Was Bayern im Innersten zusammenhält

Mehr Bayern geht nicht, oder doch? Männer und Frauen beim historischen Sankt Coloman Ritt Schloss Neuschwanstein bei Schwangau. (Foto: dpa)
Die Tradition vielleicht? Der Katholizismus? Oder doch die CSU? BR-Intendant Ulrich Wilhelm hat eine ganz andere Antwort.

Von Katja Auer | Süddeutsche.de

Was dieses Land im Innersten zusammenhält, das ist zurzeit eine vielgestellte Frage, seit Spaltung attestiert wurde spätestens am Wahlabend. Die einen schauen noch paralysiert auf das Wahlergebnis der AfD und fordern Rechtsrucke, während die anderen vorschlagen, islamische Feiertage einzuführen. In Bayern schien das Verbindende immer so schön eindeutig zu sein, da bedurfte das Mia-san-mia nicht einmal einer Definition und schon gar keiner Leitkultur. Jetzt allerdings, seit die AfD auch in traditionell katholisch-konservativen Gegenden bis zu 30 Prozent der Stimmen erreichte, fragt sich mancher, ob die immer noch mia san.

Doch was ist es nun, das Identitätsstiftende? Die Landschaft natürlich, die Berge und die Seen, die Weinberge und Flüsse, die einfach schöner sind als anderswo. Der Katholizismus bestimmt, die Klöster und Kirchen, der bayerische Papst, die Volksfrömmigkeit, die immer noch Leonhardi-Ritte hervorbringt und Kräuterbüschel und Kerwa-Tänze. Die Wittelsbacher vielleicht, deren Märchenkönig Ludwig ein paar prachtvolle Schlösser hinterlassen hat und die leise Träumerei vom Königreich. Oder wenigstens die CSU, die in einer Art monarchistischen Tradition die Regierungsgeschäfte fortführt und bisher zwar ab und zu dafür abgewatscht, aber doch – ebenso dafür – zuverlässig wiedergewählt wurde.

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Katholiken kämpfen gegen Kirchenabriss

Bild: brightsblog
Eigentlich hatte die Stadt einer Renovierung zugestimmt. Jetzt soll die 100 Jahre alte Kirche im chinesischen Wangcun der Abrissbirne zum Opfer fallen. Doch die Gläubigen lassen sich das nicht gefallen.

katholisch.de

Hunderte Katholiken haben am Dienstag im chinesischen Wangcun versucht, den von der Kommunistischen Partei und Behörden angeordneten Abriss ihrer Kirche zu verhindern. Wie Videoaufnahmen zeigen, versammelten sich Priester und Gläubige auf dem Kirchengelände und vor der Umgebungsmauer. Sie riefen „Jesus, rette mich“ und „Maria, sei uns gnädig“, während sie sich der Arbeit des Bulldozers und der Polizei entgegenstellten. Die 100 Jahre alte Kirche, die zur Diözese Changzhi gehört, sollte ursprünglich renoviert werden, wie die Nachrichtenagentur „AsiaNews“ berichtet. Die von den Behörden genehmigten Arbeiten haben demnach vor einigen Monaten begonnen, unter beträchtlichen Kosten für die Gläubigen. Kürzlich habe man aus „stadtplanerischen Gründen“ jedoch den Abriss beschlossen.

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Sag mal, wo ist das C denn hin?

Angela Merkel ermöglichte die Ehe für alle. Das freut liberale Protestanten und macht fromme Katholiken depressiv. Doch von denen scheint die CDU eh nichts mehr zu erwarten. Die Geschichte einer Trennung

Von Raoul Löbbert | ZEIT ONLINE

Nun ist es offiziell. CDU und Katholizismus sind geschieden. Ihre Beziehung ist zerrüttet, der Bund für die Ewigkeit zerbrochen. Gekriselt hat es oft. Schon Helmut Kohl machte Adenauers C-Partei mit stark katholischer Schlagseite zur modernen ökumenischen Volksvertretung und schlachtete aus Sicht der Kirchen reihenweise heilige Christenkühe. Als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz löste Kohl die Konfessionsschulen auf. In seine Kanzlerschaft fallen die Abschaffung des Buß- und Bettags, die Streichung des sogenannten Schwulen-Paragrafen 175 sowie das Ende der Strafbarkeit bei Abtreibung.

Doch auch wenn der ehemalige Kölner Kardinal Meisner regelmäßig giftete, die CDU möge ihr C an der Garderobe abgeben, war der Zwist nie von Dauer und die konservativ-katholische Welt unter Kohl scheinbar in Ordnung. Und das, weil sich Kirche und Kanzler jedes Mal wieder zusammenrauften nach der Keilerei. Weil Kohl es verstand, die heiligen Kühe unter Mittäterschaft der ganzen Partei zu meucheln, und sich aus Kalkül, aber auch persönlicher Überzeugung regelmäßig und wohldosiert zum K bekannte – und das sogar post mortem. Bei Kohls Totenmesse im Dom zu Speyer konnte die Welt sich am vergangenen Wochenende ein letztes Mal davon überzeugen: Die CDU unter Kohl liebte den Weihrauch und der Weihrauch sie. Trotz allem.

Arbeiten Katholiken weniger gern?

Dolcefarniente: Luciano Pavarotti in der Hängematte. Foto: Jean-Claude (Getty)
Sind protestantische Länder wirtschaftlich erfolgreicher als katholische? Im 500. Jahr der Reformation ist Max Webers berühmte These für viele gültig wie eh und je. Und schaut man sich die Situation in Europa seit der Finanzkrise von 2008 an, kann man sich ja auch bestätigt fühlen.

Von Alan Cassidy | Tages Anzeiger Blogs

Sind es nicht gerade Italien, Spanien und Portugal, die katholischen Länder des Südens, die besonders verschuldet sind? Und geht es dem protestantischen Norden nicht deutlich besser?

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sagte es so: «Es gibt eine Art Religionskrieg zwischen dem calvinistischen Nordeuropa, das den Sündern nicht verzeihen will, und einem katholischen Südeuropa, das dies alles hinter sich lassen will.» Macron sagte dies vor zwei Jahren; er war damals noch Wirtschaftsminister, und er sprach über den Umgang mit der Eurokrise. Seine Aussage zeigt: Webers Behauptung von der Prägung durch die Religion ist bis heute eine der meistdiskutierten der Soziologie.

Arbeit religiös überhöht

Max Weber suchte nach einer Antwort auf die Frage, woher der «Geist des Kapitalismus» kommt, das Streben nach immer mehr Wachstum, nach immer grösserer Produktivität. Die Erklärung fand er in der Reformation. Nicht in jener Luthers, sondern in jener Calvins – und in dessen Auffassung von Arbeit. Calvin, der am Seelenheil interessierter war als an Ökonomie, habe die Arbeit religiös überhöht: Wer reich werde auf Erden, der geniesse ganz offensichtlich die Gnade Gottes. Zur Bildung einer «protestantischen Arbeitsethik» habe beigetragen, dass besonders der Calvinismus die Menschen zu einer «asketischen Lebensführung» anhalte, schrieb Weber. Das heisst auch: Man verprasst sein Geld nicht, sondern spart – und bildet Kapital.

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Religion und Sexismus: Der Salafismus der katholischen Kirche

ein Platz für Frauen: katholische Priester in Erfurt Foto: dpa
Kein Platz für Frauen: katholische Priester in Erfurt Foto: dpa
Die Frauenfeindlichkeit des Katholizismus wird sehr selten skandalisiert. Im Vergleich leisten sich Islam und Judentum viel mehr Vielfalt.

Von Charlotte Wiedemann | taz.de

Die Nachricht, dass die römisch-katholische Kirche den Frauen weiterhin den Zugang zur Priesterweihe verwehren wird, hat erstaunlich wenig öffentliche Kritik hervorgerufen. Erstaunlich, weil einer anderen Weltreligion, deren Name hier kaum genannt werden muss, ohn’ Unterlass die Benachteiligung von Frauen vorgehalten wird.

Für all jene, die geglaubt hatten, der gegenwärtige Papst sei ein Reformer und er werde im 21. Jahrhundert zumindest Diakoninnen zulassen (eine Art Priester-Vorstufe), wurde kürzlich eine altbekannte Argumentation ostentativ entstaubt. Nennen wir sie: Salafismus. Das ist nicht hergeholt, sondern sprachlich präzise. Im Arabischen sind die Salaf die geehrten Altvorderen, wir nennen sie Apostel, und unter ihnen waren eben keine Frauen. Die Kirche – sagt Rom – müsse es halten wie Jesus. Und dass jener sich in anderen Fragen durchaus über die Sitten seiner Zeit hinwegsetzte, sei ein Grund mehr, den Frauen-Ausschluss als veritables Gebot Gottes anzusehen.

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Selbstversuch eines Atheisten auf dem Katholikentag

Auf dem Katholikentag in Leipzig feiern Tausende ihre Kirche. Dabei ist in Sachsen kaum jemand fromm. Warum eigentlich? Ist Katholizismus nicht die spannendste Religion? Spurensuche eines Atheisten.

Von Felix Zwinzscher | DIE WELT

Als die Email von Papst Franziskus ankommt, stehe ich noch an Gleis 1 im Berliner Hauptbahnhof. „Liebe Brüder und Schwestern …“, schreibt er. Ich bin enttäuscht. Ehrlich. „Meine Schäfchen…“, oder was auch immer das lateinische Äquivalent dazu ist, hätte ich erwartet, sogar erhofft. Einfach etwas weniger Kumpelhaftes, nicht so zugänglich menschelnd. Schließlich spricht hier der irdische Stellvertreter Jesus Christi zu den Menschen, der Pontifex Maximus, der Fels in der Brandung, der oberste Priester der Weltkirche. Ein bisschen mehr Autorität wäre schon drin gewesen, oder?

Sie müssen wissen, dass ich zu diesem Zeitpunkt als ungetaufter, jugendgeweihter und am Ende des Sozialismus gebürtiger Sachse auf dem Weg zum 100. Katholikentag nach Leipzig bin. Ein heidnischer Ureinwohner, der die soeben gestrandeten Exoten bestaunen will. Innerhalb meiner sogenannten Kernfamilie ist lediglich mein Vater getauft, evangelisch. Das hat man auf dem Dorf einfach so gemacht. Konkrete Auswirkungen hatte das keine. Vielleicht war es der Grund, weshalb wir gefühlt ein Drittel aller Italienurlaube in Kirchen und auf Friedhöfen verbracht haben. Nur waren die alle katholisch.

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Polen: Priester des Hasses

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Die Debatte um einen jungen Kaplan offenbart, dass auch die katholische Kirche in Polen ein Problem mit Rechtsradikalismus hat.

Von Thomas Dudek | TELEPOLIS

„Unseren ausländischen Studenten raten wir, an diesem Abend nicht die Wohnheime zu verlassen“, hieß es am Samstag vergangener Woche in einer Empfehlung der Technischen Universität von Bialystok. Was in der ostpolnischen Stadt mittlerweile nicht ungewöhnlich ist. Seit Jahren gilt Bialystok als das Zentrum der rechtsradikalen Szene in Polen. Weshalb es wenig verwundert, dass das Nationalradikale Lager (ONR) ausgerechnet in der 300.000-Einwohner-Stadt seinen 82. Gründungsjahrestag feierte.

Doch für die negativen Schlagzeilen (Chemotherapie gegen das liberale Polen), über die Polen heute heftig debattiert, sorgten nicht die Rechtsradikalen, die bei ihrem Marsch fremdenfeindliche Parolen brüllten oder die Universitätsverwaltung, die ihre ausländischen Studenten warnte, aber gleichzeitig für den Abend Räumlichkeiten an den ONR vermietete, in denen dieser ein Konzert veranstaltete. Nein, für die meisten Diskussionen sorgte ausgerechnet ein Priester der katholischen Kirche.

„Null Toleranz für die jüdische Feigheit“, rief Jacek Miedlar in der Kathedrale von Bialystok, in der dieser eine Messe für die ONR-Anhänger abhielt. Während einer Predigt, die mit der christlichen Nächstenliebe nicht viel gemein hatte. In Anlehnung an das Alte Testament verglich der Geistliche das heutige Polen mit der Unterdrückung der Juden durch die Ägypter, die laut ihm nur deshalb möglich war, weil es im jüdischen Volk Verräter gab. „Wir müssen die Verräter hetzen“, sagte Miedlar und scheute sich nicht, den „nationalradikalen Katholizismus als eine Chemotherapie für Polen“ zu bezeichnen. Eine Therapie, die nach Meinung des Priesters auch die Kirche braucht. „Nichts schadete der Kirche so sehr wie die ewige Nachgiebigkeit“, so Miedlar.

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Schule: Kein Ort für Katechese

Themenbild.
Themenbild.
Mit seiner Kritik am Religionsunterricht in Deutschland hat Kurienerzbischof Georg Gänswein eine Debatte ausgelöst. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, was Jugendliche am Ende ihrer Schullaufbahn über das Christentum – oder besser: über den Katholizismus – gelernt haben müssten. Die Antworten darauf fallen jedoch ebenso unterschiedlich aus, wie das Wissen darüber, was tatsächlich im Unterricht gelehrt wird.

Von Björn Odenthal | katholisch.de

Gänswein hatte vor gut zwei Wochen im Interview mit der Deutschen Welle bemängelt, junge Leute wüssten nach der Schule „fast gar nichts“ von ihrer Religion. Einige Tage später reagierten die Arbeitsgemeinschaft Katholische Religionspädagogik (AKRK) und der Deutsche Katecheten Verein (DKV) in einer gemeinsamen Stellungnahme auf den Vorwurf: Ja, es gebe ein mangelndes Glaubenszeugnis. Und ja, es existierten auch „Leerstellen“ in der Glaubensverkündigung. Gewehrt haben sich die Verbände jedoch gegen die Schlussfolgerung, dass das Schulfach Religion dafür verantwortlich sei. „Die Hinführung zur Teilnahme am kirchlichen Leben ist nicht primär Aufgabe des Religionsunterrichts“, hieß es in ihrer Mitteilung.

Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von „einer völligen Fehleinschätzung der Situation“ durch Gänswein. In Abiturklausuren, aber auch schon vorher im Unterricht würden sich Schüler mit hochtheologischen Themen wie etwa der Eschatologie auseinandersetzen. „Das ähnelt schon kleinen Seminararbeiten an der Universität“, sagt Biesinger katholisch.de. Wissen werde im Religionsunterricht demnach genug vermittelt. Die Bildungspläne seien voll von Theologie. Das angeeignete Wissen verfalle jedoch wieder, weil der Praxisbezug in den Kirchengemeinden fehle. „Ich selbst habe in Biologie einmal gelernt, wie eine Niere funktioniert, es aber wieder vergessen, weil ich es nie anwenden musste“, so der Theologe.

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«Religion ist immer Männermacht»

Frank A. Meyer nach dem Interview in der Lounge des Ringier-Pressehauses in Zürich.Alex Spichale Quelle: Alex Spichale
Der Ringier-Publizist warnte vor dem Islam, als sich noch niemand für dieses Thema interessierte. Er findet: Wer hierher kommt, muss sich anpassen – nicht umgekehrt. Für ihn ist klar: Jeder, der hierher kommt, wird die Kraft der Freiheit entdecken.

Von Christian Dorer, Michael Wanner|AARGAUER ZEITUNG

Frank A. Meyer lebt seit Jahren in Berlin. Von dort aus schreibt er seine wöchentliche Kolumne, oft über den Islam und seine Gefahren für unsere Gesellschaft. Trotz Wohnort Berlin hat Meyer nach wie vor ein Büro in der Chefetage des Ringier-Pressehauses im Seefeld Zürich. Zum Gespräch empfängt er in der Lounge im sechsten Stock.

Herr Meyer, mehr als 300 Ihrer Kolumnen der vergangenen Jahrzehnte beschäftigen sich mit dem Islam. Warum treibt Sie dieses Thema derart um?

Frank A. Meyer: Weil mich die Freiheit beschäftigt. Die Freiheit und ihre Gefährdung – durch wen oder was auch immer. Der Islam ist heute eine der grossen Antithesen zur Freiheit: eine religiös überhöhte Ideologie der Unfreiheit.

Sind Sie islamfeindlich?

Die Schweizer Verfassung und das deutsche Grundgesetz sind islamfeindlich. Umgekehrt ist der Islam feindlich gegenüber den demokratischen Verfassungen Europas. Natürlich trifft das nicht nur auf den Islam zu. Das traf auch mal auf christliche Ideologien zu. Der Katholizismus vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren beispielsweise war nicht vereinbar mit Menschenrechten und Freiheiten eines liberalen Staates. Bis heute hat die katholische Kirche Mühe mit der Gleichberechtigung der Frauen.

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Was heißt „katholisch sein“ heute? (Das römische Paradox)

jesus_schaukelEin “Recht,” mit Gedanken zu dieser Frage an die Öffentichkeit zu gehen, habe ich gewiss nicht – wenn so ein Schritt denn überhaupt einer besonderen Rechtfertigung bedarf oder als “ethische Frage” diskutiert werden muss, was ja in Deutschland mittlerweile zu einer auffälligen Obsession geworden ist (man könnte auch im Anschluss an das klassische Buch von Jürgen Habermas zum “Strukturwandel der Öffentlichkeit” argumentieren, dass das Recht von Nicht-Spezialisten, eine Meinung zu haben und zum Ausdruck zu bringen, als eine historische Errungenschaft der Öffentlichkeit anzusehen ist).

Von Hans Ulrich Gumbrecht|Frankfurter Allgemeine Blogs

Wie auch immer, ich bin – im dritten Viertel des vergangenen Jahrhunderts – mehr oder weniger “katholisch erzogen” worden und habe bis heute eine kulturelle Sympathie für diese “Konfession,” wie man früher sagte, obwohl ich seit dem kurzen Versuch in meinem dritten Uni-Jahr, ein katholischer Intellektueller zu werden, Kirchen nur aus kunsthistorischen Gründen oder zu Familienfeiern besucht habe. “Kirchlich engagiert” bin ich jedenfalls nicht, und deshalb schreibe ich “von außen” über den Katholizismus von heute, statt als Gläubiger voller Hoffnung oder Furcht “mitzureden.”

Anlass zum Nachdenken über die Frage, was es heute heißen kann, “katholisch zu sein,” war die anlässlich der gerade in Rom tagenden Bischofssynode – außerhalb wie innerhalb der Kirche beinahe gleich leidenschaftlich – vorgetragene Meinung, dass es gut für diese Institution sei (weil historisch längst überfällig), sich nun endlich auch offiziell auf die Konsequenzen der Scheidung und auf die Möglichkeit von homoerotischen Partnerbeziehungen als Realitäten unserer Gegenwart zu öffnen. Optimismus in dieser Hinsicht hat Papst Franzikus ja schon seit seinem Amtsantritt angeregt, indem er die Katholiken ermutigt hat, geschiedene und offen homosexuelle Christen Teil ihrer Gemeinschaften werden zu lassen — und es zugleich immer wieder mit öffentlichen Gesten der Demut von sich weist, über Geschiedene oder Homosexuelle den moralischen Stab zu brechen.

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Ist die katholische Kirche mittlerweile ein reines Satireprojekt?

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Abtreibung ist eine unverzeihliche Sünde, zumindest im Katholizismus. Nicht mal durch erbittertes Beichten konnten sich Frauen bisher die Absolution Gottes erhoffen; eine Sache, die Papst Franziskus, der für Vatikanverhältnisse sowieso ziemlich weltoffen und proaktiv agiert, nun ändern möchte.

Von Lisa Ludwig|Vice.com

Alle Priester sollen die Erlaubnis erhalten, reuige Christinnen von ihrer ehemals unverzeihlichen Sünde freizusprechen—allerdings nur zwischen dem 8. Dezember 2015 und dem 20. November 2016, dem „heiligen Jahr“, dem „Jubiläum der Barmherzigkeit“. Solltet ihr, liebe Frauen, also ungestraft abtreiben wollen, legt eure ungewollten Schwangerschaften und Vergewaltigungen doch einfach in dieses Zeitfenster.

Lassen wir kurz die wirklich offensichtlichen Fragen beiseite wie „Warum beginnt das Jahr der Barmherzigkeit Anfang Dezember?“ oder „Mit wem genau muss Papst Franziskus sich kurzschließen, um so was beschließen zu können?“ (wahrscheinlich Gott). Fragen wir uns: Gibt es auf Seiten der Kirche irgendjemanden—und sei es die heilige Putzkraft im Petersdom—, der ab und an innehält und sagt: Moment mal, das ergibt doch jetzt gar keinen Sinn?

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USA: Vorwahlkampf mit religiösen Noten

Donald Trump. Bild: angryblackladychronicles.com

Die Bedeutung des Katholizismus nimmt nach Einschätzung der Amerikanistik-Professorin Sabine Sielke in den USA zu. Grund dafür ist eine veränderte Bevölkerungsstruktur. Sielke blickt auf die erste TV-Debatte der Republikaner.

Von Christian Schlegel|domradio

domradio.de: Woran wurde bei dem Wahlduell deutlich, dass auch hier wieder religiöse Werte als besonders wichtig erachtet werden?

Sabine Sielke (Professorin für Nordamerikanische Literatur und Kultur an der Uni in Bonn): Die Bedeutung der Religion zeigte sich auf sehr vielen Ebenen der Debatte und das auf direkte und indirekte Weise. Zum einen dadurch, dass einige der Kandidaten dem religiös konservativen Spektrum der Republikaner zugerechnet werden können und diese Position auch vertreten. Zum Beispiel Mike Huckabee, der früher sogar Baptistenprediger war oder Ted Cruz und Rand Paul, die der Tea-Party nahe stehen. Diese Kandidaten brandmarken gleichzeitig die Demokraten immer als links und progressiv. Kandidaten wie Scott Walker und Ted Cruz vertreten in den Debatten um die eingeschlechtliche Ehe oder Abtreibung konservative Positionen und auch diese assoziieren wir häufig mit einer religiösen Moral.

Gleichzeitig wird die Religiosität vielleicht auch implizit deutlich. Die Tatsache, dass Kandidaten wie Trump reüssieren können, lässt sich auf die puritanische Überzeugung zurückführen, dass wirtschaftlicher Erfolg ein Zeichen von Gottes Gnade ist. Das glaubten die Puritaner früher. Es ist dadurch auch kein Makel, wenn man in ein solches Rennen startet und nur die Qualifikation hat, Milliardär zu sein und viel Geld gescheffelt zu haben. Gleichzeitig scheint natürlich die Haltung von Trump in Fragen der Einwanderungspolitik wenig christlich. Er will ja eine Mauer an der US-amerikanischen Grenze zu Mexiko bauen, während Jeb Bush, wie sein Bruder George W. Bush, bereits für eine Einbürgerung illegaler Einwanderer plädiert.

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„Katholizismus gilt als Götzendienst“

Rabbi Daniel Sperber meint: Jüdischem Extremismus muss theologisch das Wasser abgegraben werden.


Von Oliver Maksan|Die Tagespost

Rabbi Daniel Sperber. Foto: Oliver Maksan

Rabbi Daniel Sperber lehrte viele Jahre an der Bar-Ilan-Universität jüdische Studien und ist Verfasser zahlreicher theologischer Bücher. Er wird dem Spektrum der Modernen Orthodoxie zugerechnet. 1992 wurde Sperber mit dem renommierten Israel-Preis geehrt. Er gehört der Kommission des israelischen Chefrabbinats für interreligiöse Fragen an. In dieser Eigenschaft traf er mit allen Päpsten seit Johannes Paul II. zusammen. Rabbi Sperber lebt in Jerusalem.
Rabbi Sperber, jüdische Extremisten haben kürzlich auf das Brotvermehrungskloster in Tabgha einen schweren Brandanschlag verübt. Davon geht die Polizei aus. Sind das isolierte Täter oder reflektieren sie einen breiteren Trend im Judentum Israels?

Beides ist richtig. Es ist Teil eines breiteren Phänomens. Es ist aber nicht so, als ob dahinter eine Organisation stünde. Insofern sind es Einzeltäterattacken. Es gibt im nationalreligiösen Judentum einige extrem rechte Strömungen. Sie repräsentieren sicher nicht das ganze Spektrum des religiösen Zionismus. Aber an den Rändern gibt es ein starkes anti-christlich eingestelltes Element. Diese Ideen sind Teil der Erziehung. Ich weiß aber nicht, wie explizit diese anti-christlichen Ideen geäußert werden oder ob sie eher mitschwingen. Besonders junge Leute aber, Teenager meist, möchten ihre in der Schule oder Familie gewonnenen Überzeugungen ausdrücken. Sie sehen das Christentum, vor allem den Katholizismus, als götzendienerische Religion.

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Xavier Naidoo: Als Jesus einmal zum Alkotest musste

Der deutsche Sänger spielt am Samstag in Wien ein ausverkauftes Konzert. Seinen missionarischen Schlager nährt ein Gebräu aus Verschwörung, Paranoia und Gewalt. Eine Betrachtung


Von Karl Fluch|derStandard.at

Xavier-NaidooEr rührte Andreas Gabalier zu Tränen, als er Amoi seg‘ mia uns wieder sang. Das war bei Sing meinen Song – Das Tauschkonzert. Xavier Naidoo saftelte sich in der bei Vox gezeigten Show durch Gabaliers Jenseitsfantasie. Ein Lied wie ein Schmalzfass. Und wahrscheinlich hat auch bei so manchem „Reichsbürger“ die Kinnlade gebebt, als der Naidoo im Vorjahr behauptete, Deutschland sei noch von den USA besetzt.

Eine Verschwörungstheorie, die dem Kanon der rechtspopulistischen „Reichsbürger“ entspringt. Sie erkennen den deutschen Staat nicht an, sondern gehen davon aus, dass das Deutsche Reich im Zwangskorsett der Bundesrepublik nach wie vor besteht. Das war nur eine von vielen fragwürdigen Aussagen und Aktionen des Xavier Kurt Naidoo.

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Komplizierte Glaubensfragen: Neue Götter

Religion war unter Mao in China verboten. Die Partei hatte dafür eine eigene Bibel. (Foto: Gino Begotti/ddp images)
China ist einerseits das atheistischste Land der Welt. Andererseits fragt keine Nation so hartnäckig nach Sinn und sucht so nach spiritueller Orientierung.


Von Kai Strittmatter|Süddeutsche.de

China ist ein Paradox, auch was den Glauben angeht. China ist das atheistischste Land der Welt. Stimmt. China ist das Volk mit den meisten Sinnsuchern, das Land, in dem die Religionen boomen. Stimmt auch.

Kulturrevolution: Der Staat schloss alle Tempel und Kirchen

Nirgendwo auf der Welt leben mehr Menschen, die von sich sagen, sie glaubten an keinen Gott. Umfragen belegen das immer wieder. Als die Firma WIN/Gallup International etwa vor zwei Jahren die Völker der Welt befragte, da bezeichneten sich 47 Prozent der Chinesen als überzeugte Atheisten. Dahinter kamen, mit weitem Abstand: Japaner, Tschechen, Franzosen. Der eine, offensichtliche Faktor ist dabei die Herrschaft der Kommunistischen Partei, die 1949 die Volksrepublik gründete und in den folgenden Jahrzehnten mit beispielloser Gründlichkeit und Grausamkeit daranging, alle Spuren von Religion auszumerzen. In den Jahren der Kulturrevolution, als dem ideologischen Irrsinn keinerlei Zügel mehr angelegt waren, schloss der Staat, von 1966 bis 1979, gar alle Tempel, Moscheen und Kirchen. Weltweit geschah das nur noch in Albanien, selbst die Sowjetunion unter Stalin hatte immer ein paar Hundert Kirchen offen gelassen. Diese schlimmen Jahre sind längst vorbei, die KP duldet Religion wieder, allerdings verlangt sie weiterhin die Unterwerfung der Religiösen unter ihre allumfassende Kontrolle.

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Karl Lagerfelds Karlikatur: Vermehrt euch wie die Karnickel!

© Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld macht sich Gedanken über den Fortbestand der Kirche. Zwar ist er weiß Gott kein Fan des Katholizismus. Für die provokative Art des Papstes hat er dennoch Bewunderung übrig.


Von Alfons Kaiser|Frankfurter Allgemeine

Zwischen Ostern und Pfingsten macht man sich seine Gedanken über die Kirche. Sogar Karl Lagerfeld, der nun wahrlich kein Anhänger des Katholizismus ist. Aber den Papst findet der Modeschöpfer spannend, weil er so schön klar und direkt redet.

Franziskus hat von Kirchenleuten bis zu Kinderschützern schon viele gegen sich aufgebracht: Unter anderem sagte er, die Kurie leide an „spirituellem Alzheimer“, die Katholiken sollten sich nicht „wie Karnickel“ fortpflanzen, wer seine Mutter beleidige, der müsse mit einem Faustschlag rechnen, und Kinder zu schlagen müsse nicht gegen die Würde sein, wenn es nicht ins Gesicht gehe. Nach Ostern also setzte sich unser Zeichner hin und legte dem Papst neue provokante Worte in den Mund. Ob sich die Nachwuchspriester an den Ratschlag halten werden?

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Charlie Hebdo: Der Konsens der „Charlies“ in der Kritik

charlie_hebdo_2War das „hysterisch“ und „katholisch-reaktionär“? Der Soziologe Emmanuel Todd irritiert Frankreich mit seiner Analyse der Solidaritätsumzüge unter der Devise „Je suis Charlie“.


Von Stefan Brändle|Frankfurter Rundschau

Er schwieg auffällig lange. Emmanuel Todd, einer der profiliertesten und temperamentvollsten Denker Frankreichs, äußerte sich bisher nicht zu den Terroranschlägen, die im Januar in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ und einem jüdischen Supermarkt 17 Todesopfer forderten. Er blieb den Großkundgebungen fern, er nahm an keiner Talkshow teil, nahm keine Journalistenanrufe entgegen.

Untätig blieb Todd mitnichten. An seinem Schreibtisch tat der 63-jährige Soziologe, was er schon immer getan hatte: Er sichtete Karten, Zahlen und Statistiken – diesmal zu den Solidaritätsumzügen unter der Devise „Je suis Charlie“. Dann griff Todd in die Tasten. Das diese Woche erschienene Produkt, ein Essay von 250 Seiten mit dem harmlos klingenden Titel „Wer ist Charlie?“, ist wegen seiner soziologischen Analyse brisant.

Todd bescheinigt der Linken, das heißt seinem eigenen politischen Lager, eine „hysterische“ Reaktion in einem „katholisch-reaktionären“ Geiste à la „Vichy“. Todds empirischer Beleg: Die meisten Umzugsteilnehmer stammten, so eruierte er, aus der gehobenen Mittelklasse, und zwar in Regionen und Städten, die historisch gegen den Laizismus und für den Katholizismus eingetreten seien. Unter den landesweit vier Millionen „Charlie“-Demonstranten hätten sich mehr Kaderangestellte als Arbeiter befunden, bilanziert Todd.

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Mehrwertsteuerbegünstigter Tugendterrorismus

Bild: blogs.faz.net

 

„Fangen Sie schon wieder an? Ist doch Politik,hat doch mit Gewissen nichts zu tun.
Grundgesetz, ja Grundgesetz, ja Grundgesetz, Sie berufen sich hier pausenlos aufs Grundgesetz
sagen Sie mal, sind Sie eigentlich Kommunist?“

Franz Josef Degenhardt, Befragung eines Kriegsdienstverweigerers

Von Despina Castiglione|Blogs.FAZ.net

Sehen Sie, ich bin ganz sicher keine Kommunistin. Ich habe vielmehr mittlerweile eine vehemente Ablehnung gegenüber Ismen aller Art entwickelt. Kommunismus, Feminismus, Katholizismus: Alles nichts für mich, das sind Denkkorsette, und das möchte ich nicht. Die zwicken und lassen einen nicht frei atmen, das kann nicht wirklich gesund sein. Ich schaue mir das alles gerne an, ich bin ja relativ weltoffen, und manches mag auch zutreffend sein, da lerne ich dann gerne hinzu. Ich lasse mich mit Freude eines Besseren belehren. Hat jemand gute Argumente und muss ich nach Würdigung der Tatsachen anerkennen, dass ich mit meiner Behauptung im Unrecht war, ist das vielleicht nicht unbedingt ruhmreich. Dafür aber meist lehrreich. Manche Leute lernen halt gern, andere haben gern recht. Die gerne recht haben sind nach meiner Erfahrung tendenziell die mit den Ismen. Sobald ein Ismus sich an ein Wort hängt, ist es eigentlich dahin. Weil Ismen aus Worten und Ideen Ideologien machen. Und mit Ideologien habe ich grundsätzlich so meine Probleme.

Kommen Sie mir jetzt nicht mit Humanismus. Denken Sie doch mal an den „realen Humanismus“ und seine Errungenschaften in der früheren DDR, dann wird klar, was ich meine, wenn ich sage: Ismen tun auch der besten Idee keinen Gefallen. Und trotzdem habe ich heute beim Frühstück dieses Lied von Franz-Josef Degenhardt angehört. Nicht, weil ich an der Stelle weltanschaulich verklärt wäre, sondern weil ich die süffisant-boshafte Art mag, mit der es ihm singend gelingt, die Abseitigkeit der Argumentation des sich in der komfortablen Position des nicht-betroffen-Seins des den Kriegsdienstverweigerer befragenden Kammervorsitzenden aufzuzeigen. Man kennt eine solche Diskussionskultur heutzutage auch noch: von radikalfeministischen Veranstaltungen und der CSU beispielsweise.

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Katholische Kirche: Oben Verkrustung, unten Druck

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Jeden Sonntag stehen Menschen nebeneinander in der Kirche, die ganz Verschiedenes glauben, meint der Philosoph Norbert Copray. Eine explosive Gemengelage, denn der Pluralismus erzeugt innere Spannungen.


Von Norbert Copray|Deutschlandradio Kultur

Aus Distanz sieht der Katholizismus immer noch recht monolithisch aus, wie ein großes Ganzes, wie ein Block, ein schwarzer Block. Aus der Nähe zeigt sich der katholische Block als ein unübersichtliches Gewebe.

Es besteht aus hunderten, tausenden, hunderttausenden Haupt-, Teil-, Unter- und Nebenströmungen – in noch einmal zig Gemeinden, Bistümer, Provinzen und Gruppen. Kein Wunder, unter mehr als 1,3 Milliarden Katholiken. Ohne Substruktur kann ein soziales Gebilde dieser Größe gar nicht existieren.

Mehr noch: Die katholische Landschaft ist seit Mitte der 1960er-Jahre von einem heftigen Pluralisierungsschub erfasst worden, wie er für Modernisierungsprozesse typisch ist. Und dadurch geraten die vielen Strömungen zueinander in Gegensatz und in erbitterten Kampf.

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Crux fordert katholischen Glauben heraus

Das neue Online-Magazin Crux fragt, wie katholischer Glaube in die moderne Gesellschaft passt Foto: flickr/Lawrence OP | CC-BY-NC 2.0
Die amerikanische Zeitung Boston Globe hat mit Crux ein katholisches Nachrichtenportal eröffnet. Das konfrontiert den Katholizismus mit Fragen des modernen Lebens.

pro Medienmagazin

Schon der Name des neuen Onlineportals klingt katholisch: „Crux“ – das lateinische Wort für „Kreuz“. Jedoch ist es kein Medium der Katholischen Kirche, sondern ein Angebot der liberalen amerikanischen Zeitung Boston Globe. Dieser Perspektive folgt auch das Anliegen des Portals. Denn es beschäftigt sich mit einer vermeintlichen Krux der Katholischen Kirche: Wie passen Theologie, Dogmen, Liturgie und Traditionen des Katholizismus mit dem Leben moderner Gläubiger zusammen? Crux möchte nach eigenen Angaben den Unstimmigkeiten und Herausforderungen, vor denen die Kirche und ihre Anhänger stehen, eine „volle Stimme“ geben.

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