Islamgelehrter: Terrorismus und Islam hängen zusammen

© EPA In stillem Gedenken an die Opfer des Anschlags: Trauernde an diesem Freitag in Barcelona
Der Islamgelehrte Kyai Haji Yahya Cholil Staquf ist Generalsekretär der größten Muslim-Vereinigung Indonesiens. Zum islamistischen Terror spricht er Klartext. Der Westen müsse aufhören, Kritik am religiösen Fundament des Extremismus für „islamophob“ zu erklären, sagt er.

Frankfurter Allgemeine

Es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Fundamentalismus, Terror und Grundannahmen der islamischen Orthodoxie“ sagt Kyai Haji Yahya Cholil Staquf, Generalsekretär der größten Muslim-Vereinigung in Indonesien, in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe vom 19. August, zu lesen von 20 Uhr an diesem Freitag an im E-Paper und bei F.A.Z. plus). Insbesondere das Verhältnis von Muslimen zu Nichtmuslimen, sowie die Einstellung von Muslimen zu Staat und Recht seien problematisch und führe zu Segregation und Feindschaft. „Zu viele Muslime sehen die Zivilisation, das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens, als etwas an, das bekämpft werden muss“, sagt Yahya Cholil Staquf. Die zunehmende Angst des Westens vor dem Islam sei daher durchaus verständlich. Und über die Zusammenhänge müsse man deutlich sprechen: „Der Westen muss aufhören, das Nachdenken über diese Fragen für islamophob zu erklären.“

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Die „ideologische Halluzination“ Al-Andalus

Vor allem jugendliche Islamisten träumen von der muslimischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel 

Von Jan Marot | derStandard.at

Der 2. Jänner 1492 ist ein Datum, das in islamistischen Kreisen bis heute schmerzlich in Erinnerung ist. Königin Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón nahmen damals mit dem südspanischen Granada das letzte muslimische Herrschaftsgebiet auf der Iberischen Halbinsel ein.

Es war der Schlusspunkt von knapp 800 Jahren arabischer Herrschaft – und einer Ära, wie die des Kalifats von Córdoba, die zeitgenössische Autoren damals als ein „goldenes Zeitalter“ beschrieben.

Aufrufe zur Rückeroberung

Vor allem die junge Generation heutiger Jihadisten träumt davon, eben jene Dominanz über das einstige „Al-Andalus“ – das den überwiegenden Teil Spaniens und Portugals umfasste – wiederzuerlangen. 2014 kursierten auf islamistischen Youtube-Channels erste Videos in spanischer Sprache, wie das der marokkanischen IS-Kämpfer in Syrien, Nouredin Majdoub und Salahedin Ghaitu. Darin rufen sie auf, Spanien, „das Land ihrer Großväter, zurückzuerobern“. Dem Appell schloss sich auch Mohamed Hamduch alias „Kokito Castillejos“ an, der Berühmtheit erlangte, weil er mit einem halben Dutzend abgetrennter Köpfe posierte. Ende 2015 starb er in Syrien.

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Streit in Marburg über vermeintliche Homo-„Heiler“

Die Haltung des Christus-Treffs in Marburg zu Homosexuellen ist Streitpunkt im Stadtparlament. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)
Eine „Kindererlebniswelt“ und einen Gebetsraum will der „Christus-Treff“ am Marburger Bahnhof errichten. Mitten in den Planungen ist in der Stadtpolitik ein Streit darüber entbrannt, ob diese evangelikale Gemeinde schwulenfeindlich ist. Hinweise darauf gibt es.

Von Katrin Kimpel | hessenschau.de

Die einen sehen homosexuelle Jugendliche der Gefahr einer Gehirnwäsche ausgesetzt, die anderen wittern ein durchschaubares Manöver im Geschacher um eine denkmalgeschützte Immobilie: In Marburg arbeitet sich die Stadtverordnetenversammlung derzeit am „Christus-Treff“ (CT) ab, einer umstrittenen evangelikalen Gemeinde mit verschiedenen Einrichtungen in der Stadt.

Befürchtung: „Schwulen-Bekehrungen“ auf dem Waggonhallen-Areal

Nun möchte der CT einen weiteren Standort eröffnen. In dem historischen Werkstattgebäude „Lokschuppen“ und der Waggonhalle am Bahnhof plant die Gemeinschaft, einen Gebetsraum und eine „Kindererlebniswelt“ einzurichten. Doch dieser Plan ist umstritten.

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Bistum Hildesheim liegt das Missbrauchsgutachten jetzt vor

Die Ergebnisse werden allerdings erst im Oktober der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

kath.net

Das Gutachten über die Missbrauchsfälle im Bistum Hildesheim liegt jetzt der Bistumsleitung vor. Die Ergebnisse werden aber erst im Oktober der Öffentlichkeit bekanntgemacht, wie der NDR berichtete. „Wir werden das Gutachten jetzt genau lesen und schauen, welche Schlüsse wir aus den Ergebnissen ziehen müssen“, erläuterte dazu Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Das Bistum hatte das Gutachten vor einem Jahr selbst beim Münchner Institut IPP in Auftrag gegeben, es geht nicht zuletzt um Missbrauchsvorwürfe gegen den 1988 verstorbenen früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen und gegen den pensionierten Priester Peter R. zu prüfen. Nach Angaben des NDR wird der derzeitige Hildesheimer Bischof Norbert Trelle zum Zeitpunkt der Öffentlichmachung der Ergebnisse aber nicht mehr im Amt sein, denn er wird im September Papst Franziskus das Rücktrittgesuch unterbreiten müssen, da er 75 Jahre alt wird.

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Gerhard Schröder, Rosneft und seine Kritiker

Langwährende Freundschaft: Schröder und Putin in Moskau, 2005. Foto: Kremlin.ru / CC BY 4.0
Warum soll es verwerflicher sein, für Rosneft statt für VW zu arbeiten?

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Gerhard Schröder und die SPD gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Es spricht für sich, dass ein Politiker, der es als eine besondere Auszeichnung empfindet, Genosse der Bosse zu sein, der mit der Agenda 2010 den Boom im deutschen Niedriglohnsektor zu verantworten hat, und der angibt, mit „Bild und Glotze“ regiert zu haben, vom aktuellen Kanzlerkandidaten als Mutmacher und Stimmungskanone angefragt wurde. Doch aufregen darüber könnten sich eigentlich nur die unermüdlichen Protagonisten von Rosa-Rot-Grün, die noch immer von einer solchen Konstellation eine Hoffnung eines Politikwechsels erhoffen.

Dabei war nie zu erwarten, dass sich die SPD von Schröder distanziert. Schließlich gehört er zur SPD wie auch Gustav Noske, der sich selber 1918 als Bluthund gegen aufmüpfige Arbeiter von den Freikorps feiern ließ. Bei der SPD ist er trotzdem nie in Ungnade gefallen und gehört weiterhin zum Partei-Inventar. Dass ehemalige SPD-Politiker wie ihre Kollegen aus anderen bürgerlichen Parteien später in die Wirtschaft gehen und dort hochdotierte Posten einnehmen, gehört ebenfalls zum politischen Spiel im Kapitalismus.

Die Nichtregierungsorganisation LobbyControl versucht seit Jahren, dort so etwas wie zivilisatorische Maßstäbe einzuziehen. Es soll eine gewisse Karenzzeit eingeführt werden, bis Politiker ihr Insiderwissen der Wirtschaft zur Verfügung stellen können. Doch solange wollen die meisten betroffenen Politiker nicht warten. Sie wissen natürlich, dass sie am meisten verdienen, wenn sie möglichst schnell von der Politik in die Wirtschaft wechseln.

Immer wenn sich die Drehtür zwischen Politik und Wirtschaft zu schnell dreht, gibt es mehr oder weniger heftige Debatten, die immer auch parteipolitisch geprägt sind. Doch sie werden schnell auch wieder beendet. Denn alle Parteien in Regierungsverantwortung sind grundsätzlich zum Wechsel in die Wirtschaft bereit und daher werden sie dann auch nur einige Details, nie aber das Prozedere als solches kritisieren.

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„Die Kirche muss die Chance nutzen, mit diesen Mitgliedern(AfD) ins Gespräch zu kommen“

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Autor Wolfgang Thielmann fordert mehr Dialog zwischen Christen und der AfD

EKD

In den Augen der Kirchen basiert vieles an der Programmatik der AfD auf einem Menschenbild, das nicht mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren ist. Die Rechtskonservativen selbst geben sich als Hüter des christlichen Abendlands, liegen mit den großen Kirchen aber so über Kreuz, dass es bereits von Vertretern Aufrufe zum Kirchenaustritt gab. Die Positionen scheinen verhärtet. Dennoch sollten beide Seiten miteinander reden, fordert der langjährige Journalist und Pastor Wolfgang Thielmann, der kürzlich ein Buch zum Thema veröffentlich hat. Mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) sprach Thielmann über einen möglichen Umgang der Kirchen mit der AfD und die Frage, warum es überhaupt Christen gibt, die Populisten wählen.

Spitzenpersonal der AfD hat in der Vergangenheit Positionen und Personal der Kirchen scharf angegriffen. Sie fordern in Ihrem Buch, dass beide Seiten stärker miteinander reden. Warum sollte die Kirche den Dialog mit dieser Partei suchen?

Wolfgang Thielmann: Mir ist bewusst, dass die Auseinandersetzung mit der AfD schwierig ist. Es gibt dieses Strategiepapier, in dem es heißt, dass es der AfD mehr auf Provokation als auf Argumente ankommt. Trotzdem muss man gerade in der Kirche die Auseinandersetzung mit Argumenten suchen. Mein Ausgangspunkt für das Buch war die Aussage des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki, dass diese Alternative kein Mensch brauche. Mein Gedanke damals war: So können wir uns damit nicht auseinandersetzen. Ich kann nicht pauschal eine Partei verurteilen, sondern muss mir die Mühe machen, herauszuarbeiten, warum und wo sie gegen grundlegende Prinzipien, von denen wir als Christen überzeugt sind, verstößt. Und im kritischen Gespräch muss ich bereit sein, meine eigene Position infrage stellen zu lassen und zu überdenken. Ich fand es gut, dass der Kirchentag die Auseinandersetzung mit der AfD geführt hat.

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Documenta Kassel: Proteste gegen Performance „Auschwitz on the Beach“

Die umstrittene Performance soll ab 24. August im Fridericianum stattfinden (rechts). Links im Bild der „Parthenon der verbotenen…FOTO: DPA/PICTURE ALLIANCE / BORIS ROESSLER
Die geplante Documenta-Performance „Auschwitz on the Beach“ vergleicht die europäische Flüchtlingspolitik mit dem Holocaust. Dagegen protestieren die Jüdische Gemeinde und Verbände in Kassel.

DER TAGESSPIEGEL

Die geplante Documenta-Performance „Auschwitz on the beach“ hat in Kassel empörte Reaktionen hervorgerufen. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilana Katz, bezeichnete am Freitag die für den 24., 25. und 26. August angekündigte Performance der Kunstausstellung als geschmacklos und verletzend für die Opfer des Holocausts. Mit der plakativen Verwendung der Begriffe „Auschwitz“ und „Zyklon B“ im Ankündigungstext würden die Verbrechen der Schoah relativiert. Dies berge enormes Verletzungspotential gegenüber den Betroffenen. Die Jüdische Gemeinde sei entsetzt und enttäuscht über diesen Vorgang.

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Der „Islamische Staat“ verliert, aber langsam

foto: reuters Deir al-Zor war schon 2014, als es der „Islamische Staat“ übernahm, eine vom Krieg in Syrien gezeichnete Stadt. Nun steht die Schlacht zur Vertreibung des IS bevor.
Seit Herbst hat der IS einen Großteil seines Territoriums eingebüßt. Aber auch dort, wo er geschlagen wurde, ist er noch nicht verschwunden.

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Im November 2016 erschien in einer der ersten Ausgaben der neuen Propaganda-Onlinepostille des „Islamischen Staates“, Rumiyah, eine ebenso naiv anmutende wie grausame Anleitung für Attentate mit einem Fahrzeug: Das war allerdings schon Monate nach dem bisher verheerendsten Verbrechen dieser Art, am 14. Juli 2016 in Nizza.

Es war ein Symptom seiner Schwäche, dass der IS ab September 2016 Rumiyah (Rom) herausgab. Sein wichtigstes Medium war zuvor Dabiq gewesen, benannt nach der Stadt nordöstlich von Aleppo, in der nach der islamischen Überlieferung eine apokalyptische Schlacht zwischen Muslimen und Christen stattfinden sollte. Der IS hatte Dabiq seit Sommer 2014 besetzt gehalten und war im September 2016 gerade im Begriff, es zu verlieren.

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Google’s Anti-Bullying AI Mistakes Civility for Decency

A Pompeian Beauty, Blogging, after Raffaele Giannetti. Image: Mike Licht/Flickr
The culture of online civility is harming us all.

By Jillian York | MOTHERBOARD

As politics in the US and Europe have become increasingly divisive, there’s been a push by op-ed writers and politicians alike for more „civility“ in our debates, including online. Amidst this push comes a new tool by Google’s Jigsaw that uses machine learning to rank what it calls the „toxicity“ of a given sentence or phrase. But as Dave Gershgorn reported for Quartz, the tool has been criticizedby researchers for being unable to identify certain hateful phrases, while categorizing innocuous word combinations as toxic.

The project, Perspective, is an API that was trained by asking people to rate online comments on a scale from „very toxic“ to „very healthy,“ with „toxic“ being defined as a „rude, disrespectful, or unreasonable comment that is likely to make you leave a discussion.“ It’s part of a growing effort to sanitize conversations online, which is reflective of a certain culture within Silicon Valley and the United States as a whole: The culture of civility.

The tool seems to rank profanity as highly toxic, while deeply harmful statements are often deemed safe

If we were merely kind to one another in our interactions, the argument goes, we would be less divided. Yet, this argument fails to recognize how politeness and charm have throughout history been used to dress up hateful speech, including online.

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Evolutionslehre, Kuckucke und eigenständiges Denken

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Ein Armutszeugnis: Immer mehr Politiker und Eiferer möchten die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule gelehrt haben.

Von Manuel Battegay | Basler Zeitung

Mein ehemaliger Biologielehrer am Gymnasium Ernst Hufschmid faszinierte meine MitschülerInnen und mich früh für Biologie und biologische Kreisläufe. Alle um einen Tisch sitzend und ohne grosse Hilfsmittel, ein Bleistift und Schreibblock genügte, forderte er uns bis aufs Letzte. Ein abschweifender Blick, schon gar nicht zu reden von Kaugummis, aber auch eine Antwort ohne nachzudenken wie «Ich weiss es nicht», strafte er energisch ab.

Während Prüfungen vertraute er uns und verliess das Klassenzimmer. Er forderte und förderte eigenständiges Denken. So erarbeiteten und diskutierten wir neue, spannende Erkenntnisse der Biologie. Mal waren es Pflanzen, mal Tiere, mal der Mensch und nie war es reine Wissensvermittlung. Lapidar sagte er wissend, dass einige von uns Medizin studieren würden: «Knochennamen lernt ihr noch früh genug, ihr müsst denken und fragen!» Wie recht hatte er!

Jetzt begegnen wir immer mehr Politikern und Eiferern, so aktuell Erdogan in der Türkei, die die Evolutionslehre und nachfolgende wissenschaftliche Konzepte nicht mehr an der Schule – oder gar nicht mehr – gelehrt haben möchten oder den Unterricht darüber gar verbieten. Ein Armutszeugnis! «Intelligent design», das heisst der intelligente Entwurf, die intelligente Gestaltung des Universums und des Lebens durch einen intelligenten Urheber, entsprechen autoritären Vorstellungen da schon eher.

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Wahlempfehlung des Sultans: Christdemokraten, SPD und Grüne sind Türkeifeinde

Bild: Magazin „The Economist“
  • „Ich rufe alle meine Landsleute in Deutschland auf: die Christdemokraten, die SPD, die Grünen sind alle Feinde der Türkei“, sagte Erdoğan in Istanbul vor Journalisten.
  • Deutschland sei ein Land geworden, das die Werte der Europäischen Union verletze.
  • SPD-Kanzlerkandidat Schulz und Außenminister Gabriel weisen den Boykott-Aufruf des türkische Präsidenten gegen deutsche Parteien zurück. Die Türkei und Deutschland liegen in einer Reihe von Themen über Kreuz.

Süddeutsche.de

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die türkischstämmigen Wähler in Deutschland aufgefordert, bei der Bundestagswahl im September nicht für Christdemokraten, SPD oder die Grünen zu stimmen. „Ich rufe alle meine Landsleute in Deutschland auf: die Christdemokraten, die SPD, die Grünen sind alle Feinde der Türkei“, sagte Erdoğan in Istanbul vor Journalisten.

„Unterstützt die politischen Parteien, die keine Feinde der Türkei sind.“ Welche das sind, sagte er nicht. Deutschland sei ein Land geworden, das die Werte der Europäischen Union verletze.

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Rolle der Gene bislang unterschätzt

Bei eineiigen Zwillingen bleiben die Intelligenzdaten von der frühen Kindheit bis hin ins hohe Erwachsenenalter ähnlich. Bei zweieiigen „trägt sie das Leben auseinander“, sagen Forscher. (imago / McPhoto)
Zwölf Jahre untersuchten Forscher das Verhalten ein- oder auch zweieiiger Zwillinge aus 4.000 Familien, um der Entwicklung sozialer Ungleichheit auf den Grund zu gehen. Dabei kam heraus, dass die Lebenschancen eines Menschen ein ganzes Stück weit biologisches Schicksal sind – und damit nur begrenzt veränderbar.

Von Ingeborg Breuer | Deutschlandfunk

„Es geht ja so weit, dass wir im selben Moment dasselbe sagen und dann schallend lachen und unsere Sätze sogar vervollständigen können.“

„Ja, ich finde auch erschreckend, wie ähnlich es heute noch ist, trotz aller Bemühungen, nicht mehr gleich zu sein.“

Noch heute, im Erwachsenenalter, wundern sich Katja und Ulrike, wie ähnlich sie sich sind. Die beiden Frauen sind eineiige Zwillinge. Sie sind sozusagen genetische Klone und zur selben Zeit in derselben Familie aufgewachsen. Im Gegensatz etwa zu zweieiigen Zwillingen, deren Lebensumwelt zwar auch ähnlich ist, die aber nur circa fünfzig Prozent ihrer Gene teilen. Solche Tatsachen machen sich die Forscher der großen „Twinlife“-Studie zunutze. Professor Martin Diewald, Soziologe an der Uni Bielefeld, und einer der Leiter des Projekts:

„Über den Vergleich zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen können wir abschätzen, inwieweit Dinge, die uns interessieren, zum Beispiel kognitive Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale, Schulerfolg, Einkommen, durch die Gene geprägt sind oder durch die Umwelt.“

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Barcelona-Attentäter bei Polizeieinsatz erschossen?

Gedenken an die Opfer in Barcelona. – APA/AFP/JOSEP LAGO
Ein 18-Jähriger gilt als Hauptverdächtiger des Terrorattentates. Laut Polizeiangaben gibt es „mehrere Indizien“, dass er bei einem Einsatz in Cambrils erschossen wurde.

Von Ralph Schulze | Die Presse.com

Der Attentäter von Barcelona, der zunächst entkommen war, ist nach jüngsten Erkenntnissen der katalanischen Polizei womöglich bei dem Polizeieinsatz in Cambrils erschossen worden. „Die Untersuchung geht in diese Richtung, es gibt mehrere Indizien, aber wir haben keinen konkreten Beweis“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag vor Journalisten in Barcelona. Drei der fünf mutmaßlichen Attentäter, die bei dem Einsatz in Cambrils erschossen wurden, sind demnach inzwischen identifiziert.

Bei dem Attentäter soll es sich um den 18-jährigen Moussa Oukabir handeln. Der junge Marokkaner ist der jüngere Bruder von Driss Oukabir, der Stunden nach dem Attentat festgenommen wurde.

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Evangelische CSU-Politiker wollen Projektstelle gegen Linksextremismus

Früherer Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich warnt: „Wir erleben seit Jahren einen erheblichen Anstieg der Gewaltbereitschaft bei Linksextremisten und gleichzeitig seit RAF-Zeiten eine gezielte Verharmlosung linker Gewalt in Deutschland.“

kath.net

Der Evangelische Arbeitskreis/EAK der CSU Oberfranken fordert eine „Projektstelle gegen Linksextremismus“. „Der Linksextremismus ist längst eine Gefahr für die Demokratie und die innere Sicherheit in Deutschland. Besonders sichtbar wurde dies jüngst bei den Gewaltexzessen beim G 20-Gipfel in Hamburg. Staat und Medien, Kirchen, Kultur und Gesellschaft sind gefordert, dem Linksextremismus genauso entschlossen und nachhaltig die Rote Karte zu zeigen wie dem Rechtsextremismus. Nach dem Vorbild der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad braucht es auch eine gleich ausgestattete Projektstelle gegen Linksextremismus.“ Dies sagte der Theologe und EAK-Bezirksvorsitzende Jürgen Henkel. „Linke Gewalt ist nicht edler als rechte Gewalt, auch wenn Politiker und bestimmte Meinungsmacher des linken Spektrums diese immer wieder relativieren. Wo bleiben die Lichterketten, Schweigemärsche, Rockkonzerte, Solidaritätsaktionen und Mahnwachen gegen linke Gewalt? Warum distanzieren sich Kirchenvertreter, linke Politiker, Künstler, Schauspieler und Intellektuelle nicht genauso deutlich und regelmäßig hörbar vom Linksextremismus wie vom Rechtspopulismus und Rechtsextremismus?“

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In amerikanischen Städten steigt die Mordrate an

Nach einer Schießerei in Chicago 2016. Bild: Supaflyrobby/CC By-SA-4.0
Chicago liegt weiter an der Spitze, was Morde und Schießereien anbelangt, Donald Trump hatte im Januar angedroht, die Kavallerie zu schicken und eine Executive Order im Februar erlassen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Chicago hatte sich zur Stadt mit der höchsten Mordrate in den USA entwickelt. Ein paar Tage nach seinem Amtsantritt glaubte vermutlich US-Präsident Donald Trump noch, er könne durch Gepolter schnelle Veränderungen herbeiführen. So schrieb er auf Twitter, dass er, wenn die „Schlächterei“ nicht aufhöre, die Kavallerie schicke, er sprach von der Bundespolizei. Es habe im Januar bereits 228 Schießereien und 42 Morde gegeben. Was in Chicago passiert, dürfe nicht anderswo in den USA geschehen. Er hatte die Stadt bereits als „Kriegsgebiet“ bezeichnet, das völlig außer Kontrolle gekommen sei.

Trump schickte nicht die „Feds“, geändert hat sich auch nichts. Tatsächlich breitet sich die Gewalt seitdem weiter in den amerikanischen Großstädten aus. Chicago liegt allerdings noch immer mit 328 Ermordeten im ersten Halbjahr an der Spitze. Vergangenes Jahr waren es im selben Zeitraum 324 Ermordete. Angestiegen sind auch Raubüberfälle und Vergewaltigungen. Im Juli und August ging es weiter bergauf. Bis zum 11, August wurden weitere 100 Menschen getötet.

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Ägypten blockiert Internetangebot der Deutschen Welle – Qantara.de

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Agyptische Behörden haben den Zugang zur Internetseite Qantara.de der Deutschen Welle gesperrt. Ein Sprecher des Senders sieht darin die Fortsetzung einer Kampagne gegen die Presse- und Meinungsfreiheit.

heise.de

Ägypten hat die von der Deutschen Welle (DW) verantwortete Internetseite Qantara.de gesperrt. Die Maßnahme der Regierung sei „offensichtlich Teil einer fortgesetzten Kampagne gegen die Presse- und Meinungsfreiheit“, erklärte DW-Sprecher Christoph Jumpelt am Donnerstag. Er fordert die ägyptischen Behörden auf, die Seite unverzüglich wieder freizuschalten.

Nachrichtenseiten gesperrt

Qantara („Brücke“) berichtet auf Deutsch, Englisch und Arabisch über den Islam und die islamische Welt. Das renommierte Webangebot sieht sich als Dialogportal und wichtige Säule der Kulturpolitik Deutschlands. Qantara wird getragen von der Deutschen Welle, dem Goethe-Institut, dem Institut für Auslandsbeziehungen (Ifa) und der Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB). Die Seite wird seit 14 Jahren vom Auswärtigen Amt gefördert.

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Gereimtes und Ungereimtes in Ankara

© AFP Angeklagt: Mutmaßliche Putschisten auf dem Weg zum Prozess
Seit dem gescheiterten Staatsstreich in der Türkei wurden Tausende Verdächtige verhaftet. Doch die Prozesse gegen die mutmaßlichen Putschisten werfen viele Fragen auf.

Von Michael Martens | Frankfurter Allgemeine

Geheimdienste gehören für gewöhnlich nicht zu jenen Behörden, die ihr Tun oder Lassen durch Presseerklärungen dokumentieren. Der türkische Geheimdienst MITbildet da keine Ausnahme, weshalb es einige Aufmerksamkeit erregte, als die Organisation sich Anfang April mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit wandte. Der islamische Theologe Adil Öksüz, hieß es darin, habe weder für den türkischen Geheimdienst gearbeitet noch sei er dessen Informant gewesen. Anderslautende Behauptungen ordnete der Geheimdienst einem „psychologischen Krieg“ gegen die Türkei zu, der von „ausländischen Mächten und Terrororganisationen“ geführt werde.

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Kirchensteuer: Steuerschuldig, bis die Unschuld bewiesen ist

Kirchensteuer-Rasterfahndung: Solche Fragenbögen verschicken die Kirchensteuerstellen bei den Finanzämtern in Berlin zehntausendfach. Foto: © A. Platzek
Wie die Evangelische Kirche versucht, Konfessionsfreie zur Kasse zu bitten – ein Erfahrungsbericht

Von Barbro Walker | Gläserne Wände

Im Frühjahr dieses Jahres bin ich berufsbedingt nach Berlin umgezogen und erhielt nun – nach fünf Monaten am Wohnort – zu meiner Überraschung ein Schreiben von der „Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Treptow-Köpenick“, die behauptet, dass meine Kirchenmitgliedschaft „ungeklärt“ sei. Ich bin vor 16 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Ich wurde gebeten, umgehend hierzu Angaben in einem beigefügten Bogen zu machen. Der Bogen enthielt allerlei sehr persönliche Fragen (wie etwa wann und wo ich getauft wurde) und darüber hinaus wurden Angaben abgefragt, die wohl kaum von einem mittelalten Erwachsenen gemacht werden können (etwa wie meine genaue Anschrift zum Zeitpunkt meiner Geburt lautete). Insgesamt stellte der Bogen mehr als 20 Fragen, zu denen auch Details zu meinem Kirchenaustritt (wann, wo, zuständige Behörde) gehören. Ich wurde gebeten, meinen Kirchenaustritt nachzuweisen, indem ich die Austrittbescheinigung der Behörde, die mir (vor Jahrzenten) meinen Austritt bescheinigt hat, beizufügen. Selbstredend musste ich befürchten, das entsprechende Dokument nicht mehr zu haben. Ich wusste nicht mal mehr mit Sicherheit zu sagen, welchen Wohnort ich zum Zeitpunkt meines gewollten und ganz bewusst gewählten Austrittes hatte. Ich sollte nun aber bitte binnen zwei Wochen antworten.

Meiner verärgerten Rückfrage bei der „Kirchensteuerstelle“ des Finanzamtes wurde mit entspannter Nachdrücklichkeit begegnet. Ich brauche nur das beantworten, was ich auch wisse und man wolle mir ja keine Kirchenmitgliedschaft unterstellen. Die Verärgerung über den Fragebogen kenne man schon; das sei sogar schon in der Presse diskutiert worden.

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Pinguine beim Tauchen ausspioniert

Geheimes Unterwasserleben: Biologen haben erstmals Eselspinguine beim Tauchen belauscht und beobachtet. Auf Kopf und Rücken der Vögel montierte Miniatur-Kameras dienten ihnen dabei als Spionage-Werkzeug. Sie enthüllten, wie Pinguingruppen unter Wasser kommunizieren und gemeinsam nach Futter suchen. Warum die Vögel jedoch gruppenweise jagen, ist bisher rätselhaft. Und über die Bedeutung der Tauchrufe können die Biologen bisher ebenfalls nur spekulieren.

scinexx

Eselspinguine sind gesellig und ziemlich kommunikativ – zumindest an Land. Während der Paarungszeit lassen die bis zu 90 Zentimeter großen Vögel fast ständig ihre lauten, trompetenartigen Balzrufe ertönen. Zum Repertoire gehören aber auch grunzende Warnlaute, kurze Kontaktrufe und das helle Piepen der Küken. In den großen Kolonien, die die Eselspinguine zur Brutzeit an den Küsten des Südpolarmeeres bilden, sind ihre lautstarken Rufe kaum zu überhören.

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Moschee-Gründerin kämpft für Kopftuchverbot

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In Berlin ist ein neuer Kopftuchstreit vor Gericht gelandet. Grund ist das Neutralitätsgesetz, das religiöse Symbole an Berliner Schulen weitgehend verbietet. Moschee-Gründerin und Anwältin Seyran Ateş vertritt das Land Berlin. Das Mandat sorgt in sozialen Medien für Belustigung.

MiGAZIN

Das Land Berlin will endgültig die grundlegende Verfassungsmäßigkeit seines Neutralitätsgesetzes prüfen lassen. Anlass ist ein neuer Kopftuchstreit, der vor Gericht landete. Für diesen Fall hat sich das Land Berlin – als beklagte Seite – prominente Unterstützung geholt und lässt sich von der renommierten Anwältin, Frauenrechtlerin und Gründerin einer liberalen Moschee in der Bundeshauptstadt, Seyran Ateş, vertreten.

Ateş kündigte an, notfalls durch alle Instanzen zu gehen: „Wir wollen eine Grundsatzentscheidung zum Neutralitätsgesetz“, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst. Dazu sei unter Umständen auch der Gang zum Bundesverfassungsgericht und bis zum Europäischen Gerichtshof geplant, betonte Ateş.

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