CERN: Die Kernphysiker proben den Aufstand gegen Microsoft

Tim Berners-Lee am Cern anlässlich einer Jubiläumsveranstaltung. (Bild: Reuters)
Die Mitarbeiter des europäischen Forschungszentrums für Teilchenphysik werden bald ohne Software von Microsoft auskommen müssen. Die hohen Lizenzgebühren der amerikanischen Firma haben die Informatikverantwortlichen in Genf verärgert.

Stefan Betschon | Neue Zürcher Zeitung

Das Cern in Genf ist ein Forschungszentrum für Teilchenphysik, und es ist auch ein Ort, an dem die Zukunft der Informatik erforscht wird. Es gibt wohl kaum eine Organisation, die an die Computer-Hardware und -Software höhere Anforderungen stellt. Die Lösungen, die hier benötigt werden, kann man nicht ab Stange kaufen, sie müssen oft zusammen mit den Lieferanten erst entwickelt werden. Deshalb ist das sogenannte Openlab des Cern eine Art Zentrallabor der Computerbranche. Hier werden Trends, die bald die ganze Computerwelt bewegen, zuerst sichtbar.

Das beste Beispiel für eine am Cern entwickelte Software-Innovation, die später die Welt verändert hat, ist das World Wide Web. Deshalb ist es bemerkenswert, wenn das Cern ein «The Microsoft Alternatives Project» (Malt) genanntes Vorhaben startet und öffentlich darüber informiert. Es geht darum – nun ja: Alternativen zu Microsoft-Software zu finden. Das Projekt wurde vor einem Jahr gestartet, jetzt wurden erste Zwischenergebnisse publiziert.

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Morbus Google – wie die digitale Hypochondrie Patienten und Ärzte auf Trab hält

Haben Sie Bauchschmerzen? Oder blaue Flecken an den Beinen? Kein Problem, das Internet sagt Ihnen, was dahintersteckt. So denken viele. Einige aber geraten beim Symptom-Googeln unversehens in einen Teufelskreis.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Die Digitalisierung schafft nicht nur neue Arbeitsplätze, sie kreiert auch neue Leiden. Eine solche innovative Erkrankung ist die Cyberchondrie, eine auch Morbus Google genannte digitale Schwester der Hypochondrie. Charakteristisch für die Betroffenen ist, dass sie bei jeglichem Unwohlsein umgehend das weltweite Netz konsultieren. Wie von Anfang an befürchtet, finden sie hier allerdings keinen Trost, sondern sehen ihre Ängste einmal mehr bestätigt.

Kräftig geschürt werden ihre Phobien dabei von Dr. Google und Konsorten. Denn die digitalen Diagnostiker nehmen keinerlei Rücksicht auf Empfindsamkeiten, sondern kommen immer unverblümt zur Sache. Diesbezüglich ähneln sie sehr viel mehr dem nüchtern-emotionslosen Dr. House der gleichnamigen amerikanischen Fernsehserie als dem väterlich-gütigen Chefarzt der deutschen TV-Schnulze «Die Schwarzwaldklinik».

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14 Jahre Haft für Abmahnanwalt, der Nutzer in „Porno-Falle“ lockte

foto: standard/pichler Die Filme, mit denen man Downloader in die Falle lockte, sollen auch über verschiedene Torrentplattformen wie die „Pirate Bay“ verbreitet worden sein.
Zwei US-Juristen stellten einschlägige Filme auf Onlinetauschbörsen und erpressten anschließend Zahlungen von Downloadern

derStandard.at

Es erinnert an den berühmten Fall der „Pornoabmahnungen“ in Deutschland. Zwei US-Anwälte müssen sich vor Gericht wegen einer jahrelang praktizierten Betrugsmasche verantworten. Der Vorwurf: Sie hunderte Internetnutzer jahrelang in eine Falle gelockt haben, um Geld von ihnen zu erpressen.

In Minnesota wurde nun ein erstes Urteil gefällt. Einer der beiden Juristen soll 1,5 Millionen Dollar an Entschädigungen zahlen und zudem eine Haftstrafe von 14 Jahren antreten. Das Gericht sah in seinem Vorgehen einen „kaum zu beziffernden Schaden für das Rechtssystem“, schreibt der „Minnesota Star Tribune“.

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Am Online-Pranger: Wie Gesetzesbrechern in den USA die Identität genommen wird

Ist ein Gesicht einmal im Netz, ist auch der Verdacht, der auf einer Person lastet, kaum wieder wegzubringen. Mit sogenannten Mug-Shots, Gesichtsaufnahmen, werden Tatverdächtige in den USA im Netz markiert. (Bild: REUTERS)
Polizeifotos von Tatverdächtigen sind in den USA allgegenwärtig. Selbst diejenigen, die ihre Strafe verbüsst haben oder freigesprochen wurden, werden von den Aufnahmen verfolgt – und damit erpresst. Doch nun regt sich Widerstand.

Steve Przybilla | Neue Zürcher Zeitung

Thomas T. war mit seinem Leben zufrieden. Als Chef der Schulaufsicht von Kenilworth, einem Bezirk im US-Teilstaat New Jersey, hatte sich der 42-Jährige einen exzellenten Ruf erarbeitet. Sein Jahresgehalt von knapp 150 000 Dollar lieferte ihm und seiner Familie ein gutes Auskommen. «Ich habe meinen Job geliebt», erzählte T. einer amerikanischen Zeitung in einem der raren Interviews, die er in den vergangenen Monaten gegeben hat. Denn T. ist heute kein leitender Beamter mehr. Er ist ein Mann, der alles verloren hat: seinen guten Ruf, seinen Job, sogar seine Würde.

Verantwortlich dafür ist, auch das gehört zur Wahrheit, zum Teil er selbst. Während seiner Zeit als Behördenchef joggte T. regelmässig auf dem Sportplatz einer nahe gelegenen Highschool. Niemand ahnte, dass ihn bei seinen Runden regelmässig der sogenannte Läuferdurchfall überkam, offenbar so akut, dass er es nicht mehr bis auf die Toilette schaffte. Im Mai 2018 wurde T. dabei erwischt, wie er seine Notdurft hinter der Zuschauertribüne verrichtete.

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Wikileaks-Gründer Assange: Die britische Justiz will erst im kommenden Jahr mit dem Auslieferungsbegehren der USA befassen

Wikileaks-Gründer Julian Assange drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft. (Bild: Matt Dunham / AP)
Der britische Innenminister hat den Auslieferungsantrag der USA für Julian Assange formell bestätigt. Der definitive Entscheid liegt aber bei der Justiz.

Neue Zürcher Zeitung

Ein Gericht in London hat das Verfahren über den amerikanischen Auslieferungsantrag für den Wikileaks-Gründer Julian Assange auf Februar nächsten Jahres angesetzt. Die fünftägige Anhörung solle am 25. Februar beginnen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Freitag aus dem Gerichtssaal.

Assange, der per Videostream aus dem Gefängnis zugeschaltet war, will sich gegen die Auslieferung wehren. Er verteidigte die Enthüllungsplattform Wikileaks als «nichts als eine Publikation». Vor dem Gerichtssaal hatte sich eine Reihe von Unterstützern des 47 Jahre alten gebürtigen Australiers eingefunden, die seine Freilassung forderten.

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Journalismusdämmerung? Für Online-Nachrichten will kaum jemand zahlen

Grafik: TP
Eine international Reuters-Studie sieht sinkendes Vertrauen in Medien, steigende Abo-Müdigkeit und Nachrichtenabstinenz. Statt Nachrichten werden Unterhaltungsangebote wie Spotify oder Netflix abonniert

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Schlechte Nachrichten für Nachrichtenmedien. Nach dem Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism, für den 17.000 Menschen in 38 Ländern von YouGov online befragt wurden, sinkt die Bereitschaft, für Online-Nachrichten zu zahlen. Smartphones und mobile Internetzugänge hätten die Geschäftsmodelle vieler Nachrichtenmedien während der letzten 20 Jahre zerstört und zu sinkenden Einkünften und Entlassungen geführt. Und dann wollen die Menschen angeblich nicht für Online-Nachrichten bezahlen, es habe in den letzten Jahren bestenfalls einen kleinen Zuwachs der Zahlungswilligen gegeben.

Nach einem „Jahrzehnt der digitalen Disruption“ würden Nachrichtenmedien zunehmend versuchen, Zahlschranken einzuführen und Bezahlmodelle über Abos, Mitgliedschaften oder Spenden zu entwickeln. Zudem gebe es einen Hype über Podcasts und Sprachnachrichten etwa über Amazon Echo und Google Home. Aber es würde auch in einigen Ländern darüber nachgedacht, ob Qualitätsjournalismus in Zukunft noch machbar sein wird. Zwar würden in nordeuropäischen Ländern mehr Menschen bereit sein, für Online-Nachrichten zu zahlen, ein Problem aber ist, dass in der Regel nur ein Online-Abo gezahlt wird. In Deutschland sagen 70 Prozent von denjenigen, die für Online-Nachrichten zahlen, dass sie nur ein Abo haben, nur 10 Prozent sind bereit, für drei oder mehr zu zahlen. Das fördere große Medien und benachteilige kleinere.

Die Rede ist auch von einer sich ausbreitenden Abo-Müdigkeit in vielen Ländern. Die könnte gerade bei Online-Nachrichtenmedien verstärkt werden, wenn die Nutzer zunehmend auf mehr Bezahlschranken stoßen und davon abgeschreckt werden bzw. zu Angeboten von Nachrichtenaggregatoren wie Apple News gehen, von denen sie gegen ein Abo auf mehrere Nachrichtenmedien zugreifen können.

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Urteil des EuGH: Gmail ist kein Telekommunikationsdienst

Bild: tagesschau.de
Telekommunikationsdienste müssen in Deutschland Auflagen beim Datenschutz und bei der Zusammenarbeit mit Ermittlern erfüllen. Die Bundesnetzagentur wollte erreichen, dass dies auch für Gmail gilt – scheiterte aber nun vor dem EuGH.

tagesschau.de

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Web-Maildienste wie Gmail nicht an die gesetzlichen Regeln für Telekommunikationsdienste gebunden sind. Derlei Dienste seien nach EU-Recht keine elektronischen Telekommunikationsdienste, urteilten die Richter in Luxemburg. Das bedeutet, dass Gmail und vergleichbare Webangebote nicht den neuen Verpflichtungen beim Datenschutz oder der öffentlichen Sicherheit unterliegen.

In Deutschland gelten für die Anbieter von Telekommunikationsdiensten besondere Vorgaben. Sie müssen unter anderem Schnittstellen für den Datenzugriff von Ermittlungsbehörden einrichten. Die Bundesnetzagentur hatte seit 2012 von Google verlangt, diese Pflichten zu erfüllen, weil sein Maildienst Gmail ein solcher Telekommunikationsdienstleister sei.

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Wie groß ist der CO2-Fußabdruck des Bitcoin?

Wie groß der CO2-Fußabdruck des Biotcoin-Netzwerks ist, hängt davon ab, wo die Rechner stehen und wie dort der Strommix aussieht. © traviswolfe / iStock
CO2-Fußabdruck wie Jordanien oder Hamburg: Die Kryptowährung Bitcoin benötigt für ihre Rechenoperationen inzwischen rund 46 Terawattstunden Strom pro Jahr. Um diesen Energiebedarf zu decken, werden jährlich rund 22 Megatonnen Kohlendioxid freigesetzt, wie die bisher detaillierteste Studie zur Energiebilanz des Bitcoin enthüllt. Der CO2-Fußabdruck der Kryptowährung entspricht damit dem eines kleinen Landes oder der Stadt Hamburg.

scinexx

Kryptowährungen liegen im Trend, denn dank des Blockchain-Prinzips lassen sich über Bitcoin, Ethereum und Co Finanz-Transaktionen dezentral und trotzdem sicher abwickeln. Der Haken jedoch: Die dafür nötigen Rechenprozesse sind aufwändig und das „Bitcoin-Mining“ verbraucht daher viel Energie – Tendenz steigend. Weil die zu lösenden Krypto-Berechnungen ständig schwerer werden, hat sich allein im Jahr 2018 die für ein Bitcoin nötige Rechenleistung vervierfacht.

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Microsoft and the Pentagon Are Quietly Hijacking U.S. Elections

Martin Abegglen / CC BY-SA 2.0
Good news, folks! We have found the answer to the American election system!

Lee Camp | truthdig

Why do we need an answer? Well, our election system is … how do you say … a festering rancid corrupt needlessly complex rigged rotten infected putrid pus-covered diseased dog pile of stinking, dying cockroach-filled rat shit smelling like Mitch McConnell under a vat of pig farts. And that’s a quote from The Lancet medical journal (I think).

But have no fear: The most trustworthy of corporations recently announced it is going to selflessly and patriotically secure our elections. It’s a small company run by vegans and powered by love. It goes by the name “Microsoft.” (You’re forgiven for never having heard of it.)

The recent headlines were grandiose and thrilling:

Microsoft offers software tools to secure elections.”

Microsoft aims to modernize and secure voting with ElectionGuard.”

Could anything be safer than software christened “ElectionGuard™”?! It has “guard” right there in the name. It’s as strong and trustworthy as the little-known Crotch Guard™—an actual oil meant to be sprayed on one’s junk. I’m unclear as to why one sprays it on one’s junk, but perhaps it’s to secure your erections? (Because they’ve been micro-soft?)

Anyway, Microsoft is foisting its ElectionGuard™ software on us, but worry not that we Americans will be tied down by laborious public debate as to the effectiveness, efficiency and accountability of said software. According to MintPress, “The election technology is already set to be adopted by half of voting machine manufacturers and some state governments for the 2020 general election.” Hardly any public discussion will plague our media or tax our community discourse.

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Kramp-Karrenbauer, die Klarnamenpflicht und die Kanzlerfrage

Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Patrick Büttgen, phoenix. Lizenz: CC BY-SA 4.0
In der CDU ist nach schlechten Umfragewerten eine Debatte darüber entbrannt, ob die aktuelle Parteivorsitzende die richtige Kandidatin für den Posten der Regierungschefin ist

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Im Dezember übernahm Annegret Kramp-Karrenbauer nach einem knappen Sieg über Friedrich Merz den Parteivorsitz der CDU. Darauf hin ging es für die Union in den Umfragen wieder leicht nach oben – aber nur bis in den April. Danach sackten die Christdemokraten in den Umfragen von über 30 auf nur noch 24 bis 27 Prozent ab. Bei Emnid liegen sie mit 27 Prozent gleichauf mit den Grünen, bei Forsa mit 24 Prozent sogar dahinter.

Für Annegret Kramp-Karrenbauer selbst sehen die Umfragewerte noch schlechter aus als die für ihre Partei: Den Meinungsforschern der Forschungsgruppe Wahlen gegenüber lehnen sie aktuell 71 Prozent als Bundeskanzlerin ab – 20 Prozentpunkte mehr als im März. Selbst unter den Unionsanhängern hätte sie nur eine Minderheit von 28 Prozent gerne als Regierungschefin. Bei anderen Instituten schneidet sie nicht sehr viel besser ab.

Kritik und ein sich selbst verstärkender Kreislauf

Eine (Mit-)Ursache, die sich für das schlechte Abschneiden anbietet, ist die Ende März verabschiedete faktische Uploadfilterpflicht in Artikel 13 / 17 der neuen EU-Urheberrechtsrichtlinie, deren Gültigkeit die polnische Regierung mit einer Klage angefochten hat (vgl. Polen zieht gegen EU-Richtlinie zum Urheberrecht vor EuGH). Diese Uploadfilterpflicht wurde in Sozialen Medien mit Hashtags wie #NieMehrCDU von zahlreichen Nutzern kritisiert (vgl. Trilog-Einigung auf Uploadfilter).

Annegret Kramp-Karrenbauer folgerte daraus nach dem schlechten Abschneiden ihrer Partei bei der EU-Wahl, man müsse vor Wahlen Meinungsäußerungen im Internet „regulieren“ (vgl. CDU zieht Konsequenzen aus Wahldebakel: Meinungsfreiheit muss geregelt werden), was in Sozialen Medien noch negativere Reaktionen und Hashtags wie #AKKRuecktritt zur Folge hatte.

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Deutschlandfunk: „Alexa, starte Evangelische Morgenandacht“

Die evangelischen Morgenandachten aus dem Deutschlandfunk gibt es jetzt auch auf Alexa.

evangelisch.de

Mit einer Andacht in den Tag starten? Das geht jetzt auch mit Alexa. Sagen Sie einfach „Alexa, aktiviere Evangelische Morgenandacht“ (oder klicken Sie hier auf Amazon) und bekommen Sie die täglichen Andachten aus Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur auf Alexa. Sagen Sie dann einfach „Alexa, starte Evangelische Morgenandacht“.

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Wiener Pastoraltheologin Klaiber: „Geh scheißen, Du weißer Kerl!“

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay
Die Theologin verteidigte auf Twitter das „Recht“ auf Abtreibung mit den Worten „Mein Bauch gehört mir!“.

kath.net

„Geh scheißen, Du weißer Kerl!“ Mit diesem ordinären Spruch hat vergangene Woche die Wiener Pastoralassistentin Judith Klaiber auf Twitter einen katholischen Journalisten beschimpft und mit den Worten „Mein Bauch gehört mir!“ das „Recht“ Abtreibung verteidigt. Vor einigen Wochen gab das Kölner Domradio der Feministin ein Forum. Dort meinte Klaiber auf die Frage, was sie zur Lehre der Kirche, dass das Priesteramt Männern vorbehalten sei,sage: „Da möchte ich gern dagegenhalten, dass es das Bild des historischen Jesus gibt, der unglaublich viele Frauen in seinem Kreis hat. Frauen waren die ersten, die die frohe Botschaft von der Auferstehung wahrgenommen und weitergetragen haben.“

Baden-Württemberg: Sicherheitsbehörden können Messengerdienste mitlesen

(Bild: geralt / gemeinfrei)
Überwachung von Privatchats – das ist in Baden-Württemberg längst möglich, wurde jetzt bekannt. Allerdings gibt es Einschränkungen für die polizeiliche Online-Durchsuchung.

DIE WELT

Die Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg können Messengerdienste wie Whatsapp inzwischen mitlesen. „Die Software ist dem Grunde nach einsatzfähig“, sagte der Innen-Experte der Grünen-Landtagsfraktion Hans-Ulrich Sckerl der „Schwäbischen Zeitung“ (Dienstag). „Sie muss aber ganz konkret auf den Einsatz und die Identität der zu überwachenden Person zugeschnitten werden.“

Bislang war unklar, ob die Software für die sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) auch einsatzbereit ist. Noch am Donnerstag schwiegen sich Innenminister Thomas Strobl (CDU) und Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube bei der Präsentation des aktuellen Verfassungsschutzberichts darüber aus.

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Streit um Kommissar Alexa

Bild: tagesschau.de
Sollen Ermittler auf Daten aus Sprachassistenten wie Alexa und Siri zugreifen? Das ist auch unter den Innenministern umstritten. Niedersachsens Ressortchef Pistorius ist gegen solche „Abhörwanzen“.

tagesschau.de

Die Innenminister von Bund und Ländern sind sich offenbar uneinig, ob Ermittlungsbehörden auch auf Daten aus vernetzten Geräten zugreifen sollen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) widersprach Berichten, wonach die Innenminister prüfen, die Bürger über digitale Sprachassistenten und andere Smart-Home-Geräte abzuhören.

Bei der nächsten Innenministerkonferenz (IMK) gehe es beim Tagesordnungspunkt „Digitale Spuren“ nicht darum, die möglichen Datenquellen für die Polizeiarbeit zu erweitern, sagte Pistorius im dpa-Interview. Ein Blick nach China zeige, wohin der hemmungslose Gebrauch von Daten führen könne. „Dann hätte letztlich jeder, der „Alexa“ oder „Google Home“ benutzt, im Zweifel eine Abhörwanze im Wohnzimmer.“

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Big-Brother-Awards rügen Überwachung und Spähsoftware

Diese Auszeichnung sind bei den „Preisträgern“ alles andere als begehrt. Mit den „Big-Brother-Awards“ hat die Datentschützer-Initiative Digitalcourage problematisches Datensammeln von Firmen und Behörden gerügt.

evangelisch.de

Die diesjährigen Big-Brother-Awards haben problematisches Datensammeln von Softwarefirmen und Behörden angeprangert. Die Datenschützer-Initiative Digitalcourage vergab am Samstagabend in Bielefeld die Negativauszeichnungen in fünf Kategorien. Gerügt wurden Programme, die für die Überwachung Polizeidaten mit Daten von Facebook und WhatsApp verknüpfen oder unbemerkt im Hintergrund Emotionen von Anrufern analysieren. Prominente „Preisträger“ waren der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) und das Internetportal „Zeit Online“.

Bei der Aachener Firma Precire wurde moniert, dass ihre Sprachanalyse-Software Emotionen von Anrufern analysiere. Digitalcourage forderte ein Verbot von Sprachanalyse und „künstlicher Intelligenz“ zur Charakter-, Emotions- und Motivationserkennung.

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Orthodoxe Rabbiner fordern Kippa-Emoji

Bild: bb
Für fast alles gibt es Emojis, die kleinen Symbole für Chat und Messenger: Nahrungsmittel, Flaggen, Tiere – sogar für Menschen mit Kopftuch und Turban. Jüdische Kopfbedeckungen sucht man bislang allerdings vergeblich. Das soll sich ändern.

katholisch.de

Die Europäische Rabbinerkonferenz (CER) fordert mehr jüdische Emojis. Nach dem Willen der orthodoxen Organisation soll es künftig Emojis geben, die eine Torah-Rolle darstellen sowie Männer und Frauen mit jüdischen Kopfbedeckungen. „Es gibt Emojis mit Frauen im Hidschab und arabische Kleriker – aber die Juden wurden vergessen“, so der Generalsekretär der Konferenz, Gadi Gronich. Wenn es legitim sei, Familien mit zwei Vätern oder zwei Müttern und islamische religiöse Bekleidung zu zeigen, sollte es auch Platz für jüdische Symbole geben, heißt es in einem Brief der Konferenz an das Unicode-Konsortium, das den internationalen Standard für Schriftzeichen „Unicode“ verwaltet und über die Aufnahme neuer Symbole entscheidet.

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EU plant Überwachungs-Abkommen mit den USA: Wenn das FBI in Europa mit­hört

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay
Noch bevor sich die EU überhaupt auf Pläne zur grenzüberschreitenden E-Beweissicherung geeinigt hat, verhandelt sie mit der Trump-Administration über eine Beteiligung der USA. In Berlin sorgt man sich um die Grundrechte.

Von Dr. Markus Sehl | LTO

Jetzt soll alles ganz schnell gehen: Am Donnerstag hat sich die EU-Kommission von den Mitgliedstaaten ein Mandat geholt, um mit den USA noch im Juni über ein neues Rahmenabkommen zum Austausch elektronischer Beweismittel zu verhandeln. Damit sollen schneller und einfacher als im klassischen Rechtshilfeverfahren Daten zwischen den Behörden auf beiden Seiten des Atlantiks ausgetauscht werden können. Deutschland hat sich auf dem Treffen der EU-Justiz- und Innenminister in Luxemburg enthalten, aber nach Informationen von LTO wachsen bei den Beamten im Bundesjustizministerium (BMJV) die Sorgen. Zu welchem Preis kommt der Deal mit den USA für die Grundrechte der Europäer?

Denn das, was da gerade in Luxemburg und Brüssel auf den Weg gebracht wird, hat eine völlig neue Dimension – und die klingt durchaus bedrohlich. Denn die US-Strafverfolger könnten dann unmittelbar von Internetanbietern mit Sitz in Europa verlangen, die Adressdaten deutscher Staatsbürger oder sogar Inhalte von E-Mails oder Messenger-Nachrichten herauszugeben. Und zwar ohne, dass deutsche Gerichte oder Behörden dabei noch ein Veto-Recht hätten.

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Neue Technik zur Dauerüberwachung aus der Luft

Bild: World View Enterprises
Was bislang aufgrund von technischen und finanziellen Gründen nicht möglich war, könnten manövrierbare Ballons in der Stratosphäre jetzt ermöglichen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Das 2012 u.a. von Mitgliedern des Biosphere 2-Teams gegründete Unternehmen World View Enterprises will neue Maßstäbe der Überwachung und der Kommunikation setzen. Als Erfolg wurde gerade von einem Test gesprochen, bei dem ein Stratollite, einem navigierbaren Fluggerät, einem Ballon ähnlich, in der Stratosphäre, das derzeit mit einer Last von bis zu 50 kg beladen werden kann, 16 Tage ununterbrochen in der Höhe von 30 km geflogen war. Der fast 5000 km lange Flug erstreckte sich über Nevada, Utah und Oregon, während 8 Tagen blieb der Ballon stationär in einem Gebiet mit einem Durchmesser von 120 km. Es sollen demnächst längere Tests folgen. Geplant ist mit lange in der Stratosphäre befindlichen Stratollites Überwachungsbilder, Wetterdaten oder schnelle Internetverbindungen anbieten zu können.

Mit den Stratollites tritt World View Enterprises in einen Konkurrenzkampf mit Satellitenanbietern. So will alleine StarLink mit SpaceX-Raketen in den nächsten Jahren 12.000 kleinere, manövrierfähige Satelliten auf einer niedrigen Umlaufbahn (LEO) in den Weltraum bringen, um eine weltweite Abdeckung für einen schnellen 5G-Internetzugang zu realisieren. Die zuständige Behörde FCC hat dies bereits genehmigt, also dass ein amerikanisches Unternehmen LEO in einer Höhe von etwa 350 km vollpflastern kann. Es stehen auch weitere Unternehmen in den Startlöchern, um die Erde in Netzwerke von Satelliten einzuhüllen.

Stratollites, ausgerüstet mit Solarzellen und der Möglichkeit, lange Zeit an einer Stelle zu bleiben, würden den Aufwand und vor allem die Kosten drastisch gegenüber Satelliten verringern. Sie könnten auch jederzeit wieder auf den Boden gebracht, repariert oder überholt, mit neuen Geräten ausgestattet und wieder eingesetzt werden. Überdies hätten sie den Vorteil, dass die Distanz zur Erdoberfläche sehr viel geringer ist, aber höher als der normale Flugverkehr. Allerdings scheint es noch schwierig zu sein, den Ballon über einem Gebiet stationär über längere Zeit zu halten. So konnte der Ballon während des Tests nur 6,5 Stunden über einem Gebiet mit 9 km Durchmesser halten. Da haben Satelliten noch klar einen Vorteil.

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Die Vorratsdatenspeicherung soll EU-weit zurückkehren

Bild von Pete Linforth auf Pixabay
Die Vorratsdatenspeicherung soll zurückkehren. So lautet zumindest der Wille des EU-Rats, der nun der EU-Kommission den Auftrag erteilt hat, sich mit dem Thema zu befassen.

Muzayen Al-Youssef | derStandard.at

Dabei handelt es sich um die Speicherung bestimmter Daten wie Anrufprotokolle, Standortdaten und Einordnungen zu der genutzten IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt – und die Weitergabe dieser Informationen an Behörden. 2014 und 2016 hat der Europäische Gerichtshof sie gekippt, da anlasslos Daten von Personen gespeichert wurden, bei denen es keinen Verdacht auf Straftaten gab.

Arbeitsgruppe arbeitet an legaler Version

In einer eigenen EU-weiten Arbeitsgruppe wurde nun erörtert, wie diese Vorgaben umgangen werden könnten. Die türkis-blaue Regierung war maßgeblich daran beteiligt, diese ins Leben zu rufen. Dort kam man zu dem Entschluss, dass das Verbot des EuGH sich zwar auf Verkehrs- und Standortdaten beziehe, nicht aber auf Stammdaten – beispielsweise Namen und Adresse.

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Deutsche Justizminister verlangen Sicherheitslücken in 5G

Themenbild. Bild von succo auf Pixabay
Der neue Mobilfunkstandard ist nicht nur schnell, sondern auch sicher. Ein Novum, dass die Justizminister per Beschluss ändern wollen. Abhöraktionen seien mit 5G nämlich nicht mehr so leicht möglich.

Die Presse.com

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist auf dem Weg Realität zu werden. Er ist schneller und ermöglicht der Wirtschaft viele neue Möglichkeiten, wenn es um Echtzeit-Datentransfer geht. Doch den deutschen Justizministern ist ein Aspekt des Standards ein Dorn im Auge: die Sicherheit. Denn mit 5G sei die Überwachung nicht mehr so leicht möglich. Und das soll per Beschluss geändert werden.

Konkret heißt es, dass die Anbieter der 5G-Netze technisch in der Lage und rechtlich verpflichtet sind, die TKÜ-Daten (Telekommunikationsüberwachung) den Ermittlungsbehörden in gleichem Umfang und in gleicher technischer Qualität wie bisher zur Verfügung zu stellen“. Der Beschlussvorschlag wird am Mittwoch in der Frühjahrskonferenz eingereicht. Die Justizministerin wird laut Spiegel-Bericht dazu angehalten, die ausstehenden technischen Spezifikationen den „Anforderungen der Strafverfolgung“ zu berücksichtigen.

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