Ein Ausflug in die Sprachwelt der Islamverteidiger

Islam-Apologeten-Deutsch oder „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Insbesondere nach islamistisch motivierten Terroranschlägen werden in Fernsehsendungen oder Zeitungsinterviews Musliminnen und Muslime immer wieder mit dem Gewaltpotenzial des Islam konfrontiert. Häufig werden dabei vom Moderator respektive vom Interviewer Gewaltpassagen aus dem Koran zitiert und der muslimische Studiogast respektive Interviewpartner haben dann zum Ganzen Stellung zu nehmen. Ich persönlich habe Mühe mit solchen Konfrontationen, weil sie für mich Ausdruck einer Art von Sippenhaft darstellen. Aus meiner Sicht besteht nämlich kein besonderer Grund dafür, weshalb ein Muslim aufgrund solcher Taten persönlich herausgefordert werden und sich erklären müsste. Wenn ein muslimischer Studiogast sich über eine solche Frage angegriffen fühlt, bin ich auch auf seiner Seite, insbesondere dann, wenn er sich dahingehend äußert, dass solche Taten mit dem individuellen Islam, den er, seine Familie, seine Bekannten und Freunde praktizieren, nichts zu tun hätten. Wenn ein Muslim Gewalt ablehnt und dies auch im Zusammenhang mit dem Islam, den er offenbar anders erlebt, ist dies meines Erachtens völlig zulässig. Es wäre absurd und vor allem extrem kontraproduktiv von ihm zu erwarten, dass er aufgrund der Gewaltpassagen im Koran ebenfalls gewalttätig sein sollte, insbesondere wenn er es offenbar nicht ist.

Leider ist es jedoch so, dass die allermeisten Muslime, die in Interviews oder Talkshows mit solchen Fragen konfrontiert werden, nicht sich selbst respektive ihre individuelle Sicht des Islam verteidigen, sondern vielmehr den Islam selbst, den sie dann als den „wahren Islam“ bezeichnen und dabei Positionen einnehmen, die nicht haltbar sind. Genau in solchen Augenblicken verwandeln sich diese Muslime von bloßen Gläubigen zu Islamapologeten, d.h. zu Verteidigern des Islam, wobei sie immer wieder Dinge aussprechen, die sich in etwa wie folgt anhören:

„Sie verstehen das ganz falsch! Zum einen kann man den Koran nur auf Arabisch wirklich verstehen! Zum anderen reißen Sie den Koran völlig aus dem Zusammenhang! Im wahren Islam ist so etwas verboten! Im Koran heißt es nämlich „Wer einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit“. Der Islam ist eine Religion des Friedens!“

Damit keine Missverständnisse aufkommen, möchte ich mich an dieser Stelle wiederholen: Ich habe soeben nicht etwa ein real existierendes Zitat einer bestimmten Person wiedergegeben, wobei ich natürlich nicht ausschließen kann, dass genau diese Worte exakt in dieser Reihenfolge auch schon ausgesprochen wurden. Möglich ist dies durchaus. Das Zitat ist nämlich eine willkürliche Collage von Sätzen aus dem Vokabular der Islamapologeten, die ich schon unzählige Male gehört habe. Mich würde es jedenfalls erstaunen, wenn die Leser noch nie solche Sätze vernommen hätten. Im Nachfolgenden werde ich diese – so wie ich annehme – allseits bekannten apologetischen Floskeln Stück für Stück auseinandernehmen und kritisch interpretieren, wobei ich annehme, dass vieles, was der Leser dabei erfahren wird, ihm bisher in dieser Form unbekannt sein wird.

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„Wir werden alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen – aus Solidarität“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen. – (c) APA (HBF)
Bundespräsident Alexander Van der Bellen sorgt mit einem Zitat zur Situation muslimischer Frauen in Österreich in den sozialen Medien für Aufregung. Einem Neuwahl-Verbot kann er nichts abgewinnen.

Die Presse.com

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist seit fast 100 Tagen im Amt. Im ORF-„Report“ war ihm daher am Dienstagabend ein umfassender Beitrag gewidmet. Nun sorgt ein darin gezeigtes Zitat des Bundespräsidenten, das er bei einem Auftritt im Haus der Europäischen Union in Wien vor Jugendlichen tätigte, für Aufsehen in den sozialen Medien.

„Es ist das Recht der Frau sich zu kleiden wie auch immer sie möchte, das ist meine Meinung dazu. Im übrigen nicht nur die muslimische Frau, jede Frau kann ein Kopftuch tragen“, sagte Van der Bellen. Für Aufregung sorgt aber vor allem folgender Satz: „Und wenn das so weitergeht, bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.“

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Veganer glauben, moralisch überlegen zu sein. Sind sie das auch?

Fleisch, unverpackt: der Schlachthof in Oensingen. (Bild: Simon Tanner / NZZ)
Es gibt viele gute Gründe, kein Fleisch zu essen. Veganer glauben sie zu kennen und erklären sie zu moralischen Prinzipien. Schaut man genauer hin, entdeckt man lediglich Widersprüche und Paradoxien in ihrer Haltung.

Von Damiano Cantone | Neue Zürcher Zeitung

Im Jahre 1924 hörte der vierzehnjährige Donald Watson von einem Augenblick auf den anderen damit auf, Fleisch zu verzehren. Angeekelt von der Gewalt, die Tieren in jener Fabrik angetan wurde, in der er aufgewachsen war, machte er aus seinem Entschluss seinen Lebenssinn. So wurde Watson zu einem Aktivisten für die Tierrechte und prägte 1944 den Begriff «vegan» (indem er die ersten und die letzten Buchstaben von «vegetarian» zusammenzog). Damit beschrieb er einen Lebensstil, der konsequent jede Form der Ausbeutung von Tieren ablehnt.

Die Veganer übertrumpfen in der Tat die Vegetarier in der Konsequenz ihrer Haltung. Sie verzichten auf jedes Nahrungsmittel tierischen Ursprungs (also auch auf Milch, Honig und Eier) und ebenso auf jede andere Nutzniessung von Tieren. Der Veganismus hat eine stetige Verbreitung in unseren Gesellschaften erlebt, in den letzten zehn Jahren besonders akzentuiert. Die Regale der Supermärkte füllen sich mit veganen Produkten, vegane Restaurants spriessen wie Pilze aus dem Boden, und längst wird darüber diskutiert, ob Mensen zwingend ein veganes Menu anbieten müssen.

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Ein Facebook-Konto ist tot mit dem Tod

Ein Friedhof im Hier und Jetzt. Im digitalen Himmelreich droht Unvergänglichkeit.Foto: Heiko Lossie/dpa
Wer erbt den Netzwerk-Auftritt Verstorbener? Womöglich niemand. Aber wie ein Berliner Prozess zeigt, gibt es legitime Interessen an Einsicht in den Nachlass. Ein Kommentar.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Eine Jugendliche stirbt, getötet von einer einfahrenden U-Bahn. Neben Fragen zu Umständen und Motiven eines möglichen Suizids hinterlässt sie trauernde Angehörige und eine Facebook-Seite. Könnte sie den Eltern Aufschluss geben über letzte Wege, den letzten Willen ihrer Tochter? Facebook sperrt sich, die Mutter klagt, in Erbengemeinschaft mit dem Vater. Es ist ein bedrückender Fall von einiger Relevanz, dessen Berufung das Berliner Kammergericht am Dienstag verhandelt hat und vorerst nicht entscheiden möchte. Die Parteien sollen sich einigen. Nur wenn das scheitert, wollen die Richter Ende Mai ein Urteil fällen.

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US-Studie: Jeder Roboter ersetzt mindestens drei menschliche Arbeitskräfte

Bild: 4ever.eu bearb.: bb
Zwei Ökonomen schalten sich mit einer empirischen Untersuchung der Vergangenheit in die Debatte um die Auswirkungen von intelligenten Maschinen auf den Arbeitsmarkt ein – mit beunruhigenden Ergebnissen.

Von Sascha Mattke | heise online

Daron Acemoglu vom MIT und Pacual Restrepo von der Boston University haben analysiert, welche Auswirkungen die zunehmende Verbreitung von Robotern auf den Arbeitsmarkt in den USA hatte. Demnach hat im Zeitraum 1993 und 2007 jeder neu installierte Roboter im Durchschnitt mindestens 3 und bis zu 6,2 menschliche Arbeitskräfte ersetzt und die Löhne um zwischen 0,73 Prozent und 0,25 Prozent niedriger ausfallen lassen. Das berichtet Technology Review online.

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Califorctenus Cacachilensis: Diese neu entdeckte Riesenspinne ist wirklich gruselig

Gemessen an den langen Beinen ist der Körper der Califorctenus Cacachilensis eher klein Quelle: San Diego/San Diego Natural Museum
„Ich habe noch nie so eine große Spinne gesehen“: Forscher staunen über eine neue Spinnenart, die in mexikanischen Höhlen entdeckt wurde. Mit ihren langen Beinen sei sie fast so groß wie ein normaler Teller.

DIE WELT

In Nordmexiko haben Wissenschaftler eine riesige Spinne entdeckt, deren Größe selbst die Forscher zum Staunen brachte.

Die neue Spinnenart mit ungewöhnlich langen Beinen und einem vergleichsweise kleinen Körper misst etwa 23 Zentimeter im Durchmesser, wie Spinnenexpertin María Luisa Jiménez vom mexikanischen Forschungszentrum CIBNOR erklärte.

„In all den Jahren meiner Arbeit habe ich nie eine so große Spinne gesehen, fast so groß wie ein normaler Teller.“

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Schleuser trainierten Flüchtlinge: Vorgetäuschte Fluchtgeschichten und Annahme christlichen Glaubens

Festnahme Tatverdächtiger durch die Bundespolizei © Bundespolizei
Die Polizei hat ein Schleuser-Netzwerk zerschlagen. Die Schleuser sollen Iraner gezielt für ihr Anhörungsgespräch als Asylbewerber trainiert und sie auf die Schilderung falscher Fluchtgeschichten sowie die vorgetäuschte Annahme des christlichen Glaubens vorbereitet haben.

MiGAZIN

In einem bundesweiten Einsatz ist die Polizei am Dienstag gegen mutmaßliche Schleuser vorgegangen. Im Raum Hannover wurden zwei Männer verhaftet und in mehreren Bundesländern insgesamt 22 Objekte durchsucht, wie die Bundespolizei und die Staatsanwaltschaft Hannover mitteilten. Den beiden Hauptbeschuldigten, einem 37-jährigen Iraner und einem 54-jährigen Deutschen, werde das gewerbs- und bandenmäßige Einschleusen von Ausländern sowie die gewerbsmäßige Verleitung zur „missbräuchlichen Asylantragstellung“ vorgeworfen.

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AfD-Politikerin twittert Fake-Foto von Gegendemonstranten

Dieses Foto stammt von einer Demonstration in Hamburg aus dem Jahr 2007.
Es soll den „Schwarzen Block“ während des Parteitags in Köln zeigen. Allerdings stammt das Bild von einer Veranstaltung im Jahr 2007. Und auch der Text des Transparent war anders.

Von Florian J. Haamann | Süddeutsche.de

Mit sozialmedialem Sperrfeuer hat die AfD-Politikerin Heike Themel am Wochenende das Treffen ihrer Partei in Köln begleitet. Etwa 60 Beiträge hat sie alleine am Samstag auf Twitter verfasst und von anderen Nutzern geteilt. Viele Inhalte sollten offenbar vor allem zeigen, dass die Gegendemonstranten alles andere als friedlich sind, immer wieder sind Bilder vom „Schwarzen Block“ zu sehen. Eines der Bilder, das Themel in einem selbst verfassten Tweet geteilt hat, hat ihr umgehend massive Kritik eingebracht. Gemeinsam mit dem Text „#Findedenfehler #AfDBPT17 ich glaube das einzige was hier bunt ist sind die Fahnen.“, hat sie ein Foto gepostet, das den schwarzen Block, mehrere Antifafahnen und im Vordergrund ein lila Transparent mit dem Text „Bunt gewaltfrei weltoffen tolerant“ zeigt.

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Freie Medien in nur 49 Staaten

Reporter ohne Grenzen: Lage weltweit verschlechtert – Österreich stabil auf Platz 11 – Türkei weitere vier Plätze auf 155 gesunken

derStandard.at

Attacken auf freie Medien sind alltäglich geworden, und autoritäre Figuren sind auf dem Vormarsch: So umreißt Rubina Möhring die Lage der Pressefreiheit – die sich laut Reporter ohne Grenzen 2016 weiter verschlechtert hat. Möhring ist Österreich-Präsidentin der internationalen Menschenrechtsorganisation. Reporter ohne Grenzen veröffentlicht am Mittwoch seine neue Rangliste zur Lage der Medien in 180 Ländern. Der Befund: In nur noch 49 von ihnen steht es gut oder zumindest zufriedenstellend um die Pressefreiheit.

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Türkei verärgert über Trumps Armenien-Erklärung

Image: NBCNews/YouTube
US-Präsident Trump ist nicht bekannt für seine nuancierte Wortwahl. Nun hat er mit einer Bemerkung zum Massaker an den Armeniern den Unmut der Türkei provoziert. Diese verlangt eine Richtigstellung.

DIE WELT

Die türkische Regierung hat Kritik an der Erklärung von US-Präsident Donald Trump zum 102. Jahrestag des Massakers an den Armeniern im Osmanischen Reich geübt. Das Außenministerium in Ankara bemängelte in der Nacht zu Dienstag „Fehlinformation und falsche Definitionen“ in der Erklärung Trumps.

Der US-Präsident hatte von „einer der größten Massen-Gräueltaten des 20. Jahrhunderts“ gesprochen und an die Opfer des „Meds Yeghern“ erinnert. Er benutzte damit den armenischen Begriff für „Große Katastrophe“, vermied aber die Bezeichnung „Völkermord“, den die Türkei vehement ablehnt.

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Cassini: Das „große Finale“ beginnt

Zwischen dem Saturn und seinem innerstem Ring hindurch: Die Raumsonde Cassini beginnt heute mit diesem riskanten Manöver. © NASA/JPL
Gewagtes Finale: Die NASA-Raumsonde Cassini beginnt heute den letzten und gefährlichsten Teil ihrer Mission. Sie fliegt erstmals zwischen dem Saturn und seinem innersten Ring hindurch – einem bisher völlig unerforschten Gebiet. Bei der Passage durch die nur 2.400 Kilometer große Lücke kommt die Raumsonde den Ringplaneten so nah wie noch nie zuvor. Bis zu ihrem endgültigen Ende soll Cassini dieses riskante Manöver 22 Mal durchführen, um so ganz neue Einblicke in diese turbulente Planetenumgebung zu liefern.

scinexx

Schon jetzt gehört Cassini zu den erfolgreichsten Raumsonden überhaupt: Seit ihre Ankunft am Saturn im Jahr 2004 hat sie unzählige wertvolle Informationen über den Planeten, seine Ringe und Monde geliefert. Ihr verdanken wir das Wissen um hydrothermale Quellen und einen Ozean unter dem Eis des Saturnmonds Enceladus, über Canyons, Eisvulkane und Seen auf dem Titan.

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Der Papst sollte seinen KZ-Vergleich zurücknehmen

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Das Kirchenoberhaupt müsste eigentlich seine Worte gut wägen. Aber Franziskus redet oft schludrig. Wie kann er die Aufnahmezentren für Flüchtlinge in Griechenland „Konzentrationslager“ nennen?

Von Thomas Schmid | DIE WELT

Wie jeder andere Mensch hat auch der Papst alles Recht, mit drastischen Worten auf die elende Situation hinzuweisen, in der viele Flüchtlinge in Europa leben. Da er aber nicht jedermann ist und, vorsichtig gesagt, eine herausgehobene Position innehat, muss er seine Worte gut wägen.

Das hat Franziskus wieder einmal nicht getan. Er überschritt eine leicht erkennbare Grenze des Maßes und des Anstands, als er soeben die Aufnahmezentren für Flüchtlinge in Griechenland Konzentrationslager nannte. Wörtlich sagte er: „… denn wegen der Menschenmasse, die dort gehalten wird, sind diese Flüchtlingslager – es sind so viele – Konzentrationslager“.

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PM’s ultimatum to Germany causes ‘serious harm’ to ties, Herzog warns

Opposition leader Zionist Union chairman Isaac Herzog at the party faction meeting, March 20, 2017. (Hadas Parush/Flash90)
Opposition lawmakers lambaste Netanyahu’s demand that Berlin’s top diplomat cancel meetings with rights groups

The Times of Israel staff

Opposition leader Isaac Herzog warned Monday that Prime Minister Benjamin Netanyahu was dealing a heavy blow to Israel’s relationship with “a true friend,” after the premier threatened to boycott a meeting with German Foreign Minister Sigmar Gabriel if he meets with two Israeli rights groups during his visit to the country.

“Netanyahu is fleeing the playing field,” Herzog said on Twitter. “Netanyahu’s ultimatum to the German foreign minister seriously harms Israel’s ties to Europe’s largest economy and a true friend of Israel.” He called on the prime minister to meet with Gabriel “and present him with the Israeli position, without fear of one organization or another.”

Herzog added that whatever the outcome of the diplomatic standoff, he would be meeting with Gabriel Tuesday to “present my positions and Israel’s positions, to strengthen ties and uphold Israel’s reputation.”

Gabriel arrived in Israel earlier in the day to participate in Holocaust Remembrance Day events and was set to hold talks with Netanyahu on Tuesday. During his time in Israel, the German minister also planned to meet publicly with two prominent left-wing Israeli rights organizations, B’Tselem and Breaking the Silence, both of which have been accused by the government in the past of working to undermine Israel’s legitimacy by lobbying international forums.

This prompted Netanyahu’s office to issue the ultimatum, according to a Monday report by Channel 2 news.

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Türkische Nichtwähler: Die Ungehörten

Mehr als die Hälfte der türkischen Wahlberechtigten in Deutschland haben nicht abgestimmt. Wer sind sie? Und was sind ihre Beweggründe?

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Kurz nach dem türkischen Referendum wird in Deutschland eine alte Debatte wiederbelebt, mit alten Schlagwörtern, allen voran: Integration. Ein Wort, das längst schon keinen Inhalt mehr hat. Aber als sichtbar wurde, dass 63 Prozent der türkischen Wähler in Deutschland für Erdogans Verfassungsreform votiert hatten, meinten viele wieder, sie sei gescheitert, die Integration.

Einmal mehr fordern konservative bis rechte Politiker die Abschaffung des Doppelpasses oder gar die Ausweisung der Ja-Wähler aufgrund ihres vermeintlich mangelnden Demokratie-Verständnisses. Wer so wählt, sagt mancher Kommentator, wer Diktatur und Todesstrafe unterstützt, der sei nicht integriert – was auch immer man darunter zu verstehen hat. Sind dann Wähler von AfD und NPD integriert? Oder die Schreihälse von Pegida?

Sie alle eint etwas: Sie sind eine Minderheit. Eine kleine, aber eine laute Minderheit. 412.000 Wähler waren es, die hierzulande ihr Evet für Erdogan abgaben. Das ist gerade mal rund ein Achtel der Türken in Deutschland. Und während sich die Aufmerksamkeit auf die Frage richtet, wer warum wie abgestimmt hat, geht ein anderer Aspekt fast unter. Nämlich die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten nicht abgestimmt hat. Und das bei der wohl wichtigsten Richtungswahl über die Zukunft des Landes, über die Frage, ob die Demokratie einem zutiefst autoritären System ohne Gewaltenteilung weichen soll.

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Pierre Vogel sagt für Sven Lau aus

Themenbild
Im Prozess gegen den mutmaßlichen Islamisten Sven Lau verbürgt sich dessen langjähriger Weggefährte Pierre Vogel für den Angeklagten.

Frankfurter Rundschau

Im Terrorprozess gegen den Islamisten Sven Lau ist am Dienstag in Düsseldorf dessen langjähriger Weggefährte Pierre Vogel als Zeuge vernommen worden. „Ich bin überzeugt davon, dass Herr Lau unschuldig ist“, sagte Vogel und bekannte, das Lau ein sehr enger Freund von ihm sei. Lau ist am Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen Unterstützung der islamistischen Terrorgruppe Jamwa angeklagt. Ihm wird seit vergangenem September der Prozess gemacht.

An die Pilgerfahrt 2013, bei der Lau einen Islamisten in die Jamwa-Reihen gelotst haben soll, habe er keine besondere Erinnerung, obwohl er bei der Fahrt dabei gewesen sei, sagte Vogel. Er könne sich aber gar nicht vorstellen, dass jemand Lau frage, wie er nach Syrien komme. Dafür hätten in der Szene alle viel zu viel Angst vor V-Leuten.

„Wahr ist, was gefällt? – Journalismus in der Glaubwürdigkeitskrise“

Die Diskussion über „gefühlte Wahrheiten“ und eine Boulevardisierung der Medien hat den 13. Frankfurter Tag des Online-Journalismus bestimmt. Der Journalist Thomas Leif kritisierte eine „Selbstverblödungsspirale“ der Medien. Das Relevanzsystem für Nachrichten habe sich komplett geändert, sagte der Chefreporter Fernsehen des SWR-Landessenders Mainz am Dienstag in Frankfurt am Main. „Aufreger“-Themen setzten sich immer mehr durch. Der Journalist Roland Tichy entgegnete, Medien hätten die Aufgabe, zuzuspitzen und pointiert zu formulieren.

evangelisch.de

Leif forderte, wieder mehr auf Hintergründe zu setzen. Die „Erklärungsarmut“ in den Medien müsse aufhören. Man brauche eine „Sendung mit der Maus“ für Erwachsene, sagte der Fernseh-Journalist auf der Veranstaltung mit dem Titel „Wahr ist, was gefällt? – Journalismus in der Glaubwürdigkeitskrise“.

Leif kritisierte auch das von seinem Diskussionspartner herausgegebene liberal-konservative Meinungsmagazin „Tichys Einblick“. Tichy sei damit „ein Brückenbauer im rechten Milieu“, sagte Leif. Kritiker werfen Tichy vor, mit dem Magazin rechtspopulistischen Strömungen wie „Pegida“ zu bedienen. Leif plädierte dennoch dafür, das Gespräch mit Journalisten wie Tichy zu führen und sich mit deren Positionen auseinanderzusetzen.

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In the Future, the Holocaust Is Just Another Hologram

USC Shoa Foundation
The last living Holocaust survivors are dying. Can technology keep their testimonies alive?

By Emanuel Maiberg | MOTHERBOARD

Pinchas Gutter tells me that when he was eight years old, the Nazis put him and his family on a train from their home in Łódź, Poland to the Warsaw ghetto. They stayed there for two years before they were taken to the Majdanek concentration camp, where every member of his family was murdered in the gas chambers. Only he survived.

I press a button, lean into the microphone and tell him: „I don’t believe the gas chambers existed.“

Gutter sits there and listens to me patiently. He crossfades from an idle animation to his response.

„To someone who has spent five years in hell—a living witness—[people who say] that this did not happen…I believe that they are just as bad as the perpetrators,“ he said. „Every one of them should be taken to a court of law because they are in contempt of humanity itself.“

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Wie Spinnen Entfernungen messen

Die Wolfsspinne nutzt die zwei äußeren kleinen Augen an der Kopfvorderseite zur Messung von Entfernungen. © João Coelho / CC-by-2.0
Acht Augen sind besser als zwei – zumindest bei Spinnen. Neue Forschungen zeigen, dass Wolfsspinnen ihre vier Augenpaare für unterschiedliche Aufgaben einsetzen, eines davon ist für die Distanzmessung verantwortlich. Als Wissenschaftler im Experiment dieses Augenpaar verschlossen, fanden die Spinnen nur mit Mühe den Rückweg zum Nest – obwohl die übrigen sechs Augen noch aktiv waren.

scinexx

Spinnen sind nicht nur wichtige „Aufräumer“ und Prädatoren in den Nahrungsnetzen der Natur, sie haben für den Beutefang auch eine Vielzahl raffinierter Strategien entwickelt. Das Spektrum reicht von besonders harten Beißklauen und komplexen Netzbauten bis hin zu versteckten Fallen und der Fähigkeit zu schnellen Sprints bei der Verfolgung ihrer Beute.

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Malteser, Kondome und eine ‚Kongo-Pille‘

Die Rotjacken verteilen Kondome ©Ricardo Mussacchio
Malteser und Kondom-Verteilung. Diese Geschichte hat die letzten Monaten medial für Aufsehen gesorgt und im Malteserorden zu heftigen Diskussionen geführt. Während verschiedene Malteser medial den Eindruck erwecken möchten, dass diese Geschichten wenige bedauerliche Einzelfälle in ferner Vergangenheit waren, auf die sofort reagiert wurde, zeigen interne Malteserdokumente, dass die Geschichte durchaus weiterhin kritisch einzuschätzen ist.

kath.net

So fand beispielsweise am 12. Dezember 2013 ein Board Meeting von Malteser-International (MI) statt. Das kath.net vorliegende Protokoll zeigt als Teilnehmer unter anderem Albrecht v. Boeselager und Ingo Radtke, dem Generalsekretär von MI. Einer der Tagesordnungspunkte war das Thema „reproductive health“ (reproduktive Gesundheit) und die Verteilung von Kondomen in Myanmar und im Südsudan. Das Board-Meeting stellte klar fest, dass man hier im Zusammenhang mit der Lehre der Kirche eine „rote Linie“ überschritten hatte. Es wurde beschlossen, dass das Ganze in einem Arbeitskreis mit Bischof Stenger, dem geistlichen Berater von MI, weiter diskutiert werden sollte. Das Ziel der Arbeitsgruppe war, klare Richtlinien zu dem Thema (Anm. d. Red.: Die es allerdings durch das Lehramt der Kirche ohnedies bereits gibt!), erstellen zu lassen.

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Baden-Württemberg will religiöse Symbole bei Gerichten verbieten

Die baden-württembergische Landesregierung will religiös und politisch geprägte Symbole bei richterlichen und staatsanwaltschaftlichen Tätigkeiten künftig verbieten.

evangelisch.de

Das Kabinett habe am Dienstag einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Neutralität bei Gerichten und Staatsanwaltschaften verabschiedet, teilte das Staatsministerium in Stuttgart mit. Von der Neuregelung nicht betroffen seien Schöffen sowie ehrenamtliche Richter. Damit sei ein „möglichst schonender Ausgleich zwischen den Grundrechten und der Neutralität“ geschaffen worden, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

Richter und Staatsanwälte sollen dem Entwurf zufolge in einer Sitzung oder bei Amtshandlungen keine Symbole oder Kleidungsstücke tragen, die bei objektiver Betrachtung eine religiöse oder politische Überzeugung zum Ausdruck bringen. Das betreffe auch Rechtspfleger, wenn diese richterliche Aufgaben ausüben.

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