Burka im Kopf

© dpa Besucherinnen der Ausstellung „Burquoi“ im Kunstverein Wiesbaden (Archivbild)
Ein Vollverschleierungs-Verbot mögen sich viele Deutsche wünschen. Doch sollten sich seine Unterstützer keiner Illusion hingeben.

Von Lorenz Hemicker | Frankfurter Allgemeine

Jens Spahn fehlt es nicht an Bodenhaftung. Vielleicht liegt das daran, dass er nach eigenem Bekunden auch als Bundestagsabgeordneter noch bei Ikea einkauft. Dort hat er beobachtet, dass es Menschen gibt, deren Gesichtszüge nicht zu erkennen sind, deren Kleidung ein klares „Nein“ zu jedweder Kommunikation ausstrahlt. Und andere Menschen, die den Verhüllten nachschauen – ratlos, ängstlich oder feindselig. Muss das so sein?

Die Antwort von Jens Spahn darauf ist einfach, er will ein Burka-Verbot, wie schon viele andere Unionspolitiker vor ihm. Zahlreiche Deutsche würden das unterschreiben. Es widerspricht unserer Auffassung von Menschenwürde und Gleichberechtigung, dass sich Frauen vollständig verhüllen (müssen).

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„Anzeigen Erdogans bleiben in Deutschland bestehen“

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Am Freitag kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Rückzug aller Klagen wegen Beleidigung an. Doch TV-Satiriker Jan Böhmermann ist davon offenbar nicht betroffen.

DIE WELT

Die Strafanzeigen wegen Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten sind in Deutschland nach Angaben des Medienanwalts Ralf Höcker noch nicht ad acta gelegt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Freitagabend mitgeteilt, alle seine Anzeigen zurückzuziehen. „Die Ankündigung bezieht sich nur auf die Türkei. In Deutschland ändert sich vorerst nichts“, sagte Höcker.

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Der NSU-Skandal – Geschichte einer verhinderten Aufklärung

Wie die Staatsapparate aus einer Existenzkrise, in die sie durch die Selbstenttarnung des NSU geraten waren, gestärkt daraus hervorgegangen sind

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

In diesen Tagen des multiplen Terrors ist viel von neuen Gesetzen die Rede, die das Sicherheitsgefühl der Menschen stärken sollen. Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte warnte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk vor reiner Symbolpolitik auf dem Gebiet der Sicherheit. Er hat als Alternative aber ebenfalls nur Symbolpolitik im Angebot.

Es sind ja einige konkrete Dinge benannt worden, aber die Sicherheitslage ändert sich ja dadurch faktisch nicht. Denn die Bürger brauchen nicht mehr Information oder nur Sicherheitspersonal, sondern sie müssen Vertrauen haben in den Staat, der sie elementar beschützt. Das ist im Moment nicht mehr der Fall und hier sind einfach viele Verunsicherungen, die eher durch Vertrauen, vielleicht auch durch Zukunftsprojekte aufzufangen sind, aber nicht durch Aufrüstung im Detail.

Können Migranten nach dem NSU Vertrauen in staatliche Behörden haben?

Nun denkt man, dass ein Politikwissenschaftler, der sich mit den innenpolitischen Debatten der letzten Jahre beschäftigt hat, dann auch wissen müsste, dass zumindest bei Bürgern mit migrantischem Hintergrund das Vertrauen in den deutschen Staat nachhaltig gestört wurde, nachdem bekannt wurde, dass der Nationalsozialistische Untergrund neun Menschen aus völkisch-rassistischen Gründen ermordete und alle staatlichen Apparate alle Spuren in die rechte Szene abwiesen und stattdessen die Opfer, ihre Angehörigen und Freunde zu den eigentlichen Tätern erklärten. Sie wurden verhört und in der Öffentlichkeit verleumdet.

Nachdem der Charakter der NSU als völkische Terrororganisation nicht mehr zu bestreiten war, sah es für kurze Zeit so aus, als läge eine Abwicklung der Verfassungsschutzämter im Bereich des Möglichen. Doch heute erwähnt der Politologe Korte den NSU nicht einmal mehr, wenn er von Vertrauen spricht, das die Bürger in einen Staat haben sollen, der sie beschützt.

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Atheisten: Flüchtlinge ohne Religion

Nein Danke. Brauchen wir nicht. Image. Godless Atheists/FB
Nein Danke. Brauchen wir nicht.
Image. Godless Atheists/FB
Wie viele Flüchtlinge aus muslimischen Ländern Atheisten sind, weiß niemand. Manchmal wird ihnen nicht geglaubt, oft fürchten sie sich vor Mobbing oder Gewalt.

Von Marcus Latton | ZEIT ONLINE

Einen Antrag auf Kirchenaustritt zu stellen, ist in Deutschland ein eher banaler Verwaltungsakt für all jene, die den Glauben verloren haben, sich enttäuscht von ihren Gemeinden abwenden oder einfach die Kirchensteuer sparen wollen. Für Ahmad Othman Adi war der Antrag eine Offenbarung. Seine deutschen Freunde erzählten ihm vor drei Jahren von dieser Möglichkeit. Damals ging er noch in Recklinghausen zur Schule. 2012 war er vor dem Krieg in seiner syrischen Heimat geflohen. „Ich fragte sie: Ihr könnt einfach so die Kirche verlassen und das war’s?“, sagt der heute 22-jährige Adi.

Ein Austritt aus dem Islam ist nicht vorgesehen

Der Islam hat gar keine Kirche, ein Austritt ist nicht vorgesehen. In der syrischen Stadt Hama wuchs Adi als sunnitischer Muslim auf. Doch als Jugendlicher begann er zu rebellieren. Er produzierte mit Freunden Hip-Hop-Beats und begann mit 14 Jahren am Islam zu zweifeln – und Fragen zu stellen. An seine Eltern, an seine Religionslehrer in der Schule. „Ich mochte es nicht, wie der Islam Sexismus verbreitet und Hass gegen Homosexuelle“, sagt Adi, der seit vergangenem Jahr in Berlin lebt. „Auch diese ganzen Wundergeschichten aus dem Koran hatten irgendwann keinen Sinn mehr für mich. Etwa, dass alle Menschen von Adam und Eva abstammen. Oder dass der Prophet Mohammed mit seinem Pferd in nur einer Nacht von Arabien nach Palästina geritten sein soll. Wie kann man das ernsthaft glauben?“

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Strahlender Ozean – radioaktives Jod im Seegras von Keitum

The "Baker" explosion, part of Operation Crossroads, a nuclear weapon test by the United States military at Bikini Atoll, Micronesia, on 25 July 1946. United States Department of Defense/PD
The „Baker“ explosion, part of Operation Crossroads, a nuclear weapon test by the United States military at Bikini Atoll, Micronesia, on 25 July 1946. United States Department of Defense/PD
Unsere Meere sind angereichert mit Radioaktivität. Sie stammt unter anderem vom Reaktorunfall aus Fukushima, aber auch aus früheren Tests mit Atomwaffen und verklappten Fässern mit Atommüll

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Seit den 1940er Jahren wurden Fässer mit mehr als 100.000 Tonnen, zum Teil hoch radioaktivem, Atommüll an den europäischen Küsten versenkt. In den Tiefen der Nordsee liegen heute noch zehntausende solcher Fässer. So verlud man im Mai 1967 im norddeutschen Emden rund 1.000 Tonnen auf britische Schiffe, um sie im Nordostatlantik, in der irischen See und im Ärmelkanal zu verklappen. Als Mitte der 1980er Jahre deutsche Wissenschaftler im Atlantik neun Fässer aus dem Wasser zogen, fanden sie Plutonium im Wasser, im Meeresboden und den untersuchten Fischen.

Ein Kamerateam des SWR suchte im Ärmelkanal – in Hurt Deep – nahe der Insel Alderney – nach den rund 28.000 Fässern, die hier einst nur 100 Meter tief verklappt wurden. Tatsächlich fanden sie neben einigen verrosteten auch unversehrte Fässer.

Vertreter der Atomindustrie glauben, dass das Meer die strahlenden Substanzen soweit verdünnt, bis sie völlig harmlos sind. Seit den 1980er Jahren wisse man jedoch, dass in der See verklapptes Material zurückkomme, sagt Chris Busby den SWR-Journalisten. Die Strahlung, die sein Geigerzähler an den Stränden vor Sellafield misst, ist viel zu hoch.

Feine Partikel binden am Meeresgrund unter anderem auch Plutonium und Cäsium, so der Physiker, der seit Fukushima internation bekannt ist für seine Annahme: Jede Dosis vom ersten strahlenden Teilchen an könne Krebs auslösen. Daran erkrankten auf der kleinen Ärmelkanal-Insel mit den 2.400 Einwohnern schon vor Jahrzehnten ungewöhnlich viele Menschen. Bis heute ist die Anzahl von Hirntumoren auffällig hoch.

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Farben der Freiheit

© dpa Halbmond und Stern auf rotem Grund – zurzeit eine Flagge der Unfreiheit
Doppelte Staatsangehörigkeit? Heute ernten wir die Früchte dieser Politik, der jedes Gefühl für Staat und Nation, für Sinn und Form völlig abgeht.

Von Reinhard Müller | Frankfurter Allgemeine

Es ist kein Nachtreten, wenn man weiterhin nüchtern feststellt: Unkontrollierte Masseneinwanderung aus anderen Kulturkreisen, von Kriegsopfern und Traumatisierten stellt unser Land vor eine immense Herausforderung. Deutschland kann nur ein sozialer Rechtsstaat bleiben, der Verfolgten Schutz gewährt, solange es die Kontrolle über sein Gebiet wirksam ausübt und hier das Recht durchsetzt. Genauso klar ist, dass man zwar mehreren Staaten rechtlich verbunden sein kann – aber sich im Konfliktfall entscheiden muss.

So wie die Politik der offenen Grenzen von Wunschdenken geprägt war, so war die breite Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit mit der Erwartung verbunden, die Integration insbesondere von Türken würde dadurch gefördert – eine Illusion. Dabei hat es schon vor gut 15 Jahren nicht an warnenden Stimmen gefehlt: Wenn aus einem Ausländer ein Deutscher wird, so sollte das ein krönender, formaler wie emotionaler Schlussstein einer Einwanderungsgeschichte sein. Doch eine ziemlich große Koalition ist bis jetzt der Ansicht, die großzügige, ja blinde Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit auch an Flüchtlinge sei der Ausgangspunkt einer großartigen Integration.

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Obskur: Wenn Katholiken Gender-Toiletten nicht verstehen

Bild: FB
Bild: FB

In den USA hat ein Mitarbeiter der Kaufhauskette „Macy’s“ seine Stelle als Kaufhausdetektiv verloren, nachdem er sich in einem Streit um Gender-Toiletten zu seinem christlichen Glauben bekannte.

kath.net

Nach der Genderforschung gibt es nicht nur Mann und Frau, sondern zahlreiche geschlechtliche Orientierungen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern seien nicht angeboren, sondern sozial konstruiert. In der Kontroverse ging es um die Frage, ob Männer, die sich als Frauen fühlen, die Damentoiletten benutzen dürfen.
Wie US-Medien berichten, war Javier Chavez seit 26 Jahren bei dem Warenhauskonzern angestellt, zuletzt als leitender Sicherheitsbeauftragter in einer Filiale im New Yorker Stadtteil Queens. Der Detektiv wurde von zwei Kunden – einer Mutter mit ihrer Tochter – darüber informiert, dass sich ein Mann zusammen mit einer Frau in der Damentoilette aufhalte. Ein Mitarbeiter von Chavez bat den Mann daraufhin, er solle die Herrentoilette aufsuchen. Er verweigerte das und erklärte, er sei eine Frau. Nach dem Vorfall informierte der stellvertretende Filialleiter Chavez darüber, dass es Transgender-Personen erlaubt sei, in Macy’s-Kaufhäusern eine Toilette ihrer Wahl aufzusuchen.

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Besser als „TITANIC“: Erdogan unterstellt Deutschland Defizit bei Meinungsfreiheit

erdogan

Vor der großen Erdogan-Demo in Köln ist die Stimmung aufgeheizt. Die Grünen sprechen von einer „Jagd auf Oppositionelle“ in der Bundesrepublik, der türkische Präsident attackiert Deutschland und Österreich.

SpON

Vor der geplanten Pro-Erdogan-Demonstration am Sonntag in Köln hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Deutschland und Österreich wegen angeblich mangelnder Meinungsfreiheit kritisiert.

Die in beiden Ländern lebenden Türken dürften nicht protestieren. Teilweise sei es ihnen verboten, die türkische Flagge vor ihren Häusern zu hissen, sagte der türkische Präsident am späten Freitagabend vor Anhängen in Ankara.

Mit der Wahrheit hat dies nichts zu tun. Ein Flaggenverbot in Deutschland und Österreich existiert nicht; und in Köln ist für Sonntagmittag eine Großdemonstration von mehreren Zehntausend Erdogan-Anhängern geplant.

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Dieser Künstler nutzt Pokémon Go um das Leid in Syrien zu zeigen

Ein Junge mit seinem Fahrrad zwischen den zerstörten Häusern in Aleppo – neben ihm sitzt das Wasser-Pokémon Aquana. Foto: Instagram / khaledakil
Der Künstler Khaled Akil hat die kleinen Monster aus dem beliebten Handy-Spiel „Pokémon Go“ vor zerstörte Häuser in Aleppo gesetzt. Er will nicht, dass der Krieg in seiner Heimat in Vergessenheit gerät.

Von Anica Beuerbach | greenpeace magazine

250.000 Menschen sind bisher im Bürgerkrieg in Syrien gestorben. 4,7 Millionen Syrer sind bereits seit Kriegsbeginn ins Ausland geflüchtet. Weitere sechs Millionen sind im Inland auf der Flucht. Eine Welt, die nur noch selten in den Medien vertreten ist: Diese berichten momentan über „Pokémon Go“, aber auch die aktuellen Terrorangriffe in Europa und die Präsidentschaftswahlen in den USA.

„Unglücklicherweise langweilen sich die Menschen nach einiger Zeit über Nachrichten aus Kriegsgebieten. Sie gewöhnen sich an die Nachrichten über Tod und Zerstörung und leben ihr Leben weiter. Das hier soll eine kleine Erinnerung an den Krieg in Syrien sein“, sagt Khaled Akil über seine Bilder gegenüber dem arabischen Nachrichtensender „Al Jazeera“.

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Das Pokémon Glurak steht mit syrischen Bürgerkriegern auf einem Panzer. Foto: Instagram / khaledakil

 

Jens Spahn: „Ein Verbot ist überfällig. Ich bin burkaphob“

Bild: Reuters
Bild: Reuters
CDU-Präsidiumsmitglied Spahn fordert eine härtere Gangart gegen integrationsunwillige Flüchtlinge. Und er warnt: Offenheit für andere Kulturen droht zum Rückfall in verklemmte Spießigkeit zu führen.

Von Claudia Kade, Thomas Vitzthum | DIE WELT

Die Welt: Herr Spahn, Deutschland ist von mehreren Attentaten erschüttert worden. Die Bundesregierung hat anfangs argumentiert, die Täter seien Flüchtlinge, die vor dem großen Ansturm im Herbst 2015 angekommen seien. Kann man so die Bürger beruhigen?

Jens Spahn: Angela Merkel hat es ja gesagt: Es ist egal, wann die Täter als Flüchtlinge zu uns gekommen sind. Klar ist, dass unter den Flüchtlingen nicht nur Engel sind. Manche haben eine Vorgeschichte als Alltagskriminelle, andere haben im Krieg gekämpft, und manche wollen hier offensichtlich gezielt islamistischen Terror verbreiten. Wir müssen sicherstellen, dass nicht die Falschen zu uns kommen.

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Präsidentenbeleidigung Erdogan zieht Klagen zurück

erdogan-sultan

Der türkische Präsident Erdogan kündigt die Rücknahme aller Beleidigungsklagen an. Unklar ist, ob auch Klagen im Ausland – wie die gegen Jan Böhmermann – hiervon umfasst sind.

Frankfurter Rundschau

Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei hat sich Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen internationale Kritik gewehrt und dem Westen mangelnde Solidarität vorgeworfen. Die EU und die USA mögen sich „um ihre eigenen Angelegenheiten“ kümmern, statt ihm Ratschläge zu erteilen, sagte er am Freitag in Ankara. Zugleich kündigte er an, sämtliche Beleidigungsklagen zurückzunehmen – ob das auch für Anzeigen im Ausland galt, blieb zunächst unklar.

„Einige Leute geben uns Ratschläge. Sie sagen, sie sind besorgt“, sagte Erdogan in seiner Rede im Präsidentenpalast. „Kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten! Schaut auf eure eigenen Taten.“ Kein einziger ranghoher westlicher Politiker habe seit dem gescheiterten Militärputsch vor zwei Wochen die Türkei besucht, um sein Mitgefühl auszudrücken.

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Meinungsfreiheit gilt für alle

Mit einem Schild mit der Aufschrift „Freie Presse, freie Gesellschaft“ demonstriert ein Mann vor dem Prozess gegen den Journalisten Can Dundar. Foto: dpa
Zu Recht äußern die Vereinten Nationen und die EU große Sorge um die Pressefreiheit in der Türkei. Egal, wofür die verhafteten Journalisten stehen: Die Meinungsfreiheit muss auch für falsche Ideen gelten. Ein Kommentar.

Von Frank Nordhausen | Frankfurter Rundschau

Die Verhaftungswelle in der Türkei hat die Journalisten erreicht. Die Regierung in Ankara hat Fahndungslisten für 89 Journalisten erstellt, von denen die meisten für Medien der islamischen Gülen-Bewegung gearbeitet, die für den blutigen Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich gemacht wird. Zu Recht äußern die Vereinten Nationen und die Europäische Union große Sorge um die Pressefreiheit in der Türkei.

Falls wirklich Journalisten in den Putschversuch verwickelt waren, müssen sie gerichtlich belangt werden. Es ist auch richtig, dass einige Namen auf der Verhaftungsliste in der Vergangenheit nicht eben als Leuchttürme der Wahrheit galten.

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Rettungsschiff bewahrt Hunderte Flüchtlinge vor dem Ertrinken

Das private Rettungsschiff „Iuventa“ des Vereins „Jugend Rettet“ hat vor der libyschen Küste Hunderte Flüchtlinge vor dem Ertrinken bewahrt.

evangelisch.de

426 Menschen seien aus Seenot gerettet werden, teilte der Verein am Freitag mit. 146 Menschen wurden den Angaben zufolge an Bord genommen und versorgt, weitere 280 Menschen wurden mit Rettungswesten stabilisiert und von Bord aus versorgt.

Die „Iuventa“ war Ende Juni von Emden aus zu ihrer Rettungsmission im Mittelmeer aufgebrochen. Der 33 Meter lange frühere Fischtrawler wurde von dem Verein erworben und umgerüstet, um schiffbrüchige Flüchtlinge zu retten.

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Guantanamo à la française: Frankreichs Republikaner kochen

Vorbild? Guantanamo, Camp X-Ray, 2002. Foto: 1st Class Shane T. McCoy, USN/gemeinfrei
Die Diskussionen über die richtige Strategie im „Krieg gegen den IS“ verschärfen sich. Sarkozy empfiehlt die Unterbringung von Verdächtigen in geschlossenen Anstalten

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die deutsche Kanzlerin sagte, sie glaube, „dass wir uns in einem Kampf oder meinetwegen auch in einem Krieg gegen den IS befinden“. In Frankreich ist die beständige Rede vom Krieg gegen den IS Normalzustand, ein „meinetwegen“ braucht es dort nicht mehr. Die Politiker haben schon ein paar Schwellen mehr überschritten.

Seit den beiden Attentate in Nizza und in Saint-Etienne-du-Rouvray hat die Debatte über die richtige Strategie gegen den Dschihad-Terrorismus hat eine neue Wucht bekommen. Die jüngsten Stichworte lauten: „Guantanamo à la française“, nach Nizza in die Diskussion geworfen von Georges Fenech, Mitglied der französischen Republikaner, oder die „Israelisierung unserer Sicherheitspolitik“, die der ehemalige Verteidigungsminister unter Präsident Sarkozy, Hervé Morin fordert.

Beide Stichworte stehen jeweils für Spielräume für harte Vorgehensweisen im Sinne der „Null Toleranz“-Strategie, die Sarkozy ausgerufen hat. In welche Richtung „Israelisierung“ geht, deutete der Generalsekretär der Sarkozy-Partei Les Republicains an:

Im Klartext, gegen die Terroristen, die mit Messer und Kalaschnikows bewaffnet sind, sollen wir mit dem Strafgesetzbuch vorgehen?! Ein Hohn!

Worum es beim französischen Guantanomo gehen soll, erklärte dann der Präsident der Republikaner, Nicolas Sarkozy. Es reiche nicht, dass für bestimmte Individuen eine geheimdienstliche Akte angelegt wird (die berühmte Fiche S), so der frühere Präsident Frankreichs. Derartig Auffällige sollten entweder Hausarrest mit einer Fußfessel bekommen bzw. präventiv in eine geschlossene Anstalt gesperrt werden, wenn es sich um Gefährlichere handelt. Die Analogie zu psychiatrischen Anstalten kommt nicht von ungefähr.

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Psychiatrie in Polen: „Den Opfern eine Stimme geben“

Die Journalistin Justyna Kopinska. Foto: Jakub Plesniarsk
Die soeben preisgekrönte Journalistin Justyna Kopinska prangert polnische Psychiatrien an.

Von Philipp Fritz | Frankfurter Rundschau

Frau Kopinska, wie ist die Situation in psychiatrischen Kliniken in Ihrem Heimatland Polen?

Ich möchte nicht verallgemeinern, aber in vielen Kliniken sind die Zustände weder für die Patienten noch für die Mitarbeiter gut. Das liegt daran, dass die Häuser unterfinanziert sind und viele Ärzte sich nicht die nötige Zeit nehmen, Bedürftige ernsthaft zu therapieren. Es geht lediglich um Schadensbegrenzung. Meine Arbeitsmethode ist die folgende: Dadurch, dass ich das extremste Beispiel zeige, möchte ich Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren in geschlossenen Einrichtungen lenken, das heißt, in psychiatrischen Krankenhäusern, Kinderheimen oder Gefängnissen.

Was ist das für ein extremes Beispiel? Und was hebt geschlossene von offenen Einrichtungen ab?

Offene Einrichtungen geben die Möglichkeit des Kontakts mit Menschen von außerhalb. Geschlossene hingegen, wie der Name schon sagt, sind von der Gesellschaft isoliert. Es gibt viele großartige Ärzte und Betreuer in geschlossenen Einrichtungen. Aber wenn eine wenig empathische Person Arzt oder Stationshilfe in einem psychiatrischen Krankenhaus wird, erlangt sie so beinahe uneingeschränkte Macht. Das ist gefährlich für die Ruhe und die Sicherheit der Patienten.

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Türkei nach Putschversuch: 49.000 Pässe für ungültig erklärt – 18.000 Festnahmen

erdogan

Zwei Wochen nach dem Putschversuch geht die türkische Regierung immer noch hart gegen vermeintliche Gegner vor. Laut Innenminister Ala dürfen Zehntausende das Land nicht mehr verlassen oder sitzen im Gefängnis.

SpON

Zwei Wochen nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei geht die Polizei weiter gegen vermeintliche Regierungsgegner vor. Mittlerweile seien 18.044 Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen worden, sagte der türkische Innenminister Efkan Ala dem Staatssender TRT.

Gegen Zehntausende Menschen wurden zudem Reiseverbot verhängt. Insgesamt seien 49.211 türkische Reisepässe für ungültig erklärt worden, sagte Ala. Damit solle verhindert werden, dass die Verdächtigen ins Ausland flüchteten.

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Why the Internet Won’t Let Harambe the Gorilla Die

Image: ViralHog/Wikimedia
Harambe died for our sins, but he never truly went away.
It’s almost exactly two months since Harambe the gorilla was shot at Cincinnati Zoo, passing into the gorilla afterlife and fame as social media’s “Harambae.”

By Roisin Kiberd | MOTHERBOARD

In the background of TV coverage at the RNC, a protestor holds a sign reading “BUSH DID HARAMBE.” Meanwhile, on The Donald’s subreddit, users suggest it was Hillary Clinton. In the town of Willoughby, Ohio, citizens pass through a street renamed “Harambe Drive” on Google Maps, thanks to the efforts of dedicated “Harambe activists.” “Dicks out for Harambe,” an unusual rallying call, has even reached the ears of celebrities.

Harambe is everywhere, sealed into memehood for eternity, glaring out from screens with his world-weary eyes. It’s an unheard-of level of mourning, not least for a gorilla we hardly knew.

How did we get here? On May 28, a four-year-old boy named Isaiah Dickerson climbed into Harambe’s enclosure, watched by a crowd including his terrified mother, who can be heard on recordings of the incident shouting “Mommy’s right here” from the fence. The 17-year-old Western lowland gorilla, a critically endangered species, dragged the child through water and grabbed at his hand until a zoo worker intervened by shooting Harambe dead.

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Türkische Regierung erwägt Referendum über Todesstrafe

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat die Möglichkeit einer Volksabstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht gestellt.

evangelisch.de

Solche Entscheidungen dürften „nicht in der Hitze des Augenblicks“ getroffen werden, sagte Cavusoglu in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe). „Vielleicht wird die Entscheidung darüber in einem Referendum fallen. Das sind sehr ernste Fragen“, sagte der Außenminister.

Die türkische Regierungspartei AKP befindet sich laut Cavusoglu unter großem öffentlichen Druck, die Todesstrafe wieder einzuführen. „Wir bekommen Tausende SMS und Tweets, in denen uns gesagt wird: ‚Wenn ihr die Todesstrafe nicht wieder einführt, werden wir eure Partei nicht mehr wählen.'“ Zugleich verwahrte er sich gegen europäische Kritik: „Die EU hat nicht das Recht, uns Lehren zu erteilen in dieser Sache.“

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Ammen-Dornfinger: Giftspinne breitet sich in Berlin aus

Ammen-Dornfinger-Weibchen an der Unterseite ihres Brutgespinstes. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 Rainer Altenkamp. Cheiracanthium punctorium, female
Sie stammt aus dem Mittelmeerraum – doch fühlt sich offenbar auch in Berlin wohl: Die Giftspinne Ammen-Dornfinger hat in der Hauptstadt ein zweites Zuhause gefunden. Ihr Biss hat unangenehme Folgen.

stern.de

Der Ammen-Dornfinger lebt üblicherweise in den warmen Ländern des Mittelmeerraumes – doch ist auch in der Region Berlin-Brandenburg auf dem Vormarsch. „Zunehmend muss man damit rechnen, dem Ammen-Dornfinger zu begegnen“, erklärte der Zoologe Julian Heiermann gegenüber der „B.Z„. Der Grund: Aufgrund des Klimawandels fühlt sich die Giftspinne auch hierzulande heimisch.

Der Ammen-Dornfinger hält sich vor allem auf ungemähten Wiesen mit hohem Gras und in Gestrüpp auf. Dank seiner besonderen Färbung ist er leicht zu erkennen: Sein Vorderkörper ist rot-orange, der Hinterkörper eher gelblich bis olivgrün. Auffällig sind auch seine schwarzen Klauen, mit denen das Tier seinen Beuteopfern eine Mischung aus gewebe- und blutschädigenden Giften injiziert.

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