Die Politik macht die Türken krank

Zwei Jahre nach dem Putschversuch verhärtet sich das politische Klima in der Türkei weiter. Wer nicht auf der Seite der Regierung steht, gilt schnell als Verräter. Immer mehr Türken reagieren darauf mit Angstzuständen und Depressionen.

NZZ

Die regierungstreuen Fernsehkanäle überbieten sich mit Sondersendungen, auf dem zentralen Istanbuler Taksim-Platz gibt es eine Ausstellung mit pathetischen Bildern von weinenden Grossmüttern sowie Zivilisten und Soldaten, der Präsident hat für Sonntag eine Grossveranstaltung geplant. Die Türkei gedenkt der Putschnacht vom 15. Juli 2016. «15.-Juli-Heldenepos», steht über dem rot verkleideten Tor, das zur Taksim-Ausstellung führt. Der Ton ist gesetzt. Als Sieg der Demokratie feiert die Regierung die folgenreiche Nacht. Helden auf der einen Seite, Verräter auf der anderen.

 

Ein Held war einst auch Eren Koca.* Als junger Luftwaffenpilot war er im Krieg gegen aufständische Kurden im Einsatz, dafür wurde er dekoriert, stieg auf der Karriereleiter nach oben. Doch dann kam die Putschnacht. Angehörige schicken ihm wie verrückt Textnachrichten, wollen wissen, was los ist. Er wisse es auch nicht, habe er geantwortet, sagt seine Frau Elif.* Später erzählt er Verwandten von einem regelrechten Befehlschaos. Im Minutentakt trafen auf der Basis in Anatolien, auf die seine Einheit kurz vor dem Putschversuch verlegt worden war, neue Befehle ein. Einmal sollte sich die Luftwaffeneinheit sofort startklar machen, dann sollte sie wieder auf dem Boden bleiben.

weiterlesen…

Advertisements

Es gibt keinen deutschen Islam

Gehört der Islam zu Deutschland? Konservative Politiker akzeptieren ihn dann als Religion, wenn er verfassungskonform ist. Dann aber ist es kein Islam mehr. Muslime haben ein Recht auf kulturelle Identität. Von Alexander Grau

Cicero

Kaum ein Thema versinkt seit Jahren dermaßen in einer Kakophonie aus Halbwissen, sich selbst überschätzender Ahnungslosigkeit und politischer Instrumentalisierungen wie das Thema Islam. Und das gilt für beide Seiten, die so genannte Islam-Kritiker und die Islam-Verteidiger. In beiden Lagern werden dieselben Denkfehler gemacht, und das macht eine sinnvolle Debatte beinah unmöglich.

Da sind zum einen die Objektivisten, man könnte sie fachphilosophisch auch als Essentialisten bezeichnen. Das sind Leute, die naiverweise davon ausgehen, dass es den einen wahren Islam gibt. In diesen Kreisen haut man sich gerne Koransuren um die Ohren und versucht zu belegen, dass der Islam wahlweise eine rückständige, nicht zivilisationsfähige, menschenverachtende Religion ist oder im Gegenteil eine Religion des Friedens, der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe.

Der Islam als schmusige Zivilreligion

Auf der anderen Seite stehen die Kulturalisten oder auch Konstruktivisten: Sie haben zwar kapiert, dass es von keiner Religion und keinem Text die eine, wahre, alleingültige Lesart gibt, leiten daraus aber ab, dass man aus Religionen wie dem Islam nach Belieben so ziemlich alles machen kann: etwa eine schmusige Zivilreligion, die auf ein bisschen Liberalismus und Toleranz mit Spiritualitätsgarnitur eingedampft wird.

 

weiterlesen…

 

 

 

Die orthodoxe Welt fürchtet das nächste große Schisma

Seit fast 1.000 Jahren gehen die Kirchen in West und Ost getrennte Wege. Nun droht erneut ein Schisma von solch epochalen Ausmaßen. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel muss über die Eigenständigkeit der ukrainischen Kirche befinden. Doch Moskau ist dagegen

katholisch.de

Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, ist dieser Tage nicht zu beneiden. Das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie hat eine Entscheidung zu treffen, die im besten Fall für Ärger unter einigen Millionen von Gläubigen sorgt, im schlimmsten Fall sogar ein weltweites Schisma auslöst: Die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats möchte unabhängig werden. Seit April liegt im Fener, dem Amtssitz des Patriarchen im heutigen Istanbul, ein entsprechender Antrag auf dem Tisch. Nun hat Bartholomaios I. eine Entscheidung von enormer gesellschaftlicher, möglicherweise sogar weltpolitischer Bedeutung zu fällen.

Neu ist diese Frage nicht. Sie stellt sich spätestens seit dem Jahr 1992, als der damalige Metropolit von Kiew, Filaret Denyssenko, seiner russisch-orthodoxen Kirche den Rücken kehrte und eine rivalisierende Glaubensgemeinschaft ins Leben rief. Anlass für die Gründung dieser „ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats“ war die Bestrebung ukrainischer Kirchenführer, nach der staatlichen Unabhängigkeit auch die kirchliche zu erhalten.

weiterlesen…

Islamkonferenz soll deutschen Islam definieren

faz.net

Das Bundesinnenministerium will die Deutsche Islamkonferenz erneuern. „Wir müssen viel stärker als bisher die Vielzahl der in Deutschland noch nicht organisierten muslimischen Mitbürger in das Zentrum unserer Islamkonferenz stellen“, sagte Innenstaatssekretär Markus Kerber der „Bild“-Zeitung. Nach der Sommerpause sollen demnach auch wieder Einzelpersonen zur Konferenz, vermutlich im November, zugelassen werden.

Auf die Frage, ob er die Ansicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer teile, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, antwortete Kerber ausweichend: „Wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als ,deutschen‘ Islam definieren“, sagte er. Die Frage sei, ob es einen deutschen Islam geben könne, der auf den rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in Deutschland basiert, sagte der für den Themenbereich Heimat zuständige Staatssekretär. Die Antwort werde allein von deutschen Muslimen zu geben sein.

„Der Staat kann dafür nur Rahmenbedingungen schaffen“, sagte Kerber: „Fest steht: Es gibt einen deutschen Katholizismus, es gibt einen deutschen Protestantismus, und es gibt ein deutsches Judentum. Und wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als ,deutschen Islam‘ definieren – und zwar auf dem Boden unserer Verfassung.“ Das werde die Aufgabe der nächsten Islamkonferenz sein, sagte der Staatssekretär der „Bild“.

weiterlesen…

Claude Lanzmanns Vermächtnis

Welt

Einen Tag vor seinem Tod kam sein letzter Film in die französischen Kinos: „Die vier Schwestern“. Darin dokumentiert der Schöpfer von „Shoah“ das Leben von vier Frauen, die Terror und Tod getrotzt haben.

Sie heißen Ada, Paula, Hanna und Ruth. Es sind schöne, stolze Frauen, jede für sich. Der französische Regisseur Claude Lanzmann hat sie zu Schwestern gemacht. Das waren sie nicht. Zwei von ihnen waren Polinnen, die eine kam aus Ungarn, die andere aus der Tschechei. Lanzmann hat sie in den Siebzigerjahren in Israel und den USA getroffen. Er hat die vier Frauen zu Schicksalsschwestern gemacht, zu Schwestern der Shoah.

„Die vier Schwestern“ heißt sein letzter Film, mit dem sich Claude Lanzmann von der Welt verabschiedet hat. Er kam am Vortag seines Todes in die französischen Kinos. Das mag die Dramaturgie des Zufalls oder seinem eisernen Lebenswillen geschuldet sein, sicher ist nur: Es ist die letzte Grußkarte des großen Lanzmann, gesandt aus der Welt des Unsagbaren und Unbeschreiblichen, gewidmet seinem viel zu früh verstorbenen Sohn Felix.

Lanzmann, der am 4. Juli vergangener Woche mit 92 Jahren gestorben ist, wollte dem Tod trotzen, bis zum Schluss. Er empfand den Tod, so sagte er das immer wieder, als eine Zumutung, als einen Skandal. Der Medizinprofessor Didier Sicard beschrieb bei der offiziellen Trauerfeier am Donnerstag im Ehrenhof des Pariser Invalidendoms seinen Freund Lanzmann bei einem Italienurlaub vor zwei Jahren, wie dieser von einem 14 Meter hohen Felsen ins Meer sprang. Kopfüber. Im Alter von 90 Jahren.

weiterlesen……

Erdogan will Ausnahmezustand aufheben

Sieben Mal wurde der Ausnahmezustand in der Türkei verlängert – nun soll Schluss sein: Präsident Erdogan will ihn zum 18. Juli aufheben lassen. Dahinter steckt wohl Kalkül.

Spiegelonline

 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hebt den Ausnahmezustand in der Türkei zum 18. Juli auf. Das teilte ein Sprecher des türkischen Präsidenten mit. Der Ausnahmezustand war nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 erlassen und seither immer wieder verlängert worden.

In einer Pressekonferenz nach der ersten Sitzung des neuen Kabinetts nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sagte Regierungssprecher Ibrahim Kalin am Freitag, so wie es derzeit aussehe, könne der Ausnahmezustand am 18. Juli enden.

Am 19. Juli wäre er ohne Verlängerung fristgemäß ausgelaufen. Kalin sagte allerdings auch, dass der Ausnahmezustand im Fall „sehr, sehr außergewöhnlicher Umstände“ wiedereingeführt werden könnte.

Mehr als 70.000 Menschen verhaftet

Seit dem Sommer 2016 wurden nach offiziellen Angaben mehr als 70.000 Menschen verhaftet, darunter Journalisten, Menschenrechtler und Oppositionspolitiker. Medienhäuser wurden geschlossen und Bürgermeister ausgetauscht.

Durch Dekrete feuerte Erdogan außerdem mehr als 110.000 Staatsbedienstete, unter ihnen nach offiziellen Angaben aus dem Oktober rund 4000 Richter und Staatsanwälte. Noch am Sonntag verloren mit einem neuen Erlass weitere rund 18.000 Lehrer, Polizisten oder Soldaten ihre Arbeit.

Dass Erdogan nun den Ausnahmezustand aufhebt, ist grundsätzlich ein positiver Schritt. An seinem autoritären Regierungsstil dürfte sich trotzdem wenig ändern. Durch die Verfassungsänderung, die mit der Vereidigung der neuen Regierung am vergangenen Montag endgültig in Kraft getreten ist, verfügt Erdogan über weitreichende Kompetenzen.

Erdogan ist in dem neuen Präsidialsystem Staats- und Regierungschef zugleich. Er entscheidet über Minister- und Richterposten und kann das Parlament nach Belieben auflösen. Erdogan hat in den vergangenen beiden Jahren vor allem durch Notstandsdekrete regiert. Dies ist nun nicht mehr nötig. Auch deshalb dürfte er den Ausnahmezustand aufgehoben haben.

 

EKD dient sich häufig dem Zeitgeist an und verspielt so ihre Zukunft

Evangelischer Theologe Udo Schnelle: EKD erwecke Eindruck, dass es Aufnahmepflicht ohne Grenzen gebe. Es gebe aber kein unbegrenztes Helfen, Grenzenlosigkeit bedeute die Außerkraftsetzung von Regeln – Kritik auch an Positionen zu Homo-Ehe und Islam

kath.net

Die evangelischen Kirchen dienen sich häufig dem Zeitgeist an und verspielen so ihre Zukunft. Diese Ansicht vertritt der Theologieprofessor Udo Schnelle in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Der Bibel-Theologe aus Erlangen ist Autor mehrerer theologischer Standardwerke und sieht die evangelische Kirche in der politischen Ethik, die sich aus Ideen aus dem rot-grünen Politik-Spektrum bediene. Eine dieser Leitideen sei der „globale Universalismus, wonach jeder für jeden und für alles in der Welt Verantwortung habe“. Dieser führe zu einer Art „Intensiv-Ethik, die permanent fordert und sich moralisch unendlich überlegen fühlt“. Ein Beispiel dafür sei die Flüchtlingsfrage. Die EKD erwecke den Eindruck, dass es eine Aufnahmepflicht ohne Grenzen gebe. Es gebe jedoch kein unbegrenztes Helfen. Grenzenlosigkeit bedeute die Außerkraftsetzung von Regeln. Ohne Begrenzung sei keine Integration möglich. Auch theologisch sei die Forderung der Grenzenlosigkeit falsch. Jesu Christi Aussagen zur Nächsten- und Feindesliebe bezögen sich auf die individuelle Alltagsethik und nicht auf globale Prozesse des 21. Jahrhunderts.

weiterlesen

Quantencomputer berechnen das Unberechenbare

D-Wave -Wave 2000 Qubit Processor. Bild: Steve Jurvetson/CC BY-2.0
Forscher zeigen, dass Quantencomputer wirklich etwas Neues sind: Sie lösen ein Problem, an dem jeder klassische Rechner unendlich lange beißen würde

Christian J. Meier | TELEPOLIS

Was ist besonders an Quantencomputern? Ihr atemberaubendes Rechentempo, lautet die gängige Antwort. Demnach können diese künftigen Rechner zwar nicht mehr als herkömmliche Computer, manches aber sehr viel schneller. Für das Zerlegen einer riesigen Zahl in ihre Primfaktoren etwa benötigt ein PC Jahrmilliarden. Ein Quantenrechner, wie er laut Expertenmeinung schon in einem Jahrzehnt verfügbar sein könnte, hingegen nur ein paar Minuten.

Zwei Informatiker zeigen nun aber, dass die Überlegenheit des Quantencomputers über bloße Schnelligkeit hinausgeht. Ran Raz und Avishay Tal haben ein Problem gefunden, das kein normaler Rechner je wird lösen können, selbst wenn er unendlich lange dafür Zeit hätte, ein künftiger Quantencomputer jedoch schon. Demnach spielt der Quantencomputer in einer anderen Liga: Das Wort „berechenbar“ überdeckt durch ihn eine größere Anzahl an Problemen – mindestens eines mehr, wie die beiden Forscher zeigen.

Raz, Professor an der Princeton University und am Weizmann Institut in Israel und sein ehemaliger Doktorand Tal, jetzt an der kalifornischen Stanford University, beschäftigen sich mit den Fähigkeiten von Computern. Klassische Rechner können zwar alles berechnen, was sich berechnen lässt, der Aufwand kann sich von Aufgabe von Aufgabe so sehr unterscheiden, dass manches praktisch unlösbar bleibt.

Ein Beispiel ist das schon genannte Faktorisierungsproblem. Primzahlen lassen sich zwar schnell multiplizieren, auch wenn es vielstellige Zahlen sind. Doch der umgekehrte Weg, ausgehend vom Produkt auf darin enthaltenen Primfaktoren zu schließen, kann sehr schwer werden: Die Zahl der nötigen Rechenschritte wächst unverhältnismäßig mit der Größe der zu zerlegenden Zahl.

weiterlesen

NASA’s Historic Mission to the Sun Gets a Heat Shield

Coronal mass ejection as viewed by the Solar Dynamics Observatory on June 7, 2011. Credit: NASA/SDO
In photographs of total solar eclipses, the ethereal halo an observer sees is the sun’s corona. The word means „crown“ in Latin and Spanish, but the beauty of the name masks a scorching reality: 500 kilometers from the sun’s visible surface, coronal temperatures can reach a few million degrees.

By Doris Elin Salazar | SPACE.com

This environment makes the sun a hostile world to study. So to ensure a new NASA mission to the sun succeeds, engineers added protection to the spacecraft, according to a new statement from the space agency. [Get Ready for 2 Solar Eclipses Coming to the US in 2023 and 2024]

read more

Großbritannien möchte assoziiertes EU-Mitglied werden

foto: apa Britische Parlamentarier bekommen eine Kopie des Weißbuchs zum Brexit. Premierministerin Theresa May will das Ausscheiden ihres Landes aus der EU möglichst „weich“ gestalten.
Neuer Brexit-Minister stellt Weißbuch vor, Finanzindustrie spricht von einem „echten Tiefschlag“

Sebastian Borger | derStandard.at

Drei Tage nach seinem Amtsantritt hat Brexit-Minister Dominic Raab am Donnerstag das lange erwartete Weißbuch zum zukünftigen Verhältnis Großbritanniens und der EU vorgelegt. Ziel sei ein „prinzipientreuer und praktikabler Brexit“, sagte der Kabinettsneuling im Unterhaus. Die konservative Regierung von Premierministerin Theresa May sei zuversichtlich, dass die britischen Ideen Grundlage für eine „dauerhafte Abmachung“, ein sogenanntes Assoziierungsabkommen, sein könnten.

Das 98-seitige Dokument basiert auf dem Chequers-Papier vom vergangenen Freitag, das nach einer langen und kontroversen Sitzung des Kabinetts zustande gekommen war. Statt des zwei Jahre lang propagierten harten Brexits samt Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion werden nun ein weicher Brexit und wirtschaftlich enge Verflechtung mit dem Kontinent angestrebt. Deshalb waren zu Wochenbeginn Raabs Vorgänger David Davis sowie Außenminister Boris Johnson zurückgetreten. Dieser soll Mays Vorgehen als „Scheißhaufen“ (turd) bezeichnet haben.

weiterlesen

NRW-Innenminister verurteilt antisemitischen Angriff von Bonn: Attacke auf jüdischen Professor

Bild: bb
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat einen antisemitischen Übergriff in Bonn als „abscheulich“ verurteilt und sich für Polizei-Fehler entschuldigt. „Wir werden nicht zulassen, dass in Deutschland wieder Hatz auf Juden gemacht wird“.

DOMRADIO.DE

Das sagte der CDU-Politiker der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ in Düsseldorf. Es sei dabei zu einem „verhängnisvollen Missverständnis gekommen“, für das er das Opfer telefonisch um Entschuldigung gebeten habe.

Der Vorfall hatte sich am Mittwochnachmittag im Bonner Hofgarten zugetragen. Dabei war laut Bonner Polizei ein 50-jähriger, in den USA lebender israelischer Hochschulprofessor von einem Mann auf die von ihm getragene Kippa angesprochen und beleidigt worden. Der Unbekannte habe ihm die Kopfbedeckung heruntergeschubst und ihm gegen die Schulter geschlagen.

weiterlesen

Markus Söder erfindet sich neu – doch wer glaubt ihm noch?

Markus Söder bei seiner Regierungserklärung. Inzwischen mahnt der bayerische Ministerpräsident im Landtag einen respektvollen Umgangston an. (Foto: Lino Mirgeler/dpa)
Ausgerechnet der Ministerpräsident mahnt einen guten Stil in der Debatte an. Dabei ist er selbst einer der großen Zündler.

Von Katja Auer | Süddeutsche Zeitung

Am Mittwochabend hat sich Ministerpräsident Markus Söder im Landtag ans Rednerpult gestellt und einen respektvollen Umgangston angemahnt. „Wir sind doch das Hohe Haus und keine Theaterbühne“, sagte er. Ausgerechnet Söder. Da gibt einer den Feuerwehrmann, der die ganze Zeit mitgezündelt hat. Der einer der Hauptakteure war im Asylstreit. Der Seehofers Irrlichtern mit Ausdrücken wie „Asyltourismus“ flankierte und so nicht nur zuließ, sondern befeuerte, dass die Kluft im Land tiefer wird und das Vertrauen in die Politik schwindet. Diesen Begriff werde er nicht mehr verwenden, sagte Söder nun, das sollte wohl Einsicht demonstrieren. Zugleich forderte er einen neuen Stil.

Freilich geht es im Landtag manchmal zu wie im Kasperltheater, wenn die Abgeordneten sich anplärren und beschimpfen und den Rednern ins Wort fallen.

weiterlesen

Linkspolitikerin will Staatsleistungen an Kirchen ablösen

© Bild: dpa/Michael Kappeler
Im vergangenen Jahr scheiterte die Linke mit ihren Forderungen im Finanzausschuss des Bundestags. Jetzt will die religionspolitische Sprecherin der Fraktion das Thema erneut angehen – mit konkreten Vorschlägen.

katholisch.de

Die religionspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Christine Buchholz, hat sich für eine Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen ausgesprochen. 2019 werde dieser Verfassungsauftrag 100 Jahre alt, sagte die Politikerin in einem Interview der Wochenzeitung „Die Tagespost“ (Donnerstag). Sie habe den Eindruck, in den Kirchen gebe es „durchaus Bereitschaft zu einer offenen Diskussion“. Buchholz schlug dazu die Bildung einer Kommission mit Vertretern von Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften vor. In ihr sollten staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure gemeinsam praktische Wege finden.

Als Staatsleistungen im engeren Sinne werden historisch begründete Zahlungen an die Kirchen in Deutschland bezeichnet, zu denen sich der Staat 1803 im Gegenzug für eingezogene Kirchengüter verpflichtete. Daher zahlt der Staat bis heute Gehälter unter anderem für Bischöfe und Domherren.

weiterlesen

Warum „Versager an der Spitze“ auch noch belohnt werden

„Niemals haben sie wirklich Verantwortung übernommen“: Josef Ackermann, Carsten Maschmeyer, Hartmut Mehdorn, Martin Winterkorn (von oben links im Uhrzeigersinn) Quelle: pa/ Emily Wabitsch/dpa; pa/ Christian Charisius/dpa; JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images; pa/ Hannibal Hanschke/dpa
Was haben Mehdorn und Maschmeyer, Winterkorn und Ackermann gemeinsam? Richtig, sie sind Versager. Weil sie es ihren Nachfolgern unmöglich gemacht haben, jemals wieder Land zu sehen. Es muss endlich ein Umdenken stattfinden.

Von Valentin Pretzer | DIE WELT

Der Mensch wird nicht moralischer. Er wird nicht besser. Er steckt voller Fehler, und das lässt sich nur schwer ändern. Das erkannte schon Adam Smith, erster Nationalökonom und Urvater der modernen Wirtschaft, vor über 200 Jahren.

Er entdeckte im Egoismus die treibende und wirksamste Kraft für wirtschaftliches Zusammenleben. Es ist ein simpler Gedanke, der den nächsten Jahrhunderten seine Koordinaten geben sollte: Der Bäcker backt seine Brötchen nicht aus Nächstenliebe, sondern um Geld zu verdienen. Konkurrenz sorgt dafür, dass die Brötchen so billig werden, wie es dem Bäcker nur möglich ist, und gleichzeitig trägt sie zur Verbesserung der Qualität bei. Die Kunden kaufen die besten Brötchen zum billigsten Preis.

weiterlesen

Theologe: Kirche hat Pillen-Verbot als Irrweg erkannt

© Bild: picture alliance / blickwinkel /McPHOTO
1968 sorgte ein Aspekt von „Humanae vitae“ für weltweite Kritik: Der Papst verbot Katholiken den Gebrauch von Verhütungsmitteln. Laut einem Theologen hat sich in der Kirche inzwischen aber ein Wandel vollzogen.

katholisch.de

Der Papst und viele Bischöfe haben nach Ansicht des Moraltheologen Eberhard Schockenhoff das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung „als Irrweg erkannt“. Benedikt XVI. und erst recht Papst Franziskus seien bei diesem Thema weit zurückhaltender als ihre Vorgänger, sagte Schockenhoff der Wiener Presseagentur Kathpress (Donnerstag). „Ein Papst kann nicht einfach seine Vorgänger korrigieren und sagen, der hat sich geirrt, sondern er versucht einfach, das nicht mehr mit der gleichen Lautstärke und Verbindlichkeit einzufordern.“

weiterlesen

Die muslimische Feministin im Rathaus von Tunis

Die neue „Scheicha al-Medina“ von Tunis, Souad Abderrahim Quelle: AFP
Zum ersten Mal hat eine Frau das Bürgermeisteramt in der tunesischen Hauptstadt inne. Viele feiern das als Sensation – besonders weil sie der moderat islamistischen Partei Ennahda angehört. Wie passt das zusammen?

Von Eva Marie Kogel | DIE WELT

Islamisten hängt nicht unbedingt der Ruf von Frauenförderung an. Souad Abderrahim, Typ Powerfrau, in einem früheren Leben Pharmazeutin, dürfte das etwas anders sehen. Die 53-Jährige ist seit Kurzem Bürgermeisterin von Tunis – und zwar auf dem Ticket der Partei Ennahda. Die gilt als Plattform der moderaten Islamisten in Tunesien. Wie geht das zusammen?

Ihren Sieg, verkündete Abderrahim nach der Wahl, widme sie allen Frauen des Landes, die noch immer Probleme hätten, Karriere zu machen. Sie ist kein Neuling im Politbusiness. Schon zu Universitätszeiten war sie in einer islamischen Studentenunion aktiv im Widerstand gegen die Diktatur, dafür saß sie auch einige Zeit im Gefängnis. In den ersten freien Wahlen des Landes nach dem Sturz des Diktators Ben Ali wurde Abderrahim ins Parlament gewählt. Dort saß sie dem Rechtsausschuss vor – und machte mit eher konservativen Positionen von sich reden, vor allem wenn es um Ehe- und Familienrecht ging.

weiterlesen

Sisi gewährt Offizieren Immunität für Massaker an Muslimbrüdern

Der ägyptische Präsident Abdelfatah al-Sisi bei der Vereidigung für seine zweite Amtszeit Anfang Juni im Parlament. (Bild: Handout / Reuters)
Ein neues ägyptisches Gesetz verhindert, dass hochrangige Offiziere wegen eines Massakers an Muslimbrüdern im Jahr 2013 belangt werden können. Die Militärs erhalten zudem diplomatische Privilegien, die bisher nur Ministern zustanden.

Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

Der ägyptische Staatspräsident Abdelfatah al-Sisi macht deutlich, dass er nicht beabsichtigt, an der Sonderstellung des Militärs zu rütteln. Auf Vorschlag der Regierung verabschiedete das Parlament Anfang Juli ein Gesetz, das hochrangige Offiziere mit diplomatischen Privilegien ausstattet und ihnen Immunität für Verbrechen gewährt, die nach dem Militärputsch im Juli 2013 begangen wurden.

Die Offiziere, für die das Gesetz gilt, werden vom Präsidenten direkt bestimmt. Sie geniessen neu Immunität, wenn sie ins Ausland reisen, ein Privileg, das bisher Ministern und Mitgliedern diplomatischer Missionen zustand. Zudem gewährt das Gesetz den ausgewählten Offizieren Immunität für Verbrechen, die zwischen dem 3. Juli 2013 und dem 10. Januar 2016 begangen wurden. Es ist dies die Zeitspanne zwischen dem Militärputsch gegen die Regierung des Muslimbruders Mohammed Mursi und der Wiederaufnahme der Arbeit durch das ägyptische Parlament. Künftig ist allein der Oberste Rat der Streitkräfte befugt, gerichtliche Schritte gegen die Offiziere einzuleiten.

weiterlesen

Der Kalikokrebs, eine „Killermaschine“ für die deutsche Natur

Der Kalikokrebs, der ursprünglich in den USA beheimatet ist, verbreitet sich rasant – und bedroht die deutsche Tierwelt Quelle: dpa/Karsten Grabow
Einst war er in Nordamerika zu Hause, doch nun frisst der Kalikokrebs deutsche Gewässer leer. Einheimische Amphibien und Wasserinsekten fallen ihm zum Opfer. Die Art bedroht die Tierwelt. Denn er vermehrt sich explosionsartig.

DIE WELT

Der nach Deutschland eingeschleppte Kalikokrebs hat sich rasch ausgebreitet. Er wurde vermutlich 1993 in der Nähe von Baden-Baden ausgesetzt und ist nach Expertenangaben inzwischen in den Gewässern entlang des gesamten Oberrheins zu finden.

„Ich wage mal eine grobe Schätzung: In 80 Prozent der Auengewässer findet sich der Kaliko“, sagt Andreas Stephan, der gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Herrmann an der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe ein Forschungsprojekt zu dem nordamerikanischen Flusskrebs betreut. Das gefräßige Tier bedrohe Amphibien und Insekten, etwa Libellen, massiv. Es nimmt ihren Lebensraum in Beschlag und hat großen Appetit.

weiterlesen

Glauben statt wissen – Religionen bergen eine andere Art von Erfahrung

Bahn frei für den Glauben, nur sollte dieser den Handlungsspielraum, den der Staat ihm gewährt, nicht missbrauchen. – Kirche in Wroclaw. (Bild: bna.)
Nicht wenige Theoretiker der Moderne meinten, dass die Religion mit der Ausbreitung des wissenschaftlichen Weltbildes absterben würde. Das ist nicht der Fall gewesen. Dennoch bleibt zwischen Glauben und Wissen ein Konflikt bestehen. Wichtig ist, dass der Staat Religionsfreiheit garantiert und Religion sich politisch zurückhält.

Markus Jost | Neue Zürcher Zeitung

Wenn nur diese Religionen nicht wären, dann wäre es viel friedlicher auf der Welt . . . Diesen Satz hört oder liest man nicht selten. Vor allem wenn Religion in Zusammenhang mit Gewalt auftritt. Viele Menschen sehen sich dann darin bestätigt, dass es besser sei, die Finger von der Religion zu lassen und religiösen Menschen mit Vorbehalt zu begegnen. Religion, die sich unerklärbar und unkontrollierbar zeigt, ist für viele Menschen in der Schweiz bedrohlich und stammt aus einer anderen Welt und Zeit. Denn wir sind es gewohnt, alles erklären zu können. So soll es auch bei der Religion sein: Wir wollen, dass die Religion organisiert und erklärbar wird und sich einfügt in unser weltanschauliches System.

Es stellt sich jedoch die Frage: Was ist unser weltanschauliches System, dem sich die Religion unterzuordnen hat? – Ein Demokrat wird sagen: Die Mehrheit bestimmt, was unser weltanschauliches System ist. Der Historiker: Die Geschichte bestimmt, was unser weltanschauliches System ist. Es fallen oft Schlagwörter wie «abendländische Werte», «Aufklärung und Moderne», «Demokratie» oder «wissenschaftliches Weltbild».

weiterlesen

Röntgenbilder in Farbe

3D-Röntgenaufnahme eines Handgelenks mit Armbanduhr: Die Knochen erscheinen weiß, das weiche Gewebe rot. © MARS Bioimaging Ltd
Schluss mit schwarzweiß: Wissenschaftler haben zum ersten Mal eine Röntgenaufnahme in Farbe erstellt. Möglich machte dies ein neuartiger Scanner, der auf einer ursprünglich für den Teilchenbeschleuniger LHC entwickelten Technik beruht. Das Gerät registriert jedes ankommende Strahlungsteilchen und kann deren unterschiedlichen Energien farbig darstellen – dadurch erlaubt es eine einfache Unterscheidung von Gewebetypen. Die Entwickler versprechen sich genauere Bilder und bessere Diagnosen.

scinexx

Ob für einen Blick in den Kiefer oder das verknackste Sprunggelenk: Die Röntgendiagnostik ist aus der Medizin kaum noch wegzudenken. 1,7 Mal wird jeder Deutsche pro Jahr mithilfe der unsichtbaren Strahlen durchleuchtet, die Wilhelm Conrad Röntgen bereits vor mehr als 120 Jahren entdeckte. Das Röntgen ist ein altes Verfahren – und das sieht man ihm trotz aller Fortschritte an. Denn obwohl die Bilder mittlerweile digital verarbeitet werden, hat sich eines bis heute nicht geändert: Röntgenaufnahmen sind schwarzweiß.

weiterlesen