Atheisten für den Islam

Als am vergangenen Sonntag in Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert wurde, war auch eine Organisation mit dabei, die sich bisher durch ihr Eintreten gegen den Einfluss jeglicher Religion in Staat und Gesellschaft auszeichnete.

Archi W. Bechlenberg | Achgut.com

Es ist die Giordano-Bruno-Stiftung, benannt nach dem 1600 von der Heiligen Inquisition auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannten italienischen Priester, Dichter, Philosophen und Astronomen gleichen Namens. Im Gegensatz zu Opfern des IS Terrors, so erklärte mir einmal ein katholischer Theologe, sei Bruno nicht etwa unrechtmäßig hingerichtet worden; es habe zuvor ein ordentliches Gerichtsverfahren gegeben.

Die GBS nennt sich „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“, sie tritt ein für eine „tragfähige humanistische, rationale und evidenzbasierte Alternative zu den traditionellen Religionen“ und möchte dieser „gesellschaftlich zum Durchbruch zu verhelfen.“

Ob der Stiftung ihr Mitdemonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit bei in Deutschland lebenden Japanern, Griechen, Italienern, Vietnamesen oder Luxemburgern positiv aufgefallen ist, ist zumindest fraglich.

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Vatikan unterstützt Scientology-Lehrstühle für Pseudomedizin

Foto: pixabay.com (CC0 Creative Commons)
Eine alternative Heilmethode, von einem SS-Oberscharführer ersonnen, dazu ein schleierhafter Hightech-Konzern aus dem Hinterland Nordrhein-Westfalens, der Vatikan, und natürlich die Church of Scientology, ein obskurer Lehrstuhl an einer italienischen Universität. Was klingt, wie das hanebüchene Setup eines Dan-Brown-Verschwörungsthrillers oder wie der wagemutigste Clickbait-Artikel des Internets, hat es irgendwie geschafft, Realität zu werden.

Von Deniz Y. Dix | hpd.de

Mit bestechender Logik präsentiert sich die sogenannte Bioresonanztherapie: Menschen senden elektromagnetische Schwingungen aus. Ist der Mensch krank, sind diese gestört. Mit einem „hochkomplexen“ Gerät werden diese Schwingungen buchstäblich umgekehrt, zurück in den Körper geleitet, und einer raschen Genesung ist Genüge getan. Denn die „kranke Schwingung“ und die zurückgeleitete inventierte Schwingung neutralisieren sich gegenseitig. Sie haben Krankheiten jedweder Art? Gehen Sie in den Baumarkt, berühren Sie mit zwei Fingern einen Polwandler, und sparen Sie sich die Mühen eines lästigen Arztbesuchs. Dem rationalen Leser mag der Gedanke bereits gekommen sein: Das alles ist vollkommener Unfug und mit einem Mittelstufen-Physikbuch restlos widerlegbar. Wer es genau wissen will, darf sich aber auch an einer uferlosen Bandbreite an wissenschaftlichen Untersuchungen erfreuen.

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Unternehmer: Kirche soll Glauben der Mitarbeiter nicht kontrollieren

Religionslehrerin. Archivfoto: Michael Bönte
Wie gerecht es in der Wirtschaft zugeht, dazu äußert sich die Kirche immer wieder. Doch wie sieht es bei ihr selbst aus? Einschätzungen von Ulrich Hemel, Bundesvorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU).

Kirche+Leben

Herr Hemel, wie verhält sich aus Ihrer Sicht die Kirche als Arbeitgeber und Unternehmer?

Allgemeine Aussagen sind schwierig, denn die Kirche besteht aus vielen Einheiten. Zum Beispiel aus den Verwaltungen der Bistümer, den verschiedenen Caritas-Einrichtungen, katholischen Krankenhäusern, Ordensgemeinschaften und vielem mehr. Da wird auch in der Öffentlichkeit nicht genügend differenziert. Diese Einheiten sind eigenständig handelnde Unternehmen – und dabei reicht die Bandbreite von Paradies bis Alptraum.

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Wie die Behörden verschleiern

Verwüstung: Nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz. Foto: dpa
Verfassungsschutz und BKA hatten den Terroristen Amri schon vor dem Anschlag im Blick – zu dieser Ansicht ist der Untersuchungsausschuss gelangt.

Von Konrad Litschko | taz.de

Viel weiß man nicht über Thilo Bork. Schon sein Name ist nicht echt – eine Tarnidentität, angelegt von seinem Arbeitgeber, dem Bundesamt für Verfassungsschutz. Dort arbeitet Bork als Referatsgruppenleiter, Abteilung Islamismus, zuständig für „Informationsbeschaffung“. Er koordiniert V-Leute-Einsätze, versucht ins Innerste der islamistischen Szene vorzudringen. Und hatte es früher wohl auch mit einem Tunesier zu tun: Anis Amri, dem Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz. Am Donnerstag wird sich Bork deshalb im Bundestag etliche Fragen stellen lassen müssen: Er ist als Zeuge in den Untersuchungsausschuss zu dem Terroranschlag geladen.

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Gigant des frühen Kosmos entdeckt

Visualisierung des frühen Proto-Superclusters Hyperion – er ist der bisher größte und massereichste seiner Art. © ESO/L. Calçada, Olaga Cucciati et al.
Kosmischer Titan: Astronomen haben den größten und massereichsten Proto-Superhaufen des frühen Kosmos entdeckt. Die gigantische Ansammlung von Galaxien existierte schon 2,3 Milliarden Jahre nach dem Urknall und umfasst Billiarden Sonnenmassen. Angesichts der geringen Entwicklungszeit, die dieser Proto-Supercluster hatte, ist er damit erstaunlich groß, wie die Forscher berichten. Von ihm erhoffen sie sich daher Einblicke in die primordiale Galaxien-Entwicklung.

scinexx

Die Materie ist im Universum nicht gleichmäßig verteilt, sondern bildet großräumige Strukturen – Galaxiencluster, Filamente und auch sogenannte Supercluster. Letztere sind gewaltige Strukturen, in denen sich zehntausende von Galaxien gemeinsam bewegen. Auch unsere Milchstraße gehört zu einem solchen Superhaufen, dem rund 520 Millionen Lichtjahre großen Laniakea.

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Bittere Armut und unmenschliche Minijobs

Grafik: TP
Dieses Erbe der letzten Regierung unter einem SPD-Kanzler bleibt präsent: Der Niedriglohnbereich, ausgebaut unter Gerhard Schröder, nimmt einen zentralen Platz im sogenannten Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz ein.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Dort wird aufgezeigt, dass sich nicht nur Arbeitslose, sondern auch eine stetig wachsende Zahl von Menschen, die einem Erwerb nachgehen, selbst in Deutschland mit bitteren Phänomenen der Armut herumschlagen müssen. Dass dies aus unterschiedlichen Gründen versteckt wird, passt zum Namen des Berichts.

Offiziell wird der Begriff „Schattenbericht“ von Barbara Eschen, der Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz (Mitglieder hier), damit begründet, dass er als eine Art Parallelbericht zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (siehe dazu: „Westliche Demokratie“ ist hohl: Reichtum regiert fungieren soll. Es geht um eine Parallelwelt, die kaum, wenn überhaupt, von denen wahrgenommen wird, die damit nicht in Berührung kommen oder nicht in Berührung kommen wollen.

Große Teile des Schattenberichts schildern aus Sicht von Menschen mit Erfahrung, was es tatsächlich heißt, mit so wenig Mitteln auszukommen, von denen die Besserwisser behaupten, dass es reicht.

Das „Normale“ fehlt: Internet, Zeitung, Treffpunkte, Freizeitangebote, gute Wohnung und Arbeit, gesundes Essen und politische Beteiligung. Abgeordnete nehmen Arme kaum wahr. Die Folge: Je ärmer, desto niedriger die Wahlbeteiligung.

Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz

Die Erfahrungsberichte sind ein wichtiger Teil des Berichtes der Nationalen Armutskonferenz und sie kommen im Gegensatz zur Mehrheit der politischen Standortbestimmungen ohne Zeigefingergestus aus, beschreiben die Realität, die in den Politikproklamationen etwa der konservativen Parteien, die sich gerade in Bayern auf ein dickes Brett setzen, keine Rolle spielen.

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Generalvikar: Homosexualität nicht Hauptgrund für Missbrauch

Der Münchner Generalvikar Peter Beer hat erneut eine gründliche Beschäftigung mit den Ursachen des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche angemahnt. Er wendet sich gegen die These, Homosexualität sei der Hauptgrund. 

DOMRADIO.DE

Zur Krise für die Kirche als Ganzes sei es dadurch geworden, wie Zuständige und Mitwisser mit ihm umgegangen seien, nämlich mit Verschweigen und Vertuschen, so Beer in einem Autorenbeitrag für die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ (Donnerstag). „Wenn man also nach den Schuldigen der Krise sucht, dann sollte man bei denen beginnen, die die Täter stoppen und die (weitere) Taten hätten verhindern können“, so Beer.

In derselben Ausgabe der Zeitung schreibt der Churer Weihbischof Marian Eleganti, Sexualität und nicht Klerikalismus spiele die entscheidende Rolle bei den Übergriffen. Ohne eine homosexuelle Veranlagung auf Täterseite lasse sich nicht wirklich erklären, dass in den bisher veröffentlichten Reports wie zuletzt in Deutschland die Opfer übergriffiger Kleriker mehrheitlich männliche Kinder und Jugendliche gewesen seien. Zugleich sei „uns allen klar, dass Sexualität per se – egal ob homo- oder heterosexuell – integriert und beherrscht werden muss und kann“.

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Mysterious Signals at the Center of Our Galaxy May Be an Optical Illusion

Bild: NASA
The universe might be tricking us with its optical illusions.

By Yasemin Saplakoglu | SPACE.com

Last spring, researchers discovered high abundances of three elements in a group of red giants (dying stars in the last stage of their evolution) less than 3 light-years away from the black hole at the center of our galaxy, the Milky Way. The high levels of these elements — scandium, vanadium and yttrium — puzzled astronomers, who tried to explain the phenomenon with various theories. One theory suggested that the abnormally high levels of the elements resulted from the descent of old stars into the black hole, while another posited that the elements were debris from the collision of neutron stars, according to a statement.

The latest of such explanations was recently proposed by an international group of astronomers and atomic physicists. They argue that those elements didn’t actually exist at the high concentrations observed. Rather, the elements were probably an illusion all along, the researchers reported in a new study published yesterday (Oct. 10) in the Astrophysical Journal.

Scientists originally detected these elements by recording „spectral lines“ with a spectrometer. With this method, scientists look at the amount of light an object absorbs or emits. Because different elements will emit or absorb light in a slightly different way (called their spectral lines), scientists can use the information to figure out what an object is made of. Scandium will interact with light differently than, say, vanadium would, for example. [Our Milky Way Galaxy: A Traveler’s Guide (Infographic)]

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Kölner Kardinal verhinderte Berufung von Dogmatiker

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Das Preußenkonkordat von 1929 räumt den Bischöfen ein Mitspracherecht bei der Besetzung von Theologie-Lehrstühlen ein. Eine Zeitung berichtet nun, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki habe auf diese Weise einen Kandidaten verhindert, den er nicht für geeignet hielt.

katholisch.de

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat laut einem Zeitungsbericht vor zwei Jahren die Berufung eines Theologen an die Universität Bonn verhindert. Der Erzbischof habe 2016 bei der damaligen nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) gegen die Ernennung von Joachim Negel als Dogmatikprofessor interveniert, schreibt der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag). Dabei habe Woelki die fachliche Eignung des Paderborner Priesters infrage gestellt. Er ist inzwischen Professor im schweizerischen Fribourg.

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Meinungsfreiheit deckt nicht Nazi-Vergleich bei Stammzellenforschung

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ein Abtreibungsgegner, der Stammzellenforschung mit Nazi-Experimenten verglichen hatte, ist mit seiner Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gescheitert. Die Verurteilung des Mannes in Deutschland wegen Beleidigung verstoße nicht gegen die Meinungsfreiheit, befand am Donnerstag der EGMR in Straßburg.

evangelisch.de

2007 hatte der Abtreibungsgegner eine Presseerklärung im Internet veröffentlicht, in der er die Stammzellenforschung und eine damit befasste Forschergruppe an der Universität Bonn kritisierte, erläuterte der EGMR. Dabei seien einer der Professoren namentlich genannt und die Forschung mit Experimenten an Menschen unter dem Regime der Nationalsozialisten verglichen worden. Im darauffolgenden Jahr wurde der Verfasser wegen Beleidigung zu 450 Euro Geldbuße verurteilt, seine Einsprüche vor der deutschen Justiz scheiterten.

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Union bekräftigt „Nein“ zur Streichung von Paragraf 219a

Bild: © Deutscher Bundestag / Achim Melde
Der Bundestag diskutiert am Donnerstagabend erneut über das geltende Werbeverbot für Abtreibungen. Vor der Debatte haben mehrere Fraktionen ihre Standpunkte in dieser Frage noch einmal deutlich gemacht.

katholisch.de

Die Union hat ihr „Nein“ zur Streichung des Werbeverbots für Abtreibungen bekräftigt. Sie befürchte eine veränderte gesellschaftliche Einstellung zum Abbruch einer Schwangerschaft, wenn Ärzte dafür werben könnten, sagte die rechtspolitische Sprecherin der Union, Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), am Donnerstag im rbb. Eine Abtreibung könne dann wie eine Vorsorgeuntersuchung als eine normale Dienstleistung des Arztes angesehen werden. Auftrag des Staates sei es aber, das Lebensrecht des Kindes zu schützen.

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Das grösste und älteste Lebewesen der Welt droht zu sterben

Die Bäume von Pando sind unterirdisch alle miteinander verbunden und genetisch identisch. (Bild: pd)
Es ist kein Wal, nicht einmal ein Tier. Das grösste und älteste Lebewesen ist eine Baum-Kolonie, die wegen einer Besonderheit als einzelnes Lebewesen gilt. Doch es geht ihr nicht gut.

Neue Zürcher Zeitung

Das grösste und gleichzeitig älteste Lebewesen der Welt, ist ein Verbund von Zitterpappeln namens Pando. Dieser ist ernsthaft gefährdet. Pando besteht laut Forschenden aus 47 000 Bäumen identischen Erbguts, die unterirdisch durch Wurzeln verbunden sind. Deshalb wird er als ein einzelnes Lebewesen angesehen, das sich auf 30 Hektar ausbreitet. «Pando existiert wahrscheinlich schon seit Tausenden von Jahren, genau können wir das Alter nicht bestimmen – aber jetzt kollabiert er vor unseren Augen», sagt der Wissenschafter Paul Rogers von der Utah State University.

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Hindu-Tempel öffnet für menstruierende Frauen: Proteste in Indien

Hindu-Hardliner attackierten Journalistinnen und Pilgerinnen – die Polizei musste eingreifen. ©AFP
Der Oberste Gerichtshof hatte vor kurzem einen jahrhundertealten Bann von Frauen zwischen 10 und 50 Jahren gekippt. Hindu-Hardliner protestierten und griffen Pilgerinnen und Journalistinnen an.

Tiroler Tageszeitung

Weil ein bedeutender Tempel im südlichen Indien für alle Frauen geöffnet werden sollte, haben Hindu-Hardliner protestiert und Journalistinnen und Pilgerinnen angegriffen. Demonstranten versperrten Frauen in fortpflanzungsfähigem Alter vor dem Sabarimala-Tempel im Unionsstaat Kerala im Vorfeld der Öffnung den Weg, wie der Sender NDTV berichtete.

„Jedem Gläubigen wird eine sicherer Durchgang gewährleistet. Das Gesetz des Landes wird durchgesetzt“, sagte der Polizist Manoj Abraham der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Eine Familie wurde zu ihrem Schutz von der Polizei eskortiert, beschloss nach aggressivem Verhalten von Demonstranten aber umzukehren, wie der Sender berichtete. Bereits am Dienstag nahm die Polizei in der abgelegenen Region Nilakkal elf Menschen bei Protesten fest.

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Keine Streitzeit mit AfD-Repräsentanten beim DEKT in Dortmund

Screenshot: bb
Mit Blick auf die Gründungsidee des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT) sei „in der Frage der AfD Deutlichkeit geboten.“ Es gebe „mittlerweile in der AfD einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus“.

Dr. Reinhard Hempelmann | EZW

Mit diesen Worten begründete das Präsidium des DEKT im September 2018 seine Entscheidung, AfD-Politikerinnen und Politiker von einer Teilnahme an Podien und Diskussionsveranstaltungen beim Kirchentag in Dortmund 2019 auszuschließen. In geheimer Sitzung wurde der Beschluss gefasst. Gleichzeitig wurde gesagt, dass Wähler und Sympathisanten der Partei zur Teilnahme eingeladen seien. Die Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus soll stattfinden, sie soll ein zentrales Thema sein, aber ohne authentische Vertreterinnen und Vertreter.

Die vom Kirchentag herausgegebene Meldung, dass damit die bisherige Haltung im Umgang mit dem Rechtspopulismus bestätigt werde, trifft in der Sache nur teilweise zu. Denn 2016 hatte sich der DEKT dazu entschlossen, einem Streitgespräch zwischen Bischof der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge, und der damaligen Vorsitzenden der Bundesvereinigung „Christen in der AfD“, Annette Schultner, Raum zu geben. Die Auseinandersetzung war heftig und emotional. „Streitzeit“ hieß die Veranstaltungsreihe im Zentrum Weltanschauungen im Mai 2017 in der Sophienkirche in Berlin-Mitte, das von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) und Kolleginnen und Kollegen der kirchlichen Weltanschauungsarbeit vorbereitet und durchgeführt worden war. Der inszenierte Streit zum Thema „Christen in der AfD?“ fand größte mediale Aufmerksamkeit und wurde als vorbildliche und weiterführende Veranstaltung im Kirchentagsgeschehen gewürdigt. Im Austausch der Argumente wurde deutlich, wie wenig die AfD zu den politischen Gegenwartsfragen beizutragen hat. Im Vorfeld war versucht worden, die Veranstaltung zu verhindern, ohne Erfolg.

Die jetzige Entscheidung des Kirchentages stellt meines Erachtens einen Schritt zurück dar. Deutliche Abgrenzungen gegenüber der AfD sind fraglos nötig. Eine öffentliche Propaganda von Feindbildern und Ressentiments darf nicht sein. Der Kirchentag rühmt sich, ein Ort zu sein, wo mit Respekt und Toleranz unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen können. Seinen eigenen Grundsatz, dass niemand wegen seines Parteibuches ein- oder ausgeladen werden solle, stellt er mit dieser Entscheidung in Frage. Eine argumentative Bloßstellung des Rechtspopulismus ist möglich, wenn Begegnung und Auseinandersetzung stattfinden. Die diskursive Ausgrenzung der AfD ist gescheitert, wenn in fast allen Landesparlamenten und im Deutschen Bundestag die Partei präsent ist.

Die Ratlosigkeit im Umgang mit der AfD ist in Politik, Kirche und Gesellschaft groß. Es muss alles getan werden, um der AfD etwas entgegenzusetzen. Die Präsenz des anderen macht jeden Streit anstrengender, jede Auseinandersetzung anspruchsvoller. Podien dürfen fraglos nicht für fremdenfeindliche Propaganda genutzt werden. Das lässt sich jedoch verhindern, wie sowohl der DEKT 2017 wie auch der Katholikentag 2018 gezeigt haben. Es sind populistische Muster, die in Rhetorik und politischer Entscheidung von Exklusion bestimmt sind. Die christlichen Kirchen haben die Freiheit, auf Ausgrenzung nicht mit Ausgrenzung reagieren zu müssen. Sie sollten der Auseinandersetzung mit Populisten nicht pauschal ausweichen. Grenzen der Auseinandersetzung müssen allerdings dort markiert werden, wo Populismus zum Extremismus wird, wo demokratische Prinzipien angegriffen und Gewaltaktionen legitimiert werden.

Demokratie lebt auch vom Streit, für den Räume und Zeiten geschaffen werden müssen. Darauf hat mit Recht die Kammer für Öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem wichtigen Orientierungstext „Konsens und Konflikt“ 2017 hingewiesen. Heute besteht die Gefahr, dass notwendige Auseinandersetzungen nicht stattfinden, wenn und weil die politische Meinungsbildung hauptsächlich in „positionell homogenen Teilöffentlichkeiten“ („Echokammern“ oder „separierten Wirklichkeiten“) stattfindet. Dem Populismus muss mit Argumenten für eine bessere Politik begegnet werden. Seine Entzauberung geschieht im offenen Streit mit authentischen Repräsentanten. Dazu wird es im nächsten Jahr in Dortmund voraussichtlich keine Gelegenheit geben.

„Afterdienst“: Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie – poehse Atheisten

Die atheistische Bedrohung

Am Samstag, 10. November, lädt die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Kelheim um 9.30 Uhr zu einem Studientag mit Professor Dr. Bertram Stubenrauch in das Kloster Weltenburg ein. Das Thema lautet: „Gott auf der Anklagebank? – Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie“.

Wochenblatt

„Es gab immer schon Menschen, die so lebten, als gäbe es Gott nicht. Und manche haben Gottes Existenz mit Argumenten ausdrücklich bestritten. Inzwischen aber hat der Atheismus einen geradezu missionarischen Eifer entwickelt: Man predigt aggressiv gegen den Gottesglauben und beginnt Gleichgesinnte miteinander zu vernetzten“, so die Beobachtung des Referenten. Der Studientag geht der Frage nach, mit welchen Methoden, mit welchen Argumenten und auf welchem Niveau atheistische Propaganda vorgeht. Er informiert über die Geschichte des Atheismus und seinen aktuellen Ist-Stand, diskutiert aber auch Versäumnisse auf Seiten der Glaubenden, mit der Herausforderung, die atheistisches Gedankengut darstellt, angemessen umzugehen. Ziel des Seminars ist die eingehende Diskussion der Teilnehmenden untereinander und mit dem Referenten. Dem dienen einführende Impulse des Referenten und die Vorstellung charakteristischer Texte.

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Flüchtlinge im Kirchenasyl gelten nicht als „flüchtig“

Die Justizia © Manu_H @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Asylbewerber im Kirchenasyl sind nicht „untergetaucht“ und dürfen von Behörden nicht so behandelt werden. Das hat das Verwaltungsgericht Trier im Fall von sechs Sudanesen entschieden. Sie wehrten sich gegen ihre Abschiebung nach Italien.

MiGAZIN

Asylbewerber im Kirchenasyl dürfen nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Trier von den Behörden rechtlich nicht so eingestuft werden, als seien sie untergetaucht. Das Gericht gab in einer am Mittwoch veröffentlichten Entscheidung den Eilanträgen von sechs Sudanesen statt, die sich gegen ihre Abschiebung nach Italien gewehrt hatten (AZ: 7 L 5184 /18.TR – u. a.). Zuvor war bereits bekanntgeworden, dass die für Mittwoch geplanten ersten Rückführungen im buchstäblich letzten Moment gestoppt werden konnten. Um das Kirchenasyl für ursprünglich neun sudanesische Flüchtlinge im Rhein-Hunsrück-Kreis hatte es zuvor einen monatelangen Konflikt gegeben.

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Religiöse Vorschrift oder historisches Produkt der Männerherrschaft?

Paula Modersohn-Becker: Kopf einer alten Frau mit schwarzem Kopftuch, 1903
In seinem Buch Ihr müsst kein Kopftuch tragen plädiert der Theologe und Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi für eine kritische Revision des islamischen Kopftuchgebots.

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Ourghi, in wie vielen islamisch regierten Staaten ist das Nicht-Tragen eines Kopftuchs gesetzlich erlaubt und wird von der Bevölkerung auch toleriert?

Abdel-Hakim Ourghi: Das ist völlig richtig, denn das Familiengesetz in vielen muslimischen Ländern, wie etwa in Nordafrika, erlaubt die Nicht-Verschleierung. Die Realität sieht jedoch anders aus. Es geht letztendlich bei der Verschleierung nicht nur um die Beherrschung des Geistes und Körpers der Frauen, sondern auch um die Steuerung ihrer Sexualität.

Viele Mädchen und Frauen, die kein Kopftuch tragen wollen, sind dem kollektiven Zwang ihrer Gemeinde und Familie ausgesetzt sind. Wenn sie schließlich doch nachgeben, dann nicht freiwillig. Die nicht kopftuchtragende Frau wird unterstellt, dass sie ihren Körper zu Schau und damit anderen zur Verfügung stellt.
In der patriarchalen Gesellschaftsordnung besteht der Konsens, eine solche Frau sei keine „wahre“, keine „richtige“ Muslimin. Sie sei eine Muslimin, die keinen Respekt vor der eigenen Religion und vor den anderen Muslimen habe. Sie sei eine Außenseiterin, da sie sich nicht an das Verschleierungsgebot halte. Ihre Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinde wird dadurch in Frage gestellt.

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Kritik an Antibiotika-Gebrauch in der Landwirtschaft

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat Landwirte und Tierärzte aufgefordert, weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung einzusetzen.

evangelisch.de

Der unsachgemäße und übermäßige Gebrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft habe dazu geführt, dass immer mehr dieser Arzneimittel nicht mehr wirkten, sagte Generalsekretär Alexander Bonde am Mittwoch am Sitz der Stiftung in Osnabrück. Hinzu kämen Hygienemängel in der Human- und Veterinärmedizin. Weltweit stürben deshalb immer mehr Menschen und Tiere an bakteriellen Erkrankungen.

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Mittelmeer: Weltkulturerbe bedroht

Die Ruinen von Tyros im Libanon, einer alten Hafenstadt der Phönizier, Griechen und Römer, sind schon heute von Überschwemmung und Küstenerosion bedroht. © Heretiq/ CC-by-sa 2.5
Land Unter: Rund 40 Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes am Mittelmeer sind akut von Sturmfluten und Erosion bedroht, wie eine Studie enthüllt. Denn viele der antiken Stätten liegen nah am Wasser und nur knapp über dem Meeresspiegel. Schreitet der Klimawandel weiter voran, könnten sogar mehr als 90 Prozent der küstennahen Welterbestätten am Mittelmeer regelmäßig oder gar dauerhaft im Meer versinken, warnen die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

scinexx

Ob Venedig, das antike Ephesus oder die Ruinen von Karthago: Rund um das Mittelmeer liegen so viele Zeugnisse vergangener Kulturen wie kaum irgendwo sonst. Schon in der Bronzezeit erblühten hier die Reiche der Minoer, Ägypter, Phönizier und Hethiter. Später, in der Antike, errichteten die Griechen und Römer entlang der Küsten ihre Städte, Tempel und Häfen. Insofern ist es kein Wunder, dass auch besonders viele Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes an den Mittelmeerküsten liegen.

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Ein Vorname und der Untergang des französischen Nationalstaats

Grafik: TP
Eric Zemmour, der rechte Polarisierungs-Experte in der französischen Medienlandschaft, sorgt für einen Eklat

Bernard Schmid | TELEPOLIS

„Ihr Vorname ist eine Beleidigung für unser Land!“ Mit solch‘ Aufsehen erregenden Sprüchen rief in jüngster Zeit der Journalist und Polemiker Eric Zemmour, um den es zwischenzeitlich ein paar wenige Jahre lang relativ ruhig geworden war, mal wieder einige Aufmerksamkeit hervor. Der rechte Polarisierungs-Experte in der französischen Medienlandschaft hatte dabei zwar viele Kritiker gegen sich, doch er stand wieder im Mittelpunkt.

Der Vorname, um den es ging, ist jener der 37-jährigen prominenten Unternehmerin und Fernsehkommentatorin Hapsatou Sy, einer Französin senegalesischer Herkunft. Diese hat mittlerweile Strafanzeige wegen „rassistisch motivierter Beleidigung“ erstattet.

Ginge es nach Eric Zemmour, müsste sie sich einen anderen Vornamen zulegen bzw. hätte man ihr einen solchen bei ihrer Geburt geben müssen und zwar einen, der im christlich-französischen Kalenderblatt vorkommt. Zemmour machte sogar einen konkreten Vorschlag dafür: „Corinne“.

Der dadurch ausgelöste Eklat in einer Talkshow, Mitte September dieses Jahres in der Sendung Les terriens du dimanche („Die Erdbürger vom Sonntag“) beim Privat-TV-Sender Canal +, ist nun genau einen Monat her. Die heikelste Stelle war bei der Ausstrahlung zunächst herausgeschnitten worden.

Dieses Mal lösten die Tiraden des Polemisten etwas mehr Reaktionen aus als bei Ausfällen in jüngerer Vergangenheit, und eine durch Frau Sy gestartete Petition gegen die ständige Medienpräsenz Eric Zemmours erhielt binnen einer guten Woche stattliche 200.000 Unterschriften seit Anfang dieses Monats sind es nun über 300.000.

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