Archiv der Kategorie: Radikalismus

„Übelste Menschenverachtung“: Jüdische Ausstellung geschändet: Unbekannte brennen Hitler-Bärte auf Fotos

Unbekannte haben im Jüdischen Zentrum in München eine Ausstellung geschändet: Sie brannten Hitler-Bärte in Fotos von hochrangigen Staatsvertretern und Rabbinern ein. Vermutlich benutzten sie dazu Zigaretten. Das Dezernat für Staatsschutzdelikte ermittelt.


FOCUS ONLINE

Die neue Hauptsynagoge am St.-Jakobs-Platz in München; rechts im Hintergrund das Jüdische Museum. Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/Maximilian Dörrbecker

Mit eingebrannten Hitler-Bärten haben Unbekannte Bilder deutscher Staatsvertreter und hochrangiger Rabbiner in einer Ausstellung vor dem Jüdischen Zentrum in München geschändet. An einigen der öffentlich zugänglichen großflächigen Fotos wurden den Abgebildeten, unter ihnen Alt-Bundespräsident Horst Köhler, vermutlich mit einer Zigarette Löcher ins Gesicht gesengt – an den Augen oder an der Oberlippe, so dass die Brandstellen wie ein Hitler-Bart aussehen. Der Tat sei am Montagmorgen entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Das Dezernat für Staatsschutzdelikte ermittle.

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Midazolam: Wir foltern euch zu Tode

Todeskandidaten im US-Bundesstaat Oklahoma hatten geklagt: Sie wollten verhindern, dass bei Hinrichtungen weiterhin das umstrittene Beruhigungsmittel Midazolam eingesetzt wird. Jetzt scheiterten sie vor dem höchsten US-Gericht.


SpON

midazolam

Das höchste US-Gericht erlaubt weiterhin den Einsatz eines umstrittenen Beruhigungsmittels bei Hinrichtungen. Der Gebrauch des Medikaments Midazolam, das die Verurteilten vor der tödlichen Giftzufuhr zunächst betäuben soll, verstoße nicht gegen die Verfassung, die Grausamkeiten und das Zufügen starker Schmerzen untersagt.

In der am Montag verkündeten Entscheidung erklärten die fünf konservativen Richter am Supreme Court, dass die verwendete Giftmischung für die klagenden Todeskandidaten kein “substanzielles Risiko schwerer Schmerzen” darstelle. Die vier linksliberalen Richter konnten sich mit ihren Bedenken nicht durchsetzen.

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Ägyptens Generalstaatsanwalt stirbt bei Anschlag

Mindestens fünf Polizisten und ein Zivilist wurden laut Staatsfernsehen bei dem Anschlag verletzt © Khaled Desouki/AFP
Nahe des Autos von Ägyptens Generalstaatsanwalt Hischam Barakat ist eine Bombe detoniert. Laut Staatsfernsehen ist Barakat seinen Verletzungen erlegen. Es wird vermutet, dass der Anschlag eine Verbindung zur verbotenen Muslimbruderschaft hat.


stern.de

Der ägyptische Generalstaatsanwalt ist bei einem Anschlag getötet worden. Wie das Staatsfernsehen berichtete, starb Hischam Barakat am Montag an inneren Blutungen, nachdem am Morgen eine Bombe in der Nähe seines Autos im Norden Kairos explodiert war.

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Das nächste große Schlachtfeld ist Europa

Foto: Infografik Die Welt
Vor einem Jahr rief der IS sein Kalifat aus. Jetzt bereiten die islamistischen Terroristen eine neue Strategie vor. Systematisch schleusen sie Kämpfer über Flüchtlingsrouten in die EU.


Von Alfred Hackensberger|DIE WELT

Lorenz Berger ist immer noch fahl im Gesicht. Die Woche in Gefangenschaft der Terrormiliz “Islamischer Staat” hat Spuren hinterlassen. Sein Rücken schmerzt von den Gewehr- und Stockschlägen, die er für das Kruzifix an seiner Halskette bezog. Das verseuchte Wasser, das er trinken musste, verursacht ihm immer noch Magenkrämpfe. Berger heißt in Wirklichkeit anders, und mit Extrembedingungen kann er umgehen. Er war mal Soldat und ist schon länger im Nahen Osten unterwegs, für wechselnde europäische Geheimdienste, als freischaffender Agent sozusagen.

Doch in jenen Tagen in Nordsyrien glaubte er nicht, dass er noch einmal lebend davonkommen würde. Dann fielen die Bomben der Luftwaffe von Diktator Assad. Unter Bergers Peinigern brach Panik aus. Als einer von ihnen tot in der Ecke lag, griff Berger sich dessen Gewehr, stürmte los und schoss sich den Weg frei. “Ich sehe noch die Überraschung in den Augen der Männer”, erinnert er sich. “Aber als sie mich bemerkten, war es schon zu spät für sie.”

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Zeman: “Flüchtlinge erleichtern Expansion des IS”

Der tschechische Präsident sieht in den Migrationsströmen ein “Sicherheitsrisiko” und wirft dem Westen “Feigheit” und “Dummheit” vor.


Die Presse

Der tschechische Präsident Milos Zeman hat vor den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika als Sicherheitsrisiko gewarnt. Durch die Aufnahme von Flüchtlingen werde die Expansion des “Islamischen Staates” (IS) nach Europa erleichtert, erklärte Zeman gegenüber dem Nachrichtenportal “Parlamentnilisty.cz”. Gleichzeitig warf er dem Westen eine “Appeasement-Politik” gegenüber dem IS vor.

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Tod eines Punks

  • Vor 15 Jahren starb in Eberswalde der Punk Falko Lüdtke – sein Tod wird von den Forschern als eindeutig politisch motiviert bewertet.
  • Es gibt eine große Diskrepanz zwischen offizieller Statistik von Todesopfern rechtsextremer Gewalt und Recherchen von Journalisten und Stiftungen.
  • Als erstes Bundesland hat Brandenburg eine externe Forschungsstelle damit beauftragt, Altfälle zu überprüfen: Die Forscher kommen in neun Fällen zu dem Ergebnis, dass die Taten politisch motiviert waren.


Von Antonie Rietzschel|Süddeutsche.de

Mike B. trug ein Hakenkreuz am Hinterkopf. Der Punk Falko Lüdtke sprach ihn darauf an – das war sein Todesurteil. (Foto: Illustration: Yinfinity)

Der Taxifahrer kann nicht mehr bremsen. Der Körper von Falko Lüdtke knallt gegen die Motorhaube des Autos, zerschlägt die Windschutzscheibe, wird hochgeschleudert und bleibt leblos auf der Straße liegen. Zwei Stunden später stirbt Falko Lüdtke im Krankenhaus an einem Lungenriss. Was am 30. Mai 2000 an der Bushaltestelle Spechthausenerstraße in der brandenburgischen Stadt Eberswalde geschah, war jedoch kein einfacher Verkehrsunfall.

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Massaker in Tunesien: Wieso hielt niemand den Attentäter auf?

Bild: @SkyNews/Twitter
Bild: @SkyNews/Twitter
Ein junger Mann in Shirt und Shorts schlendert einen belebten Strand entlang – ein Maschinengewehr in der Hand. Das Foto entstand Momente, bevor der Student Seifeddine Rezgui Yacoubi (23) mit der Waffe 39 Menschen niedermäht, offenbar gezielt Europäer.


Von Stephanie Lamprecht|Berliner Kurier

Britische Touristen berichten, dass der Attentäter übers Meer kam. Er soll mit einem Jet-Ski an den Strand gefahren sein, sich kurz im Meer gewaschen und sich einen Moment auf einer Sonnenliege ausgeruht haben. Dann habe er die Waffe aus einem eingeklappten Sonnenschirm gezogen und sei ruhig am Strand entlanggewandert, bevor er das Feuer auf die Urlauber eröffnete.

Junge Tunesier schrien ihren Landsmann verzweifelt an, lieber sie zu erschießen, statt der Touristen. Seine Antwort sei gewesen: „Ich will euch nicht erschießen.“ Augenzeugen berichten, wie sie sich tot stellten, um ihr Leben zu retten. Während viele Opfer am Strand verbluteten, ging Yacoubi in das Hotel „Imperial Marhaba“, tötete weitere Menschen, kehrte an den Strand zurück.

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Keine Einsicht in Bundeswehrakte von Uwe Mundlos für Springer-Verlag

Das Verwaltungsgericht Köln – von Raymond – Raimond Spekking (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons
Die Bundeswehrakten des toten NSU-Mitglieds Uwe Mundlos sind nach Auffassung des Verwaltungsgerichts Köln Verschlussache. Ihre Veröffentlichung könne sich negativ auf „sicherheitsempfindliche Belange“ Deutschlands auswirken.


MiGAZIN

Der Axel-Springer-Verlag erhält keine Einsicht in die Bundeswehrakten des toten NSU-Mitglieds Uwe Mundlos. Das Verwaltungsgericht Köln entschied in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil, dass das Bundesverteidigungsministerium die Akten des früheren Soldaten nicht herausgeben muss. (AZ: 13 K 3809/13)

Mundlos, der Mitglied der Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) war und 2011 starb, leistete von April 1994 bis März 1995 im thüringischen Bad Frankenhausen seinen Wehrdienst ab. Bereits dort soll er wegen seiner rechtsextremen Einstellung aufgefallen sein.

Der Berliner Springer-Verlag hatte nach Gerichtsangaben bereits im Herbst 2012 beim Verteidigungsministerium Einsicht in die Akten beantragt und sich auf das Informationsfreiheitsgesetz berufen. Das Ministerium lehnte dies ab und verwies darauf, dass es sich um Personalakten und Dokumente des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) handele, die vom Informationsfreiheitsgesetz ausgenommen seien.

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Ägypten und Deutschland: alternativloses “business as usual”?

Ein Rekordauftrag für die Firma Siemens und warum es sich die deutsche Regierung leisten könnte, die Machthaber deutlicher auf ihre Repressionspolitik anzusprechen


Von Martin Hoffmann|TELEPOLIS

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB
Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Die Normalisierung der Beziehungen mit dem autoritären ägyptischen Regime unter Ex-General Al-Sisi ist nicht so alternativlos, wie sie in Deutschland bisweilen dargestellt wird. Die ägyptische Regierung kann sich nicht langfristig darauf verlassen, von den Golfstaaten finanziert zu werden. Sie ist letztendlich auch auf Investitionen und Know-How aus Deutschland und Europa angewiesen.

Rückblickend betrachtet war der Weg zum roten Teppich, der dem ägyptischen Staatspräsident Al-Sisi bei seinem Staatsbesuch in Berlin Anfang Juni ausgerollt wurde, ziemlich kurz. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel war bereits im März in Sharm-Al-Sheikh zu Besuch, wo die ägyptische Regierung durch eine Investorenkonferenz versuchte, das angeschlagene Image des Landes als Investitionsziel zu verbessern.

Im Mai folgte ihm Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der in Kairo nicht nur Präsident Al-Sisi traf, sondern auch den Großscheich der traditionsreichen Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyib. Im Zentrum der Gespräche während des Staatsbesuchs soll vor allem die Terrorismusbekämpfung gestanden haben. Die Signale der Bundesregierung, die autoritäre ägyptische Regierung wie vor den arabischen Umstürzen wieder primär als Partner im Kampf gegen den Terrorismus und nicht als anti-demokratischen Dorn im Auge zu sehen, waren eindeutig.

Bis dato galt als deutsche Bedingung für einen möglichen Staatsbesuch Al-Sisis in Berlin jedoch noch das Abhalten von Parlamentswahlen, die ursprünglich für den März diesen Jahres angesetzt waren. Letztlich ließ die Bundesregierung auch diese Forderung fallen und rollte dem autoritär herrschenden Ex-General ohne Bedingungen den roten Teppich aus.

Wie kam es dazu? Manche Beobachter gehen davon aus, dass abgesehen von den klaren Koordinaten, die Al-Sisi angesichts des Chaos in der Region einer verunsicherten deutschen und europäischen Nahost-Politik anbieten kann, auch ein sehr handfestes Angebot von ägyptischer Seite den Ausschlag gab.

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Der Hetzer aus dem Sauerland

In der radikalen Salafisten-Szene ist er ein Star: Hasan Keskin verteufelt den Staat, propagiert den Dschihad und folgte Befehlen deutscher Terroristen. Bisher nicht er nicht zu stoppen


Von Axel Spilker|FOCUS ONLINE

KoranHasan Keskin, 30, folgt einer Mission: „Wahre Muslime“ bekriegen „Ungläubige“. Unterlegt mit Maschinengewehrsalven, droht der radikal-islamische Salafist aus dem sauerländischen Hemer im Internet Andersdenkenden mit dem ewigen „Höllenfeuer“. Einmal in Fahrt, fordert der Deutschtürke gar die Todesstrafe für all jene Muslime, die nicht beten.

Die kruden Tiraden stammen von einem Mann, den die Staatsschützer als eine Schlüsselfigur in der gewaltbereiten Islamistenszene ansehen. Keskin alias Abu Ibrahim gilt nach FOCUS-Informationen als hiesiger Statthalter führender deutschsprachiger Kämpfer der Terrormilizen Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak. Laut Bundesinnenministerium infiziert er junge Leute mit radikalem Gedankengut und setzt Dschihad-Propaganda seiner Anführer aus Syrien ins Internet. „Er ist die Spinne im Netz“, meint ein Staatsschützer. Bisher aber ist er nicht zu stoppen.

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White supremacist who inspired Dylann Roof calls Charleston ‘a preview of coming attractions’

Harold Covington (YouTube)
Dylann Roof refers to Harold Covington’s white separatist group, the Northwest Front, in his alleged manifesto. The rightwing sci-fi writer distances himself from the shooting, but his followers speculate if his work influenced Roof’s actions.


By Sam Thielman|The Guardian|RawStory

One of the shadowy figures who appears to have influenced alleged Charleston killer Dylann Roof is Harold Covington, the founder of a white separatist movement and, within supremacist circles, an influential sci-fi author. Covington, the latest in a long line of rightwing sci-fi writers, has been linked to racist crimes in the past and this week called the massacre “a preview of coming attractions”.

The racist manifesto and photos apparently posted by Roof makes mention of the Northwest Front, created by Covington, a former member of the American Nazi party who traveled to South Africa and Rhodesia in order to agitate for white power. In the accompanying photos, Roof wore patches with Rhodesian and apartheid-era South African flags on them.

Covington, if you believe his website, runs a growing enclave of white supremacists near Seattle called the Northwest Front. The non-profit group is reflected in a series of sci-fi novels, authored by Covington, about a dystopian future in which a white nation is the only answer to US economic and racial woes.

American science fiction has long had a rightward tilt, from the contemporary strain of small-press sci-fi Tea Party fantasias swarming the Hugo Awards nominations all the way back to libertarian deity Ayn Rand. But Covington’s novels are a breed apart.

His followers see conspiracy in Covington’s connections to Roof. “And why did this young man have a flight jacket with flag patches from the old White ruled southern African countries, which is where HAC spent part of his early days in the Cause, hmmm,” wrote a commenter called Wingnut under a recent podcast on the Northwest website. “Wonder if they’ll ‘find’ a pile of NF-HAC stuff in this young man’s home? Then they can pull one of those ‘the devil made me do it’ numbers on HAC.”

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Wir befinden uns im Weltkrieg gegen den Terror

Deutsche Spezialkräfte üben in Frankfurt a.M. einen Einsatz gegen Terroristen Foto: dpa
Überall auf der Welt erhebt der Terrorismus sein Haupt. Der Westen kann noch so viel Geheimdienste, Überwachungsagenturen und Soldaten gegen ihn einsetzen. Ihn besiegen können nur die Muslime selbst.


Von Stefan Aust|DIE WELT

Ermordete Urlauber in Tunesien, ein abgetrennter, aufgespießter Kopf in Frankreich, die Serie der abscheulichen Mordtaten im Namen Allahs des Allmächtigen hört nicht auf. Im Fastenmonat Ramadan soll der Welt gezeigt werden, wozu man fähig ist. Keine Frage: Dieses ist ein Krieg, ein “asymmetrischer” sicherlich, aber ein Weltkrieg.

Die Front verläuft überall, wo selbst ernannte Gotteskrieger ihre weniger fanatischen Glaubensbrüder und “Ungläubige” aller Herren Länder und Religionen massakrieren. Der Rest der Welt reagiert vor allem – hilflos. Wie will man auch mit Hochtechnologie, modernster Waffentechnik oder gar Abhörmaßnahmen (unter anderem gegen die Staatschefs verbündeter Länder) gegen diese Mischung aus brutalstem Mittelalter und digitalem Neuland vorgehen.

Der islamische Staat ist überall, ob er sich nun als al-Quaida oder IS ausgibt, und dahinter steckt nicht nur religiöses Sendungsbewusstsein, sondern auch eine knallharte Machtstrategie.

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“Deutsche werden ‘verheizt’ für Selbstmordanschläge”

Video, das angeblich deutsche Mudschahedin beim Schießtrainig in Afghanistan zeigt. (Elifmedya/dpa)
Wieder ein Terroranschlag in Frankreich – die Gründe dafür seien vielfältig, sagte der Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik im DLF. Einer sei die Einwanderungspolitik. Diese sei nicht so gelungen wie in Deutschland. Zwar gebe es auch deutsche Islamisten, doch die führten ihren Kampf noch in der islamischen Welt – wo dieser auch vor allem tobe, sagte der Sicherheitsexperte.


Markus Kaim im Gespräch mit Jürgen Zurheide|Deutschlandfunk

Reinhard Bieck: Markus Kaim leitet die Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Herr Kaim, drei Anschläge innerhalb weniger Stunden. Aber spricht nicht doch eher vieles dafür, dass es sich, was Datum und Zeitpunkt angeht, eher um einen Zufall handelt?

Markus Kaim: Ehrlich gesagt, ich glaube, die Ermittler und die breitere Öffentlichkeit wissen es im Moment schlicht und einfach nicht. Dafür spricht, dass es einfach statistisch hochgradig unwahrscheinlich ist, dass drei Anschläge dieser Art, dieser Größenordnung genau an einem Tag oder innerhalb von wenigen Stunden stattfinden. Dagegen spricht auch die unterschiedliche Ausrichtung dieser Anschläge. Wir haben in Tunesien einen Anschlag, der sich gegen die touristische Infrastruktur und damit gegen die ökonomische Basis der Regierung richtet und damit letztlich gegen den gesamten Transformationsprozess des Landes im Kontext des Arabischen Frühlings. Wir haben einen Anschlag in Frankreich, der eher die Handschrift trägt einer Einzelperson, der sich über Wege, die noch herauszufinden sind, selber radikalisiert hat, der vergleichsweise auch schlecht vorbereitet war. Und wir haben einen Anschlag in Kuwait, in dem sich die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten, also die wichtigste Bruchlinie innerhalb der islamischen Welt, manifestiert. Also drei Anschläge, die doch sehr unterschiedlich gelagert sind. Jetzt muss man einfach die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten.

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Warum Medien über den Terror berichten

Möchten gerne wissen, wo und wann genau Anschläge stattgefunden haben und ob mit weiteren zu rechnen ist – und zwar bevor die Behörden sie darüber informieren: Urlauber in Tunesien. (Foto: dpa)
Machen sich Journalisten zu Handlangern des internationalen Terrors, indem sie groß über die Anschläge berichten? Dieser Vorwurf fällt immer wieder – vor allem aber von Leuten, die jede Meldung begierig lesen.


Von Ruth Schneeberger|Süddeutsche.de

Terroristen brauchen Öffentlichkeit. Im stillen Kämmerlein Touristen, Journalisten, “Ungläubige” zu enthaupten oder zu erschießen, bringt kaum den gewünschten Effekt, der da lautet: weltweit Angst und Schrecken zu verbreiten, um die eigene Macht zu vergrößern und weitere Anhänger zu gewinnen. Ohne Berichterstattung kein – falscher – Ruhm, ohne ständige Liveticker zu jedem neuen Attentat wäre zumindest weniger Stilisierung zu Helden innerhalb der Terroristen-Szene möglich. Je mehr Berichterstattung über terroristische Anschläge stattfindet, desto mächtiger werden die Täter und Strippenzieher. Meinen sie.

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Erdoğan: Werden keinen Kurdenstaat im Norden Syriens erlauben

Die Türkei wird nach den Worten von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan keinen eigenen Kurdenstaat an ihrer Südgrenze dulden. Bei diesem Thema werde der Kampf um jeden Preis fortgesetzt. Man werde nicht dabei zusehen, wie die Demographie in der Region verändert werde.


Deutsch Türkische Nachrichten

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)
Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)

«Wir werden die Gründung eines Staates im Norden Syriens, im Süden von uns, niemals erlauben», sagte Erdoğan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Freitagabend in Istanbul. «Bei diesem Thema werden wir unseren Kampf um jeden Preis fortsetzen.»

Erdoğan fügte hinzu: «Wir werden nicht dabei zusehen, wie die Demographie in der Region verändert wird.» Vorwürfe, die Türkei unterstütze die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wies er erneut zurück.

Im Norden Syriens sind kurdische Volksschutzeinheiten (YPG) im Kampf gegen den IS auf dem Vormarsch. Inzwischen kontrollieren die Kurden weite Teile der Grenze zur Türkei. Die YPG ist eng mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden und wird von der Türkei verdächtigt, Turkmenen und Araber aus deren Siedlungsgebieten zu vertreiben.

Ankara befürchtet zudem, die Kurden könnten im Norden Syriens einen eigenen Staat ausrufen und damit Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befördern.

Neues Flüchtlingsheim in Meißen brennt

Im sächsischen Meißen hat in der Nacht zu Sonntag eine geplante Flüchtlingsunterkunft gebrannt. – Foto: Roland Halkasch
In Meißen hat in der Nacht zum Sonntag eine noch unbewohnte Asylunterkunft gebrannt. Am Vorabend hatten sich Neonazis in der Stadt zusammengerottet.


Von Matthias Meisner|DER TAGESSPIEGEL

In einem vor der Eröffnung stehenden Flüchtlingsheim in Sachsen hat es in der Nacht zum Sonntag gebrannt. Die Polizei bestätigte auf Anfrage von MDR Sachsen, dass das Feuer kurz nach Mitternacht in dem Gebäude auf der Rauhentalstraße ausbrach. Bei der Ankunft der Feuerwehr brannte es in einem Raum in der ersten Etage. Die Feuerwehr konnte den Brand zügig löschen. Dennoch brannte das Zimmer vollständig aus.

Am Vorabend hatten sich etwa zwei Dutzend Neonazis in der Stadt an der Elbe zusammengerottet. Sie versammelten sich zu einer Demonstration auf einer Eisenbahnbrücke, um gegen eine angebliche Gefährdung durch steigende Ausländerkriminalität zu protestieren. Die Aktion wurde von der unter dem Einfluss von Rechtsextremisten stehenden Organisation “Initiative Heimatschutz” gestartet.

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Judenhasser auf dem Bischofssitz

Terrortruppe: Mit fast 250.000 Mitgliedern war die Eiserne Garde die drittgrößte faschistische Bewegung in Europa, neben der deutschen NSDAP und der Nationalen Faschistischen Partei in Italien. Hier sind Angehörige der gewaltbereiten Organisation 1936 in Bukarest mit Hakenkreuzsymbolen zu sehen. ©AP
Terrortruppe: Mit fast 250.000 Mitgliedern war die Eiserne Garde die drittgrößte faschistische Bewegung in Europa, neben der deutschen NSDAP und der Nationalen Faschistischen Partei in Italien. Hier sind Angehörige der gewaltbereiten Organisation 1936 in Bukarest mit Hakenkreuzsymbolen zu sehen. ©AP
Im faschistischen Rumänien hetzte Viorel Trifa gegen Juden. In den USA machte er später eine steile Karriere in der Kirche – protegiert von J. Edgar Hoover. Bis seine dunkle Vergangenheit endgültig zum Vorschein kam.


Von Gerhard Köpernik|SpON EINESTAGES

“Es lebe Deutschland! Sieg Heil!”, brüllten etwa 10.000 Mitglieder der faschistischen “Eisernen Garde”, als sie am 20. Januar 1941 auf einem Protestmarsch an der deutschen Botschaft in Bukarest vorbeizogen. Ihr Zorn richtete sich gegen den rumänischen Staatsführer Ion Antonescu, der seinen von den Faschisten gestützten Innenminister wegen Unfähigkeit entlassen hatte. Am Tag zuvor war der deutsche Major Döring, Chef der Transportabteilung der deutschen Heeresmission in Bukarest, nahe seinem Dienstort erschossen worden.

Die “Eiserne Garde”, auch Legion genannt, bildete seit September 1940 mit Antonescu die Regierung, war aber bereits seit Wochen mit ihm zerstritten. Bei den Kundgebungen tat sich vor allem der Führer des Studentenverbandes der Legion, der Theologiestudent Viorel Trifa, hervor. Die Demonstranten verteilten von Trifa unterschriebene Flugblätter. “Wir verlangen, dass das freimaurerische und verjudete Personal in der Regierung durch anderes ersetzt wird”, war darauf zu lesen. “Wir verlangen eine legionäre Regierung.”

Am 21. Januar begannen Schießereien zwischen Gardisten, die öffentliche Gebäude besetzt hielten, und Armeeangehörigen. Es kam zu Plünderungen jüdischer Geschäfte, etwa 120 Juden wurden bestialisch ermordet. Zwei Tage später ergaben sich die aufständischen Legionäre.

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Leider eine ganze normale Stadt in Sachsen

Freital ist ein schöner Ort für Flüchtlinge. Zumindest an diesem Freitagnachmittag auf dem Vorplatz des ehemaligen Hotels Leonardo. “Wenn ich mir das schon einmal anschaue, kann ich ja auch gleich eine Kiste Klamotten mitbringen”, sagt Juliane, die “gleich da oben” wohnt. Neben ihr fallen sechs Kinder schreiend über drei Teddys her. Schon wieder hat jemand eine Kiste vorbeigebracht. Fast könnte man den Umgang der Freitaler mit ihren Flüchtlingen zum Vorbild für Sachsen erklären. Wären die, die da kaum 50 Meter entfernt gegen “Asylanten” skandieren, nicht auch Freitaler.


Von Fabian Köhler|TELEPOLIS

Blick auf Freital. Ausschnitt aus einem Panoramabild. Foto: Kolossos/CC BY-SA 3.0

Und würden unten beim Baummarkt-Parkplatz nicht 20 Mannschaftswagen voll mit sächsischen Bereitschaftspolizisten warten, wegen der anderen Art und Weise, auf die Freitaler in den letzten Wochen ihre Flüchtlinge willkommen hießen. Als Menschen, die in Freital Schutz suchten, die Faust von Freitaler Neonazis fanden. Als sie täglich vor der Flüchtlingsunterkunft gegen ihre neuen Nachbarn protestierten. Als Flaschen und Böller flogen. Als 24 Jahre nach Hoyerswerda angereiste linke Aktivisten den Job der Polizei übernehmen mussten.

Aber von all dem ist am Freitagnachmittag noch kaum etwas zu spüren. Federball. Umarmungen. Straßenmalkreide. Alles wirkt wie ein kleines Straßenfest unter neuen Nachbarn und nicht wie die Vorbereitungen zu einer Kundgebung, die vor allem dem Zweck dient, die neuen vor den alten Nachbarn zu schützen.

“Die Leute werden indoktriniert”

“Freital hat kein Flüchtlingsproblem. Die Flüchtlinge haben ein Freital-Problem”, sagt der 16-jährige Nico. Er und seine 15-jährige Freundin Laura organisieren im lokalen Aktionsbündnis den Protest. “Den meisten Freitalern ist es egal”, sagt Nico. “Das kotzt mich richtig an”, sagt Laura und meint, dass schon Grundschulkinder in Freital “über die bösen Flüchtlinge” redeten. Auch sie seien diese Woche schon mit Flaschen beworfen worden. “Die können sich nicht vorstellen, warum wir das machen, die halten uns alle für indoktriniert”, sagt Laura.

“Die Leute werden indoktriniert”, sagt einer mit einer Fahne aus den deutschen und russischen Farben in der Hand. Rund 70 Meter, zwei Reihen Mannschaftswagen und rund ein Dutzend Bereitschaftspolizisten trennen ihn von der Flüchtlingsunterkunft. “Wir sind ein stolzes Volk, das sich nicht spalten lassen darf. Eigentlich müssten wir alle gemeinsam vor das Rathaus marschieren”, sagt der junge Mann, der seinen Namen nicht verraten will. Gegen Flüchtlinge habe er nichts, “aber dagegen, dass Deutschland immer noch ein Vasall der USA ist.”

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Erdoğan fordert von Militärs Einmarsch in Syrien

Nach türkischen Medienberichten fordert der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan und Ahmet Davutoğlu von den türkischen Streitkräften, unverzüglich in Syrien einzumarschieren. Doch die Generäle und die Bürokraten des Außenministeriums sind gegen diesen Plan. Stattdessen weisen sie darauf hin, dass ein schriftlicher Befehl des Premiers nötig sei. Doch die Türkei hat aktuell keinen Premier. Das Land schlittert in eine Staatskrise.


Deutsch Türkische Nachrichten

erdogan-sultan

Nach türkischen Medienberichten könnte sich die Türkei bald auf einen Einmarsch in Syrien vorbereiten. Bei der letzten Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in der vergangenen Woche sollen der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan und Ahmet Davutoğlu ausdrücklich für diese Option eingesetzt haben. Ein möglicher Einmarsch soll über die syrische Stadt Dscharabulus erfolgen.

Doch die Bürokraten des Außenministeriums kritisierten den Vorschlag. Das brachte die Zeitung Yeniçağ in Erfahrung. Die Vertreter der türkischen Streitkräfte wiesen darauf hin, dass sich die Türkei in einer kritischen Phase befinde. Die Voraussetzung für derartige Aktionen sei die Gründung einer Regierungskoalition. Anschließend müsste die Einmarsch-Option im Parlament ausdiskutiert werden. Den Einmarsch-Befehl dürfe nur der neue Premier geben, so die Militärs.

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Berlin-Plänterwald: Hakenkreuze an Flüchtlingsheim geschmiert

An die Fassade einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Plänterwald wurden Hakenkreuze geschmiert. Foto: imago stock&people
Unbekannte haben Hakenkreuze an die Fassade einer Berliner Flüchtlingsunterkunft geschmiert. Jetzt ermittelt der polizeiliche Staatsschutz.


Berliner Zeitung

Unbekannte haben Hakenkreuze an die Fassade einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Plänterwald geschmiert. Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes bemerkten in der Nacht zum Samstag die mit schwarzer Farbe aufgetragenen Symbole an dem Gebäude in der Köpenicker Landstraße, teilte die Polizei mit. Nun ermittelt der polizeiliche Staatsschutz.