Psychiatrie in Polen: „Den Opfern eine Stimme geben“

Die Journalistin Justyna Kopinska. Foto: Jakub Plesniarsk
Die soeben preisgekrönte Journalistin Justyna Kopinska prangert polnische Psychiatrien an.

Von Philipp Fritz | Frankfurter Rundschau

Frau Kopinska, wie ist die Situation in psychiatrischen Kliniken in Ihrem Heimatland Polen?

Ich möchte nicht verallgemeinern, aber in vielen Kliniken sind die Zustände weder für die Patienten noch für die Mitarbeiter gut. Das liegt daran, dass die Häuser unterfinanziert sind und viele Ärzte sich nicht die nötige Zeit nehmen, Bedürftige ernsthaft zu therapieren. Es geht lediglich um Schadensbegrenzung. Meine Arbeitsmethode ist die folgende: Dadurch, dass ich das extremste Beispiel zeige, möchte ich Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren in geschlossenen Einrichtungen lenken, das heißt, in psychiatrischen Krankenhäusern, Kinderheimen oder Gefängnissen.

Was ist das für ein extremes Beispiel? Und was hebt geschlossene von offenen Einrichtungen ab?

Offene Einrichtungen geben die Möglichkeit des Kontakts mit Menschen von außerhalb. Geschlossene hingegen, wie der Name schon sagt, sind von der Gesellschaft isoliert. Es gibt viele großartige Ärzte und Betreuer in geschlossenen Einrichtungen. Aber wenn eine wenig empathische Person Arzt oder Stationshilfe in einem psychiatrischen Krankenhaus wird, erlangt sie so beinahe uneingeschränkte Macht. Das ist gefährlich für die Ruhe und die Sicherheit der Patienten.

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Die Stunde der Irren

Die jüngsten Anschläge haben immer weniger mit dem Islam und immer mehr mit psychischer Krankheit zu tun.

Von Peter Michael Lingens | profil.at

„Wegen euch bin ich gemobbt worden. Jetzt musste ich eine Waffe kaufen, um euch alle abzuknallen. Ich war in stationärer Behandlung.“ Das ist die Quintessenz des Gespräches, das jener 18 jährige Deutsch-Iraner, der nach menschlichem Ermessen in München zehn Menschen und dann sich selbst erschoss, mit einem Mann führte, der ihn vom Schießen abhalten wollte.

Ein psychisch offenkundig Schwerkranker vermochte eine Millionenstadt für Stunden lahm zu legen – uns es wird nicht die letzte Stadt sein.

Nach allem, was bisher bekannt ist, hat diese Tat überhaupt nichts mit dem Islam zu tun. Und selbst wenn sich herausstellen sollte, dass auch dieser Täter irgendwann ein Video des IS angeschaut hat, wäre der Zusammenhang ein sekundärer.

Hier brechen sich Aggressionen Bahn, die höchstens am Rande mit Religion wohl aber mit den verschiedensten psychischen Störungen verbunden sind.

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Wechseljahre sind Lebensphase und keine Krankheit

Sie wurden gepriesen, verteufelt, teilweise wieder rehabilitiert: Noch immer scheuen sich viele Frauen vor Hormonen in der Lebensmitte. Experten streiten über Vor- und Nachteile.

Von Juliette Irmer  | Spektrum.de

Frauen in den 1990er Jahren hatten es in den Wechseljahren leicht: Bei der ersten Hitzewallung gingen sie zum Frauenarzt und bekamen Hormone verschrieben. Kein Zaudern, kein Zweifeln, sondern die Zuversicht, von nun an gesünder und angenehmer durch diese Lebensphase zu gehen. Hormone versprachen glatte Haut, volles Haar, guten Schlaf, keine Hitzewallungen und ein geringeres Risiko für Herzinfarkt, Alzheimer und Knochenschwund. „Ab 40 haben viele Frauen aktiv danach gefragt“, erinnert sich Antje Huster-Sinemillioglu, niedergelassene Frauenärztin in Dortmund und Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF). Kein Wunder also, dass Hormone damals zu den meistverkauften Medikamenten gehörten.

2002 wendete sich das Blatt radikal. Damals wurden die Ergebnisse der „Women’s Health Initiative“ (WHI)-Studie bekannt: Die Hormonersatztherapie erhöhe das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombose. So sehr, dass die Studie mit mehr als 16 000 Teilnehmerinnen nach fünf Jahren vorzeitig abgebrochen wurde. Die anschließende öffentliche Diskussion hatte drastische Folgen: Frauen brachen die Therapie ab, die Hormonverschreibungen gingen je nach Land um 50 bis 70 Prozent zurück, die Therapie-Leitlinien für Frauenärzte wurden weltweit geändert.

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„1000 Kreuze“: Die lebenden Retros marschieren in Salzburg

1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin
1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin
Am Sonntagnachmittag werden in Salzburg AbtreibungsgegnerInnen und BefürworterInnen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch aufeinandertreffen.

dieStandard.at

Anlass ist der jährlich stattfindende „Gebetszug“ 1000 Kreuze für das Leben, der von Euro Pro Life und Human Life International (HLI) organisiert wird. An dem Gebetszug, bei dem weiße Kreuze durch die Salzburger Innenstadt getragen werden, nehmen auch KirchenvertreterInnen teil. In den letzten Jahren beteiligte sich der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der in der Vergangenheit mit homophoben Äußerungen aufgefallen war, maßgeblich. Vor zwei Jahren wurde der Marsch noch von Laun persönlich angeführt.

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Kontroversen um Reiki im katholischen Krankenhaus

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Alternative medizinische Methoden wie Reiki werden vermehrt im öffentlichen Gesundheitswesen eingesetzt. Sechs erfahrene Reiki-Therapeuten arbeiten seit einigen Jahren an einem berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus in Berlin mit und wollen durch spezielle Entspannungstechniken und energetische Behandlungen die Heilung der Patienten unterstützen (MD der EZW 8/2012, 301f).

Von Dr. Michael Utsch | Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen

In der Zeitschrift eines katholischen Ärzteverbands wurde darauf hingewiesen, dass die weltanschauliche Basis von Reiki sich von anderen Glaubenssystemen unterscheide und deshalb die Anwendung bei manchen Patienten spirituelle Konflikte hervorrufen (Maria Arvonio: Cultural competency, autonomy, and spiritual conflicts related to Reiki/CAM therapies: Should patients be informed? The Lineare Quarterly 81/2014, 47-56). Die Autorin zeigt in ihrem Aufsatz die ethischen Konflikte auf, die bei Reiki-Anwendungen als einer säkularen, alternativmedizinischen Behandlungsmethode entstehen können, weil der weltanschauliche Hintergrund erheblich sei und meist nicht vermittelt werde. Aus Sicht dieser katholischen Krankenschwester können Reiki und weitere komplementäre und alternativmedizinische Verfahren (CAM) nicht in einem katholischen Krankenhaus angewendet werden, weil sie der katholischen Lehre widersprechen würden. Die Autorin, die als Pflegedienstleitung in einem katholischen Krankenhaus in New Jersey arbeitet, argumentiert mit den fachlichen Qualitätskriterien professioneller Krankenpflege. Durch diese Standards sollen Autonomie und die kulturellen sowie religiös-spirituellen Glaubensüberzeugungen des Patienten geschützt werden. Um Konflikte zu vermeiden, hat die Krankenschwester für ihr Haus ein Formblatt zur schriftlichen Einwilligungserklärung für alternativmedizinische Behandlungen entwickelt, auf dem der Name und Ausbildungsgrad des Behandlers sowie die Methode und der weltanschauliche Hintergrund der Behandlung festgehalten werden. Bestmögliche Transparenz ist auf dem undurchsichtigen Feld der Alternativmedizin hilfreich, um Konflikte zu vermeiden.

Maria Arvonio: Cultural competency, autonomy, and spiritual conflicts related to Reiki/CAM therapies: Should patients be informed? The Lineare Quarterly 81/2014, 47-56. Doi: 10.1179/2050854913Y.0000000007

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4034623/

Chernobyl Microbes Are Heading to the International Space Station

Image: NASA/JPL/Caltech.
Image: NASA/JPL/Caltech.
SpaceX and NASA are ready to send the next cargo resupply mission to the International Space Station, which contains over 250 different research investigations that the space station crew will carry out over the next few months. Tucked in among the various experiments are several strains of fungi straight from the world’s worst nuclear disaster: Chernobyl.

By Amy Thompson | MOTHERBOARD

Thirty years ago, on April 26, 1986, technicians at Chernobyl’s infamous reactor number four were conducting routine systems testing when the reactor was struck by an unexpected power surge. This lead to a chain of events that ultimately caused a complete meltdown, which blanketed the surrounding area in harmful radiation.

As a result, the Chernobyl nuclear disaster turned the area into a barren wasteland. During the incident, scientists estimate that the power plant released as much radioactive material into the environment as 400 atomic bombs, like the one that devastated Hiroshima, Japan.

Three decades later we are still witnessing the damaging effects of radiation exposure in local wildlife, plantlife, and residents of neighboring areas. However, among all the devastation, scientists are starting to see a glimmer of hope.

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A Judge Is Forcing These Antivaxxer Parents to Take Their Kids to a Doctor

Image: Prayers for Ezekiel/Facebook
Image: Prayers for Ezekiel/Facebook
An antivaxxer Canadian couple that was convicted after the death of their son from meningitis has been released on bail, but with some unusual requirements.

By Kaleigh Rogers | MOTHERBOARD

The parents must take their three other children to a medical doctor within two weeks, and follow whatever advice the doctor gives. It’s the latest twist in an ongoing battle over whether parents have the right to choose alternative care for their kids—even if it might put them at risk.

The story began back in 2012, when 18-month-old Ezekiel Stephan died after suffering from meningitis. His parents, David and Collet Stephan, are proponents of alternative medicine (David’s family owns a multi-million dollar company that sells natural remedies).

Rather than take him to a doctor, they consulted a naturopath and spent two weeks treating him with alternative remedies including hot pepper smoothies and echinacea tinctures.

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Angeklagter räumt Streit mit Christen ein

islam_christentum

Der Angriff auf einen zum Christentum konvertierten Flüchtling hat am Donnerstag erneut das Hamburger Landgericht beschäftigt. Angeklagt wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ist ein Asylbewerber aus Afghanistan. Mit einem Schlagstock soll er den Flüchtling aus dem Iran schwer verletzt haben.

NDR.de

Im Prozess am Donnerstag räumte der Angeklagte die Schlägerei ein. Anlass sei eine abfällige Bemerkung über den Propheten Mohammed und den Koran gewesen, sagte er vor der Jugendstrafkammer am Hamburger Landgericht. Er selbst habe sich aber nicht angegriffen gefühlt. „Ich bin kein religiöser Mensch“, habe noch nie gefastet, sagte der Angeklagte, der sein Alter mit 19 Jahren angab. Zu Beginn des ersten Prozesses hatte er den Angriff bestritten.

Anklage lautet auf versuchten Totschlag

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Asylbewerber versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll am 18. Oktober vergangenen Jahres den damals 24 Jahre alten Iraner mit einem Teleskop-Schlagstock angegriffen und schwer verletzt haben. Die Tat hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen religiösen Hintergrund. Der Afghane soll über den Übertritt des Iraners zum Christentum empört gewesen sein.

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Crispr-Cas9: Das große Ziel heißt Genreparatur

Darstellung des Crispr-Cas9-Komplexes. Foto: imago/Science Photo Library
Forscher erwarten sich viel von der molekularen Schere Crispr-Cas9. Die Technik ist schnell und billig und könnte krankmachende Gene ausmerzen – doch es gibt auch ethische Bedenken.

Von Rainer Kurlemann | Frankfurter Rundschau

Ganz zu Beginn formulierte Peter Dabrock einen Satz, dem keiner der Experten in der folgenden Debatte widerspricht. „Die Welt unserer Kinder wird eine von Crispr-Cas9 geprägte Welt sein“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats bei der Begrüßung zur Jahrestagung des Gremiums in Berlin. Ein Satz mit großer Tragweite und dennoch erstaunlich, denn das neue Werkzeug aus dem Baukasten der Genforschung ist in der Bevölkerung heutzutage kaum bekannt. Hinter dem sperrigen Begriff Crispr-Cas9 verbirgt sich eine Art molekulare Schere, mit der einzelne Gene im Erbgut geschnitten und gezielt verändert werden können. Die Technik eignet sich für alle Lebewesen und hat weltweit die Labore der Mediziner, Pflanzenzüchter und Biotechnologen erobert.

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Mindestens zehn Prozent der Fußballprofis gedopt

© Picture-Alliance Wie sauber ist der Fußball wirklich?
Als junger Profi machte Lotfi El Bousidi harmlose Scherze über Doping im Fußball. Bis sein Körper nach einer Infusion verrückt spielte. Nun stellt seine wissenschaftliche Umfrage unter Spielern in Deutschland das Kontrollsystem in Frage.

Von Ronald Reng | Frankfurter Allgemeine

In seinen jungen Jahren als Fußballprofi war Doping für Lotfi El Bousidi ein guter Witz. Wenn ein angeschlagener Mitspieler in der Reservemannschaft des FSV Mainz 05 dank Medikamenten trotzdem spielte, scherzte nach der Partie gerne jemand in der Umkleidekabine: „Was hat der Doc dir denn gegeben, du warst ja heute ganz anders drauf.“ Und alle lachten.

Es war ein harmloser Scherz. Doping kümmerte sie ganz einfach nicht. Sie waren 19, 20 Jahre alte Jungs. Lotfi El Bousidi spielte mit der Mainzer Reserve in der dritten Liga, ein wacher Geist, feinfühlig am Ball. Marokko, der Heimatstaat seiner Eltern, berief den Mainzer Jungen in die Juniorennationalelf. Als es mit der ganz großen Karriere nicht klappte, nutzte er das Fußballtalent wenigstens für ein Abenteuer und heuerte 2008 beim FC Torrevieja in Spaniens dritter Division an. Einmal hatte er die Grippe, Fieber. Torreviejas Arzt legte ihm eine Infusion. Drei Tage später konnte El Bousidi ein Ligaspiel bestreiten, ohne Schwäche. Fünf Tage später fühlte er sich völlig erschöpft. Da stellte er sich zum ersten Mal Fragen.

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The Vibrator of the Future Won’t Vibrate

The Sqweel. GIF: Lux Alptraum/Lovehoney YouTube
In some ways, the rise of the vibrator is almost an accident of fate. A device designed for doctors tired of providing ”manual relief” to (read: jerking off) ladies supposedly suffering from hysteria, vibrators didn’t become popular because they were scientifically determined to be the best possible way to bring a woman to orgasm. They took off because they were available, they worked, and that was all anyone needed.

By Lux Alptraum | MOTHERBOARD

Companies are breaking away from the traditional vibratory format and exploring other forms of sexual stimulation

Even as masturbatory products began to move out of the shadows, becoming products explicitly designed for sex (rather than, say, “back massage”), manufacturers have stuck with vibration as the primary mode of stimulation because, well, if it ain’t broke, don’t fix it. Based on conversations with sex toy manufacturers, it’s become clear to me that sex toys aren’t a profitable enough enterprise for extensive R&D to actually make sense, so most companies prefer to make subtle improvements to the existing format rather than come up with something entirely new.

But as the market becomes increasingly crowded, the old “just like that toy you like, but slightly different!” pitch is a much harder sell. And as a result, more and more companies are breaking away from the traditional vibratory format and exploring other forms of sexual stimulation. It remains to be seen whether any of these products end up supplanting the vibrator. Old habits die hard, especially when those habits happen to be masturbatory, but here’s an overview of some of the different ways you might be getting yourself off in the coming years:

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Auf der Jagd nach der nächsten großen Seuche

Höchste Sicherheitsstufe im CDC: Spezialanzüge schützen vor den tödlichen Erregern Foto: picture alliance / dpa
Der Auftrag: Seuchen finden und bekämpfen. Das Budget: Milliardenschwer. Die Menschen: Cool und professionell. Zu Gast bei der mächtigste Seuchenschutzbehörde der Welt, im Center for Disease Control.

Von Katja Ridderbusch | DIE WELT

Ängste schürt Anne Schuchat nicht leichtfertig. Dafür ist sie zu sachlich, zu unaufgeregt, zu geerdet. Doch im Fall von Zika, jenem Virus, das von Mücken übertragen wird und schwere Schädelfehlbildungen bei ungeborenen Kindern auslösen kann, wählt sie deutliche Worte. „Zika ist gefährlich. Gefährlicher noch, als wir zunächst befürchtet haben.“

Schuchat ist Ärztin im Admiralsrang des National Health Service, des öffentlichen Gesundheitsdienstes der USA. Aber vor allem ist sie die mächtigste Seuchenjägerin der USA. Sie ist Vizechefin der amerikanischen Gesundheits- und Seuchenschutzbehörde, der Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC.

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Glyphosat-Gebrauch wird beschränkt

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Die EU hat den Gebrauch des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat beschränkt.

evangelisch.de

An bestimmten Orten wie Kinderspielplätzen muss die „Anwendung minimiert“ werden, erklärte die EU-Kommission am Montag in Brüssel. Daneben dürfen sogenannte POE-Tallowamine nicht mehr in Glyphosatprodukten enthalten sein, außerdem soll der Einsatz vor der Ernte genauer kontrolliert werden. Zuvor hatten sich die Vertreter der EU-Regierungen im zuständigen Ausschuss für Pflanzen, Landwirtschaft, Futtermittel und Lebensmittel auf die von der Kommission vorgeschlagenen Beschränkungen geeinigt.

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Fluchtpunkt Amok

„Shooting at Pulse Nightclub“, Polizeifoto. Gemeinfrei
Vom Amoklauf zum Terrorakt: Reflexionen zum Durchbruch der molekularen Form eines evident autodestruktiven Terrorismus. Zum Faschismus des 21. Jahrhunderts

Von Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Orlando war Mitte Juni Tatort des blutigsten Massakers, das in der jüngsten Geschichte der Vereinigten Staaten verübt worden ist. 49 Gäste des bei der LBGT-Community sehr beliebten Nachtclubs wurden von einem Amokläufer ermordet, der anscheinend ein Mitglied des Islamischen Staates war. Doch Omar Mateen, der 29-jährige Täter, bekannte sich zwar während des Massenmordes zum Islamischen Staat, ohne aber jemals – wie die CIA im Nachhinein ermittelte – direkten Kontakt mit der Terrororganisation gehabt zu haben.

Der amerikanischen Öffentlichkeit fiel es schwer, den Massenmord in Orlando eindeutig einzuordnen Handelte es sich hierbei um einen jener Amokläufe, die in den Vereinigten Staaten inzwischen zur blutigen Routine geworden sind? Oder ist der selbst- und massenmörderische Gewaltexzess gegen Homosexuelle als ein islamistischer Terrorakt zu begreifen, da sich der Täter zum Islamischen Staat bekannte?

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Cannabisforscher Rudolf Brenneisen: „Die Natur ist nicht immer besser“

foto: derstandard.at/mcmt Rudolf Brenneisen: Die Arzneimittelindustrie habe kein Interesse an der Cannabis-Forschung, „da sich die Pflanze nicht patentieren lässt“.
Der Schweizer Pharmakologe über Apotheken statt Schwarzmarkt, Leberzirrhosen im Weinland und die Legalisierungsdebatte an sich

Interview Michael Matzenberger | derStandard.at

Rudolf Brenneisen sitzt in einem gepolsterten Rattansofa im Park vor dem Festsaal des niederösterreichischen Landesklinikums Mauer-Öhling. Er trägt ein dunkles Hemd, auf das kleine, bunte Kakteen gedruckt sind, und die Socken unter der senfgelben Hose sind mit großen Hanfblättern bestickt. Der 67-jährige Schweizer hielt bei der Fachtagung Sucht in Mauer-Öhling einen Vortrag mit dem Titel „Cannabis: Was die Pflanze kann, und was wir daraus machen“. Der nunmehr emeritierte Professor für Pharmazie an der Universität Bern forschte seit den 1970er-Jahren an der Wirkung der Staude, arbeitete unter anderem für das Internationale Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP) und die US-Drogenbehörde DEA. Als Mitglied einer Expertengruppe wurde er heuer vom Schweizer Bundesrat beauftragt, im Rahmen eines wissenschaftlichen Pilotprojektes die praktischen Möglichkeiten im medizinischen Bereich auszuloten.

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Schwimmen – Das hat mit #Religion nichts zu tun! Oder doch?

Badebekleidung 1893. Bild: wikimedia.org/Wilhelm Dreesen/PD

Verwundertes Augenreiben: Für Frauen und Männer getrenntes Schwimmen im öffentlichen Schwimmbad. Das kenne ich doch, das habe ich doch schon mal gehört. Und ich erinnere mich an meine Kindheit und Jugend

Von Angela Klassmann | fraupolitik

Mein erzkatholischer Großvater verbot uns als jugendlichen Mädchen und Jungen, gemeinsam in unserem Schwimmbad zu schwimmen. Bikini? Hatte bei uns lebenslanges Hausverbot. Ganz im Sinne einer erzkatholischen Auslegung der Schöpfungsgeschichte mitsamt Vertreibung aus dem Paradies. Es war ja nun mal eine durch diese Geschichte belegte Tatsache: Die Frau, die Verführerin! Der arme Adam fiel doch nur ahnungslos auf die böse Eva herein. Schuld war und ist immer die Frau. Steht doch so schon in der Bibel, im christlichen Alten Testament. Diese Geschichte musste bei uns zu Hause immer herhalten, wenn es um das Benehmen und die Bekleidung von Frauen und Mädchen ging. Das Christentum hat die Texte des Alten Testaments übrigens vom Judentum. Auch der Islam verweist auf diese alten jüdischen Texte.

Wie habe ich aufgeatmet, als ich endlich verstand, dass dies nur Geschichten sind, die von Menschen im Kontext einer lang vergangenen Zeit als Zeugnisse ihrer Glaubenserfahrungen erzählt wurden. Geschichten, die seit mehr als zweitausend Jahren von Männern im Interesse des eigenen Machterhalts gedeutet und von Generationen von Frauen ungeprüft weiter getragen und vorgelebt wurden. Ob deshalb heute fundamentalistische evangelische und katholische Gruppen die Klagen fundamentalistischer islamischer Gemeinden mit Interesse beobachten? Gruppen, die religiöse Partikular-Interessen in Deutschland durchsetzen wollen? Hoffen Sie auf juristische und politische Entscheidungen, die Religionsfreiheit einzelner religiöser Gruppen wieder über den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte setzen? Hoffen Sie darauf, dass auch sie dadurch wieder mehr Einfluss auf den Staat ausüben können?

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Irland: Katholiban schmettern Abtreibungsinitiative ab

Premier Enda Kenny – AFP
Das irische Parlament erlaubt keine Abtreibung im Fall einer schweren Deformation des Fötus. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage erteilten die Abgeordneten am Donnerstag mit 95 zu 45 Stimmen eine Absage. Sie folgten damit einer Empfehlung von Ministerpräsident Enda Kenny. Drei Minister hatten dagegen die Gesetzesvorlage unterstützt.

Radio Vatikan

Abtreibung ist in der Irischen Republik illegal – auch nach einer Vergewaltigung oder bei Risiken für die Gesundheit der Mutter. Nur im Fall, dass das Leben der Mutter in Gefahr ist, lässt das Gesetz eine Abtreibung zu. Die Verfassung spricht ungeborenen Kindern ein Recht auf Leben zu, das dem der Mutter entspricht. Auf Abtreibung steht in Irland eine Haftstafe von 14 Jahren.

Abtreibungsbefürworter wollen das Gesetz liberalisieren. Sie planen dazu das Abhalten einer Volksabstimmung. Über dieses Thema muss das Parlament in nächster Zeit beraten.

 

Seveso-Unfall: Verschwiegene Gefahren und verschwundene Giftfässer

Seveso 1981 / Bild: (c) imago/Leemage (imago stock&people)
Vor 40 Jahren entwich aus einer Chemiefabrik im italienischen Seveso Dioxin. Der Unfall hatte weitreichende Folgen für Bevölkerung, Politik und Industrie.

Von Maria Kronbichler | Die Presse.com

„Es war absolut gespenstisch. Die Sonne stand hoch am Himmel, und du wusstest, um dich liegt Gift.“ Was Jörg Sambeth, technischer Direktor des Konzerns Givaudan, wenige Tage nach dem Unfall in der Chemiefabrik ICMESA im norditalienischen Seveso wusste, sollte die betroffene Bevölkerung erst viel später erfahren. Eine Gaswolke war am 10. Juli 1976 aus der Fabrik ausgetreten, die die Verbindung 2,3,7,8 Tetrachlordibenzo-p-Dioxin (TCDD) enthielt, eines der stärksten Gifte. Die Katastrophe von Seveso war der bis dahin schlimmste Chemieunfall in der Geschichte – mit weitreichenden Folgen für die Bevölkerung, die Umweltpolitik und die Chemieindustrie.

Der Unfall ereignet sich an einem Samstag. In der Fabrik läuft die Produktion von Trichlorphenol, einem Vorprodukt für das Desinfektionsmittel Hexachlorophen. Ein Arbeiter schaltet irrtümlich ein Rührwerk ab, woraufhin die Temperatur im Kessel zu hoch wird. Um 12.37 Uhr platzt ein Sicherheitsventil, der Inhalt des Kessels entlädt sich in die Luft außerhalb der Fabrik – ein Auffangreservoir gibt es nicht.

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Prostitutionsgesetz: Kondompflicht, Anmeldung, Kontrollen

Heute steht die Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes im Bundestag auf der Tagesordnung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Bettina Markmeyer | evangelisch.de

Vorschriften für Prostituierte, Kondompflicht, Auflagen für Bordell-Betreiber und ein konsequenteres Vorgehen gegen Zwangsprostitution: So will die große Koalition die legale Prostitution reglementieren und die Ausbeutung im Sexgewerbe bekämpfen. Die Bundesregierung geht von mindestens 200.000 Prostituierten und 11.500 Prostitutionsstätten in Deutschland aus. Schätzungen reichen bis zu 400.000 Frauen und einer Million Freierkontakte pro Tag.

Was ändert sich für Prostituierte?

Sie werden verpflichtet, sich anzumelden und ihre Anmeldung alle zwei Jahre zu erneuern. Bedingung ist eine Gesundheitsberatung, die jedes Jahr wiederholt werden muss. Frauen unter 21 müssen sich doppelt so häufig melden und beraten lassen. Die Sexarbeiterinnen können sich eine Alias-Bescheinigung ausstellen lassen, auf der ihr Name nicht erscheint. Die Länder haben bis zum nächsten Jahr Zeit, die lokalen Gesundheits- und Meldebehörden vorzubereiten.

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Nobelpreisträger fordern Greenpeace zum Umdenken auf

Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Die Organisation soll ihre Ablehnung der Grünen Gentechnik aufgeben. Insbesondere die Kampagne gegen „Golden Rice“ gefährde die Gesundheit von zahlreichen Menschen.

Von Ralf Nestler | DER TAGESSPIEGEL

110 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger haben einen Brief veröffentlicht, in dem sie für den Einsatz Grüner Gentechnik werben und die Organisation Greenpeace auffordern, ihre Blockade gegen diese Technik aufzugeben. Dabei wird das Erbgut von Pflanzen wie Mais, Baumwolle oder Soja im Labor so verändert, dass diese höhere Erträge bringen, widerstandsfähiger gegen bestimmte Umwelteinflüsse oder resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel sind. Oft wird für diese Pflanzen die Bezeichnung GMO (genetically modified organism) verwendet.

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