Unter der Haube

Burka in Afghanistan. Bild: Marius Arnesen/CC BY-SA 2.0
Man kann es schon bald nicht mehr hören: Burka hier, Burka da. Die gelassenen Metropolenbürger waren von Anfang an der Meinung, dass es sich um ein klassisches Sommerlochthema handele; wegen so weniger Niqab- und Burkaträgerinnen in Deutschland solle man doch bitte die Kirche im Dorf lassen. Nichts könnte Wahrheit und Vernunft ferner sein.

Von Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

Denn wer glaubt, dass es hier tatsächlich nur um erweiterte Fragen der textilen Angemessenheit im öffentlichen Raum geht, oder, in ganz schlechtem Sinn, um die Freiheit, „das zu tragen, was man will“, hat nicht begriffen – oder möchte nicht begreifen – dass die Burka nur die äußerste, im Moment deutlich sichtbare Spitze eines massiven Eisbergs ist.

Es ist nicht „der Islam“ als ganzer und es sind schon gar nicht alle Muslime, aber bestimmte islamische Strömungen, die sich selbst geschickt als die Speerspitze der Rechtschaffenen in Szene setzen, wollen wirklich wissen, ob sie in der Lage sind, weltweit ihre Normen durchzusetzen – zunächst für ihre Anhänger und Anhängerinnen, dann für alle anderen.

Moralischer Imperialismus und Toleranz

Dieser moralische Imperialismus will sich mit allen behaupteten oder tatsächlich gelebten Wertvorstellungen messen, die von der westlichen Welt je ausgegangen sind und ist bereit, für seine Idee der Rechtschaffenheit einen Konflikt einzugehen, der der Bedeutung und Intensität z.B. des Investiturstreits im Mittelalter oder des Kulturkampfs zu Zeiten Bismarcks in nichts nachsteht. Die globale islamistische Offensive erzwingt einen Kulturkampf, ob die Nichtmuslime das wollen oder nicht.

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Daniel Dennett: Much of philosophy today is “self-indulgent”

Snapshot : The Four Horsemen, RDF, Bild: brightsblog
Snapshot : The Four Horsemen, RDF, Bild: brightsblog
Daniel Dennett’s philosophical achievements cannot be neatly summarized. To some, he’s familiar as one of the four horsemen of new atheism, alongside Christopher Hitchens, Richard Dawkins and Sam Harris.

By Olivia Goldhill | QUARTZ

He’s known for his focus on Darwinism, and applying the evolutionary theory to ideas and cultural development. And he’s one of the greatest living philosophers of the mind, arguing that consciousness requires no magic other than the physical mechanics of the brain, that similarly complex robots would be equally conscious, and that the “self,” or ego, does not exist.

But Dennett, who spoke at this year’s Association of the Scientific Study of Consciousness conference in Buenos Aires, is unimpressed with many of his contemporaries in philosophy.

“A great deal of philosophy doesn’t really deserve much of a place of the world,” he says. “Philosophy in some quarters has become self-indulgent, clever play in a vacuum that’s not dealing of problems of any intrinsic interest.”

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Tariq Ali: Heiligsprechung von Mutter Teresa „lächerlich“

Bild: theaustralian.com.au
Der Atheist Tariq Ali drehte 1994 die umstrittene Dokumentation „Hell’s Angel“ über Mutter Teresa. Papst Franziskus würde der Film „die Augen öffnen“.

Die Presse.com

Der britisch-pakistanische Autor und Filmemacher Tariq Ali (72) findet die bevorstehende Heiligsprechung von Mutter Teresa am 4. September „lächerlich“. „Die meisten Heiligsprechungen sind lächerlich, aber diese hier ist auch dumm“, sagt Ali in einem Email-Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Dieser Papst (Franziskus), der normalerweise sehr intelligent ist, muss die wahren Taten dieser albanischen Schwester kennen“, sagt der Autor und verweist auf den Film „Hell’s Angel“ („Höllenengel“) über Mutter Teresa, den er 1994 mit seinem 2001 verstorbenen Kollegen Christopher Hitchens drehte.

In der umstrittenen Dokumentation prangern die beiden mangelhafte medizinische und soziale Betreuung in Mutter Teresas Heimen für Arme und Sterbende in der indischen Stadt Kolkata (dem früheren Kalkutta) an, wo die viel gepriesene Wohltäterin einen „Todes- und Leidenskult“ geschaffen habe. „Ich hoffe zumindest, dass der Papst sich „Hell’s Angel“ ansieht, wenn auch nur heimlich auf YouTube. Das könnte ihm die Augen öffnen“, meint Ali.

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Richard Dawkins über die Unwahrscheinlichkeit Gottes

Bild: RDF
Wie entstand die Komplexität und Vielfalt des Lebens? Warum erweckt es den Anschein von Design? Auf diese und andere Fragen gibt Richard Dawkins Antworten.

Von Richard Dawkins | Richard Dawkins-Foundation

Vieles von dem, was Menschen tun, tun sie im Namen Gottes. Iren sprengen sich in seinem Namen gegenseitig in die Luft. Araber sprengen sich in seinem Namen selbst in die Luft. Imame und Ayatollahs unterdrücken in seinem Namen Frauen. Jüdische Schächter schneiden in seinem Namen lebenden Tieren die Kehle durch. Die religiösen Errungenschaften der Vergangenheit – blutige Kreuzzüge, folternde Inquisitionen, massenmordende Konquistadoren, Kultur-zerstörende Missionare, rechtlich durchgesetzter Widerstand gegen jedes neue Stück wissenschaftlicher Wahrheit bis zum letzten Augenblick – sind sogar noch beeindruckender. Und wozu war all das gut? Ich denke, es wird immer klarer, dass die Antwort lautet: Für absolut gar nichts. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass irgendein Gott jemals existiert hat und gute Gründe für die Annahme, dass Götter nicht existieren und nie existiert haben. Es war alles eine riesige Zeitverschwendung und eine riesige Verschwendung von Menschenleben. Es wäre ein Witz kosmischen Ausmaßes, wenn es nicht so tragisch wäre.

Warum glauben Menschen an Gott? Für die meisten Menschen ist der Grund noch immer eine Variante des alten Arguments vom Design. Wir sehen um uns herum die Schönheit und Komplexität der Welt – der aerodynamische Flügelschlag einer Schwalbe, die Zartheit der Blumen und der Schmetterlinge, die sie bestäuben; durch ein Mikroskop beobachten wir das Gewimmel des Lebens in jedem Tropfen und Tümpel Wasser, durch ein Teleskop machen wir die Baumkrone eines gigantischen Mammutbaums aus. Wir denken über die elektronische Komplexität und die optische Perfektion unserer Augen nach, mit denen wir das alles sehen. Haben wir auch nur die geringste Vorstellungskraft, löst all dies bei uns ein Empfinden der Ehrfurcht und der Andacht aus. Uns fällt die offenkundige Ähnlichkeit lebender Organe mit den sorgfältig geplanten Entwürfen menschlicher Ingenieure ins Auge.

Die Uhrmacher-Analogie des Priesters William Paley aus dem 18. Jahrhundert ist der berühmteste Ausdruck dieses Arguments für die Existenz Gottes. Selbst, wenn man nicht wüsste, was eine Uhr ist, müsste einen der offensichtliche Design-Charakter ihrer Zahnräder und Federn zu der Schlussfolgerung nötigen, „dass die Uhr einen Uhrmacher gehabt haben muss; dass es zu einer bestimmten Zeit an dem einen oder anderen Ort einen Handwerker oder mehrere Handwerker gegeben haben muss, dass der Macher die Uhr zu dem Zweck entwickelte, zu dem sie uns heute dient; dass er ihren Aufbau verstanden hat und dass er ihre Bestimmung festlegte.“ Falls dies schon auf eine simple Uhr zutrifft, wie viel wahrer muss es dann für das Auge, das Ohr, für die Lunge, für das Ellbogengelenk, für das Gehirn sein? Diese schönen, komplexen, verzwickten und offensichtlich zu einem Zweck gebauten Strukturen müssen ihren eigenen Designer, ihren eigenen Uhrmacher gehabt haben – Gott.

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Streit um „Spaghettimonster“-Kirche geht in nächste Runde

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Die „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ kämpft weiter dafür, Schilder mit Hinweisen auf die „Nudelmesse“ aufstellen zu dürfen.
 

Berliner Morgenpost

Neue Volte im Streit um die Schilder der „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“. Weil die Gemeinschaft gern – wie die anderen Kirchen – im Ort Templin Hinweisschilder auf ihre Messe aufstellen will, hat deren Vorsitzender Rüdiger Weida Strafanzeige und einen Strafantrag gestellt. Und er geht gegen das Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) in Berufung, wie der Sender „RBB“ berichtet.

Das hatte im April nämlich entschieden, es sei in Ordnung, dass der Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen das Aufstellen der Schilder verbiete. Auf den Schildern wurde die „Nudelmesse“ angekündigt – samt Angabe, wann diese in Templin stattfinde. Es handelt sich also um genau solche Schilder, wie es sie für evangelische und katholische Gottesdienste auch gibt.

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Religion und Sicherheit: Weg damit

Meera Jamal, 1982 in Karatschi geboren, arbeitete als Journalistin. Sie floh 2008 vor religiösen Extremisten. Heute lebt sie in Kassel. Deutsch von Sofia Glasl. (Foto: Heiko Meyer)

In meiner Heimat Pakistan trugen nur afghanische Einwanderinnen und Frauen aus den Slums Burka. Plötzlich aber ist sie auf der ganzen Welt zu sehen.

Von Meera Jamal | Süddeutsche.de

Als ich Anfang der Achtzigerjahre durch die Straßen von Karatschi lief, mit Freunden Fangen spielte und Fahrrad fuhr, da staunte ich beim Anblick von Frauen in Burka, denn man sah sie nicht oft. Zu den wenigen Frauen, die sie trugen, gehörten afghanische Einwandererinnen, die in dieser typischen blauen Burka gingen, von Kopf bis Fuß verhüllt, nur mit Aussparungen für Augen und Nase. Die andere Gruppe waren Frauen in den Slums. Sie steckten unter einem schwarzen Gewand mit einer Art Schleier, hinter dem sie ihr Gesicht verbargen. Weder meine Mutter noch andere Frauen in meiner Familie trugen jemals Burka, sondern einen Schalwar Kamis, die traditionelle Kleidung aus langem Gewand und Hose, mit einem Schal, der um den Hals geschlungen wurde.

Ein Großteil des Bundesstaats Punjab lebte von der Landwirtschaft. Männer und Frauen arbeiteten zusammen, um über die Runden zu kommen. Wenn die Männer auf den Feldern säten, kümmerten sich die Frauen um Haus und Vieh und brachten ihren Ehemännern Essen. Zur Erntezeit halfen die Frauen beim Schneiden und Verpacken der Ernte. In den Städten war die Burka noch nicht zum Symbol für die Moral der Frauen geworden. Sie bedeckten den Kopf, um den Älteren Respekt zu erweisen und den Traditionen zu folgen. Das war alles.

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RDF Talk – Interview mit Uwe Lehnert

Warum ich kein Christ sein willProf. Uwe Lehnert ist emeritierter Universitätsprofessor, hat ein naturwissenschaftliches, technisches und erziehungswissenschaftliches Studium absolviert und war bis 2002 an der Freien Universität Berlin Lehrstuhlinhaber für Bildungsinformatik und Bildungsorganisation im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.

Von Richard Dawkins-Foundation

Uwe Lehnert ist Autor auf dem Gebiet der Bildungsinformatik und befasste sich nachberuflich mit Religionskritik. Sein religions- und kirchenkritisches  Buch »Warum ich kein Christ sein will« – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung erschien 2015 in 6. Auflage.

RDF: Herr Lehnert, wurden Sie in ihrer Kindheit von einem stark religiösen Umfeld oder eher von einer orientiert indoktrinierten »Lightfassung« beeinflusst?

Uwe Lehert: Mein Vater war zeitlebens ein sehr kirchenkritisch eingestellter Mensch, meine Mutter war Katholikin, aber eher liberal in ihren Auffassungen, wenn der Begriff »liberal« im Zusammenhang mit »katholisch« überhaupt sinnvoll erscheint. Ich habe während der Schulzeit immer am Religionsunterricht teilgenommen, man konnte sich im Nachkriegsdeutschland dem ja kaum entziehen. Aber den sonntäglichen Kirchgang gab es in unserer Familie nicht. Allerdings wurde ich auf heftiges Drängen einer der Großmütter mit 14 Jahren zusammen mit meinen drei anderen Geschwistern evangelisch getauft. Meine Konfirmation folgte dann drei Jahre später.

Gab es ein Schlüsselerlebnis oder war es ein längerer Prozess, der Sie von einer religiösen hin zur naturalistischen Weltsicht führte?

Ein Schlüsselerlebnis, das schlagartig alles geändert hätte, hatte ich nicht. Aber eine skeptische Grundhaltung lag schon recht früh vor. Sie wurde im Konfirmandenunterricht verstärkt, als ich dem Pfarrer widersprach. Er meinte, dass Jesus ein unendlich großes Opfer für uns gebracht hat, weil er sich für uns am Kreuz töten ließ. Als ich daraufhin meinte, dass das Opfer so groß auch nicht wäre, weil er doch wusste, bald wieder aufzuerstehen, wurde ich so niedergeschrien, dass ich lange Zeit nicht mehr wagte, irgendetwas zu fragen, geschweige denn zu widersprechen. Ein zweiter Vorfall löste noch größere Vorbehalte gegen die christliche Lehre und Kirche aus, als ich einem Pfarrer im Religionsunterricht der Oberstufe vorhielt, dass er nur behaupten könne, dass es Gott gäbe und dass Jesus Gottes Sohn sei. Daran könnte ich jedenfalls nicht glauben. Daraufhin bekam ich eine solche Ohrfeige, dass ich in die Schulbank flog. Später allerdings entschuldigte er sich dafür und »belohnte« mich mit einer Eins in Religion wegen meines Mutes, wie er meinte.

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„Sie müssen sich eingestehen, mit der falschen Person verheiratet zu sein“

„Ein bisschen mehr Skeptizismus gegenüber Gefühlen wäre hilfreich“, sagt Alain de Botton. (Foto: Mathias Marx)
Warum trennen sich Paare heute so schnell? Und was ist das Geheimnis wahrer Liebe? Der Philosoph Alain de Botton hat verstörende Antworten.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie haben noch nie von Alain de Botton gehört? Dann versuchen Sie mal, einen Termin zu bekommen! Drei Monate hat es gedauert, bis der Bestseller-Autor („Wie Proust Ihr Leben verändern kann“) und Philosoph für die SZ zu sprechen war. Er kommt gerade von einer Lesereise in den Vereinigten Staaten an Ost- und Westküste und in Australien. Sein neuestes Buch heißt „Der Lauf der Liebe“ – und alle Welt möchte jetzt vom Alltagsexperten de Botton wissen: Wie schafft man das, eine glückliche Beziehung zu führen?

De Botton lebt in London, im feinen Stadtteil Belsize Park. Er leitet in sein karges Arbeitszimmer, es gibt keinen Tee, sondern eine Flasche Sprudelwasser, die muss reichen. Die vor drei Monaten gebuchte Zeit fürs Gespräch nimmt er sich wach und konzentriert, aber nach der vereinbarten Stunde beginnt er auf die Uhr zu schauen. Morgen muss er nach Italien fliegen, Google-Chef Eric Schmidt hat ihn gebeten, auf einem Managertreffen über Liebe zu reden.

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Rio Reiser und die Religion

Rio Reiser, der eigentlich Ralph Christian Möbius hieß, auf einem Bild aus den späten 80er-Jahren. (Imago Stock & People)
So wenig der vor 20 Jahren verstorbene Rio Reiser auch mit der Amtskirche anfangen konnte, so stark sei sein Interesse für Religion gewesen, sagt sein Biograph Hannes Eyber. Der Sänger habe jeden Tag in der Badewanne die Bibel gelesen.
 

Hannes Eyber im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Gestern vor 20 Jahren starb auf einem Hof in Schleswig-Holstein, im nordfriesischen Fresenhagen, Rio Reiser mit gerade einmal 46 Jahren. Reiser, mit bürgerlichem Namen Ralph Christian Möbius, war einer der bedeutendsten Liedermacher deutscher Sprache in den 70er- bis 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eine Ikone der linken Szene, gerade in Berlin, vor allem im alternativen Kreuzberg. Nicht besonders bekannt ist Rio Reisers religiöse oder spirituelle Seite, obwohl sie einen in seinen Liedtexten manchmal geradezu anspringt. Über diesen Aspekt habe ich mit Hannes Eyber gesprochen. Eyber war ein Freund Rio Reisers und hat mit ihm seine Autobiographie „König von Deutschland“ geschrieben. Meine erste Frage an Eyber war, ob er noch häufig an seinen alten Freund Rio denke.

Hannes Eyber: Ja, also, ich meine, das war schon eine sehr intensive Zeit, und als ich da die Nachricht bekam, dass er gestorben ist, das hat mich nicht nur beeindruckt, sondern sehr traurig gemacht. Eigentlich war er so eine Art Lebensgefährte, was mein eigenes Leben betraf.

Ein sexueller Leidensweg

Gessler: Darf ich Sie direkt fragen – Lebensgefährte auch im Sinne von …

Eyber: Nicht in erotischer Art. Also da waren wir grundverschieden, aber ich hatte dadurch, dass wir eine sehr intensive Nähe hatten, so habe ich seinen sexuellen Leidensweg doch wahrgenommen und mitbekommen.

Gessler: Aber es war ja nicht nur ein Leidensweg. Er hatte ja Freunde.

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Absolute Religionsfreiheit gibt es nicht

Frauen mit Gesichtsschleier sind in deutschen Städten eine Ausnahmeerscheinung / picture alliance
Rechtsstaat oder Religionsfreiheit, was ist wichtiger? Für Alexander Grau ist die Sache klar: bereits heute steht das Strafrecht über religiösen Normen und Geboten. Der deutsche Staat sollte aufhören, sich bei Religionsgemeinschaften anzubiedern.

Von Alexander Grau | Cicero

Nun ist sie also offiziell: Die „Berliner Erklärung“, in der die CDU-Innenminister ein Verschleierungsverbot im öffentlichen Raum fordern, ein „Burka-Verbot light“, wie umgehend gespottet wurde.

Eine interessante Entwicklung, ist es doch erst wenige Tage her, dass Bundesinnenminister de Maizière ein Burka-Verbot verfassungsrechtlich für bedenklich hielt. Er betonte, man könne nicht alles verbieten, was man ablehne. Ähnlich hatte sich SDP-Chef Gabriel geäußert. Ob der sich allerdings ähnlich wendig zeigen wird wie de Maizière, bleibt abzuwarten. Sein Vize, Ralf Stegner, hatte noch letzte Woche zu Protokoll gegeben, ein Verschleierungsverbot sei mit der Religionsfreiheit nicht zu vereinbaren.

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Gesunder Menschenverstand – Ach was

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Er ist ein mächtiger Helfer in der Diskussionsnot. Selbst wenn man keine Argumente hat und auf verlorenem Posten steht, wenn die hässliche Frage nach dem Warum gestellt wird, wenn einem nichts mehr einfällt. Dann ist er stets zur Stelle. Bei jedem Thema. Ohne Ausnahme. Wie ein Notheiliger. Der Joker. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Der gesunde Menschenverstand.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Ich hatte dem vor ein paar Jahren bei The European schon mal eine gehörige Breitseite verpasst, aber der Kerl ist nicht tot zu bekommen, dabei ist er nur ein elender Blender und Betrüger. Ein talentierter Mr. Ripley der Diskussionskultur.

Immer wieder wird behauptet, der gesunde Menschenverstand sage irgendetwas. Das ist eine plumpe Lüge. In Wirklichkeit sagt nur derjenige etwas, der behauptet, der gesunde Menschenverstand habe ihm etwas geflüstert. Das soll seiner Aussage mehr Gewicht verleihen, als sie in Wirklichkeit hat. Früher konnte man noch erzählen, man habe seine absoluten Weisheiten im unmittelbaren Gespräch mit Gott erhalten und sie in Stein gemeißelt vom Berg geschleppt, aber das ist heute zu gefährlich. Da landet man sehr schnell in der Psychiatrie, selbst wenn es denn wahr wäre. Göttliche Nachrichten gelten heute als suspekt. Also nennt man stattdessen den gesunden Menschenverstand als Quelle seiner Erkenntnis und macht ein wichtiges, bedeutsames Gesicht dazu. Oder das, was man dafür hält.

Der gesunde Menschenverstand und ein bisschen finanzielle Bildung reichen völlig aus.

meint z.B. Christian W. Röhr, Gründer der Internetplattform Dividenden-Adel. Komischer Name, denn in manchen Regionen Deutschlands bedeute Adel auch Gülle. Aber egal, dann versuchen Sie mal damit Ihr Geld zu vermehren. Wenn’s nicht klappt, war Ihr Menschenverstand vermutlich ein wenig kränklich. Aber Sie hätten dann immerhin eine wichtige Erfahrung gemacht: Ihr Geld ist futsch.

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Kasseler Ortsgruppe der GBS übernimmt Kirchenaustrittsgebühr

ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
Sie werben für die Gottlosigkeit und wollen nun zunächst für zehn Kirchenmitglieder deren Austrittsgebühr übernehmen: Die Kasseler Ortsgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung.

Von Bastian Ludwig | HNA

Am morgigen Samstag präsentiert sie sich ab 11 Uhr an einem Infostand auf dem Friedrichsplatz. Der Zusammenschluss von Atheisten, Religionskritikern und Naturalisten glaubt, dass viele Menschen aus reiner Faulheit der Kirche nicht den Rücken kehren.

Ein wirtschaftlicher Anreiz sei die Übernahme der 25 Euro Verwaltungsgebühr für den Austritt nicht, gibt Christian Hachmann von der Giordano-Bruno-Stiftung aus Kassel zu. Mit der Aktion wollten er und seine Mitstreiter dennoch Menschen dazu ermuntern, den Schritt zu gehen. „Viele sind seit ihrer Geburt in der Kirche und vermutlich nur aus reiner Trägheit nicht ausgetreten“, sagt Hachmann.

Zwar verlören die Kirchen auch ohne das Zutun der Stiftung Mitglieder, aber der Prozess könne beschleunigt werden. Besonders die Taufen seien kritisch zu werten. „Eltern würden für ihr Kind auch niemals eine Parteimitgliedschaft abschließen, bevor es sich dazu äußern kann“, sagt Hachmann. Seine Stiftung – die Evolution und Schöpfungsglauben für unvereinbar hält – könne eine Ersatzgemeinde für die Ungläubigen sein.

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Vom Freidenker zum Humanisten: Die Kirche der Konfessionslosen

Der deutsche Philosoph und Zoologe Ernst Haeckel, einer der geistigen Leuchttürme der Freidenker (picture alliance / dpa)
Freidenker, die sich gegen religiöse oder kirchliche Autoritäten auflehnen, hat es immer gegeben. Aber im 19. Jahrhundert haben sie sich erstmals organisiert. Heute versucht der Humanistische Verband jenen, die sich als konfessionsfrei verstehen, weltanschauliche Orientierung zu geben. Humanisten betreiben so etwas wie eine säkulare Diakonie.
 

Von Doris Arp | Deutschlandfunk

„Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen, lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zurzeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.“

Der Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky nahm sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Freiheit und machte sich seine eigenen Gedanken. Die macht sich auch Joachim Kahl, einst Freidenker und heute Mitglied im Humanistischen Verband Deutschland.

„Man könnte sagen ein Freidenker ist ein Freigeist, ein Mensch, der sich nicht durch Autoritäten, speziell religiös-kirchlicher Art bevormunden lässt, sondern eben seinen eigenen Verstand, die eigene Vernunft nutzt, um seinen Reim auf die weltlichen und anderen Dinge zu machen.“

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Pierre Bayle über Toleranz: Toleranz ist keine Gnade, sondern Vernunft

Nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes: Der Temple de Charenton, eine protestantische Kirche, wird abgerissen. Foto: imago/Leemage
Der andere ist ein Wesen gleich uns, auch wenn er aus unserer Sicht irrt: Die Schrift des hugenottischen Philosophen Pierre Bayle über die Religionsfreiheit ist immer noch und immer wieder aktuell.
 

Von Markus Schwering | Frankfurter Rundschau

Der eine Herr gewährte es, der andere nahm es wieder: Hatte der zum Katholizismus übergetretene König Heinrich IV. 1598 im Edikt von Nantes den calvinistischen Protestanten im katholischen Frankreich religiöse Toleranz und volle Bürgerrechte gewährt, so machte es sein Nachfolger Ludwig XIV. 87 Jahre später rückgängig.

Fixiert auf die absolutistische Uniformität seines Staatswesens und den päpstlichen Bündnispartner, beraubte er die Hugenotten sämtlicher religiöser und bürgerlicher Rechte. Das Ergebnis: Innerhalb weniger Monate flohen Hunderttausende außer Landes, unter anderem auch nach Preußen, wo sie zum entscheidenden Ferment beim wirtschaftlichen Aufbau des jungen Hohenzollernstaates wurden.

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A New George Carlin Album Will Be Out Next Month, Eight Years After His Death

Screenshot via YouTube
George Carlin recorded his special Complaints and Grievances on November 17, 2001. As with all of his albums, he had been working on the material for much of the previous year, testing out various permutations of the jokes on the road leading up to the big event. And a bit called “I Kinda Like It When a Lot of People Die” ended up on the cutting room floor after September 11 for obvious reasons. (That was also going to be the title of the special before the tragedy.)

By Hemant Mehta | Fiendly Atheist

That routine, in which Carlin discussed his joy in witnessing disasters likes famines and tornadoes, along with never-before-heard interviews and comedy bits, will be released by his estate next month as part of a new album (using that same original title).

You can hear some of the controversial bit below — the recording was made on the day before 9/11. It becomes apparent rather quickly why Carlin decided not to include this routine when he recorded his special:

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Wir brauchen keinen reformierten Islam

Affen_MohammedSeit Monaten wird gestritten, christliche Politiker, islamische Politiker, Gottesknechte und Diener des Herrn, während die einen eine Reform des Islam verlangen beharren die anderen in ihren konservativen, fundamentalen Schlupflöchern. Nennen wir sie Moscheeverbände. Sicher ist auch, ein liberaler Islam braucht die heutigen Formen muslimischer Organisation nicht. Nun zu verlangen, dass die Moscheeverbände liberaler werden, kulturell organisieren, heisst, sie abschaffen zu wollen. Guter Vorsatz, nur darf man nicht auf die Selbstabschaffung von Moscheeverbänden hoffen. Das Beharrungsvermögen finden wir ja überall, in der Politik wie in der christlichen Religion. Entgegen der fortschreitenden Verweltlichung der Gesellschaft wird die Bedeutung des Religiösen künstlich erhöht. Dieser Widerspruch ist signifikant und vernehmbar in der Gesellschaft vorhanden. Wenn Pfaffen wie Bedford-Strohm oder Marx im „Wir“ sprechen muss die Grenze aufgezeigt werden. Sie sprechen für ihre Organisationen, für die damit verbundenen Strukturen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie sprechen nicht für die 50% Konfessionslose im Land.
Moscheeverbände wollen ähnlich wie die christlichen Kirchen behandelt werden, dass ist ihr gutes Recht, finden wir im Grundgesetz. Die Frage die es zu beantworten gilt, wie sie sich darstellen, Anhängsel der Muslimbrüder, der Diyanet, doch wohl nicht. Schon gar nicht wenn Religiöses als Integrationsmedium verstanden werden will. Konflikte mit der säkularen Entwicklung sind aufgezeigt. Und sie lassen sich nicht mit dem Aussitzen der Politik lösen.

Andere Gläubige bringen andere Gläubige um, ermorden sie. Im religiösen Dorf Gottes bricht Panik aus. Diskreditieren doch die anderen Gläubigen Gott selbst. Geweihte Personen werden getötet, in einem Tempel Gottes, Gott tut nichts, wie immer. Zum Schluss sind die Beteiligten alle tot. „Tötet sie. Der Herr wird die Seinen schon erkennen.“ Der Gott der Christen, Juden und Muslime liebt Gerechte und Ungerechte, im Tode sind sie ihm willkommen. Der Widersinn zum stillen Karfreitag in Deutschland ist kaum deutlicher darstellbar.

Deutscher Gotteswahn lässt sich recht prononciert im Missionsbefehl(Matthäus-Evangelium) darstellen. Evangelikale und Katholiken wollen unter den Muslimen missionieren. Aiman Mazyek hatte seinerzeit deutlich protestiert in dem er die Kirchen vor aggressiver Mission warnte. Die Christen-Weicheier wollen natürlich unter den Muslimen missionieren, die bereits in Deutschland angekommen, sesshaft sind. Mission im Gebiet des Islamischen Staates kommt ihnen nicht in den Sinn. Ein eindeutiger Glaubensmangel. Nirgendwo besser lässt sich die Wirksamkeit des christlichen Gottes nachweisen, als im Gebiet des dämonischen Koran-Fundamentalismus. Nein, Theologe Schirrmacher, für die Evangelikalen und Christian Troll, für die Katholiken, schlagen dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime einen interreligiösen Ethik-Kodex für Mission vor. Zumal Mazyeks Fähnlein der sieben aufrechten Muslime in Deutschland kaum Muslime vertreten kann. Es wäre lächerlich, wenn nicht die Tatsache bestehen würde, dass Evangelikale und Katholiken, im säkularen Gemeinwesen ihre krude Glaubenswerbung durchführen wollen.

Wir brauchen keinen reformierten Islam, wir brauchen eine reformierte Politik, die sich dem gesellschaftlichen Widerspruch zwischen der Religionisierung sozialer Konflikte und fortschreitender Verweltlichung entgegenstellt. Solange Politik die eigene Hausreligion bevorzugt, werden andere ihre berechtigten Ansprüche geltend machen. Nicht Neuevangelisierung sondern Säkularisierung ist die Lösung.
Dazu gehört auch islamistischen Terror als solchen zu benennen, nicht Irre, Verhaltensauffällige, sondern religiöser Fundamentalismus in seiner übelsten Darstellung sind das Problem. Wäre dem nicht so, müsste man das Versagen der Gesundheitspolitik konstatieren, genauer die psychiatrischen Dienste, die solche Gewalttäter nicht therapieren können.

Die Forderung den Islam reformieren zu wollen ist von geradezu lächerlicher Impertinenz.

Der Lackmustest: Welche Religionen überleben Atheisten?

Nein Danke. Brauchen wir nicht. Image. Godless Atheists/FB
Nein Danke. Brauchen wir nicht.
Image. Godless Atheists/FB

Lieber Abdel-Hakim Ourghi, Sie wissen, dass ich Sie und Ihre Arbeit sehr schätze. Ihren Beitrag auf Facebook neulich fand ich jedoch etwas zwiespältig. Sie schrieben: „Ich glaube nicht, dass die Atheisten nerven. Sie brauchen die Religionen als Thema, damit ihre von der Realität entfernte Ideologie überlebt. Mit dem Gegenstand Gott sind sie religiöser als die Anhänger der Religionen. Übrigens, von den Atheisten kann man einiges über seine eigene Religion lernen. Deshalb ist der Dialog mit ihnen unentbehrlich.“

Von Roger Letsch | Achgut.com

Zunächst mal muss ich sie in einem Punkt wirklich korrigieren. Atheisten nerven sehr wohl, und wie! Ich muss es wissen, gehe ich doch so einigen meiner gläubigen Mitmenschen gewaltig auf die Ketten. Zumindest dann, wenn es um Religion geht. Was dieses Thema angeht, ist der Atheist nämlich eher der „Wir-müssen-reden-Typ“, während der Gläubige eher der „Es-ist-alles-gesagt-Typ“ ist.

Was aber die „von der Realität entfernte Ideologie“ angeht, müssen Sie mich verwechseln. Ich gebe zu, da gab es Ideologien. In Kommunismus oder Faschismus war für Gott kein Platz, aber dieser für Gläubige Menschen bitteren Realität verschlossen diese sich oft und marschierten unter den Bannern Stalins und Hiltlers Seite an Seite mit den Ungläubigen. Man könnte sagen, dass die Realität weder Religionen noch Ideologien beeinflusst. Die Realität ist nur beiden immer wieder im Weg. Atheismus ist keine Ideologie und hat keine Ideologie. Atheismus ist vielmehr purer, selbstgenügsamer Realismus. Präsens, nicht Futur II. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott – nur ohne den Teil nach dem Komma.

Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt auch für Atheisten

Sie schreiben, dass man von Atheisten viel über die eigene Religion lernen kann. Das stimmt! So werden Sie feststellen, dass viele Aspekte der Religion für die meisten Atheisten genauso universell Gültigkeit haben, wie für gläubige Menschen. Mir zumindest ist kein Atheist bekannt, der dem Gebot „Du sollst nicht töten“ aufgrund seiner Ungläubigkeit prinzipiell ablehnend gegenübersteht. Andererseits hat noch kaum einen Christen das Gebot gegen den Ehebruch von irgendetwas abgehalten. Im Großen und Ganzen sind aber beispielsweise die zehn Gebote inhaltlich Konsens, ganz gleich, welcher Religion man angehört, oder eben auch nicht. Das sagt wenig aus über den Gott, dem jemand folgt. Es sagt aber viel aus über die Qualität des Kodex, der ihm zugeschrieben wird.

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Säkulare Juden: Ungläubig in Jerusalem

Der Felsendom auf dem Tempelberg ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Jerusalems. (picture alliance / dpa/ Marius Becker)
Yaakov Malkin ist der Präsident des Instituts für jüdisch-säkulare und humanistische Führung. Der 89-jährige israelische Philosoph schreibt Bücher über Atheismus und begeht die traditionellen Feiertage als Ausdruck menschlicher Werte. Deswegen erhält Malkin Morddrohungen.

Von Igal Avidan | Deutschlandradio Kultur

Das massive Haus des israelischen Intellektuellen Yaakov Malkin in Jerusalem ist von mehreren Synagogen und jüdischen Religionsschulen umzingelt. Der bewusst säkular lebende Jude Malkin, Professor für Philosophie und Geschichte, teilt mit diesen religiösen Nachbarn eine Leidenschaft für die Bibel – obwohl er der geistige Anführer der säkular-humanistischen jüdischen Gemeinschaft in Israel ist.

„Judentum ist die Kultur des jüdischen Volkes. Diese Kultur ist einzigartig, weil sie immer sehr pluralistisch war, was das Glauben, die Lebensweisen und Rituale betrifft. Die Bibel beschreibt ein Judentum mit vielen Göttern, davon legen die Propheten Zeugnis. Überall im Land Israel fand man Skulpturen der kanaanitischen Götter Aschtoret und Baal, an die die Juden übernahmen. Zu einem Zeitpunkt machte sie das Königreich Israel sogar zu Staatsgöttern und vertrieb und verhaftete die Propheten des Gottes Israels JHWH. In Salomons Tempel in Jerusalem stand während zwei Drittel seiner Existenz – so die Bibel – eine Skulptur der kanaanitischen Göttin Astarte.“

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Ditib: Dodo des Monats Juli 2016

Dodo des Monats Juli 2016 ©HFR
Dodo des Monats Juli 2016©HFR

DITIB-LogoErdogans Petzen haben gewonnen. Allein die Tatsache das Erdogan-nahe Islam-Gruppen in Deutschland nach Gülen-Anhängern suchen und diese listenmäßig erfassen zeigt eine gewisse Charakterlosigkeit. Doch dazu später.

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (türkisch Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, abgekürzt DİTİB) ein eingetragener Verein der dauerhaft der Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten der Türkei untersteht. Die Tatsache, dass ein deutscher Verein dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist, stinkt gewaltig. Man spricht von ca. 1000 Beamten, die als Imame in Deutschland im Einsatz sind.

Die Imame der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V.“ (DITIB) sind Beamte des türkischen Staates und werden vom türkischen Staat bezahlt. Ähnlich wie Diplomaten werden sie nach einem Rotationsverfahren alle vier Jahre ausgetauscht. Sie haben ein sicheres Beschäftigungsverhältnis und werden gut entlohnt (zurzeit ca. 2.000 € plus 60% ihres Gehalts in der Türkei). Imamen, die gut Deutsch gelernt haben, wird mittlerweile angeboten, ihren Aufenthalt in Deutschland zu verlängern, um weiterhin für DITIB tätig zu sein. Denn deutschsprachige Mitarbeiter sind auch im größten muslimischen Verband nach wie vor rar.

Religionen im Gespräch

Mit anderen Worten, der türkische Staat überweist monatlich 2 Milionen Euro nach Deutschland um seine Beamten zu bezahlen. Die Summen dürften deutlich höher liegen, kommen doch noch Angestellte, Beschäftigte, Verwaltungskosten ect.pp. hinzu. Die Türkei bezahlt ein ansehliches Orchester und für das Geld bestimmt sie die Musik, welche gespielt wird. Sie wäre ein Idiot, wenn sie das nicht tun würde. So orchestriert wird Politik nach Deutschland transportiert, ganz im Sinne der Islamisten der AKP. Nebenbei, Gülen ist auch Islamist, einer der auf anderen Wegen versuchen muss an sein Ziel zu kommen, letztlich steht ihm nicht der türkische Staat zur Verfügung, aber ein gut organisiertes Netzwerk von Schulen, Medien, Stiftungen usw.  Egal welche Informationen, von welcher Seite auch immer, erhältlich sind, islamistische Machtkämpfe zwische Erdogan und Gülen sind die Regel. Gotteswahn wird manifestierte Gewalt, der Gläubige ist immer der Dumme. Das Problem, der Gotteswahn macht die Dummheit süß und erträglich, vielleicht sehen wir bald Transparente auf denen türkische Frauen bekunden ein Kind von Erdogan haben zu wollen, der Wahnsinn ist noch lange nicht am Ende.

Die DiTiB ist Werkzeug türkischer Politik. Wer das nicht anerkennt wird sich auf Dauer mit Konflikten beschäftigen müssen, die durch die türkische Politik nach Deutschland getragen werden. Das Dilemma ist hausgemacht. Das Kirchenverfassungsrecht greift nicht bei den islamischen Moscheeverbänden. Deutsche Politik hat jahrzehntelang den Wildwuchs islamischer Strukturen geduldet. Es war ja auch so einfach, es hat fast nichts gekostet, Strukturen mussten nicht aufgebaut werden und die quasi nicht vollzogene Trennung von Staat und Kirche schlägt nun ins Taufbecken christlichen Wohlgefälligkeitsglauben zurück. Jesus-Popstar Bedform-Strohm spricht von flächendeckenden Religionsunterricht, für Muslime, meint aber generell Religionsunterricht einführen zu können. Die Muslime als Transportmedium evangelischen Firlefanz‘. Die DiTiB lehnt sich zurück und lässt die Pfaffen der deutschen Kirchen machen, die hoffen ihrer stetig wachsenden Bedeutungslosigkeit mit Hilfe der Muslime zu entkommen. Wer der DiTiB seine Kinder, in Sachen Religionsunterricht, gibt, überlässt sie dem Gotteswahn der AKP-Islamisten. Deutsche Behörden leben dann in der Einbildung Kontrolle ausüben zu können.

Hat man einen DiTiB-Verband erwischt, weil ein Hassprediger in einer Moschee seinen Dreck verkünden durfte, kommen die üblichen Ausreden, dass hätte man nicht gewusst, die Vergangenheit des Betroffenen sei nicht bekannt gewesen, aber wehe ein Witz über den Geisterbeschwörer Mohammed macht öffentlich die Runde, oder gar eine bildliche Karikatur, weinerliches Geheule über verletzte religiöse Gefühle, Diskriminierung, Rasssismus und Islamophobie sind die argumentativen Keulen mit denen Widerrede erschlagen wird. Werdet endlich mal erwachsen, benehmt euch auch so, selbst wenn Erdogan dem Benehmen nach in einer Buddelkiste sitzt und darüber petzt, Gülen wolle ihm die Backförmchen wegnehmen.  Schüffeldienste für den Übervater sind etwas für charakterlose Gesellen, Petzen tun so etwas, Feiglinge, Weicheier.

Von deutscher Politik wäre zu erwarten, dass sie sich von den islamistischen Umtrieben der DiTiB trennt, keine Imame aus dem Ausland, keine Finanzen. Muslime in Deutschland sind keine unmündigen Blagen des Irren vom Bosporus. Österreich hat da einen sehr guten Weg eingeschlagen, erinnert sei hier an das Islamgesetz.

In dem Sinne, den DiTiB nach Istanbul und wirkliche Interessenvertretungen für Muslime aufbauen, die auch von den Mehrheiten der betroffenen Menschen unterstützt werden, was man ja von den heutigen Islamverbänden nicht sagen kann.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.