Ersatz für „Hitlerglocke“ in Rheinland-Pfalz eingeweiht

Einweihung einer neuen Glocke in der Wendelinuskapelle © Andreas Arnold (dpa)

Die neue Glocke der Wendelinuskapelle im Landkreis Südliche Weinstraße ist mit einem Festgottesdienst eingeweiht worden. Sie ist der Ersatz für die sogenannte Hitlerglocke, die wegen Aufschrift und Hakenkreuz abgehängt wurde.

DOMRADIO.DE

Wolfgang Volz vom Vorstand des Heimatvereins St. Wendelinus läutete am Sonntag in Essingen den neuen Klangkörper.

Die alte Glocke von 1936 trägt unter anderem die Aufschrift „Als Adolf Hitler Schwert und Freiheit gab dem deutschen Volk, goß uns der Meister Pfeifer Kaiserslautern“ und ein Hakenkreuz. Sie ist künftig in einem Museum untergebracht. Die neue Glocke trägt die Inschrift „Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber alle seid Brüder“, ein Zitat aus dem Matthäus-Evangelium. Diese Worte standen auf einer Glocke, die einst im Turm hing, während des Zweiten Weltkriegs aber eingeschmolzen wurde.

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Ethiker: Rackete und Thunberg Heldinnen, aber keine Heiligen

Für den Berliner Ethiker Arnd Pollmann sind die beiden Aktivistinnen Carola Rackete und Greta Thunberg keine Heiligen oder Propheten. Auch frühere Aussagen des Berliner Bischofs diesbezüglich hält Pollmann für falsch.

katholisch.de

Aus Sicht des Berliner Ethikers Arnd Pollmann kann man die Klima-Aktivistin Greta Thunberg und die ehemalige Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete als „Heldinnen“ bezeichnen, aber nicht als „Heilige“. Heldinnen „tun außeralltägliche Dinge, Dinge, die teilweise weit über das hinausgehen, was sogenannte normale Menschen tun und als ihre moralische Pflicht begreifen würden“, sagte er am Montag im Deutschlandfunk.

Heldin oder Autistische Schulschwänzerin?

Dabei gingen sie teilweise ein großes persönliches Risiko ein und zeigten, was Menschen möglich sei, „wo wir selbst dazu in aller Regel zu feige sind. Und ich glaube eben, das trifft auch auf Greta Thunberg oder Carola Rackete zu.“ Allerdings sei dies keinesfalls Konsens, denn sie würden von manchen auch als „autistische Schulschwänzerin“ oder „gesetzlose Verbrecherin“kritisiert.

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Keine Gebetsstunden während der Arbeitszeit

Die rechtsnationalen Schwedendemokraten unter Parteichef Jimmie Akesson regieren seit den Wahlen vom Herbst in fünf schwedischen Gemeinden – unter anderem auch in Bromölla. (Bild: Johan Nilsson / Reuters)

Wer arbeitet, darf nicht beten – zumindest nicht in der südschwedischen Gemeinde Bromölla, wo die rechtsnationalen Schwedendemokraten seit Herbst das Sagen haben. Um das vornehmlich gegen Muslime gerichtete Verbot zu testen, hat sich nun eine bekennende Christin bei ihrem Arbeitgeber angezeigt.

Ingrid Meissl Årebo | Neue Zürcher Zeitung

Pernilla Franklin ist gespannt auf ihre Strafe. Die Sozialsekretärin hat sich bei ihrem Arbeitgeber, der südschwedischen Gemeinde Bromölla, selbst angezeigt – weil sie während der Arbeitszeit bete. Da sie mit Kindern in Not zu tun habe, sende sie täglich stille Gebete zum Himmel und bitte Gott um Geduld und kluge Entscheide.

Dies ist jedoch seit Anfang Monat in Bromölla verboten. Der Gemeinderat stimmte mit knapper Mehrheit für ein Verbot von Gebetsstunden für öffentlich Angestellte während der Arbeitszeit, egal welcher Religion diese angehörten. Man befürworte zwar Vielfalt und Pluralismus, wolle aber vermeiden, dass Einzelne «religiösen Manifestationen» ausgesetzt würden.

Die neue Richtlinie stammt, wenig überraschend, aus der Küche der rechtsnationalen Schwedendemokraten, die seit den Wahlen vom Herbst in fünf schwedischen Gemeinden regieren, in Bromölla zusammen mit den Konservativen und den Christlichdemokraten.

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Religionssoziologe Pollack zu Anstieg bei Kirchenaustritten: „Darüber reden, was an Kirche bindet“

Kirchen verlieren Mitglieder © Arne Dedert (dpa)

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verzeichnen einen starken Anstieg von Austritten. Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack blickt auf mögliche Gründe und Gegenmaßnahmen sowie die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

DOMRADIO.DE

KNA: Herr Pollack, welche Gründe sehen Sie für die Kirchenaustritte?

Pollack: Man muss unterscheiden zwischen Austritten aus der evangelischen und der katholischen Kirche. Wir haben relativ gute Daten, was die Kirchenaustrittsmotive aus der evangelischen Kirche angeht. Ganz wichtig ist, dass Menschen die Kirche verlassen, weil sie mit dem Glauben nichts mehr anfangen können, weil ihnen die Kirche nichts sagt, weil ihnen Kirche gleichgültig geworden ist. Das spielt bestimmt auch für einige Austretende aus der katholischen Kirche eine Rolle.

KNA: Gibt es noch weitere Gründe?

Pollack: Ein anderer Punkt ist, das betrifft vor allem die katholische Kirche, dass man unzufrieden ist, sich an der Kirche reibt – und da spielt natürlich der Missbrauchsskandal eine große Rolle. Das ist für die evangelische Kirche nicht so zentral. Wir haben immer wieder Umfragen durchgeführt in der evangelischen Kirche und danach gefragt, ob man die Stellungnahmen der Kirche kritisiert oder ob man mit der Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer nicht zufrieden ist. Das ist ein eher unbedeutender Grund.

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Vatikan-Rätsel um vermisstes Mädchen: Experten entdecken «Tausende» von Knochen

Experten öffnen am Samstag das sogenannte Beinhaus auf dem deutschen Friedhof im Vatikan. (Bild: DTM MS / Vatican Media Handout)

1983 verschwand die damals 15 Jahre alte Tochter eines Vatikan-Dieners. Seitdem ranken sich um ihren Verbleib Verschwörungstheorien. Nun könnte ein Knochenfund neue Erkenntnisse bringen.

Neue Zürcher Zeitung

Der Vatikan will mit einem neuen Anlauf das Rätsel um ein vor 36 Jahren verschwundenes Mädchen lösen: Ein Expertenteam entdeckte am Samstag «Tausende» von Knochen auf dem deutschen Friedhof im Vatikan. Anhand dieser Überreste soll nun nicht nur geklärt werden, ob es die Überreste verschwundenen Tochter eines Vatikan-Dieners, Emanuela Orlandi, sind. Gesucht wird mittlerweile auch nach den Gebeinen zweier adeliger Frauen, die auf dem Friedhof bestattet worden sein sollen.

Um den Verbleib Orlandis ranken sich seit Jahren Verschwörungstheorien. Die damals 15-Jährige verschwand 1983 nach dem Besuch einer Musikschule. Auf der Suche nach ihr hatte der Vatikan Mitte Juli zwei Gräber auf dem deutschen Pilgerfriedhof Campo Santo Teutonico öffnen lassen: Von Sophie von Hohenlohe (gestorben 1836) und Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg (gestorben 1840). Doch überraschenderweise waren die beiden Gräber leer.

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Erzapostel Koch zu sinkenden Mitgliederzahlen der Kirche: „Wir werden auf ganz neue Weise Kirche sein müssen“

216.078 Austritte verzeichnet die katholische Kirche 2018. Ein Grund dafür sieht Erzbischof Heiner Koch in wegbrechenden Traditionen. Sich dem Mainstream anzupassen, ist für den Berliner Erzbischof jedoch keine Option.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Heute findet die 74. Schlesierwallfahrt zum Annaberg in Haltern am See statt. Sie sind zum ersten Mal dabei. Das Leitwort lautet „Wohin sollen wir gehen?“. Wie werden Sie dieses Wort aufgreifen angesichts der veröffentlichten Kirchenstatistik von 2018?

Dr. Heiner Koch (Erzbischof von Berlin): Die Frage ist zunächst mal existenziell bedeutsam für die Kirche. Diese Frage ist die Gegenfrage auf die Frage Jesu „Wollt nicht auch ihr gehen?“. Und das ist natürlich heute eine ganz brenzlige Situation. In diesen Tagen haben wir die neuen Zahlen über die Mitgliederentwicklung in der Kirche bekommen – unter anderem über die steigenden Austritte und die sinkende Taufhäufigkeit.

Viele fragen also „Wollt nicht auch ihr gehen?“ oder „Will nicht auch ich gehen?“. Die Situation ist, dass viele gehen, nicht mehr viele hinzukommen und es nicht mehr selbstverständlich ist, Kirche zu sein. Gott verliert an Bedeutung und der Glaube ist sicherlich auch nicht mehr durch Tradition und Brauchtum getragen.

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Polizei unter Strom

Todesfälle nach polizeilichen Taser-Einsätzen – Warum wurde der Todesfall nicht gemeldet? Die hessischen Behörden schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.

Peter Nowak

Ein 63jähriger schoss in seiner Wohnung im Fuldaer Stadtteil Edelzeller Siedlung mit einer Kleinkaliberwaffe um sich und löste einen polizeilichen Großeinsatz aus. Als Spezialkräfte mit Hunden das Haus betraten, erschoss der Mann ein Tier. Die Polizisten streckten den Schützen mit einem Taser nieder. Während der Festnahme kollabierte der 63jährige. Zwei Wochen später starb er im Krankenhaus. Der Vorfall ereignete sich im …

.…Januar 2018. Doch erst in den vergangenen Wochen wurden die Geschehnisse in vollem Umfang öffentlich bekannt. Die Fraktion der Linkspartei im hessischen Landtag hatte vom hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) im April in einer Kleinen Anfrage Informationen über Risiken sowie Verletzungen, bleibende Schäden und anhaltender Beschwerden wegen polizeilicher Taser-Einsätze verlangt. Der Innenminister hatte in seiner schriftlichen Antwort keine konkreten Fälle genannt, aber einen Tag nach ihrer Veröffentlichung eingeräumt, dass es möglicherweise doch einen Todesfall in Frankfurt am Main gegeben habe. Dort hatten alarmierte Streifenpolizisten einen Taser gegen einen sich aggressiv verhaltenden Mann eingesetzt, der an Diabetes litt und stark übergewichtig war. Er kollabierte und starb zwei Tage später im Krankenhaus.

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Polnischer Erzapostel: Kirchenkritiker nutzen Missbrauchsthema aus

Bild: © KNA

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz fürchtet eine Instrumentalisierung des Themas Kindesmissbrauch gegen die katholische Kirche. „Libertäre Kräfte“ wollten das Thema Pädophilie nutzen, um die Kirche zum Schweigen zu bringen.

katholisch.de

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, sieht die Gefahr einer Instrumentalisierung des Themas Kindesmissbrauch gegen die katholische Kirche. Die Schwierigkeit der aktuellen Lage sei, „dass das Thema Pädophilie – nicht nur in Polen, sondern fast auf der ganzen Welt – ein leicht ausnutzbares Thema für Angriffe auf die moralische Glaubwürdigkeit der Kirche geworden ist“, sagte er am Sonntag der polnischen Kirchenzeitschrift „Niedziela“. Die Kirche sei die letzte Stimme in der Gesellschaft, „die keine Kompromisse mit den gegenwärtigen demoralisierenden Strömungen eingeht“, so Gadecki. Es gebe „libertäre Kräfte“, die diese Stimme „zum Schweigen bringen und ausschalten“ wollten.

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Transhumanismus: Von der Technikverehrung zur Mythologie

Der Biologe und Philosoph Max Schnetker über den Transhumanismus als Krypto-Religion und Eliten-Ideologie

Matthias Becker | TELEPOLIS

Der Transhumanismus stellt die Überwindung des Menschen mit technischen Mitteln in Aussicht. Ausgangspunkt seiner Hoffnungen und Befürchtungen sind denkende Maschinen, deren Fähigkeiten die von Menschen weit übertreffen sollen. Solche Geräte sind allerdings nirgendwo in Sicht, die erwartete Superintelligenz rein spekulativ und viele transhumanistische Annahmen abenteuerlich – warum verbreitet sich der Transhumanismus dennoch?

Zum ersten Mal begegnet bin ich mit dem Transhumanismus, als ich ziellos durch das Internet stöberte. Meine erste Reaktion war, dass ich die Debatte über die Rachegelüste der kommenden Superintelligenz für eine Satire hielt. Wie war deine erste Reaktion?

Max Schnetker: Bei mir war es anders. Ich kam an der Universität mit transhumanistischen Ideen in Kontakt, allerdings mit ihren sozusagen seriösen Ausläufern, Autoren wie Ray Kurzweil oder Nick Bostrom. Einem unvoreingenommenen Laien wie mir damals konnte der Transhumanismus auf den ersten Blick als seriöse Wissenschaft erscheinen, mit akademisch anmutenden Publikationen und Instituten wie dem Machine Learning Research Institute oder der Singularity University. Je mehr ich mich dann eingelesen habe, umso erschreckender fand ich die transhumanistischen Ideen. Schließlich wurde mir klar, dass sich diese Strömung nur mit den Mitteln der Ideologiekritik begreifen lässt.

Aus diesem Grund hast du vor kurzem eine Studie mit dem Titel „Transhumanistische Mythologie“ veröffentlicht. Aber lass uns erst einmal ein paar Grundlagen zum besseren Verständnis legen. Der Transhumanismus ist eine Bewegung, die vor allem in den Vereinigten Staaten aktiv ist und von der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung erwarten. KI wird sich angeblich ab einem bestimmten Zeitpunkt – der sogenannten Singularität – permanent erweitern und optimieren. Sie markiert sozusagen den Takeoff der rekursiven Selbstoptimierung.

Max Schnetker: Transhumanisten glauben, dass mit der Singularität eine Superintelligenz entstehen wird. Weil deren Intelligenz angeblich exponentiell anwachsen wird, wird sie uns Menschen schnell in einem nicht mehr nachvollziehbaren Maß überlegen sein. Häufig vergleichen Transhumanisten den Unterschied zwischen ihr und uns mit dem zwischen einem Menschen und einer Maus oder einem Insekt. In den Debatten dient diese Annahme häufig dazu, kritische oder skeptische Einwände abzuwehren, weil wir uns die Handlungsmöglichkeiten der kommenden Superintelligenz einfach nicht vorstellen können. Sie ist geradezu allmächtig, letztlich verhält sie sich zu uns wie ein Gott.

Das klingt tatsächlich nach einem kniffligen theologischen Problem. Die Ratschlüsse der Superintelligenz sind für uns Sterbliche unergründlich …

Max Schnetker: Gleichzeitig sind wir es, die dieses höchste Wesen schaffen. Wir müssten sicherstellen, dass die Superintelligenz unsere Existenz toleriert, denn sonst wird sie uns an den Rand drängen, so wie wir Menschen einen Ameisenbau planieren, um einen Parkplatz zu bauen. Die Transhumanisten sprechen in diesem Zusammenhang vom Value-Loading-Problem: Wie kriegen wir es hin, dass die KI uns wohlgesonnen bleibt – was schwierig ist, weil sie sich in einem Prozess rekursiver Optimierung selbst programmieren soll, also das eigene Programm fortlaufend verbessert.

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Nach «Breitbart»: Neue Mediennischen tun sich auf

Der mobile Mensch ist auch mobil in seiner Mediennutzung: Er ist nicht nur auf einen Anbieter fokussiert. (Bild: Russell Boyce / Reuters)

Die rechtspopulistische Website Breitbart.com hat sich überlebt. Das hat sie dem Erfolg ihres eigenen Geschäftsmodells zuzuschreiben. Kleinere konservative Medienprodukte springen nun in die Lücke.

Marc Neumann | Neue Zürcher Zeitung

«Breitbart» darbt. War die rechtspopulistische News-Website unter der Leitung Steve Bannons einst medialer Steigbügelhalter und Königsmacher für Donald Trump, ist sie heute im anhaltenden Sinkflug – wie US-Medien von der «Washington Post» bis «Politico» in schöner Regelmässigkeit und nicht ohne Schadenfreude berichten.

Auch wenn die derzeitige «Breitbart»-Redaktion unter der Leitung des Journalisten Alex Marlow zumindest punktuell dementiert, zeichnen Mediendatenunternehmen von comScore über Alexa bis SimilarWeb ein einheitlich düsteres Bild. Von Januar 2017 bis Januar 2018 reduzierte sich die Zahl monatlicher Besucher gemäss comScore um 51 Prozent. Von den 15,7 Millionen «unique visitors» pro Monat bei Donald Trumps Amtsantritt waren im Mai 2019 noch 4,6 Millionen übrig.

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AfD-Chef rechnet mit Ausschluss von Sayn-Wittgenstein

Delegierte der AfD Hessen zeigen bei einer Abstimmung ihre Stimmkarten (Archivbild). Bild: dpa

Den umstrittenen Thüringer AfD-Chef Höcke nimmt Meuthen aber in Schutz: „Er ist mit seinen Äußerungen zuweilen an der Grenze, aber nicht drüber“. AfD-Vize Gottschalk dagegen beklagt eine „Schneise der Verwüstung“ durch Höckes „Flügel“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im parteiinternen Machtkampf in der AfD rechnet Parteichef Jörg Meuthen mit einem Ausschluss der AfD-Vorsitzenden von Schleswig-Holstein, Doris von Sayn-Wittgenstein. „Wir wünschen aus guten Gründen, dass sie ausgeschlossen wird, und schauen der Entscheidung des Schiedsgerichts gelassen entgegen“, sagte Meuthen der „Bild am Sonntag“. Die AfD-Führung hat gegen Sayn-Wittgenstein ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet, weil sie einen Verein von Holocaust-Leugnern unterstützt. Trotzdem war sie kürzlich in Schleswig-Holstein wieder zur Landesvorsitzenden gewählt worden.

Nach Einschätzung von Meuthen liegt das daran, dass sie „ein gewisses Charisma hat und das geschickt einzusetzen weiß. Viele wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Wenn sie wüssten, was der Bundesvorstand weiß, wäre sie nach meiner Überzeugung nicht gewählt worden.“

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Kassel: 10.000 Gegendemonstranten empfangen 120 Rechte

Kundgebung in Kassel – imago images / Eibne

Rechtsextreme marschierten in Kassel auf, um gegen eine „Instrumentalisierung“ des Verbrechens an Walter Lübcke zu protestieren.

Die Presse.com

Rund 10.000 Menschen haben am Samstag in Kassel gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen demonstriert. Die Kundgebung der Rechten fiel wesentlich kleiner aus, rund 120 von ihnen versammelten sich auf einem Platz außerhalb der Innenstadt. Sie protestierten gegen eine angebliche mediale Vorverurteilung im Zusammenhang mit der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Trotz eines Großaufgebotes der Polizei kamen sich Rechtsextreme und Gegendemonstranten zeitweise bis auf wenige Meter nahe. Flaschen flogen, es gab Gerangel mit Einsatzkräften. Laut Polizei wurden 31 Personen zeitweise fest- oder in Gewahrsam genommen.

Seit den Morgenstunden war die nordhessische Stadt in einer Art Ausnahmezustand: Busse und Bahnen hatten in der Innenstadt den Betrieb eingestellt. Die Polizei kontrollierte an Bahnhöfen, Teile der Stadt waren gesperrt. Das Stadtbild beherrschten die Gegendemonstranten, ein Bündnis gegen Rechts hatte zu zahlreichen Veranstaltungen aufgerufen und zog bereits vor Ankunft der Rechten mit 3.000 Menschen durch Kassel.

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Heuchelei in der europäischen Flüchtlingsdiskussion

In Berlin und in anderen EU-Ländern tun Politiker angesichts Trumps rassistischer Äußerungen jetzt so, als wären sie die US-Oppositionsbewegung

Peter Nowak | TELEPOLIS

In Berlin sind sich bis auf die AfD scheinbar alle Parteien einig, dass der Rassismus eines Donald Trump nicht tragbar ist. Auch Bundeskanzlerin Merkel hat sich in ihrer Sommerpressekonferenz auf Nachfragen ausdrücklich von seinen Tweets distanziert, in denen er vier Politikerinnen vom linken Flügel der Demokratischen Partei dazu aufforderte, in „ihre Herkunftsländer“ zurückzukehren. Nur sind drei von ihnen in den USA geboren, eine kam als Migrantin aus Somalia in die USA.

Die Äußerungen von Trump sind zweifellos ein Beispiel, wie Rassismus als Strategie im beginnenden US-Wahlkampf benutzt wird (Trumps Rassismus kommt bei seiner Wählerschaft an). Es gibt für Oppositionelle in den USA allen Grund, dagegen zu mobilisieren. Wenn aber in Berlin und auch in anderen EU-Ländern Politiker jetzt alle so tun, als wären sie die US-Oppositionsbewegung, dann ist das pure Heuchelei.

Warum fragt keiner, wo denn in Deutschland analoge politische Biographien zu finden sind? Wo sind in der Bundespolitik die Frauen, deren Eltern aus arabischen und afrikanischen Ländern nach Deutschland migrierten und die jetzt eine wichtige Rolle bei den Grünen oder bei der Linken spielten und die Regierungskoalition von links angreifen?

Würde eine Frau, die als Kind aus Somalia migrierte, nicht auch von Politikern der Union angegriffen und auf ihr Heimatland verwiesen? Erinnert sich noch jemand an den Wahlkampf in Hessen, in denen mehrere nicht biodeutsch klingende Namen als Abwehr nebenaneinander gereiht waren? Auf einem CDU-Plakat heißt es unter Anspielung auf die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen, Andrea Ypsilanti und Tarek Al-Wazir, sowie die Partei Die Linke: „Links-Block verhindern! Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen“. Und wurde und wird Cem Özdemir, obwohl vollständig in Deutschland integriert, auf die Migrationsgeschichte seiner Eltern verwiesen, wenn er sich mal kontrovers politisch äußert, was kaum vorkommt.

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Machtverhältnisse in der Türkei — „Der Wind dreht sich“

Bild: Magazin „The Economist“

Die Wirtschaft schwächelt, dazu die Wahlniederlage in Istanbul: Der türkische Präsident Erdogan steht unter Druck. Nun wurden reihenweise Prozesse gegen Regierungskritiker verschoben. Bereits ein Zeichen für Veränderung?

Von Karin Senz | tagesschau.de

Standing Ovations, als der Angeklagte in den Saal geführt wird, und Applaus für die Anwälte bei ihren Statements – das hat die ersten Verhandlungstage im großen Prozess um die Gezi-Park-Proteste 2013 in Istanbul geprägt. Auch Asena Günal hat geklatscht, erzählt sie selbstbewusst: „Normalerweise ist da immer eine ziemlich angespannte Stimmung. Und die Staatsanwälte und Richter sind meistens ziemlich streng. Wenn Applaus oder so etwas kommt, dann werfen sie die Leute in der Regel sofort raus. Dann gehen deren Anwälte mit raus.“ Aber jetzt sei es so, dass der Vorsitzende Richter total ruhig und höflich sei. Er greife nicht ein, weder bei Applaus noch bei Gelächter.

In dem Istanbuler Verfahren muss sich auch der Journalist Can Dündar vor Gericht verantworten. Er soll zusammen mit 15 weiteren Angeklagten versucht haben, die türkische Regierung zu stürzen. Dündar lebt inzwischen in Deutschland. Der einzige Angeklagte, der noch in Untersuchungshaft ist, ist der türkische Kulturmäzen Osman Kavala.

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Trumps Waffe, die Religionsfreiheit

Im Weißen Haus traf Donald Trump vor wenigen Tagen Menschen, die wegen ihrer Religion verfolgt werden. In der Vergangenheit aber machte er selbst häufig Stimmung gegen Muslime. (Foto: AFP)
  • In dieser Woche konferierten mehr als 1000 Staatenvertreter im Washingtoner State Department zum Thema Religionsfreiheit.
  • Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.
  • Trumps Regierung hat das Thema schon seit Längerem für sich entdeckt und nutzt es in der Außen- wie Innenpolitik.

Von Thorsten Denkler | Süddeutsche Zeitung

Die Bibel liegt im Büro von US-Außenminister Mike Pompeo offen und griffbereit. Mit deutlichen Gebrauchspuren, wie ein Reporter der New York Times bemerkt, der Gelegenheit hatte, Pompeo dort zu treffen. Diverse Textstellen seien markiert gewesen. Pompeo ist ein zutiefst religiöser Mensch. Einer der sagt, dass er es „als Christ durchaus für möglich hält„, dass Gott es war, der seinen Chef Donald Trump zur Erde gesandt hat, um Israel vor Iran zu schützen.

Als Christ hat es sich Pompeo und mit ihm die gesamte Trump-Regierung zudem zur Aufgabe gemacht, die Religionsfreiheit weltweit zu schützen. In dieser Woche konferierten deshalb mehr als 1000 Staatenvertreter im State Department zu diesem Thema. Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.

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Die Royal Navy ist am Persischen Golf überfordert

Der Iran hält diesen unter britischer Flagge fahrenden Öltanker fest. (Bild: Jan Verhoog / EPA / Marinetraffic.com)

Die Eskalation in der Meeresstrasse von Hormuz hat die britische Regierung unvorbereitet getroffen. Zum Schutz der Öltanker stehen zu wenige Fregatten zur Verfügung, und diplomatisch treibt Amerika London in die Enge.

Markus M. Haefliger | Neue Zürcher Zeitung

Der britische Aussenminister Jeremy Hunt hat am Samstag Teheran davor gewarnt, die Bedrohung von kommerziellen Schifffahrtslinien am Persischen Golf fortzusetzen. «Iran bewegt sich auf einem gefährlichen Weg», teilte Hunt mit. Die iranischen Revolutionswächter hatten am Freitag in der Strasse von Hormuz den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker «Stena Impero» aufgebracht; das Schiff und die internationale Besatzung werden im militärisch befestigten Hafen von Bandar Abbas festgehalten.

Die Regierung in London empfahl kommerziellen britischen Schiffen gleichzeitig, die Strasse von Hormuz vorerst zu meiden. Hunt hatte am Vorabend mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, ohne deutlich zu machen, was er damit meinte. Militärische Massnahmen schloss er aus. Der Sicherheitsausschuss des Kabinetts tagte in der Nacht auf Samstag und am frühen Samstagmorgen insgesamt zwei Mal.

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Suche nach Orlandi im Vatikan geht weiter – keine neuen Erkenntnisse

Bild: © katholisch.de

Bei der Suche nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi sind auf dem deutschen Friedhof im Vatikan zwei weitere Gräber geöffnet worden. Dabei seien Überreste gefunden worden, die nun untersucht werden müssten.

katholisch.de

Eine neuerliche Suche im Vatikan nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi ist am Samstag ohne Zwischenergebnis unterbrochen worden. Wie Vatikansprecher Alessandro Gisotti mitteilte, brachte die Öffnung von zwei unterirdischen Gebeinkammern im deutschen Priesterkolleg Campo Santo Teutonico am Petersdom Überreste zutage, die einer ersten Begutachtung unterzogen wurden. Auf Anordnung der vatikanischen Staatsanwaltschaft würden die morphologischen Analysen der Funde kommenden Samstag fortgesetzt, hieß es. Die Bergung und die ersten Untersuchungen dauerten den Angaben zufolge sechs Stunden.

Die Nachforschungen sollen Licht in das Schicksal der jungen Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi bringen, die am 22. Juni 1983 vom Musikunterricht nicht nach Hause zurückgekehrt war.

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Vatikan verhängt Sanktionen gegen US-Bischof

Bischof Bransfield und das Schreiben des Vatikans Foto: CNA Deutsch / Archiv

Die Vorwürfe stehen seit einiger Zeit im Raum: Bischof Michael J. Bransfield von Wheeling-Charleston soll Seminaristen, Priester und andere Erwachsene sexuell belästigt, genötigt und missbraucht haben.

Von AC Wimmer | CNA

Zudem ist belegt, dass er aus diözesanen Mitteln große Geldgeschenke finanzierte, die er dann an hochrangige Kirchenvertreter verteilte.

Wie der Vatikan am gestrigen Freitag mitteilte, darf Bransfield nun ab sofort nicht mehr an öffentlichen Messen teilnehmen oder in seiner ehemaligen Diözese leben. Das habe Papst Franziskus entschieden. Bransfield müsse zudem „persönliche Wiedergutmachung leisten“ für den Schaden, den er der Diözese zugefügt hat.

Die Stellungnahme des Vatikans vom 19. Juli, die am gestrigen Freitag auf der Website der Diözese Wheeling-Charleston veröffentlicht wurde, kam vom Apostolischen Nuntius der Vereinigten Staaten, Erzbischof Christophe Pierre.

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Mittelalter: Sergius wird Papst – der Beginn der „Pornokratie“ im Vatikan

Im 10. Jahrhundert geht es im Vatikan wenig christlich zu: Es ist die Zeit der Pornokratie zwischen der Inthronisierung von Sergius III. im Jahr 904 und der Absetzung von Johannes XII. im Jahr 963. Es geht um Macht und Einfluss. Außerdem spielen zwei Mätressen eine entscheidende Rolle.

Deutschlandfunk Nova

Als Karl der Große im Januar 814 stirbt, setzen Nachfolgekämpfe innerhalb der karolingischen Dynastie ein. Der stabilisierende Einfluss des römischen Kaisertums in Italien und im Vatikan geht zu Ende und ein Vakuum entsteht.

In der Folge geht es im Vatikan wenig christlich zu: Päpste kämpfen um Macht und Einfluss auf weltliche Entscheidungen. Mächtige italienische Familien versuchen, Kandidaten auf den Heiligen Stuhl zu bringen, die ihnen nahe stehen.

Der Einfluss von Theodora und Marozia

Zwischen 904 und 963 herrscht die sogenannte Pornokratie im Vatikan. Es ist die Zeit zwischen der Inthronisierung von Sergius III. als Papst im Jahr 904 und der Absetzung von Johannes XII. im Jahr 963.

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Mike Pence Calls on Saudi Arabia to Release Blogger Arrested for Blasphemy

Credit where it’s due since it doesn’t happen often: During a conference about “religious freedom” hosted by the State Department, Vice President Mike Pence urged the nation of Saudi Arabia to release Raif Badawi, the blogger who, in 2012, was sentenced to a decade of jail time and 1,000 lashes all for supposed “apostasy.”

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

Last year, Canada’s Justin Trudeau spoke with King Salman bin Abdulaziz calling for Badawi’s release. Now Pence has joined in, including Badawi in a list of four men who have been punished for speaking out about faith.

Well, it was brief lip service. But it’s not nothing.

All four of these men have stood strong in defense of religious liberty, despite unimaginable pressure, and the American people stand with them,” Pence said, “The United States calls upon the governments of Eritrea, Mauritania, Pakistan and Saudi Arabia to respect the freedom of conscience and let these men go.”

Badawi’s wife, Ensaf Haidar, said she was “grateful” to Pence for the mention. She’s been critical of Trudeau for not doing enough, but the U.S. has more leverage in these situations.

While Pence is right to call for Badawi’s release, it’s hard to imagine this administration doing anything substantive to make it happen, especially when they looked the other way following Crown Prince Mohammad bin Salman‘s order to assassinate journalist Jamal Khashoggi.

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