Hitlers eifrige Helfer

Der Festzug zum Tag der Deutschen Kunst auf der Ludwigstraße in München am 10. Juli 1938. (Foto: Scherl/SZ-Photo)

 

  • Was die Politik der Nazis in München konkret bedeutete, entschied sich vielfach ganz lokal in den Referaten der Stadt. Die einen wurden drangsaliert, die anderen gefördert, das Regime vernetzte sich.
  • Nun ist ein Forschungsprojekts der Rolle Münchens während der NS-Zeit auf den Grund gegangen. Im Rahmen des Projekts sind drei umfangreiche Arbeiten entstanden.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche Zeitung

Für Historiker schien die Sache lange klar zu sein: Der Staat der Nazis war straff geführt, zentral gelenkt und im Einzelnen von der Partei beherrscht – wen interessierte da schon, was eine kleine Kommunalverwaltung tat? Man habe sich lieber auf die Regierung in Berlin, auf einzelne Personen und auch auf Herrschaftsstrukturen konzentriert, sagt der Münchner Geschichtswissenschaftler Hans Günter Hockerts. Die Analyse von Strukturen sei ja auch bequem gewesen: Man musste keine Namen nennen und trat niemandem zu nahe. Doch diese Zeit ist vorbei.

Die Stadt soll lediglich Befehlsempfängerin gewesen sein? In München zeigen angehende Historiker derzeit, wie falsch diese Vorstellung war. Denn was die Politik der Nazis konkret bedeutete, wie die einen drangsaliert, die anderen gefördert wurden, wie das Regime sich am Ort präsentierte oder vernetzte, entschied sich vielfach erst in den Referaten der Stadt.

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Eine Kampagne für den Papst zieht Kreise

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Früher forderten katholische Traditionalisten stets die Treue zum Papst ein. Nicht so beim jetzigen Amtsinhaber. Dagegen regt sich nun Widerstand.

Frankfurter Allgemeine

Unterschriften sammeln für den Papst? Das ist eine recht ungewöhnliche Aktion, die seit einigen Wochen für Aufsehen sorgt. Rund 63.000 Gläubige, darunter viele prominente Namen, haben sich der Online-Petition „Pro Pope Francis“ bisher angeschlossen.

In einem offenen Brief bitten sie den Papst darum, von seinem Reformkurs nicht abzuweichen. Und sie loben seine „theologisch wohlbegründete Amtsführung“.

Genau daran gibt es Zweifel. Konservative Bischöfe und Kardinäle warfen dem Papst vor, mit seinem Familienschreiben „Amoris Laetitia“ (2016) die traditionelle Lehre der katholischen Kirche zu verwischen. Franziskus machte darin den Weg frei für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion.

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Nürnberger Blutgesetze: Wie die jüdischen Deutschen vogelfrei wurden

„Weltanschauliche Schulung“ im Hitlerjugendlager: Lehrer mit den Nürnberger Rassegesetzen. (Foto: Scherl/SZ Photo)
Die „Nürnberger Gesetze“ der Nazis öffneten den Weg bis zum millionenfachen Mord. Ein Band dokumentiert, wie es zum furchtbaren Bruch mit der Rechtstradition kam.

Rezension von Ludger Heid | Süddeutsche Zeitung

Die sogenannte Erbgesundheitspolitik in Deutschland war lange vor dem Beginn der NS-Diktatur im Schwange. „Erbgesund“ und „rasserein“ war das Credo der Völkischen, das Eingang ins Zentrum der NS-Ideologie fand. Ein Sammelband wirft nun einige Schlaglichter auf die Entstehung und die Wirkung der Nürnberger Gesetze.

Bereits vor 1914 wurde in Deutschland über Eheverbote mit „Eingeborenen“ in den Kolonien unter dem Aspekt der „Rassenmischung“ (Cornelia Esser), oder, wie es auch hieß, „Bastardisierung“ räsoniert. Das gehört ebenso zur Vorgeschichte der „Blutschutz“-Gesetze vom Herbst 1935 wie die weit verbreiteten antisemitischen Diskriminierungen, die dafür sorgten, dass sich manche deutsche Kurorte und Seebäder zu „No-go-Areas“ für Juden entwickelten (Frank Bajohr).

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50 deutsche Islamistinnen kehren zurück

Diese junge Britin ist nach Syrien gekommen, um sich am Dschihad zu beteiligen Screenshot Channel 4. Themenbild.
Rund 50 Islamistinnen sind aus den umkämpften Gebieten in Syrien und dem Irak nach Deutschland zurückgekehrt.

Frankfurter Rundschau

Rund 50 deutsche Islamistinnen sind aus den umkämpften Regionen in Syrien und Irak nach Deutschland zurückgekehrt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Funke-Mediengruppe vorliegt. Insgesamt sind demnach in den vergangenen Jahren 960 Menschen in Richtung Kriegsgebiet ausgereist, um sich Extremistenmilizen anzuschließen. „Etwa ein Drittel der ausgereisten Personen befindet sich derzeit wieder in Deutschland. Davon sind mehr als 15 Prozent weiblich“, schreibt das Auswärtige Amt laut Funke.

Doch nur selten führt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bisher Terrorverfahren gegen deutsche Islamistinnen, die wieder zurück sind.

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Splatter-Kult: Neue Regeln für die sterblichen Überreste Heiliger

Frei nach Da Vinci, Quelle: BadA$$Mood
Der Vatikan hat neue Regeln für den Umgang mit Reliquien veröffentlicht.

Dlf24

Die zuständige Vatikanbehörde, die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, legt darin fest, wie die Kirche an sterbliche Überreste von Heiligen oder Seliggesprochenen gelangt, deren Echtheit feststellen kann und wie sie verehrt werden sollen. Zuletzt waren die Regeln 2007 geändert worden. In der zehnseitigen Instruktion der Bischöfe heißt es nun, es sei eine vatikanische Genehmigung erforderlich, um dem Leichnam eines Verstorbenen, der selig- oder heiliggesprochen werden soll, Gliedmaßen zu entnehmen. Die Anweisung schließt ausdrücklich den Verkauf von Händen, Köpfen, Zähnen und anderen Körperteilen von Heiligen aus. Zudem sollten auch kleinere Körperteile in würdiger Weise und mit religiöser Ehrfurcht aufbewahrt und behandelt werden, um jeden Anschein von Aberglauben oder Schacherei zu vermeiden.

Die Aktualisierung ist nach Angaben des Vatikans nötig geworden, weil Hinterbliebene von heilig gesprochenen Personen den Umgang mit deren sterblichen Überresten beanstandet hatten.

Christentum und Menschenrechte

Foto: pixabay.com
Seltsam, dass man „das Christentum“ als Unterbau der Menschenrechte ansieht.

Von Volker Dittmar | Richard-Dawkins-Foundation

Denn gerade die katholische Kirche – mit der größten Gruppe an Christen – war eine entschiedene Gegnerin der Menschenrechte. Vor allem gegen das Recht auf Religionsfreiheit wurde gewettert.

Seltsam, dass man trotz der angeblich christlichen Grundlage die ganze Zeit Sklaverei betrieb. Dabei war die Idee der Abschaffung der Sklaverei schon sehr alt: Explizit stammt sie von Solon, der auch gleichzeitig der Begründer der ersten Demokratie war. Solon konnte sich politisch nicht durchsetzen, weil er zur Einführung der Demokratie auf die Stimmen der Großgrundbesitzer angewiesen war. So konnte er drei Pläne nicht durchsetzen: Abschaffung der Sklaverei, gleiche Rechte (auch Wahlrecht) für Frauen und Umverteilung des Landes an alle. Solon hoffte, dass durch die Demokratie sich diese Ideen mit der Zeit durchsetzen würden, so dass die Einführung der Demokratie die oberste Priorität hatte. Ich denke, wenn die Athener Demokratie länger gehalten hätte, dass Solon Recht behalten hätte.

Seltsam, dass man allgemein die Menschenrechte auf den vorchristlichen Heiden Cicero zurückführt. Seltsam auch, dass die Idee im Christentum erst dann wieder auf die Tagesordnung kam, nachdem sich in der Renaissance eine neue Bewegung etablierte: Die Bildungsbewegung des Humanismus. Im Christentum hatte Bildung nie einen hohen Stellenwert, außer für Kleriker. Der Humanismus begann als eine Wiederaneignung des griechisch-römischen Erbes. Dazu musste man sich zunächst die Sprachen Altgriechisch und Latein aneignen – deswegen heißen Gymnasien, die diese beiden Sprachen anbieten, bis heute „Humanistische Gymnasien“.

Aus dem Humanismus wurde eine philosophische Gegenbewegung zum Christentum. Deswegen kann man heute nicht Christ und Humanist gleichzeitig sein, obwohl ein paar Christen das glauben. Man kann Deist und Humanist gleichzeitig sein, aber mehr geht nicht. Mit dem Humanismus – der von den Kirchen solange bekämpft wurde, bis man sich seine Niederlage eingestehen musste – kam nämlich die Religionsfreiheit und der Atheismus, beides die größten Feinde der Kirche.

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„Transgender“ und „Diversität“ sind für die Gesundheitsbehörde jetzt verboten

Image: NBCNews/YouTube
Trumps Regierung verbietet der Gesundheitsbehörde unliebsame Begriffe, wenn es um Budgetfragen geht. „Auf wissenschaftlicher Grundlage“ gehört auch dazu.

DER TAGESSPIEGEL

Die US-Regierung hat nach einem Bericht der „Washington Post“ der Gesundheitsbehörde CDC eine Liste von sieben Wörtern gegeben, die sie nicht in bestimmten Dokumenten verwenden darf. Verboten sind demnach „Transgender“, „verwundbar“, „Fötus“, „Diversität“ (Vielfalt), „Anspruchsberechtigung“, „auf wissenschaftlicher Grundlage“ und „auf der Grundlage von Beweisen“ in allen offiziellen Papieren, die von der CDC im Zusammenhang mit ihrem Budgetvorschlag für das nächste Haushaltsjahr erstellt werden.

Das hätten hochrangige CDC-Beamte Mitarbeitern am vergangenen Donnerstag mitgeteilt, schilderte die Zeitung am Samstag unter Berufung auf einen Politikanalysten, der an dem Treffen teilgenommen hatte. Demnach reagierten die Menschen im Raum mit „Ungläubigkeit“. Er selber habe einen derartigen Schritt aus ideologischen Gründen bisher noch nie erlebt, wurde der Analyst zitiert.

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Ganz großes Kino

Kino Babylon. Foto: Jörg Zägel / CC BY-SA 3.0
Das Rahmenprogramm zur Verleihung des Karls-Preises an Ken Jebsen im „Babylon“-Kino war das bizarrste linke Event seit langem.

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Was für eine Inszenierung! Wochenlang hielt die Veranstaltung vom vergangenen Donnerstag (nicht nur) die Partei Die Linke im Atem. Dort sollte dem Journalisten Ken Jebsen, Betreiber des Info-Kanals Ken FM, der „Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ verliehen werden. Berlins Kultur-Senator Klaus Lederer (Die Linke) hatte durch die Blume zu verstehen gegeben, dass die öffentliche Förderung des „Babylons“ überdacht werden müsse, wenn Betreiber Timothy Grossman diese Veranstaltung in seinem Hause zulasse.

Grossman trat daraufhin von dem Nutzungsvertrag mit der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ), die den Preis vergibt, zurück. Die NRhZ erstritt die Durchführung vor Gericht, nach den Linken griffen auch die bürgerlichen Medien das Thema auf, zwei Gegen-Demonstrationen wurden angekündigt, derweil tauchten auf der Liste der Beteiligten immer mehr Namen obskurer Personen auf.

Die Linke diskutierte die Veranstaltung im Bundesvorstand und sprach sich mehrheitlich gegen eine Teilnahme aus. Davon wollten sich einige dennoch nicht abhalten lassen.

Derweil hatte der Jubilar keine Lust mehr auf den Event – und organisierte seinerseits eine Demo zum Thema „Pressefreiheit“, direkt „vor der Location“. Der er dann aber auch fernblieb. Dafür kamen die Veranstalterinnen und u.a. Linken-Politiker Wolfgang Gehrcke, der mit den Medien hart ins Gericht ging, weil diese sich kritisch zu der Veranstaltung im „Babylon“ geäußert hatten. So viel zum Thema „Pressefreiheit“.

Die geplante Preisverleihung fand dann ohne den Preisträger statt, dafür nutzte der – ungeladene – Kino-Betreiber die Bühne, um diesen und einen weiteren Teilnehmer, den Künstler Gilad Atzmon, als „Rassisten“ zu bezeichnen. Gilad Atzmon ist ist bekannt für seine krude Thesen in Bezug auf das Judentum, dem er in Bezug auf den Holocaust vorwirft, Geschichtsfälschung zu betreiben. Grossman hatte ihm Hausverbot erteilt, Atzmon konnte dennoch unbehelligt konzertieren.

Der Preisträger erklärte sich bei RT deutsch. Auf demselben Kanal sprach Fikentscher von Drohungen gegen Jebsen. Es hieß, vor dem Kino seien Flyer mit dessen Wohnort, Telefonnummer, etc. verteilt worden. Das wäre – wenn es denn stimmt – eine neue Qualität in dieser Auseinandersetzung.

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Wir sind verwundbarer, als wir glauben

Was sollen Helden in einer Welt, die den Versprechungen falschen Heldentums misstraut? Zerstörtes Haus in Donezk, Ukraine. (Bild: epa /Sergei Ilnitzky)
Millionen von Menschen sind in Kriegen gestorben, heroische Phantasien sind am Ende, und wir meinen, keine Helden mehr zu brauchen. Das ist ein Irrtum.

Von Herfried Münkler | Neue Zürcher Zeitung

Es sei nicht gut bestellt um ein Land, das Helden nötig habe – als Bertolt Brecht diesen später viel zitierten Satz schrieb, tat er das nicht zuletzt im Rückblick auf den Ersten Weltkrieg. In ihm hatten die Gesellschaften Europas ihre jungen Männer mit heroischen Erwartungen überzogen und millionenfach dahingeopfert. Danach war es mit dem Heldentum als Massenideal junger Männer erst einmal vorbei. Der Pazifismus der Zwischenkriegszeit war eine Reaktion auf die Erfahrung des Ersten Weltkriegs und das zumeist wenig heroische Sterben an den Fronten. Neu an diesem Krieg war nämlich, dass die meisten Gefallenen und Schwerverwundeten Artilleriefeuer zum Opfer fielen, dem sie hilf- und wehrlos ausgeliefert waren. In den Materialschlachten war Tod oder Leben zu einer Frage des reinen Zufalls geworden. Dagegen kam man nicht an mit heroischen Phantasien.

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So hilft Trump den Evangelikalen, die Endzeit vorzubereiten

Johne Hagee, evangelikaler Pastor u. Christians-United -for-Israel(CUFI)-Gründer;

Mit dem Entscheid, die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen, löst Donald Trump ein Versprechen aus dem Wahlkampf ein. Es profitieren radikale evangelikale Kreise.

Von Hugo Stamm | Watson.ch

Die Welt wartet sehnlichst darauf, dass Donald Trump die Rolle des geschäftstüchtigen Dealmakers ablegt und den Politiker in sich entdeckt. Oder anders ausgedrückt: dass er das Gemeinwohl über seine persönlichen Bedürfnisse stellt.

Dass er seine Rolle als Staatsmann noch nicht gefunden hat, bewies er mit seiner Ankündigung, die Botschaft der USA in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Was in aller Welt hat ihn dazu bewogen, ins Pulverfass des Nahen Ostens grobfahrlässig eine weitere amerikanische Stange Dynamit zu werfen?

Verantwortlich sind primär christliche Fundis aus den Tausenden von Freikirchen. Denn diese setzen ihre Endzeithoffnungen ausgerechnet auf den Egozentriker im Weissen Haus, der auf die christliche Ethik pfeift und für sich das Recht in Anspruch nimmt, den Frauen in den Schritt zu greifen.

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Zentralrat der Juden nimmt Islamverbände in die Pflicht

Josef Schuster fordert von den Islamverbänden mehr Engagement gegen Antisemitismus. Foto: Imago
Zentralratspräsident Josef Schuster kritisiert antisemitische Tendenzen in Moscheegemeinden.

Frankfurter Rundschau

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Muslimverbände hierzulande aufgerufen, verstärkt gegen antisemitische Tendenzen in Moscheegemeinden vorzugehen. Repräsentanten der Muslime hätten sich durchaus gegen Antisemitismus positioniert, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstagsausgabe). Das Problem sei aber, dass die muslimischen Verbände meist nur einen kleinen Teil der Moscheegemeinden erreichten.

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Dodo Marx: Kirchenasyl bleibt unverändert – gegen Ehe für alle

Quelle: http://www.bgland24.de

Die katholische Kirche hält trotz der Kritik von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) an der Praxis des Kirchenasyls fest. An der Ausgestaltung der Kirchenasyle werde sich absehbar nichts ändern, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, am Freitag im Münchner Presseclub.

evangelisch.de

Allerdings müssten sich auch die Gemeinden, die geflüchteten Menschen in ihren Räumen Asyl bieten, „konsequent“ an die Absprachen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge halten. De Maizière hatte Anfang der Woche beklagt, die Zahl der Flüchtlinge im Kirchenasyl sei „höher als erwartet“. Darüber wollten Bund und Länder mit den Kirchen sprechen. Die Vereinbarung, dass die Kirchen die staatlichen Stellen über jeden Fall informieren, klappe leider nicht immer.

Erzbischof Marx betonte, kein Mensch werde in einem Kirchenasyl versteckt, jeder Fall sei den Behörden bekannt. Die Gruppe der Flüchtlinge im Kirchenasyl sei verschwindend gering im Vergleich zu der Gesamtzahl der Asylbewerber, sagte der Kardinal.

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Aiman Mazyek warnt vor Vorrang einer Religion gegenüber anderen

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, hat davor gewarnt, einer einzelnen Religion Vorrang gegenüber den anderen zu geben. Bei einem Vortrag in Münster räumte er ein, es gebe zwar Muslime, die den Islam über alle anderen Religionen stellten. Diese befänden sich jedoch »auf dem Holzweg« und würden eine große Sünde begehen, da so eine Sicht nicht auf den Islam zurückzuführen sei.

Von Melanie Ploch | Kirche+Leben

Mazyek erklärte, für ihn als Muslim stelle der Islam zwar die Wahrheit dar. Allerdings wende er sich nicht von anderen Meinungen, Religionen oder dem Atheismus ab, sondern respektiere diese Anschauungen. Der Zentralratsvorsitzende äußerte sich auf einer Veranstaltung in der Villa ten Hompel, einer Gedenkstätte für Verbrechen während des Nationalsozialismus.

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Kirchenprotest gegen Arbeitsplatzabbau von Siemens und Bombardier

Die Kirchen haben erneut gegen den Verlust von mehr als 2.000 Arbeitsplätzen in Görlitz durch die geplante Schließung des Siemenswerks und Kürzungspläne bei Bombardier protestiert.

evangelisch.de

Wenn es die beiden Konzerne mit ihren schlechten Nachrichten für die Belegschaften schon zur Zeit von Jesu Geburt gegeben hätte, wären die Hirten der Weihnachtsgeschichte „schnurstracks zu den Betriebsräten gelaufen“, sagte der evangelische Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche am Freitagabend laut Manuskript in einem ökumenischen Gebet in Görlitz: „Sie hätten sich mit ihnen solidarisiert.“

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Dodo Hahne und Sophia Thomalla

Bild: SophiaThomalla/Instagram
„…hätten wir heute einen Nelkenstrauß hier oder Sie säßen auf der Todesliste. Warum mit Jesus?“ – Peter Hahne übt scharfe Kritik an der Werbekampagne mit Sophia Thomalla – Deutscher Werberat leitet ein Beschwerdeverfahren ein

kath.net

„Wenn Sie das mit Mohammed gemacht hätten, hätten wir heute einen Nelkenstrauß hier oder Sie säßen auf der Todesliste. Warum mit Jesus?“ Mit diesen klaren Worten hat ZDF-Journalist Peter Hahne diese Woche bei Sandra Maischberger die umstrittene Werbeaktion von Sophia Thomalla beurteilt. Thomalla hat sich für eine Lottofirma als Gekreuzigte ablichten lassen. Thomalla, die seit einiger Zeit Wahlkampf für Angela Merkel macht, verteidigte sich in der Sendung und meint, die Lottofirma wollten mit einer Frau am Kreuz eine Konvention aufbrechen. Was Lotto mit Jesus zu hat, konnte das deutsche It-Girl aber nicht beantworten, die dann mit folgender Aussage auffällt: „Ich finde es bizarr, dass gerade die Kirche aufgrund der vielen Kreuzigungen, Hexenverbrennungen aus alter Grauzeit und mit pädophilen Eskapaden aus der Neuzeit gerade mir etwas vorwerfen will.“ Kontra für diese Werbung gibt es sogar vom bekannten Journalisten Günther Wallraff: „Es ist kein Tabubruch mehr. Es ist läppisch.“

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Wenn aus Nazis Islamisten werden

Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Islamisten Sascha L. in Braunschweig (dpa / Swen Pförtner)
Im Hass vereint: Die Radikalisierung von Islamisten und Rechtsextremen scheint ähnlichen Mustern zu folgen. Ein Fall in Braunschweig lässt aufhorchen: Dort ist ein mutmaßlicher Islamist angeklagt, der vor drei Jahren noch zur rechtsextremen Szene gehört haben soll.

Von Timo Stukenberg | Deutschlandfunk

Ein Montagmorgen am Landgericht Braunschweig. Polizisten mit Maschinenpistolen stehen vor dem Eingang des Gebäudes. Drinnen wird der Angeklagte Sascha L. von drei Justizbeamten in Sturmmasken in den Gerichtssaal geführt. Seine Hände sind vor seinem Bauch gefesselt. Die Fußfesseln schleifen über den Boden.

Sascha L.s weiche Gesichtszüge sind umrahmt von einem Bart. Er trägt Kapuzenpullover und Jogginghose. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine schwere, staatsgefährdende Straftat geplant zu haben. Einen Bombenanschlag auf Polizisten, vielleicht auch auf Soldaten, im Namen des Islam. Bei seiner Festnahme in seiner Wohnung im niedersächsischen Northeim fanden die Ermittler alle Bauteile für einen improvisierten Sprengsatz: Einen Fernzünder, abgesägte Pfandflaschen, hochexplosives Acetonperoxid, Böller, aus denen das Schwarzpulver herausgekratzt wurde, und eine Anleitung zum Bombenbauen.

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Das Märchen vom Abendland

Bild: Qantara.de
Die Berliner Ausstellung „Juden, Christen, Muslime“ zeigt die abenteuerlichen Wege des Weltwissens im Mittelalter und demontiert nebenbei die These, es gäbe ein christlich-jüdisches Europa.

Von Gustav Seibt | Qantara.de

Seit einigen Jahren ist vermehrt von den „jüdisch-christlichen Wurzeln“ des „Westens“ (oder des „Abendlands“) zu hören, vor allem wenn es darum geht, Europa vom Islam abzugrenzen. Das ist schon deshalb ziemlich heuchlerisch, weil es den Eindruck erweckt, das Miteinander von Juden und Christen sei eine zweitausend Jahre lange Woche der Brüderlichkeit gewesen. Zugleich unterschlägt es, dass Juden und ihre Gemeinschaften viele Jahrhunderte lang in den arabisch-osmanischen Reichen mehr Luft zum Atmen hatten als in der vormodernen Christenheit.

Die Verhältnisse waren viel komplizierter und reicher. Das wird am besten sichtbar, wenn man auf die Geschichte des Wissens blickt. Da kann eine nicht untypische Geschichte ungefähr so verlaufen: Im neunten Jahrhundert wurden im „Haus der Weisheit“, einer Übersetzerakademie im abbasidischen Bagdad, Texte der antiken Medizin von Hippokrates und Galen aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt. Von Bagdad gelangten sie ins muslimische Spanien und von dort in die christlichen Königreiche, und zwar nach Toledo.

Dort wurden diese arabischen Versionen griechischer Wissenschaft in der Mitte des zwölften Jahrhunderts ins Lateinische übersetzt. An der Übersetzung beteiligten sich nicht selten des Arabischen kundige Juden, die (oft nur mündliche) Zwischenversionen in der romanischen Volkssprache erstellten, die danach von gelehrten Geistlichen in die abendländische Wissenschaftssprache Latein übertragen wurden. Damit wurden diese Texte für den Rest Europas zugänglich und konnten in den akademischen Unterricht von Paris oder Köln eingespeist werden.

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Linda W. schloss sich als 15-Jährige dem IS an: „Hab‘ mir damit mein Leben ruiniert“

Mit 15 zog Linda W. in das Kalifat des IS. Später habe sie sich gefragt: „Warum bist du Idiot hergekommen?“ (Symbolbild) © Getty Images
Mit 15 Jahren brach Linda W. in der sächsischen Provinz auf und zog in den „Islamischen Staat“. Eineinhalb Jahre später ist der IS gebrochen und Linda W. hat nur einen Wunsch: Sie will zurück nach Deutschland. Doch wie soll das gehen?

Von Petra Gasslitter | stern.de

Jeder kennt Linda W. Die junge Frau aus Pulsnitz in Sachsen, die ihre Familie zurückließ, mit nichts als einem Vermerk „Bin Sonntag gegen um 16 Uhr wieder da, Linda“. Die junge Frau, die dann aber nicht wiederkam. Die stattdessen einen Flug nach Istanbul nahm, dann nach Syrien weiterzog, um sich mit 15 Jahren dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen. Die heiratete, offenbar, einen Kämpfer mit tschetschenischen Wurzeln. Die im Sommer dieses Jahres im irakischen Mossul festgenommen wurde. Bei ihrer Festnahme trug sie rötliches Haar und ein gestreiftes Halstuch, die Bilder gingen um die Welt. Jeder kennt Linda W., seitdem.

Linda W. sagt über sich: „Ich hab mir mein Leben damit ruiniert, ich komme nur mit körperlichen Beschwerden wieder und hab mir meine Zukunft versaut, auf Deutsch gesagt. Alle kennen mich, alle wissen, wie ich aussehe, ich kann nirgends mehr hingehen, ohne erkannt zu werden, und ich finde wahrscheinlich nicht mal eine Arbeit mehr, und alle werden sagen, so was stellen wir sowieso nicht ein.“

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Strafgerichtshof gesteht Kindersoldaten kollektive Entschädigung zu

Kindersoldaten in Somalia – EPA
In einem ersten Urteil dieser Art spricht der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag Ex-Kämpfern eines kongolesischen Warlords 8,44 Millionen Euro zu. Sie waren zwangsweise rekrutiert worden, das Geld soll nur indirekt an sie fließen.

Die Presse.com

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat ehemaligen Kindersoldaten aus der Demokratischen Republik Kongo erstmals eine kollektive Entschädigung zugestanden. Die vor Jahren zwangsrekrutierten Opfer der Miliz des Warlords Thomas Lubanga erhalten zehn Millionen Dollar (8,44 Millionen Euro), erklärte der Vorsitzende Richter, Marc Perrin de Brichambaut, am Freitag in Den Haag.

Für die Zahlung ist demnach Lubanga persönlich verantwortlich. Je rund 8000 Dollar, und damit insgesamt 3,4 Millionen Dollar, veranschlagt das Gericht für die 425 bisher anerkannten Opfer. „Hunderte oder tausende“ weitere Kindersoldaten aber hätten unter Lubangas Miliz gelitten, sagte de Brichambaut. Für sie setzte das Gericht weitere 6,6 Millionen Dollar fest.

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Eine Schwester, ein toter Papst und eine Lüge

© Bild: KNA
Johannes Paul I. starb am 29. September 1978 nach nur 33 Tagen im Amt. Seine Haushälterin Margherita Marin musste 39 Jahre warten, um ihre Version vom Tod des Papstes zu erzählen.

Von Thomas Jansen | katholisch.de

Schwester Margherita Marin erinnert sich noch gut an diesen einen Satz: „Heiliger Vater, Sie dürfen nicht solche Scherze mit mir machen“. Doch der Heilige Vater machte keine Scherze mehr. Als der so Angesprochene keine Antwort gab, betrat ihre Mitschwester beherzt das päpstliche Schlafzimmer. Im Bett fand sie einen toten Papst: Johannes Paul I.

39 Jahre musste sie mit ihrer Enthüllung warten

Schwester Margherita musste 39 Jahre warten, bis sie ihre Version jenes 29. Septembers 1978 erzählen durfte. Die italienische Ordensfrau ist die letzte Überlebende der vier Haushälterinnen des 33-Tage-Papstes. In einem Interview des Internetportals „Vatican Insider“ schilderte die heute 76 Jahre alte Italienerin nun einige bislang unbekannte Details über die Auffindung des toten Papstes. So enthüllt sie etwa, was Johannes Paul I. unmittelbar vor seinem Tod gelesen hat.

Der Vatikan hatte Schwester Margherita totgeschwiegen. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte: dass ein verstorbener Papst von Frauen aufgefunden wird.

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