Archiv der Kategorie: Religion

Schlangenbändigung als Glaubensbeweis

Schlangenbeschwörung auf Amerikanisch: Religiöses Ritual in einer Pfingstgemeinde in Kentucky (1946). Foto: Wikipedia

Für radikale Christen ist die Bibel von Gott inspiriert und somit die unumstössliche und ewig gültige Wahrheit. Selbst extreme Geschichten aus dem Alten Testament verstehen sie nicht als Gleichnis oder Metapher, sondern als Glaubensrealität oder gar Handlungsanweisung von Gott.

Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger Blogs

Vor allem charismatische Freikirchen versuchen immer wieder, übernatürliche Heilungen und Wunder zu reproduzieren, wie sie in der Bibel beschrieben sind. Viele Pastoren und Gläubige üben sich in der Geistgabe oder in Prophezeiungen, vor allem in Bezug auf die Endzeit. Besonders beliebt sind Wunderheilungen, die in Heilungsgottesdiensten geprobt werden.

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Peitschenhiebe für Sudanesin wegen „anstößiger Kleidung“

Die Vereinten Nationen haben den Sudan wegen eines „abscheulichen Urteils“ gegen eine Studentin scharf kritisiert. Eine 19-Jährige sei zu 20 Peitschenhieben verurteilt worden, weil sie gegen die strengen Kleidervorschriften des Landes verstoßen habe, teilten UN-Menschenrechtsexperten am Freitag mit.

Radio Vatikan

Die Verurteilte sei gemeinsam mit anderen Studentinnen in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum festgenommen worden, weil die Frauen – so der Vorwurf – „anstößige Kleidung“ getragen hätten. Nach Darstellung der UN waren einige der Betroffenen mit Hosen, andere mit
Röcken unterwegs.

„Immer wieder kommt es im Sudan zur öffentlichen Auspeitschung von Frauen“, so die UN-Experten. Das jüngste Urteil müsse aufgehoben und die übrigen inhaftierten Studentinnen freigelassen werden, forderten sie. Die UN appellierten zudem an die sudanesische Regierung, die Strafgesetze des Landes zu ändern.

 

Afrikas Elite ignoriert Flüchtlingsproblem

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"
Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Experte aus Senegal: Eigeninteressen seien wichtiger als Interessen des Landes und dessen Entwicklung.

kath.net

In der Debatte über die Ursachen der Flüchtlingskrise nimmt der senegalesische Priester und Sozialexperte Ambroise Tine die afrikanischen Eliten in die Pflicht. «Den Regierenden kommt die Migration gelegen», sagte der Botschafter der Stiftung pro missio am Freitag bei einem Besuch des Internationalen Katholischen Missionswerks missio in Aachen.

«Die Beträge, die gut ausgebildete Senegalesen in ihre Heimat überweisen, übersteigen die Entwicklungshilfe um ein Vielfaches», so Tine weiter. «Wer qualifiziert ist, ist auch kritisch und gefährlich für die Mächtigen», sagte der 64-Jährige. «Diese Leute wollen sie nicht. Sie brauchen ein Volk, das applaudiert.» Den Politikern in seinem Land warf er vor, nicht den Menschen zu dienen, sondern kurzfristige Eigeninteressen zu verfolgen.

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Autopsie an Wesolowski: Herzstillstand als Todesursache

Józef Wesolowki+ – AP
Die Autopsie an den verstorbenen ehemaligen Nuntius Józef Wesolowski hat ergeben, dass er wegen einem Herzstillstand gestorben ist.

Radio Vatikan

Das teilte der Vatikan an diesem Samstag mit. Die vatikanische Justizbehörde hatte kurz nach dem Tod des wegen Kindesmissbrauch beschuldigten ehemaligen Vatikandiplomaten eine Untersuchung verordnet. Die Autopsie wurde von drei Experten durchgeführt unter der Leitung eines Experten der römischen Universität Tor Vergata. Die Untersuchung fand am Freitagnachmittag statt, so die Vatikannote. Wesolowski war am Donnerstagabend im Vatikan verstorben. Die Autopsie hat ergeben, dass es sich um „einen natürlichen Tod“ handelte. In den kommenden Tagen werde die vatikanische Justizbehörde weitere Resultate, die von einem Labor getätigt werden, in Betracht ziehen.

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Neue Belege für das NPD-Verbot

Screenshot von der Seite der NPD Aachen heise.de
Bundesländer haben weitere Belege für das NPD-Verbot eingereicht. Angesichts des Kampfes gegen die “Asylflut” zeigen sich Partei und Anhängerschaft wieder radikaler
 

Von Michael Klarmann|TELEPOLIS

Die NPD steckt in einer Zwickmühle: Angesichts der Lage in Deutschland und der “Asylflut” wittern die rechtsextreme Szene und die NPD als deren wichtigster parlamentarischer Arm Morgenluft, dank der Radikalisierung rückt zudem der heiß ersehnte Straßenkampf im Stile der SA gegen das “Scheißsystem” und dem “Multikultiwahn” der Demokraten näher; zugleich schwebt das Damoklesschwert des Verbotsverfahrens über der rechtsextremistischen Partei und die neuerlichen Entwicklungen liefern den Verbotsbefürwortern viele neue Belege. Solche wurden nun nachgereicht.

Der Bundesrat hat beim Bundesverfassungsgericht diese vor Monaten nachgeforderten, neuen Beweisunterlagen im NPD-Verbotsverfahren eingereicht. Mit dem 140 Seiten umfassenden Schriftsatz solle unter anderem belegt werden, dass die NPD seit der ersten Materialsammlung für das nunmehr zweite Verbotsverfahren sich weiter radikalisiert hat. Angesichts der aktuellen, sehr aggressiven Stimmung wird dargelegt, dass auch die NPD oder deren Anhänger hetzerisch, aggressiv und radikal gegen Asylbewerber vorgehen. So spreche die NPD Flüchtlingen die Menschenwürde ab, schüchtere sie ein und wende Gewalt an, heißt es.

Beispiele sind nach den neuen Unterlagen auch die Vorfälle in Dresden im Juli und im sächsischen Heidenau im August. Anschläge auf Asylbewerberheime seien eine konsequente Umsetzung der NPD-Ideologie, “eine ausschließlich rassisch definierte Volksgemeinschaft” zu verwirklichen. In bestimmten Gegenden im Osten Deutschlands beeinträchtige die NPD demokratische Prozesse. Die Partei schaffe eine Atmosphäre der Angst und halte politisch Andersdenkende durch Drohungen davon ab, sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren. Außerdem schüchtere sie ethnische und religiöse Minderheiten ein, heißt es in dem Schriftsatz.

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Im Osten rangiert der Glaube unter ‚ferner liefen‘

Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Soziologin: Die meisten Konfessionslosen sind „voll distanzierte Atheisten“.

kath.net

Das östliche Bundesgebiet gilt als eines der am stärksten verweltlichten Gebiete der Welt. Der Anteil der Konfessionslosen an den rund 14 Millionen Einwohnern nähert sich der 80-Prozent-Marke. Die meisten sind bereits in der zweiten Generation konfessionslos.

Etwa 58 Prozent von ihnen können als „voll distanzierte Atheisten“ gekennzeichnet werden; sie lehnen jegliche Religion als irrational ab. Etwa ein Viertel (23 Prozent) gelten als „normale Konfessionslose“. Ihnen ist jede Form von Religion fremd; sie halten die Beschäftigung mit Glaubensfragen für überflüssig. Das berichtet die Referentin für empirische Kirchen- und Religionssoziologie im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD, Oberkirchenrätin Petra-Angela Ahrens (Hannover).

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Weniger Schüler in Polens Religionsunterricht

kirche_polenSäkularisierung schreitet auch in Polen voran.

kath.net

In Polen nehmen weniger Schüler am katholischen Religionsunterricht teil als vor zehn Jahren. Wie die Bischofskonferenz am Freitag mitteilte, entschieden sich im vergangenen Schuljahr rund 90 Prozent für das Fach; 2005 waren es noch etwa 95 Prozent. In Polen können sich Schüler vom Religionsunterricht befreien lassen. An manchen Schulen wird alternativ Ethikunterricht angeboten.

Der Zuspruch zum katholischen Religionsunterricht hängt den neuesten Zahlen zufolge vom Alter der Schüler ab. Während in der Grundschule 92 Prozent das Fach belegen, sind es in der Oberstufe nur noch 85 Prozent. Der Warschauer Theologe Piotr Tomasik erklärte die Entwicklung mit einer zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft. Dieser Prozess schreite in Polen allerdings vergleichsweise langsam voran.

Iran soll Unterstützung für Hamas und Hisbollah einstellen

Bild: Flickr.com/Image Editor/CC-BY
Bild: Flickr.com/Image Editor/CC-BY
US-Außenminister Kerry: “Wir werden genau hinschauen.” Auch auf den IS im Gazastreifen?

Von Oliver Eberhardt|TELEPOLIS

Auf den Straßen Teherans ist die Stimmung in diesen Wochen gelöst: Mit Begeisterung, in freudiger Erwartung sprechen die Menschen vom Atomabkommen, und noch viel mehr als das, von dem, was man sich davon erwartet.

Denn in Teheran sprechen ausländische und einheimische Manager über gigantische Deals; dabei kann man dem anderen noch nicht einmal so ohne weiteres Geld überweisen. Geld, das außerdem nicht da ist: Die Infrastruktur ist marode, die Wirtschaft am Ende. Wie es in der Staatskasse aussieht, darüber schweigt die Regierung.

Viel lieber spricht man über den Erfolg: Die Mitglieder der Verhandlungsdelegation werden im Narrativ des offiziellen Iran zu Helden hochstilisiert, die es geschafft haben, das Atomprogramm, wenn auch in Grenzen, aufrecht erhalten zu können.

Zeitdruck auf dem Deal durch möglichen Führungswechsel in Iran

Die Atomverhandlungen seien zuletzt auch ein Rennen gegen die Zeit gewesen, so ein amerikanischer Diplomat aus dem Umfeld der Verhandlungen: Vieles deutet darauf hin, dass der 76jährige Khamenei schwer erkrankt ist; ein Führungswechsel steht bevor. Und im Ausland befürchtet man, dass dem ein langer Machtkampf voraus gehen könnte: Schon jetzt stehen die Hoffnungsvollen Schlange.

Hätte sich das Ganze hingezogen, wäre man mit großer Wahrscheinlichkeit in eine Situation geraten, in der sich durch den Führungswechsel im Iran alles geändert hätte; gleichzeitig hätten auch die Befürworter eines harten Kurses gegen den Westen zunehmend die Oberhand gewonnen.

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Scientology und Zeugen Jehovas missionieren bei Flüchtlingen

Die Zeugen Jehovas wollen auch in Flüchtlingsheimen missionieren Bild.dpa
In die Flüchtlingsunterkünfte kommen in jüngerer Zeit nicht nur Vertreter der großen Kirchen, sondern auch Scientologen und Zeugen Jehovas. Viele Asylsuchende fühlen sich von ihnen belästigt.

DIE WELT

Politiker, Kirchenvertreter und Menschenrechtler bezeichnen Missionierungsversuche von Scientologen und Zeugen Jehovas in Flüchtlingsunterkünften als bedenklich. “Es ist schon problematisch, wenn man hier ankommende Flüchtlinge gleich missionieren will”, sagt Angelika von Loeper, Vorsitzende des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg und Mitglied im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl.

Das baden-württembergische Integrationsministerium zieht einen Vergleich: Im Gegensatz zu Scientology und den Zeugen Jehovas leisteten die Wohlfahrtsverbände der beiden großen Kirchen, Caritas und Diakonie, praktische Hilfe und Unterstützung”, sagt Ministeriumssprecher Christoph Häring: “Die machen ihren Job genauso wie die Hilfskräfte, die ja auch nicht im Rettungswagen missionieren.”

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Debatte um Papyrus-Fragment: War Jesus verheiratet?

Das Papyrus-Dokument in koptischer Sprache: Dort soll auch zu lesen sein: „Jesus sagte zu ihnen, meine Frau“. Foto: picture-alliance/dpa
War Jesus verheiratet? Mit dieser Frage befasst sich das Nachrichtenmagazin Focus (München). Es berichtet über neue Erkenntnisse über ein mehr als 1.200 Jahre altes Schriftstück mit der Bezeichnung „Gospel of Jesus´s Wife“ (Deutsch: „Grundsatz von Jesus‘ Ehefrau“), das den Satz enthält: „Jesus sagte zu ihnen: ‚Meine Ehefrau‘.“
 

idea.de

Journalisten interpretierten dies als Hinweis darauf, dass Jesus eine sexuelle Beziehung, möglicherweise zu Maria Magdalena, gehabt haben könnte. Wie „Focus“ unter Berufung auf die britische Zeitschrift „The Independent“ schreibt, sind US-amerikanische Wissenschaftler von der Columbia Universität in New York überzeugt, dass das Papyrus-Fragment in der Größe einer Visitenkarte echt sei. James Yardley und einige Kollegen hätten die Tinte untersucht und herausgefunden, dass sie nicht mit der Tinte eines ähnlichen Schriftstücks identisch sei, das sich als Fälschung entpuppt habe. Details würden die Forscher allerdings erst vorlegen, wenn sie ihre Erkenntnisse veröffentlichten und Skeptiker Gelegenheit bekämen, ihre Ansicht kundzutun. Zu ihnen gehört Prof. Christian Askeland vom Wuppertaler Institut für Septuaginta und biblische Forschung. Er hatte sich mit dem als „Evangelium von Johannes“ bezeichneten anderen Papyrus befasst. Dabei habe sich herausgestellt, dass es vor 1200 Jahren in einer Sprache verfasst wurde, die bereits 300 Jahre vorher ausgestorben war. Askeland schloss daraus, dass auch der Papyrus über Jesu angebliche Ehefrau eine Fälschung sei.

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Homophober Bischof will keine neue Debatte über Homosexualität

Carsten Rentzing, neuer Landesbischof von Sachsen, eckt mit seiner Haltung beim Thema Homo-Ehe auch im eigenen Verband an Foto: Nora Klein/DIE WELT
Der neue sächsische evangelische Landesbischof Carsten Rentzing will seine umstrittenen Äußerungen über Homosexuelle nicht weiter kommentieren.

evangelisch.de

Rentzing sagte am Samstag im Hörfunksender MDR-Info, er habe damit kein Signal setzen wollen. “Es ist eine alte Debatte, die wir führen. Dazu bin ich befragt worden und habe ich mich so geäußert, wie schon viele Jahre zuvor auch.” Rentzing hatte homosexuelle Partnerschaften als nicht gottgewollt bezeichnet. Homosexuelle Paare in Pfarrhäusern lehnt der Theologe ab.

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Indien: Bruder lief mit verheirateter Frau davon: Schwestern sollen zur Strafe vergewaltigt werden

Rupa wurde als 15-Jährige Opfer eines Säureanschlags: Heute entwirft sie Mode. Bild: Rahul Saharan Rupa wurde als 15-Jährige Opfer eines Säureanschlags: Heute entwirft sie Mode bearb.:bb
Rupa wurde als 15-Jährige Opfer eines Säureanschlags: Heute entwirft sie Mode. Bild: Rahul Saharan
bearb.:bb

Weil ihr Bruder mit einer verheirateten Frau aus einer anderen Kaste weglief, müssen seine Schwestern für ihn büßen. Nach einem indischen Urteil sollen sie vergewaltigt und öffentlich gedemütigt werden. Sie sind geflüchtet und haben eine Petition gestartet. Die ganze Welt ist über das Urteil schockiert.

FOCUS ONLINE

Zwei indische Schwestern sollten vergewaltigt werden und dann mit geschwärzten Gesichtern durch die Straßen geführt und öffentlich zur Schau gestellt werden, wie der “Telegraph” berichtet. Warum? Weil ihr älterer Bruder mit einer verheirateten Frau aus einer höheren Kaste geflüchtet war. Für das Paar hatte es keine andere Möglichkeit gegeben, ihre Liebe auszuleben.

Reformationsfeiern fehlt weltweiter Blick

LutherLogo_50Bei den Vorbereitungen zum 500. Jubiläum der Reformation im Jahr 2017 vermisst der tansanische Theologe Fidon Mwombeki eine ausreichende internationale Perspektive.

evangelisch.de

“Die Welt ist nicht so sehr im Blickfeld,” sagte der Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) mit Sitz in Wuppertal dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Diskussion sei stark auf deutsche Ereignisse und den Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken konzentriert. Mwombeki gehört auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Er wechselt im Januar zum Lutherischen Weltbund nach Genf, wo er Direktor der Abteilung Mission und Entwicklung wird.

Die Kirchen in Nord und Süd können nach Ansicht des 1960 geborenen Theologen und Wirtschaftswissenschaftlers viel voneinander lernen. So frage er sich als Afrikaner in Deutschland: “Warum redet man hier mehr über Kirche als über Gott und Jesus Christus?” Er wünsche sich, dass wieder mehr über Glauben gesprochen werde. Dabei dürfe es nicht nur um die gesellschaftliche Rolle der Religion gehen. Auch das Evangelium von Jesus Christus müsse zur Sprache kommen: “Wir dürfen nicht im Namen der Freundlichkeit unsere Botschaft verstecken.”

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Psychiater Dodo Bonelli: Glaube hat positive Wirkung bei psychischen Störungen

Raphael_M_BonelliReligiosität kann bei einer Reihe von psychischen Erkrankungen einen positiven Effekt auf die Patienten haben. Zu diesem Schluss kam der Wiener Psychiater undpsychischen Erkrankungen in seinem Vortrag zum Thema “Psychische Störungen, Religion und Spiritualität” am Samstagmorgen in der Sigmund Freud Universität in Wien.

kathweb

Der Vortrag fand im Rahmen eines internationalen Kongresses statt, der das Verhältnis von moderner Wissenschaft und Religion und deren Einfluss auf die Entwicklung von Gesellschaft und Individuum zum Thema hatte.

Bonelli stützte seine These auf die Untersuchung von über 100 wissenschaftlichen Artikeln, die sich mit dem Verhältnis zwischen Religiosität und psychischen Krankheiten beschäftigen. Demnach unterstrichen über 70 Prozent der analysierten Artikel die positive Wirkung von Religiosität bei verschiedenen psychischen Störungen. So sei insbesondere bei Demenz, Depressionen oder Schizophrenie, aber auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen oder Drogen- und Alkoholabhängigkeiten ein größtenteils positiver Zusammenhang in den Artikeln zu erkennen, so Bonelli. Dadurch ließe sich Sigmund Freuds These, dass Religiosität an sich schon eine psychische Störung darstelle, klar widerlegen. Lediglich fünf Prozent der untersuchten Artikel stellten einen negativen Bezug zwischen Religiosität und psychischen Krankheiten dar.

Grundsätzlich sei zu beobachten, dass das Interesse der Neurowissenschaft an der Komponente Religion in den letzten Jahren deutlich zugenommen habe. Wurde Religiosität lange Zeit als “vergessener Faktor” bezeichnet, sei die Anzahl der Artikel, die sich mit Religion und Neurowissenschaft befassen, in der jüngeren Vergangenheit um über 50 Prozent gestiegen. Grundsätzlich könne man heute sagen, dass Lebensqualität und Religiosität eine grundlegend positive Korrelation aufweisen. Dies gelte besonders für ältere Menschen, so der Psychiater.

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Wife of Raif Badawi: ‘All of this has taught me to be stronger’

Ensaf Haidar at her temporary home in Quebec Photo: Alexi Hobbs
In 2013, the Saudi blogger Raif Badawi was sentenced to 1,000 lashes and 10 years in jail. His wife Ensaf talks about the effect it has had on their family

By Jane Mulkerrins|The Telegraph

On an unremarkable residential street in the suburbs of Sherbrooke, southern Quebec, Ensaf Haidar has made a home for herself and her three children in a small third-floor apartment. It is comfortable and functional, with a tiny outdoor terrace, just large enough for a table and chairs, and is furnished simply with an Ikea sofa, sideboard and tables. It is a little soulless, perhaps, but it is a sanctuary, in every sense of the word, for the family.

To the right of the television, on which an Arabic station is showing a cooking programme, a shelving unit holds the family’s goldfish, Lelu, in its bowl, above two shelves of rather less usual ornaments, including two silver medals in cases, a blue glass courage award from the Geneva Summit of Human Rights, and a badge bearing the logo, i am raif.

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Stoßkraft der Reformation

Heinrich Heine: Die Reformation war nicht nur ein Bruch mit der katholischen Kirche, sie ermöglichte selbständiges Denken und wissenschaftliche Forschung. Ölgemälde von Émile Delpérée (1850–1896): »Luther 1521 in Worms« aus dem Jahr 1878 Foto: Archiv/public domain
»Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner.« Diesen Kernsatz plazierte Heinrich Heine wirkungsbewusst an den Schluss seines vor nunmehr 180 Jahren geschriebenen Pamphlets »Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland«.

Von Martin Hundt|jW

Dabei steht die in Hegel gipfelnde klassische deutsche Philosophie für den Gedanken, eine künftige gründliche gesellschaftliche Revolution für die Tat: »Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig, und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wisst: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. (…) Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte. Jetzt ist es freilich ziemlich still (…)«. Dennoch meinte Heine: Kant sei ein weit größerer Revolutionär als Robespierre gewesen.

Seinen ob solcher revolutionären Prophezeiungen gewiss schockierten Zeitgenossen – und ganz sicher nicht nur ihnen – leitete Heine auf rund 100 Seiten aus der Geschichte der deutschen Literatur (in der er Lessing besonders hervorhob) und vor allem aus der Geschichte der europäischen Philosophie (Spinoza!) mit tiefer Sachkenntnis ab: Es sei gerade die Reformation gewesen, die eine geistige Entwicklung in Bewegung setzte, gipfelnd in der klassischen deutschen Philosophie Kants, Fichtes und Hegels, die unerhörte Potentiale in sich berge.

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Kroatischer Erzbischof fordert Referendum über Faschisten-Gruß

Der Erzbischof von Zadar, Zelimir Puljic, auf dem Weg zu einer Messe | © Pixsell/Matija Topolovec/dpa
Kroatiens Präsidentin hatte klar Nein zu einem Referendum gesagt. Ginge es nach Erzbischof Puljic, könnte eine dem Hitlergruß ähnliche Geste bald wieder erlaubt sein.

ZEIT ONLINE

Der Vorsitzende der kroatischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Zadar, Želimir Puljić, hat ein Referendum über den Gruß der Faschisten im Zweiten Weltkrieg vorgeschlagen. Über die Wiedereinführung des Grußes innerhalb der Armee des Landes solle in einer Volksabstimmung entschieden werden, schlug das geistliche Oberhaupt vor. Der Gruß war von den mit Hitler-Deutschland verbündeten kroatischen Ustascha-Faschisten genutzt worden und ist seitdem verboten. Er lautet “Za Dom – Spremni!”, was so viel bedeutet wie “Für die Heimat – Bereit!”, und wurde spätestens ab der Annäherung an das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland mit erhobenem rechten Arm ausgesprochen. Einige Würdenträger der katholischen Kirche sympathisierten offen mit der Ustascha.

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Wem hat GOTT das Land Kanaan versprochen?

Bild. wikimedia.org/PD
An der Spitze der zionistisch-jüdischen Argumente für die Berechtigung des jüdischen Volkes auf Palästina/Israel steht das Argument, dass „Gott“ dieses Land dem jüdischen Volk versprochen habe.

Von Abraham Melzer|DER SEMIT

Man muss demnach an „Gott“ glauben, um das zu akzeptieren, und es spielt für die fanatischen Zionisten keine Rolle, dass der Zionismus eigentlich eine säkulare Bewegung war, dass Theodor Herzl, der Begründer der zionistischen Bewegung, von „Gott“ keine Ahnung hatte und von der Bibel und den jüdischen Gesetzen noch weniger. Es spielt auch keine Rolle, dass die meisten Israelis gar nicht religiös und erst Recht nicht orthodox sind, obwohl das Land von einer orthodox-religiösen Mafia regiert wird, die sich bei vielen Angelegenheiten des Alltags und ganz besonders beim Anspruch auf das Land, auf die Bibel und die Halacha beruft, und auf einen Gott, den bis heute noch kein Mensch gesehen hat. 

Aber selbst wenn wir dieser Argumentation folgen und bereit wären, einen Gott zu akzeptieren, den wir nicht anerkennen und an dessen Lehre wir nicht glauben, sollten wir einmal die Geschichte des „Versprechens“, wie sie in der Bibel geschildert wird – und auf die sich der orthodoxe Zionismus beruft und damit dem jüdischen Volk, und gleichzeitig der gesamten Menschheit, eine nachhaltige Gehirnwäsche verpasst hat – überprüfen.

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Antisemitismus: “Bekenntnisse der Kirchen reichen nicht aus”

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Israels Botschafter verlangt mehr Engagement gegen Antisemitismus

Domradio

Luther und die Juden – mit der antisemitischen Seite des Reformators befasst sich am Wochenende eine Tagung in Wittenberg. Der Schirmherr, Israels Botschafter in Deutschland, Hadas-Handelsman, spricht im KNA-Interview über das Verhältnis von Christen und Juden.

Katholische Nachrichten-Agentur: Herr Botschafter, am Wochenende findet in Wittenberg die Tagung “Reformation und Israel” statt. Sie sind Schirmherr. Wie kam das?

Yakov Hadas-Handelsman: Zwei Dinge kommen hier zusammen: Das Jubiläum der Reformation im Jahr 2017 und die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland vor 50 Jahren. Wir wollten beides verbinden. Papst Franziskus hat bereits vor zwei Jahren die Juden als “ältere Brüder” der Christen begrüßt. Ich denke, es war an der Zeit, eine Veranstaltung mit den Kirchen zusammen zu machen.

KNA: Wie beurteilen Sie grundsätzlich die Beziehung zwischen Israel und den deutschen Kirchen?

Hadas-Handelsman: Die Beziehungen zwischen Judentum und Christentum waren aufgrund der Vergangenheit immer sensibel. Aber es gibt vieles, was in den vergangenen 50 Jahren zwischen Vertretern des Judentums und den Kirchen und auch zwischen Israel und dem Vatikan verwirklicht worden ist. Besonders Papst Franziskus setzt sich gegen Antisemitismus ein, wie aber auch schon einige Päpste vor ihm. Wenn es um Deutschland geht, gibt es aber immer diesen zusätzlichen Aspekt – den Holocaust, die Nazizeit. Das macht die Beziehung einzigartig. Und zur Vergangenheit gehören auch die deutschen Kirchen.

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Christian Morgenstern: „Windgespräch“

© F.A.Z., akg-images
Seine „Galgenlieder“ gehören zum Witzigsten, was die deutsche Sprache hervorgebracht hat. Dieses Gedicht aus Christian Morgensterns Nachlass zielt auf die Absurdität des Reisens.
 

Von Jochen Jung|Frankfurter Allgemeine

Christian Morgenstern war ein inniger Follower von Rudolf Steiner und hat viel Lyrisches und Aphoristisches geschrieben, worin dies zum Ausdruck kommt. Berühmt wurde er freilich durch seine „Galgenlieder“, die neben dem Werk Wilhelm Buschs sicher das Umwerfendste sind, was die deutsche Literatur an Humoristischem hervorgebracht hat.

Eines der vielen Gedichte, die Morgensterns Frau Margareta aus dem Nachlass herausgegeben hat (in diesem Fall in der kleinen Sammlung „Die Schallmühle“) ist dieses Gespräch zweier Reisender. Morgenstern selber war viel unterwegs: zum einen Teil wegen Rudolf Steiner, dem er zu seinen zahlreichen Vorträgen folgte, mehr aber noch wegen der Tuberkulose, die ihn seit seiner Jugend quälte, und die er an zahllosen Kurorten loszuwerden hoffte – vergebens, er starb daran.

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