Archiv der Kategorie: Radikalismus

Holocaust: „Marsch der Lebenden“ zum Gedenken an Opfer

Bild: REUTERS
Tausende junge Juden aus Israel und vielen anderen Ländern haben in Auschwitz der sechs Millionen Opfer des Holocaust gedacht.

Die Presse.com

Sirenen in Israel, „Marsch der Lebenden in Polen“: Am israelischen Gedenktag für die Opfer des Holocaust wurde nicht nur an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden erinnert, sondern auch zu Wachsamkeit in der Gegenwart aufgerufen.

Mit dem „Marsch der Lebenden“ haben Tausende junge Juden aus Israel und vielen anderen Ländern in Oswiecim (Auschwitz) der sechs Millionen Opfer des Holocaust gedacht. An der Spitze des Zuges ging am Donnerstag der Auschwitz-Überlebende Edward Mosberg. Er war mit seiner Enkelin aus Israel gekommen, um an seine in Auschwitz ermordete Familie zu erinnern.

weiterlesen

Israelische Justizminsterin: „Es wurden nur wenige Deutsche zur Verantwortung gezogen“

Propaganda der "Deutschen Christen" in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Israels Justizministerin Ajelet Schaked ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Politikerin der Siedlerpartei kritisiert den fahrlässigen Umgang Deutschlands mit der Vergangenheit.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Die Welt: Sie haben soeben auf einer Konferenz der Schoah-Gedenkorganisation „Marsch der Lebenden“ in Krakau gesprochen. Anlass war der 80. Jahrestag der Nürnberger Rassengesetze und der 70. Jahrestag der Nürnberger Prozesse. In Ihrer Rede sagten Sie, dass Sie täglich an Auschwitz denken. Welche persönliche Lehre ziehen Sie aus der Schoah?

Ajelet Schaked: Ich würde von zwei hauptsächlichen Lehren sprechen: Erstens, dass wir uns immer um uns selber kümmern müssen. Die Schoah ereignete sich in Deutschland, dem fortschrittlichsten und modernsten Land seiner Zeit. Wenn es dort geschah, kann es überall geschehen. Die Alliierten schauten dabei tatenlos zu. Warum haben sie 1944 nicht Auschwitz bombardiert? Weder das Lager noch die Gleise, die dorthin führten? Das beweist doch nur, dass wir als jüdischer Staat stets stark genug sein müssen, um uns selber zu verteidigen, weil Israel niemand anders schützen wird.

weiterlesen

NSU-Ermittlungen: Schützt das Bundeskriminalamt Ralf Wohlleben?

Ralf Wohlleben. Foto: AAG. Lizenz: CC BY-SA 2.0
Ralf Wohlleben. Foto: AAG. Lizenz: CC BY-SA 2.0
Wird seit dem 4. November 2011 wirklich gründlich ermittelt? Gerade ein halbes Dutzend Mal hat der Untersuchungsausschuss des Bundestages bisher getagt – und immer lückenhafter erscheinen die Ermittlungen nach dem Ende des NSU-Trios. Gleichzeitig wird immer offensichtlicher, wie Behörden auch aktuell gegenüber dem Parlamentsgremium mauern. Jüngst ist ein Verdacht aufgekommen: Wird Ralf Wohlleben von Amtswegen geschützt?

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Zunächst nach München. Wohlleben ist nach Beate Zschäpe der wichtigste Angeklagte im Prozess über die NSU-Verbrechen vor dem Oberlandesgericht. Beide sind bis heute in U-Haft, während die drei anderen Angeklagten André Eminger, Holger Gerlach und Carsten Schultze sich frei bewegen können. Wohlleben wird vorgeworfen, die Ceska-Pistole beschafft zu haben, mit der neun Menschen erschossen wurden. Wie Zschäpe hat auch Wohlleben im Dezember 2015 nach zweieinhalb Jahren sein Schweigen gebrochen.

Er räumte ein, eine Waffe in der Hand gehabt zu haben, die von Schultze zu den drei Untergetauchten Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe gebracht wurde. Er bestreitet aber, der Beschaffer zu sein. Im Gegensatz zu Zschäpe, die ihre Einlassung von ihrem Anwalt vortragen ließ, äußerte sich Wohlleben persönlich und stand im Januar 2016 dem Gericht auch Rede und Antwort. Er wollte damit demonstrieren, dass er kooperiere und nichts zu verbergen habe.

Rechner bislang nicht entschlüsselt

Eine Anwältin der Nebenklage forderte ihn auf, den Schlüssel zu seinen Rechnern preiszugeben, damit diese ausgelesen werden könnten. Wohlleben lehnte das mit der Begründung ab, auf seinen Rechnern befänden sich private Fotos seiner Familie. Er wolle nicht, dass die an die Medien gelangten, wie schon einmal passiert.

Was man dadurch nebenbei erfuhr: Die Rechner von Wohlleben sind offensichtlich bisher vom BKA nicht entschlüsselt worden. Deshalb werden nun Vorgänge interessant, die das BKA selber in den Fokus setzen und die erst vor kurzem bekannt wurden, in den NSU-Untersuchungsausschüssen von Thüringen und des Bundestages.

weiterlesen

Terroristen als Märtyrer?

© dpa Im Februar gedachten in Kopenhagen hunderte Menschen der Terroropfer, die bei einem Anschlag auf die Synagoge und das Kulturhaus „Krudttonden“ ums Leben kamen. Jetzt will eine Ausstellung die Täter als „Märtyrer“ zeigen.
Islamisten, die das Leben unschuldiger Menschen auf dem Gewissen haben, sollen in Kopenhagen als „Märtyrer“ erscheinen. So lautet der Plan für eine Ausstellung, die mit dem Terror spielt. Kritiker sprechen von „Wahnwitz“.

Von Matthias Hannemann | Frankfurter Allgemeine

Ob das jemand braucht? Eine „Märtyrer“-Ausstellung, die sich mit islamistischen Terroristen befasst? Die Täter, die Verantwortung für den Tod vieler Menschen tragen, in ihrem Selbstbild präsentiert? So plant es jedenfalls Christian Lollike in Kopenhagen – derselbe Mann, der 2012 schon das Manifest des norwegischen Rechtsterroristen Anders Behring Breivik inszeniert hat. Gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv „The other eye of the tiger“ will Lollikes Theater „Sort/Hvid“ untersuchen, „weshalb einige Menschen für das, woran sie glauben, in den Tod gehen“.

weiterlesen

Türkei: Erdoğan weitet seine Majestätszone aus

erdogan-sultan

Lange Jahre war er der Herrscher über seine Türken, im Westen bewundert oder belächelt, aber jetzt scheint niemand mehr vor Tayyip Erdoğan sicher. Nicht die Genfer Stadtverwaltung, Jan Böhmermann, die Dresdner Sinfoniker oder alle Niederländer.
 

Von Markus Bernath | derStandard.at

Der türkische Staatspräsident gibt kein Pardon mehr. Seit vergangenem März, als der deutsche Botschafter in Ankara wegen eines Erdoğan-Liedes im Norddeutschen Rundfunk ins Außenamt einbestellt wurde, reißen die diplomatischen Interventionen gegen mutmaßliche Präsidentenbeleidiger im Ausland nicht mehr ab.

Die Öffentlichkeit in Europa und den USA reibt sich die Augen über die Ausweitung der türkischen Majestätszone. Mit ihrer Entscheidung, den Satiriker Böhmermann vor Gericht stellen zu lassen, habe die deutsche Regierungschefin ein „Lösegeld“ an Erdoğan gezahlt, kommentierte die New York Times; doch Angela Merkel brauche den türkischen Präsidenten für das Flüchtlingsabkommen. Erdoğan habe die deutsche Kanzlerin gezwungen, öffentlich seine Position zu akzeptieren, dass es falsch sei, sich über ihn lustig zu machen.

weiterlesen

Pentagon bereitet Offensive auf Mossul mit schweren Waffen vor

Das Pentagon schickt das High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) nach Syrien und in den Irak. Bild: DoD
Das Pentagon schickt das High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) nach Syrien und in den Irak. Bild: DoD
Wieder einmal sind die USA in Syrien abhängig von den Russen, um den Waffenstillstand wieder herzustellen, nachdem die Kämpfe um Aleppo wieder voll entbrannt sind (Aleppo: Jaish-al-Islam, Wolf im Schafspelz). US-Außenminister Kerry erklärte in Genf, dass man auf die Kooperation Russlands setze. Am Sonntag hatte die syrische Armee in Aleppo einseitig die Waffen schweigen lassen.

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die USA wollen mit den Russen über die Einrichtung von Sicherheitszonen in der Stadt verhandeln, wo Zivilisten, aber auch die so genannten Mitglieder der „gemäßigten Opposition“ vor Angriffen der syrischen Luftwaffe geschützt wären. Unwahrscheinlich, dass Russland das Assad-Regime zur Umsetzung der Sicherheitszonen unter Druck setzt, so lange nicht mindestens auch die salafistischen Gruppen Jaish Al-Islam und Ahrar al-Sham, die eng mit al-Nusra kooperieren, als Terrorgruppen gelistet und damit bekämpft werden können.

Nach der Revolte von Anhängern des schiitischen Predigers al-Sadr, die nach wochenlangen Protesten in die an sich schwer gesicherte Green Zone in Bagdad eindringen und die Politiker aus dem Parlament vertrieben haben, wird auch die Lage im Irak für Washington schwierig (Iraks Regierung versinkt im Chaos). Zwar sind die Sadr-Anhänger wieder abgezogen, aber sie verlangen eine neue Regierung. Gerade war noch US-Vizepräsident Biden im Irak gewesen und war voll des Lobes für den von den USA installierten Ministerpräsidenten Abadi, da mit diesem der Islamische Staat zurückgedrängt werden konnte. Die Hoffnung ist, dass nun die Offensive wirklich in größerem Umfang gestartet werden kann, um Mossul einzunehmen. Das allerdings könnte sich zu einer ähnlichen Katastrophe entwickeln, in die nun wieder einmal Aleppo versinkt.

weiterlesen

AfD-Grundsatzprogramm teilweise „klar verfassungswidrig“

Parteitag AfD nimmt Ablehnung von Islam ins Grundsatzprogramm auf (Video: Reuters, Foto: REUTERS)
Die AfD will Minarett und Muezzin verbieten – und vergisst dabei, dass das Grundgesetz allen Religionsfreiheit gewährt. Rechtswissenschaftler Joachim Wieland über das Grundsatzprogramm.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Im Grundsatzprogramm, das die Alternative für Deutschland (AfD) am Wochenende beschlossen hat, finden sich etliche Punkte, die Kritiker für unvereinbar mit dem Grundgesetz halten. Vor allem, wo es um den Islam geht, sagt Joachim Wieland. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht der Universität Speyer.

SZ: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, behauptet die AfD in ihrem Grundsatzprogramm. Außerdem heißt es dort: „Ein orthodoxer Islam, der unsere Rechtsordnung nicht respektiert oder sogar bekämpft und einen Herrschaftsanspruch als alleingültige Religion erhebt, ist mit unserer Rechtsordnung und Kultur unvereinbar.“ Lässt sich eine solche Aussage mit dem Grundgesetz vereinbaren?

Joachim Wieland: Jede Religion hat das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Das stößt erst dann auf Einschränkungen, wenn eine Religion tatsächlich konkret versucht, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu unterwandern. Wenn also unter dem Deckmantel der Religion versucht wird, die verfassungsrechtliche Ordnung zu beseitigen, dann darf der Staat sich wehren.

Das lässt aber nicht umgekehrt die Aussage zu, dass wir eine Religion per se nicht zu respektieren bräuchten, weil wir sie so verstehen. Und eine Religion muss selbst nicht demokratisch aufgebaut sein. Das ist die katholische Kirche auch nicht.

weiterlesen

Muktada al-Sadr: Der Rächer der verlorenen Generationen Saddams

foto: apa / afp / haidar hamdani Muktada al-Sadr: Der Spross einer berühmten klerikalen Familie stellte bereits nach 2003 den Anspruch als schiitischer Führer.
Vordergründig unterstützt Muktada al-Sadr Reformen. Dabei droht er jedoch Iraks System zu sprengen
 

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Muktada al-Sadr hat anlässlich der Wallfahrt, die alljährlich Millionen schiitischer Pilger nach al-Kadhimiya in Bagdad bringt, seine Anhänger aus dem Regierungsbezirk zurückbeordert: Die schwerste politische Krise, die der Post-Saddam-Irak je gesehen hat, bleibt jedoch ungelöst. Gerüchte und Spekulationen machten am Montag in Bagdad die Runde: von einer bevorstehenden bewaffneten Konfrontation der schiitischen Gruppen, von der Gefahr eines Putsches, der einen starken Mann an die Macht bringen könnte (hier fehlt natürlich nicht die Behauptung, dass er von den USA orchestriert sein würde).

Als Saddam Hussein im April 2003 durch die US-Invasion gestürzt wurde, war Muktada al-Sadr, der heute das System ins Wanken bringt, noch keine dreißig Jahre alt. Der junge Mullah sah nicht nur aus, als sei er aus irgendeinem finsteren Loch gekrochen, das traf gewissermaßen zu: Der Verfolgung Saddams, der nicht nur seinen Vater und seine Brüder 1999, sondern bereits 1980 seinen Onkel, einen der wichtigsten Ayatollahs seiner Zeit, und dessen Schwester ermorden ließ, konnte er nur im Untergrund entgehen. Muktada al-Sadr wurde so zum wichtigsten Überlebenden einer klerikalen Familie, die sowohl im Irak als auch im Libanon eine große Rolle spielte.

weiterlesen

Krankenhaus Kunduz: US-Militär begeht keine Kriegsverbrechen

Eine U.S. Air Force AC-130U "Spooky" Gunship des 4th Special Operations Squadron. Bild: USAF
Eine U.S. Air Force AC-130U „Spooky“ Gunship des 4th Special Operations Squadron. Bild: USAF
US-Army General Joseph L. Votel, Befehlshaber des U.S. Central Command, stellte die Ergebnisse des 3000-seitigen Untersuchungsberichts zur Bombardierung des Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF) am Freitag in Washington vor. „Die Untersuchung ergab, dass bestimmte Personen die Einsatzregeln und Gesetze zu bewaffneten Konflikten nicht eingehalten haben.

Von Sascha Pommrenke | TELEPOLIS

Sie kam nicht zu dem Schluss, dass diese Ausfälle Kriegsverbrechen gleichkommen. Der Zwischenfall war eine Kombination aus menschlichem Versagen, Verfahrensfehlern und mangelhafter Ausrüstung. Und keinem Beteiligten war klar, dass ein Krankenhaus getroffen wurde“, berichtete Votel.

Kriegsverbrechen seien dadurch definiert, dass sie absichtlich ausgeführt werden, während der Angriff auf das Krankenhaus dieses Kriterium gerade nicht erfülle. Vielmehr sei der Angriff durch eine unglückliche Verkettung von menschlichem und technischem Versagen zustande gekommen. So sei die Mannschaft nicht vorbereitet gewesen, die Satellitenkommunikation ausgefallen und der Einsatz zu früh gestartet. Außerdem sei das alles dem „fog of war“ geschuldet, der nun mal bei Kampfoperationen auftreten könne.

So enthält der gesamte „Untersuchungsbericht“, für den das US Militär etwa ein halbes Jahr gebraucht hat, keine wesentlichen neuen Erkenntnisse gegenüber den bereits bekannt gewordenen Details. Veröffentlicht wurden allerdings nur knapp 700 Seiten des gesamten Berichts, wovon wiederum ein Großteil zensiert wurde. Von einer transparenten Untersuchung kann keine Rede sein.

weiterlesen

 

Ex-IS-Kämpfer: „Brüder töten dort Brüder – es ist unmenschlich“

In einem Propagandavideo des IS soll Harry S. zu sehen sein, wie er eine Fahne der Terrormiliz trägt © Screenshot IS-Propagandavideo
Er erzählt eine Geschichte, die an Brutalität kaum zu überbieten ist: Harry S. war Teil der Terrormiliz IS und wurde Zeuge unglaublicher Gräueltaten. In einem Interview warnt er nun, nicht auf die „inszenierte“ IS-Propaganda reinzufallen.

stern.de

Die Propagandavideos des Islamischen Staates kennt er aus erster Hand – denn er war Teil von ihnen: Der gebürtige Deutsche Harry S. ist das lebende Beispiel eines jungen Mannes, der in den Strudel von Kriminalität und Radikalisierung geriet, und sich in Syrien im Zentrum einer Terror-Maschinerie  wiederfand. Der 27-Jährige wurde in Deutschland geboren, wuchs jedoch in Großbritannien auf und besuchte auch dort die Schule. Dann arbeitete Harry S. eine Zeit lang als Postbote – heute sitzt er in Bremen in Untersuchungshaft, der Vorwurf: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

In einem Interview mit der britischen Zeitung „ The Independent hat Harry S. nun über seinen Anwalt von seiner Zeit beim Islamischen Staat berichtet. Seine Erzählungen zeichnen das Bild einer menschenverachtenden Terrorherrschaft, die einzig und alleine auf Lügen basiert – das musste auch Harry S. am eigenen Leibe erfahren, bis er aus dem „Kalifat“ floh.

weiterlesen

CIA twittert Minutenprotokoll von Tötung bin Ladens

Osama Bin Laden (auf einem Foto von 2001)Foto: dpa
Am 2. Mai 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Grund für die CIA, den Ablauf auf Twitter online zu stellen. Das ist nicht jedermanns Geschmack.
 

DER TAGESSPIEGEL

Fünf Jahre nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden hat die CIA ein minutengenaues Protokoll der Kommandoaktion online gestellt. Unter dem Hashtag #UBLRaid notierte der US-Geheimdienst im Kurznachrichtendienst Twitter die einzelnen Schritte des Einsatzes – „so, als ob er heute stattfinden würde“. Bin Laden war am 2. Mai 2011 von US-Spezialkräften in seinem Haus in Pakistan erschossen worden.

weiterlesen

Steinmeier würdigt Reformen in Saudi-Arabien – Satire?

saudi_isis

Der Außenminister lobt Saudi-Arabiens „wirtschaftspolitischen Realismus“ und spricht sich für die Lieferung von Patrouillenbooten aus. Mit Mali und Niger will er über Migrationsfragen beraten.

Von Beat Balzli, Tonia Mastrobuoni, Daniel Friedrich Sturm | DIE WELT

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Reformpläne des stellvertretenden saudi-arabischen Kronprinzen, Mohamed bin Salman, gewürdigt und sich für den umstrittenen Export von Patrouillenbooten ausgesprochen. „Der Reformplan von Mohamed bin Salman ist ein wirklich anspruchsvolles Programm. Ich finde das mutig, es ist Ausdruck eines wirtschaftspolitischen Realismus, der nach einer Alternative zum Öl sucht“, sagte Steinmeier in einem Interview der „Welt am Sonntag“ im Verbund mit der europäischen Zeitungsallianz Lena.

Mit der Teilprivatisierung des staatlichen Ölkonzerns Aramco schränke das saudische Königshaus „letztlich auch seinen eigenen Einfluss auf die Wirtschaft ein“, sagte Steinmeier: „Die Einschränkungen für die Religionspolizei zeigen, dass auch gesellschaftspolitische Veränderungen nicht mehr tabu sind.“ Steinmeier war im letzten dreiviertel Jahr zweimal mit Mohamed bin Salman für längere Gespräche in Riad zusammengetroffen. „Bei meinem letzten Besuch in Saudi-Arabien haben wir lange darüber gesprochen, wie die militärischen Auseinandersetzungen im Jemen beendet werden können“, sagte der SPD-Politiker: „Ich freue mich, dass die Friedensverhandlungen in Kuwait jetzt begonnen haben, und hoffe, dass wir den Konflikt in Jemen in absehbarer Zeit beilegen können.“

weiterlesen

„Religionsfreiheit ist hohes Gut“

coexist

Unter dem Protest von Gegendemonstranten hat die AfD ihren Parteitag begonnen. Die rechtspopulistische Partei berät in Stuttgart über ihr Grundsatzprogramm.

evangelisch.de

Der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen, hat die Religionsfreiheit als hohes Gut und Bestandteil der deutschen Kultur bezeichnet. Muslime hätten wie Christen in Deutschland das Recht, ihren Glauben zu leben – unter vollständiger Einhaltung der Gesetze, sagte Meuthen beim AfD-Bundesparteitag am Samstag in Stuttgart. Deutsche Leitkultur sei allerdings nicht der Islam, sondern die christlich-abendländische Kultur. Daher könnten die Rufe des Muezzin nicht denselben Stellenwert in Deutschland bekommen wie das Läuten von Kirchenglocken.

Meuthen, der zugleich AfD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg ist, betonte den Anspruch der AfD, eine Volkspartei zu sein, die die „Geschicke Deutschlands“ lenken wolle. Als neue konservative Größe werde sie Traditionen erhalten. Dies bedeute jedoch nicht, rückständig zu sein. Er sprach sich gegen eine „massenhafte und unkontrollierte Zuwanderung“ aus. Man wehre sich nicht gegen Menschen, die nach Deutschland kämen.“ Es sei eine „schiere Lüge“, der AfD Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen. Allerdings wehre sich die Partei dagegen, dass „wir unser eigenes Land in ein paar Jahren nicht mehr wiedererkennen“.

weiterlesen

Wahl Dodo des Monats April 2016

Dodo des Monats April 2016 ©HFR
Dodo des Monats April 2016
©HFR

Die Mediale Aufmerksamkeit im Monat April konzentrierte sich in aller Gänze auf Jan Böhmermann, der nun mit der Ermächtigung durch die Bundesregierung, strafrechtlich wegen Majestätsbeleidigung zur Verantwortung gezogen werden kann. Der „Irre vom Bosporus“ darf nun ganz öffentlich in Deutschland seinen paranoiden Gelüsten nachgehen. Aber auch Kirchtürme, Minarette, MIssion unter Muslimen und religiöse Parallelwelten spielten im Zirkus der öffentliche Meinung eine Rolle. Von extrem bis banal ist alles vertreten.
Die Wahl ist bis zum 07. Mai 2016, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden.
Viel Spaß!

Hier sind die Kandidaten:

  1.  Frauke Petry, „weiß die Architektur von Minaretten nicht zu schätzen.“
  2.  Volker Kauder, „will Moscheen überwachen lassen, seine christlichen Extremisten spart er aus.“
  3. Bono, „singt weniger, dafür mehr Religiotie.“
  4. Rainer Maria Woelki, „mag spitze Phallussymbole.“
  5. Aiman Mazyek, „braucht Fremd-Imame für seinen Glauben.“
  6. Christian Troll, „möchte unter Flüchtlingen christlich trollen.“
  7. Joachim Gauck, „möchte gekrönt werden.“
  8. Alexander Kissler, „katholisch demagogische Weltsichten.“
  9. Eckart von Hirschhausen, „die Einfachheit der Bibel im Medizin-Studium vermisst.“
  10. Bernd Lucke, „mit Vulgärsprache mediale Aufmerksamkeit.“
  11. Wolfgang Thierse, „beschwört den Religionsfrieden.“
  12. Dr. Georg Rüter, „mag dezente Hinrichtungswerkzeuge.“
  13. Andreas Kersten, „Kondome vom Bibel-Apotheker.“
  14. Ulrich Parzany, “ weiß dass die Apostel nicht schwul waren.“
  15. Gert Pickel, „Religionsphobie unter den neuen Atheisten.“
  16. Nabil Arab, „mit dem Islam kam die Befreiung der Frauen.
  17. Recep Tayyip Erdoğan, „gelebte Paranoia.“

Wahl Dodo des Monats April 2016 weiterlesen

Kanada: Suizidserie in Indianerreservat

foto: reuters / chris wattie Bewohner von Attawapiskat nehmen an einer Mahnwache teil. In den vergangenen Monaten kam es dort zu zahlreichen Suizidversuchen.
Der Häuptling in Attawapiskat erklärt den Notstand und wirft so ein Schlaglicht auf die schlechte Lage der Ureinwohner

Von Bernadette Calonego | derStandard.at

Im isolierten kanadischen Indianerreservat Attawapiskat werden die Menschen von Suizidwünschen heimgesucht, als ginge ein tödliches Virus um. Am 11. April entdeckte der Stammesrat einen entsprechenden Pakt zwischen zwanzig Bewohnern des Reservats, darunter dreizehn Kinder. Sie hatten sich auf Facebook abgesprochen. Nur zwei Tage zuvor hatten sich elf Stammesmitglieder in der entlegenen Siedlung im Norden der Provinz Ontario umzubringen versucht. Daraufhin erklärte Häuptling Bruce Shisheesh den Notstand für sein Reservat. „Attawapiskat braucht Hilfe“, sagte er Politikern und Journalisten.

Seit vergangenem September hat es in dem isolierten Dorf Attawapiskat rund hundert Suizidversuche gegeben. Das jüngste Opfer unter den rund 1500 Bewohnern war elf Jahre alt, das älteste 71.

weiterlesen

Belgische Polizei ließ die Brüder Abdeslam wieder laufen

War wohl schon lange vor den Pariser Anschlägen im Fokus der Polizei: Salah Abdeslam © Belgian Federal Police/DPA
Salah und Brahim Abdeslam, die mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge, hätten schon früh gestoppt werden können. Zu diesem Ergebnis kommt laut einer Zeitung ein Untersuchungsbericht der Polizei. Schon Monate vor den Anschlägen wurden die Brüder wohl verhört. Doch die Polizei hatte ein Problem.

stern.de

Der Ruf der belgischen Polizei ist eh schon nicht der beste. Wenn ein belgischer Medienbericht stimmt, dürfte das Ansehen der Ermittler noch weiter sinken. Denn auf die Brüder Salah und Brahim Abdeslam, die mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge vom November 2015, wurde die Polizei wohl schon Anfang 2015 von einem Kriminalpolizisten aus dem Polizeibezirk Brüssel-West aufmerksam gemacht. Daraufhin seien die Brüder zwar verhört worden, aber ohne Anschuldigung wieder laufen gelassen worden.

weiterlesen

Anzeige gegen „heute-show“: Majestätsbeleidigung eines FPÖ-Kandidaten?

© Facebook / ZDF heute-show Die Schnitzel Satire stößt manchen auf.
Als Reaktion auf den Wahlerfolg der rechten FPÖ in Österreich veröffentlichte die ZDF-„heute-show“ ein Schnitzel in Hakenkreuzform mit einem Kommentar. Nun liegen Strafanzeigen vor.

Von Ann-Katrin Gehrmann | Frankfurter Allgemeine

Am Sonntag hat der Kandidat der rechten FPÖ, Norbert Hofer, den ersten Wahlgang für die österreichische Bundespräsidentenwahl mit 35,3 Prozent deutlich gewonnen. Das Wahlergebnis nahm die ZDF-Satiresendung „heute-show“ zum Anlass, tags darauf über Facebook nachzufragen: „Was ist verkehrt mit euch, liebe Nachbarn?“. Dazu wurde ein Bild serviert, auf dem ein Schnitzel in Hakenkreuzform abgebildet ist. Der Kommentar: „Österreicher wählen eben so, wie sie es vom Schnitzel kennen, möglichst flach und schön braun“.

Dies brachte neben Zehntausenden „Gefällt mir“-Klicks auch zwei Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Mainz mit sich. Nach Angaben der „Hannoversche Allgemeine“ stammt eine davon aus Österreich, die andere aus Deutschland.

weiterlesen

Polen: Priester des Hasses

kirche_polen

Die Debatte um einen jungen Kaplan offenbart, dass auch die katholische Kirche in Polen ein Problem mit Rechtsradikalismus hat.

Von Thomas Dudek | TELEPOLIS

„Unseren ausländischen Studenten raten wir, an diesem Abend nicht die Wohnheime zu verlassen“, hieß es am Samstag vergangener Woche in einer Empfehlung der Technischen Universität von Bialystok. Was in der ostpolnischen Stadt mittlerweile nicht ungewöhnlich ist. Seit Jahren gilt Bialystok als das Zentrum der rechtsradikalen Szene in Polen. Weshalb es wenig verwundert, dass das Nationalradikale Lager (ONR) ausgerechnet in der 300.000-Einwohner-Stadt seinen 82. Gründungsjahrestag feierte.

Doch für die negativen Schlagzeilen (Chemotherapie gegen das liberale Polen), über die Polen heute heftig debattiert, sorgten nicht die Rechtsradikalen, die bei ihrem Marsch fremdenfeindliche Parolen brüllten oder die Universitätsverwaltung, die ihre ausländischen Studenten warnte, aber gleichzeitig für den Abend Räumlichkeiten an den ONR vermietete, in denen dieser ein Konzert veranstaltete. Nein, für die meisten Diskussionen sorgte ausgerechnet ein Priester der katholischen Kirche.

„Null Toleranz für die jüdische Feigheit“, rief Jacek Miedlar in der Kathedrale von Bialystok, in der dieser eine Messe für die ONR-Anhänger abhielt. Während einer Predigt, die mit der christlichen Nächstenliebe nicht viel gemein hatte. In Anlehnung an das Alte Testament verglich der Geistliche das heutige Polen mit der Unterdrückung der Juden durch die Ägypter, die laut ihm nur deshalb möglich war, weil es im jüdischen Volk Verräter gab. „Wir müssen die Verräter hetzen“, sagte Miedlar und scheute sich nicht, den „nationalradikalen Katholizismus als eine Chemotherapie für Polen“ zu bezeichnen. Eine Therapie, die nach Meinung des Priesters auch die Kirche braucht. „Nichts schadete der Kirche so sehr wie die ewige Nachgiebigkeit“, so Miedlar.

weiterlesen

Bangladesch: Fatale Dynamik der Gewalt

Der Sarg des ermordeten Schwulenaktivisten Xulhaz Mannan in Dhaka Foto: ap/taz
In Bangladesch werden Zivilisten ermordet. So sollen Menschen, die einen liberalen Islam pflegen, in Richtung Islamismus gezwungen werden.

Von Sven Hansen | taz.de

Säkulare und liberale Vertreter der Zivilgesellschaft von Bangladesch sind seit Monaten Ziel einer brutalen Mordkampagne. Zuerst traf es Blogger, dann Verleger, Studenten, Professoren und jetzt den ersten Schwulenaktivisten. Seit 2013 kursieren Todeslisten.

Schon mehrere Menschen, deren Namen sich darauf finden, wurden mit Macheten zerhackt. Die Morde sollen eine ganze Gesellschaft von 160 Millionen Menschen, die mehrheitlich einen liberalen Islam pflegen, einschüchtern und in eine islamistische Richtung zwingen.

Diese terroristische Gewalt trifft auf ein gesellschaftliches Klima und eine politische Kultur, in der politische Gewalt verbreitet ist. Ihrer bedienen sich auch die beiden größten und bis in die Führungsspitze persönlich verfeindeten Parteien.

weiterlesen

Was steckt hinter der IS-Morddrohung gegen Pierre Vogel?

Themenbild
Themenbild
Pierre Vogel ist daran gewöhnt, Feinde zu haben. Als der bekannteste Salafist Deutschlands hat sich Vogel (oder Abu Hamza, wie er sich selbst nennt) schon oft sehr unbeliebt gemacht. Der Verfassungsschutz stuft ihn als Extremisten ein, in der Presse wird er routinemäßig als „Hassprediger“ bezeichnet, die Schweiz hat ihm zeitweise ein Einreiseverbot erteilt, und seine Auftritte wurden auch schon mal von ganzen Horden von rechten Hooligans gestürmt. Sein neuester Feind allerdings ist vielleicht noch gefährlicher: Ausgerechnet die Terrororganisation Islamischer Staat hat zum Mord an dem deutschen Prediger aufgerufen.

Von Matern Boeselager | VICE.com

Zuerst war Vogel Mitte April in der neuesten Ausgabe der IS-Propagandazeitschrift Dabiq aufgetaucht—in einem Artikel mit dem Titel „Tötet die Imame der Ungläubigen im Westen“ wurde auch Vogel in einer Bildunterschrift als „Abtrünniger“ bezeichnet. Zwei Tage später tauchte dann aber ein Video der IS-Medienagentur Furat mit dem Titel „Die Wahrheit über Pierre Vogel“ auf, das sich ausschließlich dem deutschen Prediger widmete.

Das Video zeigt Auszüge aus Videos von Vogel, in denen er die IS-Anschläge in Brüssel und Paris verurteilt, dann wird die Koransure eingeblendet, in der es heißt: „Erschlagt die Frevler, wo ihr sie findet“. Weiter heißt es: „Pierre Vogel begnügte sich nicht damit, den Kreuzzüglern zu schmeicheln und die Mujahidin zu tadeln. Vielmehr ging er soweit, dass er in die Riddah (Abtrünnigkeit) gefallen ist.“ Bei der Terrormiliz gibt es dafür nur eine Strafe.

weiterlesen