Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Menschenrechtler: Modefirmen geizen mit Hilfen nach Fabrik-Einsturz

inkota

HP Inkota, Screenshot: bb

Zwei Jahre nach dem Einsturz des Fabrikhochhauses Rana Plaza in Bangladesch stehen nach Angaben von Menschenrechtlern noch immer dringend benötigte Entschädigungen von Modeketten aus.


evangelisch.de

In Deutschland stünden vor allem NKD, Adler Modemärkte und Kids Fashion in der Pflicht, sagte Berndt Hinzmann vom Inkota-Netzwerk dem Evangelischen Pressedienst (epd). “Es erhärtet sich der Verdacht, dass die Unternehmen weiter darauf setzen, dass die Zeit die Wunden vergessen macht”, kritisierte er. Bei dem Unglück am 24. April 2013 waren etwa 1.200 Beschäftigte getötet worden. Mindestens 2.000 wurden verletzt.

Der italienische Moderiese Benetton bewegte sich am Freitag. Das Unternehmen kündigte 1,1 Millionen US-Dollar für einen Entschädigungsfonds in Bangladesch an, blieb damit aber deutlich unter den Erwartungen. Benetton habe seinen Gewinn im Unglücksjahr 2013 um über zwölf Prozent auf etwa 245 Millionen Dollar gesteigert, erklärte Hinzmann.

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Völkermord an Armeniern: Der geleugnete Genozid

Im Hintergrund des Denkmalkomplexes in Jerewan liegt der Sehnsuchtsort der Armenier: der Berg Ararat. / Bild: (c) Streihammer

Der Völkermord treibt viele Armenier im Schatten des Ararats noch heute um. Auch, weil mit der Katastrophe Politik gemacht wird.


Von Jürgen Streihammer|Die Presse

Die 102 Jahre alte Frau sagt kein Wort. Amaljan Arevalujs richtet sich das Kopftuch, dann legt sie die faltigen Hände in den Schoß und fixiert mit finsterem Blick den Boden. Also erzählen der Sohn, 80 Jahre jung, seine Frau und die Gattinnen der Enkelkinder die Lebensgeschichte der Amaljan Arevalujs, die da auf der Couch kauert. Es ist ein Drama. Ohne Happy End.

Zwei Jahre ist Amaljan Arevalujs alt, als sie 1915 ihren Vater töten. Amaljans Mutter, „eine bildhübsche Frau“, wird mit dem Pascha verheiratet. Eine Hochzeit mit einem Türken, die Amaljan das Leben rettet – und die sie ihrer Mutter trotzdem nie verzeihen wird. „Für mich ist sie tot. Sie hätte bei uns bleiben und wir hätten gemeinsam sterben sollen.“ Das habe sie oft gesagt, erzählt die Familie. Und sie meint es so. Die Mutter setzt sich Jahrzehnte später aus der Türkei zu Brüdern nach Syrien ab („sie wollte als Armenierin sterben“) und erfährt dort, dass ihre Tochter noch lebt – und zwar seit 1926 in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Aber Amaljan lehnt ein Wiedersehen ab. Die Mutter stirbt, so erzählen sie es, im Alter von 107 Jahren – ohne die Tochter noch einmal in die Arme geschlossen zu haben. „Wie soll ich vergessen?“ Vor 100 Jahren bricht Medz Yeghern, also „die große Katastrophe“, über die Armenier herein. Die systematische Vertreibung und Vernichtung im Osmanischen Reich reißt nach Angaben Armeniens 1,5 Millionen Angehörige des Christenvolks in den Tod. Die Überlebenden verstreuen sich über die ganze Welt, eine große Diaspora hält sich fest an der Erinnerung an die Massaker, die der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, die Türkei, bis heute nicht als Genozid anerkennen will. Im heutigen Armenien, diesem verarmten, seit 1991 unabhängigen Kaukasus-Staat östlich der Türkei, ist der Genozid ein nationales Trauma. Auch weil sie hier das Gefühl haben, dass der Völkermord ohne Anerkennung der Türkei politisch ungesühnt bleibt.

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Südafrika: Wenn der Mob wütet

„Mit großer Scham und tiefer Trauer“: Die Polizei in Durban treibt Einwanderer und fremdenfeindliche Provokateure mit Tränengas auseinander. ©AFP

Im südafrikanischen Durban hat es fremdenfeindliche Übergriffe gegeben, es wurde getötet und geplündert. Tausende Ausländer sind geflohen.


Von Thomas Scheen|Frankfurter Allgemeine

Was sie noch besitzt, trägt sie am Leib: eine graue Bluse und einen weißen Sommerrock. Der Rest ist gestohlen worden. Die Möbel, der Kühlschrank, der kleine Fernseher. „Nicht einmal meine Handtasche habe ich retten können“, sagt Magdalena Dube. Die junge Frau ist buchstäblich um ihr Leben gelaufen, als der Mob in den Durbaner Wohnblock einfiel, in dem sie ein kleines Appartement bewohnt. „Die haben gesagt: Verschwinde, oder wir bringen dich um!“, erzählt Magdalena. „Da bin ich losgerannt.“

Magdalena Dube ist 25 Jahre alt und gebürtig aus Zimbabwe. Sie hat zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen. Das Mädchen ist fünf Jahre alt, der Junge 14 Monate. Die beiden leben bei den Großeltern in Zimbabwe. Magdalena sorgt mit ihrem Job in Südafrika dafür, dass daheim Brot auf den Tisch kommt. Das ist jetzt vorbei. Magdalena Dube ist eines der geschätzt 7000 Opfer der jüngsten ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Südafrika. Seit einer Woche tobt in der Hafenstadt Durban der Mob, seit der König der Zulus, Goodwill Zwelithini, alle Ausländer aufgefordert hat, „ihre Koffer zu packen und zu gehen“. Mindestens fünf Menschen kamen seither ums Leben, darunter ein 14 Jahre alter Junge aus Äthiopien, der mit einer Machete erschlagen wurde. Die Ausschreitungen haben inzwischen die Wirtschaftsmetropole Johannesburg erreicht, wo bei früheren rassistischen Auseinandersetzungen im Jahr 2008 mehr als 60 Menschen getötet wurden. Damals ordnete die Regierung den ersten Einsatz der Armee im Innern seit dem Ende der Apartheid 1994 an, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen.

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“Um Himmels Willen” – homophobe Christen protestieren

ARD_SerieAuf heftige Kritik unter Zuschauern ist die 181. Folge der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ gestoßen. Darin geht es um einen schwulen evangelischen Pfarrer und seinen Lebensgefährten, den Organisten in der Gemeinde. Ärger hat insbesondere ausgelöst, dass der katholische „Bischof“ in dem Film – Roßbauer – gleichgeschlechtliche Beziehungen verteidigt.


kath.net

Er argumentiert, dass die evangelische Kirche liberaler sei als seine eigene, und zitiert Papst Franziskus, der eine Verurteilung Homosexueller abgelehnt habe. Roßbauer zufolge werden gute Taten eines Pfarrers nicht durch die Liebe zu einem anderen Mann entwertet.

Auch die „Nonne“ Hanna verteidigt die beiden Männer: Niemand solle sich für seine Gefühle schämen müssen. Als „engagiert, aber etwas engstirnig“ wird eine evangelische Gottesdienstbesucherin charakterisiert, die eine gleichgeschlechtliche Beziehung als „Ohrfeige für Gott“ bezeichnet und fordert, dass der Pfarrer die Gemeinde verlässt. Bei der Abstimmung des Kirchenvorstands sprechen sich fünf Mitglieder für den Pfarrer aus und zwei gegen ihn.

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Iran warnt Saudi-Arabien vor der “Saat des Hasses”

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnt am Sonnabend bei einer Militärparade in Teheran Saudi-Arabien vor weiteren Luftangriffen im Jemen Foto: dpa

Während einer Militärparade droht Irans Präsident Saudi-Arabien: Die Luftangriffe im Jemen werden Folgen haben. Kurz davor hatte Teheran den Vereinten Nationen einen Friedensplan vorgelegt.


DIE WELT

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, Saudi-Arabien werde deswegen eine “Saat des Hasses” ernten.

Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die im März begonnenen Luftangriffe als “Völkermord” bezeichnet hat.

“Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?”, fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. “Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen.”

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Experte warnt: In Deutschland gibt es Teufelsaustreibungen

Bild: Bill Flavell, FB

Bild: Bill Flavell, FB

In Rom haben sich Exorzisten aus der ganzen Welt getroffen. Auch Teufelsaustreiber aus Deutschland waren unter den Gästen. In der Bundesrepublik gibt es täglich zahlreiche Teufelsaustreibungen. Viele verlaufen brutal und können für die Betroffenen schlimme Folgen haben.


FOCUS ONLINE

  • Exorzismus-Treffen in Rom
  • Teufelsaustreiber aus der ganzen Welt
  • Journalist berichtet von Austreibungen in Deutschland

Verzerrte Gesichter, wilde Flüche in seltsamen Sprachen, willenlose, vom Teufel besessene Menschen und Priester, die mit vorgehaltenem Kreuz gegen das Böse kämpfen: Viele Vorstellungen von Exorzismen sind brutal und basieren auf Filmen. Gerade in Deutschland sind Teufelsaustreibungen oft ein Tabu-Thema, nur wenig ist über die Realität bekannt. In anderen Ländern wird hingegen offen darüber gesprochen. An der katholischen Universität Regina Apostolorum in Rom haben sich Hunderte Exorzismus-Experten aus aller Welt ausgetauscht.

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Ministerpräsident Sachsen-Anhalts bat Papst um Bannbulle Luthers

Bannbulle gegen Martin Luther, Bild: planet-wissen.de

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat Papst Franziskus am Freitag um leihweise Herausgabe wertvoller Dokumente des Vatikans über Martin Luther für das Reformationsjubiläum 2017 gebeten, berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung” (MZ) am Samstag. Zu den herausragenden Stücken des vatikanischen Archivs zählt die Registereintragung der ersten Bannbulle gegen Luther, die dieser 1520 verbrannte, sowie die zweite Bannbulle, mit der Luther exkommuniziert wurde. Haseloff, der selbst Katholik ist, wurde am Freitag vom Papst in Audienz empfangen und hatte mehrere Treffen in den vatikanischen Dikasterien.


kathweb

Sachsen-Anhalt ist die Urheimat der Reformation. Hier liegt die Stadt Wittenberg mit der gotischen Schlosskirche, an deren Tür Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen genagelt hatte, um zur Disputation über den Ablasshandel aufzufordern. Das war der Auslöser der Reformation und der abendländischen Kirchenspaltung. Zu den erbetenen Leihgaben des Geheimarchivs für 2017 sagte Haseloff laut MZ: “Ich habe darum gebeten, Dinge aus den Archiven für das Jubiläum ausleihen zu können.”

Hauptthema des gut halbstündigen Gesprächs war nach Angaben Haseloffs das Jubiläum bzw. Gedenken 2017. Man habe in einem “größeren Rahmen” darüber gesprochen, wie man in diesem Jahr ein “starkes ökumenisches Zeichen” setzen könnte, sagte Haseloff nach der Begegnung vor Journalisten in Rom. Zudem habe er die Einladung des Papstes nach Deutschland unterstützt, die Bundeskanzlerin Angela Merkel im März ausgesprochen habe.

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Vorarlberger FPÖ-Chef entschuldigt sich für “Exiljuden”-Sager

Dieter Egger / Bild: (c) Die Presse/Clemens Fabry

Die Äußerung sei “missverständlich” und “unangebracht” gewesen, sagt Dieter Egger. Er entschuldigt sich beim Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, Hanno Loewy.


Die Presse

Der Chef der Vorarlberger Freiheitlichen, Dieter Egger, entschuldigt sich sechs Jahre nach dem “Exiljuden”-Sager beim Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, Hanno Loewy. Die Äußerung, in der er Loewy als “Exiljuden aus Amerika” bezeichnete, den die Innenpolitik nichts angehe, sei “missverständlich” und “unangebracht” gewesen, betonte er am Samstag in einer Erklärung, die er dem ORF Vorarlberg zukommen ließ.

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Verhaftung nach Brandanschlag auf Wittener Moschee

Themenbild.

Themenbild.

Nach dem Brandanschlag auf eine Moschee im nordrhein-westfälischen Witten Anfang der Woche hat die Polizei einen Tatverdächtigen verhaftet.


evangelisch.de

Der 24-jährige Mann war am Freitag festgenommen worden wie die Bochumer Polizei am Samstag mitteilte. Zeugen hätten ihn auf veröffentlichten Bildern von Überwachungskameras an der Moschee und an einer Tankstelle, wo er einen Benzinkanister füllte, wiedererkannt. Gegen den Mann sei am Samstag Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung erlassen worden.

In der Nacht zum Dienstag war in der Ditib-Zentralmoschee in Witten ein Feuer gelegt worden, durch das unter anderem ein Gebetsteppich zerstört wurde. Der Koordinationsrat der Muslime hatte den Anschlag scharf verurteilt und sich besorgt über mehrere fremdenfeindliche Angriffe in letzter Zeit geäußert.

Catholic leaders write to Pope Francis seeking replacement of SF archbishop

In this Nov. 12, 2012 file photo, Archbishop Salvatore Cordileone, of San Francisco, center, and Archbishop William Lori, of Baltimore, listen to a speaker during the United States Conference of Catholic Bishops’ annual fall meeting in Baltimore. Local Catholics have gone public with their complaints about the San Francisco archbishop. On Thursday, April 16, 2015, an advertisement in the San Francisco Chronicle shows more than 100 Catholics have signed a full-page newspaper advertisement asking Pope Francis to remove Cordileone. AP Photo/Patrick Semansky

Dozens of prominent Bay Area Catholic residents have signed a letter to Pope Francis asking for the removal of the San Francisco archbishop.
The letter appeared in a full page ad in San Francisco Chronicle on Thursday, two months after Archbishop Salvatore Cordileone proposed teachers at the four Bay Area archdiocesan high schools sign morality clauses promising to adhere to the Catholic teachings in their professional and public lives.


By Laura Dudnick|The Examiner

Teachers and their supporters have long expressed privacy concerns with the morality clauses, as well as fear that the labeling of teachers as “ministers” when the contract was first proposed in February could strip them of their legal rights.

Though Cordileone has since removed the term “minister” from the contract, officials with the San Francisco Archdiocesan Federation of Teachers Local 2240 union said last month that other language still in the contract remains a concern. The Catholic leaders who signed Thursday’s letter echoed such concerns and highlighted that Cordileone does not appear to align with the Pope’s mission. Prominent leaders who signed the letter include Catholic school teachers and alumni, attorneys, and school and business leaders, including the father of New England Patriots quarterback Tom Brady, who attended Serra High, one of the four archdiocesan high schools.

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Mitteldeutsche Kirche stellt sich auf geringere Einnahmen ein

Bild: tilly

Bild: tilly

Mit einem Gottesdienst ist am Samstag die konstituierende Sitzung der zweiten Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland in Drübeck bei Wernigerode zu Ende gegangen. Das Kirchenparlament stellt sich auf weniger Steuereinnahmen ein und will 75 Pfarrstellen abbauen.


evangelisch.de

Zum Präses wählten die 80 Kirchenparlamentarier den Juristen Dieter Lomberg. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland mit rund 800.000 Mitgliedern war 2009 durch den Zusammenschluss der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen entstanden.

Auf der Tagesordnung der dreitägigen Sitzung des Kirchenparlaments stand neben Wahlen zur Besetzung verschiedener Gremien unter anderem auch eine Novellierung des Gesetzes zur Finanzierung der kirchlichen Arbeit. Dabei ging es vor allem um eine leichte Erhöhung der Gemeindemitgliederzahl je Pfarrstelle ab 2018 von 1.200 auf 1.375. Dies entspricht einem zusätzlichen Abbau von 75 Pfarrstellen gegenüber dem seit 2012 geltenden Gesetz.

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Antibiotic-Resistant Bacteria Were Around a Long Time Before Our Antibiotics

bacteria

Image: CDC

Long before techno-humans had whipped up their first batches of penicillin, antibiotic resistance was already under development within the human gut. This is the implication, anyway, of recently discovered antibiotic resistance genes within the bacterial flora of a South American tribe that, until 2009, had never had contact with the outside world, let alone its antibiotics.


By Michael Byrne|MOTHERBOARD

These findings come courtesy of researchers at Washington University St. Louis, led by pathologist Gautam Dantas, and are published in the current issue of Science Advances.

In question is a tribe of Yanomami Amerindians who’ve gone without outside contact for some 11,000 years, remaining in isolation thanks to a remote region of southern Venezuela known as the High Orinoco, a vast 80,000 square-kilometer tract of jungle marked by bottomless river valleys and soaring mountains. In 2008, the group’s village was spotted by a military helicopter and, in 2009, a Venezuelan Ministry of Health mission arrived at the site. To protect the privacy and security of the tribe, the location and name of the village are being kept secret. Only one of the two dozen or so authors behind the current paper actually visited the site.

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Justizminister Austria: Schutz religiöser Lehren “muss unbedingt bleiben”

Wolfgang Brandstetter , © APA/Hans Klaus Techt

Justizminister Wolfgang Brandstetter hat sich am Freitag “absolut gegen die ersatzlose Streichung” des Gesetzes gegen die Herabwürdigung religiöser Lehren gewandt. Anlass war eine Veranstaltung der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten über Blasphemie. Sie fand unter starkem Polizeischutz im Bischöflichen Sommerrefektorium der Landeshauptstadt statt.


kathweb

Zuletzt lösten die Ereignisse um die französische Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo” eine hitzige Debatte aus. In Österreich wird derzeit über die Berechtigung des Paragrafen 188 StGB (Strafgesetzbuch), der den Tatbestand der Herabwürdigung religiöser Lehren zum Inhalt hat, debattiert.

Brandstetter, der per Videoschaltung zu Wort kam, betonte, das Thema sei hochaktuell und brisant. Einer ersatzlosen Streichung des Paragrafen 188 könne er “absolut nichts abgewinnen”. Das Grundrecht auf Freiheit der Kunst verbiete zwar einen Eingriff in den Kunstbereich, sei aber kein Freibrief für Straftaten und das Hinwegsetzen über einfache Gesetze.

Der Minister appellierte, dass es ein Mindestmaß an Toleranz brauche. Darauf würden ja auch Künstler pochen. Wenn religiöse Gefühle verletzt werden, könne das nicht so einfach hingenommen werden.

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Oklahoma erlaubt Hinrichtungen mit Stickstoff

3c94d-hinrichtung-todesstrafe-todesspritze“Schnell, schmerzlos, idiotensicher” sei die Stickstoffmethode, meint der Republikaner, der die neue Tötungsmethode auf den Weg gebracht hat. Der US-Bundesstaat sucht eine Alternative zur Todesspritze.


Die Presse

Oklahoma hat als erster Staat der USA die Hinrichtung von Todeskandidaten mit Stickstoff erlaubt. Die republikanische Gouverneurin Mary Fallin unterzeichnete ein entsprechendes Gesetz, das den Einsatz des Gases als Alternative zur Giftspritze erlaubt, wie “Spiegel Online” unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Associated Press am Samstag berichtete.

Allerdings ist die neue Hinrichtungsmethode an eine Bedingung geknüpft: Die bevorzugte Methode bleibt die Todesspritze, Gas darf nur zum Einsatz kommen, wenn eine tödliche Injektion nicht möglich ist – entweder aus Mangel an Giftstoff oder wegen einer anderslautenden Gerichtsentscheidung.

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Stickstoff

Stickstoff (chemisches Zeichen: N) ist selbst nicht giftig, die Umgebungsluft besteht zu 80 Prozent daraus. In geschlossenen Räumen besteht allerdings Erstickungsgefahr durch Atemluftverdrängung, wobei es keine Reiz- oder Warnwirkung gibt. Durch den Sauerstoffmangel verliere der Todeskandidat binnen acht bis zehn Sekunden das Bewusstsein und sterbe einige Minuten später, sagte Christian.

Impfgegner: Ihr Motzer da draußen

Image: Katie Schwartz

Image: Katie Schwartz

Muss man immer noch über Feminismus diskutieren? Und über den Sinn von Impfungen? Oder zeigen diese Debatten bloß, dass eine demokratische Gesellschaft nur so intelligent ist wie ihre dümmsten Mitglieder?


Von Sibylle Berg|SpON

In der “Welt” diskutieren Mitarbeiter in Serie über den Feminismus, ein Wort, das ich auch nicht mehr lesen oder hören kann, ohne dass mir die Knie einschlafen. Als ob man seit 50 Jahren darüber redete, ob LehrerInnen Kinder schlagen dürfen oder nicht. Irgendwann müssen gesellschaftliche Probleme in einer demokratischen Welt die Phase der Diskussion verlassen und politisch zu Gesetzen werden, anders scheint mitunter keine Entwicklung möglich. Das Impfen, Sie erinnern sich? Rückkehr zu Masern, Mumps und Keuchhusten, es ist ja auch sonst nichts los. Ich wagte im Freundeskreis, den ich nicht besitze, jüngst die These, dass es westlichen Eltern bald gelingen würde, in eben den westlichen Ländern auch die Kinderlähmung wieder einzuführen. Zum Wohle aller. Ich komme noch aus einem Jahrhundert (zwei Kriege habe ich erlebt), als Kinder mit Geh-Schienen im öffentlichen Raum normal waren. Es lehrte uns Kindern Demut. Vielleicht scheint das Impf-KritikerInnen erstrebenswert.

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Die Jagd nach neuen Elementarteilchen

Bild aus der Bauzeit des LHC. ©CERN

Bild aus der Bauzeit des LHC.
©CERN

Der weltgrößte Beschleuniger am Cern in Genf jagt wieder nach neuen Elementarteilchen. Dieses Mal ist es eine Art Partnersuche. Denn Physiker gehen davon aus, dass jedes Standardteilchen ein Pendant besitzt. Das würde vieles erklären – auch die mysteriöse dunkle Materie im Universum.


Von Frank Grotelüschen|Berliner Zeitung

Der 4. Juli 2012 zählt zu den Sternstunden der Physik. Damals gab Cern-Direktor Rolf Heuer bekannt, der Large Hadron Collider (LHC) in Genf habe das ersehnte Higgs-Teilchen gefunden. Doch damit ist die Mission des weltweit größten Beschleunigers noch nicht beendet. Nach einem zweijährigen Umbau läuft der 27-Kilometer-Ring nun mit nahezu doppelter Energie wieder an. Den Wissenschaftlern soll er erneut Glücksmomente bescheren – wenn er eine höchst exotische, bislang unentdeckte Teilchengattung aufspürt: Susy-Teilchen könnten erklären, was hinter der rätselhaften dunklen Materie steckt, und warum die Milchstraße überhaupt zusammenhält.

Mit der Higgs-Entdeckung war das derzeitige Theoriegebäude der Physik, das Standardmodell, komplett. In diesem Puzzle bildete das Higgs den letzten noch fehlenden Baustein, denn es hilft den anderen Elementarteilchen dabei, zu ihrer Masse zu kommen. Damit hatte der LHC eines seiner beiden Ziele erreicht. Noch dazu erhielten Peter Higgs und François Englert, die den Higgs-Mechanismus in den 60er-Jahren ersonnen hatten, im Jahr 2013 den Nobelpreis für Physik. Das andere Ziel des LHC steht noch aus: der Vorstoß zu einer neuen, bislang hypothetischen Physik. Denn das Standardmodell ist nicht perfekt. Insbesondere vermag es nicht zu erklären, was hinter der ominösen dunklen Materie steckt, die es überall im Kosmos zu geben scheint, und die ganz offenbar die Galaxien zusammenhält wie ein unsichtbarer Klebstoff.

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Braune Esoterik: Von Dethlefsen bis Osho

Sektenführer Bhagwan grüsst seine Anhänger (1984). Foto: Keystone

Letzte Woche schrieb ein Kommentator in diesem Blog zum Thema «Religiöse Fanatiker destabilisieren die Welt», Kriege und das Töten seien «gerechtfertigt, wenn damit die göttliche Ordnung (Ethik) wieder hergestellt wird».


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger

Ein Satz, der aufhorchen lässt. Ein Satz, der unverkennbar von einem Esoteriker stammt. Ein Satz auch, der die Geisteshaltung vieler spiritueller Sucher ausdrückt. Eine Aussage, die zeigt, was gern kaschiert wird oder vergessen geht: Manche Ideen der modernen Esoterik haben eine braune Schlagseite, und radikale Anhänger pflegen ein faschistoides Gedankengut.

Verhängnisvoll dabei ist, dass Esoterik in der breiten Bevölkerung ganz anders wahrgenommen wird. Die moderne Spiritualität gilt als sanfte Diszplin und Gegenkonzept zu unserer techniklastigen Umwelt und dem unmenschlichen Wirtschaftssystem. Esoterik als sanfte Alternative zur Welt der gnadenlosen Verdinglichung. Dass sich unter dem Mäntelchen einer modernen Spiritualität eine radikale Ideologie versteckt, erfährt nur, wer sich nicht blenden lässt.

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Chaim Miller: »Ich bereue nicht einen Schuss«

Chaim MIller, © screenshot JA

Chaim Miller über sein Leben als Nazi-Jäger, Rache an SS-Männern und Schuldgefühle


Von Philipp Peyman Engel|Jüdische Allgemeine

Herr Miller, können Sie sich noch an den ersten NS-Verbrecher erinnern, den Sie aufgespürt und getötet haben?
Hören Sie, ich bin zwar 93 Jahre alt, aber so etwas vergisst man nicht. Meinen ersten SS-Mann habe ich direkt nach Kriegsende 1945 in Italien ermordet. Es war ein Nazi aus meiner Heimatstadt Wien, der während der Schoa besonders schlimm gewütet hatte. Damals war ich Soldat bei der Jüdischen Brigade in der britischen Armee. Als ich ihn entführt und im Wald mit seinen Taten konfrontiert hatte, gab er sofort alles zu. Es schien für ihn eine Erleichterung gewesen zu sein, endlich mit jemandem darüber zu sprechen, was er getan hatte.

Wie ging es dann weiter?
Ich verkündete ihm sein Urteil. Er schaufelte eine Grube aus und kniete sich brav hin – pflichtbewusst bis in den Tod. Noch bevor er den Knall hören konnte, war er tot.

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Das Wort zum Sonntag: Recycling-Tipps am Samstagabend – Bullshistic

Ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung hat sich über mehrere Wochen samstagabends das Wort zum Sonntag angesehen Foto: ARD

Seit 60 Jahren läuft jeden Samstagabend das „Wort zum Sonntag“ im Ersten. Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung hat sich die Sendungen über mehrere Wochen hinweg kritisch angesehen und kommt zu einem wohlwollenden Ergebnis.


pro Medienmagazin

Am Anfang klingt es wie ein klassischer Verriss. Matthias Drobinski beschreibt in der Süddeutschen Zeitung eine typische Samstagabend-Ansprache der Wort zum Sonntag-Sprecherin Nora Steen. Sie ziehe Vergleiche zwischen der Zeit Jesu und dem Medienzeitalter von heute, und Drobinski möchte der Pastorin zurufen: „Halt! Tun Sie das bitte nicht! Man möchte nicht wissen, ob Jesus heute Golf fahren würde, ob er bei den Grünen wäre oder bei der CSU.“ Sehr überrascht habe ihn die Ansprache Steens dann nicht.

„So ist es, das Wort zum Sonntag“, resümiert Drobinski. „Wenn einer sagen will, dass etwas hohl pathetisch ist, onkelhaft oder tantig, ins Leere gesprochen, dann sagt er: Wie beim Wort zum Sonntag.“ Die Sprecher der Sendung trügen „biedere Blusen oder Cordjacketts“. „Der Wasserverbrauch steigt, wenn das Wort zum Sonntag beginnt. Dann geht das Volk pinkeln.

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“Die Demonstranten fabulieren über Sexualpraktiken”

Themenbild.

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Der Streit um die “Akzeptanz sexueller Vielfalt” im baden-württembergischen Bildungsplan tobt weiter. Inzwischen sorgt zusätzlich ein “Aktionsplan für Akzeptanz” für Aufregung, der teilweise drastische Schritte vorsieht, um die Gesellschaft für die Anliegen Homosexueller und Transsexueller zu gewinnen. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) wirbt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) dafür, jeden Menschen zu akzeptieren, der eine andere sexuelle Orientierung hat.


evangelisch.de

Herr Minister, fünf Demonstrationen hat es in Stuttgart gegen den Bildungsplan Ihres Ministeriums mit seiner Werbung für die “Akzeptanz sexueller Vielfalt” gegeben. Sie fühlen sich von den Kritikern missverstanden. Warum?

Andreas Stoch: Die Kritiker beziehen sich immer noch auf ein altes internes Arbeitspapier, das noch nicht einmal den Status eines Bildungsplanentwurfs hatte. Dieses Papier hat den irrtümlichen Eindruck erweckt, es überakzentuiere das Thema sexuelle Vielfalt. Das bedauere ich im Nachhinein. Das Vorhaben an sich halte ich aber für richtig.

Warum ist dann die Kritik daran falsch?

Stoch: Weil auf den Demonstrationen immer von einer Übersexualisierung geredet und über Pornografie und Sexualpraktiken fabuliert wird. Bei Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt geht es aber gar nicht um den Sexualkundeunterricht. Schüler sollen lernen, dass in unserer Gesellschaft kein Platz ist für Ausgrenzung und Diskriminierung – weder aufgrund ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit noch aufgrund der sexuellen Orientierung eines Menschen. Das hat nichts damit zu tun, ob und wie Menschen ihre Sexualität dann ausleben.

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