Religion sei ohne Glaubwürdigkeit „am Ende“ – Kirchenhistoriker: Missbrauchsskandal größere Krise als Reformation

Bild: ©KNA
Der sexuelle Missbrauch sei Teil einer Systemkrise in der katholischen Kirche, sagt der Kirchenhistoriker Hubert Wolf. Nun müssten die Bischöfe mit grundlegenden Änderungen beginnen. Dabei gehe es nicht nur um den Zölibat.

katholisch.de

Der katholische Kirchenhistoriker Hubert Wolf sieht den sexuellen Missbrauch als Teil einer Systemkrise in der katholischen Kirche. Wenn die Bischöfe es mit ihrer Ankündigung, dass Thema Missbrauch aufarbeiten zu wollen und auf der Seite der Opfer zu stehen, ernst meinten, müssten sie mit grundlegenden Änderungen beginnen, sagte er am Sonntag im Deutschlandfunk.

„Ich halte diese Krise, wenn ich sie historisch anschauen, für größer als das, was in der Reformation passiert ist“, fügte der Geistliche hinzu. Die Kirche lebe vom Glauben und von ihrer Glaubwürdigkeit. „Eine Religion, die keine Glaubwürdigkeit hat, ist am Ende.“

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Hunderttausende indigene Frauen wurden in den 1990er-Jahren in Peru zwangssterilisiert

Bild: tagesschau.de
Hunderttausende indigene Frauen wurden in den 1990er-Jahren in Peru zwangssterilisiert. Die Begründung: Armutsbekämpfung. Bis heute warten sie auf Entschädigung.

Von Matthias Ebert | tagesschau.de

Die Krankenschwestern kamen in Begleitung von Polizisten und schlugen die Tür von Rute Zuñigas Lehmhütte auf. Kurz darauf saß die Quechua-Frau aus einem Andental bei Cusco im örtlichen Gesundheitszentrum. Im Behandlungszimmer erklärten ihr die Ärzte, dass Zuñiga jetzt zwangssterilisiert werde – während ringsherum miserable hygienische Bedingungen herrschten.

Hände und Beine festgebunden

Als sich die damals 28-Jährige wehrte, band man ihr Hände und Beine fest, bevor die Operation losging. Weil die Betäubung offenbar nicht stark genug war, spürte Zuñiga, wie am Ende ihre Wunde zusammengenäht wurde.

All das passierte am 10. Februar 1999 – ein Datum, welches Zuñiga nie mehr vergessen wird. Die Bäuerin hatte bereits vier Kinder und ihr Mann gibt ehrlich zu, dass er heute froh ist, dass die arme Familie durch den Zwangseingriff nicht noch kinderreicher wurde. Doch für Zuñiga ist das Leben seitdem nicht mehr dasselbe.

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Ukraine: Manipulation eines Bundestagsprotokolls

Plenarsaal mit den Stenografenplätzen (Bildmitte). Bild: J. Tauss
Warum geht die Bundesregierung nicht gegen die ukrainische „Mirotworez“-Liste vor?

Jörg Tauss | TELEPOLIS

Noch immer werden alle Sitzungen im Plenum des Deutschen Bundestags stenografisch festgehalten. Von jenen Damen und Herren, die im Halbrund vor dem Rednerpult ihre Plätze haben. Sie übersenden die jeweiligen Aufzeichnungen später an Rednerinnen und Redner, die sie dann nochmals bestenfalls auf eventuelle „Verhaspler“ überprüfen und erforderlichenfalls korrigieren können.

Allerdings dürfen diese Korrekturen gemäß Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages „den Sinn der Rede oder her einzelnen Teile davon nicht verändern“ (§118 GO- BT).

Damit soll sichergestellt sein, dass das tatsächliche Sitzungsgeschehen korrekt wiedergegeben wird. Umso inakzeptabler ist es dann aber, wenn der Bundestag gegen seine eigenen Vorschriften verstößt.

Jetzt flog ein eklatanter Fall eines Verstoßes aus dem Jahr 2017 auf – die Vorgänge sind aber noch immer aktuell. Äußerungen des Staatsministers im Auswärtigen Amts, Michael Roth (SPD) wurden gegenüber dem tatsächlichen Verlauf der Bundestagsfragestunde schon damals massiv verändert. Dies ergab ein Vergleich des Videos vom Sitzungsgeschehen:

Dieses Originalvideo unterscheidet sich erheblich und nicht nur in Details vom dann tatsächlich veröffentlichten schriftlichen Sitzungsprotokoll.

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Intermezzo: Bildung und Individualismus

Bild: Gerd Altmann / Pixabay
Oder: Wie wir uns Tag für Tag selbst an der Nase herumführen

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Bildung. Ein großes Wort. Oft wird sie gefordert. Wir haben Bildungspolitiker, Bildungsaufträge, etwas altmodisch anmutend auch Bildungsanstalten, so wie es früher einmal Badeanstalten gab. Aber was heißt Bildung? Wofür brauchen wir sie?

Der eigentliche Wortsinn fiel mir erst auf, nachdem ich merkte, dass im Niederländischen für „Bildung“ das Wort „vorming“ (Formung) verwendet wird, etwa in der Form: „academische vorming“, die meine Kolleginnen und Kollegen mitunter fordern, also akademische Bildung.

Nun ist aber in Diskussionen „academische vorming“ hier in aller Regel so unbestimmt, dass viele Niederländer auf das deutsche Wort „Bildung“ ausweichen. Es steht sogar im Wörterbuch und wird dort als „algemene ontwikkeling“ (allgemeine Entwicklung) erklärt. Das ist für die drei dicken Bände des Grote van Dale, vergleichbar mit unserem Duden, doch eher dünn. Gerade dann, wenn man bedenkt, dass gebildete Menschen dieses Wörterbuch zusammenstellten.

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Gedankenverbrechen und Bestrafung

By LeonV – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34934403
Ein Jahr der Ausgrenzung und Rechtsstreite an einer kanadischen Universität

Von Lindsay Shepherd | RDF

Ende 2017 befand ich mich im Zentrum einer Kontroverse an der Wilfrid Laurier University (Waterloo, Kanada), wo ich als M.A. Student (Master of Arts) und Lehrassistent (TA) im Fachbereich Kommunikationswissenschaften tätig war. In dem Kurs, für den ich als TA arbeitete, spielte ich einen Teil einer Podiumsdiskussion, die im öffentlichen Fernsehen von Ontario ausgestrahlt wurde, vor. Wie viele Leser wissen, beinhaltete dieses Material Jordan Peterson, Professor an der University of Toronto, der gegen die Verwendung alternativer Geschlechterpronomen argumentierte, sowie die Argumente des Sexualdiversitätspädagogen Nicholas Matte, der zu dessen Gebrauch ermutigte.

Weil ich entschied, mich nicht von Petersons Ansichten zu distanzieren, bevor ich das Video zeigte, wurde ich in daraufhin vor einen Disziplinarausschuss zitiert. Der Betreuer des betreffenden Kurses, Nathan Rambukkana, sowie der Koordinator meines M.A.-Programms, Herbert Pimlott (manchmal auch bekannt als „Hillary X Plimsoll“), und die Managerin für geschlechtsspezifische Gewalt und Prävention von sexuellen Übergriffen, Adria Joel, beschuldigten mich, gegen das Gesetz zu verstoßen, indem ich ein Video mit Peterson im Klassenzimmer gezeigt, sowie Trans-Personen bedroht und angriffen habe, wodurch eine toxische Umgebung geschaffen wurde. All das ist bekannt, weil ich das ganze Treffen aufgezeichnet habe.

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Uni Jena präsentiert Band zum Briefwechsel von Ernst Haeckel

Eine Büste des Zoologen Ernst Haeckel. Foto: Jan-Peter Kasper/Archiv Quelle: dpa-infocom GmbH
Zum 185. Geburtstag von Ernst Haeckel stellt die Friedrich-Schiller-Universität Jena am Samstag den zweiten Band der Briefwechsel-Edition des Naturforschers vor.

DIE WELT

Der Zoologe Haeckel (1834-1919) baute Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre aus. Eine Reihe wissenschaftlicher Begriffe wie etwa «Ökologie» gehen auf ihn zurück. In Jena arbeitete er als Professor für Zoologie. Haeckel war aber nicht nur Forscher, sondern auch Künstler – die Zeichnungen seiner Tier- und Pflanzenwelt sind bis heute populär.

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How to Get Close to a Black Hole

Image: NAUTILUS
An Introduction to the Black Hole Institute

By Grace Lindsay | NAUTILUS

Fittingly, the Black Hole Initiative (BHI) was founded 100 years after Karl Schwarzschild solved Einstein’s equations for general relativity—a solution that described a black hole decades before the first astronomical evidence that they exist. As exotic structures of spacetime, black holes continue to fascinate astronomers, physicists, mathematicians, philosophers, and the general public, following on a century of research into their mysterious nature.

The mission of the BHI is interdisciplinary and, to that end, we sponsor many events that create the environment to support interaction between researchers of different disciplines. Philosophers speak with mathematicians, physicists, and astronomers, theorists speak with observers and a series of scheduled events create the venue for people to regularly come together.

As an example, for a problem we care about, consider the singularities at the centers of black holes, which mark the breakdown of Einstein’s theory of gravity. What would a singularity look like in the quantum mechanical context? Most likely, it would appear as an extreme concentration of a huge mass (more than a few solar masses for astrophysical black holes) within a tiny volume. The size of the reservoir that drains all matter that fell into an astrophysical black hole is unknown and constitutes one of the unsolved problems on which BHI scholars work.

We are delighted to present a collection of essays which were carefully selected by our senior faculty out of many applications to the first essay competition of the BHI. The winning essays will be published here on Nautilus over the next five weeks, beginning with the fifth-place finisher and working up to the first-place finisher. We hope that you will enjoy them as much as we did.

—Abraham (Avi) Loeb
Frank B. Baird, Jr. Professor of Science, Harvard University
Chair, Harvard Astronomy Department
Founding Director, Black Hole Initiative (BHI)

Black holes are the most extreme objects in the universe. Pitch black, with masses as much as a billion times that of our sun and with the strength to anchor whole galaxies, such extreme objects call for equally extreme methods to study them. Indeed, scientists go to great lengths to pick up whatever signals they can from these invisible beasts: telescopes launched into space to detect X-rays that are emitted from black holes but can’t pass through our atmosphere; kilometers-wide neutrino detectors placed on the floor of the Mediterranean Sea, catching elementary particles coming from the black hole births; and over $600 million spent building the Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory, which offers the first opportunity to observe black hole activity directly.

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Debatte um „Geisterwähler“: Türkei streicht 90.000 Namen aus Wählerlisten

In der Türkei wird bald gewählt. – REUTERS
Die Opposition behauptete vor den Kommunalwahlen, es gebe Tausende „Geisterwähler“. Nun hat die Wahlbehörde mehr als 90.000 Namen aus den Listen gestrichen.

Die Presse

Nach heftigen Debatten über sogenannte Geisterwähler hat die türkische Wahlbehörde mehr als 90.000 Namen aus den Listen gestrichen, mit denen sich Bürger für die Kommunalwahlen im März registrieren lassen konnten. Auf den Listen seien bisher 91.093 Wähler gefunden worden, die nicht am angegebenen Wohnort gemeldet waren, sagte der Chef der Behörde, Sadi Güven, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag in der Hauptstadt Ankara.

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Woelki zum Richtungsstreit in katholischer Kirche: „Wir brauchen mehr Kirche, keine neue“

Woelki während der ZdK-Herbstvollversammlung © Marius Becker (dpa)
Wohin soll die katholische Kirche steuern? Das Zölibat abzuschaffen und Frauen zum Priesteramt zuzulassen bringe nicht die Lösung, mahnt Kölns Kardinal Woelki. Stattdessen müsse sich die Kirche treu bleiben. Es dürfe keine „neue Kirche“ erfunden werden.

DOMRADIO.DE

Missbrauch, sinkende Mitgliedszahlen und Kritik von fast allen Seiten: Die katholische Kirche befindet sich in stürmischen Zeiten. Die größte Herausforderung liege aber woanders, betonte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. In einem Interview mit dem Sender EWTN sagte er, dass die Hauptaufgabe darin bestünde, die Gottesfrage in der Gesellschaft „insgesamt lebendig zu halten“.

Immer mehr Menschen bräuchten Gott nicht mehr in ihrem Leben, bemängelte der Kardinal. „Und hier hat die Kirche eine ganz wichtige Aufgabe, deutlich zu machen, dass Gott ist und dass Gott im Grunde genommen der Urgrund von allem ist.“

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«Gelbwesten» protestieren wieder in Frankreich

In Paris demonstrierten die «Gelbwesten» auch an diesem Wochenende wieder gegen die Mitte-Regierung. (Bild: Sameer Al-Doumy / Imago)
Fast auf den Tag genau drei Monate nach Beginn der «Gelbwesten»-Proteste in Frankreich haben erneut Tausende Menschen gegen die Politik der Pariser Mitte-Regierung demonstriert.

Neue Zürcher Zeitung

In der Hauptstadt verlief der Protest zunächst überwiegend friedlich, wie die Polizei mitteilte. Vereinzelt setzten die Sicherheitskräfte demnach Tränengas ein. Teilnehmerzahlen gab es zunächst nicht.

Auch in vielen anderen Städten fanden wieder «Gelbwesten»-Demonstrationen statt, darunter Marseille, Bordeaux und Strassburg. Auch hier blieb die Lage Berichten zufolge weitgehend friedlich. In Toulouse blockierten einige Dutzend «Gelbwesten» einen Standort des Online-Versandhändlers Amazon, wie der Sender BFMTV berichtete. Die Demonstranten versperrten demnach Lastwagen zeitweilig die Zufahrt zu dem Warenlager.

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Dodo Müller unzufrieden mit Amtsführung des Papstes und „Hofschranzen“

Gerhard Ludwig Müller links im Bild. Bild: bb
Müller hat sich über Papst Franziskus‘ Amtsführung gewendet: Es dürfe nicht sein, dass „die Gesamtkirche nach den Regeln des Jesuitenordens geführt wird“, sagte er dem Spiegel. Nicht nur am Papst hatte er viel auszusetzen.

DOMRADIO.DE

Kardinal Gerhard Ludwig Müller kritisiert die Amtsführung von Papst Franziskus und bescheinigt ihm zugleich Rechtgläubigkeit. Franziskus mache sich etwa bei Personalentscheidungen „von Zuträgern und ihren oft unedlen Motiven abhängig“, sagte der frühere Chef der vatikanischen Glaubensbehörde dem „Spiegel“.

Auf die Frage, ob Franziskus ein Häretiker sei, antwortete der Kardinal: „Nein. Dieser Papst ist orthodox, das heißt im katholischen Sinne rechtgläubig.“ Seine Aufgabe sei es aber, die Kirche zu einen. „Und es wäre gefährlich, wenn er der Versuchung erläge, jene Gruppe, die sich mit ihrem Progressismus brüstet, gegen den Rest der Kirche auszuspielen“.

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„Für bezahlbare Wohnungen ist der Staat zuständig“

Luxuswohnungen am Schinkelplatz in Berlin: Käufer finden sich genügend Quelle: FRANKONIA Eurobau AG
Exklusive Neubauten in der Innenstadt sind das Geschäft von Frankonia. Der Chef beobachtet die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum mit Sorge. Man könne nicht erwarten, dass Immobilienunternehmen auf Gewinne verzichteten, damit es den Mietern gut gehe.

Von Michael Fabricius | DIE WELT

Die Frankonia Eurobau ist bekannt für exklusive Neubauten in zentraler Stadtlage – beispielsweise das Andreas Quartier in Düsseldorf, die Sophienterrassen in Hamburg und Luxuswohnungen auf dem Berliner Schinkelplatz. Für solche Immobilien gebe es immer einen Abnehmer, sagt Frankonia-Chef Uwe Schmitz. Dennoch macht ihm die Diskussion um bezahlbares Wohnen Sorgen. Er warnt vor fehlgeleiteten Subventionen. Und vor einer Rückkehr hässlicher Sozialwohnungen.

WELT AM SONNTAG: Herr Schmitz, die Frankonia Eurobau hat in den vergangenen Jahren etliche hochwertige Wohnquartiere gebaut. Die Preise liegen in der Oberklasse. Allerdings dauert es auch lange, bis Käufer gefunden sind. Ist der Luxusmarkt gesättigt?

Uwe Schmitz: Generell ist das abhängig vom Standort. Aber für die Preisklasse oberhalb von zwei Millionen Euro muss ich sagen: Die Vermarktung dauert heute nicht länger als vor 15 Jahren. Da hat sich nicht viel geändert. Ich glaube, dass ich das ganz gut beurteilen kann. Wir haben in den letzten Jahren Wohnungen im Wert von 550 Millionen Euro in diesem Segment verkauft. Jetzt wird gemutmaßt, da sei am Bedarf vorbeigebaut worden. Das stimmt aber nicht.

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Warum der Staat den Kirchen immer noch Geld zahlt

Bild: © dpa/Hendrik Schmidt
Regelmäßig wird über die Staatsleistungen an die beiden großen Kirchen diskutiert. Eigentlich sollten diese Zahlungen – im vergangenen Jahr rund 520 Millionen Euro – schon vor 100 Jahren abgeschafft werden. Doch passiert ist bislang nichts. Schuld daran sind aber nicht die Kirchen.

Von Steffen Zimmermann | katholisch.de

Am vergangenen Mittwoch wurde in Weimar an den 100. Jahrestag der konstituierenden Sitzung der Weimarer Nationalversammlung erinnert. Bei einem Festakt im Deutschen Nationaltheater – dem damaligen Verhandlungsort – lobten Redner wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Arbeit der Nationalversammlung, die damals in wenigen Monaten die erste demokratische Verfassung Deutschlands ausgearbeitet und am 31. Juli 1919 verabschiedet hatte.

Obwohl die erste demokratische Republik auf deutschem Boden nur knapp 14 Jahre später vom Nationalsozialismus abgelöst wurde und deshalb als gescheitert gilt, wurden bei der Ausarbeitung des heutigen Grundgesetzes zahlreiche Inhalte der Weimarer Reichsverfassung für die Bundesrepublik übernommen.

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Spahn will Therapien gegen Homosexualität verbieten

Jens Spahn (rechts) mit seinem Partner Daniel Funke. – APA/AFP/DPA/GREGOR FISCHER
Jens Spahn will sogenannte Kornversionstherapien verbieten. Der Politiker geht mit seiner Homosexualität offen um: „Ich sage immer: Der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

Die Presse

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn will sogenannte Konversionstherapien gegen Homosexualität verbieten. „Homosexualität ist keine Krankheit, und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig“, sagte Spahn der „tageszeitung“ aus Berlin vom Freitag. Gemeinsam mit dem Justizministerium werde er bis zum Sommer einen Vorschlag für eine Verbotsregelung erarbeiten.

Sogenannte Konversionstherapien zielen darauf ab, Schwule und Lesben heterosexuell zu machen. „Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins“, sagte Spahn der „taz“. „Ich sage immer: Der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

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Höchststrafe für Theodore McCarrick: Papst entlässt Ex-Kardinal aus Klerikerstand

Kardinal Theodore E. McCarrick © Bob Roller (KNA)
Der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick ist des Missbrauchs für schuldig befunden worden. Der Papst hat ihn deswegen aus dem Klerikerstand entlassen. Das ist die höchste Strafe, die das Kirchenrecht für einen Kleriker vorsieht.

DOMRADIO.DE

Wenige Tage vor dem Vatikan-Gipfel zu Missbrauch hat Papst Franziskus den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen. Für Geistliche ist das die im Kirchenrecht vorgesehene Höchststrafe. Die Entscheidung gab der Vatikan am Samstagmorgen bekannt.

McCarrick wurde demnach des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen in Verbindung mit Machtmissbrauch für schuldig befunden, außerdem des Missbrauchs des Beichtsakraments.

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Giftgasangriff? Was ist in Duma am 7. April 2018 passiert?

Der Gaskanister im Bett. Screenshot
Für die USA waren die Bilder der Weißhelme Beweis genug zur Bombardierung, ein investigativer US-Journalist hat sich bemüht, den Nebel des Krieges und der Propaganda vorurteilslos zu durchdringen.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Passend zur Münchener Sicherheitskonferenz, wo die Veranstalter wie jedes Jahr einen drohenden Zusammenbruch, dieses Mal der „liberalen Weltordnung“, beschwören, ist auf Intercept der Bericht von James Harkin, Direktor des Centre for Investigative Journalism und Mitglied des Shorenstein Center der Harvard University, erschienen, der sich noch einmal den angeblichen Giftgasangriff auf das syrische Duma (Douma) im April 2018 vorgenommen hat (Das lässt aufhorchen: Angeblicher Chemiewaffenangriff in Ost-Ghouta).

Er war bereits Anfang Juli 2018 nach Duma gereist, um sich die Lage vor Ort anzusehen. Seine Reportage ist Pflichtlektüre, auch wenn man letztlich zu anderen Schlüssen kommen mag. Klar ist auf jeden Fall, dass viele Menschen umkamen, letztlich ist es egal, ob sie Opfer einer chemischen Waffe oder einer normalen Bombe wurden.

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Von echten und falschen Penicillin-Allergien

Eine altbewährte Substanz im Kampf gegen Infektionskrankheiten: Penicillin. (Bild: pd)
Wenige Medikamente werden so oft mit einer Allergie in Verbindung gebracht wie Penicillin. Neuere Studien zeigen nun, dass dies grösstenteils zu Unrecht geschieht. Und dass der Verzicht auf das altbewährte Antibiotikum ernsthafte Folgen hat.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Penicillin ist zwar nicht das älteste Antibiotikum, wohl aber das bedeutendste. 1928 vom schottischen Arzt Alexander Fleming in Schimmelpilzen entdeckt, kam es in den frühen 1940er Jahren auf den Markt. Seinen Siegeszug verdankte es nicht zuletzt der Tatsache, dass es viele Kriegsverletzte vor den tödlichen Folgen des Wundbrands rettete. Auch heute noch gehören Penicillin und seine Abkömmlinge, die Beta-Laktam-Antibiotika, zu den wirksamsten Waffen gegen viele bakterielle Erkrankungen.

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Neue Studie: Glyphosat erhöht Krebsrisiko

Bild: F. R.
Der Unkrautvernichter könnte sich noch als giftige Erbschaft für den Agrochemie-Riesen Bayer erweisen

Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Nicht gerade beruhigende Neuigkeiten zum Thema Glyphosat: Eine in Mutation Research veröffentlichte Studie sieht einen „zwingenden Zusammenhang“ zwischen der Nutzung des Pestizids und der Erkrankung an Lymphgewebekrebs. Die Autoren der Untersuchung (Exposure to Glyphosate-Based Herbicides and Risk for Non-Hodgkin Lymphoma: A Meta-Analysis and Supporting Evidence) sprechen von einem um 41 Prozent erhöhten Risiko bei Menschen, jedenfalls bei denen, die größeren Konzentrationen ausgesetzt sind, am sogenannten Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken.

Der britische Guardian kommentierte, die Ergebnisse der fünf US-Wissenschaftler widersprächen den Zusicherungen der US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) über die Sicherheit des Unkrautvernichters.

Im Fokus: Das „Non-Hodgkin-Lymphom“

Unter der Sammelbezeichnung Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) werden bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems zusammengefasst, die kein Morbus Hodgkin sind. Strahlenexposition, eine Autoimmunerkrankung oder eine HIV-Infektion zählen zu den bekannten Risiken und möglichen Krankheitsauslösern. Im fortgeschrittenen Stadium können Organe wie Lunge, Leber, Knochenmark und Milz befallen sein.

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Skurril: Seeschlange sieht mit dem Schwanz: Lichtsensoren im Paddelschwanz helfen ihn vor Bissen und Schäden zu schützen

Die Seeschlage (Aipysurus laevis) kann mit ihrer Schwanzhaut Licht wahrnehmen -das hilft ihr, den Paddelschwanz zu schützen. © Chris Mal
Ungewöhnliches Patent der Natur: Eine australische Seeschlange kann mit ihrem Schwanz sehen. Denn in der Haut ihres abgeflachten Paddelschwanzes sitzen lichtempfindliche Pigmente, wie nun Forscher entdeckt haben. Fällt Licht auf den Schwanz, zieht ihn die Schlange ein – und schützt ihn so vor Schäden oder Angriffen von Fressfeinden. Wie genau dieser Sensor funktioniert und ob er auch bei anderen Seeschlangen vorkommt, haben die Wissenschaftler nun erstmals untersucht.

scinexx

Schlangen sind eine extrem anpassungsfähige Tiergruppe: Sie kommen von heißen Wüstengebieten über dichte Urwälder bis in die gemäßigten Breiten unserer Region vor. Sogar das Fliegen haben einige baumbewohnende Schlangen perfektioniert. Besonders ungewöhnlich aber ist der Lebensraum der vieler Seeschlangen: Sie verbringen nahezu ihr gesamtes Leben im Meer – oft in Korallenriffen oder Seegraswiesen.

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Wie sich die genetische Entwicklung ganzer Arten manipulieren lässt

Etwa 40 Stechmückenarten können Malaria übertragen. foto: ap/felipe dana
Eine neue Technologie namens Gene-Drive stellt die Vererbungslehre auf den Kopf. Sie birgt große Chancen, aber auch unabschätzbare Risiken.

David Rennert | DERSTANDARD.at

Fast eine halbe Million Menschen stirbt jährlich an Malaria – zum größten Teil Kinder. Seit Jahrzehnten wird intensiv an der Entwicklung von Impfstoffen geforscht, der große Durchbruch ist bisher allerdings ausgeblieben. Wissenschafter verfolgen daher auch ganz andere Strategien im Kampf gegen die tückische, von Moskitos übertragene Infektionskrankheit.

Eine davon hat in den vergangenen Jahren gehörigen Auftrieb bekommen, gleichzeitig aber auch heftige Kontroversen ausgelöst. Kein Wunder, geht es dabei doch um nicht weniger als einen beispiellosen Eingriff in die Natur: Mithilfe neuer molekularbiologischer Werkzeuge wird versuchsweise daran gearbeitet, den surrenden Malaria-Überträgern den Garaus zu machen – und zwar endgültig. Manipulationen mit sogenannten Gene-Drives (auf Deutsch Genantriebe) könnten es ermöglich, einzelne Moskitoarten stark zu dezimieren oder sogar vollständig auszurotten. Das könnte auch bei Überträgern anderer gefährlicher Krankheiten wie Dengue-Fieber oder Zika-Fieber funktionieren.

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