Mehrfrontenkrieg gegen die Terrormiliz IS

(c) APA/AFP/MOHAMMED SAWAF
Vier nahöstliche Armeen ziehen mittlerweile gegen den sogenannten Islamischen Staat in den Krieg. Nun gesellten sich auch die libanesischen Streitkräfte hinzu. Und Russland bombardiert die IS-Stellungen heftiger denn je.

Von Martin Gehlen | Die Presse.com

Der militärische Druck auf das „Kalifat“ des sogenannten Islamischen Staates wächst immer mehr. Seit dem Wochenende zieht nun auch die vierte nahöstliche Armee gegen die Terrormiliz in den Krieg. Die libanesischen Streitkräfte wollen die Jihadisten aus deren libanesisch-syrischer Enklave im Qalamoun-Gebirge vertreiben. Parallel dazu startete die Armee des Irak ihren Feldzug gegen die Stadt Tal Afar, nach dem Fall von Mossul die letzte IS-Bastion auf irakischem Boden.

Die syrische Armee greift im Osten des Landes das IS-Zentrum Deir Ezzor an, während die von den USA gestützten arabisch-kurdischen Streitkräfte inzwischen mehr als die Hälfte der IS-Hauptstadt Raqqa zurückeroberten.

Auf libanesischem Territorium hatten sich die Jihadisten im Herbst 2014 rund um die Grenzstädte Ras Baalbek und Al-Qaa eingenistet. Bei dieser Offensive kidnappte die Terrormiliz 30 libanesische Soldaten und Polizisten. Vier wurden ermordet, einer starb an seinen Schusswunden. 16 wurden später gegen Gefangene ausgetauscht, neun sind immer noch in der Hand der Fanatiker.

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ABDELBAKI ES SATTY: Der Kopf der katalanischen Terrorzelle war drei Monate in Belgien

Abdelbaki Es Satty is believed to have been the ringleader of the Barcelona attack. Image: telegraph.co.uk
Imam Abdelbaki Es Satty soll der Kopf der zwölfköpfigen katalanischen Terrorzelle sein, die für die Anschläge in Barcelona und Cambrils verantwortlich ist. Der Marokkaner ist seit einer Woche verschwunden.

DIE WELT

In einer kleinen katalanischen Stadt am Fuße der Pyrenäen hat er gewohnt, unauffällig, eher einzelgängerisch: Imam Abdelbaki Es Satty soll der Kopf der Terrorzelle gewesen sein, die vergangene Woche die verheerenden Anschläge in Barcelona und Cambrils verübte. Im katalanischen Ripoll radikalisierte er womöglich die jungen Männer, die 15 Menschen töteten und mehr als 120 verletzten. Von vielen Menschen in Ripoll wird der Imam aber als „normal“ und „zurückhaltend“ beschrieben.

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Polizeigewalt: „Alle Erwartungen mit einem Schlag zerstört“

Die Polizei im Einsatz. Das Symbolfoto entstand in Berlin. Foto: Imago
„Entwürdigt“ in Hamburg: Ein arabisch-israelischer Student berichtet von Polizeigewalt in Hamburg am Rande des G20-Gipfels.

Von Carina Braun | Frankfurter Rundschau

Man merkt Firas S. an, dass er es sehr ernst gemeint hat mit Deutschland. Erst seit Ende 2016 ist er hier, aber der 18-Jährige will lieber Deutsch sprechen als Englisch. Er macht sich, während er spricht, Gedanken über die korrekte Grammatik.

Firas kam aus dem arabischen Dorf Eilaboun in Israel nach Deutschland, um Maschinenbau zu studieren. Eigentlich lief alles gut. Er absolvierte Sprachkurse, bestand Prüfungen, seit Juni lebt er in Baden-Württemberg bei langjährigen Freunden seiner Familie. Im nächsten Jahr wollte er sein Studium beginnen. Aber jetzt, sagt er leise, wisse er nicht, ob er bleibe.

Wenn er über die Ereignisse der Nacht vom 7. auf den 8. Juli spricht, klingt er bedrückt. Als an jenem Abend im Hamburger Schanzenviertel die G20-Ausschreitungen eskalierten, stand Firas kilometerweit von den Krawallen entfernt am Hauptbahnhof. Tags zuvor hatte er in der Stadt das Global Citizen Konzert besucht. Fotos zeigen ihn zwischen den Zuschauern, strahlend. Er formt mit den Fingern ein Herz in der Luft.

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Austria: Problem mit Geld für Islamvereine

Die Finanzierung von Islamvereinen bereitet Staatssekretärin Duzdar Sorgen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Kultusamt hat mehrere Verdachtsfälle verbotener Auslandsfinanzierung im Visier. Wiens Stadtschulrat hat Anzeige gegen Schule erstattet. Verein unterstützte Linzer SPÖ-Stadtchef.

Die Presse.com

In Österreich wird intensiv gegen mehrere islamische Vereine wegen des Verdachts der verbotenen Finanzierung aus dem Ausland ermittelt. Im Mittelpunkt des Interesses steht zwar derzeit eine Islamschule in Wien Liesing. Gegen diese hat der Wiener Stadtschulrat am Montag Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Islamgesetz erstattet.

Allerdings handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Man sei bei den seit Februar dieses Jahres laufenden Prüfungen draufgekommen, dass es mehrere Verdachtsfälle gibt, wurde der „Presse“ im Bundeskanzleramt, wo auch das zuständige Kultusamt angesiedelt ist, erklärt. Kanzleramtsstaatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) selbst unterstreicht: „Die Auslandsfinanzierung ist ein ernstes Problem und darf nicht kleingeredet werden.“

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Prügel im Namen des Vaters

Pädagogik mit dem Stock: Farblithographie von Josef Mukarowsky. Aus: Cornelie Lechler, Wie das Kind sein soll! Ein Kinderspiegel. Aus der Zeit um 1895. (Foto: akg-images)
Schläge als zentrale Erziehungsmethode auch bei Kleinstkindern: Ein Buch gibt Tipps zu rechtswidriger Pädagogik und beruft sich dabei auf die Bibel.

Von Ulrike Heidenreich | Süddeutsche.de

Besonders zu beachten: Das Kind müsse den Schmerz spüren, wenn Mutter oder Vater zur Rute greift. Der Erziehungsberater rät deshalb dazu, das Kind auszuziehen. „Es hilft nichts, wenn Windeln oder andere Kleidungsstücke das Disziplinieren zur Streicheleinheit machen.“

Dies ist der Originalton eines Buches, dessen Vorläufer die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) indiziert hatte. „Eltern, Hirten der Herzen“ durfte seit 2013 nicht mehr per Versandhandel Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Nun ist es wieder auf dem Markt aufgetaucht, unter neuem Titel, mit neuer Aufmachung. Der Inhalt ist jedoch fast wortgleich. Auch in „Kinder Herzen erziehen“ gibt ein amerikanischer Pastor in deutscher Übersetzung detaillierte Anleitungen, wie selbst Kleinkinder abzustrafen seien.

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen, kann dies in Deutschland als Körperverletzung geahndet werden. Das „Recht auf gewaltfreie Erziehung“ ist seit dem Jahr 2000 im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. „Entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, insbesondere Körperstrafen und seelisch verletzende Sanktionen“ sind unzulässig. Auch die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen schreibt den Schutz des Kindes „vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung“ vor.

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How Physics Dooms Average Ants

Wiki/Pollinator
A quirk of friction offers up ant meals to nightmarish antlion larvae.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

It sounds like a particularly clever feature of hell. You are almost, but not quite, reaching distance from safety as the mandibles of death-larvae threaten from just behind. Almost out of harm’s way, you lunge forward—but the ground below your feet gives. Every other push forward only pushes the earth backward. Safety is no closer as the ground becomes a stairmaster under your feet. Soon, you’re sliding backward and downward. The hell-creature at the bottom has its meal.

Of course, a lot of nature winds up sounding like different perspectives on hell—take parasitic wasps for example—but ants really do seem to have it bad. There’s that zombie fungus, for one thing, but consider also antlion death-pits. Here, a quirk of friction leaves ants vulnerable to a truly unpleasant end at the hands of larval antlions. This is what a larval antlion looks like:

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Auf dem Neptun regnet es Diamanten

Forscher konnten festhalten, wie auf dem Neptun kleine Diamanten entstehen Quelle: Infografik Die Welt
Der Neptun ist der äußerste Planet unseres Sonnensystems. Wissenschaftler haben seine physikalischen Verhältnisse im Labor nachgebaut und sagen: Dort regnet es tatsächlich kleine Diamanten.

Von Norbert Lossau | DIE WELT

Astrophysiker gehen davon aus, dass Neptun – und ebenso Uranus – einen festen Kern besitzt, der von dichten Schichten aus Kohlenwasserstoffen, Ammoniak und Wasser umhüllt ist. Sie spekulieren schon lange, dass bei den extrem hohen Drücken, die im Inneren eines solchen Planeten herrschen, die Kohlenwasserstoffverbindungen aufgetrennt werden. Im nächsten Schritt kristallisiert der dabei freigesetzte Kohlenstoff zu Diamant. Diese Diamanten würden dann ins Innere des Planeten sinken, also gleichsam regnen.

Was bislang eine Theorie war, konnte jetzt durch ein Experiment in einem irdischen Labor verifiziert werden. Die Forscher verwendeten einen speziellen Kunststoff, nämlich Polystyrol, das aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen aufgebaut ist.

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„Wir würden noch viel mehr Terror aushalten können“

Hat jahrelang zu Angstthemen geforscht: Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen Quelle: picture alliance / Stefan Rampfe
Terroranschläge in Europa werden zum traurigen Alltag. Doch anstatt sich zu fürchten, gewöhnen sich viele Menschen an die neue Situation. Der Angstforscher Borwin Bandelow hält das für absolut natürlich.

Von Anett Selle | DIE WELT

Paris, Brüssel, Berlin und zuletzt Barcelona: Terroranschläge werden für die Europäer zur traurigen Realität. Und damit auch der Umgang mit den schrecklichen Ereignissen. Eine gewisse Gewöhnung stellt sich nach den Anschlägen ein. Doch wie schlimm ist es wirklich, wenn wir uns an Terror gewöhnen? Borwin Bandelow (66) ist Professor an der Universität Göttingen und forscht seit Jahren zu dem Phänomen Angst.

DIE WELT: Herr Bandelow, die deutschen Reaktionen auf die Anschläge in Barcelona reichen von „Es war ein Horror, und ich konnte nicht schlafen“ bis hin zu „Ich finde schlimm, wie wenig es mich berührt“. Wie abgestumpft darf man sein?

Borwin Bandelow: „Abstumpfen“ ist negativ konnotiert und soll einem ein schlechtes Gewissen einreden. Ich würde davon absehen, dieses Wort zu benutzen. Viele Leute denken, dass sie abgestumpft seien, wenn sie nicht mehr so betroffen sind wie bei anderen Anschlägen. Ich denke, niemand muss sich Gedanken machen, dass man zu wenig Mitgefühl habe, wenn man nach so vielen Anschlägen nicht mehr so emotional betroffen ist. Was da abläuft, ist eine natürliche Reaktion.

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Für Menschen gemacht, von Maschinen erobert

Dota-2-Turnier in Seattle Mitte August: Mittlerweile spielt künstliche Intellligenz auf dem Niveau dieser menschlichen Profis. (Foto: AP)
Künstliche Intelligenz schlägt heute selbst Profi-Gamer im komplizierten „Dota 2“ – und entwickelt dazu sogar eigene Vorstellungskraft. Das nächste Ziel: „Starcraft 2“ gewinnen.

Von Michael Mohrstedt | Süddeutsche.de

Der ewige Konflikt zwischen Mensch und Maschine geht weiter: Eine künstliche Intelligenz (KI) des Forschungsinstituts Open AI hat nun einen menschlichen Spieler im Videospiel Dota 2 geschlagen. Das verleitete Tesla-Chef und Open-AI-Hauptsponsor Elon Musk zu der Aussage, dass KI „viel gefährlicher“ als die Krise rund um Nordkorea sei. Schließlich, so schrieb Musk auf Twitter, sei das Computerspiel komplexer als Schach oder Go.

Stimmt das? Ein bisschen. Anders als bei Brettspielen bleiben die Züge des Gegners bis zur Konfrontation im Dunkeln. Man muss die Strategie des Gegenübers vorhersagen, der KI-Spieler muss also ein paar Fähigkeiten entwickeln, für die Computerprogramme nicht gerade bekannt sind: Vorstellungskraft und Intuition. Außerdem handelt es sich dabei um ein Echtzeit-Spiel. Der Computer kann also nicht beliebig lang mögliche Züge und Varianten durchrechnen, sondern muss schnell reagieren. Der Sieg der Software geht also tatsächlich als Meilenstein durch.

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McMaster will Truppen in Afghanistan aufstocken

Herbert Raymond „H. R.“ McMaster. Foto: Chief Mass Communication Specialist James E. Foehl, U.S. Navy
Taliban und IS sollen gemeinsam ein Massaker in der Provinz Sar-i Pul verübt haben

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Politico berichtet unter Berufung auf zwei Quellen aus dem Weißen Haus und der Administration, dass der Nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster US-Präsident Donald Trump dazu bringen will, die Zahl der aktuell 8.400 US-Soldaten in Afghanistan aufzustocken. Vizepräsident Mike Pence, der den Politico-Informanten nach McMaster beim Überreden Trumps unterstützt, ließ über sein Büro ausrichten, er sehe sich als „ehrlichen Makler“ und stehe lediglich „auf der Seite der Objektivität“.

In Afghanistan führen die Amerikaner inzwischen seit 16 Jahren einen Krieg gegen paschtunische Taliban und andere Islamisten, der sie bis jetzt 2.257 Tote, 20.257 Verletzte und alleine zwischen 2003 und 2015 760 Milliarden Dollar Steuergeld kostete. Trump twitterte am Samstag zwar, man habe „wichtige Beschlüsse“ zu Afghanistan gefasst – seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders bestätigte aber lediglich Gespräche und meinte, der Präsident werden seine Entscheidung erst dann verkünden, wenn er alle Optionen gründlich geprüft habe. Das wird Verteidigungsminister James Mattis zufolge heute Abend der Fall sein.

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Ethnologe: Religion ist für Menschen letztlich unvermeidbar

Religiöse Erfahrungen sind nach Ansicht des Ethnologen Thomas Hauschild tief im Menschen verwurzelt. „Religion muss offensichtlich passieren“, sagte der ehemalige Haller Ethnologie-Professor dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es könne weltweit keine Menschengruppe geben, die gar keine Religion kenne. „Das, was wir Religion nennen, ist ein Dialog mit Mächten, die nicht ganz deutlich in der Realität verankert sind.“

Von Leonore Kratz | evangelisch.de

So könne etwa ein besonderes Musikerlebnis, eine überwältigende Landschaft oder ein merkwürdiger Zufall religiöse Gefühle auslösen: „Das übersteigt unsere tägliche Orientierung und kann dann unbewusst religiös aufgeladen werden“, erläuterte der Wissenschaftler. Hauschild hat im Sommersemester 2017 die Hans-Blumenberg-Professur am Münsteraner Exzellenz-Cluster „Politik und Religion“ inne.

Auch ein Konflikt könne eine Erfahrung mit dem Übernatürlichen sein, sagte er. Ein Gegenüber im Streit könne leicht in übertriebener Weise „dämonisiert“ werden. Religiöse Gefühle im Alltag könnten sowohl Menschen entwickeln, die einer organisierten Religion wie etwa dem Christentum angehören als auch Menschen ohne Religionszugehörigkeit.

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Der Terror kann Spanien nichts anhaben

Eine Frau hält nach dem Anschlag von Barcelona einen Zettel in die Höhe: „Ich bin Muslimin und Katalanin, keine Terroristin. Der Islam ist Frieden.“ (Foto: AP)
Nach dem Attentat von Barcelona wird sich die offene Haltung gegenüber Muslimen im Land kaum ändern. Doch die Politik hat einen entscheidenden Fehler gemacht.

Von Thomas Urban | Süddeutsche.de

Wird sich Spanien durch den Terroranschlag von Barcelona verändern? Wenig spricht dafür. Denn das Land und seine Menschen sind nicht zum ersten Mal von terroristischer Gewalt betroffen. Schon vor dreizehn Jahren, als Islamisten vier Pendlerzüge in Sichtweite des Madrider Bahnhofs Atocha in die Luft sprengten und 191 Menschen in den Tod rissen, verfiel Spanien nicht in Hysterie. Auch heute sind kaum Stimmen vernehmbar, die nach Vergeltung und Repression rufen.

Wahrscheinlich wird die Politik an der bisherigen Doppelstrategie festhalten: Einerseits werden islamistische Gefährder scharf überwacht, es wird weiterhin vorbeugende Inhaftierungen geben; ebenso wird der Nachzug von Migranten aus dem Maghreb sowie den Ländern südlich der Sahara sehr begrenzt bleiben. Andererseits werden verstärkt Angebote für den gesellschaftlichen Aufstieg der bereits im Lande lebenden Muslime gemacht.

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Verhältnis zwischen AfD und Christen „Das Christentum in Geiselhaft genommen“

Manche Christen kommen zu dem Schluss, dass die AfD eine Alternative ist. (imago /Jens Jeske)
Für manche konservative Christen ist die AfD attraktiv – etwa in der Abtreibungsfrage. Wiederum helfen die Kirchen Flüchtlingen, suspekt für die AfD. Ein Gespräch mit dem Publizisten Wolfgang Thielmann über sein Buch „Alternative für Christen?“ und wie die Kirchen mit der Partei umgehen sollten.

Wolfgang Thielmann im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandfunk Kultur

Philipp Gessler: Ob die AfD ihre größte Zeit vielleicht schon hinter sich hat, auch wenn sie wohl Ende September in den Bundestag einziehen wird –, darüber kann man streiten. Unbestritten ist, dass sich auch die Kirchen nicht ganz leicht tun mit den Rechtspopulisten. Einerseits sind manche Positionen der AfD, etwa in der Abtreibungsfrage, für konservative Christen recht attraktiv. Andererseits ist die Hilfe der Kirchen für die vielen Hunderttausend Flüchtlinge im Land der AfD suspekt. Und gerade haben wir erlebt, wie Angela Merkel auch von AfD-Fans in Sachsen übel beschimpft wurde.

Über das spannungsreiche Verhältnis von AfD und Kirchen beziehungsweise zur Religion hat der evangelische Publizist Wolfgang Thielmann nun ein facettenreiches Buch herausgegeben. Für „Religionen“ wollte ich es von ihm noch etwas genauer wissen. Zunächst habe ich Wolfgang Thielmann gefragt, ob er meine Beobachtung teile: Zwar rege man sich in Deutschland derzeit auf über die Ereignisse mit den Rechtsextremisten und „White-Supremacy“-Aktivisten in den USA – aber verfolge nicht die AfD am Ende eine sehr ähnliche Idee der weißen Vorherrschaft und einer Politik der Angst, nur mit einem bürgerlicheren Anstrich als diese genannten Gruppen in den USA?

Wolfgang Thielmann: Ja, ich denke, genau das ist das Problem. Wenn man die Vorstellungen der AfD ernst nimmt, dann werden wir eine Gesellschaft haben, in der die einen gegen die anderen kämpfen und der die einen gegen die anderen eine Vorrangstellung haben sollen. Und das können wir uns nicht wünschen, dagegen können wir uns nur mit aller Macht wehren.

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Spitzenvertreter des Vatikan beginnt Moskau-Mission

Wappen Russland

Bei Begegnungen von Kardinalstaatssekretär Parolin mit Präsident Putin und Außenminister Lawrow dürfte es auch um den Ukraine-Konflikt und den Krieg in Syrien gehen

kath.net

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin beginnt am Montag ein dreitägiges Besuchsprogramm in Russland. Am Mittwoch ist in Sotschi ein Treffen mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin geplant. Zuvor hält Parolin am Dienstag eine Unterredung mit Außenminister Sergej Lawrow. Zudem soll er vom russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. empfangen werden. Thema der politischen Gespräche seien Fragen von beiderseitigem Interesse sowie „Krisen in verschiedenen Teilen der Welt“, sagte Parolin der russischen Nachrichten-Agentur TASS (Sonntag).

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Türkei-Touristen unbeeindruckt von Appell zur Vorsicht

Die verschärften Spannungen zwischen Berlin und Ankara haben nach Angaben von Tourismuskonzernen bisher keine Spuren bei der Nachfrage nach Türkei-Reisen hinterlassen. Foto: Marius Becker/dpa
Vor einem Monat verschärfte die Bundesregierung ihren Kurs gegenüber der Türkei. Privatreisende rief Außenminister Gabriel zu erhöhter Vorsicht auf. Doch bisher reagieren Sonnenhungrige gelassen.

Frankfurter Rundschau

Die verschärften Spannungen zwischen Berlin und Ankara haben nach Angaben von Tourismuskonzernen bisher keine Spuren bei der Nachfrage nach Türkei-Reisen hinterlassen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Privatreisende vor vier Wochen zu erhöhter Vorsicht bei Trips in das Land aufgerufen. Das habe das Interesse Kurzentschlossene jedoch nicht gedämpft, berichteten Veranstalter. Die Türkei sei derzeit eines der beliebtesten Last-Minute-Ziele.

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Berlin-Spandau: Neun Verletzte durch Rauchbombe bei kurdischer Veranstaltung

Berliner Rettungsdienst im Einsatz. (Symbolbild)FOTO: PICTURE ALLIANCE / DPA
Ein Rauchgas-Wurfkörper hat am Sonntagabend in Spandau neun Menschen verletzt. Der Vorfall ereignete sich während einer Veranstaltung für ein unabhängiges Kurdistan.

DER TAGESSPIEGEL

Auf einer kurdischen Veranstaltung in Berlin-Spandau ist am Sonntagabend eine Rauchbombe gezündet worden. „Es handelt sich um einen Rauchgas-Wurfkörper, der am Sonntagabend gegen 22.00 Uhr explodiert ist. Neun Menschen sind durch das Einatmen von Rauch verletzt worden“, sagte eine Polizeisprecherin am Montagmorgen.

Die Verletzten seien ambulant behandelt worden. Hinweise zu den Tätern und ihrem Motiv lägen noch nicht vor. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen.

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Märchen und Schuldzuweisungen zu Anschlägen in Katalonien

Das gesprengte Haus der islamistischen Terroristen, die Bomben bastelten. Screenshot aus RT-YouTube-Video
Die Attentäter hatten mehrere große Bombenanschläge geplant, ihr mutmaßlicher Kopf ist ein alter Bekannter der Sicherheitskräfte

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Auch Zufall und Unfähigkeit haben dazu geführt, dass in Katalonien ein Massaker nach dem Vorbild der islamistischen Anschläge im März 2004 verhindert worden ist, bei dem 191 Menschen in der Hauptstadt Madrid ermordet wurden. Dass sich ein Teil der Attentäter in Alcanar in der Nacht vor den mörderischen Vorgängen in Barcelona und Cambrils in die Luft gejagt haben, als sie mit Sprengstoff zum Bombenbau hantierten, hat wohl das Schlimmste in Barcelona verhindert. Die Ermittler haben in den Trümmern mehr als 120 Gasflaschen gefunden, mit denen die Sprengwirkung von Bomben vervielfacht werden sollte.

Sie gehen davon aus, dass die islamistischen Terroristen „einen oder mehrere Bombenanschläge in Barcelona geplant hatten“, sagte der Chef der katalanischen Polizei Josep Lluís Trapero auf einer Pressekonferenz am Sonntagmittag. Das hatte sich längst über die Tatsache aufgedrängt, dass der 17-jährige Moussa Oukabir Soprano, der schließlich in Cambrils erschossen wurde, zwei Lieferwagen angemietet hatte. Einer davon blieb unbenutzt und wurde nach der mörderischen Fahrt im Zentrum von Barcelonaunbenutzt gefunden.

Es dürfte sich kaum um nur eine Bombe drehen, denn 120 Gasflaschen passen nicht in einen der Lieferwagen. Vermutlich sollte er – oder beide – auch als Auto-Bomben im Rahmen einer Aktion eingesetzt werden, um eine sehr hohe Opferzahl zu erreichen und die von Madrid möglichst noch zu überbieten. Da schnell ein Zusammenhang zwischen den Anschlägen in Barcelona, Cambrils und dem Haus im südkatalanischen Alcanar hergestellt werden konnte, ist nun für die Mossos d’Esquadra auch klar, dass die Anschläge „unmittelbar“ bevorstanden. Die Explosion in Alcanar ließ aber die Islamisten zu einem Plan B greifen. Ihnen war klar, dass sie über kurz oder lang nach den Vorkommnissen in Alcanar enttarnt werden würden.

Die fünf in Cambrils erschossenen Terroristen hatten eigentlich ein Massaker mit Messerattacken in dem Tourismusort am Mittelmeer geplant. Das hat die katalanische Polizei allerdings durch ein entschlossenes Eingreifen weitgehend verhindert. Eine Frau fiel ihnen aber doch noch zum Opfer. Deshalb seien sie zu fünft in nur einem Auto unterwegs gewesen. Sie sollen nicht geplant haben, wie in Barcelona viele Menschen zu überfahren. Das hätten sie erst versucht, nachdem sie schon entdeckt waren.

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Sonnenfinsternis: So könnte die Korona aussehen

So könnte die solare Korona heute Abend während der Sonnenfinsternis aussehen © Predictive Science Inc.
Test für Vorhersage-Modelle: US-Forscher haben schon einmal prognostiziert, wie die Korona bei der heutigen Sonnenfinsternis aussehen könnte – und sogar eine Sonneneruption für den heutigen Tag vorhergesagt. Ob ihr Modell richtigliegt, werden sie heute Abend beobachten können. Denn die Sonnenfinsternis bietet ihnen eine perfekte Chance, die Vorhersage-Modelle zur Sonnenaktivität und dem Verhalten der solaren Atmosphäre zu testen.

scinexx

Heute Abend gegen 20:00 Uhr unserer Zeit wird sich über den USA eine totale Sonnenfinsternis ereignen. Der Pfad der Totalität wandert dabei einmal quer über den Kontinent. Die Phase der Verfinsterung ist nicht nur ein faszinierender Anblick, er bietet Forschern auch eine einmalige Chance, die innere Korona der Sonne genauer zu studieren – einen normalerweise vom Sonnenlicht überstrahlten Bereich.

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Ein Einsparvorschlag für ARD und ZDF

Grafik: TP
Anstatt die Rundfunkgebühren auf 21 Euro steigen zu lassen, könnten die öffentlich-rechtlichen Sender darauf reagieren, dass das Interesse an Fußball abnimmt – ein Kommentar

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Im September ist Bundestagswahl. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat erfahren, dass die Gebührensender ARD und ZDF den Regierungen der Bundesländer im selben Monat einen Plan vorlegen wollen, der vorsieht, dass der aktuell bei 17,50 Euro im Monat liegende „Haushaltsbeitrag“ (der seit 2013 sowohl von Nutzern als auch von Nichtnutzern der Angebote eingetrieben wird) in Zukunft automatisch steigen soll – bis 2029 auf 21 Euro.

Als Begründung dafür nennt ein Grundsatzpapier, aus dem die FAS zitiert, Kosten für „Zentralisierungsmaßnahmen“, die bis 2024 zu 2,2 Milliarden Euro an Einsparungen führen sollen. Diese Einsparungen will man dann allerdings nicht an die Gebührenzahler weitergeben, sondern „in die Vielfalt neuer Angebote des digitalen Medienwandels umschichten“ – sprich: privaten Anbietern Konkurrenz machen.

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Saudische Fluglinie: Katar lässt Hadsch-Pilger nicht landen

Keine Landeerlaubnis für staatliche Saudi-Airline – EPA
Die katarischen Behörden hätten die Landeerlaubnis noch nicht erteilt, obwohl sie bereits vor einigen Tagen beantragt worden sei.

Die Presse.com

Katar verweigert der staatlichen saudischen Fluggesellschaft nach deren Angaben bisher die Landeerlaubnis, um Pilger aus dem Emirat zur Hajj-Wallfahrt (Hadsch) nach Mekka zu bringen.

Die katarischen Behörden hätten die Landeerlaubnis noch nicht erteilt, obwohl sie bereits vor einigen Tagen beantragt worden sei, sagte der Generaldirektor der Fluglinie Saudia, Salih Jasir, am Sonntag, wie die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA meldete.

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