Morozov: Künstliche Intelligenz sollte ein öffentliches Gut sein

ex-machina. Screengrab. BB
Der Publizist Evgeny Morozov fordert, die meist von den Nutzern gelieferten Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz als öffentliche Ressource zu fassen.

Von Stefan Krempl | heise online

Künstliche Intelligenz (KI) ist weniger ein privates Wirtschaftskapital, als vielmehr ein öffentliches Gut und sollte entsprechend reguliert werden. Dies erklärte der Technikforscher Evgeny Morozov am Montag auf der Digital Society Conference der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. „KI wird mit Daten produziert, die wir generiert haben“, begründete der Vordenker seine Forderung. Nötig seien daher „gerechte und faire Bedingungen“ für den Zugang zu diesen Basisinformationen, die staatlich durchgesetzt werden müssten.

Die derzeitige KI-Entwicklung sei besonders im Bereich Maschinenlernen und neuronale Netzwerke sehr ineffektiv und ineffizient, konstatierte Morozov. Amazon, Facebook, Google, Microsoft & Co. steckten sehr viel Geld in das Training für die gleichen Dienste. Mit „trivialen Datensets“ versuchten sie der Maschine beizubringen, wie Katzen von Hunden oder Fußgänger von Autos unterschieden werden können. Es sei aber mehr als fraglich, ob die sich als KI-Führer sehenden Konzerne jeweils Milliarden in die Entwicklung derselben Fähigkeiten ausgeben müssten.

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Die Pornografisierung als globale Waffe

Grafik: TP
Das sich vor allen Augen ereignende globale 24/7-Gemetzel der X-Rated-Industrie liegt außerhalb des moralischen Radars

Wolf Reiser | TELEPOLIS

Gruppenvergewaltigungen, serielle Lustmorde, Missbrauchsskandale in Kirchen, olympischen Sportverbänden und UNO-Camps, Genderirrsinn und eine global-moralische Implosion werden illustriert von den zuckenden Hardcore-Bilderfluten der US-Pornoindustrie. Ziel dieser ist von Milliardenprofiten abgesehen auch die systematische Zerstörung von Menschen und ihren Beziehungen.

Im schmerzverzerrten Gesicht der jungen Frau der Versuch eines Lächelns. Die eingeschnürten Siliconbrüste ihres tätowierten Körpers sind violett verfärbt. Jemand tritt gegen das rotierende mit Latex überzogene Rundbett. Nun sieht man drei stattliche Penisse in ihrem Anus. Dazu Grunzen, Stöhnen und ein rabiater Metallica-Sound. Grob wird nun der von Schminkspuren versudelte Kopf in ein randvolles Urinal getaucht. Während sie sich erbricht, spritzt das gesichtslose Darsteller-Trio eine Menge Ejakulat über den ermatteten Frauenleib. Während das Display den nächsten Clip ankündigt – noch härter, noch gnadenloser – leckt sich Busty Foxx die aufgespritzten Lippen und schaut geheimnislos wie ein hypnotisiertes Schlachtvieh ihrem weltweiten Kundenstamm in die Augen.

Max Hardcore, ein hochdekorierter US-Pornostar liefert den sozio-ästhetischen Unterbau: „Ich denke mal, Frauen verstehen ihr Leben heute viel besser und sind sich auch ihres wahren Zwecks bewusster denn je. Dieser Zweck ist es, das Auffangbecken der Liebe zu sein und damit meine ich konkret Fickpuppen.“

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Staatstrojaner: Verfassungsbeschwerde gegen Baden-Württembergs Regelung

Auch Baden-Württemberg hat ein überarbeitetes Polizeigesetz und erlaubt den Staatstrojaner. Darüber soll nun Karlsruhe entscheiden.

Von Martin Holland | heise online

Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat gemeinsam mit mehreren Unterstützern eine Verfassungsbeschwerde gegen Baden-Württembergs überarbeitetes Polizeigesetz eingelegt und konzentriert sich dabei auf die Regelung zum Staatstrojaner. Dafür würden IT-Sicherheitslücken ausgenutzt, bei denen die Ermittler deswegen das Interesse hätten, dass diese nicht von den Herstellern geschlossen werden. Solange solche Lücken nur der Polizei, nicht aber den Herstellern bekannt seien, könnten auch Cyberkriminelle darauf zugreifen. Das sei unvereinbar mit dem Schutzauftrag des Staates gegenüber den Bürgern.

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Verlässt Assange die Botschaft?

Seit sechs Jahren lebt Wikileaks-Gründer Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London. Das ist genug, sagt der Präsident seines Gastlandes: „Jetzt ist der Weg dafür bereitet, dass Assange die Botschaft verlässt.“

tagesschau.de

Endet die Zeit von Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London? Darauf deuten Aussagen von Präsident Leni Moreno hin.

Seine Regierung habe von Großbritannien hinreichende schriftliche Garantien erhalten, dass der Australier nicht an ein Land ausgeliefert werde, in dem ihm die Todesstrafe drohen könnte. „Jetzt ist der Weg dafür bereitet, dass Assange die Botschaft verlässt.“ Moreno sagte nicht, ob er Assange zwingen werde, die Botschaft zu verlassen. Assanges Rechtsberater seien dabei, die nächsten Schritte abzuwägen.

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EU-Staaten stimmen für Upload-Filter im Kampf gegen Terrorpropaganda

(Bild: ptrabattoni)
Der EU-Rat hat sich für eine Verordnung ausgesprochen, mit der die „Verbreitung terroristischer Online-Inhalte“ auch „proaktiv“ verhindert werden soll.

Von Stefan Krempl | heise online

Die Innenminister der EU-Länder haben sich bei ihrem Treffen in Brüssel am Donnerstag im Kern hinter den umstrittenen Gesetzentwurf der EU-Kommission gestellt, wonach Online-Plattformen „terroristische Inhalte“ künftig binnen einer Stunde entfernen oder sperren müssen. Die Regierungsvertreter unterstützen dabei auch den Ansatz, dass Host-Provider nicht näher erläuterte „proaktive Maßnahmen“ gegen solchen Content treffen sollen. Letztlich dürfte dies auf eine Pflicht hinauslaufen, die auch im Urheberrechtsbereich umkämpften Upload-Filter einzusetzen.

Bei der Sitzung stimmten nur Dänemark, Finnland und Tschechien gegen die Position des Ministerrats, mit der dieser nun in die Verhandlungen mit dem EU-Parlament eintreten kann, sobald das seine Linie festgezurrt hat. Sprecher Schwedens und Polens brachten teils schwere verfassungsrechtliche Bedenken vor, trugen den gemeinsamen Standpunkt des Gremiums aber dann doch mit.

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Why Do We Get Cyber-Sick?

Image: NAUTILUS
Motion sickness is an ancient phenomenon, which also occurs in modern virtual reality environments. However, it is still relatively unknown what causes this physical reaction. Suzanne Nooij and her colleagues at the Max Planck Institute for Biological Cybernetics looked at motion sickness occurring while watching moving scenes, and found that it is primarily dependent on the strength of the movement illusion this causes: The stronger the sense of self-motion, the more sickness is experienced. The new findings ask for refinements of previous theories of motion sickness.

By Max Planck Institute for Biological Cybernetics | NAUTILUS

Probably everybody is familiar with the train illusion: The feeling that your train is departing when, in fact, you see the train at the neighboring platform departing. This illusion shows that motion of your visual surroundings can give a compelling sense of self-motion in stationary observers. This phenomenon is exploited in many virtual reality environments and vehicle simulators. A negative side effect, however, is that prolonged exposure to a visually induced sense self-motion can give rise to motion sickness: You may get a headache, or feel dizzy, or nauseous. Although this is a very old problem, there are still very different views on its causes and cures. Dr. Nooij and her colleagues from the Department of Prof. Bülthoff at the MPI for biological Cybernetics tested three different theories in collaboration with the Johannes Gutenberg University in Mainz.

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Sieben Jahre lang plante eine Prinzessin aus Dubai ihre Flucht aus dem goldenen Käfig

Prinzessin Latifas Flucht ist gescheitert. Mit einem Video macht sie auf ihr Schicksal aufmerksam. (Bild: Youtube)
Sheikha Latifa wollte nicht länger in völliger Unfreiheit und Bevormundung leben. Ein Fluchtversuch der Tochter des Herrschers von Dubai scheiterte im Februar, seither gibt es keine Spur von ihr. Nun erinnert die BBC an das Schicksal der jungen Frau.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Ihr letztes Lebenszeichen ist ein Youtube-Video. Aufgenommen wurde es offenbar in einem Hotelzimmer. Man sieht eine hübsche junge Frau vor zugezogenen Gardinen in einer Zimmerecke sitzen. Sie wirkt ein wenig nervös, spricht aber ruhig, ist ungeschminkt und trägt ihre Haare offen. «Wenn ihr das Video seht, bedeutet das nichts Gutes für mich», sagt sie in gutem Englisch.

Sie: Das ist Sheikha Latifa bint Mohammed bin Rachid al-Maktum, die Tochter des Herrschers von Dubai, Mohammed bin Rashid al-Maktum. Eine von mindestens 30 Kindern des Emirs, der gleichzeitig Regierungschef und damit zweitmächtigster Mann der Vereinigten Arabischen Emirate ist. Veröffentlicht wurde ihr mutmassliches Abschiedsvideo am 11. März diesen Jahres, gut eine Woche nachdem die Prinzessin bei einem spektakulären Fluchtversuch vor der indischen Küste gescheitert war.

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Auftragsmörder im Darknet gesucht: Was tun mit der Liste an Interessenten?

(Bild: mristenpart)
Das britische Magazin Wired hat eine aufwühlende Geschichte rund um eine Betrugsmasche im Darkweb geschrieben, die mitten in Mordermittlungen hineinführt.

Martin Holland | heise online

Für Bitcoin bekommt man im Darkweb angeblich alles, sogar einen Auftragsmord. Doch das stimmt nicht, meint der Londoner Chris Monteiro, der trotz jahrelanger Recherchen im Darknet nur Betrugsmaschen oder Getrolle gefunden hat. Trotzdem ist er durch seine Analysen in eine Geschichte hineingeraten, in deren Verlauf zwei Menschen ihr Leben verloren haben. Das britische Magazin Wired hat sie in einem ausführlichen und aufwühlenden Text zusammengefasst. Es geht um die Seite Besa Mafia eines mutmaßlich rumänischen Hintermannes unter dem Pseudonym Yura.

Wie Wired schreibt, war es Monteiro gelungen, ein derartiges Angebot im Darknet zu hacken und jegliche Kommunikation zwischen dem Anbieter und den Interessenten mitzulesen. Zwar war er überzeugt, dass es die angebotenen Auftragsmörder nicht gab, aber trotzdem konnte er nun eine Liste der besonders hartnäckigen Auftraggeber zusammenstellen. Teilweise hatten die mehrere Dutzend Bitcoins beziehungsweise mehrere tausend Euro überwiesen, um eine Zielperson ermorden zu lassen. Seinen Angaben zufolge sei es ihm aber nicht gelungen, Ermittler zu kontaktieren und von der Tragweite seiner Beute zu überzeugen. Stattdessen konnte er aber die Website aus dem Darknet hacken.

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KI-System zur präventiven Identifizierung von möglichen Straftätern

Bild: TP
Britische Polizei will mit Big Data künftige Täter und Opfer ausmachen, um vor einer Tat zu intervenieren

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Mit viel Geld und großen Versprechungen wird derzeit weltweit die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz gefördert, mit der nebenbei gerechtfertigt werden kann, möglichst viele Daten zu erzeugen. Ohne Zugriff auf Big Data können KI-Systeme nicht effektiv lernen. Dass auch die KI-Systeme nicht objektiv arbeiten, sondern durchaus wie Menschen Vorurteilen nachgehen können, wenn sie entsprechend gefüttert werden, wurde schon öfter bemängelt. Paradebeispiel sind etwa in den USA Programme zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit der Rückfälligkeit von verurteilten Straftätern, mit denen auch über das Strafmaß entschieden wird.

Die Schattenseite von großen KI-Systemen hat China schon deutlich gemacht, das deren Einsatz in allen möglichen Bereichen massiv fördert. Heraussticht die Absicht, mit möglichst umfassender Überwachung für alle Bürger ein landesweites System mit Sozialkreditpunkten aufzubauen, um das Verhalten der Menschen nach Staatsraison zu optimieren. Dazu werden Daten aus Zig-Behörden abgefragt. Wer sich „gut“ verhält (und politisch unauffällig ist), erhält mehr Punkte und darf mehr, wer sich nicht regelkonform verhält, muss Punkteabzüge hinnehmen, was seine Handlungsmöglichkeiten einschränkt.

Aber das chinesische Punkte-System bezieht sich (noch) nicht auf zukünftiges Verhalten wie die oben erwähnten Programme zur Berechnung der Rückfallwahrscheinlichkeit. Aber es sollen bereits KI-Programme zum Einsatz kommen, die einzelne Uiguren aus Xinjiang herauspicken, die im Sinne des Staats gefährlich werden könnten. Nebenbei wird in Xinjiang, wie Medien und die Menschenrechtsorganisation HRW berichtet haben, die massenhafte Überwachung und Umerziehung von „Gefährdern“ erprobt. In solchen Lagern sollen bis zu einer Million Menschen festgehalten werden.

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„Häresie-App“ in Indonesien: „Gefährlicher Schritt zur Diskriminierung religiöser Minderheiten“

ADEK BERRY/AFP/Getty Images
Eine neue „Häresie-App“ der indonesischen Regierung stößt auf Kritik von Menschenrechtlern. „Es wird immer schlimmer. Das ist ein weiterer gefährlicher Schritt zur Diskriminierung religiöser Minderheiten in Indonesien“.

DOMRADIO.DE

Das sagte Andreas Harsono, Religionsexperte von Human Rights Watch in Jakarta, am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die App „Smart Pakem“ wurde von der Staatsanwaltschaft in Jakarta entwickelt und kann von Android-Nutzern kostenlos bei Google Play heruntergeladen werden. Über „Smart Pakem“ können User den Behörden „unorthodoxe Interpretationen“ der offiziell anerkannten Religionen melden – Islam, Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Darüber hinaus sind in der App auch religiöse Erlasse sowie Listen verbotener Glaubensgemeinschaften enthalten.

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Compact und Kopp: Rechte Verlage zahlten wohl Geld an Betreiber von Hetzseiten

Erlaubsnispflichtige Schusswaffen, die Zollfahnder im Januar bei Migrantenschreck-Kunden beschlagnahmt haben. (Foto: Staatsanwaltschaft Frankfurt)
Mario R. betrieb Hassportale im Netz, zur Zeit steht er wegen illegalen Waffenhandels vor Gericht. Die Hintermänner des Kopp Verlags und des rechten Magazins Compact überwiesen ihm offenbar mehr als 100 000 Euro.

Von Katja Riedel, Sebastian Pittelkow | Süddeutsche Zeitung

Es sind drei Seiten, die im Internet rechten Hass verbreitet haben – und alle drei stammen nach allem, was Ermittler in den vergangenen Monaten erhärten konnten, mutmaßlich aus der Hand des 35-jährigen Mario R.. Von diesem Donnerstag an muss sich R. in Berlin jedoch nicht etwa wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten, die er gemeinsam mit anderen über die beiden größten deutschen rechten Hassportale „Anonymous.Kollektiv“ und „Anonymousnews.ru“ verbreitet haben soll.

Auf der Anklagebank sitzt er allein wegen des Verdachts des illegalen Waffenhandels in 193 Fällen und im Wert von mehr als 100 000 Euro – aus juristischen Gründen. R. war allein wegen des Waffenhandels Ende März in Ungarn festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden und darf nun auch nur wegen dieses mutmaßlichen Delikts angeklagt werden.

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The Problem with Scientific Credit

Image: NAUTILUS
Our algorithm said a courtesy driver should have won the Nobel Prize.

By Albert-László Barabási | NAUTILUS

I first learned about Douglas Prasher three years ago, when an algorithm we’d just developed made an unpredictable prediction: He should have been a recipient of the 2008 Nobel Prize.

Instead, the award had been given to three other scientists. Even more surprising was our inability to find Prasher anywhere. He wasn’t on the faculty at any university. We couldn’t locate him at an industrial research lab. In fact, as we started digging for him, we realized that he hadn’t written a research paper in nearly a decade. It was truly puzzling. This fellow, who, according to our algorithm, deserved a Nobel Prize, had seemingly disappeared off the face of the Earth.

In 2013, Hua-Wei Shen, an accomplished computer scientist from Beijing, joined my lab. Though new to the team, he was intimately familiar with our work. In addition to running a network science lab at his own university, he had also translated my previous book, Bursts, into Chinese. He eagerly joined our small but growing “success group.” Each time we begin a new project, we start with a journal club—a reading group that surveys the current scientific literature to understand what is being done in a particular area. Each of us reads a batch of papers and summarizes key findings for the rest of the lab. Given that a million papers are published each year, this is the only way we’ve found to explore the vast body of knowledge out there.

At one of these journal clubs, Hua-Wei presented a sociology paper that investigated credit allocation in science. As we discussed the issue, we realized how bizarre our profession’s credit protocols are. You have to be an insider to understand the nuances. Take, for example, the paper that reported the discovery of W and Z particles, which was authored by 137 scientists. Who walked away with the Nobel? The 105th and 126th authors, Carlo Rubbia and Simon van der Meer, of course. Somehow, the Nobel Committee manages to sort out who did what and who deserves the lion’s share of the credit, no matter where an author’s name lies. But how exactly?

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Rüstungsgegner kritisieren UN-Konferenz zu Killerrobotern

Photograph: Solent News/Rex
Rüstungsgegner haben von den UN-Mitgliedsländern ein globales Verbot von Killerrobotern verlangt. Das Ergebnis einer UN-Konferenz über die menschlich nicht kontrollierbaren Waffensysteme sei enttäuschend, kritisierte die Internationale Kampagne zum Verbot von Killerrobotern in Genf.

evangelisch.de

Knapp 90 UN-Mitgliedsländer hatten sich am späten Freitagabend nur darauf geeinigt, die Beratungen im nächsten Jahr fortzusetzen. Russland hatte den Angaben nach darauf bestanden, dass die Gespräche 2019 lediglich sieben Tage dauern sollen.

Am Anfang der dreitägigen Konferenz war eine Gesprächsdauer von zehn Tagen für 2019 erörtert worden. Die Gespräche im Rahmen der UN-Konvention über konventionelle Waffen drehten sich um humanitäre und rechtliche Aspekte der Kriegsführung mit Killerrobotern, nicht aber um eine Ächtung.

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Neuer Verfassungsschutzchef fordert Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation

Thomas Haldenwang vor dem PKGr. (Bild: bundestag.de)
Thomas Haldenwang drängt als neuer oberster Inlandsspion auf einen Ausweg aus dem Problem des „Going Dark“ und eine automatisierte Internetüberwachung.

Von Stefan Krempl | heise online

Der neue Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Thomas Haldenwang, sorgt sich darum, dass die Geheimdienste aufgrund zunehmender Verschlüsselung im Internet „blind und taub“ werden. „Wir müssen das Problem des Going Dark in Griff bekommen“, forderte der Jurist am Freitag in der zweiten öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) des Bundestags in Berlin.

Laut Forschern der Harvard-Universität existiert das auch von Strafverfolgern in den USA immer wieder in den „Crypto Wars“ vorgebrachte Problem nicht wirklich, da digitale Anwendungen eine Flut an übertragenen Daten mit sich brächten, die sich häufig in Echtzeit überwachen ließen. „Wir können weniger Informationen über eine Person bekommen als in analogen Zeiten“, hielt Haldenwang dem entgegen. Die Spione seien nämlich nicht imstande, die große Masse an Daten effektiv auszuwerten. Daher müssten die „technischen Möglichkeiten“ für einen Zugriff auf verschlüsselte Daten verbessert werden, ohne die Freiheitsrechte der Bürger massiv einzuschränken.

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Kirchlicher Friedensbeauftragter fordert Ächtung automatischer Waffen

Kardinaler Waffennarr. Themenbild.
Der evangelische Friedensbeauftragte Renke Brahms hat vor den Gefahren einer zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung kriegerischer Waffen gewarnt.

evangelisch.de

„Es ist höchste Zeit, dass es möglichst bald zu einer internationalen Ächtung automatischer Waffensysteme kommt“, forderte der Leitende Geistliche aus Bremen aus Anlass der laufenden Ökumenischen Friedensdekade am Donnerstag. „Unsere Antwort auf einen Krieg 3.0 muss Frieden 3.0 sein. Dazu gehört der klare Vorrang für Zivil und Prävention“, betonte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die bundesweite Ökumenische Friedensdekade wird seit 1980 ausgerichtet und steht in diesem Jahr unter dem Leitthema „Krieg 3.0“. Sie hat am Sonntag begonnen und soll bis zum Buß- und Bettag am 21. November den Blick auf neue Waffentechnologien wie Drohnen und sogenannte Killerroboter lenken.

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Digital-Investitionen für die evangelische Kirche beschlossen

Image: MIT News
2,2 Millionen Euro hat die Synode für sechs Digitalinitiativen im Jahr 2019 beschlossen, darunter auch der vorgeschlagene Innovationsfonds, der mit einer Million Euro ausgestattet ist.

evangelisch.de

Nach der Vorstellung der Pläne für Digitalinvestitionen gestern in der EKD-Synode hat das Kirchenparlament die sechs Vorschläge so beschlossen. Im Kirchenamt der EKD wird eine neue Stabstelle Digitalisierung geschaffen, deren Aufgabe die weitere Arbeit an der kirchlichen Digitalstragie und Vernetzung kirchlicher Akteure ist. Dem Leiter der Stabsstelle werden zwei halbe Stellen für Sekretariat und Sachbearbeitung zur Seite gestellt. Dazu kommen zwei volle Projektstellen, die auf drei Jahre befristet sind. Eine der Projektstellen bearbeitet hauptsächlich die theologisch-ethischen Fragen zu Digitalisierung, die andere kümmert sich um Verbesserungsmöglichkeiten in Verwaltung und IT.

Der Digitalinnovationsfonds kann 2019 eine Million Euro vergeben. Dafür fordert die EKD-Synode in dem Beschluss „schnelle und einfache Entscheidungsprozesse“, die der Rat der EKD jetzt finden muss.

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Bundesregierung: Kinder im Netz besser schützen

Bild: tagesschau.de
Beim Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern im Netz soll das Recht verschärft werden. Das kündigten die Ministerinnen Barley und Giffey an. Betroffen sei unter anderem das Jugendmedienschutzgesetz.

tagesschau.de

Bundesjustizministerin Katarina Barley will den Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet intensivieren. Künftig soll sich jeder Täter strafbar machen, der Kontakte mit dem Ziel anbahnt, ein Kind zu missbrauchen, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bislang gilt: Wenn ein Täter glaubt, mit einem Kind zu kommunizieren, tatsächlich aber mit verdeckten Ermittlern oder Eltern Kontakt hat, macht er sich nicht strafbar. Das werde man ändern und diese Fälle künftig auch erfassen, sagte Barley. „Wir schützen Kinder in der digitalen Lebenswelt. Die Strafverfolgung machen wir effektiv“, sagte die SPD-Politikerin. Das sogenannte Cybergrooming kann mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.

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Trolle schüren Impfskepsis

Obwohl längst als Fake-News entlarvt, zirkulieren gewisse Aussagen zu schweren Impfschäden weiterhin durchs digitale Netz. Dafür sorgen auch Provokateure, die mit emotionalen Inhalten gezielt Stimmung machen.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

In den Industrienationen nimmt die Impfskepsis zu, und das nicht etwa in den unterprivilegierten Schichten. Vor allem in den gebildeten Kreisen zögern viele Eltern, ihre Kinder selbst gegen potenziell gefährliche Infektionskrankheiten immunisieren zu lassen. In der Schweiz ist diese Haltung zwar weniger weit verbreitet als in anderen Ländern Europas. Auch hier ist die Impfquote aber mancherorts nicht hoch genug, um besonders vulnerable Gruppen – etwa Personen, die aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht geimpft werden können – zuverlässig vor einer Ansteckung zu bewahren. Wie aber kommt es, dass in den wohlhabenden Ländern eine wachsende Zahl von Personen Impfungen mit Argwohn betrachtet oder für unnötig hält?

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Gerhard Schröder wird als Feind der Ukraine gelistet

Bild: TP
Auf der vom Innenministerium initiierten Website Mirotworez werden vermeintliche Gegner der Ukraine aus dem In- und Ausland gelistet, auch mit Adressen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Auf der ukrainischen Fahndungsliste Mirotworez („Friedensstifter“ bzw. Peacemaker) wurde am 8. November neben Tausenden anderen Menschen auch Gerhard Schröder eingetragen. Die Liste war 2014 von Anton Geraschenko, einem Berater des ukrainischen Innenministers, initiiert worden. Hier werden die Namen und oft auch Adressen (!) von Personen aufgeführt, die irgendwie anti-ukrainisch sind. Es handelt sich um Separatisten, aber auch um Politiker, Journalisten oder Aktivisten, auch aus dem Ausland, darunter auch Deutsche. Einige der Journalisten fielen bereits Mordanschlägen zum Opfer.

Es gibt auch eine ganz offizielle Liste von unerwünschten Personen in der Ukraine, die das Kulturministerium auf der Basis von Informationen des Geheimdienstes SBU seit 2015 erstellt. Kulturschaffende werden mit Einreiseverboten belegt, wenn sie wie Gerard Depardieu die nationale Sicherheit gefährden. Es reicht auch schon, mal auf die Krim gereist zu sein. Später kamen auch ausländische Journalisten dazu, die wie viele Russen und Separatisten „terroristischer Aktivitäten“ beschuldigt werden, an der „Finanzierung des Terrorismus oder einer an der Unterstützung dieser kriminellen Aktivität beteiligt“ zu sein oder „die in Verletzung des internationalen Rechts geschehene Annexion dieses Teils des ukrainisches Territoriums durch die Russische Föderation“ zu unterstützen. Es reichte auch schon, wenn angeblich die „nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung“ behindert würde (So versteht Kiew Pressefreiheit).

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