Archiv der Kategorie: Freidenker

Saudi-Arabien: Bruch mit dem Islam am Smartphone

Frauen werden in Saudi-Arabien sofort verhaftet, wenn sie unverschleiert in die Öffentlichkeit gehen. Die Rechtssprechung folgt streng der Scharia. Doch das gilt wohl nicht für die Sozialen Netzwerke: Dort nämlich hat Amy Roko einen Weg der Emanzipation als Frau gefunden.


Von Maximilian Schönherr|Deutschlandfunk

islam_frauenAmy Roko ist ein Star. Nimmt man die Zahlen ihre Internet-Fans, kommt man leicht auf über eine Million. Sie ist Anfang 20, lebt und studiert in Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens. Die langen Strecken zur Uni, zum Buchladen, zum Krankenhaus kosten die Familie eine Menge Geld, denn sie darf nicht selbst am Steuer sitzen – weil sie eine Frau ist. Sie wehrt sich gegen die Erniedrigung von Frauen in ihrem Land, indem sie die Sozialen Netze des Internets nutzt, vor allem Vine und Instagram.

Statt ins Auto aufs Skateboard

Vine ist das Twitter-Portal für Filme, die nur wenige Sekunden lang sind; hier finden sich Hunderte von Videos von Amy Roko. Sie erscheint stets traditionell gekleidet, man sieht nur ihre Augen. In diesem Clip hier greift sie mit einem Tritt einen jungen Mann an.
In einem anderen Video fährt sie Skateboard.

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Darwin Day: Federal prisons agree to recognize humanism as a religion

Inmate Jason Michael Holden and the American Humanist Association filed the lawsuit last year, saying he and other inmates were prohibited from forming a study group at a federal prison in Sheridan, Oregon
  •  Federal prisoners who identify as humanist can now celebrate Darwin Day after Inmate Jason Michael Holden filed a lawsuit last year
  • Humanist inmates can now request access to study materials, observance of holy days, and time and space for religious activities
  • Humanism is similar to atheism though rather than simply rejecting belief in a god, humanists advocate rational thinking

By Mail Online

Federal prisoners who identify as humanist can now celebrate Darwin Day and get accommodations typically afforded to those inmates who believe in a deity.

The federal Bureau of Prisons agreed in the settlement of a lawsuit to add a section on humanism to its manual on inmate beliefs and practices.

Officials in the prison system will also consider requests from humanist inmates for access to study materials, observance of holy days, and time and space for religious activities.

Inmate Jason Michael Holden and the American Humanist Association filed the lawsuit last year, saying Holden and other humanist prisoners were prohibited from forming a study group at a federal prison in Sheridan, Oregon. 

The settlement was reached earlier this month, and the association announced the settlement in a news release issued on Monday.

Humanism is similar to atheism. But rather than simply reject belief in a god, humanists advocate rational thinking.

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There Was Nothing Wrong with Richard Dawkins’ Tweet That “Islam Needs a Feminist Revolution”

[Note from Hemant: There was an overwhelming response to a recent post on this site about a tweet made by Richard Dawkins, including strong disagreements within our writing team. For that reason, we’re posting some additional thoughts on the matter so the conversation can go beyond the comment threads.]

By Bo Gardiner|Friendly Atheist

I’ve disagreed with Richard Dawkins before on his insensitivity to women, feminism, and majority privilege. Some of it he’s apologized for, so I’d like to think we’re starting to be heard. I know all too well from environmental campaigns the importance of acknowledging our successes.

And thus, I part with my fellow Friendly Atheist contributor Lauren Nelson in her recent post, which struck out scathingly at Dawkins for the following single tweet:

There is nothing wrong with those words.  The question deserves answers, not attacks.

Lauren wrote:

It’s not unusual for renowned atheist Richard Dawkins to rub people of faith the wrong way. It’s not unheard of for him to get on the bad side of feminists. But it’s not every day that he pisses off the intersection of the two groups. But this week, with a series of tweets, that’s exactly what Dawkins did.

He started the hullabaloo off with this humdinger:  “Islam needs a feminist revolution. It will be hard. What can we do to help?”

When I first saw her headline — “Richard Dawkins Fails Spectacularly on Feminism and Islam” — I sighed and thought “Oh dear, what has he said now?” But when I arrived at his tweet, I kept scanning, looking for the bad part. I couldn’t believe it when I realized that was it.

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Religion auf dem Rückzug

Carlin_Religion

In muslimischen Ländern scheinen religiöse Extremisten die Szene zunehmend zu dominieren. Der Islam-Experte Olivier Roy konstatiert dennoch auch dort eine Ausdifferenzierung der Glaubenslandschaft.


Von Olivier Roy|Neue Zürcher Zeitung

Wir Europäer leben in säkularen – und nicht in prä- oder postsäkularen – Gesellschaften. Weltweit hat sich die Säkularisierung durchgesetzt, sogar in muslimischen Ländern. In einer Zeit, da wir vom Aufstieg des «Islamischen Staats» in Atem gehalten werden, mag diese Behauptung paradox klingen: Um sie zu erklären, muss der Wandel im Verhältnis zwischen Kultur und Religion und insbesondere die «Dekulturierung» der Religion beleuchtet werden.

Was ist Säkularisierung?

Es gibt ganz unterschiedliche Arten, Säkularisierung zu definieren. Als soziales Phänomen ist sie nicht ein abstrakter Prozess; es geht immer um die Säkularisierung einer bestimmten Religion, deren Natur sich im Verlauf der Säkularisierung wandelt. Gängige Definitionen der Säkularisierung umfassen in der Regel drei Elemente: erstens die Trennung von Staat und Religion, von Politik und Konfession, die aber nicht notwendigerweise auch eine Säkularisierung der Gesellschaft zur Folge hat. Amerika ist hiefür ein gutes Beispiel: Obwohl Kirche und Staat klar getrennt sind, ist ein grosser Teil der Bevölkerung immer noch religiös.

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Auch Spaghettimonster zahlen Rundfunkbeitrag

Ein Freidenkerclub ist keine Kirche: Wie ein Gericht in München eine Klage gegen den Rundfunkbeitrag ablehnt und dabei einiges klärt – über Gott und die Welt. Vor allem über Bayern.


Von Patrick Bahners|Frankfurter Allgemeine

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Screenshot: http://www.pastafari.eu/

Schon die Vereidigung der beiden ehrenamtlichen Richter zu Beginn der Verhandlung lässt ahnen, wie es um die Chancen von Michael Wladarsch vor der Kammer 6b des Verwaltungsgerichts München steht. Beide Laienrichter legen den Eid mit der religiösen Beteuerung „so wahr mir Gott helfe“ ab. Wladarsch ist der Vorsitzende der Münchner Ortsgemeinde des Bundes für Geistesfreiheit (BfG), einer Interessenvertretung der Konfessionslosen, die auf die Freireligiösen der Zeit der Revolution von 1848 zurückgeht. Wie die CSU gibt es den BfG nur in Bayern; er hat 4800 Mitglieder und ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Er gehört zu den Verbänden in der Freidenkerbewegung, die an der staatlichen Förderung der Religion teilhaben wollen, solange sie noch nicht abgeschafft ist.

Wladarsch hat gegen einen Gebührenbescheid des Bayerischen Rundfunks geklagt. Er beruft sich auf Paragraph 5 des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags, wonach die Rundfunkgebühr für Betriebsstätten entfällt, wenn ein Ort „gottesdienstlichen Zwecken gewidmet ist“. Die Räume des von Wladarsch in Schwabing betriebenen Graphikbüros dienen zugleich als Vereinslokal der Freigeister. Wladarsch rügt eine Bevorzugung der Kirchen und möchte die vereinstypischen Diskussionen über Gefahren des Gottesglaubens als freigeistige Alternative zum Gottesdienst anerkannt sehen. Hilfsweise macht er geltend, die Vereinsräume seien eine Kultstätte der Religion des „Fliegenden Spaghettimonsters“.

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Mentalmagier trifft unglaubliche Vorhersage

Mentalmagier Christoph Kuch sieht voraus, wie Uli Bunsmann die Playmobilfiguren anordnet. Bild: stern.de
Andere zum Staunen bringen und zu verblüffen, das ist Christoph Kuchs Metier. Dieses Mal verblüfft der Mentalmagier mit einer Vorhersage, die unmöglich erscheint. Und: er verrät, wie es funktioniert.


stern.de

Christoph Kuch kann Gedanken lesen. Zumindest sieht es danach aus. Immerhin ist der Franke 2012 Weltmeister der Mentalmagie geworden. Bei stern TV bewies er bereits, dass er auch heute noch zu den besten seiner Zunft gehört. Der 40-Jährige erriet die Pincodes von Passanten und fand heraus, für welches Zimmer sich ein ihm unbekanntes Paar in einem Hotel entscheidet.

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Ohne Gläubige keine Religion

Stéphane Charbonnier bevorzugte, «stehend zu sterben anstatt auf Knien zu leben». Foto: AFP, Getty Images
Kurz vor seiner Ermordung hat Stéphane Charbonnier, der Chefredaktor der Satirezeitung «Charlie Hebdo», einen «Brief an die Heuchler» verfasst.


Von Guido Kalberer|Tages Anzeiger

Auch das ist Ironie des Schicksals: Am 7. Januar 2015, als Stéphane Charbonnier von islamistischen Terroristen in Paris getötet wurde, erschien in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Charlie Hebdo» eine Karikatur mit der Überschrift «Noch keine Attentate in Frankreich». Die gezeichnete Antwort eines bewaffneten Islamisten lautete: «Warten Sie ab. Man hat bis Ende Januar Zeit, seine Festtagsgrüsse auszurichten.» Es war die letzte Zeichnung von Charb, der das satirische Magazin seit 2009 als Chefredaktor und Herausgeber geleitet hatte. Bei dem Attentat starb ein Dutzend kritische Geister, die mit spitzer Feder und scharfer Zunge das Zeitgeschehen kommentiert hatten.

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Michael Shermers ruchloser Optimismus in Reinform

Michael Shermer. Bild: ted.com, Screengrab. bb
Michael Shermer. Bild: ted.com, Screengrab. bb
Michael Shermer hat die «Skeptics Societey» gegründet, zweifelt aber an einem nicht: dass stets alles beser wird. Ein neues Buch des amerikanischen Autors zeigt ruchlosen Optimismus in Reinform.


Von Christoph Lüthy|Neue Zürcher Zeitung

Unsere Zeit bietet Pessimisten argumentative Munition zuhauf. Russland drängt zurück in den Kalten Krieg, gescheiterte Staaten zerfetzen sich, das Friedensprojekt Europa liegt im Schüttelfrost, und von den zwei grossen Thesen der neunziger Jahre, dem «Ende der Geschichte» und dem «Kampf der Kulturen», triumphiert Letztere mit jedem Attentat. Trotzdem haben Bücher Konjunktur, welche die Schlagzeilen unserer Tage als blosse Oszillationen einer sonst stetig ansteigenden Linie der Vernunft, der Wohlfahrt und des menschlichen Glücks betrachten.

Ein Skeptiker, der nicht zweifelt

Das jüngste Beispiel dieser Gattung hat Michael Shermer geliefert, ein amerikanischer Psychologe und Wissenschaftshistoriker, der sich bisher vor allem als Gründer der «Skeptics Society», als Herausgeber des «Skeptic Magazine» und als Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Bücher einen Namen gemacht hat. Mit seinem neusten Buch, «The Moral Arc», versuchte sich Shermer während einer Vortragsreise im vergangenen Frühling auch in Europa zu etablieren. Die These des dickleibigen Werkes ist im Untertitel bereits zusammengefasst: «Wie Wissenschaft und Vernunft die Menschheit in Richtung Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit führen».

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How Humans Will Live in Space 5000 Years from Now, According to Neal Stephenson

The cradle of the Space Hook, a device that lowers and lifts humans into space. Image by Weta Workshop, courtesy of the author.
In the new novel Seveneves, science fiction author Neal Stephenson blows up the Moon. The Snow Crash and Cryptonomicon author does so by using a stealthy black hole to disintegrate Earth’s luminous satellite.


By DJ Pangburn|MOTHERBOARD

At first, the effects of “the Event” seem minimal. The Moon is broken into seven pieces, with each given playful names. But after a few weeks, a popular physicist named Doc Dubois—seemingly modeled on Neil deGrasse Tyson—realizes that the moon bits are starting to collide. And, in a couple years’ time, the resulting lunar debris will rain hellfire onto Earth’s surface for thousands of years, ending almost all life on the planet.

Stephenson’s fictional disaster scenario allows Earth’s leaders to do something they could never agree on in reality: work together to save the human species from certain extinction. Over two and a half years, hundreds of rockets are sent with the world’s best and brightest minds aboard, equipped with supplies and genetic samples from Earth’s flora and fauna. This “Cloud Ark”, as Stephenson calls it, becomes the orbital base from which future humans and their swarming robots build a space ring habitat. The second part of the novel envisions life on the space ring 5,000 years in the future.

Stephenson recently spoke to Motherboard about how such a ring habitat would be built, and why humans would have to alter their genetics to survive in space.

Motherboard: After you destroy the moon in Seveneves, why did you settle on an orbital ring habitat for the survivors instead of some deep space exploration initiative?
Stephenson: As I see it, there’s basically two ways to think about building big things in space. One is to go to Mars and the other is to use in situ resources—so, asteroids. In situ people have been talking for a long time about using asteroids to construct big space colonies. The other point of view is let’s go to Mars, build things there and do terraforming.

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“Spa­ghet­ti­mons­ter-Kirche” ver­klagt Bran­den­burg

Dürfen die Messe-Schilder der “Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters” am Ortseingang neben denen der großen bekannten Kirchen hängen? Die “Pastafaris” wollen es genau wissen und klagen gegen das Land.


Legal Tribune Online

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Screenshot: http://www.pastafari.eu/

Die Vereinigung “Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland” (FSM) hat nach einer Meldung des rbb Klage gegen das Land Brandenburg beim Landgericht (LG) Potsdam eingereicht. Die Anhänger, die sich selbst “Pastafaris” nennen, wollen damit erreichen, dass die Hinweisschilder für ihre Messen an den Ortseingängen in Templin geduldet werden.

Die Gruppierung versteht sich offiziell als Weltanschauungsgemeinschaft und fordert die Gleichstellung mit anderen Religionsgemeinschaften. Das Land hatte sich aber bereits Ende 2014 klar positioniert und in der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters eine Religionsparodie erkannt, die keine religiöse Substanz in sich trage.

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Gysi: Jesus Christus wäre heute in der Partei ‘Die Linke’

Kritik an der Kirchensteuer: Die Kirche muss sich selbst um ihre Beiträge bemühen – Religionsgemeinschaften seien wichtig, „weil sie allein zurzeit in der Lage sind, allgemein verbindlich Moralnormen zu kreieren“.


kath.net

Gregor Gysi. Bild: FB
Gregor Gysi. Bild: FB

Jesus wäre heute wahrscheinlich ein höchst kritisches Mitglied der Partei „Die Linke“. Das sagte deren Vorsitzender der Bundestagsfraktion, Gregor Gysi (Berlin), dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten (ACP) in einen Interview auf die Frage, wie er die Persönlichkeit von Jesus bewertet. Der konfessionslose Oppositionsführer nannte Religionsgemeinschaften wichtig, „weil sie allein zurzeit in der Lage sind, allgemein verbindlich Moralnormen zu kreieren“. Kirchen müsse es geben, solange Menschen sie benötigten, und er könne sich keine Zeit vorstellen, in der dies nicht der Fall.

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Spaghettimonster-Klage geht nach hinten los

Bund für Geistesfreiheit muss möglicherweise für eine weitere Räumlichkeit Rundfunkbeitrag zahlen


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Fliegendes Spaghettimonster in Plüsch. Foto: Nadine. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Heute Vormittag wehte durch das Münchner Verwaltungsgericht in der Bayerstraße 30 ein Hauch von Königlich Bayerischem Amtsgericht. Genauer gesagt: ein Hauch aus der Episode Der Atheist. Zeitlich lag man zwar gute hundert Jahre über der “guten alten Zeit vor anno ’14”, aber inhaltlich konnte die Groteske durchaus mit den Drehbüchern von Georg Lohmeier mithalten.

Es ging nämlich darum, ob der Schwabinger Diplom-Designer Michael Wladarsch für seinen Betrieb in der Georgenstraße noch einen Rundfunkbeitrag zahlen muss, wenn dieser mittels einer Spülbürste und Nudelwasser zu einem Sakralraum der Kirche vom Fliegenden Spaghettimonster geweiht wurde. Diese Weihe hatte der Münchner Vorsitzende des Bundes für Geistesfreiheit (BfG) vornehmen lassen, nachdem man ihm beim Bayerischen Rundfunk mitgeteilt hatte, für seine atheistische Körperschaft des Öffentlichen Rechts gelte die Betriebsstättenbefreiung aus § 5 Absatz 5 des Rundfunkbeitragsstaatsvertrages nicht, weil die dort gemeinten Räume “gottesdienstlichen Zwecken gewidmet” sein müssten. Nachdem der BR trotzdem Geld sehen wollte, klagte Wladarsch.

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“Spaghettimonster”-Kult muss doch Rundfunkbeitrag bezahlen

Da flippte die Kirche aus. In Templin lud das “Spaghettimonster” zur “Nudelmesse”, wo andere für ihren Gottesdienst werben – Foto: dpa
Außergewöhnlicher Fall: Das Verwaltungsgericht München hatte zu entscheiden, ob für von der Pastafari-Religion genutzte Büroräume Rundfunkbeiträge gezahlt werden müssen. Der Kläger macht geltend, dass seinem Kult ebenso Beitragsfreiheit zustehe wie den Kirchen. Nichts da, das Gericht sieht das anders.


Von Joachim Huber|DER TAGESSPIEGEL

Das Verwaltungsgericht München hat sich am Mittwoch mit einem außergewöhnlichen Fall befasst: Die Richter hatten zu entscheiden, ob der Grafiker Michael Wladarsch Rundfunkgebühren für seine Büroräume entrichten muss. Der Münchner verneint dies – und beruft sich dabei auf eine Klausel im Rundfunkstaatsvertrag, die Gebührenfreiheit für „zu gottesdienstlichen Zwecken genutzte“ Räume gewährt. Er habe die Räumlichkeiten nach dem Kult des „Fliegenden Spaghettimonsters“ weihen lassen, sagte Wladarsch dem Evangelischen Pressedienst.

Das “Fliegende Spaghettimonster” (englisch Flying Spaghetti Monster, kurz: FSM) wurde im Juni 2005 vom amerikanischen Physiker Bobby Henderson als Gottheit erdacht. Es soll weltweit rund 30 Millionen Anhänger der zugehörigen Pastafari-Religion (nach dem jamaikanischen „Rastafari“) geben. Sie wollen mit ihrer Glaubenslehre den so genannten Kreationismus karikieren: In den USA behaupten Kirchenfundamentalisten, die Schöpfungsgeschichte sei in Form des Kreationismus eine wissenschaftlich fundierte Theorie und müsse daher im Biologieunterricht gelehrt werden.

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‚Die Kirche ist nicht mehr zu retten’

Die katholische Kirche befinde sich in Deutschland in einer Situation, in der sie nur verlieren könne, schreibt ein atheistischer Kommentator angesichts der hohen Austrittszahlen für 2014.


kath.net
jesus_schaukel„Die Kirche ist nicht mehr zu retten“ überschreibt Florian Chefai seinen Kommentar zur stark gestiegenen Zahl der Kirchenaustritte 2014 auf der Internetseite des Humanistischen Pressedienstes, welcher unter anderem der Giordano Bruno Stiftung und dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten nahesteht.

Die Kirche befinde sich in einer Situation, in der sie nur verlieren könne, analysiert Chefai. Zunächst erteilt er der von Bewegungen wie „Wir sind Kirche“ geforderten Anpassung an die moderne Welt eine Absage: „Mit jeder Verweltlichung, jeder Modernisierung und jeder Anpassung an den ‚modernen Zeitgeist’ verlieren die Kirchen an Bindungskraft. Denn wozu braucht es eine Kirche, die bloß mit religiösem Dialekt predigt, ohne religiöse Inhalte zu vermitteln? Mit zunehmender theologischer Substanzlosigkeit schwindet die Bedeutung der Kirchen.

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Libanesische Christen in der politischen Krise

Der Libanon ist das einzige Land im Nahen Osten, das immer ein christliches Staatsoberhaupt wählt. Doch der Streit um den Posten macht den Christen zu schaffen. Juliane Metzker berichtet aus Beirut.


Von Juliane Metzker|Deutsche Welle

Es ist ein heißer Donnerstagvormittag in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Vor dem Regierungsviertel stauen sich Dutzende Autos, aus denen junge Frauen und Männer orange Fahnen schwenken. Sie sind allesamt Anhänger der christlichen Freien Patriotischen Bewegung (FPB) und sammeln sich zum Protest.

“Wir sind hier, um die Rechte der Christen im Libanon zu schützen”, sagt die 23-jährige Studentin Joel, die zusammen mit ihren Freundinnen Plakate des FPB-Parteivorsitzenden Michel Aoun hochhält. “Die da oben dürfen nicht länger über unsere Köpfe hinweg entscheiden”, fügt der 21-jährige Anton hinzu, der sich der Gruppe von Frauen anschließt. Die da oben, damit meint er das libanesische Kabinett, das keine hundert Meter weiter im Grand Serail, dem Regierungssitz des libanesischen Ministerpräsidenten, tagt. Die Demonstranten verlangen, dass der Libanon endlich einen neuen Präsidenten bekommt, aber nicht irgendeinen – sie wollen ihren Präsidenten und rufen aus voller Kehle: “Gott, Libanon und Aoun; mehr brauchen wir nicht.”

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Brandenburg: Klage für die Nudelmesse

Bild: alienxfiles.com
Vor dem Landgericht Potsdam dürfte demnächst ein schwerwiegender Fall von Verletzung der Religionsfreiheit in Brandenburg verhandelt werden. Wie die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in der vergangenen Woche auf ihrer Homepage mitteilte, hat sie offiziell Klage gegen die Landesregierung eingereicht.


RedGlobe

Hintergrund ist die Forderung der Weltanschauungsgemeinschaft, am Ortseingang von Templin Hinweisschilder auf die dort an jedem Freitag um 10 Uhr gefeierte Nudelmesse anbringen zu dürfen, so wie dies auch bei den Konkurrenzgemeinden von Katholiken und Protestanten der Fall ist. Solche Hinweisschilder waren im vergangenen Jahr bereits kurzfristig in Templin angebracht worden, wenig später jedoch auf Druck der Landesregierung wieder abmontiert worden.

Die Pastafari kommentieren das auf ihrer Internetseite: »Die Akteneinsicht beim Landesbetrieb Straßenwesen hat ergeben, dass der noch lange bereit war, die Schilder zu genehmigen und wohl erst nach Einflussnahme aus dem Kultusministerium davon abgerückt ist. Schon merkwürdig, denn zu dem gehört er gar nicht. Ebenso merkwürdig, warum die Entscheidung der Kulturministerin, wir wären keine Religionsgemeinschaft, überhaupt irgendwelchen Einfluss hatte. Der Landesbetrieb hatte uns die Genehmigung ja als Weltanschauungsgemeinschaft gegeben. Nun kennt sich die Kultusministerin als als Schwester einer Bischöfin sich sicher gut mit Religionsgemeinschaften aus, aber darüber, ob wir Weltanschauungsgemeinschaft sind oder nicht, wurde weder von ihr noch sonst wo im Kultusministerium entschieden.«

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Unsere tägliche Dosis Rassismus – im Kinderkanal

Szene aus dem Mutcamp 2.0 Trailer © MDR/KiKa
Vier Stunden verbringen Menschen in Deutschland täglich vor dem Fernseher. Vier Stunden, in denen rassistische Inhalte serviert und konsumiert werden – auch in den Öffentlich-Rechtlichen, wie das MDR-Beispiel „Das Mutcamp“ (ausgerechnet) im Kinderkanal zeigt.


Von Franziska Schröder, Karin Schulz, Simon Lindner, Franziska Rüss|MiGAZIN

Menschen in Deutschland verbringen täglich durchschnittlich vier Stunden vor dem Fernseher, unabhängig von der Wahl des Senders oder der Sendezeit. Und immer wieder werden sie mit rassistischen Inhalten konfrontiert. Antrainierte Denkweisen, diskriminierende Handlungen und veraltete Vorstellungen werden unreflektiert wiedergegeben, bis sie tief in den Köpfen der Zuschauer verankert sind. Dies geschieht beiläufig und vielleicht nicht einmal böswillig – doch darf das keine Entschuldigung dafür sein, sich der Verantwortung zu entziehen, die wir alle im Umgang mit dem Thema haben.

Der Fernseher ist Teil unserer Gesellschaft und bestimmt als Leitmedium unser tägliches Leben. Darum ist es zwingend erforderlich und mehr als überfällig, sich der Gefahr bewusst zu werden, die er, durch stumpfes Nachkauen von damals wie heute schwierigen gesellschaftlichen Ansichten, für alle Schichten und Altersgruppen unserer Gesellschaft bedeuten kann! Unsere Kritik folgt dabei keinesfalls einer neuen Einsicht, sondern äußert sich gegen eine nicht endende, systematische Reproduktion von Rassismus, auf die wir durch Menschen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen (müssen), immer wieder hingewiesen wurden und werden. Es ist Zeit, ein allgemeines Bewusstsein für die Inhalte zu entwickeln, die uns Tag für Tag umspülen. Es ist Zeit, zu hinterfragen, was die Bilder, Szenen und Worte mit uns machen und vor allem – zu was sie uns machen. Wir müssen begreifen, dass solche Handlungen allen schaden – uns selbst, indem wir uns durch die anhaltende Betäubung mit unreflektierten Werten selbst die Möglichkeit nehmen, rassistische Muster aufzubrechen.

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Sterbehilfe-Debatte: “Der Staat darf niemanden zwingen zu leben”

Strafrechtler Reinhard Merkel. Bild: stern.de
Der Bundestag diskutiert über die Gesetzgebung zur Beihilfe zum Suizid, eine Mehrheit will sie wohl verbieten. Strafrechtler Reinhard Merkel findet das unmoralisch.


Interview Laura Himmelreich|stern.de

Herr Merkel, sollte ein Staat definieren, wie viel Schmerz und Leid ein Mensch ertragen muss, bevor er sich das Leben nehmen darf?

Nein. Das geht den Staat nichts an. Er muss Leben schützen, darf aber den Einzelnen nicht zwingen, gegen dessen Willen weiterzuleben.

Kann es dann überhaupt ein Unrecht sein, dass ein Mensch einem anderen beim Sterben hilft?

Sofern der Sterbewillige selbstbestimmt handelt und einen ernsthaften Wunsch hat, sein Leben zu beenden: nein. Denn es gibt keine rechtliche Pflicht zum Leben. So etwas wäre verfassungswidrig. Moralisch mag man, je nach ethischer Orientierung, den Suizid für verwerflich halten. Juristisch kann er kein Unrecht sein.

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NSA-Skandal: Assange bietet Abgeordneten ungeschwärzte Listen an

foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz) Wikileaks ist überall - und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz)
Wikileaks ist überall – und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
“Ich würde mich freuen, wenn sie zu mir kämen”: Whistleblower Julian Assange will sich von Bundestagsabgeordneten zur NSA-Affäre befragen lassen und dabei auch die US-Listen mit überwachten deutschen Politikern übergeben.


stern.de

Der Mitbegründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, bietet sich dem Bundestag als Zeuge zur Aufklärung der Spionageaktivität des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland an. “Ich würde mich freuen, wenn die Abgeordneten zu mir kämen, um ihre Fragen zu stellen”, zitiert der “Spiegel” Assange. Er könne ihnen insbesondere über die US-Listen mit überwachten deutschen Politikern Auskünfte erteilen, auf denen auch Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier gestanden haben sollen. Mitgliedern des NSA-Untersuchungsausschusses würde er die unlängst von der Plattform veröffentlichten Listen auch ungeschwärzt übergeben, bot Assange an.

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Klage vor Verwaltungsgericht: Gott gegen Gebühren

Michael Wladarsch vor seinem Grafikbüro an der Georgenstraße: Ist das eine “Betriebsstätte, die gottesdienstlichen Zwecken gewidmet” ist? (Foto: Florian Peljak)
  • Der Münchner Michael Wladarsch klagt gegen die Gebührenabteilung des Bayerischen Rundfunks (BR) und arguemtiert dabei mit dem Fliegenden Spaghettimonster.
  • Die Nudel-Gottheit sei ebenso absurd oder nicht absurd wie jede andere auch, argumentiert der Grafiker.
  • Was er sich nun erhofft? “Das Gericht soll klären, warum es Privilegien für die ohnehin privilegierten Kirchen gibt.”


Von Stefan Mühleisen|Süddeutsche.de

Es ist ruhig geworden um das Fliegende Spaghettimonster. Seit Bruder Spaghettus im Dezember 2014 in der Uckermark zum Missfallen der örtlichen Kirchen eine Nudelmesse veranstalte, war von der Spott-Religion nichts mehr zu hören. Doch nun könnte die Münchner Sektion des Bundes für Geistesfreiheit (BfG) der kuriosen Lehre neue Aufmerksamkeit verschaffen. In einer Klage vor dem Münchner Verwaltungsgericht führt er die Nudel-Gottheit gegen die Gebührenabteilung des Bayerischen Rundfunks (BR) ins Feld. Eine “Satire-Aktion mit ernstem Hintergrund”, wie der BfG-Vorsitzende und Klageführer Michael Wladarsch sagt. “Das Gericht soll klären, warum es Privilegien für die ohnehin privilegierten Kirchen gibt.”

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