Archiv der Kategorie: Radikalismus

Vorurteile: Israel? Da war doch was!

Bild: phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr

Über die Probleme der Juden weiß der normale, uninteressierte Fernsehzuschauer und Zeitungsleser nichts. Außer dass sie natürlich für die politische Situation in Israel verantwortlich sind. Fällt Ihnen was auf?

Von Sibylle Berg|SpON

Haben wir letzte Woche viel über den Selbsthass der deutschen Bevölkerung gelernt… Leider konnte ich Ihre zustimmenden Kommentare nicht lesen, ich war mit der Papstansprache beschäftigt, in der der 79-Jährige Europa mit einer unfruchtbaren alten Frau verglich.

Innehalten. Fällt Ihnen was auf? Nein, gut, dann lesen Sie bitte weiter. Nachdem es also das letzte Mal um eine gewisse Empathielosigkeit der deutschen Bevölkerung gegenüber der deutschen Bevölkerung ging, möchte ich heute eine Minderheit besprechen, die von vielen Deutschen noch ambivalenter behandelt wird – die Juden. So wenig unangenehm sie auch im alltäglichen Leben auffallen, die Abneigung gegen das imaginäre andere hält sich nicht nur konstant, sie wächst.

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Die Angst der Geheimdienste vor dem IT-Wissen des IS

GCHQ-Chef Hannigan (Mitte) auf einem Archivbild / Bild: REUTERS
Wenn sich die Generation Jihad mit der Generation Internet überschneidet, dann bereitet das den Geheimdiensten ziemliches Kopfzerbrechen.

Von Helmar Dumbs|Die Presse.com

Geheimdienst-Chefs äußern sich eher selten öffentlich. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz saßen aber heuer gleich deren vier auf der Bühne – angeführt von US-Geheimdienstkoordinator James Clapper – und sie gaben sich keineswegs zugeknöpft.

Robert Hannigan, Chef des britischen GCHQ, sprach in Zusammenhang mit der Terrormiliz IS von einem „nie dagewesen Bedrohungszenario“ Der IS sei viel ehrgeiziger als al-Qaida. Was Hannigan und seine Kollegen besonders beunruhigt: Die Aktivitäten des IS im Cyberspace. „Das sind Jihadisten, die mit dem Internet groß wurden und es zu nützen wissen. Sie haben nicht nur extremes Fachwissen, sondern verbesserten sich konstant.

Er sei ja nicht leicht zu erschrecken, meint der holländische Geheimdienstchef Robert Bertholee zur „Presse am Sonntag“. Aber wenn man sich den Aufstieg des IS ansehe, wie effizient die Miliz im digitalen Bereich arbeite, wie gekonnt sie in allen Aspekten mit Social Media operiere, „dann beunruhigt mich das schon ziemlich“.

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Saudisches Bodentruppen-Kontingent für “Einsatz in Rakka”

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Der US-Verteidigungsminister Carter gibt ein paar Einzelheiten zur geplanten Militärintervention von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Syrien und im Irak bekannt

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Dass Saudi-Arabien ankündigte, für eine militärische Intervention in Syrien bereit zu sein, hat zu Verunsicherungen geführt und zu Warnungen vor einer unkontrollierbaren Ausweitung des Konflikts. Der russische Ministerpräsidenten Dmitri Medwedjew warnte gegenüber dem Handelsblatt vor einem “neuen Weltkrieg”.

Die Amerikaner und unsere arabischen Partner müssen es sich gut überlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?

Allerdings ist bis dato unklar, wie konkret die Ankündigung ist. Wie viele Soldaten, welche Truppen mit welcher Ausstattung, wo in Syrien einmarschieren sollen, wissen nur die verbündeten Regierungs-und Militärebenen. Es geht um Bodentruppen, so die Ankündigung, die an die Bedingung geknüpft ist, dass Saudi-Arabien diese im Rahmen der Anti-IS-Allianz unter der Leitung der USA stellen würde, wenn andere mitmachen.

Saudische und emiratische Spezialeinheiten nach Syrien

Der US-amerikanische Verteidigungsminister hat am Rande des Nato-Treffens in Brüssel am Donnerstag und Freitag ein paar weitere Hinweise gegeben – und dabei manche Widerhaken überspielt. Wie Ash Carter Journalisten mitteilte, erwarte er von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sie Spezialeinheiten nach Syrien entsenden, “um in Syrien lokalen Oppositionskämpfern bei ihrem Vorstoß zu helfen, Rakka aus den Händen des IS zurückzuerobern”.

Wie stark die saudi-arabischen Special operations forces und diejenigen der VAE sein sollten, wann sie intervenieren sollen, verriet Carter nicht. Der US-Verteidigungsminister stellte aber ihre Bedeutung heraus. Sie würden eine “tragende Rolle” spielen. Die Absicht ist den Sunniten zu vermitteln, dass die Allianz unter der Führung der USA sich sehr wohl ihre Interessen im Auge habe:

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Saudiarabischer Minister: Frauenfahrverbot ist keine Glaubensfrage

© dpa Der Außenminister des Königreichs Saudi-Arabien, Adel al-Dschubeir, in München.
In Saudi-Arabien dürfen Frauen kein Auto fahren. Ob sich das bald ändert? Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir bittet um Geduld.

Frankfurter Allgemeine

Für das Frauenfahrverbot in Saudi-Arabien gibt es nach den Worten von Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir keine religiöse Begründung. „Es handelt sich um eine gesellschaftliche Frage, nicht eine Frage des Glaubens“, sagte Dschubeir am Freitag bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die saudiarabische Gesellschaft entwickle sich. 1960 habe es keine Bildung für Frauen gegeben, inzwischen stellten sie 55 Prozent der Studenten im Land. In den Vereinigten Staaten habe es 100 Jahre gedauert, bis die Frauen wählen durften. „Ich sage nicht: Geben Sie mir 200 Jahre, aber schenken Sie uns etwas Geduld“, sagte Dschubeir. „Die Dinge brauchen Ihre Zeit, und wir müssen das akzeptieren.“

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56 Jahre nach der Tat: Priester für Mord an Schönheitskönigin verhaftet

Bild: stern.de
1960 wird in Texas eine junge Schönheitskönigin erwürgt aufgefunden. Der mysteriöse Mordfall schockiert die USA – bleibt aber über Jahrzehnte unaufgeklärt. Jetzt hat die Polizei einen Priester verhaftet.

stern.de

Vor 56 Jahren wird Irene Garza im texanischen Örtchen McAllen ermordet. Der Fall schockiert das ganze Land und gilt lange als einer der am längsten unaufgeklärten Morde der US-Geschichte. Umso erstaunlicher die Meldung der Polizei von Texas: Laut eines Berichts der “New York Times” wurde nun ein seit Jahren Tatverdächtiger verhaftet – der 83-jährige John Feit.

Feit war damals junger Priester der Gemeinde und lebt heute zurückgezogen in Scottsdale, Arizona. Nach seiner Verhaftung wurde er in ein Gefängnis in Phoenix überstellt. Die ganze Sache ergebe aber keinen Sinn, erklärte Feit vor Gericht – schließlich sei das Verbrechen bereits 1960 verübt worden. “Es gibt keine Verjährung für diese Art von Verbrechen”, erwiderte Paula Williams, Vorsitzende des Gerichts.

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Christentum: Die gewaltbereite friedliebende Gesellschaft

Die eigene Wahrheit wurde bei den Kreuzzügen mit Gewalt durchgesetzt. Foto: imago/United Archives
Woher rührt das apokalyptische Denken, das die derzeitige Debatte um die Flüchtlinge bestimmt? Historiker beleuchten aktuell die nachhaltig wirkende Gewaltgeschichte des Christentums.

Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Die sogenannte Flüchtlingskrise, die Lage der Nation, die Merkel’sche Politik – viele Kommentare dazu derzeit mit schrillen Katastrophentönen. Als gäbe es nur das große Entweder-Oder. Entweder das Abendland verbarrikadiert sich oder Europa geht unter. Entweder Sieg oder Niederlage. Woher rührt dieses apokalyptische Denken? Und woher die wachsende Bereitschaft zur Gewalt dabei? Wer in der Flüchtlingsfrage nach Obergrenzen ruft, fordert implizit immer den Einsatz von Gewalt. Und diese Forderung erfreut sich wachsender Zustimmung – in einer Gesellschaft, die sich für friedliebend hält. Wie kann das sein?

Um solche Widersprüche zu verstehen, müssen wir zu den Anfängen des Christentums zurück, sagt der französische Historiker Philippe Buc. Er tut es in seinem Buch „Heiliger Krieg“ auf erschreckend erhellende Weise und spricht dabei von religiösen Konzepten, die „den Weg in die Moderne überstanden haben, indem sie sich in Ideen und Ideologien verwandelten, die ohne das Übernatürliche und Gott auskamen, aber vergleichbare Strukturen beibehielten“. Es sind Ideen wie jene, dass man um des Guten und Richtigen willen Opfer bringen müsse, dass die größte Gefahr von vermeintlichen Verrätern dieses Guten und Richtigen ausgehe, dass die eigene Freiheit auch mit Gewalt verteidigt werden dürfe.

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Erdogan drohte der EU mit Grenzöffnung

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Nah an der Erpressung: Einem Protokoll zufolge hat der türkische Präsident Erdogan der EU gedroht, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Unangenehm ist ihm die Enthüllung nicht. Er legt sogar nach.

DIE WELT

In den Verhandlungen mit der EU über einen Aktionsplan in der Flüchtlingskrise hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit der Öffnung der Grenzen gedroht. “Wir können die Türen nach Griechenland und Bulgarien jederzeit öffnen, und wir können die Flüchtlinge in Busse stecken”, hatte Erdogan laut dem Protokoll eines Gesprächs mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk im November bei Antalya gesagt.

Erdogan bestätigte am Donnerstag erstmals die Echtheit des Dokuments, das die griechische Internetseite “Euro2Day” am Montag veröffentlicht hatte.

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Auschwitz-Prozess: Ehemaliger SS-Mann trifft auf Überlebende

© AFP Reinhold H. war als SS-Mann in Auschwitz. Heute ist er 94 Jahre alt.
Wieder steht ein ehemaliger SS-Mann vor Gericht. Der Vorwurf: Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen. Reinhold H. sagt nur wenig. Ein Überlebender aber spricht ihn direkt an.

Von Reiner Burger|Frankfurter Allgemeine

Man sieht Reinhold H. sein Alter nicht gleich an: Im Dezember konnte der Rentner aus Lage im Lipper Land seinen 95. Geburtstag feiern. Etwas wackelig auf den Beinen ist der Mann schon. Sicherheitshalber hat er sich deshalb bei seinem Verteidiger untergehakt, als er den zum Prozesssaal umfunktionierten großen Konferenzraum der Industrie- und Handelskammer Lippe betritt. Im Detmolder Landgericht wäre nicht genug Platz für all die Journalisten und Kamerateams und die rund 40 Nebenkläger aus all den verschiedenen Ländern gewesen.

Seit Donnerstag muss sich der ehemalige SS-Mann Reinhol d H. wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen verantworten. H., damals Anfang 20, war von Januar 1942 bis Juni 1944 als Mitglied eines sogenannten SS-Totenkopfsturmbanns in Auschwitz eingesetzt.

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In den Kellern von Cizre

Berichte von Massakern in Städten mit kurdischer Mehrheit erheben schwere Vorwürfe gegen das Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte

Von Michael Knapp|TELEPOLIS

Seit Tagen kommen in kurzen Abständen Nachrichten aus der belagerten Stadt Cizre, die das Grauen der jeweils vorherigen Nachricht noch in den Schatten stellen. In den jüngsten Meldungen berichtet ANF-News (Firatnews) von 66 getöteten Menschen, die sich vor der türkischen Polizei und dem Militär in Kellern in Cizre geflüchtet hatten, und weiteren 73 Verletzten, deren Verbleib unklar ist.

Nachrichtensperre, Deutungshoheit und Berichte aus der Kriegszone

Nach Berichten auch der anderen oppositionellen Nachrichtenagentur – DIHA – werden stündlich neue Leichen aus Cizre in die Krankenhäuser gebracht. Im Stadtviertel Cudi spricht man von insgesamt 94 Toten, im Stadtviertel Sur von 45 Toten. Offiziell bestätigt sind laut der kurdischen Nachrichtenagenturen bisher nur die oben genannten Zahlen.

Die Türkei hat eine Nachrichtensperre über die Gebiete verhängt. Wo ihr Militär agiert und Schrecken verbreitet, ist die Informationslage davon geprägt: Die türkische Regierung will die Deutungshoheit über ihre Story, die kurdischen Nachrichten berichten anderes, dem widersprechendes, das auf Augenzeugen-Aussagen beruht und immer wieder auch von außerhalb bestätigt wird.

In Cizre herrscht seit 58 Tagen Ausgangssperre. Die Menschen können ihre Häuser nicht verlassen, da, wie Augenzeugen immer wieder berichten, Scharfschützen des türkischen Militärs das Feuer auf sie eröffnen. Dies stellte auch eine Untersuchungskommission des mittlerweile ebenfalls ermordeten Vorsitzenden der Anwaltskammer von Diyarbakir Tahir Elci schon im September 2015 fest.

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Größenwahn: Erdogan droht Syrien mit direkten Eingreifen

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Flüchtlinge an der Grenze und die Kurden im Nachbarland auf dem Vormarsch: dem türkischen Präsidenten Erdogan bereitet die Lage in Syrien zunehmend Sorgen. Nun drohte er sogar mit einem direkten Eingreifen.

Frankfurter Allgemeine

Die Türkei hat mit einem Eingreifen in Syrien gedroht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Donnerstag in Istanbul, irgendwann werde das Land die Geduld verlieren. Dann werde die Türkei gezwungen sein, aktiv zu werden. Zugleich warf Erdogan dem Iran vor, an „gnadenlosen Massakern“ beteiligt zu sein. Die Vereinten Nationen müssten mehr tun, um eine „ethnische Säuberung“ in dem Bürgerkriegsland zu verhindern.

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Osmanischer Wesir, Pressefreiheit und Deniz Yücel

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr türkischer Amtskollege Ahmet Davutoglu in Ankara am vergangenen Montag Foto: AP
“Arrogant”, “Religionsfeind”, “PKK-Anwalt”: Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent der “Welt”, wird aus dem Regierungslager attackiert, weil er beim Besuch der Kanzlerin kritisch nachfragte

DIE WELT

Für Journalisten gibt es kaum etwas Wichtigeres als Nachrichten – sie zu verbreiten und zu interpretieren gehört zu diesem Beruf. Aber manchmal werden Berichterstatter selbst zur Nachricht und das meistens gegen ihren Willen. In der Türkei geschieht das gerade dem “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel, und es ist die Regierung, die ihn zum Thema macht. Eine Regierung wohlgemerkt, die von internationalen Organisationen wiederholt für ihre Beschränkungen der Pressefreiheit kritisiert wird. Bemerkenswerterweise ist es eine kritische Frage unseres Autors, die das Regierungslager für Angriffe und zum Teil persönliche Diffamierungen auf Titelseiten nutzt. Auch diese Angriffe gehören – leider – zu den Nachrichten, die wir mitteilen müssen.

Was ist geschehen? Bei ihrem Besuch in Ankara am Montag dieser Woche gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu eine Pressekonferenz. Es geht um die Themen, die den Besuch der deutschen Regierungschefin prägen – den Flüchtlingsstrom aus Syrien und die Vereinbarungen der EU mit der Türkei, ihn zu kanalisieren. Es geht auch um den innen- und außenpolitischen Kontext der türkischen Flüchtlingspolitik. Yücel stellt der Bundeskanzlerin seine Frage auf Deutsch.

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Augsburg: Petry darf wieder mitspielen

AfD-Chefin Frauke Petry darf wieder im Augsburger Rathaus sprechen © Tobias Schwartz/AFP
Seit Tagen schaukelt sich der Streit zwischen dem Augsburger Oberbürgermeister Gribl und der AfD hoch. Nun hat AfD-Chefin Frauke Petry einen juristischen Sieg errungen: Sie darf im Rathaus reden.

stern.de

Das Hausverbot für AfD-Chefin Frauke Petry im Augsburger Rathaus ist nach einer Entscheidung des dortigen Verwaltungsgerichts rechtswidrig. Das Gericht gab am Mittwoch einem Eilantrag der Parteivorsitzenden statt. Petry will am Freitagabend beim Neujahrsempfang der beiden Augsburger AfD-Stadträte im historischen Rathaus sprechen.

Nach Ansicht der Richter ist es üblich, dass die Stadtverwaltung den Fraktionen und Wählergruppen Repräsentationsräume im Rathaus zur Verfügung stellt. Dies gelte “insbesondere auch zur Abhaltung von Neujahrsempfängen unter Teilnahme überörtlicher politischer Prominenz”, begründete Gerichtssprecher Stefan Eiblmaier die Entscheidung.

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Erdogan mit Kontrollverlust: Frontalangriff auf die USA

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Die Kooperation der Amerikaner mit den Russen in Syrien bringt den türkischen Präsidenten Erdogan in massive Bedrängnis. Beide Großmächte kooperieren mit den Kurden – was Erdogan nun zu einem Frontal-Angriff gegen die US-Regierung bewegt hat. Denn die Regierung in Ankara bemerkt, dass ihr in Syrien die Felle davonschwimmen.

Deutsch Türkische Nachrichten

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die USA wegen ihrer Unterstützung der syrischen Kurdenpartei YPD ungewöhnlich scharf attackiert. Die Unfähigkeit der USA, das wahre Wesen der YPD zu verstehen, habe die Region in ein „Meer des Blutes“ verwandelt, sagte Erdogan am Mittwoch in Ankara. „Sind Sie auf unserer Seite oder auf der Seite der terroristischen YPD und der PKK?“

Die YPD gehört zu den wichtigsten US-Verbündeten beim Kampf der radikalislamischen IS-Miliz in Syrien. Die YPD steht aber auch der von den USA und der EU als Terrorvereinigung eingestuften Kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, gegen die die Regierung in Ankara seit Jahrzehnten in einen gewalttätigen Konflikt um mehr Autonomie für die Kurden im Südosten der Türkei verwickelt ist. Die Regierung ist zuletzt mit äußerster Härte gegen die Kurden vorgegangen. Beobachter sprachen von einem regelrechten Bürgerkrieg.

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Ex-Nazis in Behörden: Innenministerium – brauner als gedacht

Bundesinnenministerium in Berlin Zwei Drittel der Führungskräfte sollen 1961 frühere Nazis gewesen sein. (Foto: dpa)
Unter den leitenden Mitarbeitern im Bundesinnenministerium waren bis in die siebziger Jahre hinein weit mehr Nazis als bisher angenommen. Das ergibt eine neue Studie. Andere Behörden waren noch brauner.

Von Barbara Gillmann|Handelsblatt

2010 gab es großen Wirbel um eine Studie zum Einfluss der Nazis im Außenministerium – während und nach der Nazizeit. In der Folge verlor das Auswärtige Amt den Nimbus, ein Hort des Widerstandes gewesen zu sein. Nun rückt ein weiteres bedeutendes Bundesministerium in den Fokus der Forschung: Im Bundesinnenministerium (BMI) war die Quote der Ex-Nazis nach dem Krieg besonders hoch, wie eine Studie der beiden zeitgeschichtlichen Leibniz-Institute ZZF Potsdam und IfZ München-Berlin zeigt.

1950 war demnach jede zweite Führungskraft im Innenministerium ein ehemaliges NSDAP-Mitglied. Der Anteil stieg bis Ende der 1950er-Jahre, 1961 lag die Quote der Ex-Nazis daher sogar bei zwei Drittel. Die Sensibilität, was persönliche Verstrickungen im Nationalsozialismus betrifft, sank und spielte bei der Personalpolitik eine noch geringere Rolle als nach dem Zweiten Weltkrieg. Das sei ein „allgemeiner gesellschaftlicher Trend“ gewesen, der auch in anderen Bundesbehörden zu beobachten gewesen sei, heißt es in der Studie. Im Schnitt der Jahre 1949 – 70 ergab sich eine Quote von 54 Prozent im Innenministerium.

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Vier Verdächtige nach Handgranaten-Anschlag festgenommen

Der Leitende Kriminaldirektor Andreas Stenger vom baden-württembergischen Landeskriminalamt zeigt Modelle der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien. (Foto: dpa)
Es handele sich nicht um Fremdenfeinde, sagt die Polizei. Hinter der Tat in Villingen-Schwenningen stecke wohl eher eine Rivalität zwischen Sicherheitsfirmen.

Süddeutsche.de

Nach dem Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen haben die Ermittler vier Verdächtige festgenommen. Gegen drei von ihnen im Alter von 23, 27 und 37 Jahren wurden Haftbefehle erlassen, wie die Polizei mitteilte. Anhaltspunkte für eine fremdenfeindliche Tat gebe es keine. Die Männer hätten überwiegend einen osteuropäischen Migrationshintergrund, hieß es.

Zu den Hintergründen der Tat und zur Motivation der Verdächtigen könnten derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details genannt werden. “Allerdings dürften Konflikte, die zwischen den im Schwarzwald-Baar-Kreis tätigen Sicherheitsunternehmen bestehen, die Ursache sein”, so die Polizei.

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Cizre: Kurden sprechen von „Massaker“

Wie in Cizre sind auch in Diyarbakir zahlreiche Straßenzüge völlig zerstört. Foto: dpa
In der türkischen Stadt Cizre gibt es nach Kämpfen zwischen dem türkischem Militär und der PKK Tote. Wie viele, darüber gehen die Angaben stark auseinander. Seit Wochen herrschen in der Region bürgerkriegsähnliche Zustände.

Von Judith Köneke, Timur Tinç|Frankfurter Rundschau

Ein lauter Einschlag in ein Wohnhaus, eine Rauchwolke, mehr ist auf dem kurzen Video der Nachrichtenagentur Dogan aus der umkämpften Stadt Cizre im Südosten der Türkei nicht zu sehen. Nach unterschiedlichen Angaben gab es in der Nacht zu Montag zwischen zehn und 60 Todesopfer. Der staatliche Sender TRT berichtete zunächst, Sicherheitskräfte hätten bei einem Einsatz 60 Kämpfer der Terrororganisation PKK getötet. Die Armee teilte am Montag mit, sie habe am Vortag zehn Kämpfer „eliminiert“. Die Opposition dagegen spricht von mindestens zehn getöteten Zivilisten, darunter sei ein Kind.

Der Abgeordnete der pro-kurdischen Partei HDP, Faysal Sariyildiz, der sich in Cizre aufhält, sagte der Deutschen Presse-Agentur, neun Menschen seien bei einem Brand im Viertel Cudi in einem unter Beschuss stehenden Gebäude ums Leben gekommen. Ein Junge sei zudem von Sicherheitskräften im Hauseingang erschossen worden. In dem Gebäude würden sich weitere 52 Zivilisten aufhalten.

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Eine junge Frau wird zusammengeschlagen – HoGeSa und ‚Pro-NRW‘ freuen sich

Dominik Horst Roeseler bei seinem Auftritt bei „Pegida schützt”, einer Veranstaltung, die in Köln nach den Vorfällen an Silvester stattfand. Vielleicht erklärt er hier gerade, wer schützenswert ist und wer nicht? Wir wissen es nicht | Foto: Imago | epd
Am Freitagabend wurde eine Frau in Köln von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen und ausgeraubt. Als sie sich in eine Kneipe retten will, wird sie vom Wirt wieder rausgeworfen und findet in einem Kiosk Zuflucht, bis die Polizei kommt.

Von Stefan Lauer|VICE.com

Die Frau, um die es geht, heißt Alicia Trovatello und ist die Tochter des Black-Föös-Gitarristen Gino Trovatello.

Für die meisten Leute wäre sowas jetzt eher eine unschöne Nachricht, weil es tendenziell selten ein Grund zum Jubeln ist, wenn jemand zusammengeschlagen wird, um das eigene Leben fürchten muss und der Person dann nicht mal wirklich geholfen wird.

Aber Dominik Horst Roeseler, HoGeSa-Mitgründer und stellvertretender Vorsitzender von ProNRW ist nicht wie die meisten Menschen und postet Folgendes auf Facebook:

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UN: Assad lässt Gefangene zu Tode foltern

© AFP UN-Ermittler werfen dem syrischen Machthaber Assad Kriegsverbrechen vor.
Fachleute der Vereinten Nationen werfen dem syrischen Machthaber Assad Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Er vernichte die Zivilbevölkerung, sagen sie und fordern, Assad zur Rechenschaft zu ziehen.

Frankfurter Allgemeine

Ermittler der Vereinten Nationen haben der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Tausende Häftlinge seien in den vergangenen vier Jahren in Haft gestorben, erklärte das Gremium am Montag. Dies komme einer Vernichtung der Zivilbevölkerung gleich. Den islamistischen Rebellengruppen IS und Nusra-Front warfen die Fachleute zudem Kriegsverbrechen vor. So seien Hinrichtungen und die Folter von Gefangenen belegt.

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Erdogan kritisiert Washingtons Zusammenarbeit mit Kurden scharf

erdogan-sultan

Wir oder die? Der türkische Präsident Erdogan hat die USA aufgefordert, sich zwischen der Türkei und den syrisch-kurdischen Kämpfern zu entscheiden. Washington reagiert gelassen.

SpON

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die USA scharf kritisiert: Washington müsse sich entscheiden – zwischen der Türkei und den Kurden. Ein US-Gesandter hatte vergangene Woche Kobane besucht, wo der militärische Arm der PKK-nahen Kurdenpartei in Syrien vor etwa einem Jahr mit Unterstützung von Luftschlägen den “Islamischen Staat” besiegte.

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“Aula” darf KZ-Häftlinge “Landplage” und “Massenmörder” nennen

justiz_grossEinstellung des Verfahrens gegen rechte Monatszeitschrift sorgt für Empörung. Grüner Harald Walser brachte nun parlamentarische Anfrage ein.

Von Colette M. Schmidt|derStandard.at

Die Einstellung eines Verfahrens gegen die FPÖ-nahe Monatszeitschrift “Aula” durch die Staatsanwaltschaft Graz sorgt für Aufregung. Der grüne Parlamentarier Harald Walser hatte wegen eines Artikels mit dem Titel “Mauthausen-Befreite als Massenmörder” des Aula-Autors Manfred Duswald Anzeige erstattet. Duswald bezeichnete darin 1945 aus dem KZ Mauthausen befreite Häftlinge als “Landplage” und “Kriminelle”, die “raubend und plündernd, mordend und schändend” das “unter der ‘Befreiung’ leidende Land” plagten.

KZ-Überlebende als “Belästigung”

Die Grazer Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen Duswald und den Aula-Herausgeber Martin Pfeiffer nun ein. Die Begründung: Es sei “nachvollziehbar, dass die Freilassung mehrerer Tausend Menschen aus dem Konzentrationslager Mauthausen eine Belästigung für die betroffenen Gebiete Österreichs darstellte”. Weiters heißt es, dass sich “unbestritten” unter den KZ-Häftlingen “Rechtsbrecher” befanden.

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