVD in Zukunft entwickeln wird. Dabei wird besonders zu beobachten sein, ob die humanistischen oder die säkular-laizistischen Strömungen mehr Gewicht bekommen werden. Der Austritt des Bayerischen Landesverbandes deutet daraufhin, dass sich zukünftig die säkulare-laizistische Position stärker etablieren wird. Doch es bleibt abzuwarten, ob sich diese Prognose bewahrheiten wird.

Homöopathie: Der Betrug, gegen den keiner zu klagen wagt

Foto: istockphoto.com/at/portfolio/PicLeidenschaft

Europäische Staaten verschärfen die Gangart gegen die Pseudomedizin, auf EU-Ebene behält das Globuli-Business noch rechtliche Privilegien, die den Arznei-Betrug unterstützen.

Christian Kreil | DERSTANDARD/Diskurs

Homöopathische Zaubermittelchen dürfen als Medizin verkauft werden, an die strengen Zulassungsbestimmungen für Arzneimittel sind die Globuli aus Milchzucker allerdings nicht gebunden. So lässt sich die Arzneimittelrichtlinie der EU aus dem Jahr 2001 auf den Punkt bringen. Homöopathika gelten demnach als Medizin, weil die Hersteller es behaupten und nicht, weil sie eine Wirkung nachweisen können. Die „Initiative Homöopathie“ macht in einem offenen Brief an die Abgeordneten der Europäischen Parlaments Druck, dieses absurd anmutende Arzneimittelprivileg für Homöopathika auf europäischer Ebene zu Fall zu bringen. Der Hintergrund: Länder wie England, Frankreich und Spanien verschärfen den Ton gegen die Homöopathie in nationalen Alleingängen. Mit anderen Worten: Auf EU-Ebene ist pharmazeutischen Unternehmen mit dem Vertrieb wirkungsloser Produkte nach wie vor ein Betrug gestattet, den immer mehr Regierungen durchschauen und einzudämmen versuchen.

Die Initiative gegen die Sonderstellung der Pseudomedizin ist ehrenwert und nötig. Warum Patienten, Kunden oder Geschädigte noch nie gegen den Betrug mit inhaltslosen Zuckerkugeln geklagt haben, erschließt sich dem Blogger nicht ganz. Was außer Betrug soll der Verkauf von Zucker als Arznei schon sein?

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Studie: Konfessionslose werden in immer mehr Ländern schikaniert &mdash& Zunahme der Verfolgung

Nicht nur die Angehörigen bestimmter Religionsgruppen, auch religiös nicht gebundene Menschen geraten laut Experten weltweit unter Druck. Das Spektrum der Angriffe reicht von verbalen Attacken, über körperliche Gewalt bis hin zu Mord.

DOMRADIO.DE

Wie das Washingtoner Pew Research Center in einer am Montag veröffentlichten Analyse ermittelte, sehen sich Freidenker und Atheisten in 23 Ländern der Welt zunehmender Verfolgung ausgesetzt. Die Untersuchung bezieht sich auf Zahlen aus dem Jahr 2017 und dokumentiert einen deutlichen Anstieg um neun Länder im Vergleich zu 2016.

Verbale Attacken bis hin zu körperlicher Gewalt

Zu den Belästigungen nicht-religiöser Menschen zählen demnach verbale Attacken bis hin zu körperlicher Gewalt und Mord. Die Repressionen gehen laut Pew sowohl von Regierungen, Gruppen als auch von Einzelpersonen aus.

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Der „Gotteslästerungsparagraph“ 166 gehört abgeschafft

Bild: IBKA

Nach § 166 des deutschen Strafgesetzbuches macht sich strafbar, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Pressemitteilung | IBKA

Das Strafmaß ist Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Was ist das Problem?

Menschen verdienen Schutz vor Beleidigung, nicht Doktrinen, Ideologien oder Religionen.

Der § 166 wird mit der Begründung verteidigt, religiöse Gefühle dürften nicht beleidigt werden. Dabei wird verkannt, dass der Paragraph nicht religiöse Gefühle schützen soll, sondern die öffentliche Ordnung.

Obwohl er seit Ende der 1960er Jahre nicht mehr „Gotteslästerung“ unter Strafe stellt, wird er zumeist von Menschen bemüht, die ihre Religion unangemessen dargestellt sehen. Bezeichnenderweise erregen bildliche Darstellungen viel häufiger Anstoß als etwa verbale Attacken auf Bekenntnisinhalte.

Obwohl er gar nicht den Zweck hat, religiöse Gefühle zu schützen, lädt er dazu ein, die Staatsgewalt in Anspruch zu nehmen, um gegen als anstößig empfundene Darstellungen der eigenen Religion vorzugehen, d.h. als Zensurinstrument benutzt zu werden.

Dass die Strafbarkeit an die mögliche Störung des öffentlichen Friedens geknüpft ist, erhöht zwar die Anforderungen an die Strafbarkeit, hat aber zur Folge, dass der Paragraph am ehesten bei Religionen mit gewaltbereiter Anhängerschaft greift.

In Deutschland sind Verurteilungen wegen Beschimpfung der Religion seit einigen Jahrzehnten selten. Anderswo sieht dies jedoch anders aus.

In etlichen islamisch geprägten Ländern ist die „Beleidigung“ des Islam oder des Propheten mit schweren Strafen bedroht. Diese Strafvorschriften sind ein Repressionsinstrument gegen religiöse und weltanschauliche Minderheiten.

Dass Deutschland am § 166 festhält, erschwert die Abschaffung dieser menschenrechtswidrigen Strafvorschriften.

In Ländern wie Norwegen und Irland wurde diese Problematik erkannt und die Strafbarkeit von Blasphemie abgeschafft. In vielen Ländern sind derartige Strafvorschriften generell unbekannt.

Die Konsequenz ist klar: Der § 166 kann seinen Zweck, den öffentlichen Frieden zu schützen, nicht erfüllen. Aus menschenrechtlicher Sicht ist er schädlich und muss daher ersatzlos abgeschafft werden.

So I Told These Nomads About the Big Bang…

To explain her motivations as a writer, Anna Badkhen quotes the Polish poet Zbigniew Herbert: “you have little time you must give testimony.” Badkhen recently stopped by the Nautilus office to sit for an interview and take us behind the scenes of “The Men Who Planted Trees,” her cover story for the Spring 2014 Nautilus Quarterly. The title refers to a village of fishermen in Mali who are reforesting a stretch of the Bani River to stem the mudslides that threaten their livelihoods. “They became volunteer conservationists, planting back the bush,” she writes.

By Kevin Berger | NAUTILUS

Badkhen met the villagers while walking across West Africa with nomadic Fulani cattle-herders while doing research for a forthcoming book. Born and raised in the Soviet Union, Badkhen, 38, is something of a nomad herself, a journalist who has traversed some of the most extreme environments on the globe. After reporting from the war zones in Afghanistan and Iraq, she embedded among New Orleans neighbors in the wake of Hurricane Katrina, telling the same kind of quietly powerful tales of ordinary people riven by extraordinary circumstances that she had in Iraq. 

For her 2013 book, The World Is a Carpet, Badkhen lived for a year with a family of carpet weavers in a dusty village in Afghanistan, detailing a way of life in which time seemed to have vanished. Living among the weavers, and last year among the Fulani cowboys, constitutes the kind of work that now excites the former war correspondent—although she can’t quite put a label on it. “I see myself as a storyteller. I see myself as a connector of the world,” she says. “I insert myself into the lives of people for very long stretches of time. I guess you could call it ‘slow journalism.’ ”

We were thrilled to have Anna practice her slow journalism for Nautilus, and hope you enjoy our interview with her. 

Napoleon und die Kirche: Ein taktisches Verhältnis — Die religiöse Landschaft auch in Deutschland umgekrempelt

Krönung von Napoleon Bonaparte in Anwesenheit von Papst Pius VII.
© Wikimedia Commons/gemeinfrei

Der Papst als Verräter? Als Pius VII. Napoleon bei der Kaiserkrönung salbte, waren die Monarchisten empört – segnete das Kirchenoberhaupt damit doch die Französische Revolution. Doch Pius war alles andere als willfährig.

DOMRADIO.DE

Frankreich feiert den 250. Geburtstag von Napoleon Bonaparte. Der Feldherr und Kaiser, der am 15. August 1769 im korsischen Ajaccio zur Welt kam, hat Europas Landkarte umgekrempelt. Auch für Katholizismus und Kirche war seine Herrschaft ein Wendepunkt.

„Ich sterbe in der apostolischen und römischen Religion, in deren Schoß ich vor mehr als 50 Jahren geboren wurde.“ So heißt es im Testament, das Napoleon 1821 kurz vor seinem Tod am 15. Mai in der Verbannung auf St. Helena diktierte. Zuvor hatte er von zwei italienischen Patres die Sterbesakramente erhalten.

Versöhnung der Gesellschaft

Dennoch: Napoleons Verhältnis zur Religion war weithin taktisch geprägt. Persönlich war er nicht fromm, sah den Katholizismus aber als Teil seines Lebens und als „die Religion meiner Väter“, wie seine Biografen Günter Müchler und Adam Zamoyski betonen. Religion war für ihn Klebstoff für die Gesellschaft und Schutz vor sozialen Unruhen.

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Literaturwissenschaftlerin über Religion und Glaube bei Fontane: „Letztlich sind wir doch alle Europäer“

Theodor Fontane Denkmal in Neuruppin
© John Kehly (shutterstock)

Ein Schriftsteller in einer „entkirchlichten Zeit“: In punkto Religion lässt sich Theodor Fontane nur schwer festlegen. Anlässlich seines 200. Geburtstags untersucht die Literaturwissenschaftlerin Lütteken Fontanes Religiosität und Hang zur Ironie.

DOMRADIO.DE

Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): Was ist über die religiöse Prägung in Theodor Fontanes (30. Dezember 1819 in Neuruppin – 20. September 1898 in Berlin) Kindheit bekannt?

Anett Lütteken (Literaturwissenschaftlerin): Ein wenig lässt sich aus seinem autobiografischen Roman „Meine Kinderjahre“ in Erfahrung bringen. Es geht zum Beispiel darum, dass seine Familie in der Refugie-Tradition stand, sich also zur französischen Herkunft bekannt hat und damit auch zum reformierten Bekenntnis.

Zugleich schreibt er, seine Mutter sei sehr temperamentvoll gewesen – aber es habe bei ihr keine Spur von „Religionseifer“ gegeben. Er beschreibt sie vielmehr als „Kind der Aufklärungszeit“. Das lässt sich als sanfter Hinweis lesen: Man war zwar Teil der reformierten Gemeinde im Großraum Berlin-Brandenburg, aber viel mehr nicht.

KNA: Wie sah dieses Gemeindeleben aus?

Lütteken: Viele Dinge, die im 19. Jahrhundert selbstverständlich waren, sind heute nicht mehr präsent. Dazu gehören auch Aktivitäten und Praktiken von Frömmigkeit. Fontane selbst gibt darüber nur bescheidene Auskunft: Gegen Ende seines Lebens schildert er etwa, wie er Weihnachten verbracht hat – jeweils in einem Satz zusammengefasst.

Generell sollte man diesen privaten Menschen von dem Publizisten Fontane trennen. Das Gesellschaftspanorama, das er verfasst hat, ist nicht mit seiner persönlichen Einschätzung gleichzusetzen.

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NSA-Enthüller Snowden veröffentlicht Memoiren im September

NSA-Enthüller Edward Snowden bringt ein neues Buch auf den Markt.Foto: ap

In „Permanent Record. Meine Geschichte“ will Ex-Geheimdienstler seinen Weg zur Gewissenskrise beschreiben

DERSTANDARD

Der Whistleblower Edward Snowden, der 2013 die ausufernde Internet-Überwachung durch amerikanische und britische Geheimdienste enthüllt hatte, veröffentlicht am 17. September seine Memoiren.

In dem Buch mit dem Titel „Permanent Record. Meine Geschichte“ wolle der Ex-Geheimdienstler unter anderem seinen Weg zur Gewissenskrise beschreiben, die ihn zu den Enthüllungen bewegt habe, teilte der S. Fischer Verlag am Donnerstag mit.

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Religionswissenschaftlerin über christliche Botschaften im Heavy Metal: „Kein Widerspruch“

Ein Besucher des Musikfestivals „Wacken Open Air“ © Michael Althaus (KNA)

„Es gibt Bands, die ganz klar christliche Botschaften vermitteln“, meint die Religionswissenschaftlerin Anna-Katharina Höpflinger, die das Verhältnis von Heavy Metal und Religion erforscht. Denn beide beschäftigen sich mit den Schattenseiten des Lebens.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: 75.000 Menschen sind beim größten Heavy-Metal Festival der Welt. Symbole, die man dort häufig sieht sind der Teufelsanbeter, Teufelshörner, umgedrehte Kreuze und Totenköpfe. Trotzdem hat Heavy Metal nichts gegen das Christentum. Es gibt sogar Zusammenhänge, sagen Sie. Wie sieht die aus?

Dr. Anna-Katharina Höpflinger (Religionswissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität München): Ja, es gibt christlichen Metal. Und es gibt auch sonst ein sehr reges Wechselspiel zwischen Metal und Religion. Nicht jede Band ist automatisch satanistisch oder böse.

DOMRADIO.DE: Wie sieht dieses Wechselspiel aus?

Höpflinger: Viele Bands nehmen religiöse Botschaften auf – von christlichen bis zu hinduistischen Motiven. Es gibt Bands, die ganz klar christliche Botschaften vermitteln. Oder es gibt zum Beispiel Bands, die Weihnachtslieder covern.

DOMRADIO.DE: Die Band Black Sabbath mit Ozzy Osbourne hat Fledermäusen den Kopf abgebissen. Es gibt weitere Geschichten von Bands, die ihr Publikum mit Schweineblut bespritzen. Und natürlich das umgedrehte Kreuz. Spricht das alles nicht eher gegen das Christentum?

Höpflinger: Beim Heavy Metal gibt es wirklich alles. Und natürlich gibt es auch Bands, die wirklich zur „Church of Satan“ gehören – aber eben nicht alle. Der Gedanke, dass quasi der ganze Metal so mächtig sei, stammt eigentlich aus den 80er Jahren. Dort gab es in den USA so eine Art „moral panic“ also eine moralische Panik, die die Idee hat, dass Heavy Metal die Jugend verführe. Heavy Metal solle nicht nur zu Sekten und bösem Okkultismus, sondern auch zum zügellosen Sex, zu Gewalt oder in Drogen führen. Damals wurde auch eine Liste herausgegeben mit den fünfzehn schlimmsten Bands, neun davon sind wirklich Heavy Metal Bands auf dieser Liste.

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„Der Staat muss gottlos sein“

Gegen die Kreuzungen von Kirche und Staat hat Helmut Ortner eine Streitschrift verfasst (imago images / Joker / Hartwig Lohmeyer)

In dem Buch „Exit“ rechnen mehr als 20 Autorinnen und Autoren mit der Religion ab. Deutschland sei noch immer kein säkularer Staat, erklären sie. Herausgeber Helmut Ortner kritisiert im Dlf, dass es eine „große, unabgesprochene Allianz“ zwischen Politik und Kirchen gebe.

Helmut Ortner im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Die Religion wurde vor 100 Jahren gezähmt durch die Weimarer Reichsverfassung. Das haben wir gerade gehört. Aber das reicht nicht, sagen Religionskritiker. Der Weg zum wirklich säkularen deutschen Staat ist noch weit. Verschiedene Autorinnen und Autoren, darunter so bekannte Namen wie Hamed Abdel-Samad, Michael Schmidt-Salomon und Ingrid Matthäus-Maier haben nun unter dem Titel „Exit“ eine Abrechnung mit der Religion veröffentlicht. Die Botschaft des tiefschwarzen Buches mit pinkem Titel: Religion verblendet, ja, verblödet, vergiftet. Herausgeber ist der Journalist Helmut Ortner. Er ist jetzt aus Frankfurt zugeschaltet. Guten Morgen Herr Ortner.

Helmut Ortner: Guten Morgen.

„Trennung von Staat und Kirche noch nicht vollzogen“

Florin: Herr Ortner, gestern fand bei Ihnen in Frankfurt auf dem Bahnhofsvorplatz eine ökumenische Trauerandacht für den getöteten achtjährigen Jungen statt, der auf ein Gleis gestoßen und vom ICE erfasst worden ist. Was haben Sie gegen derart öffentlich praktizierte Religion?

Ortner: Gar nichts. Eine kollektive öffentliche Andacht kann Trost spenden, kann Schmerz lindern. Das kann aber auch eine ebenso nicht-kirchliche Zusammenkunft leisten. Es kommt darauf an, dass für die Trauer die richtigen Worte gefunden werden. Und das ist immer ein Zeichen von Humanität, gesellschaftlicher Solidarität und Empathie, unabhängig, ob es ein Priester spricht, die Worte, oder ein Philosoph oder ein Schriftsteller.

Florin: Und warum heißt Ihr Untertitel „Warum wir weniger Religion brauchen“? Was stört Sie an öffentlicher Religion?

Ortner: Wir haben eben den Beitrag gehört. Natürlich gibt es einen Verfassungstext, aber es hapert an der Umsetzung. Die Verfassungswirklichkeit sieht anders aus. Die Autorinnen/Autoren in dem „Exit“-Band beschreiben das deutlich und eindringlich und fordern die konsequentere Trennung von Staat und Kirche. Das heißt, die strikte Beachtung des Verfassungsgebots der weltanschaulichen Neutralität des Staates, die ist immer noch nicht gegeben. Etwa, wir zahlen immer noch die Bischofsgehälter aus dem allgemeinen Steuertopf und im Arbeitsrecht unterlaufen die Kirchen gewisse Standards. Wir haben auch gesehen, dass bei den katholischen Missbrauchstätern die Strafverfolgung nicht das leistet, was ein Rechtsstaat ansteht. Und bis hin zu schwerstkranken Menschen, denen das Recht verwehrt wird, selbstbestimmt zu sterben. All das macht deutlich, dass die Trennung von Kirche und Staat noch nicht in der Weise vollzogen ist, wie ich mir das wünsche und die Mehrzahl der Autoren in dem Band.

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Von Totenköpfen und Teufelshörnern – Religion auf dem Wacken Open Air

Morgen startet das weltgrößte Heavy-Metal-Festival im norddeutschen Wacken. Neben langen Haaren und schwarzer Kleidung gehören auch anti-religiöse Symbole zu den Erkennungszeichen der Fans. Wie ernst meinen sie es damit wirklich?

Von Michael Althaus | katholisch.de

Party, laute Musik und jede Menge Alkohol: Im schleswig-holsteinischen Dörfchen Wacken (Kreis Steinburg) herrscht am erstem Augustwochenende wieder der Ausnahmezustand. Rund 75.000 Fans reisen zum Wacken Open Air an, dem nach eigenen Angaben weltgrößten Heavy-Metal-Festival. Neben langen Haaren und schwarzer Kleidung gehören auch anti-religiöse Symbole zu den Erkennungszeichen der Metaller: Ihr Gruß mit den zwei abgespreizten Fingern erinnert an die Satanshörner. Mancher Fan schmückt sich gerne mit einem umgedrehten Kreuz oder einer Totenkopfdarstellung. Und die von ihnen umjubelten Bands tragen Namen wie „Megadeth“, „Destroyer“ oder „Die apokalyptischen Reiter“.

Nicht selten wird daher der Generalverdacht gehegt, Heavy Metal stehe mit dem Christentum auf Kriegsfuß. Laut der Religionswissenschaftlerin Anna-Katharina Höpflinger eine unbegründete Vermutung. Die Forscherin an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität untersucht seit 2006 das Verhältnis von Heavy Metal und Religion. „In der Heavy-Metal-Szene sind so unterschiedliche Weltanschauungen vertreten wie in der Gesamtgesellschaft auch“, sagt die Expertin.

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