Schlagwort-Archive: Politik

Franz: „Wir haben herzlich wenig für Frauen getan“

Papst Franziskus fordert mehr Einsatz für Frauenrechte. / Bild: (c) Youtube Screenshot/Vatikan
Der Papst kritisiert in einer Videobotschaft den mangelnden Einsatz für Frauenrechte. Franziskus verurteilt sexuelle Gewalt gegen Frauen.

Die Presse.com

Papst Franziskus hat einen mangelnden Einsatz für die Rechte von Frauen angeprangert. „Wir haben herzlich wenig für Frauen getan, die sich in schweren Lagen befinden, wo sie verachtet, an den Rand geschobenen und sogar ins Sklaventum herabgesetzt sind“, sagt der Papst laut Kathpress in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft.

Es reiche nicht aus, den Beitrag von Frauen in allen Bereichen nur festzustellen. Franziskus verurteilt in dem Video sexuelle Gewalt gegen Frauen. Zudem fordert er mehr Einfluss für sie in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Hindernisse auf diesem Weg müssten beseitigt werden.

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Von Könner bis Quacksalber

Ruben Pfizenmaier (Hg.) Auf dem Markt der Experten Illustrationen von Malte Grabsch Verlag: Edition Büchergilde, Frankfurt M. 2016 ISBN: 9783864060649
Ruben Pfizenmaier (Hg.)
Auf dem Markt der Experten
Illustrationen von Malte Grabsch
Verlag: Edition Büchergilde, Frankfurt M. 2016
ISBN: 9783864060649

Experten sind anscheinend allgegenwärtig. Kaum eine Nachrichtensendung, Talkshow, Sportübertragung oder Dokumentation, in der nicht Terrorismus-, Wirtschafts-, Börsen- oder Sportfachleute zu Wort kommen.

Von Martin Schneider | Spektrum.de

Sie erklären Hintergründe, Zusammenhänge und wagen Prognosen. Fitness-, Ernährungs- und Glücksexperten raten uns, wie wir unser persönliches Wohlbefinden steigern können. Die Medien geben ihnen gern ein Podium und beeinflussen damit die Meinungen der Bürger. Doch wer kommt hier eigentlich zu Wort, wer erhält das Etikett „Experte“? Benötigen wir solche Menschen wirklich, oder spiegelt ihre Präsenz unsere Überforderung in einer immer komplexer werdenden Welt?

Diesen Fragen geht das vorliegende Buch nach. Es entstand in einer Kooperation des Verlags mit dem Studiengang für Angewandte Literaturwissenschaft der FU Berlin und versammelt 16 Beiträge. Die Autoren stammen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Journalismus, Philosophie, Politikwissenschaft oder Verlagswesen. Seltsamerweise haben es nur 15 Beiträge ins Inhaltsverzeichnis geschafft – der 16., ein Text über Expertentum im Fußball, wurde offensichtlich übersehen.

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Gemeinwohl und Seelenheil sind zweierlei

Kuba ist zwar kein demokratischer Rechtsstaat, die Gefahr einer Verschmelzung von Politik und Religion besteht aber gewiss nicht – auch wenn die im Bild festgehaltene Begegnung des kubanischen Präsidenten Raúl Castro mit Papst Franziskus in Holguín im September 2015 es einen Augenblick lang suggerieren mag. (Bild: Tony Gentile / Reuters)
Für die Trennung von Religion und Politik in liberalen Demokratien gibt es verschiedene Modelle. Der Politikwissenschafter Ahmet Cavuldak zeichnet sie in einer Studie historisch und systematisch nach

Von Hans Maier | Neue Zürcher Zeitung

Staat und Kirche bilden keine Einheit, Religion wird nicht politisiert und Politik nicht «vergeistlicht» – das unterscheidet den Westen von den Gottesstaaten und Sakralreichen, die sich in der heutigen Welt ausbreiten. Seit Zaccaria Giacomettis Klassiker, den «Quellen zur Geschichte der Trennung von Staat und Kirche» (1926), hat sich kaum mehr ein Autor die systematische Darstellung der Trennungssysteme der modernen westlichen Staaten zugetraut. Der Politikwissenschafter Ahmet Cavuldak, Schüler von Peter Graf Kielmansegg und Herfried Münkler in Berlin, wagt es nun in einer neuen Studie. Er kommt mit seiner opulenten Dissertation schon im Umfang nahe an die siebenhundertdreissig Seiten des verdienten Zürcher Rechtsgelehrten heran.

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Die Armen in Deutschland – dem Tod so nah

Bild: heise.de
Politik und Gesellschaft begegnen den Gestrauchelten oft voller Abscheu. Jeden Tag frisst sich die Armut ein Stück weiter und tiefer in die Armen und Ärmsten, bis von ihrem Menschsein nur noch ein Stück Elend übrig ist (Selber schuld: Arm, kränker und früher Tod). Und an diesem Stück Elend ergötzen sich dann Teile der Gesellschaft. Sie schütteln und rütteln die Armen und setzen sie einer symbolischen Gewalt aus, die in ihrer Brutalität der Gewalt des Straßenschlägers, der seinem wehrlosen Opfer noch an den Kopf tritt, kaum nachsteht. Seit vielen Jahren findet eine geradezu schizophrene Politik Anwendung, die, bei Lichte betrachtet, Armut zu bekämpfen versucht, indem sie Armut noch weiter verstärkt.

Von Marcus Klöckner | TELEPOLIS

An einem regnerischen Januarabend 2016: Ein Auto fährt auf einer der langen Hauptstraßen stadteinwärts. Im Scheinwerferlicht ist ein Mensch zu erkennen, der rechts auf dem Fahrradweg liegt. Drei Meter hinter ihm ein Fahrrad, ein Meter seitlich davon ein Rucksack. Der Autofahrer fährt langsamer, schaut sich die Szene genauer an und kommt zu dem Schluss: Der Mann mit dem Fahrrad ist gestürzt. Der Autofahrer hält auf Höhe des Mannes an, lässt die Seitenscheibe seines Fahrzeugs runter und fragt: „Alles in Ordnung, brauchen Sie Hilfe?“

Innerhalb von wenigen Sekunden wird klar, was schon auf den ersten Blick aus etwas Entfernung vermutet werden konnte: Der Mann Ende 40, Anfang 50, der mittlerweile auf dem Boden sitzt, dürfte kaum zur Bourgeoisie des Landes gehören. Ein dicker, verwaschener Kapuzenpullover, eine Jeans, die schon lange nicht mehr parketttauglich ist, ein altes Mountainbike, das für die Körpergröße des Mannes eine Nummer zu klein ist und ein Rucksack, der bei genauerer Betrachtung wohl seine eigene Geschichte erzählen würde. „Nein“, sagt der Mann. „Alles in Ordnung. Geht schon.“

„Was ist los?“, fragt der Autofahrer. Gestürzt sei er, antwortet der Mann. Die Kette seines Fahrrads sei beim Schalten übersprungen, dann habe es ihn vom Fahrrad gehauen. Beim Versuch aufzustehen, sei ihm der Kreislauf weggesackt, aber nun gehe es.

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„Religionspolitik nicht länger vernachlässigen“

coexist

Nach Anti-Islam-Äußerungen der AfD: Politikwissenschaftler Ulrich Willems mahnt die übrigen Parteien, religionspolitische Debatten und Entscheidungen nicht länger zu vermeiden. Man solle „in der Bevölkerung Verständnis für Religionsvielfalt wecken“.
 

hpd.de

Angesichts der Anti-Islam-Äußerungen der AfD sollten sich die herkömmlichen Parteien nach Einschätzung von Politikwissenschaftlern dringend dem „lange vernachlässigten Feld der Religionspolitik“ zuwenden. „Wir haben ein hohes Niveau der Polarisierung erreicht, die Verschärfung war lange vorherzusehen. Jetzt sollten endlich alle Parteien eine offene und sachliche Debatte über die Rolle der christlichen Kirchen, des Islams und anderer religiöser Minderheiten sowie der Konfessionslosen führen“, sagt der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willems vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster.
„Wir brauchen auch differenzierte Gespräche darüber, ob sich das Modell einer engen Staat-Kirche-Kooperation noch eignet, um den religiösen Mehr- und Minderheiten gleichermaßen Religionsfreiheit zu gewähren. Bislang sind sich die Gruppen sogar oft innerhalb der herkömmlichen Parteien nicht einig.“

Der Wissenschaftler kündigte eine neue öffentliche Reihe „Religionspolitik heute“ des Exzellenzclusters und des Centrums für Religion und Moderne (CRM) der WWU mit Vorträgen und Podien ab dem 10. Mai in Münster an, die eine differenzierte Debatte über religionspolitische Grundsatzfragen und aktuelle Konflikte und Lösungswege stärken will. „Wir ziehen auch internationale Beispiele heran, da andere Länder in der Religionspolitik weiter sind als Deutschland“, so Prof. Willems. „Die Ringvorlesung bringt gezielt Wissenschaft, Politik, Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften ins Gespräch. Der Exzellenzcluster stellt mit seiner Wissenschaftskommunikation seit Jahren seine Expertise in aktuellen Fragen öffentlich zur Verfügung.“

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Weltkirchenrat verlangt Beendung von Aids-Epidemie bis 2030

Der Weltkirchenrat hat von den Regierungen mehr finanziellen und politischen Einsatz verlangt, um die Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030 zu beenden.

evangelisch.de

Der anstehende UN-Gipfel im Juni müsse dem Kampf gegen die tödliche Immunschwächekrankheit neuen Schub geben, verlangte der Ökumenische Rat der Kirchen am Dienstag in Genf.

Vertreter des ÖRK wollen sich auf einem Treffen am Mittwoch in New York für die Formulierung einer weitreichenden Erklärung einsetzen, die auf dem Gipfel verabschiedet werden soll. In der Erklärung sollten klar messbare Ziele formuliert werden, die in den nächsten 15 Jahren zu erreichen sind: Keine Infektionen bei Neugeborenen mehr, keine weiteren Todesfälle, ein Ende der Stigmatisierung und Diskriminierung der Infizierten.

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Althaus: „Religion muss politisch sein, weil es um den Menschen geht“

Dieter Althaus, ehemaliger Ministerpräsident Thüringens – RV
Religion muss politisch sein, weil es um den Menschen geht. Das sagt Dieter Althaus im Gespräch mit Radio Vatikan. Der ehemalige Ministerpräsident Thüringens und Mitglied im ZdK war an diesem Mittwoch zu einer Buchvorstellung gemeinsam mit Kardinal Luis Antonio Tagle in Rom, in dem Buch geht es um das Verhältnis von Religion und Politik.

Radio Vatikan

In seinem eigenen Bundesland hat die AfD gerade einen Antrag in den Landtag eingebracht, der christliche vor muslimischen Flüchtlingen schützen soll, so die Begründung. Das heiße, Religion zu instrumentalisieren und die Ängste, Probleme und Überzeugungen von Christen zu nutzen, um sie gegen andere auszuspielen, urteilt Althaus. „Das ist verwerflich. Politik soll darauf achten, dass sie das, was aus dem Glauben, aus der christlichen Überzeugung heraus wächst – Werte, Überzeugungen – nutzt, um Gesellschaft und Gemeinschaft zu bilden, nicht um sie zu trennen.“ Religion selber wolle ebenfalls ein-, nicht ausschließen; um Religion gehe es also gar nicht in diesem Antrag. „Und zweitens hat es nicht mit der Wirklichkeit zu tun, weil unsere Aufgabe in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sein wird, durch einen guten interreligiösen Dialog und einen Dialog mit allen, denen es wichtig ist, Gesellschaft zu gestalten, eine Plattform zu entwickeln, in der eine multi-religiöse, multi-ethnische, multi-wertehafte Struktur wachsen kann.“

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Schäuble kritisiert Politisierung der Protestanten

© Jens Gyarmaty Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
Wolfgang Schäuble kritisiert die Evangelische Kirche für ihre Einmischung in Politik und Wirtschaft – und wirft Martin Luther Intoleranz vor.

Von Jan Grossarth|Frankfurter Allgemeine

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat anlässlich des anstehenden Reformationsjubiläums deutschen Protestanten eine einseitige Politisierung vorgeworfen. Das wirke „schal“, wenn der spirituelle Kern verlorengehe, meint Schäuble – und führe seiner Beobachtung zufolge auch dazu, dass „Christen mit abweichenden politischen Ansichten ausgeschlossen“ würden. Das schreibt Schäuble (CDU) in einem Gastbeitrag für die neueste Ausgabe der Fachzeitschrift „Pastoraltheologie“. Welche Christen die Meinungsäußerung welcher Christen ausschlössen, konkretisierte Schäuble nicht. So nannte er nicht genau, auf welche kirchlichen Gruppen oder Organisationen er anspielte.

In politischen Debatten, etwa über die Flüchtlings- oder Wirtschaftspolitik, bringen sich entschieden vor allem die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und Landeskirchen ein. Sie vertreten Positionen, die dem politisch linken Spektrum zugeordnet werden können. Die ehemalige Ratsvorsitzende Margot Käßmann tritt als Pazifistin auf, in Erinnerung ist ihr Satz von 2010, „nichts ist gut in Afghanistan“. Erst kürzlich sprach sie sich wieder dafür aus, dass Deutschland das Militär abschaffe, „wie etwa Costa Rica“.

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US-Wahlen: Lieber einen Muslim als Präsident, als einen Atheisten

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Religion und Politik vermischen sich in den USA wie wohl nirgends sonst in der westlichen Welt. Aber auch hier ändern sich die Einstellungen – wenn auch langsam.

DTJ-Online

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg ins Weiße Haus ist bis heute die Ungläubigkeit eines Kandidaten. Deutlich mehr US-Amerikaner halten Atheismus oder Agnostizismus für einen gravierenden Makel als zu viel öffentlich zur Schau gestellte Frömmigkeit. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sagten den Meinungsforschern in einer aktuellen Studie des renommierten Pew Research Center, das Eingeständnis eines Kandidaten, nicht an Gott zu glauben, mache ihn weniger wählbar.

Im Vergleich dazu hätten weniger, nämlich 42 Prozent der US-Amerikaner, Bedenken, einen Muslim ins Weiße Haus zu wählen und 20 Prozent einen evangelikalen Christen. Wenn die Demoskopen die rund 2.000 Teilnehmer der Studie umgekehrt danach befragten, wie wichtig der Glaube eines Kandidaten für die Wahlentscheidung ist, bestätigt sich der traditionell hohe Stellenwert der Religion im politischen Diskurs der USA. Mit Gott in den Wahlkampf zu ziehen, ist weiterhin ein großes Plus.

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Judentum: „Es gibt No-go-Areas“

© Bild: Andreas Gregor
Am heutigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus spricht Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Landtag von Sachsen – dem Bundesland, in dem Pegida und die AfD besonders stark sind. Im Interview mit katholisch.de spricht Knobloch über das Holocaust-Gedenken, Antisemitismus unter Deutschen und Migranten sowie die Gefahr durch Pegida.

Von Gudrun Lux|katholisch.de

Frage: Frau Knobloch, der 27. Januar ist auch 71 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ein schmerzlicher Gedenktag. Sehen Sie diesen Tag aktuell in Deutschland genug gewürdigt?

Knobloch: Zunächst hat das Gedenken vor allem in den einzelnen jüdischen Gemeinden stattgefunden – obgleich der 27. Januar eigentlich nicht der Gedenktag für die jüdischen Gemeinden ist. Das ist der Jom Haschoa. Der 27. Januar ist der Gedenktag, den sich die Gesamtgesellschaft zur Aufgabe gemacht hat. Ich war nach diesen Anfängen sehr überrascht und bin heute fast euphorisch: Ich finde, dieser Tag hat sich – auch über Deutschland hinaus – sehr etabliert. Auch die Vereinten Nationen spielen da eine wichtige Rolle, sie haben den 27. Januar ja 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

Frage: Wie schätzen Sie allgemein die Erinnerungskultur an die Opfer der Shoa in Deutschland ein?

Knobloch: Ich habe den Eindruck, dass es insgesamt kaum Routineveranstaltungen sind, sondern wirklich Veranstaltungen, die Menschen bewegen. Vorhin war ich in einer Schule zu Gast, und es berührt mich, wie interessiert und einfühlsam die jungen Menschen fragen. Diese Schule hat den 27. Januar zum Anlass genommen, sich mit dem Judentum in Deutschland zu beschäftigen. Und da gibt es ja nicht nur den Holocaust, sondern auch die Zeit davor, als in Politik, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Wirtschaft jüdische Menschen eine große Rolle gespielt haben und sich auch für das Land Deutschland verantwortlich sahen. Das gerät durch die furchtbare Geschichte oft in den Hintergrund. Ich empfehle sehr, das jüdische Leben in Deutschland in seiner Gesamtheit zu betrachten und nicht auf den Holocaust zu reduzieren.

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Vergesst eure Leitkultur!

© AP Kulturnation ohne Leitkultur? Goethe- und Schillerdenkmal in Weimar
Propheten rechts, Propheten links: Eine offene Gesellschaft kann gar keine Mitte haben und braucht deswegen auch keine nationale Gesinnungslehre. Es ist höchste Zeit, die Chimäre der Leitkultur zu entsorgen.

Von Hans-Georg Soeffner|Frankfurter Allgemeine

Alle pluralen, offenen Gegenwartsgesellschaften sind geprägt durch das Spannungsverhältnis zwischen Religion und dem Säkularismus der Moderne. Im Hinblick auf die Entstehung dieses Spannungsverhältnisses und seine Folgen ist Europa besonders: Verglichen mit allen anderen Weltregionen, ist es eine säkulare Insel. Es nimmt diese Sonderstellung deutlich erkennbar auch gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika ein, deren Bevölkerung sich, wie alle Umfragen zeigen, eine erheblich höhere religiöse Bindung zuschreibt, als dies die Gesellschaften Mittel- und Nordeuropas tun.

Hinzu kommt, dass wir uns als Europäer trotz unserer Einsicht noch immer nicht von unserer Eigenperspektive gelöst haben: Für uns stehen das aus der europäischen Aufklärung hervorgehende „Projekt der Moderne“, der mit ihm verbundene säkulare Verfassungsstaat und die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, die Idee rechtlicher Freiheit und Gleichheit, in deren Zentrum wir das Individuum sehen, für eine vernunftbasierte Vorstellungswelt. Diese, so glauben wir, muss letztlich von allen Menschen geteilt werden. Aus dieser Sicht kommt es uns nicht einmal in den Sinn, dass die Ausgestaltung unserer Vorstellungswelt – die westliche Demokratie als Politik-, Rechts- und Wirtschaftssystem – für weltanschaulich (religiös und kulturell) anders grundierte Gesellschaftsentwürfe nicht Gegenstand der Bewunderung sein muss, sondern durchaus ein Ärgernis darstellen könnte.

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Terrorwarnung von München war heiße Luft

Alle Warnungen stammten aus seiner Quelle, so der Spiegel. Haben nicht nur in Köln, sondern auch in München Polizei und Politik die Lage falsch eingeschätzt?

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Es wurde still um die angebliche Terrorwarnung für München. Weil sie auch von einem französischen Geheimdienst am Nachmittag geäußert wurde, wurde beschlossen, den Hauptbahnhof und den Bahnhof in Pasing zu sperren, die Polizei forderte die Menschen auf, Menschenmengen zu meiden.

Gelegentlich wurde geäußert, dass die Polizei in München alles gut im Griff hatte, während man diejenige in Köln kritisierte, wo es keine Terrorwarnung gab, sondern junge Männer vermutlich arabischer oder nordafrikanischer Herkunft teilweise alkoholisch enthemmt oder auch organisiert gewalttätig wurden. Die Polizei von Köln und die Bundespolizei wurden davon offensichtlich überrascht, beide waren unterbesetzt, zudem wurde zunächst versucht, die Öffentlichkeit über die Vorgänge und die Täter hinters Licht zu führen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Jäger zog daher die Reißleine und beurlaubte als Bauernopfer den Polizeipräsidenten von Köln.

Aber haben die Sicherheitsbehörden in München tatsächlich richtig gehandelt? Zumal sich ziemlich schnell herausstellte, dass es keinerlei Hinweise auf die angeblichen Terroristen gab, die sich in München aufhalten sollten (Bislang keine Hinweise, die die Terrorwarnung in München bestätigen)? Kurz zuvor hatte es in den USA eine Terrorwarnung gegen Schulen in New York und Los Angeles gegeben. Während die Polizei in Los Angeles alle Schulen schloss, vermutlich weil kurz davor das Massaker in San Bernardino stattgefunden hatte, reagierte man in New York, weil die Drohung unglaubwürdig war. Zu Recht, wie sich später herausstellte.

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Frankreichs Ex-Premier will Verstoß gegen Laizität strafbar machen

laiciteJuppé fordert von Muslimen Respekt republikanischer Werte

DIE WELT

Der frühere französische Premierminister Alain Juppé will Verstöße gegen das Prinzip der Trennung von Politik und Religion im öffentlichen Dienst strafbar machen. Die Laizität „garantiert die Religionsfreiheit“, doch verlange sie im Gegenzug „den Respekt der grundlegenden Prinzipien der Republik, die Vorrang vor allen religiösen Prinzipien haben“, sagte der konservative Politiker der Sonntagszeitung „Journal du dimanche“. Als Beispiel nannte Juppé die Notaufnahme im Krankenhaus, wo Patienten „nicht ablehnen dürfen, dass ein männlicher Arzt sie behandelt“.

Die Schlange der Fiktion

Postmodernismus

Die Gegenwart formuliere keine philosophischen Systeme mehr, heißt es. Der Franzose Bruno Latour hat trotzdem eine Theorie über alles entwickelt. Was heißt das für die Literatur?

Von Ernst-Wilhelm Händler|DIE WELT

Dem deutschen Feuilletonleser der Gegenwart begegnet lebendige Philosophie nahezu ausschließlich in Form von philosophischen Brocken, die vor allem in den von den Neurowissenschaftlern angestoßenen Debatten um das Bewusstsein und den freien Willen eine Rolle spielen. Die Tradition umfassender philosophischer Theorien wird durch die – sehr verdienstvollen – historischen Darstellungen Rüdiger Safranskis und die mitlaufende Deutung der Gegenwart gemäß Nietzsche durch Peter Sloterdijk bewahrt. Ansonsten findet sich im deutschen Sprachraum immer wieder die Behauptung, in der Gegenwart würden keine philosophischen Systeme mehr formuliert. Das entspricht nicht den Tatsachen.

Die amerikanischen Philosophen sind seit jeher keine Systembauer und halten sich auch heute nicht damit auf, die Gegenwart zu beschreiben. Die „praktischen Philosophen“ der Westküste gestalten den Menschen der Gegenwart mit einem Mix aus Hardware – iPhone – und Software – Apps und Facebook – um. Die theoretischen Philosophen wie Ray Kurzweil beschreiben eine Zukunft, für die das Axiom gilt: Alle technischen Möglichkeiten werden verwirklicht. Europäer wie der Schwede Nick Bostrom versuchen, in dieser Zukunft ohne Menschen den Menschen durch abstrakte Wertsysteme zu ersetzen. Aber die Franzosen entwerfen noch klassische philosophische Systeme. Zwei herausragende Beispiele sind die radikalplatonistische Theorie von Alain Badiou und der soziologische Ansatz von Bruno Latour. Badious Obsession ist die Möglichkeit von Ontologie. Er sieht die Mengenlehre als diejenige Disziplin, die das Reden über die Welt und ihre Bestandteile ermöglicht und begrenzt. Badious Überlegungen setzen allerdings mathematische Kenntnisse voraus, über die der normale philosophisch Interessierte und der Feuilletonleser nicht verfügen können.

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Bedford-Strohm möchte gern in der Politik mitspielen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wehrt sich im Umgang mit den Flüchtlingen gegen eine Arbeitsteilung zwischen Kirche und Politik.

evangelisch.de

Man könne nicht sagen, dass die Kirchen für Humanitätspostulate zuständig seien und die Politik für konkretes Handeln, schreibt er in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagsausgabe). Beides müsse aufeinander bezogen werden. „Wenn Politik die Humanität hintanstellt, dann verfehlt sie ihren Auftrag. Umgekehrt gilt: Wenn Kirche nicht die Dilemmata wahrnimmt, in denen Politik sich bewegt, dann redet sie über die Realität hinweg“, schreibt Bedford-Strohm.

Der Ratsvorsitzende bezieht sich auch auf die Interpretation von Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre durch den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio. Die Gläubigen seien keine politischen Akteure, „aber sie irritieren den Prozess“, hatte Di Fabio Mitte November vor der EKD-Synode in Bremen gesagt. Obwohl Luther das nicht gewollt habe, habe er mit seiner zentralen Zwei-Reiche-Lehre einen Beitrag zur weltlichen Rechtsentwicklung geleistet, sagte Di Fabio. „Wie und an welcher Stelle die Kirchen öffentlich Stellung nehmen, ist sorgsam abzuwägen“, schreibt nun Bedford-Strohm.

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Brandenburg: Staatsknete für die „arme“ Katholen-Kirche

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, m.) am Dienstag in Potsdam zwischen Erzbischof Heiner Koch (r.) und Bischof Wolfgang Ipolt (l.). Quelle: dpa-Zentralbild
Die Katholische Kirche hat der Fremdenfeindlichkeit eine klare Absage erteilt und unterstützt künftig das brandenburgische Bündnis zur Integration von Flüchtlingen. Die Verträge dazu sind unterzeichnet. Für die Katholiken gibt es unterdessen noch eine weitere gute Nachricht, denn sie bekommen künftig mehr Landeszuschüsse.

Märkische Allgemeine

Die Katholische Kirche erhält mehr Geld vom Land Brandenburg. Der Betrag steigt um 200 000 auf 1,2 Millionen Euro pro Jahr, wie Regierungssprecher Andreas Beese am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte sich das rot-rote Kabinett darauf geeinigt, die Zuwendungen rückwirkend zum 1. Januar 2015 zu erhöhen. Die Zahlungen sind eine Entschädigung für die Enteignung von Klöstern und Ländereien in der Zeit der Säkularisierung. Die Katholische Kirche verzeichnet durch Zuwächse im Berliner Umland und an der Grenze zu Polen steigende Mitgliedszahlen. Ende 2013 lebten 80 000 Katholiken im Land, etwa 3,3 Prozent der Bevölkerung.

Katholische Kirche unterstützt „Bündnis für Brandenburg“

Die Katholische Kirche hat sich unterdessen dem neuen brandenburgischen Bündnis zur Integration von Flüchtlingen und gegen Rassismus angeschlossen.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch und der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt unterzeichneten am Dienstag in Potsdam nach dem ersten gemeinsamen Treffen mit der Landesregierung den Gründungsaufruf. Das „Bündnis für Brandenburg“ von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirchen, von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Wohlfahrtsverbänden war in der vergangenen Woche gegründet worden.

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Islamische Theologie wird erstmals evaluiert

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück. ( picture alliance / dpa / Friso Gentsch/dpa)
Wenn in diesen Tagen jemand vom Islam spricht, fällt im gleichen Satz oft der Begriff Terror. Besonders zu spüren bekommen das Studierende und Professoren der Islamischen Theologie – eines der jüngsten Fächer in der deutschen Hochschullandschaft. Jetzt kommt es zum ersten Mal auf den Prüfstand.

Von Burkhard Schäfers|Deutschlandfunk

„Ein Meilenstein für die Integration“, jubelte die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan, als sie vor vier Jahren den Startschuss gab für die Islamische Theologie an deutschen Universitäten. Und: „Religion braucht Aufklärung.“ Inzwischen ist der Jubel verebbt, heute klingt das leiser und differenzierter. Harry Harun Behr, Professor für Religionspädagogik an der Universität Frankfurt, berichtet von etlichen Herausforderungen.

„Sie bringen die Islamische Theologie, wie sie gerade entsteht, ein klein wenig ins Schleudern, weil jetzt so ein riesen Haufen an Fragen und vor allem krisenhaften Wahrnehmungen an die Islamische Theologie herangetragen werden. Aber man wird in die großen Schuhe, in die man sich hineingestellt fühlt, dann schon hineinwachsen.“

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Religionen als Hort von Fundamentalismus? Ein theologischer Diskurs ist nötig

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Religionsfreiheit bedeutet nicht religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit Gläubiger, sich einzubringen.

Von Martin Grichting|Neue Zürcher Zeitung

Die Reaktion der Polizeikräfte auf die islamistischen Terrorattacken von Paris war beachtlich. Die Verteidigung an der gesellschaftlich-politischen «Heimatfront» erscheint weniger überzeugend. Angesichts eines auf einer bestimmten Interpretation des Islam basierenden Angriffs ist es nicht ausreichend, bloss von der Infragestellung des westlichen Gesellschaftsmodells zu sprechen. Wer den religiösen Antrieb derer nicht zum Nennwert nimmt, die sich ins Jenseits sprengen, greift zu kurz und läuft Gefahr, inadäquat zu handeln. Im Fadenkreuz der Islamisten steht nicht einfach unsere als «dekadent» diffamierte Gesellschaft, sondern ein dem Islam widersprechendes Religions- und Weltverständnis.

Darüber muss es einen theologischen Diskurs geben: Sowenig man alle Muslime in den gleichen Topf werfen darf, so wenig darf man alle Religionen als Hort von Fundamentalismus oder Irrationalismus aus der öffentlichen Debatte verdrängen. Religionsfreiheit bedeutet nicht eine religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit der Gläubigen, sich einzubringen. In religiösen Inhalten können Wahrheitsgehalte erkannt werden, die sich in eine religiös ungebundene Argumentation einbringen lassen (Habermas).

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„Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr erschossen“

Überlebende des Massakers, 1907. Foto: Gemeinfrei
Das organisierte Morden begann im Oktober vor 111 Jahren. Überrascht von der heftigen Gegenwehr der Aufständischen gab der deutsche Oberbefehlshaber in Deutsch-Südwestafrika, Lothar von Trotha, am 2. Oktober 1904 den Vernichtungsbefehl. In seinem „Aufruf an das Volk der Herero“ versprach er, auch Frauen und Kinder nicht zu schonen.

Von Daniel Mützel|VICE

Der Befehl blieb zunächst nicht unwidersprochen im deutschen Generalstab. Laut Aufzeichnungen aus dem Jahr 1906, herausgegeben vom „Großen Generalstab“, gab der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Generaloberst Theodor Leutwein, zu bedenken, die Eingeborenen seien notwendiges Arbeitsmaterial für die Deutschen. Auch Bernhard von Bülow, obgleich er als Reichskanzler den „Halbgöttern im Generalstab“ nichts reinzureden hatte, kabelte nach Windhoek, die vollständige Ausrottung der Herero sei kontraproduktiv, ihr Einsatz im Ackerbau und in der Viehzucht „unentbehrlich“. Lothar von Trotha widersprach: „Ich bin gänzlich anderer Ansicht. Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss.“

In den Folgemonaten wurde das Tor zur Hölle ein Stück weit aufgemacht. Nach dem Sieg der deutschen „Schutztruppe“ in der Entscheidungsschlacht am Waterberg flohen die Herero in die Omaheke-Wüste, um ins benachbarte Betschuanaland zu gelangen. Anstatt die Flüchtlinge durch die Wüste zu jagen und dabei eigene Verluste zu riskieren, ließ von Trotha das Gebiet abriegeln und die Wasserstellen besetzen. „Das Röcheln der Sterbenden und das Wutgeschrei des Wahnsinns … sie verhallten in der erhabenen Stille der Unendlichkeit!“, notierte ein Beobachter der kaiserlichen Truppe. Als im Dezember die Blockade aufgehoben wurde, waren die endlosen Weiten der Omaheke mit Zehntausenden Leichen übersät. Nur wenige schafften es lebend aus dem Sandfeld. Deutsche Patrouillen fanden Leichen in bis zu 16 Meter tiefen Löchern—die Verdurstenden hatten verzweifelt nach Wasser gegraben. Das Waterberg-Massaker ging als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher ein.

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„Ein Musterbeispiel für christlichen Lobbyismus“ in der Kirchenrepublik Deutschland

Bild: GBS
Selten war die Kluft zwischen Bevölkerung und Politik so offensichtlich wie in der Frage der Sterbehilfe. Dies verdeutlicht eine Plakataktion der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), die am heutigen Mittwoch in Berlin startete.

giordano bruno stiftung

Die Plakate zeigen Kanzlerin Angela Merkel, den Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold („Letzte Hilfe“) und Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli mit geschlossenen Augen. Im Fall von Arnold und Minelli signalisiert das Bildmotiv, dass beide die vor einem Jahr gestartete „Kampagne für das Recht auf Letzte Hilfe“ unterstützen. Im Fall von Angela Merkel zeigt es an, dass die Kanzlerin die Augen davor verschließt, dass 80 Prozent der deutschen Bevölkerung gegen die geplante Kriminalisierung professioneller Freitodbegleitungen votieren. Bürgerwille und Politik gehen in dieser Frage so weit auseinander, dass man sich an die berühmten Worte Bertolt Brechts erinnert fühlt: „Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“

Rhetorisch fragt die gbs-Kampagne, ob Uwe-Christian Arnold und Ludwig A. Minelli denn wirklich als „Verbrecher“ behandelt werden sollen, weil sie schwerstleidenden Menschen helfen, ihren letzten Wunsch umzusetzen und selbstbestimmt zu sterben. Dass diese Hilfe nach der von Angela Merkel favorisierten Gesetzesvorlage mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden soll, bezeichnete der Leiter der Kampagne, der Philosoph und gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, als „ethisch unverantwortlich“, da ein solches Gesetz viele Menschen in harte Verzweiflungssuizide treiben würde. Zudem sei es „zutiefst undemokratisch“, da die Befürworter des neuen Strafgesetzes „nicht nur das eindeutige Votum der Bürgerinnen und Bürger ignorieren, sondern auch die Mehrheitsmeinung der Experten. Immerhin haben sich mehr als 140 deutsche Strafrechtslehrer in einer gemeinsamen Resolution gegen die Einführung eines neuen Strafrechtsparagraphen ausgesprochen.“

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