Buddhismus: Wiedergeburt ist eine späte Erfindung

Die Alternative. Aber der Buddhismus steckt auch voller Dogmen.Foto: dpa
Der britische Lehrer und Autor Stephen Batchelor versucht, den Buddhismus zu reformieren – auch für Ungläubige.
 

Von Daniel Herbstreit | DER TAGESSPIEGEL

Katholikentag? Islam-Debatte? Was ist eigentlich mit dem Buddhismus? Auf den ersten Blick scheint er viel besser in die moderne Welt zu passen als etwa das Christentum oder der Islam. Fürs Meditieren muss man nicht an einen allmächtigen Gott glauben, und oberste buddhistische Repräsentanten wie der Dalai Lama arbeiten mit Naturwissenschaftlern zusammen, statt sich hinter antiquierten Dogmen zu verschanzen. Doch dabei übersieht man leicht, dass auch die buddhistische Überlieferung voller Wahrheitsansprüche steckt, die heute kein vernünftiger Mensch mehr hinnehmen will, zum Beispiel die Lehren von Karma und Wiedergeburt. Und nicht nur in Asien, auch in Europa sind viele buddhistische Organisationen ähnlich konservativ und dogmatisch verkrustet wie der Vatikan.

Man muss sich das vor Augen halten, wenn man das Außergewöhnliche von Stephen Batchelor verstehen will. Seit den 90er Jahren treibt der Brite das Projekt eines nichtreligiösen Buddhismus so eloquent und entschieden voran wie kein Zweiter – als einer der prominentesten Lehrer für Achtsamkeits- und Zen-Meditation weltweit, vor allem aber als Autor. „Buddhismus für Ungläubige“ heißt sein erfolgreichstes Buch, in dem er seine säkulare Interpretation des Dharma, also der buddhistischen Lehre, für ein breites Publikum zusammenfasste. Dabei gelang Batchelor, was sich auf christlicher Seite zurzeit offenbar niemand so recht zutraut: ein praktikabler, zugleich intellektuell überzeugender Kompromiss zwischen Religion und Atheismus.

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Schweinswale sind „Fressmaschinen“

Ein Schweinswal beim Fangen eines kleinen Fisches © Fjord & Belt
Rekordverdächtiger Fischkonsum: Die an unseren Küsten häufigen Schweinwale sind echte Dauerfresser. Sie jagen und vertilgen im Durchschnitt rund 550 Fische pro Stunde – und das müssen diese Wale auch. Denn ihr Stoffwechsel läuft so auf Hochtouren, dass sie ständig Futternachschub benötigen, wie Forscher im Fachmagazin „Current Biology“ berichten. Das macht sie besonders anfällig gegenüber ökologischen Störungen.

scinexx

Der bis zu 1,80 Meter lange Schweinswal ist der mit Abstand häufigste Wal in Nord- und Ostsee. Doch die Überfischung, Wasserverschmutzung, der zunehmende Unterwasser-Lärm, aber auch Umweltgifte lassen die Populationen der Schweinswale schrumpfen. Vor allem im Sommer kommt es zudem immer wieder zu Massenstrandungen von Jungtieren dieser Walart.

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Rapid-Pfarrer: Jesus würde heute über Fußball reden – Blödsinn

Bild. Flyer Focke-Museum. Sreenshot:bb
Bild. Flyer Focke-Museum. Sreenshot:bb Themen-Bild.
Fußball-Seelsorger Pelczar zeigte sich beeindruckt von persönlichen Glaubensbezeugungen zahlreicher Top-Profis: „Viele bezeichnen Gott als ihre Kraftquelle und ihr Fundament.“

kath.net

Der Fußball beinhaltet laut dem Priester Christoph Pelczar eine „tiefe spirituelle Dimension“: Im Kampf um das runde Leder spielten zentrale Aspekte des Menschseins – und auch der Religion- eine Rolle, so der frühere Mentalcoach beim SK Rapid und Pfarrer von Weikendorf (NÖ) am Freitag im Interview mit „Kathpress“. Heute würde Jesus wohl über den Ball sprechen: „Für Jesus waren immer die einfachen Dinge wichtig und er nahm für seine Botschaften Bilder aus dem Leben der Menschen. Ganz sicher würde er heute Verbindungen zum Fußball schaffen“, so der Fußball-begeisterte Priester.
Das Geschehen am Trainingsplatz und erst recht im Stadion ist Pelczar zufolge eine verdichtete Abbildung des Lebens: „Mittellinie, eigene Hälfte, Corner, Strafraum und Torlinie haben viel mit dem Inneren des Menschen zu tun. Jeder steht auch im Alltag manchmal im Abseits oder drängt andere dorthin, ist nach einem Foul verletzt, rennt ohne Ball, bietet sich an, spielt sich frei oder feiert Feste wie ein Tor.“ Zu allen Emotionen, zu religiösen Inhalten wie Glaube, Hoffnung und Liebe und auch zu schlimmen Momenten, Versuchungen und Notlagen fänden sich direkte Entsprechungen im Fußball.

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Zahl der Angriffe gegen Flüchtlinge nimmt weiter zu

Feuerwehr im Einsatz (Symbolfoto) © Polizei
Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylunterkünfte haben in diesem Jahr weiter zugenommen. Auch Flüchtlingshelfer, Politiker und Journalisten werden immer wieder Opfer von Straftaten. Politiker warnen vor einer sinkenden Hemmschwelle.

MiGAZIN

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnt angesichts der steigenden Zahl von Übergriffen auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte vor einer „Teilverrohung“ der Gesellschaft. Nach dem starken Anstieg im vergangenen Jahr habe sich die Situation in den ersten Monaten 2016 noch verschlimmert, sagte de Maizière den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Seit Jahresbeginn habe es mehr als 1.100 Übergriffe auf Flüchtlinge oder ihre Unterkünfte gegeben. Auch Flüchtlingshelfer, Politiker und Journalisten werden immer wieder zu Opfern.

Nach einer Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) gab es seit Jahresbeginn 245 Straftaten gegen Flüchtlingshelfer, Politiker und Journalisten, darunter 13 Gewalttaten. 186 Taten waren rechtsextremistisch motiviert, wie die Funke-Zeitungen (Sonntags-/Montagsausgaben) unter Berufung auf eine interne BKA-Studie berichteten. Amts- und Mandatsträger wie Bürgermeister oder Abgeordnete wurden dem Bericht zufolge in 107 Fällen Opfer von Straftaten Rechtsextremer (insgesamt 141 Angriffe), Hilfsorganisationen und freiwillige Helfer 54 mal (insgesamt 61 Fälle), Medienvertreter 25 mal (insgesamt 43 Fälle). Delikte gegen diese Gruppen werden ebenso wie Angriffe gegen Flüchtlinge außerhalb der Unterkünfte erst seit diesem Jahr ausgewiesen.

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Rätsel um gestoppten Mongolensturm gelöst?

Mongolischer Reiter. Das mongolische Heer rückte im 13. Jahrhundert immer weiter gen Westen vor – bis 1242.
© William Cho/ CC-by-sa 2.0
Forscher könnten herausgefunden haben, warum die Mongolen im Frühjahr 1242 ihren Sturm auf Europa so plötzlich abbrachen: Schuld war nicht eine militärische Niederlage, sondern schlicht das Wetter. Denn ein schneereicher Winter und ein kalt-nasses Frühjahr verwandelte damals die ungarische Steppe in eine Sumpflandschaft, wie Klimadaten verraten. Das behinderte die militärischen Operationen der Mongolen und sorgte für Hunger bei Pferden und Soldaten.

scinexx

Im 13. Jahrhundert eroberten die Mongolen weite Teile Eurasiens: Zunächst unter Dschingis Khan, dann unter seinen Nachfolgern dehnten sie ihr Reich bis weit in den Westen hinein aus. Im Frühjahr 1241 schlug das Mongolenheer unter Dschingis Khans Enkel Batu in kurzer Folge die Armeen Polens und Ungarns und überquerten im Winter 1242 sogar die Donau. Ungarns König Béla IV. floh daraufhin nach Österreich.

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Kalter Krieg der Geschlechter

Wie wir im ersten Wer ist hier eigentlich das typische Opfer?) und zweiten Teil (Vergewaltigung: Spiel mit den Zahlen) gesehen haben, spiegelt der Diskurs über Opfer und sexuelle Gewalt häufig nicht die Statistiken wider, einschließlich solcher Statistiken, in denen Frauen repräsentativ befragt wurden. Obwohl Männer deutlich häufiger Opfer schwerer Gewalttaten (mit Ausnahme der Sexualverbrechen) werden, werden ihre Erfahrungen oftmals überhaupt nicht erfasst.

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Im vorerst dritten und letzten Teil dieser Serie geht es um die theoretischen Hintergründe der feministischen Diskussion und die Gefahr, dass vordergründiger Schutz von Frauen und Minderheiten schließlich zum Verlust von Freiheit und freier Meinungsäußerung führt. Schon heute zeichnen sich deutliche Tendenzen ab, das Opfer-sind-Frauen- und Täter-sind-Männer-Denken in ein Frauen-sind-Opfer- und Männer-sind-Täter-Denken umzudrehen.

Ein wesentlicher Grundpfeiler feministischer Diskurse ist die Berufung auf die allgemeine Aussagekraft subjektiver Erlebnisse (engl. „lived experience“) unter Rückgriff auf Arbeiten des Phänomenologen Wilhelm Dilthey (1833-1911). Das wird von manchen heute so verstanden, dass die geäußerten Erfahrungen einer Sprecherin nicht hinterfragt werden dürfen.

Erlebte Mikroaggressionen sind dann Mikroaggressionen, (Weg mit den Mikroaggressionen); erlebte sexuelle Belästigungen sind dann sexuelle Belästigungen; und erlebte Vergewaltigungen sind dann Vergewaltigungen. Die „skeptische Feministin“ Janet Radcliffe Richards, Professorin für Praktische Philosophie an der Oxford University, wies schon in den 1980er und 1990er Jahren wiederholt darauf hin, zu welchen Problemen in der Debattenkultur es dadurch kommt.

Privilegierung weiblicher Erfahrungen

Wie solle man etwa damit umgehen, wenn sich die subjektiven Erlebnisse eindeutig widersprechen, das heißt, wenn sie unmöglich beide wahr sein können? Ihre Bemühungen um einen vernünftigen Diskussionsstil hätten zu großen Anfeindungen im feministischen Lager geführt, berichtet die Professorin in der zweiten Auflage ihres Buchs „The Sceptical Feminist“ von 1994. Dabei sind solche Fragen nicht zuletzt vor Gericht entscheidend, wo es um nichts Geringeres als die Freiheit eines Menschen geht und sich Aussagen häufig widersprechen.

Dem Phänomenologen Dilthey ging es freilich bei seinen Überlegungen zu subjektiven Erlebnissen nicht darum, nur die Erfahrungen eines Geschlechts zu privilegieren. Im feministischen Diskurs, in Politik, in den Medien und bisweilen selbst in der Forschung scheint es aber darauf hinauszulaufen. So riefen etwa die Sozialwissenschaftler Melanie Steffens und Christof Wagner mehr als 50.000 Menschen in Deutschland an, um schließlich die Antworten mehrerer hundert Lesben, Schwulen und Bisexuellen über erlebte Diskriminierung zu erhalten.1

Diskriminierung von Schwulen und Lesben

Dabei gaben mit 55% bei den Schwulen doppelt so viele Personen an, Beleidigungen im Alltag erlebt zu haben, wie bei den Lesben (26%). Bei Bedrohungen und Angriffen waren die Unterschiede noch deutlicher: Mit 21% hatten sich zehnmal so viele Schwule schon einmal bedroht gefühlt wie Lesben (2%). Schließlich gaben mit 16% achtmal so viele Schwule an, angegriffen worden zu sein, wie Lesben (2%). Bei bisexuellen Männern war das mit 8% immer noch viermal so hoch wie bei bisexuellen Frauen (2%).

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Mainzer Kita öffnet wieder – Bistumsspitze entschuldigt sich

Bild: WAZ
Bild: WAZ
Diözesanadministrator Giebelmann entschuldigte sich bei den Kindern, bei Eltern, «die spürten, dass ihre Kinder nicht lachend aus der Kita kamen», bei den Erziehern, die sich bemüht haben, die sich aber nicht durchsetzen konnten.

kath.net

Die wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe unter Kindern geschlossene katholische Kindertagesstätte «Maria Königin» in Mainz soll im Oktober wieder geöffnet werden. Das kündigte am Freitag der Mainzer Diözesanadministrator Dietmar Giebelmann an. Die Kita war im Juni vergangenen Jahres geschlossen worden, nun soll sie auch neues Personal erhalten.
Giebelmann, damals Generalvikar des Bistums Mainz, hatte dem erzieherischen Personal der Kita schwerste Verletzungen der Aufsichtspflicht vorgeworfen, ihm fristlos gekündigt und Strafanzeige gestellt. Ein abschließendes Fazit der Mainzer Staatsanwaltschaft steht noch aus. Sie hatte aber bereits im November mitgeteilt, ihre Ermittlungen hätten bis dahin keine Bestätigung für den Verdacht ergeben, es sei in der Kita zu sexuellen Übergriffen unter Kindern gekommen. Insofern erübrige sich auch der Vorwurf, das Kita-Personal habe seine Aufsichtspflicht in strafrechtlich relevanter Weise verletzt.

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Identitäre Bewegung unter Beobachtung

Symbol der Identitären Bewegung Deutschland. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0
Symbol der Identitären Bewegung Deutschland.
Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0
Der Verfassungsschutz beobachtet die „Identitäre Bewegung“. Offenbar beginnt die Gruppe, sich auf Treffen zu organisieren.
 

Frankfurter Rundschau

Der Verfassungsschutz hat die sogenannte „Identitäre Bewegung“ ins Visier genommen. Einige Landesämter schauten sich die Identitären inzwischen genauer an, weil dort die Schwelle für eine Beobachtung erreicht sei, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe). „Wir haben festgestellt, dass sie in verschiedenen Bundesländern von reinen Internetaktivitäten zu Verabredungen im realen Leben übergegangen sind.“

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Aminosäure auf Rosettas Komet entdeckt

© ESA/Rosetta/NavCam CC BY-SA
© ESA/Rosetta/NavCam
CC BY-SA
Eisiger Lebensbringer: Die Raumsonde Rosetta hat erstmals eine Aminosäure auf einem Kometen nachgewiesen. Ihr Massenspektrometer detektierte die Aminosäure Glycin, sowie den DNA-Baustein Phosphor in der Gas- und Staubhülle des Kometen Churyumov-Gerasimenko. Dies liefert weitere Indizien dafür, dass Kometen der jungen Erde einst als Lieferanten für organische Moleküle gedient haben könnte, so die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“.

scinexx

Schon seit längerem mehren sich die Indizien dafür, dass Kometen der jungen Erde wichtige Lebensbausteine und möglicherweise auch einen Teil ihres Wassers brachten. Messdaten zeigen, dass die eisigen Brocken DNA-Bausteine und weitere komplexe organische Moleküle wie Zucker und die Vorstufen von Aminosäuren enthalten können.

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Märtyrer!, sagen die Palästinenser. Mörder!, sagen die Israeli

Schießen und Schließen. Die israelische Armee attackierte die Radiostation Al Humia in Hebron im Westjordanland und verbot dann…Foto: picture alliance / dpa
Journalisten sind immer Teil des Konflikts zwischen Palästinensern und Israelis in den besetzten Gebieten.
 

Von Lissy Kaufmann | DER TAGESSPIEGEL

„Wenn sich die Israelis darüber aufregen, dass wir von einem Schahid schreiben, also einem Märtyrer, wenn ein Palästinenser mit einem Messer auf einen Israeli losgeht und dabei ums Leben kommt“, sagt Nasser al Laham und lächelt süffisant, „dann werde ich die Israelis liebend gerne weiterhin ärgern.“

Al Laham ist Chefredakteur der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan in Bethlehem und schreckt vor Provokationen nicht zurück. Schahid sei eben der gängige Begriff. Al Lahams Agentur liefert Bilder, Videos und Texte auf Englisch und Arabisch, Nachrichten wie Meinungsstücke. Auch, wenn darin Terrorattacken gutgeheißen werden, sagt Nasser al Laham und beschwichtigt: „Ich veröffentliche aber auch Kommentare, die sich dagegen aussprechen.“ Auch er selbst sei dagegen, dass Jugendliche als Attentäter in den Tod geschickt werden.

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Staatswesen: Das Böckenförde-Dilemma

Bundesverfassungsgericht, Richter Böckenförde. Bild. wikimedia.org/Bundesarchiv, B 145 Bild-F080599-0023 / Reineke, Engelbert / CC-BY-SA 3.0
„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ – Ein 50 Jahre alter Satz, gerne zitiert zur Schnellproblemlösung.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Es gibt Sätze, auf die stößt ein fleißiger Zeitungsleser immer wieder. Ganz vorne rangiert gerade in den letzten Jahren  dieser: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Es ist der am häufigsten zitierte Satz des 1930 in Kassel geborenen Staats- und Verwaltungsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde. Der gehört zu den die Entwicklung der Bundesrepublik prägenden Juristen. Als Lehrer und Autor, als Gründer und Herausgeber der Zeitschrift „Der Staat“, als Richter am Bundesverfassungsgericht.

Als ich vor vielen, vielen Jahren das erste Mal den Satz „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ las, las ich ihn nicht am Ort seiner Entstehung, 1964 in einem Ferienseminar in Ebrach, auch nicht in dem Aufsatz „Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation“, erstmals erschienen 1967 in der Festschrift für Ernst Forsthoff, dann 1976 – vor 40 Jahren – bei Suhrkamp in dem Band „Staat Gesellschaft Freiheit“, zuletzt in dem Bändchen „Der säkularisierte Staat – Sein Charakter, seine Rechtfertigung und seine Probleme im 21. Jahrhundert“ 2006 – vor zehn Jahren – in der Vortragsreihe der Carl Friedrich von Siemens Stiftung.

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Zwischen Angst und Hilfsbereitschaft

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
ZWST-Seminar stellte Fluchtursachen, Asylpolitik und deren Auswirkungen auf die jüdische Gemeinschaft vor

Von Heide Sobotka | Jüdische Allgemeine

Die Gefühle vieler Juden in Deutschland schwanken, wenn es um Flüchtlinge aus Syrien und anderen Krisenherden im Nahen Osten und Afrika geht. Die Angst vor Antisemitismus streitet mit dem Gefühl, helfen zu wollen, weil gerade Juden wissen, was Verfolgung und Flucht bedeuten, wie es Sabine Reisin sagt. Die ZWST-Mitarbeiterin begrüßte gemeinsam mit ihrem Kollegen Ilya Daboosh am Freitagnachmittag 38 junge jüdische Erwachsene aus ganz Deutschland zum Seminar »Refugees welcome?! Flüchtlinge und die jüdische Gemeinschaft heute« in Berlin.

Für ein ganzes Wochenende mit hochrangigen Referenten kamen junge Juden aus ganz Deutschland in die Bundeshauptstadt: unter ihnen beispielsweise ein Musikwissenschaftler aus Weimar, ein Informatiker aus Essen, eine Kölner VWL-Studentin oder ein Orientalist aus Halle, sowie Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst aus Dortmund, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

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Katholische Kirche und Neue Rechte

Die den Reichen sehr wohlgesonnene Partei AfD, die mit rassistischen, antiislamischen und grenzschießfreundlichen Voten bei den sogenannten „kleinen Leuten“ auf Stimmenfang geht, hat beim 100. Katholikentag in Leipzig keine Podiumsmikrofone zur Verfügung gestellt bekommen. Mit einiger Sicherheit war der Theologe, CDU-Politiker und neue ZdK-Vorsitzende Thomas Sternberg maßgeblicher Inspirator dieser Entscheidung.

Von Peter Bürger | TELEPOLIS

Dafür hat er sogar vom Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur einen – merkwürdig verquasten – Tadel erhalten. Die römisch-katholische Publizistik in unserem Land spricht angesichts der bedrohlichen Rechts-Entwicklungen im Lande offenbar lieber von neuen „Schmuddelkindern“, als im Sinne des katholischen Universalismus streitbar Farbe zu bekennen.

Indessen könnte sich Thomas Sternberg sehr gut auf Bischof Franziskus von Rom berufen. Der hat nämlich dem US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump – unter Voraussetzung einer korrekten Medienwiedergabe der Trump-Statements – bescheinigt, keine christlichen Positionen mehr zu vertreten. Wieso sollte da das oberste Laiengremium der deutschen Katholiken päpstlicher als der Papst sein und den antiislamischen Flüchtlingsfeinden in der Nähe auch noch ein Podium zur Verbreitung menschenfeindlicher Gesinnungen zur Verfügung stellen?

Das wollen sie ja, als Vertreter ganz „normaler“ gesellschaftlicher Positionen in jeder Talkshow und eben auch auf Kirchentagen gebauchpinselt werden … (Die polemischen Gegenattacken der AfD halte ich übrigens in Solidarität mit Flüchtlingen als durchaus für hilfreich. Ich glaube auch, dass es Immobilien- und Technologiebesitzer gibt, die ungebührlich am Migrationselend verdienen. Den Kirchen sollte der Nachweis kaum schwerfallen, dass sie zu diesen Nutznießern nicht gehören.)

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Boualem Sansal: „Der Islam wird unsere Gesellschaft aufsprengen“

Schriftsteller Boualem Sansal auf dem Blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse, sein Buch Rue Darwin vorstellend. Bild: wikimedia.org/PD
Droht Europa die Islamisierung? In seinem Roman „2084. Das Ende der Welt“ erzählt der Algerier Boualem Sansal von einer muslimischen Glaubensdiktatur. Eine spezielle Warnung hat er für Deutschland.

Von Martina Meister | DIE WELT

Sonntagfrüh, neun Uhr. Es regnet in Strömen in Paris. Boualem Sansal, 66, hat trotzdem die Metro genommen. Wir treffen uns in meinem stillen Büro in einem Hinterhof im Marais. „Schön haben Sie’s hier“, sagt er, dann setzt er sich an den runden Tisch, um eine Welt zu beschreiben, in der es keine Schönheit mehr gibt, nur noch Fanatismus. Seinen Pferdeschwanz, mit dem er wie ein Indianer aussah, hat er abgeschnitten. Gestern war er in Warschau, morgen zieht er schon wieder weiter. Noch nie, erzählt er, sei er wegen eines Buches so lange unterwegs gewesen. Er schaffe es kaum noch nach Hause in Algerien. „2084. Das Ende der Welt“ ist der Titel seines jüngsten Romans. Nach dem Vorbild von Orwells „1984“ beschreibt Boualem eine Glaubensdiktatur. Es ist der radikale Islam, der die Macht übernommen und alle Erinnerungen an die Zeit davor ausgelöscht hat.

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Todesstrafe droht auf Philippinen: Bischöfe zu Widerstand bereit

Erzbischof Ramon Arguelles: „Bin bereit wie der heilige Maximilian Kolbe anstelle der Gefangenen in den Todestrakt zu gehen und zu sterben“

kath.net

Der neu gewählte und am 30. Juni zur Vereidigung vorgesehene philippinische Präsident Rodrigo Duterte schockt mit scharfer Kirchenkritik und problematischen Rechtsauffassungen Katholiken und Zivilgesellschaft. Bei einer Pressekonferenz bezeichnete er die Bischöfe des Landes als korrupt und „sons of whores“ (Hurensöhne), wie das Nachrichtenportal „www.catholicwordreport“ am Sonntag berichtet. Duterte, der auch die Todesstrafen-Einführung fordert, erhielt Konter von Erzbischof Ramon Arguelles von Lipa. Dieser sagte Medienberichten zufolge, er sei bereit, wie der heilige Maximilian Kolbe anstelle der Gefangenen in den Todestrakt zu gehen und zu sterben, sollte das Land zur Todesstrafe zurückkehren. „Hätte nicht Christus dasselbe getan?“, wird Erzbischof Arguelles zitiert.

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Flüchtlinge: UNHCR spricht von vermutlich 700 Toten

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"
Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus „Report Mainz“
In den vergangenen sieben Tagen sind laut UN-Flüchtlingshilfswerk vermutlich mindestens 700 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Die Schätzung beruht auf Aussagen von Überlebenden.

Frankfurter Rundschau

Bei Schiffsuntergängen sind in den vergangenen sieben Tagen im zentralen Mittelmeer vermutlich mindestens 700 Migranten umgekommen. Die Zahlen gründeten sich auf Aussagen von Überlebenden, teilte Carlotta Sami vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Sonntag der dpa in Rom mit. Es seien drei Schiffsuntergänge vom Mittwoch, Donnerstag und Freitag berücksichtigt.

550 Menschen von einem Boot, das am Donnerstag gekentert sei, würden vermisst, sagte Sami. Etwa 100 könnten im Rumpf eines am Mittwoch gesunkenen Schiffes gefangen sein. Bei einem dritten Schiffbruch am Freitag sei die Zahl der Opfer unklar.

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FYI: Sharks Have Feelings Too

White Shark, Image: wikimedia.org/CC BY 2.5/TerryGross
Let’s face it: When some dickhole shark is really set on thrashing the last bits of life from your body, it’s hard to empathize. Watching your extremities disappear like so many buckets of chum isn’t so much a time for interspecies comradery. It can even be a very stressful and confusing experience, and you may reflexively want imagine the thing currently eating you as just that: a very bloodthirsty, unrelenting thing.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

But sharks have feelings too. And, according to a study published Friday in the Journal of Fish Biology, sharks even display distinct personalities. This is based on observations made of Heterodontus portusjacksoni sharks inhabiting the harbor waters off of Sydney—an area collectively known as Port Jackson—by researchers from Macquarie University in New South Wales, Australia.

Differences in shark personalities were probed by the Australian biologists using two different methods. The first is an assessment of shark boldness. Here, sharks are presented with a novel and potentially dangerous habitat and are given the option to either go out and explore or hang back under cover. Some of the Port Jackson sharks just went for it, but others mellowed in safety.

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176.500 Jahre alte Kreise, tief in der Dunkelheit

Genaue Vermessung der aus Tropfstein erbauten Kreise in der Bruniquel-Höhle. Foto: Etienne FABRE - SSAC
Genaue Vermessung der aus Tropfstein erbauten Kreise in der Bruniquel-Höhle. Foto: Etienne FABRE – SSAC
Es wird immer deutlicher, dass der Neandertaler viel mehr Fähigkeiten hatte, als ihm die Experten lange zutrauten. Er war kein tumber, affenähnlicher Primitivling, der seine Keule schwang, sondern ein anderer Mensch, der feine Werkzeuge schuf, höchst erfolgreich jagte, Kleidung und Schmuck trug. Längst ist klar, dass sich Neandertaler und Neandertalerinnen über Sprache verständigten. Dennoch halten gängige Modelle bisher an der Vorstellung der Überlegenheit des anatomisch modernen Mensch fest und schreiben jeden Fund künstlerischer Artefakte automatisch dem Homo sapiens zu.
 

Von Andrea Naica-Loebell | TELEPOLIS

Symbolisches Denken wird dem Homo neanderthalensis generell abgesprochen, seine Unterlegenheit soll sich nach Meinung vieler Anthropologen vor allem in einer minderwertigen sozialen Organisation manifestiert haben, was letztlich zu seinem Verschwinden führte.

Ein Bild, das immer mehr Risse bekommt. Jetzt zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass die Neandertaler vor 176.000 Jahren aus Tropfsteinbruchstücken mehrere kreisförmige Strukturen sehr tief in einer Höhle errichteten.

Im Südwesten Frankreichs, im Departement Tarn-et-Garonne, hoch über dem Fluss Aveyron befindet sich die Bruniquel-Höhle, die seit dem Pleistozän durch einen Felssturz verschlossen war, bis sich 1990 Höhlenforscher einen Zugang frei gruben. Die Speläologen fanden eine faszinierende Unterwelt voller Tropfsteine und einen unterirdischen See, schon im früheren Eingangsbereich Spuren von Höhlenbären, Fußabdrücke und Klauenritzungen und ganz tief im Innern der lang gezogenen Höhle eine Halle mit seltsamen Kreis-Formationen auf dem Boden.

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Integrationsbeauftragte Özoğuz kritisiert Armenien-Antrag

  • Der Bundestag will die Vertreibung und Vernichtung von mehr als einer Million ethnischer Armenier als Völkermord verurteilen – Özoğuz hält das für einen Fehler.
  • Für die Menschen werde sich „dadurch nichts verbessern – ganz im Gegenteil“, sagt Özoğuz: Ultranationalisten und Staatspräsident Erdoğan erhielten dadurch einen riesigen Auftrieb.
  • Grünen-Chef Özdemir, einer der Initiatoren des Antrags, weist die Kritik zurück.

Von Robert Roßmann | Süddeutsche.de

Die Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Integrationsbeauftragte der Regierung, Aydan Özoğuz, hat die geplante Armenien-Resolution des Bundestags kritisiert. Das Parlament will die Vertreibung und Vernichtung von mehr als einer Million ethnischer Armenier als Völkermord verurteilen – Özoğuz hält das für einen Fehler. Die Sozialdemokratin sagte der Süddeutschen Zeitung: „Die Türkei muss Verantwortung für den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg übernehmen.“ Das schulde „sie nicht nur sich selbst, sondern ganz besonders der armenischen Minderheit im Land“. Deshalb werde sie dem Antrag im Bundestag zustimmen.

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AfD-Vorsitzende Petry: „Die Kirche betreibt eine Art modernen Ablasshandel“

AfD-Vorsitzende Frauke Petry wirft den Kirchen vor, die Flüchtlingskrise für eigene Interessen zu nutzen. (imago stock&people/Sven Simon)
Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat der Kirche vorgeworfen, in der Flüchtlingspolitik lediglich eigene Interessen zu verfolgen. Mit Nächstenliebe habe das nichts zu tun, sagte Petry im Interview der Woche des DLF. Diakonie und Caritas erhielten staatliche Gelder dafür, dass sie Flüchtlinge aufnehmen und Räumlichkeiten bereitstellten. Dies sei eine moderne Form des Ablasshandels.

Interview Stephan Detjen | Deutschlandfunk

Des Weiteren kritisierte Frauke Petry den Ausschluss ihrer Partei vom Katholikentag als unchristlich. Wenn die Kirche ihre Türen verschließe, verhalte sie sich konträr zu ihren eigenen Grundsätzen, sagte die AfD-Voritzende im Deutschlandfunk. Vertreter von Katholiken und Protestanten hätten zudem öffentlich erklärt, dass man als Christ nicht die AfD wählen dürfe. Eine solche Ausgrenzung habe sie noch nicht erlebt.

Das Interview mit Frauke Petry in voller Länge:

Stephan Detjen: Frau Petry, das Deutschlandfunkinterview der Woche dauert eine knappe halbe Stunde. Es ist bei uns üblich, die Gesprächspartner mit kritischen Fragen zu konfrontieren. Bleiben Sie dabei oder brechen Sie ab, wenn es kritisch wird, wie das Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime?

Frauke Petry: Also, ich kann mich an kein Interview erinnern, das ich bisher abgebrochen habe. Und der Grund, dass wir das Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime nach einer knappen Stunde beendet haben, nachdem wir lange versucht haben, miteinander in den sachlichen Dialog zu kommen, lag einfach daran, dass ein Dialog auf Augenhöhe seitens des Zentralrates abgelehnt wurde – was ich persönlich sehr bedaure.

Detjen: Was heißt das, „Augenhöhe“?

Petry: Na, wir sind in einer demokratischen Gesellschaft und jeder, der sich an einem Diskurs beteiligt, egal zu welchem Thema, sollte den Anspruch besitzen, das Gegenüber ernst zu nehmen und solange die Position sich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegt, diese Meinung zumindest respektieren. Sie anzunehmen, das ginge sicherlich zu weit, denn wir können uns nicht alle einig sein. Aber die AfD, die eine demokratische Partei in unserem Land ist, de facto als eine Nazipartei zu bezeichnen, in der Tradition der Diktatur des Dritten Reiches …

Detjen: Das hat er ja nicht getan. Das hat er nicht getan.

Petry: Doch, doch, das hat er getan, und zwar mehrfach. Ich war ja im Gespräch dabei.

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