Hannah Arendt: Was es heißt, fremd zu sein

Hannah Arendt. Foto: imago stock&people
Hannah Arendt zu lesen, macht es leichter, die Gegenwart zu verstehen. Jetzt in einer Sonderausgabe des „Philosophie Magazins“ abgedruckt: Der Text „Wir Flüchtlinge“. Sein erster Satz: „Vor allem mögen wir es nicht, wenn man uns ‚Flüchtlinge‘ nennt.“

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Sie gilt noch immer als Außenseiterin, dabei gehört sie längst zu den zentralen Figuren des 20. Jahrhunderts. Und hat wie wenige sonst gezeigt, dass es keine Philosophie gibt, die nicht politisch wäre, will sie nicht „weltlos“ sein. Sie hat aber auch beschrieben, wie gefährlich die Verwandtschaft von Philosophie und Politik, von Denken und Handeln ist.

Hannah Arendt hat in ihren Schriften immer die umstrittenen Fragen der Gegenwart verhandelt, weil sie nie den Kontakt zu den harten Fakten verloren hat. Es sind Fragen nach der Rolle der Arbeit in der Moderne (die Erfüllung verspricht, aber gerade nicht erfüllend ist), nach der Charakteristik totaler Herrschaft, nach dem Bösen, den Menschenrechten, dem Einzelnen in der Masse und der Frau in einer männerdominierten (Geistes-)Geschichte.

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Christen, Muslime und die Religionskritik: So schnell wird Gott nicht zornig

Die einen lachen, die anderen kommen ins Nachdenken, andere fühlen sich persönlich getroffen. Was darf Religionskritik? (imago stock&people)
Einst haben sich Muslime auch über ihre eigene Religion lustig gemacht. Doch das ist lange her. Aus dem dicken Fell ist eine dünne Haut geworden. Die Folge: Wer Religionen kritisiert, muss mit Anfeindungen rechnen – bis hin zu Gewalt. Weniger gewalttätig, aber doch erregt – so reagieren immer wieder auch Christen auf Kritik und Spott.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Gott verspotten – das machen Menschen, seit es Menschen gibt:

„Du, der Du alle Geheimnisse kennst, kannst Du nicht einmal einen Esel von einer Kuh unterscheiden?“

Gott verspotten – das machen Menschen auch in Regionen und in Religionen und in Zeiten, wo wir es nicht vermuten würden.

„Du Geheimniswisser, zehn Tage hast Du gebraucht, nur um diesen Flicken zusammen zu nähen? Sind die anständigen Kleider in Deinem Schatzhaus etwa alle verbrannt, dass Du all diese Lumpen zusammenflicken musstest?“

Heißt es in Erzählungen von Fariduddin Attar, einem islamischen Mystiker. Attar verspottet Gott – scharf und bitterböse. Und das im 12. und 13. Jahrhundert in Persien. Gott verspotten – dabei ist Attar nicht allein. Dem persischen Dichter Omar Chajjam, der einige Jahrzehnte früher lebte, werden folgende Worte zugeschrieben:

„Du sagst, in den Flüssen wird Wein fließen – ist denn das Paradies eine Kneipe?“
„Ist das Paradies etwa ein wunderbares Bordell?“

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Jo Cox: Worüber niemand spricht

Jo Cox in front of the Palace of Westminster, c. 2015. Bild: wikimedia.org/Fair use

Die ermordete britische Parlamentarierin war Feministin; die Person, die ihr das Leben nahm, ein Mann.

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Helen Joanne Cox, geborene Leadbeater, war Ehefrau, Mutter von zwei Kindern (3 und 5), Sozialistin und Feministin, setzte sich aktiv für Flüchtlinge, für eine multikulturelle Gesellschaft und den Verbleib Großbritanniens in der EU ein. Sie war Tochter einer Schulsekretärin und eines Fabrikarbeiters, die erste ihrer Familie, die einen Uniabschluss machte. Neben ihrer Abgeordnetentätigkeit war sie die Vorsitzende des Frauennetzwerks der Labour-Party.

Der Mörder: ein Rechter

Der mutmaßliche Mörder Thomas M. hatte nachweislich psychische Probleme und interessierte sich für die rechtsextreme Szene. Nicht nur die britische Neonazi-Partei „Britain First“ fand sein Augenmerk, sondern auch die US-amerikanische Neonazi-Organisation „National Alliance“ (NA), der er dem Spiegel zufolge zwischen 1999 bis 2003 mehr als 620 US-$ überwiesen hat.

Auf Sozialen Netzwerken wird behauptet, es gebe Fotos, auf denen er bei Aufmärschen von „Britain First“ zu sehen sei. Weiter heißt es im Spiegel-Bericht, M. habe „Neonazi-Magazine abonniert sowie Gebrauchsanleitungen für den Eigenbau von Schusswaffen und Sprengsätzen gekauft, etwa ein Buch mit einer Anleitung zur Konstruktion einer .38-Kaliber-Pistole aus haushaltsüblichen Materialien“ .

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„Säbelrasseln“ gegen Russland: Herr Steinmeier, danke für dieses klare Wort

Frank-Walter Steinmeier warnt vor „Säbelrasseln und Kriegsgeheul“ gegen Russland / picture alliance
Außenminister Frank-Walter Steinmeier wird nach seiner Warnung vor einem „Säbelrasseln und Kriegsgeheul“ gegenüber Russland heftig kritisiert. Dabei ist sein Satz nicht nur richtig, sondern auch überfällig. Ein Gastbeitrag von Frank Elbe, Ex-Botschafter in Polen und Redenschreiber Genschers
 

Von Frank Elbe | Cicero

Säbelrasseln! Das Wort ist endlich einmal ausgesprochen worden. Nicht von irgendjemandem, sondern von dem für die deutsche Sicherheitspolitik zuständigen Mitglied der Bundesregierung. Außenminister Steinmeier mahnt in der Krise mit Russland ungewöhnlich klar den Primat der Politik gegenüber dem Militär – und möglicherweise auch gegenüber der Verteidigungsministerin an. Der Bild am Sonntag sagte er: „Was wir jetzt nicht tun sollten, ist durch lautes Säbelrasseln und Kriegsgeheul die Lage weiter anzuheizen. Wer glaubt, mit symbolischen Panzerparaden an der Ostgrenze des Bündnisses mehr Sicherheit zu schaffen, der irrt.“

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Die Muslimin, die in Atheisten Verbündete sieht

Rechtsprechung dürfe nicht auf Gruppen von Menschen zielen, sagt Elham Manea, «jedes Individuum ist für sich zu betrachten». Bild: Franziska Rothenbühler
Die Berner Politologin Elham Manea hat in Grossbritannien geforscht, wie sich muslimische Scharia-Gerichte auf die Gesellschaft auswirken.

Von Dölf Barben | DER BUND

Es scheint nicht so ganz zusammenzupassen: Am Montagabend hält Elham Manea bei der Freidenkervereinigung Bern einen Vortrag. Eine Muslimin bei Atheisten. Auf den zweiten Blick sieht es anders aus: «Es ist kein Widerspruch», sagt die 50-jährige Politologin, die an der Universität Zürich lehrt, «wir haben ein gemeinsames Ziel».

Dieses Ziel sei eine Gesellschaft, in der Religion und Staat voneinander getrennt sind. Ob Atheistin oder Muslimin: «Ich will ein Konzept, das uns alle schützt.» Elham Manea lebt seit über zwanzig Jahren in Bern – mit Mann und 16-jähriger Tochter, in einem unauffälligen Mehrfamilienhaus am Altenberg.

Die schweizerisch-jemenitische Doppelbürgerin ist in der arabischen Welt als Menschenrechtsaktivistin bekannt. So koordiniert sie etwa die Kampagne für den saudischen Blogger Raif Badawi, der im Gefängnis sitzt und zu 1000 Stockhieben verurteilt wurde. Zur Geschlechterfrage im Islam hat sie mehrere Jahre «Feldforschung» betrieben, wie sie sagt.

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Bleibt skeptisch!

Medizin, Arzneikunde, Anatomie, Architektur, Mathematik, Geographie, Astronomie, Geologie und Physik. Deckenfresco von Bartolomeo Altomonte im Stift Admont. Bild: Fb78/CC BY-SA 3.0
Medizin, Arzneikunde, Anatomie, Architektur, Mathematik, Geographie, Astronomie, Geologie und Physik. Deckenfresco von Bartolomeo Altomonte im Stift Admont. Bild: Fb78/CC BY-SA 3.0
Verrennen sich die technologiebegeisterten Skeptiker bei der unkritischen Unterstützung für Agrarchemie, Gen- und Nukleartechnik?
 

Von Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

Dass die Skeptiker, auch die deutschen, einen gewissen, durchaus diskussionswürdigen Hang zur Technokratie haben, war schon immer klar. Sie wollten noch nie gerne hören, dass die Selbstaufklärung – vor allem, was die instrumentelle Vernunft angeht – eben auch Teil einer zeitgemäßen Idee von Aufklärung sein müsste. Neuere Aussagen zur Gen- und zur Nukleartechnik lassen aber vermuten, dass die Skepsis der Skeptiker bei bestimmten Themen noch abrupter aufhört als anderswo.

Was würde Deutschland fehlen, wenn ihm seine Skeptiker fehlen würden? Emphatisch gesprochen könnte man sagen: eine Oase im Meer des Unsinns. Die Brights, die GWUP, Leute wie Edzard Ernst, Nathalie Grams und das Netzwerk Homöopathie – sie alle arbeiten daran, den leider in Marketing-Angelegenheiten höchst erfolgreichen „Impfkritikern“, Quacksalbern, Chemtrail-Schniefern und all den anderen Irrlichtern etwas entgegenzusetzen.

Religions- und Ideologiekritik, die Entlarvung von geschäftstüchtigen Bauernfängern, der Einsatz für ein Weltbild, das ohne Götter und Geister auskommt – das sind die starken Aspekte dieser selbstverständlich nicht immer homogenen Bewegung. Aber natürlich: Die Sache hat Licht und Schatten. Dass der religionskritische/atheistische Sektor des Skeptizismus auf internationaler Ebene ein massives Problem mit Frauen hat, ist schon länger klar (Wo sind die Frauen?).

Kritisch auch gegenüber der Wissenschaft

Der Wissenschaftsjournalist John Horgan warf neulich der skeptischen Bewegung in einem vielbeachteten Vortrag vor, sie konzentriere sich auf leichte Gegner wie Homöopathie und Yetigläubige und vernachlässige ihre Pflicht zur Aufklärung im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Problemen, wie zum Beispiel den aktuell stattfindenden Kriegen. Aber schon die Esoterikkritik der Skeptiker sei nicht wasserdicht, wenn sie der Wissenschaft selbst gegenüber unkritisch bleibe.

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Boualem Sansal: „Für einen aufgeklärten Islam gibt es keine Grundlage“

Friedenspreisträger Boualem Sansal vor der französischen Akademie in Paris 2015 picture alliance/dpa
Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal sagte in Le Monde: „Benennen sie den Feind, benennen Sie das Böse, sprechen Sie laut und deutlich.“ Genau das tut er im Interview. Ein Gespräch über seinen aktuellen Roman „2084“, religiösen Fanatismus und seine Parallelen zum Nationalsozialismus

Interview Winnie Bennedsen | Cicero

Boualem Sansal, 66 Jahre alt, wurde in einem algerischen Dorf geboren. Der Ingenieur und promovierte Ökonom arbeitete lange Zeit als hoher Staatsbeamter. Seine Wut über die Zustände in dem autoritären Staat machten aus Sansal im Alter von 48 Jahren einen engagierten Schriftsteller. Weil er über die korrupte Regierung schrieb, hat er seine Anstellung verloren. In Algerien werden seine Bücher zensiert oder verrissen, in Frankreich und Deutschland hingegen begeistert aufgenommen. Für seine öffentlichen Stellungnahmen gegen Islamisten erhält er regelmäßig Morddrohungen. Sansal ist Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels.

In Ihrem aktuellen Buch „2084. Das Ende der Welt“ entwerfen sie in einer dystopischen Vision ein Land mit dem Namen Abistan. Wie sieht es dort aus?

Abistan ist das, was aus der Welt werden wird, wenn der Islamismus an die Macht kommt. Dann bilden Fanatismus, Ignoranz und Barbarei die Grundlage einer Gesellschaft. In kürzester Zeit werden Krisen, Krankheiten und Kriege einen Großteil der Bevölkerung ausgeschaltet haben. Das Nichts wird sich festsetzen, die Wüste wird die Oberhand gewinnen, dann gibt es nur noch ein paar wenige übervölkerte Städte. An deren Spitze steht eine Machtelite, die in von der übrigen Welt abgeschnittenen Enklaven leben wird. Das Ende der Welt ist sehr nah.

Glauben Sie, dass ein totalitärer Gottesstaat eines Tages Wirklichkeit werden könnte?

Der Islamismus konnte sich innerhalb von 40 Jahren in nahezu jedem Land ausbreiten, in der arabisch-muslimischen Welt, in Afrika, in Europa, in Amerika und in Asien. Und trotz einer weltweiten Koalition, die sehr schlagkräftig ist, existiert er weiter, schreitet voran, wandelt sich, drängt sich auf und perfektioniert sich. Wir hingegen stehen dem hilflos gegenüber, sind verängstigt, gespalten, machen ein Zugeständnis nach dem anderen. Kurzum: wir sind bereit zu kapitulieren.

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Welcome to the New Reality of Terrorism

Image. Dispatches From The Culture Wars
In the aftermath of the horrific shootings in Orlando, it’s probably worth noting that this is the new reality for terrorism, at least in this country. ISIS has claimed responsibility, but it appears to be only indirectly. The killer was radicalized but not actually affiliated with them.

By Ed Bryton | DISPATCHES FROM THE CULTURE WARS

Omar Mateen, the man who carried out the attack, had been interviewed three times by the FBI, but they found no evidence to charge him with anything. Prior to the attack, Mateen called 911, swore allegiance to ISIS and also apparently mentioned the Tsarnaev brothers, who were responsible for the Boston Marathon bombings. Both of those situations were part of the new normal for Muslim terrorism in America.

That new normal means that terrorists are much more likely to be inspired by ISIS or Al Qaeda than actually directed by them. In ISIS-affiliated media, they have encouraged Muslim jihadis around the world to carry out exactly these kinds of attacks, including recently urging them to do so during Ramadan and telling them that they would receive 10 times the reward in heaven if they do.

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Paul Kurtz: Leben ohne Religion – Eupraxophie

Paul Kurtz: Leben ohne Religion - Eupraxophie
Paul Kurtz: Leben ohne Religion – Eupraxophie

Mit diesem Buch wird Paul Kurtz, Amerikas prominentester Aufklärer in Sachen Humanistische Philosophie, dem deutschsprachigen Publikum in leicht verständlicher Form vorgestellt.

Angelika Lenz Verlag

Der Ausdruck Eupraxophie, wie im Untertitel genannt, ist eine neue Wortschöpfung, die sich aus den griechischen Wurzeln eu (gut), praxis (Praxis) und sophie (philosophische und wissenschaftliche Weisheit) zusammensetzt. Eupraxophie bedeutet wörtlich „gute Führung und Weisheit im Leben“. Eupraxophie stützt sich auf die Fachgebiete der Wissenschaft, Philosophie und Ethik. Trotzdem ist sie mehr, als die Einzelbestandteile vermuten lassen. Eupraxophie drückt im Gegensatz zur Philosophie mehr als eine intellektuelle Haltung bezüglich der Natur des Universums aus, und auf den Menschen bezogen, wie er sein Leben in Beindung und mit Hingabe leben kann.

 So wird ein kosmischer Ausblick mit einem Lebensentwurf, oder anders gesagt, einem Konzept fürs Leben, verbunden. Kurtz behauptet, dass der Eupraxoph ein sinnvolles Leben führen kann, und dass er mit helfen kann, eine gerechte Gesellschaft zu bekommen. In den auf die Praxis ausgerichteten Teilen seiner Schrift gibt der Autor handfeste Empfehlungen für die Entwicklung des Humanismus der Zukunft. Er beschreibt genau, wie humanistische Zentren aussehen könnten, wie sie arbeiten würden, welche Möglichkeiten man hätte, sich in ihnen weiterzubilden, zu entspannen, den Kontakt zu Gleichgesinnten zu pflegen und vieles andere mehr.

Außer „Leben ohne Religion – Eupraxophie“ hat der Angelika Lenz Verlag von Paul Kurtz noch „Verbotene Früchte – Ethik des Humanismus“ ins Deutsche übersetzt. Die beiden Titel sind Antworten auf theistische Kritik am modernen säkularen Humanismus.
Paul Kurtz war Professor für Philosophie an der Staatsuniversität von New York in Buffalo, er war der Herausgeber des Magazins Free Inquiry, Gründungsvorsitzender des Komitees für wissenschaftliche Untersuchung von Behauptungen bezüglich paranormaler Phänomene (Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal [CSICOP]) und Co-Präsident der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union.

www.lenz-verlag.de/p_d-Humanistische_Ethik-Leben_ohne_Rel…

Denkmal für Moses Mendelssohn

Micha Ullmans Gedenkplatte für Moses Mendelssohn. © Gregor Zielke
Am Dienstag wurde in Berlin-Mitte zwischen Spandauer Straße und Karl-Liebknecht-Straße ein Denkmal für Moses Mendelssohn (1729–1786) eingeweiht. Die Stadt ehrt damit den jüdischen Philosophen und Fabrikanten, der als Wegbereiter der Haskala, der jüdischen Aufklärung, gilt. Es ist das erste Denkmal für Moses Mendelssohn in der Stadt.

Von Katharina Schmidt-Hirschfelder | Jüdische Allgemeine

Er habe damals das angelegt, »worauf wir heute stolz sein können – eine weltoffene, tolerante Stadt«, würdigte Kulturstaatssekretär Tim Renner den berühmten jüdischen Aufklärer. Dabei erinnerte Renner daran, dass Mendelssohn seinerzeit als »Bildungsmigrant mit Duldungsstatus« nach Berlin gekommen sei. »Das sollte uns heute zu denken geben«, sagte Renner.

Mit einer Bodenskulptur erinnert der israelische Künstler Micha Ullman an das historische Wohnhaus, in dem Moses Mendelssohn mit seiner Frau Fromet seit 1762 lebte.

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„Charlie Hebdo“-Chefredakteur Gérard Biard: „Anschläge haben nichts mit spezieller Religion zu tun“

foto: afp /joel saget
„Charlie Hebdo“-Chefredakteur Gérard Biard über die humoristische Annäherung an Gewalt und Terror, totalitären Wahn und Laizismus in Frankreich

Interview Stefan Brändle | derStandard.at

STANDARD: Der Terror schlägt weiter zu. Wie geht es „Charlie Hebdo“ anderthalb Jahre nach den Anschlägen auf die Redaktion?

Biard: Wir machen weiter. Was die Verkaufszahlen betrifft, geht es dem Blatt sogar gut. In der Redaktion ist die Stimmung leichter als noch vor einem Jahr. Wir haben neue Räume bezogen, deren Adresse vertraulich ist. Das ist unerlässlich, um Charlie mit der nötigen Gelassenheit produzieren zu können. Man muss auch Lust haben, ein Blatt zu machen, und lachen wollen – sogar über Dinge, die absolut nicht lustig sind.

STANDARD: Wie die neuesten Anschläge in Orlando und bei Paris?

Biard: Ja, wir stellen solche dramatischen Ereignissen auf unsere, das heißt komische Weise dar. Lachen ermöglicht es, sich über oder neben die Dinge zu stellen. Lachen ist das, was sie am meisten hassen – die Killer, die religiösen Fundamentalisten, die Tyrannen, die Diktatoren, all die, die eine religiöse oder totalitäre Ordnung einrichten wollen. Das Lachen untergräbt diese Ordnung, denn es setzt voraus, dass man etwas durchschaut hat.

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Kant-Tagung in Berlin: Ein europäisches Angebot an die Welt

Kant 1791 nach dem Berliner Maler Gottlieb Doebler ursprünglich in der Freimaurerloge Zum Todtenkopf und Phoenix in Königsberg, hier die zweite Ausführung für Johann Gottfried Kiesewetter. Bild: wikimedia.org/PD
Kant 1791 nach dem Berliner Maler Gottlieb Doebler ursprünglich in der Freimaurerloge Zum Todtenkopf und Phoenix in Königsberg, hier die zweite Ausführung für Johann Gottfried Kiesewetter. Bild: wikimedia.org/PD

Um Aufklärung, Freiheit und Gastrechte ging es in einem Symposium zu Immanuel Kant. Eine Frage bleibt: die Vermittlung seiner Werke an Jüngere.

Von Micha Brumlik | taz.de

Große Ereignisse werfen, so heißt es, ihre Schatten voraus. Umgekehrt gilt aber auch, dass Schatten geworfen werden, wo sich etwas Großes ereignen soll.

Der Philosoph und Aufklärer Immanuel Kant wurde im Jahr 1724 geboren, aber eine erste Auftaktveranstaltung zu seinem dreihundertsten Geburtstag fand bereits jetzt, acht Jahre vorher, in Berlin statt. Unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, und dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa lud die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften in und mit dem Deutschen Historischen Museum zu der Tagung „300 Jahre Immanuel Kant. Der Weg zum Jubiläum“ ein.

Dazu begrüßte Monika Grütters auch Angehörige des di­plo­matischen Korps aus Russland und Polen. Umrahmt von den wenig bekannten „Claviersonaten“ von Kants Zeitgenossen Christian Wilhelm Podbielski, virtuos von der jungen Pia­nis­tin Mira Lange auf einem historischen Hammerflügel gespielt, nahm das Auftaktsymposium seinen Lauf.

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Christdemokraten für das Leben: Dodo des Monats Mai 2016

Dodo des Monats Mai 2016 ©HFR
Dodo des Monats Mai 2016
©HFR

cdl_1Forschern der Rockefeller Universität (USA) und des King’s College in Cambridge (Großbritannien) ist es erstmals gelungen, menschliche Embryonen außerhalb einer Gebärmutter zu züchten und diese 13 Tage am Leben zu erhalten. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen sowohl in den USA als auch in Großbritannien wurde der Versuch abgebrochen.
Für den Verein „Christdemokraten für das Leben“ ein unglaublicher Vorfall. Menschliche Embryonen außerhalb einer Gebärmutter. Das ist gegen die Moral des Christentums. Das wäre ja noch in Ordnung, so lange es sich um das Christentum handelt. Die obskuren Lebensschützer, gequält von pränatalen Fruchtwasser-Träumen, können für ihresgleichen sprechen, aber nicht für andere. Halten wir fest.

Die Vereinsmitglieder glauben an die Jungfrauengeburt, glauben an sprechende Schlangen, glauben, dass ihr Gott mittels der großen Flut den größten Genozid menschlicher Geschichte auslöste und Noah beauftragt wurde die Arche zu bauen, um der Tierwelt ein überleben zu sichern. Paarweise, zwecks Reproduktion, wurde die Tiere auf die Arche getrieben oder fanden sich ein. Mit anderen Worten, die Pinguine aus der Antarktis mühten sich auf das heftigste in den Nahen Osten zu kommen. Australische Kängeruhs hüpften gen Noah. Südamerikanische Faultiere, nicht die schnellsten in der Fortbewegung ebenso.  Es muss also ein paar Geschöpfe gegeben haben, die die Fähigkeit übers Wasser zu gehen schon vor dem Gottessohn besaßen.  Noahs Familie, seine Ehefrau und seine drei Söhne, alle verehelicht, wurden die Stammväter der Menschen. Der zweite inzentuöse Schöpfungsakt des Christengottes.

Mit diesem Scheiß im Kopf wollen die Mitglieder des Vereins grundlegend anderen Menschen ihr Weltbild aufzwingen. Die Reproduktion des Menschen sichert den Händefaltern und der Pfaffenschaft den Nachwuchs und die Vererbung ihres Obskurantismus. Geht die Menschheit andere Wege, um sich aus dem wissenschaftlich-technisch Fortschritt ergebende Lösungen nutzbar zu machen ist das Geschrei der Fortschrittsfeinde groß. Für sich selbst können sie Entscheidungen im Rahmen ihres Glaubens treffen. Darüber hinaus nicht. Man sollte ihnen ein ganz bestimmtes und deutliches „Schnauze halten“ ins Gesicht schleudern.
Die christliche Realität ist eine andere. Die Menschenliebe des christlichen Gottes lässt wohlgefällig tausende Menschen im Mittelmeer ersaufen, die Unschuldigsten der Schöpfung, Kinder, erkranken an Krebs, werden verkauft, gejagt, getötet und von kinderfickenden Priestern missbraucht.

Man macht sich Sorgen um das Leben. Welches in den Augen der Christen-Fundis mit der Befruchtung der Eizelle beginnt.  Vor der möglichen Befruchtung werden Millionen Spermien abgetötet. Welch eine Verschwendung und nur ein Spermium trifft das 80.000-fach größere Ei.  Selbst Jesus musste diesen komplizierten und gefährlichen Weg gehen. Nach dem Eindringen des Spermiums in die Eizelle ist noch lange keine Party angesagt. Die befruchtete Eizelle wandert nun in Richtung Gebärmutter, bleibt sie im Eileiter, kann es zur Eileiterschwangerschaft kommen, mit allen negativen Konsequenzen.
In der Gebärmutter nistet sich die befruchtete Eizelle ein. Ist das Einnisten nicht erfolgreich, man geht immerhin von 50% Fehlerquote aus, geht das befruchtete Ei ab. Oftmals völlig unbemerkt. Was gedenken denn die „Christdemokraten für das Leben“ gegen diese hohe Fehlerquote beim Einnisten zu unternehmen. Immerhin, es wird ja in ihrem Sinne Leben vernichtet. Vielleicht sollte die befruchtete Eizelle durch ein Gesetz gezwungen werden sich einzunisten, oder einen Bibelspruch, einen Exorzismus, pfäffische Nachhilfe. Gebete helfen eh nicht, sie kommen immer zu spät und ändern nichts.

In dem Sinne. Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Für uns wichtig, solchen vernunftfernen Zeitgenossen die Macht, die sich politisch haben, weiter zu kürzen. Mit ihren Blödsinn richten sie sonst noch die Menscheit zu grunde.

 

 

Demonstration von Atheisten und Religionsskeptikern in Washington

Die atheistische Bedrohung
Die atheistische Bedrohung

Nicht-religiöse Menschen wollen sich in der US-Politik mehr Gehör verschaffen: Mehrere tausend Atheisten, Agnostiker und Religionsskeptiker haben am Samstag (Ortszeit) an einer „Kundgebung für Vernunft“ vor dem Lincoln-Denkmal in Washington teilgenommen. Sie forderten, rationales Denken müsse „religionsmotivierte Ideologie“ ersetzen.

evangelisch.de

„Wir werden nicht mehr schweigen, unsere Bewegung wächst“, sagte Koordinatorin Lyz Liddell. Es gebe Millionen Atheisten in den USA, betonte Robyn Blumner vom Freidenkerverband „Center for Inquiry“.

Bei Streitfragen wie Rechte für Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen (LGBT), Abtreibung, Religionsfreiheit und Klimawandel habe Religion ungebührlichen Einfluss, hieß es. Blumner sagte, Politiker ignorierten die Forderungen nach einer Trennung von Religion und Staat, weil Freidenker und Atheisten „nicht laut genug“ aufträten. Die LGBT-Bewegung habe gezeigt, dass „coming out“ der erste Schritt sei, anerkannt zu werden.

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Der Mitleidswahn

Wir sollen Mitleid mit den Flüchtlingen haben. Mitleid mit den Tieren. Mitleid mit den Armen in der Dritten Welt. Mitleidsapostel untergraben die rationale Debatte und verdienen kein Mitleid. Bild: RDF
Ein selbstbezeichneter Flüchtling klingelt an meiner Tür. Gelassen bereitet er einen Zettel mit einer deutschsprachigen Spendenbitte vor. Als ich die Tür öffne, braucht er einen Moment, um grinsend von dem Zettel aufzublicken und meine Anwesenheit zu bemerken. Dann bricht er in Tränen aus und murmelt etwas über „Familie“ und „Krieg“. Ich weise ihn darauf hin, dass es in Deutschland staatliche und auch viel freiwillige private Hilfe für Flüchtlinge gibt und er darum nicht beliebige Bürger zu Hause belästigen muss. Ich schließe die Tür, er lacht auf und geht weiter zum Nachbarn.

Von Andreas Müller | Richard Dawkins-Foundation

In der Innenstadt von Würzburg haben beim Stadtfest mehrere Organisationen ihre Stände aufgebaut. Ein Tierrechtler hält mir alte Aufnahmen von toten Singvögeln und für Experimente genutzte Affen unter die Nase und fordert, dass ich etwas unterschreibe, damit Tierquälerei verboten wird. Ich weise ihn auf das Tierschutzgesetz hin, welches die Misshandlung von Tieren in Deutschland bereits unter Strafe stellt. Er hat noch nie davon gehört.

In der Hamburger S-Bahn gehen Punker von Abteil zu Abteil, um mit Hinweis auf ihre Obdachlosigkeit um Spenden zu bitten. Einige Fahrgäste geben ihnen etwas und fühlen sich sichtlich wohl dabei. Ich fühle mich derweil an einen Ausspruch von Friedrich Nietzsche erinnert: „Mitleid ist das angenehmste Gefühl bei solchen, welche wenig stolz sind und keine Aussicht auf große Eroberungen haben: für sie ist die leichte Beute – und das ist jeder Leidende – etwas Entzückendes. Man rühmt das Mitleid als die Tugend der Freudenmädchen.“ Im McDonald’s im Frankfurter Bahnhof setzt sich eine Roma-Frau mir gegenüber und bittet um Geld für ihren armen Jungen, der sonst hungern müsse. Da sie gerade mit dem Jungen einen Burger verspeist hatte, und zwar am selben Tisch wie ich, muss er wohl besonders großen Hunger haben.

„Das öffentliche Zurschaustellen von Mitleid ist eine manipulative Geste.“

Gute Bettler sind sehr empathisch, denn sie wissen, wie sie bei ihren Adressaten auf die Tränendrüse drücken müssen, damit jene ihre Brieftasche öffnen. Ihre Spender haben viel Empathie, wenn auch kein sehr differenziertes, denn sie lassen ihre Münzen springen für alle Heulsusen, die da täglich angekrochen kommen. Ich habe in solchen Fällen überhaupt kein Mitleid mehr, auch wenn der aktuelle Konsens etwas Anderes verlangt. Wir sollten uns „besser an die Instinkte halten, an das, was ‚von Natur aus‘ hervorbricht, wenn der Mensch nicht lange überlegt. Dann ist er nämlich durchaus hilfsbereit – und menschlich“, ermahnt Werner Bartens in einem Essay über Empathie. Doch würde ich mich an das halten, was in solchen Situationen natürlich aus mir herausbricht, müssten Notärzte Überstunden machen, um die ganzen professionellen Heulsusen ins Krankenhaus einzuliefern.

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Auf dem Nachttisch… Nummer 2

Fotograf: Albert, Joseph Entstehungsjahr: um 1863 Aufbewahrungsort: München Sammlung: Stadtarchiv Land: Deutschland Kommentar: Ludwig II. gemeinfrei / geschnitten HS
…nannte Kurt Tucholsky eine Rubrik, die er in den 1920er Jahren für die „Weltbühne“ schrieb. Ob nun eine Monographie über John Heartfield, Gedichte von Walter Mehring, Studien über das „Geschlechtsleben in Melanesien“, katholische Moralbroschüren oder wohl im Suff geschriebene deutsch-französische Wörterbücher, den lombardischen Leser interessierte auch das, was sonst wenig öffentliche Beachtung fand, aber sie doch verdient hatte.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Ich lese zwar nie im Liegen, aber auch bei mir sammelt sich Gedrucktes, das ich nicht wegwerfen kann und das es verdient hätte, eine breitere Öffentlichkeit zu finden. Also, Tucho zu Ehren, bauen wir am Nachttisch an…diesmal auch für andere Medien…

Mordbrenner und Meuchler

Was für ein schöner Herbst: überall nur Gold, Kupfer und Messing. Da weiden die Schafe der frommen Denkungsart und ein englisches Landlüftchen weht, mit dem man sich die Lungen vollatmen möchte. Doch was sind das für beunruhigende Hammerschläge, die über diese Idylle hallen? Die Büttel der Rechtreligiösen zimmern einen Galgen – zwischen all diesen lieblichen Hügeln und Auen und der Sattheit des Septembers. Damit das Unbehagen, das den Zuschauer in seiner anfänglichen Wohligkeit beschleicht, sich noch steigert, führt man eine erbärmlich vor Angst schreiende Frau heran. Vorneweg der bibelheuchelnde Pfarrer und hinterdrein das verschreckte, gleichwohl neugierige Volk, das Hinrichtungen liebt, sofern es nicht die eigene ist.

Den letzten Befehl, das Seil zu straffen, gibt der Pfaffe mit einem Kopfnicken und die Schreie der Frau, die man als Hexe hinrichtet, ersticken. Hinter den Hagen und Hainen schleicht sich das Musik-Motiv für den Unhold heran, noch nur ein Grummeln, das aber Resonanz findet unten, auf unseren Zwerchfellen. In der Ferne, verschwommen und deshalb genauso diffus wie die jetzt hineinkriechende Beunruhigung, das Mißtrauen und die Angst, auf seinem so reinen, weißen Schimmel: Matthew Hopkins, „Der Hexenjäger“ – „The Witchfinder General“.

So beginnt ein bald 50 Jahre alter Horrorfilm, der seinen legendären Ruf bis heute immer wieder unter Beweis stellt. 1968 galten seine Gewaltdarstellungen als Tabubruch – vor allem aber der eindeutige Zusammenhang von Sex und Brutalität. Das Junggenie Michael Reeves drehte diesen, seinen dritten Spielfilm mit 23 Jahren – und starb bald darauf unter mysteriösen Umständen. Eine herrschsüchtige Mutter, folglich Drogen und Depressionen hatten ihm den Rest gegeben. Ein Frühunvollendeter.

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Peter Sloterdijk: „Das Megathema unserer Zeit heißt Migration“

Peter Sloterdijk bei einer Lesung aus seinem Buch Du mußt dein Leben ändern. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/RainerLück

Der Philosoph Peter Sloterdijk spricht über die Lage der SPD, Wähler- und Völkerwanderungen und Bewahrungsinteressen des Rechtsstaats.

Von Michael Hesse | Frankfurter Rundschau

Herr Sloterdijk, in Ihrem Buch „Was geschah im 20. Jahrhundert?“ konstatieren Sie den Zerfall der Linken. Wir erleben gerade den Absturz der SPD in Umfragen. Hat die Sozialdemokratie sich bereits im 20. Jahrhundert überlebt?
Die herkömmliche Linke war die politische Speerspitze einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der das vielzitierte Proletariat bzw. die Arbeiterschaft die Mehrheit bildete. Die übrigen Lohnabhängigen, namentlich die wachsenden Kreise der Angestellten, waren zu guten Anteilen in die sozialdemokratische Klientel eingemeindet. Heute jedoch ist das Merkmal Lohnabhängigkeit kein zureichendes Motiv für die Bindung an die alte Partei mehr. Immer mehr Menschen können es sich leisten, gegen ihr vermutetes „Klasseninteresse“ zu stimmen. Insgesamt bemerkt man im aktuellen Parteiensystem, dass sich die gewachsenen Loyalitäten zwischen Wählerschaften und Parteien auflösen. Der Grund hierfür ist unter anderem darin zu suchen, dass die Politik seit längerem, genauer seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, ins Spektakelstadium eingetreten ist. Infolgedessen benehmen sich die Wähler nicht mehr so sehr als politische Ensembles, sondern wie ein Publikum.

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Der Islam gehört zu uns, wenn er unseren Regeln folgt

coexist

Die Zuwanderung macht aus der Bundesrepublik mehr und mehr eine multireligiöse Gesellschaft. Der Gesetzgeber muss dabei das Recht auf Religionsfreiheit hochhalten – aber nicht um jeden Preis.
 

Von Thomas Straubhaar | DIE WELT

Mit den Flüchtlingen verändert sich das religiöse Gleichgewicht in Deutschland. Von den 1,1 Millionen Asylsuchenden des Jahres 2015 war der überragende Teil muslimischen Glaubens. Das unterscheidet die Zuwanderung der Gegenwart so sehr von jener der Vergangenheit, als in der Zeit des Wirtschaftswunders oder mit der Rückwanderung von Aussiedlern aus Osteuropa nach dem Ende des Kalten Kriegs doch mehrheitlich Christen oder Atheisten kamen.

Während sich Protestanten und Katholiken immer schwerer tun, die Abkehr ihrer Mitglieder zu stoppen, nimmt die Anzahl der Andersgläubigen zu. In Deutschland sorgen sich deshalb viele vor dem Verlust christlicher Wurzeln, andere fürchten sich sogar vor einer schleichenden Islamisierung.

In der Tat sprechen die Zahlen des Datenreports 2016 eine deutliche Sprache. Der Glaube an Gott und die Kirchenbindung verlieren in Deutschland seit Jahrzehnten an Bedeutung. 1991 gehörten in Westdeutschland elf Prozent der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft an. 2012 waren es 18 Prozent.

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Wahl Dodo des Monats Mai 2016

Dodo des Monats Mai 2016 ©HFR
Dodo des Monats Mai 2016
©HFR

Ausfallbedingt weniger Posts im Monat Mai, dafür eine übersichtliche Auswahl der Kandidaten. Das Spektrum der Auswahl reicht von den „Christdemokraten für das Leben“ und Embryonenschutz, über die DITIB-Imame in Deutschland, ganz ungefähr so, als wären 4 Millionen, in Deutschland lebende Muslime, nicht in der Lage eigene Vorbeter zu bestellen, es müssen die institutionalisierten Gottesknechte von AKP-Gnaden sein. Präses Rekowski wünscht sich, trotz schwindender Mitgliedschaft in seiner Kirche, leeren Gottesdiensten, die öffentliche Präsenz seines untoten Geliebten. Die Kirche von Berlin-Brandenburg installiert Wlan für die Gläubigen, eigene Fortschrittsfeindlichkeit wird dann gern vergessen. Religionsunterricht für alle Muslime, der Kölner Erzapostel hält eine Büttenrede zum Thema Flüchtlinge, Gehsteigberatung in München erlaubt das dortige Verwaltungsgericht und und die bibelfesten Evangelikalen halten einen Stuhlkreis während des Ramadan ab. Reichlich Religiotie vorhanden.

Die Wahl ist bis zum 07. Juni 18:00 Uhr befristet.  Der Gewinner wird am folgenden Tag mittels Laudatio gewürdigt werden. Mahrfachabstimmungen sind möglich. Viel Spaß!

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An den Pranger der Weltlächerlichkeit

Scharf hinsehen und Kritik üben ist bei vielen Aspekten des Islam nicht nur legitim, sondern ein aufklärerisches Gebot. (Bild: Shamil Zhumatov)
Gern wird mit der Totschlagvokabel «Islamophobie» versucht, jede Kritik am Islam abzuwürgen. Auf der anderen Seite fordern Despoten «Respekt» ein. Wir sollten uns von solchen Kampfbegriffen nicht einschüchtern lassen.

Von Eduard Kaeser |Neue Zürcher Zeitung

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der «Islamophobie». Einer der Nestoren der linken politischen Philosophie, Michael Walzer, hat letztes Jahr unter dem Titel «Islamism and the Left» ein unangenehmes Thema aufgebracht. «Heute erfährt jede grosse Weltreligion ein bedeutsames Wiederaufleben», schreibt Walzer, «und die wiederbelebte Religion ist kein Opiat, wie wir dachten, sondern ein sehr starkes Stimulans. (. . .) Von Pakistan bis Nigeria und auch in Teilen Europas ist der Islam eine Religion, die eine grosse Zahl von Männern und Frauen, vor allem Männern, dazu anstiften kann, in ihrem Namen zu töten und zu sterben.» Ein beunruhigendes Phänomen, vor dessen Kritik viele Linke zurückschrecken, weil sie, so Walzer, eine «schreckliche Furcht davor [haben], als ‹islamophob› bezeichnet zu werden».

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