Religion ist nicht das Leben selbst

Das moderne Christentum hat den Kampfmodus im Religiösen aufgegeben. Der Islam aber will eine umfassende Anleitung zur Lebensführung mit Anspruch auf unbedingte Wahrheit sein. Ein unlösbarer Konflikt.

Von Konrad Adam | Neue Zürcher Zeitung

Seit mehr als zweihundert Jahren gehört die Glaubens- und Gewissensfreiheit zum ehernen Bestand der europäischen Verfassungstexte. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die im August des Jahres 1789 von der französischen Konstituante verabschiedet wurde, sagt nicht nur den Franzosen, sondern allen Menschen das Recht zu, ihre religiösen Ansichten offen zu bekennen, solange sie damit nicht gegen die gesetzlich festgelegte Ordnung verstossen. Alle europäischen Verfassungen stehen in dieser Tradition. Religion ist Gewissenssache, und weil das Gewissen den Kern der Persönlichkeit ausmacht, geniesst die Glaubens- und Gewissensfreiheit höchsten Schutz. Wenn unklar wird, wie weit dieser Schutz reicht, wem er zusteht (und vor allem: wem nicht), gerät nicht nur der Glaube, sondern auch die Verfassung ins Rutschen.

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Demokratie-Studie: Jeder Vierte schätzt die Diktatur

Sehnsucht nach dem starken Mann: Anhänger Francos demonstrieren am Todestag des ehemaligen spanischen Diktators in Madrid. Foto: rtr
Eine weltweite Studie zeigt, dass viele Menschen autoritäre Regierungsformen gar nicht so schlecht finden. Nur relativ wenige Menschen haben viel Vertrauen in ihre Regierung.

Von Damir Fas | Frankfurter Rundschau

Fast 42.000 Menschen in 38 Ländern hat das unabhängige US-Forschungszentrum Pew Research aus Washington in der ersten Jahreshälfte 2017 zu ihrer Einstellung zur Demokratie befragt. Zentrales Ergebnis der Erhebung: 78 Prozent stehen hinter dem Konzept der repräsentativen Demokratie wie der Deutschlands. Allerdings wollen auch 66 Prozent der Befragten mehr direkte Demokratie. Bemerkenswert ist, dass sich weltweit jeweils fast 25 Prozent der Befragten vorstellen können, einen starken Mann an der Staatsspitze zu haben, beziehungsweise vom Militär regiert zu werden.

Die höchsten Zustimmungswerte bekommt die repräsentative Demokratie in Europa, Nordamerika und Australien, in Ländern mit ökonomischer Stärke und einer langen demokratischen Tradition. An der Spitze steht Schweden, wo 52 Prozent der Befragten engagierte Anhänger der repräsentativen Demokratie sind. Deutschland kommt auf 48 Prozent. In Russland sind es dagegen der Studie zufolge nur sieben Prozent.

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Erst Bibelschüler, dann die ersten Kommunisten Koreas

Südkoreanische Christen beten in Seouls Innenstadt für Freiheit und Menschenrechte in Nordkorea. (Bild: Lee Jae-Won / Reuters)
Das protestantische Christentum boomt im Süden der koreanischen Halbinsel. Doch auch bei den Anfängen Nordkoreas spielten Missionare eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Von Fabian Kretschmer | Neue Zürcher Zeitung

Bei der Yoido Full Gospel Church gleicht jeder Sonntag einer kleinen Völkerwanderung. Dutzende von Freiwilligen regeln an diesem Herbstvormittag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul den ankommenden Verkehr von sperrigen Geländewagen. Aus Linienbussen strömen Senioren in dunklen Anzügen, Jugendliche in Skinny-Jeans und ältere Damen mit grossen Sonnenschirmen auf den Vorplatz der Kirche. Deren Dimensionen erinnern eher an ein Fussballstadion als an einen Gebetsraum, insgesamt 12 000 Sitzplätze sind vorhanden. Die Predigt, sieben wird es insgesamt an diesem Sonntag geben, wird auf zwei riesige Leinwände projiziert und in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Gegen Ende der Andacht geht es auch um Nordkorea. Mit einem Gebet wendet sich der Pastor gegen die dortigen Atomsprengköpfe.

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Brachten Vulkane Kleopatras Reich zu Fall?

Diese Katakomben in Alxandria zeugen von der Herrschaft der Ptolemäer über Ägypten. Doch ihr Reich könnte immer wieder durch die Klimafolgen von Vulkanausbrüchen geschwächt worden sein. © Asiatologist/ CC-by-sa 4.0
Fatale Fernwirkung: Gehäufte Vulkanausbrüche könnten das ägyptische Reich der Ptolemäer empfindlich geschwächt haben – und förderten vielleicht sogar Kleopatras endgültige Niederlage. Denn die Eruptionen schwächten den Monsun und damit die Niederschläge, die die jährlichen Nilfluten in Ägypten speisten. Das ptolemäische Ägypten erlebte immer dann besonders häufig Revolten und Kriegsniederlagen, wenn die Nilfluten nach solchen Eruptionen ausblieben, wie Forscher berichten.

scinexx

Das Reich der Ptolemäer ist vor allem wegen Kleopatra bekannt – der letzten Königin Ägyptens vor der Eroberung durch die Römer im Jahr 31 vor Christus. Doch die Herrschaft der griechisch-makedonisch-stämmigen Ptolemäer über das Reich am Nil begann bereits fast 300 Jahre früher: Nach dem Tod Alexanders des Großen übernahmen sie die Herrschaft und machten Alexandria zu ihrer Hauptstadt.

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Bedford-Strohm wünscht sich Engagement in Parteien

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wendet sich gegen ein negatives Bild der Parteien im Land. „Wir alle sind Politik! Und wer sich nicht einmischt und selber einsetzt, der soll sich auch nicht vom Sofa aus beklagen“, sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten dem evangelischen Magazin „chrismon spezial“.

evangelisch.de

Auch wenn manchen nicht alles an Parteien gefalle, „in diesem Land läuft nun mal die Willensbildung über Parteien“, sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. Er wünsche sich, dass sich gerade junge Menschen aus christlicher Überzeugung in die Politik einmischen und auch in Parteien eintreten.

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Bildung: Kritiker sehen Naturwissenschaften im neuen G 9 benachteiligt

Der aktuelle Entwurf muss noch vom Parlament beschlossen werden. (Foto: SZ-Grafik, Kultusministerium)
  • Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ist beschlossen, die Stundentafel dafür ausgearbeitet.
  • Kritiker sehen die naturwissenschaftlichen Fächern benachteiligt.
  • Beispielsweise soll Chemie in der 11. Klasse gar nicht gelehrt werden, wenn es sich nicht um einen naturwissenschaftlichen Zweig handelt.

Von Anna Günther | Süddeutsche.de

Es klang alles so einfach vor den Sommerferien: Schulminister Ludwig Spaenle präsentierte die Stundentafel für das neue Gymnasium, gemeinsam mit Vertretern von Schülern, Eltern, Direktoren und Gymnasiallehrern. Ein Kompromiss, der die Wünsche der Schulfamilie und alle Vorgaben der Politik erfüllte. Nach Jahren der Kritik am achtjährigen Gymnasium betonte Spaenle die Harmonie – und schneller als der Zeitplan war man übrigens auch noch. Das scheint Geschichte zu sein, denn wann der Gesetzesentwurf zum neuen Gymnasium im Landtag diskutiert werden soll, weiß im Ministerium derzeit niemand. Nur, ohne Abstimmung im Parlament keine Änderung der Schulordnung und damit keine definitive Stundentafel. Und auch die Harmonie ist passé.

Schon vor der Präsentation des Entwurfs murrten alle leise, die befürchteten, im neuen G 9 zu kurz zu kommen. Nach der Präsentation sahen sich die Vertreter von Geografie, Wirtschaft/Recht, Biologie und Chemie bestätigt. Dabei sollte die gemeinsame Arbeitsgruppe von Lehrern, Eltern und Schülern doch verhindern, dass einzelne Fachgruppen oder Verbände um Stunden und damit auch um Stellen streiten.

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Stammheimer Todesnacht: Es bleiben zahlreiche Widersprüche

Justizvollzugsanstalt Stammheim. Bild (von 2004): Mussklprozz / CC BY-SA 3.0
Kann der Tatort „Der rote Schatten“ die Diskussion um die Todesumstände der RAF-Gefangenen neu beleben?

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Tatort-Krimi Der rote Schatten, der am letzten Sonntag ausgestrahlt wurde, hat ein Verdienst. Er lenkt noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass zahlreiche Widersprüche zur offiziellen Version der Todesumstände der RAF-Gefangenen am 18.Oktober 1977 in dem Isolationstrakt von Stammheim unaufgeklärt sind.

Denn in der Tatort-Fiktion war offen geblieben, ob sich die Gefangenen das Leben nahmen, vielleicht unter Aufsicht des Staates, oder ob sie ermordet wurden. Deshalb haben sich sofort die Bild-Zeitung und Stefan Aust zu Wort gemeldet und behauptet, in dem Tatort werde RAF-Propaganda verbreitet.

Die Bild-Zeitung bleibt da ihrer Linie treu. Sie hatte ja bereits vor über 40 Jahren Heinrich Böll und andere linksliberale Intellektuelle zu RAF-Sympathisanten erklärt. Und der öffentlich-rechtliche RAF-Erklärer Stefan Aust fürchtet um seine Deutungshoheit für die Geschichte der RAF und der Ereignisse in Stammheim, wenn plötzlich auch über die Widersprüche zu der Version der Stammheimer Todesnacht diskutiert würden, die Aust ja immer vertreten hat.

Der Publizist Willi Winkler hingegen weist Austs Vorwürfe in einem Interview im Deutschlandfunk zurück. Zu Aust erklärt Winkler nur knapp:

Naja, soll ich mich jetzt wirklich zu Herrn Aust äußern? Der hat seine Karriere auf dem Mythos RAF aufgebaut. Und er hat die Vorlage geliefert für den Baller-Film „Der Baader Meinhof Komplex“. Also: Wer ist er, um das zu sagen?

Willi Winkler

Obwohl er selbst an die Selbstmordversion glaubt, ist sich Winkler der vielen unaufgeklärten Widersprüche der Geschehnisse am 18.10.1977 in Stammheim bewusst. Er fordert von den staatlichen Stellen Transparenz und sieht in der Diskussion nach der Tatort-Fiktion etwas Positives:

Wenn das jetzt Anlass dazu gibt, dass man die vorhandenen Akten offenlegt – nach 40 Jahren wäre das ja möglich, es wurde ja ausführlich die Geschichte eines V-Mannes behandelt, und es gab mehrere – das wäre doch kein schlechter Effekt, wenn die jetzt veröffentlicht werden müssten. Dann hätte es auch was Gutes.

Willi Winkler

Tatsächlich könnte die Diskussion nach dem Tatort auch jüngeren Leuten deutlich machen, wie viel an den Geschehnissen vor 40 Jahren noch ungeklärt ist. Ein Nachgeborener, der seit Jahren dazu forscht, ist der IT-Spezialist Helge Lehmann, der 2011 seine Rechercheergebnisse in einem Buch unter dem Titel „Die Todesnacht von Stammheim“ herausgegeben hat (vgl. dazu Helge Lehmann über blinde Flecken und Widersprüche. Zum vierzigsten Jubiläum der Ereignisse hat kaum jemand darauf Bezug genommen.

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Warum der weltgrößte Schlammvulkan weiterspeit

Schlammvulkan Lusi auf Java speit zehntausende Kubikmeter Schlamm täglich und hat bereits 60.000 Menschen vertrieben. © American Geophysical Union
Nicht zu stoppen: Der Schlammvulkan „Lusi“ auf Java ist seit elf Jahren unaufhörlich aktiv – jeden Tag stößt er zehntausende Kubikmeter Schlamm aus. Warum diese Eruption nicht aufhört, haben Forscher jetzt herausgefunden. Demnach ist der Schlammvulkan über unterirdische Gänge mit einem nahen Vulkankomplex verbunden. Über diese strömen Magma und heißes Wasser ins schlammige Sediment des Lusi und halten die Eruption in Gang – wahrscheinlich noch über Jahre hinaus.

scinexx

Es begann am 29. Mai 2006: In der Nähe einer Testbohrung im Osten Javas schoss plötzlich eine 50 Meter hohe Schlammfontäne aus dem Boden – und hörte seither nicht mehr auf. Täglich speit der Schlammvulkan rund 80.000 Kubikmeter sauerstoffarmes, organisches Sediment, das alles Leben im nahen Umkreis erstickt und Teile umliegender Orte unter einer 40 Meter dicken Schicht begraben hat. Alle Versuche, die Eruption zu stoppen oder wenigstens einzudämmen waren bisher vergeblich.

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Peschmerga fühlen sich verraten

Die Kurden fühlen sich von allen im Stich gelassen: Irakische Truppen rücken in das Zentrum der Ölstadt Kirkuk ein, wo sie den Sitz des Gouverneurs, Militäranlagen und ein Ölfeld besetzt haben. (Foto: Ahmad al-Rubaye/AFP)
  • Die irakischen Regierungstruppen haben mehrere Gebiete rund um Kirkuk eingenommen und damit die Peschmerga von dort vertrieben.
  • US-Präsident Donald Trump erklärte, in dem Konflikt neutral bleiben zu wollen – und auch die Bundeswehr unterstützt die Peschmerga vorerst nicht mehr.
  • Die kurdischen Kämpfer fühlen sich deshalb im Stich gelassen.

Von Paul-Anton Krüger, Mike Szymanski | Süddeutsche.de

Übersetzt heißt Peschmerga „die dem Tod ins Auge sehen“ – furchtlos sollen sie sein, die kurdischen Soldaten. Doch am Montag weinten etliche von ihnen vor Fernsehkameras. Aus Wut und Enttäuschung. Sie waren weitgehend kampflos zurückgewichen vor schiitischen Milizen und regulären irakischen Einheiten, die nach Kirkuk marschierten. Bei anfänglichen Gefechten sollen etwa 30 Menschen getötet worden sein, die Schiiten-Milizen sollen später in Kirkuk weitere Peschmerga ermordet haben.

Einige einflussreiche Kommandeure der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) aber hatten ihren Männern den Abzug befohlen. Den Einheiten des Regionalpräsidenten Massud Barzani und seiner Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) blieb nichts, als es ihnen gleich zu tun. Die Front war zusammengebrochen.

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Befreier von Raqqa nehmen hunderte IS-Kämpfer gefangen

foto: reuters/erik de castro Die kurdisch-arabische Allianz zieht in Raqqa ein.
Nach Angaben des US-Militärs haben sich zahlreiche ausländische Milizionäre ergeben – Nun muss Stadt von Sprengfallen gesäubert werden

derStandard.at

Im Zuge der Befreiung der syrischen Stadt Raqqa von Jihadisten haben sich nach US-Angaben hunderte IS-Kämpfer den gegnerischen Streitkräften ergeben. Rund 400 Kämpfer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hätten sich in den vergangenen Wochen der kurdisch-arabischen Allianz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) ergeben, sagte der Sprecher der US-geführten Anti-IS-Koalition, Ryan Dillon.

Der Großteil dieser Jihadisten – rund 350 – hätten sich in den vergangenen Tagen ergeben. Unter ihnen seien „einige bestätigte ausländische Kämpfer“. Diese seien in Gewahrsam genommen worden. Auf die US-Soldaten in Raqqa komme nun noch viel Arbeit zu, fügte der in Bagdad ansässige Militärsprecher am Dienstag hinzu. So müsse die Stadt von den während der Kämpfe zurückgelassenen Sprengsätzen befreit werden.

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Weitere Geheimdokumente zur Kuba-Krise freigegeben

55 Jahre nach den dramatischen Tagen auf Kuba veröffentlicht das National Security Archive Akten des Pentagons, welche dieses Jahr freigegeben wurden. Das nun bekannte Material betrifft vor allem Planungen der Militärs für eine Besetzung Kubas. Projektiert wurde der Abwurf von Flugblättern, in denen man die Bevölkerung zum Zuhausebleiben auffordern wollte. Alles, was sich bewege, werde als Ziel bewertet.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Während der Kuba-Krise war die Lage vor allem deshalb so gefährlich, weil Militärs und Geheimdienste schlicht und ergreifend keinen Überblick über die Vorgänge auf der Insel und das bereits dort befindliche nukleare Potential hatten. So hatten die Sowjets auf den US-Stützpunkt Guantanamo Bay ein atomar bestückter Kurzstreckenflugkörper gerichtet. Diese neuen Freigaben enthalten keine sensationellen Erkenntnisse, ergänzen jedoch die Quellenlage insbesondere hinsichtlich der Mentalität der Strategen im Pentagon.

Spannend ist vor allem ein Plan, Kuba fälschlicherweise der Verletzung internationalen Rechts zu bezichtigen, was die USA zum bewaffneten Konflikt mit den kubanischen Streitkräften nötige.

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Marx hat nie vom Paradies geträumt

Ikonen des Kommunismus. © PICTURE-ALLIANCE
Wo beginnt die Geschichte des Kommunismus und wann hört sie auf? Gerd Koenen beschreibt umsichtig die Geschichte egalitärer Theorien – und stößt dabei auf ihr fundamentales Paradox.

Von Herfried Münkler | Frankfurter Allgemeine

Eine Geschichte des Kommunismus zu schreiben, ist ein heikles Unterfangen, schon wegen der Frage, wo man beginnen und wann man enden solle. Üblicherweise haben sich die Verfasser solcher Bücher entweder für einen großen Essay oder aber ein mehrbändiges Werk entschieden, das dann über den Zeitraum von vielen Jahren erscheint. Soll es sich um eine Ideengeschichte des Kommunismus handeln oder eine Darstellung der zu seiner Verwirklichung unternommenen Projekte? Und wie ist der Kommunismus gegen den Sozialismus abzugrenzen? Vermutlich nur durch den Rekurs auf die sich entsprechend benennenden Parteien. Läuft eine Geschichte des Kommunismus also auf eine Geschichte der kommunistischen Parteien hinaus? Viele Fragen – und kaum eindeutige Antworten.

Gerd Koenen hat die Sowjetunion ins Zentrum seiner Darstellung gerückt und von hier aus deren Vorgeschichte und Vorläuferschaften untersucht: Die Sowjetunion wäre nicht möglich gewesen ohne die Theorie von Marx und Engels, die deshalb einen weiteren Schwerpunkt seiner Darstellung bilden. Das Werk von Marx und Engels hätte freilich nicht entstehen können ohne die Vorläuferschaft einer Reihe von nationalökonomischen Autoren wie auch Verfassern von Utopien, und die wiederum haben sich fast immer auf Entwicklungen und Ereignisse bezogen, ohne deren Darstellung man ihre Überlegungen nicht verstehen kann.

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Zahl der Pest-Erkrankten in Madagaskar steigt rasant

In Madagaskars Hauptstadt Antananarivo werden Straßen und Privathäuser desinfiziert, nachdem dort ein Mann an Lungenpest gestorben ist © Laetitia Bezain/DPA
Kleine Ausbrüche der Pest sind in Madagaskar nicht ungewöhnlich, doch die aktuelle Epidemie ist weitaus bedrohlicher. Zahlreiche Menschen sind an der leicht übertragbaren Lungenpest erkrankt. Die Zahl der Betroffenen steigt sprunghaft.

stern.de

Die Pest breitet sich in Madagaskar rasant aus: Waren vor einer Woche noch 350 Pest-Erkrankungen und 40 Todesfälle bekannt, hat sich die Zahl nun bereits verdoppelt. Den Behörden zufolge sind mittlerweile 805 Menschen erkrankt, von denen knapp 600 an der hochgefährlichen und leicht übertragbaren Lungenpest leiden. Mindestens 74 Menschen seien an den Folgen der Infektion gestorben, erklärte die Katastrophenschutzbehörde am Dienstag.

Pest breitet sich in Städten aus

Die Epidemie in dem Inselstaat vor der Südostküste Afrikas hatte Anfang September begonnen. Kleinere Ausbrüche der Beulenpest sind in Madagaskar nicht ungewöhnlich. Die gegenwärtige Epidemie ist jedoch bedeutend heftiger und die Mehrheit der Erkrankungen sind Fälle der leicht übertragbaren Lungenpest.

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Religionsexperte: Buddhismus nicht als gewaltfrei verklären

Bild: brightsblog
Der Berliner Theologe Friedmann Eißler warnt vor einer Verklärung des Buddhismus als Religion ohne jede Gewalt. „Buddhisten sind Menschen, und da kommen Konflikte und Gewalt vor“, sagte der Experte für nichtchristliche Religionen in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

Das Bild eines absolut friedfertigen Buddhismus sei ein hartnäckiges Klischee im Westen, erklärte Eißler zum Konflikt zwischen militanten Buddhisten, darunter auch Mönche, und der muslimischen Minderheit in Myanmar.

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Risikogene für Lendenwirbel-Leiden entdeckt

Klagen Patienten über Schmerzen im unteren Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen, kann eine spinale Stenose dahinterstecken. © Wavebreakmedia/ thinkstock
Verengter Wirbelkanal: Bei der sogenannten spinalen Stenose mischen auch die Gene mit. Forscher haben nun mehrere genetische Varianten identifiziert, die das Risiko für eine krankhafte Verengung des Wirbelkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule erhöhen. Diese Marker könnten künftig dabei helfen, Risikopatienten zu erkennen – und der typischen Alterserscheinung frühzeitig vorzubeugen.

scinexx

Innerhalb der Wirbelsäule befindet sich der Spinalkanal. Er ummantelt das weiche Rückenmark und bildet einen knöchernen Schutz für diesen Teil des zentralen Nervensystems. Verengt sich der Wirbelkanal jedoch, üben Knochen und Bänder Druck auf das Rückenmark und alle darin verlaufenden Nerven aus. Oft passiert dies im Lendenwirbelbereich. Betroffene leiden dann typischerweise unter bis in die Beine ausstrahlenden Schmerzen bis hin zu Gangstörungen.

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Weiterer Deutscher auf Ersuchen der Türkei im Ausland verhaftet

Immer wieder landen politisch Verfolgte auf den Ausschreibungslisten von Interpol. Betroffene können ihre Daten zwar wieder löschen lassen – doch das Verfahren ist aufwendig und dauert oft lange. (Foto: AP)
  • Die Türkei ließ über Interpol nach einem weiteren deutschen Staatsbürger fahnden.
  • Interpolwird von der Türkei vorgeworfen, in zwei Morden verstrickt zu sein.
  • Deutsche Gerichte halten die Vorwürfe für politisch motiviert und verweigerten seine Auslieferung bereits mehrfach.
  • Kemal K. wurde bereits im Juni in der Ukraine festgenommen.

Von Lena Kampf | Süddeutsche.de

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR wird ein weiterer deutscher Staatsbürger auf Ersuchen der türkischen Behörden im Ausland festgehalten. Mit einer „Red Notice“ ließ die Türkei den Kölner Kemal K. von Interpol suchen; er wurde bereits im Juli in der Ukraine verhaftet und sitzt seitdem dort fest. Er darf das Land nicht verlassen, bis über eine Auslieferung in die Türkei entschieden wird.

Kemal K. ist sowohl türkischer als auch deutscher Staatsbürger, er floh 2007 nach Deutschland, erhielt politisches Asyl und wurde 2016 eingebürgert. In der Türkei war er in der kommunistischen Partei TKP/ML aktiv.

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Astronomers Are ‚Racing Against Time‘ as Humanity Clogs the Air With Radio Signals

The CHIME telescope. Image: Andre Renard/Dunlap Institute, University of Toronto
Interference is playing havoc with radio telescopes.

By Jacob Dubé | MOTHERBOARD

In a remote valley in the British Columbia interior, a massive telescope called the Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment (CHIME) is scouring the skies for traces of dark energy, a mysterious force that drives the expansion of the universe but has never been directly detected. As if hunting for dark energy isn’t challenging enough, radio astronomers fear it might not be long before proliferating tech like smartphones and space satellites make these kinds of studies—and even the ongoing search for aliens—impossible, due to radio interference.

According to Mark Halpern, principal investigator at CHIME and astronomy professor at the University of British Columbia, the growing number of communications satellites in space as well as technologies on the ground that emit radio waves are interfering with CHIME’s data-collecting, and could potentially do more damage in the future. If radio astronomers aren’t able to do their research, it could prevent us from making future discoveries about our universe.

„I feel like we’re racing against time to get CHIME done while we still can,“ Halpern said.

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„Sinn des Lebens“

„Also, nun kommt der Sinn des Lebens. Nun, es ist wirklich nichts besonderes. Versuch einfach, nett zu den Leuten zu sein, vermeide fettes Essen, lese ab und zu ein gutes Buch, lass Dich mal besuchen und versuch mit allen Rassen und Nationen in Frieden und Harmonie zu leben.“ Monty Python, Der Sinn des Lebens

Föderation des Determinismus

Was ist Sinn?
I. Da gibt es die einen, die sagen, Sinn ist immer Zweck. Es geht um die Erfüllung eines Ziels, möglichst global, übergeordnet.

Die Frage erscheint Atheisten schon etwas absurd. Welchen Zweck soll ein bestimmter Mensch haben? Aus wessen Sicht? Denn unter „Zweckrichtung“ ist doch letztendlich immer eine von außen kommende Verzweckung gemeint. Das Kind dient den Eltern zu deren Selbstverwirklichung ihres Lebenskonzepts. Der Christ dient der Gottheit zum Spielen in dessen Sandkiste und der Hund dient dem Herrn bei der Bewachung des Hofes.

Wenn ein Mensch sich als selbstbestimmtes Wesen versteht, wie könnte er eine von außen kommende Verzweckung je innerlich akzeptieren? Wohl könnte er es, aber er ein selbstbestimmter Mensch müsste sich dafür entscheiden. Also hinge ein solcher Sinn doch wieder vom Menschen ab.

Und letztendlich geht es bei der Sinngebung doch auch darum, dass ein übergeordneter Sinn einen untergeordneten schlägt. Wie im Kartenspiel, die zehn schlägt die neun: Wenn die Christen den Sinn ihres Lebens von einer Gottheit abhängig machen, dann auch deshalb, weil ihnen die Vorstellung anhaftet, dass das Leben in einem sinnlosen Universum, die globale Sinnlosigkeit, nicht gut sei, nicht schön sei – genau das haben sie dann aber, denn die vorgestellte Gottheit lebt doch selbst gottlos in einem sinnlosen Universum. Diese Vorstellung ist also völlig undurchdacht.

Für uns Atheisten lautet die Antwort: Einen von oben nach unten von einer abgeleiteten Sinn kann es rein logisch gar nicht geben – dann brauchen wir ihn aber auch nicht.

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Konkurrenz für den Konsulatsunterricht

Lernen nach Ankara-Methode. Den Konsularunterricht dürfen nur regimetreue Lehrer geben.FOTO: IMAGO
Jetzt geht plötzlich alles ganz schnell: An den ersten Berliner Schulen sollen Türkisch-AGs starten. Lehrer dafür wurden gefunden.

Von Susanne Vieth-Entus | DER TAGESSPIEGEL

Der türkische Konsulatsunterricht an den Grundschulen bekommt Konkurrenz: Die Bildungsverwaltung hat genug Türkischlehrer gefunden, um mit eigenen Angeboten zu starten. Ab Februar soll es nach Tagesspiegel-Informationen die ersten Arbeitsgemeinschaften geben. Die Zeit drängt vor allem in Mitte, wo der Konsulatsunterricht durch Mietforderungen zum Erliegen kam. Andere Bezirke wollen zwar keine Miete, suchen aber ebenfalls Alternativen, um den Einfluss der Lehrer aus der Türkei einzudämmen. Die Bildungsverwaltung bestätigte am Montag auf Anfrage, dass die AGs im zweiten Schulhalbjahr starten könnten.

Die Kultusminister entschieden – nichts

Von der Kultusministerkonferenz (KMK) ist aktuell keine Unterstützung zu erwarten: Zwar warf sie die Frage auf, inwieweit die Grundlage des Konsulatsunterrichts, nämlich die EU-Richtlinie zu Wanderarbeitern von 1977, „noch zeitgemäß“ sei. Die Kultusminister konnten sich am Donnerstag aber nicht auf sofortige Schritte einigen.

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Sozialethiker Bernhard Emunds: „Die Kirche braucht Menschen, die in Armut leben“

Professor Emunds, wie passt eine kirchliche Bank wie die Pax-Bank in Köln zur Botschaft eines Stifters, der seine Jünger ohne Geldbeutel aussendet und davor warnt, Besitz und Reichtümer zu horten?

Interview Joachim Frank | Kölner Stadt-Anzeiger

Armut und modernes Banking, das geht nicht zusammen. Papst Franziskus spricht heute von der „armen Kirche für die Armen“. Damit ist ein wichtiger Punkt gesetzt: Die Kirche braucht Menschen, die einzeln oder gemeinschaftlich in Armut leben, in bewusstem Verzicht auf persönlichen Besitz. In einer kapitalistischen Gesellschaft, für die Reichtumsvermehrung ein zentraler Wert ist, ist das ein Kontrastprogramm und ein Zeichen kritischer Distanz. Armut – und damit meine ich mehr als den Verzicht auf Protz und unnötige Ausgaben – kann aber nicht die Aufgabe der Kirche insgesamt sein.

Sondern?

Als katholischer Rheinländer reagiere ich allergisch auf alle Versuche, die Kirche als „heiligen Rest“ zu konzipieren. So wird sie nämlich zu einer Sekte, die sich aus allem heraushält. So eine Kirche hat in einer modernen Gesellschaft keine Zukunft. Die christliche Botschaft ist eine Botschaft für die Menschen von heute – mit Relevanz für ihren Staat, ihre Gesellschaft und Wirtschaft.

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