De Maizière: Islamverbände müssen mehr für Integration tun

© AFP Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU)
© AFP Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU)
Bundesinnenminister Thomas de Maizière erhöht den Druck auf die Funktionäre der Islamverbände: Wer nicht mehr für die Integration tue, „bestätige die Vorurteile, die manche haben“. Die Debatte um ein Verbot der Vollverschleierung hält er für mehr als nur eine Symboldebatte.

Frankfurter Allgemeine

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die muslimischen Verbände in Deutschland zu einem stärkeren Engagement bei der Integration der Flüchtlinge aufgefordert. „Die Integration ist eine Chance, aber auch eine Verpflichtung für die hier lebenden Muslime“, sagte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Wenn sie das nutzen, können sie ihre Reichweite erhöhen und der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland zeigen, dass sie bei der Integration mitwirken“, ergänzte der CDU-Politiker.

Wenn sie das nicht täten, „bestätigen sie Vorurteile, die manche ihnen gegenüber haben“, warnte de Maizière. Es sei im Interesse der Verbände, auch über die bestehende Förderung des Bundes hinaus hier mehr zu tun als bisher.

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Artenschutz: Machtlos gegen Gier, Gauner und das große Geld

 Mit Elfenbein lassen sich immense Gewinne erzielen, etwa im Südsudan. (Foto: Brent Stirton/dpa)
Mit Elfenbein lassen sich immense Gewinne erzielen, etwa im Südsudan. (Foto: Brent Stirton/dpa)
Die Organisierte Kriminalität verschiebt weltweit Elfenbein, Nashornpulver und andere Schätze der Natur. Der Ausverkauf bedrohter Arten hat erst begonnen.

Von Michael Bauchmüller | Süddeutsche.de

Dem Aasgeier geht es schlecht, richtig schlecht. Binnen drei Geier-Generationen, so fanden Forscher der Universität York heraus, schrumpfte ihr Bestand in Afrikas Savannen um 80 Prozent, mancherorts verschwanden die Aasfresser ganz. Die meisten wurden vergiftet. Sie störten bei der Arbeit.

Einem Elefanten die Stoßzähne herauszuhacken, ist eine mühselige, blutige, eine brachiale Angelegenheit. Die Wilderer klettern auf das tote Tier, mit der Axt hacken sie den Kiefer auf. Sie zertrümmern so lange die umliegenden Knochen, bis sich der Stoßzahn endlich lockert. Was das mit Aasgeiern zu tun hat? Sie verraten die Wilderer, rufen Ranger auf den Plan – denn in der Zwischenzeit haben die Geier längst begonnen, über dem Kadaver zu kreisen. Deshalb müssen sie sterben. Die Wilderer legen Kadaver aus, vergiftet mit Cyanid. Daran verenden die Geier. So geht es zu im Geschäft mit den Schätzen der Natur.

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In den Ställen hoher Bauernbosse herrscht der blanke Horror

Helmut Gumpert (links), Ferkelerzeuger und Präsident des Thüringer Bauernverbandes mit Joachim Rukwied, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, beim Bauerntag in Hannover. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Helmut Gumpert (links), Ferkelerzeuger und Präsident des Thüringer Bauernverbandes mit Joachim Rukwied, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, beim Bauerntag in Hannover. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Heimlich gedrehte Aufnahmen der Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ zeigen grausame Zustände in der Schweine- und Putenhaltung führender Bauernfunktionäre. Die wehren sich nun – doch ihre Statements wirken hilflos.

Von Wolfgang Hassenstein | greenpeace magazine

Das ARD-Magazin „Panorama“ zeigte am Donnerstagabend Filmaufnahmen aus Schweine- und Geflügelställen, die dem Streit um Tierquälerei in der deutschen Landwirtschaft zusätzliche Brisanz verleihen. Denn die Tierschützer, die das Material zur Verfügung stellten, sind nicht in irgendwelche Ställe eingedrungen – sie filmten ausgerechnet auf den Höfen führender Agrar- und Bauernfunktionäre, die im Streit um Missstände in der Tierhaltung seit Jahren abwiegeln. Zu sehen sind kranke Tiere mit offenen Wunden, abgebissenen Schwänzen und schweren Augeninfektionen, hustend, humpelnd, dahinsiechend, teilweise tot. Norddeutscher Rundfunk und Süddeutsche Zeitung haben die Echtheit der Bilder überprüft. Der schwer erträgliche Beitrag ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Den grausamen Aufnahmen werden aktuelle Redebeiträge zur Tierwohldiskussion gegenübergestellt. Noch im Juni sagte Bauernpräsident Joachim Ruckwied auf dem Deutschen Bauerntag: „Wir brauchen keine Agrarwende. Die deutschen Bauern arbeiten nachhaltig und wir halten unsere Tiere tiergerecht!“ Inzwischen haben einige der Kritisierten zu den Vorwürfen Stellung genommen. Doch ihre Verteidigung wirkt wenig überzeugend.

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CETA: Neue US-Studie sagt massive Jobverluste voraus

Proteste gegen CETA und TTIP in Brüssel. Am 17. September gingen allein in deutschen Städten mehr als 100.000 Demonstranten gegen die Freihandelsabkommen auf die Straße. Foto: picture alliance/NurPhoto
Proteste gegen CETA und TTIP in Brüssel. Am 17. September gingen allein in deutschen Städten mehr als 100.000 Demonstranten gegen die Freihandelsabkommen auf die Straße. Foto: picture alliance/NurPhoto
Das Freihandelsabkommen bringe mehr Jobs, Wachstum und Wohlstand, heißt es von den Befürwortern. Eine neue Studie nach dem Global Policy Model (GPM) der Vereinten Nationen behauptet das Gegenteil.

Von Maria-Elisa Schrade | greenpeace magazine

Befürworter von Ceta, dem europäischen Freihandelsabkommen mit Kanada, betonen gerne die vermeintlichen Vorteile des Abkommens. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Kanzlerin Angela Merkel, der Bundesverband der deutschen Industrie und die EU-Kommission – sie alle versprechen einhellig mehr Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze. Chrystia Freeland, Außenhandelsministerin von Kanada, ist sogar davon überzeugt, dass Ceta „das fortschrittlichste Handelsabkommen der Welt“ wird. Und auch Sigmar Gabriel spricht von einem „richtig guten Tag für die SPD“, als diese ihm beim Parteikonvent endlich grünes Licht für Ceta gibt.

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9/11: Obama verhindert Klagen gegen Saudi-Arabien

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Der Kongress will wegen der Anschläge auf das World Trade Center Klagen gegen Saudi-Arabien ermöglichen. Präsident Obama hat nun sein Veto dagegen eingelegt – doch ihm droht eine Demütigung.
 

Frankfurter Allgemeine

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat sein Veto gegen ein Gesetz eingelegt, das Klagen von Angehörigen der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 gegen Saudi-Arabien ermöglicht hätte. Das Weiße Haus erklärte am Freitag, Obama äußere sein „tiefes Mitgefühl“ mit den Opfern der Anschläge, betrachte das Gesetz aber als „schädlich für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten“. Der Präsident hatte sich vergeblich im Kongress dafür eingesetzt, dass das Gesetz entscheidend verändert wird.

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Dortmund: Stadt lädt Islamkritiker Hamed Abdel-Samad aus

Hamed Abdel-Samad, Bild: bb
Hamed Abdel-Samad, Bild: bb

Die Stadt Dortmund hat aus Angst vor Krawallen eine geplante Veranstaltung mit dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad abgesagt. Das bestätigte Stadtsprecherin Katrin Pinetzki gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

kath.net

Der deutsch-ägyptische Politologe und Buchautor („Mohamed – Eine Abrechnung“) sollte am 23. September in einer Diskussionsveranstaltung im Kulturzentrum Dietrich-Keuning-Haus auftreten.

Auf Facebook kritisierte Abdel-Samad die Absage scharf als wahrscheinlich politisch motiviert. Die von der Stadt vorgebrachten Sicherheitsbedenken seien fragwürdig. So sei etwa auch der Islamkritiker Ahmad Mansour (Berlin) in der Vergangenheit in dem Kulturzentrum aufgetreten: „Auch er wird von Islamisten bedroht und steht unter Polizeischutz. Warum war das Haus sicher für ihn, aber nicht für mich?“.

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Erdogans deutsches Spitzel-Netzwerk

Logo des türkischen Geheimdienstes MIT. Bild: Hamed13931394/CC-BY-SA-4.0
Logo des türkischen Geheimdienstes MIT. Bild: Hamed13931394/CC-BY-SA-4.0
Rund 6000 Informanten des türkischen Geheimdienstes sollen in Deutschland aktiv sein. Oppositionelle Gruppen und auch deutsche Politiker sehen eine besorgniserregende Entwicklung
 

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Die Geheimdienst-Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei ist eng – zu eng, wie sich inzwischen herausstellt. Rund sechshundert Agenten des türkischen MIT sollen in Deutschland aktiv sein, darüber hinaus bis zu 6000 Informanten. Das wurde Ende August bekannt. Oppositionspolitiker forderten Auskunft, aber das Innenministerium mauerte.

Das ist besonders deshalb brisant, weil BND, Verfassungsschutz und Polizei seit Jahren mit den türkischen Behörden kooperieren, während nun Gegner der Regierungspartei AKP auch hierzulande bedrängt werden. Die AKP hatte offen dazu aufgerufen, Anhänger von Fethullah Gülen, den sie für den Putschversuch vom Juli verantwortlich macht, zu denunzieren. Vereinzelt war es zu Angriffen auf Gülen-Einrichtungen gekommen.

Bereits Ende 2014 hatte eine deutsch-türkische Spionageaffäre Schlagzeilen gemacht. Damals hatte die Bundesanwaltschaft Klage gegen drei MIT-Agenten erhoben, die in Deutschland Jeziden und Kurden bespitzelt haben sollen. Besonders brisant: Unter ihnen war auch Muhammed Taha Gergerlioglu – ein ehemaliger Berater Erdogans.

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NRW-Verfassungsschutz überprüft künftig Ditib-Gefängnisseelsorger

DITIB-LogoDer Streit um den Märtyrer-Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet zieht Kreise: Künftig soll deswegen der Verfassungsschutz in NRW alle Ditib-Imame überprüfen, die als Gefängnisseelsorger tätig sind.

evangelisch.de

Alle muslimischen Gefängnisseelsorger in Nordrhein-Westfalen werden künftig vom Verfassungsschutz überprüft. Das gelte auch für die Imame des türkischen Islamverbandes Ditib, teilte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Justizministeriums am Freitag in Düsseldorf dem epd mit. Die Überprüfung der Ditib-Gefängnisseelsorger durch den Verfassungsschutz ist demnach eine Konsequenz aus der Kontroverse um einen Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet, in dem der Märtyrer-Tod verherrlicht wird.

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NSU-Prozess: Staatsanwaltschaft Karlsruhe prüft Ermittlungsverfahren gegen Bundesanwaltschaft

Sitz des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Bild: Voskos/CC-BY-SA-3.0
Sitz des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Bild: Voskos/CC-BY-SA-3.0
Die oberste Strafverfolgungsbehörde hat Unterlagen eines NSU-Beschuldigten vernichtet – Im Bundestagsausschuss neue Zweifel an Todesumständen von V-Mann „Corelli“
 

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Wegen Aktenvernichtung im NSU-Verfahren prüft die Staatsanwaltschaft Karlsruhe derzeit, ob sie gegen die Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Im Untersuchungsausschuss des Bundestages war der Aktenrechercheur des Gremiums, Bernd von Heintschel-Heinegg, darauf gestoßen, dass die Bundesanwaltschaft (BAW) bereits im November 2014 die Vernichtung von Asservaten im Fall des Beschuldigten Jan Werner aus Chemnitz angeordnet hatte. Das machte die Welt am Sonntag (WamS) vor wenigen Tagen bekannt. Die Behörde von Generalbundesanwalt (GBA) Peter Frank räumte die Vernichtung ein, sprach aber von einem Versehen.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe prüft nach Kenntnisnahme des Artikels nun, ob ein Anfangsverdacht auf eine Straftat der Behörde des GBA vorliegt. Um welche Straftat es sich handeln könnte, wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen. Das sei Gegenstand des Prüfvorganges, der ein offizielles Aktenzeichen bekam. Denkbar ist Strafvereitelung im Amt. Die BAW hat ihren Sitz in Karlsruhe. Nach dem Tatort-Prinzip ist die örtliche Staatsanwaltschaft auch für die Bundesbehörde zuständig.

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Streit um Begriff „völkisch“: Petry bekommt Gegenwind aus der eigenen Partei

 Ärger um die
Ärger um die „völkisch“-Forderung: Frauke Petry bekommt auch in der eigenen Partei kontra © Bernd von Jutrczenka/DPA
Frauke Petry will den Begriff „völkisch“ rehabilitieren. Der Vorschlag sorgt deutschlandweit für Aufregung. Offenbar teilt nicht jedes Mitglied der AfD-Führung Petrys Wunsch. Jörg Meuthen äußert eine klare Meinung.

Von Andreas Petzold | stern.de

In der AfD-Führung gibt es keine Einigkeit über den Umgang mit dem Begriff „völkisch“. Frauke Petry hatte in einem Interview mit der Welt am Sonntag verlangt, man müsse „daran arbeiten, dass dieser Begriff wieder positiv besetzt wird“. Es sei eine „unzulässige Verkürzung“, wenn gesagt werde „‚völkisch‘ sei rassistisch.“ Wie es aussieht, kann die Parteichefin nicht alle Kollegen in der AfD-Führung davon überzeugen, an der Rehabilitierung jener Lieblingsvokabel der Nationalsozialisten „zu arbeiten“, die nach allgemeinem Verständnis als Synonym für Rassismus, Ausgrenzung und extremeren Nationalismus gilt.

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Kein Referendum zu Gottesbezug in Schleswig-Holsteins Verfassung

Nach der Ablehnung im schleswig-holsteinischen Landtag wird es keine Volksabstimmung über den Gottesbezug in der Landesverfassung geben.

evangelisch.de

„Wir akzeptieren diese Entscheidung der Abgeordneten“, sagte der frühere Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen (CDU), Sprecher der Initiative. Es bestehe die Gefahr, dass dieses wichtige Thema in einem der bevorstehenden Wahlkämpfe zerrieben werde. Die Initiative sei stolz darauf, eine landesweite Debatte über die Rolle der Religion im öffentlichen Leben angeregt zu haben. Dafür habe es viel Zuspruch und Unterstützung gegeben.

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Pädophiler Lehrer führte Strichlisten über Opfer

Die Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt (Hessen): Hier wurde jahrelang weggeschaut Quelle: dpa
Die Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt (Hessen): Hier wurde jahrelang weggeschaut Quelle: dpa
Jahrzehntelang vergriff sich ein als Reformpädagoge geschätzter Lehrer an einer Darmstädter Grundschule an seinen Schülern. Von ekelhaften Szenen wird berichtet. Doch die Schulleitung schaute weg.

Von Claudia Becker | DIE WELT

Dein Lehrer bittet dich nach dem Unterricht noch mal zu ihm zu kommen und fasst dir in die Hose. Dein Lehrer steht plötzlich in der Umkleidekabine zum Sportraum und kommt dir viel zu nahe. Dein Lehrer zwingt dich zum Oralverkehr. Dein Lehrer hält dich so fest, dass du dich nicht gegen seine anale Penetration wehren kannst.

Dein Lehrer ist ein hochgeschätzter Pädagoge, den deine Eltern nett finden, weil du ihn auch nachmittags besuchen kannst und weil er mit dir in den Odenwald fährt, um Wildschweine zu beobachten. Deine Eltern sagen, dass dein Lehrer ein freundlicher Mensch ist, weil er dir Marzipanschokolade geschenkt hat. Aber du könntest dich übergeben, wenn du nur daran denkst, was du für die Schokolade machen musstest.

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Illegal Wildlife Traders Aren’t Welcome on the Dark Web

Image: Violet Wave/Flickr
Image: Violet Wave/Flickr
Wildlife traders attempting to use the dark web to illegally flog rare and exotic animals are getting flamed by other users, a privacy expert has told Motherboard.

By Ben Sullivan | MOTHERBOARD

Joss Wright, a research fellow at the Oxford Internet Institute, said that during his research on wildlife trade in anonymous marketplaces, he found that traders suggesting sales of live animals are usually met with “vitriol.”

While the dark web is no stranger to illegal sales of drugs, porn, and fake IDs, Wright suggested that illegal wildlife trade coming out of countries such as China and Kenya is just not culturally accepted by a majority of dark web users.

“They consider drugs as very much a victimless crime, and it’s very much a political standpoint,” said Wright.

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Tom Wolfe – der gekränkte Nacktaffe

Tom Wolfe (2004). Bild: wikimedia.org/PD
Tom Wolfe (2004). Bild: wikimedia.org/PD
Bestsellerautor Tom Wolfe hat ein Buch über die Sprache geschrieben, in dem er Charles Darwin und Noam Chomsky erledigt

Von Hannes Stein | DIE WELT

Der amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe ist für drei Dinge berühmt: seine weißen Anzüge, seinen ausufernden Prosastil, der von vielfachen Ausrufe- und anderen Satzzeichen geschmückt wird wie ein Barockbau von blumigen Säulen, und schließlich seine Neigung, mit Lust pompöse Gestalten anzugreifen, vor allem, wenn diese pompösen Figuren auf der politischen Linken beheimatet sind.

Doch nun hat Tom Wolfe ein neues Thema für sich entdeckt: die Sprache. „Sprache, und nur die Sprache, gibt dem Menschen die Kraft, Fragen über sein eigenes Leben zu stellen – und dieses Leben zu beenden“, schreibt er. „Kein Tier hat jemals Selbstmord begangen. Sprache, und nur die Sprache, erzeugt in uns den Drang, andere in großer Zahl zu töten, sei es im Krieg oder in anderen Feldzügen des Terrors. Sprache, und nur die Sprache, verleiht uns die Gewalt, uns selbst zu vernichten und den Planeten unbewohnbar zu machen, einfach so, in 35 oder 40 nuklearen Minuten. Nur die Sprache gibt dem Menschen die Kraft, Religionen hervorzuträumen – und Götter, die sie beseelen.“ Ohne Sprache kein kulturelles Gedächtnis, keine Zukunftspläne, keine Zivilisation.

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Unter dem Titel: Die Evolution frisst ihre Kinder, erschienen.

„Es gibt zu viel Selbstbeweihräucherung von Religionen“

Frieder Otto Wolf ist Präsident des Humanistischen Verbands Deutschland (Humanistischer Verband Deutschland / Arik Platzek)
Frieder Otto Wolf ist Präsident des Humanistischen Verbands Deutschland (Humanistischer Verband Deutschland / Arik Platzek)
Religionskritik habe zu wenig Raum in öffentlichen Debatten, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland, im DLF. Sie müsse jedoch „genau und von Respekt getragen“ sein. Gefährlich werde es dagegen, wenn Religionskritik als „Mittel zur Abschottung“ diene, betonte der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel.

Frieder Otto Wolf und Gert Pickel im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Fast alles ist erlaubt, aber ist jede Islamkritik, jede Kirchenkritik, jede Kritik an Juden sinnvoll? Diese Frage geht an einen Konfessionslosen und an einen Religionssoziologen, auch in der Hoffnung, dass die beiden vielleicht ein wenig bündeln und bilanzieren und ein Antwort auf unsere Frage finden – „wie geht Religionskritik richtig?“

Der eine, Frieder Otto Wolf, ist Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland, sozusagen ein organisierter Religionskritiker. Gert Pickel ist Professor für Religionssoziologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Guten Morgen, Herr Pickel.

Gert Pickel: Guten Morgen, Herr Main.

Main: Und guten Morgen, Herr Wolf.

Frieder Otto Wolf: Guten Morgen.

Main: Frieder Otto Wolf, auch ein Religionskritiker ist hoffentlich selbstkritisch. Lassen Sie uns beginnen mit der Kritik an der Religionskritik. Was geht gar nicht?

Wolf: Ja, ich denke, da ist es erst mal wichtig zu unterscheiden. Ich würde nicht sagen, dass ich ein organisierter Religionskritiker bin, sondern ich bin ein organisierter Religionsfreier. Und Religionsfreiheit ist nicht religionskritisch, sondern so, wie jemand, der so mit seinen Neurosen klarkommt, ohne eine Psychoanalyse zu machen, der guckt auch nicht auf die herab, die eine Psychoanalyse brauchen. Das ist ein tollkühnes Bild, aber die Religiösen sind irgendwie mit einer höheren Bindung in ihrem Leben versehen, glauben sich versehen – und wir Religionsfreien sind das nicht. Das werfen wir ihnen nicht vor. Das ist keine Kritik. Religionskritik ist was anderes.

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Katholiban: Polnisches Parlament stimmt für völliges Abtreibungsverbot

foto: afp photo / wojtek radwanski Protest gegen das geplante Abtreibungsverbot in Warschau am Donnerstag.
foto: afp photo / wojtek radwanski Protest gegen das geplante Abtreibungsverbot in Warschau am Donnerstag.
267 Abgeordnete stimmten in erster Lesung für das umstrittene Gesetz, das Schwangerschaftsabbrüche nur noch bei Lebensgefahr zulässt. Bei Verstößen drohen fünf Jahre Haft

dieStandard.at

Das polnische Parlament hat am Freitag einen umstrittenen Gesetzesentwurf für ein Abtreibungsverbot in erster Lesung angenommen. Das Projekt der Bürgerinitiative „Stop Aborcji“ (Stoppt Abtreibungen) wurde zur Überarbeitung in einen Ausschuss weitergeleitet. Dafür stimmten 267 Abgeordnete, 154 waren dagegen, elf enthielten sich.

Das Gesetz sieht ein komplettes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Haftstrafen für ÄrztInnen und Frauen vor. Die drohende Rechtsverschärfung führte zu Protesten, Frauen würden dadurch entmündigt, kritisieren GegnerInnen. In sozialen Medien wird unter dem Hashtag #czarnyprotest (schwarzer Protest) gegen die Entrechtung der Frauen protestiert. Als Zeichen der Solidarität tragen AktivistInnen schwarze Kleidung.

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Gülen: Erdogan hat Putschversuch selbst inszeniert

"Es gibt viele Verschwörungs-Theorien um Fethulla Gülen"

Türkischer Prediger: „Er hat nur auf die richtige Gelegenheit gewartet“

derStandard.at

Der türkische Prediger Fethullah Gülen hat Präsident Recep Tayyip Erdogan direkt für den Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei verantwortlich gemacht. „In den vergangenen Tagen kamen so viele Beweise ans Licht, dass dies zur Gewissheit wird“, sagte Gülen in einem gemeinsamen Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der spanischen Tageszeitung „El Pais“.

Erdogan habe den Coup Jahre im Voraus geplant. „Er hat nur auf die richtige Gelegenheit gewartet“, sagte Gülen, der seit 1999 im US-Staat Pennsylvania lebt, in seinem Exil in den USA. Die türkische Regierung macht ihrerseits Gülen und seine Hizmet-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich und fordert die Auslieferung des Predigers.

Werbefalle Chia-Samen

 Zusammen mit Flüssigkeit quellen Chia-Samen zu einer schleimigen Masse auf. Die schwarzen Körner sind eine beliebte Zutat in Smoothies und Puddings. (Foto: imago/Westend61)
Zusammen mit Flüssigkeit quellen Chia-Samen zu einer schleimigen Masse auf. Die schwarzen Körner sind eine beliebte Zutat in Smoothies und Puddings. (Foto: imago/Westend61)
Angeblich helfen Chia-Samen gegen fast alles: Sodbrennen, Bluthochdruck und den zu dicken Bauch. Bewiesen ist das bisher nicht.
 

Von Bianca Hofmann | Süddeutsche.de

Sie sind inzwischen überall: Chia-Samen gibt es nicht nur in Bioläden und Reformhäusern, sondern auch in Supermärkten, ab etwa zehn Euro pro Kilo. Frauenmagazine sind voll von ausgefallenen Chia-Rezepten und immer neue Kochbücher zu dem Thema kommen auf den Markt.

Die kleinen schwarzen Körner aus Südamerika, die auf den ersten Blick aussehen wie Mohn, sollen außergewöhnlich viele Nährstoffe enthalten und werden daher als „Superfood“ gefeiert. Gesundheitsportale im Internet preisen Chia-Samen als Wundermittel gegen fast alles: Sie sollen den Blutdruck senken, den Blutzuckerspiegel regulieren, gegen Sodbrennen helfen, Gelenkschmerzen lindern und und und.

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Bullshistic: Ist am Ende die Hölle leer?

Bild: Hans Memling, ca. 1470 (Public Domain)
Bild: Hans Memling, ca. 1470 (Public Domain)
Zwei evangelische Theologen im Pro und Kontra (idea) über die Frage, ob es keine ewige Verdammnis mehr gibt, sondern eine Allversöhnung.
 

kath.net

Gottes Liebe ist ewig und grenzenlos, und seine Gnade werde sogar die Hölle „leer lieben“. Diese These vertrat die evangelische Theologin Christina Brudereck bei einer Tagung des „Emergent Forums“ in Eschborn-Niederhöchstadt bei Frankfurt am Main. Doch wie passt das zu den biblischen Aussagen über das Jüngste Gericht? Gibt es danach keine ewige Verdammnis mehr, sondern eine Allversöhnung?

Eher PRO
Über kaum eine Frage wurde und wird in der Christenheit wohl mehr spekuliert. Und dabei waren sich Christen immer schon uneins, ob Gottes Barmherzigkeit das letzte Wort hat oder doch Menschen sich für immer der Liebe Gottes verschließen können.

Biblische Belege gibt es für beide Seiten, und während der Kirchenvater Origenes († 254) davon ausging, dass am Ende Gott das letzte Wort hat und alle Menschen gerettet werden, geht Augustinus († 430) davon aus, dass es eine Scheidung der Menschheit gibt und die einen das ewige Leben und die anderen die ewige Verdammnis sehen werden.

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Kauder vermisst Aspekte von Christenverfolgung in Regierungsbericht

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, hat den Bericht der Bundesregierung zur Religionsfreiheit kritisiert.

evangelisch.de

Ihm fehlten Aspekte der Christenverfolgung, sagte Volker Kauder (CDU) am Freitag in der Debatte im Bundestag. Er lese beispielsweise kein Wort darüber, dass in Pakistan mit seinem drakonischen Blasphemieverbot Christen verfolgt würden. Das sei inakzeptabel. „Ich würde mir wünschen, dass in einem neuen Bericht darüber mehr zu lesen wäre“, sagte der CDU-Politiker.

Kauder erinnerte an die in Pakistan inhaftierte Katholikin Asia Bibi, die wegen Gotteslästerung zum Tod verurteilt wurde. Er kritisierte auch, dass der Bericht nicht nach Staaten oder Ländergruppen aufgeschlüsselt Verletzungen der Religionsfreiheit dokumentiert. Der Bericht zur weltweiten Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit macht vielmehr an ausgewählten Länderbeispielen deutlich, in welcher Form das Menschenrecht verletzt wird.

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