Schlagwort-Archive: Politik

US-Wahlen: Lieber einen Muslim als Präsident, als einen Atheisten

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Religion und Politik vermischen sich in den USA wie wohl nirgends sonst in der westlichen Welt. Aber auch hier ändern sich die Einstellungen – wenn auch langsam.

DTJ-Online

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg ins Weiße Haus ist bis heute die Ungläubigkeit eines Kandidaten. Deutlich mehr US-Amerikaner halten Atheismus oder Agnostizismus für einen gravierenden Makel als zu viel öffentlich zur Schau gestellte Frömmigkeit. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sagten den Meinungsforschern in einer aktuellen Studie des renommierten Pew Research Center, das Eingeständnis eines Kandidaten, nicht an Gott zu glauben, mache ihn weniger wählbar.

Im Vergleich dazu hätten weniger, nämlich 42 Prozent der US-Amerikaner, Bedenken, einen Muslim ins Weiße Haus zu wählen und 20 Prozent einen evangelikalen Christen. Wenn die Demoskopen die rund 2.000 Teilnehmer der Studie umgekehrt danach befragten, wie wichtig der Glaube eines Kandidaten für die Wahlentscheidung ist, bestätigt sich der traditionell hohe Stellenwert der Religion im politischen Diskurs der USA. Mit Gott in den Wahlkampf zu ziehen, ist weiterhin ein großes Plus.

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Judentum: “Es gibt No-go-Areas”

© Bild: Andreas Gregor
Am heutigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus spricht Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Landtag von Sachsen – dem Bundesland, in dem Pegida und die AfD besonders stark sind. Im Interview mit katholisch.de spricht Knobloch über das Holocaust-Gedenken, Antisemitismus unter Deutschen und Migranten sowie die Gefahr durch Pegida.

Von Gudrun Lux|katholisch.de

Frage: Frau Knobloch, der 27. Januar ist auch 71 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ein schmerzlicher Gedenktag. Sehen Sie diesen Tag aktuell in Deutschland genug gewürdigt?

Knobloch: Zunächst hat das Gedenken vor allem in den einzelnen jüdischen Gemeinden stattgefunden – obgleich der 27. Januar eigentlich nicht der Gedenktag für die jüdischen Gemeinden ist. Das ist der Jom Haschoa. Der 27. Januar ist der Gedenktag, den sich die Gesamtgesellschaft zur Aufgabe gemacht hat. Ich war nach diesen Anfängen sehr überrascht und bin heute fast euphorisch: Ich finde, dieser Tag hat sich – auch über Deutschland hinaus – sehr etabliert. Auch die Vereinten Nationen spielen da eine wichtige Rolle, sie haben den 27. Januar ja 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

Frage: Wie schätzen Sie allgemein die Erinnerungskultur an die Opfer der Shoa in Deutschland ein?

Knobloch: Ich habe den Eindruck, dass es insgesamt kaum Routineveranstaltungen sind, sondern wirklich Veranstaltungen, die Menschen bewegen. Vorhin war ich in einer Schule zu Gast, und es berührt mich, wie interessiert und einfühlsam die jungen Menschen fragen. Diese Schule hat den 27. Januar zum Anlass genommen, sich mit dem Judentum in Deutschland zu beschäftigen. Und da gibt es ja nicht nur den Holocaust, sondern auch die Zeit davor, als in Politik, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Wirtschaft jüdische Menschen eine große Rolle gespielt haben und sich auch für das Land Deutschland verantwortlich sahen. Das gerät durch die furchtbare Geschichte oft in den Hintergrund. Ich empfehle sehr, das jüdische Leben in Deutschland in seiner Gesamtheit zu betrachten und nicht auf den Holocaust zu reduzieren.

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Vergesst eure Leitkultur!

© AP Kulturnation ohne Leitkultur? Goethe- und Schillerdenkmal in Weimar
Propheten rechts, Propheten links: Eine offene Gesellschaft kann gar keine Mitte haben und braucht deswegen auch keine nationale Gesinnungslehre. Es ist höchste Zeit, die Chimäre der Leitkultur zu entsorgen.

Von Hans-Georg Soeffner|Frankfurter Allgemeine

Alle pluralen, offenen Gegenwartsgesellschaften sind geprägt durch das Spannungsverhältnis zwischen Religion und dem Säkularismus der Moderne. Im Hinblick auf die Entstehung dieses Spannungsverhältnisses und seine Folgen ist Europa besonders: Verglichen mit allen anderen Weltregionen, ist es eine säkulare Insel. Es nimmt diese Sonderstellung deutlich erkennbar auch gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika ein, deren Bevölkerung sich, wie alle Umfragen zeigen, eine erheblich höhere religiöse Bindung zuschreibt, als dies die Gesellschaften Mittel- und Nordeuropas tun.

Hinzu kommt, dass wir uns als Europäer trotz unserer Einsicht noch immer nicht von unserer Eigenperspektive gelöst haben: Für uns stehen das aus der europäischen Aufklärung hervorgehende „Projekt der Moderne“, der mit ihm verbundene säkulare Verfassungsstaat und die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, die Idee rechtlicher Freiheit und Gleichheit, in deren Zentrum wir das Individuum sehen, für eine vernunftbasierte Vorstellungswelt. Diese, so glauben wir, muss letztlich von allen Menschen geteilt werden. Aus dieser Sicht kommt es uns nicht einmal in den Sinn, dass die Ausgestaltung unserer Vorstellungswelt – die westliche Demokratie als Politik-, Rechts- und Wirtschaftssystem – für weltanschaulich (religiös und kulturell) anders grundierte Gesellschaftsentwürfe nicht Gegenstand der Bewunderung sein muss, sondern durchaus ein Ärgernis darstellen könnte.

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Terrorwarnung von München war heiße Luft

Alle Warnungen stammten aus seiner Quelle, so der Spiegel. Haben nicht nur in Köln, sondern auch in München Polizei und Politik die Lage falsch eingeschätzt?

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Es wurde still um die angebliche Terrorwarnung für München. Weil sie auch von einem französischen Geheimdienst am Nachmittag geäußert wurde, wurde beschlossen, den Hauptbahnhof und den Bahnhof in Pasing zu sperren, die Polizei forderte die Menschen auf, Menschenmengen zu meiden.

Gelegentlich wurde geäußert, dass die Polizei in München alles gut im Griff hatte, während man diejenige in Köln kritisierte, wo es keine Terrorwarnung gab, sondern junge Männer vermutlich arabischer oder nordafrikanischer Herkunft teilweise alkoholisch enthemmt oder auch organisiert gewalttätig wurden. Die Polizei von Köln und die Bundespolizei wurden davon offensichtlich überrascht, beide waren unterbesetzt, zudem wurde zunächst versucht, die Öffentlichkeit über die Vorgänge und die Täter hinters Licht zu führen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Jäger zog daher die Reißleine und beurlaubte als Bauernopfer den Polizeipräsidenten von Köln.

Aber haben die Sicherheitsbehörden in München tatsächlich richtig gehandelt? Zumal sich ziemlich schnell herausstellte, dass es keinerlei Hinweise auf die angeblichen Terroristen gab, die sich in München aufhalten sollten (Bislang keine Hinweise, die die Terrorwarnung in München bestätigen)? Kurz zuvor hatte es in den USA eine Terrorwarnung gegen Schulen in New York und Los Angeles gegeben. Während die Polizei in Los Angeles alle Schulen schloss, vermutlich weil kurz davor das Massaker in San Bernardino stattgefunden hatte, reagierte man in New York, weil die Drohung unglaubwürdig war. Zu Recht, wie sich später herausstellte.

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Frankreichs Ex-Premier will Verstoß gegen Laizität strafbar machen

laiciteJuppé fordert von Muslimen Respekt republikanischer Werte

DIE WELT

Der frühere französische Premierminister Alain Juppé will Verstöße gegen das Prinzip der Trennung von Politik und Religion im öffentlichen Dienst strafbar machen. Die Laizität “garantiert die Religionsfreiheit”, doch verlange sie im Gegenzug “den Respekt der grundlegenden Prinzipien der Republik, die Vorrang vor allen religiösen Prinzipien haben”, sagte der konservative Politiker der Sonntagszeitung “Journal du dimanche”. Als Beispiel nannte Juppé die Notaufnahme im Krankenhaus, wo Patienten “nicht ablehnen dürfen, dass ein männlicher Arzt sie behandelt”.

Die Schlange der Fiktion

Postmodernismus

Die Gegenwart formuliere keine philosophischen Systeme mehr, heißt es. Der Franzose Bruno Latour hat trotzdem eine Theorie über alles entwickelt. Was heißt das für die Literatur?

Von Ernst-Wilhelm Händler|DIE WELT

Dem deutschen Feuilletonleser der Gegenwart begegnet lebendige Philosophie nahezu ausschließlich in Form von philosophischen Brocken, die vor allem in den von den Neurowissenschaftlern angestoßenen Debatten um das Bewusstsein und den freien Willen eine Rolle spielen. Die Tradition umfassender philosophischer Theorien wird durch die – sehr verdienstvollen – historischen Darstellungen Rüdiger Safranskis und die mitlaufende Deutung der Gegenwart gemäß Nietzsche durch Peter Sloterdijk bewahrt. Ansonsten findet sich im deutschen Sprachraum immer wieder die Behauptung, in der Gegenwart würden keine philosophischen Systeme mehr formuliert. Das entspricht nicht den Tatsachen.

Die amerikanischen Philosophen sind seit jeher keine Systembauer und halten sich auch heute nicht damit auf, die Gegenwart zu beschreiben. Die “praktischen Philosophen” der Westküste gestalten den Menschen der Gegenwart mit einem Mix aus Hardware – iPhone – und Software – Apps und Facebook – um. Die theoretischen Philosophen wie Ray Kurzweil beschreiben eine Zukunft, für die das Axiom gilt: Alle technischen Möglichkeiten werden verwirklicht. Europäer wie der Schwede Nick Bostrom versuchen, in dieser Zukunft ohne Menschen den Menschen durch abstrakte Wertsysteme zu ersetzen. Aber die Franzosen entwerfen noch klassische philosophische Systeme. Zwei herausragende Beispiele sind die radikalplatonistische Theorie von Alain Badiou und der soziologische Ansatz von Bruno Latour. Badious Obsession ist die Möglichkeit von Ontologie. Er sieht die Mengenlehre als diejenige Disziplin, die das Reden über die Welt und ihre Bestandteile ermöglicht und begrenzt. Badious Überlegungen setzen allerdings mathematische Kenntnisse voraus, über die der normale philosophisch Interessierte und der Feuilletonleser nicht verfügen können.

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Bedford-Strohm möchte gern in der Politik mitspielen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wehrt sich im Umgang mit den Flüchtlingen gegen eine Arbeitsteilung zwischen Kirche und Politik.

evangelisch.de

Man könne nicht sagen, dass die Kirchen für Humanitätspostulate zuständig seien und die Politik für konkretes Handeln, schreibt er in einem Beitrag für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (Montagsausgabe). Beides müsse aufeinander bezogen werden. “Wenn Politik die Humanität hintanstellt, dann verfehlt sie ihren Auftrag. Umgekehrt gilt: Wenn Kirche nicht die Dilemmata wahrnimmt, in denen Politik sich bewegt, dann redet sie über die Realität hinweg”, schreibt Bedford-Strohm.

Der Ratsvorsitzende bezieht sich auch auf die Interpretation von Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre durch den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio. Die Gläubigen seien keine politischen Akteure, “aber sie irritieren den Prozess”, hatte Di Fabio Mitte November vor der EKD-Synode in Bremen gesagt. Obwohl Luther das nicht gewollt habe, habe er mit seiner zentralen Zwei-Reiche-Lehre einen Beitrag zur weltlichen Rechtsentwicklung geleistet, sagte Di Fabio. “Wie und an welcher Stelle die Kirchen öffentlich Stellung nehmen, ist sorgsam abzuwägen”, schreibt nun Bedford-Strohm.

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Brandenburg: Staatsknete für die “arme” Katholen-Kirche

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, m.) am Dienstag in Potsdam zwischen Erzbischof Heiner Koch (r.) und Bischof Wolfgang Ipolt (l.). Quelle: dpa-Zentralbild
Die Katholische Kirche hat der Fremdenfeindlichkeit eine klare Absage erteilt und unterstützt künftig das brandenburgische Bündnis zur Integration von Flüchtlingen. Die Verträge dazu sind unterzeichnet. Für die Katholiken gibt es unterdessen noch eine weitere gute Nachricht, denn sie bekommen künftig mehr Landeszuschüsse.

Märkische Allgemeine

Die Katholische Kirche erhält mehr Geld vom Land Brandenburg. Der Betrag steigt um 200 000 auf 1,2 Millionen Euro pro Jahr, wie Regierungssprecher Andreas Beese am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte sich das rot-rote Kabinett darauf geeinigt, die Zuwendungen rückwirkend zum 1. Januar 2015 zu erhöhen. Die Zahlungen sind eine Entschädigung für die Enteignung von Klöstern und Ländereien in der Zeit der Säkularisierung. Die Katholische Kirche verzeichnet durch Zuwächse im Berliner Umland und an der Grenze zu Polen steigende Mitgliedszahlen. Ende 2013 lebten 80 000 Katholiken im Land, etwa 3,3 Prozent der Bevölkerung.

Katholische Kirche unterstützt „Bündnis für Brandenburg“

Die Katholische Kirche hat sich unterdessen dem neuen brandenburgischen Bündnis zur Integration von Flüchtlingen und gegen Rassismus angeschlossen.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch und der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt unterzeichneten am Dienstag in Potsdam nach dem ersten gemeinsamen Treffen mit der Landesregierung den Gründungsaufruf. Das „Bündnis für Brandenburg“ von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirchen, von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Wohlfahrtsverbänden war in der vergangenen Woche gegründet worden.

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Islamische Theologie wird erstmals evaluiert

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück. ( picture alliance / dpa / Friso Gentsch/dpa)
Wenn in diesen Tagen jemand vom Islam spricht, fällt im gleichen Satz oft der Begriff Terror. Besonders zu spüren bekommen das Studierende und Professoren der Islamischen Theologie – eines der jüngsten Fächer in der deutschen Hochschullandschaft. Jetzt kommt es zum ersten Mal auf den Prüfstand.

Von Burkhard Schäfers|Deutschlandfunk

“Ein Meilenstein für die Integration”, jubelte die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan, als sie vor vier Jahren den Startschuss gab für die Islamische Theologie an deutschen Universitäten. Und: “Religion braucht Aufklärung.” Inzwischen ist der Jubel verebbt, heute klingt das leiser und differenzierter. Harry Harun Behr, Professor für Religionspädagogik an der Universität Frankfurt, berichtet von etlichen Herausforderungen.

“Sie bringen die Islamische Theologie, wie sie gerade entsteht, ein klein wenig ins Schleudern, weil jetzt so ein riesen Haufen an Fragen und vor allem krisenhaften Wahrnehmungen an die Islamische Theologie herangetragen werden. Aber man wird in die großen Schuhe, in die man sich hineingestellt fühlt, dann schon hineinwachsen.”

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Religionen als Hort von Fundamentalismus? Ein theologischer Diskurs ist nötig

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Religionsfreiheit bedeutet nicht religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit Gläubiger, sich einzubringen.

Von Martin Grichting|Neue Zürcher Zeitung

Die Reaktion der Polizeikräfte auf die islamistischen Terrorattacken von Paris war beachtlich. Die Verteidigung an der gesellschaftlich-politischen «Heimatfront» erscheint weniger überzeugend. Angesichts eines auf einer bestimmten Interpretation des Islam basierenden Angriffs ist es nicht ausreichend, bloss von der Infragestellung des westlichen Gesellschaftsmodells zu sprechen. Wer den religiösen Antrieb derer nicht zum Nennwert nimmt, die sich ins Jenseits sprengen, greift zu kurz und läuft Gefahr, inadäquat zu handeln. Im Fadenkreuz der Islamisten steht nicht einfach unsere als «dekadent» diffamierte Gesellschaft, sondern ein dem Islam widersprechendes Religions- und Weltverständnis.

Darüber muss es einen theologischen Diskurs geben: Sowenig man alle Muslime in den gleichen Topf werfen darf, so wenig darf man alle Religionen als Hort von Fundamentalismus oder Irrationalismus aus der öffentlichen Debatte verdrängen. Religionsfreiheit bedeutet nicht eine religionsfreie Öffentlichkeit, sondern die Freiheit der Gläubigen, sich einzubringen. In religiösen Inhalten können Wahrheitsgehalte erkannt werden, die sich in eine religiös ungebundene Argumentation einbringen lassen (Habermas).

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„Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr erschossen“

Überlebende des Massakers, 1907. Foto: Gemeinfrei
Das organisierte Morden begann im Oktober vor 111 Jahren. Überrascht von der heftigen Gegenwehr der Aufständischen gab der deutsche Oberbefehlshaber in Deutsch-Südwestafrika, Lothar von Trotha, am 2. Oktober 1904 den Vernichtungsbefehl. In seinem „Aufruf an das Volk der Herero” versprach er, auch Frauen und Kinder nicht zu schonen.

Von Daniel Mützel|VICE

Der Befehl blieb zunächst nicht unwidersprochen im deutschen Generalstab. Laut Aufzeichnungen aus dem Jahr 1906, herausgegeben vom „Großen Generalstab”, gab der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Generaloberst Theodor Leutwein, zu bedenken, die Eingeborenen seien notwendiges Arbeitsmaterial für die Deutschen. Auch Bernhard von Bülow, obgleich er als Reichskanzler den „Halbgöttern im Generalstab” nichts reinzureden hatte, kabelte nach Windhoek, die vollständige Ausrottung der Herero sei kontraproduktiv, ihr Einsatz im Ackerbau und in der Viehzucht „unentbehrlich”. Lothar von Trotha widersprach: „Ich bin gänzlich anderer Ansicht. Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss.”

In den Folgemonaten wurde das Tor zur Hölle ein Stück weit aufgemacht. Nach dem Sieg der deutschen „Schutztruppe” in der Entscheidungsschlacht am Waterberg flohen die Herero in die Omaheke-Wüste, um ins benachbarte Betschuanaland zu gelangen. Anstatt die Flüchtlinge durch die Wüste zu jagen und dabei eigene Verluste zu riskieren, ließ von Trotha das Gebiet abriegeln und die Wasserstellen besetzen. „Das Röcheln der Sterbenden und das Wutgeschrei des Wahnsinns … sie verhallten in der erhabenen Stille der Unendlichkeit!”, notierte ein Beobachter der kaiserlichen Truppe. Als im Dezember die Blockade aufgehoben wurde, waren die endlosen Weiten der Omaheke mit Zehntausenden Leichen übersät. Nur wenige schafften es lebend aus dem Sandfeld. Deutsche Patrouillen fanden Leichen in bis zu 16 Meter tiefen Löchern—die Verdurstenden hatten verzweifelt nach Wasser gegraben. Das Waterberg-Massaker ging als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher ein.

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„Ein Musterbeispiel für christlichen Lobbyismus“ in der Kirchenrepublik Deutschland

Bild: GBS
Selten war die Kluft zwischen Bevölkerung und Politik so offensichtlich wie in der Frage der Sterbehilfe. Dies verdeutlicht eine Plakataktion der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), die am heutigen Mittwoch in Berlin startete.

giordano bruno stiftung

Die Plakate zeigen Kanzlerin Angela Merkel, den Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold („Letzte Hilfe“) und Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli mit geschlossenen Augen. Im Fall von Arnold und Minelli signalisiert das Bildmotiv, dass beide die vor einem Jahr gestartete „Kampagne für das Recht auf Letzte Hilfe“ unterstützen. Im Fall von Angela Merkel zeigt es an, dass die Kanzlerin die Augen davor verschließt, dass 80 Prozent der deutschen Bevölkerung gegen die geplante Kriminalisierung professioneller Freitodbegleitungen votieren. Bürgerwille und Politik gehen in dieser Frage so weit auseinander, dass man sich an die berühmten Worte Bertolt Brechts erinnert fühlt: „Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“

Rhetorisch fragt die gbs-Kampagne, ob Uwe-Christian Arnold und Ludwig A. Minelli denn wirklich als „Verbrecher“ behandelt werden sollen, weil sie schwerstleidenden Menschen helfen, ihren letzten Wunsch umzusetzen und selbstbestimmt zu sterben. Dass diese Hilfe nach der von Angela Merkel favorisierten Gesetzesvorlage mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden soll, bezeichnete der Leiter der Kampagne, der Philosoph und gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, als „ethisch unverantwortlich“, da ein solches Gesetz viele Menschen in harte Verzweiflungssuizide treiben würde. Zudem sei es „zutiefst undemokratisch“, da die Befürworter des neuen Strafgesetzes „nicht nur das eindeutige Votum der Bürgerinnen und Bürger ignorieren, sondern auch die Mehrheitsmeinung der Experten. Immerhin haben sich mehr als 140 deutsche Strafrechtslehrer in einer gemeinsamen Resolution gegen die Einführung eines neuen Strafrechtsparagraphen ausgesprochen.“

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Multitalent Aristoteles: Er gilt als Lehrer des Abendlandes

Aristoteles-Büste, römische Kopie, nach einer Skulptur des Bildhauers Lysippos, Rom, Palazzo Altemps 8575. Bild: wikimedia.org/PD

Im Mittelalter war er der Philosoph schlechthin: Kaum ein anderer Denker hat die Geistesgeschichte Europas geprägt wie Aristoteles. Auch als Naturforscher fand er bis in die Neuzeit höchste Anerkennung.

FOCUS ONLINE

  • Aristoteles gilt als Begründer der Biologie.
  • Er wurde 384 vor Christus geboren.
  • Bis heute ist unser Denken von dem Mann aus Stageira zutiefst beeinflusst.

Ob Ethik oder Politik, Rhetorik oder Poetik, Logik oder Metaphysik, Physik oder Kosmologie , Psychologie oder Biologie – es gibt kaum einen Bereich, für den sich der griechische Philosoph und Naturforscher Aristoteles nicht interessiert hat.

Viele dieser Disziplinen hat er entscheidend geprägt, manche sogar erst geschaffen. So gilt er etwa als Begründer der Biologie. Wegen seiner Leistungen auf diesem Gebiet zollte ihm der britische Naturforscher Charles Darwin noch mehr als 2000 Jahre später höchstes Lob. Im Vergleich zu Aristoteles seien seine eigenen Götter Cuvier und Linné bloße Schuljungen, notierte er 1882.

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Gender-Ideologie: Vorbotin der Diktatur?

Bild: tillnikolausvonheiseler.wordpress.com
Totalitätsforschung: Stellt Gender Main Streaming tatsächlich einen Angriff auf die Demokratie dar?

Von Till Nikolaus von Heiseler|der Freitag

Was ist Demokratie? Die Systemtheorie des deutschen Soziologen Niklas Luhmann unterscheidet zwischen traditionellen Gesellschaften, also Adelsgesellschaften, in denen in der Regel Religion eine bedeutende Rolle spielt (stratifizierten Gesellschaften) und der modernen Demokratie (ausdifferenzierter Gesellschaft).

In den traditionellen Gesellschaften verkörpert die Spitze das Ganze und Moral, Recht, Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft und Religion bilden eine Einheit. Es existiert keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Moral und Recht. Beide sind in der religiösen Tradition begründet. Klassischerweise wird auch Herrschaft religiös begründet. Die Kunst steht ebenfalls im Dienste der Religion. Die Wissenschaft beschränkt sich auf Medizin und Technik. Ehe und Familie unterstehen der Tradition.

Die modere Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass einzelne weitgehend autonome gesellschaftliche Funktionssysteme entstanden sind; wie beispielsweise das Rechtssystem, die Kunst, die Politik, das Wirtschaftssystem, die Wissenschaft. Das moderne Rechtssystem kann nur deshalb weiterbestehen, weil es sich von moralischer Kommunikation unterscheidet. In ihm soll weder politische Macht noch Geld eine Rolle spielen.

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Prominente gegen Fremdenhass: “Rassismus hat hier keinen Platz”

In einer Solidaritätsaktion haben sich 100 prominente Deutsche aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirchen, Kultur und Sport gegen Flüchtlingshass gewandt.

evangelisch.de

Daran beteiligten sich auf Initiative der Zeitung “Bild am Sonntag” alle Minister der Bundesregierung, Unternehmenschefs, Gewerkschaftsführer und Schriftsteller.

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte: “Deutschland ist ein starkes und mitfühlendes Land. Nicht die Hetzer sind Deutschland, sondern all die Menschen, die mit Herz und Verstand helfen.” Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert nannte Deutschland ein weltoffenes Land: “Ich komme aus dem Ruhrgebiet, einer Region, die durch Zuwanderung entstanden und gewachsen ist.”

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Leipziger Pfarrer Wolff sieht in Rechtsextremismus Politikversagen

Themenbild. Bild: Twitter @Rene_Wappler
Themenbild. Bild: Twitter @Rene_Wappler
Der ehemaliger Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, führt rechtsextremes Gedankengut in Sachsen auf ein langjähriges Versagen vor allem der Politik zurück.

evangelisch.de

Die Akzeptanz des Rechtsstaates und der sozialen Demokratie lasse sehr zu wünschen übrig, sagte Wolff am Dienstag im Deutschlandradio Kultur: “Das, was wir jetzt mit Erschrecken sehen, Tag für Tag, das ist keine Eintagsfliege – das ist die Folge von langjährigem Versagen auf vielen Ebenen.” Dass Rechtsradikale Sachsen über zwei Jahrzehnte zum Aufmarschgebiet erklärt hätten, sei nicht zur Kenntnis genommen oder verniedlicht worden.

Jetzt müssten sich alle gesellschaftlichen Kräfte fragen, wie dem gegenzusteuern sei, sagte Wolff. Mit “straffen Parolen”, wie sie Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am Montag in Heidenau geäußert habe, sei es nicht getan. Gabriel hatte harte Konsequenzen bis hin zu Gefängnisstrafen für die an Krawallen Beteiligten gefordert. Es gehe aber nicht darum, Leute wegzusperren, sondern darum, “dass wir rechtes Gedankengut offen debattieren und offenlegen, was sich eigentlich dahinter verbirgt und welche gefährlichen Folgen das hat”, sagte Wolff.

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Wieviel radioaktives Material liegt gerade wo in Deutschland?

Bild: GNS Gorleben
Bild: GNS Gorleben
Deutschland gilt als eines der weltweit größten Atomkraftausstiegsländer. Trotzdem wachsen die atomaren Müllberge bei uns weiter an.


Von Valerie Höhne|MOTHERBOARD

Rund 8.200 Tonnen hochradioaktiver Atommüll und noch einmal in etwa die 20-fache Menge an schwach- und mittelradioaktivem Müll warten derzeit darauf, in ein Endlager gebracht zu werden, das noch immer nicht gefunden ist.

Doch nicht nur Rohabfälle und konditionierte Abfallprodukte aus Kernkraftwerken und Anlagen zur Urananreicherung lagern an verschiedenen Standorten in Deutschland—auch Atomwaffen sind noch immer bei uns stationiert.

Die Zukunftsprognose des Bundesumweltministeriums ist ebenfalls beunruhigend: Bis 2080 werden weitere 17.000 Tonnen hochradioaktiven Mülls erwartet. Es scheint, als stünden wir vor einem unlösbaren Problem.

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Zweiter Weltkrieg: Mediziner auf Raubzug

Aufladen von Raubgut am Peter-Museum in Narwa (Estland) im Februar 1944. Mitarbeiter vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg bei der Arbeit. Foto: Bundesarchiv, Nr.: 1977–031–08
Die Rolle der Mediziner beim Kunst- und Kulturraub der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg


Von Gutsul, Nazarii; Kleinmanns, Jan; Schmidt, Mathias|aerzteblatt.de

Als Ende des Jahres 2013 die Medien die verwundene Geschichte der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt und dessen Vater Hildebrand aufdeckten, wurde schlagartig deutlich, dass die Geschichte der im Zweiten Weltkrieg geraubten oder unter fragwürdigen Umständen erworbenen Sammlungen noch keineswegs hinreichend erforscht ist. Das volle Ausmaß der Verschiebungen aller nur erdenklichen Kunst- und Kulturgüter und deren bis heute teils ungeklärter Verbleib beschäftigen noch immer ganze Heerscharen von Provenienzforschern.

Fest steht zwar, dass im Zusammenhang mit dem Kulturraub auch Ärzte und medizinisches Personal eine Rolle gespielt haben, allerdings sind die personellen Begebenheiten innerhalb der damit beauftragten Kommandos und die Aufgaben der dort arbeitenden Mediziner bisher kaum oder gar nicht erforscht. Unter der Führung des Freiherrn Eberhard von Künsberg plünderte das SS-Sonderkommando Künsberg im Auftrag des Auswärtigen Amtes und im Auftrag des Parteiideologen Alfred Rosenberg plünderte der „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ die Bestände von kulturellen, diplomatischen, wissenschaftlichen und politischen Einrichtungen in den besetzten Gebieten (1, 4–6). Offiziell lautete ihr Auftrag auf dem Papier, die Zielobjekte „sicherzustellen“, zu „retten“ oder vor „Zerstörung zu bewahren“ (7). Jedoch interpretierte besonders das SK Künsberg diese Aufgabe nicht im Sinne der Einlagerung schützenswerter Kulturgüter in sicheren Verstecken, sondern in deren Raub und Abtransport nach Deutschland.

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Viele Tierrechtler haben keine Ahnung

Bild. The Huffington Post/Facebook
Der grausame Tod des Löwen Cecil hat eine Weltweite Bestürzung hervorgerufen , eine Anteilname deren Ausmaße einer Königlichen Beerdigung nahe kommt. Politik, Medien und Bürger im In-und-Ausland forderten Bestrafung für diesen frevelhaften Akt. Tierrechtsorganisationen wetterten sogar mit der Todesstrafe.


Von Pietro Bento|The Huffington Post

Betrachtet man die Sache allerdings etwas nüchterner, wird durch diesen Presserummel aber auch deutlich, das bis vor diesem Ereignis viele keine Ahnung hatten, dass alle 15 Minuten ein Elefant von Wilderern erschossen wird, letztes Jahr wurden mehr als 1.250 Nashörner erlegt, 800 Tiere davon in Naturschutzreservaten die sogar vom Militär bewacht werden!

Großwildjagd ist ein riesiges Geschäft und ein Elite-Hobby für alle die, die nicht mehr wissen wohin mit ihrem Geld, für alle die, die gerne einmal Gott spielen wollen und sich daran ergötzen. Traurig ist auch, dass bis letzte Woche die meisten nicht mal wussten, dass Simbabwe in Afrika liegt.

Betrachtet man allerdings auch die andere Seite, stellt man fest, das der Tod dieses einen Löwen, der in „Freiheit” leben durfte, sogar Fluglinien umdenken lässt und diese nun keine Jagdtrophäen mehr transportieren wollen.

Das Problem heutzutage ist, dass die Öffentlichkeit oder jemand der sich irgendwie engagieren bzw. Tieren helfen will, schon am Anfang an einem gefährlichen Scheideweg stehen und eine grundsätzliche Entscheidung treffen müssen. Denn worin unterscheidet sich ein Tierschützer und der moderne/neumodische Tierrechtler?

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Deutschland: Mehrheit will weniger religiösen Einfluss auf die Politik

Bild:YouGov.de
Zwei Drittel der Deutschen finden, Religion sollte einen kleineren Einfluss auf die Politik haben als derzeit. Auch bei Katholiken und Protestanten gibt es dafür eine Mehrheit.


Von Matthias Schmidt|YouGov.de

Eine Staatskirche gibt es in Deutschland seit beinahe 100 Jahren nicht mehr. Allerdings treibt der Staat zum Beispiel für die beiden großen Kirchen die Kirchensteuer ein. Und Bischöfe und Kardinäle haben bis heute viel Einfluss – auch politisch. Zudem haben die beiden Unionsparteien das „christlich“ zumindest in ihrem Namen – wenn auch in den Augen Vieler zu Unrecht.

Aber ohnehin wollen die meisten Deutschen nicht, dass Religion einen zu großen Einfluss auf die Politik ausübt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage. Demnach sagen knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent), der Einfluss von Religion auf die Politik sollte kleiner sein als derzeit, nur 4 Prozent wünschen sich einen größeren religiösen Einfluss. Jeder Sechste (17 Prozent) sagt, das gegenwärtige Verhältnis zwischen Religion und Politik sei gerade richtig.

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