Forscher fordern „Biologisierung“ der Wirtschaft

Bioökonomie – APA/EXPA/JOHANN GRODER

Die Umstellung des Systems auf biologische Grundlagen gilt als unumgänglich.

Die Presse.com

Die Welt steht vor vielen Problemen: Die wachsende Bevölkerung und der steigende Güterverbrauch erfordern immer mehr Ressourcen und produzieren immer mehr Abfälle, die Umweltbedingungen verschlechtern sich, obendrein führt unser Wirtschaftssystem zu einer Klimaerwärmung.

Ein möglicher Ausweg kann die Bioökonomie sein – eine auf biogenen (anstatt fossilen) Rohstoffen beruhende Wirtschaftsweise. „Bioökonomie ist ein Schlüssel für das Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO“, betonte der deutsche Vordenker Joachim von Braun bei den Technologiegesprächen. Er plädierte für eine sehr umfassende Sichtweise: Es gehe nicht nur darum, Biomasse als Rohstoff zu nutzen, sondern um die Umsetzung von Prinzipien der Biologie in allen Bereichen. „Bioökonomie ist kein eigener Wirtschaftssektor, sondern soll, wie die Digitalisierung, alle Bereiche durchdringen“, sagte von Braun. Daraus würde ein dezentrales Wirtschaftssystem mit neuen Wertschöpfungsketten und -netzen hervorgehen.

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Der neue Faschismus

Grafik: TP

20 Beobachtungen

Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

1) Der neue Faschismus versteht sich als Abwehrkampf gegen Entwicklungen, die längst stattgefunden haben. Darin ist er insofern authentisch, als die positiven Entwicklungen authentisch sind, die er bekämpft.

2) Der neue Faschismus lebt in finanzieller und emotionaler Hinsicht von der Sympathie bürgerlicher Ehrenleute. Dass Olaf Henkel und Bernd Lucke keine Faschisten sind, sagt in dieser Hinsicht viel: Sie brachten dennoch die erfolgreichste faschistische Partei in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Weg. Sie legten die Behelfsbrücke, über die die Truppen marschieren wollen.

3) Weil das große, das mittlere und das kleine Bürgertum seine Interessen von der Polizei, den Geheimdiensten und der Bundeswehr beschützt sehen will (daher auch die ständigen Klagen über ihre mangelnde Schlagkraft), kann es die schleichende Übernahme der Organe durch Faschisten nicht einordnen. Die „Verirrten“, die Leichensäcke bestellen und Zehntausende Schuss Munition horten, die schwarzen Schafe, die nach und nach wie durch Zauber ganze Herden dunkel färben, die Seilschaften in den Geheimdiensten, die ihre Beobachtungsobjekte erst hochpäppeln und dann um jeden Preis schützen – sie alle bleiben auf diese Weise im hellen Tageslicht unsichtbar.

4) Von der Dummheit des neuen Faschismus und von der Verrohung der Gesellschaft reden ist leicht. Aber beides musste vorbereitet und genährt werden. Das neue Theater der Grausamkeit hatte eine Bauzeit. Ohne das hyperzynische Gehampel des Privatfernsehens und ohne Talkshows, in denen die Barbarei als Option diskutiert wurde, hätte dieses Theater keine Bühne. Der Arbeits- und Ehrbarkeitsfetisch des neuen faschistischen Kleinbürgers dröhnte schon aus „Richterin Barbara Salesch“ hervor. Ohne Anne Will keine Alice Weidel.

5) Der Faschismus ist vieles, aber er ist auch eine Kultur (Christoph Spehr). Je deutlicher wird, dass er ein integraler Bestandteil der deutschen Kultur ist, desto wichtiger wird Goethe. In der Dresdner Frauenkirche ist es so sauber, weil nichts an die Ruine erinnern soll, die sie zu Recht einmal war. Dass der Fundus des Berliner „Humboldt-Forums“ prallvoll mit Raubkunst aus aller Welt ist, macht das goldene Kreuz auf seinem Dach nötig.

6) Wie ihre Vorbilder sind die neuen Faschisten gerührt über ihre Großzügigkeit, wenn sie die Opferlisten nicht sofort abarbeiten. Ihr Augenmaß beweist es: Sie wollen keine Unmenschen sein. Kurz nach der Großzügigkeit setzt der Sachzwang oder die Mordlust ein, whichever comes first.

7) Ohne die Feingeister, die dem Publikum erklären, dass das Hakenkreuz ja zunächst ein indisches Glückssymbol war, wollen auch die neuen Faschisten nicht auskommen. Zwar soll auch jetzt gehobelt werden, damit Späne fallen. Mit der linksgrün versifften Kultur soll es zu Ende gehen. Aber Kultur hat viele Gesichter, auch solche, bei denen die neuen Faschisten ihre Revolver nicht entsichern müssen. Kennen Sie Wagner? Wussten Sie, dass das Hakenkreuz ursprünglich ein indisches Glückssymbol war? Vor der Machtergreifung dürfen die Feingeister sogar jeder Partei angehören.

8) Der neue deutsche Faschist ist auch ein verfolgter Jude, weil er keine Autos mehr fahren darf, die bestimmte Abgasnormen nicht einhalten. Die Gutbürgerlichen sind vernünftiger; sie würden sich durch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen nur entmännlicht fühlen.

9) Ohne den neuen Faschismus können die anständigen Bürger die gute alte Zeit nicht als eine feiern, in der das Grundgesetz noch in Ehren gehalten wurde.

10) Am neuen Faschismus ist alles alt, sogar die Hinwendung zu den neuen Medien.

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Kinder machen glücklich – wenn sie aus dem Haus sind

Schlaf, Geld, Freizeit: Eltern investieren viel in ihre Kinder, das zahlt sich aus, wenn diese Erwachsen sind. (Archivbild) Bild: dpa

Sie können nerven, kosten Zeit und Geld: Kinder im Haushalt sind fürs allgemeine Wohlbefinden Studien zufolge eher nicht förderlich. Das ändert sich aber offenbar, wenn der Nachwuchs auszieht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Kinder steigern das allgemeine Wohlbefinden, das allerdings erst, wenn sie ausgezogen sind. Das legt eine Studie von Christoph Becker von der Universität Heidelberg und Kollegen im Fachjournal „Plos One“ nahe. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass eine hohe soziale Vernetzung wichtig für das Gesamtwohl und die geistige Gesundheit im höheren Alter sein könnte. Insbesondere der Partner und bereits ausgezogene Kinder spielten dafür eine Rolle. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Kinder, die noch zu Hause wohnen, sich im Schnitt negativ auf die Zufriedenheit auswirken.

Die Forscher um Becker analysierten zahlreiche Einträge der europäischen Datenbank „Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“ (SHARE). Sie betrachteten so die Lebenssituation von rund 55.000 Menschen aus 16 europäischen Ländern, die alle 50 Jahre oder älter waren. In die Auswertung flossen unter anderem Angaben zur Lebensqualität oder der Hang zu Depressionen ein. Zudem ging aus den Daten hervor, welche sozialen Netzwerke innerhalb und außerhalb der Familie bei einem Menschen existierten. Auch der Familienstand, die Zahl der Kinder, das Einkommen oder die Wohnsituation waren bekannt.

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Extrem teure Medikamente erschüttern das Vertrauen zwischen Krankenkassen und der Pharmabranche

Eine Mitarbeiterin im Biotechnikum der Pharmafirma Novartis in Hüningen bei Basel. (Bild: Christoph Ruckstuhl / NZZ)

Neuartige Preismodelle sollen weltweit Bewegung in festgefahrene Verhandlungen zwischen Pharmaunternehmen und den Kostenträgern im Gesundheitswesen bringen. Doch es gibt grosse Widerstände.

Dominik Feldges | Neue Zürcher Zeitung

Der Basler Pharmakonzern Novartis verlangt für seine Gentherapie Zolgensma gegen die Erbkrankheit spinale Muskelatrophie in den USA mehr als 2 Mio. $. Auch wenn die Verabreichung nur einmal erfolgen muss und sich laut bisherigen Erfahrungen vielen der schwerkranken behandelten Kleinkinder die Chance bietet, geheilt zu werden, setzt ein solcher Rekordpreis grosses Vertrauen voraus. Noch hat Novartis denn auch hart zu kämpfen, amerikanische Krankenkassen bei der Erstattung der Kosten ins Boot zu holen. Wie Konzernchef Vas Narasimhan vor kurzem eingeräumt hat, erreicht die Abdeckung in den USA unter den kommerziellen Versicherern erst 40%. Zolgensma war am 24. Mai 2019 zum Verkauf in den Vereinigten Staaten zugelassen worden.

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Ministerpräsident Woidke: „In der AfD sind nicht nur Rechtsradikale und Neonazis“

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von BrandenburgFoto: Carsten Koall/dpa

Dietmar Woidke im Gespräch über die Wahlen im Osten und ihre Folgen, die schlechte Stimmung trotz guter Daten – und den Wunsch nach einem wehrhaften Staat.

Thorsten Metzner, Paul Starzmann | DER TAGESSPIEGEL

Herr Woidke, muss Deutschland Angst vor der Wahl in Brandenburg haben?
Nein, aber ich bin um Brandenburgs Zukunft besorgt. Wir sind das erfolgreichste ostdeutsche Bundesland. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass das so bleibt. Das geht nur mit Weltoffenheit und Menschlichkeit. Ich hoffe sehr, dass die Wahl gut ausgeht und nicht eine Partei dominiert, die für Ausgrenzung, Hass und Hetze steht.

Viele fürchten, dass nach den Wahlen im Osten die große Koalition im Bund platzt.
Ich hoffe sehr, dass diese große Koalition nicht zerbricht, unabhängig vom Ausgang der Wahl. Deutschland kann sich keinen Stillstand leisten, Deutschland darf nicht instabil werden. Die große Koalition in Berlin arbeitet gut, insgesamt jedenfalls, ich nenne nur den Digitalpakt für die Schulen, die Entlastung von Pflege-Angehörigen oder das Gute-Kita-Gesetz.

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Was das Steak auf unserem Teller mit den Waldbränden in Brasilien zu tun hat

Die EU importiert große Mengen Soja als Futtermittel für unsere Rinder. – (c) Imago

Die Katastrophe hängt auch mit dem Konsumverhalten in Europa zusammen. Die EU ist der drittwichtigste Abnehmer von brasilianischem Rindfleisch, zudem wird Soja aus Brasilien EU-weit an Schweine und Rinder verfüttert.

Die Presse.com

Die Bilder vom brennenden Regenwald in Brasilien lösen auf der ganzen Welt Betroffenheit aus. Die Katastrophe in Südamerika hat auch mit dem Konsumverhalten in Europa zu tun – vor allem der Heißhunger auf Steaks und Koteletts befeuert die Abholzung und Brandrodung großer Flächen im Amazonasgebiet.

Das Amazonasgebiet ist nicht nur die grüne Lunge der Welt, sondern auch ein gigantischer Ressourcenschatz, der Begehrlichkeiten weckt: Im Regenwald lässt sich gutes Geld verdienen mit Rindfleisch und Soja, Energie und Gold. Laut einer Studie der Weltbank können gerade Landwirte im Amazonasgebiet deutlich profitabler wirtschaften als in anderen Regionen.

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Macrons Moskau-Wende

Macron empfing Putin diese Woche in Fort Brégan. Bild: AP

Vor zwei Jahren war der Franzose noch als unerschrockener Kritiker russischen Hegemoniestrebens angetreten. Nun plädiert er für die Einbindung des Landes und warnt: ohne Russland keine europäische Souveränität.

Michaela Wiegel | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Nach dem Ende des Vertrags über nukleare Mittelstreckensysteme („INF-Vertrag“) hat Emmanuel Macron eine spektakuläre strategische Neuausrichtung im Verhältnis zu Russland eingeleitet. Die Kehrtwende begründet der französische Präsident mit der gestiegenen Gefahr eines atomaren Wettrüstens zu Lasten Europas. Vor zwei Jahren war der Franzose als unerschrockener Kritiker russischen Hegemoniestrebens angetreten. Nun plädiert er für die Einbindung Russlands in eine neue europäische Sicherheitsordnung.

Beim Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Fort Brégançon zu Wochenbeginn hielt sich Macron mit frontaler Kritik zurück. Das stand in scharfem Kontrast zu seinem Auftritt mit Putin im Schloss von Versailles Ende Mai 2017. Damals hatte Macron russische Cyberaggressionen sowie politische Einmischungsversuche durch Propagandakanäle wie Sputnik und Russia Today angeprangert. Er zählte in den vergangenen zwei Jahren zudem zu den standhaften Verteidigern der Sanktionen, die nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim-Halbinsel und den kriegerischen Angriffen in der Ostukraine erfolgten.

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Mathematiker Gerd Antes: „Big Data führt uns in eine Falle“

Der deutsche Biometriker Gerd Antes steht der Digitalisierung und Kommerzialisierung von medizinischen Daten sehr kritisch gegenüber und warnt vor „Big Errors“

Interview Andrea Fried | DERSTANDARD

STANDARD: Alle schwärmen von Big Data. Nur Sie wettern dagegen. Warum denn das, Herr Antes?

Gerd Antes: Wir erleben gerade eine Gesellschaft im Datenrausch. Big Data, Digitalisierung und künstliche Intelligenz beherrschen die Schlagzeilen. Manche bezeichnen Daten sogar als das Öl oder Gold des 21. Jahrhunderts. Es wird dabei suggeriert, dass wir mit mehr Daten auch mehr Wissen generieren. Das sagt uns auch unser Bauchgefühl, aber es stimmt einfach nicht.

STANDARD: Warum nicht?

Antes: Big Data ist ein Hype, der uns geradewegs in eine Falle führt. Die Idee dahinter ist, dass man riesige Datenmengen völlig unstrukturiert und unsystematisch durchwühlen kann und dabei auf sinnvolle Zusammenhänge stößt. Das ist wissenschaftlicher Unfug und kann nicht funktionieren.

STANDARD: Welche Fallen meinen Sie?

Antes: Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet, dass man mithilfe von Theorie und Daten Hypothesen generiert, die empirisch durch Studien bestätigt oder widerlegt werden müssen. Der Big-Data-Hype steht in krassem Gegensatz zu diesem Erkenntnisprozess. Man tut so, als ob man in riesigen Datenmengen einfach nach Korrelationen suchen kann und diese dann einen Sinn ergeben. Da kommt unglaublich viel Schwachsinn heraus. Das ist wie das Suchen nach einer Nadel im Heuhaufen. Durch Big Data macht man jedoch den Heuhaufen nur noch größer.

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„Adrian Darya 1“: Iranischer Öltanker fährt in die Türkei

Schriftzug am Rumpf der „Adrian Darya 1“ – vormals bekannt unter dem Namen „Grace 1“ | Bildquelle: REUTERS

Der iranische Supertanker „Adrian Darya 1“, der vorher „Grace 1“ hieß, nimmt offenbar Kurs auf die Türkei. Zuvor hatte Griechenland auf den Druck der USA hin dem Schiff verboten, in seinen Häfen anzulegen.

Karin Senz | tagesschau.de

Der zeitweise von Großbritannien festgesetzte iranische Öltanker „Adrian Darya 1“ hat offenbar seinen Kurs geändert: Nach den neuen Daten das Internetportals Marine Traffic soll das Schiff in einer Woche in Mersin an der türkischen Mittelmeerküste ankommen. Der Hafen ist nur gut 200 Kilometer von Banjas in Syrien entfernt.

Großbritannien hatte dem Iran ursprünglich vorgeworfen, das Öl an Bord des Tankers, der damals noch „Grace 1“ hieß, dorthin liefern zu wollen. Das würde gegen EU-Sanktionen verstoßen. Er wurde daraufhin mehr als sechs Wochen in Gibraltar festgehalten. Erst als Teheran schriftlich versicherte, dass das Öl nicht für Syrien bestimmt ist, durfte das Schiff weiterfahren. Es hatte dann Kurs auf Kalamata in Griechenland genommen.

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Kohleausstieg: Ostländer dringen auf Staatsvertrag

Die ostdeutschen Ministerpräsidenten haben flankierende Maßnahmen für das sogenannte Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen zum Kohleausstieg gefordert.

evangelisch.de

Zur Absicherung sei ein Staatsvertrag notwendig, betonten die Regierungschefs von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung. Das Gesetz soll den Angaben zufolge am kommenden Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden. Der Entwurf dafür wurde von Dietmar Woidke (SPD), Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU) begrüßt.

Dieser erste Schritt schaffe Klarheit und Verbindlichkeit für Projekte und Maßnahmen in einem Umfang von insgesamt 8,8 Milliarden Euro in den drei ostdeutschen Bundesländern, erklärten die Regierungschefs.

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Iran hat laut Revolutionsgarden neue Rakete getestet

Iran hat nach Angaben der Revolutionsgarden eine neue Rakete getestet. Iran teste ständig eine Vielzahl «defensiver und strategischer Systeme», um seine Abschreckung zu verstärken, sagte der Kommandeur der Garden, General Hossein Salami, am Samstag.

Neue Zürcher Zeitung

«Gestern war einer der erfolgreichen Tage für diese Nation.» Der General nannte keine Details zu der Waffe.

Am Donnerstag hatte Iran ein neues Raketenabwehrsystem präsentiert. Es handle es sich um ein mobiles Luftabwehrsystem mit Raketen grosser Reichweite, das Iran eigenständig gebaut habe, berichteten Staatsmedien damals. Das Staatsfernsehen zeigte Präsident Hassan Rohani bei der feierlichen Inbetriebnahme des Bawar-373-Systems, das dem russischen Flugabwehr-System S-300 ähneln soll.

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Brasilianischer Kardinal warnt vor Zerstörung Amazoniens: „Neuauflage des Kolonialismus“

Raubbau im Amazonas © Werner Rudhart (dpa)

Private und wirtschaftliche Interesse sind der neue Imperialismus, sagt Bischof Hummes vor der Amazonassynode. Die Zukunft der gesamten Region stehe auf dem Spiel. 

DOMRADIO.DE

Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes hat angesichts der Feuer im Amazonasgebiet einen dringenden Wandel der Entwicklungsmodelle gefordert. Bisher herrschten in Amazonien wirtschaftliche und private Interessen vor, die einer „Neuauflage des Kolonialismus“ gleichkämen, heißt es in einem Artikel des Kurienkardinals für die vatikanische Zeitung „Osservatore Romano“(Samstag).

Wenn sich daran nichts ändere, „wird die ganze Region zerstört werden, mit all den verheerenden Folgen, die schon absehbar sind“, so Hummes.

Hummes: Kirche kann negative Auswirkungen aufzeigen

Konkret prangert der 85-Jährige die Ausnutzung der natürlichen Ressourcen durch Industrie und Politik an, etwa durch große Energiegewinnungsprojekte. „Mit Entwaldung und Umweltverschmutzung geht die immense, reiche und komplexe Biodiversität dieses Lebensraums verloren“, so Hummes. Zudem würden durch die Zerstörung ihres Lebensraums auch tausende Indios gezwungen, in Städte zu migrieren.

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Hambacher Forst: Kampf um einen sterbenden Wald

Archivbild von der Absperrung des Geländes im letzten Jahr. Foto: Gerrit Wustmann

Das VG Aachen fordert die Räumung eines Aktivisten-Camps. Die Zukunft des Waldes ist weiter ungewiss

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Fast genau ein Jahr ist es jetzt her, dass die Baumhausdörfer im Hambacher Forst mit einem wochenlangen ausufernden Polizeieinsatz geräumt wurden. Der Kampf der Behörden und des Energieriesen RWE gegen Waldbesetzer und Umweltschützer hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht und eine immense Welle der Solidarität verursacht sowie die Debatte um den Braunkohleausstieg befeuert.

Heute ist das kleine Waldstück am Rande des Tagebaus zwischen Köln und Aachen längst wieder besetzt. Neue Baumhausdörfer sind entstanden. Doch die Solidarität mit den Aktivisten ist vielerorts deutlich abgeebbt, Ernüchterung hat sich breitgemacht.

Auf den Waldwegen haben die Besetzer alle paar Meter Barrikaden errichtet und Gräben ausgehoben – die letztlich von eher symbolischem Wert sind, bedenkt man, dass solche Maßnahmen auch 2018 nicht dazu beitrugen, die Polizei längerfristig aufzuhalten.

Militante Aktionen

Statt nach Waldschutz mutet das Bild aktuell eher wie ein Abenteuerspielplatz an. Dass auf Plakaten und Graffiti Sprüche wie „Kill All Cops“ prangen, macht es nicht besser. Zwar gab es Fälle von unverhältnismäßiger Gewaltanwendung seitens der Polizei, gerade während der Räumungen wirkten die meisten Beamten aber vergleichsweise besonnen und auch selbst nicht unkritisch gegenüber der ganzen Angelegenheit.

Aus den Reihen der Aktivisten werden derweil immer wieder militante Aktionen verübt, zuletzt sollen Beamte mit Molotow-Cocktails angegriffen worden sein. Dass zwar eine Mehrheit der Bundesbürger Umfragen zufolge den Erhalt und Schutz des Waldes befürwortet, zugleich aber Gewaltanwendung ablehnt, scheint bei den Aktivisten nicht anzukommen, die so nicht nur der eigenen Sache schaden, sondern RWE auch regelmäßig genau die Argumente an die Hand liefern, die der Konzern braucht, um die Waldschützer zu diskreditieren.

Diese Situation ist es auch, die nun zu einem neuen Urteil des VG Aachen geführt hat. Seit knapp sieben Jahren nutzen die Aktivisten das Wiesencamp am Waldrand als ihr Basislager. Dort stehen Hütten, Zelte und Wohnwagen. Die Wiese gehört RWE nicht, der Besitzer duldet die Besetzer. Doch da vom Camp aus Straftaten begangen würden, so das Gericht, müsse das Camp nun geräumt werden.

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Franz fordert Ende der Sklaverei

>Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Die Zeiten, in denen tausende Menschen aus Afrika entführt und zur Arbeit auf amerikanischen Baumwoll- oder Zuckerrohrplantagen gezwungen wurden, sind gottlob vorbei. Doch Sklaven gibt es auch heute noch. Papst Franziskus hat dabei vor allem die Schwächsten im Blick.

katholisch.de

Papst Franziskus hat zur Abschaffung der Sklaverei aufgerufen. „Wir alle sind als Abbild Gottes ihm ähnlich erschaffen. Wir haben die gleiche Würde. Beenden wir die Sklaverei! #IDRSTA“, schrieb der Papst am Freitag auf Twitter.

Anlass ist der International Day for the Remembrance of the Slave Trade and its Abolition, der von den Vereinten Nationen ausgerufene internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung. Er soll am 23. August jeden Jahres an den transatlantischen Sklavenhandel erinnern.

Aktuell werden vor allem Kinder zum Opfer von Sklaverei. Im Bürgerkriegsland Syrien leben laut Schätzungen 30.000 Kindern ohne Identitätsnachweis und ohne offizielle Registrierung, wie Vatican News am Freitag berichtete.

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Gewalt gegen Indigene in Kanada: Angst auf dem „Highway der Tränen“

Highway of Tears in Colorado, Kanada | Bildquelle: picture alliance/AP Images

In Kanada werden indigene Frauen zwölfmal öfter Opfer von Gewalt als andere. Ein 700 Kilometer langer Straßenabschnitt – der „Highway der Tränen“ – hat traurige Berühmtheit erlangt.

Antje Passenheim | tagesschau.de

Gigantische Tafeln mit Bildern indigener Frauen prangen am Rand des Highway 16. Sie ist nicht vergessen, steht auf einem. Hunderte Namen sind es, die nicht vergessen sind: Namen all der Frauen und Mädchen indigener Völker, die in den vergangenen Jahrzehnten in Kanada ermordet wurden. Vergewaltigt, gepeinigt, brutal beseitigt. Frauen, an die die Tafeln seit diesem Sommer wieder erinnern.

Nach Schätzungen sind allein Dutzende hier auf dieser einsamen Straße verschwunden, der die Anwohner einen Namen gegeben haben: „Highway of Tears“ – „Highway der Tränen“.

 „Warum? Weil sie indigen ist“

700 Kilometer lang schlängelt sich die Straße durch Gebirge und dichte Wälder, vorbei an ärmlichen Reservaten der Ureinwohner. Es gibt kaum Busse. Es gibt viele Trucks. Es gibt viele Tramperinnen.

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Wenn es quakt wie eine Ente, war es im Zweifel die Regierung

Grafik: TP

Bigfoot, Osama Bin Laden und Prinzessin Diana betreten gemeinsam eine Bar. „Das kann kein Zufall sein“, denkt der Barkeeper und zückt sein Smartphone – Eine Replik

Jan Skudlarek | TELEPOLIS

Wie unserem Barkeeper geht es nach wie vor vielen Kommentatoren in der Causa Epstein. Auch zwei Wochen post mortem sind die Stimmen nicht verebbt, die behaupten, der Tod von Jeffrey Epstein sei kein Freitod gewesen, sondern ein Mord und der Mord nicht irgendein Mord, sondern ein Auftragsmord und der Auftragsmord nicht irgendein Auftragsmord, sondern natürlich ein Auftragsmord mit Hintermännern im neunten Höllenkreis der milliardenschweren Machtelite. „Das kann kein Zufall sein“, beten ganze Kommentarspalten im Chor.

Wenn es hierfür keinerlei Beweise gibt: halb so wild. Wenn der Autopsiebericht das Gegenteil berichtet: Hey, Schwamm drüber. Wenn die seriösen Medien darüber nicht berichten: Die sind halt Teil der Verschwörung!

„Man wird ja wohl noch andeuten dürfen, dass es kein Selbstmord war“, so der Tenor. Einfach so. Aus einem Bauchgefühl heraus. Und zwar bitte schön ohne gleich „Verschwörungstheoretiker“ genannt zu werde für diese … nun ja … wie soll man sagen … Theorie, über die, äh … große Verschwörung? Ach, egal. Wie dem auch sei: Wer das V-Wort verwendet, ist der Feind. Der Feind, der Paketband über die Münder nonkonform redender Kritiker klebt. Antiaufklärerisch und womöglich von Strippenziehern bezahlt.

So oder so ähnlich liest man es.

Fakt eins: Ich habe einen Artikel zum Thema Epstein-Verschwörungsdenken geschrieben. Fakt zwei: Man wirft mir vor, ein systemkonformer Naivling zu sein. Fakt drei: Diese Resonanz ist sowohl vorhersehbar als auch inhaltlich deplatziert.

Ich glaube nicht fraglos an Selbstmord, wie mir vorgeworfen wird: Fall Epstein: Journalisten, die fraglos an Selbstmord glauben. Das stand auch nirgends so in meinem Artikel. Ich habe vor allem darauf hingewiesen, dass konspirative Spekulation – im Fall Epstein und ganz allgemein – als das benannt werden muss, was sie ist: konspirative Spekulation.

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Migrationsforscher Wolff: Mauern halten Zuwanderer nicht auf: „Nicht rechtskonform und ineffektiv“

Migranten an der US-Grenze © David Maung/CNS photo (KNA)

Tausende Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten begeben sich in Lebensgefahr, um nach Europa zu kommen. Die Aufnahme von Menschen in Not ist hier aber längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

DOMRADIO.DE

KNA: Herr Wolff, aus Furcht vor einer neuen Flüchtlingswelle setzen viele Europäer auf eine starke Außengrenze der EU. In den USA drängt Präsident Trump gar auf den Bau einer Mauer zu Mexiko. Sie halten das für keine gute Idee?

Frank Wolff (Historiker und Migrationsforscher): Starke Außengrenzen oder Mauern wie die an der Grenze der USA zu Mexiko sind eigentlich nur der verzweifelte und vergebliche Versuch, ein sehr komplexes Problem zu lösen. Sie geben sich stark, sind aber ein Ausdruck von Schwäche. Aus der Geschichte wissen wir, dass solche Grenzen nicht menschenrechtskonform umsetzbar und überdies ineffektiv sind.

Um eine dauerhafte Wirkung zu haben, benötigen sie Gewalt und Waffen und immer weiter ausgreifende Menschenrechtsverletzungen im Hinterland, wie wir einst an der DDR und heute noch in Nordkorea und immer mehr auch in den USA sehen. Europa steht hier in der Tat an einem Scheideweg in Bezug auf seine Grundregeln.

KNA: Mauern sind also keine Lösung für Migration?

Wolff: Mauern simulieren lediglich, dass es eine dauerhafte Lösung gibt. Migration kann man aber nicht lösen, sondern man muss mit ihr umgehen. Es braucht dazu flexible Systeme in einer immer komplexeren Welt. Auch wird kein Staat Mauern auf Dauer unterhalten können, wie das Beispiel DDR zeigt. Die SED benötigte am Ende einen umfassenden Repressionsapparat, um das zu schützen, was sie schützen sollte.

Ungarn hat vor 30 Jahren den Grenzzaun aus Kostengründen aufgegeben. Das zeigt, dass ganze Gesellschaften auf den Schutz einer solchen Grenze ausgerichtet werden müssten. Das ist keine Option.

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Der Wahrheitsanspruch beendet jedweden religiösen Frieden

Die zehnte Weltversammlung von „Religions for Peace“ im süddeutschen Lindau war mit Vertretern aus 125 Ländern bunt und vielsprachig. Die strikte Absage an jede Form von Gewalt war aber zu leise, meint Christoph Strack.

Christoph Strack | Deutsche Welle

Religionen haben Konjunktur. Mit ihnen kann man sogar Wahlkampf führen und Stimmungen prägen. Donald Trump bezeichnete sich gerade als von Gott persönlich auserwählten US-Präsidenten. Gut 84 Prozent der Weltbevölkerung sind religiös. 

Religion ist oft auch politisch. Und längst gibt es einen Kampf um die Deutungshoheit sowie ein Ringen um die politische Dominanz im Bereich der Religion, auch um die religiöse Dominanz im Bereich der Politik. Es sind oft konservativste (und auch finanzstarke) Evangelikale und Freikirchler, die in Brasilien den Umwelt-Schänder Bolsonaro ins Amt puschten oder gelegentlich für Trump beten. Ihnen allen ist auch dieser so konservative wie revolutionäre Papst Franziskus aus dem Süden ein Dorn im Auge.

Parallele Konferenz in Sri Lanka

Und auf ganz anderer Bühne ist da immer auch noch der saudische Wahhabismus, der Fundamentalismen füttert. Und parallel auf Dialog setzt. Zeitgleich zum Lindauer Welttreffen der Religionsvertreter tagte in Sri Lanka eine Konferenz zu Frieden, Harmonie und Koexistenz, in deren Mittelpunkt der Generalsekretär der Islamischen Weltliga, Mohammad Alissa, stand.

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Blutjunger Stern wartet mit weiterer Attraktion auf

Hypothetische Innenansicht des Sternsystems Beta Pictoris: Im Vordergrund der neuentdeckte Riesenplanet, daneben sein kaum kleinerer, aber weiter entfernter Nachbar. Im Hintergrund wabern die Gas- und Staubschlieren der protoplanetaren Scheibe um den Stern.
Illustration: P Rubini / AM Lagrang

Beta Pictoris ist nur so alt wie die ersten Menschenaffen – und wird laut einer neuen Studie von mindestens zwei riesigen Planeten umkreist

DERSTANDARD

63 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild des Malers (Pictor) zieht der Stern Beta Pictoris seine Bahn. Dieser massereiche Stern bietet Astronomen schon seit Jahrzehnten immer wieder neue Messwerte, die zum Staunen anregen.

Zum einen ist er nach kosmischen Maßstäben unglaublich jung: Beta Pictoris dürfte vor etwa 20 bis 23 Millionen Jahren gezündet haben – das ist ein so kurzer Zeitraum, dass er sich schon mit dem menschlichen Stammbaum abgleichen lässt: Als Beta Pictoris geboren wurde, begann auf der Erde gerade das Miozän, in dem sich die sogenannten Menschenartigen (Menschenaffen, Gibbons und unsere direkten Vorfahren) vom Rest der Primaten abtrennten.

Protoplanetare Scheibe mit ersten Abkömmlingen

Jung, wie er ist, umgibt den Stern immer noch eine protoplanetare Scheibe, aus der sich mit der Zeit Planeten entwickeln können. Damit schrieb Beta Pictoris Astronomiegeschichte: In den 1980er-Jahren gelang es nämlich erstmals, Aufnahmen anzufertigen, mit denen sich eine solche Scheibe nachweisen ließ. Inzwischen wurden tausende Exoplaneten und auch eine ganze Reihe protoplanetarer Scheiben entdeckt. Damals jedoch war dies ein Meilenstein.

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Gotteserfahrungen als »Beweis«

Ich komme nun zu einem Punkt besonderer Art, und zwar zu den sogenannten Gotteserfahrungen. Ich will im Folgenden erläutern, warum sogenannte Gotteserfahrungen für manche Menschen eine ihr Leben umwälzende Erfahrung bedeuten können, für mich dennoch keinen Beweis für die Existenz Gottes darstellen.

Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Diese Gotteserfahrungen sind mir in Diskussionen mit gläubigen Menschen meist in zwei Formen begegnet. Erstens

Die Schöpfung als sichtbares Zeichen der Existenz Gottes

Viele gläubige Menschen meinen, in der Natur Gott zu erkennen. Zum Beispiel bei einer Bergwanderung oder beim Anblick eines Sonnenuntergangs am Meer. In diesem Zusammenhang wird dann auf die uns oft überwältigende Schönheit der Natur verwiesen und auf die wunderbare Ordnung, die in der Tier- und Pflanzenwelt zu beobachten sei.

Das Alles könne nur einem Schöpfer zu verdanken sein, der das geschaffen habe – so heißt es dann.

Wir wissen, dass die Naturwissenschaften, insbesondere in Form der Evolutionstheorie, dafür andere Erklärungen anbieten. Diese wissenschaftlichen Begründungen halte ich für weitaus überzeugender.

Wie der Artenreichtum im Pflanzen- und Tierreich sich entwickelte, kann die Evolutionstheorie inzwischen detailliert erläutern und belegen. Selbst die Entstehung von Leben überhaupt dürfte in naher Zukunft vollständig geklärt sein. Der Irrtum vieler Gottgläubiger besteht darin, dass sie das aufeinander abgestimmte Leben von Pflanzen und Tieren, diese beeindruckende, durch Regelkreise sich einstellende Ordnung, sich nur begreiflich machen können durch eine zielorientiert und planvoll vorgehende, übernatürliche Kraft, gemeinhin Gott genannt.

Ihr gewohntes und täglich angewandtes Denken in den Kategorien von Ziel und Plan beziehungsweise Absicht und Zweck projizieren Gläubige auch in die Natur hinein. Was existiert, das erscheint ihnen aufgrund seiner Ästhetik und Perfektion als gewollt und geplant, eine andere Erklärung widerspricht ihrer täglichen Erfahrung. Die Natur jedoch, genauer: die Evolution, kennt keine Ziele, sie folgt nur Ursachen und löst Wirkungen aus nach den Gesetzmäßigkeiten dieser materiellen Welt.

Tatsächlich ist das, was unter Zufallseinfluss zum Beispiel durch Mutationen entstand und heute existiert und bewundert wird, nur das ist, was unter den jeweils gegebenen Umständen »funktionierte«, folglich überlebte. Alles andere ist längst wieder untergegangen und allenfalls in Form von Fossilien erhalten. Eines Schöpfers und Lenkers dieses Prozesses bedarf die Natur nicht.

Wird somit die Gültigkeit der Evolutionstheorie aufgrund der erdrückenden Beweislast von den Wissenschaften und – wie schon früher erwähnt – selbst von der katholischen und evangelischen Kirche im Grundsatz nicht mehr bestritten, so wird die Frage ihrer Bedeutung in Bezug auf das Selbstverständnis des Menschen keinesfalls einhellig beantwortet. Für die Kirche bleibt der Mensch das gottgewollte Ziel der Evolution und der Endpunkt dieser Entwicklung, das Ebenbild Gottes, ausgestattet mit einer unsterblichen Seele.

Aber für metaphysische Begriffe wie Ebenbild Gottes oder unsterbliche Seele gibt es aus naturwissenschaftlicher Sicht keinerlei Ansatzpunkte. Und so sind für den Naturwissenschaftler solche Charakterisierungen zwar streng genommen nicht als falsch zu bezeichnende, weil nicht widerlegbare, aber überflüssige, weil zu Erklärung und Verständnis nicht beitragende Behauptungen.

Wenn ich von der Richtigkeit der Evolutionstheorie überzeugt bin, welchen Anlass sollte ich dann haben, einer etwa dreitausend Jahre alten biblischen Legende Glauben zu schenken, dass ich mein Dasein und meine Bedeutung in dieser Welt einem separaten Schöpfungsakt verdanke? Für mich gibt es nicht die geringsten Hinweise, dass der Mensch außerhalb der biologischen Gesetze stünde und er zu seiner Erklärung außernatürlicher, überirdischer Kräfte bedürfte.

Ein an die Mitwirkung Gottes Glaubender müsste nachweisen, dass ohne die Hypothese Gott die Entstehung der Artenvielfalt und des Menschen nicht möglich ist. Die christliche Botschaft vom planvollen Eingreifen Gottes bei der Entstehung der Welt und des Menschen hat für mich nur noch historische und literarische Bedeutung.

Ziel und Plan, Absicht und Zweck sind typisch menschliche Kategorien, nach denen wir die Welt als Ganzes beurteilen möchten. Das Existierende erscheint uns nur deshalb als »gewollt«, weil wir gewohnt sind, Zweckmäßiges und Angepasstes in den Kategorien von Ziel und Plan zu interpretieren. Es ist aber vielmehr so: Das Vorhandene existiert nur, weil es durch Mutation und Auslese an seine Umwelt zweckmäßig angepasst ist. Alles andere ist längst untergegangen.

Eine weitere Form der Gotteserfahrung ist zweitens

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