Archiv der Kategorie: Radikalismus

Antijudaismus: So wurden Juden im Westen seit jeher gehasst

In Tirol begründete ein frei erfundener Ritualmord von Juden an einem Christenkind die Verehrung des “Anderl von Rinn”. Die katholische Kirche ließ diese Figurengruppe in den 1960er Jahren entfernen, doch den Kult gibt es immer noch. (Foto: Oliver Das Gupta)
US-Historiker David Nirenberg belegt, wie Juden seit 2000 Jahren in ganz Europa diskriminiert und verfolgt wurden. Gibt es eine westliche Tradition des Antijudaismus?


Von Stephan Speicher|Süddeutsche.de

Am 14. Juli 1790, dem ersten Jahrestag des Sturms auf die Bastille, beging die südfranzösische Stadt Saint-Ginest das “Föderationsfest”. Der Pater Antoine-Pascal-Hyacinthe Sermet hielt eine Predigt und gab seiner Genugtuung über die Revolution Ausdruck. Dazu zitierte er aus dem Galaterbrief des Apostel Paulus: “Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!”

Und Sermet erklärte, dass die Knechtschaft, von der Paulus sprach, das Judentum und sein Gesetz sei, die Freiheit aber der christliche Glaube. Und so verhalte es sich politisch: Die Monarchie gleiche dem überwundenen Judentum und seiner Knechtschaft, die revolutionäre Erneuerung aber dem Christentum als dem Glauben der Freiheit.

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Hessen: Hochburg der Salafisten

© dpa Türöffner: Aktionen wie die „Lies“-Kampagne seien ein Weg zu den Salafisten. Hier ist ein Teilnehmer auf der Frankfurter Zeil unterwegs.
Enthauptungen schrecken nicht mehr ab. Die brutale Variante des Islamismus hat laut Verfassungsschutz in Hessen besonders viele Anhänger. Die Rückkehrer aus Syrien würden als „Kriegshelden“ in der hessischen Szene gefeiert.


Von Ewald Hetrodt|Frankfurter Allgemeine

Die salafistische Szene in Hessen ist viel stärker, als die Größe des Landes es eigentlich erwarten ließe. Das geht aus aktuellen Zahlen des Verfassungsschutzes hervor. Hessen zählt sechs Millionen Einwohner, darunter sind rund 1600 Salafisten. Nur 300 mehr halten sich in Nordrhein-Westfalen auf, in dem dreimal so viele Menschen leben. Auch im bundesweiten Vergleich ist der hessische Anteil unverhältnismäßig hoch. In ganz Deutschland leben etwa 7500 Salafisten.

Dass Hessen außer Berlin und NRW zu den drei Hochburgen der deutschen Szene gehöre, führt Roland Johne vom Landesamt für Verfassungsschutz in erster Linie auf die städtischen Strukturen des Ballungsraums Rhein-Main zurück. Andererseits weist er darauf hin, dass sich auch in Kassel einiges tue. Im Übrigen seien in Hessen „Zugpferde“ wie Pierre Vogel unterwegs. Sie verstünden sich besonders gut darauf, Menschen zu mobilisieren.

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Kurden-Präsident fordert PKK zum Verlassen des Nordiraks auf

Will die türkischen Luftangriffe von den Zivilisten fernhalten: Massud Barsani © Maja Hitij/DPA
260 PKK-Kämpfer wurden bereits bei den türkischen Luftangriffen auf die Kurdische Arbeiterpartei im Nordirak getötet. Nun ruft der dortige Kurdenpräsident Massud Barsani die PKK zum Verlassen der Region auf – um Zivilisten zu schützen.


stern.de

Angesichts der türkischen Luftangriffe auf Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans hat der Präsident der autonomen Kurdenregion im Irak, Massud Barsani, die PKK zum Verlassen des Gebiets im Nordirak aufgefordert. “Die PKK muss das Schlachtfeld von der irakischen Region Kurdistan fernhalten, damit keine Zivilisten Opfer dieses Kriegs werden”, erklärte Barsani am Samstag.

Die Türkei hatte vor gut einer Woche zunächst begonnen, Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien zu bombardieren. Zugleich griff sie nach einem Anschlag auf zwei türkische Polizisten auch Stützpunkte der verbotenen PKK im Nordirak an, die gegen den IS kämpft. Die türkische Regierung spricht von einem “Krieg gegen den Terrorismus”. Allerdings griff die Luftwaffe den IS seither nur drei Mal an, die PKK hingegen dutzende Male.

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Polizist von acht Personen eingekesselt und brutal verprügelt

Ein Bild vom Polizeieinsatz während der Anti-Islam_Demo in Frankfurt. © Archiv: dpa
Bereits am 20. Juni wird ein Zivilbeamter eingekesselt und verprügelt. Erst heute geht die Polizei damit an die Öffentlichkeit.


op-online.de

Der Fall liegt schon über einen Monat zurück, erst heute berichtet die Frankfurter Polizei aber im Detail darüber: So wurde laut Angaben der Beamten vor der am 20. Juni stattfindenden Anti-Islam-Demo in Frankfurt ein Polizist brutal verprügelt und schwer verletzt. Der Zivilbeamte soll sich zusammen mit einem weiteren Kollegen in der Taunusanlage befunden haben, als plötzlich acht vermummte Personen die Beamten attackierten. Die Täter trennten den Zivilbeamten räumlich von seinem Kollegen, hielten ihn fest und schlugen mehrfach auf dessen Kopf und Gesicht ein. Dabei erlitt der Mann eine stark blutende Platzwunde am Kopf, die in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Sein Kollege blieb unverletzt.

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Chaos in Zentralafrika: Christen zwingen Muslime zu konvertieren

Christliche Anti-Balaka-Milizen gehen grausam gegen die muslimische Minderheit im Land vor und hindern sie an der Ausübung ihrer Religion. (Foto: imago/Kyodo News)
Nach einer kurzzeitigen Machtübernahme durch die Seleka-Rebellen 2013 herrscht in der Zentralafrikanischen Republik ein Religionskonflikt. Inzwischen verbreiten christliche Milizen Angst und Schrecken und unterdrücken die Muslime im Land.


n-tv

Muslime in der Zentralafrikanischen Republik sind von christlichen Milizen dazu gezwungen worden, ihren Glauben aufzugeben oder sogar zum Christentum zu konvertieren. Dies geht aus einem Bericht von Amnesty International hervor. Muslime, die im Westen des Landes in ihre mittlerweile von Christen kontrollierten Heimatgebiete zurückgekehrt seien, dürften oftmals nicht mehr öffentlich ihre Religion ausüben. Es habe auch Todesdrohungen gegeben, hieß es.

Das christlich geprägte Land versinkt im Chaos, seit muslimische Seleka-Rebellen im März 2013 kurzzeitig die Macht an sich gerissen hatten. Seither wütet ein blutiger Konflikt, der vor allem religiöse Hintergründe hat.

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Kampf um Deutungshoheit: Menschenwürde und Humanität

Freiburger Historiker Leonhard: Entgrenzte Gewalt und Inhumanität in Kriegen des 20. Jahrhunderts ist Folge der Entwicklungen seit der Aufklärung – Erlangener Religionswissenschaftler Nehring: Religion wichtiger Faktor im Ringen um Menschenwürde


kathweb
jesus_schaukel Mit Reflexionen zu den historischen Kampfplätzen, auf denen um Humanität und Menschenwürde gleichermaßen gerungen wurde und gerungen wird, ging die heurige “Salzburger Hochschulwoche” am in ihre Zielgerade. Am Sonntag, 2. August, wird die traditionsreiche Veranstaltungsreihe, die heuer unter dem Motto “Prekäre Humanität” steht, mit einem Festgottesdienst mit Erzbischof Lackner und einem akademischen Festakt an der Universität Salzburg enden. Zuvor skizzierten der Freiburger Historiker Jörn Leonhard und der Erlangener Religionswissenschaftler Andreas Nehring am Freitag, wie es zu den dramatischen Entgrenzungen von Gewalt und Inhumanität in den Kriegen im 20. Jahrhundert kommen konnte und wie zugleich Religion selbst heute noch ein Faktor im Ringen um Menschenwürde sein kann.

Wer verstehen möchte, was historisch betrachtet den “prekären Charakter der Humanität” ausmacht, der muss laut Leonhard die Verbindungen von Gewalt und Humanität analysieren, die es in der Geschichte seit der Französischen Revolution 1792 immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen und aus unterschiedlichen Motiven gegeben habe. So zeige der Blick in die Geschichte, dass “die Berufung auf Humanität und Werte eine entscheidende Rolle für die Rechtfertigung von Gewalt” gespielt habe und zugleich auch eine Mitschuld an der “Totalisierung der Gewalt” im 20. Jahrhundert trage.

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Saudi-Arabien ist ein falscher Freund

Der Westen setzt auf Saudi-Arabien. Immerhin ist das Land der weltgrößte Exporteur von Öl und wichtiger Käufer westlicher Waffen. Doch die Monarchie gängelt ihre eigene Bevölkerung, verhängt drakonische Strafen und exportiert fundamentalistischen Islam


Von David Gardner|Cicero

US-Außenminister John Kerry und der saudische Prinz Saud Al-Faisal bei einer Pressekonferenz im März 2015 in Riyadh. picture alliance

Abdullah, der Ende Januar verstorbene saudische König, wird über seinen Tod hinaus für seine zaghaften Reformschritte geschätzt. Doch auch er regierte brutal, wie es im Königshaus Saud Tradition ist. Und er stellte das Volk mit Wohltaten ruhig. Vor vier Jahren etwa überschüttete er seine Untertanen mit königlicher Großzügigkeit: 36 Milliarden Dollar an Gehaltserhöhungen, zur Entschuldung und als Startkapital für Unternehmensgründungen, ließ er an die saudische Bevölkerung auszahlen.

Die arabischen Aufstände, die gerade Zine al Abidine Ben Ali in Tunesien und Husni Mubarak in Ägypten gestürzt hatten, hatten auch in Saudi-Arabien Hoffnung aufkeimen lassen, Abdullah würde Reformen vorantreiben. Vergeblich. Er ließ eine weitere königliche Finanzspritze folgen. Diesmal waren es fast 100 Milliarden Dollar. Der Großteil floss in den Wohnungsbau für Niedrigverdiener. Mit großen Summen wurden aber auch die Sicherheitskräfte bedacht, darunter die berüchtigte Religionspolizei, die Mutawa. Auf nicht weniger dunklen Kanälen flossen Hunderte Millionen Dollar in die religiösen Stiftungen des wahhabitischen Klerus.

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Misereor: Tausende Jesiden leben noch immer im Sindschar-Gebirge

Ein Jahr nach der Vertreibung Tausender Jesiden im Nordirak durch die Miliz “Islamischer Staat” (IS) harren nach Angaben des Hilfswerks Misereor noch mehr als 10.000 Flüchtlinge im Sindschar-Gebirge aus.


evangelisch.de

Pfau-Engel der Jesiden
Pfau-Engel der Jesiden

Die Versorgungslage sei angespannt, erklärte das katholische Hilfswerk am Freitag in Aachen unter Berufung auf seine Partnerorganisation “Jiyan Foundation”, die mehrere Flüchtlingslager im Nordirak betreut. Ihr Leiter Salah Ahmad warnte, die Lage drohe sich durch die jüngste Konfrontation zwischen der türkischen Regierung und der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) weiter zu verschärfen.

“In diesem Sommer wurde das Wasser zeitweise äußerst knapp, es gab sehr wenige Reserven”, berichtete Ahmad. Die Flüchtlinge litten unter Temperaturen über 40 Grad. Eine große Herausforderung sei auch die medizinische und psychologische Betreuung der oftmals schwer traumatisierten Menschen.

„Als ich Europa bereiste, umfuhr ich Deutschland absichtlich“

© Max Tholl
Daniel Libeskind hat dem jüdischen Leben in Deutschland ein Museum gebaut. Der Architekt spricht mit Max Tholl über Heimat, Abwesenheit als sein zentrales Motiv und erklärt, warum selbst Nazi-Architektur ihre Berechtigung hat.


The European

The European: Herr Libeskind, viele Ihrer Bauprojekte haben einen sehr geschichtsträchtigen Hintergrund – allen voran das neue World Trade Center in New York oder das Jüdische Museum in Berlin. Verspüren Sie beim Planen solcher Gebäude eine besondere Verantwortung?
Libeskind: Alles ist geschichtsträchtig, selbst ein unbebautes grünes Feld. Ich habe gerade in Connecticut auf einer Grünfläche gebaut, und es wäre einfach zu behaupten, es gäbe dort keinen historischen Bezug.

The European: Gab es den?
Libeskind: Ja. Ureinwohner Amerikas lebten einst dort, und daher muss man sich gewissen ethischen Fragen stellen. Es kommt immer drauf an, welche Erinnerungen an einem Ort haften und wie lebendig diese noch sind.

The European: Ein Ereignis wie der 11. September dürfte den Menschen noch besser in Erinnerung sein als die Tötung der amerikanischen Ureinwohner im 19. Jahrhundert, oder?
Libeskind: Ereignisse wie 9/11 werden auch deshalb so stark thematisiert, weil sie an einem Ort stattfanden, den die Menschen gut kennen. Mir geht es aber nicht nur um das Sichtbare dieser Ereignisse, sondern auch um das Unsichtbare. Also nicht nur um die offensichtliche Geschichte, sondern auch um die versteckten Details.

The European: Als Sie das Jüdische Museum gestalteten, ging es Ihnen auch darum, „die Bedeutung des Holocausts physisch und spirituell in das Bewusstsein Berlins zu integrieren“. Ist Ihnen das gelungen?
Libeskind: Das müssen andere beantworten. Aber mir haben oft Politiker und Journalisten berichtet, dass das Museum die Haltung gegenüber dem jüdischen Leben in Berlin zum Positiven verändert hat – mehr als politische Reden im Bundestag oder Zeitungsartikel.

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Brandanschlag auf künftige Asylunterkunft in Sachsen

Auf eine geplante Asylunterkunft im sächsischen Lunzenau bei Chemnitz ist in der Nacht zum Freitag ein schwerer Brandanschlag verübt worden.


evangelisch.de

Wie die Polizei mitteilte, brannte die Hecke so stark, dass durch die enorme Hitze sechs Fensterscheiben rissen. Medienberichten zufolge sollten in dem Haus ab September rund 50 Flüchtlinge wohnen. Derzeit befindet sich das Gebäude im Umbau.

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen seit Wochen zu. Im sächsischen Meißen wurde Ende Juni eine geplante Asylunterkunft in Brand gesetzt, in Böhlen bei Leipzig wurde auf eine bereits bewohnte Unterkunft offenbar mehrfach geschossen.

Gewaltforscher Zick warnt vor neuem Neonazi-Terror

Der Extremismusforscher Andreas Zick befürchtet, dass die zunehmende Gewalt gegen Flüchtlinge zur Bildung neuer rechtsextremer Terrorgruppen führen könnte.


evangelisch.de

Die Lage sei heute schwieriger als in den 90er Jahren, weil es überall in der Gesellschaft Konfliktherde gebe, erläuterte der Wissenschaftler und verwies auf Rechtsextremismus und Islamismus. Hinzu komme, dass viele Menschen in der Mitte der Gesellschaft mit sich selbst beschäftigt seien und Abstiegsängste hätten. “Das macht sie zurückhaltender beim Thema Zuwanderung”, sagte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld.

In Ostdeutschland gibt es nach Einschätzung des Gewaltforschers nach wie vor eine höhere Zustimmung zu rechtsextremen Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft als im Westen. “Es wirkt sich aus, dass die neuen Bundesländer noch nicht so multikulturell sind”, sagte er. “Aber wir haben überall in Deutschland Facetten von Menschenfeindlichkeit.” So gebe es in Bayern einen stärkeren Antisemitismus, und Rechtsextremisten seien auch in Dortmund aktiv.

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Alle Sachsen zwischen 25 und 66 sind Migranten

Gastunfreundliche Anwohner demonstrieren in Dresden gegen eine Flüchtlingsunterkunft Foto: picture alliance / dpa
Im sächsischen Freital ziehen Einwohner gegen Flüchtlinge mit der Botschaft “Kein Ort zum Flüchten” zu Felde. Muss man die Menschen dort wirklich daran erinnern, wo sie herkommen? Man muss.


Von Michael Pilz|DIE WELT

Wir zogen damals nicht in überladenen Booten ins gelobte Land. Wir flohen nicht in Fahrwerken von Flugzeugen von dort, wo wir geboren worden waren und es nicht mehr aushielten. Wir blieben einfach da im deutschen Osten, als der deutsche Westen zu uns kam.

Wir wanderten gewissermaßen über Nacht und auf der Stelle aus und ein. Der Staat, dem wir seit 1990 angehören, hatte uns, sobald die Mauer offen war und wir noch in der DDR zu Hause waren, mit Begrüßungsgeld empfangen, frei in Bussen fahren und Museen besuchen lassen und uns blühende Landschaften versprochen.

Auch wer in der abseitigsten Mundart aufgewachsen war, musste sich keinem Sprachtest unterziehen. Noch der folgsamste Parteisoldat wurde nicht auf seine Verfassungstauglichkeit geprüft. Wir hatten Glück mit der Geschichte. Uns wurde die Gnade der Geburt am rechten Ort zuteil.

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Gotteswahn: Ultraorthodoxer Jude sticht sechs Menschen nieder

Ein ultraorthodoxer Jude stach bei der Parade in Jerusalem auf Feiernde ein. Es war nicht sein erster Angriff auf Homosexuelle. © Amir Cohen/Reuters
Es war ein ausgelassen-fröhlicher Umzug von Schwulen und Lesben, bis ein Mann plötzlich ein Messer aus der Tasche zog und wahllos auf die Teilnehmer einstach. Ultraorthodoxe Gruppen hatten zuvor gegen die Parade protestiert.


stern.de

Ein ultraorthodoxer Jude hat bei einer Lesben- und Schwulenparade in Jerusalem sechs Menschen niedergestochen. Zwei der Opfer seien dabei schwer verletzt worden, sagte Polizeisprecher Asi Aharoni am Donnerstag. Dem Angreifer sei es gelungen, trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen zu dem Umzug vorzudringen. Der traditionell schwarz gekleidete Mann zog nach Augenzeugenberichten plötzlich ein Messer aus der Tasche und stach wahllos auf Teilnehmer ein. Er wurde den Angaben zufolge von der Polizei überwältigt und festgenommen.

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Riss in der Nato: CSU will Patriot-Raketen aus der Türkei abziehen

Florian Hahn, CSU, Bild: csu.de
Der CSU-Militärexperte Florian Hahn fordert den Abzug der deutschen Patriot-Raketen aus der Türkei. Wegen der “Attacken gegen die Kurden” ist die CSU der Auffassung, dass Deutschland und die Türkei “immer weniger gemeinsame Ziele verfolgen”. Damit geht erstmals ein kleiner Riss durch die Nato: Diese hatte erst am Montag beschlossen, das Nato-Mitglied Türkei zu unterstützen.


Deutsch Türkische Nachrichten

Angesichts des türkischen Vorgehens gegen Kurden im Nordirak fordert der CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn einen Abzug der deutschen Bundeswehrsoldaten aus der Türkei. Es habe sich gezeigt, dass der Einsatz der Nato-Luftabwehrsysteme Patriot für den Schutz der Türkei nicht mehr notwendig sei, erklärte der sicherheitspolitische Sprecher der CSU-Landsgruppe im Bundestag am Mittwoch. Die Stationierung sei bisher ein “symbolisches Zeichen unserer Bündnistreue” gewesen, sagte Hahn. “Angesichts der aktuellen Entwicklungen müssen wir diesen Einsatz grundsätzlich überdenken.”

Die Bundeswehr hat etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze eine ihrer Patriot-Einheiten in der Türkei stationiert, um das Land vor Angriffen aus dem Nachbarland zu schützen.

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Taliban weisen Angaben zu Friedensgesprächen zurück

Kein Kommentar zum mutmaßlichen Tod von Taliban-Chef Mullah Omar


derStandard.at

Themenbild, Hinrichtung durch Taliban
Themenbild, Hinrichtung durch Taliban

Die afghanischen Taliban haben Angaben zu in Kürze bevorstehenden Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul zurückgewiesen. Die Taliban seien sich “eines solchen Prozesses” nicht bewusst, teilte die radikalislamische Gruppierung am Donnerstag auf ihrer Internetseite mit.

Es war die erste öffentliche Äußerung der Taliban, seit die afghanische Regierung am Mittwoch den Tod von Taliban-Chef Mullah Omar verkündet hatte. Zum mutmaßlichen Tod Omars äußerte sich die Gruppe nicht.

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Sürücü-Mörder arbeitete als Wachmann für Deutsche Botschaft

Unvergessen. In Berlin erinnert unter anderem ein Gedenkstein an die am 7. Februar 2005 ermordete Hatun Sürücü. – Foto: dpa
Vor zehn Jahren tötete Ayhan Sürücü seine Schwester in Berlin wegen ihres Lebensstils. Nun wurde bekannt, dass er vorübergehend als Wachmann für die Deutsche Botschaft in Istanbul arbeitete.


Von Thomas Seibert|DER TAGESSPIEGEL

Der verurteilte Mörder der 23-jährigen Hatun Sürücü hat nach seiner Haftentlassung für die deutsche Botschaft in der Türkei gearbeitet. Ayhan Sürücü, der wegen Mordes an der jungen Frau verurteilte Bruder des Opfers, tat nach seiner Haftentlassung einige Tage Dienst als Wächter in der Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Istanbul. Die Residenz im Istanbuler Stadtteil Tarabya liegt am Bosporus und wird unter anderem für Empfänge bei Staatsbesuchen genutzt.

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Die Türkei erwacht in einem Albtraum

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Die Regierung schickt Kampfflugzeuge, die PKK ermordet Soldaten, in Istanbul wächst die Angst vor Anschlägen. Der Türkei genügten wenige Tage, um Jahre des Fortschritts zunichte zu machen. Das Land hat wieder auf die 90er geschaltet, auf Gewalt, Angst und Druck.


Von Thomas Seibert|DER TAGESSPIEGEL

Ziya Sarpkaya ahnt nichts von der Gefahr, die ihm droht. Der 27-jährige türkische Soldat nutzt einen freien Vormittag für Besorgungen. Zur Bank wolle er, sagt Sarpkaya am Handy seinem Vater. Der junge Türke ist in Semdinli stationiert, einer kurdischen Stadt im Dreiländereck von Türkei, Iran und Irak im äußersten Südostanatolien.

Lange war es in Semdinli einigermaßen ruhig, doch seit dem Tod von 32 linken und kurdischen Aktivisten beim Anschlag von Suruc vergangene Woche ist nichts mehr gewiss. Mit der Ruhe ist es vorbei. Sarpkaya denkt sich trotzdem nichts dabei. Am Dienstag kurz vor Mittag geht er in Zivil zum Markt und dann zur Bank, wie ein ganz normaler Bürger in einem ganz normalen Land.

Sarpkayas Vater hört am Handy mit, wie sein Sohn am Geldautomaten mit jemandem spricht. Dann hört er einen Knall, die Verbindung bricht ab. Dieser jemand hat seinem Sohn in den Kopf geschossen. Wenig später stirbt der junge Sarpkaya im Krankenhaus.

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Fremdenfeindlichkeit: Nicht geahndeter rechter Terror

Das Haus in Remchingen (Baden-Württemberg) sollte als Flüchtlingsunterkunft dienen, bevor ein Brandanschlag darauf verübt wurde. Foto: dpa
Die Angriffe auf Flüchtlingsheime bleiben für die Täter folgenlos. Ihr Wert wird nicht hoch genug geachtet, um zum Schutz Gesetze zu verschärfen. Dabei sind die Attacken nichts anderes als: Terror.


Von Markus Decker|Frankfurter Rundschau

Nehmen wir an, in der ersten Jahreshälfte 2015 seien 200 Bankfilialen attackiert worden – und damit so viele wie im ganzen Jahr zuvor. Nehmen wir weiter an, jene, die sich schützend vor die Bankfilialen stellen, würden attackiert. Nehmen wir schließlich an, das alles geschehe mit einem Ziel: die Filialen zu schließen. Was dann los wäre? Die Parteien im Bundestag würden Sicherheitsbehörden besser ausstatten und Gesetze verschärfen wollen. Niemand würde zweifeln, dass eine Form von Terror vorliegt.

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Mullah Omar im Sommerloch gestorben?

Taliban-Führer Mullah Omar. – Foto: dpa
Der afghanische Taliban-Führer Mullah Omar soll tot sein. Dies berichtet die BBC unter Berufung auf Regierungskreise in Kabul.


DER TAGESSPIEGEL

Mullah Omar, der Führer der afghanischen Taliban, soll nicht mehr am Leben sein. Das meldet die BBC und beruft sich dabei auf Quellen in der afghanischen Regierung. Die Taliban in Afghanistan selbst haben bisher noch nicht reagiert. In der Vergangenheit ist Mullah Omar bereits mehrfach für tot erklärt worden, was sich dann als Falschmeldung herausstellte.

Islamischer Staat in Polen

Der polnische Inlandsgeheimdienst ABW soll drei Tschetschenen festgenommen haben, nachdem sie aus dem Kampfgebiet in Syrien oder dem Irak nach Polen kamen, so ein Bericht des Nachrichtensenders TVN24 vom Dienstag. Die Verdächtigen sollen von Polen aus die Kämpfer des IS-Staates zumindest logistisch und finanziell unterstützt haben.


Von Jens Mattern|TELEPOLIS

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Die Verhaftung habe schon im Frühjahr stattgefunden. Insgesamt würden derzeit von dem Dienst 200 Personen wegen Verdacht auf Verbindung mit dem IS observiert. Die meisten von ihnen sind Tschetschenen, aber einige polnische Konvertiten. Ein Zentrum der IS-Aktivitäten soll die ostpolnische Stadt Bialystok sein, dort sollen Tschetschenen versucht haben, für eine Mitarbeit des Islamischen Staats zu werben. “Ist Polen etwa auch ein Ziel terroristischer Anschläge?”, fragte ein TVN24-Journalist den Terror-Exporten Grzeogorz Cieslak. Dieser konnte nicht für Entwarnung sorgen – das Land gebe durch die enge Partnerschaft mit den USA und die Nato-Mitgliedschaft durchaus ein Ziel ab. Zudem wären die ersten Ziele islamischer Terroristen, die USA, Israel und Großbritannien, in ihren Grenzen besser geschützt.

Marek Biernacki, Minister für Geheimdienstkoordination, versuchte hingegen die Gemüter zu beruhigen, die Wahrscheinlichkeit für einen terroristischen Anschlag in Polen sei gering.

An der Weichsel leben kaum Muslime, Schätzungen belaufen sich auf bis zu 25.000 Personen. Dabei hat der Islam in dem sonst katholischen Polen durchaus Tradition – eine Minderheit der Tartaren siedelt seit dem 16. Jahrhundert im östlichen Teil des Landes.

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