Ethiker: Rackete und Thunberg Heldinnen, aber keine Heiligen

Für den Berliner Ethiker Arnd Pollmann sind die beiden Aktivistinnen Carola Rackete und Greta Thunberg keine Heiligen oder Propheten. Auch frühere Aussagen des Berliner Bischofs diesbezüglich hält Pollmann für falsch.

katholisch.de

Aus Sicht des Berliner Ethikers Arnd Pollmann kann man die Klima-Aktivistin Greta Thunberg und die ehemalige Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete als „Heldinnen“ bezeichnen, aber nicht als „Heilige“. Heldinnen „tun außeralltägliche Dinge, Dinge, die teilweise weit über das hinausgehen, was sogenannte normale Menschen tun und als ihre moralische Pflicht begreifen würden“, sagte er am Montag im Deutschlandfunk.

Heldin oder Autistische Schulschwänzerin?

Dabei gingen sie teilweise ein großes persönliches Risiko ein und zeigten, was Menschen möglich sei, „wo wir selbst dazu in aller Regel zu feige sind. Und ich glaube eben, das trifft auch auf Greta Thunberg oder Carola Rackete zu.“ Allerdings sei dies keinesfalls Konsens, denn sie würden von manchen auch als „autistische Schulschwänzerin“ oder „gesetzlose Verbrecherin“kritisiert.

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Mike Pence Calls on Saudi Arabia to Release Blogger Arrested for Blasphemy

Credit where it’s due since it doesn’t happen often: During a conference about “religious freedom” hosted by the State Department, Vice President Mike Pence urged the nation of Saudi Arabia to release Raif Badawi, the blogger who, in 2012, was sentenced to a decade of jail time and 1,000 lashes all for supposed “apostasy.”

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

Last year, Canada’s Justin Trudeau spoke with King Salman bin Abdulaziz calling for Badawi’s release. Now Pence has joined in, including Badawi in a list of four men who have been punished for speaking out about faith.

Well, it was brief lip service. But it’s not nothing.

All four of these men have stood strong in defense of religious liberty, despite unimaginable pressure, and the American people stand with them,” Pence said, “The United States calls upon the governments of Eritrea, Mauritania, Pakistan and Saudi Arabia to respect the freedom of conscience and let these men go.”

Badawi’s wife, Ensaf Haidar, said she was “grateful” to Pence for the mention. She’s been critical of Trudeau for not doing enough, but the U.S. has more leverage in these situations.

While Pence is right to call for Badawi’s release, it’s hard to imagine this administration doing anything substantive to make it happen, especially when they looked the other way following Crown Prince Mohammad bin Salman‘s order to assassinate journalist Jamal Khashoggi.

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Wenn Gedenken zur Performance verkommt

Bild: Kein & Aber

Yishai Sarids Roman „Monster“ ist ein fiktionaler Bericht an den Direktor von Yad Vashem. Das Buch schlägt einen Bogen vom Holocaust zur politischen Gegenwart – und rechnet bitterböse mit der israelischen Erinnerungskultur ab.

Von Lena Bopp | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was bedeutet die Erinnerung an den Holocaust den wenigen, die noch leben? Und was macht sie mit denen, die Erinnerung lernen? Yishai Sarid antwortet darauf in seinem Buch „Monster“, das vor allem Leser in Israel im Blick hat, wo diese Erinnerung ein identitätsstiftendes Merkmal ist, mit fast bösartiger Klarheit: Die Erinnerung hält jeden gefangen, und sie macht alle wahnsinnig.

Gleich zu Beginn gesteht der namenlose Ich-Erzähler, er habe in seinem Leben eigentlich etwas anderes vorgehabt und sei in die Holocaust-Forschung nur „aus pragmatischen Gründen“ gelangt. Zur Diplomatenausbildung hatte ihn das Außenministerium nicht zugelassen, und den Job als Iran-Experte für den militärischen Nachrichtendienst wollte er nicht. Als Historiker, so wurde ihm signalisiert, blieben ihm damit nur die Holocaust-Studien – ganz so, als könne es für Historiker, die sich mit etwas anderem beschäftigen, in Israel kein Auskommen geben. Bald bietet der junge Doktorand auch Führungen durch die Gedenkstätte Yad Vashem an. Später kommen Touren durch die Konzentrationslager in Polen hinzu, die rasch zu seiner vornehmlichen Beschäftigung werden, weil sie ihn und seine kleine Familie ernähren. Als Guide von Schülergruppen, denen er in Polen die Maschinerie der Vernichtung erläutert, vergehen seine Jahre.

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Kellers 200. Geburtstag: Atheismus zur Verschönerung der Welt

Älter geworden, nahm er Abschied von den Freuden des dramatisch üblen Endes: Gottfried Keller Bild: Picture-Alliance

Schreibfaul, streitlustig und an der Schwelle zur Moderne: Zum zweihundertsten Geburtstag von Gottfried Keller, dem Entschleuniger des Erzählens.

Von Jochen Hieber | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Immer öfter geht es gut aus. In Gottfried Kellers erzählerischen Hauptwerken, den beiden Fassungen des Romans „Der grüne Heinrich“ und den zehn Novellen der zweibändigen Sammlung „Die Leute von Seldwyla“, überwiegen das gelinde und das glückliche Ende. In die biographische Reihe gebracht: Je älter der Autor wird, desto abholder ist er dem traurigen, gar tragischen Finale.

Er ist Mitte dreißig, als zwischen 1853 und 1855 die erste Version des „Grünen Heinrichs“ in vier Bänden erscheint – und auf ein doppeltes Desaster hinausläuft. Heinrich, ein nach sieben Jahren gescheitert aus der Fremde heimkehrender Kunstmaler, begegnet, kaum ist die Heimat in Sicht, dem Trauerzug für die tote Mutter und stirbt kurz danach an gebrochenem Herzen und seiner Sohnesschuld. Diesen „zypressendunklen Schluss“ hat Keller rasch bedauert. Er war der Hauptgrund für die lange erwogene Revision des Romans, die aber erst ein Vierteljahrhundert später verwirklicht wurde. Jetzt trifft Heinrich die Mutter zwar schon auf dem Sterbebett, aber noch bei Bewusstsein an. Nach ihrem Tod wird er selbst noch Jahrzehnte vor sich haben, dabei ein kleines Staatsamt versehen und bei getrennter Behausung ein vertrautes Zusammensein mit der um einiges älteren Jugendliebe Judith erfahren.

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Zukunftslabor Lindau 2019: „Es reicht nicht, was bisher erreicht wurde“

Wolfgang Ketterle auf der Nobelpreisträgerung 2019 Bild: Christian Flemming

Die 69. Nobelpreisträgertagung am Bodensee war so kämpferisch aufgelegt wie selten. Für die Wissenschaft geht es ums Ganze: gegen Populismus und Demagogie. Physik, das Thema des Treffens, trat aber nur kurzzeitig in den Hintergrund, 580 Jungforscher aus 89 Ländern sorgten dafür, dass der Blick nach vorne ging.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Man kann die Sippe, die seit nun fast siebzig Sommern Jahr für Jahr in einem Inseldorf am Bodensee zusammengetrommelt wird, als einen höchst ungewöhnlichen, höchst elitären Menschenstamm begreifen. Man kann es aber auch wie Brian Schmidt sehen. Er ist Australier, Physik-Nobelpreisträger von 2011, und er hat auf dieser 69. Lindauer Nobelpreistragung in einer faszinierenden Eröffnungsrede den „Stamm“ der Wissenschaftler aufgerufen, alles zu tun, den Rest der Gesellschaft wieder an das gemeinsame Lagerfeuer zurückzuholen – auch die Ignoranten, Andersmeinenden und vor allem die Demagogen und „politischen Kräfte, die unsere Welt zerstören wollen“.

Gut 580 ausgewählte junge Wissenschaftler aus sage und schreibe 89 Ländern (Rekord!) hörten ihm ehrfürchtig zu, und auch die 39 Nobelpreisträger in der Inselhalle hingen an Schmidts Lippen. Denn was der Kosmologe zu sagen hatte, der sich inzwischen auch als politischer Anwalt der aufgeklärten Welt versteht, hatte etwas von einer Ruckrede. „Wir müssen es irgendwie schaffen“, sagte Schmidt, zusammen mit allen eine Zukunft zu bauen, „in der man Wissenschaft und Evidenz wieder vertraut.“ Schon Bettina Gräfin Bernadotte, Gastgeberin des Laureatentreffens, gab in ihrer Rede dieser Sehnsucht eine Stimme. Den antiwissenschaftlichen Strömungen müsse etwas Überzeugendes entgegengesetzt werden. „Es reicht nicht, sich mit dem zufrieden zu geben, was erreicht ist“, sagte die Gräfin mit Blick auf die vielen Nachwuchstalente. Ja, die Zeiten sind ganze besondere.

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Die Dritte Aufklärung“ von Michael Hampe: Wissen wagen wollen

Kants Gedanken zur Aufklärung scheinen nicht alle zu überzeugen: 2018 wurde seine Statue in Kaliningrad mit rosa Farbe besudelt.Foto: dpa/Vitaly Nevar

Bildungsoffensive zur Vermeidung von Gewalt: Michael Hampe versucht sich in seinem Buch „Die Dritte Aufklärung“ an einer Neudefinition der Philosophie.

Von Hendrikje Schauer | DER TAGESSPIEGEL

„Dare to know“ prangt in großen, weißen Lettern auf den Rückseiten der neuen Bände aus der 1713 in Berlin gegründeten Nicolaischen Verlagsbuchhandlung, die jetzt Nicolai Publishing & Intelligence, kurz: NP&I heißt. Aufklärung reloaded? „Die Dritte Aufklärung“ von Michael Hampe, Philosophieprofessor an der Zürcher ETH, gehört zu den ersten Büchern des Verlags (Nicolai Publishing & Intelligence, Berlin 2019. 96 Seiten, 20 €). Es kommt, mit fünf anderen Bänden, in einem Schuber: „Diskurse, die wir führen müssen“.

1783 provozierte die Frage des Berliner Pfarrers Johann Friedrich Zöllner, was Aufklärung denn sei, eine Reihe von prominenten Antworten. Darunter ist der berühmte Beitrag Immanuel Kants, der wiederum Worte des Horaz aufgriff. Dabei war die Frage des Pfarrers, zu jener Zeit Prediger an der Marienkirche, in einer Fußnote versteckt und als Spott gedacht. Eine „zweite Aufklärung“ rief der italienische Philosoph Ernesto Grassi, der bei Martin Heidegger studiert hatte, in den Nachkriegsjahren aus. Es war als Rechtfertigung der von ihm herausgegebenen Reihe „rowohlts deutsche enzyklopädie“ angelegt. 75 Bände waren seit 1955 erschienen. Bildung für die Massen wollte Grassi: Das klang schon fast wieder nach der Predigt von der Kanzel.

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„Marburger Leuchtfeuer“ für Ärztinnen Hänel und Hartbrich

Die beiden Ärztinnen Kristina Hänel und Ruby Hartbrich werden an diesem Dienstag mit dem „Marburger Leuchtfeuer 2019“ ausgezeichnet. Hänel erhält den Preis für ihren Einsatz für einen freien Zugang zu Informationen über Schwangerschaftsabbrüche.

evangelisch.de

Hartbrich wird für ihr ehrenamtliches Engagement auf dem Rettungsschiff „Sea-Watch“ im Mittelmeer geehrt. Die Stadt Marburg und die Humanistische Union verleihen den undotierten Preis an Persönlichkeiten, die sich für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben einsetzen.

Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) wird die Auszeichnung um 15 Uhr im Historischen Saal des Marburger Rathauses an die beiden Ärztinnen überreichen. Die Laudatio soll die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) halten.

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Der permanente Krieg und die Propaganda

Bild: TP

Ulrich Teusch im Telepolis-Salon über den Krieg vor dem Krieg und die Rolle der Medien

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Von Ulrich Teusch ist im Frühjahr das Buch mit dem Titel „Der Krieg vor dem Krieg“ erschienen. In Fortsetzung seines Buchs „Lückenpresse“ über die Schieflage der Mainstreammedien analysiert Teusch die in den letzten Jahren mit dem zunehmenden Wettrüsten verstärkt auf uns einprasselnde Kriegspropaganda, mit der militärische Politik in der Gesellschaft durchgesetzt wird.

Teusch hat in seinem neuen Buch auch beschrieben, wie sich der militärisch-industrielle Komplex vor allem in den USA zu einem permanenten Kriegskomplex entwickelt hat, der sich, seine Macht und seine Gewinne unabhängig von der realen Bedrohungslage durch Propaganda und Unterstützung von Konfliktparteien auf aller Welt sichert – und dem das zunehmend gut auch in Europa gelingt. Mediale Strategien stehen im Kern des zunehmend privatisierten Kriegsgeschäfts.

Zum ersten Telepolis-Salon auf der Alten Utting, den wir am 21. Mai zusammen mit dem Westend Verlag veranstaltet haben, haben wir Ulrich Teusch eingeladen und mit ihm diskutiert. Dabei ging es vor allem um die Rolle der Medien und Journalisten. Wir haben die gesamte Veranstaltung mit anschließender Diskussion aufgezeichnet.

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Warum Rechte sich gegen Sexualpädagogik stellen

Foto: Reuters / NACHO DOCE
Im Kampf gegen progressive Sexualpädagogik treffen sich Konservative, Rechtsextreme und fundamentalistische ChristInnen – ihr Feindbild ist die sexuelle Vielfalt

Brigitte Theißl | derStandard.de

Geht es nach ÖVP und FPÖ, werden in Österreich externe Vereine künftig vom Sexualkundeunterricht an Schulen ausgeschlossen sein. Ein entsprechender Entschließungsantrag wurde vergangenen Dienstag mit den Stimmen der ehemaligen Koalitionspartner beschlossen, am Mittwoch wird im Nationalrat abgestimmt. Der Antrag sorgt aktuell nicht nur für breiten Protest, nach den Diskussionen rund um die Causa „Teenstar“ hatte kaum jemand mit einem solchen Vorstoß gerechnet. „Der Antrag hat uns wirklich alle im Feld überrascht“, sagt Barbara Rothmüller. Die Soziologin und Sexualpädagogin ist Mitglied des Vorstands der „Plattform Sexuelle Bildung“, die gemeinsam mit rund hundert anderen Organisationen vor einer „De-Facto-Abschaffung“ der Sexualpädagogik in Schulen warnt. Ex-Minister Heinz Faßmann hatte zuletzt die Einrichtung eines Akkreditierungsverfahren für externe Vereine angekündigt, nun streben ÖVP und FPÖ mit deren Verbannung nach einer „Sicherstellung einer weltanschaulich neutralen Sexualerziehung“.

Dem Argument der Parteien, dass der Sexualkundeunterricht bei LehrerInnen am besten aufgehoben sei, widerspricht Rothmüller klar. Sexualität mit SchülerInnen quer über alle Fächer hinweg zu besprechen – diesem Auftrag könnten LehrerInnen gar nicht nachkommen, ist die Sexualpädagogin überzeugt. All zu oft bleibe das Thema auf den Biologieunterricht beschränkt, ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsangebot würde in Österreich schlichtweg fehlen. „Außerdem gibt es viele Dinge, über die Kinder und Jugendliche nicht mit ihren LehrerInnen reden möchten“, sagt Rothmüller.

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Wissenschaftsleugner: Nicht den Falschen das Feld überlassen

Zähne zeigen, auch den Evolutionsleugnern: Szene aus „Jurassic Park 3“. Bild: obs
Wie umgehen mit radikalen Impfgegnern, Klimaleugnern und sonstigen Faktenverdrehern? Die Experimente dazu zeigen: Im öffentlichen Raum gibt es nur eins: Ausschwärmen und die Stirn bieten.

Von Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was macht man nur mit diesen Leuten? Die einerseits munter Handys nutzen, in Flugzeuge steigen und Navigationssysteme nutzen, die aber andererseits so tun, als wären die Wissenschaftler, ohne die es all diese Technologien letztlich gar nicht gäbe, ein korrupter Haufen gewissenloser Betrüger. Und damit sind keineswegs die „Skeptiker“ gemeint, Skepsis ist die Grundlage aller Forschung, zusammen mit der Bereitschaft, die eigenen Überzeugungen im Lichte widersprechender Evidenz jederzeit zu revidieren.

Überall gibt es krude Thesen

Es sind die „Wissenschaftsleugner“, deren Weltbild so festgefahren ist, dass es gegen jeden Widerspruch immun geworden ist, und die sich vorzugsweise daran erfreuen, die vermeintliche Gefährlichkeit von Impfungen, die menschliche Unschuld am Klimawandel oder auch die Falschheit evolutionärer Erklärungen zu verbreiten. In unserer heutigen Zeit allgemeiner Vernetzung gibt es kaum ein Entrinnen – ihre kruden Thesen finden sich überall und immer wieder.

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Esoterik- und Religionskritik über den Dächern von Fürth

Dr. Michael Schmidt-Salomon in Fürth. Foto: © Karin Becker
In der Reihe „Geist in Fürth 2019“ stellten Burger Voss, André Sebastiani und Michael Schmidt-Salomon ihre neuen Bücher vor, in denen es um den gesellschaftlichen Wert von Atheisten, haarsträubende Aspekte der Anthroposophie und hilfreiche Erkenntnisse für den richtigen Umgang mit sich selbst geht.

Von Brynja Adam-Radmanic | hpd.de

Im Café Terrazza im 4. Obergeschoss der Volksbücherei Fürth mit seinem spektakulären Blick über die Innenstadt lasen die Autoren an drei aufeinanderfolgenden Dienstagabenden Ende Mai bis Anfang Juni aus ihren neuen Büchern. Veranstaltet wurde die Reihe „Geist in Fürth 2019“ vom Bund für Geistesfreiheit (bfg) Fürth in Kooperation mit dem Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs Kortizes.

Ausgeglaubt! Warum Atheisten für die Gesellschaft wertvoll sind

Den Anfang machte am 21. Mai Burger Voss, der vor etwa 50 Interessierten sein 2018 bei Tectum erschienenes Buch „Ausgeglaubt! Warum Atheisten für die Gesellschaft wertvoll sind“ vorstellte. Es ist das zweite Buch des Lebensmittelchemikers mit dem Hamburger Zungenschlag, der bei Youtube unter dem Namen „Ze German Scientist“ firmiert. Beim ersten Buch mit dem Titel „Vom Anfang und Ende aller Dinge: Eine Entdeckungsreise durch die Geschichte der Wissenschaften“ (2015) hatte noch die Wissenschaft im Zentrum gestanden und der Atheismus bekam ein Kapitel. Im neuen Buch ist es nun umgekehrt.

Die Wissenschaft bezeichnete Voss als das „Beste, was wir haben“, um Denkfehler von Einzelnen zu eliminieren und räumte dabei mit einer Fehlvorstellung auf: „Wissenschaftler sind außerhalb ihrer Fachgebiete genauso religiös und esoterisch wie ihre Zeitgenossen“, erklärte er. Der Wert der Wissenschaft stützt sich daher nicht auf den Guru-Status Einzelner, sondern auf die Methode des Erkenntnisgewinns. Individuelle Forscher seien keine Rationalitätsmaschinen, die Wissenschaft als Ganzes schon. Deswegen sei es auch – anders als Gläubige oft denken – völlig ohne Belang, was Einstein oder Heisenberg über Gott gesagt haben.

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Konfessionslosigkeit breitet sich weiter aus

Bild: erf.de
Bereits vor 50 Jahren, im März 1969, fand im Vatikan eine 1. Internationale Tagung „Die Kultur des Unglaubens“ statt. Unter der Schirmherrschaft von Peter Berger und in Zusammenarbeit mit kalifornischen Religionssoziologen tauschten sich damals Experten über die Folgen wachsender Konfessionslosigkeit aus und versuchten besser zu verstehen, woran Ungläubige eigentlich glauben (Rokko Caporale, Antonio Grumelli (Hg.), The Culture of Unbelief. Berkley 1971).

Dr. Michael Utsch | EZW

Ende Mai 2019 trafen sich an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom erneut 70 Fachleute für Atheismus und Agnostizismus, um „Kulturen des Unglaubens“ aus aktueller Sicht zu analysieren. Weltweit gelten heute rund 1,2 Milliarden Menschen laut dem Meinungsforschungsinstitut „Pew Forum“ als religionsfern. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos. Auf der Tagung im Vatikan wurde erneut daran erinnert, dass mit „ungläubig“ ganz unterschiedliche Standpunkte gemeint sein können: radikale Atheisten, moderne Agnostiker, Humanisten oder Freidenker lehnen Religionen ab und suchen Sinn und Glück auf anderen Wegen (vgl. Michael Utsch: Studie differenziert Motive für den Unglauben. Materialdienst der EZW 11/2013, 423f).

Das Vorurteil, dass ungläubige Menschen keine Wertvorstellungen hätten, konnte eine britische Soziologin auf der Tagung in Rom durch ihre Studie widerlegen. In einem anderen Vortrag wurde gefragt, warum viele Atheisten an Übernatürliches glauben. Demnach bestreiten nur 35 Prozent US-amerikanischer Atheisten die Existenz übernatürlicher Phänomene, unter chinesischen Atheisten seien es sogar nur 8 Prozent. Es greife zu kurz, so der referierende Anthropologe, den Menschen nur als rationales, kühl abwägendes Wesen zu sehen. Möglicherweise sind Glauben, Lieben und Hoffen universelle menschliche Eigenschaften, die emotionalen Grundbedürfnissen darstellen und konfessionelle Etiketten sprengen.

Manche Teilnehmer der Tagung störte die Tatsache, dass die religionsfreundliche John-Templeton-Stiftung die Tagung mit 2,6 Millionen Euro gefördert hat und sie im Vatikan stattfand. Aber auch atheistische Forscherverbände beschäftigen sich mit der Grenze zwischen Glaube und Unglaube. Früher hat sich die Konversionsforschung eher mit der Hinwendung zum Christentum beschäftigt (vgl. Michael Utsch: Konversion. Materialdienst der EZW 10/2016, 391ff). In einer neuen Studie wurden jetzt 111 biografische Erzählungen analysiert, in denen Atheisten darüber berichteten, warum sie zum christlichen Glauben konvertiert sind. Entscheidende Motive sahen die Forscher in krisenhaften Lebensumständen, Begegnungen mit glaubwürdigen Christinnen und Christen und der Überzeugung, keinen Lebenssinn in einer atheistischen Weltsicht zu finden.

Die Tagung und die neue Studie verdeutlichen, wie wichtig Gespräche zwischen religiös und säkular eingestellten Menschen sind, um Vorurteile abzubauen, Andersglaubende besser zu verstehen und viele Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Mit den ersten Staaten entstand die Sklaverei, sagt der Politologe James C. Scott. Vielleicht wären wir besser Nomaden geblieben

Heute sind in der Weite der irakischen Wüste nur noch Mauerreste zu sehen. Aber die Gründung der Stadt Uruk am Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. bezeichnet den Anfang der Staatengründung in Mesopotamien. (Bild: Robert Harding / Imago)

Getreide pflanzen, sesshaft werden, Staaten bilden: Das nennt man Fortschritt. James C. Scott erzählt, wie die ersten Stadtstaaten entstanden sind. Und bürstet den Zivilisationsmythos gegen den Strich.

Thomas Ribi | Neue Zürcher Zeitung

Ab und zu bei Rot die Strasse überqueren, das muss einfach sein. Warum geduldig am Strassenrand warten, wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist, nur weil die Ampel gerade nicht auf Grün zeigt? Für James C. Scott gehören solche kleinen Übertretungen zur mentalen Hygiene, die jeder Mensch pflegen sollte. Mehr noch, sie sind ein politisches Statement. «Anarchistische Freiübungen» nennt der amerikanische Politologe das. Jeden Tag, empfiehlt er, sollte man gegen irgendein belangloses Gesetz verstossen. Als Übung im selbständigen Denken. Als Pflicht, sich bei jedem Verbot zu überlegen, ob es vernünftig und gerecht ist.

Nur so sei man bereit für den grossen Tag, sagt der 81-jährige Yale-Professor. Den Tag, an dem der Staat uns vielleicht einmal auffordert, etwas zu tun, das grundlegenden menschlichen Geboten widerspricht, vielleicht sogar unter Androhung von Gewalt. Dann braucht es Widerspruchsgeist. Und wie, fragt Scott, solle man sich dem Zwang des Staates entziehen können, wenn man sich immer rückhaltlos allen Gesetzen und Verordnungen fügt, die er erlassen hat? Bei Rot die Strasse überqueren als Zeichen der Distanz also gegenüber dem Staat, der dazu tendiert, Bürger als Untertanen zu betrachten und immer weitere Bereiche des Lebens zu reglementieren, wenn man ihm keine Grenzen setzt.

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Humanistische Seelsorge hilft mit „Gesprächen auf Augenhöhe“

Krisensituationen und Lebensfragen – wie kann man diese bewältigen, wenn göttliche Vorhersehung nicht als universelle Antwort dient? Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Der humanistische Verband Dresden bietet mit der humanistischen Seelsorge eine Alternative zur kirchlichen Seelsorge an. Michael Brade, Präsident des HVD, über allgemeine und humanistische Seelsorge.

Von Daniel Cohen | Badische Zeitung

BZ: Was verstehen Sie persönlich unter Seelsorge?

Brade: Seelsorge ist ein offenes Gesprächsformat ohne ein angestrebtes Ergebnis. Hier findet man ein offenes Ohr und kann sich aussprechen. Besonders in Krisen hilft diese Begleitung beim Verstehen und Deuten. Damit wird auch der Unterschied zur Beratung deutlich, wo es eine Hierarchie und keine Augenhöhe gibt. Zusammengefasst ist humanistische Seelsorge Pflege der Persönlichkeit und Anleitung beim Finden eigener Antworten.

BZ: Auf welcher Basis gründet die humanistische Seelsorge?

Brade: Die Basis sind die Weltanschauung und der konstruktivistische Ansatz, die Menschen so zu nehmen wie sie sind. Gefühle sind weder richtig noch falsch, sondern schlicht vorhanden, subjektive Tatsachen. Im Gegensatz zu vielen Atheisten reden Humanisten jenen Menschen mit religiösen Überzeugungen ihren Glauben nicht aus oder betreiben Gegenmission. Humanismus nimmt zur Kenntnis, dass religiöse Überzeugungen tief verwurzelt und sogar identitätsstiftend sein können. Auch ich spreche Menschen das nicht ab. Allerdings geschieht unserer Meinung nach alles im Leben ohne Fremdeingriffe, es ist nichts Übernatürliches im Spiel, und es gibt keinen übergeordneten Sinn. Menschen können ihrem Leben und Ereignissen jedoch selbst Sinn verleihen. Derlei Gespräche führen wir immer auf Augenhöhe und erlauben uns keinerlei Wertungen; auch Tabuthemen gibt es bei uns nicht. Humanistische Seelsorge beschränkt sich auf Impulse, Ideen, Denkanstöße.

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„Die Opferrolle. Der Islam, seine Selbstinszenierung“

Freund-Feind-Schema bleibt im Buch von Klemens Ludwig bestehen (Picture Alliance/ Marc Müller & LangenMüller Verlag)

Diskriminierungserfahrungen reichen dem Publizisten Klemens Ludwig nicht als Erklärung für die Radikalisierung von Muslimen. Zudem würden diese Erfahrungen oft instrumentalisiert, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen, mit Erfolg. Für Ludwig ein Symptom eines Kampfes der Kulturen.

Von Matthias Bertsch | Deutschlandfunk

Ein Buch über den Islam, das „Die Opferrolle“ heißt, dessen Vorwort die Islamkritikerin Necla Kelek geschrieben hat, und in dessen Literaturverzeichnis zwei Namen auffällig oft vertreten sind: Hamed Abdel-Samad und Bassam Tibi, beides ausgewiesene Kritiker der muslimischen Verbände in Deutschland. Für viele Leser und Leserinnen dürften diese Stichworte bereits reichen, um jenes gedanklich-emotionale Stellung-Beziehen auszulösen, das die Auseinandersetzung um den Islam in Deutschland zunehmend dominiert: auf der einen Seite diejenigen, die den Islam vor allem mit Gewalt und Intoleranz verbinden, auf der anderen diejenigen, die ihn als eine Religion des Friedens hochhalten und seine Anhänger vor allem als Opfer von Vorurteilen und Diskriminierungen sehen. Täter versus Opfer, so lässt sich das Lagerdenken zusammenfassen und das Buch von Klemens Ludwig ist leider wenig geeignet, dieses Freund-Feind-Schema zu durchbrechen.

Der Journalist und Publizist bringt zahlreiche Beispiele von Gewalttaten, die von Muslimen gegenüber Anders- oder „Un“-gläubigen begangen wurden und zeigt, wie diese, mit Verweis auf individuelle oder kollektive Diskriminierung, letztere in Form von Kolonialismus und Imperialismus, regelmäßig relativiert und damit verharmlost werden – und dies keineswegs nur von Muslimen selbst.

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Richard Dawkins on Poetry

Richard Dawkins, Screengrab

The evolutionary biologist reads Robert Frost.

By Michael Segal | Poetry on NAUTILUS

In some ways, Richard Dawkins has been thinking about contingency for most of his life.

The book that catapulted him to fame, The Selfish Gene, is about one kind of contingency, which shapes genetic codes and chooses winning species (and genes). This contingency is nested in many others. In his memoir, An Appetite For Wonder, Dawkins imagines a dinosaur that would have caught and eaten the shrew-like ancestor of all mammals, had it not sneezed. “We all can regard ourselves as exquisitely improbable,” he writes.

Then there are the contingencies of an individual life. Is it true, Dawkins wonders, that “the course of a named individual’s life is sucked back, magnetically, into predictable pathways, despite the Brownian buffetings of sneezes and other trivial, or not so trivial, happenings?” Would Dawkins still have been Dawkins, had he been raised in a religious household? If he’d had different tutors?

In this video, Harvard poetry professor Elisa New sits Dawkins down in a lush field outside the Aspen Institute and talks to him about the most famous American poem on the topic of contingency, Robert Frost’s “The Road Not Taken.” The conversation was recorded as part of New’s initiative, Poetry in America, which brings poetry into classrooms and living rooms around the world.

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Vom Ende der Existenz

Franz Josef Wetz
Tot ohne Gott
Verlag: Alibri, Aschaffenburg 2019
ISBN: 9783865692498 | Preis: 20,00 €

Wie können nichtgläubige Menschen mit dem Sterben umgehen? Eine philosophische Reflexion.

Von Arne Baudach | Spektrum.de

»Wir werden alle sterben« ist nicht nur ein beliebter Videocast zweier Spektrum-Mitarbeiter, sondern auch ein unentrinnbares Faktum, mit dem wir uns früher oder später auseinandersetzen sollten. Der Philosoph Franz Josef Wetz bietet in diesem Buch reichlich Gelegenheit dazu. Dabei wendet er sich vor allem an jene, die Göttern oder anderen übernatürlichen Instanzen nichts abgewinnen können. Wetz, der naturalistische Positionen vertritt, lässt neben seinen eigenen Reflexionen viele Denker zu Wort kommen, die sich dem Thema über die Jahrhunderte hinweg gewidmet haben.

Dankenswerterweise verzichtet der Autor auf philosophischen Fachjargon und lockert den düsteren Stoff immer wieder mit Sequenzen aus den zitierten Originaltexten auf. Er möchte sein Buch als »Aufklärungs- und Trostschrift mit hoher lebenspraktischer Relevanz« verstanden wissen. Menschen, die ein empirisch-naturwissenschaftliches Weltbild bevorzugen und dieses konsequent zu Ende denken möchten, lässt sich der Band empfehlen. Ihn zu lesen, kostet allerdings Zeit und Kraft. Innerlich für das Thema Sterben »bereit zu sein«, ist dennoch keine Voraussetzung für eine gewinnbringende Lektüre. Bestenfalls stößt das Lesen eine konstruktive Auseinandersetzung damit an.

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Heißt Antifaschismus CDU wählen?

Während die CDU Lockerungen nach rechts unternimmt, wurde die Wahl eines CDU- Kandidaten in Görlitz von der Restlinken als antifaschistische Tat verklärt

Peter Nowak | TELEPOLIS

Ist es wirklich eine Schnaps-Idee, wenn ein CDU-Politiker in Sachsen-Anhalt über Kooperationen mit der AfD nachdenkt? Und warum wird dann despektierlich von einem „Fahrlehrer aus Quedlinburg“ gesprochen, der es auf die Startseite von Spiegel-Online geschafft hat?

Wird da nicht das Klischee des Besser-Wessis bedient, der etwas nur für relevant hält, wenn es aus einer Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern kommt? Gibt es eigentlich im grünen Knigge auch schon einen Fachbegriff für Diskriminierung von Menschen aus der Provinz bzw. aus kleinen Städten? Und warum wird eine Kooperation zwischen Union und AfD plötzlich als schwarz-braune Koalition tituliert? Wenn man schon das geistlose Farbenspiel mitmacht, müsste es ja eigentlich Schwarz-Blau heißen? Gab es nicht in den letzten Jahren zahlreiche Antifakonferenzen, in denen begründet wurde, dass die AfD eben nicht einfach die alte Rechte und schon gar nicht die NSDAP ist? Wird mit einen Vergleich zwischen NSDAP und AfD nicht auch der NS-Terror relativiert? Gibt es begründete Argumente, die diese Argumente entkräften?

Oder wird jetzt die AfD zur NSDAP aufgebaut, weil man so hofft, dass es für die Union es schwerer hat, mit der Rechtsaußenpartei zu kooperieren? Schließlich wurde in der Vergangenheit und wird von Konservativen teilweise bis heute das Bild einer stalinistischen Mauerpartei ausgegraben, wenn man verhindert will, dass Grüne und SPD mit der Linkspartei kooperieren. Das klappt immer weniger und ist politisch widersinnig. Genauso falsch ist es, die AfD zu einem braunen Wiedergänger der NSDAP zu erklären. Man muss sie vielmehr als modernisierte Rechte kritisieren, die ideologisch sehr gut zum Konkurrenzkapitalismus passt. Dabei gibt es viele Schnittmengen zur Union, wie eben die Politiker aus Sachsen-Anhalt in ihren Erklärungen deutlich machen.

Wenn die Politiker aus Sachsen-Anhalt sich gegen „ungesteuerte Migration“ und die „Zunahme an neuer brutaler Kriminalität“ wenden, kupfern sie nicht etwa von der AfD ab oder verwenden Naziparolen. Das sind Positionen, wie sie in der Union schon immer gebraucht wurden. Man kann mühelos Forderungen von Innenminister Seehofer zitieren, die noch viel eindeutiger rechts waren. Wenn der CDU-Politiker aus Quedlinburg erklärt, es müsse wieder gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen, dann ist das seit jeher die Unionsposition.

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„Verharmlosung von Satanismus“: Petition gegen TV-Serie „Good Omens“

Bild: © picture alliance / empics

Eine religiöse Organisation hat eine Petition gegen die Serie „Good Omens“ gestartet. Sie kritisiert, dass die Satire Satanismus verharmlose und Gottes Weisheit verspotte. Doch leider schickte sie die Unterschriften an den falschen Streamingdienst.

katholisch.de

Eine von der US-amerikanischen Organisation „Return to Order“ initiierte Petition gegen die Serie „Good Omens“ hat binnen kurzer Zeit über 20.000 Unterschriften gesammelt. Mit der Petition wolle man erreichen, dass die Serie aus dem Programm genommen wird, weil sie „Satanismus als normal, mild und zulässig“ darstelle, heißt es auf der Website der katholischen Organisation. Außerdem könne man nicht akzeptieren, dass Gott von einer Frau gesprochen werde.

Die Serie ist eine Adaption der erfolgreichen Apokalypsen-Satire „Good Omens“ („Ein gutes Omen“) von Terry Pratchett und Neil Gaiman, die im Jahr 1990 erschienen ist. Darin geht es um den Engel Erziraphael und den Dämonen Crowley, die als Botschafter von Gut bzw. Böse auf Erden leben.

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Antivegane Religioten

Colin Goldner, ©brightsblog

Und schon wieder erschien ein Artikel auf dem hpd, der sich um das Thema „Veganismus“ dreht. Sehr zum Missfallen all jener Leserinnen und Leser, die es lieber sähen, wenn der hpd bei seinen „Kernthemen“ bliebe, sich also mit Atheismus, Religionskritik, Trennung von Staat und Kirche und dergleichen befasste, anstatt in nachgerade sektenhaft anmutendem Glaubenseifer vegane Ernährung zu einer Art Ersatzreligion zu stilisieren.

Colin Goldner | hpd.de

Ich selbst, der ich vor knapp einem Jahr in einem Artikel „Vegan Religion?“ eben diesen Vorwurf aufgriff und dabei in einem Nebensatz erwähnte, seit gut 25 Jahren vegan zu leben, musste mich von einem Leserbriefschreiber belehren lassen, dass die „eifrigsten Veganverfechter“, zu denen er offenbar auch mich zählt, „nicht wahrhaben wollen oder können, dass ihre Ideologie deutliche Züge einer missionarischen Heilslehre zeigt“; ganz abgesehen davon, dass „all die hier immer wieder auftauchende penetrante Werbung in veganer – und somit in letzter Konsequenz inhumaner – Sache nervt.“ Anderweitig erboste sich ein Leser, dass schon wieder „Veganismus“ thematisiert werde, obwohl doch kürzlich erst „massenhaft dagegen Einspruch erhoben wurde, dass ein dem Rationalismus verpflichtetes Forum ständig dafür mißbraucht wird, für eine sektenähnliche Minderheit Propaganda zu machen“. Echt jetzt? Der hpd als Plattform für eine Art Vegansekte, die in penetrant-missionarischer Manier Propaganda macht für ihre irrational-inhumane Minderheitensache?

In der Tat scheinen die Artikel Daniela Wakoniggs, Armin Pfahl-Traughbers, Falko Pietschs und anderer zum Thema „Veganismus“ einen Nerv zu treffen, was sich nicht zuletzt an der jeweils überdurchschnittlich hohen Zahl an Leserzuschriften zeigt, die die Redaktion erreichen; einschließlich einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Beschwerden, dass ausgerechnet in einem säkularen Medium wie dem hpd (quasi-)religiös besetzte Unsinnsthemen wie „Veganismus“ – oder in weiterem Sinne: Beiträge zu Tier- Arten-, Natur- und Klimaschutz – sich breitmachten.

Beyond Meat

Als hpd-Autor Sebastian Hackauf unlängst über den Megahype berichtete, den der rein pflanzliche „Beyond Meat“-Burger in den USA auslöste – ein fleischloses Burger-Pattie, das in Aussehen, Textur und Geschmack von echtem Fleisch kaum mehr zu unterscheiden ist – beklagte sich einer der Dauerleserbriefeschreiber darüber, auf hpd immer wieder parareligiös verkleisterte oder schlicht antihumanistische Veganpropaganda lesen zu müssen, nach dem Motto: „Werdet gefälligst vegan oder wir unterstützen euch nicht mehr! Unterstützt gefälligst die Tierrechte oder wir unterstützen keine Menschenrechte mehr! Wer Tiere nutzt, ist ein Nazi!“

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