«Meine Brust, meine Rechte»: Hunderte von Müttern stillen aus Protest auf der Strasse

(Bild: Keystone)
Mit einem Massen-Stillen haben Hunderte von argentinischen Müttern für das Recht demonstriert, ihrem Kind öffentlich die Brust geben zu dürfen.

Neue Zürcher Zeitung

Auf Spruchbändern in Buenos Aires standen Slogans wie «Meine Brust, meine Rechte» oder «Stillen steht nicht zur Debatte».

Bei der Aktion auf einem Platz der Hauptstadt Buenos Aires zeigten die Frauen am Samstag (Ortszeit) ihren Unmut über die Festnahme einer jungen Mutter wegen öffentliche Stillens in der vergangenen Woche. Auch ausserhalb der Hauptstadt gingen argentinische Frauen am Samstag wegen des Vorfalls auf die Strasse.

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Humanismus: Grundbegriffe

„Humanismus“ ist eine kulturelle Bewegung, ein Bildungsprogramm, eine Epoche, eine Tradition, eine Weltanschauung, eine Form von praktischer Philosophie, eine politische Grundhaltung, welche für die Durchsetzung der Menschenrechte und für humanitäre Praxis eintritt.

Humanistischer Verband Deutschlands

Das neue Kompendium erfasst die einfachen und allgemeinen Begriffe in ihrem Zusammenhang und stellt den Nutzen für die Erkenntnis gegenwärtiger Probleme in Medizin, Ethik, Ökonomie, Recht und Politik dar. Der Band enthält einen systematischen Teil und einen Teil mit den Grundbegriffen. Die verschiedenen Richtungen und Institutionen der humanistischen Bewegung in Geschichte und Gegenwart werden im Umriss sichtbar gemacht und die neuen Felder und Aufgaben gezeigt, die der Humanismus-Forschung durch die Entwicklung der modernen Medizin, der Menschenrechtspolitik und der Geschlechterstudien, der digitalen Revolution und der Globalisierung entstanden sind. Das humanistische Erbe aus Antike, Renaissance und Aufklärung wird kritisch mit diesen neuen globalen Anforderungen vermittelt.

Humanismus: Grundbegriffe versammelt neben einem knappen systematischen Teil vor allem kurze und prägnante Artikel zu insgesamt 38 Grundbegriffen: Von Arbeit, Aufklärung, Feier/Fest, Glück über Humanitäre Praxis, Liebe, Menschenrechte/Menschenwürde bis zu Religionskritik, Seelsorge, Wahrheit und Zweifel. Der Band resümiert einschlägige wissenschaftliche Arbeiten der letzten Jahre und stellt eine solide Grundlage nicht nur für weitere Forschungen, sondern auch für den praktischen Humanismus dar.

Für Getränke und einen kleinen Imbiss ist gesorgt. Um Anmeldung wird gebeten: info@humanistische-akademie-berlin.de

7. Juni 2016 – 17:0020:00

Buchvorstellung mit den Herausgebern Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Cancik, Dr. phil. habil. Horst Groschopp und Prof. Dr. phil. habil. Frieder Otto Wolf.

Religiöser Wahn und induziertes Irrsein

jesus_guillotineWährend die Deutschen mit fliegenden Fahnen, hysterievollen Hosen und mit menschenverachtendem Eifer jubelnd dem Vierten Reich entgegenrennen, vollgepumpt mit dem Adrenalin des Hasses und der Dummheit, scheint es Wichtigeres zu geben als sich mit aberwitzigen Streitereien von dramatisch unterdurchschnittlich intelligenten Glaubensgemeinschaften wie den Evangelikalen unter Ulrich Parzany zu beschäftigen.

Von Wolfgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Aber nein doch, sage ich – denn bei solchen Figuren und Gruppen liegt ein tonnenschwerer Grund für unsere politische Situation, die so sehr auf Dummheit und Angst gegründet ist.

Ein ewiger Feldzug wider der Vernunft

Es ist eine triste Tatsache, daß die Aufklärung längst ins Kriechen gekommen ist – denn die Religionsgemeinschaften jeder Couleur haben es geschafft, sie zu hintergehen und zu unterlaufen. Sie lassen sich die Verbreitung ihrer Dummheiten staatlich alimentieren. Ihr ewiger Feldzug gegen die Vernunft zeigt sich nicht nur in den mörderischen Ungeheuerlichkeiten, die der Islam und seine Vertreter veranstalten, sondern auch in der angeblich „abendländischen“ Gegnerschaft (siehe PEGIDA, PiS oder den Front National) mit den erbittertsten Barbarismen. Religionen sind noch immer – und können es auch nicht anders sein – die mächtigsten Gegner des Denkens, der Intelligenz, der Kritik, des Hinterfragens, der menschlichen Selbstbestimmung und (Lebens)-Lust und der Vernunft.

Wer sich auf ein höheres unbezweifelbares und nicht kritisierbares Wesen beruft, um sein Handeln und Leben zu begründen und zu rechtfertigen, der ist zu jeder Unmenschlichkeit fähig im Namen seines Gotteswahnes. Von wegen, daß unsere westlichen Gesellschaften säkularisiert seien – sie sind es nicht! Der gesamte Alltag ist religiösem Wahn unterworfen, die gesamte Ethik kriecht bei uns den christlichen Absurditäten und woanders denen des Islams nach. Unser Umgang mit Recht, Medizin, Sexualität und Politik ist jenen phantastischen Widersprüchen von Schuld und Sühne, Gottesbefehlen und Lebensfeindlichkeit unterworfen, wie sie nur die Religionen hervorbringen können.

Die tierprimitive Angst vor dem Tod, dem Blitz und dem eigenen Körper hat die Religionen hervorgebracht, die dann wiederum patriarchale penile Herrschaftsphantasien legitimieren sollten, Hierarchien der Unterdrückung und der Ignoranz.

Tierprimitive Angst vor Tod, Blitz und Körper

Obwohl die Religionen jeden menschlichen, wissenschaftlichen und politischen Fortschritt behindern, beteiligen wir Religionsvertreter in Ethikausschüssen, fragen Kardinal Marx wenn es um Genetik, Fortpflanzung und Menschenrechte geht – der dazu ebenso wenig Substanzielles beizutragen hat wie etwa ein evangelikaler Führer vom Schlage eines Ulrich Parzany.

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Franz bekommt Karlspreis – absolutistischer Kirchenfürst

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Der Papst «vom anderen Ende der Welt» wird für seine Verdienste um Europa geehrt: Der angesehene Karlspreis geht an den Argentinier Franziskus – weil er den Europäern Orientierung gibt. Viele Gratulanten halten das für eine richtige Entscheidung.

Frankfurter Rundschau

Papst Franziskus erhält für seine ermutigenden Worte über Europa den Karlspreis 2016. Das katholische Kirchenoberhaupt sende in einer Zeit, in der die Europäische Union Krisen durchlebe, eine hoffnungsvolle Botschaft, erklärten das Karlspreisdirektorium und die Stadt Aachen am Mittwoch. Seit 1950 wird der Preis für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Die Preisverleihung soll – anders als üblich – 2016 allerdings nicht in Aachen stattfinden, sondern in Rom. Ein Termin steht noch nicht fest.

«In dieser Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger in Europa Orientierung suchen, sendet Seine Heiligkeit Papst Franziskus eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung aus», stellte das Karlspreisdirektorium in seiner Begründung fest. Der Papst sei eine «Stimme des Gewissens», die mahne, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Und die daran erinnere, dass Europa verpflichtet sei, Frieden, Freiheit, Recht, Demokratie und Solidarität zu verwirklichen – aufbauend auf den Idealen seiner Gründerväter.

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Die Schlange der Fiktion

Postmodernismus

Die Gegenwart formuliere keine philosophischen Systeme mehr, heißt es. Der Franzose Bruno Latour hat trotzdem eine Theorie über alles entwickelt. Was heißt das für die Literatur?

Von Ernst-Wilhelm Händler|DIE WELT

Dem deutschen Feuilletonleser der Gegenwart begegnet lebendige Philosophie nahezu ausschließlich in Form von philosophischen Brocken, die vor allem in den von den Neurowissenschaftlern angestoßenen Debatten um das Bewusstsein und den freien Willen eine Rolle spielen. Die Tradition umfassender philosophischer Theorien wird durch die – sehr verdienstvollen – historischen Darstellungen Rüdiger Safranskis und die mitlaufende Deutung der Gegenwart gemäß Nietzsche durch Peter Sloterdijk bewahrt. Ansonsten findet sich im deutschen Sprachraum immer wieder die Behauptung, in der Gegenwart würden keine philosophischen Systeme mehr formuliert. Das entspricht nicht den Tatsachen.

Die amerikanischen Philosophen sind seit jeher keine Systembauer und halten sich auch heute nicht damit auf, die Gegenwart zu beschreiben. Die „praktischen Philosophen“ der Westküste gestalten den Menschen der Gegenwart mit einem Mix aus Hardware – iPhone – und Software – Apps und Facebook – um. Die theoretischen Philosophen wie Ray Kurzweil beschreiben eine Zukunft, für die das Axiom gilt: Alle technischen Möglichkeiten werden verwirklicht. Europäer wie der Schwede Nick Bostrom versuchen, in dieser Zukunft ohne Menschen den Menschen durch abstrakte Wertsysteme zu ersetzen. Aber die Franzosen entwerfen noch klassische philosophische Systeme. Zwei herausragende Beispiele sind die radikalplatonistische Theorie von Alain Badiou und der soziologische Ansatz von Bruno Latour. Badious Obsession ist die Möglichkeit von Ontologie. Er sieht die Mengenlehre als diejenige Disziplin, die das Reden über die Welt und ihre Bestandteile ermöglicht und begrenzt. Badious Überlegungen setzen allerdings mathematische Kenntnisse voraus, über die der normale philosophisch Interessierte und der Feuilletonleser nicht verfügen können.

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Religionen als Hort von Fundamentalismus? Ein theologischer Diskurs ist nötig

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Religionsfreiheit bedeutet nicht religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit Gläubiger, sich einzubringen.

Von Martin Grichting|Neue Zürcher Zeitung

Die Reaktion der Polizeikräfte auf die islamistischen Terrorattacken von Paris war beachtlich. Die Verteidigung an der gesellschaftlich-politischen «Heimatfront» erscheint weniger überzeugend. Angesichts eines auf einer bestimmten Interpretation des Islam basierenden Angriffs ist es nicht ausreichend, bloss von der Infragestellung des westlichen Gesellschaftsmodells zu sprechen. Wer den religiösen Antrieb derer nicht zum Nennwert nimmt, die sich ins Jenseits sprengen, greift zu kurz und läuft Gefahr, inadäquat zu handeln. Im Fadenkreuz der Islamisten steht nicht einfach unsere als «dekadent» diffamierte Gesellschaft, sondern ein dem Islam widersprechendes Religions- und Weltverständnis.

Darüber muss es einen theologischen Diskurs geben: Sowenig man alle Muslime in den gleichen Topf werfen darf, so wenig darf man alle Religionen als Hort von Fundamentalismus oder Irrationalismus aus der öffentlichen Debatte verdrängen. Religionsfreiheit bedeutet nicht eine religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit der Gläubigen, sich einzubringen. In religiösen Inhalten können Wahrheitsgehalte erkannt werden, die sich in eine religiös ungebundene Argumentation einbringen lassen (Habermas).

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Wir brauchen ein Bundesamt für bessere Drogen

Bild: heise.de
Drogen sind ungesund? Es gibt ein Recht auf Rausch? Stimmt beides. Deswegen sollten Rausch-Alternativen systematisch erforscht werden. Der Staat muss dabei wichtigster Akteur sein.

Von Marcus Meier|TELEPOLIS

Noch herrscht Stillstand in der Drogenpolitik. Am öffentlichen Tresen kiffen? Nein, Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dürfen keine legalen Coffeeshops etabliert werden, weil die Bundesopiumstelle den entsprechenden Antrag der grünen Bezirksbürgermeisterin in der unlängst als „unzulässig“ abbügelte. Insbesondere, da „der Betäubungsmittelverkehr Genusszwecken dienen soll“, wie die Bundesopium-Bürokraten sich empörten.

In der parlamentarischen Pipeline hängt ein Antrag der grünen Bundestagsfraktion fest, per Cannabiskontrollgesetz einen „kontrollierten legalen Markt“ zu schaffen. Das erklärte Ziel: Besserer Jugendschutz und Risikominimierung. Die SPD fand einige Punkte bedenkenswert, aber die Union schüttelt den Kopf. Das war’s dann wohl.

Die Piratenpartei setzt derweil auf „Cannabis Social Clubs“, also Vereine, in deren Räumlichkeiten Vereinsmitglieder Hanfpflanzen anbauen, ernten und verbrauchen sollen. Natürlich legal. Doch der Vorschlag der bedeutungsarmen Partei verströmt allzu viel „Small is beautiful“-Romantik.

Es bleibt, so scheint es, alles beim Alten: „Die Bevölkerung muss vor Rauschgift geschützt werden“, sagt der Prohibitionist, wobei er die Volksdrogen Alkohol und Nikotin zumeist ignoriert. „Es gibt ein Recht auf Rausch“, kontert der Hedonist. Und gekifft, geschnupft und gespritzt werde eh. Recht haben beide Seiten – wenn auch nur gegeneinander. Es bedarf eines dritten Wegs jenseits dieser Extreme. Doch Grüne und Piraten präsentieren allenfalls einen zweieinhalbten.

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Vor der Offenbarung waren alle gleich

Reminiszenz des mittelalterlichen Islam in Europa: die Moschee von Cordoba ©Reuters
Auch im Mittelalter unterschieden sich die Glaubensanschauungen von Juden, Christen und Muslimen erheblich. Trotzdem kamen sie viel besser miteinander aus. Das zeigt ein neuer Online-Studiengang.

Von Manuela Lenzen|Frankfurter Allgemeine

Kann man die Kabbala mit dem Sufismus vergleichen? War die Anzahl der Gerechten, die seit Anbeginn der Welt zwischen Gott und Mensch vermitteln, in Islam und Judentum gleich? Unterscheiden sich die Religionen in der Rezeption des Neuplatonismus? Michael Epstein, Spezialist für islamische Mystik an der Hebrew University in Jerusalem, hat es mit seinem Auditorium nicht leicht. Vor ihm, in einem nagelneuen Seminarraum der Freien Universität Berlin, sitzen zwölf Studenten des einjährigen Master-Studiengangs „Philosophie und Ideengeschichte der mittelalterlichen Welt des Islam“. In diesem, dem zweiten Jahrgang, sind es Palästinenser, Israelis, Ägypter, Türken und Deutsche. Epstein hat ihnen Texte von al-Hakim al-Tirmidhi, einem Theosophen des neunten Jahrhunderts, mitgebracht und von Ibn Arabi, einem der berühmtesten Sufis, der 1240 in Damaskus starb. Gelesen wird im arabischen Original. „Diese Texte sind wichtig für das, was heute in der islamischen Welt passiert“, sagt Epstein.

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Gender-Ideologie: Vorbotin der Diktatur?

Bild: tillnikolausvonheiseler.wordpress.com
Totalitätsforschung: Stellt Gender Main Streaming tatsächlich einen Angriff auf die Demokratie dar?

Von Till Nikolaus von Heiseler|der Freitag

Was ist Demokratie? Die Systemtheorie des deutschen Soziologen Niklas Luhmann unterscheidet zwischen traditionellen Gesellschaften, also Adelsgesellschaften, in denen in der Regel Religion eine bedeutende Rolle spielt (stratifizierten Gesellschaften) und der modernen Demokratie (ausdifferenzierter Gesellschaft).

In den traditionellen Gesellschaften verkörpert die Spitze das Ganze und Moral, Recht, Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft und Religion bilden eine Einheit. Es existiert keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Moral und Recht. Beide sind in der religiösen Tradition begründet. Klassischerweise wird auch Herrschaft religiös begründet. Die Kunst steht ebenfalls im Dienste der Religion. Die Wissenschaft beschränkt sich auf Medizin und Technik. Ehe und Familie unterstehen der Tradition.

Die modere Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass einzelne weitgehend autonome gesellschaftliche Funktionssysteme entstanden sind; wie beispielsweise das Rechtssystem, die Kunst, die Politik, das Wirtschaftssystem, die Wissenschaft. Das moderne Rechtssystem kann nur deshalb weiterbestehen, weil es sich von moralischer Kommunikation unterscheidet. In ihm soll weder politische Macht noch Geld eine Rolle spielen.

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Lob der Skepsis

Je komplexer unsere Zeiten werden, desto wichtiger scheint die feste Überzeugung als Grundkraft allen Handelns zu sein. Die Skepsis geniesst dagegen keinen guten Ruf – zu Unrecht.


Von Manfred Schneider|Neue Zürcher Zeitung

Friedrich Nietzsche, 1882 (Photographie von Gustav Adolf Schultze) PD
Friedrich Nietzsche, 1882 (Photographie von Gustav Adolf Schultze) PD

«Der Glaube versetzt Berge»: Diese biblische Lehre ist längst in unseren Alltag eingezogen und hat ihn bisweilen verwüstet. Der Einsatz der Kräfte, die Glaube und Überzeugung mobilisieren können, zählt zum Handwerk von Sportlern, Managern, Mentaltrainern und Politikern. Die Weltgeschichte weiss von den Wundertaten starker Überzeugungen: Kolumbus erreichte Amerika, Luther bot dem Papst die Stirn, Alan Turing knackte den Enigma-Code der deutschen Wehrmacht, Gandhi führte Indien in die Freiheit, Astronauten betraten den Mond. Kein Sportler bricht einen Rekord, kein Kletterer erreicht den Gipfel ohne den festen Glauben, dass der Streich gelingt. Wer etwas Grosses leisten will, darf sich nicht vom Zweifel anwandeln lassen.

Weder Furcht noch Zweifel

Erst recht gilt die Überzeugung als Grundkraft allen politischen Handelns. Ein Volk von Zögernden hätte nicht die Bastille gestürmt. Wer würde einen von Zweifeln angekränkelten Präsidenten wählen? Niemand folgt einem General, der nicht den Sieg verspricht. Führung verlangt wenigstens das Wortschauspiel der Gewissheit. Seit der Antike lehren die Meister der Rhetorik, dass vor allem das Überzeugungsvermögen den Erfolg des Redners in der Politik oder vor Gericht bestimmt. An diese Lehre haben sich Propheten, Tyrannen, Forscher, Spekulanten, Glaubenskrieger, Unternehmer, Päpste und Werbepsychologen gehalten.

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Moral als Handlungsmaßstab gefährlich

Der erhobene Zeigefinger – schlecht für die Kommunikation zwischen Konfliktparteien (dpa / Tim Brakemeier)
Auf die Moral zu pochen, verbaue Kompromisse zwischen Konfliktparteien, legt Thilo Hagendorff in „Sozialkritik und soziale Steuerung“ dar. Der Soziologe empfiehlt stattdessen, sich konkrete Handlungsstrategien zu überlegen, um tatsächlich etwas zu verändern.


Von Florian Felix Weyh|Deutschlandradio Kultur

Es findet sich kaum ein Satz bei Adorno, welcher nicht eindeutig moralisch codiert wäre da werden selbst die Pantoffeln, in welche man schlupfen kann, zum Denkmal des Hasses gegen das sich Bücken oder der Fund eines Dinosaurierskeletts zur Kollektivprojektion des totalitären Staates.“

Starke Worte eines jungen Rebellen. Starke Worte? Ja. Aber rebellisch ist der junge Mann irgendwie nicht so richtig:

O-Ton: „Ich meine, dass man nicht davon ausgehen kann, man könne Gesellschaften oder große Systeme im Ganzen irgendwie revolutionieren und diese komplett auf andere Füße stellen.“

Das aber meinten die Altvorderen durchaus noch. Die Soziologie und die in der Philosophie angesiedelte Frankfurter Schule fungierten nachgerade als universitäre Heimathäfen für Veränderungswünsche aller Couleur. An den Lehrstühlen und in den Seminaren wurde Gesellschafts- und Sozialkritik vorgedacht, die dann irgendwie und von irgendjemandem im politischen Raum verwirklicht werden sollte. Als das nach den rauschhaften Revoluzzer-Jahren von 1968 nicht mehr so recht klappte, schlugen die beteiligten Akademiker nach Beobachtung des Tübinger Nachwuchssoziologen Thilo Hagendorff eine ziemlich bequeme Richtung ein, die der Selbstreferenzialität nämlich.

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Leben ist wertvoller als Würde

Kindeswohl

Ian Mc Ewan beschreibt in seinem neuen Roman Kindeswohl die Welt zwischen Recht, Gerechtigkeit und Richtigkeit


Von Andrea Schurian|derStandard.at

Glaube, Liebe, Hoffnung, Recht und Religion, kirchliche und staatliche Autorität, ethische Werte, menschliche Würde, die Grenzen von Macht und Medizin, Moral und Gesetz – es sind existenzielle Themen, die Ian McEwan in seinem jüngst auf deutsch erschienenen Roman Kindeswohl aufwirft. Fiona Maye, 59, kinderlos, ist Familienrichterin am High Court. Ihr Eheleben geht den Bach hinunter, und während sie das Ansinnen ihres Mannes Jack, sie möge seinen geplanten Seitensprung doch bitte als – zugegeben extravagantes – Eheaufputschmittel genehmigen, wortkarg abschmettert und mit dem Austauschen der Türschlösser quittiert, vermag sie ihre juristisch schwerwiegenden Entscheidungen zum Wohl des Kindes eloquent zu untermauern. Nur in Ausnahmefällen, so heißt es im Gesetz, nur wenn das seelische oder körperliche Kindeswohl gefährdet ist, darf der Staat in des Erziehungsrecht der Eltern eingreifen. Doch wann genau ist das? Schließlich wollen Väter und Mütter meist das Beste für ihre Kinder. Wann aber ist das Beste schlicht nicht gut?

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In Deutschland gilt auch US-Recht

justiz_grossWarum Edward Snowden nicht nach Deutschland kommen darf? Hier droht Auslieferung statt Asyl. Denn für die Bundesregierung ist die Partnerschaft mit den USA wichtiger als Recht und Verfassung. Eine bittere Erkenntnis.

Von Josef FoschepothSüddeutsche.de

Edward Snowden darf weitere drei Jahre in Russland bleiben und auch frei ins Ausland reisen. Sollte er je deutschen Boden betreten (was Snowden selbst und viele Deutsche sich wünschen) – nach welchem Recht würde man diesen Whistleblower hier behandeln? Als in den vergangenen Monaten über Aufenthaltsmöglichkeiten für Snowden diskutiert wurde, wurden drei Optionen genannt.

Erstens, das Asylrecht – es schied aus, weil ein Antrag auf Asyl nur von einer Person gestellt werden kann, die sich bereits im Lande aufhält. Eine zweite Möglichkeit wäre, Snowden nach dem Aufenthaltsgesetz aufzunehmen, das einem Ausländer „aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis“ ermöglichen kann. Dies lehnte die Bundesregierung ab. Auch die dritte Möglichkeit lehnte sie ab: Den Whistleblower nur für eine Zeugenvernehmung durch den parlamentarischen NSA-Untersuchungsausschuss ins Land zu lassen.

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Ethikunterricht: Ein Stiefkind in Deutschland

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Ein Drittel der Einwohner Deutschlands ist konfessionslos. Ein Recht auf das Unterrichtsfach Ethik für ihre Kinder haben sie nicht immer. Religion bleibt privilegiert.

Von AchtermannderFreitag

Spätestens mit der Einschulung zeichnen sich in manchen Bundesländern die ersten Konflikte ab. Der erste Schultag meiner Kinder begann vor einigen Jahren mit einem Gottesdienst: Treffpunkt Kirche. Nach dem Gottesdienst liefen alle gemeinsam zur Schule. Denn jedes Kind fieberte der ersten Unterrichtsstunde entgegen. Können wir unser Kind außen vor lassen, da es ohne Transzendenz erzogen worden ist?, war eine Frage, die wir Eltern uns stellten. Wir könnten. Aber das gerade sechs Jahre alt gewordene Mädchen würde es nicht verstehen, wenn es mit seinen Eltern alleine – auf dem Dorf ist man in dieser Angelegenheit meist alleine – vor der Schule warten sollte bis die anderen kommen. Also beugten wir uns den Zwängen und nahmen mit Kind und Schultüte am Einschulungsgottesdienst teil.

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Tantra-Masseurin muss Sexsteuer zahlen

Tantra ist eine alte indische Philosophie, die auf Lernen durch Erleben setzt. Bei Tantra-Massagen sind sowohl der Kunde als auch der Massierende nackt. Mit Berührungen, die auch den Intimbereich einschließen, soll die sinnliche Wahrnehmung geschult werden. Die Massage folgt einem strikt einzuhaltenden Ritus. Dabei kann der Kunde zum Höhepunkt kommen, aber das ist nicht das erklärte Ziel. Foto: imago (Symbolbild)
Sex oder ganzheitliches Wohlbefinden? Ein Gericht hat eine Tantra-Masseurin in Stuttgart zur Zahlung der Sexsteuer verdonnert. Sie biete gezielt “ Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen.“

stern.de

Tantra-Massagen sind sexuelles Vergnügen und damit steuerpflichtig. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim wies die Revisionsklage der Besitzerin eines Massagesalons gegen die Stadt Stuttgart ab, wie das Gericht am Montag mitteilte.

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Tantra-Masseurin will keine Sex-Steuer zahlen

Esoterik im Recht: Wissenschaft vom Justiz-Gespenst

ghostAuch den okkultesten Fragen kann man sich mit Ernst und Wissenschaftlichkeit widmen, wie frühere Schriften gelehrter Juristen eindrucksvoll belegen. Mit Sorgfalt wird dort etwa diskutiert, ob ein von Geistern befallenes Haus zum Rücktritt berechtigt, und ob gespenstische Heimsuchungen der Ehefrau einen Scheidungsgrund darstellen.

Von Martin RathLegal Tribune Online

Prüfungsschemata zum Kaufvertragsrecht pauken zu müssen, zählt sicher nicht zu den erfreulichsten Entwicklungsphasen eines Menschen, der zum Juristen heranreifen will. Die Dogmatik ist spröde, die Fälle sind zäh. Dieser Befund ist erstaunlich, denn die Lehrer der ödesten Schuldrechtsprobleme haben seit über 300 Jahren Fallbeispiele zur Hand, mit denen sie die Hörer ihrer Vorlesungen noch aus dem todesähnlichsten Tiefschlaf aufschrecken könnten. Fallbeispiele wie das Folgende.

„Wenn z.B. dem Titius von dem Sempronius ein Haus verkauft und übergeben ist, dasselbe auch schon anfängt bewohnt zu werden, dann aber wiederholt Gespenster in demselben auftreten, so ist die Frage, ob der Titius an den Vertrag gebunden sein soll oder ob er auf völlige Lösung desselben klagen kann. Da diese Frage ziemlich unklar ist, so sind die Fälle gesondert zu betrachten. Wenn das Haus schon vor dem Verkauf von Gespenstern besucht war, der Verkäufer dies aber verschwiegen hat, so zweifle ich nicht, dass auf Lösung des Vertrags geklagt werden kann, sobald in der Tat nach Abschluss des Vertrags die Geister auch dem Käufer und seiner Familie sich zeigen.“

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Bischöfe: Israel hat kein Definitionsrecht für Christen

Bild: wikimedia.org
Israel habe weder ein Recht noch eine Pflicht zu definieren, wer die Christen im Land seien, heißt es in einer am Mittwoch vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.

kath.net

Die katholischen Bischöfe des Heiligen Landes sprechen israelischen Politikern ein Recht zur Definition von Christentum ab. Israel habe weder ein Recht noch eine Pflicht zu definieren, wer die Christen im Land seien, heißt es in einer am Mittwoch vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Die Bischöfe kritisieren darin jüngste Bestrebungen, die christlich-arabischen Israelis für den Militärdienst zu gewinnen und dabei zwischen Christen und Muslimen zu unterscheiden.

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Gedanken sind nicht biologisch bedingt – naturalistische Argumente gegen den Evolutions-Biologismus

Rodin, Der Denker, Bild: wikimedia
„Naturalismus“ ist ein Thema, das die Scilogs-Leser besonders zu interessieren scheint – weit mehr als den Rest der intellektuellen und akademischen Öffentlichkeit. Das mag daran liegen, daß Scilogs-Leser größtenteils eine Naturwissenschaft studiert haben oder studieren und die naturalistische Philosophie ihnen schmeichelt. Vielleicht liegt es auch daran, daß diese für jemanden, der naturwissenschaftlich ausgebildet ist, relativ leicht verständlich ist; von Philosophien anderen Zuschnitts – beispielsweise absoluter Idealismus, Phänomenologie, Existentialismus – kann man das ja keineswegs sagen. Jedenfalls: Wann immer hier oder in anderen Scilogs-Blogs das Thema Naturalismus angeschnitten wird (z. B.: a, b, c, d, e, f), schnellt die Zahl der Kommentare in die Höhe und der Tonfall wird aufgeregter.

Von Ludwig TreplLandschaft&Ökologie/SciLogs

Den Naturalismus habe ich neulich in einem Blogartikel mit Geert Keil (2007) so charakterisiert: „Die naturwissenschaftlichen Methoden sind der Königsweg zur Wahrheit, sie können überall angewandt werden und verschaffen Wissen über alles, worüber es überhaupt etwas zu wissen gibt.“

Nun werden die Naturalisten immerzu darauf hingewiesen, daß es doch Dinge gibt, über die es etwas zu wissen gibt, bei denen uns aber die naturwissenschaftlichen Methoden kaum oder gar nicht zu Wissen verhelfen. Ethik oder Recht oder Kunstgeschichte wären Beispiele. Auch verweist man darauf, daß die Naturwissenschaften ihrerseits auf Wissenschaften basieren, in denen man nicht auf naturwissenschaftliche, also empirische Weise, durch Beobachtung der Natur, zu Wissen kommt: Mathematik und Logik.

Von naturalistischer Seite kommt in der Regel folgende Antwort: Hier handelt es sich um ein Wissen, das wir mit allen Menschen teilen. Alle können „logisch“ denken, alle können rechnen (lernen), und trotz aller Unterschiede zwischen den Kulturen und Zeiten gibt es gewisse Gemeinsamkeiten in Fragen der Ethik; sich durch Betrug zu bereichern wird man nirgends für ethisch erlaubt halten, wenigstens dann nicht, wenn die Betrogenen zu den vollwertigen Menschen gezählt werden. Woran liegt das? Es liegt, sagt man, einfach daran, daß wir alle der gleichen biologischen Spezies angehören, also eine gemeinsame biologische Evolution hinter uns haben. Da sind nicht nur gemeinsame körperliche Merkmale, sondern auch gemeinsame Denkstrukturen und auch Denkinhalte entstanden. Hier einige Zitate des Physikers und Scilogs-Autors J. Honerkamp: „Aber das Erkenntnissubjekt ist eben auch ein ‚Stück Natur’, insbesondere ist seine Erkenntnisfähigkeit durch den Evolutionsprozess in der Natur entstanden.“ „In der Tat glaube ich auch, dass sich in unserer genetischen Ausstattung, die sich im Laufe der Evolution gebildet hat, nicht nur Bewegungsabläufe sondern auch Denkstrukturen gespeichert sind, die unser Verhalten gegenüber der eigenen oder fremden Spezies bestimmen.“ „Moralisch schlecht ist, was den anderen schadet. Natürlich haben wir dann ein Bild von einem guten Zusammenleben, vom Überleben unserer Spezies, im Hinterkopf. Da kommt wieder unsere genetischen Ausstattung, die sich im Laufe der Evolution gebildet hat, ins Spiel.“ (Siehe hier)

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In den Kirchen dominieren das Geld und das Recht

Bild: tilly
Bild: tilly
Die christlichen Kirchen in Deutschland brauchen nach Einschätzung führender Religionssoziologen einen radikalen Wandel.

Hannover Zeitung

Sie sollten ihre Religiosität und ihre Strukturen dringend erneuern, andernfalls gehe das Vertrauen der meisten Menschen endgültig verloren, sagten der Sozialethiker Prof. Dr. Karl Gabriel aus Münster und der Soziologe Prof. Dr. Michael Ebertz aus Freiburg am Freitagabend in Münster. Es gehe um eine überzeugendere Glaubensverkündigung und einen Weg „von der Kleriker- zur Laienkirche“. Ebertz sprach von einem „Transformationsprozess, der einer Revolution gleichkommt“. Der Bielefelder Soziologe Prof. Dr. Franz-Xaver Kaufmann fügte hinzu: „In den Kirchen dominieren das Geld und das Recht. Die religiöse Dimension ist fast verloren gegangen.“ Die Wissenschaftler äußerten sich auf einem Symposium zur Zukunft der Kirchen des Centrums für Religion und Moderne (CRM) und des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Uni Münster zum 70. Geburtstag von Prof. Gabriel.

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Pussy Riots Punk-Gebet: Die Parallele zu den Sex Pistols

Mitglieder der Künstlerinnen-Gruppe Pussy Riot (Bild: Sergey Ponomarev/AP/dapd)
Der Religionswissenschaftler Joachim Willems hat ein sehr reflektiertes Buch über den Fall Pussy Riot geschrieben. Seine Sympathie für die Künstlerinnen macht er deutlich – kritische Sympathie, die er ebenso für die orthodoxe Kirche aufbringt. Sehr erhellend ist zudem die Parallele, die er zwischen Pussy Riot und den Sex Pistols zieht.

Von Uli HufenDeutschlandfunk

Noch ein paar Monate, dann werden Nadezhda Tolokonnikowa und Marija Aljochina wieder frei sein. Im März 2014 ist es zwei Jahre und zwei Wochen her, seit Tolokonnikowa, Aljochina und zwei andere, unbekannte junge Frauen in neonbunten Sturmmasken, Kleidern und Strumpfhosen vor der Ikonenwand in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ihren inzwischen weltberühmten Punk-Bittgesang aufführten. Wobei nur schwer zu rekonstruieren ist, was genau in der Kathedrale zur Aufführung kam und was später am Schneidetisch hinzugemischt wurde. Klar ist nur eins: Das Video der Performance reihte allerlei unflätige Beschimpfungen gegen Staat und Kirche aneinander und gipfelte in der Bitte, die Gottesmutter Maria möge doch bitte Vladimir Putin verjagen. Maria hatte kein Einsehen, aber Putin war beleidigt. Nach landläufiger Einschätzung sitzen Pussy Riot genau deshalb im Gefängnis.

Dass es mit den landläufigen Einschätzungen im Fall Pussy Riot nicht allzu weit her ist, zeigt der Berliner Religionswissenschaftler Joachim Willems jetzt in seinem vorbildlichen Buch „Pussy Riots Punk-Gebet“. Wobei der Untertitel des Buches entscheidend ist: Er lautet nicht: „Putins böses Regime und seine Handlanger aus der orthodoxen Kirche“, sondern: „Religion, Recht und Politik in Russland.“

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