Archiv der Kategorie: Freidenker

Freikirchen schrumpfen auch in den USA

Die USA sind eine tiefreligiöse, christlich geprägte Nation. Nirgends sonst leben so viele Christen. Und wohl in keinem andern Land wird die Religionsfreiheit so sehr beachtet und geschützt. Dies ist mit ein Grund, weshalb selbst die Sekte Scientology jahrzehntelang als seriöse Glaubensgemeinschaft betrachtet wurde.


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger Blogs

us_flagge_bibel_kreuzDie Dichte an Freikirchen ist eines der besonderen Merkmale der USA. Im Wahlkampf kommt kein Präsidentschaftskandidat darum herum, um die Gunst der frommen Christen zu buhlen. Doch nun erreicht der Zeitgeist auch Amerika: Die christlichen Kirchen verlieren zunehmend Mitglieder, die Zahl der Nichtgläubigen wächst rasch. In den USA verstärkt sich der Trend, der in Europa schon länger zu beobachten ist: Glauben und Religion verlieren an Bedeutung, die Tendenz zur Säkularisierung nimmt zu.

Dies bestätigt eine Studie des amerikanischen Pew Research Centers, das 35’000 Amerikaner befragt hat. Bekannten sich 2007 noch 78,4 Prozent zum christlichen Glauben, sind es heute nur noch 70,6 Prozent. Dies ist zwar immer noch ein hoher Wert, doch der Einbruch ist dramatisch. Vor allem auch, weil die meisten Abtrünnigen religiös erzogen wurden und sich als Erwachsene in einem bewussten Prozess vom Glauben abwandten, also agnostisch oder atheistisch wurden. (In Europa werden viele Kinder nicht mehr religiös erzogen, weshalb die Zahl der Ungläubigen besonders rasch wächst.)

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Deutschland: Augen zu vor Menschenrechtsverletzungen

Themenbild. Screenshot: bb
Themenbild. Screenshot: bb
Die Bundesregierung beteuert stets, Menschenrechte seien zentral für ihre Außenpolitik, dabei wird auch Folter von Verbündeten gedeckt oder unterstützt


Von Ralf Streck|TELEPOLIS

Stets wird am heutigen 26. Juni der internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer begangen, der 1997 von der Hauptversammlung der Vereinten Nationen (UN) beschlossen wurde. Und auch die Bundesregierung behauptet stets, ihre Außenpolitik sei auf die Achtung der Menschenrechte ausgerichtet. Wenig ist davon aber im Verhältnis zu Verbündeten zu spüren, wie auch die Veröffentlichung des CIA-Folterreports schon gezeigt hat (Die Königin der Folter). Aber das gilt auch für massive Menschenrechtsverletzungen durch Marokko in der illegal besetzten Westsahara, wie eine Anfrage an die Bundesregierung gerade gezeigt hat.

Noch klarer wird es, wenn es sich um einen EU-Mitgliedsstaat wie Spanien handelt, das gerade erneut von den Vereinten Nationen (UN) gerügt wurde, weil nichts gegen Folter unternommen wird. Die trifft sogar Journalisten, wie auch der Straßburger Menschenrechtsgerichthof schon festgestellt hat.

Die Menschenrechte werden gerne und immer wieder beschworen und das Folterverbot gehört eigentlich zum Kernbestand der Menschenrechte. Und dennoch wird überall auf der Welt gefoltert oder Menschen an Folterländer abgeschoben oder ausgeliefert. Das hat gerade auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Richter am Bundesgerichtshof Wolfgang Neškovićs herausgearbeitet, der den CIA-Report in Deutschland herausgegeben hat.

Er weist auch darauf hin, dass die Menschenrechte im Fall von Russland oder anderen Ländern angeklagt werden, während bei Verbündeten die Augen vor deren Verbrechen verschlossen bleiben (Folter und die Herrschaft des Rechts, Von der VIP-Limousine in den Gefangenentransporter).

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How Atheists Are Responding to the Supreme Court’s Marriage Equality Ruling

Earlier today, the Supreme Court ruled in favor of marriage equality for all:


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

Here’s how several Atheist/Humanist groups (and church/state separation allies) are responding.

Americans United for Separation of Church and State:

“Today love and the Constitution triumphed over bigotry and religious extremism,” said the Rev. Barry W. Lynn, Americans United executive director. “That’s a great step, but no one should expect the Religious Right and its political allies to give up. They are already working to throw up as many roadblocks as possible to prevent LGBT Americans from claiming their hard-won rights.

“The high court did the right thing, but that doesn’t mean we’ve heard the last word on this issue,” Lynn said. “In fact, this ruling will create another front in the ‘culture war’ as aggressive Religious Right groups seek new ways to stop the spread of equality.”

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Greg Graffin: Darwin und Kriege statt Punkrock

Bad Religion

Mit „Population Wars“ veröffentlicht Bad Religion-Frontmann Greg Graffin am 15. September diesen Jahres sein erstes Buch. In dem untersucht er, wie die Evolutionstheorie von Charles Darwin in den letzten Jahrzehnten als Begründung für Kriege herangezogen und so verhindert wurde, dass sich die Menschheit um dringendere Probleme kümmert. Das Buch, das auf 2500 Exemplare limitiert ist, umfasst außerdem eine Single mit vier Akustik-Songs.


Rockszene.de

Dass der Sänger einer Punkrockband ein Buch über die Evolutionstheorie Darwins ein Buch schreibt, wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas sonderbar. Bei genauerer Betrachtung ist es dies aber ganz und gar nicht, schließlich ist Greg Graffin nicht nur Frontmann von Bad Religion sondern auch promovierter Evolutionsbiologe.

Zusammen mit „Population Wars“ veröffentlicht Graffin eine Single, die vier Akustik-Songs von Bad Religion enthält. Diese vier Songs sind jene, die den 50-Jährigen während des Schreibens seines Buches am meisten inspiriert haben.

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Kann es eine Moral ohne Gott geben?

Die Annahme, dass Ungläubige keine moralischen Prinzipien entwickeln können, ist ganz einfach falsch.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker,

viele Menschen befürchten, dass ohne einen Glauben, ohne göttliche Gebote ein moralischer Verfall einsetzen würde. Dahinter steht die Überzeugung, dass Ungläubige keine moralischen Prinzipien entwickeln können.

Diese Annahme ist ganz einfach falsch. Viele angesehene Moralphilosophen waren erklärte Atheisten. In jedem Fall wurden ethische Theorien formuliert, die gänzlich ohne Gott funktionieren.

Aristoteles meinte, dass der höchste Wert im menschlichen Leben das Glück sei. Alles was wir tun, tun wir, um glücklich zu werden. Vollkommenes Glück bedeutet, keine weiteren Bedürfnisse mehr zu haben. Daher ist das Glück das Endziel allen menschlichen Strebens. Zur Erreichung des Glücks sind zwei Prinzipien zu beachten.

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Folter und die Herrschaft des Rechts

Am 26. Juni finden weltweit Aktionen von Amnesty International gegen die Folter statt. Amnesty klagt an, dass der Albtraum Folter weltweit für unzählige Menschen Realität sei. Allein in den letzten 5 Jahren sei in 141 Ländern gefoltert und misshandelt worden: “Trotz absolutem Verbot foltern Regierungen im Verborgenen oder liefern Menschen in Länder aus, wo in Folter droht.”


Von Wolfgang Nešković|TELEPOLIS

Wolfgang Nešković. Foto: Katja Julia Fischer.

Der im Dezember des letzten Jahres veröffentlichte Bericht des Geheimdienstausschusses des US-Senats über CIA-Foltermethoden an Gefangenen, die des Terrorismus verdächtigt wurden, beweist, dass auch die USA zu den “Schurkenstaaten” zählen, die sich barbarischer Foltermethoden bedient haben, um Aussagen zu erpressen.

Der römische Rechtsgelehrte Ulpian wusste schon im 3. Jahrhundert, dass “Aussagen, die man auf diese Weise erhält, schwach und gefährlich und der Wahrheitsfindung abträglich sind. Denn die meisten Menschen verachten, sei es aufgrund ihres Widerstandsvermögens, sei es aufgrund der Heftigkeit ihrer Folterung, das Leiden so sehr, dass es gänzlich unmöglich ist, Ihnen die Wahrheit abzupressen. Andere sind so wenig in der Lage, Schmerzen zu ertragen, dass sie lieber lügen, als sich dem Verhör auszusetzen.”

Der Folterreport des Geheimdienstausschusses belegt die Richtigkeit dieser Einschätzung: Er kommt zu dem Schluss, dass die Foltermethoden “kein wirksames Mittel” gewesen seien, “um geheimdienstliche Informationen zu gewinnen oder die Inhaftierten zur Kooperation zu bewegen” und dass sich die Rechtfertigung der CIA für die Anwendung dieser Methoden auf “unzutreffende Behauptungen über ihre Wirksamkeit” gestützt habe.

Der Bericht des US-Senats über hat weltweit für Empörung und Entsetzen gesorgt. Er offenbart schockierende Grausamkeiten. Der Report zeigt, zu welchen moralischen Schandtaten und gravierenden Rechtsbrüchen die USA im Kampf gegen Terrorismus bereit waren. Die USA, die Präsident Ronald Reagan einst “eine leuchtende Stadt auf einem Hügel” genannt hatte, versinken im Sumpf ihrer eigenen moralischen und politischen Ansprüche.

Ist das die “westliche Wertegemeinschaft”, von der insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder fabuliert, wenn sie zum Beispiel gegenüber Russland den moralischen Zeigefinger erhebt? Wo bleibt die so oft von Frau Merkel in diesem Zusammenhang beschworene “Herrschaft des Rechts”, wenn die USA in ihrem Kampf gegen den Terrorismus ungerügt und ungerührt das Recht ignorieren, indem sie Menschenrechte und das Völkerrecht verletzen?

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Schwachsinn:Kirche verschenkt Karten für den Kirchentag an Religionskritiker

Der Kirchenkreis Dortmund will 111 Dauerkarten für den Kirchentag 2019 in Dortmund an Religionskritiker verschenken.


evangelisch.de

Themenbild. Bild: gbs Hochschulgruppe Jena
Themenbild.
Bild: gbs Hochschulgruppe Jena

Das sei eine Reaktion auf die Protestaktion in der Innenstadt, die sich gegen einen städtischen Zuschuss für das Protestantentreffen wendet, sagte Superintendent Ulf Schlüter am Donnerstag. Die Kritiker sollten “selbst sehen und erleben, dass die evangelische Bürgerbewegung Kirchentag für die Gesellschaft insgesamt und für die Stadt Dortmund Gold wert ist”.

Der Kirchentag sei keine “Missionsveranstaltung der Kirche”, sondern eine öffentliche, gemeinnützige Großveranstaltung, die von Tausenden Freiwilligen getragen werde, betonte Schlüter. “Der Kirchentag weckt und fördert zivilgesellschaftliches Engagement wie kaum eine andere Veranstaltung in Deutschland.” Zudem wies der leitende Theologe des Kirchenkreises darauf hin, dass die Besucher voraussichtlich rund 20 Millionen Euro in der Region ausgeben würden, wovon Handel und Gastronomie profitierten.

Pier Paolo Pasolini: Der christliche Atheist

© EuroVideo Medien GmbH Pier Paolo Pasolini
Im vergangenen Wintersemester 2014/15 habe ich an einem Pasolini-Seminar teilgenommen. Im Anschluss ist diese Hausarbeit über das Verhältnis des italienischen Regisseurs zum Christentum entstanden.


Von Toshiro Umezawa|moviepilot

Pier Paolo Pasolinis wurde am 5. März 1922 in Bologna geboren. Er starb in der Nacht vom 1. zum 2. November 1975 in einem römischen Vorort im Alter von 53 Jahren, die Umstände seiner Ermordung konnten bis heute nicht vollständig geklärt werden. Pasolini gilt vielen als einer der bedeutendsten europäischen Intellektuellen seiner Zeit. Sein schöpferisches Werk ist umfangreich: Er arbeitete als Essayist, Romancier, Lyriker, Übersetzer, Drehbuchautor, Filmtheoretiker, Theater- und Filmregisseur, schuf Zeichnungen und Malerei und tat sich als ständiger Kommentator und Kritiker des politischen Zeitgeschehens hervor. Umfassend ist auch das Themenspektrum seines künstlerischen und politischen Schaffens: Pasolini befasste sich unter anderem mit dem bäuerlichen und subproletarischen Leben, der Normierung der Sexualität, Religion sowie der Zerstörung der Kultur durch die Konsumgesellschaft. Obwohl Pasolini sich in Italien im Laufe der Zeit zu einem einflussreichen Denker entwickelt hatte und sich der Unterstützung vieler Intellektueller sicher sein konnte, erregten seine Werke in der katholisch-konservativen italienischen Gesellschaft heftige polemische Reaktionen und Aggressionen, sie brachten ihm darüber hinaus in einer Vielzahl von Fällen Strafanzeigen ein. (Vgl. Prinzler 1985, 215-217; vgl. Borgna / Bergala / Balló 2014, 7 f.)

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Dortmund verschiebt Entscheidung über Zuschuss für Kirchentag

Der Dortmunder Stadtrat hat die Entscheidung über einen Zuschuss für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 verschoben. Es gebe noch Beratungsbedarf bei SPD und Grünen, sagte ein Sprecher der Stadt dem Evangelischen Pressedienst.


evangelisch.de

Bad ReligionEigentlich stand das Thema für diesen Donnerstag auf der Tagesordnung, nun wollen die Politiker erst in der nächsten Ratssitzung nach der Sommerpause darüber entscheiden, ob die Stadt Dortmund das Glaubensfest der evangelischen Laienbewegung mit 2,7 Millionen Euro unterstützt. Der Kirchentag 2019 kostet nach Angaben der Stadt Dortmund rund 18 Millionen Euro.

Strikt dagegen sind Religionskritiker, die in der Dortmunder Innenstadt eine meterhohe Moses-Figur aufgestellt haben, daneben ein Schild mit dem 11. Gebot: “Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!” Ein städtischer Zuschuss in Höhe von 2,7 Millionen Euro sei angesichts des riesigen Schuldenberges der Stadt nicht zu verantworten, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses, Maximilian Steinhaus, am Mittwoch.

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„Breaking the Silence“ Israel: „Hier geht es um Pluralismus“

17. Juni 2015: Ein israelischer Soldat neben seinem Panzer. Foto: REUTERS
Der Streit über die Kölner „Breaking the Silence“-Schau: Kerstin Müller von der Böll-Stiftung in Tel Aviv wirft im FR-Interview Kölns OB „abgrundtiefe Naivität“ vor. Scharf rügt sie die israelische NGO-Politik.


Von Joachim Frank|Frankfurter Rundschau

Frau Müller, haben die zeitweilige Absage der „Breaking the Silence“-Ausstellung und die dann folgende Verschiebung durch den Kölner OB die Menschen in Israel interessiert?

Auf jeden Fall. Es gab eine Reihe von Presseberichten, und besonders das Friedensspektrum der Gesellschaft, das sich im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzt, war erschüttert, dass sich die Stadt Köln dem Druck der neuen Rechtsregierung in Jerusalem gebeugt hat. Die Botschaft in Berlin vertritt deren Interessen.

Hinter „Breaking the Silence“, so der Vorwurf nicht nur aus Israel, stehe eine Splittergruppe der radikalen Linken, die in Israel selbst kaum Rückhalt habe.

Radikal? Das ist absurd. Radikal sind Teile der jetzigen Regierung, die dezidiert gegen eine Zwei-Staaten-Lösung sind, die das Westjordanland annektieren wollen und eine Umsiedlung der arabischen Bevölkerung planen. Das sind extremistische Positionen. Hingegen ist der Gründer von „Breaking the Silence“ ein glühender Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung, der die Linie der internationalen Staatengemeinschaft voll unterstützt. Natürlich ist „Breaking the Silence“ der Regierung in Jerusalem nicht „genehm“, vor allem weil sie immer wieder kritische Debatten über das Vorgehen der israelischen Armee, etwa während der Gazakriege, anstößt – sie ist ganz gewiss einseitig, aber nicht propagandistisch.

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Queen in Berlin: Inzestuöse deutsche Räuberbaronin

Keine harmlose Uroma. Foto: AP
Die Queen und ihre gestörte Familie stehen für alles, was schlecht ist in Großbritannien. Und Schmarotzer sind sie auch.


Von Ralf Sotscheck|taz.de

Elisabeth II. kommt, und die Berliner freuen sich, behauptet die Lokalpresse. Warum sollten sie das tun? Die britische Königin ist nicht die harmlose Uroma, die nett lächelt und den Menschen freundlich zuwinkt. Sie ist das Staatsoberhaupt von 16 Ländern, und in einigen davon – Trindidad und Tobago, Jamaika und St. Lucia – gibt es die Todesstrafe. Die Urteile werden von Elisabeth unterschrieben.

Die Queen und ihre gestörte Familie stehen für alles, was schlecht ist in Großbritannien. Sie seien „Ausgeburten von inzestuösen deutschen Räuberbaronen“, schreibt der 73-jährige englische Dichter und Anarchist Heathcote Williams in seinem Langgedicht „Die Windsors – Eine schrecklich nette Familie“, das rechtzeitig zum Queen-Besuch auf Deutsch erschienen ist.

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Minister Maas will mehr Informationen über Auslieferungen

Nach der umstrittenen Festnahme des Al-Dschasira-Journalisten Ahmed Mansur reagiert die Bundesregierung mit ersten Konsequenzen.


evangelisch.de

Gefängnis (Public Domain)
Gefängnis (Public Domain)

Wie der “Tagesspiegel” (Mittwochsausgabe) berichtet, soll künftig stets bei Auslieferungsersuchen das Bundesjustizministerium eingebunden werden, wenn die internationale Polizeiorganisation Interpol einer Fahndung widersprochen hat. Das Blatt beruft sich dabei auf Aussagen einer Sprecherin von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD).

Bei der Fahndung nach Mansur hatten sich deutsche Behörden über Interpol-Bedenken hinweggesetzt. Es seien “organisatorische Mängel” festgestellt worden, die Anlass für entsprechende Änderungen gegeben hätten, sagte die Sprecherin. Bisher hat das dem Ministerium unterstellte Bundesamt für Justiz die Fälle regelmäßig in direkter Absprache mit dem Auswärtigen Amt abgewickelt.

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„Raif ist kein Krimineller, er hat nichts getan“

Ensaf Haidar, Ehefrau des inhaftierten Saudi-Bloggers Raif Badawi, kämpft für die Freilassung ihres Ehemanns. Foto: dpa
Internet-Aktivist Raif Badawi sitzt seit 2012 in Saudi-Arabien im Gefängnis. Im Interview spricht seine Ehefrau Ensaf Haidar unter anderem über ihren Kampf, den Kontakt zu ihrem Ehemann, die Haftbedingungen und einen großen Traum.


Von Thomas Geisen|Berliner Zeitung

Raif Muhammed Badawi, geboren 1979, ist ein saudischer Intellektueller und Internet-Aktivist. Er gründete 2008 das Online-Forum „Die Saudischen Liberalen“, eine Website über Politik und Religion in seiner Heimat, die vom Staat abgeschaltet wurde.

Seit 2012 sitzt Badawi in Haft. Vorwurf: Kritik an der saudischen Religionspolizei, Beleidigung des Islam. Saudi-Arabien folgt in seiner Rechtsprechung einer strikten Interpretation der islamischen Scharia. Das Strafmaß: Zehn Jahre Gefängnis, 1000 Peitschenhiebe und umgerechnet knapp 240000 Euro Geldstrafe. Am 9. Januar 2015 wurde Badawi erstmals auf dem Vorplatz der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda mit 50 Stockschlägen gezüchtigt, der weitere Vollzug wurde aus gesundheitlichen Gründen zunächst ausgesetzt. Vor kurzem bestätigte das höchste saudische Gericht das Urteil, Rechtsmittel können nicht mehr eingelegt werden. Badawis Frau Ensaf Haidar, lebt seit 2012 mit ihren drei Kindern in Kanada. Da sie einen persönlichen Besuch in Deutschland absagen musste, sprach der diese Zeitung mit ihr per Skype.

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Comedian Marc Maron and President Obama Discuss Faith in Interview (Albeit Very Briefly)

Image: Friendly Atheist
We know President Obama‘s father was non-religious. In a 2006 speech, Obama said that his father “was born Muslim but as an adult became an atheist.” His mother was Agnostic (though Obama once referred to her in Dreams from My Father as a “lonely witness for secular humanism”).


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

On Friday, comedian Marc Maron interviewed President Obama for his WTF podcast and the episode was released earlier today. If you listen to the show regularly, as I do, you knew religion was going to come up at some point. So I was eagerly awaiting what Obama would say about faith — his own, his parents’, etc.

When speaking about his mother, Obama didn’t talk about her atheism, per se, but he brought up her belief that there was something good to be found in all religions (around the 12:00 mark):

Obama: … I always call her — she was the last of the great Secular Humanists. She thought all religions had something to say, and she thought all cultures were fascinating.

Maron: So you weren’t brought up with that, with the religion thing, really, at all.

Obama: No. I mean, we’d go to church for Easter sometimes. But we had a Shinto temple across the street from the apartment where we were living. And when I was in Indonesia, that’s a Muslim country, so you’d have mosques. But she instilled in me these core values that, for a while, I thought were corny. And then, right around 20, you start realizing, you know, honesty, kindness, hard work, responsibility, looking after other people. They’re actually pretty good values. They’re home-spun. They come out of my Kansas roots. But they’re the things that ultimately ended up being most important to me in how I try to build my life.

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Sonntags das gute Leben finden

Die Treffen der “Sunday Assembly” faszinieren Menschen, die sehr gern ein paar Rituale, aber keinen Gottesdienst haben wollen. Sie sind keine Kirchenhasser, es geht vor allem um Gemeinschaft. Ein Besuch in Hamburg.


Von Josefine Janert|Deutschlandradio Kultur

sundayassembly1Es ist Sonntag, gegen eins. Im Centro Sociale, einem Stadtteil-Zentrum in Hamburg, hat sich eine Handvoll Menschen versammelt. Einige von ihnen rücken Stühle in eine Reihe. Zwei Musiker proben. Die 22-jährige Lara packt selbstgebackenen Kuchen aus. Sie ist heute die Gastgeberin der Sunday Assembly ‒ so der Name der sonntäglichen Zusammenkunft.

Lara wird heute durch das Programm führen. Sie gehört zum ehrenamtlichen Organisationsteam. Hauptberuflich ist sie als Promoterin in einem Club tätig. Vor einem halben Jahr stieß Lara im Internet auf Videos. Diese zeigten eine christliche Gemeinschaft:

“Da ist mir halt aufgefallen, so, die Menschen in Amerika – halt meistens waren das Videos über Amerika – die bleiben da wegen der Community. Die haben eine traumhafte Community da in der Kirche. Und deshalb gehen die auch immer wieder hin, größtenteils. Und dann dachte ich mir so: Ja, wenn es so was für mich gäbe, das wär schon traumhaft. Und dann hab ich recherchiert, dann habe ich die Assembly gefunden. Hab mich anfangs aber noch nicht hier hin getraut, weil es mir so’n bisschen kultig vorkam, so wie ne Organisation. Aber letzten Endes hab ich echt ganz tolle Leute hier getroffen, die mir auch bei schweren Lebensentscheidungen tatsächlich geholfen haben. Und deshalb bin ich gerne hier, und deshalb bleibe ich auch hier.”

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Mein Weg zum Humanismus

Wie findet man seine Weltanschauung? Unser Gastautor beschreibt seinen Weg vom Protestanten zum Kommunisten zum Humanisten.


Von Bruno Osuch|DER TAGESSPIEGEL

welthumanistentag

Vor ein paar Wochen fragten mich Zehntklässler in meinem Ethikunterricht, ob ich „Atheist“ sei. Ich antwortete mit „Ja, aber …“ und versuchte zu erklären, dass ich mich keineswegs nur negativ, also in Ablehnung eines Glaubens an eine höhere Macht, definiere, sondern vor allem positiv die Werte meiner „humanistischen Weltanschauung“ vertrete. Bei den meisten der Schülerinnen und Schüler war Nachdenklichkeit die erste Reaktion – bis ein Pfiffikus etwas spontan in die Klasse rief: „Ach, Sie meinen Atheist-Plus!“ Interessanterweise verstanden das seine Mitschülerinnen und -schüler offenbar viel besser.
Sind Humanisten nur “Atheisten-Plus”?

Dieses kleine Erlebnis zeigt bereits die besondere Problematik, wenn es darum geht, den Humanismus als nicht religiöse Ethik und Weltanschauung zu erklären. Im Unterschied etwa zu Frankreich wird der Begriff bei uns facettenreicher assoziiert. So rief auch der damalige deutsche Papst Benedikt XVI. zu einem „neuen christlichen Humanismus“ auf. Wenn im Folgenden von „Humanismus“ gesprochen wird, dann im Sinne einer Konzentration auf den Menschen und seine Fähigkeit zu einem „guten Leben“ ohne religiöse Begründung. Die entsprechende Ethik orientiert sich an den Werten und Grundsätzen der Selbstbestimmung und Verantwortung, Solidarität und Gerechtigkeit, der Vernunft und des kritischen Denkens und nicht zuletzt am Toleranzgebot. Es sei daran erinnert, dass ein solches Denken seinen Ursprung in den Humanitätsidealen der antiken und vorchristlichen stoischen Philosophie hat.

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Die Nichtwähler riechen den Wahlbetrug als Erste

Viele Wahlverweigerer mögen bildungsfern sein, deswegen lassen sie sich aber noch lange nicht für dumm verkaufen. Sie misstrauen den Wahlversprechen der Parteien – zu Recht, denn das Geld geht aus


Von Ulrich Clauß|DIE WELT

Es ist seit Jahren Begleitmusik der Wahlberichterstattung und Mantra von Wahlanalysen aller Parteien. Die sinkende Wahlbeteiligung höhlt die Demokratie aus, stellt die Legitimität unserer parlamentarischen Ordnung infrage und spaltet das Volk in eine Art Ständegesellschaft, so heißt es.

Verwiesen wird dabei stets darauf, dass bei Landtagswahlen oft nur noch weniger als 50 Prozent der Berechtigten ihre Stimme abgeben, bei Bundestagswahlen seit Anfang der 1970er-Jahre die Wahlbeteiligung – wenn auch auf höherem Niveau – um fast ein Viertel gesunken ist und sich an Europawahlen schon seit 15 Jahren kaum noch jeder Zweite beteiligt.

Je nach politischer Farbe wird die Klage flankiert mit dem Hinweis, dass es vor allem bildungsferne und wirtschaftlich schlechtergestellte Bevölkerungskreise sind, die sich zunehmend wahlabstinent verhalten. So ist der generelle Schluss schnell gezogen: Der deutschen Demokratie kommt der Souverän abhanden, Wohlhabende bestimmen den Kurs, denn sie nehmen überproportionalen Einfluss auf die Zusammensetzung der Parlamente – das ganze Staatsschiff hat also soziale Schlagseite, Mittelklasse und Noch-besser-Gestellte bestimmen zunehmend allein den Kurs.

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SPD-Parteikonvent stimmt Vorratsdatenspeicherung zu

SPD-Chef Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas © 2015 AFP
Trotz erheblicher Bedenken vieler Delegierter hat der SPD-Parteikonvent in Berlin den Regierungsplänen zur Vorratsdatenspeicherung zugestimmt.


stern.de

Trotz erheblicher Bedenken vieler Delegierter hat der SPD-Parteikonvent in Berlin den Regierungsplänen zur Vorratsdatenspeicherung zugestimmt. Für den Antrag der Parteispitze stimmten nach Parteiangaben 124 Delegierte. Es gab 88 Gegenstimmen und sieben Enthaltungen. Gegenanträge vor allem vom Parteilinken wurden abgewiesen.

Der Konvent stellte sich damit mehrheitlich hinter den Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Parteichef Sigmar Gabriel wandte sich anschließend dagegen, Freiheit und Sicherheit gegeneinander zu stellen: “Es gibt keine Freiheit ohne Sicherheit, und es gibt keine Sicherheit ohne Freiheit”. Er zeigte sich mit dem Ergebnis trotz der hohen Zahl von Gegenstimmen zufrieden.

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Der Koran ist nur schön

Das Philosophie-Magazin hat die Sonderausgabe „Der Koran“ herausgebracht Foto: Philosophie Magazin / Fotomontage: pro
Es müssen zwei Versionen des Koran im Umlauf sein. Anders ist nicht zu erklären, warum westliche Intellektuelle nirgends Aufrufe zu Gewalt und Unterdrückung darin finden können, während sich Islamisten weltweit auf den Koran berufen. Das „Philosophie-Magazin“ widmet einer der beiden Koran-Versionen ein Sonderheft.


Von Jörn Schumacher|pro Medienmagazin

Es ist erstaunlich: Wer sich ein Enthauptungsvideo ansieht, wer die Begründung einer islamistischen Terrorgruppe für den jüngsten Anschlag liest, wer den Predigten der Salafisten auch hierzulande lauscht, hört viel von Allah, seinem Propheten und was der Koran über deren Verhältnis gegenüber Nichtmuslimen sagt. Doch wer einen Islamwissenschaftler fragt, woher der Hass im Islam kommt, hört vor allem eine Lobeshymne auf wundervolle Poesie.

Von den Machern eines Philosophie-Magazins würde man Begeisterung für die Aufklärung erwarten, die Ablehnung des Alleinherrschaftsanspruches irgendeiner Religion und die kritische Analyse von geistigen Strömungen, die zur Unterdrückung anderer Menschen aufruft. Wer das Sonderheft „Der Koran“ des Philosophie-Magazins aus Berlin durchliest, findet davon allerdings nicht viel. Stattdessen ergeht sich das Heft auf über 90 Seiten in einer Ode an das Buch, das „Ungläubige“ geköpft sehen will, das Frauen unter den Mann stellt und das ausschließlich Allah die Gewalt über Leben und Tod unterstellt. Die Gegenaufklärung – sie lebt.

„Poetisches Wunderwerk“

Von „Allah“ ist im Koran-Sonderheft aber ohnehin nie die Rede, sondern von „Gott“. Islam, Christentum, Judentum, wo ist da der Unterschied? Der Islam habe heutzutage in Europa ein „Imageproblem“, schreibt die Chefredakteurin Catherine Newmark im Vorwort. Durch die Sonderausgabe ihres Magazins ziehe sich eine Spannung zwischen Glaube und Vernunft. „Es ist die Kernspannung auch der über Jahrhunderte umkämpften europäischen Aufklärung. Sie führt nicht zuletzt auf die Frage nach der menschlichen Freiheit im Angesichts Gottes.“ Dass im Folgenden aber eben nicht vom Christentum (das die Aufklärung durchlebt hat), sondern vom Islam, von Allah, und eben nicht von Gott oder Jahweh, und eben vom Koran, und nicht von der Bibel die Rede ist, – geschenkt.

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After canceling, German city reinstates Breaking the Silence exhibit

IDF soldiers seen near armored personnel carriers (APCs) by the southern Israeli border with Gaza, on the eighth day of Operation Protective Edge, July 15, 2014. (photo credit: Yossi Aloni/Flash90)
Cologne municipality plans to present show critical of Israeli soldiers ‘in an appropriate context’ next year


By Raphael Ahren|The Times of Israel

The Cologne municipality this week decided to host an exhibition critical of IDF soldiers, days after it had canceled it under heavy protest from the local Jewish community and the Israeli embassy in Berlin.

The exhibition by the Israeli NGO “Breaking the Silence” will be shown, “in an appropriate context” in the spring of 2016, according to a statement released by the municipality. A group of local non-governmental groups dealing with the Middle East has been tasked with developing “a concept that will do justice with the complex situation in the region,” the statement [German] added.

The exhibit, which features testimonies of Israeli soldiers accusing the army of mistreating Palestinians, was originally planned to feature in a commemoration of 50 years of diplomatic relations between Germany and Israel later this month.

But after discussions with Israeli diplomats and representatives of the Cologne Jewish community, who argued that the presentation of voices extremely critical of the IDF was one-sided and could lead to anti-Semitic sentiments, Mayor Jürgen Roters last week decided to cancel the exhibition. Roters was told that an exhibit of Israeli reservists accusing the army of serious crimes would be misplaced in the framework of a celebration of the jubilee of diplomatic ties.

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