Leben wir in Zeiten des Hypermoralismus?

Ein Politiker schwingt bei einer Rede den Zeigefinger (imago stock&people)
Moralisch soll man handeln, das wird uns von klein auf beigebracht. Aber was ist, wenn daraus eine „Hypermoral“ wird? Der Publizist und Philosoph Alexander Grau nennt diese Hypermoral die „Leitideologie unserer Zeit“, die die gesellschaftliche Spaltung befördere.

Moderation: Joachim Scholl | Deutschlandfunk Kultur

Nach dem Niedergang der traditionellen Religionen und Weltanschauungen werde heute die Moral selbst zur „Leitideologie“ und dominiere den gesellschaftlichen Diskurs. Diese These entwickelt der Münchner Publizist und Philosoph Alexander Grau in seinem Essay „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“.

Selbstreferentielle Moral

Immer mehr Lebensbereiche, die früher nicht ins Gebiet der Moral gefallen seien, würden heute von moralischen Erwägungen bestimmt. Ein augenfälliges Beispiel sei die Moralisierung des Konsums.

Aber auch die Zusammenstöße zwischen Linken und Rechten auf der Frankfurter Buchmesse sind für Grau ein Symptom der „Hypermoral“, insofern die Veranstalter selbst dazu aufgerufen hätten, ein „Zeichen gegen rechts“ zu setzen und sich so als „empörter Bürger“ geriert hätten. Dabei bestehe die Gefahr, dass im Namen von Pluralismus und Meinungsfreiheit ebendiese eingeschränkt würden.

Auf die Frage, ob „Hypermoralismus“ eher im linken oder rechten Spektrum zu finden sei, gibt Grau keine eindeutige Antwort: „Hypermoral“ sei mehr als bloß eine „starke Moral“ zu haben. Es gehe vielmehr darum, dass die Moral selbst eine andere Bedeutung im gesellschaftlichen Diskurs erhalte. Während klassischerweise die Moral aus traditionellen Systemen abgeleitet worden sei – etwa der Religion –, habe sich heute eine sich selbstbegründende Moral durchgesetzt, die sich ideologiefrei gebe und einen „objektivistischen Anspruch“ vertrete. Moral könne aber niemals ideologiefrei sein.

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Was ist Bewusstsein?

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Und was wissen wir, wenn wir diese Frage beantworten? Ansätze aus Kognitionswissenschaften und Philosophie

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Es ist eine Frage, mit der man so manchen Prüfling in den Kognitionswissenschaften oder der Philosophie in Angst und Bange versetzen könnte: Was ist Bewusstsein? Und es ist die Frage, mit der die Moderation in die Diskussion einsteigen wird. Als ob jemand das so genau wüsste …

Klar, man kann es philosophisch aufziehen und erst einmal fragen, worauf sich der Begriff bezieht: Auf ein Wesen als Ganzes, auf die Eigenschaften eines psychischen Vorgangs („bewusst“) oder gar auf eine eigene Entität Bewusstsein, auf ein eigenständiges Ding?

In einem Artikel über den „Geist“ erklärte ich vor Kurzem, warum ein verdinglichendes Denken mehr Probleme aufwirft, als es löst (Körper ist Geist). Ebenso, wie ich dort vorschlug, „Geist“ bloß als Sammelbegriff für die psychischen Vorgänge zu verwenden, möchte ich es auch für „Bewusstsein“ tun: Es ist keine eigenständige Entität, sondern ein Sammelbegriff für die bewussten psychischen Prozesse. Lebewesen mit Bewusstsein sind dann solche, die bewusste Prozesse haben; erstes Problem gelöst.

Was aber sind bewusste Prozesse? Auch hier hilft uns die Philosophie wieder weiter, jedenfalls als erste Orientierung. Kennzeichnende Merkmale sind demnach vor allem der subjektive Charakter und die qualitativen Eigenschaften: Der bewusste Prozess ist erst einmal nur demjenigen zugänglich, der ihn hat, und er hat eine bestimmte Erlebnisqualität. Ersteres wird manchmal als Erste-Person-Perspektive ausgedrückt, Letzteres als „wie es sich anfühlt“. Damit sind nicht nur Gefühle gemeint, sondern ein Erlebniseindruck überhaupt, etwa der Druck der Tasten gegen meine Finger oder die Wärme der Teetasse neben mir, wenn ich gleich einen Schluck trinke.

„Wie fühlt sich ein Sonnenuntergang an? Oder der Klang einer Trompete?“ Bei diesen Fragen geht es um die Erlebnisqualität beim Ansehen eines Sonnenuntergangs (das kann auch auf einem Gemälde sein oder Ähnlichem) oder beim Hören einer Trompete. Sie lassen sich beantworten, wenn auch nicht einheitlich. Vielleicht verbinde ich mit Ersterem einen romantischen Kuss mit einer Jugendliebe, doch wäre jemand anders fast in der in rot getauchten See ertrunken. Es ist daher gut möglich, dass sich diese Erlebnisse für uns anders anfühlen.

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SUNDAY ASSEMBLY: Es ist eine Art Kirche – nur eben ohne Gott

„Warum sollte man den Kirchen das Monopol auf geselliges Treffen oder eine Andacht überlassen?“ Birgit Magiera und Michael Wladarsch sind die Initiatoren der Sunday Assembly in München Quelle: Hans-Rudolf Schulz/Hans-Rudolf Schulz
Sunday Assemblys laufen ab wie ein Gottesdienst, lassen aber den Glauben weg. Jetzt gibt es die sonntäglichen Treffen auch in München. Doch was bewegt konfessionslose Menschen dazu, freiwillig eine Art Gottesdienst nachzuspielen?

Von Ruth van Doornik | DIE WELT

Ein selbst gemaltes Schild an der Tür weist den Weg nach unten. Wer an diesem Sonntagmorgen zur Münchner „Sunday Assembly“, der Sonntagsversammlung, will, muss in den Keller. „Imagine there’s no heaven/ It’s easy if you try/ No hell below us/ Above us only sky“, schallt es die Treppe hoch.

John Lennons Song über eine Gesellschaft ohne Religionen ist eine Art Hymne der weltweiten Treffen geworden, bei denen Atheisten, Agnostiker und Humanisten zusammenkommen, um die Vorteile von Gemeinschaft zu spüren – und die wichtigen Fragen des Lebens zu stellen. Ohne Dogmen, ohne religiösen Überbau. Der persönliche Glaube? Spielt keine Rolle. Es ist eine Art Kirche – nur eben ohne Gott.

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Selbst ist die Schöpfung

„Desmonema annasethe“. Die Tentakel hatten Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert. Ernst Haeckel. Scan: Ragesoss. Cleanup: Ilmari Karonen. – Kunstformen der Natur (1904), plate 8: Discomedusae. PD

Ernst Haeckel machte Biologie zur Zeichenkunst: Jetzt leuchten seine Discoquallen so prächtig wie nie

Von Michael Pilz | DIE WELT

Ernst Haeckel hatte recht. In seiner Serie „Kunstformen der Natur“, die zwischen 1899 und 1904 erschienen, schrieb er zu seinen Bildern: „Die Natur erzeugt in ihrem Schoße eine unerschöpfliche Fülle von wunderbaren Gestalten, durch deren Schönheit und Mannigfaltigkeit alle vom Menschen geschaffenen Kunstformen weitaus übertroffen werden.“ Haeckel warb im Morgengrauen der Moderne für den Teil der Schöpfung, den die Aufklärung vom Menschlichen getrennt hatte. Wenn er die Staatsquallen wie Rokoko-Koketten zeichnete, die Kalkschwämme wie Kathedralen und die Strahlentierchen wie Skulpturen von vollkommener Symmetrie, verschwanden alle Dualismen. Aus Natur wurde Kultur. Geist und Materie wurden eins.

Alles war eins bei Haeckel, auch Leben und Werk: An seinem 30. Geburtstag im Jahr 1864, als ihm die bedeutsame Cothenius-Medaille für seine wissenschaftlichen Verdienste angeheftet wurde, starb seine Frau Anna Sethe. Es war wohl der Blinddarm, jenes rätselhafte evolutionäre Erbe. Haeckel, der die Lehren Darwins volkstümlich ins Deutsche übersetzt und auf den Menschen ausgeweitet hatte, fuhr in seiner Trauer nach Italien. In einem Gezeitentümpel stieß er auf eine noch unentdeckte Scheibenqualle. Er nannte sie Desmonema annasethe, zeichnete ihre Tentakel wie das goldene Haar seiner verstorbenen Frau und kleidete sie in türkisfarbene Rüschen.

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„Sinn des Lebens“

„Also, nun kommt der Sinn des Lebens. Nun, es ist wirklich nichts besonderes. Versuch einfach, nett zu den Leuten zu sein, vermeide fettes Essen, lese ab und zu ein gutes Buch, lass Dich mal besuchen und versuch mit allen Rassen und Nationen in Frieden und Harmonie zu leben.“ Monty Python, Der Sinn des Lebens

Föderation des Determinismus

Was ist Sinn?
I. Da gibt es die einen, die sagen, Sinn ist immer Zweck. Es geht um die Erfüllung eines Ziels, möglichst global, übergeordnet.

Die Frage erscheint Atheisten schon etwas absurd. Welchen Zweck soll ein bestimmter Mensch haben? Aus wessen Sicht? Denn unter „Zweckrichtung“ ist doch letztendlich immer eine von außen kommende Verzweckung gemeint. Das Kind dient den Eltern zu deren Selbstverwirklichung ihres Lebenskonzepts. Der Christ dient der Gottheit zum Spielen in dessen Sandkiste und der Hund dient dem Herrn bei der Bewachung des Hofes.

Wenn ein Mensch sich als selbstbestimmtes Wesen versteht, wie könnte er eine von außen kommende Verzweckung je innerlich akzeptieren? Wohl könnte er es, aber er ein selbstbestimmter Mensch müsste sich dafür entscheiden. Also hinge ein solcher Sinn doch wieder vom Menschen ab.

Und letztendlich geht es bei der Sinngebung doch auch darum, dass ein übergeordneter Sinn einen untergeordneten schlägt. Wie im Kartenspiel, die zehn schlägt die neun: Wenn die Christen den Sinn ihres Lebens von einer Gottheit abhängig machen, dann auch deshalb, weil ihnen die Vorstellung anhaftet, dass das Leben in einem sinnlosen Universum, die globale Sinnlosigkeit, nicht gut sei, nicht schön sei – genau das haben sie dann aber, denn die vorgestellte Gottheit lebt doch selbst gottlos in einem sinnlosen Universum. Diese Vorstellung ist also völlig undurchdacht.

Für uns Atheisten lautet die Antwort: Einen von oben nach unten von einer abgeleiteten Sinn kann es rein logisch gar nicht geben – dann brauchen wir ihn aber auch nicht.

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Comic-Fabel „Affendämmerung“ – Prophet der Affen

Pfiffige Religionskritik: Eine Seite aus „Affendämmerung“.FOTO: SCHREIBER & LESER
In der Tradition von Äsop und Orwell: Jean-Paul Krassinskys „Affendämmerung“ ist eine religionskritische Fabel, die auch künstlerisch beeindruckt.

Von Christian Endres | DER TAGESSPIEGEL

In seinem Comic-Roman „Affendämmerung“, der jetzt auf Deutsch im Verlag Schreiber & Leser erschienen ist, widmet sich der französische Autor und Zeichner Jean-Paul Krassinsky einem Stamm rotgesichtiger Schneemakaken in den verschneiten Bergen Japans. Seine sprechenden Affen sind tierisch menschlich in ihrer Bereitschaft zur Manipulation und zur Intrige, aber immer noch animalisch wild. Die Hackordnung, die über den Anspruch auf die heiße Quelle und das heißeste Weibchen entscheidet, ist das Wichtigste für die Affen – bis eines Tages eine Raumkapsel in ihrem Territorium abstürzt. Dieser entsteigt ein Rhesusaffe, der fortan das Wort eines neuen Gottes predigt.

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Linkenpolitiker Ramelow: ‚Ich bin ein Gegner der Abtreibung‘

Bodo Ramelow bei der Vereidigung im Thüringer Landtag. Bild: FrankSchwarz/Facebook
Wagenknecht solle, so empfahl Ramelow (Die Linke), nach ihrer Abtreibungsforderung den „innerfamiliären Diskurs“ mit ihrem katholischen Ehemann Oskar Lafontaine suchen.

kath.net

Nachdem Sahra Wagenknecht, Bundestagsfraktionsvorsitzende der Linken, freie Selbstbestimmung der Frauen in der Abtreibungsfrage gefordert hatte, wurde der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linken) bei einer Veranstaltung darauf angesprochen. „Ich muss nicht alles gut finden, was sie sagt“, hat er nach Angaben der „Südwestpresse“ dazu geantwortet, und er selbst sei „ein Gegner der Abtreibung“.

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Zum ersten Mal – seit 1492!

Inzwischen auf Distanz: Türkische und amerikanische Fahnen auf dem Time Square im Gedenken an den gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016.© LEV RADIN/PACIFIC PRESS VIA ZUMA WIRE/DPA
Die Amerikaner geben Türken keine Visa mehr. Das trifft viele Menschen hart und hat auch für Erdogans Regierung Konsequenzen. Die sind schwer zu kaschieren.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

Liebe Leser, ich will Ihnen heute vom „Visumelend“ erzählen. Da schauen Sie mich vermutlich an, als würde ich etwas Unsinniges sagen oder Japanisch sprechen. Nicht ganz zu Unrecht. Sie haben ja das Elend mit dem Visum nicht. Soeben wurde der Passport Index 2017 veröffentlich, da steht Ihr Land, wie bereits in den vergangenen fünf Jahren, unter 195 Ländern auf Platz eins. Sie können reisen, wohin und wann Sie wollen.

Unser Land hat hingegen keinen so guten Stand auf dem Index. In der Liste, aufgestellt nach der Anzahl an Visumanträgen, steht die Türkei auf Platz achtzig. Dorthin gelangten wir dank einiger Dritte-Welt-Länder, die kein Visum von uns wollen. Ansonsten verlangt man in fast jedem Land, in dem wir Urlaub machen, uns behandeln lassen oder investieren wollen oder in das wir zu Ausbildung oder Studium reisen möchten, ein Visum von uns. Last-Minute-Ticket ist ein Fremdwort für uns. Wir können nicht mal eben eine Karte für ein Konzert irgendwo in Europa buchen. Unsere Freunde im Ausland können wir nicht bei jedem Sehnsuchtsanfall besuchen. Zuerst brauchen wir ein Visum. Vorausgesetzt, der Staat hat nicht ohnehin unseren Pass aus politischen Gründen für ungültig erklärt.

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Zur türkischen Fassung der Kolumne
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Die Moscheestudie und die Glaubensgemeinschaft

Themenbild.
Nach Erscheinen der Studie „Die Moschee im Integrationsprozess“, die unser Autor Heiko Heinisch gemeinsam mit Imet Mehmedi durchgeführt hat und für die unter anderem Freitagspredigten beobachtet und aufgenommen wurden, blieben Reaktionen aus der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) nicht aus. Sie fallen vor allem dadurch auf, dass sie dem Inhalt der Studie ausweichen.

Von Heiko Heinisch | DIE KOLUMNISTEN

Einen Tag nach der Präsentation der Studie ging die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) mit einer Presseaussendung an die Öffentlichkeit. Einen Tag später meldete sich auch die Islamische Föderation Wien (Milli Görüş) zu Wort, deren Moscheen zu jenen sechs der untersuchten 16 Moscheen gehören, die sich aktiv der Integration von Muslim/innen entgegenstellen. Keine der beiden Erklärungen geht auf den Inhalt der Studie und die von unseren Mitarbeitern beobachteten und aufgezeichneten Predigten in Wiener Moscheen ein.

Unbefriedigende Reaktionen

Stattdessen bestreiten beide Erklärungen die Wissenschaftlichkeit der Studie und sehen in dieser einen generalisierenden Angriff auf Muslime. Es fallen Begriffe wie „dubiose Publikation“, „Auftragsstudie“ und „politischer Auftrag“. Zudem kritisieren sie, dass die Auswahl der Moscheen nicht repräsentativ sei – eine Tatsache, die in der Studie selbst mehrmals erwähnt wird und auch bei der Präsentation betont wurde. Das Attribut „nicht repräsentativ“ ist aber, anders als hier nahegelegt wird, kein Zeichen für Unwissenschaftlichkeit. Die Heterogenität der Wiener Moscheelandschaft lässt sich nicht repräsentativ abbilden. Daher war die Studie auch nie als quantitative Erhebung geplant, was Repräsentativität erfordern würde. Die Autoren entschieden sich vielmehr für eine überwiegend qualitative Studie mit explorativem Charakter, „um zunächst grundlegendes Wissen über die Rolle der Moscheen im Integrationsprozess zu generieren, das als Basis für weitere Untersuchungen dienen kann.“ (S. 11) Im deutschen Sprachraum existierten bis dato  keine Untersuchungen, die sich explizit mit den Predigtinhalten in Moscheen auseinandersetzten. Bislang hat nur die Ethnologin Susanne Schröter 2016 eine ausführliche ethnologische Studie zum muslimischen Gemeindeleben in Wiesbaden vorgelegt und der Journalist Constantin Schreiber hat 2016/17 in mehreren deutschen Moscheen Freitagspredigten aufgezeichnet und ausgewertet. Seine Ergebnisse wurden als journalistischer Beitrag unter dem Titel „Moscheereport“ im ZDF gesendet und erschienen als Buch.

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Atheisten hoffen auf Änderung im Katechismus

Nein Danke. Brauchen wir nicht. Image. Godless Atheists/FB
Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich (ARG) hat anlässlich des 25. Jahrestags des Weltkatechismus daran erinnert, dass sie an Papst Franziskus ein Ansuchen stellten, einen Passus darin zu überdenken.

religion.ORF.at

Die ARG zitiert in einer Aussendung vom Mittwoch den Katechismus der Katholischen Kirche: „Da der Atheismus die Existenz Gottes leugnet oder ablehnt, ist er eine Sünde gegen die Tugend der Gottesverehrung.“ Eine Fußnote auf derselben Seite verweise dann auf eine Stelle im Brief des Paulus an die Römer im Neuen Testament. Aufgrund dieser speziellen Fußnote sei es „eindeutig, dass der Katechismus der Katholischen Kirche diese Stelle aus dem ersten Kapitel des Briefes des Paulus an die Römer (auch) auf heutige Atheistinnen und Atheisten bezieht“.

Bibelstelle in Fußnote zitiert

Die angesprochene Stelle im ersten Kapitel des Briefes des Paulus an die Römer (Röm 1, 18 sowie 28-31) lautet: „Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“ (…)

„Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte Gott sie einem verworfenen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört: Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen.“

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Unterwegs mit einer Hassfigur

Ins Gespräch vertieft: Seyran Ateş in ihrer Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit. Bild: Alexander Gehring/ SZ-Magazin.de
Für ihre Vision eines weltoffenen Islam wird Seyran Ateş von konservativen Muslimen angefeindet. Statt zurückzustecken, schießt sie ebenso scharf zurück.

SZ-Magazin.de

Am Ende des Interviews will man von Seyran Ateş wissen, ob sie die scharfe, verletzende Formulierung, die sie eben ausgesprochen hat, autorisieren werde? Es ist im deutschen Journalismus üblich, Gesprächspartnern dieses Recht einzuräumen, ihr gesprochenes Wort noch einmal korrigieren zu dürfen. Oft werden die provokantesten Formulierungen so verändert, dass sie nicht mehr provokant wirken. Nicht so bei Seyran Ateş, einer türkischstämmigen Anwältin, die in Berlin gerade eine Moschee gegründet hat. Im Interview hatte sie die Männer, die den Islamverbänden in Deutschland vorsitzen, »Bauerntrottel« genannt. Nun überlegt sie kurz und sagt, dass man diese Formulierung ruhig so aufschreiben dürfe.

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Blasphemie und andere „Hassrede“

Foto: pixabay.com
Ihr habt doch wohl nicht den Internationalen Tag des Rechts auf Blasphemie (International Blasphemy Rights Day – IBRD) vergessen, oder?

Von Ronald A. Lindsay | Richard-Dawkins-Foundation

Er ist in ein paar Tagen – am 30. September (Anmerk. d. Red.: Der Originalartikel erschien am 28. September 2017) – nur für den Fall, dass ihr diesen Tag bizarrerweise vergessen haben sollten.

Das Center for Inquiry (CFI), eine Nonprofit-Organisation, der ich früher vorsaß, hat den IBRD 2009 ins Leben gerufen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Kritik an religiösen Glaubensinhalten an vielen Orten auf der Welt durch gesetzliche Maßnahmen oder gesellschaftlichen Druck unterbunden wird. Unglücklicherweise gibt es viele Länder, insbesondere solche mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung, die an Gesetzen festhalten, die harte Strafen für Blasphemie fordern – obwohl es mittlerweile eine formale Kampagne gibt, diese Blasphemiegesetze abzuschaffen, die auch erste Erfolge zeigte – so hat Dänemark im Juni sein jahrhundertealtes Blasphemiegesetz abgeschafft. Pakistan, um nur ein Beispiel zu nennen, verhandelt jährlich über mehrere Fälle von Blasphemie, die oft religiöse Minderheiten betreffen und manchmal mit Todesurteilen enden.

Selbst wenn keine Blasphemiegesetze durch den Staat verhängt werden, führt die zugrundeliegende Mentalität hinter diesen Gesetzen oft zu einem sozialen Druck, der davon abhält, die Ansichten der zugrundeliegenden Religion zu hinterfragen. Dieser Druck reicht bis hin zu tödlicher Gewalt derer, die durch das Infragestellen ihres Glaubens aufgebracht sind. Denken wir nur an die vielen Blogger in Bangladesch, die in den vergangenen Jahren von religiösen Extremisten zerhackt wurden.

Der Zweck der Blasphemiegesetze ist klar: Sie schüchtern religiöse Minderheiten ein, stillzuhalten und sie helfen der Mehrheitsreligion sich vor Kritik zu immunisieren. Was als heilig gilt, darf nicht infrage gestellt werden.

Natürlich formulieren die Länder, mit Gesetzen, die religiösen Widerspruch kriminalisieren, ihre Gesetze üblicherweise nicht so. Sie verbieten religiösen Widerspruch nicht ausdrücklich. Stattdessen verbieten sie Verhalten, das „Verachtung“ für religiösen Glauben erkennen lässt oder Worte, die Religion herabwürdigen. Aber Gesetze mit dem Ziel zu erlassen, religiöse Gefühle zu schützen, kann die Tatsache nicht verschleiern, dass die Gesetze die freien Äußerungen von Meinungen, die der Mehrheitsreligion widersprechen, unterdrücken. Außerdem ist die angebliche Begründung für diese Gesetze moralisch unhaltbar: Es gibt kein Recht, dass die eigenen religiösen Glaubenssätze – ebenso wie politische oder philosophische – vor Fragen oder Kritik schützt, egal wie sehr man sich von solchen Fragen oder Kritik beleidigt fühlt.

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Was glaubt jemand, der nicht glaubt?

Vernunft als Leitfaden, der Mensch im Mittelpunkt: Wie ein Weltbild jenseits der Religionen aussehen kann.

Von Uwe Lehnert | DER TAGESSPIEGEL

Was Christen oder Muslime glauben, das ist in groben Zügen so ziemlich jedem geläufig. Dagegen ist in der Öffentlichkeit so gut wie nichts darüber bekannt, was konfessionsfreie Menschen denken und für „glaubwürdig“ halten. Das ist eigentlich erstaunlich, bilden sie doch in Deutschland mehr als ein Drittel der Bevölkerung, in Berlin zum Beispiel stellen sie die übergroße Mehrheit dar. Eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Frühjahr 2016 ergab für Berlin, dass sich 61 Prozent der Berliner als konfessionsfrei, 21 Prozent als evangelisch und neun Prozent als Mitglied der katholischen Kirche bezeichneten. In den restlichen neun Prozent sind Muslime, Juden und rund 50 weitere Religionsgemeinschaften enthalten.

Konfessionsfreie vertreten mehrheitlich eine Weltanschauung, die sich bewusst von Religion und einem über allem stehenden Gott abgrenzt. Eine Minderheit unter ihnen ist zwar aus der Kirche ausgetreten, betrachtet sich aber oft noch in irgendeiner Weise als religiös.

Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen halten sich vornehm zurück, wenn es um die Darstellung des Denkens und Handelns nichtreligiöser Menschen in Deutschland geht. Dabei ist in allen Staatsverträgen, die zwischen jedem Bundesland und den jeweiligen Rundfunk- und Fernsehanstalten geschlossen wurden, ausdrücklich festgeschrieben, dass diese über alle relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen und über alle relevanten gesellschaftlichen Ansichten und Meinungen angemessen zu berichten hätten. Aber lediglich die „staatstragenden“ Religionen haben Vertreter in den Medienräten. Und von denen verfügen fast nur die christlichen Kirchen über eigene Redaktionen und feste Sendezeiten. Diese besitzen somit trotz aller behaupteten Trennung von Staat und Religion ein staatlich gewährtes Privileg. Daher ist es verständlich, dass in oben erwähnter Emnid-Befragung 54 Prozent der interviewten Berliner sich durch die Medien und die Politik nicht ausreichend über die große Gruppe der Konfessionsfreien informiert fühlen.

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Didier Eribon und die Kraft der Scham

Es herrscht Klassenkampf, damals wie heute, und wir sollten aufhören, das zu leugnen, findet Didier Eribon. Im Bild: Präsident Macron in einer Fabrik im nordfranzösischen Amiens. (Foto: dpa)
Der französische Bestsellerautor analysiert in seinem neuen Buch, wie die Klassengesellschaft sich mitsamt ihrer Diskriminierungen selbst reproduziert. Doch er zeigt auch einen Ausweg auf.

Von Oliver Nachtwey | Süddeutsche.de

Nur wenige Sachbücher haben in den letzten Jahren eine ähnlich große Resonanz erfahren, erst recht keine, die die Lage der arbeitenden Klassen thematisierten. In den Feuilletons wie in linksradikalen Politgruppen, bei Bürgerlichen ebenso wie Gewerkschaftern war Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ das Buch der Stunde. Nun erscheint „Gesellschaft als Urteil“, das Nachfolgebuch. Es ist eine Art Kommentarband, ein Metabuch, das erneut Elemente soziologischer Reflexion mit autobiografischer und literarischer Erzählung verknüpft. Eribon nimmt zentrale Fäden wieder auf: die Herkunft aus dem französischen Arbeitermilieu und die damit verbundene Scham, seine Homosexualität sowie der Aufstieg in das linksliberale akademische Milieu.

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Holyge Bimbel – Storys vong Gott u s1 Crew

Die Heilige Schrift in Internetdeutsch – Shahak Shapira erzählt die schrillsten ‚Storys vong Gott u s1 crew Bild: Verlag
Einige Medien bezeichnen ihn als den „neuen Luther“. Der Berliner Satiriker Shahak Shapira hat Teile der Bibel neu übersetzt – in die im Internet bekannt gewordene „Vong-Sprache“. Aber warum eigentlich? Und was halten Bibel-Experten davon?

Von Leonore Kratz | evangelisch.de

Wenn Shahak Shapira die Schöpfungsgeschichte erzählt, klingt das so: „Im Anfang war die Universe leer u schwarz wie 1 coke zero am bimsen, also buildete Gott 1 Earth u 1 Heaven. Aber die Earth war dark wie 1 Berghain u needete 1 Boss-Transformation…“ „Gangesis“ nennt der in Berlin lebende Satiriker das erste Kapitel seiner „Holygen Bimbel“. Darin übersetzt der 29-jährige Israeli Teile des Alten und Neuen Testaments in die sogenannte Vong-Sprache, die sich seit etwa einem Jahr im Internet großer Beliebtheit erfreut. Wichtigste Merkmale: Mengen in Ziffern angeben, möglichst viele englische Wörter einstreuen und natürlich Sätze mit der Konstruktion „vong…her“ bilden.

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Wie der Individualismus das Parteiensystem zerstört

Demokratie in Zeiten der Ausdifferenzierung: jeder Sub-Gruppe ihre Partei / picture alliance
Demokratie basiert auf einem Grundkonsens und der Fähigkeit, Kompromisse einzugehen. Doch das Kennzeichen der Moderne ist der Individualismus. Wie lange können sich die klassischen Parteien noch halten?

Von Alexander Grau | Cicero

Der Individualismus ist das Kennzeichen der Moderne. Darin sind sich die meisten Beobachter einig. Und auch die Alltagserfahrung bestätigt das. Schließlich wollen wir alle ja ganz und gar einzigartig sein, autonom und unverwechselbar. Und so versorgt uns die Massengüterindustrie mit den Insignien eines echten individuellen Lebensstils: dem ganz persönlichen Outfit, der neuesten Extremsportart, und der Individualurlaub ist ohnehin gebucht.

Wie sehr die Ideologie des Individualismus unsere Gesellschaft bestimmt, sieht man auch daran, dass es kaum bekennende Antiindividualisten gibt. Zwar gibt es das übliche kulturkritische Dauerlamento über die Atomisierung und Individualisierung unserer Gesellschaft, über schwindenden Zusammenhalt und die allgegenwärtige Selbstsucht. Doch auf seinen persönlichen individualistischen Lebensstil verzichtet deshalb natürlich niemand. Denn der böse Individualist ist im Zweifelsfall immer der andere.

Doch in individualistischen Gesellschaften schwindet zunehmend der normative Konsens. Das liegt in ihrer Logik. Denn wenn jeder ganz individuell und einzigartig sein will, nimmt die Schnittmenge allgemein verbindlicher Ideale ab.

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Salman Rushdie chortles over Larry David’s ‘fatwa’

Larry David speaks onstage during Vanity Fair New Establishment Summit at Wallis Annenberg Center for the Performing Arts on October 4, 2017 in Beverly Hills, California. (Matt Winkelmeyer/Getty Images/AFP)
Author says ‚Curb Your Enthusiasm‘ is helping remove stigma from ‚Satanic Verses‘ by making fun of Iranian death sentence

The Times of Israel Staff

Author Salman Rushdie thinks it’s pretty, pretty funny that the long-awaited premier of HBO’s “Curb Your Enthusiasm” has a plot modeled on his own experience of being targeted by the Iranian regime with a fatwa.

In the first episode of the 9th season, which aired October 1, Larry David’s eponymous character talks about a musical he has been at work on, based on Rushdie, called — what else — “Fatwa!”

After a fictional Iranian ayatollah issues his own fatwa — or religious decree — ordering the death of the Seinfeld creator, the very Jewy David panics, offering to repent or even become Muslim, though the cleric declares that “even if he converts, he should still be sent to hell.”

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DIDIER FASSINS ANTHROPOLOGIE : Für eine Welt, in der wir gut und gerne leben

Wenn Leben gegen Leben steht: Protest gegen Polizeigewalt in Chicago, nachdem der 17 Jahre alte Laquan McDonald erschossen wurde. © JON LOWENSTEIN / NOOR / LAIF
Leben gegen Leben darf man nicht abwägen, sagt das Menschenrecht. Und doch geschieht es ständig. Der französische Anthropologe Didier Fassin zeigt in Fallstudien, was das konkret bedeutet.

Von Patrick Bahners | Frankfurter Allgemeine

Einer der Slogans der Neonazis, die durch Charlottesville marschierten, lautete „White Lives Matter“. Folgt man dem politischen Philosophen Mark Lilla, dessen polemische Kritik der Identitätspolitik auch im deutschen Justemilieu auf große Resonanz stößt, so hatten es sich die Erfinder des Namens der jüngsten schwarzen Bürgerrechtsbewegung selbst zuzuschreiben, dass ihnen ihre Feinde die Losung entwendeten, um sie in rassistischer Absicht umzupolen. Für Lilla ist „Black Lives Matter“ ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man Solidarität nicht organisiert. Die Aktivisten, die aus dem Tod von Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson im Umland von St. Louis ein Fanal machten, hätten den Fehler begangen, an ihre Mitbürger nicht als Mitbürger zu appellieren, sondern ihre Zugehörigkeit zur Gruppe der Schwarzen zu betonen.

Lilla hat seine Reputation mit Auslegungen philosophischer Autoren des Dichtheitsgrades von Leo Strauss erworben. Die Mangelhaftigkeit seiner Interpretation des Drei-Wörter-Satzes „Black Lives Matter“ zeigt schon der Blick auf den Wortlaut. Der Satz appelliert unüberlesbar an etwas, was Schwarze und Weiße gemeinsam haben: die Eigenschaft, menschliche Lebewesen zu sein.

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Ursula von der Leyen: Dodo des Monats September 2017

Dodo des Monats September 2017 ©HFR

In keinem Bereich wird die Janusköpfigkeit des Christentums so deutlich wie in der Militärseelsorge. Auf der einen Seite propagiert man den Frieden und die Liebe Gottes, auf der anderen wie man feindliche Kinder Gottes am besten ins Jeseits befördert, ohne dabei in Sünde zu verfallen. Gläubige Soldaten sind gute Soldaten. So erklärte Hitler, am 26.04.1933 auf einer Diözesankonferenz den katholischen Bischöfen:

„Es droht eine schwarze Wolke mit Polen. Wir haben Soldaten notwendig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Die setzen alles ein. Darum werden wir die konfessionelle Schule erhalten, um gläubige Menschen durch die Schule zu erziehen.“A.Hitler

Die Bundesministerin meinte, dass die Bindung an eine sittliche Ordnung und das eigene Gewissen mache das Soldat-Sein in der Bundeswehr,„Um dies kritisch zu entwickeln brauchen wir Partner wie die Militärseelsorge.“
Die Zeiten ändern sich, gewisse Inhalte überhaupt nicht.

Artikel 141 der Weimarer Reichsverfassung in den Artikel 140 des Grundgesetzes übernommen:
„Soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge im Heer, in Krankenhäusern, Strafanstalten oder sonstigen öffentlichen Anstalten besteht, sind die Religionsgemeinschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist.“ Damit ist Militärseelsorge Anstaltsseelsorge.

Nichts davon steht in der Weimarer Reichsverfassung institutionelle Verbindungen von Staat und Kirche herzustellen, schon gar nichts davon Militärgeistliche als Staatsbeamte auf Zeit einzusetzen oder die ganze christliche Geisterbeschwörung staatlich zu finanzieren. Genau das ist der Fall.

Militärpfarrer werden von ihrer Heimatkirche für circa 6 Jahre freigestellt. Sie werden vom Militärischen Abschirmdienst überprüft, sie werden Bundesbeamte auf Zeit, sie leisten einen Beamten-Eid, sie haben ihr Büro in der Kaserne, sie fahren Dienstwagen der Bundeswehr, sie werden direkt vom Bundesministerium für Verteidigung bezahlt, sie tragen im Auslandseinsatz und auf Kriegsschiffen militärische Kleidung, und sie haben eine Bundeswehr-Mail-Adresse. Jedes Militärpfarramt ist eine Dienststelle des Bundesministeriums für Verteidigung. Offiziell sind die Militärpfarrer exemt, das ist lateinisch und heißt enthoben. Es bedeutet: Militärpfarrer haben keinen militärischen Dienstgrad. Aber in der Praxis wird ein Militärpfarrer von den Soldaten entsprechend seiner Bezahlung (A14/15) wie ein Oberstleutnant angesehen und angesprochen.

Das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr ist keine Einrichtung der Kirche, es ist eine Behörde des  Bundesministeriums für Verteidigung. Wenn also die Evangelische Militärseelsorge der Bundeswehr ein Festkonzert im Berliner Dom gibt handelt es sich um eine Party des Bundesverteidigungsministeriums, die Kosten der Sause werden vom Steuerzahler bezahlt.

Von der Leyen ist für das großzügige Interpretieren von politischen Sachverhalten bekannt. Gläubige Soldaten sind sittlich und ordentlich. Ungläubige und Andersgläubige sind es nicht. Ohne das Gott-sei-bei-uns geht es nicht, wie wir oben gesehen haben, gläubige Soldaten setzen alles ein.

Kommen Militärpfarrer in etwas rauhere Gegenden, wo Andersgläubige andere Auffassungen haben, entfernen sie ganz einfach das Christenkreuz vom Schulterstück. Wer will schon so schnell und abrupt seinem Schöpfer gegenübertreten. Man will sittlich weiterleben.  Die Christen im römischen Kolosseum starben fest im Glauben an ihren Gott. Den Pfarrer-Weicheiern heutzutage liegt das nicht, ihre großen Meister verstecken ihre Kreuze ja schon in der Zivilisation des Tempelberges.

In dem Sinne: „Helm ab zum Gebet.“

Die Regressive Linke und die Vogel-Strauß-Taktik

Wie die Regressive Linke Realitätsverweigerung betreibt und inhaltlichen Diskussionen ausweicht, besonders im Hinblick auf den Islam und die Gefahren des Terrorismus.

Von Gad Saad | Richard-Dawkins-Foundation

 

Gad Saad stammt ursprünglich aus dem Libanon und flüchtete 1975 mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg nach Kanada. Er ist ein kanadischer Wissenschaftler, der sich mit evolutionärer Verhaltens- und Konsumforschung beschäftigt. Er arbeitet an der Concordia University in Montreal und ist Inhaber des Lehrstuhls für „Evolutionary Behavioral Sciences and Darwinian Consumption“.

Das RDF Interview mit ihm hier.