Archiv der Kategorie: Radikalismus

Putin schenkte Tsipras verschwundene Ikone aus Sparta

Friedrich-Wilhelm Müller(l), Bild: http://www.militaryphotos.net

Als “Osterüberraschung” hat der russische Präsident Wladimir Putin Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras bei dessen Besuch in Moskau eine wertvolle Ikone aus dessen Heimat zurückgegeben, wie die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA am Dienstag berichtet. Das Doppelbild mit den heiligen Nikolaus und Spyridon war während der deutschen Besatzung aus einem Kloster bei Sparta “verschwunden”. Nach Berichten von Augenzeugen hatte es sich General Friedrich-Wilhelm Müller während seiner Stationierung auf dem griechischen Festland angeeignet.


kathweb

Der spätere Kommandant der “Festung Kreta” wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 bei Athen als Kriegsverbrecher hingerichtet. Danach verlieren sich die Spuren der geraubten Ikone. Bisher wurde angenommen, dass sie als sowjetische Kriegsbeute aus Deutschland – Müller war zuletzt Kommandant der 4. Armee in Ostpreußen – nach Moskau gelangt sei.

Nach der jetzigen Darstellung von Putins Pressesprecher Dimitri Peskow habe sie aber erst unlängst ein russischer Sammler den Erben von General Müller abgekauft. Der Sammler wollte sie demnach den Griechen zurückgeben.

Ägyptens Ex-Präsident Mursi zu 20 Jahren Haft verurteilt

Bild: REUTERS

Der vom Militär geputschte Präsident entgeht der Todesstrafe.


Die Presse

Die Todesstarfe blieb ihm espart. Ägyptens früherer Präsident Mohammed Mursi ist am Dienstag indessen zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der hohe Funktionär der Muslimbruderschaft wird _ wie mehrere andere führende Mitglieder der verbotenen islamistischen Organisation – für den Tod von Demonstranten im Dezember 2012 verantwortlich gemacht. Mursi wurde im Mitte 2013 nach Massenprotesten gegen seine Regierung von der Armee gestürzt. Im Anschluss kam es zu schweren Unruhen. Die neue Führung geht massiv gegen Mursis Muslimbruderschaft vor.

 

Trotz Foltervorwürfen: BKA weitet Polizeiausbildung in Ägypten aus

Ein zum Tode Verurteilter in einem ägyptischen Gerichtssaal: System der Folter und Repression. picture alliance

Willkür und Folter sind in Ägypten an der Tagesordnung. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung zeigte sich schon vor Monaten alarmiert. Trotzdem bildet das Bundeskriminalamt unbeirrt ägyptische Polizisten aus. Berlin will die Zusammenarbeit mit Kairo nun sogar intensivieren.


Von Sofian Philip Naceur|Cicero

Das ägyptische Innenministerium zählt zu den repressivsten Sicherheitsorganen in Nordafrika und dem Nahen Osten. Unverhältnismäßige Polizeigewalt, Willkür und selbst systematische Folter werden den Beamten am Nil vorgeworfen.

All das scheint die Bundesregierung nicht zu stören: Bereits seit 2014 verhandelt sie mit Ägyptens Innenbehörden über ein Abkommen zur Polizeikooperation. Erstmals hat sie nun Details über die geplante Zusammenarbeit offiziell bestätigt.

„Das Bundesministerium des Innern hat mit dem Ministerium für innere Angelegenheiten der Arabischen Republik Ägypten im Februar 2015 für das laufende Jahr Maßnahmen für eine intensivere Zusammenarbeit im Verantwortungsbereich der Bundespolizei vereinbart“, heißt es in der dem Cicero vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Abgeordneten der Linksfraktion im Bundestag, Andrej Hunko.

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EU muss in Nordafrikas Failed States intervenieren

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Das Flüchtlingselend verlangt nach humanitärer Intervention – nicht nur nach Seenotrettung. Wer dem Sterben ein Ende bereiten will, muss für Stabilität in Afrika sorgen. Wer soll das tun außer der EU?


Von Ulrich Clauß|DIE WELT

Das Offensichtliche zuerst, weil die Bilder keine Wahl lassen. Und das, was man nicht sieht – aber wissen kann und muss –, noch viel weniger. Die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer, das “Flüchtlingsdrama”, wie es in der Nachrichtensprache heißt, kann nur zu einer unmittelbaren Konsequenz führen: Die Länder der Europäischen Union müssen sich umgehend auf die Wiederaufnahme eines flächendeckenden Seenotrettungsdienstes im Mittelmeer verständigen.

Was dort geschieht, gemahnt an das universelle ethische Grundversprechen, dass die Völker des freien Europa sich selbst und der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben haben. Nämlich, dass sich die Bedürfnisse der Menschen nach Frieden und Sicherheit nicht im Alleingang einzelner Staaten, sondern nur in einer Gemeinschaft realisieren lassen.

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Immer mehr Morde an Umweltschützern

klimawandelWeltweit würden fast doppelt so viele Umweltschützer wie Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet, vor allem in Süd- und Mittelamerika und Asien.


Die Presse

Im Konflikt um landwirtschaftliche Flächen, Energieprojekte und Bergbauvorhaben werden Umweltschützer immer häufiger zu Opfern von Gewalt. Im vergangenen Jahr seien mindestens 116 Naturschützer getötet worden, teilte die Organisation Global Witness am Montag mit. Das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor.

Bereits zwischen 2007 und 2011 habe sich die Zahl der Morde an Umweltschützern verdreifacht, schrieben die Experten von Global Witness. Damit seien sie die wohl am stärksten gefährdete Aktivistengruppe. Weltweit würden fast doppelt so viele Umweltschützer wie Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet.

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“Wie beerdige ich einen Nazi?”

schwule_nazisNeonazis in Tröglitz oder Dortmund, Pegida-Anhänger in Dresden oder Frankfurt – der rechte Rand drängt sich immer wieder in die Mitte – mal mehr, mal weniger stark. Martin Schindler ist Pfarrer im hessischen Nidda und kirchlicher Beauftragter zur “Prävention gegen Rechtsextremismus im ländlichen Raum” – seine Projektstelle ist ein EKD-weites Unikum. Im Interview erklärt er, warum sich die Institution Kirche schwer mit einer klaren Position gegen rechts tut und welche Hilfen Gemeinden vor Ort brauchen.


evangelisch.de

Sie haben eine halbe Stelle zur Prävention gegen Rechtsextremismus im ländlichen Raum. Tut Kirche damit genug gegen Rechtsextremismus?

Martin Schindel: Es gibt in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen viele KollegInnen, in der Jugendarbeit, in den Pfarrämtern, die in ihrer alltäglichen Arbeit immer wieder auch Rechtsextremismus zum Thema haben, die sich gegen Nazis engagieren, die Bildungsangebote machen und noch vieles mehr. Ich glaube, es fehlt in der evangelischen Kirche eine dauerhafte Stelle, von der aus diese Arbeit unterstützt und manchmal fokussiert werden kann. Ein Beispiel: Es wäre gut, wenn eine zentrale Stelle in unserer Kirche fertige Unterrichtseinheiten für Konfi-Unterricht oder Schulklassen vorhalten und verbreiten würde: Dann müssten diejenigen, die vor Ort tätig sind, diese nur noch abrufen. Das würde manches einfacher und effizienter machen.

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IS-Miliz zeigt Video mit Enthauptung äthiopischer Christen

Die IS-Miliz zeigte ein Video mit Enthauptung äthiopischer Christen in Libyen Foto: Open Doors

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ein Video ins Internet gestellt, das die Enthauptung und Erschießung von äthiopischen Christen in Libyen zeigen soll. Die etwa fünfminütige Szene ist Teil eines halbstündigen Videos, das am Sonntag im Internet auftauchte.


pro Medienmagazin

Das Video hat den Titel: „Die Anbeter des Kreuzes, die zur feindlichen äthiopischen Kirche gehören“. Ein schwarz gekleideter Dschihadist hält vor der Ermordung der Äthiopier eine Ansprache in englischer Sprache „an die Nation des Kreuzes“, womit die Christen gemeint sind. „Unsere Schlacht ist eine Schlacht zwischen Glaube und Blasphemie (Gotteslästerung)“, sagt er. Die Christen müssten entweder zum Islam konvertieren oder die für Christen vorgesehene Kopfsteuer bezahlen, fügt er hinzu.

Die rund 20 Opfer sind auf zwei Gruppen an unterschiedlichen Orten – eine Wüstenlandschaft und eine Meeresküste – aufgeteilt. Die Angehörigen der ersten Gruppe werden aus nächster Nähe von hinten erschossen, die der zweiten Gruppe mit Messern enthauptet. Die Echtheit des Videos konnte zunächst nicht bestätigt werden.

Amtsgericht Dortmund: Nazi-Pendant von “Scharia-Polizei” nicht strafbar

Die sog. Shariah-Polizisten auf Streife. Bild. MiGAZIN

Sechs Nazis hatten sich in Dortmund mit einheitlichen T-Shirts als “Stadtschutz” aufgespielt – als Antwort auf die “Scharia-Polizei” in Wuppertal. Das Amtsgericht Dortmund hat die Anklagege gegen die Nazis jetzt zurückgewiesen. Das Verfahren gegen die “Scharia-Polizisten” läuft noch.


MiGAZIN

Das Tragen von T-Shirts mit der Aufschrift “Stadtschutz” ist nicht strafbar. Eine entsprechende Klage gegen ein halbes Dutzend Nazis hat das Amtsgericht Dortmund noch vor Eröffnung des eigentlichen Verfahrens abgewiesen. Rechtsradikale hatten im September vergangenen Jahres auf den Straßen patrouilliert, einheitliche T-Shirts getragen und sich dabei als “Stadtschutz” aufgespielt.

Die Staatsanwaltschaft bewertete das Auftreten als einen Verstoß gegen das Uniformverbot im Versammlungsgesetz. Danach ist das Tragen von Uniformen oder gleichartigen Kleidungsstücken als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung an öffentlichen Versammlungen verboten. Das sieht das Amtsgericht Dortmund anders. Laut Richter sehen die T-Shirts eher aus wie ein Mottoshirt bei einem Junggesellenabschied und nicht wie eine Uniform.

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Fremdenfeindlichkeit: Deutschland, Deutschland überall

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Gewaltbereite Rechte bedrohen Politiker und Aktivisten immer hemmungsloser. Im Osten und im Westen. Und doch gibt es regional große Unterschiede. Eine Spurensuche.


Von Walter Wüllenweber|stern.de

Später, als der Schock langsam nachlässt und ihre Beine nicht mehr zittern, ist Karen Larisch beinahe froh, dass es passiert ist. “Jetzt wissen alle, dass ich mir die Bedrohung nicht einbilde. Jetzt habe ich einen super Zeugen: den stern.” Karen Larisch ist die bekannteste Sozialarbeiterin der Stadt Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Im alten Postamt hat die 45-Jährige ein Begegnungszentrum aufgebaut. Hier findet jeder Hilfe und Rat. Auch Flüchtlinge. Das macht Larisch zur Hauptzielscheibe der rechten Szene Güstrows. Den Kern bilden gut 120 größtenteils gewaltbereite Neonazis. Sie haben sich zu einer “Bürgerwehr” zusammengeschlossen. Sobald es dunkel wird, gehen sie “auf Streife”. Ihr Anführer ist der Kleinkriminelle Nils Matischent. Vergangenen Herbst wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er 20 Waschmaschinen gestohlen hatte.

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Chelsea Manning and the Deepwater Horizon Killings

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Image: Greg Palast

The military whistleblower’s 2010 Wikileaks dump included information that could have saved the 11 BP workers who died that spring in the Gulf of Mexico oil rig disaster.


By Greg Palast|Truthdig

Five years ago Monday, 11 men died on the Deepwater Horizon oil rig — despite Chelsea Manning’s effort to save their lives.

Let me explain.

The BP drilling rig blew itself to Kingdom Come after the “mud” — the cement used to cap the well — blew out.

The oil company, the federal government and the industry were shocked — shocked! — at this supposedly unexpected explosion in the deep waters of the Gulf of Mexico.

But BP knew, and Exxon and Chevron knew, and the U.S. State Department knew, that just 17 months earlier another BP offshore rig had suffered an identical, disastrous blow-out halfway across the planet in the Caspian Sea.

In both the Gulf and Caspian blow-outs, the immediate culprit was the failure of the cement, in both cases caused by the use — misuse — of nitrogen in the cement mix, a money-saving but ultimately deadly measure intended to speed the cement’s drying.

The cover-up meant that U.S. regulators, the U.S. Congress and the public had no inkling that the cost-saving “quick-dry” cement process had failed on an offshore rig only a year before the Deepwater Horizon blew.

But Pvt. Chelsea (formerly Bradley) Manning tried to warn us. The details of the Caspian Sea blow-out off the coast of Baku, Azerbaijan, were revealed in the secret State Department cables Manning released in December 2010 through Wikileaks. Cables from the U.S. ambassador relayed a summary of confidential meetings in which BP’s top Azeri executive confided that their big Caspian offshore rig suffered a “blow-out” in September 2008 leading to the “largest such emergency evacuation in BP’s history” — its likely cause “a bad cement job.”

The message was relayed to Washington after BP’s American partners in the Caspian, Exxon and Chevron, asked the State Department to find out why BP had ceased to drill in the Caspian, costing them all millions. State, then headed by former Chevron board member Condoleezza Rice, got the oil chiefs their answer then joined them in keeping it secret.

(Not knowing about the Manning cables, I had to find out about the Caspian blowout the hard way. Just days after the Deepwater Horizon blowout, I received a tip from an eyewitness to the Caspian disaster. To determine the facts I flew to Baku, where my British TV crew and I found ourselves placed under arrest by a team of goons from the Azerbaijan secret police, the military and some of BP’s oil-well-insignia-sporting private security clowns. As a reporter for British television, I was quickly released—with the film of the bust captured on my little pen camera. But, terribly, two of my rig-worker witnesses disappeared.)

Had BP or the State Department ’fessed up to the prior blowout—a disclosure required by U.S. and British regulations—it is exceptionally unlikely that BP would have been allowed to use the quick-dry cement method in the deep Gulf of Mexico.

Indeed, there may have been a complete prohibition on the drilling, because Department of Interior experts had opposed deep drilling in that part of the Gulf. To lobby the government to allow drilling there, about six months before the Deepwater Horizon blew, BP executive David Rainey and the presidents of Exxon USA and Chevron testified before Congress that offshore drilling had been conducted for 50 years “in a manner both safe and protective of the environment.”

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KZ Neuengamme: Wenn Opa ein Nazi-Mörder war

Neugestaltung des ehemaligen Stammlagers. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 de

Kinder und Enkel von NS-Tätern treffen sich in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, um die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern kennenzulernen. Auch, wenn dabei die Familien-Fassade zerbrechen kann.


Von Per Hinrichs|DIE WELT

Als der Abspann über die Leinwand zieht, gibt es kaum jemandem im Gruppenraum der ehemaligen Häftlingsunterkunft, der keine roten Augen hat. Einer schneuzt sich, eine weint leise in ihr Taschentuch, eine andere heult hemmungslos drauflos. “Ich finde das nicht fair, uns mit diesen Szene zu konfrontieren”, sagt die 35-jährige Annika (Name geändert) unter Tränen. Zuvor sahen die Teilnehmer der Gruppe historische Aufnahmen in Schwarz-Weiß von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen im April 1945 – ausgemergelte Gestalten blicken in die Kameras, Leichenberge sind zu sehen, immer wieder tote, halb verhungerte, geschundene Körper.

Die Szenen stammen aus dem Film “Close to Evil”, der die Geschichte des Holocaust-Überlebenden Tomi Reichental wiedergibt. Der Jude wurde mit neun Jahren ins KZ Bergen-Belsen verschleppt und versuchte 2014 erfolglos, die heute 93-jährige Hamburgerin Hilde Michnia zu treffen, die in dem Lager als Aufseherin arbeitete – ein Film über Schuld, Wahrheit und Versöhnung, der eine Strafanzeige gegen die ehemalige SS-Angehörige und ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft nach sich zog.

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Blasphemie: Muslime essen das geoffenbarte Wort Gottes

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Bild: Bahar Guinea/FB

Religiöse Gefühle? Die gibt es nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Suren, die auf Zucker-Torten gepinnt werden darf man essen. Das sprichwörtliche Wort Gottes geht durch den Magen und gibt schlechte Zähne.
Wo bleibt der gerechte Zorn? Ist die Torte sunnitisch oder schiitisch?
Es bleibt, auch das Wort Gottes ist essbarer Schwachsinn, in diesem Falle.

Quelle: dito

Quelle: dito

Völkermord an Armeniern: Der geleugnete Genozid

Im Hintergrund des Denkmalkomplexes in Jerewan liegt der Sehnsuchtsort der Armenier: der Berg Ararat. / Bild: (c) Streihammer

Der Völkermord treibt viele Armenier im Schatten des Ararats noch heute um. Auch, weil mit der Katastrophe Politik gemacht wird.


Von Jürgen Streihammer|Die Presse

Die 102 Jahre alte Frau sagt kein Wort. Amaljan Arevalujs richtet sich das Kopftuch, dann legt sie die faltigen Hände in den Schoß und fixiert mit finsterem Blick den Boden. Also erzählen der Sohn, 80 Jahre jung, seine Frau und die Gattinnen der Enkelkinder die Lebensgeschichte der Amaljan Arevalujs, die da auf der Couch kauert. Es ist ein Drama. Ohne Happy End.

Zwei Jahre ist Amaljan Arevalujs alt, als sie 1915 ihren Vater töten. Amaljans Mutter, „eine bildhübsche Frau“, wird mit dem Pascha verheiratet. Eine Hochzeit mit einem Türken, die Amaljan das Leben rettet – und die sie ihrer Mutter trotzdem nie verzeihen wird. „Für mich ist sie tot. Sie hätte bei uns bleiben und wir hätten gemeinsam sterben sollen.“ Das habe sie oft gesagt, erzählt die Familie. Und sie meint es so. Die Mutter setzt sich Jahrzehnte später aus der Türkei zu Brüdern nach Syrien ab („sie wollte als Armenierin sterben“) und erfährt dort, dass ihre Tochter noch lebt – und zwar seit 1926 in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Aber Amaljan lehnt ein Wiedersehen ab. Die Mutter stirbt, so erzählen sie es, im Alter von 107 Jahren – ohne die Tochter noch einmal in die Arme geschlossen zu haben. „Wie soll ich vergessen?“ Vor 100 Jahren bricht Medz Yeghern, also „die große Katastrophe“, über die Armenier herein. Die systematische Vertreibung und Vernichtung im Osmanischen Reich reißt nach Angaben Armeniens 1,5 Millionen Angehörige des Christenvolks in den Tod. Die Überlebenden verstreuen sich über die ganze Welt, eine große Diaspora hält sich fest an der Erinnerung an die Massaker, die der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, die Türkei, bis heute nicht als Genozid anerkennen will. Im heutigen Armenien, diesem verarmten, seit 1991 unabhängigen Kaukasus-Staat östlich der Türkei, ist der Genozid ein nationales Trauma. Auch weil sie hier das Gefühl haben, dass der Völkermord ohne Anerkennung der Türkei politisch ungesühnt bleibt.

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Südafrika: Wenn der Mob wütet

„Mit großer Scham und tiefer Trauer“: Die Polizei in Durban treibt Einwanderer und fremdenfeindliche Provokateure mit Tränengas auseinander. ©AFP

Im südafrikanischen Durban hat es fremdenfeindliche Übergriffe gegeben, es wurde getötet und geplündert. Tausende Ausländer sind geflohen.


Von Thomas Scheen|Frankfurter Allgemeine

Was sie noch besitzt, trägt sie am Leib: eine graue Bluse und einen weißen Sommerrock. Der Rest ist gestohlen worden. Die Möbel, der Kühlschrank, der kleine Fernseher. „Nicht einmal meine Handtasche habe ich retten können“, sagt Magdalena Dube. Die junge Frau ist buchstäblich um ihr Leben gelaufen, als der Mob in den Durbaner Wohnblock einfiel, in dem sie ein kleines Appartement bewohnt. „Die haben gesagt: Verschwinde, oder wir bringen dich um!“, erzählt Magdalena. „Da bin ich losgerannt.“

Magdalena Dube ist 25 Jahre alt und gebürtig aus Zimbabwe. Sie hat zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen. Das Mädchen ist fünf Jahre alt, der Junge 14 Monate. Die beiden leben bei den Großeltern in Zimbabwe. Magdalena sorgt mit ihrem Job in Südafrika dafür, dass daheim Brot auf den Tisch kommt. Das ist jetzt vorbei. Magdalena Dube ist eines der geschätzt 7000 Opfer der jüngsten ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Südafrika. Seit einer Woche tobt in der Hafenstadt Durban der Mob, seit der König der Zulus, Goodwill Zwelithini, alle Ausländer aufgefordert hat, „ihre Koffer zu packen und zu gehen“. Mindestens fünf Menschen kamen seither ums Leben, darunter ein 14 Jahre alter Junge aus Äthiopien, der mit einer Machete erschlagen wurde. Die Ausschreitungen haben inzwischen die Wirtschaftsmetropole Johannesburg erreicht, wo bei früheren rassistischen Auseinandersetzungen im Jahr 2008 mehr als 60 Menschen getötet wurden. Damals ordnete die Regierung den ersten Einsatz der Armee im Innern seit dem Ende der Apartheid 1994 an, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen.

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Iran warnt Saudi-Arabien vor der “Saat des Hasses”

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnt am Sonnabend bei einer Militärparade in Teheran Saudi-Arabien vor weiteren Luftangriffen im Jemen Foto: dpa

Während einer Militärparade droht Irans Präsident Saudi-Arabien: Die Luftangriffe im Jemen werden Folgen haben. Kurz davor hatte Teheran den Vereinten Nationen einen Friedensplan vorgelegt.


DIE WELT

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, Saudi-Arabien werde deswegen eine “Saat des Hasses” ernten.

Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die im März begonnenen Luftangriffe als “Völkermord” bezeichnet hat.

“Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?”, fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. “Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen.”

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Verhaftung nach Brandanschlag auf Wittener Moschee

Themenbild.

Themenbild.

Nach dem Brandanschlag auf eine Moschee im nordrhein-westfälischen Witten Anfang der Woche hat die Polizei einen Tatverdächtigen verhaftet.


evangelisch.de

Der 24-jährige Mann war am Freitag festgenommen worden wie die Bochumer Polizei am Samstag mitteilte. Zeugen hätten ihn auf veröffentlichten Bildern von Überwachungskameras an der Moschee und an einer Tankstelle, wo er einen Benzinkanister füllte, wiedererkannt. Gegen den Mann sei am Samstag Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung erlassen worden.

In der Nacht zum Dienstag war in der Ditib-Zentralmoschee in Witten ein Feuer gelegt worden, durch das unter anderem ein Gebetsteppich zerstört wurde. Der Koordinationsrat der Muslime hatte den Anschlag scharf verurteilt und sich besorgt über mehrere fremdenfeindliche Angriffe in letzter Zeit geäußert.

Oklahoma erlaubt Hinrichtungen mit Stickstoff

3c94d-hinrichtung-todesstrafe-todesspritze“Schnell, schmerzlos, idiotensicher” sei die Stickstoffmethode, meint der Republikaner, der die neue Tötungsmethode auf den Weg gebracht hat. Der US-Bundesstaat sucht eine Alternative zur Todesspritze.


Die Presse

Oklahoma hat als erster Staat der USA die Hinrichtung von Todeskandidaten mit Stickstoff erlaubt. Die republikanische Gouverneurin Mary Fallin unterzeichnete ein entsprechendes Gesetz, das den Einsatz des Gases als Alternative zur Giftspritze erlaubt, wie “Spiegel Online” unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Associated Press am Samstag berichtete.

Allerdings ist die neue Hinrichtungsmethode an eine Bedingung geknüpft: Die bevorzugte Methode bleibt die Todesspritze, Gas darf nur zum Einsatz kommen, wenn eine tödliche Injektion nicht möglich ist – entweder aus Mangel an Giftstoff oder wegen einer anderslautenden Gerichtsentscheidung.

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Stickstoff

Stickstoff (chemisches Zeichen: N) ist selbst nicht giftig, die Umgebungsluft besteht zu 80 Prozent daraus. In geschlossenen Räumen besteht allerdings Erstickungsgefahr durch Atemluftverdrängung, wobei es keine Reiz- oder Warnwirkung gibt. Durch den Sauerstoffmangel verliere der Todeskandidat binnen acht bis zehn Sekunden das Bewusstsein und sterbe einige Minuten später, sagte Christian.

Chaim Miller: »Ich bereue nicht einen Schuss«

Chaim MIller, © screenshot JA

Chaim Miller über sein Leben als Nazi-Jäger, Rache an SS-Männern und Schuldgefühle


Von Philipp Peyman Engel|Jüdische Allgemeine

Herr Miller, können Sie sich noch an den ersten NS-Verbrecher erinnern, den Sie aufgespürt und getötet haben?
Hören Sie, ich bin zwar 93 Jahre alt, aber so etwas vergisst man nicht. Meinen ersten SS-Mann habe ich direkt nach Kriegsende 1945 in Italien ermordet. Es war ein Nazi aus meiner Heimatstadt Wien, der während der Schoa besonders schlimm gewütet hatte. Damals war ich Soldat bei der Jüdischen Brigade in der britischen Armee. Als ich ihn entführt und im Wald mit seinen Taten konfrontiert hatte, gab er sofort alles zu. Es schien für ihn eine Erleichterung gewesen zu sein, endlich mit jemandem darüber zu sprechen, was er getan hatte.

Wie ging es dann weiter?
Ich verkündete ihm sein Urteil. Er schaufelte eine Grube aus und kniete sich brav hin – pflichtbewusst bis in den Tod. Noch bevor er den Knall hören konnte, war er tot.

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Terrormiliz “Islamischer Staat”: Geheimdokumente enthüllen IS-Strategie

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Der “Islamische Staat” hat seinen Eroberungszug in Syrien von langer Hand geplant. Das belegen interne Dokumente der innersten Führung der Miliz, die dem SPIEGEL vorliegen. Agenten tarnten sich als Prediger und spionierten IS-Gegner aus.


SpON

Ein dem SPIEGEL vorliegendes Konvolut von Strategieplänen und Organigrammen aus der innersten Führung des “Islamischen Staates” enthüllt erstmals, wie die Terrororganisation aufgebaut ist und wie ihr der Siegeszug in Syrien gelang. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die zumeist handschriftlichen Dokumente stammen von einem ehemaligen irakischen Geheimdienstoberst der Luftabwehr. Er hatte sich 2004 der Vorgängerorganisation des IS im Irak angeschlossen und war 2010 maßgeblich daran beteiligt, den nominellen Führer Abu Bakr al-Baghdadi an die Spitze des IS zu bringen.

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Obamas Krieg gegen den Terror: Geheimdokumente belegen Drohnensteuerung über Ramstein

dpa

Die US-Armee steuert einen Teil ihrer Drohnenangriffe von Deutschland aus, das ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Bisher war aber unklar, in welchem Ausmaß die Amerikaner vor allem ihren Stützpunkt in Ramstein in der Pfalz dazu nutzen, tödliche Drohnen in Richtung Afghanistan oder Somalia abzusenden.


Von Lea Kosch|The Huffington Post

Nun sind Geheimdokumente aufgetaucht, die Licht in das Dunkel bringen. Sie belegen erstmals, dass praktisch alle Drohnen-Angriffe der US-Armee vor dort aus abgewickelt werden.

Detaillierte Informationen über Obamas “Krieg gegen den Terror”

Die Dokumente, die dem “Spiegel” und dem Internetportal “The Intercept” vorliegen, veranschaulichen offenbar so detailliert wie nie zuvor, wie Obamas Regierung ihren teilweise völkerrechtswidrigen “Krieg gegen den Terror” organisiert.

“Von Ramstein wird das Signal übermittelt, das den Drohnen befiehlt, was sie tun sollen”, zitiert der “Spiegel” einen Amerikaner, der mit dem geheimen Militärprogramm vertraut sein soll.

Bundesregierung weiß seit Jahren von Ramstein

Schon vor einem Jahr hatte es Berichte gegeben, dass die US-Luftwaffenbasis in Ramstein eine wichtige Rolle bei den umstrittenen Drohnenangriffen spiele. “Ohne Deutschland wäre der gesamte Drohnenkrieg des US-Militärs nicht möglich”, sagte damals der ehemalige Drohnen-Pilot Brandon Bryant NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”.

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