Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Säkularisierung muss nicht sein

Foto: brightsblog

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Religion und Moderne passen nicht zusammen. Modernisierung führt unweigerlich dazu, dass die Bedeutung von Religion in einer Gesellschaft abnimmt. Das besagt die Säkularisierungstheorie. Doch ganz so einfach ist es nicht – sagt eine neue Studie.


Von Monika Konigorski|Deutschlandfunk

“Religionen müssten die Frage an sich stellen: Wo ist unser Mehrwert, sodass wir das vorhandene Angebot bereichern, ergänzen? Sonst bestünde die Möglichkeit, wie die Studie auch zeigt, dass Religionen zum Teil als Verlierer herauskommen und weniger attraktiv für Menschen werden”, sagt der islamische Theologe Mouhanad Khorchide bei der Vorstellung der neuen Studie.

Rückblick: Deutschland im Jahr 1945. Nach der Katastrophe des Nationalsozialismus und des Krieges sind die Kirchen voll. Sie bieten Hilfe in der Not, moralische Orientierung und weisen den politischen Weg.

Wenige Jahre später dann wendet sich das Blatt. Man ist nicht mehr angewiesen auf die Kirche. Die Not ist dem Wohlstand gewichen, die Sozialsysteme funktionieren. Die Kirche wird nun vor allem als autoritäre Institution gesehen, sie gilt als geldgierig und machtversessen. Seitdem sinkt von Jahr zu Jahr die Zahl der Kirchenmitglieder, nimmt die Bedeutung der Kirchen beständig ab.

Die Religionssoziologen haben dazu eine Theorie entwickelt, die sogenannte Säkularisierungstheorie. Die besagt, dass Religion und Moderne nicht zusammenpassen und Modernisierung unweigerlich dazu führt, dass die Bedeutung von Religion in einer Gesellschaft abnimmt, die Gesellschaft sich also säkularisiert.

Kritiker dieser Theorie verweisen auf Entwicklungen wie in Südkorea: Während sich das asiatische Land modernisiert, während Wohlstand und Bildungsniveau wachsen, gewinnt auch die Religion beständig an Bedeutung. Woche für Woche strömen Hunderttausende in riesige Gebetstempel.

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Russischer Patriarch hetzt gegen Conchita Wurst. “Wenn wir gewinnen, kommt der ESC mit seinen bärtigen Sängerinnen 2016 zu uns”

patriarch_darthDer russische Patriarch Kirill wünscht der russischen Popsängerin Polina Gagarina, die im Vorfeld als eine der Favoritinnen beim diesjährigen Eurovision Song Contest gehandelt wird, kein Glück für ihren heutigen Auftritt in Wien.

Von Christoph Löbel|The Huffington Post

“Wenn Gagarina gewinnt, kommt der ESC 2016 gemeinsam mit all diesen bärtigen Sängerinnen nach Russland”, erklärte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche.

Conchita Wurst, das “Ende von Europa”

Kirill spielt damit auf den Sieg von Conchita Wurst vom vergangenen Jahr.

Die österreichische Drag Queen musste nach ihrem Erfolg in Kopenhagen wüste Beschimpfungen aus Russland über sich ergehen lassen, so hatte ein Politiker sie gar als “das Ende von Europa” bezeichnet. Außerdem verspotteten russische Musiker Conchita Wurst mit absurden Songs wie diesem hier:

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Papst stoppt geplanten Investmentfonds der Vatikanbank

Bild: tilly

Bild: tilly

Papst Franziskus hat einem Medienbericht zufolge die geplante Einrichtung eines Investmentfonds der Vatikanbank (IOR) gestoppt. Laut dem italienischen Internetportal “Vatican Insider” untersagte er die vom Aufsichtsrat unter Leitung von Präsident Jean-Baptiste de Franssu gewünschte Institution des Fonds in Luxemburg.


kathweb

Zuvor habe sich auch die Kardinalskommission des IOR, der auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn angehört, gegen das Vorhaben ausgesprochen und den Plan umgehend an Franziskus weitergeleitet, berichtete das Portal am Wochenende. In den Fonds sollten demnach Teile des IOR-Kapitals zu Profitzwecken überführt werden.

Gemäß den Vorgaben des Papstes soll das “Institut für die religiösen Werke” künftig vor allem als Finanzdienstleister für Orden und kirchliche Einrichtungen dienen. Selbstständige Investitionen auf den Finanzmärkten sind nicht vorgesehen. Beobachter gehen davon aus, dass das IOR nach dem zurückliegenden Reformprozess in diesem Jahr seine endgültige Gestalt erhält.

Islamismus: Alice Schwarzer gegen „falsche Toleranz“

Alice Schwarzer Foto: dpa

Gegenüber der konsequent betriebenen „islamistischen Unterwanderung auch des Westens“ dürfe es keine „falsche Toleranz“ geben, sagte die deutsche Feministin Alice Schwarzer am Donnerstag beim „Pfingstdialog“.


religion.ORF.at

Das würde letztlich im Widerspruch zu den hart erkämpften Menschenrechten und Freiheiten Europas stehen, so Schwarzer beim „Pfingstdialog“ im Rahmen der Reihe „Geist & Gegenwart“ im kirchlichen Bildungszentrum Schloss Seggau (Steiermark).

Islamisten „Faschisten“ der Gegenwart

Gewaltbereite muslimische Extremisten und „selbst ernannte Gotteskrieger“ bezeichnete Schwarzer am Donnerstag als „Faschisten“ der Gegenwart. Sie betrieben die Verbindung von Fundamentalismus mit Rassismus und Sexismus. Die Publizistin sagte, sie enthalte sich jeder Bewertung des Islam, wende sich aber gegen den zunehmenden Einfluss des Islamismus in europäischen Medien, auf den Universitäten und auch im Rechtswesen.

Die streitbare Galionsfigur des deutschen Feminismus und Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“ referierte bei der Tagung unter dem Titel „Europa.wertvoll“ über ihre seit der iranischen Revolution von 1979 zurückreichenden Erfahrungen und Recherchen über jene Formen des politisch missbrauchten Islam, die westlichen Werten wie Pluralismus und Toleranz feindlich gegenüberstehen. Den Anstoß zu ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema gab laut Schwarzer ein Hilferuf von Iranerinnen, die kurz zuvor noch gegen das Schah-Regime gekämpft hätten und bald danach von den Revolutionswächtern Khomeinis systematisch aus dem öffentlichen Leben in die Rechtlosigkeit getrieben worden seien.

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Apostel von Sitten: Unglaubwürdiges Dementi

Jean-Marie Lovey

Der Bischof von Sitten in der Schweiz, Jean-Marie Lovey, hat Interviewäußerungen zu Homosexualität präzisiert. Seine «schlechte Wortwahl» sei zum Teil falsch aufgefasst worden, sagte er der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» (Donnerstag). Homosexualität sei definitiv «keine Krankheit».


kath.net

Die Bezeichnung «Heilung» habe er von einem homosexuellen Freund erhalten, der ihm erklärt habe, er sei «geheilt» worden, so Lovey. Außerhalb dieses Kontextes sei das Wort «sicher ungeschickt gewählt» gewesen. Er sehe aber das Gebet nach wie vor als einen möglichen Weg an, der zu einer «Heilung» führen könne.

Der Bischof hatte mit seiner Aussage, Homosexualität sei eine «Schwäche der Natur» heftige Proteste ausgelöst. Äußerungen wie jene des Bischofs stifteten zu Ablehnung und Ausgrenzung an, kritisierte die Lesbenorganisation Schweiz am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Die Erklärung könne nur als «Beleidigung und Provokation» gegen viele Lesben und Schwule verstanden werden, «die in einem Land leben, in dem es von nun an zum guten Ton gehört zu behaupten, dass sie krank seien».

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Ölförderanlage in Golf von Mexiko in Brand geraten

foto: reuters/liam mcdonnell/u.s. coast guard Auf der brennenden Ölplattform befinden sich mehr als 600.000 Liter Rohöl.

Im Golf von Mexiko ist am Freitag eine Ölförderanlage in Brand geraten. Wie die US-Küstenwache mitteilte, wurden 28 Menschen in Sicherheit gebracht. Verletzt wurde demnach niemand, die Produktion wurde gestoppt.


derStandard.at

Der Küstenwache zufolge wurden Einsatzschiffe zum Unglücksort entsandt. Demnach befanden sich in Tanks auf der Plattform schätzungsweise mehr als 600.000 Liter Rohöl.

Über mögliche Belastungen für die Umwelt wurde zunächst nichts bekannt. Am 20. April 2010 war im Golf von Mexiko die Plattform “Deepwater Horizon” des Konzerns BP explodiert. Elf Arbeiter kamen ums Leben, hunderte Millionen Liter Erdöl strömten ins Meer. 87 Tage dauerte es, bis BP das Leck schließen konnte. Die Küsten von fünf US-Staaten wurden verseucht sowie Fischfang und Tourismus schwer geschädigt.

Islamismus: Die Liste der 84

Ein Aktivist aus Bangladesch erweist dem Blogger Avijit Roy die letzte Ehre. | © Munir uz Zaman/AFP/ Getty Images

In Bangladesch starben drei Männer in drei Monaten, weil ihr Name auf einer Liste von Islamkritikern stand.


Von Laura Backes|ZEIT ONLINE

Am Dienstag vergangener Woche verlässt der Bankangestellte Ananta Bijoy Das sein Haus im Nordosten Bangladeschs, um zur Arbeit zu gehen. Auf dem Weg dorthin lauern ihm vier maskierte Männer auf. Mit Macheten und Beilen hacken sie auf ihn ein, dann lassen sie ihn auf der Straße verbluten.

Im Februar reist der in Amerika lebende Schriftsteller Avijit Roy nach Dhaka, um sein islamkritisches Buch Biswasher Virus (Das Virus des Glaubens) bei der größten Buchmesse des Landes vorzustellen. Auf dem Heimweg nach der Lesung stechen Unbekannte mit Macheten und Fleischermessern auf ihn ein, er stirbt an Ort und Stelle an seinen Kopfverletzungen.

Washiqur Rahman, Mitarbeiter in einem Reisebüro, ändert daraufhin sein Profilfoto auf Facebook zu “Ich bin Avijit” und schreibt: “Zerstört den Islam, zerstört den Islam, zerstört den Islam!” Sechs Wochen später wird er von Koranschülern getötet, die jugendlichen Täter zerhacken sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit.

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Schrödingers Kätzchen wächst

Bild:scinexx

Mit Hilfe “gequetschter” Quantenzustände konnten Physiker ein Kalziumatom an zwei verschiedenen Orten zugleich erscheinen lassen – mit überraschend großem Abstand.


Von Dirk Eidemüller|Spektrum.de

Das Gedankenexperiment von Schrödingers Katze ist eines der berühmtesten Beispiele für die Eigentümlichkeiten der Quantenphysik. Erwin Schrödinger, der für seine Arbeiten zur quantenmechanischen Wellenfunktion den Nobelpreis für Physik im Jahr 1933 erhielt, entwarf dieses Gedankenexperiment, um die nicht nur seiner Meinung nach äußerst seltsamen Konsequenzen dieser Theorie zu illustrieren.

Mit dem Beispiel eines bemitleidenswerten Kätzchens wollte Schrödinger die Eigenschaft von Quantensystemen verdeutlichen, sich gleichzeitig in zwei verschiedenen Zuständen befinden zu können. Nach seinem Gedankenexperiment ist eine Katze in einer undurchdringlichen Kiste eingesperrt, zusammen mit einer “Höllenmaschine”, die aus einem radioaktiven Teilchen und einem Mechanismus mit giftigem Gas besteht. Zerfällt das Atom in einer bestimmten Zeit, so löst das den Mechanismus aus, der die Katze tötet. Sonst bleibt sie am Leben.

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Ist Alzheimer eine Nebenwirkung unserer Intelligenz?

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Wir Menschen sind die einzige bekannte Art, die Alzheimer bekommt. Verantwortlich sind wohl Genveränderungen, die unsere Hirnleistung verbesserten – und uns zum Menschen machten.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Vor 50 000 bis 200 000 Jahren sorgte die Evolution dafür, dass sich sechs Gene veränderten, die stark an der Entwicklung unseres Gehirns beteiligt sind. Sie führten wahrscheinlich dazu, dass sich unsere Neurone besser miteinander verknüpften und ein ausgeprägtes neuronales Netzwerk entstand, das letztlich Homo sapiens intellektuell über seine Hominidenvorfahren hob. Doch diese Entwicklung hatte womöglich einen Preis, meinen der Populationsgenetiker Kun Tang von den Shanghai Institutes for Biological Sciences und seine Kollegen nach einer umfangreichen Genomstudie. Denn die gleichen Gene sind auch mit daran beteiligt, dass sich Alzheimer im menschlichen Denkapparat ausbilden kann – eine neurodegenerative Erkrankung, die einzig uns Menschen trifft, aber beispielsweise nicht bei unserem nächsten Verwandten, dem Schimpansen, auftritt. Tang und Co untersuchten dazu 90 Genome von Menschen mit afrikanischen, asiatischen und europäischen Wurzeln nach bestimmten Genmustern, die durch natürliche Auslese und veränderliche Bevölkerungsgrößen verursacht werden, wie “Nature” berichtet.

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Italienischer Pfarrer wegen Kinderprostitution festgenommen

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Der katholische Priester soll am römischen Hauptbahnhof Termini regelmäßig Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt haben, zudem hätten Ermittler auf seinem Computer rund 1.700 kinderpornografische Bilder gefunden.


kath.net

Die italienische Polizei hat einen 68-jährigen katholischen Priester unter Pädophilieverdacht festgenommen. Der Mann soll am römischen Hauptbahnhof Termini regelmäßig Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt haben, berichteten italienische Medien am Freitag. Zudem hätten Ermittler auf seinem Computer rund 1.700 kinderpornografische Bilder gefunden.

Der Pfarrer betreut den Angaben zufolge zwei Gemeinden im mittelitalienischen Viterbo. Die Polizei nahm sechs weitere Männer im Alter zwischen 35 und 79 Jahren fest, darunter auch einen Ex-Priester aus der Toskana, der aber in der Vergangenheit bereits wegen anderer krimineller Delikte aus dem Klerikerstand entlassen worden sei, hieß es.

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Grundrechte-Report 2015: „Die Gefährdung der Verfassung geht vom Staat aus“

Schwerpunkte des diesjährigen Berichtes sind zahlreiche rechtswidrige Überwachungsaktivitäten deutscher Geheimdienste, das Versagen aller Kontrollebenen und geheimdienstliche Überwachungsgebahren der Polizei; ferner der menschenunwürdige Umgang mit Flüchtlingen, etwa bei der Gesundheitsversorgung, der Residenzpflicht und bei Abschiebungen; nicht zuletzt sozialpolitische Einschränkungen etwa der europäischen Freizügigkeit, der Gesundheitsvorsorge von Sozialhilfeempfängern oder bei der Anwendung des gesetzlichen Mindestlohns.


Gemeinsame Pressemitteilung von Verlag und Redaktion zur Präsentation des Grundrechte-Reports 2015|Humanistische Union

Präsentation des Grundrechte-Reports 2015 durch

  • Dr. Constanze Kurz, Informatikerin, Datenschutz-Expertin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs
  • Andreas Blechschmidt, Betroffener der Ausspähung durch das LKA Hamburg
  • sowie für die Herausgeber/innen Martin Heiming und Dr. Till Müller-Heidelberg

Am gestrigen  Freitag, den 22. Mai 2015, wurde der Grundrechte-Report 2015 durch Dr. Constanze Kurz in Karlsruhe der Öffentlichkeit präsentiert. Der von acht namhaften Bürgerrechtsorganisationen herausgegebene Report zieht eine kritische Bilanz zum Umgang mit den Bürger- und Menschenrechten in Deutschland im Berichtsjahr 2014.
Constanze Kurz erklärte anlässlich der Präsentation des Grundrechte-Reports: „Die Lektüre des Grundrechte-Reports 2015 macht deutlich, dass durch technisierte Ausspähung und Überwachung immer hemmungsloser in die Grundrechte eingegriffen wird. In Fragen der Menschenwürde und der informationellen Selbstbestimmung hat sich auch bald zwei Jahre nach Beginn der Snowden-Veröffentlichungen politisch nichts getan. Der nicht nennenswert kontrollierte geheimdienstliche Komplex unterminiert weiterhin Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis bis zur Unkenntlichkeit, nur jetzt mit unserem Wissen. Es steht leider zu erwarten, dass wir auch 2015 noch tiefer in die Abgründe der Überwachung blicken müssen.

Die Gefährdung der Verfassung geht vom Staat aus“, so leiten die Herausgeber ihr Vorwort zum Grundrechte-Report 2015 ein. Einen Schwerpunkt des „Alternativen Verfassungsschutzberichts“ bildet auch im Jahr 2 nach den Enthüllungen Edward Snowdens der NSA-BND-Überwachungskomplex. Rolf Gössner legt dar, dass anstelle einer Zügelung der Überwachungsmaschinerie der BND auch noch aufgerüstet werden, also aus dem Desaster gestärkt hervorgehen soll. Dass die Bundesanwaltschaft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen der massenhaften Überwachung mangels „zureichender Tatsachen“ eingestellt hat, kritisiert Gössner als Realitätsverleugnung oder Willfährigkeit, die sich nahtlos ins Bild regierungsamtlich organisierter Verantwortungslosigkeit einfüge. Illustrieren lässt sich diese auch anhand der Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen zur Kontrolle der Nachrichtendienste, die Burkhard Hirsch dokumentiert.

Andreas Blechschmidt berichtete in der Pressekonferenz über das Ausmaß der Überwachung durch eine verdeckte Ermittlerin des LKA in Hamburg. Sie hat nicht nur die politische Szene in Hamburg unterwandert, durch ihre aktive Mitarbeit in einem freien Radiosender ist auch die Pressefreiheit verletzt worden.

Thilo Weichert sieht die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung durch das Urteil des EuGH, wonach die Vorratsdatenspeicherungs-Richtlinie gegen europäische Grundrechte verstößt, „vorläufig“ beendet. Wie berechtigt seine Einschränkung hinsichtlich der Vorläufigkeit ist, zeigt der inzwischen vorliegende Referentenentwurf der Bundesregierung, mit dem die Maßnahme im Wege eines nationalen Alleingangs wieder eingeführt werden soll.

Pia Eberhardt befasst sich mit den Verhandlungen über das transatlantische Handels- und Investitionsabkommen („TTIP“). Das Abkommen soll es Investoren u.a. ermöglichen, Staaten vor privaten Schiedsgerichten zu verklagen. Eberhardt kritisiert die damit verbundenen unkalkulierbaren Risiken für die demokratische Gestaltungsmacht des Gesetzgebers.

Der jährliche Report zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland zieht auch in seinem 19. Erscheinungsjahr mit 42 Beiträgen kritisch Bilanz zum Zustand der Grundrechte. Der im Fischer Taschenbuch Verlag verlegte, 1997 erstmals erschienene Grundrechte-Report versteht sich als „alternativer Verfassungsschutzbericht”. Acht Bürger- und Menschenrechtsorganisationen dokumentieren darin jährlich den Umgang staatlicher Stellen mit dem Grundgesetz.

Grundrechte-Report 2015 – Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland; Herausgeber: T. Müller-Heidelberg, E. Steven, M. Pelzer, M. Heiming, H. Fechner, R. Gössner, H. Niehaus und M. Stößel; Preis € 10,99; 249 Seiten; ISBN 978-3-596-03288-4; Fischer Taschenbuch Verlag; Mai 2015.

Bezugsmöglichkeiten: Der Grundrechte-Report ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. Alternativ können Sie ihn über den Online-Shop der Humanistischen Union bestellen: http://www.humanistische-union.de/shop/grundrechte_reporte/.

Rezensionsexemplare ausschließlich zu Pressezwecken können über die Humanistische Union (Tel. 030/204 502 56, Fax 030/ 204 502 57 oder service@humanistische-union.de) bestellt werden.

Für Rückfragen oder Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an Sven Lüders unter Telefon 01520 183 1627 bzw. E-Mail info@humanistische-union.de oder Elke Steven unter Telefon 0177 762 1303 bzw. E-Mail info@grundrechtekomitee.de.


Luther würde heute im Knast sitzen

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Das reformatorische Erbe verpflichte Christen dazu, die Entwicklung der digitalen Technologien zu begleiten und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Dafür hat die Theologin Johanna Haberer am Donnerstag bei der Eröffnung des „Medienkonzils 2015“ in Nürnberg plädiert.


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Die Reformation vor 500 Jahren sei ein Medienereignis gewesen und habe die menschliche Kommunikation sowie die Beziehung zwischen Gott und Mensch völlig verändert. Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), sieht eine direkte Verbindung zwischen dem von Luther beschriebenen „Priestertum aller Getauften“ und der Entstehung von Öffentlichkeit, die der Buchdruck mit beweglichen Lettern mit ermöglichte. Plötzlich sei der Laie dazu in der Lage gewesen, seine Meinung öffentlich kund zu tun, sich unabhängig von der Kirche zu informieren und zu bilden. Die Druckmaschinen von damals vergleicht die Theologin mit den Servern von heute. „Luther würde heute twittern“, ist sie überzeugt.

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Österreich: Caritas und Diakonie warnen vor Budgetkürzungen im Sozialbereich

Bild: tilly

Bild: tilly

Mit Sorge verfolgen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz, und Volkshilfe die im jetzt verabschiedeten Budgetrahmengesetz veranschlagten Ermessensausgaben-Kürzungen im Sozialbereich. “Kürzungen bei den sogenannten Ermessensausgaben treffen Beratungsstellen für Menschen in Not, Hilfe für pflegende Angehörige, Demenzberatung und Integrationsmaßnahmen”, warnte Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, einer Aussendung am Freitag: “Das betrifft die Wärmestube, die dem Wohnungslosen bei Minusgraden zur Verfügung steht oder das Lernprogramm, mit dessen Hilfe Jugendliche ihren Pflichtschulabschluss schaffen.” All diese und viele weitere Angebote würden zumindest zum Teil aus öffentlichen Mitteln gefördert, die nicht fix in Budgets verplant, sondern Ermessensausgaben sind.


kathweb

Ermessensausgaben machten oft erst Innovationen in der Sozialpolitik möglich, hielten die Hilfsorganisationen fest. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen seien Spezialisten für kleine Zielgruppen: “Nahe am Menschen, kennen wir seine Bedürfnisse und entwickeln neue, wirksame Lösungen”, so Michael Opriesnig vom Roten Kreuz. Viele dieser Modelle würden dann von der öffentlichen Hand als Standardanbieter für große Zielgruppen übernommen. Auf der Basis dieser Logik seien zahlreiche heute selbstverständliche Dienstleistungen entstanden: etwa die mobile Pflege und Betreuung, neue Wohnformen für pflegebedürftige Menschen oder Hospizangebote.

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Faith Healing Kills Children

Sick children need doctors and medicine, not faith and prayer. Photo by djedzura/Shutterstock

As preventable diseases like measles and whooping cough are reappearing in the United States, many anti-vaxxers are re-evaluating their opposition to immunization, and others are questioning nonmedical exemptions from vaccine requirements. The California state Senate, for instance, just overruled a long-standing law that permitted parents with religious and philosophical reservations to send their children to public and private schools without their shots.


By Jerry A. Coyne|Slate

This is a sound decision: Vaccinations are safe and essential for the health of our society. We cannot allow philosophy or faith to trump public health. But denying children potentially life-saving vaccines is just one part of the problem; I’d like to eliminate even more exemptions: those now enshrined in many laws permitting religious parents to withhold scientific medical care from their children in favor of faith healing.

Forty-eight states—all except West Virginia and Mississippi—allow religious exemptions from vaccination. (California would be the third exception if its bill becomes law.) A similar deference to religion applies to all medical care for children. As the National District Attorneys Association reports, 43 states give some kind of criminal or civil immunity to parents who injure their children by withholding medical care on religious grounds.

If your faith mandates spiritual healing and your child dies because you offer prayer instead of insulin or antibiotics, your chances of being charged with a crime are slim. There are religious exemptions for child neglect and abuse, negligent homicide, involuntary manslaughter. Several states allow parents to use a religious defense against charges of murder of their child—and in some places they can’t be charged with murder at all. And even when parents are prosecuted, acquiescence to religious belief often leads to their being acquitted or given light sentences, including unsupervised parole. None of this, of course, applies to parents who refuse medical care on nonreligious grounds; those individuals get no immunity from prosecution.

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Spionage für die Türkei: Bundesanwaltschaft klagt drei Männer an

Zwei Männer sollen einen Dritten wiederholt über die Kritik türkischer Landsleute an dem heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan informiert haben. (Foto: Flickr/ memory by Zuerichs Strassen CC BY 2.0)

Weil sie in Deutschland für einen türkischen Nachrichtendienst Kritiker ausspioniert haben sollen, hat die Bundesanwaltschaft drei Männer wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit angeklagt. Die Anklage richte sich gegen zwei Türken und einen Deutsch-Türken.


Deutsch Türkische Nachrichten

Nach den Erkenntnissen der Ermittler haben ein 34-jähriger Deutsch-Türke und ein 59-jähriger Türke fast eineinhalb Jahre lang im Auftrag des dritten Angeschuldigten gearbeitet, berichtet die dpa.

Die beiden sollen diesem wiederholt von Kundgebungen kurdischer Aktivisten berichtet oder ihn über die Kritik türkischer Landsleute an dem heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan informiert haben. Während die beiden Informanten auf freiem Fuß sind, befindet sich der dritte Mann (58) seit Dezember in Untersuchungshaft.

Ein 58-Jähriger und ein 33-Jähriger wurden Mitte Dezember am Frankfurter Flughafen von Beamten des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz festgenommen. Der dritte Verdächtige, ein damals ebenfalls 58-Jähriger, wurde an seinem Wohnort in Nordrhein-Westfalen gefasst (mehr hier).

Alle drei Männer besaßen nach Auskunft der Bundesanwaltschaft die türkische Staatsangehörigkeit. Gegen das Trio lagen Haftbefehle des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 11. November 2014 vor. Gegen sie bestehe der dringende Verdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit (§ 99 Abs. 1 Nr. 1 StGB). Hierzu heißt es:

„Die Beschuldigten sind dringend verdächtig, für einen türkischen Nachrichtendienst gearbeitet zu haben. Der Beschuldigte Muhammed Taha G. soll die Beschuldigten Ahmet Duran Y. und Göksel G. bei ihrer nachrichtendienstlichen Tätigkeit angeleitet haben. In seinem Auftrag sollen die Beschuldigten Ahmet Duran Y. und Göksel G. Informationen über in der Bundesrepublik Deutschland lebende Landsleute und hiesige Organisationsstrukturen gesammelt und an diesen weitergegeben haben. “

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Astronomer Royal Martin Rees: How soon will robots take over the world?

‘We’re witnessing a momentous speed-up in artificial intelligence’: Nexi, a robot designed to express emotion Photo: David L Ryan/The Boston Globe via Getty Images

An explosion in artificial intelligence has sent us hurtling towards a post-human future, warns Martin Rees


By Martin Rees|The Telegraph

In Davos a few years ago, I met a well-known Indian tycoon. Knowing I had the title Astronomer Royal, he asked: “Do you do the Queen’s horoscopes?” I responded, with a straight face: “If she wanted one, I’m the person she’d ask.” He then seemed eager to hear my predictions. I told him that markets would fluctuate and that there would be trouble in the Middle East. He paid rapt attention to these insights. But I then came clean. I said I was just an astronomer, not an astrologer. He immediately lost all interest in my predictions. And rightly so: scientists are rotten forecasters – worse, often, than writers of science fiction.

Nevertheless, 12 years ago, I wrote a book that I entitled Our Final Century? My publisher deleted the question-mark. The American publishers changed the title to Our Final Hour – Americans seek instant (dis)gratification. My theme was this: our Earth is 45 million centuries old, but this century is special. It’s the first when one species – ours – can determine the biosphere’s fate.

In the years since, a few forecasts have somewhat firmed up: the world is becoming more crowded – and warmer. There will be about 2 billion more people in 2050, and their collective “footprint” will threaten our finite planet’s ecology unless we can achieve more efficient use of energy and land. But we can’t predict the path of future technology that far ahead. Today’s smartphones would have seemed magic even 20 years ago, so in looking several decades ahead we must keep our minds open to breakthroughs that may now seem like science fiction. These will offer great hopes, but also great fears.

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Warum wir einige Koransuren mit Kommentaren versehen sollten

Thinkstock

„Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.”


Von Christ Facius|The Huffington Post

Hoppla, wie war das? Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. Artikel 1 (2) GG verpflichtet somit per Edikt die deutsche Nation dazu, Menschenrechte weltweit als universal und nicht verhandelbar zu betrachten. Das ist großartig!

Ja, Menschenrechte müssen auf allen fünf Kontinenten als das Allerheiligste, was Menschen jemals auf den Weg gebracht haben, angesehen werden. Und diese Rechte muss die Bundesrepublik Deutschland gegen den Willen jeglicher Regime, geistlicher Führer sowie Millionen von humanistisch unaufgeklärten und theologisch verblendeten Menschen standhaft einfordern und verteidigen. Weltweit!

Hier ist die Bundesregierung in der Bringschuld, auf sämtlichen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Ebenen dem Herzstück des Grundgesetzes Leben einzuhauchen. Religiös, da in allen 57 islamisch geführten Staaten die unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Der politische Islam als jeden Teil des Alltags umschließendes Regelwerk und legitimierenden Rechtsquell für barbarische Traditionen und Bestrafungen, kennt schließlich keine Trennung zwischen Religion und Staat.

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Gepflegte katholische Homophobie – das christliche Menschenbild ist Scheiße

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Psychologin riet in westfälischem Regionalblatt, Kinder nicht zur Homo-„Hochzeit“ mitzunehmen. Nach Shitstorm gibt Redaktion dem öffentlichen Druck der Anpassung nach. Wo bleiben Meinungs- und Pressefreiheit?


Von Peter Winnemöller|kath.net

Mit der Kampfparole „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“ polarisierte Matthias Matussek vor einigen Monaten in einem Essay in der Welt. Abgesehen von der Tatsache, dass knackige Formulierungen immer gut polarisieren, sind sie in der Regel zu grobkörnig für ein klares Bild. Dennoch kann die Polarisierung nötig sein, um einen Sachverhalt ins rechte Licht zu rücken. Die Homophobie, so die Grobthese von Matthias Matussek, hat den Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde abgelöst.

Eine These, die – so sollte man auf den ersten Blick denken – schlicht unhaltbar ist. Homosexuelle Männer und Frauen können in unserem Land Karriere machen, Partnerschaften eingehen, werden weder strafrechtlich verfolgt noch in irgendeiner Weise öffentlich zurückgesetzt. Der Popanz der Diskriminierung von Homosexuellen und sein fieser Bruder, der Popanz der Homophobie, sind also im Grunde nichts als Schattenbilder einer Lobby, die ihr politisches Spiel mit der persönlichen sexuellen Orientierung betreibt.

Wer sich also den öffentlichen Vorwurf der Homophobie zuzieht, ist in der veröffentlichten Meinung ein Vogelfreier, ein Geächteter unserer Tage und er darf beliebig von jedem Freien abgeschossen werden. Ein solcher Abschuss wird von Klaus Kelle hier nüchtern dokumentiert.

Eine Psychologin in der Rolle einer Briefkastentante einer ostwestfälischen Regionalzeitung rät einem Vater, seine kleinen Töchter nicht zu einer „Hochzeit” seines homosexuellen Bruders mitzunehmen. Der Vater legt seine Sorgen dar, dass die Kinder dadurch seelischen Schaden leiden könnten und die Ratgeberin stimmt ihm darin zu.

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Theologe: Loyalität zum Arbeitgeber ist keine Frage des Glaubens

Bild: fis-kirchenrecht.de

Bild: fis-kirchenrecht.de

Die Lockerung des katholischen Arbeitsrechts geht dem evangelischen Theologen und Diakoniemanager Dierk Starnitzke nicht weit genug.


evangelisch.de

Nach einem Beschluss der Bischöfe von Ende April sollen das Bekenntnis zu einer homosexuellen Beziehung oder die Wiederheirat nach einer Scheidung künftig nicht mehr automatisch zu einer Entlassung führen. Kirchliche Arbeitgeber sollen nun stets den Einzelfall prüfen. Starnitzke, der im westfälischen Bad Oeynhausen eine große evangelische Behinderteneinrichtung leitet, hält dies jedoch für kaum praktikabel. Auch der evangelischen Kirche empfiehlt er eine Reform ihrer Loyalitätsrichtlinie, die die Loyalitätsansprüche an die Beschäftigten neu festlegt.

Für Starnitzke ist die von den katholischen Bischöfen beschlossene Liberalisierung des Arbeitsrechts insoweit konsequent, als die Gesellschaft das Abstrafen bestimmter Lebensformen durch katholische Arbeitgeber kaum noch akzeptiere. Hinzu kommt laut Starnitzke, dass “sich daraus für viele der 650.000 Beschäftigten in der katholischen Kirche und ihrer Caritas eine enorme Spannung ergibt, die sowohl für die betroffenen Mitarbeitenden als auch für die zuständigen Leitungen manchmal kaum noch erträglich ist”. Die Mehrzahl der Bischöfe habe deshalb zurecht eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts für überfällig gehalten.

Debatte geht anders

cc bycc by sa “Thinker” von “Martin Fisch” lizensiert unter “CC-BY-SA”

Weil Debatten niemals enden, endet auch diese nicht. Noch einmal zum Thema Orient und Okzident, wer hat wem was zu verdanken?


Von Heiko Heinisch|The European

The European definiert sich schon im Untertitel ausdrücklich als Debattenmagazin, und so ist es zu begrüßen, dass Muhammad Sameer Murtaza auf meinen Einwand gegen seinen Artikel mit einer Erwiderung reagiert. Eine Debatte zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene Seiten ihre Argumente vortragen und versuchen, die des Gegners zu widerlegen, um Leserinnen und Leser – eventuell auch den Gegner – von den eigenen Thesen zu überzeugen. Aber anstatt in diesem Sinne auf die vorgetragenen Argumente einzugehen, verlegt sich Murtaza leider darauf, mir Aussagen zu unterstellen und andere sinnentstellend aus dem Zusammenhang zu reißen, nur um diese dann widerlegen zu können. Ganz nebenbei nimmt er seine bereits kritisierte Apologetik von Neuem auf. Debatte geht anders.

Leere Behauptungen sind keine konstruktive Kritik

Schon im ersten Satz unterstellt Murtaza, mein Artikel wolle eine Minderwertigkeit des Islam festschreiben, würde ich doch behaupten, die „seit mehr als 1000 Jahren andauernde Anwesenheit der Muslime in Europa habe überhaupt keine Rolle auf dessen Entwicklung gehabt“. Ewas weiter unten schreibt er, ich würde den Einfluss muslimischer Religionsgelehrter und Philosophen unterschlagen und den Muslimen lediglich den Transfer griechischer Schriften und griechischen Wissens zugestehen. Dass er diese Behauptungen nicht durch entsprechende Zitate untermauern kann, liegt daran, dass sich derlei Ausführungen in meinem Text nicht finden lassen. An keiner Stelle leugne ich die Leistungen arabischer und persischer Denker, Philosophen und Wissenschaftler, und an keiner Stelle schreibe ich, diese hätten nur Wissen transferiert. Im Gegenteil.

Die Rolle ibn Rushds als maßgeblicher Kommentator der Werke Aristoteles’, seinen Einfluss auf die Scholastik und damit auf die Aufklärung hebe ich dezidiert hervor. Man könnte noch präzisieren, dass ibn Rushd von den Scholastikern meist in Anlehnung an die Bezeichnung der Philosoph für Aristoteles schlicht der Kommentator genannt, also mit größter Hochachtung bedacht wurde.

Murtaza weiß auch, dass die muslimischen Eroberungen von mir nicht erwähnt wurden, um von den Kreuzzügen abzulenken, sondern einzig, weil er die Kreuzzüge zum ersten „weniger friedlichen Wissenstransfer“ zwischen Christen und Muslimen erklärt – womit er die Jahrhunderte islamischer Eroberungen, die ihnen vorausgingen, einfach unterschlägt.

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