Drittes Reich: Audi stellt sich endlich seiner dunklen Historie

Das Logo des Herstellers Auto Union am Kühlergrill eines DKW Meisterklasse F7 von 1938. Das Audi-Vorgängerunternehmen beutete in der NS-Zeit Zwangsarbeiter aus. (Foto: dpa)
  • Nach sieben Jahrzehnten stellt sich der Ingolstädter Autokonzern Audi allmählich seiner Vergangenheit im Dritten Reich.
  • KZ-Häftlinge mussten in den Fabriken während der NS-Zeit Zwangsarbeit leisten. Bei Audi tat man lange so, als ginge einen das Thema nichts an.
  • Nun gerät doch einiges in Bewegung – noch gibt es nämlich Zeitzeugen.

Von Uwe Ritzer | Süddeutsche Zeitung

Eine runde Marke aus grauem Blech, etwas größer als früher ein Fünf-D-Mark-Stück. Darauf ist nur die Zahl 280 eingestanzt. „Ich musste sie vorne am Revers tragen“, sagt Helga Kinsky, 88. Damals hieß sie noch Pollak und war 14 Jahre alt. Ein halbes Kind noch, halb verhungert, in zerlumpten Kleidern. 280 war ihre Arbeitsnummer. „Auf den Rücken malten sie uns mit Ölfarbe groß ‚KL‘, damit man uns schon von Weitem identifizieren konnte.“ KL für Konzentrationslager.

Mehr als siebzig Jahre später erhielt die in Wien lebende Jüdin einen Brief aus Ingolstadt. „Sie gehören zu den Damen, die von 1944 bis 1945 von der Auto Union-Tochter Agricola GmbH unter unwürdigen Umständen ausgebeutet wurden und viel Leid erfahren mussten“, heißt es da. „Hierfür möchten wir Sie aus tiefstem Herzen um Entschuldigung bitten.“ Es ist ein einfühlsam formuliertes Schreiben, in dem Audi verspricht, dieses „dunkelste Kapitel in unserer Historie“ nun aufzuarbeiten und Helga Kinsky um Mithilfe bittet.

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Türkei: Der Absturz der Lira wird zum Problem für Erdogan

Finanzmärkte sind alarmiert und Ökonomen warnen, dass die türkische Wirtschaft in den nächsten Wochen zusammenbrechen kann

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Kapitalflucht, die türkische Lira auf Talfahrt gegenüber Dollar und Euro, schrumpfende Devisenreserven: Mehrere internationale Ökonomen prophezeien den baldigen Zusammenbruch der türkischen Wirtschaft. Die Anhänger Erdogans verbreiten dazu wie üblich Verschwörungstheorien: Angeblich bereiten die westlichen Finanzmärkte einen wirtschaftlichen Putsch vor, nachdem es dem Westen vor zwei Jahren nicht gelungen sei, Erdogan durch den Putschversuch im Juli 2016 zu kippen.

Reflexartig reagieren türkische Politiker auf den herannahenden Exitus der türkischen Wirtschaft mit Schuldzuweisungen in Richtung Europa und USA. Nicht die verfehlte Wirtschafts- und Zinspolitik Erdogans und seines Clans, nicht die selbstverschuldete Immobilienblase sei schuld an der Misere, sondern ausländische Spekulanten und einflussreiche Investoren würden versuchen, die türkische Lira in Grund und Boden zu spekulieren.

Der Wirtschaftswissenschaftler Muratoglu weist diese Verschwörungstheorien zurück: Nicht äußere Mächte, sondern ein schlechtes internes Management sei schuld an der Misere. Die Regierung würde versuchen, die Menschen im Lande Glauben zu lassen, dass, wenn Erdogan gegen „fremde Mächte“ kämpft, es am Ende allen Menschen im Lande besser gehen würde.

Ein äußerer Feind wird geschaffen, gegen den es Krieg zu führen gilt. Dafür sollen die Bürger einige Dinge ertragen, Opfer bringen und die Verarmung akzeptieren. Allerdings ist für die Bevölkerung kaum noch durchschaubar, wer nun der Feind ist, mal ist es Donald Trump, mal Macron, mal Merkel. Merkwürdigerweise schüttelt Erdogan am Ende wieder väterlich staatsmännisch die Hände seiner vermeintlichen Feinde, meint Muratoglu.

Mangelnde Problemeinsicht und das Suchen nach äußeren Schuldigen kennen wir vor allem von Kindern und pubertierenden Jugendlichen, die sich egozentrisch im Zentrum des Geschehens wahrnehmen und ihr eigenes Handeln nicht selbstkritisch aus der Distanz betrachten können.

Der im Zenit seiner Macht angelangte türkische Präsident ist ähnlich gestrickt. Psychologen würden ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Daran, dass die Ratingagentur Fitch die Türkei in der Bonitätsnote kürzlich auf BB, d.h. auf das Level von Vietnam oder Guatemala herunterstufte, ist nach Erdogans Verständnis der Westen schuld.

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Hamburg: „Unsere eigene historische Verantwortung“

Bürgermeister Peter Tschentscher bei seiner Ansprache im Michel Quelle: dpa
Vor 75 Jahren wurde Hamburg von alliierte Bombern weitgehend zerstört. In einer Gedenkfeier im Hamburger Michel wird daran erinnert – aber auch daran, was diese Katastrophe auslöste.

DIE WELT

Spitzenvertreter von Stadt und Kirchen haben am Sonntag im Hamburger Michel in einer offiziellen Gedenkfeier an den „Hamburger Feuersturm“ vor 75 Jahren erinnert. Bei der „Operation Gomorrha“ vom 24. Juli bis 3. August hatten alliierte Bomber weite Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. 35.000 Menschen starben, 125.000 wurden verletzt, 900.000 flüchteten aus der Stadt.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte, die Erinnerung an die „Operation Gomorrha“ und die nationalsozialistische Zivilisationszerstörung diene immer auch als Mahnung und Aufforderung, sich heute für Demokratie und Menschenrechte sowie für die freiheitlich demokratische Grundordnung stark zu machen. „Das ist unsere eigene historische Verantwortung für den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der sich in den Sommertagen des Jahres 1943 mit der Operation Gomorrha in besonderer Härte gegen die Freie und Hansestadt Hamburg gerichtet hat.“

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Martin Meters Plädoyer für wissenschaftliches Denken in Zeiten anschwellender Verschwörungstheorien

Martin Meter: Die Befreiung des Denkens. Foto: Ralf Julke
Sein großer Gegner heißt eigentlich Platon. Genug Unheil hat der griechische Philosoph mit seiner Ideenlehre ja angerichtet. Es ist nur den meisten Menschen nicht bewusst, weil 2.000 Jahre Christentum auch dafür gesorgt haben, dass der platonische Dualismus tief in unserem Denken steckt. Und genau darum geht es, wenn der Informatiker Martin Meter sein Buch „Die Befreiung des Denkens“ nennt.

Von Ralf Juhlke | Leipziger Internet Zeitung

Den meisten Menschen ist überhaupt nicht bewusst, wie tief die platonischen Vorstellungen in unserem Denken stecken. Sie ist aufs Engste verquickt mit dem Christentum, das den griechischen Philosophen so intensiv rezipierte, wie es sonst nur noch mit Aristoteles geschah. Und da kommt einem natürlich ein Verdacht, denn von vielen anderen griechischen Philosophen, die zu ihrer Zeit genauso berühmt waren, sind deutlich weniger Schriften, oft nur noch Fragmente oder Zitate in den Werken anderer Autoren übermittelt.

Wir rühmen zwar die frühen Klöster gern dafür, dass sie das antike Schriftgut durch emsiges Kopieren für uns gerettet hätten. Aber augenscheinlich wurde sehr gezielt kopiert. Und was mit dem dualistischen Weltbild der christlichen Kirche nicht kompatibel war, hatte kaum Chancen, überliefert zu werden.

Wie sehr dieser platonische Dualismus in unseren Köpfen steckt, das schildert Martin Meter sehr ausführlich und akribisch. Es geht dabei um das, was Platon als erster Philosoph systematisch getan hat – der alte Platon, müsste man sagen. Denn der jüngere Platon war ja bekanntlich ein Schüler des Sokrates. Sokrates’ beharrliche Methode, das scheinbar felsenfest Gewusste seiner Zeitgenossen zu hinterfragen, wird ja in mehreren der berühmten platonschen Dialoge überliefert – und zwar nur dort.

Es war eine Schule des rigiden Skeptizismus, die alles für gewusst Geglaubte hinterfragte und die Gesprächspartner wahrscheinlich an den Rand der Verzweiflung brachte, wenn Sokrates immer wieder darauf drang, eine wirklich belastbare Begründung für eine Aussage zu bekommen. Es mutet stellenweise modern an. Denn in der Konsequenz läuft so ein Denken auf wissenschaftliches Denken hinaus, dessen wichtigste Grundlage die zentrale sokratische Aussage „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist. Obwohl die

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Muslimbrüder in Bayern: Der Wolf im Schafspelz?

Muslimbrüder sind für den Verfassungsschutz eine Art Wolf im Schafspelz: Nach außen hin dialogbereit, aber in Wirklichkeit versuchten sie, die Gesellschaft zu unterwandern. Eine Spurensuche in Bayern.

Von Josef Röhmel | BR24

Seit vielen Jahren warnen Verfassungsschützer vor den Umtrieben der Muslimbruderschaft. Diese 1928 in Ägypten gegründete Bewegung agiert weltweit. Auch in Deutschland. Muslimbrüder würden sich offen und dialogbereit geben, aber in Wirklichkeit ganz andere Ziele verfolgen, sagt der bayerische Verfassungsschutz.

Verfassungsschutz: Muslimbrüder wollen Gesellschaft islamisieren

Die Ziele lauten etwa nach dem aktuellsten Verfassungsschutzbericht von 2017: „Islamisierung der Gesellschaft durch Missionierung und soziale Maßnahmen. Umwandlung der Bildungsinstitutionen nach islamischen Kriterien.“

„Letzten Endes läuft die extremistische Ideologie der Muslimbruderschaft hinaus auf die Errichtung islamischer Herrschaftsordnungen auf der Grundlage von Koran und Sunna. Das hieße, keine Trennung mehr von Religion und Staat. Und sowas ist nicht realisierbar auf dem Boden des Grundgesetzes.“ Markus Schäfert, Bayerischer Verfassungsschutz

Moscheebesuch einer Schulklasse wird zum Politikum

In Nürnberg befindet sich mit der Islamischen Gemeinde eine Moschee, die demokratiefeindliche Kräfte unterstützen soll. Diese Kräfte streben nach Überzeugung des bayerischen Verfassungsschutzes eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie Schulen, Kirchen und wichtigen Institutionen an, um die Gesellschaft im Sinne der Muslimbruderschaft dauerhaft zu unterwandern.

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Dublins Erzbischof hofft auf Papstworte zum Thema Missbrauch

Der irische Erzbischof Diarmuid Martin wünscht sich von Papst Franziskus klare Worte zum Thema Missbrauch. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wird am 25. und 26. August Irland besuchen, Anlass ist das Weltfamilientreffen in Dublin.

DOMRADIO.DE

Es sei wichtig, dass der Papst bei seinem bevorstehenden Irlandbesuch das Thema nicht als Teil der Kirchengeschichte anspreche, sondern „als Teil der Gegenwart, denn die Wunden sind da, und es entstehen neue Wunden“, sagte der Erzbischof von Dublin dem Sender RTE am Samstag.

Wenn man ihn vor zwei Jahren gefragt hätte, hätte er wohl von Institutionen und Missbrauch durch Kleriker gesprochen, sagte Martin weiter. Aber heute gebe es den Fall der sogenannten Magdalenen-Wäschereien, der Mutter- und Kindheime und „eine ganze Reihe anderer Orte, an denen Missbrauch als traurige Dimension der Entwicklung der Kirche entsteht“, so der Erzbischof.

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Gott geht online: Kirchen in Deutschland wollen Glauben wieder modern machen

Gottes Wort auf dem Smartphone: In der „AndachtsApp“ gibt es täglich ein Gebet im Audio oder Videoformat. Foto: dpa
„Mein Haar liegt noch?“, fragt Jana. Hinter der Kamera nickt jemand. Jana, graues Shirt, silberne Kreuz-Ohrstecker, einen Jutebeutel mit Christusmonogramm neben sich, schaut sich kurz um. Ein Studio in einem Kölner Bürogebäude. Vielleicht zehn Quadratmeter. Gelbes Sofa, hellblauer Sessel, Laminat, Holzkommode – mehr passt nicht rein.

Von Jonah Lemm | Kölner Stadt-Anzeiger

„Die Bibel steht da ein bisschen zu offensichtlich, oder?“ fragt Jana und zeigt auf die Regale hinter sich. Erneutes Nicken. Die Bibel also wird hingelegt. Dann Klappe, die Zweite. Gerade hatte sich Jana noch verhaspelt. Jetzt läuft’s. Sie spricht über den Wert der eigenen Meinung, über Kompromisse – und darüber, wie Christen in Diskussionen oft unfair behandelt werden. Ohne Stocken, sieben Minuten lang.

Kirchliche Influencerin

Jana Highholder, 20, Medizinstudentin aus Münster, ist das, was die evangelische Kirche jetzt braucht. Sie ist schön, sie ist klug, sie ist eloquent. Und gläubige Christin seit ihrer Kindheit, ihr Vater arbeitet bei der Landeskirche.

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Seehofer wehrt sich gegen Kritik der Kirchen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) setzt sich gegen Kritik der Kirchen an der Flüchtlingspolitik seiner Partei zur Wehr.

evangelisch.de

Es werde immer ein Gegensatz zwischen Humanität und Sicherheit hergestellt, sagte der CSU-Chef dem „Münchner Merkur“ (Samstag). „Ist es unchristlich, Gefährder und Straftäter außer Landes zu bringen?“ Ohne Ordnung im Land und den Schutz der einheimischen Bevölkerung werde es auf Dauer keine Humanität geben.

Seehofer kündigte an, dass er mit beiden großen christlichen Kirchen das Gespräch suchen werde, um ihnen die Beweggründe seiner Politik zu erläutern. Der Vorsitzende katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte die Wortwahl der CSU in der Flüchtlingspolitik als „höchst unangemessen“ kritisiert.

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Priesterrat: Papst soll Erzbischof Wilson entlassen

© Bild: picture alliance/chromorange/Antonio Gravante
Nach Australiens Premierminister Malcolm Turnbull unterstützt auch der Priesterrat des Landes Appelle an Papst Franziskus, den verurteilten Erzbischof von Adelaide, Philip Wilson, zu entlassen.

katholisch.de

Australiens Nationaler Priesterrat unterstützt aus „ganzem Herzen“ Appelle an Papst Franziskus, den verurteilten Erzbischof Philip Wilson zu entlassen. Dies würde „dem Wohl der Kirche in Australien und dem Wohl des Volkes Gottes in der Erzdiözese Adelaide“ dienen, heißt es in einer am Samstag veröffentlichten Presseerklärung des National Council of Priests (NCP). Der Erzbischof von Adelaide war wegen Vertuschung von Missbrauchsfällen zu einer Haftstrafe von 12 Monaten verurteilt worden. Bereits am Donnerstag hatte Australiens Premierminister John Turnbull an Franziskus appelliert, Wilson zu entlassen. Dem 1970 gegründeten und von der Australischen Bischofskonferenz anerkannten Nationalen Priesterrat gehören rund 1.700 Geistliche an.

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Führt weniger Religion zu mehr Wohlstand?

Foto: apa
Es ist eine Henne-Ei-Frage: Führt mehr Wohlstand zu einer geringeren Glaubensfestigkeit? Oder sorgt erst Säkularisierung für breiter verteilten Reichtum?

Von Daniel Lingenhöhl | Spektrum.de

Einige der reichsten Nationen der Welt sind gleichzeitig auch die am wenigsten religiösen – allen voran Deutschland. Umgekehrt sind gerade Menschen in sehr armen Staaten laut den Statistiken besonders gläubig. Die Ölstaaten am Golf sind hiervon wohl jeweils eine Ausnahme, ebenso wie vielleicht die USA, die unter den westlichen Industriestaaten wahrscheinlich die höchste Zahl an bekennenden Gläubigen aufweisen. Für einige Wissenschaftler liegt es dennoch nahe, einen Zusammenhang zwischen beiden Aspekten zu sehen. Nur: welchen? Führt wachsender Wohlstand zu einem Rückgang an Religiosität? Davon gingen viele Sozialwissenschaftler in der Vergangenheit aus. Wissenschaftler um Damian Ruck von der University of Bristol drehen dies nun mit einer neuen statistischen Analyse in »Science Advances« um: Ihre Daten legen nahe, dass die Säkularisierung dem Wohlstandsgewinn vorausgegangen ist – und womöglich sogar die Voraussetzung dafür war.

Sie werteten dazu verschiedene Messwerte zur Säkularisierung aus 109 Ländern und einem Zeitraum von 1910 bis 2014 mit Hilfe einer Regressionsanalyse aus und kamen damit zu einem eindeutigen Ergebnis. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Gesellschaften zuerst säkularisierten und danach wohlhabender wurden – und nicht andersherum«, so Ruck. Je mehr die Werte für Säkularisierung anstiegen, desto stärker schlug sich das im Bruttosozialprodukt nieder.

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Die Jesus-Lüge: Untersuchung von Turiner Grabtuch bestätigt lang gehegten Verdacht

Das Turiner Grabtuch wird als Totentuch von Jesus Christus verehrt. Doch die Untersuchung eines Forensikers und eines Chemikers ergab nun Unstimmigkeiten in den Blutspuren auf dem Leintuch.

FOCUS ONLINE

Ihre Studie, die vergangene Woche im „Journal of Forensic Siences“ veröffentlicht wurde, zeigte deutlich: Ein Blutfleck, der von einem Lanzenstich in die Seite des Gekreuzigten herrühren soll, sei „völlig unrealistisch“. Sie entdeckten noch weitere Unstimmigkeiten.

Die Forscher begründeten ihre Zweifel anhand von Experimenten. Mit einem Freiwilligen und einer Puppe wurde der Verlauf der Blutspuren auf dem Grabtuch simuliert. Sie stellten den Speerstich mit einem Holzbrett nach, in dem ein mit Kunstblut vollgesogener Schwamm steckte. Das Brett rammten die Wissenschaftler dann in die Puppe. Auf diese Weise wurde deutlich, wie sich das Blut der Speerwunde über den Körper verteilt haben musste. Das Fazit: Jesus lag wohl nie im Turiner Grabtuch.

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Salvini: Libyens Häfen müssen sichere Häfen werden

Foto: sea-eye.org/media
Die Internationale Organisation für Migration spricht von Hundertausenden „illegalen Migranten in Libyen“. Italien will – zusammen mit NGOs – die Bedingungen in den Lagern verbessern

Thomas Pany | TELEPOLIS

In Libyen sollen sich gegenwärtig mehr als 650.000 Migranten aufhalten, die ohne Visa über die Grenzen gekommen sind und keine Aufenthaltserlaubnis haben („illegale Migranten“), bestätigte Othman Blebeisi (IOM), wie der Libya Observer am Donnerstag berichtete.

Osman Belbeisi ist der Chef des libyschen Zweigs der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und „bestätigen“ ist ein etwas zu solides Wort für eine Einschätzung, die schwer zu leisten ist. Die andere Zahl Belbeisis, die gestern in internationalen Medien Beachtung fand, verweist auf einen Anstieg von 5.000 auf 9.300 Menschen in den Migrantenlagern – mit „weiteren Tausenden, die auf die Gnade der Schmuggler angewiesen sind, die die Aufsicht über inoffizielle Haftanstalten haben“, schreibt der britische Guardian.

„Dort ist die Wahrscheinlichkeit für Missbrauch größer“, ergänzt The National aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2017 sollen es 40.000 Migranten weniger in Libyen gewesen sein, so der Libyan Express. Dort ist zu erfahren, dass der Anstieg der Migranten, die in Lagern festgehalten werden, von 5.000 auf 9.300 innerhalb von drei Monaten passiert sein soll.

Es sei absurd, solche Zahlen überhaupt in Umlauf zu bringen, kommentiert der libysche Beobachter Jalel Harchaoui. Niemand kenne die Zahl der Migranten, die in Libyen festgehalten werden. Nicht einmal die Größenordnung sei bekannt. Keiner wisse was Genaueres.

Ausgangspunkt für die Zahlen war eine Pressekonferenz von IOM-Libyen-Chef Othman Belbeisi. Der überraschte einerseits mit einer differenzierteren Einschätzung der Arbeit der libyschen Küstenwache als die übliche Aburteilung: „In der Zusammenarbeit mit ihr sehen wir Gutes und Schlechtes. Wir müssen diejenigen unterstützen, die gute Arbeit machen und wir müssen die anderen strafrechtlich verfolgen, die gegen Menschenrechte verstoßen.“

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Die orthodoxe Welt fürchtet das nächste große Schisma

© Bild: picture alliance / Artyom Geodakyan / TASS / dpa
Seit fast 1.000 Jahren sind die Kirchen in West und Ost getrennt. Nun droht erneut ein Schisma. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel muss über die Eigenständigkeit der ukrainischen Kirche befinden. Doch Moskau ist dagegen.

katholisch.de

Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, ist dieser Tage nicht zu beneiden. Das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie hat eine Entscheidung zu treffen, die im besten Fall für Ärger unter einigen Millionen von Gläubigen sorgt, im schlimmsten Fall sogar ein weltweites Schisma auslöst: Die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats möchte unabhängig werden. Seit April liegt im Fener, dem Amtssitz des Patriarchen im heutigen Istanbul, ein entsprechender Antrag auf dem Tisch. Nun hat Bartholomaios I. eine Entscheidung von enormer gesellschaftlicher, möglicherweise sogar weltpolitischer Bedeutung zu fällen.

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NRW-Minister: Islamist Sami A. legal abgeschoben – erhebliche Gefahr

Joachim Stamp (FDP, l), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und…Foto: Federico Gambarini/dpa
Der islamistische Gefährder Sami A. wurde abgeschoben. Aus Sicht des NRW-Flüchtlingsministers in einem günstigen Rechtskorridor, aber vollkommen legal. Er habe die Öffentlichkeit „schützen müssen“.

DER TAGESSPIEGEL

Die eilige Abschiebung des islamistischen Gefährders Sami A. nach Tunesien ist aus Sicht der Landesregierung Nordrhein-Westfalens rechtmäßig abgelaufen. „Die rechtlichen Voraussetzungen für die Abschiebung lagen vollständig vor“, sagte NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) am Freitag in einer gemeinsamen Sondersitzung des Rechts- und des Integrationsausschusses im Düsseldorfer Landtag. „Hätte es einen Hinweis auf möglicherweise entgegenstehende gerichtliche Entscheidungen gegeben, wäre es nicht zur Rückführung von Sami A. gekommen.“

Der mutmaßliche Ex-Leibwächter des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden war am Freitag vergangener Woche nach Tunesien abgeschoben worden, obwohl das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Abend zuvor entschieden hatte, dass dies nicht zulässig sei.

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Kirchen verlieren 2017 mehr als 600.000 Mitglieder

Der Mitgliederschwund in den beiden großen Kirchen setzt sich fort. Schuld ist vor allem der demografische Wandel: Mehr Mitglieder sterben als neue hinzukommen. 2017 stieg in beiden Kirchen aber auch die Zahl der Austritte.

evangelisch.de

Die großen christlichen Kirchen in Deutschland verlieren weiter Mitglieder. 2017 sank die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche auf 21,5 Millionen. 23,3 Millionen Menschen gehörten der katholischen Kirche an, wie aus den am Freitag von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Statistiken hervorgeht. Die 20 protestantischen Landeskirchen haben dabei mehr Mitglieder (390.000) verloren als die 27 katholischen Bistümer (270.000).

Der Mitgliederschwund summierte sich damit bei beiden Kirchen auf 660.000. 2016 waren es insgesamt rund 530.000 verlorene Mitglieder. Dennoch gehört noch mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an. Hinzu kommen Christen aus orthodoxen oder Freikirchen.

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Israel stärkt religiös-ethnischen Staat

Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Das israelische Parlament hat knapp das „Nationalitätsgesetz“ verabschiedet, das Juden privilegiert und dem Arabischen nur noch einen Sonderstatus gewährt

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Israel spielt eine negative Pionierrolle, nachdem das Parlament mit einer knappen Mehrheit 62 zu 55 Stimmen und 2 Enthaltungen das sogenannte „Nationalitätsgesetz“ angenommen hat. Es ist ein Grundgesetz mit Verfassungsrang. Knapp und deutlich wird hier Israel von einer Demokratie mit der Gleichberechtigung aller Bürger zu einer rassistisch, zumindest ethnisch und religiös definierten Nation, die Juden explizit privilegiert. Dabei versteht und verkauft sich Israel immer als die einzige Demokratie im Nahen Osten.

Regierungschef Netanjahu feierte die Verabschiedung des Gesetzes im Knesset als „einen entscheidenden Augenblick in der Geschichte des Zionismus und der des Staates Israel. 122 Jahre, nachdem Herzl seine Vision veröffentlichte, haben wir per Gesetz das fundamentale Prinzip unserer Existenz festgelegt.“ Dem ungarischen Regierungschef Victor Orbán, der gerade Israel besucht, sagte er, „Israel verteidigt auf viele Weisen Europa“ im Kampf gegen den radikalen Islam. Er bedankte sich bei Orbán, der immer wieder Israel verteidigt habe. Orbán hingegen befand, Ungarn und Israel verstünden sich wegen der ausgezeichneten Beziehung zwischen ihm und Netanjahu so gut, was kein Wunder sei, da beide Länder einen „patriotischen Führer“ hätten.

Man muss da nichts schönreden, auch wenn das Gesetz faktisch vielleicht keine größeren und direkten Folgen haben wird als die bereits existierenden Diskriminierungen der arabischen Bürger und zwei Passagen nach langen Diskussionen ein wenig korrigiert wurden. Aber es mutet doch seltsam an, dass ausgerechnet die Juden, die vor allem unter dem deutschen Nationalismus/Rassismus leiden mussten, einen weiteren Schritt in die Richtung eines Staates mit einer privilegierten und überlegenen Rasse gehen.

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Zahl der Kirchenaustritte wieder leicht gestiegen

© Bild: Jürgen Fälchle/Fotolia.com
Die Deutsche Bischofskonferenz hat ihre Jahresstatistik für 2017 veröffentlicht. Und diese enthält eine betrübliche Nachricht: Die Zahl der Kirchenaustritte ist wieder gestiegen. In anderen Bereichen des kirchlichen Lebens gab es dafür durchaus erfreuliche Entwicklungen.

Kilian Martin | katholisch.de

Erstmals seit zwei Jahren ist die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland wieder gestiegen. Im Jahr 2017 haben 167.504 Gläubige vor den staatlichen Behörden ihren Austritt erklärt. Damit liegt die Zahl der Katholiken in Deutschland bei 23.311.321, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Freitag in Bonn mitteilte. „Wir sind dankbar, dass rund 28 Prozent der Bevölkerung in unserem Land zur katholischen Kirche gehört“, erklärte DBK-Sekretär Hans Langendörfer zur Vorstellung der Jahresstatistik.

Zur gegenüber dem Vorjahr um etwa drei Prozent gestiegenen Zahl der Austritte (2016: 162.093) sagte Langendörfer: „Die Anzahl der Kirchenaustritte schmerzt.“ Es sei daher gut, dass die Bistümer teilweise in Erhebungen die Gründe für diesen Schritt erforschen.

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Austria: Waldhäusl besteht weiter auf Registrierung: Schächten sei „Tierquälerei“

foto: robert newald „Aus Sicht des Tierschutzes ist Schlachten ohne Betäubung einfach nicht in Ordnung“, findet der freiheitliche Tierschutzlandesrat Gottfried Waldhäusl.
Die Bundesregierung und Niederösterreichs Landeshauptfrau lehnen eine Registrierung der Kunden ab. Aus dem Büro des FPÖ-Landesrats heißt es dagegen: „Wir wollen Schächten zurückdrängen“

Katharina Mittelstaedt | derStandard.at

Inzwischen hat sich sogar die Bundesregierung in die Diskussion über rituelle Schlachtungen eingemischt. Namentlich Kanzleramtsminister Gernüt Blümel (ÖVP): Die Koalition lehne die Registrierung von Kunden, die koscheres Fleisch kaufen, ab. „Solange Sebastian Kurz Bundeskanzler dieser Republik ist, können unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sicher sein, dass diese Freiheiten und Grundrechte in keinster Weise beschränkt werden“, erklärt er in einer Stellungnahme.

Hintergrund ist, dass der niederösterreichische Tierschutzlandesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) aktuell prüfen lässt, wie die Landesbehörden den Bedarf an koscherem und Halal-Fleisch künftig strenger kontrollieren können. Nach Ansicht des Freiheitlichen ist der bisherige Umgang mit dem Tierschutzgesetz zu lax, weil die vorgeschriebene Bedarfsprüfung für geschächtetes Fleisch ohne Registrierung der Endkunden erfolgt.

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Liebe Christen, der Dialog mit der AfD ist beendet!

Die Christen lassen sich viel gefallen; so will es die Bibel. Aber jetzt muss Schluss sein. Lange Zeit haben wir sachlich vor dem Populismus der AfD gewarnt. Die Inhalte der Partei standen im Fokus, wenn etwa Kardinal Reinhard Marx das „Schüren von Fremdenfeindlichkeit“ oder die „einseitige Betonung nationaler Interessen“ monierte.

Björn Odendahl | katholisch.de

Das Ziel war klar: Vielleicht kann man sie mit Argumenten zu einem höflicheren Ton animieren, bestenfalls sogar zu einem politischen Umdenken.

Doch der inhaltliche Austausch mit der AfD und ihren Anhängern ist krachend gescheitert. Der angebliche Wunsch der Partei nach Dialog? Augenwischerei! Denn da, wo sie ihn bekommen hat, etwa auf dem Katholikentag, aber auch in Form von Gesprächsangeboten durch Bischöfe wie Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) oder Ulrich Neymeyr (Erfurt), wurde er entweder nicht wahrgenommen oder zur Bühne für Propaganda.

Auch der Ton wurde mit den Jahren eher rauer als verständnisvoller, gegenüber Migranten wie auch gegenüber der Kirche. Kardinal Reinhard Marx muss sich noch heute als Verräter des christlichen Abendlandes bezeichnen lassen, weil er auf dem Jerusalemer Tempelberg die Deeskalation der Konfrontation in einer angespannten Situation vorzog. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick ging sogar gerichtlich gegen Hass-Postings vor.

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Sind wir nun wieder «die treulosen Juden»?

Das Gespräch zwischen Juden und Christen gelingt nur, wenn beide Seiten die Existenz der anderen Religion akzeptieren. (Bild: Reuters)
Aus heiterem Himmel hat Benedikt XVI. das Wort ergriffen und äussert sich über das Verhältnis von Christentum und Judentum. Er pocht auf die Priorität des Christentums als Weg zum Heil – und stellt damit Errungenschaften infrage, die das Verhältnis von Christen und Juden entscheidend vorangebracht haben.

David Bollag | Neue Zürcher Zeitung

Seit Benedikt XVI. nicht mehr Papst ist, hat sich der jüdisch-christliche Dialog wieder spürbar verbessert. Während seiner Amtszeit wurde er von einer Reihe von Entscheidungen immer wieder stark belastet, wenn nicht gar gefährdet. Da war beispielsweise die Wiedereinführung des – lange abgeschafften – Tridentinischen Ritus der Karfreitagsfürbitte. Dieser Ritus fordert die Christen auf, «für die treulosen Juden (pro perfidis Iudaeis)» zu beten, «dass auch sie erkennen unsern Herrn Jesus Christus».

Der jüdisch-christliche Dialog kann nur funktionieren, wenn die Beteiligten bereit sind, die Existenz der anderen Religion ganz zu akzeptieren. Wenn der eine Partner befürchten muss, dass das Gespräch für den anderen nur eine Täuschung ist, wird es scheitern. Wenn wir als jüdische Seite überlegen müssen, ob die Vertreter des Christentums den Dialog vielleicht nur verwenden, um uns zu überzeugen, unser Judentum aufzugeben und zu Christen zu werden, sind wir am Dialog nicht interessiert. Wir lehnen ihn entschieden ab und bleiben ihm fern.

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