Das furchtbare Schicksal der IS-Kindersklaven

Sie wurden entführt, verkauft und als menschliche Schutzschilde benutzt: Nach der Befreiung der IS-Hochburg Rakka sind einige Kindersklaven der Terrormiliz endlich in Freiheit. So auch der elfjährige Marwan.

DIE WELT

Der Islamische Staat mag im Irak und in Syrien an Territorium und Einfluss verlieren – doch der von der Terrormiliz betriebene Menschenhandel floriert. Schätzungsweise 3000 Menschen sind noch in der Gewalt der Islamisten, wie der US-Fernsehsender CNN berichtet. Darunter vor allem Frauen, die als Sexsklavinnen benutzt werden, und Kinder, die als menschliche Schutzschilde an der Front herhalten müssen.

Bei der Befreiung der IS-Hochburg Rakka konnten nun einige hauptsächlich jesidische Kinder befreit werden, die jetzt zu ihren Familien zurückkehren.

Unter ihnen auch der elfjährige Marwan. Er war acht, als IS-Terroristen ihn im Zuge eines Massakers an Jesidenfamilien in seinem Dorf mitnahmen. Der jesidische Junge wurde von Ort zu Ort geschleppt und insgesamt elfmal weiterverkauft.

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Das NSU-Trio und die seltsamen Spuren eines V-Mannes

Grafik: TP
War der Neonazi Thomas Starke schon für eine Behörde tätig, als Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe zu ihm flohen? – Untersuchungsausschuss von Thüringen hinterfragt Widersprüche

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Wenn sich Dutzende von Geheimdienst-Quellen um die drei mutmaßlichen Terroristen herum bewegten, müssen sie Spuren hinterlassen haben. Vielleicht gibt es sie, und man muss sie nur richtige deuten.

Als Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe am 26. Januar 1998 vor der Polizei von Jena nach Chemnitz flohen, waren mehrere V-Leute von Verfassungsschutzämtern daran beteiligt oder wussten zumindest davon. Die erste Person, bei der die drei dann in der sächsischen Stadt unterschlüpften, war ein gewisser Thomas Starke, langjähriger Aktivist der rechtsextremen Szene. Im November 2000 wurde er im Zusammenhang mit dem Strafverfahren gegen die Band Landser Informant des Landeskriminalamtes (LKA) Berlin, Abteilung Staatsschutz. Das ist gesichert.

Seit 2012 führt die Bundesanwaltschaft ein Verfahren gegen Thomas Starke wegen des Verdachtes auf Unterstützung der terroristischen Vereinigung NSU. Er muss also in den Skandal verwickelt sein, wie tief, erfährt man nicht.

Seit Jahren schwelt die Frage, ob Starke nicht schon damals, im Januar 1998, im Dienst eines Dienstes stand. Belegt ist das bisher nicht. Eine wiederholt kolportierte Formulierung von einer „langjährigen Vertrauensperson“, als die die Bundesanwaltschaft (BAW) Starke bei der Anwerbung durch den berliner Staatsschutz bezeichnet haben soll, kann nicht eindeutig Starke zugeschrieben werden. Möglicherweise war eine andere Person gemeint.

Allerdings hat Starke bei den Ermittlungen Spuren hinterlassen, die verdächtig sind. Zur Sprache kamen sie jetzt im NSU-Untersuchungsausschuss von Thüringen.

Im Gegensatz zum Landesamt für Verfassungsschutz vermuteten die Zielfahnder des LKA von Thüringen die drei Untergetauchten von Anfang in Chemnitz. Das bekräftigten erneut damalige Ermittler. Während der Verfassungsschutz die Fahnder in Belgien, Bulgarien, den USA und Südafrika suchen lassen wollte, lief für die „alles Richtung Chemnitz“. Sie erfuhren, dass vor allem die Blood and Honour-Aktivisten Jan Werner, Hendrik L. und Thomas Starke zu den drei Gesuchten in Kontakt stehen sollten und überwachten deren Telefone.

Auch gegen Jan Werner läuft ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher NSU-Unterstützung, genauso wie gegen Max-Florian Burkhardt.

Am 11. August 1998 registrierten die Fahnder eine SMS Starkes, der sich in Dortmund aufhielt, an Max-Florian Burkhardt mit dem Wortlaut: „Bist du beim Grillen vom Geburtstagskind? Alles Gute von mir, du weißt Bescheid, TS“ Burkhardt antwortete: „Aber aber Verwarnung. Probst hatte doch gestern schon – Max“

Der 11. August ist der Geburtstag von Uwe Mundlos. 1998 wurde er 25 Jahre alt. Veranstaltete der Gesuchte an jenem Tag also im Kreis von Kameraden eine Grillparty? Das ist die eine Frage, die sich an die Kriminalisten stellt. Wurde die versteckte Information damals erkannt und überprüft? Doch die andere ist: Warum schreibt der mit allen Wassern gewaschene rechte Kader Thomas Starke eine solch verräterische Nachricht, dass er von einem Kameraden gemaßregelt werden muss? Versehen – oder Absicht?

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Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort

Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Die Bundeswehr hat die Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Nordirak nach gut einwöchiger Unterbrechung wieder aufgenommen.

Frankfurter Rundschau

Das teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mit. Deutsche Soldaten bilden seit 2014 Peschmerga für den Kampf gegen die Terrormiliz IS aus. Angesichts der militärischen Eskalation im Norden des Iraks war die Mission aber am 13. Oktober zum Schutz der Bundeswehr-Angehörigen vorläufig ausgesetzt worden. Laut Verteidigungsministerium hat sich die Lage inzwischen wieder beruhigt.

Madrid macht Ernst: Separatisten in Katalonien vor dem Aus

Demonstranten protestieren in Barcelona gegen die Inhaftierung von zwei führenden Aktivisten der separatistischen Bewegung. Foto: Nicolas Carvalho Ochoa © dpa-infocom GmbH
Die Tage der separatistischen Regierung Kataloniens scheinen gezählt. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy kündigte die Absetzung des katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont und aller Kabinettsmitglieder an.

stern.de

Die Tage der separatistischen Regierung Kataloniens scheinen gezählt. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy kündigte die Absetzung des katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont und aller Kabinettsmitglieder an.

Mit dieser und weiteren Zwangsmaßnahmen will Madrid den Bestrebungen der Region zur Loslösung von Spanien nach langem Streit ein Ende setzen. Der Countdown läuft: Die Vorkehrungen sollen nach der für Freitag erwarteten Billigung durch den Senat umgesetzt werden. Innerhalb von sechs Monaten sollen in Katalonien Neuwahlen abgehalten werden.

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Giftige Blüten einer zerfallenden Religion

Eine Religion des Friedens? In ihren Büchern versuchen die Autoren, Beweggründe der Radikalisierung im Namen des Islams zu analysieren. ©AFP
Warum radikalisieren sich junge Muslime? Olivier Roy und Fethi Benslama entwickeln ihre Ansichten über die Ursprünge islamistischen Terrors.

Von Susanne Schröter | Frankfurter Allgemeine

Der Umstand, dass junge Muslime es für die Erfüllung ihres Lebens halten, Menschen, die sie nicht kennen und die ihnen kein Leid angetan haben, mit einem Auto zu überfahren, mit Äxten zu zerhacken oder mit Sprengstoff in Stücke zu reißen, ist erklärungsbedürftig. Insbesondere wenn es sich um Jugendliche handelt, die in Europa geboren und aufgewachsen sind und keine traumatisierenden Kriegserfahrungen besitzen.

Beunruhigend ist, dass die Angriffe auf Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel, auf Passanten in Fußgängerzonen, auf Besucher von Musikveranstaltungen, auf Kunden von Supermärkten und in Finnland auch auf eine einen Kinderwagen schiebende Mutter explizit im Namen des Islamsdurchgeführt wurden. Dass die Täter ihren eigenen Tod nicht nur in Kauf nehmen, sondern geradezu anstreben, verstört zusätzlich. Warum radikalisieren sich junge Muslime in der beschriebenen Form? Was treibt sie um, und was wollen sie? Die Wissenschaft hat bislang drei Erklärungsansätze vorgelegt, die nicht unbedingt kompatibel sind. Der erste behauptet, der Islam habe ein intrinsisches Gewaltproblem und müsse sich grundlegend reformieren, um potentiellen Attentätern die Legitimationsgrundlage zu nehmen. Der zweite unterscheidet zwischen Islam und Islamismus, wobei Letzterer als radikale Sonderform einer im Normalfall friedlichen Religion definiert wird. Der dritte versucht, Gründe jenseits der Religion zu identifizieren, und behauptet, der Islam werde von Extremisten lediglich als wohlfeile Maske missbraucht, hinter der sich ganz andere Motive verbergen.

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Explosion in Mannheimer Kirchturm – Staatsschutz ermittelt

Unbekannte hatten Gas aus mitgebrachter Gasflasche in einen Kirchturm eingeleitet und zur Explosion gebracht.

kath.net

In den Kirchturm der Kirche St. Hildegard in Mannheim-Käfertal war es in der Nacht zum Mittwoch zu einer Explosion gekommen. Offenbar hatten ein oder mehrere Ungekannte mit einem Hammer eine der Scheiben zerschlagen und aus einer mitgebrachten Gasflasche Gas in den Turm geleitet. Dieses Gas wurde dann zur Explosion gebracht. Davon zersprangen mehrere Glasscheiben des mit Dutzenden von Scheiben ausgestatteten Turms. Das berichtete der „Mannheimer Morgen“ und erläuterte weiter, es habe „einen lauten Knall und einen kleinen Brand“ gegeben. In einem weiteren Beitrag am Folgetag sprach der „Mannheimer Morgen“ allerdings bereits in der Überschrift von einer „Explosion mit großer Wucht“.

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Irakische Truppen haben Kurden Ölprovinz Kirkuk komplett abgenommen

Gefechte in Altin Köprü. Screenshot: TP
Gesellschaft für bedrohte Völker warnt vor neuer Islamisierung von Minderheiten durch Schiiten

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Dem gemeinsamen irakischen Operationskommando nach hat die Armee des Landes gestern zusammen mit schiitischen Milizen die vorwiegend von Turkmenen bewohnte 10.000-Einwohner-Stadt Altin Köprü besetzt – den letzten vorher von kurdischen Peschmerga gehaltenen Ort in der sowohl von der Zentral- als auch von der kurdischen Autonomiegebietsregierung beanspruchten Ölprovinz Kirkuk. Den Rest dieser Provinz hatten sie vergangene Woche eingenommen – meist ohne größeren Widerstand der Peschmerga, die sie besetzt hatten, nachdem die Soldaten der Zentralregierung 2014 vor der Terrororganisation Islamischer Staat geflüchtet waren (vgl. Kirkuk: Die irakische Armee fährt mit Panzern in die Stadt).

In Altin Köprü soll es dagegen zu schweren Kämpfen gekommen sein, die auch vom Sicherheitsrat der Kurden (der die komplette Einnahme noch nicht bestätigt hat) eingeräumt werden. Angeblich kamen dabei etwa 30 Peschmerga-Milizionäre ums Leben. Wie die kurdische Regionalregierung, auf deren Unabhängigkeitsreferendum hin die Besetzung erfolgte (vgl. Unabhängigkeitsvotum: Barzani hat verloren), darauf reagieren wird, ist unklar. Vorerst hat man lediglich die eigentlich für November vorgesehenen Wahlen auf das nächste Jahr verschoben.

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Menschenrechtsgericht untersucht Fall von Deniz Yücel

Für die Pressefreiheit. In Berlin engagieren sich Menschen für die in der Türkei inhaftierten Journalisten.FOTO: IMAGO/CHRISTIAN MANG
In Straßburg fallen in Kürze Urteile über die in der Türkei inhaftierten Journalisten. Ankara wäre verpflichtet, sich den Entscheidungen zu beugen.

Von Susanne Güsten | DER TAGESSPIEGEL

Auf die türkische Regierung kommt eine Grundsatzentscheidung in ihrem Verhältnis zur Meinungsfreiheit und zu den europäischen Institutionen zu. In den kommenden Wochen werden Urteile des Straßburger Menschenrechtsgerichtshofes zur Inhaftierung von Journalisten in der Türkei erwartet. Sollten die Europa-Richter die Freilassung der Inhaftierten – darunter des deutsch-türkischen Korrespondenten Deniz Yücel – anordnen, stellt sich die Frage, ob die Türkei die Urteile auch umsetzt. Die anstehenden Gerichtsurteile sind damit nicht nur für die betroffenen Journalisten wichtig. Sie könnten Aufschluss über den Einfluss europäischer Normen auf die Türkei und auf den künftigen Kurs des Landes in Europafragen geben.

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Die gefährlichen Konfliktlinien im Windschatten des Anti-IS-Kampfs

Im irakischen Kirkuk hält ein Vertreter der irakischen Regierung (wahrscheinlich ein iranischer Milizionär) grinsend die kurdische Fahne nach unten – als Zeichen des Sieges gegen den Peschmerga Quelle: REUTERS
Die Zerschlagung des IS in Syrien und im Irak hat den Frieden in der Region nicht näher gebracht. In Syrien und Irak brechen andere Konflikte aus. Besonders ein Land ist Zielscheibe.

Von Richard Herzinger | DIE WELT

In Syrien und im Irak scheint die Horrormiliz IS militärisch weitgehend besiegt. Und vor allem infolge der massiven Militärintervention Russlands und eines gnadenlosen Kriegs gegen die eigene Bevölkerung steht nun fest, dass das mörderische Regime Baschar al-Assads in Damaskus an der Macht bleibt, kontrolliert es doch weitgehend unangefochten wieder weite Teile Syriens.

Vom Frieden, schon gar von einem gerechten, ist die Region aber nach wie vor weit entfernt. Denn die Fixierung auf den Kampf gegen das monströse „Kalifat“ des IS und auf die falsche Alternative „Assad oder die Dschihadisten“ hat verdeckt, welche vielfältigen und verwirrenden Konfliktlinien sich im Verlauf vor allem des syrischen Krieges aufgebaut haben.

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Minderjährig, radikal, brutal – Verfassungsschutz warnt vor Dschihadisten-Kindern

Nachdem der IS riesige Gebiete in Syrien und Irak verloren hat, gibt es nun die Befürchtung, es könne eine neue Generation von Dschihadisten entstehen Picture Alliance © Handout/Planet Pix via ZUMA Wire/Picture Alliance
Nicht nur Erwachsene verbreiten Terror. Der IS trainiert auch Minderjährige als Kämpfer. Der Verfassungsschutz warnt vor einer neuen Dschihadisten-Generation und indoktrinierten Kindern deutscher Extremisten, die zurückkehren könnten.

stern.de

Als der Junge auf den Abzug der Pistole drückt, verzieht er keine Miene, er will keine Angst zeigen. Die Waffe hält er mit beiden Händen, die Arme durchgestreckt. Das gefesselte Opfer, ein Gefangener der IS-Terrormilz, kippt nach vorn. Der Junge schießt noch mal und noch mal, dann streckt er den rechten Arm mit der Pistole in der Hand nach oben und schreit „Allahu akbar“.

Das Opfer verliert in diesem Moment sein Leben – und der Schütze seine Kindheit und Unschuld. Als er abdrückt, ist er vielleicht 13 Jahre alt, so jung jedenfalls, dass in seinem Gesicht noch nicht einmal ein dünner Flaum zu sehen ist. Ein Video der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat jedes Detail dieser Tat festgehalten.

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Anis Amri wurde möglicherweise von V-Mann angestachelt

Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz am 20.12.2016.FOTO: BERND VON JUTRCZENKA/DPA
RBB und „Morgenpost“ berichten, ein V-Mann des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes mit Bezug zu Amri habe zu Anschlägen mit LKW aufgefordert.

Von Hannes Heine | DER TAGESSPIEGEL

Ist Anis Amri von einem V-Mann zu dem Massaker am Breitscheidplatz vergangenen Dezember angestiftet worden? Nach Recherchen des Berliner Senders RBB und der „Berliner Morgenpost“ soll ein Spitzel der Behörden unter Islamisten für Anschläge geworben haben. „Eine wichtige Bezugsperson des Terroristen Anis Amri in der militanten Islamistenszene war ein V-Mann des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen“, teilte der RBB am frühen Donnerstagabend mit.

Der Mann, der routiniert mit Kriminellen verkehrte, wurde als sogenannte „Vertrauensperson“ unter VP-01 von der Landespolizei in Düsseldorf geführt und hat in anderen Fällen die Behörden über gefährliche Islamisten informiert – und dabei dem Staat genutzt.

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Osama bin Ladens Sohn Hamza soll Al-Kaida erben

ObL während einer Ansprache, Themen-Bild: rp-online.de

Hamza bin Osama bin Laden will bei der Zukunft Syriens mitmischen: Er taucht als Chef einer neuen Al-Kaida auf

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Seit einiger Zeit schon geistert sein Name herum, und zu Beginn des Jahres haben ihn die USA auf ihre Terroristenliste gesetzt: Nun taucht Hamza bin Osama bin Laden als Chef einer neuen Al-Kaida in Syrien auf. Sie soll „Ansar al-Furqan fi Bilad al-Sham“ heißen, eingedeutscht etwa „Die Verteidiger des Koran in Großsyrien“. Ob Hamza bin Laden nur der Kopf dieser syrischen Organisation ist oder – wie in den vergangenen Monaten kolportiert – die gesamte Al-Kaida übernimmt, ist noch unklar.

Wenn es ihn wirklich gibt – theoretisch könnte er auch eine PR-Erfindung Al-Kaidas sein -, dann ist er also auf dem Aufstieg, der Sohn Osama bin Ladens. Als sein Vater, Al-Kaida-Gründer und Urheber der Terroranschläge von 9/11, im Mai 2011 im pakistanischen Abbottabad von einem US-Sonderkommando getötet wurde, soll der damals etwa 22-Jährige anwesend gewesen sein. Als Einzigem sei ihm die Flucht gelungen, lautet die Al-Kaida-Erzählung.

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JUDENHASS IN FRANKREICH: Die Täter machen es wie die Nazis

Am 20. März 2012 herrschten an der Ozar-Hatorah-Schule in Toulouse Trauer und Fassungslosigkeit. An diesem Tag wurden die Leichen von drei Schülerinnen und eines Lehrers überführt, die der Islamist Mohamed Merah mit Kopfschüssen ermordet hatte. Ihre letzte Ruhe fanden die Opfer in Israel. In Frankreich scheint das vergessen. ©AFP
Verbrechen an Juden werden totgeschwiegen – und in der Banlieue grassiert der islamische Antisemitismus: Die feministische Philosophin Elisabeth Badinter klagt Frankreichs Medien und Politik an.

Von Jürg Altwegg | Frankfurter Allgemeine

„Eine 65 Jahre alte Frau wurde gefoltert, aus dem Fenster geworfen, der Täter wusste, dass sie Jüdin war und schrie, er wolle sein Volk rächen.“ Eine Stunde hatte der Mörder Sarah Halimi gequält, es geschah im April dieses Jahres in Paris: „Zwei Monate lang wurde nur in den jüdischen Medien darüber berichtet. In den Zeitungen gab es keine Recherchen und keine Reportagen, niemand hat die Nachbarn befragt, welche die Rufe ‚Allahu Akbar‘ gehört hatten.“

So beschreibt Elisabeth Badinter das barbarische Verbrechen, das Schweigen der Medien wie der Politiker darüber haben sie gleichermaßen erschüttert. Die Philosophin und Feministen, deren Bücher „Die Mutterliebe“ und „Ich bin Du“ weltweit Bestseller waren, hat im Nachrichtenmagazin „L’Express“ einen Aufruf zum Kampf gegen den Antisemitismus in Frankreich veröffentlicht. „Das Attentat im jüdischen Supermarkt ‚Hyper Cacher‘“, ergänzt sie im Gespräch mit dieser Zeitung, das 2015 im Zusammenhang mit dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ verübt wurde, „ist im Begriff, aus der kollektiven Erinnerung zu verschwinden.“

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Stammheimer Todesnacht: Es bleiben zahlreiche Widersprüche

Justizvollzugsanstalt Stammheim. Bild (von 2004): Mussklprozz / CC BY-SA 3.0
Kann der Tatort „Der rote Schatten“ die Diskussion um die Todesumstände der RAF-Gefangenen neu beleben?

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Tatort-Krimi Der rote Schatten, der am letzten Sonntag ausgestrahlt wurde, hat ein Verdienst. Er lenkt noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass zahlreiche Widersprüche zur offiziellen Version der Todesumstände der RAF-Gefangenen am 18.Oktober 1977 in dem Isolationstrakt von Stammheim unaufgeklärt sind.

Denn in der Tatort-Fiktion war offen geblieben, ob sich die Gefangenen das Leben nahmen, vielleicht unter Aufsicht des Staates, oder ob sie ermordet wurden. Deshalb haben sich sofort die Bild-Zeitung und Stefan Aust zu Wort gemeldet und behauptet, in dem Tatort werde RAF-Propaganda verbreitet.

Die Bild-Zeitung bleibt da ihrer Linie treu. Sie hatte ja bereits vor über 40 Jahren Heinrich Böll und andere linksliberale Intellektuelle zu RAF-Sympathisanten erklärt. Und der öffentlich-rechtliche RAF-Erklärer Stefan Aust fürchtet um seine Deutungshoheit für die Geschichte der RAF und der Ereignisse in Stammheim, wenn plötzlich auch über die Widersprüche zu der Version der Stammheimer Todesnacht diskutiert würden, die Aust ja immer vertreten hat.

Der Publizist Willi Winkler hingegen weist Austs Vorwürfe in einem Interview im Deutschlandfunk zurück. Zu Aust erklärt Winkler nur knapp:

Naja, soll ich mich jetzt wirklich zu Herrn Aust äußern? Der hat seine Karriere auf dem Mythos RAF aufgebaut. Und er hat die Vorlage geliefert für den Baller-Film „Der Baader Meinhof Komplex“. Also: Wer ist er, um das zu sagen?

Willi Winkler

Obwohl er selbst an die Selbstmordversion glaubt, ist sich Winkler der vielen unaufgeklärten Widersprüche der Geschehnisse am 18.10.1977 in Stammheim bewusst. Er fordert von den staatlichen Stellen Transparenz und sieht in der Diskussion nach der Tatort-Fiktion etwas Positives:

Wenn das jetzt Anlass dazu gibt, dass man die vorhandenen Akten offenlegt – nach 40 Jahren wäre das ja möglich, es wurde ja ausführlich die Geschichte eines V-Mannes behandelt, und es gab mehrere – das wäre doch kein schlechter Effekt, wenn die jetzt veröffentlicht werden müssten. Dann hätte es auch was Gutes.

Willi Winkler

Tatsächlich könnte die Diskussion nach dem Tatort auch jüngeren Leuten deutlich machen, wie viel an den Geschehnissen vor 40 Jahren noch ungeklärt ist. Ein Nachgeborener, der seit Jahren dazu forscht, ist der IT-Spezialist Helge Lehmann, der 2011 seine Rechercheergebnisse in einem Buch unter dem Titel „Die Todesnacht von Stammheim“ herausgegeben hat (vgl. dazu Helge Lehmann über blinde Flecken und Widersprüche. Zum vierzigsten Jubiläum der Ereignisse hat kaum jemand darauf Bezug genommen.

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Peschmerga fühlen sich verraten

Die Kurden fühlen sich von allen im Stich gelassen: Irakische Truppen rücken in das Zentrum der Ölstadt Kirkuk ein, wo sie den Sitz des Gouverneurs, Militäranlagen und ein Ölfeld besetzt haben. (Foto: Ahmad al-Rubaye/AFP)
  • Die irakischen Regierungstruppen haben mehrere Gebiete rund um Kirkuk eingenommen und damit die Peschmerga von dort vertrieben.
  • US-Präsident Donald Trump erklärte, in dem Konflikt neutral bleiben zu wollen – und auch die Bundeswehr unterstützt die Peschmerga vorerst nicht mehr.
  • Die kurdischen Kämpfer fühlen sich deshalb im Stich gelassen.

Von Paul-Anton Krüger, Mike Szymanski | Süddeutsche.de

Übersetzt heißt Peschmerga „die dem Tod ins Auge sehen“ – furchtlos sollen sie sein, die kurdischen Soldaten. Doch am Montag weinten etliche von ihnen vor Fernsehkameras. Aus Wut und Enttäuschung. Sie waren weitgehend kampflos zurückgewichen vor schiitischen Milizen und regulären irakischen Einheiten, die nach Kirkuk marschierten. Bei anfänglichen Gefechten sollen etwa 30 Menschen getötet worden sein, die Schiiten-Milizen sollen später in Kirkuk weitere Peschmerga ermordet haben.

Einige einflussreiche Kommandeure der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) aber hatten ihren Männern den Abzug befohlen. Den Einheiten des Regionalpräsidenten Massud Barzani und seiner Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) blieb nichts, als es ihnen gleich zu tun. Die Front war zusammengebrochen.

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Befreier von Raqqa nehmen hunderte IS-Kämpfer gefangen

foto: reuters/erik de castro Die kurdisch-arabische Allianz zieht in Raqqa ein.
Nach Angaben des US-Militärs haben sich zahlreiche ausländische Milizionäre ergeben – Nun muss Stadt von Sprengfallen gesäubert werden

derStandard.at

Im Zuge der Befreiung der syrischen Stadt Raqqa von Jihadisten haben sich nach US-Angaben hunderte IS-Kämpfer den gegnerischen Streitkräften ergeben. Rund 400 Kämpfer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hätten sich in den vergangenen Wochen der kurdisch-arabischen Allianz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) ergeben, sagte der Sprecher der US-geführten Anti-IS-Koalition, Ryan Dillon.

Der Großteil dieser Jihadisten – rund 350 – hätten sich in den vergangenen Tagen ergeben. Unter ihnen seien „einige bestätigte ausländische Kämpfer“. Diese seien in Gewahrsam genommen worden. Auf die US-Soldaten in Raqqa komme nun noch viel Arbeit zu, fügte der in Bagdad ansässige Militärsprecher am Dienstag hinzu. So müsse die Stadt von den während der Kämpfe zurückgelassenen Sprengsätzen befreit werden.

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Weiterer Deutscher auf Ersuchen der Türkei im Ausland verhaftet

Immer wieder landen politisch Verfolgte auf den Ausschreibungslisten von Interpol. Betroffene können ihre Daten zwar wieder löschen lassen – doch das Verfahren ist aufwendig und dauert oft lange. (Foto: AP)
  • Die Türkei ließ über Interpol nach einem weiteren deutschen Staatsbürger fahnden.
  • Interpolwird von der Türkei vorgeworfen, in zwei Morden verstrickt zu sein.
  • Deutsche Gerichte halten die Vorwürfe für politisch motiviert und verweigerten seine Auslieferung bereits mehrfach.
  • Kemal K. wurde bereits im Juni in der Ukraine festgenommen.

Von Lena Kampf | Süddeutsche.de

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR wird ein weiterer deutscher Staatsbürger auf Ersuchen der türkischen Behörden im Ausland festgehalten. Mit einer „Red Notice“ ließ die Türkei den Kölner Kemal K. von Interpol suchen; er wurde bereits im Juli in der Ukraine verhaftet und sitzt seitdem dort fest. Er darf das Land nicht verlassen, bis über eine Auslieferung in die Türkei entschieden wird.

Kemal K. ist sowohl türkischer als auch deutscher Staatsbürger, er floh 2007 nach Deutschland, erhielt politisches Asyl und wurde 2016 eingebürgert. In der Türkei war er in der kommunistischen Partei TKP/ML aktiv.

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Konkurrenz für den Konsulatsunterricht

Lernen nach Ankara-Methode. Den Konsularunterricht dürfen nur regimetreue Lehrer geben.FOTO: IMAGO
Jetzt geht plötzlich alles ganz schnell: An den ersten Berliner Schulen sollen Türkisch-AGs starten. Lehrer dafür wurden gefunden.

Von Susanne Vieth-Entus | DER TAGESSPIEGEL

Der türkische Konsulatsunterricht an den Grundschulen bekommt Konkurrenz: Die Bildungsverwaltung hat genug Türkischlehrer gefunden, um mit eigenen Angeboten zu starten. Ab Februar soll es nach Tagesspiegel-Informationen die ersten Arbeitsgemeinschaften geben. Die Zeit drängt vor allem in Mitte, wo der Konsulatsunterricht durch Mietforderungen zum Erliegen kam. Andere Bezirke wollen zwar keine Miete, suchen aber ebenfalls Alternativen, um den Einfluss der Lehrer aus der Türkei einzudämmen. Die Bildungsverwaltung bestätigte am Montag auf Anfrage, dass die AGs im zweiten Schulhalbjahr starten könnten.

Die Kultusminister entschieden – nichts

Von der Kultusministerkonferenz (KMK) ist aktuell keine Unterstützung zu erwarten: Zwar warf sie die Frage auf, inwieweit die Grundlage des Konsulatsunterrichts, nämlich die EU-Richtlinie zu Wanderarbeitern von 1977, „noch zeitgemäß“ sei. Die Kultusminister konnten sich am Donnerstag aber nicht auf sofortige Schritte einigen.

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Irakisches Militär drängt Kurden weiter zurück

foto: ap photo Irakische Milizen auf dem Vormarsch.
Regierungstreue Milizen sollen die Stadt Sinjar eingenommen haben

derStandard.at

Die kurdischen Peschmerga befinden sich nach dem Vorstoß des irakischen Militärs weiter auf dem Rückzug. Eine mit den Regierungstruppen verbündete Miliz habe am Dienstag die Kontrolle über die im Nordwesten des Iraks gelegene Stadt Sinjar übernommen, sagten Einwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Am Abend zuvor hätten sich die dort stationierten Peschmerga-Kämpfer zurückgezogen. Sicherheitskreisen zufolge übernahmen die irakischen Truppen auch die Kontrolle über zwei weitere Ölfelder in der Region.

Schneller Vorstoß auf Kirkuk

Die Armee hatte am Montag mit einem schnellen Vorstoß die von Kurden kontrollierte Öl-Stadt Kirkuk eingenommen. Dies war die bisher härteste Reaktion auf das Unabhängigkeitsreferendum in der Region und nährte die Sorge vor einem Bürgerkrieg zwischen den Kurden und der Zentralregierung.

Panama-Papers-Enthüllerin stirbt bei Autobombe

Die ausgebrannte Autokarosserie. Die Hintergründe der Tat sind noch nicht bekannt. – REUTERS/Darrin Zammit Lupi
Das Auto der 53-jährigen Bloggerin explodierte am Montag nahe ihres Hauses. Sie hatte zur Aufdeckung von Geldwäsche-Praktiken maltesischer Politiker beigetragen.

Die Presse.com

In Malta ist am Montag eine Bloggerin getötet worden, die der Regierung des Inselstaats Korruption vorgeworfen hatte. Nach Polizeiangaben starb Daphne Caruana Galizia, als eine unter ihrem fahrenden Auto angebrachte Bombe explodierte. Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat sprach von einer „barbarischen“ Tat und einem „schwarzen Tag für unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit“.

„Das ist eine tückische Attacke auf einen Bürger und auf die Meinungsfreiheit“, schrieb er auf Twitter. Der Mitte-Links-Politiker wies die Sicherheitskräfte an, die Täter zu finden und vor Gericht zu bringen. Dem staatlichen TV-Sender TVM zufolge hatte sich Caruana Galizia vor zwei Wochen an die Polizei gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten habe.

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