Wie trennen wir Staat und Kirche?

Im Gespräch: Vertreter säkularer Organisationen und politischer Parteien in Hessen.(c)Alexander von der Nahmer

Die erst vor einem knappen Jahr gegründete AG Säkulare Organisationen in Hessen hatte am vergangenen Freitagabend zu einer mit rund 70 Personen gut besuchten Podiumsdiskussion alle im Landtag vertretenen Parteien eingeladen. Auf dem Podium waren denn auch mit Dr. Arijana Neumann (SPD), Dieter Kellermann (FDP), Hermann Schaus (Die Linke) und Marcus Bocklet (B’90/Die Grünen) fast alle dieser Parteien vertreten. Lediglich die CDU hatte zum Bedauern des Veranstalters auf eine Teilnahme verzichtet.Von Ingo Heise | hpd.de

Die Podiumsrunde wurde komplettiert durch Martin Wagner, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten in Hessen (IBKA Hessen) die veranstaltende AG Säkulare Organisationen in Hessen repräsentierte, sowie den Moderator Dirk Vielmeyer. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte die AG Säkulare Organisationen in Hessen, zu der neben dem IBKA die hessischen Regionalgruppen der gbs (Giordano Bruno Stiftung) sowie die aktuell fusionierenden humanistischen Organisationen HuGH (Humanistischen Gemeinschaft Hessen) und HVD (Humanistischer Verband Deutschlands – Hessen) gehören, an alle zur Wahl antretenden Parteien säkulare Wahlprüfsteine zum Spannungsfeld Staat und Religion verschickt. Die Antworten der Parteien waren zwischenzeitlich eingegangen und von der AG in einer Broschüre, die am Rande der Veranstaltung an die Besucher verteilt wurde, zusammengefasst.

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In Spanien darf man nicht auf „Gott scheißen“

Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Der bekannte Schauspieler Willy Toledo wurde festgenommen und musste die Nacht hinter Gittern verbringen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Der Schauspieler nimmt selten ein Blatt vor den Mund und bekommt das in seiner Karriere längst in Spanien zu spüren. Da es bekanntlich um die Meinungsfreiheit in Spanien alles andere als gut bestellt ist, wo Sänger und Twitterer zu langen Haftstrafen wegen Beleidigung der Monarchie verurteilt und ins Exil getrieben werden, hat es nun auch Willy Toledo erwischt. Der bekannte Schauspieler wurde festgenommen, weil er auf Facebook die religiösen Gefühle der Christen verletzt haben soll, dafür soll auch er nun abgeurteilt werden, geht es nach dem Willen fundamentalistischer Katholiken.

Über Facebook hatte sich „Guillermo“ Toledo mit drei Feministinnen im andalusischen Sevilla solidarisiert, die vor Gericht gezerrt werden, weil sie satirisch die Oster-Prozessionen, die an Aufmärsche des rassistischen Ku Klux Klan erinnern, satirisch durch den Kakao gezogen haben. Die Anarcofradía del Santísimo Coño Insumiso – in etwa die „Anarchogemeinschaft der Heiligen Ungehorsamen Fotze – hatte statt des Schutzheiligen Sevillas eine riesige Vagina durch die Straßen der südspanischen Region getragen. Die Hauptverhandlung beginnt im März 2019. Der Staatsanwalt beschuldigt sie unter anderem, mit der „Prozession der aufmüpfigen Möse“ die „Dogmen der katholischen Religion lächerlich machen zu wollen“. Die Anzeige stammt wie im Falle Toledos auch von der „Vereinigung Christlicher Anwälte“.

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Große Männer nerven eher

thierry ehrmann, flickr.com, CC BY 2.0
Gott ist überwunden. Aber der Glaube an das Erhabene und „große Männer“ bleibt uns treu – wohin wir auch gehen, wo hinein wir auch blättern. Zum Beispiel in diesen neu aufgelegten Atheismus-Dialog von Diderot.

Von Klaus Ungerer | hpd.de

Vom Glauben an eine Monogottheit ist uns, nachdem diese zerplatzt ist, der Glaube an das Erhabene geblieben. Wie eine Hintergrundstrahlung zieht sich die Vorstellung davon durch unsere Verrichtungen: Selbst wenn es keinen Gott gibt, sagt uns unsere Sehnsucht, so muss es doch irgendwie etwas Herausgehobenes, zu Verehrendes geben. Wenn es schon nichts Übernatürliches gibt, gebt uns doch wenigstens etwas Über-Alltägliches. Wir wollen Gefühle, so groß wie Kinoleinwände, wollen an das Magische in den Künsten glauben, wir schnitzen uns, je nach Bedarf, „große Männer“ zurecht in Politik, Kultur, Medien und Historie, die unser Bedürfnis nach Heiligenverehrung stillen, der ein uneingestandener Transzendenzwunsch innewohnt: Da kauft man dem indischen Kaufmannssohn Gandhi gern seine Selbstinszenierung als Jesus 2.0 ab, traktiert einander unter Gebildeten mit Luhmann- oder Derrida-Zitaten, um mal in die Aura eines Bildungspriesters einzutauchen. Da werden literarische Autoren zu ihren politischen Meinungen gefragt als wären sie Auguren mit tieferem Durchblick – obwohl sie doch auch nur ein Zeitungsleser voller Vorurteile sind, ganz wie du und ich, nur eben verquaster.

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Der Dichter als Evoluzzer

Raoul Schrott, geboren 1964 in Landeck, TirolFoto: Peter-Andreas Hassiepen/Hanser
Internatioales Literaturfestival Berlin: Raoul Schrott untersucht die naturgeschichtliche Entwicklung des Menschen.

Von Ulrike Baureithel | DER TAGESSPIEGEL

Die Naturwissenschaften haben dem Menschen schon viele narzisstische Kränkungen beigebracht – angefangen mit Charles Darwin, der die göttliche Krone der Schöpfung mit seiner Evolutionstheorie wieder ins Tierreich einsortierte, über die Fruchtfliege Drosophila, jenen Modellorganismus, der ihn über seine eigenen genetischen Geheimnisse aufklärt, bis hin zu den Memen, den soziokulturell vererbten Codes des menschlichen Verhaltens. 95 Prozent dieser Codes, erklärt der Schriftsteller Raoul Schrott derzeit täglich seinem Publikum beim Internationalen Literaturfestival, laufen völlig unbewusst ab und blamieren Descartes’ Annahme, dass der Mensch ist, wo er denkt.

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Schafft den Verfassungsschutz ab!

„Wer die Gesetze bricht oder sich verabredet, um Gesetze zu brechen, gehört von der Polizei überwacht“, meint Alan Posener. Quelle: Claudius Pflug
Der Geheimdienst ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Der Autor war selbst Opfer des Radikalenerlasses und weiß, wovon er spricht. Für vieles, in das sich Hans-Georg Maaßen und andere einmischen, reicht die Polizei.

Von Alan Posener | DIE WELT

Der Berliner AfD-Politiker Frank-Christian Hansel hat ein Plakat veröffentlicht, auf dem die Parole prangt: „Mehr Maaßen als Maas!“ Überhaupt hat der Chef des Verfassungsschutzes überraschend viele Freunde im rechtsextremen Milieu.

Ich sage „überraschend“, denn inzwischen ist eine Mehrheit der Deutschen dafür, die AfD durch den Verfassungsschutz (VS) überwachen zu lassen. Der Thüringer VS prüft bereits die Beobachtung des dortigen AfD-Landesverbands. Und in der Vergangenheit haben die Gesinnungsschnüffler des Landes Nordrhein-Westfalen schon mal das inoffizielle Zentralorgan der Neuen Rechten – die „Junge Freiheit“ – als „rechtsextrem“ eingestuft, was vom Bundesverfassungsgericht zu Recht als unzulässige Einschränkung der Pressefreiheit gerügt wurde.

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Organspende: Ein Brief an den Gesundheitsminister

Sehr geehrter Herr Bundesminister für Gesundheit Spahn,

der Vorschlag, eine Neuregelung zum Thema Organspende anzustoßen, ist zur begrüßen. Die Toten, die aufgrund mangelnder Spenderorgane sterben, gehen nicht nur auf das Konto der
Organspendeverweigerer, sondern insbesondere auch auf das Konto der aktuellen Regelungen, die sich insofern als erfolglos erwiesen haben. Diese Toten gehen also auf das Konto derjenigen, die die alte Regelung stützen.

Von Seiten der Religiösen wurde jetzt eingewandt, eine Widerspruchslösung verstoße auch gegen das Selbstbestimmungsrecht: Man dürfe nicht gezwungen sein, sich dazu zu äußern.
Wir schlagen daher folgendes vor:

1. Die Bereitschaft zur Organspende wird auf der Krankenkassenkarte gespeichert, damit die Information im Zweifelsfalle sofort verfügbar ist.
2. Vor Ausstellung der Krankenkassenkarte wird jeder Versicherte befragt, ob er Spender sein will oder nicht: Die Frage selbst verletzt keine Rechte. Nur dann, wenn mit „ja“ geantwortet wird, wird die Bereitschaft zur Organspende – ggf. mit den genannten Einschränkungen – auf der Krankenkassenkarte gespeichert. Wird mit „nein“ geantwortet oder keine Antwort abgegeben, so wird die Person nicht als Organspender geführt. Das verletzt nicht mehr die Rechte, als es dies heute tut: Wer also will, der kann seine Organspendebereitschaft auf der Karte festhalten lassen, wer dies nicht will, der lässt es bleiben.
3. Parallel sollte die Möglichkeit der Organspende durch den bisherigen Organspendeausweis erhalten bleiben, damit aus einer auf der Krankenkassenkarte nicht vorhandenen Eintragung nicht geschlossen werden kann, dass die Person kein Organspender ist, so dass eine dadurch verursachte Diskriminierung ausgeschlossen wird.

Ziel ist ein Optimum an Rechtsschutz für die Organspendebedürftigen einerseits und ein Optimum an Freiheit für Spender und Nichtspender andererseits.

Mit freundlichen Grüßen

Von Föderation des Determinismus

These Anonymous Twitter Accounts Are the Real Intellectual Dark Web — and They’re Calling Out Right-Wing Media

Photo Credit: Image by Shutterstock, Copyright (c) Glebstock

There’s an ideological war raging in the U.S. That’s what Commentary magazine’s John Podhoretz said in a recent podcast, anyways. And he’s not wrong. It might not be a conflict as epic as the Second World War. It’s not being fought on a battlefield or in research labs. But it is consuming much of the discourse in 2018, especially on Twitter.

By Taylor Link | Alternet/Salon

Much of the battles involving the left appear to be partisan infighting: liberals pushing back against the dramatic shift to the left; Democratic Socialists assailing the liberal establishment. Conservatives, meanwhile, have seemingly abandoned any constructive introspection. „Owning the libs“ has become their only battlecry.

The rise of President Donald Trump should have precipitated an ideological insurrection. But the most popular movement to come out of the right post-2016 was the Intellectual Dark Web (IDW), a quasi-informal group of political commentators and professors who’ve gained traction for its hostility towards American liberalism. Bari Weiss, a conservative op-ed writer at The New York Times, introduced the IDW in a column earlier this year. In the piece, she elevated personalities such as Jordan Peterson, Dave Rubin, Candace Owens and Charlie Kirk, to name a few. They were grouped together not because of an ideology they shared, but because of an ideology they all rejected. The IDW criticizes most, if not all, policies and social movements that have arisen from America’s liberal trajectory. Feminism, affirmative action, subsidized health care, Black Lives Matter, wealth distribution, immigration, all have come under fire by the IDW. Their main antagonist may be the „mainstream liberal media,“ which they vilify for propping up progressive causes. Because of this, conservative media has welcomed these new voices into the tent, even though some whitewash racism and anti-LGBTQ bigotry.

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„Der Mensch ist das Tier, das keines sein will“

Auguste Rodins Skulptur „Der Denker“ (Detail): Sinnesorgan, das wir trainieren sollten. (Godong)
Die Würde des Menschen entspringt der Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken. Davon ist der Philosoph Markus Gabriel überzeugt: Das Denken sei ein „sechster Sinn“, den wir trainieren sollten – auch, um Vertrauen in die Demokratie zu stärken.

Markus Gabriel im Gespräch mit Stephanie Rohde | Deutschlandfunk Kultur

Wir werden die Welt und den Menschen völlig neu denken müssen, das legt Markus Gabriel in seinem neuen Buch „Der Sinn des Denkens“ nah. Jahrhundertelang seien Philosophen dem fundamentalen Irrtum aufgesessen, „es gäbe einen kategorialen Unterschied zwischen Subjekt und Objekt“. Immanuel Kant zum Beispiel habe „völlig falsch gelegen“, als er behauptete, dass wir nicht „Dinge an sich“ erkennen können, sondern dass die Wirklichkeit uns immer nur indirekt zugänglich sei: gefiltert durch vorgegebene Kategorien unserer Wahrnehmung.

Denken als Sinnesorgan

Gabriel, der an der Universität Bonn Erkenntnistheorie lehrt, hält das Denkvermögen dagegen für „ein Sinnesorgan“ wie Auge und Ohr: So wie wir Farben wahrnehmen, indem wir sehen, und Töne, indem wir hören, gebe es andere Aspekte der Wirklichkeit, die wir als Denkende erfassen: zum Beispiel die Anzahl von Gegenständen, die wir vor uns haben, oder die Tatsache, dass diese sich nach bekannten Naturgesetzen verhalten, indem sie etwa von oben nach unten fallen und nicht umgekehrt. Im Namen eines „Neuen Realismus“ betrachtet Gabriel Gedanken daher ebenso als Teil der wirklichen Welt wie Komponisten, Elementarteilchen oder wilde Tiere:

„Der neue Realismus sagt: Stopp! Warum sollte denn das Denken weniger wirklich sein als Fermionen und Bosonen? Warum sind meine Gedanken über Beethoven weniger wirklich als Beethoven? Das leuchtet mir nicht ein, und deswegen beginnt der Neue Realismus damit, ein Konzept von Wirklichkeit zu entwickeln, das dem einfachen Umstand Rechnung trägt, dass bewusstes geistiges Leben in keinem Sinne ein verdächtigerer Einwohner des Universums ist als Fermionen oder Löwen.“

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Studierende gegen Islam-Institut an der Humboldt-Universität

Die Humboldt-Universität in Berlin. Foto: pixabay.com, CC0 Public Domain
Studierendenvertreter der Berliner Humboldt-Universität wollen die Einrichtung des geplanten Islam-Instituts verhindern und ziehen dafür vor Gericht. In der Kritik stehen die daran beteiligten Islam-Verbände.

Von Florian Chefai | hpd.de

Mit einem Beschluss des Kuratoriums der Humboldt-Universität (HU) wurde vor Kurzem der Gründung eines Instituts für islamische Theologie zugestimmt, an dem unter anderem Islam-Lehrer und Imame ausgebildet werden sollen. Geplant ist ein Start zum Wintersemester 2019/20.

Doch die Universität hat mit ihrem Vorhaben scharfe Kritik auf sich gezogen, da in dem Beirat des Instituts auch Vertreter islamischer Verbände sitzen sollen, die als konservativ und fundamentalistisch gelten. Dabei handelt es sich um die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden (IGS), den Zentralrat der Muslime (ZMD) und die Islamische Föderation Berlin (IFB). Als Mitglieder des Gremiums werden sie unter anderem Einfluss auf die Lehre und die Berufung von Professoren haben.

Das Studierendenparlament der HU sprach sich gegen diese Besetzung und die Befugnisse des Institut-Beirats aus: „Ein Institut, an dessen Gründung reaktionär-konservative Islamverbände beteiligt sind, in diesem Falle sogar ausschließlich, ist inakzeptabel“, heißt es in einer Anfang Juli verfassten Erklärung, die ohne Gegenstimmen und damit über die Grenzen der verschiedenen im Parlament vertretenen Listen hinweg beschlossen wurde.

Studierende ziehen vor Gericht

Wie zunächst die taz und nun auch die FAZ berichten, wollen es die Studierenden nicht bei einer Erklärung belassen und gehen daher inzwischen auch gerichtlich gegen die HU vor. Denn der Kuratoriums-Beschluss zur Gründung des Islam-Instituts sei durch ein „suspensives Statusgruppenveto“ der Studierendenvertretung ungültig gewesen und hätte eigentlich zu einer Vertagung des Punktes führen müssen.

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„Feindliche Übernahme“ von Thilo Sarrazin: Ein Buch, das die Angst schüren will

Thilo Sarrazin (Bild: Richard Hebstreit, CC-BY)

Ich fange mal an mit: Sarrazin hat Recht. Wer den Koran liest, der ist nicht etwa von dessen Schönheit überwältigt, wie Navid Kermani uns glauben machen wollte, sondern eher angewidert von den dauernden Beschimpfungen gegen die, die dem Propheten nicht folgen. Wer sich die Mühe macht, die Stellen zu sammeln, die sich gegen die Ungläubigen wenden, die ihnen mit ewigen Höllenstrafen drohen, der wird eine stattliche Liste zusammenbekommen.

Von Arno Widmann | Berliner Zeitung

Sarrazin hat den Koran gelesen und ist entsetzt. Das hat etwas Rührendes. „Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ heißt sein neues Buch (Finanzbuchverlag 495 Seiten, 24,99 Euro). Wenn er erklärt, der Koran kenne Liebe und Barmherzigkeit nur für die Gläubigen, dann stimmt das, aber hat Thilo Sarrazin auch einmal das Neue Testament danach befragt, was mit denen passieren wird, die Jesus nicht folgen?

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Kant ist tot? Eine Glosse von Andreas Beyer

Bild: AG EvoBio
Am 14 Nov 2017 publizierte Walter STINDT auf der Homepage der Richard-Dawkins-Foundation sowie im Brightsblog einen Artikel, der das Totenglöckchen für Immanuel KANTs Kategorischen Imperativ läutet. Worum geht es?

AG Evolutionsbiologie

STINDT behauptet, die „KANTsche Ethik liegt schlichtweg und objektiv belegbar falsch“, weil sie „durch die Naturwissenschaften eindeutig widerlegt“ worden sei. Laut STINDT sei der kategorische Imperativ „eine brillante Ethik für Menschen, die es [allerdings] gar nicht gibt“, zwar „ein wundervolles Konstrukt, das stringent logisch und raffiniert durchdacht wurde“, aber eben ungeeignet für reale Menschen. Es sei eindeutig belegt, dass unser Bewusstsein keine echte Kontrollfunktion habe, „und damit kollabiert das gesamte Konzept.“

Kurz: Wie LIBET & Co. gezeigt hätten, sei der Mensch zu „bewussten“ und „eigenen“ Entscheidungen gar nicht fähig, das Gehirn habe schon entschieden, bevor unser Bewusstsein etwas davon mitbekommt. Und daher können wir auch dem Kategorischen Imperativ nicht folgen, weil wir „die tatsächlichen Beweggründe hinter unseren Handlungen gar nicht kennen“. Wir folgen stattdessen … ja, wem oder was denn eigentlich?

Zunächst einmal wird der Kategorische Imperativ falsch dargestellt: Es geht nicht darum [Zitat STINDT] „Wenn das alle täten…“. Es geht darum, was mit der Gesellschaft passiert, wenn man eine bestimmte Handlungsmaxime als allgemeingültig erklärt. KANT legt dar, dass bestimmte Maximen mit einem geregelten und menschenwürdigen Miteinander vereinbar sind und andere nicht. Nach seiner Auffassung kann der Mensch diese Zusammenhänge erkennen und er fordert: er möge sich dann auch bitte daran orientieren!

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Es ist wieder ein Thema, als Jude in Deutschland zu leben

Bild: bb
Die dritte jüdische Generation nach dem Holocaust erhebt jetzt ihre Stimme. Der Lyriker Max Czollek will dabei an die Schmerzgrenze gehen und findet, die deutsche Gegenwart sei «immunisiert», was eine Kontinuität des deutschen Antisemitismus anbelange. Neben viel Schwarz-Weiss-Malerei gibt er auch Wichtiges zu bedenken.

Claudia Schwartz | Neue Zürcher Zeitung

«Wenn man als Jude angegriffen ist, muss man sich als Jude verteidigen», sagte Hannah Arendt in dem berühmten Gespräch mit Günter Gaus. Das war im Jahr 1964, als TV-Talks sich noch nicht in unverbindlichem Opportunismus versendeten. Der deutsch-jüdische Autor Max Czollek greift in seiner aktuellen Streitschrift «Desintegriert Euch!» auf Arendt zurück und geht an die Schmerzgrenze. Er wirft den jüdischen Institutionen in Deutschland vor, zu sehr in vorgegebenen Grenzen zu verharren und damit dem «deutschen Begehren nach Juden mit ‹Holocaust-Bezug›» entgegenzukommen. Der in solchen Fällen immer verbindlich scharfzüngige Henryk M. Broder hat diesen Umstand schon einmal als «Reue-Entgegennahme-Instanz» bezeichnet.

Dass sich der Blick auf das Judentum in Deutschland immer irgendwie um Antisemitismus drehe, ist ein Dauerthema nicht nur der innerjüdischen Debatte. Beide Seiten, die jüdische wie die deutsche, haben daran ihren Anteil in einer Art «negativen Symbiose» (Dan Diner).

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Katholizismusverursachtes „finsteres Mittelalter“

Bild. hpd.de
In dem Buch „Machtkampf. Die Geburt der Staatskirche“ von Rolf Bergmeier wird dargelegt, wie sich der Katholizismus vom ursprünglichen Christentum trennt und eine Allianz aus Thron und Altar Mitteleuropa klerikalisiert, enturbanisiert und feudalisiert. Eine Rezension von Hermann Josef Schmidt.

Von Hermann Josef Schmidt | hpd.de

Viele Tabus dominieren nicht nur alltägliche Gespräche, sondern leider selbst Wissenschaften. Und dies vor allem dann, wenn gewichtige Interessen nicht nur berührt, sondern betroffen sind. Sind es gar Interessen von Institutionen oder Religionen, die zwar Jahrhunderten ihren Stempel aufzudrücken vermochten, dies später aber, wenn Fehlverhalten aufgelistet, Verantwortlichkeiten fixiert und Rechnungen präsentiert werden, „nicht mehr wissen wollen“, ist wohlwollendes Schweigen oder lieberdienerisches Verhalten derer, die „es eigentlich besser wissen müssten“, noch immer fast die Regel.

Wohl auch deshalb gibt es vielleicht nicht viele Titel, die in eine Handbibliothek derer gehören sollten, die kultur- und religionskritisch interessiert, sich nicht verdummen lassen wollen, die auf Schärfung ihres eigenen Blicks sowie Verständnisses setzen und mit überschaubarem Aufwand für sie wichtige Gegenstandsfelder so aufarbeiten wollen, dass sie in Diskussionen selbst mit Fachleuten zu bestehen vermögen.

Was generell Religionskritik mit dem Schwerpunkt auf den sog. abrahamitischen Religionen, also Judentum, Christentum und Islam betrifft, habe ich unter dem Titel „Kritischer Volltreffer“ im Humanistischen Pressedienst (hpd) am 08. Februar 2018 mit Argumente kontra Religion. Werkzeugkasten für Religionskritik, 2018, von Gottfried Beyvers ein optimal lesbares Bändchen bescheidenen Umfangs vorgestellt.

Wegen seiner Bedeutung verweise nun auch ich auf einen im hpd am 12. Juli 2018 von Gerfried Pongratz bereits überzeugend besprochenen, ebenfalls wenig umfangreichen, glänzend geschriebenen und bestverständlichen Band, weil dieser in beeindruckender Manier ein für jeden geistes- und religionsgeschichtlich Interessierten an Brisanz kaum überbietbares Thema aufgreift, das kurioser- oder auch bezeichnenderweise, wenn überhaupt erwähnt, in seiner Bedeutung maximal heruntergespielt wird. Schließlich wird dabei ein Sachverhalt verdeutlicht, den zu erkennen und zu berücksichtigen einen anderen Blick auf die zumal mitteleuropäische Geschichte der letzten knapp 1700 Jahre verleiht.

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23 und Wir

Foto: Pixabay.com / PublicDomainPictures
Wie viele Baby-Boomer, fühle ich mich von Nachrufen in den Zeitungen angezogen, Alter und Todesursachen mit meinen gegenwärtigen Gesundheitsparametern vergleichend, vornehmlich mit Herzerkrankungen (die meinen Vater und Großvater nieder rafften) und Krebs (welcher meine Mutter umbrachte).

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Und dann ist da noch die Alzheimer-Erkrankung, die gemäß einem Bericht der Alzheimer-Vereinigung von 2015, die Gehirne von mehr als 28 Millionen Baby-Boomer zerstören wird. Angesichts der Bedeutung der Familiengeschichte und Genetik für die Lebenserwartung, habe ich $199 für ein „23andMe Health + Ancestry Service Kit“ investiert, spuckte in das kleine Plastikfläschchen, entschied mich für jeden verfügbaren Test für Krankheitsgene und erwartete mit Besorgnis meine Ergebnisse. Wie ist wohl gelaufen ist?

Erstens hat das Unternehmen meine Vorfahren mit 99,7 Prozent in Europa, vor allem in Frankreich/Deutschland (29,9 Prozent), Großbritannien/Irland (21,6 Prozent), Balkan/Griechenland (16,4 Prozent) und Skandinavien/Schweden (5,5 Prozent) gut ermittelt. Meine Großmutter mütterlicherseits ist Deutsche und mein Großvater Grieche; meine Urgroßeltern väterlicherseits kamen aus Schweden und Dänemark.

Zweitens, die Eigenschaften, dass ich Spargel in meinem Urin riechen, bitter schmecken und haselnussbraune Augen habe, der Ringfinger länger als der Zeigefinger ist, ich kleine Sommersprossen und glattes, helles Haar habe, wurden richtig prognostiziert. Drittens, für die Krankheitsberichte richtete ich mein Augenmerk auf den Teil „Ausprägung nicht festgestellt“, für Parkinson, Mukoviszidose, Muskeldystrophie, Sichelzellenanämie, Tay-Sachs-Krankheit und vor allem Alzheimer. „Oh Freude, oh unvorhergesehenes Entzücken!“ Danke, Gilbert und Sullivan.

Aber warten Sie, 23andMe sagt auch, dass ich keine kahle Stelle, keine Grübchen, wenig hinteres Kopfhaar, geringfügig zusammengewachsene Augenbrauen, keinen spitz zulaufenden Haaransatz in der Stirnmitte und einen längeren großen Zeh habe, was alles falsch ist. Wenn sich ein Gentest über solche vergleichsweise einfachen körperlichen Merkmale irren kann, was sagt das über seine Genauigkeit bei komplexeren Krankheiten aus? „Unsere Berichte enthalten nicht alle möglichen genetischen Varianten, die diese Eigenschaften beeinflussen könnten“, sagt 23andMe. „Andere Faktoren können Ihr Risiko auch beeinflussen, diese Eigenschaften zu entwickeln, einschließlich Lebensstil, Umwelt und Familiengeschichte.“ Ach, so ist das.

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Stichwortgeber der „Dritten Kultur“ – Kurator des Künftigen

Strippenzieher und Stichwortgeber: John Brockman. Foto: dpa FOTO: picture alliance / Robert Schles / Robert Schlesinger
US-Netzwerker John Brockman lässt auf seiner Homepage die hellsten Köpfe der Gegenwart über die Welt von morgen nachdenken.

Von Philipp Holstein | Saarbrücker Zeitung

Wenn John Brockman eines auf den Tod nicht ausstehen kann, dann sind das Kulturfuzzis, die meinen, sie seien Intellektuelle, nur weil sie einen Roman mehr gelesen haben als andere. Diese Aversion mag auf den ersten Blick verblüffen, denn Brockman hat sein Vermögen mit Büchern gemacht. Seine Agentur residiert in New York an der Fifth Avenue. Dort verkauft der 77-Jährige allerdings keine Fiction, sondern Science. Zu Brockmans Schäfchen gehören die klügsten Köpfe der populären Wissenschaftsliteratur. Als mächtige Herde besetzen sie regelmäßig die ersten Plätze der weltweiten Sachbuchbestenlisten: Nobelpreisträger Daniel Kahneman („Schnelles Denken, Langsames Denken“), Jaron Lanier („Wem gehört die Zukunft?“), Steven Pinker („Denken. Wie Denken im Kopf entsteht“), Richard Dawkins („Der Gotteswahn“) und Jared Diamond („Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften“). Diese Leute, sagt Brockman, seien die wirklichen Intellektuellen unserer Zeit.

Brockman ist Strippenzieher, Schlüsselfigur und Stichwortgeber. Er hat den Begriff der „dritten Kultur“ geprägt, denn er möchte die Kluft zwischen Geistes- und Naturwissenschaften überbrücken.

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In Saudi-Arabien ist ein feministischer Radiosender gestartet – und wurde schon wieder gesperrt

Von einem geheimen Ort in einem unbekannten Land sendet „Nsawya FM“ („Feminismus FM“) wöchentlich die „Stimme der schweigenden Mehrheit“, die von Frauenrechten in Saudi-Arabien berichtet. So kündigte sich der feministische Radiosender auf seinem Twitter-Account an. Jetzt wurde der Sender innerhalb Saudi-Arabiens gesperrt.

Korinna Kurze | Bento

Einmal die Woche wird eine Stunde über die Rechte von Frauen gesprochen.

Der Sender hat seit Anfang des Monats online drei je ein- bis zweistündige Programme ausgestrahlt. Die Tonqualität ist mäßig, es wirkt alles sehr improvisiert.

Wie die BBC berichtet, erzählt in den Beiträgen eine Moderatorin von Fällen aus Saudi-Arabien, in denen Frauen unterdrückt wurden.

  • Von Hanan Shahri, die sich im Jahr 2013 umgebracht haben soll, nachdem ihr Vater und ihr Bruder sie geschlagen und ihr verboten haben sollen, ihren Verlobten zu heiraten.
  • Und von Sara, die einen Uniabschluss und einen Job hatte und bei ihren Eltern lebte. Sie wollte einen Mann aus dem Jemen heiraten und soll daraufhin von ihrem Bruder getötet worden sein – obwohl ihre Eltern mit der Heirat einverstanden waren.
Der feministische Radiosender hat zwei Moderatorinnen und neun Mitarbeiterinnen, die Inhalte produzieren. Alle bis auf zwei der Frauen sind saudische Staatsbürgerinnen, und einige der Frauen leben sogar in Saudi-Arabien.Die Werbung für den Radiosender findet auf Twitter statt, weil es die beliebteste Social-Media-Plattform in Saudi-Arabien ist. Viele saudische Frauen sind dort sehr aktiv.

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Daniel Dennett – Der Geist kommt nicht von oben

Ob hier ein ganz besonders Bewusstsein zuhause war? Eine Ausstellung zeigt Teile von Albert Einsteins Gehirn. Bild: dpa
Vom Gen zum Mem zum Intellekt: Daniel Dennett knöpft sich Fragen zur Entstehung des Bewusstseins vor. Hat der Geist eine geistlose Entwicklung hinter sich?

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Bewusstsein“ ist ein Wort, dessen alltäglichem Gebrauch man kaum die Verwirrungen ansehen kann, die es abseits von ihm hervorbringt. Verliert einer das Bewusstsein, ist er nicht mehr ansprechbar. Tun wir etwas ganz bewusst, dann achten wir darauf und können davon mehr erzählen, als wenn wir es unachtsam tun. Genauso wie dann, wenn wir uns irgendeines Sachverhalts bewusst sind, nämlich ausdrücklich auf ihn achten. Oder auch auf eine eigene Tätigkeit achten, die wir ebenso gut ohne unser explizites Aufmerken ablaufen lassen könnten – sie also bewusst ausüben.

Aber kaum ist der Boden solcher alltäglichen Verwendungen verlassen, zeigt die Rede vom Bewusstsein ihre metaphysischen Mucken. Abgründige Probleme und Rätsel tun sich auf. Wir stellen uns etwa vor, dass jeder von uns sein eigenes inneres Bewusstseinskämmerchen hat, über dessen Inhalt nur er oder sie Bescheid weiß. Nie werden deshalb andere erfahren, wie meine Erfahrung der Farbe Rot sich für mich ausnimmt. Und überhaupt: Dieses innere Anfühlen der Welt und unserer Erfahrung von ihr in unserem Geist, wie soll es durch das wissenschaftliche Aufdröseln neuronaler Verarbeitungsmechanismen jemals erklärt werden?

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«Humanismus» heisst die Losung – nicht «kulturelle Apartheid»

In Europa hat sich der Mensch erstmals zur selbstbestimmten Persönlichkeit geformt. Das war ein grosses Glück, von dem alle anderen Menschen auf dem Globus profitieren. Die Selbststilisierung der Europäer als Hort der Kultur ist dabei ebenso verfehlt wie die Kultivierung des Selbsthasses wegen der eigenen kolonialistischen Vergangenheit. Eine Replik.

Hans Widmer | Neue Zürcher Zeitung

Toleranz ist schön – wenn sie nicht auf der Abwesenheit eines eigenen Standpunktes beruht. Wer tolerant ist, hält aus, was eigenen Werten widerspricht. Das allein berechtigt auch, Toleranz einzufordern. Das Geltenlassen von anything ist keineswegs Toleranz, oft eher unbekümmerte Arroganz aus privilegierter Warte. Wenn sich die Ethnologin Lizzie Wade darüber entrüstet, dass sich Leser ihrer Berichte über grausige Menschenopfer von Kulturen wie den Azteken entsetzen, tritt ein Kultur-Relativismus hervor, den René Scheu in seinem Essay als «neue kulturelle Apartheid» aufs Korn nimmt. Zu Recht, doch kommt ein bisschen viel zusammen. Klarer wird’s, wenn zwischen der spezifisch abendländischen Idee des Humanismus, westlichen Auftritten in der Weltgeschichte und dem prägenden Charakter von Kulturen unterschieden wird.

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Der Fall Sami A. und der Streit zwischen Justiz und Politik

Grafik: TP
Eine Gerichtspräsidentin, die der Politik vorwirft, die Grenzen des Rechtsstaates ausgetestet zu haben – so etwas hat man in den letzten Monaten in Europa vor allem aus Polen und Ungarn gehört.

Peter Nowak | TELEPOLIS

Politiker der Bundesregierung und ihnen nahestehende Medien gerieren sich dann immer als Hüter des Rechtsstaates oder der „europäischen Werte“, um die Regierungen zu sanktionieren. Nun erhebt die Gerichtspräsidentin von NRW Ricarda Brandts in mehreren Interviews Vorwürfe, die Justiz stände auch in Deutschland unter Druck der Politik.

Es geht wieder mal um den Fall des tunesischen Islamisten Sami A., der seit Wochen Politik und Medien in Deutschland beschäftigt(vgl. Die Gerichtsposse, Das Besondere am Fall Sami A. und Die Abschiebung des Sami A. verhöhnt den Rechtsstaat sowie Viel Lärm um Sami(r) A.). Der Fall wurde zu einem Machtkampf zwischen unterschiedlichen Fraktionen der Staatsapparate.

Der Fall des Sami A. wirft Fragen zu Demokratie und Rechtsstaat – insbesondere zu Gewaltenteilung und effektivem Rechtsschutz – auf. Hier wurden offensichtlich die Grenzen des Rechtsstaates ausgetestet. In der Politik, im Landtag und in der Landesregierung sollten die Verantwortlichen sehr genau analysieren, wie die Ausländerbehörde und möglicherweise das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, mit dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen umgegangen sind. Ich möchte mahnen, dass ein solcher Umgang nicht zum Standard wird.

Ricarda Brandts, NRW-Gerichtspräsidentin

Nun sind solche Machtkämpfe im bürgerlichen Staatsapparat ein Indiz für Hegemonieprobleme der Bourgeoisie der Länder. Unterschiedliche herrschende Fraktionen ringen um Einfluss und Macht. Wenn sich dabei die bürgerlichen Staatsgewalten, Regierung, Parlament und Justiz zoffen, ist das ein Indiz, dass die Hegemonie brüchig ist.

Es knistert im Gebälk des Staatsapparates und Umgruppierungen kündigen sich an. In vielen osteuropäischen Staaten waren nach dem Ende des Nominalsozialismus diese Hegemonieprobleme sehr heftig und sind teilweise noch immer nicht abgeschlossen. Das ist auch der Grund des Dauerkonflikts zwischen Justiz und Politik in Ländern wie Polen und des Streits zwischen Präsident und Parlamentsmehrheit in Rumänien.

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Ärztin Hänel: Freispruch bei 219a ist keine Lösung

Die Gießener Ärztin Kristina Hänel wünscht sich im Streit um das Werbeverbot für Abtreibungen eine endgültige Klärung. Sollte sie im Berufungsprozess am Landgericht Gießen am 6. September freigesprochen werden, wäre das keine Lösung, sagte Hänel am Dienstag im Deutschlandfunk. Letztendlich müsse der Paragraf 219a gravierend geändert oder abgeschafft werden.

evangelisch.de

Dafür seien eine Initiative des Gesetzgebers oder ein letztinstanzliches Urteil des Bundesverfassungsgerichts notwendig. „Eine andere Lösung gibt es ja nicht, um endlich Ruhe in dieses Thema zu bringen“, sagte die Allgemeinmedizinerin. Hänel war im November vergangenen Jahres vom Amtsgericht Gießen zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie auf der Internetseite ihrer Praxis über Schwangerschaftsabbrüche informiert hatte. Nach Auffassung des Gerichts verstieß sie damit gegen das Werbeverbot für Abtreibungen nach Paragraf 219a des Strafgesetzbuches. Das Urteil gegen Hänel löste eine bundesweite Debatte über den Strafrechtsparagrafen aus.

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