Attentate in den Medien: Bilderverbot

© dpa Sein Porträt ging um die Welt: Mohammed Atta, der mutmaßliche Attentäter auf das World Trade Center
Einige Medien zeigen keine Bilder mehr von Attentätern, um ihnen keine Macht zu geben. Aber gerade damit verleihen sie den Fotos einen gewissen Nimbus.

Von Kolja Reichert | Frankfurter Allgemeine

Vor seiner Tat verschickte der Massenmörder von Nizza per SMS ein Foto, das er auf dem Fahrersitz des Lkw von sich geschossen hatte: Selbstbewusst blickt er an der Kamera vorbei auf das Handydisplay, den Mittelfinger Richtung Windschutzscheibe gerichtet. Will man das sehen? „Le Monde“ hat sich entschieden, Fotos von Terroristen nicht mehr abzubilden, um nicht dazu beizutragen, „dass Mörder zu Helden werden“. 143.000 Menschen haben eine Petition des Abiturienten Edwyn Letellier an den Vorsitzenden des französischen Fernseh- und Rundfunkrats unterschrieben, die fordert, Namen und Fotos von Terroristen nicht mehr zu verbreiten. Und die für Opferbetreuung zuständige französische Staatssekretärin Juliette Méadel arbeitet an einer Empfehlungsliste, die „die Berufsethik der Journalisten nach den Terroranschlägen neu definieren“ soll.

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Nicht-Integrierte rufen Bundesverfassungsgericht an

Schals mit dem Konterfei des türkischen Präsidenten ErdoganFoto: AFP/Adem Altan
In Köln werden am Sonntag Zehntausende Anhänger und Gegner des türkischen Präsidenten erwartet. Mit der Demonstration beschäftigen sich Richter und Polizei.
 

DER TAGESSPIEGEL

Der Anmelder der Pro-Erdogan-Demonstration am Sonntag in Köln hat das Bundesverfassungsgericht eingeschaltet. Dabei geht es offenbar darum, doch noch Politiker aus der Türkei per Video zuschalten zu können. Ein Sprecher des Karlsruher Gerichts bestätigte am Samstag, es sei ein Antrag in Bezug auf die am Sonntag in Köln geplante Versammlung eingegangen. Darüber hatte das ZDF zuerst berichtet.

Zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Nordrhein-Westfalen entschieden, dass keine Politiker aus der Türkei bei der Demonstration auf eine Großleinwand zugeschaltet werden dürfen.

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Türkei schließt Fruchtbarkeitsklinik – wegen Terrorverdachts

AKP

Der türkische Staat hat eine Klinik für Paare mit Kinderwunsch dicht gemacht. Der Leiter soll Gülen-Anhänger sein. 77 Mitarbeiter sind nun arbeitslos – und Tausende Patientenakten mit persönlichen Details verschwunden.

Von Hasnain Kazim | SpON

Doktor Aret Kamar, Experte für Fertilitätsmedizin, muss hilflos zuschauen, als am Samstagmorgen, 23. Juli, der türkische Staat plötzlich sein Lebenswerk zerstört.

Gut eine Woche nach dem gescheiterten Militärputsch tauchten Mitarbeiter des Gesundheitsamts, der Stadtverwaltung und des Finanzamts in seiner Fruchtbarkeitsklinik in Istanbul auf und erklärten ihm, dass der Betrieb ab sofort eingestellt sei und die Klinik geschlossen werde.

Kamar, Jahrgang 1967, betreibt in Istanbul eine Fruchtbarkeitsklinik, in die Paare aus der ganzen Welt kommen. Es ist ein Haus mit gutem Ruf. Nach dem Umsturzversuch war die Lage angespannt in Istanbul, auch in der Gegend um die Klinik, die nicht allzu weit vom Taksim-Platz entfernt ist.

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Das letzte Nazigold

Der NPD geht das Geld aus.Foto: dpa
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat einen Weg gefunden, der NPD den Geldhahn zuzudrehen. Doch nicht alles ist richtig, nur weil es gegen die Richtigen geht.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Norbert Lammert und seine Parlamentsverwaltung haben einen Weg erdacht, wie der Bundestag eine Partei verbieten kann, ohne dass der Bundestag beim Verfassungsgericht ein Verbot beantragen müsste. Es ist ganz einfach. Man dreht ihr den Geldhahn zu. Das ist erlaubt, haben die Karlsruher Richter gesagt und eine Beschwerde der NPD vorläufig zurückgewiesen.

Alles scheint legal. Die staatlichen Mittel setzt der Bundestag im Februar für das zurückliegende Jahr fest. Für das laufende erhalten die Parteien Abschlagszahlungen. Bekommen sie zu viel, müssen sie später zurückzahlen. Haben sie zu wenig erhalten, schießt der Staat nach.

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„Anzeigen Erdogans bleiben in Deutschland bestehen“

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Am Freitag kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Rückzug aller Klagen wegen Beleidigung an. Doch TV-Satiriker Jan Böhmermann ist davon offenbar nicht betroffen.

DIE WELT

Die Strafanzeigen wegen Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten sind in Deutschland nach Angaben des Medienanwalts Ralf Höcker noch nicht ad acta gelegt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Freitagabend mitgeteilt, alle seine Anzeigen zurückzuziehen. „Die Ankündigung bezieht sich nur auf die Türkei. In Deutschland ändert sich vorerst nichts“, sagte Höcker.

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Der NSU-Skandal – Geschichte einer verhinderten Aufklärung

Wie die Staatsapparate aus einer Existenzkrise, in die sie durch die Selbstenttarnung des NSU geraten waren, gestärkt daraus hervorgegangen sind

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

In diesen Tagen des multiplen Terrors ist viel von neuen Gesetzen die Rede, die das Sicherheitsgefühl der Menschen stärken sollen. Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte warnte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk vor reiner Symbolpolitik auf dem Gebiet der Sicherheit. Er hat als Alternative aber ebenfalls nur Symbolpolitik im Angebot.

Es sind ja einige konkrete Dinge benannt worden, aber die Sicherheitslage ändert sich ja dadurch faktisch nicht. Denn die Bürger brauchen nicht mehr Information oder nur Sicherheitspersonal, sondern sie müssen Vertrauen haben in den Staat, der sie elementar beschützt. Das ist im Moment nicht mehr der Fall und hier sind einfach viele Verunsicherungen, die eher durch Vertrauen, vielleicht auch durch Zukunftsprojekte aufzufangen sind, aber nicht durch Aufrüstung im Detail.

Können Migranten nach dem NSU Vertrauen in staatliche Behörden haben?

Nun denkt man, dass ein Politikwissenschaftler, der sich mit den innenpolitischen Debatten der letzten Jahre beschäftigt hat, dann auch wissen müsste, dass zumindest bei Bürgern mit migrantischem Hintergrund das Vertrauen in den deutschen Staat nachhaltig gestört wurde, nachdem bekannt wurde, dass der Nationalsozialistische Untergrund neun Menschen aus völkisch-rassistischen Gründen ermordete und alle staatlichen Apparate alle Spuren in die rechte Szene abwiesen und stattdessen die Opfer, ihre Angehörigen und Freunde zu den eigentlichen Tätern erklärten. Sie wurden verhört und in der Öffentlichkeit verleumdet.

Nachdem der Charakter der NSU als völkische Terrororganisation nicht mehr zu bestreiten war, sah es für kurze Zeit so aus, als läge eine Abwicklung der Verfassungsschutzämter im Bereich des Möglichen. Doch heute erwähnt der Politologe Korte den NSU nicht einmal mehr, wenn er von Vertrauen spricht, das die Bürger in einen Staat haben sollen, der sie beschützt.

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Präsidentenbeleidigung Erdogan zieht Klagen zurück

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Der türkische Präsident Erdogan kündigt die Rücknahme aller Beleidigungsklagen an. Unklar ist, ob auch Klagen im Ausland – wie die gegen Jan Böhmermann – hiervon umfasst sind.

Frankfurter Rundschau

Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei hat sich Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen internationale Kritik gewehrt und dem Westen mangelnde Solidarität vorgeworfen. Die EU und die USA mögen sich „um ihre eigenen Angelegenheiten“ kümmern, statt ihm Ratschläge zu erteilen, sagte er am Freitag in Ankara. Zugleich kündigte er an, sämtliche Beleidigungsklagen zurückzunehmen – ob das auch für Anzeigen im Ausland galt, blieb zunächst unklar.

„Einige Leute geben uns Ratschläge. Sie sagen, sie sind besorgt“, sagte Erdogan in seiner Rede im Präsidentenpalast. „Kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten! Schaut auf eure eigenen Taten.“ Kein einziger ranghoher westlicher Politiker habe seit dem gescheiterten Militärputsch vor zwei Wochen die Türkei besucht, um sein Mitgefühl auszudrücken.

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Meinungsfreiheit gilt für alle

Mit einem Schild mit der Aufschrift „Freie Presse, freie Gesellschaft“ demonstriert ein Mann vor dem Prozess gegen den Journalisten Can Dundar. Foto: dpa
Zu Recht äußern die Vereinten Nationen und die EU große Sorge um die Pressefreiheit in der Türkei. Egal, wofür die verhafteten Journalisten stehen: Die Meinungsfreiheit muss auch für falsche Ideen gelten. Ein Kommentar.

Von Frank Nordhausen | Frankfurter Rundschau

Die Verhaftungswelle in der Türkei hat die Journalisten erreicht. Die Regierung in Ankara hat Fahndungslisten für 89 Journalisten erstellt, von denen die meisten für Medien der islamischen Gülen-Bewegung gearbeitet, die für den blutigen Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich gemacht wird. Zu Recht äußern die Vereinten Nationen und die Europäische Union große Sorge um die Pressefreiheit in der Türkei.

Falls wirklich Journalisten in den Putschversuch verwickelt waren, müssen sie gerichtlich belangt werden. Es ist auch richtig, dass einige Namen auf der Verhaftungsliste in der Vergangenheit nicht eben als Leuchttürme der Wahrheit galten.

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Türkei nach Putschversuch: 49.000 Pässe für ungültig erklärt – 18.000 Festnahmen

erdogan

Zwei Wochen nach dem Putschversuch geht die türkische Regierung immer noch hart gegen vermeintliche Gegner vor. Laut Innenminister Ala dürfen Zehntausende das Land nicht mehr verlassen oder sitzen im Gefängnis.

SpON

Zwei Wochen nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei geht die Polizei weiter gegen vermeintliche Regierungsgegner vor. Mittlerweile seien 18.044 Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen worden, sagte der türkische Innenminister Efkan Ala dem Staatssender TRT.

Gegen Zehntausende Menschen wurden zudem Reiseverbot verhängt. Insgesamt seien 49.211 türkische Reisepässe für ungültig erklärt worden, sagte Ala. Damit solle verhindert werden, dass die Verdächtigen ins Ausland flüchteten.

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Türkische Regierung erwägt Referendum über Todesstrafe

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat die Möglichkeit einer Volksabstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht gestellt.

evangelisch.de

Solche Entscheidungen dürften „nicht in der Hitze des Augenblicks“ getroffen werden, sagte Cavusoglu in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe). „Vielleicht wird die Entscheidung darüber in einem Referendum fallen. Das sind sehr ernste Fragen“, sagte der Außenminister.

Die türkische Regierungspartei AKP befindet sich laut Cavusoglu unter großem öffentlichen Druck, die Todesstrafe wieder einzuführen. „Wir bekommen Tausende SMS und Tweets, in denen uns gesagt wird: ‚Wenn ihr die Todesstrafe nicht wieder einführt, werden wir eure Partei nicht mehr wählen.'“ Zugleich verwahrte er sich gegen europäische Kritik: „Die EU hat nicht das Recht, uns Lehren zu erteilen in dieser Sache.“

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Erdogan zur Osmanen-Demo in Köln?

Bild: FB
Bild: FB
  • 30.000 Pro-Erdoğan-Demonstranten werden am Sonntag in Köln erwartet.
  • Die Polizei kündigt an, gegen jede Form von Gewalt hart vorzugehen.
  • Auch ein Verbot der Demonstration schließt der Polizeipräsident nicht aus.

Süddeutsche.de

Zwar gebe es bisher keine Hinweise darauf, dass aus der türkischen Versammlung heraus Störungen der öffentlichen Ordnung geplant seien. Man werde aber gerüstet sein, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies. „Wir sind auf besondere Gewaltformen vorbereitet.“ 2300 Polizisten würden in Köln zusammengezogen und acht Wasserwerfer vorgehalten.

Mathies schloss ein Verbot der Veranstaltung nicht aus. „Im Augenblick sehe ich keine Gründe für ein Verbot“, stellte er klar. Sollten aber Mitglieder der türkischen Regierung eingeflogen werden, könne dies in der derzeitigen hoch aufgeladenen Situation unter Umständen dazu führen, dass die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne. Dann müsse die Demonstration als letztes Mittel doch verboten werden, sagte Mathies. Das Aufstellen einer großen Videoleinwand habe er bereits untersagt.

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Journalistische Fehlleistung in Indonesien: Hinrichtung fälschlicherweise gemeldet

Dieses Bild der Schwester des Verurteilten publizierte die Zeitung am Freitag. (Bild:Jakarta Post )
Auf dem Foto auf der Frontseite ist die in Tränen aufgelöste Schwester eines verurteilten Drogenhändlers zu sehen, der sich unter den Hingerichteten befunden haben soll. Es ist die krasseste Fehlleistung seit Bestehen der Zeitung «Jakarta Post» überhaupt.

Von Manfred Rist | Neue Zürcher Zeitung

Bei der angesehenen indonesischen Zeitung «The Jakarta Post» hat sich in der Nacht auf Freitag ein journalistischer Gau ereignet. Auf der mit Bild illustrierten Frontseite des Blatts wird von 14 Exekutionen von Drogenhändlern berichtet, die kurz nach Mitternacht vollstreckt worden seien. Auf dem Foto ist die in Tränen aufgelöste Schwester des Pakistaners Zulfikar Ali zu sehen, der sich unter den Hingerichteten befunden haben soll.

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Priestermord in Frankreich – Ein Angriff auf die Christenheit

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Die Ermordung eines Priesters in Nordfrankreich gibt das neue islamistische Angriffsziel vor: die ganze Christenheit. Da sind Betroffenheit, Sprachlosigkeit und Relativierung keine geeigneten Abwehrmaßnahmen.

Von Alexander Kissler | Cicero

Die Mehrheit der Deutschen ist getauft. Rund zwei Drittel gehören einer Kirche an. Die Zahl der Konfessionslosen wächst. Dennoch ist es kein Scherz, kein bizarrer Einfall, keine Laune eines sommerlich erschlafften Gehirns, wenn nun eine Frage gestellt wird, die gestellt werden muss: „Wie sicher sind deutsche Kirchen?“

Der grauenhafte Priestermord von Saint-Etienne-du Rouvray machte offenbar, was offensichtlich ist. Eine Gruppe enthemmter Muslime hat nicht nur den Atheisten, den Liberalen, den nichtfanatischen Muslimen den Krieg erklärt, sondern auch und vor allem der Christenheit. Der Priestermord von Saint-Etienne-du Rouvray ist ein Fanal über Frankreich hinaus.

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Waffen diskret in Richtung Krisenregion liefern

SZ-Karte; Quelle: BIRN/OCCRP
  • Osteuropäische Staaten könnten die Fluchtbewegung aus Syrien befeuert haben, weil sie Waffen in den Nahen Osten geliefert haben.
  • Ein Recherchenetzwerk zeigt, dass die Länder entweder Restbestände aus vergangenen Konflikten oder sogar neues Kriegsgerät in die Region verkauft haben.
  • Den Dokumenten zufolge wussten die Exportstaaten, dass die Waffen in das Bürgerkriegsland Syrien gelangen könnten.

Von Moritz Baumstieger | Süddeutsche.de

Als die Flüchtlingszahlen in Europa Anfang August 2015 immer weiter stiegen, wandte sich Tschechiens Präsident Miloš Zeman in einem Interview direkt an die Ankömmlinge: „Niemand hat euch hierher eingeladen“, sagte er der Zeitung Blesk, dann fügte der für seinen Hang zu Alkohol und Populismus berüchtigte Politiker an: „Wenn ihr schon hier seid, müsst ihr unsere Regeln respektieren.“

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Türkei: Vermögen von 3.000 Richtern soll beschlagnahmt werden

erdogan

Betroffene sollen Verbindungen zur Gülen-Bewegung haben, die laut Erdogan für den Putschversuch verantwortlich ist

derStandard.at

Nach dem gescheiterten Putschversuch will die türkische Staatsanwaltschaft die Privatvermögen von suspendierten Richtern und Staatsanwälten beschlagnahmen lassen. Betroffen sind 3.049 Richter und Staatsanwälte mit mutmaßlichen Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fetullah Gülen, deren Festnahme bereits angeordnet worden sei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstagabend.

Die Juristen sind bereits vom Dienst freigestellt. Beschlagnahmt werden sollen unter anderem Immobilien, Bankkonten oder Fahrzeuge. Die Regierung macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Nach Angaben des Innenministeriums saßen am Mittwoch mehr als 1.600 Richter und Staatsanwälte in Untersuchungshaft. Die Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, den Staat unterwandert zu haben. Gülen wurde in der Vergangenheit großer Einfluss im Justizbereich nachgesagt.

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Zögerliche Aufklärung im Fall der Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile

Villa Baviera (Februar 2014) Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Xarucoponce
Bundesregierung bleibt hinter Parlamentsantrag aus dem Jahr 2002 zurück. BND wusste schon 1966 von „KZ-ähnlichen Methoden“

Von Harald Neuber | TELEPOLIS

Trotz der teilweise Öffnung der Archive des Auswärtigen Amtes zur deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile und einem kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte in Chile bleibt die Bundesregierung deutlich hinter einem Antrag des Bundestags aus dem Jahr 2002 zurück. Das geht aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die Telepolis vorliegt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Ende April eine teilweise Öffnung der Archive zur Rolle der westdeutschen Diplomatie bei den Verbrechen in der Colonia Dignidad in Chile bekanntgegeben. Normalerweise betrage die Sperrfrist für Dokumente 30 Jahre, sagte Steinmeier bei einer Rede vor hunderten Gästen im Auswärtigen Amt. Er habe unter dem Eindruck der aktuellen Debatte aber entschieden, diese Frist um zehn Jahre zu verkürzen. „Damit machen wir die Akten der Jahre 1986 bis 1996 für Wissenschaftler und Medien zugänglich“, so der Minister. Der Vorstoß war nach Angaben von Mitarbeitern des Auswärtigen Amt intern sehr umstritten.

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US-Truppen erhalten riesigen Datensatz der Terrormiliz IS

Die IS-Dokumente wurden beim Kampf um die nordwestsyrische Stadt Manbij entdeckt.Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Es könnte die Terrormiliz empfindlich treffen: Die USA verfügen nun über 10.000 Dokumente und mehr als vier Terabyte digitaler Inhalte über den IS.

Von Thomas Seibert | DER TAGESSPIEGEL

Die US-Militärs haben von verbündeten Milizen im Norden Syriens einen riesigen Datensatz des „Islamischen Staats“ (IS) in die Hände bekommen. Die Informationen könnten dabei helfen, gegen aus dem Westen stammenden IS-Mitglieder vorzugehen, wenn sie nach Europa heimkehren. Nach Angaben des Pentagon handelt es sich um 10.000 Dokumente und mehr als vier Terabyte digitale Inhalte. Demnach unterhielt der IS in Syrien der Gegend nahe der türkischen Grenze mehrere „Empfangszentren“. Diese Informationen sollen nun genutzt werden, um in Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern der USA heimkehrende IS-Kämpfer aus Europa zu identifizieren.

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Al-Nusra-Chef gibt Bruch mit Al-Kaida bekannt

Bild: (c) APA/AFP/Al-Manara Al-Baydaa/HANDOUT (HANDOUT)
Der Chef der syrischen Jihadisten-Organisation kündigte an, dass sich die Al-Nusra-Front umbenenne und künftig Jabhat Fatah al-Sham heiße.

Die Presse.com

Der Anführer der syrischen Jihadisten-Organisation Al-Nusra-Front hat die Trennung vom Terror-Netzwerk Al-Kaida bekannt gegeben. Al-Nusra-Chef Abu Mohammed al-Golani sagte am Donnerstag im Sender Al-Jazeera: „Wir danken den Anführern von Al-Kaida dafür, dass sie die Notwendigkeit verstanden haben, die Verbindungen abzubrechen (…), die darauf abzielen, die syrische Revolution zu verteidigen.“

Scheich Ahmed Hasan Abu al-Khair aus der Al-Kaida-Führung hatte kurz zuvor in einer Audio-Botschaft gesagt, die Führung von Al-Nusra müsse „die notwendigen Schritte“ unternehmen, um die Anhänger des islamischen Kampfes in Syrien zu „schützen“. Im Internet wurde schon seit Tagen über einen Bruch zwischen Al-Kaida und seinem Regionalableger in Syrien spekuliert. Al-Golani kündigte an, dass sich die Al-Nusra-Front umbenenne und künftig Jabhat Fatah al-Sham heiße.

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Psychopaten: Türkei errichtet einen „Friedhof der Verräter“

Der „Friedhof der Verräter“ im Osten Istanbuls. (Foto: AP)
Die am 15. Juli umgekommenen Putschisten werden in einem gesonderten Areal begraben. „Sie werden in ihren Gräbern keine Ruhe finden“, kündigt der Istanbuler Bürgermeister an.

Süddeutsche.de

Die „Säuberungen“ in der Türkei machen auch vor den Toten nicht halt. Die beim Putschversuch am 15. Juli umgekommenen Umstürzler werden in einem gesonderten Areal begraben – einem „Friedhof der Verräter“.

Der Istanbuler Bürgermeister Kadir Topbaş kündigte diese Entscheidung laut Hürriyet Daily News mit harten Worten an: Die Passanten könnten dann die dort Begrabenen verfluchen, „sie werden in ihren Gräbern keine Ruhe finden“. In der türkischen Stadt Ordu sei dem Bürgermeister zufolge einem Putschisten sogar gänzlich die Beerdigung verweigert worden, die Familie musste die Leiche im eigenen Garten vergraben.

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Der Religionskrieg als Falle des „Islamischen Staats“

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD
Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Dem IS gelingt es, westliche Politik und Christentum im Nahen Osten in einen Topf zu werfen. Beim IS-Terror in Europa spielte das bisher keine große Rolle. Das droht sich zu ändern

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Da jedes dieser terroristischen Verbrechen, die Europa durch den Sommer 2016 begleiten, eine schreckliche inspirierende Wirkung auf andere potenzielle Mörder zu haben scheint, ist zu befürchten, dass der Tatort Kirche nicht zum letzten Mal vorgekommen ist. Bisher haben ja spezifisch christliche Ziele bei im Geiste des „Islamischen Staats“ verübten Attentaten im Westen keine besondere Rolle gespielt (anders als jüdische), auch wenn von einer theoretischen Bedrohungslage ausgegangen wurde.

Die gesamte Gesellschaft eines getroffenen Landes – Frankreich, Deutschland – steht im Visier, und sie ist nicht christlich, sondern säkular geprägt. Es ging stets um etwas anderes als um die historische christliche Identität Europas. Dementsprechend wurde in klugen französischen Reaktionen betont, in der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray sei „Frankreich“ attackiert worden.

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