Archiv der Kategorie: Freidenker

Wie digitale Transparenz die Welt verändert

Hauptplatine eines Rechners.

Hauptplatine eines Rechners.

So paradox es klingt: Die Entwicklung des Lebens im urzeitlichen Ozean kann uns einiges über die Zukunft unserer Gesellschaft lehren. Da im Zeitalter der digitalen Vernetzung kein Geheimnis mehr sicher ist, stehen wir an der Schwelle einer Epoche, die das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatleben ganz neu definieren muss.


Von Daniel C. Dennett und Deb Roy|Spektrum.de

Vor rund 543 Millionen Jahren ereignete sich die so genannte kambrische Explosion: eine spektakuläre Häufung biologischer Innovationen. Binnen weniger Millionen Jahre – nach geologischen Maßstäben fast augenblicklich – entwickelten Lebewesen völlig neue Körperformen, neue Organe, neue Strategien für Angriff und Verteidigung. Die Evolutionsbiologen streiten noch über die Ursache dieser erstaunlichen Welle von Neuerungen. Aber eine besonders überzeugende Hypothese des Zoologen Andrew Parker von der University of Oxford besagt, dass Licht der Auslöser war. Parker zufolge wurden damals die seichten Ozeane und die Atmosphäre durch plötzliche chemische Veränderungen viel lichtdurchlässiger. Zu jener Zeit gab es nur in den Meeren tierisches Leben, und sobald Sonnenlicht das Wasser durchdrang, wurde Sehkraft zum entscheidenden Evolutionsvorteil. Zugleich mit der rapiden Entwicklung von Augen entstanden auch entsprechend angepasste Verhaltensformen und weitere körperliche Besonderheiten.

Während zuvor alle Wahrnehmungen nur die nächste Nähe erfassten – durch direkten Kontakt oder durch Gespür für chemische Konzentrationsänderungen oder Druckwellen –, konnten Tiere nun auch entfernte Objekte identifizieren und verfolgen. Raubtiere schwammen gezielt auf ihre Beute zu; diese konnte sehen, dass sich Feinde näherten, und die Flucht ergreifen. Fortbewegung verläuft langsam und unsicher, solange sie nicht von Augen geleitet wird, und Augen sind nutzlos, wenn man sich nicht bewegen kann. Darum entwickelten sich Wahrnehmung und Bewegung parallel. Diese Koevolution war ein Hauptgrund für die Entstehung der heutigen Artenvielfalt.

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Lieber Fanatiker: Erzieht Religion zum blinden Gehorsam?

Bild: Frankfurter Rundschau

Diese Gefahr ist wohl kaum von der Hand zu weisen, wenn es als vorbildlich gilt, eine grausame Handlung zu begehen, nur weil sie von einer Autorität gefordert wird.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

In den heiligen Schriften finden sich viele schlimme Geschichten über blinden Gehorsam. Besonders erschreckend ist die Erzählung von Abraham und Isaak (Ibraim und Ismael), die für Juden, Christen und Muslime eine große Rolle spielt: Gott fordert von Abraham, seinen eigenen Sohn zu opfern. Traurig, aber ohne ein Widerwort, ohne Bitten oder Flehen bricht Abraham auf, um in den Bergen seinen Sohn zu töten und zu verbrennen.

Erst im letzten Moment wird das Schlimmste verhindert: Ein Engel erklärt, dass alles nur ein Test war. Isaak darf weiter leben und statt seiner wird ein Schafbock geopfert. Ob damit wirklich alles wieder gut ist, darf allerdings bezweifelt werden.

Es stellen sich einige unangenehme Fragen: Was ist das für ein Vater, der nicht einmal eine Erklärung verlangt, wenn er ein unschuldiges Kind töten soll? In dem Film von Fatih Akin „Auf der anderen Seite“, erklärt ein Vater, dass er sich lieber Gott selbst zum Feind gemacht hätte, als diesen Befehl auszuführen. Ist diese Haltung nicht ebenso mutig wie sympathisch? Was ist das für ein Gott, der solche Forderungen stellt?

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Homophobie-Vorwurf: Wirbel um Westfalenblatt

Im Westfalenblatt riet eine Kolumnistin, Kinder nicht an einer Hochzeit Homosexueller teilnehmen zu lassen. Das hatte Folgen Foto: Amy Walters/Fotolia

Eine Kolumnistin hat am Sonntag im Westfalenblatt dazu geraten, Kinder nicht an der Hochzeit zweier Homosexueller teilnehmen zu lassen. Es folgte ein Shitstorm gegen die Psychologin. Das Westfalenblatt gab heute die Entlassung der Frau bekannt.


pro Medienmagazin

Bernhard, 43 Jahre alt, wandte sich mit der Frage an die Kolumnistin Barnara Eggert, wie er mit der Hochzeit seines Bruders und dessen Lebensgefährten umgehen soll. Bernhards Töchter, sechs und acht Jahre alt, seien als Blumenmädchen eingeladen. Obwohl er seinen Bruder und dessen Partner sehr schätze, halte er eine Ehe für unangemessen. Seinen Kindern habe er zudem beigebracht, die Ehe sei „eine ernste Entscheidung zwischen Mann und Frau“ und er wolle nicht, dass sie sich in ihrem Alter mit dem Thema „sexuelle Orientierung“ befassten.

Die Psychologin Eggert beschäftigt sich in ihrer Kolumne „Guter Rat am Sonntag“, die in der Zeitung „OWL am Sonntag“ erscheint und zum Westfalenblatt gehört, regelmäßig mit Leserfragen. Sie antwortete dem Mann in einer Weise, die viele als Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften empfanden. Es müsse nicht sein, dass sechs- und achtjährige Kinder zu solch einer Hochzeitsfeier eingeladen würden. Sie schrieb: „Ich gebe Ihnen Recht, Ihre Töchter würden durcheinandergebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen. Sagen Sie Ihrem Bruder, dass Ihre Kinder an der Feier nicht teilnehmen, weil Sie nicht möchten, dass die Kinder verwirrt werden.“

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»Wir kritisieren den christlichen Glauben, das Judentum und den Islam«

Rainer Ponitka ist Sprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) Foto: Doris Ponitka

Am Freitag beginnt in Köln die »Atheistische Convention« unter dem Titel »Give Peace A Chance – Säkularisierung und globale Konflikte«. Wie begründen Sie, dass aus Ihrer Sicht tatsächlicher Friede nur in säkularen Staatsordnungen möglich ist?


Von Gitta Düperthal|jW

Wir vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) finden es entscheidend, die Ausrichtung einer Gesellschaft und ihre Ethik unter allen Beteiligten auszuhandeln. Es kann nicht sein, dass dies eine Religion bestimmt. Beim Ausbruch von gewalttätigen Konflikten und Kriegen wirkt jede Religion wie Öl im Feuer – denn sie alle gehen jeweils davon aus, den einzig wahren Glauben zu vertreten und sich zum Moralwächter über andere aufspielen zu können. Aus säkularer Sicht ist Friede in einer Gesellschaft nur zu wahren, wenn Religion und Glaube rein private Angelegenheiten sind.

Gibt es Belege dafür, dass Staaten unter religiösem Einfluss eher Kriege entfachen als andere?

Unsere Referentin aus Bosnien und Herzegowina, die Juristin Nada Peratovi?, wird bei der Konferenz den Wandel Kroatiens erläutern: Von einer Republik des ehemals sozialistischen Jugoslawien, in der Religion nicht staatlich unterstützt wurde, zu einer Region, in der Katholiken das Sagen haben. Wer seit den 90er Jahren dem Normativ des Katholizismus nicht entsprach, hatte es dort nicht leicht. Es folgte der Krieg.

Neuerlich erheben dort atheistische, wissenschaftliche Bewegungen ihre Stimme. Sie haben die Nötigung durch die Kirche satt; ihnen missfällt, dass sie sich überall einmischt. Peratovi? ist Repräsentantin der Atheist Alliance International (AAI) im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) und Mitbegründerin des »Zentrum für Zivilcourage« in Zürich.

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YouTube darf Mohammed-Film wieder zeigen

Bild: youtube

Bild: youtube

Nach der Urheberrechtsklage einer Schauspielerin durfte das islamkritische Video „Innocence of Muslims“ nicht mehr auf der Videoplattform YouTube gezeigt werden. Jetzt erlaubte ein Berufungsgericht die Ausstrahlung erneut.


pro Medienmagazin

Das Video sorgte 2012 für weltweiten Aufruhr: der islamkritische Clip „Innocence of Muslims“ (Unschuld der Muslime). Er zeigt Mohammed als Frauenheld und als Mörder. YouTube darf nach einer Gerichtsentscheidung am Montag das Video wieder zeigen, meldet die New York Times.Die Videoplattform sei fälschlicherweise dazu bewegt worden, den Spot von der Seite zu nehmen.

Nachdem die mitwirkendene Schauspielerin Cindy Lee Garcia zunächst eine einstweilige Verfügung beantragt hatte, ordnete ein US-Gericht an, das Mohammed-Video zu löschen. Nach erster Ablehnung eines Bezirksgerichts, wurde dem Antrag in Berufung stattgegeben. Garcia habe urheberrechtliche Ansprüche und YouTube müsste die Inhalte mit ihren Auftritten löschen.

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Streit um Bioethiker: Lasst Peter Singer reden!

Singers Welt: Menschenrechte für Affen aber nicht für behinderte Kinder picture alliance

Peter Singer relativiert das Lebensrecht von Säuglingen. Deshalb darf eine Veranstaltung mit ihm aber nicht unterbunden werden! Denn auch falsche Meinungen und schlimme Denker müssen in der Öffentlichkeit geduldet werden – um eines höheren Gutes willen


Von Alexander Kissler|Cicero

Neben der Empörungs- gibt es eine Skandalroutine. In beiden Disziplinen herrschen ungekrönte Könige, die wissen, wie man eine Herde steuert oder deren Zorn sich zuzieht. Meister aller Skandalklassen ist, zumindest auf dem Gebiet des öffentlichen Denksports, ein australischer Bioethiker mit österreichischen Wurzeln namens Peter Singer. Er hat sich seinen von der Gegnerseite ins Diskursspiel gebrachten Beinamen „Tötungsphilosoph“ dadurch verdient, dass er die Tötung behinderter Säuglinge durch deren Eltern für „sehr oft überhaupt kein Unrecht“ hält.

Peter Singer: Im posthumanen Sperrgebiet

Ich gestehe: Außerhalb des streckenweise anrührenden Erinnerungsbuches „Mein Großvater. Die Tragödie der Juden von Wien“ las ich keine Zeile von Peter Singer, die mich intellektuell beeindruckt oder menschlich eingenommen hätte. Singers moralische Darlegungen zeigen, dass oft die Bioethik die letzte Ausfahrt ist für Philosophen, die vor der strengen Arbeit am Begriff zurückschrecken. Und sie sind an vielen Stellen von einem erschütternd rohen Pragmatismus. Singer zeigt in aller Öffentlichkeit das düstere Ende zweckrationalen Denkens: Es landet im posthumanen Sperrgebiet, im Vorhof der Barbarei.

Dabei vereint Singers Denken Voraussetzungen, die in anderen Kontexten skandaluntauglich sind, ja als Ausweis hochmoderner Reflexionskunst gelten. Wenn er etwa den Begriff des Lebens durch jenen der Lebensqualität ergänzt wissen will und hierbei Abstufungen vornimmt, fiele ihm kaum ein Bischof ins Wort. Auch kirchlicherseits wird gerne angesetzt zum Lob der Lebensqualität.

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Der israelische Regisseur Eran Riklis zu »Mein Herz tanzt«

Bild:ND

Mit »Die syrische Braut« und »Lemon Tree« hat sich der israelische Regisseur Eran Riklis hat einen Namen gemacht. Die Parabel »Mein Herz tanzt« basiert auf der Autobiografie des in den USA lebenden Haaretz-Kolummnisten Sayed Kashua » Tanzende Araber«. Er erzählt von der inneren Zerrissenheit des hochbegabten Eyad , der als einziger Palästinenser eine Eliteschule in Israel besucht. Seine große Liebe zu einer Mitschülerin jüdischen Glaubens scheitert an beiden Elternhäusern. Als er vor den Trümmern seines Lebens steht, muss er seine Wurzeln hinter sich lassen.


Von Katharina Dockhorn|ND

Was treibt Sie an, dem Thema des schwierigen Zusammenlebens der Religionen in Israel treu zu bleiben?
Es wird im israelischen Kino tot geschwiegen. Mein Lebensthema bleibt das schwierige Miteinander von Juden und Arabern in Israel, das sich dem großen Themenkomplex des Verhältnisses Israels zur arabischen Welt einfügt. Zugleich habe ich den Eindruck, dass diese autobiographische Geschichte universell ist. Ein türkischstämmiges Kind in Berlin oder ein arabischstämmiges in den Pariser Vorstädten steht vor ähnlichen Herausforderungen.

Die Integration der arabischen Bevölkerung in Israel scheint weitaus schwieriger als in anderen Ländern?
Meine arabischen Nachbarn leben 20km von mir entfernt. Gefühlt sind es 200.000. Ich habe den Film in einer Kleinstadt gedreht, die 25km von meinem Haus im Zentrum von Tel Aviv entfernt ist. Im Alltag bleibt jeder unter sich. Das trifft auch auf uns Juden zu. Ich treffe selten orthodoxe Juden in Tel Aviv. Sie leben in ihren Vierteln, wo es keine Kinos gibt.

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Armin Nassehi:Was ist “links” und was ist “rechts”?

Der deutsche Soziologe Armin Nassehi. (dpa / picture alliance / Erwin Elsner)

Seit der Französischen Revolution wird das politische und soziale Leben in den Kategorien von “rechts” und “links” sortiert. Das ist zu unterkomplex, meint der Soziologe Armin Nassehi in seinem Werk “Die letzte Stunde der Wahrheit”. Um die immer unübersichtlichere Gegenwart zu ordnen und zu verändern, brauche es eine kollektiv gesellschaftliche Empathie.


Von Felix Klopotek|Deutschlandfunk

Wissen Sie, was rechts ist? Oder links? Was für Fragen! Sofort fallen einem die Gewissheiten ein, die man diesen politischen Schlagworten zuordnet. Links – das ist pazifistisch, hedonistisch, wachstumskritisch, radikaldemokratisch. Und rechts? Das muss ja dann das Gegenteil sein.

Aber wer genauer hinschaut, dem zerbröseln die Gewissheiten: Es gibt linke Bellizisten, linke Asketen und Moralisten, Linke, die wirtschaftliches Wachstum als unabdingbar für die gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ansehen, und es gibt auch Linke, die überhaupt keine Demokraten sind, sondern Anhänger einer Diktatur – in dem Fall einer der Ausgebeuteten und Subalternen über ihre früheren Ausbeuter.

Das Spiel, Gewissheiten zu zersetzen, funktioniert auch bei rechten Positionen. Es dürfte schwer sein, ja eigentlich unmöglich, “rechts” und “links” autonom aus sich heraus zu bestimmen. Was ein Linker ist, wissen wir, wenn ein Rechter auftaucht. Und umgekehrt. Die Unterscheidungen, die die Begriffe rechts und links intendieren, sind nur als relative, aufeinander bezogene, kontextabhängige denkbar. Und diese Unterscheidungen, das ist die These, die der Münchner Soziologieprofessor Armin Nassehi in seinem Buch “Die letzte Stunde der Wahrheit” vertritt, verlieren zunehmend ihre Orientierungskraft. Weil die gesellschaftlichen Kontexte zu komplex für diese Unterscheidung geworden sind. Oder in seinen Worten:

“Dass etwas rechts oder links sei, konservativ oder progressiv, enthält immer weniger Informationswerte. (…) Es hängt damit zusammen, dass die gewohnten Beschreibungschiffren, mit denen sich unsere Gesellschaft öffentlich selbst beschreibt, offenbar nicht mehr das treffen, worum es geht (…).”

Natürlich verschwinden linke und rechte Gesellschaftsbeschreibungen nicht einfach, denn:

“Das ganze Arsenal moderner Komplexitäten verlangt nach Erzählbarkeiten, nach Vereinfachungen, nach Komplexitätsreduktionen.”

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Jetzt bestecht mich doch endlich!

Foto: KURIER / Franz Gruber

Diese Wissenschaftler, die sind doch alle gekauft! Nur ich nicht. Langsam reicht es.


Von Florian Aigner|futurezone.at

Der Wissenschaft sollte man kein Wort glauben, sie ist nämlich fest in der Hand mächtiger Lobbys. Immer wieder erklärt man mir das – in Internetforen, in Mails, in wütenden Diskussionen.

Wissenschaftler und Skeptiker wie ich wollen übernatürlichen und paranormalen Behauptungen wissenschaftliche Zahlen und Fakten entgegensetzen. Dabei weiß man doch, dass Zahlen und Fakten mit der Wissenschaft in engem Kontakt stehen und daher in einer Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und dem Paranormalen nicht als unparteiische Schiedsrichter gelten können.

Kritisiere ich Heilsteine und Homöopathie, dann wirft man mir vor, von der Pharmalobby gekauft worden zu sein. Wenn ich anzweifle, dass man ein Perpetuum Mobile bauen kann, das Energie aus dem Nichts saugt und damit ein Auto antreibt, dann gelte ich als bezahlter Handlanger der Erdöllobby. Und nachdem ich mich als Physiker auch mit Atomen beschäftigt habe, muss ich sicher auch von der Atomlobby gekauft worden sein.

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USA: 85-jährige Ordensfrau und Aktivistin Rice aus Haft entlassen

Megan Rice , Bild: nydailynews.com

Nach fast drei Jahren Haft ist am Samstag die 85-jährige US-Ordensfrau und Anti-Atom-Aktivistin Megan Rice aus einem New Yorker Gefängnis entlassen worden. Das sechste US-Berufungsgericht in Cincinnati hatte in der Vorwoche die Freilassung von Rice sowie ihrer Mitstreiter Michael Walli (64) und Greg Boertje-Obed (58) – letzterer war bei Leavenworth in Kansas im dortigen Federal Prison inhaftiert – angeordnet. Im Gefängnis waren die Ordensfrau und ihre beiden Mitstreiter aufgrund eines 2012 erfolgten Einbruchs in die bestgesicherte Produktions- und Lagerstätte für Uran in den USA gewesen.


kathweb

Die Ordensfrau habe von ihrer bevorstehenden sofortigen Freilassung erst am selben Tag erfahren, “gut” ausgesehen und einen sehr ruhigen und konzentrierten Eindruck gemacht, berichtete die Friedensbewegung “Pax Christi” mit Verweis auf Mitglieder aus den USA. Diese hatten gemeinsam mit Vertretern des US-Vereins “Friends of Franz Jägerstätter” Rice und ihre Mitstreiter während der Haftzeit betreut und unmittelbar nach der Freilassung am Samstag getroffen.

Erst im Vorjahr war Sr. Megan Rice von einem Distriktgericht in Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee zu knapp drei Jahren verurteilt worden. Ihre beiden Komplizen Wall und Boertje-Obed erhielten fünf Jahre.

Grund dafür war, dass sie im Juli 2012 in die staatliche Urananreicherungsanlage Y-12 in Oak Ridge eingedrungen waren und pazifistische Parolen auf ein Uran-Lager gesprüht hatten. Mittels Bolzenschneidern durchtrennten die drei Aktivisten vier Zäune, legten eine Meile zu Fuß zurück und hielten sich mehrere Stunden auf dem Gelände auf, bis sie von einer Wache aufgegriffen wurden.

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Rapper Shahin Najafi: Das gefährliche Lachen über den Islam

Der iranische Rapper Shahin Najafi auf einem Auftritt in Berlin. (imago / David Heerde)

Der im deutschen Exil lebende iranische Rapper Shahin Najafi gilt als Blasphemiker. Er hat religiöse Gefühle im Iran verletzt, so sehen es zumindest einige Gläubige dort. Deshalb ist sein Leben in Gefahr – und das seiner Fans auch.


Von Antje Stiebitz|Deutschlandradio Kultur

Auf der Hülle der CD ist die Hand Fatimas abgebildet. Im islamischen Volksglauben Nordafrikas und des Nahen Ostens gilt sie als Schutzsymbol. Doch diese Hand, messingfarben auf schwarzem Grund, streckt nicht alle fünf Finger in die Luft, sondern nur – den Mittelfinger. Die Botschaft:

“Das ist eine Antwort. Das ist nach drei Jahren eine Antwort, das heißt ich bin immer noch scharf, ich bin immer noch dabei und ich fahre noch. Sie können mich nicht einschüchtern, sie können mich nicht stoppen.”

Nach drei Jahren hat der iranische Musiker Shahin Najafi erneut ein Album herausgebracht, das religiöse Themen anfasst, sie dreht und wendet, mal spielerisch, mal ironisch, immer vielschichtig. Und dass, obwohl er bereits vor drei Jahren in seiner Heimat Hass auf sich zog. Damals sprachen iranische Rechtsgelehrte gleich viermal eine tödliche Fatwa gegen ihn aus. Seitdem wird der Sänger als Abtrünniger angesehen und der Mord an ihm gilt als legitimiert.

Anfang Mai erscheint seine neue CD und es dauert nicht lange und Shahriyar Ahadi, der Freund und Manager Shahin Najafis, findet in seinem E-Mail-Account Morddrohungen aus dem Iran. Sie erinnern an die vor drei Jahren ausgesprochenen Fatwas und bieten demjenigen, der Shahin Najafi umbringt viel Geld. Neu ist, dass sich der Zorn nicht nur auf den Musiker richtet, sondern auch auf seine Fans. So heißt es in einer der Mails:

“Diesmal werden wir keine Ausreden akzeptieren und wir können auch niemanden verschonen. Nicht diesen Blasphemiker, nicht den Ticketverkäufer seiner Konzerte, nicht seinen Organisator, und auch nicht den Besucher seiner Konzerte und seine Fans im Internet.”

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Peter Singer spricht behinderten Babys Lebensrecht ab

Foto: RICHARD PERRY/Redux/laif/NYTNS Umstritten ist Singer wegen seiner These, dass schwerst behinderte Babys bis zum 28. Tag nach der Geburt getötet werden dürften, weil sie keine Selbstwahrnehmung hätten und daher keine “Personen” seien

Seit Jahren setzt sich Philosoph Peter Singer für Tierrechte ein. Mit behinderten Babys hat er weniger Mitleid: Die dürften getötet werden. In Berlin gibt es Proteste gegen seinen geplanten Auftritt.


DIE WELT

Der geplante Auftritt des umstrittenen australischen Philosophen Peter Singer in Deutschland sorgt für Ärger. Bundestagspolitiker von Union, den Grünen und der Linken fordern laut “Bild am Sonntag” eine Absage der Veranstaltung.

Der Philosoph und Bioethiker soll am 26. Mai in der Berliner Urania vom “Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V.” ausgezeichnet werden. Die Laudatio hält Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung. Singer hatte 2011 bereits den Ethik-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung erhalten.

Umstritten ist Singer wegen seiner These, dass schwerst behinderte Babys bis zum 28. Tag nach der Geburt getötet werden dürften, weil sie keine Selbstwahrnehmung hätten und daher keine “Personen” seien.

Menschenrechte für Affen

In Berlin soll Peter Singer einen Tierschutz-Preis erhalten: Seit Jahren setzt er sich unter anderem für Menschenrechte für Menschenaffen ein.

Behindertenverbände und Politiker protestieren gegen den Auftritt. Der Behindertenbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Uwe Schummer, sagte der Zeitung: “Hier wird einem Mann ein Podium geboten, der behinderten Menschen – insbesondere Säuglingen – das Lebensrecht abspricht. Das geht gar nicht.”

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Was darf Satire eigentlich so alles?

Dem würde wahrscheinlich sogar die deutsche Bundeskanzlerin als Ex-DDR-Mädchen zustimmen. Denn in der DDR schätzte man den “Tucho” — Kurt Tucholsky — mehr noch als im Westen


Von Tom Appleton|TELEPOLIS

Und das war seine berühmte Antwort gewesen auf die Frage: “Was darf die Satire?” — “Alles”. Aber klar, hätte Tucho bis in die DDR überlebt, wäre sein Selbstmord weniger zweifelhaft ausgefallen. Oder man hätte die “reaktionäre Sau” bald in den Westen abgeschoben und seine Schriften — naja, sie wurden ja eh bei Rowohlt verlegt. Nur in der DDR hätte man sie dann nicht mehr lesen dürfen.

Also “alles” durfte die Satire, wie Tucho gemeint hatte, aber die Kulturverwalter meinten das sicher mit dem Zusatz “alles — mit Maßen” — oder “mit historischer Perspektive”. Soll heißen, Kritik an Weimar und Hitler-Berlin, ja. Aber dann nicht mehr an Ulbricht-Berlin.

Da waren schon die Brechtschen Suffisantismen zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953 — “Wäre es da / Nicht doch einfacher, die Regierung / Löste das Volk auf und / Wählte ein anderes?”— ein bisschen “gewagt”.

Im Sozialismus Marke DDR gab es Satire jeweils nur mit dem ausgelassenen Text. Bekanntes Beispiel der Nina Hagen-Song. “Micha, mein Micha”, singt sie. Dann singt sie NICHT: “Du Blödmann! Du hast in der Drogerie die Kondome gekauft, aber” — und dann singt sie wieder: “Du hast den Farbfilm vergessen” — und singt wieder nicht: “Und ohne den können wir der lieben Verwandtschaft nicht verklickern, dass unser Urlaub am Baggersee ganz moralisch und züchtig verlief.”

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Liberaler Islam: “Für moderne Muslime hat die Scharia gar keine Bedeutung mehr”

Politikerin, Autorin und Schauspielerin: Lale Akgün (dpa / XAMAX)

Muslime müssten den Mut haben, über bestimmte Teile des Korans zu sagen, “diese Sure ist nicht mehr gültig”, sagte die Ex-Bundestagsabgeordnete und Buchautorin Lale Akgün im DLF. Die überwiegend konservativen Islamverbände in Deutschland kritisierte sie scharf – an deutsche Richter stellte sie klare Forderungen.


Lale Akgün im Gespräch mit Susanne Fritz|Deutschlandfunk

Susanne Fritz: Frau Akgün, liberale Muslime sind in Deutschland in der Minderheit. Aber ihre Zahl wächst. Die ersten muslimischen Gemeinden entstanden. Wer gibt den liberalen Muslimen in Deutschland eine Stimme?

Lale Akgün: . Liberale Muslime können Sie eigentlich überall antreffen. In der Wissenschaft haben wir inzwischen einige Vertreter. Ich erinnere an Professor Khorchide an der Universität Münster, an Professor Toprakyaran, Universität Tübingen. Ich erinnere an Lamya Kaddor, die jetzt ja auch bekannt ist, oder Rabea Müller, eine weibliche Imamin, hinter der Männer beten. Das sind ja schon, denke ich, ganz interessante Stimmen. Also, nicht ein Gesicht, sondern viele Stimmen.

Fritz: Warum ist es Ihrer Ansicht nach wichtig, dass sich in Deutschland ein liberaler, moderner Islam etabliert?

Akgün: Nun, wir müssen einfach sehen, dass Religion und Alltag miteinander verbunden werden müssen, wenn Menschen nicht an einem der beiden scheitern sollen. Wir brauchen natürlich einen Islam, der nicht nur mit dem Alltag der Menschen vereinbar ist, sondern auch mit der Rechtsstaatlichkeit, mit Menschenrechten, mit der Demokratie. Deswegen, denke ich, ist es ganz wichtig, dass Menschen, die sagen, ich bin Muslimin und Demokratin und Menschenrechtlerin, eine Chance haben, religiös zu sein und gleichzeitig auch alle die anderen Dinge zu leben. Das Ausschließen – entweder ich bin Muslimin oder Demokratin – passt nicht mehr in die Gesellschaft.

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Die Tötung von Bin Laden: Alles gelogen

Im Weißen Haus wurde die Mission angeblich live verfolgt. Bild: Weißes Haus

Seymour Hersh berichtet, Bin Laden sei bereits seit 2006 Gefangener Pakistans gewesen, die Operation der Navy Seals sei mit Pakistan abgestimmt worden


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Der bekannte investigative Journalist Seymour Hersh hat in einem Beitrag für London Review of Books die Darstellung der US-Regierung über die Tötung von Osama bin Laden angezweifelt (Obama benutzte Osama). Mit der verdeckten Aktion von Spezialeinheiten der Navy Seals, die angeblich ohne Vorankündigung der pakistanischen Regierung Bin Laden in seinem pakistanischen Unterschlupf in Abbottabad fangen sollten, aber ihn wegen versuchter Gegenwehr töten mussten und dann seine Leiche im Meer versenkten (Bin Laden tot.., Seltsame Informationspolitik des Weißen Hauses), konnte US-Präsident Obama 2011 vor der Wahl punkten. Schließlich war Ex-Präsident George W. Bush daran gescheitert, den vermeintlichen Drahtzieher der 11/9-Anschläge dingfest zu machen.

Hersh behauptet, dass Bin Laden seit 2006 der Gefangene des pakistanischen Militärs und des Geheimdienstes ISI gewesen sei. Zuvor habe er in den Bergen gelebt. Stammesführer hätten verraten, nachdem sie Geld erhalten hatten. Sie hätten ihn benutzt, um die Taliban und al-Qaida in der Region zu beeinflussen, und er wäre ein Pfand gewesen, um die US-Regierung bei geeigneter Gelegenheit zu einem Handel zu zwingen. Für Hersh ist die offizielle Erzählung eine Geschichte, die von Lewis Carrol geschrieben sein könnte. Hätte sich bin Laden, der weltweit gesucht wurde, ausgerechnet in einer Stadt nahe Islamabad versteckt, um von dort aus al-Qaida zu lenken?

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„Charlie Hebdo“-Anschlag: Wer trägt Schuld?

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„Zombie-Katholen“ und „französisches Erwachen“: Nach dem Anschlag auf die „Charlie Hebdo“-Redaktion kursieren wirre Thesen zu Islam, Europa und Antisemitismus.


Von Jürg Altwegg|Frankfurter Allgemeine

Nach dem Anschlag auf die Zwillingstürme wandte sich Usama Bin Ladin in Videobotschaften, die er Al Dschazira zukommen ließ, an die Weltöffentlichkeit. Einmal sprach er von „einem Typen“, der den Zusammenbruch der Sowjetunion vorausgesehen habe und den Niedergang Amerikas prophezeie. Bin Ladin dachte an den französischen Autor Emmanuel Todd.

Mit dem Ende des amerikanischen Imperiums lag Todd ziemlich daneben. Jenes der UdSSR hatte er 1976 angekündigt – er selbst spricht von einem „Traum“, in dem es ihm erschienen sei: Der damals 25 Jahre alte Demograph hatte auf dem Sofa seiner Mutter im Geiste die Karten des Kommunismus und der familiären Strukturen übereinandergelegt. Er ist dieser Methode in vielen Studien treu geblieben. Jetzt beschreibt er mit ihren Mitteln die Geographie der französischen Demonstrationen nach den Terroranschlägen im Januar in Paris und betitelt sein Buch: „Qui est Charlie?“.

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Sterbehilfe: Christliche Horror-Pornos

© “Horror” von “Hulton Archive / Freier Fotograf / getty” lizensiert unter “ALL-RIGHTS-RESERVED”

Die Argumentationsmuster der Kirche bei dem Thema Sterbehilfe vergleicht unser Kolumnist mit populären Hollywood-Horrorstreifen, die heftig die christliche Moralkeule schwingen


Von Wolfgang Brosche|The European

„Filme sind der Spiegel der bestehenden Gesellschaft“ – stellte der Filmhistoriker Siegfried Kracauer zu Recht fest. Unter diesem Blickwinkel habe ich vor einiger Zeit hier die Märsche der christlichen Lebensschützer beschrieben. Ich verglich sie mit dem Kreuze und Mistgabeln schwenkenden Kleinstadtmob in klassischen Horrorfilmen, der, angeführt vom opportunistischen Bürgermeister, das Schloss des Vampirs oder das Labor Frankensteins stürmt. Diese Leute wollen jene Wesen beseitigen, die anders leben, lieben und sterben wollen, die dem Humanismus und der Wissenschaft, dem Denken und Forschen statt der Religion den Vorzug geben.

In die feindliche Welt geschleudert

Und dies sind die angeblichen Monster, die am Ende des klassischen Horrorfilms vernichtet werden: die Ungeliebten, die Ausgestoßenen, die nicht Normgerechten, die Zweifelnden, die Denkenden, die Forschenden, alle, die sich nicht zufrieden geben mit dem Glauben und der Anpassung daran. Die Selbstgerechten verbreiten über sie Lügen, nennen sie unmoralisch weil gottlos und bezichtigen sie aller denkbarer Verbrechen.

In jenen klassischen Filmen hat Boris Karloff mit schlafwandlerischer Subtilität im tumben Körper des Frankenstein-Monsters gefangen jene verzweifelte Sehnsucht nach Liebe und Dazugehören ohne Worte dargestellt; sein Gesicht wurde zu Recht eine der Ikonen des 20. Jahrhunderts. Unter der schweren Wachsmaske, die Karloff kaum eine Mimik ließ, war er dennoch fähig, mit feinsten Andeutungen die Verlassenheit und Trauer auszudrücken, die ein Wesen verspüren muss, das verfolgt wird, weil es allein in die feindliche Welt geschleudert wurde.

Das Böse mit Hostien bekämpfen

Der homosexuelle Regisseur James Whale hat in seinen beiden Frankensteinfilmen („Frankenstein“, 1931, und „Bride of Frankenstein“, 1935) diese Motive subtil herausgearbeitet – wer nicht mit dem Karloff-Monster empfindet, der gehört wahrhaftig zu den selbstgerechten, an die Chimäre von Gut und Böse glaubenden Kleinstädtern, deren Märsche für das Leben in den Filmen so abstoßend wirken. Aber dennoch siegen diese Wutbürger und richten Frankensteins Geschöpf immer aufs Neue hin; die Welt ist scheinbar wieder in (Unter-)Ordnung. Es ist gerade jene Ambivalenz, die die alten Horrorfilme noch heute ansehbar macht.

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Das Internet – christlich verklärt

Die Welt des Internets: Auf der Re:publica ist jeder online Foto: Re:publica| Jan Zappner | CC BY 2.0

Kreativität ist heute im Internet zu Hause. Doch Jugendschützer und auch viele Christen warnen vor den Gefahren neuer Onlinemedien. Die einzige sinnvolle Antwort darauf lautet: Mehr Netz für alle!


Von Anna Lutz|pro Medienmagazin

Eine Woche ist es her, da tagten in Berlin all die Netzjunkies, die Nerds, die Blogger, die Technikaffinen, die Twitterer und Facebooker und die künftigen Apple-Watch-Besitzer, kurz: Es war Re:publica. Wohlfühlen kann sich hier eigentlich jeder – es sei denn, er ist Internetskeptiker. Denn wer die Rede hier auf den umstrittetenen Terminus Internetsucht bringt oder gar erklärt, noch nie einen Tweet abgesetzt zu haben, wird wahlweise ungläubig angeschaut oder belehrt. Dafür ist das Treffen der Netzgemeinde eines der Kreativsten der Republik. Nichts in Deutschland ist derzeit innovativer als die Internetcommunity.

Am Mittwoch zeigte die Hauptstadt, was sie kann: Kontraste schaffen. Denn nur wenige Tage nach dem Ende der Re:publica luden Jugendschützer zur Vorstellung eines Jahresberichts ein, der sich mit den Gefahren der Netzwelt auseinandersetzt. Der ergab: Kinder und Jugendliche, die das Internet nutzen, sind gefährdet. Sie werden in Foren und Chats dazu animiert, sich selbst zu verletzten, schon Neunjährige planen dort den gemeinschaftlichen Suizid. Das will so gar nicht zum Netzglamour der Re:publicaner passen. Aber nur auf den ersten Blick.

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Esoterik und Verschwörungstheorien: „Der Markt mit Wunderangeboten boomt“

Dr. Stephanie Dreyfürst, Bild. FNP

Dr. Stephanie Dreyfürst (40) leitet das Schreibzentrum an der Goethe-Universität. Ehrenamtlich engagiert sie sich beim 1987 gegründeten Skeptiker-Verein „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“, kurz: GWUP. Die GWUP hält ihre Jahrestagung „SkepKon“ vom 14. bis 16. Mai auf dem Campus Westend der Goethe-Universität ab. FNP-Mitarbeiter Thomas J. Schmidt hat sich mit Dreyfürst über Geisterjäger und Geschäftemacher, ihr Engagement und die Tagung unterhalten.


Frankfurter Neue Presse

Frau Dr. Dreyfürst, können Sie mir ein Horoskop legen?

STEPHANIE DREYFÜRST: Auf gar keinen Fall! Außer vielleicht aus Spaß.

Sie glauben nicht an so was?

DREYFÜRST: Nein. Aber bei uns Skeptikern geht es nicht darum, zu glauben oder nicht, sondern die Dinge möglichst unvoreingenommen und mit anerkannten wissenschaftlichen Methoden zu prüfen. Da kommt Astrologie nicht gut weg.

Wie erfolgreich ist die GWUP in der Bekämpfung von Esoterik, Aberglauben und Unsinn?

DREYFÜRST: Gegenfrage: Wie misst man Erfolg? Wir haben steigende Mitgliederzahlen, und die Sozialen Medien machen es viel einfacher als früher, Menschen mit unseren Themen zu erreichen und auf sie zuzugehen. Allerdings wissen wir auch, dass unser Engagement nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist und der Markt mit esoterischen Wunderangeboten boomt. Schon in der Schule sollte kritisches Denken besser geschult werden, damit die jungen Menschen besser gerüstet sind für den Alltag.

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EKD-Umfrage: Legalisierte Sterbehilfe übt Druck aus – supekt

todesspritze

Die Legalisierung ärztlicher Suizidbeihilfe würde Menschen unter Druck setzen, ihrem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen. Das hat eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts (SI) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ergeben. Mehr als die Hälfte der Deutschen will Angehörigen im Alter nicht zur Last fallen.


pro Medienmagazin

Sowohl Gegner als auch Befürworter der Beihilfe zur Selbsttötung sorgten sich demnach darum, dass bei legaler Hilfe zur Selbsttötung viele ihr Leben vorzeitig beendeten würden wollen. Nach Angaben der Studie erwarten 60,8 Prozent der Deutschen, dass die Zahl der Menschen, die ihrer Familie nicht zur Last fallen wollen, durch legalisierte Sterbehilfe steigen wird. „Zwar spielt der Wunsch nach Selbstbestimmung bei den Befürwortern der Sterbehilfe offensichtlich eine gewichtige Rolle. Im Hintergrund steht aber eine Vielzahl an unterschiedlichen Ängsten“, sagte Gerhard Wegner, Leiter des SI. Es sei deshalb wichtig, zu untersuchen, warum sich in Umfragen immer wieder eine Mehrheit für die legalisierte Sterbehilfe ausspricht. Im vergangenen Jahr hatten in einer Forsa-Umfrage 77 Prozent der Bevölkerung die „Beihilfe zu Selbsttötung“ befürwortet. In der nun vorliegenden EKD-Umfrage waren es 63 Prozent.

Die Studie zeigte zudem, dass sich 61,8 Prozent vor einem langen Sterbeprozess fürchten. 60,1 Prozent haben Angst vor starken Schmerzen oder Atemnot. 53,8 Prozent befürchten außerdem, ihren Angehörigen zur Last zu fallen. Mit zunehmendem Alter sinken jedoch die Ängste vor dem Sterben. In der Gruppe der mindestens 80-Jährigen spielen sie die geringste Rolle.

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