Die Taliban in Afghanistan lassen sich nicht stoppen

Die Taliban – hier ein Foto aus dem Juni – erobern immer mehr Territorium.Foto: Parwiz/Reuters
Die Islamisten kontrollieren nun Ghazni in Zentralafghanistan. Der Fall der strategisch wichtigen Stadt verdeutlicht die Sicherheitslage.

Von Agnes Tandler | DER TAGESSPIEGEL

„Unsere Stadt ist abgebrannt, unser Haus ist abgebrannt, wir haben alles verloren“, klagt Fatima im afghanischen Sender Tolo TV. „Was müssen wir tun, damit die Regierung uns hört?“ Tagelange hatte die afghanische Regierung in Kabul erklärt, in Ghazni sei alles unter Kontrolle.

Doch diejenigen Einwohner, die wie Fatima aus der Provinzstadt knapp 150 Kilometer entfernt nach Kabul fliehen konnten, zeichneten ein anderes Bild. Horrorgeschichten einer belagerten Stadt ohne Wasser, Strom und Nahrung, wo Menschen wegen der heftigen Kämpfe Verwundeten nicht ins Krankenhaus bringen können und niemand die Leichen barg, während Taliban-Kämpfer von Haus zu Haus gingen, um jeden zu erschießen, der auch nur unter Verdacht stand, auf Seiten der Regierung zu sein.

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Russland unterstützt die Türkei im Streit mit den USA

Russlands Aussenminister Sergei Lawrow und sein türkischer Amtskollege Mevlut Cavusoglu bei ihrem Treffen in Ankara. (Bild: Burhan Ozbilici / AP)
Nach neuen Sanktionen und Strafzöllen haben Russland und die Türkei gemeinsam die Politik der USA scharf kritisiert. «Diese Politik darf nicht fortgesetzt werden», sagte der russische Aussenminister Sergei Lawrow bei einem Besuch in Ankara.

Neue Zürcher Zeitung

«Wir sehen die Verschärfung von Sanktionen als nicht legitime Politik», sagte Lawrow. Die USA wollten den Ton in internationalen Angelegenheiten ohne Abstimmung mit anderen Staaten vorgeben. In der vergangenen Woche hatte Washington sowohl Strafmassnahmen gegen Moskau als auch gegen Ankara verhängt. Im Fall der Türkei verdoppelte Präsident Donald Trump Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe aus der Türkei. Die Lira, die seit Monaten schwächelt, ging daraufhin in den freien Fall.

Lawrows türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu forderte während der gemeinsamen Pressekonferenz, dass die «Ära der Schikanen» enden müsse. Die USA würden nur respektiert werden, «wenn sie anderen Ländern und ihren Bedenken zuhören und alle als gleich ansehen».

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Wie groß ist das Schuldenproblem der Türkei?

Die Touristen kommen jedenfalls wieder, auch nach Alanya. Bild: Reuters
Die türkische Lira fällt und fällt, die Kurse der Bankaktien sinken ebenfalls. Wie schlimm ist es wirklich? Zahlen der türkischen Notenbank geben Hinweise.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Kurs der türkischen Lira fällt und fällt – neue Maßnahmen der Notenbankführung können das bislang nicht verhindern. Spätestens seit dem vergangenen Freitag macht immer wieder die Sorge vor einer Währungskrise oder gar einer Finanzkrise des Landes die Runde, zumal sich auch politisch der Tonfall verschärft: Die Vereinigten Staaten haben gegen zwei türkische Minister Sanktionen verhängt, Washington fordert Ankara auf, den amerikanischen Pastor Andrew Brunson freizulassen, Präsident Donald Trump erhöhte den Druck über den Kurznachrichtendienst Twitter und durch neue Zölle. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht seinerseits der mächtigen Nato-Führungsmacht.

Fachleute fragen sich seither, wie schlimm es um das Land wirklich steht. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman etwa, der sich wie wenige andere mit Schuldenkrisen auskennt, zieht schon einen Vergleich zur asiatischen Finanzkrise in den neunziger Jahren. Er verweist auf die Schulden, die türkische Industrieunternehmen und Banken im Ausland aufgenommen haben, in ausländischer Währung, in Dollar oder Euro. Genau das ist der aktuelle Kern der Angst.

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Mit Allah gegen den US-Dollar

Bild: publicdomainpictures.net/CC0
Kurzer Überblick über den geopolitischen und ökonomischen Hintergrund der aktuellen Krise in der Türkei

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die Töne werden zunehmend schriller im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Nachdem US-Präsident Donald Trump mittels eines Tweets, in dem er die Verdopplung der US-Strafzölle gegen die Türkei ankündigte, die türkische Lira abstürzen ließ, sprach der türkische Staatschef Erdogan von einem „Wirtschaftskrieg“, der von „außen“ gegen sein Land geführt werde. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Krieges, so Erdogan.

Die USA hätten der Türkei „den Rücken zugekehrt“, es gebe eine „Währungsverschwörung“ gegen die Türkei, behauptete Erdogan, der abermals eine Anhängerschaft aufrief, Euro, Dollar und Gold gegen die schwindsüchtige türkische Lira einzutauschen, um den „nationalen Kampf“ zu gewinnen. Dabei appellierte der türkische Präsident an den Nationalismus und die religiöse Identität seiner Gefolgschaft: „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott.“

Neben der ins Hysterische abdriftenden Rhetorik des Präsidenten bemüht sich aber Ankara – bislang erfolglos – um eine Eindämmung der Währungsturbulenzen. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak, der inzwischen den Posten des türkischen Finanzministers bekleidet, kündigte ein nicht näher spezifiziertes „Maßnahmenpaket“ an, das die Unabhängigkeit der Notenbank sicherstellen, die zweistellige Inflation bekämpfen, und die überhitzte Konjunktur dämpfen solle.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan – der sich wiederholt als „Zinskritiker“ outete – brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Die türkische Währung ist massiv abgestürzt. Allein die Ankündigung Trumps, weitere Strafzölle zu erlassen, ließ die Lira um 20 Prozent einbrechen. Das türkische Währungsdesaser wird aus mittelfristiger Perspektive erst voll ersichtlich: Vor einem Jahr konnten die Bürger der Türkei einen US-Dollar für rund 3,5 Lira erwerben, nun sind es rund 6,5 Lira.

Den unmittelbaren Anlass dieser Eskalation zwischen den USA und der Türkei bildete die von Ankara praktizierte Politik inoffizieller Geiselnahmen ausländischer Bürger, um hierdurch politische Konzessionen zu erpressen. In Deutschland war es der Fall des monatelang unter fadenscheinigen Gründen inhaftierten Journalisten Deniz Yücel, der diese Praxis ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte.

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Erdoğan beschwert sich: USA bedrohen Türkei

Spannungen wegen in Türkei festgehaltenen US-Pastor Brunson – Türkischer Präsident sieht sein Land als Nato-Partner unzureichend gewürdigt

derStandard.at

Im Streit mit den USA hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan neue Vorwürfe gegen die Regierung in Washington erhoben. „Sie bedrohen uns“, sagte Erdoğan am Samstag vor Anhängern in der Provinz Ordu am Schwarzen Meer. Er kündigte an, dass die Türkei nicht nachgeben werde: „Man kann diese Nation nicht mit Drohungen zähmen.“

Hintergrund ist das Tauziehen um den US-amerikanischen Pastor Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Die USA fordern seine Freilassung. „Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen NATO-Partner vor“, rief Erdoğan seinen Anhängern zu.

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Ist die Katastrophe im Jemen ein Wendepunkt?

Ein Junge, der bei dem Luftschlag verletzt wurde, liegt im Krankenhaus Quelle: AFP
Dutzende Kinder sterben bei einem saudischen Luftangriff auf einen Schulbus. Weltweit herrscht Entsetzen. Der lange vergessene Krieg gerät wieder in den Fokus.

Von Gil Yaron | DIE WELT

eder Konflikt hat mindestens einen Höhepunkt, ein Ereignis, das seine Geschichte in ein Davor und ein Danach teilt. Im Jemen hoffen viele Menschen, dass das jüngste Blutbad in der Provinz Saada sich als solcher Wendepunkt erweisen wird. Nach Angaben des jemenitischen Gesundheitsministeriums kamen am Donnerstag mindestens 50 Menschen, darunter 29 Kinder, ums Leben, als saudi-arabische Kampfflugzeuge einen Schulbus in der Nähe eines Marktplatzes bombardierten. Mindestens 77 Menschen sollen zum Teil schwer verletzt worden sein, von denen wiederum 30 Kinder sind. Angesichts der schwierigen Versorgungslage im Bürgerkriegsland steht zu befürchten, dass viele der Verwundeten in den kommenden Tagen ebenfalls sterben werden.

Die Staatengemeinschaft reagierte empört, allen voran UN-Generalsekretär António Guterres, der alle Kriegsparteien dazu aufrief „ihre Verpflichtungen gemäß den internationalen Menschenrechten zu erfüllen, vor allem die grundlegenden Regeln bezüglich der Verhältnismäßigkeit und der gebotenen Vorsicht bei jedem Angriff“. Aber können Empörung und Aufmerksamkeit den lange vergessenen Jemen-Konflikt einer Lösung näher bringen?

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Organische Christus Generation – Schluss mit Gehorsam: Wie Abigail nach 17 Jahren religiöser Sekte entkam

In dem Buch «Erziehe mit Vision!» beschreibt Ivo Sasek die Prinzipien der von ihm propagierten Kindererziehung. Sasek ist Gründer der Sekte «Organische Christus Generation». dpa
Fast ihre ganze Kindheit verbringt Abigail in einer Sekte. Dann schafft die junge Frau den Ausstieg. Ihre Geschichte zeigt, wie sich ein Mensch aus einem mentalen Gefängnis befreien kann. Und sie bietet Einblicke in ein wenig bekanntes Netzwerk.

FOCUS ONLINE

Abigail ist 21 Jahre alt, als sie ihr erstes Leben beendet. Von einem Tag auf den anderen lässt sie alles zurück. Raus aus der alten, rein in eine neue, fremde Welt. „Es ist, als wäre ich auf einem neuen Planeten gelandet“, sagt sie.

Die junge Frau mit den blonden Haaren und den blauen Augen wirkt selbstbewusst, fröhlich. Nichts deutet darauf hin, dass sie fast ihr gesamtes Leben in einer als abgeschottet und eng empfundenen Gemeinschaft verbracht hat. In einem Café in Düsseldorf erzählt sie davon, wie sich ihr Leben plötzlich in ein Vorher und Nachher teilte.

Als Abigail vier Jahre alt ist, treffen ihre Eltern die Entscheidung, in eine Gemeinschaft einzutreten, deren Namen nur wenige kennen: Organische Christus Generation – kurz OCG. So nennt sich die Sekte mit Zentrum in der Schweiz, die auch in Deutschland und Österreich Anhänger hat. Abigail und ihre vier Geschwister werden damit zu „OCGern“. Wenn sie von dieser Zeit erzählt, verschwindet das Lachen plötzlich aus ihrem Gesicht. Etwas Ernstes, Verletzliches schimmert durch.

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Menschenrechte stehen an erster Stelle

Kronprinz Mohammed bin Salman und Kanadas Aussenministerin Chrystia Freeland (Bild: epa/Yoan Valat/Michael Reynolds)
Kanada will im Streit mit Saudiarabien hart bleiben – in Ottawa hält man die Folgen des diplomatischen Konflikts mit dem dünnhäutigen Kronprinzen für beherrschbar.

Jörg Michel | Neue Zürcher Zeitung

Kanada will im diplomatischen Streit mit Saudiarabien nicht klein beigeben und auch weiterhin Menschenrechtsverletzungen in aller Welt anprangern. Das sagte Premierminister Justin Trudeau am Mittwoch bei einem Auftritt in Montreal. Es war das erste Mal, dass der Regierungschef zu den sich verschärfenden Dissonanzen öffentlich Stellung bezogen hat.

«Wir sind mit der Regierung Saudiarabiens weiter diplomatisch und politisch im Gespräch. Wir werden gleichzeitig aber immer entschieden Menschenrechtsthemen ansprechen, öffentlich und privat», sagte Trudeau auf Nachfrage von Reportern. Die kanadische Bevölkerung, aber auch viele Menschen weltweit erwarteten von Kanada diesbezüglich eine Führungsrolle, die man auch weiter wahrnehmen werde.

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Bericht: „Entsetzlicher Missbrauch“ an zwei Ordensschulen

Die Kinder sollen vor den Augen ihrer Mitschüler missbraucht worden sein, die jüngsten Opfer seien gerade sieben Jahre alt gewesen: Schlimme Anschuldigungen gegen zwei vom Benediktinerorden geführte Schulen.

katholisch.de

Ein neuer Missbrauchsbericht erhebt schwere Vorwürfe gegen zwei vom Benediktinerorden geführte Schulen in Großbritannien. Über 40 Jahre hinweg seien an den Einrichtungen Ampleforth in der Grafschaft North Yorkshire und Downside in Somerset Kinder sexuell missbraucht worden, heißt es in dem am Donnerstag von der unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission (IICSA) veröffentlichten Bericht. Die jüngsten Opfer seien sieben Jahre alt gewesen. Die Untersuchung stützt sich unter anderem auf Aussagen von Betroffenen.

In beiden Institutionen habe es eine „Kultur der Akzeptanz“ und eine „eklatante Offenheit“ von missbräuchlichem Verhalten gegeben, heißt es. Viele Täter hätten ihre sexuellen Interessen nicht vor den Kindern versteckt; Opfer seien vor den Augen ihrer Mitschüler missbraucht worden.

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Kinderbräute in der Türkei

Hayrünnisa Gülen und ihr Mann Abdullah. Bild: mena-watch
Wo sähen Sie Ihre Tochter lieber, wenn sie 13 ist? In der Schule oder im Bett mit einem erwachsenen Mann? Die Antwort auf diese Frage ist in weiten Teilen der Welt unumstritten.

Von Burak Bekdil | mena-watch

In islamischen Gesellschaften jedoch – einschließlich der nicht-arabischen und theoretisch säkularen Türkei – wird die Antwort nicht so eindeutig ausfallen. In solchen Staaten kämpft die Polizeimacht der Regierung in der Regel nicht gegen die patriarchalische Tradition, sondern unterstützt sie. Der ehemalige Präsident der Türkei Abdullah Gül etwa, der ehemalige Verbündete und Mitbegründer der Partei, die seit 2002 die Türkei regiert, war ein 30-jähriger Mann, als er seine Frau Hayrünnisa heiratete, die damals erst 15 war. Gül, von Erdoğan einst für die Präsidentschaft nominiert, war der erste islamistische Präsident der Türkei. Konservative Türken, anstatt Güls Ehe mit einem Kind in Frage zu stellen, feuerten seinen Aufstieg zur Präsidentschaft an. Als Journalist wurde ich privat – aber nicht höflich – mehrmals von hochrangigen Politikern davor gewarnt, das Thema in einer Zeitungskolumne anzusprechen.

Laut dem türkischen Philanthropie-Fonds (TPF) werden in der Türkei 40% der Mädchen unter 18 Jahren zur Heirat gezwungen. TPF stellte fest, dass der türkische nationale Durchschnitt der weiblichen Schulabbrecher 56% beträgt. Ferner wurde festgestellt, dass eine frühe Heirat in Familien mit niedrigem Bildungsniveau zu beobachten ist. „Niedrige Bildung“ betrifft fast die gesamt Türkei: Die durchschnittliche Schulzeit im Land beträgt nur 6,5 Jahre. In 45 türkischen Provinzen liegt die Ausbildungsquote unter dem nationalen Durchschnitt.

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Saudiarabien ergreift weitere Massnahmen gegen Kanada

Saudiarabien lässt die Krise mit Kanada weiter eskalieren. Alle Programme mit Kanada zur medizinischen Behandlung von saudischen Staatsbürgern in Kanada seien gestoppt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Spa am Mittwoch.

Neue Zürcher Zeitung

Die Patienten würden von Krankenhäusern in anderen Ländern aufgenommen. Der Gesundheits-Attaché Saudiarabiens für Kanada und die USA, Fahad Al Tamimi, betonte, die Sicherheit der eigenen Staatsbürger und ihrer Angehörigen werde sichergestellt.

Auslöser der Verwerfungen zwischen beiden Ländern war ein kritischer Tweet der kanadischen Aussenministerin Chrystia Freeland vom Donnerstag zur Festnahme von Menschenrechtsaktivisten in Saudiarabien. Riad reagierte ungewöhnlich harsch, wies den kanadischen Botschafter aus und zog seinen Botschafter aus Ottawa zurück.

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Weil Gott es so will? Die Todesstrafe im Alten Testament

© Bild: Benedikt Plesker
Papst Franziskus hat die Todesstrafe für unzulässig erklärt. Das Alte Testament sah das noch anders. Aber auch hier ist die Haltung nicht immer so klar, wie es eine landläufig mit dem Alten Testament in Verbindung gebrachte Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Ethik suggeriert.

Till Magnus Steiner | katholisch.de

Die Katholische Kirche verpflichtet sich mit einer Anpassung des Katechismus im Absatz über die Todesstrafe dazu, „sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt“ einzusetzen (KKK 2267). Weltweit haben 142 Länder die Todesstrafe in ihrem Rechtssystem abgeschafft oder wenden sie zumindest nicht mehr an. Für das Jahr 2017 hat Amnesty International 993 Hinrichtungen in 23 Ländern dokumentiert. Nun hat Papst Franziskus allgemein festgelegt, „dass die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“.

Im Alten Testament hingegen, dem ersten Teil der christlichen Bibel, stellt die Todesstrafe eine selbstverständliche Praxis dar, deren Berechtigung explizit nicht angezweifelt wird. So sollen zum Beispiel die Tötung eines Menschen (Exodus 21,12), Menschenraub (Exodus 21,16), das Schlagen oder Verfluchen der Eltern (Exodus 21,15-17), Sodomie (Ex 22,18), Zauberei und Fremdgötterverehrung (Ex 22,17-19) mit dem Tod des Täters bestraft werden.

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Behördliche Schlampereien im Fall Staufen müssen noch aufgearbeitet werden

In dem Fall des Kindesmissbrauchs in Staufen wurden die Mutter und ihr Lebensgefährte zu langen Haftstrafen verurteilt. WELT-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen hat den Prozess verfolgt. Quelle: WELT
Im Missbrauchsfall von Staufen müssen die Täter lange hinter Gitter. Doch der Schock, der das Land erfasste, als die Vorfälle an die Öffentlichkeit kamen, ist noch nicht abgeklungen. Zu viele Fragen sind unbeantwortet.

Von Per Hinrichs | DIE WELT

Das Freiburger Landgericht hat im Missbrauchsfall von Staufen ein hartes Urteil gesprochen: Die Mutter des neunjährigen Jungen, die ihr eigenes Kind missbrauchte und an Freier verkaufte, muss für zwölfeinhalb Jahre ins Gefängnis; ihr Freund, der mutmaßliche Haupttäter, erhielt zwölf Jahre – mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

Diese beiden Menschen, die Richter wie Gutachter als empathielos bezeichneten, verschwinden nun für lange Zeit hinter Gittern. Christian L., der für sich selbst die Sicherheitsverwahrung forderte, kommt womöglich nie wieder in Freiheit.

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Bin Ladens Sohn Hamza heiratete offenbar Tochter des 9/11-Attentäters Atta

foto: ap Hamza bin Laden soll die Tochter des 9/11-Attentäters Mohammed Atta geheiratet haben.
Die Halbbrüder von Osama bin Laden erwähnten in einem „Guardian“-Interview die Heirat. Hamza ist mittlerweile wohl Nummer zwei bei Al-Kaida

Fabian Sommavilla | derStandard.at

Hamza bin Laden, Sohn des 2011 getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden, soll laut Angaben zweier Halbbrüder Osamas die Tochter des hauptverantwortlichen 9/11-Attentäters geheiratet haben. Ahmad und Hassan al-Attas gaben dies in einem Interview mit der britischen Tageszeitung „The Guardian“ bekannt.

Hamza bin Laden ist der gemeinsame Sohn Osamas mit Khairiah Sabar, welche bis zu dessen Tötung durch eine Spezialeinheit der Navy Seals mit dem berüchtigten Terroristenführer im pakistanischen Abbottabad zusammenlebte. Hamza bin Laden rief in den vergangenen Jahren immer wieder mittels Video- und Audiobotschaften zum Krieg gegen Washington, Paris, London und Tel Aviv auf. Geheimdienste gehen davon aus, dass Hamza mittlerweile zur Nummer zwei hinter Ayman al-Zawahiri im nach wie vor aktiven Terrornetzwerk Al-Kaida aufgestiegen ist. Ihm wird zugetraut, besonders effektiv in der Rekrutierung neuer Mitglieder zu sein.

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IS-Miliz enthauptet entführten 19-jährigen Drusen

Massenbegräbnis Ende Juli in Suweida nach IS-Angriff © © 2018 AFP
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat im Süden Syriens einen von rund 30 entführten Drusen enthauptet.

stern.de

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat im Süden Syriens einen von rund 30 entführten Drusen enthauptet. Der 19-jährige Student sei Ende Juli bei einem blutigen Angriff des IS auf die Provinzhauptstadt Suweida und umliegende Dörfer verschleppt und am Donnerstag hingerichtet worden, meldeten die Lokalnachrichtenseite Sweida24 und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Unterdessen laufen offenbar Verhandlungen zwischen Russland und dem IS über eine Freilassung der verbliebenen Geiseln.

Die Familie des jungen Mannes habe Fotos sowie zwei Videos erhalten: Eines zeige ihn, wie er spricht, sagte Sweida24-Chef Nur Radwan zu AFP. Das andere Video zeige seine Enthauptung. Die Echtheit der Aufnahmen konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Der IS bekannte sich zunächst nicht zu der Bluttat.

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Mittelmeer: Mehr als 1500 Menschen ertrunken

Bild: tagesschau.de
Bei der Mittelmeer-Überquerung sind in diesem Jahr bereits mehr als 1500 Menschen ertrunken – davon 850 im Juni und Juli. Dabei traten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch halb so viele Menschen die Flucht über das Meer an.

tagesschau.de

Mehr als 1500 Flüchtlinge sind nach UN-Angaben in den ersten sieben Monaten des Jahres im Mittelmeer ertrunken. Allein im Juni und Juli seien 850 Menschen gestorben, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Demnach stieg die Zahl der Todesfälle, obwohl die Gesamtzahl der über das Mittelmeer nach Europa gekommenen Menschen zuletzt deutlich sank. Die Todesrate sei „dramatisch und außergewöhnlich“, hatte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami bereits im Juli erklärt.

Laut UNHCR gelangten seit Januar ungefähr 60.000 Flüchtlinge nach Europa. In den ersten sieben Monaten des Vorjahres waren es etwa doppelt so viele.

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Auch der Kirchenstaat richtete über Jahrhunderte Menschen hin

150 Jahre später – Papst Franziskus hat die Todesstrafe aus der katholischen Glaubenslehre verbannt. Bis dahin waren Hinrichtungen im Kirchenstaat selbst gang und gäbe.

DOMRADIO.DE

Das Schlimmste war nicht der Tod. Schlimm wäre, das ewige Leben zu verlieren. Solange der irdischen Gerechtigkeit Genüge getan ward, konnte der Delinquent noch immer auf Gottes Barmherzigkeit trauen. Für beides, Recht auf Erden und Hoffnung auf einen gnädigen Gott, stand im Kirchenstaat der Papst. Er war der oberste Richter. Und er hatte einen Henker.

Hinrichtungen besaßen Tradition im päpstlichen Rom

In der lotterlebigen Renaissance suchte Sixtus V. (1585-1590) das Verbrechen mit Null-Toleranz niederzuhalten. Trotzdem hielten sich Exekutionen im Rahmen. Erst in napoleonischer Zeit stieg ihre Zahl: Die Gärungen in Europa erfassten auch den Kirchenstaat. Mit der Inquisition hatten die Prozesse nichts zu schaffen; gewöhnlich ging es um schnöde Mörder und Straßenräuber.

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Holocaust-Leugnerin Haverbeck bleibt in Haft

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Das Leugnen des NS-Völkermords fällt nicht unter die vom Grundrecht gedeckte Meinungsfreiheit. Das entschied das Bundesverfassungsgericht und lehnte damit die Verfassungsbeschwerde der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck ab.

evangelisch.de

Die rechtskräftig verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck ist mit ihrer Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Die Leugnung des NS-Völkermordes stelle eine erwiesen unwahre und falsche Tatsachenbehauptung dar und sei nicht vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt, entschied das Bundesverfassungsgericht in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss und nahm damit eine Verfassungsbeschwerde Haverbecks nicht zur Entscheidung an (AZ: 1 BvR 673/18). Das Internationale Auschwitz Komitee begrüßte die Entscheidung als deutliches Warnsignal an die rechte Szene.

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Türkei: Atheistinnen mit Kopftuch

Manche Türkinnen verschleiern mit dem Kopftuch ihren Unglauben (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan treibt die Islamisierung seines Landes voran. Schwierig ist die Situation für Atheisten: Sie erleben Anfeindungen und Repressalien. „Deshalb tun manche Atheisten so, als wären sie religiös“, sagte der Islamwissenschaftler Pierre Hecker im DLF.

Pierre Hecker im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Jahrzehntelang galt in der Türkei der Grundsatz: Religion ist Privatsache. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk hatte den Laizismus als Verfassungsprinzip etabliert und alles Religiöse und Islamische weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Das war für ihn der Inbegriff einer modernen Türkei.

Seit einigen Jahren allerdings erlebt das Land eine Re-Islamisierung. Von einer „neuen Türkei“ und einer „frommen Generation“ ist die Rede. Dafür verantwortlich ist vor allem Recep Tayyip Erdogan, der Gründer der regierenden AK-Partei und Staatspräsident der Türkei.

Für Menschen, die nicht religiös sind und sich selbst als Atheisten bezeichnen, ist diese Entwicklung nach Ansicht des Marburger Islamwissenschaftlers Pierre Hecker problematisch. Hecker leitet ein Forschungsprojekt über türkischen Atheismus.

Dabei sei es nicht einmal einfach zu ermitteln, wie viele Atheisten überhaupt in der Türkei leben: „Den offiziellen Statistiken zufolge sind knapp 99 Prozent der Türken Muslime“, so Hecker im DLF. Tatsächlich gebe es aber eine große Zahl an Atheisten in der Türkei. Viele stammten „aus konservativen sunnitischen Haushalten“ – und zeigten sich aus Angst vor Anfeindungen und Repressionen nicht öffentlich, denn teils würden sie verbal und auch körperlich angegriffen.

Für viele Atheisten sei ihre Abkehr vom Glauben auch eine Form des politischen Protests geworden – als Antwort auf den autoritären Führungsstil und die Islam-Politik von Staatspräsident Erdogan.

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Generation Mandela: Sie waren Südafrikas Hoffnung – nun leben sie inmitten von Korruption

Zum Pferderennen in Durban trifft sich jedes Jahr die neue Oberschicht Südafrikas mit Politikern des Landes. Privatpartys wie diese kosten 500 Euro Eintritt © Per-Anders Pettersson
Sie waren die Hoffnung Südafrikas. Aufgewachsen in Freiheit. Doch auch die neue Elite des Landes lebt inmitten von Korruption und Misswirtschaft. Die Reichen werden reicher. Und die Armen vergessen.

Von Joachim Rienhardt | stern.de

Viel mehr als ihr Glaube an Gott ist Cynthia Xoliswa von ihrem Leben nicht geblieben, aber auch heute hat sie es nicht zum sonntäglichen Kirchgang geschafft, einst der Höhepunkt ihrer Woche. Wieder hat sie die ganze Nacht nicht in den Schlaf gefunden. Ein ums andere Mal ist sie aufgestanden, hat kontrolliert, ob tatsächlich alle Fenster und Türen fest verschlossen sind und auch die Gitter davor, die sie gerade erst hat anbringen lassen.

Erst frühmorgens, bei Sonnenaufgang, ist ihre Angst dem Schlaf gewichen. Jetzt ist es schon kurz vor Mittag, und Cynthia Xoliswa ist gerade aufgestanden. Fahl ihre dunkle Haut, die Augen müde. So geht das seit der unheilvollen Nacht im Oktober vergangenen Jahres, als Einbrecher sie heimsuchten, obwohl bei ihr nicht viel zu holen ist. Etwas Fleisch, gefrorenes Gemüse, einen Zipfel Wurst, eine Tüte Milch, die restliche Butter, Ketchup. „Sie haben den Kühlschrank komplett leer geräumt“, sagt Cynthia Xoliswa. „Seither denke ich jede Nacht: Was passiert, wenn die wiederkommen?“

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