Druck aus Brüssel: Schulze will Düngerecht verschärfen

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Im Kampf gegen zu viel Nitrat im Grundwasser verlangt die EU von Deutschland strengere Auflagen fürs Düngen. Die Landwirte protestieren, Umweltministerin Schulze will, dass das Düngerecht schnell verschärft wird.

tagesschau.de

Bei der Düngung ihrer Felder müssen die Bauern in Deutschland künftig mit strengeren Vorgaben rechnen. Die Verschärfung des Düngerechts, die die Bundesregierung in den vergangenen Wochen vorgelegt hatte, ist der EU-Kommission allerdings noch zu lasch. Weitere Änderungen seien notwendig, bestätigte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Die EU verlangt schon bis Ende März weitere Maßnahmen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dringt auf schnelles Handeln der Koalition.

„Sauberes Wasser ist hohes Gut“

Angesichts des erneuten Drucks aus Brüssel will Schulze, dass das Düngerecht schnell verschärft wird. Hintergrund ist die Nitratbelastung des Grundwassers. „Sauberes Wasser ist ein hohes Gut. Darum müssen wir dafür sorgen, dass die Überdüngung der Äcker aufhört“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Auch um teure Strafzahlungen an die EU zu vermeiden, muss die Bundesregierung das Düngerecht schnell weiter verbessern.“

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Drohende Masernwelle: Bundesregierung prüft Impfpflicht für Kinder

Masern sind hochansteckend und müssen schon bei Verdacht gemeldet werden. Foto: dpa
Angesichts einer drohenden Masernwelle in mehreren Regionen Deutschlands prüft die Große Koalition eine bundesweite Impfpflicht gegen die Virusinfektion. Das bestätigte SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Von Steven Geyer | Kölner Stadt-Anzeiger

Die FDP mahnt die Bundesregierung dabei zur Eile und fordert neben schnellen Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft eine gesetzliche Option für einen Impfzwang für Kinder.

Der SPD-Fraktionsvize für Gesundheitspolitik, Karl Lauterbach, betonte, dass seine Partei innerhalb der Koalition für eine Impfpflicht für Kinder eintrete, die sich auf Masern begrenzen solle. „Ich bin mit Gesundheitsminister Spahn im Gespräch darüber und bin zuversichtlich, dass wir demnächst einen entsprechenden Vorschlag vorlegen können“, sagte Lauterbach dem RND.

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Psychologe: Kirche lässt Kleriker mit Zölibatsproblemen allein

Bild: © ricardoreitmeyer/Fotolia.com (Symbolbild)
Joachim Reich berät Geistliche, die Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben. Er sagt, die Kirche lasse sie mit ihren Problemen allein. Schließlich hätten sie sich für die Priesterweihe entschieden, heißt es oft. Die Folgen seien dramatisch.

katholisch.de

Die katholische Kirche lässt Kleriker in Krisen mit dem Zölibat aus Sicht des Berliner Psychologen Joachim Reich allein. „Wenn einer ein Problem damit hat, wird das von der Kirche sofort individualisiert. Schließlich habe er sich für die Priesterweihe entschieden, nun solle er selber damit zurechtkommen, so die Haltung“, kritisierte Reich in der Schweizer „Sonntagszeitung“. Die Kirche übernehme „keine Verantwortung dafür, wie die Priester dieses Gelübde leben können“. Reich berät Kleriker, wenn sie Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben.

Sie könnten zwar „theoretisch in der Beichte über ihre Probleme mit der Sexualität sprechen, aber dort steht die Thematik sofort im Kontext von Schuld und Strafe“, betonte Reich. „Auch bei den geistlichen Begleitern hat man das Problem, dass sie keinerlei sexualtherapeutische Ausbildung haben.

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Die Schmerzen der Schwangeren sind nicht gut fürs Kind

Das Befinden einer werdenden Mutter hat Auswirkungen auf ihre Kind. (Carlos Barria, Reuters)
Nehmen schwangere Frauen häufig Schmerzmittel ein, steigt bei ihren Kindern das Risiko, an Asthma zu erkranken. Doch ist das offenbar nicht den Medikamenten zuzuschreiben, sondern den Schmerzen.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Seit 2013 sitzt Paracetamol auf der Anklagebank. Das Medikament wird weltweit als erste Wahl gegen Schmerzen in der Schwangerschaft angesehen und dementsprechend häufig verschrieben. Allerdings soll es bei den «mitbehandelten» Kindern später Sprachstörungen, das Zappelphilipp-Syndrom ADHS, Probleme mit der Grob- wie der Feinmotorik, einen Hodenhochstand und Asthma hervorrufen können. Zumindest haben epidemiologische Studien solche Zusammenhänge gefunden. Doch nun gibt ein englisch-schwedisches Forscherteam zumindest in puncto Asthma Entwarnung.

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Charlie-Hebdo-Anschlag: Einbruch der Gewalt

„Den Mann, der ich vor dem Anschlag war, gibt es nicht mehr“: Philippe Lançon Bild: Annette Hauschild
Der französische Journalist und Schriftsteller Philippe Lançon hat am 7. Januar 2015 in Paris das Attentat auf „Charlie Hebdo“ überlebt. Und er hat um sein Leben geschrieben: „Der Fetzen“ heißt sein beeindruckendes Buch.

Von Julia Encke | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Heldin dieses Buchs, das kein Roman und doch ergreifender, dichter und literarischer ist als so viele der neuen Romane dieses Frühjahrs, ist eine Frau. Chloé heißt sie oder, wie Philippe Lançon, dessen Leben von ihr abhängt, sie besitzergreifend nennt: „meine Chirurgin“. Eine energische junge Ärztin, ironisch, fast heiter inmitten des Desasters; eine „unvollkommene Fee“, die Emphase und Sentimentalität verabscheut und ihr Leben im OP verbringt.

Es ist der 6. Januar 2017 gegen zehn Uhr. Philippe Lançon sitzt Chloé im Sprechzimmer der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Pariser Salpêtrière gegenüber. Er kennt sie kaum, doch hat sie in seinem Leben eine übertriebene Bedeutung angenommen. Draußen ist ungefähr das gleiche Wetter wie damals vor zwei Jahren, grau und frisch, als er nach dem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Krankenwagen hierhergebracht wurde. Philippe Lançon hat überlebt. In den Sekunden nach dem Attentat, während er zwischen den toten Freunden und Kollegen lag, war es ihm gelungen, sein Handy aus der Jackentasche zu holen, das Passwort einzugeben und sich durch die Kontaktliste bis zu dem Namen seiner Mutter zu scrollen, die unter „Madre“ gespeichert war, als er sein Gesicht auf dem Display entdeckte.

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Darmkrebs durch zuckerhaltige Softdrinks?

Cola und andere zuckerhaltige Limonaden sind meist mit fructosehaltigem Maissirup gesüßt – doch fördert offenbar das Wachstum von Darmtumoren. © Yvan Dube/ iStock
Süßmacher mit fatalem Nebeneffekt: Schon ein gemäßigter Konsum zuckerhaltiger Limonaden könnte Darmkrebs fördern – und schuld ist der hohe Fructoseanteil. Mäuse, die täglich das Äquivalent einer Dose Limonade als Zuckerlösung bekamen, entwickelten schon nach wenigen Wochen deutlich größere und aggressivere Darmtumoren als Kontrolltiere ohne Zuckergabe, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Ihre Analysen enthüllten auch den Wirkmechanismus dahinter.

scinexx

Fruchtzucker galt lange als natürliche und gesunde Süße. Doch inzwischen ist die Fructose in Verruf geraten. Denn vor allem in Form des von der Lebensmittelindustrie vielverwendeten Maissirups hat der Zucker erhebliche Nebenwirkungen. Weil die Fructose besonders leicht in Fett umgewandelt wird, fördert sie Übergewicht und gilt als Hauptursache für die rasante Zunahme von Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen. Auch dem Herzen kann der Süßmacher schaden, wie Forscher kürzlich herausfanden.

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Facebook: Vier Arten von Impfgegnern trollen

Bild: 4ever.eu
Wer Impfgegner auf Facebook über einen Kamm schert, wird kaum gegen sie ankommen. Das zeigt eine Studie der University of Pittsburgh, die einen Online-Troll-Angriff gegen eine örtliche Kinderklinik genauer unter die Lupe genommen hat.

pressetext

Demnach sind Impfgegner zwar meist Mütter, dennoch gibt es aber vier grundverschiedene Typen. Um deren Bedenken zu zerstreuen, wäre es sinnvoll, in der Kommunikation mit ihnen auch wirklich auf ihre jeweiligen Vorbehalte einzugehen.

Skeptiker verstehen

Impfgegner auf sozialen Medien sind Spinner, die man nicht ernst nehmen kann – so sehen das viele. „Wenn wir jeden, der eine andere Meinung hat, einfach abtun, geben wir die Chance auf, ihn zu verstehen und einen gemeinsamen Nenner zu finden“, warnt hingegen Brian Primarck, Leiter des Center for Research on Media, Technology, and Health https://crmth.pitt.edu . Daher hat sich ein Team am Zentrum eine Trollkampagne aus dem Jahr 2017 näher angesehen, bei der Impfgegner ein Facebook-Video der Klinik Kids Plus Pediatrics https://kidspluspgh.com zur HPV-Impfung mit tausenden impfkritischen Kommentaren bombardiert hatten.

Dabei hat das Team die Profile 197 zufällig ausgewählter Kommentatoren genauer analysiert. Obwohl es sich um eine Klinik handelt, die nur den Raum Pittsburgh bedient, haben die Forscher allein in dieser Auswahl User aus 36 US-Bundesstaaten sowie acht Ländern gefunden. Die Mehrheit der Imfgegner auf Facebook sind demnach Mütter. Soweit das Team politische Einstellungen ermitteln konnte, waren 56 Prozent der Kommentatoren Trump-Anhänger. An zweiter Stelle (elf Prozent) kamen jedoch Unterstützer des gerade für US-Verhältnisse weit links stehenden Bernie Sanders. Schon das legt nahe, dass Impfkritiker eine eher diverse Gruppe sind.

Mehr als nur Autismus

Auch die oft als ein Hauptargument von Impfgegnern dargestellte Sorge, Impfungen würden Erkrankungen wie Autismus auslösen, ist laut der Analyse nicht allgemein gültig. Vielmehr sind Personen, die Bedenken zur „Sicherheit“ von Impfungen haben, nur einer von vier wichtigen Subtypen. Anderen fehlt „Vertrauen“ – einerseits in die Wissenschaft und andererseits in persönliche Freiheiten oder sie bevorzugen „Alternativen“ wie Homöopathie. Letztlich gibt es noch die echten Verschwörungstheoretiker, die beispielsweise glauben, die Regierung würde verheimlichen, dass das Polio-Virus gar nicht existiert.

Es scheint also nicht sinnvoll, Impfgegner mit allgemeinen Botschaften zu begegnen, warnt Studien-Erstautorin Beth Hoffman. „Jemandem aus der ‚Vertrauen‘-Gruppe zu sagen, dass Impfungen keinen Autismus auslösen, könnte sie beispielsweise entfremden, da das gar nicht ihre Sorge ist“, erklärt sie. Um Impfgegnern auf sozialen Medien zu begegnen, wäre es sinnvoller, den Skeptiker-Gruppen mit jeweils auf sie zugeschnittenen Botschaften zu begegnen. Bei Personen, denen das Vertrauen mangelt, könnte es beispielsweise sinnvoll sein, auf die Sorge einzugehen, dass Pflichtimpfungen ihre Entscheidungsfreiheit bezüglich des Kindes einschränken.

«Hochpotente» Cannabis-Sorten bergen ein besonderes Risiko für die Gesundheit

Cannabis wird auf verschiedene Eigenschaften gezüchtet, im Bild Indoor-Anbau von THC-armem Pflanzen. (Bild: Christian Beutler/Keystone)
Forscher haben berechnet, dass 12 Prozent der psychotischen Erkrankungen verhindert werden könnten, wenn Cannabisprodukte mit einem hohen THC-Gehalt aus dem Verkehr gezogen würden. In Amsterdam wären es sogar 50 Prozent.

Lena Stallmach | Neue Zürcher Zeitung

Während in vielen Ländern darüber diskutiert wird, Cannabis zu legalisieren, versuchen Wissenschafter weiterhin die gesundheitlichen Risiken auszumachen. Dabei weisen immer mehr Studien in die Richtung, dass Cannabis eine Psychose auslösen kann, besonders bei Menschen, die aus familiären oder genetischen Gründen anfällig dafür sind. Nun haben Forscher untersucht, inwiefern unterschiedliches Konsumverhalten das Erkrankungsrisiko beeinflusst.
Grosse Unterschiede im THC-Gehalt

Die Forscher unter der Leitung von Marta Di Forti vom King’s College London hatten in ihrer Studie an elf verschiedenen Orten in Europa und Brasilien Daten erhoben. Sie verglichen den Cannabis-Konsum einer Gruppe von 900 Patienten zwischen 18 und 64 Jahren, die erstmals in ihrem Leben an einer Psychose erkrankt waren, mit demjenigen einer gesunden Kontrollgruppe, die bezüglich Alter, Geschlecht und anderer Merkmale der Patientengruppe sehr ähnlich war. Aus ihren Daten berechneten sie Folgendes:

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Kann man Parkinson riechen? Patienten verströmen offenbar einen charakteristischen Körpergeruch

Diagnose per Nase: Ist das auch bei Parkinson möglich? © Vladimir Floyd/ istock
Diagnose per Nase: Die neurodegenerative Erkrankung Parkinson lässt sich möglicherweise erschnüffeln. Wie Untersuchungen zeigen, besitzt der Hauttalg von Patienten einen charakteristischen Geruch. Demnach kommen bestimmte Duftstoffe auf der Haut von Kranken in anderen Konzentrationen vor als bei Gesunden. Diese Tatsache könnte sich in Zukunft vielleicht zur Früherkennung nutzen lassen.

scinexx

Antike Mediziner wie Hippokrates und Galen verließen sich mitunter auf ihre Nase, um zu erkennen, was ihren Patienten fehlte. Sie meinten, Krankheiten riechen zu können. Heute spielt diese Diagnosemethode zwar kaum eine Rolle mehr. Trotzdem weiß man: Manche Leiden sind tatsächlich mit einem charakteristischen Geruch verbunden. So können speziell trainierte Hunde beispielsweise bestimmte Krebsarten sowie Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes erschnüffeln und ihre Besitzer vor einer gefährlichen Über- oder Unterzuckerung warnen.

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Medizin in NRW: Antibiotika-Forschung hält mit Entwicklung der Keime nicht mit

Die Entwicklung der Antibiotika kann laut Gesundheitsexperten nicht mit multiresistenten Keimen mithalten. Foto: Daniel Karmann/dpa

 

Weltraum-Flug aktiviert schlafende Viren – Nachweis infektiöser Herpesviren bei der Hälfte aller NASA-Astronauten

Der Aufenthalt im All fördert die Reaktivierung latenter Herpesviren bei Astronauten. © NASA
Infektiöse Nachwirkung: Ein Aufenthalt im Weltraum kann schlafende Herpesviren reaktivieren – und die Träger hochinfektiös machen. Bei mehr als der Hälfte aller Astronauten, die auf Space-Shuttle-Missionen oder der Internationalen Raumstation ISS waren, haben Forscher nach der Rückkehr reaktivierte Herpesviren nachgewiesen, darunter Epstein-Barr und Windpockenviren. Zwar blieb dies meist symptomlos, doch gerade für längere Missionen berge dies ein erhebliches Gesundheitsrisiko, so die Wissenschaftler.

scinexx

Astronauten haben es nicht leicht: Die extremen G-Kräfte beim Start, die Schwerelosigkeit, dazu die Belastung durch kosmische Strahlung – all dies ist für den Körper eine enorme Belastung. Dazu kommen noch die Trennung von Freunden und Angehörigen und ein stressiger Job. Die Folgen davon bleiben nicht aus: Neben dem Muskel- und Knochenschwund drohen Schäden am Herz-Kreislauf-System, Fieber und noch dazu Veränderungen des Gehirns und sogar Hirnschwund, wie Studien zeigen.

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Kölner Enthüllungsjournalist: Ausstrahlung von „Team Wallraff“ sollte verhindert werden

Günter Wallraff im Interview mit einer Pflegerin Foto: TV Now
„Es ist bisher noch nie in dieser Massivität versucht worden, die Sendung im vorhinein zu verhindern. Aber wir senden – jetzt erst recht!“ Das sagt der Kölner Enthüllungsjournalist Günter Wallraff (76) über die neueste Ausgabe seiner Sendung „Team Wallraff“.

Kölner Stadt-Anzeiger

Missstände in psychiatrischen Einrichtungen

Dafür gingen die Journalisten Hinweisen von Zuschauern und ehemaligen Patienten auf untragbare Zustände in psychiatrischen Einrichtungen nach. Und tatsächlich: Bei ihren mehr als einjährigen Undercover-Recherchen erleben Reporter in mehreren Häusern zum Teil haarsträubende Missstände bei der Betreuung und Behandlung von Bewohnern.

Die Einsätze führen die Reporter u. a. nach Frankfurt (Psychiatrie im Klinikum Frankfurt Höchst), Stuttgart (Furtbach-Krankenhaus), Berlin (Vivantes Klinikum Spandau) und in die Eifel (Case Projekt, Jugendhilfeeinrichtung in Wanderath).

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Steiner-Schulen geben keine Impfempfehlung aus

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

In einer Rudolf-Steiner-Schule in Biel grassieren die Masern. Das hat unter anderem mit der anthroposophischen Ideologie zu tun.

Von Andrea Kučera | NZZamSonntag

74 Personen haben sich laut Angaben des Bundesamtes für Gesundheit in der Schweiz seit Anfang 2019 mit Masern infiziert. Das ist eine Versechsfachung der Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 37 Ausbrüche entfallen auf den Kanton Bern, wobei die Hälfte der bernischen Fälle auf die Rudolf-Steiner-Schule in Biel zurückgeht.

Das ist kein Zufall: Die anthroposophische Lehre, auf die sich die Steinerschulen berufen, ist generell impfkritisch. «Aufmerksame Eltern erleben gerade bei den Masern oft eine tiefgreifende Reifung ihres Kindes», steht auf dem «Merkblatt Masern», das auf der Website der Anthroposophischen Gesellschaft Schweiz verlinkt ist. Und weiter: «Durch das Fieber überwindet das Kind nicht nur die Maserninfektion, sondern individualisiert dabei seinen Organismus.» Die Frage, wie man zu diesen Aussagen stehe, lässt Vanessa Pohl vom Verband Rudolf-Steiner-Schulen Schweiz unbeantwortet.

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Die Weltmeere schwächeln nicht bei der Aufnahme von Kohlendioxid

Mit einer Messrosette erfassten die Forscher Eigenschaften des Meerwassers. Daraus berechneten sie die CO2-Aufnahme. (Bild: Nicolas Gruber / ETH Zürich)
Mit einer Messrosette erfassten die Forscher Eigenschaften des Meerwassers. Daraus berechneten sie die CO2-Aufnahme. (Bild: Nicolas Gruber / ETH Zürich)

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Jahr für Jahr steigt der Anteil des Treibhausgases Kohlendioxid in der Luft aufgrund von Emissionen durch den Menschen an. Der Gehalt hat seit Beginn der Industrialisierung schon um mehr als 45 Prozent zugenommen. Hätten die Ozeane nicht im ganzen Zeitraum massenhaft Kohlendioxid (CO2) aufgenommen, wäre der Anstieg sogar noch viel stärker ausgefallen. 

Mit kletternder Temperatur, so befürchten Klimaforscher, könnte die Fähigkeit der Ozeane, CO2 zu speichern, in Zukunft zurückgehen. Bis anhin macht sich dieser Effekt aber noch kaum bemerkbar. Vielmehr ist die CO2-Aufnahme durch das Meerwasser im gleichen Masse gestiegen wie der menschengemachte Ausstoss. Das berichtet jetzt ein Team um Nicolas Gruber von der ETH Zürich im Wissenschaftsmagazin «Science».

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Brustkrebs: Stress fördert Metastasen – Cortisol aktiviert wachstums- und metastasierungsfördernde Prozesse in Tumorzellen

Dockt das Stresshormon Cortisol an einer Brustkrebszelle an, aktiviert dies Prozesse, die eine Metastasenbildung fördern. © NCI

Fatale Zwickmühle: Brustkrebs erzeugt bei den betroffenen Frauen starken Stress, doch gerade dies kann das Krebswachstum und Metastasen fördern. Denn die Stresshormone aktivieren Prozesse in den Tumorzellen, die ihre Ausbreitung und Ansiedlung in entfernten Körperteilen begünstigt, wie nun Forscher herausgefunden haben. Ihre Studie enthüllte zudem, dass das oft gegen Nebenwirkungen verabreichte Cortisolpräparat Dexamethason die Wirksamkeit der Chemotherapie herabsetzen kann.

scinexx

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Wegen seiner Aggressivität besonders gefürchtet ist dabei der sogenannte dreifach negative Brustkrebs, dessen Zellen untereinander sehr heterogen sind – was ihre Bekämpfung erschwert. Diese Krebsart ist daher oft resistent gegen Standardtherapien und bildet häufig Metastasen. „Eine besseres Verständnis der zellulären und molekularen Prozesse hinter dieser Heterogenität und der Metastasierung ist daher entscheidend für eine bessere Therapie“, erklären Milan Obradovic von der Universität Basel und sein Team.

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Das erste Mittelohr aus dem 3D-Drucker

Ein 3D-Drucker formt ein vorher am Computer entworfenes Objekt. Bild: dpa

Ist das die Antwort auf Gehörverlust? Das meinen zumindest südafrikanische Forscher. Sie haben das erste Mal eine Mittelohr-Prothese transplantiert, die in einem 3D-Drucker hergestellt wurde. Sie wollen selbst Neugeborene heilen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ärzte in Südafrika haben Medizingeschichte geschrieben: Wie die Universität von Pretoria am Donnerstag mitteilte, sei es einem Ärzteteam erstmalig gelungen, ein Mittelohr aus dem 3D-Drucker zu transplantieren. „Die 3D-Technologie erlaubt es uns, Dinge zu tun, die wir zuvor nie für möglich gehalten hätten“, sagte der zuständige Arzt, Professor Mashudu Tshifularo.

Der Spezialist für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde betrachtet die neue Heilungsmethode als „Antwort“ auf Gehörverlust, gleich ob dieser angeboren oder auf eine Infektion, eine Verletzung oder eine Stoffwechselerkrankung zurückzuführen ist. Selbst Neugeborene könnten durch die eingesetzte Mittelohr-Prothese aus Titan geheilt werden, so der Arzt. „Wir verwenden ein Endoskop, so dass die Transplantation schnell und mit minimaler Narbenbildung einhergeht.“ Ersetzt würden ausschließlich die nicht funktionierenden Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel.

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Uno-Umweltbericht: «Entweder wir verbessern den Umweltschutz drastisch, oder Millionen von Menschen werden bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben»

Um die Umwelt des Planeten Erde steht es einem Uno-Bericht zufolge so schlecht, dass die Gesundheit der Menschen zunehmend bedroht wird.

Neue Zürcher Zeitung

«Entweder wir verbessern den Umweltschutz drastisch, oder Millionen von Menschen werden in Städten und Regionen in Asien, dem Nahen Osten und in Afrika bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben», heisst es in einer am Mittwoch in Nairobi veröffentlichten Studie der Vereinten Nationen.

Der Bericht nennt dafür etliche Beispiele: Etwa würden bis 2050 voraussichtlich gegen Antibiotika resistente Infektionen weltweit die grösste Todesursache sein. Um dies zu vermeiden, müssten viel mehr Menschen Zugang zu günstigen Technologien zur Abwasserreinigung bekommen. Die Nutzung von Antibiotika müsse bei Menschen und in der Landwirtschaft viel stärker kontrolliert werden.

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Lichtnahrung: Mann (22) hungert sich auf Karibik-Insel zu Tode

Bild: TAG24

Ein deutscher Staatsbürger ist vermutlich aufgrund des Glaubens an ein esoterisches Konzept namens „Lichtnahrung“ gestorben.

TAG24

Die Lehre gibt es schon lange. Nach über 20 Jahren ohne größere Vorfälle starb offenbar ein Hamburger an den Folgen der umstrittenen Fasten-Lehre.

Bei der Idee der „Lichtnahrung“ handelt es sich um eine esoterische Weltanschauung, wonach Menschen angeblich erlernen können, sich von Lichtenergie zu ernähren und auf Lebensmittel verzichten zu können. Ihre Anhänger organisieren sich unter anderem über Workshops und Kongresse.

Der gebürtige Hamburger Finn B. starb Ende 2017 im Alter von 22 Jahren auf der Karibik-Insel Dominica, wie Recherchen des NDR ergeben haben.

Die oberste Staatsanwältin des Inselstaates bestätigte, dass der Mann vorher gefastet habe und dass dies die wahrscheinliche Todesursache sei. Die Todesursache muss noch offiziell in einem Gerichtsverfahren festgestellt werden.

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Missbrauch: Studie vermutet Dunkelfeld mit bis zu 144.000 Opfern – Autor selbst weist auf Problem der kleinen Stichprobe hin

Bild: © Thomas – stock.adobe.com

Bereits die von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebene MHG-Studie vermutete eine hohe Dunkelziffer bei den Missbrauchsopfern durch Geistliche. Ulmer Wissenschaftler nennen nun konkrete Zahlen. Doch die sind problematisch.

katholisch.de

Eine Studie des Ulmer Kinderpsychiaters Jörg Fegert geht von einer großen Zahl bislang nicht bekannter Missbrauchsfälle im kirchlichen Raum aus. Das Dunkelfeld liege sowohl für die katholische als auch für die evangelische Kirche in Deutschland bei geschätzten 114.000 Missbrauchsopfern, wie die Universität am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Zuerst hatte die Tageszeitung „Die Welt“ über die Untersuchung berichtet, die demnächst in der Fachzeitschrift „Journal of Child Sexual Abuse“ erscheinen soll.

Eine von den katholischen Bischöfen in Auftrag gegebene Untersuchung hatte aufgrund von Aktenstudien eine Zahl von 3.677 Betroffenen ermittelt. Demnach gab es zwischen 1946 und 2014 in Deutschland mindestens 1.670 Beschuldigte sexueller Übergriffe, darunter mehrheitlich Priester.

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Nils Binnberg über zwanghaftes Essen: „Vegan-Sein erschien mir wie der Weg zur Unsterblichkeit“

In Supermärkten fühlte Nils Binnberg sich von der Auswahl unter Druck gesetzt.Foto: imago/Panthermedia

In Berlin wird Ernährung wie Religion behandelt. Er hat alles probiert. Autor Nils Binnberg wollte gesund essen – und wurde darüber krank.

Von Deike Diening | DER TAGESSPIEGEL

Herr Binnberg, was haben Sie heute gegessen?
Eine Pizza mit Büffelmozzarella und Kirschtomaten. Zum Frühstück gab es Amaranth-Poppies mit Beeren und Hafermilch.

Hört sich gesund an. Zu welchem Food-Trend gehört das?

Zu gar keinem, mein Essen hat kein Label mehr, das ist eine große Befreiung. Ich esse Amaranth jetzt nicht mehr, weil es kein Gluten hat, sondern weil ich das nussige Aroma mag. Acht Jahre lang bin ich allen möglichen Ernährungstrends gefolgt, bis ich in dem Versuch, möglichst gesund zu essen, krank geworden bin: Orthorexia nervosa.

Sie sagen, Sie seien am Ende 20 Ernährungslehren gleichzeitig gefolgt. Widersprechen sich die nicht?
Doch, man muss das nur nacheinander machen. Bei mir fing es an mit Low-Carb, darüber kam ich zur Paleo-Diät, das ist die Steinzeit-Diät mit viel Fleisch, tierischen Produkten, Eiern und Fisch. Dann landete ich irgendwann bei vegan, der rein pflanzlichen Ernährung. Das war für mich die Königsklasse. Es war die reine Lehre, „clean eating“, was bedeutet, dass man keine industriell verarbeiteten Lebensmittel zu sich nimmt und nichts, das mehr als fünf Zutaten hat. Vegan-Sein erschien mir wie der Weg zur Unsterblichkeit. Ernährungslehren haben ja auch etwas extrem Religiöses. Selbst in säkularisierten Gesellschaften sehnen wir uns nach Gemeinschaft und Identität. Ernährung formt unsere Identität. Und sobald man sich einer Lehre verschreibt, missioniert man ja auch andere.

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