Schlagwort-Archive: Politik

Vorläufige Einigung bei Kirchenasyl

Kirchen dürfen Flüchtlingen und Asylsuchenden wie bislang Zuflucht gewähren Foto: flickr | Noborder network/Sara Prestianni | CC BY 2.0

Vertreter von Kirche und Politik haben sich am Freitag in der Frage des Kirchenasyls verständigt. Demnach dürfen Kirchen vorerst bis zum Herbst Asylsuchenden wie bislang Zuflucht gewähren.


pro Medienmagazin

Kirchen dürfen nun bis Herbst 2015 wie bislang Flüchtlinge und Asylsuchende aufnehmen, wenn sie befürchten, dass diesen Menschen bei einer Abschiebung Menschenrechtsverletzungen drohen. Darauf haben sich die beiden großen Kirchen in Deutschland und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach einem Spitzentreffen geeinigt. Die Tradition des Kirchenasyls „an sich“ wird seitens der Politik nicht in Frage gestellt.

In der Zeit bis zum Herbst wollen die Kirchen und das BAMF nun eine neue Zusammenarbeit bei Kirchenasylfällen erproben, teilten beide Kirchen mit. Dabei sollen Kirchenvertreter die Möglichkeit bekommen, Einzelfälle erneut vom Bundesamt überprüfen zu lassen, vorzugsweise noch bevor die betroffenen Personen in das Kirchenasyl aufgenommen werden. Für die Kommunikation sollen zentrale Ansprechpartner sowohl auf Seiten der Kirchen wie auch des BAMF benannt werden.

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Öffentliche Religion – religiöse Öffentlichkeit

Bild: KAS

Selten wird Religion in öffentlichen Räumen jenseits von Kirchenmauern und Äußerungen ihrer Repräsentanten so sichtbar wie in Kunst und Kultur. Dabei erkennen sie in ihrer Sensibilität für Brüche, Verborgenes und Unausgesprochnes oft Veränderungen in der Gesellschaft, bevor sich diese öffentliche manifestieren. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Auseinandersetzungen von Politik und Wissenschaft mit Religion. Stellungnahmen zu diesen Befunden finden Sie im vorliegenden Band.


Von Karlies Abmeier, Michael Borchard|Konrad-Adenauer-Stiftung

Öffentliche Religion(pdf)

Laizismus: Religion von Japan bis zum Libanon

napoleon_religionIn Deutschland haben die Kirchen immer noch großen Einfluss. Wie sieht es in anderen Ländern mit dem Verhältnis von Staat und Religion aus?


ZEIT ONLINE

Ich lebe seit vielen Jahren in Italien. Die Katholische Kirche mischt sich hier indirekt noch immer stark in politische Belange ein. Viele Abgeordnete definieren sich explizit als katholisch, weshalb sich zum Beispiel noch keine parlamentarischen Mehrheiten für eingetragene Lebensgemeinschaften oder Homo-Ehen gefunden haben, auch wenn die Bevölkerung mehrheitlich dafür ist. Dabei ist es außer in Einzelfällen nicht einmal so, dass die Kirche eine klare Abstimmungsempfehlung abgäbe, aber die Abgeordneten wissen eben, dass bestimmte Vorschläge von der Kirche nicht gutgeheißen werden, und stimmen folglich dagegen. Aber nicht nur auf der Ebene der Gesetzgebung kann einem der Katholizismus das Leben schwer machen. In einigen Regionen ist es zum Beispiel ein großes Problem, dass viele Frauenärzte aus Gewissensgründen keine Abtreibungen vornehmen und auch die Pille nicht verschreiben. Da wird das gesetzlich verbriefte Recht auf Abtreibung in einigen Fällen de facto außer Kraft gesetzt, weil die Verweigerer nahezu 100 Prozent der Ärzte stellen. Oder man findet zwar einen Arzt, der die Abtreibung vornimmt, aber keine Krankenschwester, die in den Stunden danach dazu bereit ist, mal nach dem Rechten zu gucken.
Gesine Althaus 

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Der Realitätsverlust in Politik und Kirche

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

„Warum hat man Angst vor der Angst der Demonstranten in Dresden?“


Von Hubert Windisch|kath.net

Der momentanen Aufregung in Politik und Kirche nach muss Pegida eine enorme Provokation für Deutschland sein. Man könnte meinen, der Leibhaftige selbst sei in Dresden am Werk, wenn man die teils aggressiven, teils gehässigen Äußerungen von Politikern, Kirchenleuten und Vertretern der Medien zu den Montagsdemonstrationen von Pegida hört oder liest. Dabei galt lange Zeit Politik à la BILD als unseriös, und die Kirche verstand sich in der Vergangenheit immer auch als kritische Instanz zum Staat und zu den Parteien. Wozu eine Empörungsallianz von Kirche und Staat heutzutage allerdings gegenüber Bürgern, die von einem Grundrecht Gebrauch machen, auf lächerliche Weise fähig ist, zeigt die populistische Aktion „Licht aus für den Kölner Dom“. Welch ein Mangel an Souveränität. Warum hat man Angst vor der Angst der Demonstranten in Dresden?

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Aiman Mayzek: „Die Religion wurde gekidnappt“

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)

Aiman Mazyek wirbt seit Jahren unermüdlich für religiöse Toleranz. Angesichts des IS-Terrors und der „Pegida“-Bewegung ist das derzeit nicht eben eine leichte Aufgabe. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland.


Von Joachim Zinsen|Aachener Zeitung

Herr Mazyek, was war für Sie im ausgehenden Jahr das schönste Ereignis, die schönste Erfahrung?

Mazyek: Spontan fällt mir die Fußball-Weltmeisterschaft und insbesondere das Spiel Deutschland gegen Brasilien ein. Fünf Minuten nach dem Anpfiff begann auch das Fastenbrechen. Ich saß mit meiner Familie im Wohnzimmer vor dem Fernseher und wir bekamen die Bissen kaum herunter, weil ein Tor nach dem anderen fiel. Zur Halbzeit waren die Teller immer noch voll. Für mich war dieser Juli-Abend als Muslim und Fan der Nationalmannschaft ein doppelter Feiertag.

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Buddha brutal

Foto: fotolia/Santi

Für den Münchner Indologen Uwe Hartmann ist der Zen-Buddhismus ein besonders krasses Beispiel, wie Religion und Politik ineinander verschränkt sein können.


Von Thomas Klatt|ND

Im Buddhismus gibt es einen latenten Widerspruch zwischen seinem radikalpazifistischen Anspruch und buddhistischer Realpolitik. Insofern unterscheidet er sich nicht von anderen Religionen.

Im Kloster marschieren Kahlgeschorene in schwarzen Kutten in Reih und Glied, Gewehr geschultert, Augen geradeaus. Buddhistische Mönche begeben sich in Kasernen, um durch Zen-Meditation Offiziere für den Krieg zu stählen. Jugendliche werden als Kamikaze-Piloten in den sicheren Tod geschickt. Im Juli 1941 sammelt die Soto-Zen-Schule Spenden und schenkt der kaiserlichen Marine ein neues Kampfflugzeug mit dem Namen Soto Nr. 1!

Japan im Zweiten Weltkrieg. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hauptrichtungen des japanischen Zen, Shin, Soto und Rinzai, nicht nur staatstragend und kaisertreu, sondern sie liefern auch das ideologisch-religiöse Gerüst für die tapferen Soldaten. Für den Münchner Indologen Uwe Hartmann ist der Zen-Buddhismus ein besonders krasses Beispiel, wie Religion und Politik ineinander verschränkt sein können. »Wenn wir uns eine Religion anschauen, dann sehen wir die reine Lehre. Bei fremden Religionen unterschätzen wir dann völlig, dass da genau wie bei uns jede Menge Macht und Politik dahinter steht und dass jede Religion involviert ist in ein Umfeld«, sagt Hartmann.

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Osten misstraut Medien stärker als Westen

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Das Vertrauen in die Medien ist erschreckend niedrig, weniger als die Hälfte der Menschen halten sie nach einer Umfrage für objektiv und unabhängig. Besonders ausgeprägt aber ist das Misstrauen im Osten Deutschlands.


Von Kurt Sagatz|DER TAGESSPIEGEL

Das Vertrauen in die Medien ist im Osten Deutschlands noch niedriger als in den westlichen Bundesländern. Dies ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag von “Zeit Online”. Während in der gesamten Bundesrepublik 47 Prozent der Befragten glauben, dass die Medien einseitig berichten und von der Politik gelenkt seien, halten im Osten sogar 55 Prozent die Berichterstattung für einseitig und gelenkt. 40 Prozent der Befragten in allen Bundesländern glauben dagegen an eine unabhängige und objektive Berichterstattung. Im Osten sind es nur 34 Prozent.

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„Was ist ein Salafist zwischen zwei Frauen? Eine Bildungslücke!“

Elferrat der Stunksitzung am 15.01.2011, Bild: wikimedia.org/Karl-Heinz Meurer

„Was ist ein Salafist zwischen zwei Frauen? Eine Bildungslücke!“ – Die Jecken der „Stunksitzung“ machen auch in dieser Session wieder Jagd auf die Dummheit in Politik, Alltag und jedweder Religion. Gut dreieinhalb Stunden lang – Pause inklusive – begeisterten sie am Donnerstag im E-Werk ihr Premierenpublikum.


Von Jürgen Schön|Koeln.de

Gleich zu Beginn wird das aktuelle Thema Flüchtlinge abgehakt – man will in Deutschland schließlich unter sich sein: In Hamburg ist die Reeperbahn zu gefährlich für Zuwanderer, in Berlin wird ihnen der neue Flughafen als Ziel empfohlen, in München hat man schon die Zelte vom Oktoberfest abgebaut, in Appelhülsen ist nicht mal mehr ein Bett im Kornfeld frei, und in Köln sieht man sie am Besten nicht in unserm Veedel.

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PEGIDA: Das deutsche Festival des Wahnsinns

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Bei den jüngsten Protesten wächst auseinander, was nicht zusammengehört: auf der einen Seite die Politik, die verordnet, was man hierzulande meinen darf – auf der anderen das angeblich “dumme” Volk.


Von Henryk M. Broder|DIE WELT

Was haben wir uns aufgebläht und vor Überlegenheit gebebt, wenn in anderen Ländern die Wahlergebnisse bekannt gegeben wurden. Diese Holländer mit ihrem Geert Wilders! Die Franzosen mit Marine Le Pen! Beppe Grillo in Italien, Pia Kjærsgaard in Dänemark, Nigel Farage in Großbritannien, die Schwedendemokraten in Schweden, der Vlaams Belang in Belgien, die Goldene Morgenröte in Griechenland – überall in Europa drängten “Rechtspopulisten” an die Macht. Und wir, wir konnten es nicht fassen.

Mehr noch, wir waren empört, entsetzt, geschockt und angewidert. Und als die Schweizer über ein Verbot von Minaretten in ihrem Land und eine Begrenzung der Einwanderung abstimmten, haben wir den Schweizern über den Rheinfall von Schaffhausen hinweg zugerufen: So nicht, liebe Eidgenossen, ihr macht eure Demokratie kaputt!

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Bedford-Strohm regt Gesellschaftsvertrag über Tierhaltung an

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sieht die Notwendigkeit, die Bedüfnisse von Landwirten auf der einen Seite und den Marktdruck des Handels auf der anderen neu in Einklang zu bringen.


evangelisch.de

In der kontroversen Debatte über landwirtschaftliche Tierhaltung schlägt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, einen Gesellschaftsvertrag vor. Eine derartige Vereinbarung über die Zukunft der Nutztierhaltung könnte Landwirtschaft, Politik, Handel “und uns alle als Verbraucher” auf ethisch begründete Leitlinien verpflichten, schreibt Bedford-Strohm in einem Beitrag für das Magazin “top agrar” (Januar-Ausgabe). Spannungen, die zwischen Arbeitsbelastung und Existenzsicherung der Landwirte auf der einen Seite sowie dem Marktdruck des Handels und den ethischen Erwartungen der Gesellschaft andererseits bestünden, müssten neu in Einklang gebracht werden.

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Mainz, wie es singt und hasst

Johannes Gerster, Bild: JA

Auf einer Anti-Israel-Demonstration werden volksverhetzende Parolen gerufen. Doch die deutsche Justiz versagt.


Von Johannes Gerster|Jüdische Allgemeine

Am 18. Juli marschierten 1500 Menschen durch die Mainzer Innenstadt. Die pro-palästinensische Demonstration entpuppte sich als Aufmarsch von Judenhassern. Die Masse skandierte Hetzparolen wie »Nieder, nieder Israel!«, »Kindermörder Israel« und »Tod, Tod Israel!«. Als diese Demonstranten eine pro-israelische Kundgebung in der Nähe des Doms erblickten, brüllte der Mob: »Juden raus!«

Strafantrag Ich habe sofort Strafantrag wegen Volksverhetzung bei der Staatsanwaltschaft Mainz gestellt. Nach wenigen Wochen teilte sie mit, dass sie die Ermittlungen eingestellt hat. Begründung: Die Demonstration habe sich gegen die Politik des Staates Israel und nicht gegen die Juden in Deutschland gerichtet. Natürlich habe ich Beschwerde beim Generalstaatsanwalt eingelegt. Dieses Mal benötigte man zur Prüfung immerhin zwei Monate, um die Beschwerde mit gleichen Argumenten abzuwehren.

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Konkurrenz und Wettbewerb als Evolution destruierende Mechanismen

Bild: youtube

Evolution aus systemtheoretischer Perspektive
Dass der “Geist des Kapitalismus” (Max Weber) kurioser Weise sowohl die Ökonomie als auch, wie es scheint, die Natur durchdringt, bleibt selten unbemerkt. Kapitalismus gibt sich derart den Anschein einer gleichsam natürlichen Wirtschaftsordnung. Denn wenn festgestellt werden kann, “dass die Natur in gewisser Weise kapitalistisch funktioniert” (Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein Volhard), lässt sich in Umkehrung auch schlussfolgern, dass der Kapitalismus auf gewissermaßen natürliche Weise funktioniert.

Von Jörg RäwelTELEPOLIS

Ideengeschichtlich war es so, dass Darwin zunächst auf soziale Verhältnisse bezogene Theorien, insbesondere die Vorstellungen Thomas Robert Malthus’, auf “natürliche” Gegebenheiten, biotische Verhältnisse übertrug:

Darwin überträgt den malthusischen struggle for existence auf die Natur. So steht die ökonomische Analyse des Manchester-Kapitalismus gewissermaßen Modell für die Theorie biologischer Evolution – vom Konkurrenzkampf, jeder gegen jeden, über die Selektionsmechanismen des Marktes bis zur Entstehung neuer Nischen oder Produkte. Lebewesen werden zu Objekten der Evolution, die eine unbestechliche Warenkontrolle einem Bio-Ranking unterwirft. Der heutige Sozialdarwinismus macht im Grunde nichts anderes, als die frühkapitalistische Wirtschaftsideologie über eine wissenschaftliche Theorie wieder auf die Gesellschaft zurückzuspiegeln – und ihr damit scheinbar zu einem naturgesetzlichen Fundament zu verhelfen.

J. Neffe: Danke Darwin!

In sich so gegenseitig bestätigender Perspektive wird Konkurrenz (struggle for existence) zu einem wirkmächtigen Prinzip, das grundlegend für das Verständnis sowohl von natürlich-biologischen wie sozial-wirtschaftlichen Verhältnissen relevant sein soll.

Evolution aus systemtheoretischer Perspektive

Allerdings bestätigt sich in in einer systemtheoretischen Konzeption der Evolutionstheorie[1] die sich aus der Ideengeschichte geradezu aufdrängende Skepsis; nämlich, dass in der Perspektive der konventionellen, offenkundig sozialdarwinistisch gewendeten Evolutionsbiologie ein Anthropomorphismus zur Geltung kommt, Gegebenheiten sozialer Konstruktion unangebracht auf “natürliche”, biotische Verhältnisse übertragen werden.

Aus der Sicht der Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann sind es autopoietische Systeme (spezifisch: Populationen und Arten), die evolvieren. Autopoietische Systeme erhalten sich als Einheiten in ihren Grenzen durch das Netzwerk eben jener Operationen, die gerade diese Operationen selbst erst ermöglichen.[2] Mit Blick auf Populationen und Arten ist dies die Operation der (geschlechtlichen) Reproduktion. Reproduktion ermöglicht (weitere) Reproduktion, grenzt mit dieser Operation Arten und Populationen von ihren Umwelten ab bzw. erhält sie selbstreproduktiv als eben autopoietische Einheiten. Fundamentale Operation lebender Systeme wie Populationen und Arten ist demnach – sich selbst reproduzierende – Reproduktion.

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Heiner Geißler vermisst kirchliches Machtwort zur Ökonomisierung

Heiner Geißler im Dezember 2007, Bild: wikimedia.org/PD

Der CDU-Sozialpolitiker Heiner Geißler (84) hat die evangelische und katholische Kirche zu mehr Engagement gegen die Gefahren einer fortschreitenden Ökonomisierung aufgerufen.

evangelisch.de

“Es fehlt das Wort der Kirchen”, sagte Geißler am Dienstagabend in Wuppertal. In Politik und Kirche mangele es derzeit an Willen zu einer “direkten und klaren Ansprache” von Missständen.

Die Kirche müsse sich auf ihre Vorbilder Jesus Christus und den Reformator Martin Luther besinnen, die sich den Problemen ihrer Zeit gestellt hätten, sagte Geißler auf dem Johannes-Rau-Kolloquium der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). “Wir können die Welt verändern, wenn die geistlichen Führer erkennen, dass das Evangelium eine politische Dimension hat”, betonte der CDU-Politiker. Er nannte die christliche Kirche einen der “größten Global Player, die wir auf der Welt haben”.

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Dodo Thierse predigt in Gedächtniskirche

thierse_zdf“Reformation und Politik” lautet das Thema des Gottesdienstes, über das Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., diesen Sonntag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche predigt.

Berlin Online

Seit der Reformation sind Christen nach und nach vorsichtiger, auch selbstkritischer geworden in der Bestimmung des Verhältnisses von Religion und Politik.

“Die Unterscheidung zwischen beiden ist von großer Aktualität angesichts der missbräuchlichen Inanspruchnahme von Religion zur Begründung von politischer Macht und gar von Gewalt”, macht Thierse im Vorfeld deutlich. Trotzdem kann Religion keine reine Privatsache sein, sie hat unweigerlich auch eine soziale und politische Dimension. “Sie ist für das ethische Fundament gelingender Demokratie unersetzlich, gerade auch deshalb, weil sie auf die Grenzen von Politik verweist, Totalitätsansprüchen widerspricht”, betont Thierse.

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Theologe wirft der EKD ‘christlichen Totalitarismus’ vor

ekd_reformation_magazin300Ziegert im Pfarrerblatt: Der kirchliche Apparat wächst – Bei Gemeinden wird gespart.

kath.net

Scharfe Kritik an Politisierung und Zentralismus in der EKD übt der Theologe Karl Richard Ziegert (Ludwigshafen) im Deutschen Pfarrerblatt (Schifferstadt). Innerhalb der EKD habe sich ein „neuer christlicher Totalitarismus etabliert, der Politik und Theologie, Religion und Gesellschaftserneuerung in einem sein will“, schreibt der frühere Beauftragte für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz. Laut Ziegert propagiert die EKD „ethisch als besonders hochstehend präsentierte politische Positionen, um die Gesellschaft zu perfektionieren“. Sie fordere zum Beispiel nun auch, dem traditionellen Verständnis von Familie die völlige Offenheit der „sexuellen Orientierung“ überzuordnen. Mit ihren „radikalen Gender-Statements“ bezahle die EKD den Preis, den die „politische Klasse“ als eine Gegenleistung für die Rolle der Kirche als politischer Mitspieler einfordere.

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DDR-Schleuser waren Fluchthelfer, Syrien-Schleuser sind Verbrecher

Stefan Buchen – Die neuen Staatsfeinde. Wie die Helfer syrischer Kriegsflüchtlinge in Deutschland kriminalisiert werden © Dietz Verlag

Wenn Syrer ihre Familien aus dem Krieg retten wollen, sind illegale Wege meist unausweichlich. Diese Menschen werden in Deutschland bisweilen wie Schleuser behandelt und kriminalisiert. Autor Stefan Buchen hat diese Fälle recherchiert. Drei Fragen an ihn über sein Buch und das Versagen des Rechtsstaates.

Von Elisa Rheinheimer-ChabbiMiGAZIN

Der ARD-Journalist Stefan Buchen hat anhand eines konkreten Falles recherchiert, wie es in Deutschland lebenden Syrern ergeht, die versuchen, ihre Familien illegal nach Deutschland zu holen. Die Ergebnisse seiner Recherche: Sie werden von Politik, Justiz und Medien als gefährliche und skrupellose Schleuser bezeichnet und als Kriminelle eingestuft – mit der Folge, dass sie häufig für mehrere Jahre hinter Gittern landen. Buchen im Gespräch über seine Recherche und sein neues Buch „Die neuen Staatsfeinde“.

„Wer im Kalten Krieg Flüchtlinge aus der DDR über den Eisernen Vorhang schleuste, galt als Fluchthelfer. Wer im syrischen Krieg Flüchtlinge nach Deutschland schleust, ist ein Verbrecher“, schreiben Sie. Wie ist dieser Sinneswandel Deutschlands zu erklären?

Stefan Buchen: Die Bundesregierung sieht Migrationspolitik als Teil der Sicherheitspolitik. Sie möchte, dass möglichst wenig Migranten nach Deutschland kommen. An diesem Grundsatz richtet sich die praktische Politik aus. Zunächst bedeutet das die Stärkung des Grenzschutzes und all die Dinge, die man gemeinhin mit dem Begriff „Abschottung“ zusammenfasst. Die Bundesregierung stört sich nicht an dem Widerspruch zwischen der Verteufelung illegal Eingewanderter und der Glorifizierung von „Fluchthelfern“, die Menschen in den 60er und 70er Jahren gegen Geld heimlich über den „Eisernen Vorhang“ geholfen haben. Unsere Politiker setzen auf das Vergessen und das Desinteresse der Öffentlichkeit.

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Amerikaner wollen mehr Religion in der Politik

Religionsführer sollen sich öfter zu politischen Themen äußern und Politiker mehr von ihrem Glauben zeigen. Das ist der Wunsch von immer mehr Amerikanern Foto: Pete Souza | Public Domain

Immer mehr US-Amerikaner wünschen sich, dass Religion in der Politik eine wichtigere Rolle spielt. Das ergab eine Studie des Pew-Instituts. Die Kluft zwischen Religiösen und Religionslosen wird jedoch immer größer.

pro Medienmagazin

Fast drei Viertel der Amerikaner glauben, dass Religion ihren Einfluss auf die Politik der Vereinigten Staaten verliert. Die meisten von ihnen finden das nicht gut. Laut einer Studie des amerikanischen Pew Research Centers wünschen sich die Hälfte der US-Bürger, dass sich dies ändert und dass sich geistliche Leiter aus Kirchen oder anderen Religionsgemeinschaften mehr zu politischen und sozialen Themen äußern. Die andere Hälfte der Befragten möchte das nicht. Aber deren Anteil ist seit den Kongresswahlen 2010 um vier Prozentpunkte gefallen, während die Befürworter eines stärkeren religiösen Einflusses auf die Politik seitdem sechs Punkte zulegten.

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George Weigel: Rechtfertigung für Papst Benedikts Regensburger Rede

George Weigel Blog, Screenshot: BB

George Weigel Blog, Screenshot: BB

Benedikt XVI. habe in seiner Regensburger Rede zwei Schlüsselfragen angesprochen: Kann der Islam Argumente für religiöse Toleranz und für die Trennung von Politik und Religion finden? Diese Themen seien heute höchst aktuell, schreibt George Weigel.

kath.net

In seiner „Regensburger Rede“ hat Papst Benedikt XVI. zwei Schlüsselfragen angesprochen, deren Antworten den „Bürgerkrieg innerhalb des Islam“ ebenso entscheidend beeinflussen werden wie die weltweiten Bedrohungsszenarien. Das schreibt der Theologe und Papst-Biograph George Weigel auf dem Blog First Things.

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Zur Erinnerung. Am 12. September 2006 vor Wissenschaftlern an der Universität Regensburg eine Vorlesung.

Das als Papstzitat von Regensburg bekannt gewordene Diktum ist eine Äußerung in dieser Vorlesung.

B16

„Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von ‚Schriftbesitzern‘ und ‚Ungläubigen‘ einzulassen, wendet er (der Kaiser) sich in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: ‚Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten‘. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. ‚Gott hat kein Gefallen am Blut‘, sagt er, ‚und nicht vernunftgemäß, nicht σὺν λόγω zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider‘. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann.“

B16 selbst zitiert den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350-1425), der während eines Gesprächs mit islamischen Gelehrten, diese Aussagen getroffen haben soll.

Christian Schmidt(CSU) an die Front!

Das Kreuz mit den Religionen

Das Kreuz mit den Religionen

Mit einem gehörigen Maß an Lust zum Widerspruch habe ich das Interview von Frau Margot Käßmann als Botschafterin der Luther-Dekade für Religion und Politik gelesen.

Von Christian Schmidt(CSU)—The Huffington Post

Obwohl sie mit einem kurzen Verweis auf die Friedensdenkschrift des Rats der EKD aus dem Jahr 2007 sich zu denen hinhält, die auch unter dem Blickwinkel des Postulats des “Gerechten Friedens” den Einsatz von Gewalt zur Gefahrenabwehr nach mehreren Prüfpunkten nicht ganz ausschließen wollen, dringt doch bis hin zur Infragestellung des Militärseelsorgevertrags eine konsequente Ablehnung des Einsatzes von Gewalt aus ihren Worten. “Gut, christlich, ehrenwert!”, mag man sagen, und sage auch ich.

Schwierig wird es zu verstehen, wieso die, die sich in Gefahr begeben (nicht weil sie rauf- oder mordlustig sind), sondern weil andere in Not sind, nicht in ihrem Einsatz seelsorgerisch betreut werden sollten – Jesus Christus war immer bei denen, die schwere und umstrittene Aufgaben hatten! Deswegen ist es richtig, dass die Kirche sich hierfür nicht zu fein ist! Selbst ein Besuch bei unseren Soldaten ist nicht christlich verwerflich!

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Die Schlachtfelder des Messianismus

Für ihn hängt die Existenz Israels vom Messias ab, für andere von der Besiedlungspolitik. Bild: dpa

Von der Geschichte der Juden und der Politik ihrer Auslegung. Oder: Warum Ultraorthodoxe Juden die Al-Quds-Demo anführen.

Von Micha Brumliktaz.de

 

Wer verstehen will, wie es möglich war, dass an der Spitze der juden- und israelfeindlichen Al-Quds-Demonstration in Berlin am 25. Juli zwei ultraorthodoxe jüdische Männer marschierten, kommt um einen genaueren Blick auf die Geschichte der Juden nicht umhin.

 

An diesem Dienstag, begehen fromme Juden in aller Welt den Trauertag Tischa be Aw, den neunten Tag des Monats Aw, der am Montagabend nach Sonnenuntergang angefangen hat. Dieser Trauer- und Fastentag gilt einem Ereignis, das vor etwas weniger als zweitausend Jahren in der am östlichen Rand des Mittelmeers damals noch Judäa genannten römischen Provinz stattgefunden hat.

 

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