Missbrauch in der Kirche: Sind wirklich die Homosexuellen schuld?

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Betroffene von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche sind vor allem Jungen. Woran liegt das? Konservative sehen den Grund in der Homosexualität und belegen das mit teils abenteuerlichen Zahlenkonstruktionen. Doch so einfach ist es nicht, denn das Thema führt tief ins Gehirn.

Von Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Missbrauch in der Kirche ist ein männliches Problem: Die Täter sind Männer, die Opfer in der Regel Jungen. Mit einem Anteil von 63,8 Prozent sind sie deutlich überrepräsentiert, resümiert auch die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene MHG-Studie. In Reihen der Glaubenskongregation im Vatikan geht man weltweit sogar von mehr als 80 Prozent aus. Woran das liegt?

Für erzkonservative Kreise ist klar: Es sind homosexuelle Taten, die gleichgeschlechtliche Orientierung ist also das Problem. Und tatsächlich: Die MHG-Studie hat bei 19 Prozent der Täter Hinweise auf eine homosexuelle Orientierung gefunden. In Einzelinterviews lag sie noch deutlich höher. Der US-Theologe Timothy J. Dailey hat Zahlen wie diese zum Anlass für folgende These genommen: Es gibt prozentual deutlich mehr Übergriffe von Männern auf Jungen, als es Homosexuelle in der Gesellschaft gibt. Dass sie als Täter überrepräsentiert sind, nimmt Dailey dann zum Anlass für die Vermutung, dass Homosexuelle generell eher zum Kindesmissbrauch neigten.

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Trump kritisiert scharfes Abtreibungsgesetz

US-Präsident Donald Trump rief auf Twitter alle Abtreibungsgegner dazu auf, gemeinsam „für das Leben“ zu kämpfen Quelle: AP/Manuel Balce Ceneta
Alabama hat ein striktes Abtreibungsverbot beschlossen, das einen Schwangerschaftsabbruch selbst nach Inzest und Vergewaltigung verbietet. Das Gesetz ist so rigide, dass sich sogar Abtreibungsgegner Donald Trump einschaltet.

DIE WELT

US-Präsident Donald Trump hat sich für ein Recht auf Abtreibung nach einer Vergewaltigung ausgesprochen. Das schrieb er am Samstag auf Twitter. Trump bezeichnete sich dort selbst zwar als entschiedenen Abtreibungsgegner, nannte aber mehrere Fälle, in denen er Ausnahmen befürwortet. Der US-Bundesstaat Alabama hatte in dieser Woche Schwangerschaftsabbrüche nahezu vollständig verboten.

Er sei „klar gegen Abtreibungen“, schrieb Trump wenige Tage nach der Entscheidung in Alabama auf Twitter. Als Ausnahmen nannte er Schwangerschaften nach einer Vergewaltigung oder durch Inzest sowie Fälle, in denen das Leben der Mutter gefährdet ist. „Diese Position vertrat auch Ronald Reagan“, twitterte Trump mit Verweis auf den früheren republikanischen Präsidenten.

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„Seht her. Diese Idioten…“: Viele US-Promis kritisieren Abtreibungsgesetze scharf

Sängerin Rihanna Foto: dpa
Mit persönlichen Geschichten und Angriffen auf Politiker reagieren immer mehr Prominente auf die geplanten, strikten Abtreibungsgesetze in mehreren US-Bundesstaaten.

Kölner Stadt-Anzeiger

„Seht her. Diese Idioten treffen Entscheidungen für FRAUEN in Amerika“, schrieb R&B-Sängerin Rihanna (31) am Donnerstag (Ortszeit) auf Instagram. Dazu zeigte sie Bilder der 25 männlichen Politiker, die in Alabama zusammen mit Gouverneurin Kay Ivey für das neue Gesetz stimmten, das Abtreibungen in den meisten Fällen verbietet und unter Strafe stellt. Der Eintrag sammelte über 2,6 Millionen Likes.

„Game of Thrones“-Star Lena Headey, Sänger Charlie Puth, Model Gigi Hadid oder Rapper P. Diddy posteten den Spruch „Männer sollten keine Gesetze machen, die den Körper von Frauen betreffen“.

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Die Abtreibungsgegner in den USA wittern Morgenluft

Drei Frauen protestieren vor dem Alabama State House in Montgomery gegen das Abtreibungsverbot. (17.04.2019) (Bild: Mickey Welsh / The Montgomery Advertiser / AP)
Weil der Supreme Court konservativer wurde, wollen die Abtreibungsgegner ein neues Grundsatzurteil provozieren. Deshalb werden wie am Förderband restriktive Gesetze verabschiedet. Das könnte politisch zu einem Bumerang werden.

Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Konservativ geführte Gliedstaaten der Vereinigten Staaten überbieten einander gegenwärtig im Verabschieden restriktiver Abtreibungsgesetze. Den jüngsten Etappensieg in diesem Wettlauf sicherte sich die Legislative von Alabama, die mit ihrer republikanischen Mehrheit soeben das härteste Abtreibungsverbot des ganzen Landes verabschiedet hat. Eine Ausnahme vom totalen Abtreibungsverbot ist nur für eine akute Gefährdung des Lebens der Schwangeren vorgesehen, nicht aber für den Fall einer Vergewaltigung oder bei Inzest.

Den Supreme Court im Auge

Noch rätselt die Öffentlichkeit darüber, ob die Gouverneurin Kay Ivey das Gesetz auch unterzeichnen und damit in Kraft setzen wird. Sie wurde zwar 2017 als stramme Konservative gewählt, wollte sich aber bisher nicht festlegen. Das spielt aber auch nur eine untergeordnete Rolle.

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Hart arbeitende Assistenzärzte altern besonders schnell

Grafik: NZZ
Anhaltender Stress ist belastend, auch für die DNA. Wie eine Studie nun zeigt, schrumpfen die Enden der DNA-Stränge von jungen Assistenzärzten sechsmal so schnell wie gewöhnlich.

Lena Stallmach | Neue Zürcher Zeitung

Das erste Jahr als Assistenzarzt in der Klinik verursacht viel Stress. In den USA wohnen die jungen Ärzte meist noch auf dem Klinikgelände und können dem Arbeitsalltag kaum entfliehen. Nun haben Forscher untersucht, wie sich das auf ihre DNA auswirkt. Sie konzentrierten sich dabei auf die Endstücke des Erbguts, die Telomere, welche die DNA-Stränge jeweils zusammenhalten. Die Telomere wurden sechsmal so schnell abgebaut wie gewöhnlich, wie die Forscher in der Fachzeitschrift «Biological Psychiatry» berichteten.

Abbau korreliert mit dem Alter

Der Abbau der Telomere wird als Zeichen der übermässigen Alterung gesehen, denn die Länge dieser Endstücke korreliert normalerweise mit dem Alter einer Person. Im Laufe des Lebens werden sie immer weiter abgebaut, aber nicht gleichförmig. Manche Lebensumstände wie etwa emotional oder physisch belastende Zeiten scheinen den Abbau zu beschleunigen, andere ihn zu verlangsamen. Zumindest deuten einige Studien darauf hin.

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Was die Impfmuffel aufs Spiel setzen

Wer aus Nachlässigkeit, Zeitmangel, Desinteresse und fahrlässiger Unaufgeklärtheit Impftermine verstreichen lässt, trägt Mitschuld an der gesundheitlichen Misere. Bild: dpa
Die eigene Entfaltung zählt für Impfgegner mehr als die Solidarität mit Schwächeren. Statt ständig um die persönliche Freiheit zu fürchten, sollten die Menschen lieber eine andere Frage an die Gesundheitspolitik stellen.

Von Lucia Schmidt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In der Debatte über eine Zunahme von Maserninfektionen, eine sinkende Impfquote und den gerade von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegten Gesetzesentwurf zur Masernimpfpflicht fällt immer wieder der Begriff Impfmüdigkeit. Die Deutschen seien „impfmüde“, heißt es dann gerne. Damit soll kurz und prägnant erklärt werden, was auch wissenschaftliche Untersuchungen nahelegen. Zur Wiederkehr fast ausgerottet geglaubter Erkrankungen tragen nicht nur überzeugte Impfgegner bei – die machen laut Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter den Eltern nur rund zwei Prozent aus. Die größere Schuld an dieser gesundheitlichen Misere tragen diejenigen, die aus Nachlässigkeit, Zeitmangel, Desinteresse und fahrlässiger Unaufgeklärtheit Impftermine und -aufforderungen verstreichen lassen.

Ein solches Verhalten, eine solche Haltung kann sich nur leisten, wer, wie die Deutschen, in einem reichen Staat mit einem hohen Maß an gesundheitlicher Sicherheit und Versorgung lebt. Impfmüdigkeit ist Begleiterscheinung einer Gesellschaft, in der die eigene Entfaltung mehr zählt als Solidarität und Fürsorge für den Nächsten und den Schwächeren. Impfmüde kann nur werden, wer fälschlicherweise den Respekt vor tödlichen Infektionskrankheiten verloren hat und sich selbst für unverwundbar hält. Impfmüde zu sein bedeutet aber auch, Errungenschaften der modernen Medizin aufs Spiel zu setzen.

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Forscher entwickeln programmiertes Ablaufdatum für Genveränderungen

Verfahren kann etwa künstliche Unfruchtbarkeitsgene von Malariamücken mit einem vorprogrammierten Stopp ausstatten

derStandard.at

Mit sogenannten „Gene Drives“ können etwa Unfruchtbarkeitsgene in Moskitos gebracht werden, die Malaria verbreiten, um die Krankheit zu bekämpfen. Der Nachteil einer solchen Maßnahme wäre, dass sich solche kritischen Gene unkontrolliert verbreiten würden. Durch eine Befehlskette, bei der einzelne Glieder nacheinander verschwinden, wäre die Wirksamkeit aber zeitlich und lokal beschränkbar, schlägt ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachblatt „Pnas“ eine Alternative vor.

Genetische Serienschaltung

Derartige „Gene Drives“, also Genantriebe, sorgen dafür, dass sich eine beliebige Erbgutsequenz mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 in der ganzen Population ausbreitet, wie im Labor bei Experimenten mit Hefezellen, Fruchtfliegen und zwei Stechmückenarten gezeigt wurde.

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Diakonie Neuendettelsau: Wie tief verstrickt die Verantwortlichen wirklich waren

NS-„Euthanasie“ bei der Diakonie Neuendettelsau: Laut Forschern sind viele Fragen bei der Aufarbeitung noch offen.Die Diakonie Neuendettelsau hat 1991 mit dem Buch „Warum sie sterben mussten“ ihre Verstrickung in die „Euthanasie“-Verbrechen der Nazis aufgearbeitet. Später hat sie die Zeit bis 1955 in einem zweiten Buch beleuchtet. Doch es gibt immer noch Fragen.

Vanessa Hartmann | evangelisch.de

Es war ein Erdbeben, das die Diakonie Neuendettelsau Anfang der 1990er Jahre auslöste. Als erste diakonische Anstalt in Bayern hatte das Sozialwerk seine Verstrickung in die „Euthanasie“-Morde der Nazis von zwei unabhängigen Wissenschaftlern untersuchen lassen. Bundesweit interessierten sich Medien dafür. „Das war für die Öffentlichkeit sehr erschütternd: Es kann doch nicht sein, dass eine kirchliche Einrichtung keinen Deut besser war als eine staatliche“, erinnert sich Hans-Ludwig Siemen, einer der Autoren. In mehreren Deportationen waren 1940/41 mehr als 1.200 Bewohner der Diakonissenanstalt in staatliche Heil- und Pflegeanstalten verlegt worden, mindestens zwei Drittel starben.

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Kontrollierter Drogenanbau im Dienste der Medizin

©picture alliance/Carsten Rehder/dpa
Seit 2017 können Patienten sich Cannabis zu medizinischen Zwecken beim Arzt verschreiben lassen. 2020 startet der Anbau im Auftrag des Bundes.

Von André Klohn | Forschung & Lehre

Noch wirkt die Anlage am Rande eines Gewerbegebiets von Neumünster wie der Rohbau einer schlichten Lagerhalle. Nichts deutet darauf hin, was dort künftig verborgen hinter 24 Zentimeter dicken Stahlbetonwänden wachsen soll. Im Auftrag des Bundes will die Aphria Deutschland GmbH aus Bad Bramstedt im Kreis Segeberg hier das erste in Deutschland angebaute medizinische Cannabis ernten – unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. „Sie sind ähnlich hoch wie beim Tresorraum einer Bank“, sagt Geschäftsführer Hendrik Knopp.

Seit März 2017 können sich deutsche Patienten medizinisches Cannabis regulär beim Arzt verschreiben lassen. Wie Cannabis wirkt, ist lange bekannt. Es kann etwa Spastiken bei Multipler Sklerose oder chronische Schmerzen lindern. Teils aber ist die medizinische Wirkung nur gering belegt, so bei Übelkeit und Erbrechen nach Chemotherapien oder beim Tourette-Syndrom, wie die Bundesärztekammer betont.

Bislang werden Cannabis-Blüten für medizinische Zwecke aus dem Ausland importiert, unter anderem vom kanadischen Mutterunternehmen der Firma aus Schleswig-Holstein. Im Herbst soll der Rohbau des Gewächshauses in Neumünster fertiggestellt sein. Das Investitionsvolumen liegt nach Unternehmensangaben im zweistelligen Millionenbereich.

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Quo vadis, Alzheimerforschung?

Ist bald ein wirksames Mittel gegen Alzheimer verfügbar? © Thomas Northcut/ thinkstock
Heilmittel gesucht: Die Fahndung nach einer wirksamen Alzheimertherapie geht weiter. Viele zuletzt als vielversprechend gehandelte Mittel haben jüngst in entscheidenden Studien enttäuscht. Dies legt nahe, dass die als mögliche Ursache der Erkrankung geltenden Beta-Amyloid-Plaques kein geeigneter Angriffspunkt für eine Behandlung sind, wie Forscher berichten. Doch Wissenschaftler erproben bereits andere vielversprechende Therapieansätze.

scinexx

Alzheimer ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen weltweit, allein in Deutschland sind rund 1,3 Millionen Menschen betroffen. Trotz intensiver Forschungsbemühungen und vieler neuer Erkenntnisse auf dem Gebiet ist jedoch noch immer kein Heilmittel für diese Form der Demenz in Sicht. Dürfen Patienten hoffen, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird?

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Der Organspendeausweis: Dieses Papier ist geduldig, aber nicht einfach digitalisierbar

Grafik: TP
Im Gesetzesentwurf zur doppelten Widerspruchslösung soll der Organspendeausweis durch ein elektronisches Register ersetzt werden. Wir beleuchten die logischen und technischen Schwachpunkte des Gesetzentwurfs

Gunter Laßmann | TELEPOLIS

Der Organspendeausweis (OSA) ist ein Papier-Formular1, das in großen Mengen verteilt wird und das man im Internet herunterladen kann. Der OSA wird allein dadurch gültig, dass er vom Besitzer ausgefüllt und unterschrieben wird. Niemand kontrolliert, registriert oder stempelt den OSA. Natürlich wäre es so kein Kunststück, jede Menge falsche OSA zu erzeugen.

Eine Organtransplantation ist eine ernste und wichtige Angelegenheit. Wie kann es dann sein, dass ein so einfach erstelltes Dokument bei diesem Vorgang, bei dem es ja um Menschenleben geht, über viele Jahre eine so wichtige Rolle spielt?

Der OSA kann, da er über keinerlei Beglaubigung verfügt, natürlich nicht die Identität des Besitzers nachweisen. Die Identität des Besitzers muss anders nachgewiesen werden, so wird empfohlen, den OSA bei den Personaldokumenten mit sich zu führen. Der OSA ist also gar kein Ausweis, sondern eher eine schriftliche Erklärung des Besitzers ggf. als Organspender zur Verfügung zu stehen oder dies abzulehnen. Selbst www.organspende-info.de schreibt: „Es ist ebenfalls möglich, die Erklärung auf einem Bogen Papier formlos festzuhalten.“

Durch das Mitführen autorisiert der Besitzer höchstpersönlich den OSA, genau genommen nicht durch seine Person, sondern durch seinen Körper. Denn im Ernstfall wird der Besitzer des OSA nicht bei Bewusstsein sein. Es reicht für die Einleitung einer Organspende, dass der OSA beim möglichen Spender gefunden wird und ein kurzer Abgleich mit anderen Dokumenten keine signifikanten Abweichungen ergibt.

Durch diese Praxis hat Papierdokument OSA einige erstaunliche Eigenschaften:

  • Das Papier ist tolerant gegenüber den vielen Schreibvarianten von Namen wie z.B. von Lassmann und Laßmann, Verwendung oder Nichtverwendung von weiteren Vornamen usw.
  • Da das Papier „am Körper“ ist, ist automatisch klar, welcher der vielen namensgleichen „Peter Müller“ gemeint ist.
  • Das Papier ist tolerant gegen viele Änderungen z.B. Tausch des Personalausweises.
  • Durch die Formularform des OSA liegen die wichtigsten Angaben zur Person in einer vom Besitzer autorisierten Form vor.
  • Das Papier und die Unterschrift darauf haben zwar ein Datum, aber kein Verfallsdatum.
  • Da die Daten auf dem OSA nirgends gespeichert werden, genügt der OSA jedem Datenschutzgesetz.
  • Ändert der Besitzer des OSA seine Meinung zur Organspende, kann er jederzeit den OSA vernichten oder durch einer anderen ersetzen.
  • Da die OSA dezentral verteilt sind, ist kein zentraler Angriff auf das „System OSA“ möglich. Ein Angreifer müsste einem Sterbenden höchstpersönlich einen gefälschten OSA unterschieben. Dies wäre ein Tabubruch, vor dem selbst fanatische Transplantationsgegner zurückschrecken.
  • Der OSA muss nicht einmal wie eine OSA aussehen: Ein Bogen Papier mit einer Willenserklärung und Unterschrift und Datum reicht.

Diese tolerante Praxis beruht natürlich darauf, dass der OSA eine freiwillige Erklärung ist, eine gute Sache tun zu wollen, nämlich seine Organe zu spenden, und niemand das Zustandekommen solcher Erklärungen durch zu viel Bürokratie erschweren will.

Mit der aktuellen Version des OSA kann man sogar der Organspende widersprechen, indem man die entsprechende Stelle ankreuzt. Genau genommen müsste der Organspendeausweis, wie Prof. Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat richtig bemerkte, neutraler „Verfügung zur Organspende“ heißen, ein kleiner Mangel des OSA.

Der OSA hat diese Eigenschaften, um es jedem Bürger möglichst bequem zu machen, seine Spendenbereitschaft zu artikulieren. Obwohl die überwältigende Mehrzahl der Bürger der Organspende positiv gegenübersteht und etwa ein Drittel behaupten einen OSA zu besitzen, haben nur wenige einen OSA wirklich dabei.

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Telemedizin im Aufwind – Videosprechstunden und Digitalprojekte helfen Patienten

(Bild: Billion Photos/Shutterstock.com)
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen nimmt an Fahrt auf. Politik und Gesundheitswesen erhoffen sich bessere, schnellere und kostengünstigere Betreuung.

heise online

Arztsprechstunde per Video, eine mit der Zunge steuerbare Computermaus oder die automatisierte Auswertung von Laborbefunden: Aktuell werden in Sachsen 17 Projekte mit rund 19 Millionen Euro gefördert, teilte das Gesundheitsministerium in Dresden mit. „Telemedizin wird nie den Arzt ersetzen, aber sie stellt eine wertvolle Unterstützung dar“, sagte Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU). Im aktuellen Doppelhaushalt 2019/2020 sind jährlich fünf Millionen Euro zur Förderung telemedizinischer Projekte eingeplant. Hinzu kommen weitere zehn Millionen Euro pro Jahr für die Krankenhäuser. Die Europäischen Union steuert zudem in der Förderperiode von 2014 bis 2020 insgesamt weitere rund 28 Millionen Euro bei.

Der Hausarzt Danny Nummert-Schulze aus Hartha (Mittelsachsen) im Erzgebirgsvorland bietet seinen Patienten seit Oktober auch Videosprechstunden an und ist begeistert. „Dinge wie etwa die Kontrolle von Wunden nach einer Operation lassen sich damit hervorragend erledigen.“

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Exorzismus-Seminar erstmals für nichtkatholische Christen zugänglich

Bild: Bill Flavell, FB
Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen wollen ihre Erfahrungen austauschen und vergleichen. Die Tagung behandelt das Thema Exorzismus aus verschiedenen Blickwinkeln.

kath.net

Das 14. Seminar zum Thema „Exorzismus und Befreiungsgebet“ an der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum war erstmals für Angehörige aller christlichen Denominationen offen.

Etwa 250 Katholiken, Griechisch-Orthodoxe und Protestanten nehmen an der von 6. bis 11. Mai stattfindenden Tagung teil. Die Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen würden ihre Erfahrungen mit Exorzismen austauschen und vergleichen, sagte Pedro Barrajon, einer der Organisatoren. Die Austreibung von Dämonen gehe bis in die ersten Ursprünge des Christentums zurück, erinnerte er.

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Palliativmediziner kritisiert Gesundheitssystem

Bild von Peter Dargatz auf Pixabay
Der Schweizer Palliativmediziner Gian Domenico Borasio hat die Ausrichtung des deutschen Gesundheitssystems scharf kritisiert. „Es geht nur ums Geld, das ist das Problem, das wir haben“, sagte Borasio am Freitag zur Eröffnung der zehnten Bremer Kongressmesse „Leben und Tod“.

evangelisch.de

Das gelte insbesondere für die Versorgung am Lebensende. Das System sei „komplett gegen die Interessen der Patienten ausgerichtet“. Am Ende des Lebens müssten mehr Ressourcen für eine palliative Versorgung in multiprofessionellen Teams eingesetzt werden, forderte der Professor.

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„Kein Recht, Unsinn zu vertreten“: Kammer-Chef will impfkritische Ärzte versetzen

Frank Ulrich Montgomery stellt sich ganz klar gegen die Impfgegner. Foto: picture alliance / Monika Skolim
In der Debatte um eine Impfpflicht gegen Masern will Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery gegen Ärzte vorgehen, die Eltern von diesen Impfungen abraten. „Man muss mit ihnen reden, und wenn sie sich nicht überzeugen lassen, muss man diese Kollegen soweit bringen, dass sie in einem anderen Bereich tätig werden, etwa im Labor oder als Gutachter“, sagte Montgomery dem „Focus“ vom Freitag.

Kölner Stadt-Anzeiger

Die ärztliche Zulassung könne die Bundesärztekammer impfkritischen Ärzten nicht entziehen. Aber „ein Arzt hat nicht das Recht, Unsinn zu vertreten“, sagte er. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will zum März kommenden Jahres eine gesetzliche Pflicht zur Masern-Impfung einführen.

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Stadtbäume leben schnell und kurz

Stadtbäume führen ein Leben unter Extrembedingungen. © Nikada/ istock
Leben unter Extrembedingungen: Stadtbäume leben schneller, aber auch kürzer als ihre Verwandten auf dem Land. Wie eine Studie zeigt, führt das urbane Umfeld einerseits zu einem schnelleren Wachstum der Bäume. Gleichzeitig sind sie dort allerdings anfälliger und haben eine höhere Sterblichkeit. Um den positiven Effekt von Stadtbäumen voll auszuschöpfen, müsse daher verstärkt auf ihre Gesundheit geachtet werden, so die Forscher.

scinexx

Bäume sind die grüne Lunge unseres Planeten: Die Pflanzen atmen große Mengen des schädlichen Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre ein und produzieren den für uns Menschen so wichtigen Sauerstoff. Gerade in der Stadt leisten sie darüber hinaus weitere wichtige Dienste. Denn über Verdunstungseffekte können Bäume dabei helfen, urbane Wärmeinseln herunterzukühlen. Zudem fungieren sie als effektive Staubfilter und wirken so der Luftverschmutzung entgegen.

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Gefährliches Resistenzgen in Salmonellen

Das MCR-9-Gen enthält die Bauanleitung für ein Protein, das Keime unempfindlich gegen Colistin macht. © Ahmed Gaballa/ Cornell University
Bedrohliche Resistenz: Forscher haben ein neues Gen entdeckt, das Bakterien gegen das Notfall-Antibiotikum Colistin resistent macht. Der in Salmonellen gefundene Erbgutabschnitt bedroht damit die Wirksamkeit des Mittels der letzten Wahl gegen multiresistente Krankheitserreger. Besonders gefährlich dabei: Das Gen kann über sogenannte Plasmide auch auf andere Bakterienstämme- und arten übertragen werden.

scienxx

Herkömmliche Antibiotika sind gegen immer mehr Krankheitserreger machtlos: Viele Bakterien haben im Laufe der Zeit Resistenzen gegen gleich mehrere Wirkstoffklassen entwickelt. Diese Immunität geben sie nicht nur an ihre eigenen Nachkommen weiter. Die entsprechenden Gene werden auch an andere Stämme und Arten vererbt – unter anderem, indem Bakterien freies Erbmaterial toter Zellen aufnehmen. Solches Material findet sich zum Beispiel in Form von Plasmiden in der Umwelt wieder.

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Impfpflicht garantiert Recht auf Gesundheit

Bild: 4ever.eu
Jens Spahn greift auf Maßnahmen zurück, die lange Zeit Teil progressiver Bewegungen in aller Welt waren. Die Impfgegner stehen in einer langen rechten Tradition

Peter Nowak | TELEPOLIS

Will jetzt neben nicht nur der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert, sondern auch der konservative Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein Stück die DDR wiedereinführen? Schließlich setzt er sich für eine obligatorische Impfpflicht in Schulen, Kitas und Arztpraxen ein. Bei einer Weigerung sollen auch Sanktionen folgen.

„Sozialismus ist die beste Prophylaxe“

Damit greift er Maßnahmen zurück, die in der DDR bereits in den 1950er Jahren erfolgreich angewandt wurden. In einem „Zeitreise“-Beitrag des MDR hieß es:

Seit den 1950er-Jahren setzte die DDR eine gesetzliche Impfpflicht durch, die immer umfassender wurde: gegen Pocken, Kinderlähmung, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Tuberkulose und ab den 1970er-Jahren auch gegen die Masern. Empfohlen wurde, wie auch heutzutage, eine Grippe-Impfung. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr bekamen Heranwachsende insgesamt 20 Schutzimpfungen – staatlich verordnet.

Aus: MDR-Zeitreise

Dass die Kritik an Spahns Vorschlägen längst nicht so laut ist, wie die an Kühnert, dürfte auch daran liegen, dass sich die Ergebnisse der DDR-Impfpolitik sehen lassen kann.

Die Erfolge der DDR-Impfprogramme waren enorm. Die Krankheitszahlen sanken rapide nach deren Einführung. Besonders spektakulär beim Kampf gegen die Kinderlähmung, zumal im Vergleich mit dem Westen. Während im individualisierten Westen 1960 noch Polio-Epidemien wüteten, war die zentral verwaltete DDR-Gesellschaft seit 1958 zu großen Teilen immunisiert gegen die Kinderlähmung.

Aus: MDR-Zeitreise

In dem MDR-Beitrag wurde noch einmal daran erinnert, dass der Kampf für eine möglichst flächendeckende Impfung und die Zurückdrängung von Krankheiten, die nach wissenschaftlichen Maßstäben verhinderbar sind, zum Programm vieler progressiver und linker Bewegungen überall auf der Welt gehörte. Mehr noch als in der DDR gehörten Massenimpfungen der Bevölkerung zu den ersten Maßnahmen in Nicaragua nach dem Sieg der sandinistischen Revolution 1979 und in Kuba nach 1959.

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Ältere Menschen und Männer sind besonders durch Suizid gefährdet: Tabu im Tabu

Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet © pasja1000 (Pixabay)
Es ist ein altes, aber wenig diskutiertes Phänomen: Unter älteren Menschen, besonders bei Männern, kommt Suizid besonders häufig vor. Experten sehen als Ursache vor allem gesellschaftliche Probleme.

DOMRADIO.DE

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“: Lange war dieser Satz in der Kindheit vieler Männer Programm. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg ging es selten darum, sich mit Gefühlen zu befassen, sondern vielmehr um Härte – auch gegen sich selbst. Viele Männer, die heute zur älteren Generation gehören, haben nie gelernt, mit seelischem Schmerz umzugehen.

Für Michael Hillenkamp, den katholischen Sprecher der ökumenisch getragenen Telefonseelsorge, ist das eine Erklärung dafür, warum ältere Männer besonders häufig Suizid begehen. Pro Jahr nehmen sich in Deutschland um die 10.000 Menschen das Leben. Im Jahr 2016 waren es laut Statistischem Bundesamt 9.838 Menschen, drei Viertel von ihnen Männer. Weltweit betrachtet ist die Suizidrate laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Männern fünfmal so hoch wie bei Frauen; Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

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Researchers Now Have Even More Proof That Air Pollution Can Cause Dementia

Mother Jones illustration; Getty
A few years ago I stood in a cramped trailer beside the busy 110 freeway in Los Angeles as researchers at the University of Southern California gathered soot thrown off by vehicles pounding by just a few yards from their instruments, which rattled whenever a heavy truck passed.

Aaron Reuben | Mother Jones

I was there to learn about how scientists were beginning to link air pollution—from power plants, motor vehicles, forest fires, you name it—to one of the least understood and most frightening of illnesses: dementia.

At that time, as I reported in Mother Jones, the research implicating air pollution as one factor that can contribute to dementia was alarming, consistent, and, ultimately, “suggestive.” Since then scientists have published a wave of studies that reveal that air pollution is much worse for us than we had previously imagined.  The evidence is so compelling, in fact, that many leading researchers now believe it’s conclusive. “I have no hesitation whatsoever to say that air pollution causes dementia,” says Caleb Finch, gerontologist and the leader of USC’s Air Pollution and Brain Disease research network, which has completed many of these new studies. In terms of its effects on our health and welfare, Finch says, “air pollution is just as bad as cigarette smoke.” This evidence arrives alongside the alarming news that air quality is actually worsening for many cities in the United States, while the Trump Administration continues its effort to delay or roll-back environmental safeguards.

What makes Finch—and the half dozen other researchers I talked to—so sure? Of all the new research, three studies in particular paint a stark picture of the extent to which the quality of our air can determine whether we will age with our minds intact. In one from 2018, researchers followed 130,000 older adults living in London for several years. Those exposed to higher levels of air pollutants, particularly nitrogen dioxide and fine particulate matter released by fossil fuel combustion, were significantly more likely to develop Alzheimer’s disease—the most common kind of dementia—than their otherwise demographically matched peers. In total, Londoners exposed to the highest levels of air pollution were about one and a half times more likely to develop Alzheimer’s across the study period than their neighbors exposed to the lowest levels—a replication of previous findings from Taiwan, where air pollution levels are much higher.

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