Archiv der Kategorie: Freidenker

Zionist Lobby versus Obama Administration

“Freunde” vereint in der Zerstörung des Nahen und Mittleren Ostens und Irans? Bild. Between The Lines
Die US-amerikanische zionistische Lobby feuert aus allen Rohren und wendet alle politische Tricks an, um die bevorstehenden Vereinbarungen zwischen Iran und den USA zu torpedieren. Bei diesen Verhandlungen sind die anderen UN-Vetomächte nur schmückendes Beiwerk, von Deutschland als Annex gar nicht zu reden.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Der größte Widersacher gegen einen Ausgleich ist jedoch der israelische Ministerpräsident Netanyahu, der bisher nichts unversucht gelassen hat, den US-Präsidenten als irregeleiteten Polit-Tölpel vorzuführen. Dass beide Kammern des US-Kongresses dieses unwürdige Schauspiel mitgemacht haben, lässt sich nur durch den latenten Rassismus in den USA gegenüber der nicht-weißen Bevölkerung erklären.
US-Außenminister John Kerry begegnet seinem iranischen Gegenüber, Außenminister Mohammed Sarif, nicht auf Augenhöhe, sondern das US-Imperium verhandelt mit Iran in der Sprache der Unterwerfung. Den Begriff Würde, den die iranische Delegation immer wieder einführt, ist für den kriegswütigsten Staat der Welt, die USA, ein Fremdwort. “Die Iraner wissen genau, was sie zu tun haben”, so redet nur ein “Herr” mit seinem “Knecht”. Es scheint, als haben die USA bis heute noch nicht die Kultur des Iran begriffen, was keinen politischen Analysten überraschen sollte.
Dass die anderen UN-Vetomächte den USA die Verhandlungsführung überlassen haben, erweist sich als großer Fehler. Dadurch sitzt Israel immer mit am Verhandlungstisch. Darüber hinaus wird die US-Delegation, wenn sie die Informationen nicht gleich an Israel durchreicht, vom Mossad abgehört. Auf der Grundlage von geheimen Details argumentierte Netanyahu bei seiner letzten Rede vor dem US-Kongress, die er nur durch Ausspähung der US-Delegation erhalten haben konnte.

Singapur:Teenager beleidigte Staatsgründer und bekam Haftstrafe

Bild: REUTERS
Der 16-jährige Blogger wurde offiziell wegen “Verletzung religiöser Gefühle” verurteilt.


Die Presse

Amos Yee ist leidenschaftlicher Blogger – und Rebell. So wie man es eben oft ist mit 16 Jahren. Doch im so blitzblanken wie autoritär regierten südostasiatischen Stadtstaat Singapur ist das ein Problem: Der Teenager ist nun zu vier Wochen Haft verurteilt worden, weil er Staatsgründer Lee Kuan Yew kritisiert hatte.

Eine Richterin verhängte das Strafmaß am Montag. Wegen der Anerkennung seiner Untersuchungshaft kam der junge Mann aber sogleich auf freien Fuß. Der Fall Amos Yee hatte international Schlagzeilen gemacht.

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“Die Gegner der Homo-Ehe verletzen auch Heterosexuelle”

Die fast obsessive Beschwörung, dass nur die Verbindung zwischen einer Frau und einem Mann, aus der Kinder hervorgehen, eine “richtige” Familie sei, würdigt Homo- wie Heterosexuelle herab. Ein offener Brief von FU-Professorin Doris Kolesch an die Berliner CDU.


Von Doris Kolesch|DER TAGESSPIEGEL

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Derzeit läuft in der Berliner CDU die Mitgliederbefragung über die Ehe für alle. Doris Kolesch, Professorin für Theaterwissenschaft an der Freien Universität, hat das zum Anlass genommen, der CDU zu dem Thema einen offenen Brief zu schreiben, den sie an die Fraktionsspitze und zusätzlich persönlich an die Fraktionsmitglieder geschickt hat, die sich bereits gegen die Eheöffnung ausgesprochen haben. Der Queerspiegel, der LGBTI-Blog des Tagesspiegel, dokumentiert im folgenden den Brief von Kolesch an die CDU.

Sehr geehrte Damen und Herren der Berliner CDU-Fraktion,

erlauben Sie mir bitte, daß ich mich im Kontext Ihrer Mitgliederbefragung zur Homoehe an Sie und insbesondere an die Gegner_innen einer Gleichstellung der Ehe von gleichgeschlechtlichen Partner_innen wende.

Ich lebe mit meiner Frau und unseren Töchtern in Berlin

Ich lebe mit meiner Frau und unsere beiden Töchtern in Berlin, vor diesem Hintergrund habe ich ein nachvollziehbares persönliches Interesse an Ihren Diskussionen wie auch am Ergebnis der Mitgliederbefragung, wenngleich ich selbst nicht Mitglied der CDU bin. Zahlreiche Argumente sowohl der Befürworter als auch der Gegner scheinen mir im öffentlichen Diskurs schon vielfach genannt, und ich möchte Sie hier nicht mit meiner persönlichen Meinung behelligen.

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Marx und Engels – Kinder ihrer Zeit

Bild: juedischerundschau.de
Die Urväter des Kommunismus und ihre Ausfälle gegen Juden


Von Maximilian Breitensträter|Jüdische Rundschau

„Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.“

Harter Tobak. Stammen diese das Judentum mit voller Breitseite schmähenden Aussagen etwa aus der Nazi-Hetzschrift „Der Stürmer“? Nein. Aus der Feder des Stichwortgebers des modernen Antisemitismus, Wilhelm Marr? Weit gefehlt. Jener, der sich da so abwertend und judenfeindlich äußert, ist niemand Geringeres als der Urvater aller Sozialisten und Begründer der kommunistischen Ideologie, Karl Marx. In seinem 1843 erstmalig publizierten Aufsatz mit dem programmatischen Titel „Zur Judenfrage“, aus dem auch das obige Zitat stammt, setzt sich Marx mit dem Verhältnis der jüdischen Minderheit zum christlichen Staat auseinander. Konkret geht es ihm um die zu dieser Zeit tagesaktuelle Frage der Emanzipation, also der rechtlichen Gleichstellung der Juden mit ihren Mitbürgern. Es geht damit um ein zentrales Anliegen der jüdischen Haskala-Aufklärungsbewegung.

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Buch über den Terror: Als seien abgeschlagene Köpfe alltäglich

Hassan Blasim weiß, was Verfolgung bedeutet – er ist aus dem Irak geflohen. In seinem neuen Roman überzeichnet er die brutale Medialität des Terrorkriegs ins Groteske.


Von Hans-Peter Kunisch|Süddeutsche.de

Es gibt ein eindrückliches Youtube-Video, in dem Hassan Blasim bescheiden aber deutlich von seinem Fluchtweg erzählt. Er führte ihn aus Bagdad, wo er 1973 geboren wurde, im Jahr 1998 zuerst in den kurdischen Norden des Irak, nachdem ein Dokumentarfilm des Filmhochschülers ins Visier des Geheimdiensts geraten war. Im Norden dreht er unter falschem Namen Filme, darunter einen regimekritischen Spielfilm, die Lage spitzt sich zu. Schließlich entschließt sich Blasim, weiterzuziehen, gelangt mit wechselnden Schleppern über winterliche Gebirgsgrenzen: nach Iran, in die Türkei, nach Bulgarien, über Serbien und Ungarn bis nach Finnland, wo er 2004 ankommt.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Odyssee, mit Schwarzarbeit in Restaurants und Fabriken finanziert. Mehrmals wurde Blasim aufgegriffen und verprügelt. An der bulgarischen Grenze mussten sich die Flüchtlinge ausziehen, eine halbe Stunde im Eiswasser sitzen. Sie kamen wieder. Heute ist Blasim in Finnland als Flüchtling anerkannt, doch in seinen großartigen provokativen Erzählungen sind die Erfahrungen der Flucht nicht vergessen.

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Wissenschaftstheorie: Auch Physiker sind Philosophen

In seinem letzten Essay spricht sich der kürzlich verstorbene Physiker Victor Stenger dafür aus, dass die Philosophie auch im Rahmen der modernen theoretischen Physik ihre Berechtigung hat.


Von Victor Stenger|Spektrum.de

Themenbild: ruhr-uni-bochum.de

Im April 2012 führte Ross Andersen ein Interview mit dem theoretischen Physiker, Kosmologen und Bestsellerautor Lawrence Krauss, das unter dem Titel “Hat die Physik Philosophie und Religion überflüssig gemacht?” in der Zeitschrift The Atlantic erschien. Krauss’ Antwort auf diese Frage empörte Philosophen, denn er sagte: “Die Philosophie war einmal ein Fachgebiet mit Inhalten”, und fügte später hinzu: “Die Philosophie ist ein Fachgebiet, das mich leider an diesen alten Woody-Allen-Witz erinnert: ‘Wer nichts kann, der lehrt, und wer nicht lehren kann, unterrichtet Sport.’ Und das übelste Teilgebiet der Philosophie ist die Wissenschaftsphilosophie; die einzigen Leute, so weit ich das beurteilen kann, die Aufsätze von Wissenschaftsphilosophen lesen, sind andere Wissenschaftsphilosophen. Sie haben keinerlei Einfluss auf die Physik, und ich bezweifle, dass andere Philosophen sie lesen, denn sie sind ziemlich fachspezifisch. Zu verstehen, was sie rechtfertigt, fällt deshalb wirklich schwer. Und so würde ich sagen, dass diese Spannung auftritt, weil sich Philosophen bedroht fühlen – und sie haben jedes Recht dazu, denn die Wissenschaft macht Fortschritte und die Philosophie nicht.”

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Die Fleisch-Mafia, ARD: Eine verdorbene Industrie

Auch der Bochumer Schlachthof beschäftigt überwiegend Werkvertragsarbeiter, viele von ihnen wurden vermittelt von dem Netzwerk aus Tarnfirmen und Strohmannfirmen. Foto: ARD
In dieser sehenswerten 30minütige Reportage legt das Team um Regisseur Michael Nieberg einen Sumpf aus Verbrechern, Mitmachern, Stillhaltern und Hand-auf-Haltern in der deutschen Fleischindustrie offen.


Von D.J. Frederiksson|Frankfurter Rundschau

Die öffentlich-rechtlichen Polit-Magazine mussten sich noch letzte Woche von einer Studie der renommierten Otto-Brenner-Stiftung ihre mangelnde Relevanz und ungenügende Rechercheleistungen attestieren lassen. Wie zur Ehrenrettung kommt nun Michael Nibergs „Exklusiv“-Reportage, deren Recherche von deutschen Industrieausbeutern, rumänischen Komplizen und geheimen Firmenunterlagen selbst die parallel ermittelnde Staatsanwaltschaft reichlich alt aussehen lässt.

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Minirock’n Syria

Zivilcourage ist nicht, Mädchen aufzufordern, sich sittsamer zu bekleiden, wenn Muslime in der Nähe sind, sondern eben diese Muslime aufzufordern, eine Kultur mindestens zu respektieren.


Von Alexander Wallasch|THE EUROPEAN

Bild: ann53.wordpress.com

Der Minirock hat sich nicht durchgesetzt. Als Spätgeborener fragte man sich manches Mal sabbernd, wie aufregend das wohl war in den 1970ern, als man den Frauen nicht mehr nur unter den Rock schauen wollte, sondern regelmäßig musste.

Nun war so ein Minirock dereinst sogar ein Politikum, ein Angriff auf die verkrusteten Moralvorstellungen der Kriegsgeneration, der katholischen Kirche und sonstiger Hüter dieser ominösen inneren Ordnung, welche die Gesellschaft im Kern zusammenhält. Tatsächlich, man will es nicht glauben, aber ein Minirock war vor ein paar Jahrzehnten ein Tabubruch. Noch mehr, da er in Begleitung dieser neuen Antibaby-Pille auf der Bildfläche erschien und so zum Symbol einer gefeiert-folgenlosen Sorglosigkeit wurde.

Aber selbst noch 2014 stellt die Feministin Dacia Maraini, wie die „Emma“ schreibt, „eine der bedeutendsten und unerschrockensten Stimmen Italiens“, im Interview fest: „Wenn eine Frau, die einen Minirock trägt, etwas Ernsthaftes sagen will, so glaubt man ihr nicht. Ihre bloßen Schenkel sprechen eine stärkere Sprache als ihr beredter Mund.“

Behalten wir diese Stimme aus Italien mal im Hinterkopf, die erzählt, dass ein Minirock für europäische Männer, Italiener, quasi als direkt Aufforderung verstanden wird, Frauen von ihrem Intellekt abzukoppeln und primär als Sexualobjekte zu betrachten. Oder negativer: Männer sind Tiere, denn wenn sie Oberschenkel sehen, wollen sie nichts anderes mehr als dazwischengehen.

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Nazis, zeigt euch!

Man weiß selten, wen man vor sich hat. Außer er weht die Reichsflagge. picture alliance
Was gemein ist? Monatelang mit Menschen zu tun gehabt zu haben, die man dann auf einer Party in trauter Gemeinschaft mit ihren Nazikameraden trifft. Besser ist es, man erkennt sie gleich. Dann ist es auch gut, wenn sich ihr intellektueller Bankrott in ihrer Kleiderauswahl widerspiegelt


Von Marie Amrhein|Cicero

Zunächst einmal: Ich bin nicht dabei gewesen. Ich habe am Samstag vergangener Woche vier Kinder ins Bett gebracht und mich dann dazu gelegt. Um am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder Brei zu kochen. Das nur nebenbei.

Wir hatten mal wieder Besuch aus der Stadt und so dachte der Bauer, er bietet den Gästen etwas. Den Klassiker unter den Dorffeierlichkeiten sogar – das Schützenfest. Erst am nächsten Morgen klärte man mich darüber auf, was sich im Festzelt abgespielt hatte.

Zwischen die feiernden Schützenthronanwärter hatten sich zur Happy Hour mit Korn und Cola drei Besucher in Thor-Steinar-Kleidung gemischt. Das Auftreten der muskulösen Männer, deren Shirts in Fraktur die „Helden der Wehrmacht“ preisten, überraschten außer meinen Mann und die Städterfreunde nach kaum einen. Auf Nachfrage riet man ihnen denn, ihre „politischen Überzeugungen“ bei solch einer Festlichkeit „an der Garderobe“ abzugeben.

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Emanzipation von oben

Wie die Frauen den Postkommunismus überlebten und ihnen das Lachen trotzdem verging. Der Kampf um Feminismus und Gleichberechtigung im west-östlichen Systemvergleich


Von Slavenka Drakulic|dieStandard.at

foto: der standard Straßenarbeiterinnen und Straßenarbeiter beim gemeinsamen Asphaltieren einer Straße in Budapest (1968).

Die Geschlechterdemokratie ist ein essenzieller Teil der Demokratie schlechthin. Ohne Beteiligung der Frauen gibt es keine Demokratie, die diesen Namen auch verdient.

Es waren die banalen Alltagsdinge, die dem Kommunismus lange vor 1989 das Genick gebrochen hatten, und nicht die Sehnsucht nach Freiheit, Menschenrechten und Demokratie.

Als Europa vor kurzem den 25. Jahrestag des Untergangs des Totalitarismus in Osteuropa feierte, da wurde, merkwürdig genug, von einem Thema nicht oder nur sehr am Rande gesprochen: Wie hat sich dieser dramatische Wandel auf die Frauen ausgewirkt? Funktioniert das neue System, die Demokratie, für beide Geschlechter auf ein und dieselbe Weise?

Die Antwort ist nein, das tut es nicht. Selbst wenn die Frauen in Osteuropa heute (endlich) nicht mehr das Gefühl haben, einem einzigen Block anzugehören, so werden sie doch immer noch durch die gemeinsame Erfahrung des Kommunismus zusammengeschweißt, weil diese Erfahrung ihr Leben auch nach 1989 signifikant beeinflusst hat.

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John Gray: Steven Pinker is wrong about violence and war

Rubens’ The Massacre of the Innocents. Photograph: National Gallery, London
A new orthodoxy, led by Pinker, holds that war and violence in the developed world are declining. The stats are misleading, argues Gray – and the idea of moral progress is wishful thinking and plain wrong


By John Gray|TheGuardian

For an influential group of advanced thinkers, violence is a type of backwardness. In the most modern parts of the world, these thinkers tell us, war has practically disappeared. The world’s great powers are neither internally divided nor inclined to go to war with one another, and with the spread of democracy, the increase of wealth and the diffusion of enlightened values these states preside over an era of improvement the like of which has never been known. For those who lived through it, the last century may have seemed peculiarly violent, but that, it is argued, is mere subjective experience and not much more than anecdote. Scientifically assessed, the number of those killed in violent conflicts was steadily dropping. The numbers are still falling, and there is reason to think they will fall further. A shift is under way, not strictly inevitable but enormously powerful. After millennia of slaughter, humankind is entering the Long Peace.

This has proved to be a popular message. The Harvard psychologist and linguist Steven Pinker’s The Better Angels of Our Nature: a history of violence and humanity (2011) has not only been an international bestseller – more than a thousand pages long and containing a formidable array of graphs and statistics, the book has established something akin to a contemporary orthodoxy. It is now not uncommon to find it stated, as though it were a matter of fact, that human beings are becoming less violent and more altruistic. Ranging freely from human pre-history to the present day, Pinker presents his case with voluminous erudition. Part of his argument consists in showing that the past was more violent than we tend to imagine. Tribal peoples that have been praised by anthropologists for their peaceful ways, such as the Kalahari !Kung and the Arctic Inuit, in fact have rates of death by violence not unlike those of contemporary Detroit; while the risk of violent death in Europe is a fraction of what it was five centuries ago. Not only have violent deaths declined in number. Barbaric practices such as human sacrifice and execution by torture have been abolished, while cruelty towards women, children and animals is, Pinker claims, in steady decline. This “civilising process” – a term Pinker borrows from the sociologist Norbert Elias – has come about largely as a result of the increasing power of the state, which in the most advanced countries has secured a near-monopoly of force. Other causes of the decline in violence include the invention of printing, the empowerment of women, enhanced powers of reasoning and expanding capacities for empathy in modern populations, and the growing influence of Enlightenment ideals.

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Ein Rechtsstaat, der Menschenrechte missachtet

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Eva Illouz, die in Jerusalem Soziologie lehrt und eigentlich über Liebe und Ökonomie forscht, ist auch eine scharfe Kritikerin der Situation in Israel. Nun liegen ihre politischen Essays auf Deutsch vor.


Von Claudia Kühner|DER BUND

Von Eva Illouz, 1961 in Marokko geboren und in Frankreich aufgewachsen, kennt man vor allem ihre Studien über die Zusammenhänge von Emotionen, Kapitalismus und Konsum («Warum Liebe weh tut. Eine soziologische Erklärung», «Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey»). Weniger bekannt sind hierzulande ihre scharfsinnigen Essays, die sie regelmässig in der israelischen Zeitung «Haaretz» publiziert. Darin setzt sie sich ebenso gründlich wie kritisch mit der israelischen Politik und Gesellschaft auseinander und greift dabei weit über die Tagesaktualität hinaus. Ihr geht es um Fehlentwicklungen in einem Land, dessen Grundlage sie freilich vorbehaltlos unterstützt. Am Recht von Juden, nach 2000 Jahren einen Staat zu schaffen, hat sie keinerlei Zweifel.

Daran, was heute daraus geworden ist, besonders mit der Besetzung seit 1967, aber schon. Oder daran, was die Besetzung nicht nur den Palästinensern antut, sondern wie sie auch die israelische Gesellschaft verändert. Ihre Methode nennt Illouz «soziologischen Journalismus», und sie hat auch für den mit der Tagespolitik nicht vertrauten Leser den Vorteil grosser Verständlichkeit.

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Eine Hassrede gegen die “geistige Sklaverei” des Islamismus

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Wer das Paradies verspricht, bringt die Hölle: Der 80-jährige Schriftsteller Wole Soyinka prangert den Terror von Boko Haram an. Deutsche Intellektuelle kritisieren lieber TTIP, findet unser Kolumnist.


Von Harald Martenstein|DER TAGESSPIEGEL

Literatur-Nobelpreisträger machen sich in Lindau rar, aber diesmal ist Wole Soyinka gekommen, ein 80jähriger Nigerianer.  Der erste Afrikaner, der den Preis bekommen hat, 1986. Der Eintritt zu seinem Vortrag ist frei, aber es sind fast keine Lindauer im Stadttheater. Der Saal ist trotzdem voll. Die jungen Wissenschaftler sind da. Am Ende  gibt es eine stehende Ovation.

Soyinka hat in Nigeria fast zwei Jahre im Gefängnis gesessen, wegen Friedensaktivitäten im Biafrakrieg. Er hat ein Anliegen, und er trägt es in einer hinreißenden Mischung aus Pathos, Ironie und Sarkasmus vor. Seine Rede ist eine Hassrede, das kann man so sagen. Sie richtet sich gegen den Islamismus, gegen den Terror der Gruppe Boko Haram, die in ihrem Herrschaftsgebiet in Nigeria die Sklaverei wieder eingeführt hat. Geistige Sklaverei, das ist sein Wort für den Islamismus.

Soyinka spricht über Islamschulen, an denen es nur ein Buch gibt, nur den Koran, wo absoluter Gehorsam gelehrt wird, wo der Zweifel, die Diskussion, die Kreativität und jedes Verständnis für eine andere Weltsicht verboten sind. Und er zieht eine Parallele zum Marxismus, der ja, wie der Islam, eine mörderische Variante hervorgebracht hat.

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Bangladesch: Lebensgefährlicher Atheismus

Immer wieder werden in Bangladesch Blogger getötet. (pa/dpa/EPA/Abdullah)
Apostasie, der Abfall vom Glauben, führt in einigen islamischen Ländern zum Tod. Der 31-jährige Blogger Asif Mohiuddin hat es am eigenen Leib erfahren: Beinahe wäre er einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. In Bangladesch ist eine freie Meinungsäußerung in Religionsfragen kaum möglich. Nun hat er in Hamburg Schutz gefunden. Aber auch hier kann er nur schwer über seine Vorstellungen sprechen.


Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

Es fing damit an, dass er schon als Schuljunge einfach nur Fragen stellte, erinnert sich Asif Mohiuddin. Er bekam aber nie Antworten, die ihn zufrieden stellten.

“Wir feiern einmal im Jahr das Eid Al-Adha-Fest und schlachten in muslimischen Familien in Bangladesch eine Kuh oder andere Tiere. Ich war von all dem Blut geschockt. Warum tut ihr das? Und meine Eltern sprachen, Allah ist darüber glücklich, dass wir ihm eine Kuh schlachten.”

Dies geschieht in Erinnerung daran, dass Ibrahim statt seines Sohnes in letzter Minute ein Opfertier schlachtete und so sein Vertrauen zu Gott bewies. Die berühmte Geschichte des Urvaters dreier Weltreligionen wird nicht nur im Islam, sondern auch im Judentum und Christentum bis heute erzählt und gelesen. Für den jungen Asif ist sie aber eine Geschichte verabscheuenswürdiger Brutalität.

“Ich möchte diesen Gott nicht anbeten. Abraham hatte doch ein psychisches Problem, auf Gottes Geheiß hin seinen Sohn töten zu wollen. Wenn er in heutigen Zeiten leben würde, würde er in eine Psychiatrie eingeliefert und nicht als Prophet verehrt werden.”

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“Charlie Hebdo”-Ausstellung startet im Internet

Die Online-Schau umfasst Karikaturen aus 250 Heften. Am 7. Jänner hatten radikale Islamisten in der Redaktion des Satire-Blatts zwölf Menschen erschossen.


Die Presse

charlie_hebdo_2Rund ein halbes Jahr nach dem Terror-Anschlag auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” startet eine Online-Ausstellung über das französische Satiremagazin. Für das Projekt haben sich vier Karikaturmuseen aus Hannover, Frankfurt am Main, Kassel und Basel zusammengetan. Es gehe darum, die getöteten Zeichner und deren Themen vorzustellen, sagte die Direktorin des Museums Wilhelm Busch, Gisela Vetter-Liebenow.

Bei dem Attentat auf “Charlie Hebdo” am 7. Jänner hatten Islamisten zwölf Menschen erschossen. Die traumatisierten Redaktionsmitglieder kämpfen seither um ihren Kurs. Der bekannteste überlebende Zeichner Luz kündigte vor kurzem seinen Ausstieg an. Während der Vorbereitung des Projekts standen die deutschen Museen im Kontakt mit der Redaktion von “Charlie Hebdo”. Vetter-Liebenow sagte: “Sie haben versucht, es zu unterstützen, so weit es ihnen in dieser Ausnahmesituation möglich ist.” Eine große Riege von Karikaturisten sei ausgelöscht. “Die Zeichner fehlen.”

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Die Präsentation ist ab 3. Juli auf der Seite www.museen-fuer-satire.com abrufbar.

»Miete einen Juden«

Alexander Rasumny über das Vermittlungsportal »Rent a Jew«, den deutsch-jüdischen Dialog und Berührungsängste


Von Philipp Peyman Engel|Jüdische Allgemeine

Screenshot: bb
Screenshot: bb

Herr Rasumny, die Europäische Janusz Korczak Akademie in München hat jetzt ein Vermittlungsportal unter dem Motto »Rent a Jew« (Miete einen Juden) ins Leben gerufen. Wie ernst ist die Initiative gemeint?
Wir haben uns bewusst für einen etwas provozierenden Titel entschieden. Der deutsch-jüdische Dialog ist ja oft schon ernst genug, da kann man die Leute auch mal ein bisschen herausfordern. Vielleicht trägt der Slogan dazu bei, Berührungsängste abzubauen.

Worum geht es bei dem Programm?
»Rent a Jew« möchte einen Austausch zwischen Nichtjuden und Juden ermöglichen. Viele Institutionen sprechen häufig über das Judentum und würden es gerne mit Leben füllen. Auf der anderen Seite wiederum würden viele junge jüdische Menschen der Mehrheitsgesellschaft gern einen Einblick gewähren, wie jüdisches Leben in Deutschland im Jahr 2015 aussieht. Mit unserer Webseite www.rentajew.org sorgen wir dafür, dass beide zueinander finden.

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Jutta Ditfurth: Lebensschützer sind ‘sexistische Arschlöcher’ – Touché

Publizistin: Der Lebensschutz sei eine „eine massive und massiver werdende rechtspopulistische Bewegung, und ich glaube, es wird in den nächsten Monaten aufbrechen und solche sexistischen Arschlöcher können sich dann auch auf den § 219 beziehen“.


kath.net

Jutta Ditfurth. Bild: Facebook
Jutta Ditfurth. Bild: Facebook

Die Publizistin und Ex-Grünenmitglied Jutta Ditfurt  stufte es im Interview mit dem „Deutschland Radio“ als realistisch ein, dass die „Abtreibungsgegner“ ihren Einfluss ausbauen würden. Es handele sich dabei um „eine massive und massiver werdende rechtspopulistische Bewegung, und ich glaube, es wird in den nächsten Monaten aufbrechen und solche sexistischen Arschlöcher können sich dann auch auf den § 219 beziehen“. Es handle sich hierbei um ein „verfluchtes Gesetz, das abgeschafft gehört“. Allein dass im Gesetz der Begriff „Schutz des ungeborenen Lebens“ benutzt werde anstelle von Begriffen wie „Fötus“ oder „Embryo“, sei „eine Giftquelle“, „ein riesiger ideologischer Erfolg der organisierten Abtreibungsgegner der 80er-Jahre“.

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Das mit der Gentherapie klärt die Wissenschaft lieber selbst

Neue Methoden erlauben gezielte Eingriffe in das Erbgut des Menschen. Damit könnte man einmal genetische Krankheiten heilen – vielleicht auch mehr. Muss man die genetische Optimierung des Menschen verbieten? Die Nobelpreisträger würden auf eine politische Debatte lieber verzichten.


Von Alexander Mäder|Stuttgarter-Zeitung.de

Bild: merakname.com
Bild: merakname.com

Eigentlich sind sich die vier Wissenschaftler einig: Die neue Methode CRISPR (ausgesprochen: „Krisper“) ist zwar vielversprechend, funktioniert aber noch lange nicht gut genug, um sie bei menschlichen Embryonen einzusetzen. Mit CRISPR kann man, so die Idealvorstellung, krankhaft veränderte Gene ersetzen und dadurch einem heranwachsenden Kind eine Erbkrankheit ersparen. Doch eine Studie von Junjiu Huang und seinem Team von der Sun Yat-sen Universität im chinesischen Guangzhou hat vor einigen Wochen gezeigt, dass CRISPR noch viele weitere Veränderungen im Erbgut vornimmt, ohne dass die Wissenschaft verstehen würde, warum. Und nur bei 4 von 86 Embryonen hatte das Ersetzen des Gens überhaupt geklappt. (Die chinesischen Forscher hatten Embryonen verwendet, die bei künstlichen Befruchtungen aussortiert worden waren. Womöglich hat das die Fehlerrate zusätzlich erhöht.) Die vier Wissenschaftler auf dem Podium der Nobelpreisträgertagung in Lindau halten es daher für verfrüht und unverantwortlich, jetzt schon klinische Anwendungen von CRISPR in Erwägung zu ziehen.

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Freikirchen schrumpfen auch in den USA

Die USA sind eine tiefreligiöse, christlich geprägte Nation. Nirgends sonst leben so viele Christen. Und wohl in keinem andern Land wird die Religionsfreiheit so sehr beachtet und geschützt. Dies ist mit ein Grund, weshalb selbst die Sekte Scientology jahrzehntelang als seriöse Glaubensgemeinschaft betrachtet wurde.


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger Blogs

us_flagge_bibel_kreuzDie Dichte an Freikirchen ist eines der besonderen Merkmale der USA. Im Wahlkampf kommt kein Präsidentschaftskandidat darum herum, um die Gunst der frommen Christen zu buhlen. Doch nun erreicht der Zeitgeist auch Amerika: Die christlichen Kirchen verlieren zunehmend Mitglieder, die Zahl der Nichtgläubigen wächst rasch. In den USA verstärkt sich der Trend, der in Europa schon länger zu beobachten ist: Glauben und Religion verlieren an Bedeutung, die Tendenz zur Säkularisierung nimmt zu.

Dies bestätigt eine Studie des amerikanischen Pew Research Centers, das 35’000 Amerikaner befragt hat. Bekannten sich 2007 noch 78,4 Prozent zum christlichen Glauben, sind es heute nur noch 70,6 Prozent. Dies ist zwar immer noch ein hoher Wert, doch der Einbruch ist dramatisch. Vor allem auch, weil die meisten Abtrünnigen religiös erzogen wurden und sich als Erwachsene in einem bewussten Prozess vom Glauben abwandten, also agnostisch oder atheistisch wurden. (In Europa werden viele Kinder nicht mehr religiös erzogen, weshalb die Zahl der Ungläubigen besonders rasch wächst.)

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Deutschland: Augen zu vor Menschenrechtsverletzungen

Themenbild. Screenshot: bb
Themenbild. Screenshot: bb
Die Bundesregierung beteuert stets, Menschenrechte seien zentral für ihre Außenpolitik, dabei wird auch Folter von Verbündeten gedeckt oder unterstützt


Von Ralf Streck|TELEPOLIS

Stets wird am heutigen 26. Juni der internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer begangen, der 1997 von der Hauptversammlung der Vereinten Nationen (UN) beschlossen wurde. Und auch die Bundesregierung behauptet stets, ihre Außenpolitik sei auf die Achtung der Menschenrechte ausgerichtet. Wenig ist davon aber im Verhältnis zu Verbündeten zu spüren, wie auch die Veröffentlichung des CIA-Folterreports schon gezeigt hat (Die Königin der Folter). Aber das gilt auch für massive Menschenrechtsverletzungen durch Marokko in der illegal besetzten Westsahara, wie eine Anfrage an die Bundesregierung gerade gezeigt hat.

Noch klarer wird es, wenn es sich um einen EU-Mitgliedsstaat wie Spanien handelt, das gerade erneut von den Vereinten Nationen (UN) gerügt wurde, weil nichts gegen Folter unternommen wird. Die trifft sogar Journalisten, wie auch der Straßburger Menschenrechtsgerichthof schon festgestellt hat.

Die Menschenrechte werden gerne und immer wieder beschworen und das Folterverbot gehört eigentlich zum Kernbestand der Menschenrechte. Und dennoch wird überall auf der Welt gefoltert oder Menschen an Folterländer abgeschoben oder ausgeliefert. Das hat gerade auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Richter am Bundesgerichtshof Wolfgang Neškovićs herausgearbeitet, der den CIA-Report in Deutschland herausgegeben hat.

Er weist auch darauf hin, dass die Menschenrechte im Fall von Russland oder anderen Ländern angeklagt werden, während bei Verbündeten die Augen vor deren Verbrechen verschlossen bleiben (Folter und die Herrschaft des Rechts, Von der VIP-Limousine in den Gefangenentransporter).

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