Archiv der Kategorie: Freidenker

Und geheiligt werde die Willkür

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Gender-Ideologen machen den Fehler, dass sie „Mann“ und „Frau“ rein kulturell verstehen. Zunächst einmal unterscheiden sich Männer und Frauen jedoch biologisch. Kulturelle Studien sind legitim, müssen aber von biologischen Grundlagen ausgehen.

Von Andreas Müller | Richard Dawkins-Foundation

Es gibt auch Frauen mit XY-Chromosomen. Das teilte man mir vor kurzem mit. Und ich Naivling meinte, Männer hätten XY-Chromosomen und Frauen XX-Chromosomen. Das Phänomen der XY-Frauen erklärt sich allerdings durch eine partielle oder komplette Testosteronblockade, zum Beispiel bei Fehlen des TDF-Proteins. Mit anderen Worten ist das nicht normal. Eine biologische Fehlfunktion führt zu diesem seltenen Phänomen der XY-Frauen. Das ist kein Vorwurf an die XY-Frauen oder an XX-Männer, es ist einfach so. Und dieses „die Dinge sind, wie sie sind“, die wissenschaftlich erkundbaren Tatsachen der Realität, drohen der politischen Korrektheit und dem Relativismus geopfert zu werden.

Es ist sinnvoll, „männlich“ und „weiblich“ biologisch zu definieren und voneinander abzugrenzen. Bereits Charles Darwin setzte sich in seinem „Ursprung der Arten“ mit dem Problem der zahlreichen Grenz-, Übergangs- und Ausnahmefälle in der Natur auseinander. Er schrieb, es sei manchmal schwierig, Arten eindeutig voneinander zu unterscheiden. Manche Forscher betrachteten eine Lebensform als Art, andere nur als Rasse. Und trotz der Grenz-, Übergangs- und Ausnahmefälle leugnen Biologen nicht, dass es Arten gibt.

Doch genau das ist die Tendenz unseres Zeitgeistes. An die Stelle der Unterscheidung – wozu klar definierte Begriffe dienen – tritt die Gleichmacherei. Letzten Endes sind dann aber nicht alle Menschen gleich, sondern alles ist gleich. Und somit ist alles nichts Bestimmtes. Ist es ein Mann? Ist es eine Frau? Warum nicht etwas dazwischen, warum nicht beides zugleich? Letztlich ist dann alles im Grunde nichts.

„An die Stelle der Unterscheidung tritt die Gleichmacherei.“

Die Kritiker meiner Artikel über Transgender sehen sich dem Problem ausgesetzt, dass sie im Namen der heiligen politischen Korrektheit, des gesegneten Relativismus, in die Richtung argumentieren: Es gibt keine Geschlechter. Wenn sie nämlich einräumen, dass es voneinander abgrenzbare Geschlechter gibt, dann kann sich nicht jeder einfach als „Frau“ oder „Mann“ definieren, weil er sich besser dabei fühlt. Schließlich müssen ihrer Weltanschauung zufolge auch biologische Frauen „eigentlich“ Männer sein dürfen und andersherum.

„Alles fließt“, wie Heraklit es ausdrückte. Mit anderen Worten gibt es keine Kontinuität und somit keine Attribute und somit keine Entitäten und somit – gibt es gar nichts. Ein Mann ist demzufolge nicht von Natur aus ein Mann, weil er natürliche männliche Eigenschaften einfach ablegen oder sie wegoperieren lassen kann. Und gibt es keine männlichen Eigenschaften, so gibt es auch keine Männer – wodurch sollen sich diese ohne Eigenschaften schließlich auszeichnen? Und wir können uns jede Diskussion über das gar nichts, was übrigbleibt, ersparen, alleine schon deshalb, weil wir dieser Logik zufolge selbst auch nicht existieren. Oder gibt es etwa doch Frauen und Männer?

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Religion und Demokratie: Gebt uns die Hand!

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Sich die Hand zu reichen ist eine Geste der Versöhnung. Des Respekts, vor allem zwischen den Geschlechtern. Überkommene religiöse Vorstellungen sollten da nicht dazwischen funken.

Von Sibylle Berg | SpON

Neues aus der Schweiz, meinem Nabel der Welt. Zentrum politischer Schönheit und Eleganz. Vor einigen Wochen kam es da zu einem Schüttelgate. Zwei Schüler verweigerten es, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Macht man normalerweise so, in Schweizer Schulen, aber eben nicht, wenn man bescheuert ist. Die Empörung im Land war groß, wurde irrational, mischte sich mit der Angst vor dem Islam, der Zuwanderung und na ja, sie wissen schon, was man im Moment so alles befürchtet.

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Wahl Dodo des Monats April 2016

Dodo des Monats April 2016 ©HFR
Dodo des Monats April 2016
©HFR

Die Mediale Aufmerksamkeit im Monat April konzentrierte sich in aller Gänze auf Jan Böhmermann, der nun mit der Ermächtigung durch die Bundesregierung, strafrechtlich wegen Majestätsbeleidigung zur Verantwortung gezogen werden kann. Der „Irre vom Bosporus“ darf nun ganz öffentlich in Deutschland seinen paranoiden Gelüsten nachgehen. Aber auch Kirchtürme, Minarette, MIssion unter Muslimen und religiöse Parallelwelten spielten im Zirkus der öffentliche Meinung eine Rolle. Von extrem bis banal ist alles vertreten.
Die Wahl ist bis zum 07. Mai 2016, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden.
Viel Spaß!

Hier sind die Kandidaten:

  1.  Frauke Petry, „weiß die Architektur von Minaretten nicht zu schätzen.“
  2.  Volker Kauder, „will Moscheen überwachen lassen, seine christlichen Extremisten spart er aus.“
  3. Bono, „singt weniger, dafür mehr Religiotie.“
  4. Rainer Maria Woelki, „mag spitze Phallussymbole.“
  5. Aiman Mazyek, „braucht Fremd-Imame für seinen Glauben.“
  6. Christian Troll, „möchte unter Flüchtlingen christlich trollen.“
  7. Joachim Gauck, „möchte gekrönt werden.“
  8. Alexander Kissler, „katholisch demagogische Weltsichten.“
  9. Eckart von Hirschhausen, „die Einfachheit der Bibel im Medizin-Studium vermisst.“
  10. Bernd Lucke, „mit Vulgärsprache mediale Aufmerksamkeit.“
  11. Wolfgang Thierse, „beschwört den Religionsfrieden.“
  12. Dr. Georg Rüter, „mag dezente Hinrichtungswerkzeuge.“
  13. Andreas Kersten, „Kondome vom Bibel-Apotheker.“
  14. Ulrich Parzany, “ weiß dass die Apostel nicht schwul waren.“
  15. Gert Pickel, „Religionsphobie unter den neuen Atheisten.“
  16. Nabil Arab, „mit dem Islam kam die Befreiung der Frauen.
  17. Recep Tayyip Erdoğan, „gelebte Paranoia.“

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Darwins Streiter

Darwin statt Kreuz. Die Bücher von Richard Dawkins (75) kreisen um die Ideen des Begründers der Evolutionstheorie.Foto: Aus dem Buch
Biologe, Autor und Atheist: Der streitbare und umstrittene Richard Dawkins hat seine Memoiren vorgelegt.

Von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

1976 brachte ein junger Wissenschaftler von der Universität Oxford die Welt der Biologie in Unordnung. Seine Name: Richard Dawkins. Mit seinem ersten Buch, dem er den provokanten Titel „Das egoistische Gen“ gab, löste der 35-Jährige ein bis heute nachhallendes geistiges Beben aus. Und bis heute ist Dawkins jemand, der keine lauwarmen Reaktionen zulässt. Man kann ihn lieben oder hassen, ist für oder gegen ihn – gleichgültig lässt er kaum jemanden. „Man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Langweiler bin“, hat Dawkins dazu mit dem ihm eigenen Sarkasmus bemerkt. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag ist nun seine Autobiografie unter dem Titel „Die Poesie der Naturwissenschaften“ auf Deutsch erschienen.

„Das egoistische Gen“ ist eigentlich eine Abrechnung mit der Idee der Gruppenselektion. Also der Vorstellung, dass die Ebene der Gruppe eine wichtige Bühne ist, auf der sich die Evolution, die Entwicklung der Lebewesen, abspielt. Die natürliche Auslese (Selektion), der Motor der Evolution, begünstigt demnach Gruppen von Organismen. Der Einzelne tritt hinter dem Kollektiv zurück.

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If You Care About the Earth, Vote for the Least Religious Presidential Candidate

Photo: Rhona Wise/Getty Images. prep.: bb
Photo: Rhona Wise/Getty Images. prep.: bb
Earth Day came and went last week. And like years before, promises were made by governments and politicians to be better stewards of our planet. Just about any sane person realizes global warming is real and the damage humans have done to Planet Earth is substantial.

By Zoltan Istvan | MOTHERBOARD

Most people believe a major step in the right direction to heal Earth’s environmental crisis is to reduce humanity’s carbon footprint and be more green—something being addressed in the recently signed Paris Agreement. While I applaud the collaborative effort and good intentions of the treaty, it’s inadequate and doomed to failure. It’s like bringing a water gun to a war zone. Nothing short of a mass-extinction event for humans can stop and reverse the environmental damage done or occurring to the planet. Billions of people around the developing world want the standard of life we have in America, and they’re not going to stop for anything until they achieve that.

I don’t know if the major US presidential candidates—like Donald Trump, Ted Cruz, or Hillary Clinton—are aware of this conundrum. And even if they were, the real question is: Can their politics, ethics, and religious beliefs handle it? Because sending out Christmas cards on recycled paper and giving tax incentives for electric cars is not going to pull us out of the toxic mess we’ve created on Earth. There’s only one realistic hope to save the planet—and it comes from an unlikely place: technology. Radical technology. I’m talking CRISPR gene editing, transhumanism, and nanobots in every biological nook of the world. This will not be Kansas, anymore. And our current politicians will be freaked out by it.

The bright green future rests with disruptive tech. Consider this, for example: Twelve years ago, I used to work as a director at nonprofit wildlife organization WildiAid. In Cambodia, I went on undercover missions and helped bust and jail poachers who were causing wildlife—like tigers, Sun bears, and the Asian rhino—to go extinct. We did good work, but poaching is a nearly $20 billion business, and there’s just no way a nonprofit organization (or even a dozen of them) could stop the demand for illegal wildlife, not when population growth in Asia is skyrocketing and poverty-stricken locals can sell a tiger for over $10,000.

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Hunderte Strafanzeigen gegen Böhmermann

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Mehrere hundert Menschen haben bei der Mainzer Staatsanwaltschaft offenbar Strafanzeige gegen ZDF-Moderator Jan Böhmermann gestellt. Auch deswegen könne es noch keinen Zeitpunkt für eine Entscheidung in dem Beleidigungsverfahren geben.
 

Frankfurter Allgemeine

Bei der Staatsanwaltschaft in Mainz sind viele hundert Strafanzeigen gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann eingegangen. „Die Strafanzeigen bewegen sich geschätzt im oberen dreistelligen Bereich“, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller der „Rheinischen Post“. Der Zeitpunkt für eine Entscheidung in dem Beleidigungsverfahren lasse sich noch nicht prognostizieren. Die Staatsanwaltschaft will zuvor auch Böhmermann selbst hören.

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Vielfältige Menschen zählen, nicht vielfältige Religionen

HumanismMitte April berichtete der Deutschlandfunk in seiner Sendung „Tag für Tag“ von einem französischen Projekt namens „Slam unterm Halbmond“, bei dem muslimische Jugendliche der Pariser Banlieues zu Rappern und Dichtern werden sollen. „Mit diesem Workshop reagieren wir auf ein Problem, das wir in den meisten Banlieues antreffen: Hier wachsen Kinder aus muslimischen Familien auf, die praktisch nichts über die philosophischen Grundlagen des Islams wissen. Sie gehen selten in die Moschee. Die Schule jedoch vermittelt kein Wissen über den Islam. Diese Lücke wollen wir füllen. Außerdem sollen sich die Jugendlichen persönlich ausdrücken, und zwar in einer Form, die sie mögen, nämlich Rap und Slam.“

Von Roger Letsch | Achgut.com

Nun ist gegen Rap und Slam als Ausdrucksformen nichts einzuwenden, aber warum müssen die Jugendlichen das im Zusammenhang mit ihrer Religion erfahren – und was geht dies den laizistischen französischen Staat an, dass er diese Art der Selbstfindung zum Nachhilfeunterricht in Koranfragen umdeklariert? Kaum zu glauben, dass in christlichen Gegenden Frankreichs oder Deutschlands Jugendliche aufwachsen, die noch nie von den philosophischen Lehren der frühen Kirchenväter Augustinus oder Benedikt von Nursia gehört haben und in einem Streitgespräch über die Thesen eines Thomas von Aquin jämmerlich versagen würden. Welche philosophischen Grundlagen müssen eigentlich Atheisten auf Verlangen aufsagen, um ihre Eignung als Bürger Frankreichs unter Beweis zu stellen? Es ist absurd.

Warum nicht die Religion einfach mal beiseite lassen?

Das christlich/abendländische Wissensfundament in Frankreich oder auch Deutschland ist im Durchschnitt nicht dicker als eine Hostie, warum wird dort nicht mit ordentlich Staatskohle Abhilfe geschaffen? Die Sektiererei in den Banlieues, ihre Absonderung vom Rest der französischen Gesellschaft wird durch die Betonung des genuin muslimischen nur noch verstärkt. Man belästigt die Jugendlichen mit ausgewählten Aspekten ihrer Religion, anstatt sie zu ermuntern, diese Religion einfach mal beiseite zu lassen, um endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Wer nun glaubt, das sei ein französisches Problem, der schaue auf die Arbeit der Islam-Verbände in Deutschland, ihre Forderungen und ihre Wortmeldungen. Sylvie Forestier von „Slam unterm Halbmond“ beklagt, dass es „Immer mehr private Koranschulen“ gäbe und „…Frankreich Stellen und Geld für Sozialarbeiter, Erzieher und Vereine zusammenstreiche“. Privates Engagement und private Finanzierung ist in Frankreich für alle anderen Religionen eine Selbstverständlichkeit. Was ist anders am Islam, dass man ihn staatlich anleiten und in die richtige Richtung drücken muss?

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Dark Matter + Black Hole = Wormhole?

Bild: NASA/public domain
Bild: NASA/public domain
According to a paper posted to the arXiv pre-print server last week, the difference between an everyday supermassive black hole and a space-time tunneling wormhole may be a lacing of dark matter. While it sounds like crank fodder of the sort that not infrequently winds up on arXiv, the idea may hold actual water.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

The theory pertains to one particular proposed form of dark matter known as axionic dark matter. Axions, a hypothesized fundamental particle of matter relating to the strong nuclear force, aren’t the only proposed candidate for dark matter, but as searches for WIMPs (weakly-interacting massive particles)—far and away the favored proposed particle comprising dark matter—come up empty, axionic dark matter has become a more and more plausible scenario. As theorized, dark matter axions would permeate the universe as an energetic condensate, interacting only very weakly via the electromagnetic force and existing as a kind of ghostly cosmic foam.

Crucially, while individual axions would be very light, they would together make up enough mass to account for the dark matter halos that form the gravitational scaffolding of galaxies. Axions are currently being hunted for via experiments involving giant Earth-based mirrors.

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Rathaus entfernt Bilder, um „keine Gefühle zu verletzen“

Foto: Jan Gießmann Abgehängt, weil sich Köpenicker Bürger darüber im Rathaus beschwerten. Das Bild stammt von Fotograf Jan Gießmann. BZ-Berlin
Das Rathaus von Berlin-Köpenick hat Nacktfotos aus einer Ausstellung entfernt. Religiöse Gefühle von Menschen mit Migrationshintergrund könnten verletzt werden. Künstler und Bürger wittern Zensur.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Offiziell ist im Rathaus des Berliner Ortsteils Köpenick noch alles in Ordnung. Wie jedes Jahr im Frühjahr findet auf den Etagen eins und zwei das Fotoclub Forum Berlin statt – eine Ausstellung von Berliner Fotografen-Klubs. Gezeigt werden Landschaftsbilder, Architekturaufnahmen und Porträts – insgesamt rund 330 Werke von knapp 200 Berliner Amateurfotografen.

Das Besondere an der Ausstellung, so liest man auf der Erklärtafel, sei, „dass jeder Klub selbst entscheidet, welche Fotos seiner Mitglieder in der Ausstellung gezeigt werden“.

Das Rathaus biete lediglich den technisch-organisatorischen Rahmen für die Veranstaltung: „ohne Einflussnahme auf den Inhalt“. Über den letzten Satz stolpern die Ausstellungsbesucher Werner Botke und Reinhard Haufe. Denn seit einigen Tagen ist klar: Er ist mitnichten so.

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„Deschner Preis“ für Ensaf Haidar und Raif Badawi

Raif Badawi, Bild: FB
Er hat angeblich den Islam beleidigt und wird dafür in seiner saudischen Heimat mit Gefängnis und Prügel bestraft. Dabei hat der Blogger Raif Badawi nur die Gleichbehandlung aller Menschen eingefordert.
 

heise.de

Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine baldige Freilassung des inhaftierten saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi. Das erklärte seine Frau Ensaf Haidar in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. In ihrer Heimat herrscht nach Angaben der im Exil lebenden 36-Jährigen Funkstille, was ihren Mann betrifft. „Also bleibt uns nur zu hoffen, dass sie ihn früher oder später begnadigen.“

Gemeinsam mit ihrem Mann erhält Haidar am (heutigen) Samstag (17.00 Uhr) den mit 10.000 Euro dotierten „Deschner-Preis“ für Religions- und Ideologiekritik der Giordano-Bruno-Stiftung. Die Eheleute werden laut Stiftung geehrt für ihren „gemeinsamen, mutigen und aufopferungsvollen Einsatz für Säkularismus, Liberalismus und Menschenrechte, der weit über Saudi-Arabien hinaus Bedeutung hat“. Haidar lebt mit den drei gemeinsamen Kindern in Kanada.

Die Laudatio soll der deutsch-arabische Islamkritiker Hamed Abdel-Samad halten, der unter anderem mit seinem Bestseller „Mohamed. Eine Abrechnung“ für Aufsehen sorgte. Der Festakt in der Deutschen Nationalbibliothek steht nach Angaben der Organisatoren unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen.

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Stephen Fry: „Warum sollte ich einen launischen, bösartigen, dummen Gott respektieren?“

Screenshot des berühmten „Gott ist böse“-Interviews mit Stephen Fry. Bild. hpd.de
Im vergangenen Jahr hatte Stephen Frys „Gott ist böse“-Interview in den Sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Nun wurde dieses Interview für den Sandford St. Martin-Preis nominiert, mit dem herausragende Leistungen in religiösen Radio- und Fernsehprogrammen ausgezeichnet werden.

Von Daniela Wakonigg | hpd.de

Dass ein Interview mit ihm für einen religiösen Medienpreis nominiert wird, dürfte Stephen Fry ziemlich überrascht haben. Der Autor und Schauspieler Fry ist bekennender Atheist und berühmt dafür, dass er mit seiner Meinung zu Themen rund ums Religiöse nicht hinter dem Berg hält. Wahrscheinlich war dies einer der Gründe für seine Einladung in die Religions-Sendung „The Meaning of Life“ („Der Sinn des Lebens“) des öffentlich-rechtlichen irischen Fernsehsenders RTÉ One im Februar 2015. Im Laufe der Sendung stellte Moderator Gay Byrne seinem atheistischen Gast die Frage, was er denn tun würde, falls er nach seinem Tod doch unerwarteterweise vor der Himmelspforte stünde und den Herrgott träfe. Fry sagte es ihm:

„Ich würde sagen: Knochenkrebs bei Kindern? Was soll das denn bitte? Wie kannst du es wagen! Wie kannst du es wagen, eine Welt zu schaffen, in der es so viel Elend gibt, das wir nicht verschuldet haben? Das ist nicht in Ordnung! Das ist durch und durch böse. Warum sollte ich einen launischen, bösartigen, dummen Gott respektieren, der eine Welt erschaffen hat, die voll Ungerechtigkeit und Schmerz ist? Das ist das, was ich sagen würde.“

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Limburg: Hamed Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide im Haus am Dom

Mouhanad Khorchide, Moderator Stefan Orth und Hamed Abdel-Samad (v.l.n.r.) beim Streitgespräch im Haus am Dom. Foto: Reichwein
Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren: Diese Überzeugung des Publizisten Hamed Abdel-Samad stößt auch in Deutschland nicht gerade auf ungeteilte Zustimmung. Zum so betitelten Streitgespräch mit dem Theologen Mouhanad Khorchide am Dienstag, 19. April, im Haus am Dom, kam und ging der bekannte Islamkritiker jedenfalls unter Polizeischutz, flankiert von Sicherheitsleuten. Auf diesen Hintergrund anspielend bat Professor Joachim Valentin bei seinen Begrüßungsworten die Besucher ausdrücklich darum, „Contenance“ zu bewahren. Dies ging ebenso in Erfüllung wie sein zweiter Wunsch, es möge ein anregender und kontroverser Abend werden.

Bistum Limburg

Mit großem Respekt

Ganz leicht machten es die beiden Koranspezialisten dem Publikum mit ihren vielfachen Verweisen auf Suren und Verse nicht, aber spannend war die kritische, mit großem Respekt geführte Auseinandersetzung allemal. Dafür sorgte auch der Moderator des Abends, Stefan Orth, Redakteur der Herder Korrespondenz und zugleich Herausgeber des im Frühjahr erschienenen gleichnamigen Buches mit den Standpunkten der beiden Diskutanten. Seine Eingangsfrage nach einem möglichen Gewaltproblem des Islam war für Abdel-Samad eine Steilvorlage. Der Islam sei mit Gewalt gekommen, er habe in diesem Sinne kein Gewaltproblem, da er ohne Gewalt gar nicht existieren würde.

Theologische Gegenangebote machen

Diesen einen Islam gebe es gar nicht, widersprach Khorchide: „Es gibt Islame im Plural.“ Gefragt werden müsse danach, welche Muslime Probleme mit Gewalt hätten und warum. Wenn soziale Integration gescheitert sei, wie zum Beispiel in Paris oder Brüssel, begünstige das eine entsprechende Auslegung des Islam. Seine Aufgabe als Theologe sei es, ein theologisches Gegenangebot zu machen. Differenzierung in Bezug auf den Islam heißt dagegen für Abdel-Samad, dass die spirituelle Kraft und Religion einerseits von der Rechtsordnung und der politischen Ideologie andererseits getrennt betrachtet werden müsse. Diese seien problematisch und gewaltbeladen. Wo der Islam das Sagen habe, würden Menschen unterdrückt und lebten in Freiluftgefängnissen. Das sei in allen 53 islamischen Staaten zu beobachten. Da spiele es keine Rolle, wie viele Muslime friedlich oder einfach nur passiv seien. Der Islam habe kein Imageproblem, wie immer wieder behauptet, sondern ein Problem mit sich selbst, mit seinen Texten.

Historischer Kontext

„Es geht immer um die Interpretation des Islam“, betonte dagegen Khorchide und kritisierte das „statische Bild“, das sein Gesprächspartner vom Islam zeichne. Er plädierte im Laufe des Abends immer wieder eindrücklich für ein dialogisches, dynamisches Verständnis vom Koran, der ein Resultat von Kommunikation sei: „Das Wort Gottes, das kommuniziert ist mit Menschen.“ Bei der Auslegung müsse der historische Kontext mit im Blick sein, die Situation der „Erstadressaten“ im 7. Jahrhundert in Arabien. Die Menschen heute seien reifer, Gott habe ihnen Vernunft gegeben, er vertraue ihnen und gebe ihnen das Ruder in die Hand. Für Abdel-Samid steht zu dieser Lesart das Menschenbild im Koran im absoluten Gegensatz: In 60 von 61 Fällen werde der Mensch negativ erwähnt, 400 Mal allein sei drohend von der Hölle die Rede. Für ihn spiegelt dieser Text allein die Entwicklung eines Menschen, des Propheten, wieder, und die einer friedlichen hin zu einer kriegerischen Gemeinde. „Da ist keine Offenbarung im Spiel.“

Barmherzigkeit im Koran

Unabhängig davon, wie viele Details zur Lebensgeschichte des – wiederum von beiden sehr unterschiedlich beurteilten – Propheten Mohammed bekannt seien, steht für den Religionspädagogen Khorchide die Vermittlung im Vordergrund und damit die Frage, für welches Narrativ man sich stark mache, was innerislamisch verbreitet werden solle. Bei dem Vorhaben, einen Islam zu entwickeln, der unter anderem die Gewaltpassagen relativiere und die Barmherzigkeit in den Vordergrund stelle, sicherte ihm sein Kontrahent an diesem Abend ausdrücklich Unterstützung zu. Khorchide revanchierte sich mit einem Lob der Kritik, die für den Islam wie für alle Religionen wichtig sei.

Einiges an Übereinstimmung fand sich auch in ihren abschließenden Appellen vor allem an die Muslime im Publikum, gelassen und nicht emotional und gereizt mit einer solchen Kritik umzugehen, den „Opferdiskurs“ zu verlassen und, so Khorchide, „unsere Religion nicht im Mittelalter stehen zu lassen“. (rei)

Christopher Hitchens Didn’t “Contemplate Conversion” on His Deathbed

Image via Wikipedia
A new book by Larry Alex Taunton, called The Faith of Christopher Hitchens, suggests that Hitchens was “contemplating conversion” near the end of his life, though he never actually made that leap:

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

“I discovered Christopher is not defined by his atheism,” Taunton said. “Atheism is a negative and you can’t build a philosophy around a negative. Christopher was searching for a unifying system of thought. They’re accusing me of saying he converted. I make no such claim. It’s not my claim that Christopher converted, it’s that Christopher was contemplating conversion. I think I substantiate it in the book.

That’s quite a claim — especially considering that the evidence we’ve seen from Christian media sources suggests that the substantiation boils down to nothing more than “Hitchens was friends with some Christian apologists.”

Who would you trust more? Christian apologists who have everything to gain by spreading a lie that can’t be refuted by the man himself… or his wife, Carol Blue, who was at his side when he died?

When he revealed his sorry physical state, discussion raged over whether he would have a death-bed conversion and embrace religion for solace or salvation.

That never happened, said Ms. Blue.

“He lived by his principles until the end. To be honest, the subject of God didn’t come up.”

Hitchens also addressed the topic during an interview with Anderson Cooper not long before his death:

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Viele Nudeln bei erster Trauung in Spaghettimonster-Kirche

Karen Martyn traute das Brautpaar / Bild: APA/AFP/MARTY MELVILLE
Neuseeland hat als erstes Land der als Kirchenparodie gegründeten Bewegung die Erlaubnis zur Ausstellung von Heiratsurkunden erteilt.

Die Presse.com

Mit viel Witz, Wein und Bier hat die „Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters“ in Neuseeland erstmals eine amtlich gültige Trauung vollzogen. Marianna Young und Toby Ricketts gaben sich bei strahlendem Sonnenschein auf einem kleinen Schiff in Araroa bei Christchurch am Samstag das Ja-Wort. Neuseeland ist das erste Land, das der als Kirchenparodie gegründeten Bewegung die Erlaubnis zur Ausstellung rechtsgültiger Heiratsurkunden erteilt hatte. Die Spaghettimonster-Kirche legt viel Wert auf Nudeln und Piraten.

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Das Kreuz provoziert

Bild: tilly
Bild: tilly
Warum ist die Religion zurück? Und weshalb bleibt die christliche Botschaft weiter aktuell? Eine furios geschriebene Betrachtung des Marxisten Terry Eagleton.

Von Thomas Assheuer | ZEIT ONLINE

Was ist der Grund für die weltweite Wiederkehr der totgesagten Religion? Die naheliegende Antwort: Der Grund ist die Religion selbst. Sie verführt die aufgeklärte Seele und bringt sie um den Verstand.

Den englischen Literaturwissenschaftler Terry Eagleton kann diese Antwort nicht überzeugen, er bietet eine andere Erklärung an: Die Religion fülle die symbolische Leere, die der Sieg der säkularen Kultur hinterlassen hat. Rücksichtslos habe sich der Westen ausgebreitet und dulde das Religiöse nur noch in verdünnter Emulsion: als metaphysisches Klimbim oder bizarres Hobby. Doch je deutlicher „der spirituelle Bankrott der kapitalistischen Ordnung sichtbar“ werde, desto schneller wachse das Bedürfnis zu glauben.

Für einen marxistischen Kulturwissenschaftler ist das eine verblüffende Erklärung. Für gewöhnlich stammt nämlich die These, der Fundamentalismus sei die Rückkehr der gesellschaftlich verdrängten Religion, aus dem geistigen Umfeld konservativer Denkschulen. Sie suchen die Schuld bei den gotteslästerlichen Philosophen der Aufklärung und bei linksdrehenden Atheisten ganz allgemein.

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Weg mit dem Schah-Paragrafen

Ein Zuschauer hält vor der Verleihung der Grimme-Preise ein Bild des Satirikers Böhmermann mit der Aufschrift „Vermisst“ in die Höhe. Böhmermann hatte seinen Besuch abgesagt. (Foto: dpa)
Die Beleidigung eines Staatsmanns sollte nicht anders geahndet werden als die Beleidigung anderer Menschen. Und warum mischt sich eigentlich die Kanzlerin ein?

Von Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Der Strafparagraf 103, der die Ehre von ausländischen Staatsoberhäuptern besonders schützt und besonders markant straft, ist antiquiert, er ist überflüssig und albern; in ihm werden die Reste der alten Majestätsbeleidigung konserviert. Was soll man damit machen? Man soll diesen Paragrafen, der im Jargon „Schah-Paragraf“ heißt, abschaffen. Denn warum soll die Beleidigung eines Staatsmanns, ob es nun um Erdoğan oder Obama geht, anders geahndet werden als die Beleidigung anderer Menschen? Diese Strafvorschrift ist ein Überrest aus obrigkeitsstaatlichen und monarchischen Zeiten. Die Strafvorschrift stammt aus dem 19. Jahrhundert; und da gehört sie auch hin.

Aber so lange dieser seltsame Strafparagraf noch existiert, muß man mit ihm umgehen; umgehen muss man so lange auch mit der im Gesetz formulierten Prozeßvoraussetzung, wonach die Bundesregierung „die Ermächtigung zur Strafverfolgung“ erteilen muss. Auch das zeigt, dass dieser Paragraf viel mit politischem Opportunismus zu tun hat. Das ist nicht gut. Die Bundesregierung sollte daher nicht mehr lang herumeiern; sie sollte schnell sagen, dass sie den Fall der Justiz überlässt – ohne sich noch lang dazu zu äußern, ohne vorzuverurteilen, ohne das Gedicht rechtlich zu qualifizieren. Die Justiz ist in einem Rechtsstaat dafür zuständig, sie muss entscheiden, was strafbar ist und was nicht.

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„Fundamentalisten gewinnen in der evangelischen Kirche immer mehr Einfluss“

Nicht nur in den USA, sondern auch unter deutschen Protestanten werden wortgläubige Konservative mächtiger, warnt der Wissenschaftsjournalist Martin Urban.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Viele Menschen in unserer Gesellschaft haben Angst vor dem Einfluss von Islamisten. Andere warnen vor Evangelikalen in der US-Politik. Der Physiker und Wissenschaftsjournalist Martin Urban warnt in seinem neuen Buch vor einer weiteren, bedenklichen Entwicklung. Es geht um die deutsche evangelische Kirche, die im kommenden Jahr 500 Jahre Reformation feiert.

SZ: Sie sehen einen zunehmenden Fundamentalismus in der evangelischen Kirche in Deutschland. Woher rührt Ihre Sorge?

Martin Urban: Die Fundamentalisten gewinnen innerhalb der evangelischen Kirche immer mehr an Einfluss. Mit Fundamentalisten meine ich jene, die die Bibel wörtlich nehmen und deshalb zum Beispiel die Homosexualität und die Evolutionstheorie ablehnen oder die Prügelstrafe für Kinder für richtig halten.

Die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) und evangelische Theologen haben sich in diesen Fragen doch wiederholt relativ liberal gezeigt.

Es findet ein heimlicher Kampf um die Vorherrschaft statt zwischen den aufgeklärten Liberalen in der EKD und den Fundamentalisten. Die Fundamentalisten schaffen es zunehmend auf hohe Posten wie Bischofsstühle. Neben den traditionell Konservativen wie in Bayern und in Württemberg wurde jüngst in Sachsen erstmals ein bekennender Evangelikaler zum Landesbischof gewählt. Mit Michael Diener, dem Vorsitzenden der Evangelischen Allianz – dem Dachverband der Evangelikalen – sitzt seit letztem Jahr ein Fundamentalist sogar im Rat der EKD. Der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, der ihn dort hin brachte, sagt, er erwarte sich viel von den Evangelikalen.

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Streitgespräch: Das Kreuz mit der Kirche

Bild: tilly
Bild: tilly
Während der Glaube vielen Menschen Kraft gibt, hadern andere mit den großen Konfessionen und ihrer Lehre. Dem aufgeklärten Menschen könne die Religion keine befriedigenden Antworten bieten, kritisiert die Pullacher Kulturwissenschaftlerin Hannah Stegmayer im Gespräch mit dem Unterschleißheimer Pfarrer Johannes Streitberger

interview Von Irmengard Gnau und Udo Watter | Süddeutsche.de

Können die Kirchen die Menschen heute noch erreichen? Darüber diskutieren Hannah Stegmayer, Kulturamtsleiterin in Pullach, Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin, geboren 1960 in Brannenburg, und Johannes Streitberger, katholischer Priester, Leiter des künftigen Pfarrverbands Unterschleißheim, geboren 1961 in Triftern, gelernter Zahntechniker und Erzieher.

SZ: Herr Streitberger, Sie haben einmal gesagt, wir lebten heute in einer kirchenfeindlichen Gesellschaft. Inwieweit ist sie das und inwiefern ist vielleicht auch die Kirche feindlich eingestellt gegenüber der säkularisierten Gesellschaft?

Johannes Streitberger: Schwierige Frage. Als Priester und Seelsorger erlebe ich tagtäglich kirchenfeindliche Argumente, das sind die Kirchensteuer, die Frauenordination, der Zölibat – im Endeffekt immer die gleichen Dinge. Natürlich gibt es auch positive Rückmeldungen, aber unterm Strich gesehen, glaube ich, dass Religion in Deutschland generell, in der Wertigkeit nicht gerade vorne dran steht. Natürlich, es wäre tragisch, wenn es hier keine spirituellen Menschen gäbe, aber es ist eine zunehmende Minderheit.

SZ: Woran liegt das?

Streitberger: Da gibt es viele Gründe. Zum einen Desinteresse, zum anderen ist auch wenig Substanz da. Wenn vor den Hochfesten Umfragen stattfinden, ist inhaltlich ganz wenig da. Das merke ich auch bei meiner Arbeit an der katholischen Fachakademie für Sozialpädagogik, wo ich angehende Erzieher unterrichte. Da gibt es viele Ungetaufte, Angehörige anderer Religionen oder auch einen, der sich zum Atheisten erklärt, aber nicht definieren kann, was ein Atheist ist. Das ist in Lateinamerika zum Beispiel eine ganz andere Baustelle.

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Als die Aufklärung begann

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Wie eine Zeit nach der Aufklärung sich die Zeit vor der Aufklärung vorstellte: Wanderer am Weltrand in einem populärwissenschaftlichen Werk von 1888.
In einem Doppelband des «Grundrisses der Geschichte der Philosophie» wird die Geistesbewegung der Aufklärung in Mittel-, Nord- und Osteuropa in einem eindrucksvollen Panorama vor Augen geführt.

Von Ulrich Kronauer | Neue Zürcher Zeitung

Im Schwabe-Verlag in Basel erscheint, in solides Leinen gewandet, das philosophiehistorische Standardwerk in deutscher Sprache, der «Grundriss der Geschichte der Philosophie». Es knüpft schon mit dem Titel an die Tradition des im 19. Jahrhundert von Friedrich Ueberweg realisierten Projekts einer Darstellung der gesamten Philosophiegeschichte an. Von dem neuen, von Helmut Holzhey herausgegebenen «Grundriss», der auf vierzig Bände angelegt ist und der damit alle bisherigen Auflagen und Bearbeitungen des «Ueberweg» an Umfang weit übertrifft, ist mehr als ein Viertel erschienen. Der Philosophie des 18. Jahrhunderts ist eine eigene Abteilung gewidmet, die fünf Bände umfasst und inzwischen vollständig vorliegt.

Vernunft und Toleranz

Helmut Holzhey und Vilem Mudroch haben den fünften Band dieser Abteilung herausgegeben, der aus zwei umfangreichen Halbbänden besteht und in dem die Philosophie in Mittel-, Nord- und Osteuropa behandelt wird oder, genauer, in dem noch bis 1806 formell bestehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, in der Schweiz, in Skandinavien, Polen, dem Königreich Ungarn und Russland.

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Islamismus-Kritiker mit Macheten ermordet

Er kritisierte laut und deutlich den radikalen Islamismus in seinem Land. Dafür wurde der Blogger Nazimuddin Samad auf offener Straße ermordet. Es ist nicht der erste Fall dieser Art in Bangladesch.

Von Sophie Mühlmann | DIE WELT

Nazimuddin Samad schrieb, was er dachte. Der Student und engagierte Blogger aus Bangladesch hatte seine Kritik an religiösem Extremismus nie versteckt. „Ich habe keine Religion“ prangte ganz offen unter seinem Facebook-Profil. Das war sein Todesurteil. Gegen 21 Uhr am Mittwochabend hatten drei Unbekannte den 28-Jährigen auf offener Straße in Stücke gehackt.

Samad war auf dem Heimweg von der Jagannath-Universität gewesen, wo er Jura studierte. An einer belebten Kreuzung im alten Teil der Hauptstadt Dhaka hatten sie ihm mit einem Motorrad den Weg abgeschnitten und waren dann mit Macheten auf ihn losgegangen. Zuletzt, um sicher zu gehen, dass er wirklich tot war, hatten sie ihm in den Kopf geschossen. Augenzeugen berichteten später, die Angreifer hätten bei alledem laut „Allahu Akbar!“ (Allah ist groß) skandiert. Die Polizei hat noch keine Verdächtigen, und bisher hat sich auch noch keine bestimmte islamistische Gruppe zu der Tat bekannt. Doch die Blogger, die in Bangladesch gegen den Fanatismus anschreiben, haben viele Feinde.

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