Thurgauer ging Kirchenglocke gewaltig auf den Wecker – da griff er zu rabiaten Methoden

Die Kirche Wäldi. zvg
Weil die Kirche seiner Familie den Schlaf raubte, griff ein Anwohner zu rabiaten Mitteln. Die Kirchgemeinde zerrt den Mann sogar vor Gericht.

watson.ch

Das Bezirksgericht Kreuzlingen befasst sich derzeit mit einem äusserst skurrilen Fall.

Ein 45-jähriger Familienvater steht vor Gericht, weil er in der Kirche von Wäldi TG die Glocken zum Schweigen gebracht haben soll. Ende 2015 fiel das Morgengeläut aus unerklärlichen Gründen immer wieder aus. Darauf schickte die Kirchgemeinde mehrmals einen Turmtechniker, der keine Erklärung für die Panne fand.

Erst im Juli 2016 entdeckte man den Übeltäter, wie die Thurgauer Zeitung berichtet. Eine im Dachgebälk versteckte Zeitschaltuhr unterbrach jeweils um 6 Uhr morgens die Stromzufuhr zum Schlagwerk der Turmglocke!

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Warum unser Wertefundament nicht christlich ist

Unsere deutschen Werte gründen nicht auf dem Christentum, sondern auf den Menschenrechten / picture alliance
Erst müssen wieder Kreuze in bayrischen Behörden hängen, dann fordert Markus Söder Religions- und Werteunterricht für Flüchtlingskinder. Die katholische Kirche drängt zurück in den Alltag. Dabei mussten wir unsere Werte erst gegen sie durchsetzen

Von Ortlieb Fliedner | Cicero

Gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Deutschen gehört einer christlichen Kirche an. Trotzdem wird die Debatte um die Werte in unserer Gesellschaft, die unsere Identität ausmachen sollen, von Befürwortern christlicher Wertvorstellungen vollkommen dominiert. Die christlich-abendländische Leitkultur wird Fremden, die in unser Land kommen, wie ein Gesslerhut hingehalten. Kreuze werden in Bayern in jede Amtsstube gehängt, damit „die geschichtlich-kulturelle Identität und Prägung Bayerns“ nicht vergessen wird.

Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters definierte jüngst in der Zeit sogar unsere Demokratie als christlich. Damit schließt sie sich dem Votum von Professoren an, nach dem die Neutralität des Staates ein Mythos sei. Diese Wiedererweckung christlicher Werte hat allerdings vor allem den Sinn, eine andere Religion auszugrenzen. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte erst kürzlich wieder Bundesheimatminister Horst Seehofer.

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Hans-Christian Ströbele: „Ich trage einige Geheimnisse der RAF mit mir herum“

„Ich war gut im Schießen“: Western-Fan Ströbele Foto: Paulus Ponizak
Die Antwort kam prompt. Und sie fiel positiv aus. „Lieber Herr Ströbele, würden Sie mir ein Interview über das Altern geben?“, hatte ich per SMS gefragt. Und Hans-Christian Ströbele hatte rasch geantwortet: „Ja, würde ich. Bitte rufen Sie nächste Woche an.“

Von Markus Decker | Berliner Zeitung

Als ich im Büro des 78-Jährigen in Berlin-Moabit erscheine, ist er reservierter. „Ich muss ja nicht alles beantworten“, sagt er, leicht mürrisch. Das allzu Persönliche und Emotionale behagt Ströbele nicht. Die Antworten fallen dann kürzer aus. Und während der Anwalt und langjährige grüne Bundestagsabgeordnete bei den heiteren Themen auf seinem Bürostuhl vorrutscht, rutscht er bei den weniger heiteren schon mal ein Stück zurück.

Tatsächlich hat für Hans-Christian Ströbele hat eine neue Lebensphase begonnen, nachdem er das Parlament im Herbst verlassen und sein Büro Unter den Linden geräumt hat. Sein Renteneintritt kommt über zehn Jahre später als üblich. Und nach wie vor hat Ströbele keine Lust auf Ruhestand. Als wir uns nach neunzig Minuten bei einbrechender Dämmerung im Flur verabschieden, ist er wieder ganz in seinem Element. Es geht um die Politik – und um die Zukunft. Das ist sein Leben.

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RDF Talk – Hamed Abdel-Samad: Integration

Vortrag von Hamed Abdel-Samad am 9. Mai 2018 im „Haus der Wissenschaft“ in Bremen.

Richard-Dawkins-Foundation

Der ägyptische Politikwissenschaftler und Historiker Hamed Abdel-Samad ist einer der international wichtigsten Kritiker des politischen Islam. In Deutschland gehört er zu den gefragtesten Islamexperten in Presse, Funk und Fernsehen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. die Bücher: „Abschied vom Himmel“ (2009), „Der Untergang der islamischen Welt“ (2010), „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“ (2011), „Der Islamische Faschismus“ (2014), „Mohamed“ (2015) und „Ist der Islam noch zu retten?“ (2017). Hamed Abdel-Samad ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Über das Buch:
https://www.droemer-knaur.de/buch/9558029/integration

Der Autor:
https://www.droemer-knaur.de/autoren/6896619/hamed-abdel-samad

Begriffsverwirrung „Achtsamkeit“

Themenbild: bb
Bereits in dem ersten Artikel zum Thema Achtsamkeit/Gewahrsein hatte ich geschrieben, dass diese Begriffe abgenutzt und esoterisch besetzt sind. Wovon ich hier gesprochen habe, ist das Gewahrsein, das sich in „Eiland“ von Aldous Huxley findet.
Man kann diese unterschiedliche Begriffsverwendung eigentlich gar nicht kritisieren, denn andere Menschen haben eben einen anderen Fokus und wollen von etwas anderem sprechen. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob irgendwer einen ursprünglich anders verwendeten Begriff später umdefiniert hat, vielleicht nicht das darunter verstanden hat, was eigentlich einmal gemeint war.

Föderation des Determinismus

Unzweifelhaft ist die Denkweise der Achtsamkeit in verschiedenen östlichen Strömungen enthalten. Huxley zum Beispiel hatte engen Kontakt zu Krishnamurti – zu einem seiner Bücher verfasste Huxley sogar ein Vorwort, in dem es auch um Achtsamkeit ging. Das war 1948 und es scheint, dass Huxley den Begriff aus der Religion und Strömungen der östlichen Philosophie gelöst und für seine eigenen Zwecke verwendet hat.

Andere Aussagen, die mit dem Gewahrsein von Huxley nicht vereinbar sind, die ich hier nur beispielhaft herausgreife:

  1. Gewahrsein bedeutet bewusste Konzentration auf etwas.

Das ist in dieser Form nicht verständlich. Wenn ich am Computer sitze, konzentriere ich mich auch bewusst auf meine Arbeit. Es geht beim Gewahrsein aber um das wertungsfreie Wahrnehmen der direkten Umgebung und des eigenen Körpers mitsamt dem eigenen Befinden. Gerade diesen Aspekt blende ich aber aus, wenn ich mich auf meine Arbeit konzentriere. Selbst wenn ich vor einem Ölbild im Museum sitze und mich in ein Meisterwerk vertiefe, dieses aufmerksam betrachte, auch wenn ich dabei nicht analysiere, so ist dabei doch überhaupt nicht enthalten, wie es mir dabei geht, wie die Stimmung im Raum ist und so weiter. Diese Form der Konzentration und des bewussten Wahrnehmens mag ein Thema für sich sein: Es geht dort aber nicht um die Realität des Hier und Jetzt.

  1. In der Musik kannst Du ganz aufgehen. Das ist Gewahrsein, die Musik vollständig zu erfassen, vielleicht sogar dazu zu tanzen und eins zu werden mit der Musik.

Wenn man ein Musikinstrument spielt, ist das etwas ganz selbstverständliches. Man muss den Emotionalen Ausdruck der Musik selbst fühlen, um ihn im Spielen ausdrücken zu können. Das ist kein rationaler Prozess, sondern in der Musik spiegelt sich die Emotionalität. Jede Rationale Überlegung wird dabei ausgeblendet (wenn man über die Stufe hinaus ist, an der Technik zu feilen), man fühlt sich eins mit der Musik. Sicherlich ist die Musik auch im Hier und Jetzt existent. Auch das ist aber etwas ganz anderes, als Gewahrsein in „Eiland“. Ich kann 45 min. Geige spielen und merke dann erst später, dass mir eigentlich die Finger schmerzen und das meiner Wirbelsäule die Haltung nicht gut getan hat. Das Versenken in die Musik hat durchaus einen innerlich erfüllenden Wert, in der man sich emotional erden kann und auch die Emotionen schon durch die Auswahl des Musikstücks steuern kann – wenn man denn nicht total unmusikalisch ist oder es quasi „angelernt“ hat, die emotionalen Wendungen von Musik auszublenden. Selbst wenn der Musikgenuss bewusst erfolgt, dies ist eher etwas derealisierendes und führt dazu, dass Aspekte des Hier und Jetzt ausgeblendet werden. Musik kann sogar der Flucht aus der Realität dienen. Aufgrund der Smartphoneapps ist es aktuell wieder modern geworden, mit Kopfhörern herum zu laufen und dabei Musik zu hören: Die Selbstwahrnehmung und die gesamte Szenerie, in der man sich bewegt, wird damit in eine andere Empfindungsrealität getunkt – was sicherlich auch der Sinne der Sache sein mag.

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Sollen religiöse Symbole in der Schule erlaubt sein?

Die Journalistin Daniela Wakonigg und der katholische Theologe Klaus von Stosch
Nicht erst seit dem bayerischen Beschluss über Kreuze in Behörden wird über die Verwendung von religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden diskutiert. In Schulen stand vor allem häufig das Tragen des Kopftuches muslimischer Leherinnen im Fokus. Die Journalistin Daniela Wakonigg und der Theologe Klaus von Stosch diskutieren.

Daniela Wakonigg und Klaus von Stosch im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Daniela Wakonigg ist Journalistin und Leiterin des Ketzerstammtischs in Münster. Sie sagt:

Nein, religiöse Symbole in Schulen sollten meiner Meinung nach nicht erlaubt sein. Für die Schule gilt – ebenso wie für andere staatliche Einrichtungen – das Neutralitätsgebot. Und zwar sowohl für den Ort als auch für die Personen, die den Staat repräsentieren. Die sollten zwar frei darin sein, eine Weltanschauung zu haben, aber eben nicht darin, sie jederzeit vollumfänglich ausleben zu dürfen. Religiöse Symbole können Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Freizeit gern tragen, aber eben nicht, während sie gerade den neutralen Staat repräsentieren.

Schwieriger ist es bei Schülerinnen und Schülern, die ja nicht den Staat repräsentieren. Allerdings muss man diesbezüglich zwei Fragen stellen. Erstens: Ist bei einem Verbot religiöser Symbole hier wirklich die Religionsfreiheit verletzt? Denn inwiefern kann man z.B. bei einem 8-jährigen Mädchen von einer freien Entscheidung für das Kopftuch sprechen, wenn man sagt, dass ein Kind erst ab 14 religionsmündig ist? Und zweitens: Welche Auswirkungen hat das demonstrative Tragen religiöser Symbole auf die Gemeinschaft der Schüler?

Klaus von Stosch ist katholischer Theologe und Autor des Buches „Herausforderung Islam. Christliche Annäherung“. Er sagt:

Ein Grundirrtum des europäischen Umgangs mit Religion besteht darin, dass diese eine rein innerliche Angelegenheit sind. Richtig ist, dass viele Religionen sich in Symbolen ausdrücken wollen, ja ausdrücken müssen.

Die meisten katholischen Priester verstehen ihr Amt so, dass sie auch im Alltag und dann auch in der Schule in ihrer Rolle erkennbar sein sollen und sie tragen deshalb ein kleines Kreuz am Revers. Viele Rabbiner denken, dass sie auch außerhalb der Synagoge und also auch in der Schule ihre Kippa tragen sollten. Der weltanschaulich neutrale Staat hat nicht darüber zu befinden, ob diese Ausdrucksgestalt von Religion wirklich erforderlich ist, sondern er muss sich entscheiden, ob er Religionsfreiheit gewähren will oder nicht.

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Das islamische Kopftuch – ein religiöses Symbol?

Konya 1968
Anfangs April erwog die nordrhein-westfälische Regierung – sicherlich auch inspiriert durch die jüngsten Entwicklungen in Österreich – ein Kopftuchverbot für junge Mädchen unter 14 Jahren.

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Der Integrationsminister des Bundeslandes, Joachim Stamp von der FDP, äußerte sich gegenüber den Medien, dass religionsunmündige Kinder nicht dazu gedrängt werden dürfen, ein Kopftuch zu tragen. Daher soll ein Verbot geprüft werden. Einige Tage später meldete sich unter vielen auch die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, zu Wort und warnte in ihrer Erklärung insbesondere vor „Verboten einzelner religiöser Symbole“. Wer das muslimische Kopftuch an Schulen verbieten wolle, löse damit keine Integrationsprobleme, sondern trage vielmehr dazu bei, dass sich Schülerinnen ausgegrenzt fühlen würden, meinte sie zum Vorhaben. Darüber hinaus sei eine solche „Spezialgesetzgebung“ auch verfassungsrechtlich problematisch, da Religionen somit ungleich behandelt würden.

Das islamische Kopftuch stellt entgegen der Ansicht von Christine Lüders kein religiöses Symbol dar, was natürlich auch für alle anderen islamischen Verschleierungsarten zutrifft. Lüders ist natürlich nicht allein mit ihrer falschen und völlig unqualifizierten Auffassung, was allerdings in Anbetracht ihrer Funktion in ihrem besonderen Fall doch etwas bedenklich ist. Jemand, der sich mit Diskriminierungsfragen auseinandersetzt, sollte sich jedoch etwas besser mit dem Islam auskennen und nicht Dinge behaupten, die nicht stimmen. Die Frage, die ich damit als erstes beantworten möchte ist, was unter einem Symbol und einem religiösen Symbol zu verstehen ist.

Ein Symbol ist – wenn man sich an eine möglichst genaue Definition heranwagt – ein Zeichen, das einen tieferen Sinn vermittelt; ein anderer Ausdruck dafür ist Sinnbild. Mit einem religiösen Symbol werden Kerngedanken von Religionen bildlich ausgedrückt, die regelmäßig einen tieferen Sinn haben, der in einer Religion enthalten ist. Auch Zahlen können Symbolcharakter haben, natürlich auch in einer Religion wie die Zahl 3 im Christentum. Christliche Symbole im engeren Sinne sind etwa das Kreuz, welches die Christen an die Passion Jesu erinnert oder die eucharistischen Fische. Die meisten Leser kennen sicherlich auch den Davidstern der Juden, der die Beziehung zwischen Menschen und Gott symbolisiert oder die Menora. Bekannt ist sicherlich auch das achtspeichige Rad des Dharma im Buddhismus und Hinduismus, was wir von der Nationalflagge von Indien kennen sollten. Weniger bekannt sind das achtzackige Stern der Bahai oder das Khanda-Emblem der Sikhs, die ebenfalls religiöse Symbole darstellen.

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Esoterik und Religion: Eh alles das Gleiche, oder?

Foto: istockphoto.com/at/portfolio/creativaimages Religion, Esoterik, Spiritualität – alles eins?
Die Empörung war groß, als in den vergangenen Wochen publik wurde, dass im Rahmen eines Krankenhausbaus in Wien von öffentlichen Stellen ein sehr hoher Betrag für einen „Esoteriker“ ausgegeben wurde, der angeblich einen energetischen „Schutzring“ errichten wollte, dessen genaue Funktion und Gestalt bislang noch keiner wirklichen Definition zugeführt wurde.

Franz Winter | derStandard.at/Blog

Der dabei kolportierte Betrag – 95.000 Euro – ist nach allen bekannten Maßstäben in der Tat exorbitant und der Ruf nach politischer Verantwortung zeigte bald seine Folgen. Auffällig war, wie sehr diese Diskussion die Gemüter erregte. Diskussionsforen – nicht nur die im STANDARD – explodierten geradezu und insbesondere die Aktivisten der sogenannten „Skeptiker“, des österreichischen Ablegers der „Gesellschaft für die wissenschaftlichen Untersuchung von Parawisssenschaften“ (GWUP), konnten ihre Expertise einbringen, indem sie in erster Linie den „Unsinn“-Charakter eines solchen Unternehmens hervorstrichen. Dass man da wenig „skeptisch“ argumentierte, sondern zuweilen äußerst dogmatisch, steht auf einem anderen Blatt.

Die Katholische Kirche reagierte auf den Skandal gewitzt und meinte: „Ein einfacher Segen wäre günstiger gewesen“. Womit ein Thema berührt ist, das im Folgenden näher betrachtet werden soll. Unterschwellig in der Diskussion präsent ist nämlich die These, dass sich hier etwas präsentieren würde, das ganz allgemein unter dem Label Religion zu versammeln sei. Ist nun Esoterik einfach Religion oder möglicherweise irgendetwas ganz anderes, was eben „mit Religion nichts zu tun hätte“, wie entgegengesetzt oft behauptet wird?

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Voltaires Bücher stecken voller ungeschminkter Wahrheiten

Der Philosoph Voltaire (1694-1778) war einer der einflussreichsten Autoren der europäischen Aufklärung Quelle: picture-alliance / maxppp
Voltaires „Philosophisches Wörterbuch“ ist eine messerscharfe Anleitung zum Selberdenken. Sein Werk aus dem Jahr 1794 ist zwar eine Kampfschrift, hat aber gar nichts Verbissenes oder Angestrengtes.

Von Denis Scheck | DIE WELT

Recht so, meine Herren, erobert euch die Erde, denn sie gehört dem Starken oder dem Geschickten, der sich ihrer bemächtigt. Ihr habt euch die Zeiten der Unwissenheit, des Aberglaubens, des Wahnsinns zunutze gemacht, um uns unser Hab und Gut zu rauben und uns mit Füßen zu treten, um euch auf Kosten der Unglücklichen zu mästen. Zittert vor dem anbrechenden Tag der Vernunft.“

Hier spricht eine Stimme wie eine Axt. Und diese Axt dringt Schlag um Schlag in den Stamm der Gesellschaftsordnung ihrer Zeit. Diese Stimme spricht wie eine Mischung aus Hans Magnus Enzensberger und Arno Schmidt, mal ironisch, mal polemisch, mal beredt und besonnen argumentierend, mal aggressiv auftrumpfend und durchdrungen von schneidender Intelligenz.

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Markus Söder: Dodo des Monats April 2018

Dodo des Monats April 2018 ©HFR

Bayern im Frühjahr 2018. Markus Söder besteigt den Thron des Landesherren und verfügt überall soll Kreuz sein. Zwangsmission wie im Mittelalter, gerade so, als wenn die Aufklärung der letzten 300 Jahre überhaupt nicht stattgefunden habe. Landesherrlich verkündet Protestant Söder die Hegemonie des Kreuzes für bayrische Behörden.  Grundgesetz, was juckt das Grundgesetz, den Gotteswahnsinnigen juckt es nicht, nur die Gesetze seines imaginären Freundes im Nirgendwo.
Die religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates ist kein Begriff aus dem Verfassungstext, ist jedoch aus den Artikeln 3 III, 4 I, 33 III GG und Artikel 136 I, IV Weimarer Reichsverfassung herleitbar. Soweit die Theorie, es sind Politiker wie Söder, und er ist da bei weitem nicht der einzige, die das Gebot der religiös-weltanschaulichen Neutralität mit den Füßen treten und mit den Händen schlagen.  Söder verordnet seinen Untertanen behördliches Christentum. Die sinkende Bedeutung der Kirchen machen Politiker wie der Protestant Söder wett, azyklisch versteht sich, geht es der Politik um den Glauben wird gelogen, dass sich die Balken des Kreuzes biegen. Er ist nicht die hellste Kerze auf der Torte namens CSU aber mit einem durchaus krankhaft zu nennenden Ehrgeiz behaftet, der Gotteswahn tut ein übriges dazu. Man wartet auf den Tag, an dem Söder ausruft: „Ich bin Jesus.“ Ein Politiker der seine Religion wie ein radschlagender Pfau in der Öffentlichkeit prostituiert. Politisch-religiöse Nuttigkeit.

Das Kreuz sei Liebe. Soviel Liebe, dass vor Jahren der Ratzinger-Papst vom Kreuz stieg, weil er dessen überdrüssig war und ein beschauliches Klosterleben vorzog.

Das Kreuz in wandelbarer Tradition, ob nun als Tatzenkreuz des Deutschen Ritterordens, der Templer, das Eiserne Kreuz bis hin zum Balkenkreuz der Wehrmacht und der Bundeswehr. In der Tradition steht das Kreuz der Christenheit für Aggression, Eroberung, Krieg, Dinge die Protestant Söder noch nicht einmal in Erwägung zieht. Das Kreuz als Macht-und Anspruchssymbol. Und so tut er ein übriges dazu, den Untertanen das Kreuz zu verordnen.

Leere Kirchen, aber spuckt man in bayrischen Landen aus, trifft man unweigerlich ein Christen-Kreuz. Bedford-Strohm umschleicht seinen Ministerpräsidenten wie ein subalterner Lakai, Marx anfänglich durchaus kritisch, kriecht mittlerweile zu Kreuze. Herrlich, wenn wir schon als Kirchen zu blöd sind unseren Bedeutungsverlust umzukehren, haben wir in Söder ja einen der rigoros missioniert.

Wie chronisch und vor allem tief manifestiert der Gotteswahn bei Söder ist, zeigt folgendes Beispiel:

In der Debatte um die MTV-Zeichentrickserie Popetown, für die der Sender mit einem vom Kreuz gestiegenen lachenden Christus vor einem TV-Gerät warb, forderte Söder 2006 ein klares Verbot von Blasphemie im Strafrecht. Wenn Kirche und Papst in einer Zeichentrickserie für Jugendliche lächerlich gemacht würden, habe das „nichts mehr mit Satire zu tun“. Er forderte, der § 166 des Strafgesetzbuches müsse um konkrete Schutztatbestände erweitert werden. Er begründete seine Position im Folgenden weiterhin damit, dass religiöse Symbole endlich gesetzlich geschützt werden müssten.

Nachdem Volker Beck erklärt hatte, der § 166 StGB sei „nicht mehr zeitgemäß“ und „ein Relikt aus voraufklärerischer Zeit“, erwiderte Söder: „Volker Beck spinnt.“ Er erklärte, der Schutz und die Achtung religiöser Gefühle gehörten zu den „Grundwerten unserer Gesellschaft“. Mit der CSU werde es daher eine Abschaffung des strafrechtlichen Verbots der Gotteslästerung „niemals“ geben. Stattdessen sei eine Verschärfung des Paragrafen notwendig, um religiöse Symbole besser vor Verunglimpfungen zu schützen.Wikipedia

Söder ist erst wenige Wochen im Amt, wir dürfen gespannt sein, welche Religiotie in Bayern noch verkündet werden wird.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Klartext in der Integrationsdebatte

© : cc CK-PHOTOGRAPHIE
Hamed Abdel-Samad ist am 9. Mai 2018 um 19 Uhr auf Einladung der Richard Dawkins Foundation zu Gast im Haus der Wissenschaft in Bremen und wird dort sein neues Buch vorstellen.

Von Johannes Kandel | Richard-Dawkins-Foundation

Hamed Abdel-Samads neues Buch wird, das kann man jetzt schon sagen, sicherlich wieder zum Bestseller. Es ist uneingeschränkt empfehlenswert. Der Autor hat erstens ein gut lesbares Buch in einer gelungenen Mischung aus wissenschaftlichen Erörterungen und Erzählungen vorgelegt. Zweitens befasst er sich intensiv mit der vorwiegend quantitativ ausgerichteten Migrationsforschung. Drittens bietet er einen eher „qualitativen“ Zugang zu seinem Thema (Erzählungen, Praxisberichte, Interviews). Viertens redet er – wie in seinen bisherigen Büchern – Klartext und lässt kein schwieriges Thema aus. Fünftens unterbreitet er am Schluss Lösungsvorschläge (Integration ist möglich, es braucht einen „neuen Marshallplan für Deutschland“ (Seite 234 ff.).

Auseinandersetzung mit der Migrationsforschung

Vor dem Hintergrund einander widersprechender empirischer (quantitativer) Studien, die sich häufig nur auf Teilaspekte (wie etwa den Arbeitsmarkt) konzentrieren, stellt Abdel-Samad ernüchtert fest, dass die „Wissenschaft immer mehr zu einer Glaubenssache“ geworden ist (Seite 27). Die Medien verstärken das, indem sie „einordnen“ und „bewerten“ und sich auch nicht scheuen, den „moralischen Zeigefinger zu erheben“ (Seite 27). Im Blick auf das Gelingen oder Scheitern von Integration gibt die Forschung empirisch sowohl positive Signale (z.B. Bertelsmann Studie 2017, Deutschland postmigrantisch, 2014 ff.) als auch skeptisch-pessimistische Einschätzungen. (Münster Studie, 2016, Koopmans, 2014).

Das Gelingen oder das Scheitern von Integration werden in den Sozialwissenschaften auf vier Ebenen der Integration diskutiert:

  1. Strukturelle Ebene (z.B. Bildungs- und Arbeitsmarktdaten).
  2. Kulturelle Ebene (umfasst sogenannte „Signifikanten“ wie „Fragen zum Kopftuch, zur Teilnahme am Sport- und Schwimmunterricht oder zur Sprachkompetenz“)
  3. Soziale Ebene (z.B. Freundschaften, Vereinsmitgliedschaften, Nachbarschaftskontakte).
  4. Identifikative Ebene (emotionale Verbundenheit und Zugehörigkeitsgefühle zu einem Land) (Seite 33).

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Wahl Dodo des Monats April 2018

Dodo des Monats April 2018 ©HFR

Drei Haupthemen haben die Medien im Monat April beherrscht, der § 219a StGB, das Werbeverbot für Abtreibungen, die antisemitischen Vorkommnisse, religiöses Mobbing und die bayrische Kreuzespflicht. Markus Söders Gotteswahn spaltet die Gesellschaft, einschließlich derer, für die er vorgibt zu sprechen. Wurde früher mit dem Schwert missioniert erfolgt dies heute mittels Kabinetts-Ordre, demokratisch begründet. In Bayern sitzen die wahren Christen, alles andere sind Idioten, so die Botschaft des bayrischen Ministerpräsidenten. Wenn im Herbst der neue bayrische Landtag gewählt werden wird, ist das Kreuz auf dem Wahlzettel gleichzeitig christliche Botschaft, Söder wird seinen Zettel voller Rührung ankreuzen. Gottespartei CSU, nichts gilt mehr.

Die Wahl ist bis zum 07.05. 2018, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden. Viel Spaß. Hier sind die Kandidaten.

  1.  Helge Braun, „Plakate am Straßenrand, die für Abtreibung werben sind ihm ein Gräuel.“
  2.  Ursula von der Leyen, „braucht mehr Geld für ihre Bundeswehr, sie könnte es auch gleich verbrennen.“
  3.  Peter Tauber, „Trennung von Kirche und Politik sind ihm nicht vorstellbar, verdammter Mangel an Fantasie.“
  4.  Markus Blume, “ wer das Kreuz verweigert ist ein Religionsfeind.“
  5.  Aiman Mazyek, „Antisemitismus ist eine Sünde im Islam.“
  6.  Kollegah, „für seine profunde Widerlegung der Evolutionstheorie.“
  7.  DiTiB, „spielt Krieg in den Moscheen und ist dann über sich selbst entrüstet.“
  8. Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, „Luthers Judenhass ist Gotteslästerung.“
  9. Markus Söder, „in jeder Behörde Bayerns muss ein Kreuz hängen.“
  10. Markus Dröge, „möchte Menschen vorschreiben, wie nach ihrem Tod mit ihnen verfahren wird.
  11.  Alexander Dobrindt, „offenbart Wissensdefizite in Sachen Demokratie.“

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Another Side of Feynman

Image: NAUTILUS
Nine letters by Freeman Dyson portray his relationship with the Nobel Laureate.

By Freeman Dyson | Introduction by Michael Segal | NAUTILUS

All through a long life I had three main concerns, with a clear order of priority. Family came first, friends second, and work third.”

So writes the pioneering theoretical physicist Freeman Dyson in the introduction to his newly published collection of letters, Maker of Patterns. Spanning about four decades, the collection presents a first-person glimpse into a life that witnessed epochal changes both in world history and in physics.

Here, we present short excerpts from nine of Dyson’s letters, with a focus on his relationship with the physicist Richard Feynman. Dyson and Feynman had both professional and personal bonds: Dyson helped interpret and draw attention to Feynman’s work—which went on to earn a Nobel Prize—and the two men traveled together and worked side by side.

Taken together, these letters present a unique perspective of each man. Feynman’s effervescent energy comes through, as does Dyson’s modesty and deep admiration for his colleague. So too does the excitement each scientist felt for his role in uncovering some of the foundations of modern-day theoretical physics.

November 19, 1947

Just a brief letter before we go off to Rochester. We have every Wednesday a seminar at which somebody talks about some item of research, and from time to time this is made a joint seminar with Rochester University. I am being taken in Feynman’s car, which will be great fun if we survive. Feynman is a man for whom I am developing a considerable admiration; he is the brightest of the young theoreticians here and is the first example I have met of that rare species, the native American scientist. He has developed a private version of the quantum theory, which is generally agreed to be a good piece of work and may be more helpful than the orthodox version for some problems. He is always sizzling with new ideas, most of which are more spectacular than helpful and hardly any of which get very far before some newer inspiration eclipses them. His most valuable contribution to physics is as a sustainer of morale; when he bursts into the room with his latest brain wave and proceeds to expound it with lavish sound effects and waving about of the arms, life at least is not dull.

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Warum wir unsere Meinungen nicht ändern

Bild: RDF
Niemand überdenkt sein Weltbild gerne. Es macht uns aus und gibt uns ein Zugehörigkeitsgefühl.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Die Irrationalität des Weltbildes ist dafür vollkommen unerheblich. Sogenannte kognitive Verzerrungen helfen uns dabei, wider die Fakten an unserer Meinung festzuhalten. Insbesondere politische Ansichten werden zunehmend durch Emotionen bestimmt und gefährden so den rationalen Diskurs.

Wie und warum sich Menschen vor neuen Überzeugungen schützen

Die Gesamtheit der persönlichen Überzeugungen eines Menschen beschreibt sein Weltbild. Wer in seinem Weltbild erschüttert wird, muss lieb gewonnene und über Jahre kultivierte Ansichten revidieren und hinterfragt dabei immer auch sich selbst oder die Gruppe, die dieses Weltbild reproduziert. Die eigenen Überzeugungen sind elementarer Bestandteil der eigenen Identität, weswegen sie auch um den Preis der intellektuellen Redlichkeit beschützt werden. Die Psychologin Dorothe Kienhues nennt ein treffendes Beispiel: „Für einen tiefreligiösen Menschen kann es sehr schwer sein, unvoreingenommen über embryonale Stammzellenforschung zu diskutieren.“1

Anstatt sich neuen Informationen, die mit dem eigenen Weltbild nicht vereinbar sind, also unvoreingenommen anzunehmen oder zumindest einer Überprüfung zu unterziehen, greifen sogenannte kognitive Verzerrungen, die es dem Individuum erlauben, hinsichtlich seiner Überzeugungen konsistent zu bleiben. Diese kognitiven Verzerrungen (cognitive bias) sind fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen und bleiben meist unbewusst.

Widersprüche, die sich durch neue Informationen ergeben, erzeugen eine sogenannte kognitive Dissonanz. Die gleichzeitige Existenz nicht miteinander vereinbarer Kognitionen (Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten) wird vom Individuum als unangenehm empfunden, weswegen es kognitive Dissonanz zu vermeiden versucht. In einer bildgebenden Studie konnte Drew Westen von der Emry University in Atlanta im Jahr 2004 belegen, dass Widersprüche zwischen Fakten und Wunschvorstellungen bestimmte Hirnareale wie den anterioren zingulären Kortex und den ventromedialen präfrontalen Kortex stärker durchbluten lassen.2 Diese Hirnareale gelten als Verarbeitungsstationen für negative Gefühle, Stresserleben und Schmerz.

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1Aus: Theodor Schaarschmidt: „Es fühlt sich so wahr an.“ Spektrum der Wissenschaft. Gehirn und Geist. 09/2017. S. 27.

2 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17069484

«Rasse» in der Genetik – «Vor bestimmten Resultaten hätte ich zu viel Angst»

Bild: 4ever.eu
«Rasse» ist ein heikler Begriff im Zusammenhang mit Menschen. Heute herrscht Konsens: «Rasse» ist ein soziales Konstrukt, der Begriff biologisch nicht haltbar. Unter menschlichen Populationen gibt es keine so grossen Unterschiede, dass man von Rassen sprechen könnte.

Interview Sarah Herwig | SRF

An diesem Dogma rüttelt der US-amerikanische Genetiker David Reich in einem Artikel in der New York Times, Link öffnet in einem neuen Fenster: In den letzten 20 Jahren, so Reich, habe die Forschung gezeigt, dass genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen doch grösser seien als angenommen. Sie bestimmten nicht nur die Hautfarbe, sondern beispielsweise auch die Körpergrösse oder die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten.

Das Festhalten an diesem Dogma und das Schweigen über genetische Unterschiede biete Raum für pseudowissenschaftliche Stimmen, schreibt Reich. In den USA hat dies einen Aufschrei und eine Debatte ausgelöst.

Diese Debatte sei eine gute Reaktion auf den Artikel, sagt Evolutionsbiologe Claus Wedekind von der Universität Lausanne.

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Europa am Scheideweg

Auf der Kippe. Die Zukunft Europas hängt davon ab, wie die Politik auf islamische und islamistische Forderungen reagiert. Bild: Keystone
Minderheitenkollektiv oder Citoyen-Individuum? Die Konzepte, die sich gegenüberstehen, sind unversöhnlich.

Bassam Tibi | Basler Zeitung

Jährlich kommen Millionen von Muslimen aus Nahost und Afrika nach Europa. Die EU, darunter auch Deutschland, sowie andere europäische Staaten stehen nackt da, ohne ein Politikkonzept im Sinn von Policy zu haben, um damit umzugehen. Das ist keine These, sondern die Realität. Meine Empfehlung lautet: Europa soll mit selbstbewusster Identität einen Ausweg aus diesem Dilemma finden und dabei an den Grundlagen dieser Identität festhalten.

Hierzu gehören erstens das «Laicité»-Prinzip der Trennung zwischen Religion und Politik und zweitens das «Subjektivitäts»-Prinzip, wonach der Mensch als vernunftbegabtes Individuum, also als säkularer Citoyen, von ethnischen und religiösen Kollektiven befreit in einem Gemeinwesen agiert. Der Mensch ist Rechtssubjekt, nicht Teil eines Minderheitenkollektivs. Genau das Gegenteil davon verlangen die organisierten Islam-Verbände, nämlich erstens Bindung der Religion an die Politik sowie zweitens Einordnung der zugewanderten Muslime in Kollektive, die von Salafisten, schriftgläubigem Islam und von Islamisten dominiert werden.

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Silent No More – Nicht länger schweigend

Bild. RDF
In den letzten Jahren ist viel über den Anstieg der „Keine“-Personen geschrieben worden, die bei Umfragen zur Religionszugehörigkeit das Kästchen für „keine“ ankreuzen.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Eine Harris-Umfrage von 2250 amerikanischen Erwachsenen im Jahr 2013 ergab zum Beispiel, dass 23 Prozent aller Amerikaner die Religion aufgegeben haben. Eine Umfrage des Pew Research Center im Jahr 2015 ergab, dass 34 bis 36 Prozent der Millennials (die nach 1980 geborenen) „Keine“ sind, bestätigte damit die 23 Prozent Darstellung und ergänzte, dass dies ein dramatischer Anstieg seit 2007 war, als nur 16 Prozent der Amerikaner sagten, sie seien mit keiner Religion verbunden. In Rohzahlen bedeutet dies einen Anstieg von 36,6 Millionen auf 55,8 Millionen „Keine“. Obwohl sie weit hinter den 71 Prozent der Amerikaner zurückbleiben, die sich in der Pew-Umfrage als Christen identifizierten, sind sie immer noch ein bedeutende Wählergruppe, weit größer als Juden (4,7 Millionen), Muslime (2,2 Millionen) und Buddhisten (1,7 Millionen) zusammen (8,6 Millionen) und vergleichbar mit politisch mächtigen christlichen Sekten wie der Evangelikalen (25,4 Prozent) und Katholiken (20,8 Prozent).

Diese Verschiebung weg von der Dominanz einer bestimmten Religion ist gut für eine säkulare Gesellschaft, dessen Regierung so aufgebaut ist, dass sie Sammelbecken der Macht davon abhält, größer zu werden und auf das Privatleben der Menschen überzugreifen. Aber es ist wichtig zu beachten, dass diese „Keine“ nicht unbedingt Atheisten sind. Viele haben sich von den Mainstream-Religionen in spirituelle New-Age-Bewegungen verwandelt, wie eine Umfrage von 2017 zeigt, die einen Anstieg von 19 Prozent im Jahr 2012 auf 27 Prozent im Jahr 2017 bei denjenigen, die „spirituell, aber nicht religiös“ angaben, verzeichnet. Von dieser Gruppe bezeichneten nur 37 Prozent ihre religiöse Identität als atheistisch, agnostisch oder „nichts Besonderes“.

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Jenseits von Himmel und Hölle

Ägypten ist weit davon entfernt, eine gottlose Gesellschaft zu sein: Mitglieder einer Sufi-Bruderschaft gedenken Husseins, eines Enkels des Propheten Mohammed. (Bild: Amr Abdallah Dalsh / Reuters)
Wer in der arabischen Welt nicht an Gott glaubt, gilt wahlweise als Extremist oder als psychisch gestört. Auch in Ägypten steht Atheismus womöglich bald unter Strafe.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Zweimal, sagt Ismail Mohamed, habe er echte Todesangst verspürt. Zweimal sei er nicht vorsichtig genug gewesen. Beim ersten Mal habe ihn ein Mann in ein Café in Alexandria eingeladen. «Der Typ schien eigentlich ganz freundlich zu sein. Er sagte, er hätte mich im Fernsehen gesehen. Er wollte mit mir über den Islam reden. Als ich aufstand und zur Toilette ging, richtete er eine Pistole auf mich.» Gott sei Dank, erzählt Mohamed, habe der Mann zu lange gezögert. «Seine Hand zitterte. Die Leute im Café konnten ihn deswegen überwältigen. Sie übergaben ihn der Polizei.»

Beim zweiten Mal habe er sich auf einer belebten Strasse in Kairo aufgehalten. Wieder sei er erkannt worden. «Ich hörte nur, wie jemand rief: ‹Der da, der glaubt nicht an Gott! Verprügelt ihn!› Plötzlich war ich von einer wütenden Menge umgeben. Alle redeten auf mich ein. Es war aussichtslos, mit den Leuten zu diskutieren. Einer zog ein Messer.» Gerade noch rechtzeitig sei Hilfe erschienen, die Polizei habe ihn auf die Wache genommen und verhört. Gott sei Dank sei er dort an keine Sadisten geraten und frei gelassen worden.

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Oder die Unterstützung eines der Projekte auf betterplace.org.

Wie kann man sich einbringen?

Wer mehr als ein Fördermitglied sein und aktiv helfen möchte, jeder hat Fähigkeiten, die die Säkulare Flüchtlingshilfe gut gebrauchen kann.

Man kann im direkten Kontakt mit Flüchtlingen stehen und ihnen bei Behördengängen und im Alltag helfen.

Man kann Flüchtlingen beim Deutsch lernen helfen.

Wer fließend Arabisch oder Farsi spricht, kann bei der Übersetzung von Artikeln auf der Website der Säkulare Flüchtlingshilfe helfen.

Wer gute juristische Kenntnisse hat, kann Flüchtlinge und dem Verein in rechtlichen Fragen unterstützen.

Wer eine psychologische Ausbildung hat, kann die Säkulare Flüchtlingshilfe bei Einzelfragen oder bei der Suche nach den richtigen Therapieplätzen helfen.

Wer sich bereits in einem anderen Projekt für Flüchtlinge engagiert, kann seine Unterstützung anbieten.

Wer gerne schreibt, kann Artikel über die bewegenden Geschichten von Flüchtlingen für den Blog der Säkularen Flüchtlingshilfe erstellen.

Wer gerne Fotos oder Videos macht, Erfahrung mit der Bearbeitung von Bild- und Tonmaterial hat, IT-technisch versiert ist und sich mit Aufbau und Design von Websites auskennt, kann seine Erfahrung einbringen.

Man kann Flüchtlingen Nachhilfe geben, etwa auf den Gebieten Mathematik, Physik oder Chemie.

Wer ein Zimmer frei hat oder anderen Wohnraum, kann diesen temporär einzelnen Flüchtlingen zur Verfügung stellen kannst (i.d.R. für 3–7 Tage).

Wer organisatorisches Talent hat, kann gerne bei der Vereinsarbeit helfen.

Fast alles kann helfen. Kontakt: info@atheist-refugees.com

Das Berliner Neutralitätsgesetz auf dem Prüfstand

Am 16.04.2018 wurde im Berliner Abgeordnetenhaus in der Partei Bündnis 90/Die Grünen kontrovers über das Berliner Neutralitätsgesetz diskutiert. Dieses Gesetz wurde im Jahr 2005 beschlossen. Es fordert die Beschäftigten des Landes Berlin dazu auf, sich mit ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis in den Bereichen, in denen Bürger*innen in besonderer Weise dem staatlichen Einfluss unterworfen sind, zurückzuhalten. Bereits im Dezember 2017 war eine Debatte angestoßen worden.

Hanna Fülling | EZW

Teile der Berliner Grünen bewerten das Berliner Neutralitätsgesetz als inkompatibel mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gegen ein pauschales Kopftuchverbot aus dem Jahr 2015. Neben Kritikern gibt es jedoch glühende Verteidiger, die sich in der Initiative „Pro Berliner Neutralitätsgesetz“ zusammengeschlossen haben.

Für die Beibehaltung des Neutralitätsgesetztes spricht aus der Perspektive der Befürworter der Wunsch, religiös konnotierte Konflikte möglichst von Schulen fern zu halten und die Schülerinnen zu schützen. Für das Wohl der Schülerinnen müsse Lehrer*innen eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit abverlangt werden können.

Die Kritiker lehnen das Neutralitätsgesetz ab, da es diskriminiere, ausgrenze und kriminalisiere. Zudem werde dadurch eine Illusion von scheinbarer Homogenität in einigen öffentlichen Räumen erzeugt, die der gesellschaftlichen Diversität nicht entspreche. Gerade Schulen, in denen Konflikte im Umgang mit kultureller und religiöser Diversität trotz des Neutralitätsgesetzes allgegenwärtig seien, müssten über bessere Strategien und Ressourcen zur Bewältigung solcher Konflikte verfügen. Dazu bedürfe es keiner Verbote, sondern konkreter Hilfestellungen und neuer Ansätze in den Schulen.

Ein Konsens konnte an diesem Abend im Berliner Abgeordnetenhaus nicht erzielt werden. Die emotionale Stimmung der Diskussion machte deutlich, dass hinter der Debatte über das Berliner Neutralitätsgesetz grundsätzlichere gesellschaftliche Fragestellungen und Konflikte liegen, die nicht nur unter den Berliner Grünen nach einer konstruktiven Aufarbeitung verlangen. Brennglasartig bündeln sich im Streit über das Neutralitätsgesetz verschiedene offene gesellschaftspolitische Fragestellungen, die nicht nur die Frage nach Kopftuchverboten an öffentlichen Schulen betreffen.