US-Geheimgericht rügt FBI und NSA

Das Geheimgericht FISC verwendet dieses Logo, das den Namen das Gerichts verschweigt. Bild: heise online
US-Geheimdienste verletzen bei der Internetüberwachung immer wieder die Vorschriften, melden das aber spät. Das Geheimgericht FISC übt nun ungewöhnlich harsche Kritik. Für Ausländer verbessert sich dadurch aber nichts.

Von Daniel AJ Sokolov | heise online

Eine ungewöhnlich geheimdienstkritische Gerichtsentscheidung sorgt in den USA für Aufsehen. In dem teilweise geschwärzten Dokument geht es um die offiziell auf ausländische Ermittlungsdaten abzielende Spionage nach Abschnitt 702 des Auslandsüberwachungsgesetzes FISA (Foreign Intelligence Surveillance Act). Das Gericht kritisiert vor allem die NSA und den Inlandsgeheimdienst FBI dafür, sich wiederholt nicht an die Vorschriften zu halten und Regelverletzungen zu spät anzuzeigen. Der NSA konstatiert das Gericht sogar einen „institutionalisierten Mangel an Ehrlichkeit“ und „sehr schwerwiegende“ Verletzungen der Verfassung.

Das ist besonders bemerkenswert, als es sich bei dem Gericht um den FISC (Foreign Intelligence Surveillance Court) handelt. Dieses Sondergericht ist dazu geschaffen worden, Spionage auf Grundlage des FISA zu genehmigen. Das Gericht entscheidet in geheimer Sitzung praktisch immer zugunsten der Geheimdienste. Es gibt ja auch keine Gegenpartei. Bis Juni 2015 waren Entscheidungen des FISC grundsätzlich geheim. Seither sollen „wichtige“ oder „neuartige“ Entscheidungen veröffentlicht werden.

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Steinmeier befürchtet „Zersetzung der Demokratie“ durch Fake News

„Alternative Fakten“ sind nach Ansicht von Bundespräsident Steinmeier kein flottes Label, sondern ein Risiko für das Gemeinwesen. Er warb auf dem evangelischen Kirchentag für mehr Mut zur Vernunft.

evangelisch.de

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht angesichts einer Zunahme von Fake News, Hass und Hetze im Internet die Demokratie gefährdet. „Die Zersetzung der Vernunft ist der Anfang der Zersetzung der Demokratie“, sagte er am Samstag auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin. Mancherorts werde Wahrheit nicht nur absichtlich gefälscht, sondern scheine gar nicht mehr zu zählen. Schon eine Stunde im Netz genüge, „um einen nachdenklichen Leser zur schieren Verzweiflung zu bringen“.

Zwar verschaffe das Internet Zugang zu einer nie gekannten Fülle von Informationen, sagte der Bundespräsident in einer Veranstaltung zum Thema „Ist die Vernunft noch zu retten?“ Dieser „Dauerregen an Informationen“ dürfe aber nicht mit Wissen und Weisheit verwechselt werden. Gefühlte Wahrheiten drohten dauerhaft an die Stelle von überprüfbaren Fakten zu treten. „Häme, Hass und Härten werden aber langfristig an unserer Gesellschaft nicht spurlos vorbeigehen“, erklärte er. „Wir können auch in der digitalisierten Welt nicht auf Vernunft verzichten.“

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CSU fordert Zugriff auf WhatsApp-Kommunikation

CSU-Logo Wildbad Kreuth
Die CSU will in einer neuen Bundesregierung den Zugriff der Polizei auf WhatsApp-Kommunikation gesetzlich ermöglichen

Frankfurter Rundschau

„Wir wissen, dass die Terroristen WhatsApp nutzen, deshalb müssen wir die gesetzliche Kontrollmöglichkeit nach der Wahl sofort angehen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der „Rheinischen Post“. Herrmann, der Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl ist, verwies diesbezüglich auf den Terroranschlag in Ansbach im vergangenen Juli. Damals habe der Täter bis zum Schluss Anweisungen über WhatsApp aus dem Nahen Osten erhalten.

Künstliche Intelligenz: Fünf Profis sind nicht genug gegen AlphaGo

(Bild: Google)
Im asiatischen Strategiespiel Go ist am Freitag ein Team aus fünf Top-Profis gegen Googles künstliche Intelligenz AlphaGo angetreten – und hat verloren. Außerdem gab es Paar-Go mit Mensch und Maschine.

Von Harald Bögeholz | heise online

Der von Google und der chinesischen Profi-Go-Organisation ausgerichtete „The Future of Go Summit“ soll dazu dienen, gemeinsam mit der künstlichen Intelligenz AlphaGo die Mysterien des Jahrtausende alten Strategiespiels Go zu ergründen – dass AlphaGo von Menschen nicht mehr zu schlagen ist, wird dabei immer deutlicher.

So gab es in Wuzhen (China) am dritten Spieltag zunächst eine Paar-Go-Partie, bei der zwei Teams gegeneinander antraten: Gu Li (9p, Platz 35 der Weltrangliste, Schwarz) spielte im Team mit AlphaGo gegen eine zweite Instanz von AlphaGo im Team mit Lian Xiao (8p, Platz 6, Weiß). Beim Paar-Go müssen die beiden Spieler eines Teams abwechselnd ziehen und dürfen sich nicht absprechen – Letzteres ist mit einem Computer an der Seite natürlich ohnehin gegeben.

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Kirchentag erlebt Twitter-Sturm wegen AfD-Tweet

Die Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au schätzt die besondere Gesprächskultur auf evangelischen Kirchentagen. Trotzdem erlebte der Kirchentag auf Twitter einen veritablen Sturm wegen eines AfD-Tweets.

evangelisch.de

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au hat die besondere Gesprächskultur auf evangelischen Kirchentagen hervorgehoben. Sie schätze an den Debatten auf den Kirchentagen, „dass sie ein Ringen deutlich machen, dass man die kleinen Schritte nimmt“, sagte die Schweizer Theologin und Philosophin am Donnerstag auf dem Alexanderplatz in Berlin. Dafür stehe auch das diesjährige Kirchentagsmotto „Du siehst mich“.

Sie habe gehört, dass auf früheren Kirchentagen auch mal Podien gestürmt und Lautsprecherkabel durchgeschnitten wurden. „Aber sind das die Debatten, wo man einander zuhört?“, fragte sie im Interview auf dem „Roten Sofa“ der Kirchenpresse beim 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg, der noch bis Sonntag läuft. Das machten zum Beispiel auch die beiden prominentesten Gespräche am Donnerstagvormittag deutlich, das Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und zwischen dem Berliner Bischof Markus Dröge und der AfD-Vertreterin Anette Schultner, sagte Aus der Au.

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Mapping the World of #FalseFlag Conspiracy Theories on Social Media

Alex Jones (L) and Paul Joseph Watson (R) in 2013. Image: Tyler Merbler/Flickr
A broad network of websites and social media accounts is creating confusion after every crisis event.

By Corin Faife | MOTHERBOARD

„Fake news“ has been around in some form for as long as there’s been any news at all, but in the social media era (and the President Trump era) it’s taken on a whole new proportion. Currently though, the term stands in for a range of different things: On the one hand stories crafted expressly for deception or financial gain, on the other, inaccurate journalism or critical views of the administration.

At the 11th International Conference on the Web and Social Media last week in Montreal, academic Kate Starbird presented a fascinating paper exploring one specific kind of social media misinformation: Conspiracy theories surrounding mass shootings. Starbird, Associate Professor of Human Centered Design & Engineering at the University of Washington, has spent years studying „alternative narratives“ that spring up around man-made crisis events—shootings, bombings, etc.—and mapping the links between what she describes as an ecosystem of websites and Twitter accounts by analyzing which URLs are shared by the same users, and what different kinds of content are published by connected sites.

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Fact-Checking: Die unkritische Gruppe

Verhalten wir uns in Gruppenkontexten unkritischer? © Gpointstudio/ thinkstock
Von wegen viele Augen sehen mehr als zwei: Wer sich in Gesellschaft anderer Menschen befindet, ist offenbar weniger kritisch als alleine. Das legt nun eine Reihe von Experimenten nahe. Demnach hinterfragten Probanden Informationen und Aussagen aus Nachrichtentexten seltener, wenn sie sich als Teil einer Gruppe wähnten. Dies traf sogar auf rein virtuelle Gesellschaft in sozialen Medien zu. Das beobachtete Phänomen könnte deshalb helfen zu erklären, warum sich Fake News in sozialen Netzwerken so schnell und scheinbar ungefiltert verbreiten.

scinexx

Spätestens seit dem Wahlsieg Donald Trumps sind Fake News und „alternative Fakten“ in aller Munde: Sie grassieren in der Politik, kursieren in den Filterblasen von Facebook und Co und agieren als Meinungsmacher auf Twitter. Die sozialen Medien sind als Sprachrohr bei den Urhebern solcher Falschinformationen dabei deshalb so beliebt, weil sie sich dort besonders schnell verbreiten.

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Briten werfen US-Geheimdiensten Weitergabe von Informationen vor

Ein bewaffneter Soldat und ein Polizist patrouillieren am in der Nähe des britischen Parlaments. Dort ist man entzürnt über die US-Leaks. (Foto: dpa)
  • Die britische Regierung wirft den US-Geheimdiensten vor, sensibles Material in Zusammenhang mit dem Anschlag in Manchester geleakt zu haben.
  • Der britischen Premierministerin Theresa May zufolge haben die Veröffentlichungen die Arbeit der Polizei vor Ort behindert.

Süddeutsche.de

Die New York Times war schnell. Zu schnell, wenn es nach der britischen Regierung geht: Nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf ein Konzert der Sängerin Ariana Grande in Manchester veröffentlichte die amerikanische Zeitung erste Fotos vom Anschlagsort – darunter Aufnahmen eines zerfetzten blauen Rucksackes und vermeintlicher Patronenhülsen. Das geht aus einem Bericht des Guardian hervor. Außerdem veröffentlichte die New York Times mehrmals sensible Informationen, bevor sich die britischen Sicherheitsdienste überhaupt dazu geäußert hatten.

Die britische Regierung hat nun die US-Geheimdienste scharf für ihr Vorgehen kritisiert. Diese hätten forensische Aufnahmen geleakt und ohne Erlaubnis an amerikanische Medien weitergeleitet, so der Vorwurf. „Offen gestanden hatte sich die britische Polizei sehr deutlich ausgedrückt, dass sie den Informationsfluss kontrollieren will, um die operative Integrität zu schützen, den Überraschungsmoment“, sagte die britische Innenministerin Amber Rudd.

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Black Cadet Stabbed to Death by Member of Racist ‚Alt-Reich Nation‘ Facebook Group

Photo Credit: Christoper Urbanski and Richard Collins III
Authorities who reviewed videotape of the incident described the attack as unprovoked.

By Elizabeth Preza | Alternet

A black ROTC cadet set to graduate from Bowie State University this week was stabbed to death by a white University of Maryland student who’s a member of a racist online hate group, the Baltimore Sun reports.

Richard Collins III, 23, was visiting UMD this graduation weekend when he was attacked by Christoper Sean Urbanski, 22. Collins and two friends were awaiting an Uber ride around 3 a.m. Saturday morning when an “intoxicated and incoherent” Urbanski stabbed him. Authorities who reviewed videotape of the incident described the attack as unprovoked.

Police charged Urbanski, a member of the Facebook group, “Alt-Reich Nation,” with first-degree murder Sunday. The FBI is investigating the stabbing as a possible hate crime.

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Nach diesen Kriterien löscht Facebook

Facebooks Löschpraxis war bislang nur Insidern bekannt. (Foto: Sead Mujic)
  • Dutzende interne Dokumente zeigen erstmals detailliert die Vorgaben, nach denen Facebook-Mitarbeiter Inhalte prüfen und löschen sollen.
  • Es geht um Themen wie Kindesmissbrauch, Erpressung, Mobbing und Tierquälerei.
  • Die Schulungsunterlagen umfassen Tausende Seiten und verdeutlichen, wie komplex die Regeln sind.
  • Angestellte müssen die schwierigen Entscheidungen unter Zeitdruck treffen, fühlen sich oft überfordert und sind verunsichert.

Von Simon Hurtz, Hannes Munzinger | Süddeutsche.de

Während das soziale Netzwerk Facebook in Deutschland unter Druck steht, beleidigende oder anderweitig illegale Inhalte zu löschen, ist nun erstmals ein Einblick in die internen Lösch-Regeln des Unternehmens möglich. Die Süddeutsche Zeitung konnte 48 Dokumente einsehen, die dem britischen Guardian zugespielt wurden und zeigen, auf welcher Grundlage Facebook Inhalte löscht.

Es handelt sich um Schulungsunterlagen, Präsentationen und Diagramme mit Handlungsanweisungen. Auf Tausenden Seiten lernen die Mitarbeiter, wann sie Inhalte ignorieren, sperren oder an Strafverfolgungsbehörden weiterleiten sollen. Dabei geht es um Kindesmissbrauch, Erpressung, Mobbing, Gewaltdarstellungen und Tierquälerei.

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„Missing Link“: Vom Antikommunismus bis zu Ufos – Blick in alte BND-Akten

(Bild: Bundesarchiv)
Das Bundesarchiv verwahrt in digitaler Form auch alte Akten des BND und seiner Vorgängerin, der Organisation Gehlen. Im Oktober 2016 gingen 30.000 Seiten online; weitere sollen folgen. Wir haben für Sie aufgeklärt.

Von Ralf Bülow | heise online

Geheimdienste sind ja gar nicht so. Im Januar dieses Jahres gab die CIA ihre CREST-Datenbank mit mehr als 11 Millionen Seiten ins Netz. Andere Unterlagen der Agency sind schon länger in gleicher Weise zugänglich. Auch Akten der NSA und des FBI lassen sich mühelos online einsehen. Manche Passage ist nach wie vor mit weißen Streifen überklebt und viele CIA-Akten sind recycelte Zeitungsartikel. Dennoch liest man sie ganz gerne.

Der Bundesnachrichtendienst setzte von 2011 bis 2016 zehn Mitteilungen der Forschungs- und Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“ ins Internet, die einst geheime Papiere darboten. Über die James-Bond-Kopie „Mister Dynamit“ berichteten wir schon im Dezember 2014. Weniger bekannt wurde im Oktober 2016 eine Pressemitteilung des Koblenzer Bundesarchivs. Sie besagte, dass Akten aus der Frühzeit des BND nunmehr online zur Verfügung stünden.

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NetzDG: Nächster Halt Netzsperren?

Das VKontakte-Profil von Petro Poroschenko, Bild: heise.de/tp
Die Sperre des „russischen Facebooks“ VKontakte in der Ukraine zeigt, wohin der Weg mit Heiko Maas‘ Gesetz gegen „Hate Speech“ und „Fake News“ führen könnte

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Am Freitag verwies der Bundestag das von Justizminister Heiko Maas (SPD) eingebrachte „NetzDG“ gegen „Hate Speech“ und „Fake News“ an den federführenden Ausschuss für Recht- und Verbraucherschutz, dem die Grüne Renate Künast vorsitzt. Rechtswissenschaftler twitterten nach der Rede, mit der Maas im Bundestag sein Gesetz verteidigte: „In der Debatte konnte man sehen, dass der Justizminister die Probleme offenbar intellektuell gar nicht erfasst.“

Nachdem auch die CDU/CSU-Fraktion trotz einer am Vortag versandten kritischen Pressemeldung für die Weiterleitung an den Künast-Ausschuss stimmte, liegen die Hoffnungen der NetzDG-Kritiker (zu denen unter anderem Maas‘ Vorgängerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört) auf der EU-Kommission, deren Vizepräsident Andrus Ansip sich bis Ende Juni zwar noch nicht offiziell dazu äußern darf, aber bereits allgemein verlautbarte: „Fake News sind schlimm, aber ein ‚Wahrheitsministerium‘ ist schlimmer.“

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Landesjustizminister kritisieren Gesetz gegen Hass im Netz

Problematisch sei zum Beispiel, dass Nutzer, deren rechtmäßige Inhalte aufgrund des Gesetzes gelöscht würden, keine Möglichkeit hätten, dagegen vorzugehen.

evangelisch.de

Das geplante Gesetz gegen Hasskommentare im Internet stößt bei den Justizministern der Länder offenbar auf breite Kritik. Es gebe „seitens der Länder zahlreiche Bedenken und Änderungswünsche“, sagte der Vorsitzende der Justizministerkonferenz, der rheinland-pfälzische Ressortchef Herbert Mertin (FDP), den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Problematisch sei zum Beispiel, dass Nutzer, deren rechtmäßige Inhalte aufgrund des Gesetzes gelöscht würden, keine Möglichkeit hätten, dagegen vorzugehen.

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Julian Assange fordert bedingungslose Transparenz – aber nur von anderen

Julian Assange steht am Freitag auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. (Foto: dpa)
Der Erfinder von Wikileaks stellt die Geheimnisse von Staaten ins Netz. Sich selbst und seine Motive aber hält er lieber versteckt. Damit schadet er der guten Sache, für die er eigentlich kämpft.

Kommentar von Nicolas Richter | Süddeutsche.de

Julian Assange ist keine Lichtgestalt, er ist eher ein Beleuchter. Er steht mit einem Theaterscheinwerfer auf dunkler Bühne, leuchtet die Ecken aus; das Publikum staunt über Peinliches und Ungeheuerliches. Assange selbst aber steht im Dunkeln: Das Licht geht von ihm aus, es fällt nicht auf ihn.

Vor einem Jahrzehnt hat er die Enthüllungsplattform Wikileaks erfunden, als moderne Waffe gegen Machtversessenheit und -missbrauch. Er selbst aber blieb oft unsichtbar, vor allem in den vergangenen Jahren: Die schwedische Justiz suchte ihn per Haftbefehl, um ihn zu Vergewaltigungsvorwürfen zu befragen; Assange aber entzog sich, indem er sich in der Londoner Botschaft Ecuadors Asyl gewähren ließ. Nun hat die Staatsanwaltschaft in Schweden die Ermittlungen vorerst eingestellt. Weder aber ist Assange frei, noch weiß die Öffentlichkeit besser als vorher, was sie von ihm zu halten hat.

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Von der Zukunft der Bauroboter mit 3D-Druckern

Der Bauroboter der MIT-Wissenschaftler. Bild: Steven Keating, Julian Leland, Levi Cai, and Neri Oxman/Mediated Matter Group
Ein von MIT-Wissenschaftlern entwickelter Prototyp setzt in Größe und Geschwindigkeit Maßstäbe, neben dem Entwurf und dem Bau von Gebäuden soll auch deren Bewohnen revolutioniert wird

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie schnell autonome Fahrzeuge menschliche Fahrer ersetzen und arbeitslos machen, ist schwer abzusehen. Neben technischen Problemen und solchen der Infrastruktur müssen dazu vor allem juristische Fragen geklärt werden. Noch zögern die Gesetzgeber in den westlichen Ländern, autonome Fahrzeuge ohne einen Fahrer auf die Straßen zu lassen, der bei Bedarf eingreifen muss und dafür die Verantwortung trägt.

Schneller könnte es womöglich hingegen in anderen personalintensiven Bereichen wie etwa dem Bau gehen. Deutlich wird, dass die Robotik große Fortschritte gemacht hat, mit großen 3D-Druckern architektonische Raumstrukturen zu bauen. Gerade bei gleichförmigen Bauwerken, die aus vorgefertigten Materialien oder Elementen aufgebaut werden, vergrößern sich die Einsatzmöglichkeiten für automatische Bausysteme oder Architekturroboter. Dazu kommt, dass die Baubranche gewaltige Umsätze macht, man geht jährlich von 8,5 Billionen US-Dollar aus, ganze Volkswirtschaften hängen am fortgesetzten Bauboom. Doch die Technik ist noch oft alt, langsam, teuer und arbeitsintensiv. Robotik-Befürworter argumentieren auch hier damit, dass viele Arbeiter bei ihrer oft gefährlichen Tätigkeit verunglücken und sterben oder verletzt werden.

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Ozapft is – die neue Macht des Trojaners

Wenn Ermittler Smartphones durchsuchen, haben sie auch Zugriff auf privateste Daten, die dort gespeichert sind. (Foto: Kay Nietfeld/dpa)
Die Regierung will die Online-Durchsuchung deutlich ausweiten. Sie soll nun auch bei leichteren Delikten möglich sein, zum Beispiel Drogenbesitz.

Von Reiko Pinkert, Ronen Steinke | Süddeutsche.de

Die große Koalition plant, die Anwendung der sogenannten Online-Durchsuchung deutlich auszuweiten. Noch kurz vor Schluss des Gesetzgebungsverfahrens soll dies mithilfe eines Änderungsantrags zur geplanten Reform der Strafprozessordnung im Bundestag eingeschoben werden. Ende Juni könnte das Parlament dann beschließen, dass Online-Durchsuchungen künftig nicht nur für die Abwehr von Terroranschlägen oder anderen schweren Verbrechen erlaubt sind, sondern auch für die Verfolgung leichterer Delikte wie Hehlerei oder Drogenbesitz. Dies ergibt sich aus dem Entwurf, der der Süddeutschen Zeitung  vorliegt.

Die Online-Durchsuchung ist eine Methode, bei der Ermittler in Smartphones oder Computer eindringen, um dort die Daten von Verdächtigen auszuspähen. Als rechtsstaatlich heikel gilt dies erstens, weil eine virtuelle Durchsuchung, anders als eine herkömmliche Hausdurchsuchung, für Betroffene nicht erkennbar ist; erfolglose Spähaktionen werden also kaum je gerichtlich überprüft. Zweitens, weil heute oft privateste Daten auf Smartphones lagern.

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ARD-Film „Gift“: Schmutzige Pillen bringen den Tod

© diwafilm GmbH Sie kommt dem Skandal auf die Spur: Julia Koschitz spielt die Interpol-Agentin Juliette Pribeau.
Ein ARD-Themenabend über gefälschte Medikamente beleuchtet einen verborgenen Skandal: Weltweit blüht der Handel mit gefährlichen Präparaten. Was sie anrichten, zeigt der Film „Gift“.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine

Ein Blick, so leer und verloren wie der vermeintliche Sieg, den sie errungen hatte: Die integre Interpolagentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) hat dank des Whistleblowers Günther Kompalla (Heiner Lauterbach) einen weltweit agierenden Händlerring auffliegen lassen, der gefälschte Medikamente in Umlauf bringt. Doch am Ende sitzt sie düpiert der falsch spielenden Pharmalobbyistin Vera Edwards (Maria Furtwängler) gegenüber, die in ihrer Antrittsrede als oberste Aufsichtsbehördenchefin jede höhere Moral gegen die Wand laufen lässt und den dunklen Mächten in der Gesundheitsbehörde zum Triumph verhilft.

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Skurril: Folie als Lautsprecher und Mikrofon

Der Erfinder Nelson Sepulveda präsentiert seine vielseitig einsetzbare FENG-Folie. © Michigan State University
Erstaunlich vielseitig: Ein ultra-flaches und flexibles Blech erzeugt nicht nur durch Verbiegen Strom – es kann auch Töne aufnehmen und abspielen. Dies haben seine Erfinder bereits demonstriert, indem sie eine Flagge in einen Lautsprecher verwandelt und ein Stimmenerkennungsprogramm mit dem Gerät betrieben haben. Auch eine sprechende Tageszeitung könnten sich die Entwickler mit ihrer neuen Technik vorstellen, wie sie im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten.

scinexx

Nach intelligenter Kleidung und singenden Plakaten steht nun die nächste revolutionäre wie skurrile Technik in den Startlöchern: Eine unscheinbar aussehende Folie kann Töne erzeugen und aufnehmen. Das von den Erfindern um Nelson Sepulveda von der Michigan State University in East Lansing entwickelte Hightech-Material ist ein sogenannter Ferroelektret-Nanogenerator, kurz FENG.

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Biohacker zwischen Gemeinwohl und Profit

Ausschnitt aus der Struktur von Humaninsulin, das als Zink-Komplex in spezialisierten Zellen der Bauchspeicheldrüse gespeichert wird. Bild: Bernd Schröder, nach Daten der Protein Data Bank
2015 gab es weltweit 415 Millionen an Diabetes erkrankte Menschen – Tendenz steigend. Betroffene ohne Zugang zu Insulin leiden unter den Komplikationen, die zu Blindheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Amputationen, Nerven- und Nierenschäden und schließlich zum Tod führen können.

Von Bernd Schröder | TELEPOLIS

Heute ermöglicht die Insulin-Therapie den Patienten, mit der Krankheit umzugehen und die nachteiligen Auswirkungen eines erhöhten Blutzuckerspiegel zu begrenzen. Die ersten Insulinpräparate wurden aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern und Schweinen gewonnen, sie sind dem Humaninsulin ähnlich. Heute wird Insulin biotechnisch hergestellt – es ist das erste mit Hilfe der Gentechnik gewonnene Medikament.

Doch es gibt ein Problem: Obwohl Insulin seit 1923 als Medikament auf dem Markt ist, ist bisher trotz der großen Nachfrage, gerade in den ärmeren Gegenden der Welt, kein generisches Pendant erhältlich. Auch in den USA ist die Substanz teuer. Von den heute 21 Millionen Diabetes-Patienten in den USA nehmen sechs Millionen Insulin. Die damit verbundenen monatlichen Auslagen unversicherter Patienten betragen zwischen 120 und 400 US-Dollar.

Die Investitionskosten für ein neues Medikament liegen heute jenseits der Marke von einer Milliarde US-Dollar. Diese Kosten dienen als Begründung für die oftmals obszönen Preise neuer Medikamente, die zunächst außerhalb der Reichweite vieler Patienten liegen. Nach dem Ablauf des Patents werden diese durch generischen Wettbewerb deutlich preiswerter – eine Regel, die nicht auf das erste Wundermedikament des 20. Jahrhunderts anwendbar scheint: Insulin.

Eine Schwierigkeit generischer Pharma-Unternehmen: Im Gegensatz zu anderen pharmazeutisch wichtigen Molekülen sind Insuline als Biopharmaka deutlich komplizierter gebaut und schwieriger zu kopieren, die Zulassungsverfahren gelten als aufwendig. Darüber hinaus wird die Erforschung von Verbesserungen an Designer-Insulinen durch die komplexe Natur der aktuellen Standardprotokolle für die Insulinsynthese erschwert. Außerdem patentieren Pharma-Unternehmen kleine Änderungen an früheren Insulinen und nehmen diese früheren Versionen gleichzeitig vom Markt, anstatt sie denjenigen preiswert zugänglich zu machen, für die die modernen Präparate unerschwinglich sind.

Der Preiszettel des Insulins macht dabei nur einen Teil der mit diagnostizierter Diabetes in den USA verbundenen Gesamtkosten aus, die für 2012 mit 245 Milliarden US-Dollar beziffert wurden.

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Warum die neo-feudale Cybersecurity-Struktur gefährlich ist

Die Telefonica-Zentrale in Madrid. Auch das Unternehmen war nach Angaben der spanischen Regierung von der Cyberattacke „WannaCry“ betroffen. (Foto: AP)
Eigentlich sollten Regierungen in einer Demokratie das zerstörerische Wirken von Unternehmen zügeln. Doch Cyberattacken wie „WannaCry“ kehren die Verhältnisse um.

Von Evgeny Morozov | Süddeutsche.de

Die Welle von Cyberangriffen mit der Schadsoftware „WannaCry“ hat weltweit die Computersysteme von Krankenhäusern, Bahnbetrieben und Unternehmen lahmgelegt. Wer kein Lösegeld bezahlt, dessen Daten bleiben verschlüsselt. Das sollte nicht als einmaliger Streich von einfachen Kriminellen abgetan werden, die sich das Hacken beigebracht haben. Die Angreifer haben Hilfsmittel und Schwachstellen genutzt, die ursprünglich von US-Geheimdiensten für eigene Angriffe und zur Spionage entwickelt worden waren. Daher dürfen wir die unbequeme Tatsache nicht länger ignorieren, dass die zunehmend neo-feudale Cyber-Security-Struktur „zahl oder geh unter“ aus der Schwächung der demokratisch-kapitialistischen Ideale entstanden ist, da diese unter der Last der Dauerüberwachung zusammenbrechen.

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