Archiv der Kategorie: Radikalismus

Kurdische und arabische Kämpfer rücken auf Raqqa vor

Symbolbild: Kämpfer hält die IS-Flagge in der Stadt Raqqa / Bild: (c) REUTERS (Stringer)
Bei dem Vormarsch auf die Stadt, die als eine Art Hauptstadt des „Islamischen Staats“ in Syrien gilt, sollen fünf Dörfer und mehrere Felder erobert worden sein.

Die Presse.com

Bei ihrer Anti-IS-Offensive in der syrischen Provinz Raqqa sind kurdische und arabische Kämpfer seit Dienstag vorangekommen: Beim Vormarsch auf die Stadt Raqqa, eine Art Hauptstadt der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien, seien fünf Dörfer und mehrere Felder erobert worden, sagte ein Kommandant der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

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Das ist der neue Taliban-Chef

Mullah Haibatullah Akhundzada © / Reuters
Der neue Talibanführer Haibatullah Akhunzada ist der spirituelle Vater einer neuen, jungen Garde. Seine Ernennung kommt überraschend.

Von Willi Germund | Frankfurter Rundschau

Der offizielle Titel des neuen Talibanchefs Haibatullah Akhunzada lautet wie bei seinen Vorgänger „Amir ur Muminin“ – der Führer der Gläubigen. Doch der 56-jährige islamische Geistliche, der bislang als stellvertretender Talibanchef im Schatten des am Samstag von den USA getöteten Aktar Mansur stand, ist vor allem der spirituelle Vater der jungen Milizengarde.

Während er in der zweiten Hälfte der 90er Jahre als Militärrichter der Taliban drakonische Strafen verhängte, studierten im islamischen Seminar Haibatullahs im südafghanischen Kandahar bis 2001 die Kinder und Enkel der Führer seiner Bewegung, der Nachwuchs der in Afghanistan untergeschlüpften arabischen Al Kaida Größen und die hellsten Köpfe am Hindukusch, die von den Mullahs in Afghanistan gefunden werden konnten. Nach der Vertreibung aus Kabul und Kandahar wurde die Kaderschmiede im pakistanischen Grenzort Chaman neu aus der Taufe gehoben.

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Britische Neo-Nazis schänden KZ Buchenwald

Screenshot Twitter bb
Screenshot Twitter bb
Im KZ Buchenwald starben während der NS-Zeit mehr als 56.000 Häftlinge. Heute ist das ehemalige Lager ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens. Britische Neo-Nazis haben die Würde des Ortes einem Medienbericht zufolge aufs Gröbste verletzt. Der Staatsschutz fahndet nun nach ihnen.
 

FOCUS ONLINE

Wie „bild.de berichtet, hätte sich der Zwischenfall im sogenannten Leichenkeller des ehemaligen Krematoriums veröffentlicht. Der genaue Zeitpunkt der Aufnahme sei unbekannt, jedoch wurde es am 20. Mai auf dem Twitter-Konto der britischen Neo-Nazi-Gruppe „National Action“ veröffentlich.

Im Leichenkeller, heißt es weiter bei „bild.de“, seien zur NS-Zeit Leichen gesammelt und dann per Aufzug in den Verbrennungsraum gebracht worden. Weitere 1100 Personen seien damals in diesem Raum getötet worden – sie wurden an Wandhaken erdrosselt. Diese hätten die Engländer auf dem Foto markiert und darin mit dem Hinweis „Meat hook“ (Englisch: Fleischhaken) versehen.

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Bundestagsdebatte zu Armeniergenozid: Türkischer Druck befürchtet

Bild: Wikimedia Commons/JesterWr
Bild: Wikimedia Commons/JesterWr
Der Deutsche Bundestag will am 2. Juni eine Resolution verabschieden, in der die Massaker der Jahre 1915 bis 1918 als Völkermord bezeichnet werden – Auch Vatikan ist stark interessiert am Ausgang des Votums

kath.net

Die Kurdische Gemeinde Deutschland sieht den Versuch einer „türkischen Lobby“, in der Frage der Anerkennung des Armeniergenozids der Jahre 1915-1918 Einfluss auf die Bundestagsabgeordneten zu nehmen, die jetzt darüber beraten. Ihr liege ein gemeinsames Schreiben unter anderem der Berliner Türkischen Gemeinde und der türkischen Botschaft vor, in dem in Deutschland lebende türkischstämmige Bürger aufgerufen würden, in der Armenierfrage auf jeden Bundestagsabgeordneten Einfluss zu nehmen, so die Kurdische Gemeinde am Mittwoch in Gießen.
Zwischen 1915 und 1918 waren im damaligen Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier, Pontusgriechen, Assyrer und Aramäer ermordet worden. Der Bundestag will am 2. Juni eine Resolution verabschieden, in der die Massaker der Jahre 1915 bis 1918 als Völkermord bezeichnet werden.

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Open Doors schadet der eigenen Sache

Durch Übertreibung und eine „Wir gegen die“-Mentalität macht sich die Organisation Open Doors unglaubwürdig. Das hilft niemandem – und es hilft auch nicht dabei, religiöse Konflikte in Flüchtlingsheimen zu lösen.

Von Hanno Terbuyken | evangelisch.de

Die Organisation Open Doors setzt sich für verfolgte Christen ein. Ihr aktueller Streit mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erreicht aber genau das Gegenteil. Der Sorge um religiös motivierte Konflikte in deutschen Flüchtlingsheimen erweist die Organisation gerade einen Bärendienst.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte der Open-Doors-Befragung zu Christenverfolgung in Flüchtlingsunterkünften, die die Organisation am 9. Mai veröffentlicht hatte, hinterher recherchiert. Die Autoren kamen zu dem Schluss: „Für die Behauptung aber, dass es sich bei solchen Übergriffen um systematische Christenverfolgung durch ein Kartell aus muslimischen Flüchtlingen und Wachleuten handelt, die politisch korrekte Behörden, Wohlfahrtsverbände und Kirchen gewähren lassen, ist ‚Open Doors‘ einen Beleg schuldig geblieben.“

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Haibatullah Achundsada neuer Taliban-Chef

Der vorherige Taliban-Anführer Mansur wurde bei einem US-Drohnenangriff getötet.Foto: dpa
Nach der Tötung von Achtar Mansur durch US-Drohnen haben die Taliban einen neuen Anführer gewählt.

DER TAGESSPIEGEL

Vier Tage nach der Tötung des Taliban-Chefs Mullah Achtar Mansur durch US-Drohnen haben die radikalen Islamisten einen neuen Anführer gewählt. In einer am Mittwochmorgen von Sprecher Sabiullah Mudschahid versandten E-Mail heißt es, einer der beiden bisherigen Mansur-Stellvertreter, Mullah Haibatullah Achundsada, sei neuer Anführer der Bewegung.

Achundsada ist ein anerkannter religiöser Führer und hochrangiger Taliban-Richter. Er hat bisher keine Rolle auf dem Schlachtfeld gespielt. Das ist ungewöhnlich für die Taliban.

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„Eagles of Death Metal“: Kniefall vor den Islamisten

Leadsänger Jesse Hughes, picture alliance
Vor sechs Monaten stürmten Islamisten ein Konzert der „Eagles of Death Metal“ in Paris. Nun ist die Band wegen kontroverser Statements ihres Frontmannes von zwei großen französischen Musikfestivals ausgeladen worden. Das kommt einer nachträglichen Aufwertung derer gleich, die sie damals zum Schweigen bringen wollten

Von Matthias Heitmann | CICERO

Die „Eagles of Death Metal“ waren ein umjubeltes Symbol für den Widerstand gegen Angst und Einschüchterung. Am 13. November 2015 hatten Islamisten ihr Konzert in Paris gestürmt, hatten zehn Minuten lang mit Kalaschnikows ins Publikum gefeuert und Handgranaten in die Menge geworfen. 89 Menschen starben, darunter auch ein Mitglied der Crew der Band. Doch schon kurz nach den Angriffen traten die Musiker auf Einladung wieder in Frankreich auf.

Doch die wohlwollende Stimmung ist nun gekippt. Anlass dafür waren kontroverse Äußerungen gegenüber Muslimen sowie eher abstruse Behauptungen zum Tathergang des Anschlags, mit denen sich Jesse Hughes, der Frontsänger der „Eagles of Death Metal“, in den vergangenen Monaten zu Wort gemeldet hatte. Hughes hatte unter anderem behauptet, er habe am Abend der Anschläge in Paris feiernde Muslime auf den Straßen gesehen: „Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. In Echtzeit! Woher wussten die, was los ist? Es muss eine Form von Koordination gegeben haben.“

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Mexiko – ein riesiger, geheimer Friedhof

Mitglieder der ersten nationalen Freiwilligen-Brigade bei ihrer Suche nach Verschwundenen.Foto: Sandra Weis
Jeden Tag verschwinden in Mexiko rund 14 Menschen spurlos. Da der Staat wenig unternimmt, suchen nun Angehörige nach Massengräbern.

Von Sandra Weiss | DER TAGESSPIEGEL

Der Horror hat viele Gesichter in Mexiko, und manchmal versteckt er sich hinter der alltäglichsten Kleinigkeiten. Wie bei Tranquilina Hernández. Der 13. September 2014 war ein Samstag wie immer in Cuernavaca, eine Stunde Autofahrt südlich von Mexiko-Stadt. Ein fruchtbarer Flecken Erde mit mildem Klima. In den vergangenen Jahren ist es unruhiger geworden, seit der örtliche Drogenkartellchef von Marinesoldaten exekutiert wurde und sich junge Killer um seine Nachfolge streiten. Es gab Schießereien, Geschäftsleute klagten über Schutzgelderpressungen und Entführungen, Geschichten über Kinderkiller gingen durch die Presse. Aber das waren „Angelegenheiten der Bösen“, dachte die 38-jährige Hernández damals – bis ihre 18-jährige Tochter Mireya an diesem Tag unweit der Wohnung spurlos verschwindet.

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Erdogan legt keinen Wert mehr auf die EU

erdogan-sultan

Als Erdogan an die Macht kam, machte er mit europapolitischen Reformen Furore. Inzwischen vollendet Erdogan gerade seine europapolitische Kehrtwende. Ein Kommentar.

Von Thomas Seibert | DER TAGESSPIEGEL

Dass sich die EU und die Türkei in der Flüchtlings- und in der Visafrage streiten, ist an sich nicht allzu schlimm. Interessenskonflikte sind kein Beinbruch. Fatal wird der Krach erst durch den grundlegenden Dissens, der dahinter sichtbar wird. Die Frage ist, ob das Verhältnis zwischen Ankara und Brüssel so grundlegend erschüttert ist, dass es nur noch schwer zu kitten sein wird. Anzeichen dafür nehmen jeden Tag zu.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft der EU vor, mit der Auszahlung der versprochenen Milliardenhilfen für die Flüchtlingshilfe zu zögern und die zugesagte Visafreiheit an immer neue Bedingungen wie die Revision der türkischen Antiterror-Gesetze zu knüpfen. Abgesehen davon, dass die EU jedes Draufsatteln bestreitet, muss sich Erdogan den Vorwurf gefallen lassen, vorherige Zusagen Ankaras wieder zu kassieren. Der von ihm entmachtete Premier Davutoglu hatte der EU die Umsetzung aller 72 Kriterien für die Visafreiheit versprochen. Davon will Erdogan nun nichts mehr wissen. Mit seiner offener Drohung, Flüchtlinge nach Europa zu schicken, falls die EU seine Position nicht akzeptiert, gewinnt die Türkei ebenfalls keine neue Freunde.

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Erdogan und die Union der katholisch-christlichen Völker(EU)

erdoganZur Person: Recep Tayyip Erdoğan ist ein Mann von ganz unten. „Er ist einer von ihnen. Er spricht ihre Sprache.“ Er hat sich durch Fleiß und Ehrgeiz hochgearbeitet. Er hat es den elitären Reichen gezeigt. Er bietet einfache Lösungen für ihre Probleme an. Er verspricht, dass sie etwas vom großen Kuchen abbekommen. Dass sie, wenn sie ihm folgen und loyale Türken sind, ein gutes Leben haben werden. Dass er sie als Vaterfigur gegen „Feinde“ im Innern und Außen beschützt. Er, der Mann aus dem Volk, wird den Kampf gegen die „Feinde der Türkei“ für sie aufnehmen. Das kommt an. Vor allem in Zeiten, wo die Geschäfte schlecht stehen.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Heute lebt er in seinem illegal gebauten Präsidentenpalast mit über 1000 Zimmern. Der Palast in Ankara ist sechsmal so groß wie das Weiße Haus. Möglich wurde dies durch einen Personenkult, den es seit dem Republikgründer Atatürk nicht mehr gegeben hat.

Im Herder-Verlag erschien im April eine detaillierte Biografie s von Cigdem Akyol, die für deutsche Leser interessante neue Details liefert. Erdoğan wächst im Istanbuler Armenviertel Kasimpascha als Sohn eines Istanbuler Hafenarbeiters aus Rize an der Schwarzmeerküste auf. Die Familie stammt ursprünglich aus Georgien.

Der 1954 Geborene hat drei Brüder und eine Schwester. Die Kinder werden muslimisch fromm und autoritär erzogen. Als Kind verdient Erdoğan als Straßenverkäufer von Sesamkringeln für die Familie hinzu. Nach der Grundschule besucht er die weiterführende religiöse Imam-Hatip-Oberschule in Istanbul.

Er war ein ehrgeiziger Schüler, wollte nach oben kommen. Und er war ein Einzelgänger. Außer Fußball mit Seinesgleichen gab es nichts, wofür sich der junge Erdogan interessierte. Er lebte die ihm vorgelebte Tradition und fand die modernen Einflüsse in der Metropole gottlos.

Erste politische Station: die Refah Partei Erbakans

Von 1973 – 1980 absolvierte er ein wirtschafts- und politikwissenschaftliches Studium an der Marmara-Universität. Als Jugendlicher engagierte sich der strenggläubige Muslim, der an seiner Oberschule Kontakt zu religiösen Kreisen geknüpft hatte, in der Jugendorganisation der Nationalen Heilspartei (MSP) von Necmettın Erbakan. In dieser islamischen Partei war er als Funktionär aktiv.

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Flüchtlinge in Türkei: „Natürlich wird auf uns geschossen“

Themenbild: Soldaten an der türkisch-syrischen Grenze / Bild: Reuers (Osman Orsal)
Immer wieder berichten Menschenrechtsorganisationen davon, dass Flüchtlingen an der türkisch-syrischen Grenze der Tod droht.

Die Presse.com

„Natürlich wird auf uns geschossen“, sagt Ala Hooms. Die Syrerin ist im Jänner aus dem syrischen Raqqa in die südosttürkische Provinz Gaziantep geflüchtet – nachts. „Mein Mann und ich haben nur überlebt, weil die Dunkelheit uns geschützt hat“, schildert die 27-jährige Lehrerin. „Doch andere Flüchtlinge wurden von türkischen Grenzbeamten aus der Ferne erschossen“, sagt sie mit fester Stimme.

Überprüfen lassen sich die Aussagen der Frau nicht, die bei Verwandten in Gaziantep untergekommen ist, und darüber nachdenkt, wie ihr Leben weitergehen könnte. Doch immer wieder berichten Menschenrechtsorganisationen davon, dass Flüchtlingen an der türkisch-syrischen Grenze der Tod droht.

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Völkermord-Beschluss im Bundestag: „Wir lassen uns von einem Despoten wie Erdogan nicht erpressen“

erdogan

Der Bundestag will den Völkermord der Armenier durch das Osmanische Reich verurteilen – trotz Protesten der Türkei. Grüne, SPD und Union wollen keine falsche Rücksicht auf Präsident Erdogan nehmen.

SpON

Deutschland braucht die Türkei in der Flüchtlingskrise. Rücksicht wollen Grüne, SPD und Union deshalb aber nicht nehmen – zumindest in der Frage des Völkermords an den Armeniern. Nach intensiven Debatten haben sich die Fraktionen im Bundestag auf einen Antrag geeinigt, darin wird klar von Völkermord gesprochen. „Erinnerung und Gedenken an den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich vor 101 Jahren“, lautet der Titel der Drucksache.

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EU-Parlament verschärft Ton gegenüber Erdogan

erdogan

EVP-Fraktionschef Weber stellt den privilegierten Zugang der Türkei zum EU-Binnenmarkt in Frage: „Nicht selbstverständlich“

derStandard.at

Das EU-Parlament wehrt sich gegen Drohungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, wegen des Streits über die Visa-Freiheit den Flüchtlingspakt aufzukündigen. So stellte Manfred Weber, Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, den privilegierten Zugang der Türkei zum EU-Binnenmarkt und schon existierende Visa-Erleichterungen für türkische Geschäftsleute infrage.

„Das ist nicht selbstverständlich“, zitiert das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Samstag den deutschen Christdemokraten, einen Parteikollegen von Kanzlerin Angela Merkel. „Wenn Präsident Erdogan weiter droht und uns mit Vorwürfen überhäuft, dann kommen wir in eine Sackgasse“, sagte Weber. „Europa ist nicht von der Türkei abhängig.“

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Das Sykes-Picot-Abkommen: Eine verhängnisvolle Linie

Das gespaltene Land. In Iraks Hauptstadt Bagdad haben vor kurzem Tausende Schiiten gegen Korruption und Vetternwirtschaft der…Foto: Ali Abbas/dpa
Vor 100 Jahren teilten Paris und London den Nahen Osten in Einflusszonen auf. Doch die Konflikte in Syrien und Irak zeigen: Die Ordnung von einst löst sich auf.

Von Christian Böhme | DER TAGESSPIEGEL

Die Geschichte des modernen Nahen Ostens beginnt mit Verrat, kolonialer Willkür und einigen Federstrichen. Vor 100 Jahren, am 16. Mai 1916, unterzeichnen die Regierungen in Paris und London eine geheime Vereinbarung, mit der die damaligen Großmächte die arabische Welt unter sich aufteilten.

Grenzen, mit dem Lineal gezogen

Auf das Abkommen hatten sich der britische Politiker Mark Sykes und der französische Diplomat François Georges-Picot verständigt. Es sah vor, nach dem erwarteten Zusammenbruch des Osmanischen Reiches dem Nahen Osten sowohl eine neue strukturierende Ordnung zu geben als auch den beiden europäischen Ländern möglichst viel Einfluss in der Region zu sichern. So wurden Mandate ausgerufen, mit dem Lineal schnurgerade Grenzen in den Wüstensand gezogen, Staaten gegründet – willkürlich und allein auf Grundlage eigener Interessen. Die Briten sicherten sich dabei den Raum um den Irak, Jordanien und Palästina; Frankreich sollte fortan das heutige Syrien und den Libanon kontrollieren.

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Steht der Staat über der Religion?

Staat oder Religion? Bei einer Christi-Himmelfahrtsprozession wird eine Reliquie präsentiert. © Felix Kästle/dpa
Deutschland ist ein säkularer Staat, sagt Volker Kauder von der CDU: Die Religionen müssen sich den Gesetzen fügen, nicht umgekehrt. Stimmt das? Ja, sagt Wolfgang Thielmann, denn Recht gilt für alle. Nein, sagt Hannes Leitlein, dieser Satz kann nicht unwidersprochen bleiben.

Von Wolfgang Thielmann und Hannes Leitlein | ZEIT ONLINE

Volker Kauder liegt richtig: Im deutschen Recht steht der Staat über der Religion. Denn es gibt viele Religionen, aber nur einen Staat, eine Gesellschaft und ein Recht. Das Recht, das sich die Gesellschaft gibt, gilt für alle, und der Staat schützt es. Was eine Religion vorschreibt, muss sich an den für alle geltenden Gesetzen messen lassen.

Aber der freiheitliche Rechtsstaat lebt von Voraussetzungen, die er selber nicht garantieren kann. Diese Voraussetzungen müssen die Mitglieder und Gruppen der Gesellschaft beisteuern, darunter diejenigen, die die Religion vertreten. Dazu gehört der Islam. Die Rede von Navid Kermani vor einem Jahr im Bundestag, der sich für den Staat des Grundgesetzes bedankte, war ein Stück islamischen Verfassungspatriotismus. Leider lädt zwar der Bundestag Kermani ein, aber kein großer islamischer Dachverband.

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BKA besorgt über „radikale Aktivitäten“ in Moscheen

Merkez-Moschee in Duisburg, ©DPA
Das Bundeskriminalamt warnt vor einer Radikalisierung von Flüchtlingen durch islamistische Prediger. BKA-Chef Münch fordert von den Imamen mehr Einsatz im Kampf gegen Extremisten.

Frankfurter Allgemeine

Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor einem steigenden Einfluss von Islamisten auf Flüchtlinge. Er sehe die Gefahr, dass radikale Salafisten die Notlage von Asylsuchenden in Deutschland ausnutzten, sagte BKA-Präsidenten Holger Münch den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. Junge männliche, muslimische Flüchtlinge suchten Anschluss in Deutschland und wollten zugleich ihre Religion ausüben. Wenn sie dabei in einer Moschee an salafistische Islamprediger gerieten, bestehe die Gefahr einer Radikalisierung, sagte der BKA-Chef. „Radikale Aktivitäten in Moscheen bereiten uns durchaus Sorge“, fügte Münch hinzu.

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Technik und Theologie: Gott ist online

Ein Kirchenfenster im Petersdom mit der Darstellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube. (Foto: dpa)

„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, dass er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.“

(Rudolf Bultmann)

Technologie und Theologie schließen sich aus? Das Gegenteil ist der Fall. Überlegungen zu einem digitalen Pfingstwunder.

Von Johan Schloemann | Süddeutsche.de

Ist das jetzt das Pfingstwunder der globalen Verständigung? Wenn die ersten Smartphone-Hersteller eine Sättigung am Markt erreicht haben, also bald jeder eines hat? Wenn, wie jetzt auch in Deutschland, überall die letzten Hürden fallen für ein freies Wlan für alle Menschen und alle Dinge? Die unendliche Kommunikation erfasst die universale Netzgemeinde wie eine Zungenrede, wie ein Brausen, ein mal lautes, oft aber auch eher stilles, unsichtbares Brausen. Und nein, die Leute sind gar nicht betrunken, wie der Apostel Petrus zu Pfingsten versicherte – sie erfüllen nur eine alte Prophetie: „Ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch.“

Digitalisierung und Erweckung sind immer schon eng verwandt. Das geht über einschlägig religiöse Zonen im Internet weit hinaus – also etwa Koran- oder Bibel-Apps, virtuelle Friedhöfe, „Chat-Andachten“, twitternde Päpste und Ähnliches mehr. Der ganze kalifornische Digitalkapitalismus, der nunmehr vielen gnadenlos erscheint, ist aus Erlösungshoffnungen der Hippiebewegung und der New-Age-Spiritualität hervorgegangen. Der kultische Charakter von Apple-Store-Eröffnungen entgeht inzwischen niemandem.

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Wie antisemitisch ist Deutschland?

Juden in Deutschland fühlen sich wieder bedroht.Foto: picture alliance / dpa
Deutschlands Strafverfolgungsbehörden haben 2015 fast 1400 antisemitische Straftaten erfasst. Volker Beck von den Grünen wirft der Regierung indes vor, die wahre Zahl der Delikte zu verschleiern.

Von Johannes C. Bockenheimer | DER TAGESSPIEGEL

Mit dem Antisemitismus ist es wie mit einer Wagner-Oper: Die Melodien variieren, das Leitmotiv aber bleibt immer das Gleiche – die Juden sind an allem schuld. Jesus sollen sie ermordet, Brunnen vergiftet und ihre Matzenbrote mit Christenblut gebacken haben. Man hat den Juden den Sozialismus in die Schuhe geschoben, genauso wie man sie für den Kapitalismus verantwortlich gemacht hat. Kaum ein Missstand oder Verbrechen wurde in den vergangenen Jahrhunderten nicht den Juden anzuhängen versucht.

Dass der Antisemitismus auch heute – 71 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – keineswegs aus Deutschland verschwunden ist, beweisen nun neue Zahlen der deutschen Strafverfolgungsbehörden, die dem Tagesspiegel vorliegen. Wie die Bundesregierung dem Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) auf Anfrage mitteilte, wurden 2015 demnach 1366 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund von den Ermittlungsbehörden erfasst – bei 36 davon handelte es sich um Gewalttaten.

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Fortsetzung des Detmolder Auschwitz-Prozesses könnte sich verzögern

Überraschende Entwicklung im Detmolder Auschwitz-Prozess: Die Nebenkläger stellen einen Befangenheitsantrag gegenüber den Richtern. Wird dem Antrag stattgegeben, könnte sich der Prozessverlauf erheblich verzögern.

evangelisch.de

Im Detmolder Auschwitz-Prozess haben Anwälte der Nebenkläger einen Befangenheitsantrag gegen die Richter gestellt. Über diesen Antrag muss jetzt entschieden werden, wie ein Gerichtssprecher am Freitag sagte. Wird dem Antrag stattgegeben, werde der Prozess zunächst ausgesetzt. Bei einer Ablehnung werde das Verfahren voraussichtlich wie geplant in einer Woche fortgesetzt. (AZ: 4 Ks- 45 Js 3/13- 9/15)

Vor dem Landgericht Detmold muss sich ein 94-jähriger ehemaliger SS-Mann verantworten, der im KZ Auschwitz als Wachmann eingesetzt war. Die Staatsanwaltschaft Dortmund wirft dem Mann aus dem lippischen Lage Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen vor.

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IS-Flagge auf Saudi-Arabiens Botschaft projiziert

Provokation: Die IS-Flagge wurde am Donnerstagabend an die Fassade der saudischen Botschaft projiziert.Foto: Martin Peterdamm Photography
Aktivisten kritisieren mit Lichtinstallation Terror-Finanzierung und setzen sich für die Freilassung des saudischen Bloggers Raif Badawi ein.

Von Felix Hackenbruch | DER TAGESSPIEGEL

Der Protest dauerte nur wenige Minuten, doch die Symbolkraft ist enorm. Politische Kunst-Aktivisten haben am Donnerstagabend gegen 22 Uhr eine IS-Flagge auf die Fassade der Botschaft von Saudi-Arabien projiziert, um dagegen zu protestieren, dass der sogenannte „Islamische Staat“ mutmaßlich Geld aus dem arabischen Königreich erhält. Darüber stand „Daesh Bank“ – das Akronym „Daesh“ ist die arabische Abkürzung für „Islamischer Staat im Irak und Großsyrien“.

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