Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Weniger Schnee: Wie lange können wir noch in Deutschland Ski fahren?

Bei Plusgraden am Fichtelberg können auch die Schneekanonen nicht mehr helfen. Foto: picture alliance / ZB
Der Klimawandel verändert die Zukunft des Skitourismus in Deutschland. 61 Prozent der Skigebiete in den Bayerischen Alpen sind laut Bundesregierung bald nicht mehr schneesicher. Rund ein Drittel könnte nur mit Kunstschnee überdauern.

Von Rebecca Häfner|greenpeace magazine

Schon ein Temperaturanstieg um zwei Grad Celsius hat drastische Auswirkungen für die Skigebiete in den Alpen und den Mittelgebirgen in Deutschland. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. So steigt bei zwei Grad mehr die Schneegrenze um 300 Meter an. Bereits seit drei Jahren sei die Hälfte der Skigebiete in den Bayerischen Alpen auf Kunstschnee angewiesen, heißt es in der Antwort. Die Bundesregierung stützt ihre Aussagen dabei auf Daten einer OECD-Studie aus dem Jahr 2006 und einer beauftragten Analyse des Deutschen Alpenvereins (DAV) von 2013.

Weiter heißt es in dem Papier, dass diese Prognose nur bei einer Erwärmung um lediglich zwei Grad gelte. In diesem Szenario seien 61 Prozent der Bayerischen Alpen gar nicht mehr schneesicher. Rund ein Drittel müsste mit Kunstschnee am Leben gehalten werden. Die schneesicheren Gebiete würden auf 15 Prozent in Oberbayern und auf elf Prozent im Allgäu sinken. Nach Angaben der Bundesregierung sei aber gerade für Gebirgsregionen ein höherer Temperaturantstieg zu erwarten.

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Saudiarabischer Minister: Frauenfahrverbot ist keine Glaubensfrage

© dpa Der Außenminister des Königreichs Saudi-Arabien, Adel al-Dschubeir, in München.
In Saudi-Arabien dürfen Frauen kein Auto fahren. Ob sich das bald ändert? Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir bittet um Geduld.

Frankfurter Allgemeine

Für das Frauenfahrverbot in Saudi-Arabien gibt es nach den Worten von Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir keine religiöse Begründung. „Es handelt sich um eine gesellschaftliche Frage, nicht eine Frage des Glaubens“, sagte Dschubeir am Freitag bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die saudiarabische Gesellschaft entwickle sich. 1960 habe es keine Bildung für Frauen gegeben, inzwischen stellten sie 55 Prozent der Studenten im Land. In den Vereinigten Staaten habe es 100 Jahre gedauert, bis die Frauen wählen durften. „Ich sage nicht: Geben Sie mir 200 Jahre, aber schenken Sie uns etwas Geduld“, sagte Dschubeir. „Die Dinge brauchen Ihre Zeit, und wir müssen das akzeptieren.“

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“Wir konnten es erst gar nicht glauben”

Zwei Schwarze Löcher verschmelzen – und senden Gravitationswellen aus © Caltech
Die Entdeckung der Gravitationswellen ist nicht nur ein Meilenstein der Physik – es war auch ein echter Glücksfall. Denn die Forscher des LIGO-Kollaboration registrierten das Signal der beiden verschmelzenden Schwarzen Löcher sogar noch vor Beginn ihres offiziellen Neustarts – im Testbetrieb. LIGO-Physiker erzählen, wie dies ablief.

scinexx

Es kam völlig überraschend – und weitaus schneller als erwartet. Denn die beiden 3.000 Kilometer voneinander entfernten Detektoren der LIGO-Kollaboration sind erst im Sommer 2015 auf höhere Empfindlichkeit aufgerüstet worden. Ihr Laser-Interferometer kann seither noch zehnfach schwächere Veränderungen des Untergrunds durch Gravitationswellen detektieren.

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Tschechien: Präsident Zeman fordert “Deportation” von Wirtschaftsflüchtlingen

Bild: dpa
Der tschechische Präsident Milos Zeman hat die “Deportation” von Wirtschaftsflüchtlingen und religiösen Fanatikern gefordert. “Die einzige Lösung” der Flüchtlingskrise sei die Ausweisung von “ökonomischen Migranten und denen, die zu religiöser Gewalt, religiösem Hass, kurz gesagt zu Terroraktionen aufrufen”, sagte er am Freitag der Agentur CTK zufolge in Bratislava.

The Huffington Post

Zeman wiederholte seine Ansicht, islamische Migranten seien weder in die europäische Kultur integrierbar noch assimilierbar. Er warnte vor “Dschihadisten” und “Schläferzellen” unter den Flüchtlingen. Zeman hatte in den letzten Monaten wiederholt mit islamfeindlichen Äußerungen für Empörung gesorgt. Erst vor einer Woche hatten in Prag 1500 Menschen gegen den Islam demonstriert.

Sicherung der Grenzen wird zur Überlebensfrage der EU

Bei dem Treffen von mittelosteuropäischen Sozialdemokraten forderte der slowakische Ministerpräsident Robert Fico eine stärkere Sicherung der Schengen-Außengrenzen. Dies werde in diesem Jahr zur “Überlebensfrage” der Europäischen Union, sagte der Regierungschef.

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Kulturkampf um den “Raum der Stille” an der TU Dortmund

Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
In einem Raum an der TU Dortmund, der zum Beten und Meditieren gedacht ist, versuchen Muslime eine Geschlechtertrennung durchzusetzen. Die Hochschule schließt den Raum. Eine Spurensuche.

Von Alexander Jürgs|DIE WELT

Es ist ein kleiner Raum, gerade einmal 20 Quadratmeter groß. Ein kleiner Raum, der für große Aufregung sorgt. Die Wände sind grün gestrichen, ein roter Teppich auf dem Boden, zwei Sofas, zwei Sessel, ein Bücherregal, Ikea-Ware. Am Waschbecken wurde ein Paar Badeschlappen zurückgelassen, im Bücherregal entdeckt man John Steinbecks “Früchte des Zorns”, eine Einführung in die Marktforschung, ein Buch übers Patentrecht. Auf einem Holzstuhl stapeln sich bunte Tücher, in Pastelltönen, mit Blumenmustern, mit Stickereien. Es sind muslimische Gebetsteppiche.

Zwei Stellwände trennen den Raum in einen größeren und einen kleineren Bereich. Jemand hat rote Fleecedecken über die wuchtigen Raumteiler gehängt, behaglicher macht es das nicht. Raum der Stille wird der Ort im dritten Stock des Physikgebäudes der Technischen Universität Dortmund, einem Betonklotz aus den 1970er-Jahren, genannt. Am Ende der zweiten Januarwoche hat ihn die Leitung der Hochschule geschlossen.

US-Gericht entscheidet für Gewissensfreiheit für Standesbeamte

Themenbild.
Themenbild.
Die Standesbeamte Kim Davis darf nicht gezwungen werden Ehelizenzen für homosexuelle Paare auszustellen, wenn dies gegen ihr Gewissen verstößt. Das hat ein Bundesgericht entschieden.

kath.net

Die Standesbeamte Kim Davis muss keine Ehelizenzen an gleichgeschlechtliche Paare ausstellen. Ein Bundesrichter im US-Bundesstaat Kentucky hat eine entsprechende Klage der Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) abgewiesen.
Davis ist praktizierende Christin und hat sich aus Gewissensgründen geweigert, homosexuellen Paaren Ehelizenzen auszustellen. Dies würde den Geboten ihres Glaubens widersprechen, hat sie argumentiert. Für ihre Standhaftigkeit musste sie im September 2015 einige Tage in Beugehaft verbringen. Kath.net hat berichtet.

Als sie aus der Beugehaft entlassen worden ist, hat sie neue Formulare für die Ehelizenzen erstellt, auf der ihr Name nicht aufscheint. Sie selbst hat homosexuellen Paaren weiterhin keine Lizenzen ausgestellt, sondern dies ihren Mitarbeitern überlassen.

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Ostwestfalen: 50-Euro-Scheine mit christlicher Botschaft

Ein Unbekannter verschenkt dutzende 50-Euro-Scheine. Die Beschenkten fragen sich, warum © Jens Büttner/DPA
Im Briefkasten, im Einkaufswagen, an der Frontscheibe des Autos: Die Bewohner einer Gemeinde in Ostwestfalen fanden in den letzten Tagen immer wieder Kuverts mit Geldscheinen. Der Absender ist anonym – und hinterließ merkwürdige Nachrichten.

stern.de

Was kann dahinter stecken, wenn ein Unbekannter fremden Menschen Geld schenkt? Diese Frage stellen sich zur Zeit dutzende Bewohner des Städtchens Bünde bei Bielefeld. Fast alle Mieter der Wohnresidenz “Elseaue” hätten in ihrem Briefkasten je ein Kuvert mit einem 50-Euro-Schein gefunden, berichtet das “Westfalen-Blatt”. Dazu habe jeder der Beschenkten eine Karte mit einer christlichen Botschaft erhalten.

Darauf hätten die Worte “from Jesus with…” mit einem Herz gestanden, zusammen mit dem Bibelspruch “Der Herr ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Jeremia 31,3”. Einigen Beschenkten kam der Briefumschlag dem Bericht zufolge merkwürdig vor – sie verständigten daraufhin die Polizei.

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Rogers and Alcatel-Lucent Proposed an Encryption Backdoor for Police

An excerpt from one of the documents describing Rogers and Alcatel-Lucent’s proposal. Image: Screenshot/3GPP
As telecom companies prepare for the day when phone calls are counted in megabytes and not minutes, yet another contentious encryption debate is looming: how to secure subscribers’ voice conversations, while balancing law enforcement’s need to eavesdrop when needed.

By Matthew Braga|MOTHERBOARD

For Canadian telecom company Rogers and equipment maker Alcatel-Lucent (now Nokia), one option was a so-called backdoor, a secret key of sorts that could decrypt otherwise secure communications, and that theoretically only law enforcement could use.

In 2012, the two companies came up with a lawful interception proposal for a next-generation voice encryption protocol, known as MIKEY-IBAKE. The protocol was designed to protect conversations end-to-end—that is, no one sitting in the middle of a call’s network connection could eavesdrop on what was being said.

Unless you were law enforcement, that is. For them, there was an exception, a backdoor. But there’s a problem with this scenario: a backdoor for law enforcement has the potential to be exploited by others, which is why, amongst security professionals, backdoors are so vehemently opposed.

“In the US, this has been the debate. Are we going to backdoor communications? We simply haven’t had that debate here,” said Christopher Parsons, a post-doctoral researcher at the Citizen Lab, which belongs to the University of Toronto’s Munk School for Global Affairs. “It seems as though we have carriers and vendors who are looking for ways to subvert that without bothering to deal with the politicians.”

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56 Jahre nach der Tat: Priester für Mord an Schönheitskönigin verhaftet

Bild: stern.de
1960 wird in Texas eine junge Schönheitskönigin erwürgt aufgefunden. Der mysteriöse Mordfall schockiert die USA – bleibt aber über Jahrzehnte unaufgeklärt. Jetzt hat die Polizei einen Priester verhaftet.

stern.de

Vor 56 Jahren wird Irene Garza im texanischen Örtchen McAllen ermordet. Der Fall schockiert das ganze Land und gilt lange als einer der am längsten unaufgeklärten Morde der US-Geschichte. Umso erstaunlicher die Meldung der Polizei von Texas: Laut eines Berichts der “New York Times” wurde nun ein seit Jahren Tatverdächtiger verhaftet – der 83-jährige John Feit.

Feit war damals junger Priester der Gemeinde und lebt heute zurückgezogen in Scottsdale, Arizona. Nach seiner Verhaftung wurde er in ein Gefängnis in Phoenix überstellt. Die ganze Sache ergebe aber keinen Sinn, erklärte Feit vor Gericht – schließlich sei das Verbrechen bereits 1960 verübt worden. “Es gibt keine Verjährung für diese Art von Verbrechen”, erwiderte Paula Williams, Vorsitzende des Gerichts.

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Gabriele Kuby vergleicht Schwule mit Rauchern – der Dummheit eine Gasse

etzt haben wir es endlich kapiert: Gabriele Kuby ist die größte Freundin aller Lesben und Schwulen, weil sie vor den “Gefahren” gelebter Homosexualität warnt Bild: Wiki Commons / Derzsi Elekes Andor / CC-BY-SA-3.0
Wer auf die “Risiken” bestimmter “Lebensstile” hinweist, sei weder raucher- noch schwulenfeindlich, meint die homophobe Publizistin.

Von Micha Schulze|QUEER.DE

Neues aus Gender-Gagaland: Für die katholische Fundamentalistin Gabriele Kuby ist Homo- wie Transsexualität eine “Störung der Geschlechtsidentität”, sie unterstützt Umpolungstherapien und wettert gegen Aufklärung über sexuelle Vielfalt in der Schule. Dennoch findet es die Publizistin “demagogisch”, wenn man sie schwulenfeindlich nennt.

Dies schreibt Kuby allen Ernstes am 11. Februar auf ihrer Webseite in einem Kommentar zu einem Artikel in der “Kreuzlinger Zeitung”, der im vergangenen Monat ihr reaktionäres Weltbild auf den Punkt brachte.

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Richard Dawkins stroke forces delay of Australia and New Zealand tour

dawkinsRichard Dawkins has had a stroke on the eve of his tour of Australia and New Zealand.

By Calla Wahlquist|theguardian

Management for the 74-year-old author of The God Delusion said he had suffered a “minor stroke” in the UK last Saturday but had already returned home from hospital.

The health scare has caused him to postpone his tour, his management said in a message passed on to ticket holders on Friday.

“On Saturday night Richard suffered a minor stroke, however he is expected in time to make a full or near full recovery,” the statement said. “He is already at home recuperating.

“This unfortunately means Richard will be unable to make his planned Australian and New Zealand tour. He is very disappointed that he is unable to do so but looks forward to renewing his plans in the not too distant future.”

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Erbe der Urzeit: Neandertaler-Gene machen uns krank – zumindest ein bisschen

Der Mensch und sein Urahn. Spuren des genetischen Einflusses des ausgestorbenen Neandertalers (rechts) finden sich bei Europäern und Asiaten. – Montage: Vanderbilt University
Von der Haut bis zur Psyche: Wie Erbanlagen vom Neandertaler die Gesundheit des heutigen Menschen beeinflussen.

Von Hartmut Wewetzer|DER TAGESSPIEGEL

Vor rund 60.000 Jahren brach der moderne Mensch aus Afrika in Richtung Europa und Asien auf. Dort vermischte er sich mit seinem Cousin, dem Neandertaler. Noch heute finden sich die genetischen Spuren dieser Liaison im Erbgut der Europäer und Asiaten. Zwischen ein und vier Prozent ihrer Erbinformation DNS entstammen dem Neandertaler. Forscher haben nun in einer im Fachblatt „Science“ veröffentlichten Studie untersucht, wie sich die Neandertaler-Gene auf den Körper und seine Krankheiten auswirken – und sind dabei auf bemerkenswerte Spuren des ausgestorbenen Verwandten gestoßen.

„Das Hauptergebnis ist, dass die Neandertaler-DNS bestimmte medizinische Merkmale des modernen Menschen beeinflusst“, sagte der Studienleiter John Capra von der Vanderbilt-Universität im amerikanischen Nashville laut einer Pressemitteilung. „Wir haben Verbindungen zu Krankheiten des Immunsystems, der Haut, des Nervensystems, zu psychiatrischen Leiden und zu Störungen der Fruchtbarkeit gefunden.“

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Weißbüschelaffe: Finger weg vom Finger Monkey

Der kleine Weißbüschelaffe ist gerade einmal vier Wochen alt – und noch so klein, dass es auf eine Handfläche passt © Bernd Settnik/DPA
Chinesen sind neuerdings verrückt nach Finger Monkeys, den Weißbüschelaffen. Die Preise für die niedlichen Tieren sind enorm, denn der Handel mit ihnen ist verboten. Und ihre Haltung darüberhinaus sehr kompliziert.

stern.de

Gerade erst hat in China das Jahr des Affen begonnen. Passend dazu wünschen sich viele Chinesen einen Affen als Haustier, genauer einen sogenannten Finger Monkey, wie die US-Seite “Mashable” berichtet. Die klitzekleinen Flauschwesen sind in den ersten Wochen nach der Geburt gerade mal so groß wie ein ausgestreckter Zeigefinger. So süß die Weißbüscheläffchen aber auch sein mögen: die Preise für sie sind nicht nur happig, der Handel mit ihnen ist zudem verboten, nicht überall, aber eben zum Beispiel in China.

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Frankreich: »Reicher als der Durchschnitt« – antisemitische Stereotype

Jüdische Familie unterwegs in der Rue des Rosiers im Pariser Marais ©DPA
Eine neue Studie spürt antisemitische Stereotype in der Gesellschaft auf

Von Bernard Schmid|Jüdische Allgemeine

In Frankreich diskutiert man dieser Tage intensiv über jüdisches Leben und Antisemitismus. »Judesein in Frankreich« lautet das aktuelle Titelthema der Wochenzeitschrift L’Express, und das Wochenmagazin Le 1 macht mit der Schlagzeile auf: »Warum die Juden Angst haben«.

Nahrung erhielt die Debatte durch eine Aufsehen erregende Studie, über deren Ergebnisse die Sonntagszeitung JDD (Le Journal du Dimanche) vor zehn Tagen schrieb. In Auftrag gegeben hatte die Studie die Fondation du Judaïsme Français (Stiftung für das französische Judentum). Anlass war der wachsende Antisemitismus während des letzten Gaza-Kriegs im Sommer 2014.

Vom 15. bis 24. Juli desselben Jahres befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Stiftung zunächst 1005 Personen, die für einen Querschnitt der in Frankreich lebenden Bevölkerung repräsentativ sein sollten und die nach klassischen Methoden ausgewählt wurden. Hinzu kamen dann zwei als »qualitative Erhebungen« präsentierte Runden, bei denen im Februar und März 2015 insgesamt 500 Muslime sowie von Februar bis Juni des Jahres 313 Juden befragt wurden.

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Charlie versus Mohammed – Kein Boxkampf

Bild. Charlie Hebdo
Bild. Charlie Hebdo

Nina H Scholz und Heiko Heinisch haben wieder ein bemerkenswertes und lesenswertes Buch geschrieben. Charlie versus Mohammed – Plädoyer für die Meinungsfreiheit.

Von Heinrich Schmitz|The European

Die beiden Autoren trauen sich was, muss man mittlerweile doch bei jeder Kritik, die auch nur ansatzweise mit dem Islam zu tun hat, damit rechnen, dass einen fundamentalistisch verbohrte Islamisten mindestens mal bedrohen. Oder auch, dass man Applaus von der völlig falschen Seite bekommt. Es ist schon deshalb bemerkenswert, dass die Autoren dieses wichtige Buch geschrieben haben und der Passagen-Verlag es veröffentlichten hat.

Die Autoren sind sich dieses Risikos durchaus bewusst. „Wer will ernsthaft noch bestreiten, dass es heute in Europa als mutig bezeichnet werden muss, gegen islamischen Fundamentalismus aufzutreten?“

Dabei ist diese kleine Buch, trotz des geringen Umfangs von gerade einmal 104 Seiten, mehr als lediglich ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit. Die Autoren erklären wieder einmal recht eindrucksvoll – wie bereits in ihrem gemeinsamen Werk Europa, Menschenrechte und Islam – ein Kulturkampf? die historischen und theologischen Hintergründe der für Nichtmuslime häufig völlig unverständlichen fundamentalistischen Bildverbote und anderer vermeintlicher Essentials und die Gefahren für den modernen Rechtsstaat, die von einer scheintoleranten Rücksichtnahme auf einzelne Religionen, namentlich den Islam, ausgehen.

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Christentum: Die gewaltbereite friedliebende Gesellschaft

Die eigene Wahrheit wurde bei den Kreuzzügen mit Gewalt durchgesetzt. Foto: imago/United Archives
Woher rührt das apokalyptische Denken, das die derzeitige Debatte um die Flüchtlinge bestimmt? Historiker beleuchten aktuell die nachhaltig wirkende Gewaltgeschichte des Christentums.

Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Die sogenannte Flüchtlingskrise, die Lage der Nation, die Merkel’sche Politik – viele Kommentare dazu derzeit mit schrillen Katastrophentönen. Als gäbe es nur das große Entweder-Oder. Entweder das Abendland verbarrikadiert sich oder Europa geht unter. Entweder Sieg oder Niederlage. Woher rührt dieses apokalyptische Denken? Und woher die wachsende Bereitschaft zur Gewalt dabei? Wer in der Flüchtlingsfrage nach Obergrenzen ruft, fordert implizit immer den Einsatz von Gewalt. Und diese Forderung erfreut sich wachsender Zustimmung – in einer Gesellschaft, die sich für friedliebend hält. Wie kann das sein?

Um solche Widersprüche zu verstehen, müssen wir zu den Anfängen des Christentums zurück, sagt der französische Historiker Philippe Buc. Er tut es in seinem Buch „Heiliger Krieg“ auf erschreckend erhellende Weise und spricht dabei von religiösen Konzepten, die „den Weg in die Moderne überstanden haben, indem sie sich in Ideen und Ideologien verwandelten, die ohne das Übernatürliche und Gott auskamen, aber vergleichbare Strukturen beibehielten“. Es sind Ideen wie jene, dass man um des Guten und Richtigen willen Opfer bringen müsse, dass die größte Gefahr von vermeintlichen Verrätern dieses Guten und Richtigen ausgehe, dass die eigene Freiheit auch mit Gewalt verteidigt werden dürfe.

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Gewaltige Sauerstoff-Quelle im Erdmantel entdeckt

Im Erdmantel entstehen zwei bisher unbekannte Eisenoxide – und geben dabei große Mengen Sauerstoff ab. © HG: Johannes Gerhardus Swanepoel/ thinkstock
Im Erdmantel gibt es offenbar eine gewaltige, bisher unbekannte Sauerstoffquelle. Denn unter dem hohen Druck und der Hitze in diesen Tiefen bilden sich zwei neuartige Eisenoxid-Formen, wie Forscher bei Hochdruck-Experimenten entdeckt haben. Bei dieser Umwandlung geben die Eisenminerale große Mengen Sauerstoff ab. Wie sich dies auf die Prozesse im Erdmantel auswirkt, ist bisher jedoch noch unbekannt, so die Wissenschaftler im Fachmagazin “Nature Communications”.

scinexx

Eisenoxide sind Minerale, die in der Natur in verschiedenen kristallinen Strukturen vorkommen. Besonders weit verbreitet sind Hämatit (Fe2O3) und Magnetit (Fe3O4). Diese Eisenerz-Minerale haben einen Eisengehalt von über 70 Prozent und sind damit wichtige Rohstoffe für die Gewinnung von Eisen und Stahl. Bei hohem Druck und hohen Temperaturen können jedoch noch weitere Eisenoxid-Varianten entstehen – das ist unter anderem im Erdmantel der Fall.

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Minderjährige sollen nur in Härtefällen Eltern nachholen dürfen

Bundeskanzleramt, Bild: BB
Bundeskanzleramt, Bild: BB
Nun scheint der Weg für das Asylpaket II endgültig frei: Nachdem der Kabinettsbeschluss von der SPD noch einmal infrage gestellt worden war, fanden die Minister de Maizière und Maas eine Kompromissformel im Konflikt um den Familiennachzug.

MiGAZIN

Die Koalition hat sich im Streit um die Aussetzung des Familiennachzugs bei minderjährigen Flüchtlingen geeinigt. Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Donnerstag in Berlin mitteilten, soll es bei der bereits vom Kabinett verabschiedeten Regelung bleiben, wonach auch Kinder und Jugendliche mit subsidiärem Schutz grundsätzlich für zwei Jahre ihre Eltern nicht nachholen dürfen. In Härtefällen soll es aber Ausnahmen geben. „Wir haben eine vernünftige Lösung gefunden – ohne die Beschlüsse der Koalition zu ändern“, sagte Maas.

Die SPD wollte zunächst eine komplette Ausnahme für Minderjährige bei der Beschränkung des Nachzugs erreichen. Der Kompromiss sieht humanitäre Entscheidungen durch die Prüfung von Einzelfällen vor. Entscheiden soll darüber das Auswärtige Amt im Einvernehmen mit dem Bundesinnenministerium.

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Der Patriarch, der Papst und ein Handschlag nach 1000 Jahren

Kyrill I. – Foto: Maxim Shemetov/REUTERS
Wer ist Kyrill I., der am Freitag auf Kuba Papst Franziskus trifft? Ein kleines Porträt des russisch-orthodoxen Patriarchen.

Von Claudia Keller|DER TAGESSPIEGEL

Der Patriarch residiert wie ein Großfürst, fährt Maybach und soll über ein Vermögen von vier Milliarden Dollar verfügen. Welch Gegensatz zum bescheiden auftretenden Papst Franziskus! Und doch ist diesen beiden christlichen Oberhäuptern gelungen, was ihre Vorgänger über 1000 Jahre nicht erreicht haben: sich so weit zu verständigen, dass ein öffentliches Treffen möglich ist.

Am Freitag wollen sie im Flughafen von Havanna eine Erklärung unterzeichnen. Es ist ein großer Schritt, um das Schisma zu überwinden, das die Christen seit 1054 spaltet.

Damals hatten sich die lateinisch geprägten Christen in Rom und die griechischen in Konstantinopel auseinandergelebt, feierten die Gottesdienste unterschiedlich und waren sich theologisch fremd geworden. Doch Papst Leo IX. wollte seine Vorherrschaft auf den Osten ausdehnen. Der dortige Patriarch sah sich als gleichrangiges Oberhaupt und lehnte Machtstreben und Vorrangstellung des Papstes als Häresie ab. Es kam zur gegenseitigen Exkommunikation.

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