Carolin Kebekus: „Ich werde vor keinem Thema zurückschrecken“

Bild:kebekus.youtube
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Ihre Lästerzunge ist weithin gefürchtet: Bei ihren Auftritten nimmt Carolin Kebekus kein Blatt vor den Mund. Sie macht sich über peinliche Anmachsprüche genauso hemmungslos lustig wie über Helene Fischer oder die Kirche. Mit ihren frechen und respektlosen Späßen eckt die 36-Jährige oft an, 2013 kam es zum Eklat, nachdem der WDR einen kirchenkritischen Rap aus ihrer Sendung geschnitten hatte. Jetzt macht die Komikerin den Sprung ins ARD-Hauptprogramm: Ihre monatliche Personalityshow „PussyTerror TV“, die seit 2015 im WDR läuft, ist ab 29.9. im Ersten zu sehen.

Interview Cornelia Wystrichowski | evangelisch.de

Frau Kebekus, vor drei Jahren bekamen Sie mit der katholischen Pius-Bruderschaft und dem WDR Riesenärger, weil Sie in einem satirischen Beitrag an einem Kruzifix geleckt hatten. Trotzdem schaffen Sie es jetzt mit der Sendung „PussyTerror TV“ ins Erste. Empfinden Sie eine späte Genugtuung?

Carolin Kebekus: Natürlich denke ich mir, dass es ein langer und steiniger Weg bis hierhin war. Aber ich denke nicht: „Geil, jetzt habe ich es denen allen gezeigt.“ Ich habe mit allen Beteiligten von damals lange und viel über die Sache geredet, und das Ding ist für mich tatsächlich erledigt.

Ihr Kollege Jan Böhmermann hat mit seinem Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan neulich ebenfalls die Grenzen der Kunstfreiheit kennengelernt und sich damit erheblichen Ärger eingehandelt…

Kebekus: Es ging ihm darum, diese Grenze zu zeigen, und das hat er geschafft, würde ich sagen. Aber das, was er an Konsequenzen gespürt hat, dass die Kanzlerin ihn verleugnet und dem Löwen zum Fraß vorgeworfen hat, fand ich als Künstler in Deutschland sehr erschreckend.

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Das Goldene Brett vorm Kopf: Die Kandidaten

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Der selbsternannte Heiler Ryke Geerd Hamer, der österreichische Kabarettist Roland Düringer und das Krebszentrum Brüggen stehen auf der Shortlist für den Negativpreis für den größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres. Das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ erhält die Website Zentrum-der-Gesundheit.de.
 

GWUP

Am 11. Oktober 2016 verleiht die GWUP e. V. in diesem Jahr Das Goldene Brett vorm Kopf. Zahlreiche Nutzer nominierten in den letzten beiden Wochen mehr als 200 Personen und Institutionen, die mit wissenschaftlich widerlegten Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen. Nun hat die Jury drei Finalisten ausgewählt: Den Wunderheiler Ryke Geerd Hamer, den österreichischen Kabarettisten und Politiker Roland Düringer und das Krebszentrum Brüggen-Bracht, eine pseudomedizinische Krebsklinik.

Die Laudatoren sind:
Lorenz Meyer (Sheng Fui)
Mai-Thi Nguyen-Kim (The Secret Life of Scientists)
Stefan Niggemeier (Bildblog, Übermedien)

Erstmals findet die öffentliche Verleihungsfeier für „Das Goldene Brett vorm Kopf“ in Deutschland statt, und zwar am 11. Oktober 2016 um 20 Uhr im Uebel & Gefährlich (Feldstraße 66) in Hamburg. Zeitgleich werden die diesjährigen Gewinner auch auf einer Parallelveranstaltung in Wien (Urania, Uraniastr. 1) bekanntgegeben, wo der Negativpreis bereits zum sechsten Mal vergeben wird.

Zusätzlich zum „Goldenen Brett“ für einen der drei Finalisten wird auch noch das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ vergeben, und zwar an das „Zentrum der Gesundheit“.

Ryke Geerd Hamer – antisemitischer AIDS-Leugner.

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Shimon Peres, relentless advocate of a better Israel, a better world

Shimon Peres in conversation with David Horovitz at The Times of Israel Gala, the Waldorf Astoria, New York, February 15, 2015 (photo credit: Perry Bindelglass / Times of Israel)
Shimon Peres in conversation with David Horovitz at The Times of Israel Gala, the Waldorf Astoria, New York, February 15, 2015 (photo credit: Perry Bindelglass / Times of Israel)
A personal appreciation of a leader who touched more Israeli lives than any other, and certainly affected mine

By David Horovitz | The Times of Israel

When you work with a country’s founding prime minister at the very start of its statehood, and you’re still its iconic elder statesman seven decades later, you’re going to impact a lot of people’s lives. Directly and indirectly, Shimon Peres surely affected the lives of more Israelis than anybody else. And if we haven’t yet become the nation at peace that he strove for us to become, it surely wasn’t for the lack of his trying.

Looking back through clips today, I realize I must have interviewed Shimon Peres more than I’ve interviewed anybody else. Year after year when he was president; a few years ago onstage at the Jewish Federations General Assembly in Jerusalem; at a world Jewish media summit here in 2014; at The Times of Israel’s Gala in New York last year in front of 1,200 people, and a few more times besides. And I only knew him in the latter stages of his extraordinary life.

The consistent theme in his conversations, in the presidential years and beyond, was that peace is attainable. He would argue, even in the darkest of periods, that Mahmoud Abbas is “absolutely” a partner for peace. He would implicitly criticize Prime Minister Benjamin Netanyahu, and others, for not doing enough to advance it. “If you’ve decided on a Palestinian state, then you have to make that decision happen,” he told me once, asking plaintively, “So what’s the alternative? That there be one state and the majority will determine its nature?”

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Flüchtlingsdebatte: Rhetorik ohne Obergrenze

© Picture-Alliance Vermutlich hält nicht nur Sigmar Gabriel dieses Foto aus dem letzten Jahr für Merkels angebliche Einladung der Flüchtlinge.
© Picture-Alliance Vermutlich hält nicht nur Sigmar Gabriel dieses Foto aus dem letzten Jahr für Merkels angebliche Einladung der Flüchtlinge.
Staatsversagen. Herrschaft des Unrechts. Ein Riss durchs Land, hier die Deutschen, dort die Berliner Politik. Destabilisierung. Souveränitätsverzicht. Und Millionen Flüchtlinge, von der Kanzlerin eingeladen: Über ein Jahr des haltlosen Geredes – und was es angerichtet hat.

Von Tobias Rüther | Frankfurter Allgemeine

Was für eine Wut drei Wörter entzünden können. Ein kurzer Satz, über den, seit er zum ersten Mal fiel, nonstop geredet wird, heute Morgen sicher auch schon wieder an Sonntagsfrühstückstischen. „Wir schaffen das“, sagte die Bundeskanzlerin vor ziemlich genau einem Jahr, als Flüchtlinge in wachsender Zahl nach Deutschland kamen. Seitdem arbeiten Angela Merkels Gegner nicht nur daran, die Zahl ankommender Flüchtlinge einzudämmen, sondern vor allem daran, dass die Kanzlerin ihren Satz endlich zurücknimmt. Anerkennt, dass er nicht stimmt. Dass sie sich entschuldigt und eingesteht, wie vermessen er war. Dass sie falsch lag, anders als ihre Gegner, und nun endlich auf diejenigen hört, die es von Anfang an besser wussten. Und vor allem: dass Angela Merkel dafür ganz laut ein anderes Wort ausspricht, das in den vergangenen zwölf Monaten ebenfalls zur Beschwörungsformel wurde: Obergrenze.

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Deutsch-türkisches Magazin kämpft gegen Klischees

Vielseitig. Chefredakteurin Melisa Karakus hat aufgehört, darüber nachzudenken, ob sie nun türkisch oder deutsch ist.Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Vielseitig. Chefredakteurin Melisa Karakus hat aufgehört, darüber nachzudenken, ob sie nun türkisch oder deutsch ist.Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Das deutsch-türkische Magazin „renk.“ will Klischees entgegenwirken. Online läuft das schon sehr gut – nun soll es auch in gedruckter Form erscheinen.
 

Von Yasmin Polat | DER TAGESSPIEGEL

Sie selbst trägt Schwarz. „Als Kontrast“, sagt Melisa Karakus und lacht. „Außerdem muss ich ja meinem Namen gerecht werden.“ Karakus, das heißt auf Deutsch: schwarzer Vogel.

Sie sitzt entspannt an einem der Tische der Blogfabrik und trinkt einen Schluck von ihrer Cola, auch schwarz, ist ja klar. Hier, im Hinterhof der Kreuzberger Oranienstraße, arbeitet sie seit drei Jahren an ihrem Online-Magazin „renk.“, zu Deutsch: Farbe. Das Magazin beschäftigt sich mit Klischees über Türken und stellt deutsch-türkische Kreative vor.

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Bürgerpreis für Edward Snowden

Kollage: brightsblog
Screengrab: brightsblog
Der amerikanische Whistleblower Edward Snowden ist am Sonntag mit dem Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ ausgezeichnet worden. Snowden habe mutig und in festem Glauben an Menschenrechte eine Gewissensentscheidung getroffen, die weltweit zum Nachdenken über verfassungsmäßige Grundrechte geführt habe, begründete Bernd Leifeld, Vorstand der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Bürgerpreises, die Ehrung.

evangelisch.de

Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro werde Snowden, der im Exil in Moskau lebt, überwiesen. Die zum Preis gehörende Skulptur werde so lange im Kasseler Stadtmuseum aufbewahrt, bis Snowden sie persönlich abholen könne.

Ein sichtlich bewegter Snowden, der live zu der Veranstaltung aus Moskau zugeschaltet war, beklagte eine weltweit zunehmende Angst. „Wir erleben die Entstehung einer Welt, in der die Angst der wichtigste politische Wert ist“, sagte er. Mühsam errungene Werte würden über Bord geworfen, um sich vor Bedrohungen zu schützen. „Das Gesetz ersetzt nicht das Gewissen“, begründete er sein aus Sicht der US-Justiz strafbares Handeln.

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Indian Blogger Arrested on Charges of Blasphemy

Image: Friendly Atheist
Image: Friendly Atheist
32-year-old atheist blogger Tarak Biswas was arrested in Kolkata (India) last week after he reposted an image critical of Islam on Facebook and officials were called in to stop the apparent madness.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

Sanaullah Khan, a Muslim leader from the Trinamool Congress party, played the role of accuser, whining about his hurt feelings to the local police, who then arrested Biswas.

Locals allege that the police picked up Biswas from his residence in the wee hours of Thursday night. According to the police, Tarak was arrested on charges of 295 A, 298 of the Indian Penal Code (hurting religious sentiments and hate speech), besides 66, 67 and 67A of the IT Act (posting, sending offensive messages through communication services). Later, he was produced before the local court, where he was remanded to seven days of police custody.

That police custody is now over, but Biswas still faces a more severe penalty and will appear in court next week to defend himself.

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„Es gibt zu viel Selbstbeweihräucherung von Religionen“

Frieder Otto Wolf ist Präsident des Humanistischen Verbands Deutschland (Humanistischer Verband Deutschland / Arik Platzek)
Frieder Otto Wolf ist Präsident des Humanistischen Verbands Deutschland (Humanistischer Verband Deutschland / Arik Platzek)
Religionskritik habe zu wenig Raum in öffentlichen Debatten, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland, im DLF. Sie müsse jedoch „genau und von Respekt getragen“ sein. Gefährlich werde es dagegen, wenn Religionskritik als „Mittel zur Abschottung“ diene, betonte der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel.

Frieder Otto Wolf und Gert Pickel im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Fast alles ist erlaubt, aber ist jede Islamkritik, jede Kirchenkritik, jede Kritik an Juden sinnvoll? Diese Frage geht an einen Konfessionslosen und an einen Religionssoziologen, auch in der Hoffnung, dass die beiden vielleicht ein wenig bündeln und bilanzieren und ein Antwort auf unsere Frage finden – „wie geht Religionskritik richtig?“

Der eine, Frieder Otto Wolf, ist Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland, sozusagen ein organisierter Religionskritiker. Gert Pickel ist Professor für Religionssoziologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Guten Morgen, Herr Pickel.

Gert Pickel: Guten Morgen, Herr Main.

Main: Und guten Morgen, Herr Wolf.

Frieder Otto Wolf: Guten Morgen.

Main: Frieder Otto Wolf, auch ein Religionskritiker ist hoffentlich selbstkritisch. Lassen Sie uns beginnen mit der Kritik an der Religionskritik. Was geht gar nicht?

Wolf: Ja, ich denke, da ist es erst mal wichtig zu unterscheiden. Ich würde nicht sagen, dass ich ein organisierter Religionskritiker bin, sondern ich bin ein organisierter Religionsfreier. Und Religionsfreiheit ist nicht religionskritisch, sondern so, wie jemand, der so mit seinen Neurosen klarkommt, ohne eine Psychoanalyse zu machen, der guckt auch nicht auf die herab, die eine Psychoanalyse brauchen. Das ist ein tollkühnes Bild, aber die Religiösen sind irgendwie mit einer höheren Bindung in ihrem Leben versehen, glauben sich versehen – und wir Religionsfreien sind das nicht. Das werfen wir ihnen nicht vor. Das ist keine Kritik. Religionskritik ist was anderes.

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Iranischen Aktivisten droht die Todesstrafe

Sina Dehgan, Bild: RDF
Sina Dehgan, Bild: RDF
Der Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE) und die Richard Dawkins Foundation (RDF) wenden sich mit einem Aufruf an alle säkularen Menschen und Verteidiger der freien Meinungsäußerung.

Richard Dawkins-Foundation

Ein Aufruf an alle säkularen Menschen und Verteidiger der freien Meinungsäußerung:

Der Iran will zwei Aktivisten, die den Islam und den Quran kritisiert haben, hinrichten. Wir rufen euch alle auf, dagegen zu protestieren.

Der Ex-Muslim Sina Dehgan (19 J.) hatte 2015 im Internet eine Kampagne gestartet, um auf die Probleme des Islams hinzuweisen. Seitdem ist Sina Dehgan in Gefahr. Er wurde von der Geheimpolizei in Arak festgenommen und sitzt seitdem im Gefängnis.

Sein Mitstreiter Mohammad Nouri wurde schon wegen Prophetenbeleidigung verurteilt und soll hingerichtet werden. Nach unseren Informationen haben beide schon Einspruch gegen ihre Verurteilung an das Hohe Gericht erhoben.

Außerdem wurde Frau Sahar Almasi, die mutig mit diesen tapferen Männern zusammengearbeitet hat, bereits vor drei Jahren inhaftiert.

Diese Aufklärer brauchen unsere Unterstützung! Nach unserer Erfahrung kann nur der internationale Protest diese Menschen noch retten. Wir müssen gemeinsam gegen diesen unmenschlichen Umgang mit Atheisten und Religionskritiker protestieren. Bitte engagiert euch, denn die freie Meinungsäußerung ist ein Menschenrecht, welches keine Regierung mit dem Tode bestrafen darf.

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Das wird man doch wohl noch sagen dürfen …

Stephanie Kuhnen (c) Martin Pe
Stephanie Kuhnen (c) Martin Pelzer
Queere Political Correctness kann jederzeit alle treffen. Dafür braucht man nur eine eigene Meinung!

Von Stephanie Kuhnen | SIEGESSÄULE.DE

Heute schon von einer Gesinnung terrorisiert worden? Oder von linksgrünen Pädo-Schwulen frühsexualisiert? Oder womöglich von der Evolution ausgemusterten Genderistinnen kastriert? Oder in Kreuzberg vom IS verschleppt? Von im Internet herumlungernden Gutmenschen in die Arbeitslosigkeit gemobbt? Von queer-radikalen Transen in die Geschlechtslosigkeit gegendert? Nicht? Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man die Medien der letzten Wochen verfolgt hat. Queere Political Correctness kann jederzeit alle treffen. Dafür braucht man nur eine eigene Meinung!

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Porentiefer Blödsinn

Beauty treatment - Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto Beauty treatment - Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto
Beauty treatment – Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto Beauty treatment
Die Kosmetikindustrie wirbt mit esoterischen Versprechungen, die sie nicht halten kann. Billige Hautcremes genügen völlig, teure Produkte zu kaufen lohnt sich nicht.

Von Florian Aigner | futurezone.at

Falten im Gesicht müssen aus irgendeinem Grund etwas schrecklich Lebensbedrohendes sein, sonst würde man nicht derart erbittert gegen sie kämpfen. Erwachsene Haut soll sich anfühlen wie ein Babypopo – das redet uns die Werbung ein. Dabei ist ein Babypopo ansonsten nicht unbedingt ein Körperteil, an dem man sich ein Beispiel nehmen sollte.

Erstaunlich ist, welche merkwürdigen Inhaltsstoffe heute in atemberaubend teure Tiegelchen gefüllt werden. Wer die Aufschriften auf Kosmetikprodukten liest, könnte meinen, er habe sich in die Bibliothek eines Biochemie-Instituts verirrt: Von Coenzymen ist da die Rede, von Pro-Retinol, von Phytomeren und Vitamin-Komplexen. Doch wenn diese Wundermittel unter kontrollierten Bedingungen getestet werden, etwa von unabhängigen Konsumentenschutz-Vereinen, dann zeigt sich immer wieder: Viele Kosmetikprodukte halten nicht was sie versprechen, die superteure Luxuscreme kann meistens auch nicht mehr als das Billigprodukt in der Großpackung. Oft ist Kosmetik nichts als Schönheits-Esoterik, ein Placeboprodukt im hübschen Döschen.

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Säkularität in die Verfassung

Wichtig ist nicht, dass es Freiheit für Religion gibt, sondern auch Freiheit von Religion.

Von Gerhard Engelmayer | Die Presse

Die Religionsfreiheit wird auch seitens der Kirche als wichtig empfunden, obwohl von der Aufklärung gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt. In der Tat ist Religionsfreiheit für die moderne Welt eine der Stützen für ein friedliches Zusammenleben, vor allem in einer globalisierten Welt, in der es viele Religionen gibt, die alle behaupten, die Wahrheit zu vertreten.

Die großen Kirchen haben sich damit arrangiert und halten Seminare ab, wie man zu einem friedlichen Zusammenleben mit anderen Religionen kommt, meist unter dem Titel „Dialog mit . . .“.

Keine Vorschriften

Dass es Menschen gibt, die solche Seminare gar nicht brauchen, liegt daran, dass sich diese Menschen heraushalten und anderen keine Vorschriften machen wollen, was sie zu denken und zu tun haben. In Anlehnung an Farkas könnte man formulieren, dass die Religion uns von den Problemen befreit, die wir ohne sie gar nicht gehabt hätten. Diese Menschen schwören auf Religion im stillen Kämmerlein oder überhaupt auf Religionsabstinenz. Aber sie schwören auch wie einst Voltaire darauf, dass sie ihr Leben dafür geben wollen, dass der andere seine Meinung sagen kann*, auch wenn sie diese für falsch oder vielleicht sogar für kompletten Stuss halten.

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*Anm.: Das Zitat ist von Evelyn Beatrice Hall und nicht von Voltaire.

Nichtreligiöse in Ghana: Nicht gottgefällig

In Deutschland weit verbreitet, in Ghana eher nicht: Kernsatz des Humanismus Foto: Photocase / zettberlin
In Deutschland weit verbreitet, in Ghana eher nicht: Kernsatz des Humanismus Foto: Photocase / zettberlin
Wer in Ghana nicht gläubig ist, gehört zu einer Minderheit. Skepsis über Religion sollte lieber vorsichtig geäußert werden.

Von Dshamilja Roshani | taz.de

Schatten zucken im Neonlicht. Der Bass dröhnt, Menschen tanzen und singen, klatschen im Takt zur Gospelmusik. Als der letzte Akkord verklungen ist, erklingt die Stimme des Priesters – sie tönt durch große Lautsprecher: mal beruhigend, mal verständnisvoll. Dann anklagend. Die Menschen erheben sich, sprechen Gebete, recken die Arme zum Himmel. Die Stimme des Priesters wird schneller, lauter, schließlich hält sie inne. Köpfe heben, Münder öffnen sich, und gleichzeitig sprechen sie dasselbe Wort. „Amen.“

Eine Kirchenszene in Ghana, eine von unzähligen. Hunderte verschiedene Kirchen und religiöse Abspaltungen gibt es hier: Methodisten, Anglikaner, Presbyterianer, Katholiken, Lutheraner, Sieben-Tags-Adventisten, Mormonen, Baptisten.

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Ist meine Intoleranz Deiner Intoleranz intolerant?

Bild: RDF
Bild: RDF
Die Präsidentin der Richard Dawkins Foundation analysiert die Vorgehensweise islamischer Staaten wie Saudi-Arabien, die internationale Kritiker zum Schweigen bringen wollen, und die damit einhergehende Denkweise der regressiven Linken.

Von Robyn E. Blumner | Richard Dawkins-Foundation

Stellen Sie sich die folgende Szene vor: Eine kleine Gruppe Kommentatoren von großen US-amerikanischen Zeitungen sitzt in Riad mit Roben und Kufiya tragenden Beamten des saudi-arabischen Bildungsministeriums zusammen in einem Sitzungsraum. Es geht um das Thema Intoleranz. Als Kolumnist, der für mehrere Zeitungen schreibt und als Autor von Leitartikeln bin ich unter diesen Journalisten. Unsere Fragen konzentrieren sich auf Lehrbücher, die für die Bildung von Millionen saudischen Kindern in öffentlichen Schulen verwendet werden.

Warum, fragen wir, steckt so viel Intoleranz gegenüber Andersgläubigen in diesen Büchern? Sie laufen über mit herabwürdigenden und beleidigenden Beschreibungen von Christen, Juden und allen anderen, die der strengen Islamvariante der Saudis nicht zustimmen. Die Schulbücher akzeptieren – nein, ermutigen – Gewalt gegen Andersgläubige und behaupten, sie sei nötig, um die Integrität des Wahhabismus zu bewahren. Wir fragen: Säen Sie nicht die Saat des Hasses und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass junge Menschen einfacher von Terrorgruppen rekrutiert werden können?

Relevante Fragen. Das war im Jahr 2002.

Wir hatten während dieses Ausflugs zum Königreich des Hauses Saud bereits eine Menge orwell’sches Denken zu hören bekommen. Der Mossad steckte hinter den Ereignissen vom 11. September 2001. Der Islam ist eine Religion des Friedens. Aber was wir im Bildungsministerium vorgesetzt bekamen, brachte das Fass des Wahns zum Überlaufen.

Wir seien die Intoleranten, meinten sie. Unsere unverschämten Fragen wären der Beweis dafür. Was uns einfalle, ihre kulturellen und religiösen Traditionen zu hinterfragen? Jede Andeutung, dass ihre Schulbücher den Beigeschmack des religiösen Eifers hätten, sei ein Angriff auf ihre Souveränität und eine Form von religiöser Intoleranz.

Wir waren ihrer Intoleranz gegenüber intolerant.

Man kann sich vorstellen, wie sich eine so verdrehte Auffassung in einer theokratischen Monarchie wie Saudi-Arabien entwickeln kann. Für die Saudis hängt viel davon ab, den Westen davon zu überzeugen, dass er die abstoßenden Haltungen und rückständigen Regeln, die ihr Land bestimmen, schweigend hinnimmt. Ihr System beruht auf religiösen Verlautbarungen, denen zufolge Frauen rechtlich, in der Wirtschaft und im häuslichen Bereich weniger wert sind als Männer und denen zufolge jeder Nicht-Muslim verfolgt und oftmals getötet werden sollte.

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Kanada: Atheistische Pfarrerin muss gehen

Gretta Vosper, Bild: grettavosper.ca
Gretta Vosper, Bild: grettavosper.ca

Eine Pastorin der Vereinigten Kirche Kanadas, die sich selbst als Atheistin bezeichnet, darf nicht länger als Geistliche arbeiten. Bereits 2001 bekannte Gretta Vosper (Toronto), dass sie nicht an einen „Gott namens Gott“ glaube. Sie predigte stattdessen über Liebe, Güte und zwischenmenschliche Beziehungen.

kath.net

Gott ist für sie nach eigenen Angaben ein Symbol für verschiedene Werte. Nun beschloss ein Überprüfungskomitee des Kirchenbezirks Toronto, dass Vosper nicht tragbar für die Kirche sei. „Wir sind der Ansicht, sie kann nicht länger ordinierte Geistliche sein, weil sie nicht an Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist glaubt“, heißt es in einem 39-seitigen Bericht. Heute würde man sie nicht wieder ordinieren. Der Bericht wurde von dem 23-köpfigen Gremien mit 19 Stimmen bei vier Gegenstimmen verabschiedet.

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Peter Sloterdijk: „Das Begehren selbst steht heute vor dem Richter“

 Auch auf persönliche Fragen ließ Peter Sloterdijk im SZ-Gespräch ein. (Foto: dpa)
Auch auf persönliche Fragen ließ Peter Sloterdijk im SZ-Gespräch ein. (Foto: dpa)
Der Philosoph Peter Sloterdijk hat ein Buch über weibliche Sexualität geschrieben. Nun erklärt er, warum ihn feministische Debatten so wenig interessieren.

Von Vera Schröder, David Pfeifer, Sven Michaelsen | Süddeutsche.de

Einige Freunde, sagt Peter Sloterdijk, 69 Jahre alt, Philosoph, Gegenstimme, Schriftsteller, hätten ihn von diesem Projekt abgeraten. Die Gefahr, dass man das Buch unter der Rubrik „Altersgeilheit“ abhandeln würde, wäre einfach zu groß. Peter Sloterdijk hat es trotzdem geschrieben. „Das Schelling-Projekt“ ist in dieser Woche bei Suhrkamp erschienen. Es ist ein Brief- oder besser gesagt E-Mailroman zur Evolution weiblicher Sexualität geworden.

Der Süddeutschen Zeitung hat Peters Sloterdijk sein einziges Interview zum Buch gegeben. In seinem Urlaub auf Korsika empfing er die Journalisten, sprach mit ihnen intensive drei Stunden lang und bekochte sie anschließend mit einem Crevetten-Reis-Gericht.

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Atheismus: Immer wieder sonntags

HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB
HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB
Vor zwei Jahren wurde der deutsche Ableger der Sunday Assembly in Hamburg gegründet. Unter diesem Namen trifft sich eine bekennend säkulare Gemeinde. Es gibt Musik, Lesungen und gemeinsames Schweigen. Die Kirche ohne Gott hat dieselben Probleme wie die mit Gott: Das Publikumsinteresse lässt nach.

Von Arne Schulz | Deutschlandfunk

„Wir sind heute hier, um das Leben zu feiern. Wir vergessen leider viel zu oft, das Leben zu feiern. Und es ist so toll, dass wir da sind, dass wir überhaupt existieren. Unser Motto ist: Lebe besser, hilf oft und staune öfter.“ Es ist ein heißer Spätsommertag im Herzen St. Paulis. In einem autonomen Kulturzentrum in der Sternstraße hat sich die „Gemeinde“, von den Stühlen erhoben: Kreisende Hüften, schnipsende Finger und Stimmen, die nach der passenden Tonlage suchen.

Der Ablauf ist immer derselbe. Die beiden Erfinder aus London, die Komiker Sanderson Jones und Pippa Evans, haben ihn fest vorgegeben. Es gibt unter anderem eine Lesung, einen Vortrag, Zeit für eine stille Reflexion. Aber vor allem viel Musik. Viele der Elemente erinnern an einen christlichen Gottesdienst.

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Der unantastbare Glaube

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Ich erinnere mich, wie die Menschen aus den brennenden Türmen sprangen. Ich nahm Bush damals nicht ernst, als er sagte: Die Terroristen hassen uns für unsere Freiheiten.
 

Von Jonathan Raphael

Terror ist nach fünfzehn Jahren ein Codewort geworden für Islamismus. Jetzt will der Senat die Codierung beenden. Sie verwirrt diesen Terror mit anderen Formen, entmenschlicht die Opfer des Islam und erschwert die Auseinandersetzung mit ihm. Obama weigert sich. Die Mehrheit der Muslime sei friedlich und deute den Islam also richtig (er ist eine Religion des Friedens).

Natürlich ist die relative Zahl der Märtyrer (darauf läuft es hinaus, den Westen anzugreifen) gering. Was nicht mehr codiert oder verschleiert werden darf: Die Angriffe auf den Westen, der Islam und die Verhältnisse in den islamisch-mitregierten Staaten bilden ein Kontinuum. Von friedlichen Muslimen und einer Religion des Friedens zu reden, ist in der Tat Appeasement.

Westliche Muslime sprechen nicht für den Islam. Die Verhältnisse in islamisch-mitregierten Staaten sprechen für den Islam. Gruppen wie der Islamische Staat vertreten dieselben Regeln, unter denen die Mehrheit aller Muslime weltweit leidet. Ganz banal und ohne Aufschrei droht Schwulen, Atheisten und Konvertiten im Nahen Osten Verfolgung und oft die Todesstrafe (die einzige freie Gesellschaft dort ist Israel). Eine winzige Minderheit der Frauen im Islam kann davon träumen, sich nach Laune zu kleiden oder zu heiraten, wann und wen sie will.

Religiöse Gewalt und Rechte

Die Regime, Kriege, Genozide und generelle Rückständigkeit des Nahen Osten haben natürlich mit der Religion zu tun. Deutungen haben sich an der Wirklichkeit auszurichten, andersrum ist es Schönfärberei. Prägung (aus Jahrhunderten der Kirchenherrschaft) gibt uns ein, den Namen des Glaubens, der mehr getan hat als irgendetwas sonst, das Abendland zu beuteln, gleichbedeutend mit „gut“ zu verwenden (christlich). Die Neigung zu glauben, der Islamische Staat könne mit der wahren Religion nichts zu tun haben (er sei unislamisch), erklärt sich auf dieselbe Weise.

Bezeichnend auch, dass sich Deutschlands Kirchen nach 1945 im Widerstand zeigen. Wer über die Verstrickung der Kirche, die Religiosität Nazideutschlands und die Vorgeschichte der Shoah liest, wird sich wundern. Moderne Hobbyreligiosität (Sonntagsglaube oder glauben, bis es beinah ernst wird) verträgt sich schlecht mit dem, was der Monotheismus ist, wo er herrscht wie heute in der Dritten Welt, der islamischen Welt und in Nischen noch bei uns. Als Phänomen des Kulturalismus waren Kinderehen bis eben (September 2016) erlaubt. Erst nach den Anschlägen im vergangenen Sommer (bei denen Deutsche der religiösen Gewalt in Deutschland persönlich begegnet sind) fanden wir den moralischen Kompass wieder.

Neu ist die Islamophobie-Hysterie. Das Wort Islamophobie ist instrumentalisierte Sprache. Es macht eine Ideologie, einen Glauben (so vielfältig der Islam sein mag), unantastbar. Wer ohne Selbstzensur redet, begibt sich in Terrorgefahr und wird zugleich als Populist isoliert. Die Liste ernsthafter Islamkritiker ist voller Fatwas. Wer sonst hat ins Schwarze getroffen, wenn nicht Konvertiten wie Ayaan Hirsi Ali.

Seit Theo van Goghs Tod wird Islamkritik wahrgenommen wie Rassismus. Nicht islamische Gewalt wird wahrgenommen, sondern ihre Gegenreaktion amplifiziert. Es gilt das Gebot, Muslime nicht zu reizen. Vierundzwanzig Stunden nach dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo brachte Asghar Bukari auf Sky News diese neue Sichtweise auf den Punkt: Europas Umgang mit Muslimen sei wie die Rassentrennung in den Südstaaten der Dreißigerjahre.

In Teilen ist die Islamkritik der neuen Rechten sicher fremdenfeindlich. Solange es keine vernünftige Kritik von Seiten des Mainstreams gibt, wird das nur zunehmen. Man begegnet der neuen Rechten genauso falsch wie den Muslimen. Die einen behütet man vor nötiger Kritik, die anderen erklärt man rundheraus für schlecht. Überall fehlt Glaubenskritik (rein sachliche, atheistische Auseinadersetzung mit Ideen) und echter Respekt vor den Menschen.

Die Niederschlagung immer neuer Terrorgruppen wird den Islamismus nicht besiegen. Sogar umgekehrt, die Radikaliserung setzt sich fort—auch in Nischen des Westens. Gerade jetzt im Informationszeitalter, mit seiner eigenen Ahistorität und Fragmentierung, brauchen wir ein klares Bekenntnis zur Vernunft. Die Islam-Auseinandersetzung, die den Republikanern im Senat von Obama vorschwebt, wäre bestimmt kein guter Kompromiss. Zu sehr hängen die amerikanischen Politiker heute (die Gründerväter waren anders) am Christentum und einer provinziellen Vorstellung von Amerika. Bessere Alternativen liegen an uns.

Was macht eine freie Gesellschaft aus?

Wie wir handeln, ergibt sich immer aus dem, was wir glauben. Auf der einen Seite steht das Glauben, das mit der Welt einen (mehr oder weniger) logischen Dialog führt, das (mehr oder weniger) kluge Glauben. Daneben steht der unantastbare Glaube, abgehoben von der Wirklichkeit: Religionen, Sekten, privater Wahn und weltliche Ideologien.

Die Kritik-Tabuisierung (Islamkritik gleich Islamophobie) ist die Umkehr der Tabu-Kritik der Aufklärung, ein Verrat an den Idealen der eigenen Gesellschaft. Man tut fast so, als kenne das kritiklose Geltenlassen potentiell gefährlicher Ideen nur die Alternative einer Dystopie wie in Minority Report. Glaubenskritiker erscheinen uns, wenn nicht als Nazi, doch als Faschisten der Gedankenpolizei. Dieser Haltung liegt ein Begriff von Freiheit zugrunde, der sein Gegenteil bedeutet.

Nicht nur folgt unser Handeln immer aus dem, was wir von Moment zu Moment glauben, sondern auch Freiheit, die immer persönliche Freiheit ist, besteht nur in bestimmten Formen der Gesellschaft. Solche sind mehrmals in der Geschichte entstanden. Das frühe Bagdad ist ein Beispiel aus dem Mittelalter. Während Europa vom Christentum in einen Fieberwahn versetzt worden war, herrschte relative Offenheit im Kalifat, ein Pragmatismus, zeitweise fast frei von Dogmatismus, mit bleibenden Errungenschaften. Das hier entscheidende ist aber, dass diese Blütezeit zu Ende ging, als Ghazali die Theologie zur zentralen, zur einzigen Wissenschaft im Islam etablierte, und dass seit tausend Jahren keine Tradition des Humanismus oder der Wissenschaft im Islam entstehen konnte.

Wie in der islamischen Welt bis heute sichtbar, bilden Monotheismus und Feudalstaat eine natürliche Einheit. Europa begann sich ab der Renaissance vom Monotheismus zu erholen. Das betraf Christen und Juden, die in Europa lebten. Wie man sich an die Vorbilder aus der Antike erinnerte, wuchs die Skepsis am Obrigkeitsdenken. Von der Kirche zunächst verfolgt und dann Schritt für Schritt absorbiert (die Kirche behauptet heute, sie entstünden aus ihr) entstanden Wissenschaft und Humanismus erneut.

Es ist die Essenz jeder Religion, bereits etablierte Weisheiten mit absurden Behauptungen zu verwirren. In der ersten Phase des Wiedererwachens der Vernunft in Europa riskierte sein Leben, wer die alten Ideen anzweifelte. Man tat es oft nur indirekt, verdeckt. Atheisten in Ländern wie Saudi-Arabien und dem Iran sind noch heute gezwungen, es so zu tun. In Europa entstand eine Streitkultur, angelehnt an das Beispiel der Griechen und Römer, die Streitkultur der Aufklärung. Die Virginia Bill of Rights 1776 (die erste moderne Grundrechtserklärung) und die amerikanische Revolution waren ihr Sieg. Hier fanden konstitutive Form: die Glaubensfreiheit, die Trennung von Kirche und Staat, die Meinungsfreiheit, das Petitionsrecht, das Versammlungsrecht und die Pressefreiheit.

Das sind die Fundamente freier Gesellschaften, und freie Gesellschaften sind das Merkmal der modernen Zivilisation. Die Welt ist besser durch sie, bei allen Fehltritten des Westens. Neben Semperoper und Ballermann mag die Einfachheit des Glaubens ein Idyll erscheinen. Unsere Freiheiten gelten mehr.

Krise der Liberalen – Im Wohlfahrtsstaat sind alle wie auf Droge

Wohlstand macht den Menschen bequemer, nicht freier / picture alliance
Wohlstand macht den Menschen bequemer, nicht freier / picture alliance
Weil die sozialdemokratische Allparteienkoalition dem Staat immer mehr Befugnisse verschafft, wäre eigentlich genug Platz für eine liberale Bürgerbewegung. Doch die Deutschen haben sich dem Komfort des Sozialsstaates hingegeben, schreibt Alexander Grau

Von Alexander Grau | Cicero

Es war kein gutes Wahlergebnis für die ehemals großen Parteien vergangene Woche im Nordosten. Und dass es nächste Woche in Berlin wesentlich besser werden wird, glauben selbst eingefleischte Optimisten nicht.

Keiner redet über die FDP

Also reden alle vom Niedergang der CDU, der Selbsthypnose der SPD, die ihre Niederlage als Sieg verkauft, vom Abstieg der Linken, den verzagten Grünen – und natürlich von der AfD. Nur von den Freien Demokraten spricht niemand.

Gut, könnte man sagen, weder Mecklenburg-Vorpommern noch Berlin gelten wirklich als Stammländer der Liberalen. Allerdings: Waren die Wahlergebnisse vom März, im Südwesten der Republik, aus liberaler Sicht so viel berauschender? Zwar sitzt die FDP in Stuttgart und in Mainz im Landtag. Doch darüber hinaus? Aufbruchsstimmung? Eine liberaler Sturm, der durch das Land fegt? Eine Bürgerbewegung, die sich dem übergriffigen Gestaltungswahn des Staates entgegenstellt? Nicht wirklich, im Gegenteil.

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Jan Böhmermann: Böhmermann bekommt Preis für Schmähgedicht

Screenshot: youtube
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Der neu geschaffenen Preis für Pop-Kultur will eine Alternative zum Echo sein. Bei der Premiere überrascht die Jury mit einer mutigen Wahl
 

Frankfurter Rundschau

Jan Böhmermann (34) ist beim neu geschaffenen Preis für Pop-Kultur in der Kategorie «Schönste Geschichte» für sein umstrittenes Gedicht «Schmähkritik» ausgezeichnet worden. Der ZDF-Moderator meldete sich per Videobotschaft und sagte: „Aus terminlichen Gründen, wegen Magen-Darm-Problemen und weil ich gerade zwei juristische Verfahren am Laufen habe, kann ich mich nicht so einfach öffentlich äußern zu dem Thema, zu dem ich heute Abend ausgezeichnet wurde.“

Gegen Böhmermann läuft unter anderem ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Es geht um ein Gedicht des TV-Moderators über den Staatschef, das Ende März für Wirbel gesorgt hatte.

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