Bericht: George Pell plant Berufung gegen Missbrauchsurteil

Anscheinend möchte er es noch ein letztes Mal probieren: Der wegen Missbrauchs in zweiter Instanz verurteilte Kardinal George Pell zieht Berichten zufolge vor das oberste australische Gericht. Es ist die letzte Möglichkeit einer Berufung – die Erfolgsaussichten werden jedoch skeptisch eingeschätzt.

katholisch.de

Für den australischen Kardinal George Pell endet in diesen Tagen die letzte Gelegenheit, doch noch vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen zu werden. Unter Hinweis auf „Freunde“ des zu sechs Jahren Haft Verurteilten berichtete das Nachrichtenportal „The Australian“ (Montag), Pells Anwälte würden spätestens am Mittwoch Berufung beim obersten australischen Gericht gegen die Verurteilung ihres Mandanten beantragen.

Die drei Richter eines Revisionsgerichts in Melbourne hatten am 21. August mit einer Zwei- zu Eins-Entscheidung die erste Revision Pells abgewiesen. Die gesetzliche Frist für den Einspruch gegen dieses Urteil läuft am Mittwoch ab.

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Wiedereintritt in die Kirche: Es werden nur Einzelne gewonnen

Statistisch gesehen verlässt jedes Jahr die Bevölkerung einer Stadt so groß wie Erfurt die katholische Kirche in Deutschland. Getaufte zurückzugewinnen ist keine leichte Aufgabe. Und so manche Initiative geht auch nach hinten los.

Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Aus der Kirche auszutreten ist ganz einfach: Einmal zum Standesamt oder Amtsgericht gehen, unterschreiben, fertig. Die Taufe ist zwar irreversibel, die Kirche als Körperschaft hat man dann aber verlassen. Wieder einzutreten erfordert dagegen etwas mehr Aufwand: Zuerst führt der Weg ins Pfarramt und zum zuständigen Seelsorger. Nach einem Gespräch bittet der den zuständigen Bischof um die Wiederaufnahme. Ist dieser einverstanden, muss der Eintrittswillige vor Zeugen seinen Wunsch bekunden. Das kann ganz nüchtern im Pfarrbüro geschehen oder bei einem kleinen Gottesdienst. Dann ist die Einheit mit der Kirche wieder hergestellt.

Austritte und Wiedereintritte in die katholische Kirche liegen zahlenmäßig sehr weit auseinander. 2018 traten 216.078 Menschen aus, nur 6.303 kamen wieder zurück. Die Gründe für Aus- und Wiedereintritte sind ebenso unterschiedlich: Wer austritt, hat den Kontakt zur Kirche oft schon lange verloren und will deshalb letztendlich keine Kirchensteuer mehr zahlen. Verstärkt treten Menschen mittlerweile allerdings auch wegen inhaltlicher Kritikpunkte aus der Kirche aus, dazu zählt unter anderem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, fehlende Gleichberechtigung oder die Sexualmoral. Wegen solcher Fälle verliert die Kirche sogar Mitglieder, die ihr grundsätzlich eigentlich noch verbunden sind.

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Die Kirche und der Sex: Große Kluft zwischen Lehre und Leben

„Die Moralverkündigung gibt der überwiegenden Mehrheit der Getauften keine Orientierung“, so Kardinal Marx. Beim geplanten Reformdialog in der Kirche soll daher auch die katholische Sexualmoral auf den Prüfstand kommen.

Joachim Heinz | katholisch.de

Wohl nirgends klaffen Lebenswirklichkeit und kirchliche Lehre so weit auseinander wie beim Thema Sex. Zumindest in westlichen Gesellschaften. Ob vorehelicher Geschlechtsverkehr, der Gebrauch von Kondomen oder Sex zwischen Menschen gleichen Geschlechts: All das gilt in der katholischen Kirche als sündhaft oder wider die menschliche Natur. Im 2010 erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“ etwa heißt es über Homosexualität, die Kirche nehme Menschen mit entsprechenden Empfindungen „vorbehaltlos an“. Schwule und Lesben dürften nicht diskriminiert werden. „Gleichzeitig sagt die Kirche von allen Formen gleichgeschlechtlicher sexueller Begegnung, dass sie nicht der Schöpfungsordnung entsprechen.“

Für den Mainzer Moraltheologen Stephan Goertz verbirgt sich hinter solchen Aussagen ein grundsätzliches Dilemma. „Das Fatale ist, dass die in der Vergangenheit eingeschärften Verbote zum Kern katholischer Identität erklärt worden sind“, sagt der Zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Moraltheologie. Reformen sind daher schwierig. Gleichzeitig verlor die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund des sozialen Wandels in Europa und Nordamerika an moralischer Autorität.

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Drei Länder dringen auf Verbot von Combat 18

Die Innenminister von Niedersachsen, Thüringen und Hessen dringen laut einem Zeitungsbericht darauf, die rechtsextremistische Gruppe Combat 18 zu verbieten. Boris Pistorius (SPD), Innenminister von Niedersachsen, sagte der Tageszeitung „taz“ (Montag): „Wenn wir Combat 18 verfassungsfest verbieten können, sollten wir das so schnell wie möglich tun.“ Das Bundesinnenministerium müsse ein Verbot „schnell und gründlich prüfen“.

evangelisch.de

Der thüringische Innenminister Georg Maier (SPD) sagte der Zeitung: „Sollte der Bund ein Verbotsverfahren auf den Weg bringen, begrüße und unterstütze ich dieses ausdrücklich.“ Laut „taz“ schrieb zudem der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) einen Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit der Bitte um ein Verbot. Hessen „setzt sich dafür ein“, heiße es darin.

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Deutsche Katholiken und der Vatikan: Es naht ein Konflikt ohnegleichen

Papst Franziskus hat sich von den reformbegierigen Deutschen abgewandt.Foto: picture alliance / Evandro Inett

Es geht um alles: Zölibat, Frauen, Laien. Die Deutschen wollen Reformen, Franziskus reagiert autoritär – und gefährdet seine Glaubwürdigkeit. Ein Kommentar.

Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Die katholische Kirche in Deutschland und der Papst – auf diesem Verhältnis liegt zur Zeit kein Segen. Franziskus war die große Hoffnung auf Reformen, ironischerweise nach dem deutschen Pontifex Benedikt. Nun führt genau diese Bereitschaft der Deutschen zur Reform, zur Selbstvergewisserung nach dem grundstürzenden Missbrauchsskandal zu einem Konflikt ohnegleichen.

Der Streit um die Schwangerenkonfliktberatung war ein laues Lüftchen dagegen. Der Vatikan zeigt sich in diesem Fall in einer Weise, die man überwunden glaubte. Oder hoffte. Und das ausgerechnet bei Themen, die für die Glaubwürdigkeit der Institution Kirche von herausragender Bedeutung sind. Im aufgeklärten Europa zumal. Daran hängt viel für die zukünftige Akzeptanz.

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Es gärt im Amri-Komplex

Screenshot aus dem von RBB24 veröffentlichten Video einer Überwachungskamera.

Videomaterial zum Anschlagsgeschehen wirft Fragen auf – Abgeordnetenhaus verklagt Bundesinnenministerium – Bundeskanzlerin in Abschiebungen von Amri-Komplizen involviert?

Thomas Moser | TELEPOLIS

Nichts geht im Falle des Terroranschlages auf dem Breitscheidplatz in Berlin seinen geregelten Ermittlungsgang: -Neues Videomaterial zum Tatgeschehen zieht die offizielle Version ein weiteres Mal in Zweifel.

  • Die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse werden mit Beweismaterial beliefert, aber allem Anschein nach unvollständig.
  • Wussten die Sicherheitsbehörden schon frühzeitiger, dass der Tunesier Anis Amri bei der Tat dabei gewesen sein soll, als es eingeräumt wird?
  • Das Abgeordnetenhaus von Berlin verklagt die Bundesregierung auf vollständige Herausgabe von Akten zum Tatgeschehen. Und der Berliner Untersuchungsausschuss beantragt die Verhängung eines Ordnungsgeldes gegen zwei Beamte des Landeskriminalamtes wegen Auskunftsverweigerung.
  • Im Untersuchungsausschuss des Bundestages erfährt man gar, dass die Bundeskanzlerin in Abschiebevorgänge von Kontaktpersonen Amris involviert war.
  • Schließlich: Wiederholt treffen sich der Bundesinnenminister und der Berliner Innensenator mit Anschlagsopfern und versprechen wiederholt „lückenlose Aufklärung“.

Video lässt neue Fragen aufkommen

Im August wurde weiteres Videomaterial zum Tatgeschehen öffentlich, das die Frage aufwirft, wohin sich der Lenker des Tat-LKW bewegte, nachdem er in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren war. Von der Todesfahrt selber kennt die Öffentlichkeit bisher nur eine 12 Sekunden lange Videosequenz, die das ARD-Magazin Kontraste ausgestrahlt hat. Der Film bricht ab, als der LKW zum Stehen kommt.

Das 12-Sekunden-Video ist ein Ausschnitt aus einem mehrere Minuten langen Video, aufgenommen aus dem Europacenter-Hochhaus am Breitscheidplatz. Auf ihm sieht man in der Folge, wie beim LKW die Fahrertür aufgeht und eine Person aussteigt. Das geschieht erst mehrere Sekunden, nachdem der LKW zum Stillstand gekommen war. In den zwei bis drei Sekunden nach dem Aussteigen rennt diese Person aber nicht etwa über die Straße auf die andere Straßenseite in Richtung U-Bahn-Eingang, sondern verbleibt in der Nähe des LKW.

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Juden, eine «verabscheuungswürdige, schmutzige Nation»

Bereits 2015 beschimpfte der heutige polnische Richter Jaroslaw Dudzicz die Juden in einem Online-Forum eine «verabscheuungswürdige, schmutzige Nation», die nichts verdienen würden.

tachles.ch

Noch 2017 wurde Dudzicz zum Gerichtspräsidenten in Gorzow Wielkopolski befördert. Seine hier zitierten Äusserungen schrieb er, als er noch Mitglied des Nationalrats des Rechtswesens war, der sich mit der Unabhängigkeit der polnischen Gerichte zu befassen hat. Die beanstandeten Äusserungen wurden letzte Woche als erste von der Zeitung «Gazeta Wyborcza» veröffentlicht.

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Militärbischof Rink und der gerechte Krieg

Der frühere Pazifist Sigurd Rink votiert für Aufrüstung, militärische Auslandseinsätze und Wehrpflicht

Peter Bürger | TELEPOLIS

Dr. Sigurd Rink übt als erster evangelischer Militärbischof der Bundesrepublik Deutschland sein Amt hauptamtlich aus. Er hat in diesem Jahr ein Buch „Können Kriege gerecht sein?“ vorgelegt. Der Titel setzt ein Fragezeichen hinter den neuen Friedensdiskurs der Ökumene. So hat etwa der Papst im Buchgespräch mit Dominique Wolton bekräftigt: „Kein Krieg ist gerecht. Die einzig gerechte Sache ist der Frieden.“ Diese Feststellung wird hierzulande auch von mehreren evangelischen Landeskirchen sowie in bedeutsamen Entschlüssen der Ökumene auf weltkirchlicher Ebene getroffen.

Transparent ist die Tatsache einer Mitwirkung des Bundesministeriums für das Militärressort bei der Publikation des Militärbischofs. Sigurd Rink schreibt: „Ich danke der Presseabteilung des Verteidigungsministeriums für die sehr genaue Durchsicht des Manuskripts, einen Faktencheck gleichsam. Das heißt nicht, dass wir in allem einer Meinung wären. Das wäre auch seltsam. Aber gewonnen hat das Buch durch die Zusammenarbeit, und Fehler, die sich dennoch eingeschlichen haben, nehme ich getrost auf mich.“

„Selige Kriegsleute“ – Luther als Ahnherr der R2P-Schutzverantwortung?

Eine Annäherung des ehedem pazifistischen Autors an staatsprotestantische Sichtweisen wird deutlich an den rundherum positiven Bezugnahmen auf Martin Luthers Schrift „Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können“ aus dem Jahr 1526. Schon viele lutherische Christen hat dieses Werk zur Rechtfertigung von Tötungsakten betrübt – nicht nur wegen seiner grausamen Wirkungsgeschichte in der Geschichte unseres Landes. Stets legitimiert der Reformator allein die tötende Schwertgewalt von ganz oben nach unten – gegen die Untergebenen, denen nur das Erdulden ohne Widerstandsrecht zukommt.

Luther vergleicht die tötende Gewaltausübung des „rechtschaffen[en] und göttlich[en]“ Soldatenstandes im Auftrag der von ihm als rechtmäßig qualifizierten Staatsobrigkeit mit dem vom Mediziner ausgeführten „Werk der Liebe“: „Es ist so, wie wenn ein guter Arzt, wenn die Krankheit so schlimm und gefährlich ist, Hand, Fuß, Ohr oder Augen abnehmen und entfernen muss, um den Körper zu retten.“ Weil Gott ja selbst, wie der Reformator glaubt, der Obrigkeit das Schwert überreicht hat (Römerbrief 13), gilt: „Die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott henkt, rädert [sic!], enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine [Gottes! p.b.] Werke und sein Gericht.“

Sigurd Rink will die aus seiner Sicht überzeugendsten Kapitel der Kriegsschrift Luthers so heranziehen, dass der Reformator zum Ahnherr einer – vorrangig militärisch gedachten – „Schutzverantwortung“ (R2P) werden kann. Man muss zugeben, auf diese Weise hätten lutherische Kriegstheologen in der Geschichte nicht die Abgründe der nationalen und dann völkischen Kriegsdoktrin (zur Sicherung der „Lebensgrundlagen“ des auserwählten deutschen Volkes) betreten können.

Schon auf der evangelischen „Militärseelsorge“-Synode 1957 wurden Zweifel laut, ob man Luthers Schrift dem Soldaten in einer atomar bewaffneten Armee empfehlen darf. Martin Luthers „gerechter Krieg“ (aus Liebe) ist „ein kleiner, kurzer Unfriede, der einem ewigen, unermesslichen Unfrieden wehrt, ein kleines Unglück, das einem großen wehrt“.

Was hat das nun aber mit einem militarisierten Weltgeschehen zu tun, das mittels totalitärer neuer Militärtechnologien den demokratischen Diskurs auf unserem Globus aus den Angeln hebt und in dem ein jeder – wie eh und je – seine geostrategisch und ökonomisch motivierten Militäraktivitäten als „Notwehrakte der Liebe“ deklariert?

Was auch hat die schöne Lutherformel mit all den von Rink besichtigten Kriegsschauplätzen zu tun, die als „kleine, kurze Interventionen“ begonnen haben und regelmäßig zu „unermesslichen“ Endlos-Kriegen ausgewachsen sind? Es gilt, was der Militärbischof so ausdrückt: „Das zum Frieden mahnende Zeugnis der Kirche fruchtet nämlich nur dann politisch, wenn es der komplexen Realität gewachsen ist.“

Ehrliche Mitteilung eigener Ratlosigkeit

Es sei nachdrücklich vermerkt: Militärbischof Sigurd Rink übt sich – fernab von etwaigen Unfehlbarkeitsansprüchen – in größter Demut: „Das Thema [Krieg und Militär] ist kompliziert und brisant. Meine Gedanken mögen manchem falsch und naiv erscheinen. Ich nehme dieses Risiko in Kauf und jede Unzulänglichkeit auf mein Konto.“ „Ist mein eigenes Fundament an Glaubensgewissheiten und Prinzipien stark genug, um eventuellen Versuchungen zu widerstehen? Würde ich als Pragmatiker und Verantwortungsethiker, als der ich mich inzwischen verstehe, klare Grenzen erkennen und benennen […]? Drohen auch meine Konturen zu verschwimmen?“

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Neonazi-Skandal bei Box-Übertragung von „ran Fighting“

Box-Übertragung bei „ran Fighting“.Foto: Arndt Ginzel

Er trug ein T-Shirt mit der Parole „Kraft durch Freude“: Ein Boxstall-Gründer hat bei einer Livesendung von „ran Fighting“ seine Gesinnung zur Schau gestellt.

Markus Ehrenberg | DER TAGESSPIEGEL

Ein Neonazi-Skandal hat am Samstagabend eine Box-Veranstaltung in Friedrichshafen am Bodensee überschattet, die auf der Pro7Sat1-Plattform „ran Fighting“ live im Internet übertragen wurde. Beim Kampf im Superweltergewicht zwischen Ali Celik und Islam Ashabov fiel der Blick auf den Gründer des „Germanen Boxstalls“ Rene Hildebrandt. Für ihn trat Ashabov an.

Hildebrandt trug ein Shirt mit der Aufschrift „Kraft durch Freude“. Diese war zwischen 1933 und 1945 der Name der Freizeit-Organisation der Nationalsozialisten. Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen nach „Bild“-Informationen den Vorfall.

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Erdogan will für Flüchtlinge „Schleusen“ nach Europa öffnen

Razzien gegen Syrer scheinen zu mehr Ankünften in Griechenland zu führen, gleichzeitig sollen Syrer auch in die Heimat zurückbefördert worden sein

Philipp Mattheis | DERSTANDARD

Für viele Syrer ist Istanbul keine sichere Stadt mehr. Anfang Juli nämlich kündigte die Regierung an, alle nichtregistrierten Flüchtlinge hätten Istanbul bis zum 20. August zu verlassen. Die Deadline wurde später bis zum 30. Oktober verlängert. In einer ersten Welle nahm die türkische Polizei mehrere tausende sich illegal in Istanbul aufhaltende Flüchtlinge fest und brachte sie in ein Flüchtlingslager, wo sie sich registrieren lassen sollten.

Laut Informationen von Menschenrechtsorganisationen wie Syrian Observatory for Human Rights wurden aber auch rund 6200 Menschen über die Grenze nach Nordsyrien gebracht. Offiziell geschehe dies „freiwillig“, tatsächlich aber werden viele von den Behörden dazu genötigt, entsprechende Dokumente zu unterschreiben.

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Papst kritisiert Haftbedingungen in Italien: „Das Gefängnis ist nicht die Lösung“

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Ein Gefängnis sei mehr ein Problem als ein Lösung, sagt Papst Franziskus. Bei einer Ansprache am Samstag ermutigte er Justizbeamte, Gefängnisseelsorger und Sträflinge gleichermaßen.

DOMRADIO.DE

Papst Franziskus hat mehr Anstrengungen für die Resozialisierung von Gefangenen sowie Maßnahmen gegen die Überfüllung italienischer Haftanstalten gefordert. „Es müssen würdige Lebensbedingungen geschaffen werden, sonst werden die Gefängnisse zu Pulverfässern der Wut anstatt zu Orten der Wiedereingliederung“, so das Kirchenoberhaupt am Samstag auf dem Petersplatz bei einer Ansprache vor rund 11.000 Mitarbeitern des italienischen Justizvollzugs.

Ihnen dankte Franziskus für ihre „verborgene, oft schwierige und wenig befriedigende, aber notwendige Arbeit“. Diese bestehe nicht allein darin, „Gefangene zu bewachen, sondern auch Schwache zu unterstützen“. Er wisse um die Schwierigkeiten in den Haftanstalten, so der Papst. „Aber vergesst bitte nicht das Gute, das ihr jeden Tag bewirken könnt: Euer Verhalten, eure Einstellungen, eure Blicke sind kostbar.“

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„Das Grauen wurde Normalität“

Leonora Messing und ihre erste Tochter Bild: privat

Leonora Messing war 15, als sie ihr Heimatdorf im Harz verließ, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Ein Gespräch mit ihrem Vater über das Unerklärliche, das Leben seiner Tochter als Drittfrau und ihre mögliche Rückkehr.

Paula Lochte | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Messing, im März 2015 wollte Ihre Tochter angeblich nur das Wochenende bei ihrer Mutter ein paar Dörfer weiter verbringen – dort kam sie nie an. Wann wurde Ihnen klar, dass sie sich auf den Weg zum „Islamischen Staat“ (IS) gemacht hatte?

Schon bei der ersten Vernehmung. Sie verschwand an einem Freitag. Noch am selben Abend haben wir eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Wir waren an den ältesten Polizeibeamten in ganz Sachsen-Anhalt geraten. Der bediente die Tastatur mit zwei Fingern. Es war grauenhaft. Plötzlich kam die beste Freundin meiner Tochter rein: „Leo hat sich gerade gemeldet, die ist in der Türkei!“. Der Kriminalbeamte guckte komisch und ich sagte: „Das kann doch gar nicht sein! Wie soll eine Fünfzehnjährige in die Türkei kommen?“. Auf ihrem Laptop haben wir dann die Flugbuchung gefunden. Sie hatte meine Unterschrift auf einer Einverständniserklärung gefälscht. Der Polizist sagte: „Die kommt schon wieder.“ In ihrem Tagebuch habe ich dann zum ersten Mal dieses Wort gelesen: Syrien. Doch selbst da habe ich noch nicht begriffen, was das eigentlich bedeutet. Wirklich verstanden habe ich es erst sechs Tage nach Leos Verschwinden. Beamte vom Landeskriminalamt durchsuchten gerade ihr Zimmer, als mich ein Mann anrief, der sagte, dass Leo bei ihm sei. Auf dem Profilfoto des Anrufers bei Whatsapp war ein junger Mann zu sehen, mit Sturmhaube, Knarre und IS-Flagge.

Der Mann war Martin Lemke aus Sachsen-Anhalt, der sich nun Nihad Abu Yasir nannte. Seit ein paar Tagen war er Leonoras Ehemann – sie seine fast zehn Jahre jüngere Drittfrau. Hatten Sie das kommen sehen?

Es gab keine Alarmsignale. Rückblickend muss ich sagen: Es war zu schön, zu normal. Leo war gut in der Schule, sie war Klassensprecherin und hat ehrenamtlich im Altenheim vorgelesen. Sie war im dörflichen Leben integriert. Kurz vor ihrer Ausreise hat sie noch beim Karneval als Funkenmariechen getanzt – also relativ freizügig. Sie hat weder Kopftuch getragen, noch völlig auf Schweinefleisch verzichtet. Auch an feste Gebetszeiten, zu denen ihre Zimmertür verschlossen gewesen wäre, hat sie sich nicht gehalten. Sie war so wie immer. Aber das war eine Fassade.

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Hunderte wurden erschlagen, zerteilt und entfleischt

Bei Herxheim in der Pfalz wurden vor gut 7000 Jahren bis zu tausend Individuen brutal geopfert Quelle: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons /Armin Kübelbeck

Funde zahlreicher Massaker belegen, dass Mitteleuropa vor 7000 Jahren von einer schweren Krise erschüttert wurde. In ihrer Not verfielen steinzeitliche Bauern in der Südpfalz auf ein tödliches Ritual.

Florian Stark | WELT

Gehört der Krieg „jeder gegen jeden“ zur DNA der menschlichen Existenz oder wuchs Homo sapiens die Bereitschaft, Konflikte mit Waffengewalt zu lösen, erst im Lauf seiner zivilisatorischen Entwicklung zu? Eine grausige Entdeckung in der Pfalz macht es zumindest schwer, der These des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau zu folgen, der einen glücklichen Urzustand des Menschen postulierte. Denn seit 1996 legen Archäologen in Herxheim bei Landau Gruben frei, die mit zahllosen Zeugnissen brutaler Gewalt angefüllt sind: Skelettreste von Hunderten Individuen, hingeschlachtet vor gut 7000 Jahren.

Wie dieser Fund interpretiert werden könnte und in welchem historischen Zusammenhang er womöglich steht, will die Dokumentation „Tatort Steinzeit“ entschlüsseln, die das ZDF am Sonntag in seinem Format „Terra X“ ausstrahlt. Denn Herxheim ist kein Einzelfall. Zahlreiche Spuren von Massakern, die in den vergangenen Jahren in Mitteleuropa entdeckt wurden, zeigen, dass das Leben am Ende der Jungsteinzeit keineswegs friedlich war, sondern von Gewaltausbrüchen geprägt wurde.

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Der «Marsch fürs Läbe» ist im rot-grünen Zürich eine Provokation sondergleichen

Unter der Hardbrücke haben linksautonome Gegendemonstranten Container angezündet. (Bild:Keystone/Walter Bieri)

Christen und Rechtskonservative demonstrieren in Zürich. Nach einer Störaktion radikaler Linken setzt die Polizei Tränengas und Gummischrot ein. Protokoll eines Nachmittags der Extreme.

Daniel Fritzsche | Neue Zürcher Zeitung

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Protestaktionen gegen den von Abtreibungsgegnern organisierten «Marsch fürs Läbe» in Zürich-West ist es zu Ausschreitungen gekommen.
  • Linksextreme warfen Gegenstände, zündeten Abfallcontainer an und demolierten ein Polizeifahrzeug. Die Polizei setzte Tränengas und Gummischrot ein. Zwei Polizisten wurden leicht verletzt.
  • Ein 30-jähriger Mann ist wegen Gewalt und Drohungen festgenommen worden. 175 weitere Personen wurden von der Polizei kontrolliert.

Auf Besuch bei den «Christen-Fundis»

Auf dem Zürcher Turbinenplatz haben sie sich versammelt, die «Christen-Fundis», die «rechten Hetzer», die «Ewiggestrigen». Es sind wenig schmeichelhafte Etiketten, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des «Marsch fürs Läbe» angeheftet werden. Mehr als tausend von ihnen sind am Samstag nach Zürich-West gekommen, um gegen die Abtreibungspraxis in der Schweiz zu demonstrieren.

Wer sind diese Leute? Wie eine «Gefahr für die Schweizer Gesellschaft» wirken sie an diesem sonnigen Nachmittag nicht. Zu sehen sind viele ältere Personen, manche von ihnen gebrechlich, Menschen mit Behinderungen, Familien mit vier, fünf, sechs Kindern. Auch Jugendliche sind dabei, einige von ihnen geben sich als Mitglieder der Freikirche ICF zu Erkennen. Eine Gruppe aus Polen schwenkt Holzkreuze.

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Türkei: Tauziehen um Demirtas

Bald wieder auf freiem Fuß? Selhattin Demirtas (links im Vordergrund). Bild: Mahmut Bozarslan/gemeinfrei

Der seit drei Jahren inhaftierte HDP-Chef wurde in einem Verfahren freigesprochen, doch ob er aus dem Gefängnis kommt, bleibt ungewiss; zugleich wurde die Istanbuler CHP-Chefin verurteilt

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Im November 2016 wurden die Chefs der türkischen Oppositionspartei HDP, Figen Yüksekdag und Selahattin Demirtas, in ihren Privatwohnungen verhaftet. Yüksekdag streamte die Ankunft der Polizei damals live ins Internet. Es waren entsetzliche Minuten eines Jahres, das zum Schicksalsjahr für die Türkei wurde.

Im Sommer war ein Putschversuch von Teilen des Militärs gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan gescheitert. In der Folge ließ dieser Zehntausende Menschen ins Gefängnis werfen, oppositionsnahe Unternehmen verstaatlichen, Medien wurden verboten, Oppositionelle gnadenlos verfolgt, die Folter wurde wieder zum Alltag in den Gefängnissen, mehrere Menschen starben dort unter teils bis heute ungeklärten Umständen.

Die kleine linksliberale und prokurdische HDP stand schon länger in der Schusslinie, Tausende ihrer Mitglieder waren und sind in Haft – und nun schreckte der Staat nicht einmal mehr davor zurück, das gewählte Spitzenpersonal aus dem Verkehr zu ziehen. Es war ein so überdeutlicher Angriff auf die Demokratie, dass niemand mehr wegsehen konnte.

Demirtas sitzt seither in Untersuchungshaft. Gegen ihn läuft eine Vielzahl an Strafverfahren. Die Vorwürfe kennt man aus all den anderen Verfahren gegen Gegner Erdogans: Terrorpropaganda, Terrorunterstützung, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Und so weiter. Ein erstes Urteil erging im September 2018.

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Islamismus-Experte Ahmad Mansour spricht in Herborn „Klartext zur Integration“

Islamismus-Experte Ahmad Mansour spricht „Klartext zur Integration“. Foto: Klaus-Dieter Schwedt

Wenn der bekannte Experte für Islamismus Ahmad Mansour bei TV- Talkshows oder Seminaren auftritt, ist immer Polizei anwesend. Auch in Herborn, bei der Eröffnung der Interkulturellen Woche.

Klaus-Dieter Schwedt | mittelhessen

Zur Eröffnung der Interkulturellen Woche hat Diplom-Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mandour am Freitagabend im voll besetzten Herborner Vitos-Festsaal „Klartext zur Integration“ gesprochen.
Wenn der bekannte Experte für Islamismus und Antisemitismus bei TV- Talkshows oder Seminaren auftritt, ist immer Sicherheit geboten. So auch in Herborn, wo Polizeibeamte Taschen kontrollierten und staatliche Personenschützer links und rechts der Bühne mit aufmerksamen Blicken den Festsaal im Auge hatten.
Der 1976 als Sohn arabischer Israelis geborene Ahmad Mandour kennt sich aus bei seinen Arbeitsschwerpunkten Salafismus, Antisemitismus sowie psychosoziale Fragen und Probleme bei Migranten muslimischer Herkunft. Während seiner Schulzeit wäre er durch Kontakt mit einem fundamentalistischen Imam beinahe selbst ein Islamist geworden. Sein Psychologiestudium half ihm, sich vom Islamismus zu lösen. 2004 ging er nach Deutschland und setzte sein Studium in Berlin fort.

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Erzapostel Woelki sorgt sich um die Retouren der Verbraucher

Waren aus Retour-Sendungen im Onlinehandel sollten nach Ansicht des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki gespendet werden, statt sie zu vernichten. Die Vernichtung sei hierzulande manchmal einfacher als die Spende an Bedürftige, sagte Woelki am Sonntag in seinem „Wort des Bischofs“ im Bistumssender domradio.de. „Das muss sich ändern!“

evangelisch.de

Der Kardinal verwies darauf, dass nach Schätzungen des Umweltministeriums in Deutschland jedes Jahr Millionen Pakete mit Produktbestellungen zurückgeschickt werden. Dadurch würden Waren im Wert von mehreren Milliarden Euro vernichtet. Allerdings könne jeder mithelfen, dass die Flut der Rücksendungen kleiner werde: „Einfach mal bei einer Bestellung verantwortlicher auswählen und so Ressourcenverschwendung vermeiden“, riet Woelki.

Päpstlicher Hinterhalt

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Erst macht der Papst den Bischöfen Mut, einen Reformprozess anzustoßen. Doch als die ihn beim Wort nehmen, erklärt er sie für inkompetent und unzurechnungsfähig. Das ist einfach irre.

Daniel Deckers | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was hatte Papst Franziskus sich nicht alles von den Christen gewünscht? Mehr Freimut. Von der Kirche: dass sie sich nicht länger an die eigene Verschlossenheit und Bequemlichkeit klammere. Oder von den Bischöfen: dass sie zu Subjekten mit konkreten Kompetenzbereichen würden. Nicht zu vergessen die Bischofskonferenzen: Organe mit einer gewissen authentischen Lehrautorität.

Das war 2013. Sechs Jahre später nehmen Bischöfe und Laien gemeinsam den Papst beim Wort. Doch Franziskus und seine Büchsenspanner im Vatikan fallen ihnen in einer Weise in den Rücken, welche die gewöhnliche Vorstellungskraft übersteigt.

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Sachsens Bischof Rentzing verteidigt Mitgliedschaft in Burschenschaft

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing hat seine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft verteidigt. „Ich bin mit 25 Jahren während meines Studiums in Frankfurt/M: Mitglied der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia und damit im Coburger Convent geworden“, betonte der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am Samstag in einer Erklärung.

evangelisch.de

Seit seiner Entscheidung für den Pfarrberuf sei er nicht mehr aktiv in dieser Verbindung, „aber formal bin ich tatsächlich noch Mitglied in ihr“.

Der Bischof reagierte damit auf einen Bericht der „Sächsischen Zeitung“ (Samstag) über seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft. Laut der Zeitung ist einer der Wahlsprüche der Hercynia „Deutsch, frei innig und treu“. Unter anderem soll Rentzing bei seiner einmaligen Teilnahme am Pfingstkongress des Coburger Convents, der Dachorganisation der deutschsprachigen studentischen Landsmannschaften, in einem Fackelzug mitgelaufen sein.

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Australien: Gesetz zwingt Priester zum Bruch des Beichtgeheimnisses

Die Bestimmung soll eine Kultur schaffen, in der jeder Missbrauch eines Kindes angezeigt wird, sagte der Premierminister des Bundesstaates Victoria.

kath.net

Das Parlament des australischen Bundesstaates Victoria hat in dieser Woche ein Gesetz beschlossen, das Priester dazu verpflichtet, Fälle von Kindesmissbrauch anzuzeigen, auch wenn sie davon nur in der Beichte erfahren.

Bei einem Verstoß drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Daniel Andrews, der Premierminister von Victoria, sagte laut einem Bericht der Zeitung The Age, er hoffe, dass der Bundesstaat niemals Priester auf Grundlage dieses Gesetzes ins Gefängnis stecken müsse. Die Bestimmung solle eine Kultur schaffen, in welcher jeder Missbrauch und jede Misshandlung angezeigt werde, unabhängig davon, wie sie ans Licht gekommen sei.

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