Archiv der Kategorie: Religion

Der Dildo der Äbtissin und die Wutbürger

P. Brueghel. Bild: allmystery.de

In der Spätantike entwickelten Theologen die Lehre von den “Sieben Grundlastern”. Die Gegenwart schert sich wenig darum. Dabei sind Neid, Wollust & Co. von ungeahnter Aktualität.


Von Christian Frey|DIE WELT

Die Sieben ist eine teuflische Zahl. In David Finchers Film “Seven” (1995) macht Kevin Spacey als Serienmörder sie zur Richtschnur seines Tuns. Nachdem er fünf Menschen bestialisch ins Jenseits befördert hat, kommt es zum Showdown mit den Polizisten, die von Brad Pitt und Morgan Freeman gespielt werden. Da wird diesen von einem Boten ein Paket übergeben; darin: der abgetrennte Kopf von Brad Pitts Frau alias Gwyneth Paltrow. Voller Wut erschießt Pitt daraufhin den Mörder, der sich längst ergeben hat.

Die Szene verknüpft die sechste und die siebte der klassischen “Todsünden”, den “Neid” des Mörders auf das glückliche Familienleben des Detektivs und dessen “Wut” auf den Täter. Zahlreiche Auszeichnungen für Finchers Film stehen für die Wucht, mit der die mittelalterliche Theologie von Lastern und Sünden noch in die säkularisierte Gegenwart hineinwirken kann. Ihre Kulturgeschichte ist fast so alt wie das Christentum selbst.

Aus 1500 Jahren stammen denn auch die 300 Objekte, die das LWL-Landesmuseum in Lichtenau-Dalheim bei Paderborn in seiner Ausstellung “Die 7 Todsünden” präsentiert. Das bundesweit einzige Museum für europäische Klosterkultur, das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 2007 in dem ehemaligen Kloster- und Domänenkomplex eröffnet hat, versammelt dafür Zeugnisse historischer und aktueller Versionen der “Todsünden”.

weiterlesen

Belgien: Christdemokraten werfen „Türkin“ aus Partei

Mahinur Özdemir ist die erste kopftuchtragende Frau im Brüsseler Regionalparlament. (Screenshot)

In Belgien haben die Christdemokraten der CDH ein erfolgreiches türkischstämmiges Mitglied aus der Partei ausgeschlossen. Sie hatte einem Beschluss zur „Anerkennung des armenischen Genozids“ ihre Zustimmung verweigert. Doch hinter dem Ausschluss steckt offenbar ein anderer Vorsatz. Das Parteimitglied trägt ein Kopftuch und der neue CDH-Chef sieht das nicht gerne.


Deutsch Türkische Nachrichten

Der Vorstand der belgischen Partei Demokratisch Humanistischer Zentrum (CDH) hat das CDH-Mitglied Mahinur Özdemir aus der Partei ausgeschlossen. Als offiziellen Grund gibt die christdemokratische CDH in einer Mitteilung an, dass Özdemir einen Beschluss zur „Anerkennung des armenischen Genozids“ nicht mittragen wollte.

Die Haltung der türkisch-belgischen Politikerin sei nicht im Einklang mit den Werten des CDH. Doch das Armenier-Argument dient dem CDH offenbar nur als Vorwand. Denn Özdemir trägt ein Kopftuch und das gefällt dem französischsprachig-wallonischen CDH-Chef Benoît Lutgen nicht. Dieser Wallone soll schon in der Vergangenheit sein Unmut über eine muslimische Dame in der Partei kundgetan haben. Die Zeitung Takvim zitiert Özdemir: „Benoît Lutgen ist erst seit zwei Jahren Partei-Chef. Ich bin diejenige, die bei den vergangenen Wahlen die fünftmeisten Stimmen für unsere Partei eingeholt hatte. Trotzdem hat Lutgen sich geweigert, mir eine meinem Erfolg entsprechende Position zu geben. Meinen Antrag auf die Vorstandsposition der Partei-Kommission hat er zurückgewiesen. Ich weiß, dass Lutgen mich aufgrund meines Kopftuchs nicht besonders mag. Der Beschluss zum Partei-Ausschluss war schon längst beschlossene Sache. Sie haben nur nach einem Grund gesucht. Die Armenier-Debatte war ein derartig willkommener Anlass, um mich zu entfernen.”

weiterlesen

Serbisch-Orthodoxe Kirche exkommuniziert Bischof

Flagge der serbisch-orthodoxen Kirche Bild: wikimedia.org

Erstmals in ihrer jahrhundertealten Geschichte hat die Serbisch-Orthodoxe Kirche einen ehemaligen Bischof exkommuniziert, also aus ihrer Religionsgemeinschaft ausgeschlossen.


Frankfurter Allgemeine

Das berichten die Zeitungen in Belgrad unter Berufung auf eine entsprechende Mitteilung der Kirchenführung. Der früher für das Kosovo zuständige Bischof Artemije war schon zuvor wegen Veruntreuung von Kirchengeldern sowie seiner nationalistischen und religiös-fundamentalistischen Positionen abgesetzt worden.

Bullshistic: Ökumenischer Gottesdienst vor dem DFB-Pokalfinale in Berlin

Bild: berlin.de, dpa

Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland haben heute Morgen (30. Mai 2015) vor dem DFB-Pokalendspiel gemeinsam mit Vertretern des Deutschen Fußballbundes (DFB), Fans und freiwilligen Helfern in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin einen ökumenischen Gottesdienst unter dem Leitwort „Doppelpass“ gefeiert.


EKD

In seiner Predigt bezeichnete der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, das Doppelgebot der Liebe als „genialen Doppelpass Jesu“. In der biblischen Geschichte verweise Jesus Fragesteller nach dem höchsten Gebot wieder zurück an sich selbst und das eigene Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung, so Jung. Das Liebesgebot finde sich im Kern auch wieder im „Fairplay“ als höchstem Gebot für Spieler, Fans und Funktionäre, so der Kirchenpräsident weiter. „Wo es nicht eingehalten wird, wird der Fußball zerstört“, mahnte Jung. Das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe ziele darauf, „gut miteinander zu leben“. Gott sei ein „Liebhaber des Lebens“ und traue den Menschen zu, fair miteinander umzugehen. Dazu gehöre, dass sich Menschen nicht nur um sich selbst kümmerten, sondern auch den Blick für andere öffneten. So könnten Menschen davor bewahrt werden, zu Fanatikern in Fragen des Sports oder auch der Religion zu werden. Jung betonte: „Lasst uns Fans bleiben, Freundinnen und Freunde des Spiels, des Lebens, Gottes und der Menschen.“

weiterlesen

Gericht: Die Taufe begründet keinen Asylanspruch

justiz_grossDer Verwaltungsgerichtshof in Mannheim bezweifelt die „ernsthafte Hinwendung“ eines iranischen Flüchtlings zum Christentum und hebt das Urteil des Stuttgarter Verwaltungsgerichts auf. Die drohende Abschiebung des Asylbewerbers sei rechtens, hieß es aus Mannheim.


Von Johanna Eberhardt|STUTTGARTER ZEITUNG.de

Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim hat den Asylantrag eines Iraners abgelehnt, der nach seiner Flucht 2011 in Deutschland zum christlichen Glauben übergetreten ist. Der frühere schiitische Muslim war ursprünglich vor allem wegen Konflikten im Militärdienst aus dem Iran geflohen, 2012 hatte das Bundesamt für Migration seine Anerkennung als Flüchtling  abgelehnt. In seiner Klage hatte der Mann erklärt, er habe sich aufgrund eines ernsthaften Gewissenentschlusses für das Christentum entschieden. Er praktiziere seinen Glauben, gehe zu Gottesdiensten und beteilige sich am Gemeindeleben. Wenn er in den Iran abgeschoben werde, würde diese Praxis dort zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen führen. Dem wollten die Mannheimer Richter nicht folgen. Nach einer mündlichen Verhandlung Mitte April haben sie die Klage des Mannes auf  nun Anerkennung abgewiesen. Auch die Androhung seiner Abschiebung sei rechtens, stellten sie fest und haben ein gegenteiliges Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart aufgehoben. Die Richter dort hatten den Religionswechsel des Antragstellers, der in einer evangelischen Gemeinde im Landkreis Heilbronn vollzogen worden war, im September 2013 als  bindend eingestuft.

weiterlesen

Indischer Priester köpft Jungen (5) – und wird gelyncht

Eine Statue der Göttin Kali: Ihr zu Ehren wurde der Junge geköpft. Foto: imago/UIG (Symbolbild)

Furchtbares Ritual mit brutalen Folgen: In Indien ist ein Fünfjähriger während einer religiösen Zeremonie geköpft worden – anschließend wurde der Priester getötet!


Berliner Kurier

Der Priester, ein Anhänger des tantrischen Hinduismus, habe den Jungen vor den Augen seiner Familie in deren Haus enthauptet, berichtet das indische Nachrichtenportal „India Today“. Es geschah zu Ehren der Hindu-Göttin Kali.

„Nach Aussagen von Teilnehmern ereignete sich der Vorfall während der Puja (Zeremonie), und der Junge wurde geköpft, bevor die Familie reagieren konnte“, zitiert das Portal einen Polizeisprecher. Kurz darauf brachen Tumulte aus: Der Priester wurde von einem wütenden Mob angegriffen und gelyncht. Die Polizei traf erst ein, als der Mann bereits tot war.

Die Zeremonie fand am Donnerstagabend auf einer Teeplantage in Assam statt. Der Vater des Jungen, ein Plantagenarbeiter, habe den Priester zu der Kali-Zeremonie in sein Haus eingeladen. Im hinduistischen Tantrismus personifiziert die Göttin Kali das Höchste. In tantrischen Kali-Riten wird der abgeschlagene Kopf als Symbol für die Befreiung von der Identifikation mit dem vergänglichen Leib interpretiert.

“Homo-Ehe”: Evangelischer Ratsvorsitzender für Gleichstellung

Bild: bpb.de

Bild: bpb.de

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, spricht sich für eine Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe aus. “Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch kein bisschen geschmälert”, sagte er dem “Spiegel” (Samstag).


kathweb

Neben Bedford-Strohm sprachen sich weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft für eine Gleichstellung aus. Dazu gehören die Moderatoren Frank Plasberg, Anne Will und Maybrit Illner, Künstler wie der Regisseur Tom Tykwer und der Schauspieler Charlie Hübner. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kritisierte eine Blockadehaltung des Koalitionspartners: “Die Union stellt gerade fest, dass die Menschen in Deutschland längst weiter sind als ihre eigene Beschlusslage.”

Vertreter der katholischen Kirche hatten sich zuvor gegen eine Gleichstellung ausgesprochen, so der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, und der Theologe Eberhard Schockenhoff.

weiterlesen

Die Demokratisierung der Moral

cartoon-herzDas katholische Irland hat sich in einer Volksabstimmung klar für die Einführung der Homoehe ausgesprochen. Die katholische Kirche reagierte empört. Gejuckt hat das kaum jemanden, weil das Moralmonopol längst woanders liegt


Von Alexander Grau|Cicero

Also sprach Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin: „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“. Das war wenig überraschend. Die Haltung des Vatikans zu Familie und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind hinlänglich bekannt. Allenfalls irritierte die scharfe Wortwahl etwas.

Überraschender waren da schon die Reaktionen in Deutschland: die blieben nämlich aus. Keine Empörung, keine Erregung. Lediglich aus der zweiten Reihe der katholischen Kirchenhierarchie kamen Unmutsbekundungen. Als „brachial“ und „völlig unangemessen“ empfand etwa der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, die Einlassungen Parolins. Das war es dann aber auch schon.

Was lernen wir daraus? Erstens: Die katholische Kirche kann mit ihrer Haltung zu sexual- und familienethischen Fragen nicht einmal mehr provozieren. Aus Sicht des durchschnittlichen Mitteleuropäers hat sie sich in ihrer Haltung soweit von der Lebenswirklichkeit entfernt, dass sie in diesen Fragen bestenfalls als Kuriosum wahrgenommen wird.

weiterlesen

Syrien: Kurden wollen Korridor schließen

(Halbwegs) aktueller Frontverlauf in Nordsyrien.Grau: IS. Gelbgrün: Kurden. Apricot: Regierung. Karte: Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0

Im Norden Syriens haben kurdische YPG-Milizen die 6.000-Einwohner Ortschaft Mabrouka erobert, die zwischen ihrem mit dem irakischen Kurdengebiet verbundenen Kanton Cizîrê und der Stadt Tall Abyad liegt, die die Kurden nach eigenen Angaben als nächstes Ziel angepeilt haben.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Erobern sie auch diese Stadt und deren Umgebung, dann hätten sie nicht nur einen Nachschubkorridor zum Kanton Kobanê geschaffen – sie hätten der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) auch die Kontrolle über einen Grenzabschnitt zur Türkei entrissen, über den viele ausländische Kämpfer und Bräute in das Kalifat einreisten. Allerdings würde die Terrorgruppe auch nach dem Verlust von Tall Abyad noch einen Gebietsabschnitt mit der Stadt Dscharabulus kontrolliere, den die Kurden ebenfalls besetzen müssten, um den IS ganz vom Nachschub über die Nordgrenze abzuschneiden.

Mabrouka ist keine kurdische, sondern eine arabische Ortschaft. Über Vertreibungen wurde bislang trotzdem nichts bekannt – was nicht zwangsläufig heißen muss, dass sie nicht stattfanden.

Südöstlich von Mabrouka eroberte die YPG zusammen mit der Christenmiliz Mawtbo Fulhoyo Suryoyo (MFS) in der letzten Woche den Berg Kizwan (arabisch: Abdel Aziz) und mehrere assyrische Dörfer im Gebiet Alya zurück, aus denen der IS zahlreiche Christen verschleppte, als er sie im Februar besetzte.

weiterlesen

Papst verteidigt erneut “Klapse auf den Hintern” – kognitive Dissonanzen

Bild bearb. BB

Bild bearb. BB

Franziskus versteht die Aufregung über maßvolle Züchtigung nicht. Die legale Tötung Ungeborener sei viel schlimmer.


Von Julius Müller-Meiningen|RP-Online

Papst Franziskus hat seine umstrittene Haltung zur Kinderzüchtigung bekräftigt. “Ich sage immer: Man soll ein Kind nicht ins Gesicht schlagen, weil das Gesicht heilig ist. Aber zwei oder drei Klapse auf den Hintern schaden nicht”, sagte der Papst in einem Interview mit der argentinischen Zeitung “La Voz del Pueblo”, das bereits am vergangenen Sonntag veröffentlicht wurde.

Als er diese Haltung schon einmal bei einer Generalaudienz bekannt habe, hätten ihn einige Länder kritisiert, in denen strenge Gesetze zum Schutz Minderjähriger gelten, fügte Franziskus hinzu. Der Papst könne so etwas nicht sagen. “Kurioserweise haben diese Länder, die sogar Vater oder Mutter bestrafen, wenn sie ihre Kinder schlagen, Gesetze, die es erlauben, Kinder vor ihrer Geburt zu töten.” Das seien die “Widersprüche unserer Zeit”, so Franziskus.

weiterlesen

Homo-Ehe: Merkel, Kauder und Co. stärken die Institution Familie

Twitter Screenshot: bb

Twitter Screenshot: bb

Mit einem Gesetzesentwurf, der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zusätzliche Rechte einräumen soll, hat das Bundeskabinett am Mittwoch die gesetzliche Ungleichheit zwischen hetero- und homosexuellen Beziehungen noch mal verfestigt.


Von Mathis van den Berg|The Huffington Post

Dass die prominentesten CDU-Abgeordnete von Volker Kauder bis Erika Steinbach auch dahinter stehen, diese Form der Diskriminierung aufrecht zu erhalten, betonen sie immer wieder gerne.

Die Einführung der Homo-Ehe würde schließlich das traditionelle Familienbild gefährden und eine Gleichstellung im Adoptionsrecht würde potentiell unschuldige Kinder gefährden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt sich, laut eigener Aussage um das “Kindeswohl”. Wie gut sie und die anderen großen Verfechter der Ungleichheit sich mit damit auskennen, bringt der obige  Tweet sehr schön auf den Punkt.

weiterlesen

Homo_Kauder

Satire darf Alles: “Fuck the Women and Children”

missbrauch_kathol

Beginnen wir mit einem ziemlich guten Witz, um uns für die Wartezeit zwischen Teil Eins und Teil Zwei zu entschädigen:


Von Tom Appleton|TELEPOLIS

Ein Schiffsunglück. Der Dampfer versinkt. Der Kapitän und die Mannschaft drängen in die Rettungsboote.

Ein Pfarrer an Bord fragt den Kapitän:

“What about the women and children?”

Der Kapitän antwortet:

“Fuck the women and children!”

Sagt der Pfarrer:

“Yeah. But will there be time?”

Sie verstehen, der Witz dreht sich um die Doppelbedeutung des Ausdrucks “fuck the women and children”. Einerseits heißt das: “Scheiß’ auf die Frauen und Kinder”. Andererseits: “Fickt die Frauen und Kinder”. Und der Pfarrer — wir vermuten, ein Katholik, aber jeder andere würde die Witzfunktion ebensogut erfüllen — denkt hier natürlich an die päderastische Variante, und deswegen fragt er: “Schön und gut, aber werden wir noch genug Zeit haben dafür?”

Das ist doch ein eminent zeitgenössischer Witz, denn vor zehn oder 20 Jahren gab es bereits weltweit die Tatsache der kinderbetätschelnden Übergriffe in katholischen Werksbetrieben, aber kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, einen Pfarrer routinemäßig als Kinderschänder darzustellen. Das ist heute anders.

Aber wie ist das mit dem versinkenden Schiff — mit den Kindern, die hier ebenso routinemäßig den Wellen des Meeres geopfert werden? Das ist ein Element des Witzes, das soo neu ist, dass man es als zeitgenössische Zutat noch nicht einmal erkennt. Man glaubt, es sei ein Witz aus dem 19ten Jahrhundert. Oder aus dem frühen 20sten. Dampfer, Rettungsboote, Kapitän, Pfarrer. Schon das Personal wirkt veraltet.

Der Witz hat gewissermaßen noch keine moderne Form gefunden, um seinen Inhalt zu transportieren.

Und wenn er so anfinge: Ein afrikanischer Schlepperkahn mit 700 Menschen an Bord versinkt vor Lampedusa …

Dann könnte man den Rest der Geschichte nicht mehr weiter erzählen, weil dann der Witz schon im ersten Teil gestorben wäre.

Man könnte auch keinen Witz erzählen, der mit einer Zugankunft im KZ Theresienstadt beginnt. Das Orchester spielt Wagner. Aber die völlig verschmutzten Reisenden wollen zunächst einmal duschen. — Nein, das verbietet sich.

weiterlesen

Slavoj Žižek und das Trauma des Zusammenpralls

We-Want-Islam»Blasphemische Gedanken«: Slavoj Žižek analysiert den Islamismus – und die Rolle der radikalen Linken. Ihnen wirft er vor, nicht mehr gegen die politisch vereinnahmte religiöse Ideologie zu kämpfen.


Von Christian Baron|ND

Warum töten islamische Fundamentalisten? Wer Linke fragt, wird meist mit der einfachsten aller Antworten abgespeist: Mit dem Islam hat das alles überhaupt gar nichts zu tun! Der Westen ist an allem schuld! Den sich auf den Islam berufenden Fanatismus von Al- Qaida bis IS erklären sich viele deutsche Linke gerne als Folge des westlichen Imperialismus, der den Nahen Osten militärisch angreift, ökonomisch ausbeutet und moralisch demütigt. Wie es in die Moschee hineinbombt, so ruft der Imam zurück. So berechtigt imperialismuskritische Perspektiven auch sein mögen, in Bezug auf den Islamismus greifen sie zu kurz. Das sagt zumindest Slavoj Žižek. Menschen aus muslimisch geprägten Staaten, so der slowenische Philosoph, sind nicht die Einzigen, die durch den westlichen Kapitalismus systematisch benachteiligt werden: »Schwarze Amerikaner sind all das in viel stärkerem Maße und begehen trotzdem keine Attentate und Morde.«

Wer so etwas schreibt, muss sich hierzulande darauf gefasst machen, von radikal Linken aller Strömungen als »islamophob« abgestempelt zu werden – selbst wenn er so integer sein mag wie Žižek. Das dürfte dem 66-jährigen Stardenker selbst auch klar gewesen sein; betitelte er seinen jüngsten Essay über »Islam und Moderne« doch süffisant »Blasphemische Gedanken«. Vielen westlichen Linken attestiert er darin eine »pathologische Angst davor, sich der Islamphobie schuldig zu machen. Diese falschen Linken brandmarken jede Kritik am Islam als Ausdruck westlicher Islamophobie.« Werden Künstler wie Salman Rushdie oder zuletzt die französischen Satiriker von »Charlie Hebdo« durch islamische Fundamentalisten bedroht oder gar ermordet, dann werde den Opfern von links oft noch hinterhergerufen, selbst (mit-) verantwortlich zu sein, weil Religionskritik nun einmal bestimmte »Gefühle verletze«.

weiterlesen

Dodo Käßmann: Luther war ein Fan von Maria

Margot-KässmannDie evangelische Reformationsbotschafterin Margot Käßmann wird Schirmherrin der geplanten Ausstellung “Madonna. Frau – Mutter – Kultfigur” des Niedersächsischen Landesmuseums in Hannover. Maria sei von Luther noch verehrt, später aber als Heilige abgelehnt worden, schreibt sie in einem Grußwort.


evangelisch.de

Die Schau über Maria, die Mutter Jesu, zeichnet mit Leihgaben unter anderem aus London, Wien, Rom und Berlin den Weg von den antiken Muttergöttinnen über den Marienkult im Mittelalter bis zur Darstellung der Madonna in der zeitgenössischen Kunst nach, teilte das Museum am Freitag mit. Sie soll am 16. Oktober beginnen. Maria wird seit Jahrhunderten als “Madonna” verehrt.

“Für Protestanten war Maria lange Zeit eher ein Tabuthema, weil sie sich absetzen wollten von römisch-katholischer Marienverehrung”, schreibt Käßmann in einem Grußwort: “Dabei war der Reformator Martin Luther ein großer – heute würden wir sagen – ‘Fan’ Marias.” Käßmann ist Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

Kirchentags-Generalsekretärin rät Kirchen zu mehr Staatferne

Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Ellen Ueberschär, rät den Kirchen um deren Glaubwürdigkeit willen zu einer größeren Distanz zum Staat.


evangelisch.de

Heute sei zu fragen, “ob die Kirche sich als Gegenüber zum Staat oder als Teil einer lebendigen Zivilgesellschaft versteht”, schreibt Ueberschär in einem Beitrag für das evangelische Monatsmagazin “zeitzeichen”. Auf manchen Dörfern Brandenburgs sei der Einfluss der Christen größer, wenn sie sich als ein gesellschaftlicher Akteur unter mehreren verstünden. “Das mag sich in Hannover und Stuttgart anders anfühlen, aber das staatsförmige Kleid der Kirchen ist mancherorts längst zu weit geworden”, argumentiert die Theologin.

Die evangelische Kirche habe sich von der Staats- zur Volkskirche entwickelt, aber auch dieses Modell scheine gerade an sein Ende zu kommen. Auch in Deutschland würden die Kirchen auf einen Markt gedrängt, auf dem sie sich behaupten müssten. Dies stelle die Kirchen auch auf eine Glaubwürdigkeitsprobe. “Glaubwürdigkeit, das eigene Tun zum Maßstab des eigenen Redens zu machen – das ist im zivilgesellschaftlichen Umgang normal, für die Kirchen ist es relativ neu und vor allem existenziell.”

Römisches ‘Geheimtreffen’ – Alles wurde bezahlt

Headquarter des Konzerns.

Headquarter des Konzerns.

“Geheim”-Treffen einiger Bischöfe aus Deutschland, Schweiz und Frankreich in Rom. Statt “Theologie des Leibes” soll jetzt eine “Theologie der Liebe” propagiert werden. Ausgewählten Journalisten wurden alle Reisekosten erstattet.


kath.net

Das “Geheim”-Treffen einiger Bischöfe aus der Deutschland, Schweiz und Frankreich vom vergangenen Montag in Rom sorgt weiter für Diskussionen. Vergangene Woche hatte die französische Zeitung Le Figaro als erstes Medium vom Treffen berichtet. Erst deutlich danach wurden von den verschiedenen Pressestellen Informationen nachgereicht. Inzwischen liegen weitere Details zum Treffen vor. In der kath.net vorliegenden Einladung an die Teilnehmer heißt es, dass es sich um eine “geschlossene Veranstaltung” handle, die für Journalisten “den Charakter eines Hintergrundgespräches” habe. Besonders interessant ist, dass die Bischofskonferenzen die Kosten für die Reise und Übernachtung von allen Teilnehmern (auch der Journalisten) bezahlt haben. Die drei Themen, die behandelt wurden, waren “Jesu Wort zur Ehescheidung. Überlegungen zu einer katholischen Bibelhermeneutik”, “Sexualität als Ausdruck der Liebe. Überlegungen zu einer Theologie der Liebe” und “Geschenk des eigenen Lebens. Überlegungen zu einer Theologie der Biographie.” Bemerkenswerte im vorliegenden Vorbereitungstext ist, dass mit keinem einzigen Wort die kirchliche Theologie des Leibes, die von Johannes Paul II. jahrelang propagiert wurde und Bestandteil der kirchlichen Lehre ist, erwähnt wird. Stattdessen heißt es dann wörtlich: “Erforderlich ist eine neu entwickelte Theologie der Liebe, die an die Tradition der moraltheologischen Unterscheidungsfähigkeit anknüpft und neue Einsichten der Anthropologie wie der Soziologie integriert.

weiterlesen

Südafrika: Die Partei weiß, dass die Stimme des Königs zählt”

Bester Laune: Der Hofstaat um Zulu-König Goowill Zwelithini, der sich nur für besondere Anlässe traditionell kleidet Foto: Getty Images

In Südafrika haben die zehn Könige und die traditionellen Stammesführer noch immer viel Macht. Doch wenn sie gegen Ausländer hetzen, wird es gefährlich. Eine Audienz bei Queen Precious Thabisile Zulu.


Von Christian Putsch|DIE WELT

Heute ist Gerichtstag in Izigodi, die Stammesführerin trägt Lederjacke und thront hinter einem nagelneuen Laptop. Queen Precious Thabisile Zulu, 40, wird später über die Angeklagten zweier Viehdiebstähle und eines Handyraubs richten. Danach soll sie noch rasch über einen Bauantrag am Rande eines Dorfes entscheiden, 300 Kilometer nördlich von Südafrikas Küstenmetropole Durban entfernt.

Zunächst aber gewährt sie eine seltene Audienz. Queen Thabisiles kühler Blick weicht einem Lächeln, als sie die korrekte Begrüßung hört. “Ndabezitha, Queen Thabisile”, ihre königliche Hoheit registriert erfreut die Einhaltung des Protokolls. Dabei hatte man sich schon zuvor auf dem Parkplatz gesehen. Aber Blickkontakt war unerwünscht, als die Königin in ihrem Toyota-Kleinwagen vorfuhr und direkt neben dem Auto der Besucher parkte. Nachdem sie in das Gebäude gegangen war, mussten die Besucher noch 15 Minuten warten, bis sie aussteigen durften. Es gehe um Respekt, erklärte eine ihrer Mitarbeiterinnen.

weiterlesen

We Need More Liberals Willing to Critique Islam, Says Ex-Muslim Leader

Image: Friendly Atheist

The American Humanist Association just uploaded several videos from its recent conference in Denver. I’ll post a few of them over the next day or so, but the crown jewel so far has to be Sarah Haider‘s speech about the necessity of liberal critiques of Islam.

By Hemant Mehta|Fiendly Atheist

Haider, who works with Ex-Muslims of North America, wrote a guest post for this site last year rebutting arguments made by Reza Aslan that I thought was just fantastic.

read more

Untersuchungen gegen Kurienerzbischof Paglia

Bild: tilly

Bild: tilly

Gegen den Präsidenten des Päpstlichen Familienrates laufen Untersuchungen in einem möglichen Betrugsfall. In Auktion sei der Kaufpreis für eine Immobilie auf 1,7 Millionen Euro manipuliert worden, trotz ihres Schätzwertes von 5,6 Millionen Euro.


kath.net

Gegen den Präsidenten des Päpstlichen Familienrates, Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, laufen Untersuchungen in einem möglichen Betrugsfall. Laut italienischen Medienberichten (Donnerstag) geht es um den Kauf eines Renaissance-Kastells 2011 in der damals von Paglia geleiteten umbrischen Diözese Terni-Narni-Amelia. In einer manipulierten Auktion sollen Bistumsmitarbeiter mittels einer Gesellschaft und mit Bistumsgeld die Immobilie in der Stadt Narni erworben haben. Der Kaufpreis habe rund 1,7 Millionen Euro betragen, obwohl der Wert auf rund 5,6 Millionen Euro geschätzt werde.

weiterlesen

Mann stürmt Kirche wegen Glockenläuten

Symbolfoto: © Helga Gross / pixelio.de

Während der Messe die Kirchtüren zusperren? Das ist neuerdings Usus beim sonntäglichen Gottesdienst in der evangelischen Pfarrgemeinde in Reutte. Die Kirchgänger wollen sich vor ungebetenem Besuch schützen.


unserTirol.com

Grund dafür ist ein Mann aus der Nachbarschaft, der schon zweimal während der Messfeier in die Kirche eindrang und dort laut um sich schrie. Der Mann verlangte lautstark, dass das Läuten der Glocken aufzuhören habe.

Pfarrer Mathias Stieger erklärte gegenüber der Tiroler Tageszeitung: „Wir haben Kinder und ältere Personen im Gottesdienst. Und müssen uns irgendwie schützen.“ Beim letzten Mal wurde er erst durch vier junge Männer dazu bewogen, aus der Kirche zu verschwinden.

weiterleen