Archiv der Kategorie: Freidenker

Richard Dawkins in Hamburg – Ticketverkauf

Am 19. März 2016 stellt Richard Dawkins seine Autobiographie „Die Poesie der Naturwissenschaften“ im Rahmen eines RDF Talks in Hamburg vor.

Richard Dawkins-Foundation

Richard Dawkins wird im Rahmen der Veröffentlichung seines neuen Buches, der Autobiographie „Die Poesie der Naturwissenschaften“ (Erscheinungsdatum: 14. März 2016), nach Deutschland kommen. Die RDF veranstaltet zu diesem Anlass einen RDF Talk mit Richard Dawkins in Hamburg.

RDF Talk mit Richard Dawkins
„Die Poesie der Naturwissenschaften“
19. März 2016 um 18:00 Uhr in Hamburg
Freie Akademie der Künste in Hamburg

Hier geht es zum Ticketverkauf.

The Netherlands just made the Church of the Flying Spaghetti Monster an official religion

Image via Reddit
The Church of the Flying Spaghetti Monster is now an official religion in the Netherlands and members worldwide are celebrating with a bowl of pasta.

By James Forsythe|DEADState

According to the Inquisitr, the Church of the Flying Spaghetti Monster, or Pastafarianism, is a social movement that emerged in 2005 and quickly went on to become an internet phenomenon.

Not strictly a religion, the torchbearers of the movement encourages a light-hearted view on dogma. The group is known for its opposition to the teaching of creationism and intelligent design in public schools.

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„Der IS braucht keinen Grund, um uns zu töten!“

Foto: Krudewig/Stadt
Der Zeichner und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly (Mitglied des Kuratoriums der Giordano-Bruno-Stiftung) wurde am vergangenen Donnerstag für seine kulturellen Verdienste mit dem Jan-Wellem-Ring der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet.

Richard Dawkins-Foundation

In seiner Dankesrede rief Tilly, der im vergangenen Jahr u.a. durch seinen “Charlie-Hebdo-Wagen” für Schlagzeilen sorgte, dazu auf, die offene Gesellschaft mit noch mehr Mut, Menschlichkeit und Humor zu verteidigen. Wir dokumentieren nachfolgend Auszüge aus dieser Rede, die, wie gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon erklärte, “die Haltung der Giordano-Bruno-Stiftung zur Debatte um Islamismus und Fremdenfeindlichkeit auf den Punkt brachte und die fundamentalen Unterschiede verdeutlichte, die zwischen rationaler Aufklärung und reaktionärer Propaganda bestehen”.

(…) Das seit Monaten omnipräsente Flüchtlingsthema hat zu einer extremen Polarisierung geführt. Wir müssen erleben, wie sich breite Teile der Gesellschaft vom demokratischen Konsens verabschieden. Im Umfeld von AfD und Pegida wird offen das “System” infrage gestellt, die Medien werden als “Lügenpresse” diffamiert, paranoide Weltbilder und Verschwörungstheorien vergiften das gesellschaftliche Klima, ganze Bevölkerungsteile katapultieren sich selbst in ein wahnwitziges Paralleluniversum ohne jeden Realitätsbezug.

Sehr anschaulich bewies das vor wenigen Tagen die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, als sie davon faselte, dass unsere Kanzlerin demnächst nach Südamerika ins Exil vertrieben werden wird, genau wie das Ehepaar Honecker. Und der große Held dieser Freunde der wahren Meinungs- und Pressefreiheit ist – ausgerechnet – der russische Autokrat Wladimir Putin.

Dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden. Eine konstruktive Streitkultur ist das Lebenselixier jedes demokratischen Willensbildungsprozesses. Schlimm ist aber, mit welchem Hass, mit welchem Mangel an Maß, Besonnenheit und Menschlichkeit dieser Kampf geführt wird. Die Lynchstimmung, die den Medien und der Politik gerade in großen Teilen des deutschen Ostens entgegenschlägt, ist alarmierend. Vor wenigen Monaten konnte man diese Leute noch als Spinner belächeln. Doch die Silvesternacht in Köln und die damit einhergehenden kläglichen Vertuschungsversuche haben jetzt mitgeholfen, aus einer Minderheitenposition ein schnell wachsendes Massenphänomen zu machen. Die AfD liegt in aktuellen Umfragen bundesweit bei unglaublichen 13 Prozent.

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Wahl Dodo des Monats Januar 2016

Dodo des Monats Januar 2016
Dodo des Monats Januar 2016

Neues Jahr, neue Dummheiten, Obskurantismus und Religiotie. So wie das alte Jahr endete startete das neue furios. Flüchtlinge, Streiterein der Polit-Christen, Hiobsbotschaften aus der katholischen Kirche, die nicht viel macht um die Problematik des sexuellen Missbrauch aufzuklären, die Evangelen streiten sich um ihr sexuelles Weltbild und die Bibelauslegung. Zeit zu überlegen ob man Kirchennachrichten nicht der Obhut der freiwilligen Selbstkontrolle überantwortet und altersgerecht attributiert. Noch vor Jesus kommt Sex, egal ob hetero oder homo, Christen landen immer im Bett, auch fremden, da wollen sie mitreden.

Hier sind nun die Kandidaten des Monats Januar 2016:

  1.  Ulrich Lilie, “hat Schwierigkeiten zwischen Religion und Kultur zu unterscheiden.”
  2.  Papst Franz, “schwadroniert über Bio-Ethik.”
  3.  Dominikus Schwaderlapp, “Ökumene und Homosexualität.”
  4.  Frauke Petry, “an deutschen Grenzen soll wieder geschossen werden.”
  5.  Norbert Trelle, “sexueller Missbrauch im Jesus-Keks-Mantel.”
  6.  Kita Bleckede, “unsere tägliche Ration Rassismus.”
  7.  Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz, “mit der römischen Spukgestalt in den Landtag.
  8.  Sigmar Gabriel, “Türkei ist sicheres Herkunftsland.”
  9.  Beatrix von Storch, “flüchtet Angela Merkel zu Margot Honecker.
  10.  Heinz Josef Algermissen, “mit göttlichem Afterdienst gegen Charlie Hebdo.
  11.  Sami Abu-Yusuf, “ hat feuchte Träume aus dem Koran.”
  12.  Gothart Magaard, “Karfreitag Geiselhaft für alle.”
  13.  Garnisonskirchenstiftung, “schwört auf den Geist von Postdam.”
  14.  Khola Maryam Hübsch, “findet Mohammeds Feminismus umwerfend.
  15.  Open Doors,  “wir machen Christenverfolgung, egal wie.”
  16.  Georg Ratzinger ” hat keine Probleme mit sexuellem Missbrauch.”
  17.  Ulrich Nitschke, “mehr Religion in die Entwicklungshilfe.”

Die Wahl ist bis zum 07. Feburar, 18:00 Uhr, befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Viel Spaß!

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Religiöser Wahn und induziertes Irrsein

jesus_guillotineWährend die Deutschen mit fliegenden Fahnen, hysterievollen Hosen und mit menschenverachtendem Eifer jubelnd dem Vierten Reich entgegenrennen, vollgepumpt mit dem Adrenalin des Hasses und der Dummheit, scheint es Wichtigeres zu geben als sich mit aberwitzigen Streitereien von dramatisch unterdurchschnittlich intelligenten Glaubensgemeinschaften wie den Evangelikalen unter Ulrich Parzany zu beschäftigen.

Von Wolfgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Aber nein doch, sage ich – denn bei solchen Figuren und Gruppen liegt ein tonnenschwerer Grund für unsere politische Situation, die so sehr auf Dummheit und Angst gegründet ist.

Ein ewiger Feldzug wider der Vernunft

Es ist eine triste Tatsache, daß die Aufklärung längst ins Kriechen gekommen ist – denn die Religionsgemeinschaften jeder Couleur haben es geschafft, sie zu hintergehen und zu unterlaufen. Sie lassen sich die Verbreitung ihrer Dummheiten staatlich alimentieren. Ihr ewiger Feldzug gegen die Vernunft zeigt sich nicht nur in den mörderischen Ungeheuerlichkeiten, die der Islam und seine Vertreter veranstalten, sondern auch in der angeblich „abendländischen“ Gegnerschaft (siehe PEGIDA, PiS oder den Front National) mit den erbittertsten Barbarismen. Religionen sind noch immer – und können es auch nicht anders sein – die mächtigsten Gegner des Denkens, der Intelligenz, der Kritik, des Hinterfragens, der menschlichen Selbstbestimmung und (Lebens)-Lust und der Vernunft.

Wer sich auf ein höheres unbezweifelbares und nicht kritisierbares Wesen beruft, um sein Handeln und Leben zu begründen und zu rechtfertigen, der ist zu jeder Unmenschlichkeit fähig im Namen seines Gotteswahnes. Von wegen, daß unsere westlichen Gesellschaften säkularisiert seien – sie sind es nicht! Der gesamte Alltag ist religiösem Wahn unterworfen, die gesamte Ethik kriecht bei uns den christlichen Absurditäten und woanders denen des Islams nach. Unser Umgang mit Recht, Medizin, Sexualität und Politik ist jenen phantastischen Widersprüchen von Schuld und Sühne, Gottesbefehlen und Lebensfeindlichkeit unterworfen, wie sie nur die Religionen hervorbringen können.

Die tierprimitive Angst vor dem Tod, dem Blitz und dem eigenen Körper hat die Religionen hervorgebracht, die dann wiederum patriarchale penile Herrschaftsphantasien legitimieren sollten, Hierarchien der Unterdrückung und der Ignoranz.

Tierprimitive Angst vor Tod, Blitz und Körper

Obwohl die Religionen jeden menschlichen, wissenschaftlichen und politischen Fortschritt behindern, beteiligen wir Religionsvertreter in Ethikausschüssen, fragen Kardinal Marx wenn es um Genetik, Fortpflanzung und Menschenrechte geht – der dazu ebenso wenig Substanzielles beizutragen hat wie etwa ein evangelikaler Führer vom Schlage eines Ulrich Parzany.

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New Atheism: Die Popstars der Gottlosen hoffen auf ein Comeback

italienische Buskampagne
italienische Buskampagne
Die Zahl der Amerikaner, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, steigt. Zu diesem Ergebnis kommt das Meinungsforschungsinstitut Pew. Solche Zahlen passen – scheinbar – perfekt zum Jubiläum der Neuen Atheisten. Diese Gruppe von Intellektuellen macht seit zehn Jahren mit ihrer wortgewaltigen Kritik an Glauben und Religion Furore. 2006 erschien “Der Gotteswahn” (The God Delusion ) von Richard Dawkins, das in Deutschland bekannteste Buch des New Atheism. Die Intellektuellen melden sich wieder verstärkt zu Wort.

Von Katja Ridderbusch|Deutschlandfunk

“Faith is believing without evidence. Believing because I want to believe. That’s not a respect-worthy reason to believing.”

Religion sei Glauben ohne Beweise, sagt der Evolutionsbiologe Richard Dawkins, und das sei für ihn kein respektabler Grund. Dawkins gehört – neben dem Neurowissenschaftler Sam Harris, dem Journalisten Christopher Hitchens und dem Philosophen Daniel Dennett – zu den vier Frontmännern des “Neuen Atheismus”, einer Bewegung, die sich vor 10 Jahren in den USA formte. Ihre Bücher stürmten damals die Bestsellerlisten, mit Titeln wie “Das Ende des Glaubens”, “Der Herr ist kein Hirte” oder “Der Gotteswahn”. Letzteres war auch in Deutschland ein Bestseller.

Jetzt hoffen die Popstars des Neuen Atheismus auf ein Comeback. Denn: Die Zahl der Amerikaner ohne Religionszugehörigkeit wächst. Harvey Cox ist Religionswissenschaftler an der Harvard-Universität und Autor des Buches “Die Zukunft des Glaubens”. Er begrüßt kontroverse Debatten über Religion. Was aber wirklich neu sein soll an den Argumenten der Neo-Atheisten, kann er nicht recht erkennen.

“Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen institutionalisierte Religion und ihre Verbrechen über die Jahrhunderte – von der Inquisition über die Kreuzzüge bis zum islamischen Terrorismus.”

Der Neue Atheismus macht zwar auch in Europa von sich reden, aber in den USA fanden – und finden – dessen Protagonisten ein besonders dankbares Feindbild: Die christlichen Fundamentalisten, die konservativen Evangelikalen. Sie ziehen gegen Darwins Evolutionstheorie zu Felde und beharren darauf, die biblische Schöpfungsgeschichte als naturwissenschaftliche Erkenntnis in den Schulbüchern zu verankern. Mit Macht drängen sie auch in die Politik. Es sind Leute wie der Neurochirurg Ben Carson, Präsidentschaftskandidat der Republikaner.

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Alle haben ein Recht, von Charlie beleidigt zu werden

 Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)
Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)

Muslimische Extremisten werden nicht durch Karikaturen provoziert, es ist der Hass auf die freie Gesellschaft, der sie zu ihren Taten treibt.

Von Jérôme Segal|derStandard.at

Das letzte Buch des Autorenduos Nina Scholz und Heiko Heinisch ist kurz und prägnant. Das Thema bleibt auch leider sehr aktuell: Der Kern des Werks ist eine Verteidigung und Illustration der Meinungsfreiheit am Beispiel der Islamkritik. Es sollte heute einfach möglich sein, Religionen zu kritisieren, sogar darüber zu lachen und zu spotten – auch wenn es dabei um den Islam geht – ohne sein Leben zu riskieren.

Leider trifft eine solche Haltung gegenwärtig auf eine mehrheitliche Ablehnung, und der Verleger ist daher sogar mutig, dieses Buch zu drucken. Auf der rechten Seite des politischen Spektrums gilt unausgesprochen eine bedingungslose Solidarität unter Religionen. Wenn man Aspekte des Islams kritisieren dürfte, könnte man auch den österreichischen Blasphemie-Paragrafen infrage stellen, was die Autoren auch tun, und das ist eben für viele konservative Politiker ein Dorn im Auge. Auf der linken Seite sind die Muslime die neuen Proletarier geworden.

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Austreibung der Metaphysik

Nach den „Schwarzen Heften“ Auch nachdem das Ausmaß von Heideggers ­Antisemitismus nun bekannt ist, ziehen prominente Kritiker ihn für die Kritik des Zionismus heran

Von Micha Brumlik|taz.de

Dass der Israel-Palästina-Konflikt und seine Geschichte angesichts des syrischen Bürgerkrieges mit drei Millionen Flüchtlingen und etwa dreihunderttausend Toten derzeit an Aufmerksamkeit verliert, liegt auf der Hand. Wenn überhaupt, so sind es vor allem christliche Theologen und Philosophen, die sich diesem Thema noch widmen. So der Meister des „Schwachen Denkens“ , Gianni Vattimo und – wer? – Michael Marder, der an der Universität des Baskenlandes lehrt. Beiden ist es ein Anliegen, den „Zionismus“ zu dekonstruieren. Der von ihnen edierte Band „Deconstructing Zionism. A Critique of Political Metaphysics“ erschien 2014 und gibt nicht nur Slavoj Žižek, sondern auch AutorInnen wie Judith Butler und Marc Ellis Raum, ihr nichtzionistisches Verständnis des Judentums zu entfalten.

Unschön an dieser Textsammlung ist freilich, dass sich beinahe alle AutorInnen keineswegs nur auf Jacques Derrida, sondern auf Martin Heidegger beziehen, von dem man 2014, ein Jahr nach dem Bekanntwerden seiner „Schwarzen Hefte“, wissen konnte, dass er einem „seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ (Peter Trawny“) anhing und also nicht nur ein verstiegener Mitläufer der Nazis war, sondern ein Denker, der den von Deutschen und ihren Kollaborateuren verübten Mord an sechs Millionen europäischen Juden einem jüdischen Prinzip zurechnete und deshalb wusste, warum er nach 1945 schwieg.

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Michael Wolffsohn: „Vormodernes Frauenbild des Islam“

Michael Wolffsohn. Bild. Frankfurter Neue Presse

Von DIETER HINTERMEIER|Frankfurter Neue Presse

Herr Professor Wolffsohn, wie beurteilen Sie die Vorfälle von Köln?

MICHAEL WOLFFSOHN: Wie jedermann, der die Würde des Menschen – Artikel 1 Grundgesetz – ernst nimmt. Köln ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Eisberg heißt Völkerwanderung. Jede hat in der Menschheitsgeschichte alles verändert.

Hat der Staat in Köln versagt?

WOLFFSOHN: Die alte und neue Bundesrepublik ist ein Staat, der die weichen Werte seit jeher pflegt. Das ist die wunderbar menschliche Seite unserer Gesellschaft und unseres Staates. Alles hat immer zwei Seiten: Unmenschliche Menschen nutzen die Menschlichkeit anderer Menschen oft aus. Die Aufgabe des Staates ist es, Härte anwenden zu können, wenn es denn sein muss. Daran hapert es seit Jahrzehnten, nicht erst seit Köln.

Von verschiedenen Politikern wurde die „sexualisierte Gewalt von Männern“ für die Kölner Exzesse verantwortlich gemacht. Ein erster Reflex war auch, nicht alle Flüchtlinge unter „Generalverdacht“ zu stellen. Was halten sie von dieser Rhetorik?

WOLFFSOHN: Ich halte nie etwas von Schwarz-Weiß-Denken, also Rhetorik. Ruhige Analysen sind nötig. Erst die Diagnose, dann die Therapie. Erst denken, dann reden. Solche Exzesse gab es in Deutschland jedenfalls bislang nicht, Punkt.

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Feiertagszensur von Filmen: Piratenpartei stellt Schwarze Liste ins Netz

Jeder ein Kreuz.
Jeder ein Kreuz.
Die Piratenpartei veröffentlicht erstmals eine FSK-Liste der Filme, die nicht zur Vorführung an „stillen Feiertagen“ wie Karfreitag oder Volkstrauertag freigegeben sind.

Piratenpartei Deutschlands

Seit 1980 wurden über 700 Filme auf diesen Feiertags-Index gesetzt, darunter überraschend Kinderfilme (z.B. Max und Moritz, Nick Knatterton’s Abenteuer), Komödien (z.B. von Hallervorden, Juhnke, Mel Brooks, Monty Python), Klassiker (Der zerbrochene Krug, Feuerzangenbowle, Ghostbusters) und politische oder religiöse Kritik (Barschel – Mord in Genf?, Leben des Brian, Der letzte Jude von Drohobytsch, Animal Farm). Die FSK-Entscheidung „nicht feiertagsfrei“ ist für Kinos und Filmverleiher unbefristet verbindlich und wird nur auf kostenpflichtigen Antrag überprüft.

Der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer von der Piratenpartei Schleswig-Holstein fordert die Abschaffung der FSK-Feiertagszensur: „Dass Kinderfilme, Klassiker, Satire und Kritik im Jahr 2015 auf einem Feiertagsindex stehen, verschlägt mir den Atem. Teilweise entscheidet die FSK sogar ohne jede Prüfung. Die Feiertagszensur von Filmvorführungen ist im Zeitalter von Video und Internet völlig wirklichkeitsfremd und gehört dringend abgeschafft. Solange die Feiertagsruhe nicht öffentlich wahrnehmbar gestört wird, haben Staat und Kirche kein Recht, uns bei der Gestaltung arbeitsfreier Sonn- und Feiertage durch Filmvorführungs-, Tanz- oder Veranstaltungsverbote zu bevormunden.“

Nach Angaben der FSK erhalten Filme den Vermerk „Keine Feiertagsfreigabe“ ohne inhaltliche Prüfung, es sei denn, eine Prüfung der „Feiertagstauglichkeit“ wird kostenpflichtig beantragt. In Bochum wurde wegen einer Vorführung von „Das Leben des Brian“ am Karfreitag zuletzt ein Bußgeld verhängt.
Für ältere Filme siehe https://startpage.com/do/search?q=site%3Afilmportal.de+%22nicht+feiertagsfrei%22&lui=deutsch&l=deutsch

War Heidegger ein Sith?

Überinterpretierende Gedankenexperimente: Star Wars bietet viele Analyseansätze. Foto: dpa
Monomythos, Samurai, Pseudobiologie: Eine Ausgabe des Philosphie Magazins widmet sich den philosophischen Dimensionen der Sci-Fi-Saga.

Von Stefan Hochgesand|taz.de

Als der bestirnte Himmel über ihm dem Philosophen Immanuel Kant 1788 Ehrfurcht abverlangte, war vom Todesstern-Raumschiff und Luke Skywalker noch nichts zu ahnen. Oder doch? Immerhin, so besagt es der Vorspann der Science-Fiction-Saga, spielten die Ereignisse gar nicht, wie man vorschnell denken könnte, in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit. Einer mythischen geradezu. Jedenfalls nimmt das Philosophie Magazin den im Dezember gestarteten siebten „Star Wars“-Film zum Anlass, in einer Sonderausgabe die philosophischen Dimensionen der Sternenkriege auszuloten.

Zunächst geht es (eher literaturwissenschaftlich) darum, wie George Lucas die vom vergleichenden Mythenforscher Joseph Campbell destillierten Erkenntnisse über den, wie er es nannte, „Monomythos“ in „Star Wars“ paradigmatisch umsetzte: Aufbruch, Initiation Rückkehr. Interesse erweckt vor allem die Aufgabe des Helden Luke, die verstockten Aspekte des Vaters zu beseitigen. Der Altphilologe Heinz Wismann sieht in „Star Wars“ gar Homers „Ilias“ mit einer Prise Sigmund Freud und einem Schuss Western.

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Vergesst eure Leitkultur!

© AP Kulturnation ohne Leitkultur? Goethe- und Schillerdenkmal in Weimar
Propheten rechts, Propheten links: Eine offene Gesellschaft kann gar keine Mitte haben und braucht deswegen auch keine nationale Gesinnungslehre. Es ist höchste Zeit, die Chimäre der Leitkultur zu entsorgen.

Von Hans-Georg Soeffner|Frankfurter Allgemeine

Alle pluralen, offenen Gegenwartsgesellschaften sind geprägt durch das Spannungsverhältnis zwischen Religion und dem Säkularismus der Moderne. Im Hinblick auf die Entstehung dieses Spannungsverhältnisses und seine Folgen ist Europa besonders: Verglichen mit allen anderen Weltregionen, ist es eine säkulare Insel. Es nimmt diese Sonderstellung deutlich erkennbar auch gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika ein, deren Bevölkerung sich, wie alle Umfragen zeigen, eine erheblich höhere religiöse Bindung zuschreibt, als dies die Gesellschaften Mittel- und Nordeuropas tun.

Hinzu kommt, dass wir uns als Europäer trotz unserer Einsicht noch immer nicht von unserer Eigenperspektive gelöst haben: Für uns stehen das aus der europäischen Aufklärung hervorgehende „Projekt der Moderne“, der mit ihm verbundene säkulare Verfassungsstaat und die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, die Idee rechtlicher Freiheit und Gleichheit, in deren Zentrum wir das Individuum sehen, für eine vernunftbasierte Vorstellungswelt. Diese, so glauben wir, muss letztlich von allen Menschen geteilt werden. Aus dieser Sicht kommt es uns nicht einmal in den Sinn, dass die Ausgestaltung unserer Vorstellungswelt – die westliche Demokratie als Politik-, Rechts- und Wirtschaftssystem – für weltanschaulich (religiös und kulturell) anders grundierte Gesellschaftsentwürfe nicht Gegenstand der Bewunderung sein muss, sondern durchaus ein Ärgernis darstellen könnte.

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Einzige Halbdemokratie im Nahen Osten

Bild: tachles

Man muss es laut sagen: Der Aufstieg der Rechten in Israel ist nicht vorübergehend, die Besetzung ist permanent, und Israel ist ein Staat mit zwei Regimen: Das eine ist gut und funktioniert gut für die Juden; das andere ist schlecht und bösartig, und diskriminiert Palästinenser. Jetzt ist es an der Zeit, das Regime zu bekämpfen.

Von Avraham Burg|tachles

Nehmen wir an, dass alles wahr wird, wovon die Verfolger auf der Rechten träumen. Der New Israel Fund hört auf zu existieren, ebenso Breaking the Silence. Die Zeitung «Haaretz» geht den gleichen Weg wie «Davar», «Chadaschot» und «Al Hamischmar», alles Zeitungen gesegneten Andenkens. Meretz wird todkrank, Ayman Odeh, Chef der Vereinten arabischen Liste, gibt seinen Kritikern nach und hält den Mund, Isaak Herzog und seine Arbeitspartei halten ihr geschwätziges Schweigen aufrecht, und unser Präsident Reuven Rivlin hört auf, Meinungen zu haben. Wahrlich das messianische Zeitalter.

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RDF Talks – Interview mit David Silverman

Am 6. November 2016 hielt David Silverman, Präsident der „American Atheists“ einen Vortrag in Heidelberg.

Richard Dawkins Foundation

Wir haben die Gelegenheit wahrgenommen, ihn nach seinem Vortrag „Fighting God: An Atheist Manifesto for a Religious World“, um ein Interview zu bitten.

Atheismus in Ägypten: Ein gesellschaftliches Tabu

Bild: Qantara.de
Die anhaltende Diskriminierung von Atheisten in Ägypten ist vor allem auf die konservativen Traditionen des Landes und den Druck religiöser Vertreter der Al-Azhar und der koptischen Kirche zurückzuführen. Einzelheiten von Hakim Khatib

Von Hakim Khatib|Qantara.de

Die religiöse Freiheit wird am Nil durch Gesetze und Politik geschützt. Doch diejenigen, die die klassischen Buchreligionen beleidigen, werden hart bestraft. Ausnahmen sind der Buddhismus und Hinduismus, wohl aber der Islam, das Christentum oder das Judentum. Laut Informationen der englischen Tageszeitung The Guardian verurteilen ägyptische Gerichte im Zeitraum von 2011 bis 2013 insgesamt 27 von 42 Personen, die wegen Missachtung oder Beleidigungen monotheistischer Religionen angeklagt waren.

Nach offizieller Lesart dürfen Ägyptens Bürger lediglich einer der drei monotheistischen Religionen (Islam, Christentum und Judentum) angehören. Laut offiziellen Statistiken setzt sich die Religionszugehörigkeit in Ägypten wie folgt zusammen: 90 bis 94 Prozent der Bürger sind sunnitische Muslime, etwa sechs bis zehn Prozent gehören der koptisch-christlichen Konfession an.

Über den Atheismus in der ägyptischen Gesellschaft erfährt man hingegen kaum etwas, nicht zuletzt deshalb, weil es zu diesem Thema bislang immer noch keine glaubwürdigen Untersuchungen gibt. Dies hängt zweifelsohne damit zusammen, dass Konfessionslosigkeit noch immer ein Tabuthema in Ägypten ist. Ja, staatliche Institutionen rufen gar zu einem neuen “Krieg gegen den Atheismus” auf.

In einem Bericht aus dem Jahr 2014 behauptete das “Al-Azhar-Zentrum für islamische Rechtsforschung” (Dar al-Ifta al-Misriyyah), in Ägypten gebe es lediglich 866 Atheisten – was bedeuten würde, dass der Anteil der Atheisten an der ägyptischen Bevölkerung bei nur 0,001 Prozent liegt. Während unklar ist, anhand welcher Methoden die Al-Azhar-“Wissenschaftler” diese Zahl ermittelten, ist die Diskriminierung von Atheisten im gesellschaftlichen Diskurs von Ägypten allgegenwärtig.

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Wilhelm-Busch-Museum verteidigt religionskritische Karikaturen

 Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)
Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)

Die Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums, Gisela Vetter-Liebenow, hat den Wert provozierender religionskritischer Karikaturen verteidigt.

Von Michael Grau|evangelisch.de

“Wenn im Namen einer Religion Unheil angerichtet wird, dann muss das auch benannt und kritisiert werden dürfen”, sagte die Museumsleiterin am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover. Sie äußerte sich am Rande einer Diskussionsveranstaltung ein Jahr nach dem blutigen Anschlag auf das französische Satire-Magazin “Charlie Hebdo”. Das Wilhelm-Busch-Museum ist das größte und älteste Karikaturen-Museum in Deutschland.

Auf die Frage, ob Karikaturisten nach dem Anschlag vorsichtiger mit Provokationen umgingen, sagte Vetter-Liebenow, jeder Zeichner wäge stets ab, wie weit er gehen könne. Und jeder stelle sich die Frage, wie viel Druck er aushalten könne.

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Die neue „Mein Kampf“-Edition erstickt im Detail

Eine Ausgabe von “Mein Kampf” in München. Foto: AP
Der Historiker Götz Aly hat sich die kritische Edition von „Mein Kampf“ genauer angesehen. Sein Fazit: Sie ist auch für verständige Laien fast unlesbar und weicht zentralen Fragen aus.

Von Götz Aly|Berliner Zeitung

Der großformatige Zweibänder wiegt 5,2 Kilogramm und umfasst 1966 Seiten. In soldatisch-feldgraues Leinen gebunden, prangt darauf der in dezentem SA-Braun eingeprägte Titel „Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition“. Mit Akribie spürten die beteiligten Wissenschaftler winzige Textvarianten auf, die sich in den vielen zwischen 1925 und 1945 erschienenen Auflagen finden – gerade so, als handele es sich um Goethes „Faust“. Zum Beispiel wurde das Wort „nun“ vielfach gestrichen, das Wort „liebgewonnene“ in der Ausgabe von 1939 durch „liebgewordene“ ersetzt, jedoch 1944 wieder in „liebgewonnene“ rückverwandelt, die Münchner Location Wagnersaal mal mit Bindestrich, mal zusammen geschrieben. Besser wäre es gewesen, die Herausgeber hätten auf diese sinnfreie Fleißarbeit verzichtet und nur die wenigen gravierenden Änderungen angeführt, zum Beispiel die zur Führung innerhalb der NSDAP.

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Blasphemie und Religionskritik: Gedärme auf der Jungfrau Maria

Die russische Punk-Band Pussy Riot, hier beim Budapester Szigetfestival, ist vor allem bekannt für von vielen Russen als gotteslästerlich empfundene Aktionskunst in Kirchen (picture alliance / dpa / Balazs Mohai)
Wie viel Religionskritik ist erlaubt? Gibt es überhaupt so etwas wie Gotteslästerung? Mit Filmen, Büchern, Kunstwerken und Karikaturen werden diese Fragen immer wieder aufgeworfen. Ein neuer Sammelband stellt verschiedene Werke vor – beschränkt sich aber weitgehend auf das Christentum.

Von Bernd Sobolla|Deutschlandradio|Kultur

“Da ist noch eine Sache. Ich habe mir vorgestellt, wie ich heilig werde. Wie ich aus großer Liebe zu Gott ihm mein ganzes Leben als Opfer anbiete. Und er mein Opfer annimmt.”

In dem Drama “Kreuzweg” von Anna und Dietrich Brüggemann fühlt sich ein Mädchen zur Märtyrerin berufen und stirbt im religiösen Wahn. Es ist das Resultat einer rigiden Erziehung. Die Filmemacher verstanden ihr Werk, das 2014 erschien, als Kritik an christlichem Fundamentalismus.

Die angegriffene Piusbruderschaft reagierte ungerührt: Der Film beschreibe nicht den Geist der Bruderschaft und sei eine Karikatur, hieß es. Doch Kritik an religiösen Instanzen wurde keineswegs immer so lapidar hingenommen. So erlebte Georg Grosz wegen Gotteslästerung eine Prozesslawine, als er nach dem Ersten Weltkrieg einen Christus am Kreuz mit Gasmaske malte und mit der Unterschrift versah: “Maul halten und weiter dienen!”

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Ein Jahr nach „Charlie Hebdo“: Gott hat sie nicht getötet

 Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)
Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)

Es ist ein Denkfehler der Trauernden um Charlie Hebdo, dass antirepublikanisch ist, wer noch etwas mit Religion zu tun haben will. Eine Gegenrede.

Von Philipp Gessler|taz.de

Darf man trauernden Menschen sagen, dass sie Quatsch erzählen? Gebietet es nicht der Respekt vor ihnen und ihrem Schmerz, der Anstand, ja die Menschlichkeit, dass man schweigt und nur in sich hinein spricht: Aber das stimmt doch nicht, was die da sagen?

Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo, das ist richtig, war ein Angriff auf die Werte des Westens, die – so viel Selbstbewusstsein muss sein – die Werte der ganzen Welt sein sollten: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Religionsfreiheit, also die Freiheit zu glauben, was man will – oder eben gar nichts zu glauben. Das ist Teil der Aufklärung für alle, Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit, um Kant zu zitieren.

Man kann dies als republikanische Werte benennen. Dies bedeutet aber nicht, und das ist der Denkfehler der trauernden Kolleginnen und Kollegen von Charlie Hebdo, dass deshalb schon antirepublikanisch ist, wer doch noch etwas mit Religion zu tun haben will oder gläubig ist. Dies bedeutet auch nicht, dass die Religion das eigentliche Problem der Anschläge war, wie die Charlie-Hebdo-Journalistinnen und -Journalisten in ihrem Titelbild der Ausgabe zum Jahrestag der Anschläge unterstellen. Denn das zeigt Gott mit einer Kalaschnikow und blutigen Händen auf der Flucht, dazu die Überschrift: „Ein Jahr danach – der Mörder läuft noch immer frei umher.“

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“Charlie Hebdo”: „Wir wollten sie lebendig zeigen“

Daniel (r.) und Emmanuel Leconte. Foto: temperclayfilm
Emmanuel und Daniel Leconte sprechen im Interview mit der FR über ihren „Charlie“-Dokumentarfilm. Sie zeigen ein Lachen der Künstler, das eher nachhallt als die Tränen.

Von Susanne Lenz|Frankfurter Rundschau

Sie haben zwei Wochen nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ mit der Arbeit an dem Film begonnen. Was hat Sie dazu motiviert?
Emmanuel Leconte: Wir wollten, dass man über die Karikaturisten redet und nicht nur über die Terroristen, darüber, woher sie kommen, wer sie sind, was ihr Ziel war. Wir selbst haben ihren Tod als immensen Verlust gespürt, wir haben uns als Waisen dieser unglaublichen legendären Persönlichkeiten der französischen Kultur empfunden. Und wir hatten das Gefühl, dass dieses dramatische Ereignis alles verändern würde. Davon wollten wir Zeugnis ablegen. Weil mein Vater 2008 bereits einen Film über „Charlie Hebdo“ („C’est dur d’être aimé par des cons“) gemacht hatte, hatten wir Aufnahmen davon, wie die Karikaturisten, wie Charb, Tignous und Cabu selbst erklären, warum sie ihre Arbeit machen, was ihnen daran wichtig ist. Wir hatten eine große Nähe zu diesen Menschen und fühlten, dass wir sagen müssen, wie sie waren: sympathisch, intelligent, einfach großartig. Wir wollten, dass die Leute sie mögen.

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