Archiv der Kategorie: Religion

In den Kellern von Cizre

Berichte von Massakern in Städten mit kurdischer Mehrheit erheben schwere Vorwürfe gegen das Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte

Von Michael Knapp|TELEPOLIS

Seit Tagen kommen in kurzen Abständen Nachrichten aus der belagerten Stadt Cizre, die das Grauen der jeweils vorherigen Nachricht noch in den Schatten stellen. In den jüngsten Meldungen berichtet ANF-News (Firatnews) von 66 getöteten Menschen, die sich vor der türkischen Polizei und dem Militär in Kellern in Cizre geflüchtet hatten, und weiteren 73 Verletzten, deren Verbleib unklar ist.

Nachrichtensperre, Deutungshoheit und Berichte aus der Kriegszone

Nach Berichten auch der anderen oppositionellen Nachrichtenagentur – DIHA – werden stündlich neue Leichen aus Cizre in die Krankenhäuser gebracht. Im Stadtviertel Cudi spricht man von insgesamt 94 Toten, im Stadtviertel Sur von 45 Toten. Offiziell bestätigt sind laut der kurdischen Nachrichtenagenturen bisher nur die oben genannten Zahlen.

Die Türkei hat eine Nachrichtensperre über die Gebiete verhängt. Wo ihr Militär agiert und Schrecken verbreitet, ist die Informationslage davon geprägt: Die türkische Regierung will die Deutungshoheit über ihre Story, die kurdischen Nachrichten berichten anderes, dem widersprechendes, das auf Augenzeugen-Aussagen beruht und immer wieder auch von außerhalb bestätigt wird.

In Cizre herrscht seit 58 Tagen Ausgangssperre. Die Menschen können ihre Häuser nicht verlassen, da, wie Augenzeugen immer wieder berichten, Scharfschützen des türkischen Militärs das Feuer auf sie eröffnen. Dies stellte auch eine Untersuchungskommission des mittlerweile ebenfalls ermordeten Vorsitzenden der Anwaltskammer von Diyarbakir Tahir Elci schon im September 2015 fest.

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Größenwahn: Erdogan droht Syrien mit direkten Eingreifen

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Flüchtlinge an der Grenze und die Kurden im Nachbarland auf dem Vormarsch: dem türkischen Präsidenten Erdogan bereitet die Lage in Syrien zunehmend Sorgen. Nun drohte er sogar mit einem direkten Eingreifen.

Frankfurter Allgemeine

Die Türkei hat mit einem Eingreifen in Syrien gedroht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Donnerstag in Istanbul, irgendwann werde das Land die Geduld verlieren. Dann werde die Türkei gezwungen sein, aktiv zu werden. Zugleich warf Erdogan dem Iran vor, an „gnadenlosen Massakern“ beteiligt zu sein. Die Vereinten Nationen müssten mehr tun, um eine „ethnische Säuberung“ in dem Bürgerkriegsland zu verhindern.

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Kommen Transsexuelle in der Bibel vor?

Bisher haben Kirche und Theologie kaum etwas zum Thema Transsexualität zu sagen. Es mag daran liegen, dass darüber wenig in der Bibel steht. Doch es gibt einige Stellen, die man zu dem Thema heranziehen kann.

Von Anne Kampf|evangelisch.de

Genau zwei Bibelstellen wurden von den Theologen bei der Konferenz “Transsexualität. Eine gesellschaftliche Herausforderung im Gespräch zwischen Theologie und Neurowissenschaften” Anfang Februar in Frankfurt zitiert: 1. Mose 1,27 und Galater 3,28. Die Biologin Joan Roughgarden steuerte noch Apostelgeschichte 8,26-40 und andere Verse über Eunuchen bei. In Bezug auf die Geschlechtsangleichung schlug ein Teilnehmer außerdem das Motiv der “neuen  Kreatur” aus den neutestamentlichen Briefen vor. Doch der Reihe nach.

“Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau”, so steht es in 1. Mose 1,27, richtiger übersetzt: “männlich und weiblich”. Wie können Menschen, die homo-, bi- inter- oder eben transsexuell veranlagt sind, dieses binäre Modell “männlich und weiblich” verstehen und auf sich beziehen? Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sagte dazu: “Die Zweigeschlechtlichkeit von Mann und Frau ist eine besondere Gabe Gottes. Sie ist aber nicht das einzige Schöpfungsgemäße, gegenüber dem andere geschlechtliche Orientierung als defizitär zu beurteilen wäre.” Der evangelische Theologe Dirk Evers von der Universität Halle-Wittenberg ergänzte: “In der wechselseitigen Bezogenheit und seiner sexuellen Diversität entspricht der Mensch seinem Schöpfer.” Nicht nötig, dass ein Mensch sich eindeutig als Mann oder Frau einordnet, um der Schöpfungsordnung zu entsprechen.

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Sex-und Machtspiele: In der “Kloake” Avignon feierten die Päpste Orgien

Johannes XXII.. Bild: wikimedia.org/PD
Mit Johannes XXII. begann 1316 die “Babylonische Gefangenschaft” der Päpste in Avignon. Für mehr als 60 Jahre dämmerte die Kurie in Gelagen und Machtspielen dahin, Auftakt zum Großen Schisma.

Von Berthold Seewald|DIE WELT

Jacques Duèse war alles andere als ein begnadeter Theologe. Dafür kannte sich der kränkliche und kleinwüchsige Mann aus dem französischen Midi umso besser in Juristerei und Politik aus, was ihm 1310 den Bischofshut von Avignon eintrug. Sechs Jahre später, vor 700 Jahren, krönten die Kardinäle diese bemerkenswerte Karriere mit der Wahl zum Papst. Da war Duèse 72 Jahre alt. Als Johannes XXII. saß er 18 Jahre auf dem Stuhl Petri, länger als viele seiner Vorgänger und Nachfolger. “Mit ihm kam eine der unwürdigsten Persönlichkeiten auf den päpstlichen Thron”, urteilt der Kirchenhistoriker und Vatikanspezialist Georg Denzler.

Als gewiefter Jurist widerrief Johannes mit seiner Bulle “Quia nonnunquam” die Lehre, dass Jesus und seine Jünger kein Eigentum besessen hätten, und machte sich umgehend daran, als Stellvertreter Christi mit entsprechendem Beispiel voranzugehen. Er unterwarf kirchliche Ämter und Pfründe mit einem raffinierten Steuersystem, das ihn zum reichsten Herrscher des Abendlandes machte, setzte dem Nepotismus neue Maßstäbe, indem er fünf Verwandte zu Kardinälen ernannte, und weigerte sich, Rom zu besuchen. Statt dessen residierte er in seinem Palast in Avignon, das er damit für mehr als 60 Jahre zum Zentrum der abendländischen Christenheit machte.

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Halal krank vs Haram gesund

https://www.flickr.com/photos/grimneko/
Alkoholhaltiger Hustensaft und Kapseln mit Schweinegelatine: Für viele gläubige Muslime sind solche Medikamente tabu. Doch oft gibt es Alternativen. Und wenn es mal keine gibt, ist Gesundheit oberstes Gebot.

Von Andreas Gorzewski|MiGAZIN

Wenn Muslime in einer Apotheke Tabletten oder Tropfen kaufen, wollen sie vom Beipackzettel nicht nur Auskunft über Nebenwirkungen. Denn einige Inhaltsstoffe sind im Islam eigentlich tabu. Dazu gehören vor allem Alkohol und Produkte vom Schwein, wie Zouhair Halabi erläutert, Arzt für Innere Medizin in Düren und Medizin-Beauftragter des Zentralrats der Muslime in Köln. Doch in der Pharma-Industrie spielen diese Produkte eine wichtige Rolle. Sie kommen in Pillen und Säften ebenso vor wie in Salben oder Transplantaten. Muslime müssen deshalb oft abwägen.

Für Medikamente gilt wie für Speisen im Islam, dass bestimmte Tiere und berauschende Getränke „haram“, also verboten, sind. Die Einhaltung der entsprechenden Gebote hat nach Ansicht vieler Gläubiger Auswirkungen auf das Leben nach dem Tod. Nach ihrer Vorstellung hängt deshalb von der richtigen Medikation nicht nur ihr körperliches, sondern auch ihr seelisches Heil ab.

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Kinderfickersekte erwägt Weltgebetstag für Missbrauchsopfer

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Auch eigene Bußliturgie, Transparenz-Workshops und Universitätskurs unter den Vorschlägen der vatikanischen Kinderschutzkommission

kath.net

Die vatikanische Kinderschutzkommission will Papst Franziskus die Einführung eines Weltgebetstags für Missbrauchsopfer vorschlagen. Darüber hinaus könne über eine Bußliturgie nachgedacht werden, wie aus einer am Montag veröffentlichten Presseerklärung des vatikanischen Gremiums hervorgeht. Sechs Arbeitsgruppen hatten sich in der Vorwoche in Rom zu einer Bestandsaufnahme getroffen und mögliche Richtlinien und Vorschläge für die Zukunft erarbeitet, die dem Papst präsentiert werden sollen.
Vorgeschlagen wurden auch Workshops zu rechtlichen Aspekten sowie zu mehr Transparenz bei den Verfahren, die unter Beteiligung externer Berater noch dieses Jahr stattfinden sollen. Das Gremium kündigte zudem den Start eines Universitäts-Kurses zum Schutz von Minderjährigen an der Gregoriana in der kommenden Woche an.

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Der Protestantismus schrumpft stärker als der Katholizismus

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Bevölkerungsanteil der Evangelischen jetzt in allen Bundesländern unter 50 Prozent
 

kath.net

Der landeskirchliche Protestantismus in Deutschland hat zwischen 2004 und 2014 stärker an Boden verloren als der Katholizismus. Während der Bevölkerungsanteil der evangelischen Kirchenmitglieder um 3,2 Prozentpunkte auf 27,9 Prozent zurückging, gab es auf katholischer Seite ein Minus von zwei Prozentpunkten auf 29,5 Prozent. Das zeigt ein Zehn-Jahres-Vergleich der entsprechenden Statistiken der EKD. Sie hatte jüngst in Hannover die neuesten Kirchenmitgliederzahlen (Stand 31. Dezember 2014) veröffentlicht. Demnach stehen 22,6 Millionen Evangelische 23,9 Millionen Katholiken gegenüber. Der Bevölkerungsanteil der Mitglieder beider Großkirchen liegt damit bei 57,4 Prozent. 2004 betrug er noch 62,6 Prozent.
Besonders stark fallen die Mitgliederverluste der evangelischen Kirche im Norden Deutschlands aus. Am größten war der prozentuale Rückgang in Schleswig-Holstein, wo 2004 noch die deutliche Bevölkerungsmehrheit (56,3 Prozent) evangelisch war. Jetzt liegt der Anteil bei 49,2 Prozent. Auch in Niedersachsen sind inzwischen weniger als die Hälfte der Bürger Protestanten (46,9 Prozent) – ein Minus von 5,1 Prozentpunkten. Ähnlich stark sind die Verluste in den nördlichen Stadtstaaten Bremen (37,4 Prozent/–6,7) und Hamburg (27,9 Prozent/–4,3). Sachsen-Anhalt: Im Stammland der Reformation nur noch 13 Prozent Protestanten Die prozentual wenigsten Protestanten leben in der ehemaligen DDR, wo die jahrzehntelange atheistische Erziehung durch das SED-Regime die Entkirchlichung vorangetrieben hat.

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Strafender Gott als kulturelle Triebkraft?

Sorgte erst der Glaube an einen strengen Gott für Kooperation in den frühen Gesellschaften? © Darko Kuslan / freeimages
Religion als Sozialkitt? Der Glaube an eine allwissende, strafende Gottheit könnte unseren Vorfahren die Bildung erster Zivilisationen erleichtert haben. Denn diese religiöse Überzeugung fördert die Kooperation mit Unbekannten gleichen Glaubens, wie ein Experiment mit Menschen aus acht verschiedenen Kulturen belegt. Der Glaube könnte damit den Übergang von Familienclans zu großen, komplexen Gesellschaften gefördert haben, wie Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.

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Glaube und Religion sind nicht nur Privatsache, sie beeinflussen auch, wie wir mit anderen umgehen und prägen damit unsere Gesellschaften. Gleichzeitig beeinflusst die Umwelt, welches Gottesbild in einer Kultur dominiert. Ob umgekehrt der Glaube vielleicht auch eine Triebkraft bei der Entstehung der ersten Zivilisationen war, darüber spekulieren Forscher schon seit längerem.

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Experten? fordern islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Experten fordern islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen: Er sei wichtig für die Identität und Integration muslimischer Kinder

Von Claudia Steiner|Magazin Schule online

„Assalamu aleykom“, das sind die ersten Worte von Lehrerin Amina Ben Halima zu Beginn der Stunde. Ein schönes Motto für den Islamunterricht im Modellversuch einer 6. Klasse der bayerischen Mittelschule Ridlerstraße in München – diese Worte bedeuten nämlich „Der Friede Allahs sei mit dir“. „Wa aleikum assalam – Gott sei mit dir“, antworten die Schüler der 6. Klasse ihrer tunesischstämmigen Lehrerin, die nun auf Deutsch antwortet: „Friede sei mit euch.“

Mit diesem festen Ritual beginnt Ben Halima ihren Unterricht. Die Schüler, beziehungsweise deren Eltern, stammen aus der Türkei, Bosnien, Albanien, Afghanistan, Tunesien und anderen muslimisch geprägten Ländern. An der Wand des Klassenzimmers hängen Fahnen und Poster zu islamischen Festen, Feiertagen und Regeln. „Wir haben an unserer Schule einen Migrationsanteil von mehr als 90 Prozent“, erzählt die Münchner Direktorin Eva Gaßner. Der größte Anteil der Schüler der Mittelschule geht in den Ethikunterricht, gefolgt vom Islamunterricht. Erst an dritter Stelle kommt katholische Religion.

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Frauen und Christen flüchten aus den Unterkünften

In Flüchtlingsunterkünften kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen ethnischen oder religiösen Gruppen. In Stuttgart bekommen nun 30 Christen eine eigene Unterkunft. Quelle: Die Welt
In Flüchtlingsheimen kommt es oft zu schweren Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen. Frauen, Christen und Homosexuelle werden besonders oft attackiert – und nun zum Teil gesondert untergebracht.

Von Hannelore Crolly, Marcel Leubecher|DIE WELT

Zerrissene Bibeln und Beschimpfungen, abgerissene Kreuze und sogar Schläge ins Gesicht: Die Klagen über Gewalt in Flüchtlingsheimen reißen nicht ab. Besonders betroffen von der angespannten Stimmung in vielen beengten Massenunterkünften sind Frauen, Homosexuelle und religiöse Minderheiten. Weil sich in Stuttgart die Berichte christlicher Flüchtlinge über Schikanen durch muslimische Mitbewohner häuften, kommt die Stadt nun Forderungen entgegen, einem Teil dieser Migranten eine neue Unterkunft im Stadtteil Neugereut anzubieten.

Ein Helferkreis, der sich hauptsächlich um assyrische Christen aus Syrien und dem Irak kümmert, hatte diese drastische wie umstrittene Maßnahme gefordert, auch der Zentralrat Orientalischer Christen appellierte in einer von fast 17.000 Personen unterzeichneten Online-Petition an die Stadt: “Bitte ermöglichen Sie die gemeinsame Unterbringung vertriebener Christen in Stuttgart-Neugereut und bewahren Sie diese dadurch vor weiterer Bedrängnis und Verfolgung, der sie bei dezentraler Unterbringung immer wieder ausgesetzt sind.”

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Netanjahu: Mauer um Israel als “Schutz vor den wilden Tieren”

5958b-welcome_to_israelIsrael ist ein Pionier für die Idee der gated nations, also für den Bau von Mauern oder Zäunen möglichst um das ganze Land. Hunderte von Kilometern wurden bereits abgezäunt. Pionier war Israel auch für die wohl höchste Mauer mit bis zu 8 m und für Hightech-Zäune mit Kameras, Radar, Bewegungssensoren, aber auch mit fernsteuerbaren Maschinengewehren und autonomen Kontrollfahrzeugen (Israel mauert sich ein).  

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Eigentlich ist Israel an den Landgrenzen schon weitgehend zur Festung ausgebaut, die nicht nur Terroristen, sondern auch Flüchtlinge abhalten soll. Zuletzt wurde der Grenzzaun im Süden nach Ägypten zwischen Rafah und Eilat über Hunderte von Kilometern geschlossen, der vor allem gegen die Einwanderung von Flüchtlingen aus Afrika gerichtet war. Aber wenn man einmal begonnen hat, sich einzumauern, sind Lücken offenbar ein Ärgernis.

Zäune sollen, wie nun der israelische Ministerpräsident Netanjahu ankündigte, Israel zu einer rundum geschützten Insel machen, geschützt vor unerwünschten Menschen. Das Land soll vollständig mit einem Zaun umgeben werden, “um uns selbst vor den wilden Tieren zu schützen”, die Israel umgeben: “Werden wir den ganzen Staat Israel mit Zäunen und Barrieren umgeben? Die Antwort ist Ja.” Netanjahu kündigte dies am Dienstag an, als er die Grenze zu Jordanien besuchte, wo an einem 30 km langen Zaun entlang der gesamten Grenze gearbeitet wird, der auch den neuen Flugplatz im Timna-Tal schützen soll. Das Westjordanland, der Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel sind bereits abgezäunt.

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Geisterstunde: Nigerianische Barbie trägt Hijab-Schleier und soll Vorbild sein

Bild. freerepublic.com
Bild. freerepublic.com
Nigeria hat einen neuen Instagram-Star: eine Barbiepuppe, die Kopftuch trägt.

kath.net

Nigeria hat einen neuen Instagram-Star: eine Barbiepuppe, die Kopftuch trägt. Die sogenannte «Hijarbie» – eine Wortzusammensetzung aus dem islamischen Schleier Hijab und Barbie – hat im sozialen Netzwerk Instagram innerhalb weniger Wochen mehr als 24.400 Fans gefunden. Entworfen wurde die Barbiepuppe von der Nigerianerin Haneefa Adam.
Für die Puppe, die Spielzeughersteller Mattel 1955 erstmal auf den Markt brachte, nähte sie Kleider, wie sie muslimische Frauen tragen – inklusive Hijab. Dem Sender CNN sagte die 24-Jährige, die gerade ihr Pharmakologie-Studium in Großbritannien beendet hat und auch Bloggerin ist: «Ich habe noch nie eine Barbie mit Hijab gesehen. Ich halte es für wichtig, dass eine Puppe so wie ich angezogen ist.» Damit wolle sie für muslimische Mädchen ein Vorbild schaffen. Auf ihren Fotos ist Barbie derzeit noch hellhäutig. «Bisher konnte ich in Nigeria keine Puppen mit dunkler Hautfarbe kaufen», so die Erfindern der «Hijarbie».

Osmanischer Wesir, Pressefreiheit und Deniz Yücel

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr türkischer Amtskollege Ahmet Davutoglu in Ankara am vergangenen Montag Foto: AP
“Arrogant”, “Religionsfeind”, “PKK-Anwalt”: Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent der “Welt”, wird aus dem Regierungslager attackiert, weil er beim Besuch der Kanzlerin kritisch nachfragte

DIE WELT

Für Journalisten gibt es kaum etwas Wichtigeres als Nachrichten – sie zu verbreiten und zu interpretieren gehört zu diesem Beruf. Aber manchmal werden Berichterstatter selbst zur Nachricht und das meistens gegen ihren Willen. In der Türkei geschieht das gerade dem “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel, und es ist die Regierung, die ihn zum Thema macht. Eine Regierung wohlgemerkt, die von internationalen Organisationen wiederholt für ihre Beschränkungen der Pressefreiheit kritisiert wird. Bemerkenswerterweise ist es eine kritische Frage unseres Autors, die das Regierungslager für Angriffe und zum Teil persönliche Diffamierungen auf Titelseiten nutzt. Auch diese Angriffe gehören – leider – zu den Nachrichten, die wir mitteilen müssen.

Was ist geschehen? Bei ihrem Besuch in Ankara am Montag dieser Woche gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu eine Pressekonferenz. Es geht um die Themen, die den Besuch der deutschen Regierungschefin prägen – den Flüchtlingsstrom aus Syrien und die Vereinbarungen der EU mit der Türkei, ihn zu kanalisieren. Es geht auch um den innen- und außenpolitischen Kontext der türkischen Flüchtlingspolitik. Yücel stellt der Bundeskanzlerin seine Frage auf Deutsch.

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Gottheitsinkarnation Rama kommt nicht vor Gericht

Rama-Bildnis in Südindien (1816). Bild: heise.de
Ein Gericht im nordindischen Bundesstaat Bihar hat eine Klage des Anwalts Chandan Kumar Singh abgewiesen, weil diese seiner Ansicht nach keine praktische Relevanz hat. Dass der Fall in Indien trotzdem mehr Schlagzeilen macht als die meisten anderen Justizangelegenheiten, liegt daran, dass der Anwalt eine Hindu-Gottheit wegen Frauendiskriminierung vor Gericht bringen wollte.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Dabei berief er sich auf das 1.800 bis 2.400 Jahre alte Ramayana-Epos, in dem die siebente Vishnu-Inkarnation Rama die Königstochter, Lakshmi-Avatarin und Landwirtschaftsgöttin Sita auffordert, zu beweisen, dass sie noch rein ist, nachdem er sie aus den Klauen des Dämonenkönigs Ravana befreit hat. Das zeugt Singhs Ansicht nach nicht nur von Misstrauen, sondern auch von einem mangelnden Respekt Ramas gegenüber Frauen.

Man könne, so der Anwalt, nicht über Respekt gegenüber Frauen im modernen Indien reden, wenn eine der am meisten verehrten Gottheiten seine eigene Ehefrau ganz anders behandle. Das müssten sich die Inder eingestehen und deshalb sei seine Klage keinen Scherz und keine Publicity-Aktion, sondern eine wichtige Angelegenheit.

Hätte das Gericht die Klage angenommen, dann hätte es seiner Meinung nach eine Botschaft aussenden können. Stattdessen muss Chandan Kumar Singh sich nun mit einer Klage wegen übler Nachrede und religiöser Beleidigung auseinandersetzen, die sein Anwaltskollege Ranjan Kumar Singh gegen ihn angestrengt hat. Außerdem fordert Ranjan Kumar Singh, dass die Anwaltskammer Chandan Kumar Singh die Zulassung entzieht, weil ihm “eine Lektion erteilt” werden müsse. Dieser Meinung seien auch viele andere indische Juristen, deren religiöse Gefühle verletzt wurden. Außerdem, so Ranjan Kumar Singh, verehrten Hindus Rama und Sita als Paar, weshalb sich die Frage einer unangemessenen Behandlung gar nicht stelle.

Chandan Kumar Singh gab sich von der Reaktion Ranjan Kumar Singhs überrascht und meinte zur BBC, er sei praktizierender Hindu, verehre selbst Rama und habe nicht vorgehabt, religiöse Gefühle zu verletzen. Sollte er das mit der Klage unabsichtlich getan haben, entschuldige er sich dafür – aber die Tatsache, dass Rama Sita nicht den angemessenen Respekt entgegenbrachte, könne man nicht einfach ignorieren.

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Augsburg: Petry darf wieder mitspielen

AfD-Chefin Frauke Petry darf wieder im Augsburger Rathaus sprechen © Tobias Schwartz/AFP
Seit Tagen schaukelt sich der Streit zwischen dem Augsburger Oberbürgermeister Gribl und der AfD hoch. Nun hat AfD-Chefin Frauke Petry einen juristischen Sieg errungen: Sie darf im Rathaus reden.

stern.de

Das Hausverbot für AfD-Chefin Frauke Petry im Augsburger Rathaus ist nach einer Entscheidung des dortigen Verwaltungsgerichts rechtswidrig. Das Gericht gab am Mittwoch einem Eilantrag der Parteivorsitzenden statt. Petry will am Freitagabend beim Neujahrsempfang der beiden Augsburger AfD-Stadträte im historischen Rathaus sprechen.

Nach Ansicht der Richter ist es üblich, dass die Stadtverwaltung den Fraktionen und Wählergruppen Repräsentationsräume im Rathaus zur Verfügung stellt. Dies gelte “insbesondere auch zur Abhaltung von Neujahrsempfängen unter Teilnahme überörtlicher politischer Prominenz”, begründete Gerichtssprecher Stefan Eiblmaier die Entscheidung.

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Erdogan mit Kontrollverlust: Frontalangriff auf die USA

erdogan-sultan

Die Kooperation der Amerikaner mit den Russen in Syrien bringt den türkischen Präsidenten Erdogan in massive Bedrängnis. Beide Großmächte kooperieren mit den Kurden – was Erdogan nun zu einem Frontal-Angriff gegen die US-Regierung bewegt hat. Denn die Regierung in Ankara bemerkt, dass ihr in Syrien die Felle davonschwimmen.

Deutsch Türkische Nachrichten

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die USA wegen ihrer Unterstützung der syrischen Kurdenpartei YPD ungewöhnlich scharf attackiert. Die Unfähigkeit der USA, das wahre Wesen der YPD zu verstehen, habe die Region in ein „Meer des Blutes“ verwandelt, sagte Erdogan am Mittwoch in Ankara. „Sind Sie auf unserer Seite oder auf der Seite der terroristischen YPD und der PKK?“

Die YPD gehört zu den wichtigsten US-Verbündeten beim Kampf der radikalislamischen IS-Miliz in Syrien. Die YPD steht aber auch der von den USA und der EU als Terrorvereinigung eingestuften Kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, gegen die die Regierung in Ankara seit Jahrzehnten in einen gewalttätigen Konflikt um mehr Autonomie für die Kurden im Südosten der Türkei verwickelt ist. Die Regierung ist zuletzt mit äußerster Härte gegen die Kurden vorgegangen. Beobachter sprachen von einem regelrechten Bürgerkrieg.

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Kirchenvertreter kritisieren ‘Alternative für Deutschland’ scharf

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Mitvorsitzender Meuthen weist Vorwürfe zurück: Die Kirche sollte genau zuhören

kath.net

Kirchenvertreter haben die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) scharf kritisiert. Vor allem ein Vorschlag der AfD-Parteivorsitzenden, Frauke Petry (Leipzig), stieß auf Empörung. Petry hatte im „Mannheimer Morgen“ verlangt, es müsse verhindert werden, dass weiter so viele unregistrierte Flüchtlinge über Österreich einreisen könnten. Die Polizei müsse dafür „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“, sagte sie. „Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ Nach der Kritik relativierte Petry ihre Aussage und warf den Medien vor, ihre Worte in einem Interview „verkürzt und völlig sinnentstellt“ wiedergegeben zu haben.
Kardinal Marx: AfD-Äußerungen sind „inakzeptabel und menschenfeindlich“

Der Vorsitzende der (katholischen) Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), nannte Petrys Äußerungen „inakzeptabel und menschenfeindlich“. Marx wörtlich: „Parteien, die so etwas äußern, sind keine Alternative für Deutschland.“ Ähnlich äußerte sich der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (Darmstadt). Gegenüber der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ sagte er im Blick auf die Partei: „Was von der AfD kommt und von Pegida, ist katastrophal, menschenverachtend.“ Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

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Ex-Nazis in Behörden: Innenministerium – brauner als gedacht

Bundesinnenministerium in Berlin Zwei Drittel der Führungskräfte sollen 1961 frühere Nazis gewesen sein. (Foto: dpa)
Unter den leitenden Mitarbeitern im Bundesinnenministerium waren bis in die siebziger Jahre hinein weit mehr Nazis als bisher angenommen. Das ergibt eine neue Studie. Andere Behörden waren noch brauner.

Von Barbara Gillmann|Handelsblatt

2010 gab es großen Wirbel um eine Studie zum Einfluss der Nazis im Außenministerium – während und nach der Nazizeit. In der Folge verlor das Auswärtige Amt den Nimbus, ein Hort des Widerstandes gewesen zu sein. Nun rückt ein weiteres bedeutendes Bundesministerium in den Fokus der Forschung: Im Bundesinnenministerium (BMI) war die Quote der Ex-Nazis nach dem Krieg besonders hoch, wie eine Studie der beiden zeitgeschichtlichen Leibniz-Institute ZZF Potsdam und IfZ München-Berlin zeigt.

1950 war demnach jede zweite Führungskraft im Innenministerium ein ehemaliges NSDAP-Mitglied. Der Anteil stieg bis Ende der 1950er-Jahre, 1961 lag die Quote der Ex-Nazis daher sogar bei zwei Drittel. Die Sensibilität, was persönliche Verstrickungen im Nationalsozialismus betrifft, sank und spielte bei der Personalpolitik eine noch geringere Rolle als nach dem Zweiten Weltkrieg. Das sei ein „allgemeiner gesellschaftlicher Trend“ gewesen, der auch in anderen Bundesbehörden zu beobachten gewesen sei, heißt es in der Studie. Im Schnitt der Jahre 1949 – 70 ergab sich eine Quote von 54 Prozent im Innenministerium.

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Israel: Knesset verbannt arabische Abgeordnete

Die drei Ausgeschlossenen (v.li.): Hanin Zoabi, Jamal Zahalka und Basel Ghattas. Foto: dpa
Der israelische Ethikausschuss schließt drei Parlamentarier für Debatten aus, weil sie zwischen Polizei und Familien von palästinensischen Messerstechern vermitteln wollten. Das Misstrauen zwischen Juden und Arabern hat unter Netanjahu Überhand gewonnen.

Von Inge Günther|Frankfurter Rundschau

Aiman Odeh, Fraktionschef der Vereinten Liste, ein Bündnis arabisch-israelischer Parteien in der Knesset, war bei dem Treffen nicht dabei, das unter jüdischen Parlamentskollegen einen empörten Aufschrei ausgelöst hat. „Ich war nicht eingeladen“, sagt er, was klingt, als ob er darüber nicht ganz unglücklich ist. Aber die drei Abgeordneten seiner Fraktion, denen jetzt das Rederecht in Plenar- und Ausschusssitzungen abgesprochen wurde, weil sie vorige Woche Familien von palästinensischen Messerstechern besucht haben, nimmt Odeh ausdrücklich in Schutz. „Das Treffen hatte einen moralischen Grund, den ich akzeptiere“, betont der Anwalt aus Haifa. Schließlich sei es darum gegangen, zwischen israelischer Polizei, die monatelang die Leichen von Attentätern festgehalten hatte, und palästinensischen Angehörigen zu vermitteln.

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Merkel rief Papst nicht an

Papst Franziskus und Angela Merkel bei ihrem Besuch im Vatikan im Februar 2015 – REUTERS
Das angebliche Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Franziskus über den Zustand Europas hat es nicht gegeben.

Radio Vatikan

Sowohl Regierungssprecher Steffen Seibert als auch Vatikansprecher Federico Lombardi dementieren diese Meldung. Seibert sagte wörtlich: „Die Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern. Ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm außerordentlich.“ Die Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ hatte unter Berufung auf den Papst berichtet, die deutsche Bundeskanzlerin habe diesen angerufen, weil sie sich über Äußerungen von ihm über Europa geärgert haben soll.