Wie in Österreich nicht zugelassene Medikamente in Spitäler kommen

foto: corn Vor einer Transplantation körpereigener Stammzellen wird Krebspatienten hochdosiert Melphalan verabreicht.

Das Wiener Hanuschspital hatte ein nicht zugelassenes Krebsmedikament angefordert – wegen Engpässen, von denen die Ages aber nichts weiß

Von Gudrun Springer | derStandard.at

Spitälern wurde ein in Österreich nicht zugelassenes Krebsmedikament geliefert, am Mittwoch wurde bekannt, dass die Firma Koanaa Healthcare deshalb angezeigt wurde. Das Hanuschspital hatte dessen Arzneimittel mit dem Wirkstoff Melphalan wegen Engpässen beim Original angefordert. Die Ages Medizinmarktaufsicht wusste weder davon etwas, noch weiß sie aktuell von Engpässen.

Frage: Warum ist aktuell vom Verdacht der Medikamentenfälschung die Rede, wenn es sich bei dem in Indien hergestellten Melphalan Koanaa nach bisherigen Erkenntnissen um ein wirksames Mittel handeln dürfte?

Antwort: Von Medikamentenfälschung werde auch gesprochen, wenn „falsche Informationen in der Produktinformation gegeben sind“ und ein Medikament „nicht gemäß der gesetzlichen Bestimmungen in den Verkehr gebracht wurde“, erklärt Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin der Ages Medizinmarktaufsicht. Im aktuellen Fall soll Spitälern laut Ages ein in Indien hergestelltes Produkt, das in Österreich nicht zugelassen ist, in einer Packung mit österreichischer Aufmachung verkauft worden sein. Es wurde vom Markt zurückgerufen, die Firma angezeigt. Laut Ages lag keine Importbewilligung für das Arzneimittel vor, das bei Krebserkrankungen des blutbildenden Systems vor einer Transplantation körpereigener Stammzellen in flüssiger Form verabreicht wird. Die Herstellerfirma Koanaa Healthcare mit Sitz in Fischamend gab am Donnerstag mit Verweis auf das nun laufende Verfahren an, nun keine näheren Auskünfte dazu mehr zu geben. Laut Medizinmarktaufsicht liegen aktuell keine Hinweise auf eine Gefährdung von Patienten vor.

weiterlesen

Krebsmittel gepanscht – Tausende Betroffene unwissend

Geld und Pillen
Geld und Pillen (CC-by-sa/3.0/en by Ragesoss)
Über Jahre hinweg soll ein Bottroper Apotheker Krebsmedikamente unterdosiert und Tausende Patienten gefährdet haben. Jetzt wurde bekannt, dass die Mittel in sechs Bundesländer geliefert wurden. Viele der Betroffenen sind nicht informiert.

DIE WELT

Es gibt schon unzählige Horrorvorstellungen, Ängste und Unsicherheiten, mit denen Menschen, die Krebs haben, jeden Tag leben müssen. Wird der Krebs sich ausbreiten, werden die Therapien anschlagen, wie werde ich die Nebenwirkungen verkraften und vor allem: Werde ich überleben? Für Tausende kommt nun noch die unerträgliche Vorstellung hinzu, dass vielleicht lebensrettende Medikamente nicht korrekt hergestellt worden sind.

Jahrelang soll der Bottroper Apotheker Peter S., so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Chemotherapien und Antikörper-Infusionen zu niedrig dosiert oder sogar ganz ohne Wirkstoff – mit Kochsalzlösung oder Glukose versetzt – verschickt haben. Bei den Krankenkassen habe er die volle Dosis abgerechnet. Seine „Alte Apotheke“ mit rund 90 Angestellten ist eine von rund 300 sogenannten Onkologie-Schwerpunktapotheken. Solche Apotheken verfügen über sterile Labore und versorgen Patienten individuell mit krebshemmenden Medikamenten. Die Mitarbeiter müssen speziell geschult sein.

weiterlesen

Ferngesteuerter Kindesmissbrauch aus deutschen Wohnzimmern

(Bild: Aaron Escobar CC BY 2.0)
Sie beobachten nicht nur Menschen, die sich an Kindern vergehen. Sie geben auch noch Regieanweisungen. Eine relativ neue Form des Kindesmissbrauchs zieht auch in Deutschland Kreise.

Von Marco Krefting | heise.de/dpa

Der Mann soll den Kindesmissbrauch live per Webcam verfolgt haben. Gegen Geld soll er Täter und Opfer Handlungsanweisungen gegeben, gewissermaßen Regie geführt haben. Anfang des Monats wanderte der 48-Jährige aus dem oberbayerischen Landkreis Altötting in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Traunstein und das Bundeskriminalamt (BKA) schreiben vom „noch neuen Modus Operandi des ‚Webcam Child Sex Tourism'“ (WCST).

Das Phänomen Webcam-Kindersextourismus gibt es seit wenigen Jahren. Genaue Zahlen nennt das BKA nicht. Wie in dem gesamten Bereich gebe es aber eine hohe Dunkelziffer, sagt Matthias Wenz vom Referat zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. „Das betrifft den intimsten Bereich. Da spricht niemand offen drüber.“ Ganz selten stießen die Ermittler auf einen größeren Personenkreis, der sich darüber austausche und auch persönlich kenne.

weiterlesen

Erste Gentherapie gegen Krebs vor der Zulassung

Gentherapie gegen Krebs: „lebende Medikamente“ © Matthias Balk/DPA
In den USA steht die erste Gentherapie zur Behandlung von Krebs vor der Zulassung. Auch in Deutschland dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis es soweit ist. Was steckt hinter dem Ansatz?

stern.de

Mit den eigenen, gentechnisch veränderten Immunzellen den Krebsbesiegen? Eine neue Therapie rückt das zumindest für bestimmte Formen von Leukämie und von Lymphdrüsenkrebs in den Bereich des Möglichen. Sie steht in den USA wie auch in Europa kurz vor der Zulassung. Auch andere Arten von Krebs, etwa Tumoren in Brust, Eierstock, Lunge oder Bauchspeicheldrüse, versuchen Forscher mit Hilfe der aufgerüsteten Immunzellen zu knacken – allerdings bislang mit weniger Erfolg.

Das Potenzial der sogenannten CAR-T-Zellen ist seit zwei Jahrzehnten bekannt, aber es zu erforschen und einen funktionierenden Therapieansatz zu entwickeln, erwies sich als schwierig. Mehr als 200 klinische Studien dazu, zumeist in den USA und das Gros davon noch nicht abgeschlossen, bezeugen dies. Doch für Forscher ist mittlerweile klar: Speziell bei bestimmten Formen von Blutkrebs kann der Nutzen, allen schweren Nebenwirkungen zum Trotz, groß sein.

weiterlesen

Smoke on the Water

Schiffe sind effizient, verpesten aber die Luft. (Foto: imago/Margit Wild)
Im Vergleich zu vielen Schiffsmotoren sind die manipulierten Pkw geradezu vorbildlich sauber. Auf Flüssen sind Filter unüblich, auf hoher See wird Schweröl verbrannt.

Von Marlene Weiss | Süddeutsche.de

Wer sich bei Kalkar an den Rhein stellt, nicht weit von der niederländischen Grenze, der muss schon sehr laut die Loreley aufsagen, um noch etwas Rhein-Romantik aufkommen zu lassen. Man sieht dort vor allem eine Wasserstraße, begradigt und intensiv genutzt. Schiffe fahren flussaufwärts und flussabwärts, 170 Millionen Tonnen Güter im Jahr werden hier transportiert. Und das macht Dreck – im Vergleich zu den Dieselmotoren vieler Wasserfahrzeuge sind die manipulierten Pkw-Motoren im Straßenverkehr  Luftreinhaltungsmaschinen.

Um herauszufinden, wie viel genau dort so herausgeblasen wird, haben Ralf Kurtenbach und seine Kollegen von der Universität Wuppertal vor einigen Jahren bei Kalkar ihre Messgeräte aufgestellt. Kam ein Schiff vorbei, registrierten sie den Anstieg des CO₂-, Stickoxid- und Feinstaubgehalts der Luft. Das Ergebnis veröffentlichten sie 2016 im Fachmagazin Atmospheric Chemistry and Physics: Kaum eines der untersuchten Schiffe hielt den Grenzwert für den Stickoxidausstoß ein, der in einem Papier mit dem schönen Namen Rheinschiffsuntersuchungsordnung festgelegt ist.

weiterlesen

Offenbar durch Flöhe übertragen: Im US-Bundesstaat Arizona grassiert die Pest

Pest-Bakterien. Der „Schwarze Tod“ gilt eigentlich als besiegt. Doch immer wieder kommt es zu Ausbrüchen der hochansteckenden Krankheit. dpa
Im südwestlichen US-Bundesstaat Arizona haben die Gesundheitsbehörden zweier Countys eine offizielle Warnung an die Bevölkerung abgegeben: Offenbar wurden an Flöhen in der Region die Erreger der potenziell tödlichen Infektionskrankheit gefunden.

FOCUS ONLINE

Laut „ABC News“ haben Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde des Navajo County, einem Landkreis im Norden von Arizona, am Freitag bestätigt, dass bei einigen Floh-Expemplaren Erreger der Pest festgestellt wurden. Auch im benachbarten Coconino County warnte die zuständige Behörde die Bevölkerung vor der mittlerweile extrem seltenen Krankheit.

Die Bewohner der Region wurden laut „ABC News“ aufgefordert, Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ansteckung mit der möglicherweise tödlich verlaufenden Krankheit zu treffen: So sollen sie bestimmte Tierarten meiden, die bekanntermaßen von Flöhen befallen werden, darunter Hasen, Nagetiere und Raubtiere, die solche Kleintiere wiederum fressen.

weiterlesen

Heilpraktiker darf trotz Todesfällen von Krebspatienten weiter behandeln

Heilpraktiker werden hierzulande kaum kontrolliert © iStockphoto/Getty Images
Obwohl Staatsanwälte wegen fahrlässiger Tötung gegen ihn ermitteln, darf der Heilpraktiker Klaus R. nach Recherchen des stern wieder arbeiten. Das Gesundheitsministerium in Düsseldorf sieht den Bevölkerungsschutz in Gefahr, doch örtliche Behörden reagieren kaum.

Von Hinnerk Feldwisch-Drentrup | stern.de

Der Fall sorgte vor einem Jahr in ganz Deutschland für Entsetzen: Mehrere Krebspatienten waren kurz nach einer alternativmedizinischen Behandlung des Heilpraktikers Klaus R. im Juli verstorben, weitere mussten ins Krankenhaus. In seiner „Biologischen Krebsklinik“ in Brüggen-Bracht bot er Therapien mit einem experimentellen Wirkstoff an, der laut Homepage des Heilpraktikers ein Wundermittel sein sollte: Das „aktuell beste Präparat zur Tumorbehandlung“ sei die Substanz 3-Bromopyruvat, „effektiver als heutige Chemotherapeutika“. Die „Basistherapie“ bot Klaus R. für 9900 Euro an. Dabei war das Mittel nie ausreichend untersucht worden.

weiterlesen

Blick ins Gehirn bei Halluzinationen

Bei Halluzinationen sehen, hören oder spüren wir Dinge, die gar nicht da sind – aber warum? © agsandrew/ thinkstock
Was macht einige Menschen anfälliger für Halluzinationen als andere? Eine erste Antwort hat nun ein Experiment im Hirnscanner geliefert. Es enthüllt: Bei Menschen, die häufig nichtexistente Stimmen hören, ist das Kleinhirn weniger aktiv. Dieses jedoch wirkt als „Wächter“ gegen falsche Wahrnehmungen. Ist diese Prüfung geschwächt, können überstarke Erwartungen zu Halluzinationen führen, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Sie gaukeln uns geisterhafte Erscheinungen vor, lassen uns Stimmen hören oder sogar Düfte riechen, die in Wirklichkeit nicht da sind: Bei einer Halluzination nehmen wir Dinge wahr, die nur in unserem Kopf existieren. Möglich wird dies, weil unser Gehirn Reize nicht einfach naturgetreu wiedergibt. Stattdessen interpretiert es sie und gleicht sie mit unseren Erwartungen, Vorerfahrungen und unserem Wissen ab. Erst dann gelangt die Wahrnehmung in unser Bewusstsein.

weiterlesen

Rattenplage in Washington

Washington ist unterwandert – die Stadt wird von Ratten geplagt © picture alliance / abaca / Bobby Corrigan /dpa
Im politischen Machtzentrum Amerikas rumort es unter der Oberfläche.Washington ist unterwandert – die Stadt wird von Ratten geplagt. Sie könnten zu einem echten Gesundheitsrisiko werden.

stern.de

Die Mülltone erwacht zum Leben, als ein Passant eine Coladose hineinwirft. Unruhiges Schaben und Rascheln folgen.
Sobald die Sonne untergeht, wird in vielen Teilen der US-Hauptstadt Washington ein Rattenproblem offenbar. Es droht Bewohnern und Vertretern der Stadtregierung gleichermaßen über den Kopf zu wachsen.

„Orkin“, eines der führenden Unternehmen für Schädlingsbekämpfung in den USA, listet D.C. in den „Top 50 der am meisten rattenverseuchten Städte“ nach Chicago und New York auf dem dritten Platz.

Die Zahl der nagetierebedingten Einsätze von Kammerjägern ist von 2015 bis 2016 um 65 Prozent gestiegen – von 2300 auf mehr als 3500 in privaten sowie geschäftlich genutzten Gebäuden, wie das Büro von Bürgermeisterin Muriel Bowser mitteilt.

weiterlesen

The ‘Lucifer’ Heatwave in Europe Is Reportedly Fuelling Terrifying Wasp Attacks

Image: MOTHERBOARD
With climate change, bee and wasp attacks are expected to get worse.

By Caroline Haskins | MOTHERBOARD

A lethal heat wave is plaguing parts of Europe, and it’s so intense that meteorologists are calling it „Lucifer.“ The heat wave is fuelling wildfires, shutting down tourist attractions, and being blamed for causing heart attacks. But as if that isn’t enough, Romanians also have to worry about Lucifer fueling wasp and bee attacks.

According to local Romanian news sources, seven people swimming in a river were rushed to the hospital this week after being attacked by what eyewitnesses claim were wasps. Three victims reportedly went into anaphylactic shock, and one of them later died.

Local sources claim that dozens of other attacks have taken place over the past couple of weeks, including a severe attack on a 19-year-old.

„Climate change is going to really bring out some honey bee and social wasp populations in a big way,“ Lynn Kimsey, a professor of entomology at the University of California, Davis, told me in a phone call. „They’re going to be more active, and probably more aggressive, because it’s hot.“

read more

Homöopathie wirkt, aber …

Stoffe für homöopathische Mittel. Viele Patienten erleben die Homöopathie als hilfreich. Es sind aber nicht die Arzneimittel selbst, die wirken. (Foto: Getty Images)
… Globuli nicht. Täten sie es, wäre das schiere Zauberei. Deshalb fordern einige Politikerinnen, sie nicht mehr in Apotheken zu verkaufen. Aber nicht nur Homöopathen, sondern auch Mediziner sollten umdenken.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Was in der Apotheke verkauft wird, gilt als wirksam. Deshalb haben homöopathische Arzneimittel dort nichts verloren, sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil. „Der ausschließliche Verkauf in Apotheken erweckt den Anschein, es handle sich um wissenschaftlich anerkannte Alternativen zu Medikamenten der Schulmedizin“, so die Verbraucherschutzbeauftragte ihrer Fraktion Für die meisten dieser Präparate, so Heil, liege aber kein Wirksamkeitsnachweis vor.

Auch die SPD-Abgeordnete Sabine Dittmar vermisst diesen Nachweis. Da aber Patienten, die Homöopathika wünschen, ein medizinisches Problem haben, sollten sie über solche Mittel mit einem Apotheker sprechen, der sie dann beraten kann, sagte sie der Deutschen Apothekerzeitung. Solche Gespräche wären bei einem Verkauf der Mittel etwa in einer Drogerie aber nicht gewährleistet. Ähnlich sehen es die Abgeordneten Kordula Schulz-Asche (Grüne) und Kathrin Vogler von der Fraktion der Linken.

weiterlesen

Durchbruch bei der Xenotransplantation von Organen?

Bild: JP/CC BY-2.0
Mit Gene Editing und Klonen konnten Wissenschaftler aus den Zellen von Schweinen die Gene von möglicherweise für Organempfänger gefährlichen Retroviren entfernen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wissenschaftlern ist mit der Genschere CRISPR-Cas9 womöglich ein Durchbruch gelungen, um Ersatzorgane von Menschen aus Schweinen gewinnen zu können. Schweine gelten als besonders geeignet, um aus ihnen Organe zur Xenotransplantation zu gewinnen, schon allein wegen der ähnlichen Größe. Allerdings gibt es ein großes Problem, weil es der menschliche Körper nicht nur fremde Organe abstößt, sondern weil es im Genom der Schweine zahlreiche endogene Retroviren (PERV) gibt, die bei einer Transplantation in die menschlichen Zellen einwandern und Zoonosen auslösen können. Es besteht das Risiko einer Immundefizienz und von Tumorbildung, allerdings ist ungewiss, wie hoch das Risiko wirklich ist oder ob es überhaupt vorliegt.

Mit der Genschere konnten George Church, Dong Niu und Kollegen, wie sie in Science berichten, die Gene der Retroviren aus dem Genom von Schweinezellen entfernt bzw. deaktiviert werden, allerdings nur in Zelllinien, nicht bei lebenden Schweinen.

Zunächst hatten die Wissenschaftler gezeigt, dass die Retroviren tatsächlich in menschliche Zellen eindringen, wenn die Zellen eines Schweines und eines Menschen zusammen kultiviert werden. Sie identifizierten 25 PERVs in den Fibroblasten von Schweinen und konnten mit CRISPR deren Gene im Genom deaktivieren. Mit einem zusätzlichen Faktor (p53-Inhibitor), der mit der Genreparatur zusammenhängt, konnten Zellen geklont und gezüchtet werden, die angeblich zu 100 Prozent frei von Retroviren waren. Wenn die Embryonen in Sauen implantiert wurden, waren die Ferkel PERV-frei. Manche der Ferkel lebten bis zur Niederschrift der Studie vier Monate nach der Geburt. Allerdings wurden 300 Embryonen verpflanzt, von denen 37 Ferkel entstanden, von denen wiederum nur 15 überlebten.

weiterlesen

Sekte in den USA verzeichnet Missbildungen durch Vielehe

Er ist der Anführer: Warren Jeffs (Archivfoto von 2007) ist wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist ein radikaler Ableger der Mormonen. Ihre Mitglieder zeugen durch die polygame Lebensweise vermehrt Kinder mit schweren Missbildungen.

Von Dirk Hautkapp | General Anzeiger

Der berühmte Zion Nationalpark liegt um die Ecke. Bis zum Grand Canyon ist es auch nicht weit. Aber was kann die Schönheit der Natur schon ausrichten, wenn Erdbewohner aus Frömmigkeit fortgesetzt Leid und Elend erzeugen? Diese Frage stellt sich im idyllischen Short Creek. Ärzte im Grenzgebiet der US-Bundesstaaten Utah und Arizona warnen vor einer Katastrophe. In den Reihen der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS), einer radikalen Abspaltung der Mormonen, häufen sich Fälle eines genetischen Defekts, der mit mit schweren Missbildungen und massiver geistiger Behinderung einhergeht.

Ursache der unheilbaren Erkrankung ist nach Überzeugung des Kinderarztes Theodore Tarby aus Phoenix Inzucht. In den unter Short Creek bekannten Städtchen Hildale und Colorado City, wo Vielehe und Zwangsverheiratungen von Minderjährigen das gesellschaftliche Leben bestimmen, ist unter den 7500 Einwohnern blutsverwandtschaftlich nahezu jeder auf die Sektengründer Joseph Smith Jessop und John Yates Barlow zurückzuverfolgen. Darum wird mit einem exponentiellen Anstieg der Krankheit gerechnet.

weiterlesen

Gender-Bias in der Diagnostik: Autismus könnte bei Mädchen unerkannt bleiben

foto: istockphoto.com/payamona
Autismus ist bei Buben häufiger als bei Mädchen. Neue Studien legen jedoch nahe, dass Mädchen die Krankheit lediglich besser verbergen

dieStandard.at

Buben leiden deutlich öfter an Autismus als Mädchen. Das ist eine weitverbreitete Annahme über die Entwicklungsstörung. In den USA etwa kommt auf vier Buben mit Autismus nur ein autistisches Mädchen. Diese Häufung der Krankheit bei Buben legt nahe, dass es genetische Faktoren gibt, aufgrund deren es für sie wahrscheinlicher ist, an Autismus zu erkranken. Das ist neuen Forschungen zufolge jedoch nur teilweise für das ungleiche Verhältnis verantwortlich. Denn zusätzlich dazu finden sich immer mehr Hinweise darauf, dass es in der Diagnostik der Erkrankung einen Gender-Bias gibt, der dazu führen könnte, dass Autismusspektrumsstörungen bei Mädchen erst später oder gar nicht diagnostiziert werden.

weiterlesen

Kohlekraftwerke als Nanopartikel-Schleudern

Bei der Kohleverbrennung entstehen offenbar seit Jahrzehnten unerkannt exotische Titansuboxid-Nanopartikel. © Danicek/ thinkstock
Beunruhigende Entdeckung: Bei der Verbrennung von Kohle werden offenbar große Mengen von zuvor unerkannten mineralischen Nanopartikeln frei. Forscher haben diese Titansuboxid-Partikel in Kohleasche und Sedimenten rund um Kohlekraftwerke und bei Laborversuchen zur Kohleverbrennung nachgewiesen. Ein erster Test legt nahe, dass diese exotischen Nanopartikel gesundheitsschädliche Wirkungen haben könnten. Weitere Studien dazu seien daher dringend nötig, so die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

scinexx

Rund 30 Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden heute aus der Verbrennung von Kohle gewonnen. Vor allem bei der Stromerzeugung und bei der Stahlherstellung ist die Kohle noch immer führend. Dies jedoch hat eine gleich zweifach negative Wirkung auf die Umwelt: Langfristig verstärkt das dabei freigesetzte Kohlendioxid den Treibhauseffekt. Kurzfristig setzt die Kohleverbrennung Ruß und anderem Feinstaubfrei, die Umwelt und die menschliche Gesundheit schädigen.

weiterlesen

Chronische Einsamkeit erhöht das Risiko eines vorzeitigen Todes stärker als Fettleibigkeit

Bild: David Hodgson/CC BY-2.0
Zunehmend mehr Menschen in den USA würden einsam oder isoliert leben, was deren Mortalität erhöht

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Auch in Zeiten Sozialer Netzwerke grassiert Einsamkeit. Man könnte auch einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung Sozialer Netzwerke und einer zunehmend versingelten Lebensweise der Menschen ziehen. Je mehr familiäre und soziale Bindungen, auch durch Telearbeit, schwinden, desto wichtiger werden mediale Netzwerke.

Die Psychologin Julianne Holt-Lunstadt von der Brigham Young University hat mit ihrem Team in einer Metastudie Untersuchungen zur chronischen Einsamkeit und sozialen Isolation in den USA ausgewertet, um die gesundheitlichen Folgen zu eruieren. Sie hält fest, wie sie auf dem Jahrestreffen der American Psychological Association (APA) in Washington sagte, wo sie die Studie vorstellte, dass die Amerikaner sozial zunehmend weniger verbunden seien und mehr Einsamkeit erfahren würden.

Mit Verweis auf die vom Verband American Association of Retired Persons (AAAR) veranlasste landesweite Umfrage über Einsamkeit der Menschen über 45 Jahre (2010) ist Einsamkeit bereits weit verbreitet. Als einsam wurden hier 35 Prozent eingestuft, das wären 43 Millionen. Ältere sind danach weniger einsam als jüngere, Verheiratete sind weniger einsam als Menschen, die niemals verheiratet waren, auch Reichere sind weniger einsam wie Ärmere. Nach der Statistikbehörde ist die Hälfte der Amerikaner nicht verheiratet, ein Viertel lebt alleine (Über die Hälfte der US-Amerikaner sind Singles).

weiterlesen

Frauen haben aktivere Gehirne

Männer und Frauen ticken doch anders: Das Gehirn von Frauen ist sowohl in Ruhe als auch beim lösen von Aufgaben aktiver als das der Männer, wie eine Studie enthüllt. Von 128 verglichenen Hirnregionen sind demnach bis zu 65 Areale bei den Frauen aktiver. Dazu gehören die Steuerzentrale im präfrontalen Cortex und das Emotionszentrum, während bei Männern Bereiche für das Sehen und die Koordination leicht aktiver waren.

scinexx

Ticken die Gehirne von Männern und Frauen wirklich anders? Über diese Frage wird seit Jahrzehnten diskutiert. Einerseits scheint es klare Unterschiede zu geben: Männer sind beispielsweise vergesslicher, dafür empfinden Frauen Stress und negative Gefühlestärker und neigen eher zu Depressionen. Andererseits unterscheiden sich die Gehirne beider Geschlechter strukturell weniger stark als landläufig angenommen – die Übergänge sind fließend.

weiterlesen

Flesh-Eating Sea Fleas Feast on Teen’s Feet at Australian Beach

It’s not shark jaws you have to be worried about, but microscopic pincers.

By Caroline Haskins | MOTHERBOARD

If you’re terrified of the ocean because of sharks, you should reconsider—the real thing you need to be afraid of is invisible.

As reported by Australian news outlet The Age, 16-year-old Sam Kanizay decided to cool off after a difficult football practice on Saturday night by taking a dip in the water at the Dendy Street Beach in southeastern Australia. When he came out, his legs were dripping with blood.

Sam Kanizay’s father, Jarrod Kanizay, told Australian news outlet news.com.au that his son didn’t know he was bleeding until he stepped out of the water.

„He went back to his shoes and what he found was blood on his legs. As soon as we wiped them down, they kept bleeding,“ he said. „There was a massive pool of blood on the floor [at the hospital].“

But the culprit wasn’t sharks, stingrays, or any of the usual suspects in marine attacks on humans.

 read more
Image: Wikimedia Commons

Hauttransplantation gegen Diabetes?

Ein genverändertes Hautstück könnte künftig gegen Krankheiten wie Diabetes Typ-2 oder Übergewicht helfen. © sciencestock/ thinkstock
Ungewöhnliche Therapie: Diabetes und Übergewicht könnten sich künftig durch eine verblüffend simple Methode behandeln lassen: durch das Einpflanzen eines kleinen, genveränderten Hautstücks. Bei Mäusen hat dies jetzt erstaunlich gut funktioniert. Trotz fettreicher Kost nahmen die Tiere weder zu, noch entwickelten sie Diabetes. Diese Methode könnte auch beim Menschen funktionieren und dann auch gegen andere Krankheiten eingesetzt werden, wie die Forscher erklären.

scinexx

Als Folge unserer Lebensweise werden Diabetes Typ-2 und Übergewicht bei uns immer häufiger. Durch falsches und zu reichliches Essen, Süßigkeiten am Abend, zuckerhaltige Limonaden und zu wenig Bewegung tragen schon ein Drittel der Weltbevölkerung zu viele Pfunde mit sich herum. Oft jedoch spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Bestimmte Genvarianten fördern das Risiko für Übergewicht und als Folge auch Diabetes.

weiterlesen

ADHS und die Suche nach dem Heiligen Gral

So stellen sich führende Psychiater, hier der MPI-Direktor Alon Chen, Forschung auf ihrem Gebiet vor: Standardisierte genetisch modifizierte Mäuse werden nochmals genetisch modifiziert und operiert, um ihre Nervenzellen in den Mandelkernen (Amygdalae) zu kontrollieren. Nach „traumatischen“ Erfahrungen durch Elektroschocks in die Füße werden Stressreaktionen untersucht. Das soll letztlich Aufschluss über Angst- und Posttraumatische Stressstörungen (PTSS) sowie Depressionen beim Menschen geben. Dabei sind die Labortiere noch nicht einmal für ihre eigene Spezies repräsentativ. Abbildung: Tali Wiesel, Weizmann Institute of Science (idw-Pressemitteilung)
Die Krise der molekularbiologischen Psychiatrie

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Im ersten Teil „30 Jahre Aufmerksamkeitsstörung ADHS“ diskutierten wir einige Auffälligkeiten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Beispielsweise schwankt deren Diagnosehäufigkeit zwischen den Ländern teils erheblich, selbst zwischen den Bundesländern in Deutschland. Auch das Geschlecht oder das Alter bei der Einschulung spielen eine Rolle. Wie wir sahen, gibt es die Störung in dieser Form erst seit 30 Jahren.

Da gegen Kritik an ihrem Konzept häufig auf Genetik und Erblichkeit verwiesen wird, endete Teil 1 mit einer Analyse von Erblichkeitsschätzungen und Zwillingsstudien. Entgegen der unter Fachleuten verbreiteten Meinung sagen diese wenig bis gar nichts über die genetische Determination von ADHS aus, sondern sind die Zahlen durch Umweltfaktoren beeinflusst. In diesem Teil wird es ausführlicher um die Rolle der Medikamente und Hirnforschung gehen und die Stigmatisierung der Betroffenen besprochen.

Alternativ müsste man zugeben, dass man Jahr für Jahr Forschung im Milliardenbereich bezahlt, vor allem mit Steuermitteln, die mit den falschen Methoden am falschen Ort sucht. Und dass etwa die hochdotierten Lehrstühle für Mäusegenetiker in der Psychiatrie, mit denen man zunehmend die Sozialpsychiatrie ersetzte, ein großer Irrtum waren und sind, den man jetzt nicht mehr so schnell loswird. Und dass junge Ärztinnen und Ärzte, die sich anschicken, „den Menschen zu helfen“, für die Praxis nutzloses Lehrbuchwissen über Gene und Gehirn pauken müssen.

Wer Schwierigkeiten mit diesen Gedanken hat oder sie für „Geschwafel eines Geisteswissenschaftlers“ hält (O-Ton Telepolis-Forum), dem seien zwei unabhängige Auffälligkeiten der molekularbiologischen Psychiatrie angeboten: Die erste gilt speziell für ADHS, lässt sich aber analog für andere Störungen nachweisen; die zweite gilt für alle Störungen zusammengenommen.

Erstens sollte man doch erwarten, dass es nach den im ersten Teil erwähnten rund 35.000 Publikationen zur ADHS Klarheit darüber gibt, wie die verschiedenen Therapien wirken. Das gilt insbesondere für die so oft verschriebenen Medikamente, wird doch verhaltensauffälligen Kindern schon seit achtzig Jahren Amphetamin (Speed) gegeben. Auch Methylphenidat (Ritalin® u.a.) wurde schon 1944 entdeckt, also vor über 70 Jahren.

In der Cochrane-Datenbank sind 2016 zwei umfangreiche (150 bzw. 779 Seiten) Analysen erschienen, die sich nach höchsten wissenschaftlichen Standards mit der Qualität der Studien zu Amphetamin beziehungsweise Methylphenidat auseinandersetzen und die Ergebnisse zu Nutzen und Risiken auswerten. Die Ergebnisse sind ernüchternd, wenn nicht gar gravierend:

Die Mehrheit der Studien unterliegt systematischen Verzerrungen (etwa durch finanzielle Interessenkonflikte) bei geringer oder nur sehr geringer Qualität (etwa durch unzureichende Kontrollen oder unvollständige Daten). Trotz alledem ergibt sich im Endeffekt bloß ein Nutzen, der es gerade so über die Schwelle der minimalen klinischen Relevanz schafft.

Dieser „Erfolg“ kommt mit dem Nachteil von Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Bauchschmerzen. Bei Methylphenidat treten diese 29% häufiger auf, nämlich bei 53% statt 41% der Kinder. Ferner waren die Studien in der Regel auf Kurzzeiteffekte angelegt, während die Medikamente häufig über Jahre hinweg verschrieben werden.

weiterlesen