Archiv der Kategorie: Religion

Sterbehilfe: Mein Wille geschehe

Die Debatte über die Sterbehilfe in Deutschland wird vor allem von religiösen Überzeugungen und persönlichen Befindlichkeiten bestimmt. Dabei sollte doch die autonome Entscheidung über das eigene Leben im Vordergrund stehen. Die Verteidigung eines Grundrechts


Von Alexander Grau|Cicero

Menschen mit Selbsttötungsabsicht sind nicht immer vernachlässigte Opfer. picture alliance

Für Bundestagspräsident Norbert Lammert ist es „eines der anspruchvollsten und schwierigsten Gesetzesvorhaben in dieser Wahlperiode“: die Neuregelung der Strebehilfe, über die der Bundestag erstmals am vergangenen Donnerstag debattierte.

Im November diesen Jahres werden die Abgeordneten über vier fraktionsübergreifende Anträge abzustimmen haben: Diese reichen von einem pauschalen Verbot jeglicher Sterbehilfe (eingereicht durch die CDU-Abgeordneten Patrick Sensburg und Thomas Dörflinger) bis zu deren Zulassung, sofern sie nicht kommerziell betrieben wird (Renate Künast, Die Grünen, und Petra Sitte, Die Linke). Die größte Unterstützung genießt der als moderat geltende Gruppenantrag von Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD). Er gestattet die Verabreichung lebensverkürzender Medikamente durch Ärzte, sofern der Tod des Patienten nicht intendiert ist, untersagt aber organisierte Sterbehilfe.

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Wir brauchen Hirn: Boxen und Beten

Bild: o-ringen.nl
Boxen ist eine gute Übung für christliche Nächstenliebe, findet Gabriel Hörster. Deshalb trainiert der Religionslehrer seine Schüler im Kampfsport. Und das tut schüchternen Mädchen ebenso gut wie Schlägertypen.


evangelisch.de

Dumpfe Schläge sind in der Turnhalle des Esslinger Mörike-Gymnasiums zu hören. Dazwischen die Stimme von Gabriel Hörster: “Links-links, rechts, uppercut!” Etwa 25 unterschiedliche Trainingspartner üben Schlagkombinationen. Fünftklässler boxen in die Handschuhe von großen Typen aus der zehnten Klasse, Mädchen trainieren mit Jungen. In der Box-Arbeitsgemeinschaft wird einmal in der Woche in der Mittagspause nicht gegeneinander, sondern miteinander trainiert.

Der Boxtrainer ist ein Religionslehrer. Für Finn aus der Klasse 6b ist das kein Problem. Direkt vor der Box-AG hatte er eine Stunde Evangelische Religion bei dem 32-Jährigen. “Wir lernen in der Box-AG Respekt”, sagt Finn, “Schwächere darf man nicht so hart schlagen, das hat auch etwas mit Religion zu tun.”

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Militär-Apostel Overbeck: Religion hasst Gewalt

Alle Religionen müssen für die Religionsfreiheit eintreten. Nur so gibt es auf Dauer gegenseitige Akzeptanz – Hass oder sogar Gewalt gegeneinander wird der Boden entzogen. Dafür spricht sich der katholische Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck aus.


OberpfalzNETZ.de

Bischof Franz-Josef Overbeck (2014) Bild. wikimedia.org/CC-BY-3.0/ACBahn

Bei seinem Besuch in Amberg hielt er vor Soldaten der hiesigen Garnison im ACC einen Vortrag zum Thema “Religion und Gewalt”. Ausgehend von der historischen Entwicklung beider Seiten betonte er, dass “zwischen fundamentalistischen, radikalen oder politisierenden Strömungen, die die Religion verzwecken und der Religion selbst deutlich differenziert werden muss”. Die kriegerische Durchsetzung eines Glaubens oder ein gewaltsames Vorgehen im Namen dieser Religion agiere gegen deren eigene Grundlagen. “Im Islam und im Christentum gibt es keinen Gott, der die Menschen aufruft, Gewalt auszuüben”, sagte Overbeck.

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Die “Wissenschaft” im Talmud: “Man muss wissen, wie die Welt funktioniert”

Ein Buch mit hebräischen Schriftzeichen liegt am 24.04.2007 in der Jeschiwa, der Talmud-Hochschule in Frankfurt am Main. (Tobias Felber / dpa)
Der Talmud ist eine der wichtigsten Werke des Judentums – das orthodoxe und das liberale Judentum deuten ihn unterschiedlich. Für die talmudischen Gelehrten war das Verständnis von der Astronomie, Botanik oder auch der Zoologie von großer Bedeutung – ein Erklärstück.


Von Yael Kornblum|Deutschlandradio Kultur

Eine der wichtigsten Aufgaben der talmudischen Gelehrten war die Errichtung eines Kalenders. Diese hing wesentlich vom Verständnis der Astronomie ab. So konnte Samuel Bar Abba durch seine minutiöse Beobachtung des Neumondes den Kalender und die Feiertage viele Jahre im Voraus berechnen und sogar Schaltjahre berücksichtigen.

Die genaue Beschäftigung mit den Reinheitsgeboten führte sie zum Studium des weiblichen Zyklusses, des Geburtsvorganges, der Menstruation und der Fehlgeburt. So konnten sie Menschen kategorisieren und bestimmen, welche religiösen Regeln für sie galten – oder eben auch nicht. So beschäftigen sich die Rabbinen im Traktat Mischna Bikkurim beispielsweise mit der Frage, ob ein Zwitter heiraten darf, wenn ja welches Geschlecht und welche Gebote er einzuhalten habe.

Müssen die Mütter von Zwittern nach der Geburt die Reinheitsgebote zur Geburt eines Jungen oder eines Mädchens einhalten? Dass die Gelehrten offenbar naturwissenschaftlichen Hunger hatten, beweist folgende Begebenheit: Die Schüler des Rabbi Jischmael sezierten den Körper einer verstorbenen Prostituierten, um zu verifizieren, ob der menschliche Körper tatsächlich 248 Gelenke und Glieder besäße, wie in der Schrift behauptet.

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Eine Hassrede gegen die “geistige Sklaverei” des Islamismus

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Wer das Paradies verspricht, bringt die Hölle: Der 80-jährige Schriftsteller Wole Soyinka prangert den Terror von Boko Haram an. Deutsche Intellektuelle kritisieren lieber TTIP, findet unser Kolumnist.


Von Harald Martenstein|DER TAGESSPIEGEL

Literatur-Nobelpreisträger machen sich in Lindau rar, aber diesmal ist Wole Soyinka gekommen, ein 80jähriger Nigerianer.  Der erste Afrikaner, der den Preis bekommen hat, 1986. Der Eintritt zu seinem Vortrag ist frei, aber es sind fast keine Lindauer im Stadttheater. Der Saal ist trotzdem voll. Die jungen Wissenschaftler sind da. Am Ende  gibt es eine stehende Ovation.

Soyinka hat in Nigeria fast zwei Jahre im Gefängnis gesessen, wegen Friedensaktivitäten im Biafrakrieg. Er hat ein Anliegen, und er trägt es in einer hinreißenden Mischung aus Pathos, Ironie und Sarkasmus vor. Seine Rede ist eine Hassrede, das kann man so sagen. Sie richtet sich gegen den Islamismus, gegen den Terror der Gruppe Boko Haram, die in ihrem Herrschaftsgebiet in Nigeria die Sklaverei wieder eingeführt hat. Geistige Sklaverei, das ist sein Wort für den Islamismus.

Soyinka spricht über Islamschulen, an denen es nur ein Buch gibt, nur den Koran, wo absoluter Gehorsam gelehrt wird, wo der Zweifel, die Diskussion, die Kreativität und jedes Verständnis für eine andere Weltsicht verboten sind. Und er zieht eine Parallele zum Marxismus, der ja, wie der Islam, eine mörderische Variante hervorgebracht hat.

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FIFA-Blatter will in den Himmel

Sepp Blatter (79), umstrittener Fifa-Präsident und Katholik, glaubt, dass er einmal in den Himmel kommt. «Ich bin kein Heiliger. Wer ist das schon?


kath.net

Sepp Blatter (2015), Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/kremlin.ru

Aber ich bin mir sicher, dass ich im Himmel in eine gute Gesellschaft komme», sagte der Fußball-Funktionär der Münchner Illustrierten «Bunte». Zumindest sei er überzeugt davon, seine Mutter wiederzusehen. In seiner Heimat, dem Wallis, gehe er oft an das Grab der Eltern: «Ich rede mit ihnen und meistens kommt eine Message zurück.» An die Hölle glaube er nicht, bekannte Blatter. «Da bin ich mit dem Papst uneinig.»

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Die Rolle der Juden in der christlichen Heilsgeschichte

“Heilsgeschichte” ist ganz allgemein jede religiöse Interpretation von Geschichte, und dazu gehören auch die christlichen Vorstellungen der “Endzeit”. Da das Christentum dem Judentum entspringt, gehört den Endzeitvorstellungen auch eine Positionierung gegenüber dem Judentum.


Von Ulrike Heitmüller|TELEPOLIS

Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)
Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)

Wie Christen Juden sehen, hat sich im Lauf der Zeiten immer wieder geändert. Das Spektrum ist breit und oft ambivalent, die Themen überlappen sich. Aber es gibt Schwerpunkte: Erstens den allgemein verbreiteten völkischen Rassismus vor 1945. Zweitens die in gewissen evangelikalen Kreisen verbreitete Naherwartung nach Kriegsende – der Massenmord sei ein Gericht Gottes gewesen, die Juden müssten nach Palästina “zurückkehren”, damit Jesus auf die Erde zurückkommen und die Welt erlösen könne.

Mein Großvater Friedrich Heitmüller, Leiter der Freien evangelischen Gemeinde Hamburg und Direktor des Diakoniewerkes Elim, vertrat diese beiden Sichtweisen in beispielhafter Weise. Drittens, vor allem seit den 1980er Jahren, ein inzwischen oft politisch orientierter christlicher Zionismus. Und viertens Judenmission – existent seit den Anfängen des Christentums und gerade aktuell, weil entsprechende Gruppen auf dem Kirchentag nicht aktiv sein dürfen.

Tanach und Altes Testament: eine gemeinsame Heilige Schrift

Der Tanach – für Christen: das “Alte Testament” (AT) – beinhaltet die Heiligen Schriften der Juden. Die Bibel – bestehend aus Altem und Neuen Testament (NT) ist das Heilige Buch der Christen. Der so genannte “Kanon”, also was als Bestandteil festgelegt wurde, stimmt, was das AT betrifft, zwischen Judentum und Christentum nicht ganz überein, und was die Bibel betrifft, auch nicht zwischen orthodoxen, katholischen und evangelischen Christentum.

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Kirchliche Medien sollen sich verstärkt jungen Menschen zuwenden

Image: DaC3
Image: DaC3
Die evangelische Kirche erreicht mit ihren Medienangeboten bei älteren Menschen ein Millionenpublikum, kommt dagegen mit jüngeren Zielgruppen nur schwer in Kontakt. Der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Markus Bräuer, erklärte am Freitag in Stuttgart vor der württembergischen Landessynode, die Zukunft der Medien spiele sich vor allem auf Smartphones ab. Schon heute erfolgten 50 Prozent aller Internetzugriffe mobil. Die Kirche müsse deshalb mehr dafür tun, dass ihre Inhalte die möglichen Empfänger auch erreiche.


evangelisch.de

Bräuer warb für die Beschäftigung sogenannter Verbreitungsredakteure. Deren Aufgabe wird es sein, in sozialen Medien Videoclips und andere kirchliche Inhalte bekanntzumachen. Die zurückgehende Kirchenbindung erschwere den Zugang zu jungen Menschen. “Alle kennen die Rolling Stones, aber nicht mehr alle das ‘Vater unser'”, sagte Bräuer.

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Mike Huckabee has sure had a lot of opinions over the years

attribution: REUTERS
David Fahrenthold has compiled a list of all the things Republican presidential candidate Mike Huckabee has denounced over the years. Let’s take a look, shall we?


By Hunter|Daily Kos

1.) Dancing, in general. “Christian teens stay away.” (1973)

2.) Twerking, by Miley Cyrus. “Shameless and tasteless display of … quite ordinary private parts.” (2015)

9.) Pop music, in general. “A knuckle-dragging sub-pidgin of grunts and snarls.” (1998)

11.) President Obama, for letting his daughters listen to Beyonce. (2015)

26.) Profanity used by schoolchildren. “What happened in America between ‘Good Morning, Mrs. Jones,’ and ‘Shut up, bitch!’? And who is going to do something about it?” (1998)

36.) Lack of religion in schools, as a root cause of mass shootings in America. “Should we be so surprised that schools would become a place of carnage.” (2012)

73.) Same-sex couples in TV commercials. “Every fear that people had has, in fact, come true. … We’re now even seeing television commercials portraying same-sex couples.”(2013).

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Erzdiözese Wien bietet Männerberatung zum Thema Pädosexualität

Seit einem Jahr bietet die Männerberatung kostenfreie und anonyme Beratung für Männer, die haupt- oder ehrenamtlich in der Kirche arbeiten, an. Inhaltliche Schwerpunkte dabei sind die Themen Macht bzw. Machtmissbrauch und Sexualität, also Umgang mit Verliebtheit, sexuelle Übergriffe sowie Pädosexualität. Aber auch oft unbewusste Grenzüberschreitungen rund um Nähe bzw. Distanzlosigkeit können zur Sprache kommen.


kathweb

missbrauch_katholGenutzt wird dieses Angebot laut der Leiterin der “Stabsstelle für Missbrauchs- und Gewaltprävention, Kinder- und Jugendschutz” in der Erzdiözese Wien, Martina Greiner-Lebenbauer, bisher noch sehr wenig – und das trotz ausdrücklicher werbender Empfehlung durch Kardinal Christoph Schönborn, etwa bei Priestertagen. Das bedauerte die Theologin und Gestaltpädagogin im Gespräch mit “Kathpress”, und sie unterstrich die Niederschwelligkeit: Die Kontaktaufnahme der Interessenten erfolgt direkt bei der kirchenunabhängigen Männerberatung in der Wiener Erlachgasse 95/5. Für die Erzdiözese bleiben die Beratenen anonym, sie trägt jedoch die Kosten für bis zu fünf Beratungsgespräche. Interessierte müssen bei der Kontaktaufnahme nur auf das “Angebot der Erzdiözese Wien” hinweisen. Die Kooperation mit der Männerberatung ist in Österreich ein Novum, wies Greiner-Lebenbauer hin.

Ungewöhnlich und “ganz besonders wichtig” ist der Leiterin der kirchlichen Anlaufstelle die Benennung von Pädosexualität. “Männer mit dieser Veranlagung finden meist keine hilfreiche Unterstützung und sind mit ihrem Problem sehr oft allein gelassen”, weiß Greiner-Lebenbauer. “Diese zu unterstützen, nicht Täter zu werden, ist ein wichtiges Ziel.”

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Jerusalem: IS-Sympathisanten drohen Christen mit dem Tod

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
Die Gruppe „Islamischer Staat in Palästina“ kündigt auf Flugblättern den rund 12.000 in Jerusalem lebenden Christen an, sie zu töten, sollten sie die Stadt nicht vor Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan am 18. Juli verlassen haben.


kath.net

In der israelischen Hauptstadt Jerusalem haben Sympathisanten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) Flugblätter verteilt, in denen sie Christen „Rache“ androhen. Das meldet die Zeitung „Times of Israel“.

Die Gruppe, die die Handzettel Ende Juni im Osten der Stadt unter die Menschen brachte, nennt sich „Islamischer Staat in Palästina“. Die Flugblätter zeigen eine schwarze Flagge, die an die Fahne des IS erinnert.

Die Gruppierung droht den rund 12.000 in Jerusalem lebenden Christen, sie zu töten, sollten sie die Stadt nicht vor Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan am 18. Juli verlassen haben.

Sowohl christliche als auch islamische Geistliche verurteilten dem Bericht zufolge die Drohungen.

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Bangladesch: Lebensgefährlicher Atheismus

Immer wieder werden in Bangladesch Blogger getötet. (pa/dpa/EPA/Abdullah)
Apostasie, der Abfall vom Glauben, führt in einigen islamischen Ländern zum Tod. Der 31-jährige Blogger Asif Mohiuddin hat es am eigenen Leib erfahren: Beinahe wäre er einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. In Bangladesch ist eine freie Meinungsäußerung in Religionsfragen kaum möglich. Nun hat er in Hamburg Schutz gefunden. Aber auch hier kann er nur schwer über seine Vorstellungen sprechen.


Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

Es fing damit an, dass er schon als Schuljunge einfach nur Fragen stellte, erinnert sich Asif Mohiuddin. Er bekam aber nie Antworten, die ihn zufrieden stellten.

“Wir feiern einmal im Jahr das Eid Al-Adha-Fest und schlachten in muslimischen Familien in Bangladesch eine Kuh oder andere Tiere. Ich war von all dem Blut geschockt. Warum tut ihr das? Und meine Eltern sprachen, Allah ist darüber glücklich, dass wir ihm eine Kuh schlachten.”

Dies geschieht in Erinnerung daran, dass Ibrahim statt seines Sohnes in letzter Minute ein Opfertier schlachtete und so sein Vertrauen zu Gott bewies. Die berühmte Geschichte des Urvaters dreier Weltreligionen wird nicht nur im Islam, sondern auch im Judentum und Christentum bis heute erzählt und gelesen. Für den jungen Asif ist sie aber eine Geschichte verabscheuenswürdiger Brutalität.

“Ich möchte diesen Gott nicht anbeten. Abraham hatte doch ein psychisches Problem, auf Gottes Geheiß hin seinen Sohn töten zu wollen. Wenn er in heutigen Zeiten leben würde, würde er in eine Psychiatrie eingeliefert und nicht als Prophet verehrt werden.”

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Vatikan-Klimakonferenz: „Megafon“ der Umwelt-Enzyklika

Naomi Klein im Vatikan – AFP
Als eine Art „Megafon“ der päpstlichen Umwelt-Enzyklika versteht sich eine Vatikan-Klimakonferenz, die an diesem Donnerstag und Freitag rund 200 Wissenschaftler, Politiker, Menschenrechtler und Kirchenvertreter an der Päpstlichen Universität Augustinianum in Rom versammelt.


Radio Vatikan

Neben Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und der UN-Sondergesandten für den Klimawandel Mary Robinson trägt auch die kanadische Globalisierungsgegnerin Naomi Klein auf der Tagung vor. Die Veranstaltung hat der Päpstliche Friedensrat zusammen mit dem Dachverband katholischer Entwicklungsorganisationen CIDSE organisiert.

Viele Etiketten hat Papst Franziskus‘ Enzyklika seit ihrer Veröffentlichung schon erhalten – so aber wurde sie bislang wohl kaum beschrieben: „Laudato sì“ sei „poetisch“ und zugleich „mutig“, sagte die kanadische Globalisierungsgegnerin Naomi Klein am Mittwoch vor Journalisten im Vatikan; das päpstliche Lehrschreiben sei ein „Dokument des Gemeinsinns“, das nicht nur zur katholischen Welt, sondern zu „allen Menschen auf dem Planeten“ spreche. Dass Franziskus in dem weit gefächerten Text auch auf wirtschaftliche Aspekte des Komplexes Klima und Umwelt eingeht, hatten einige Kritiker bemängelt. Klein sieht das anders:

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Grüne für höhere Besteuerung der griechisch-orthodoxen Kirche

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag und früheres EKD-Präsidiumsmitglied, hat sich für eine höhere Besteuerung der orthodoxen Kirche in Griechenland ausgesprochen.


kath.net

© Katrin Göring-Eckardt / Stella von Saldern Deutscher Bundestag

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, hat sich für eine höhere Besteuerung der orthodoxen Kirche in Griechenland ausgesprochen. «Athen sollte die Rüstungsausgaben kürzen, die Reichen stärker besteuern – und an die Privilegien der orthodoxen Kirche ran», sagte sie der «Welt» (Donnerstag). Derartige Reformen sollten für eine linke Regierung selbstverständlich sein, zumal nach dem derzeitigen Vertrauensverlust durch die Eskalation der Schuldenkrise. Die orthodoxe Kirche sei nach dem Staat der zweitgrößte Immobilienbesitzer, zahle aber kaum Steuern, so Göring-Eckardt weiter. Zudem würden die Priester vom Staat entlohnt. Göring-Eckardt war von 2009 bis 2013 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hatte aber nach Kritik ihr Kirchenamt aufgegeben, als sie für den Fraktionsvorsitz von Bündnis 90/Die Grünen kandidierte, kath.net hatte berichtet, sie ist weiterhin aktives EKD-Mitglied.

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Korrektive Vergewaltigung: Mutter vergewaltigt schwulen Sohn

Nach Vergewaltigungen von Frauen geraten in Indien jetzt “korrektive Vergewaltigungen” zur “Heilung von Homosexualität” in die Schlagzeilen. Die protestantischen Kirchen Indiens verurteilen sie als “grausame Ungerechtigkeit”.


Von Michael Lenz|evangelisch.de

Mit dem Slogan “Incredible India” wirbt Indien um Touristen. Die kulturelle, die ethnische, die religiöse, die natürliche Vielfalt Indiens ist in der Tat unglaublich bunt, reich, aufregend und verwirrenden. Unglaublich ist aber auch die tägliche sexuelle Gewalt gegen Frauen, Mädchen, Kinder und sexuelle Minderheiten. Dazu gehören auch sogenannte “korrektive Vergewaltigungen” von Lesben, Schwulen und Transsexuellen. Ziel der Brutalität: Das Opfer die Freuden des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs erleben zu lassen und den Menschen so von der Homo- oder Transsexualität zu “heilen”.

“In der Regel sind es Eltern oder nahe Verwandte, die ein homosexuelles Familienmitglied vergewaltigen”, berichtet Deepthi Tadanki. Sie recherchiert und dreht den Film “Satyavati”, der die fiktive Geschichte der “korrektiven Vergewaltigung” einer lesbischen Inderin erzählt. Die Arbeit an dem Film stockt allerdings derzeit, weil das Crowdfunding noch nicht die kompletten 16 Lakh Rupien (das indische Zahlwort steht für 100.000) eingebracht hat, oder umgerechnet 1,6 Millionen Euro. “40 Prozent des Films sind schon abgedreht. Jetzt muss ich erst Geld auftreiben, bevor ich weiterdrehen kann”, erzählt die 27 Jahre alte Filmemacherin aus Hyderabad.

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USA: Was republikanische Präsidentschaftskandidaten glauben

Lebensschutz und religiöse Freiheitsrechte standen im Mittelpunkt einer Konferenz


kath.net

Image: firstvote.org
Image: firstvote.org

Das Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber in den USA ist auf 13 angewachsen. Zuletzt gab der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, am 24. Juni seine Kandidatur bekannt. Weitere Bewerber sind der Neurochirurg Ben Carson, der Unternehmer Donald Trump, die ehemalige Gouverneurskandidatin Carly Fiorina, die früheren Gouverneure Jeb Bush, Rick Perry, George Pataki und Mike Huckabee, die Senatoren Marco Rubio, Rand Paul, Ted Cruz und Lindsey Graham sowie der Ex-Senator Rick Santorum. Bei den Demokraten haben bisher die frühere Außenministerin Hillary Clinton, der Senator Bernie Sanders sowie die ehemaligen Gouverneure Lincoln Chafee und Martin O‘Malley ihre Kandidatur erklärt.

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IS kommentiert Homo-Ehe-Entscheidung mit Hinrichtungsfotos

Am 26. Juni entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass keine der 50 Bundesstaaten Gesetze erlassen darf, die gleichgeschlechtliche Ehen verbieten. Vor der Entscheidung waren in 13 Bundesstaaten solche Gesetze in Kraft. Befürworter der Legalisierung von Homo-Ehen feierten diese Entscheidung auf Twitter unter anderem mit dem Hashtag “#LoveWins”.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

IS-Propagandatweet. Bild: heise.de

Das fiel inzwischen offenbar auch Salafisten auf, die unter diesem Hashtag Fotos posten, auf denen vier angebliche oder tatsächliche Homosexuelle in der seit 4. Januar 2014 von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) besetzten irakischen Stadt Falludscha gefesselt nacheinander vom Dach eines vierstöckigen Hauses geworfen werden. Wann die Hinrichtungen stattfanden, ist nicht klar. Möglicherweise sind die Bilder nicht aktuell, sondern wurden nur anlässlich der Homo-Ehe-Entscheidung aus dem Archiv geholt – was freilich nicht bedeuten muss, dass die Terrorgruppe diese für Homosexuelle etablierte Tötungsmethode nicht mehr anwendet.

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Jan Assmann „Exodus“: Welthistorisch einmalig

„Mose steigt vom Sinai“ (2. Mose 19, 25): Holzstich nach einer Zeichnung von Gustave Doré (1832–1883). Foto: © epd-bild / akg-images
Mit seinem Buch „Exodus“ setzt Jan Assmann seine Analyse des revolutionären Monotheismus fort. Micha Brumlik über den „Monotheismus der Treue“ und die Frage, ob er tatsächlich nicht überprüfbar ist.


Von Micha Brumlik|Frankfurter Rundschau

Der Sinn der Schöpfung ist Freiheit, politische Freiheit. Das jedenfalls beglaubigen fromme Juden jeden Freitag Abend in ihrem häuslichen Gottesdienst, mit dem der Sabbat, die Erinnerung an die Schöpfung, beginnt. Im Segensspruch über den Wein heißt es: „Du hast Gefallen an uns. Du lässt uns teilhaben an deinem heiligen Ruhetag, der daran erinnert, dass du alles geschaffen hast. Er ist der erste Tag der ,Tage heiliger Versammlung‘, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.“

Dieser Segen entwickelt ein Gebet weiter, das von Rabbinen der späten Antike verfasst wurde und in dem Schöpfung und Bundesschluss am Sinai in einem Atemzug genannt werden. Freilich, das ist schon Religionskritikern der Aufklärung aufgestoßen, handelt es sich beim Exodus um die Geschichte eines dramatischen Aufbruchs israelitischer Sklaven ebenso wie um die Gabe eines Gesetzes, das Wahrheit und Gehorsam postuliert. In der biblischen Exodusgeschichte kommt das zum Ausdruck, was der Ägyptologe Jan Assmann lange Jahre als „Monotheismus der Wahrheit“ als „mosaische Unterscheidung“ bezeichnet hat: die Übertragung der Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ in die Religion. Ein, wovon Assmann überzeugt ist, welthistorischer Einzelfall!

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Ingress: Handy-Spiel nutzt Konzentrationslager als Kulisse

Ingress-Spieler trugen ihre virtuellen Kämpfe auch in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen aus. (Foto: AP)
  • Holocaust-Überlebende haben Google scharf kritisiert.
  • Das Handy-Spiel “Ingress” der Google-Tochter Niantic Labs ließ Nutzer virtuelle Kämpfe an KZ-Gedenkstätten austragen.
  • Mittlerweile hat sich Google entschuldigt und Konsequenzen angekündigt.


Von Simon Hurtz und Mirjam Hauck|Süddeutsche.de

Ein Handy-Spiel, das seine Nutzer virtuell in Holocaust-Gedenkstätten und an den Orten ehemaliger Konzentrationslager gegeneinander kämpfen lässt? “Ingress”, das weltweit bislang elf Millionen Mal heruntergeladen wurde, hat das jahrelang zugelassen, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre. Dann berichtete das Zeit-Magazin am Donnerstag, dass historisch bedeutende Orte wie Erinnerungsstätten und Gedenkzeichen als Spielorte verwendet werden.

Bei Vertretern von Holocaust-Überlebenden löste das Empörung aus. Der Präsident des Verbandes der Überlebenden des KZ Dachau und ihrer Nachkommen, Jean-Michel Thomas, forderte ein “Verbot dieser Schändung”. Er sei entsetzt über diesen Missbrauch des Ortes. Auch Gabriele Hammermann, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, reagierte fassungslos: Das Spiel betreibe eine “Tilgung und Überformung der an diesen Orten repräsentierten Geschichte” und stelle damit “eine unerträgliche Verharmlosung” dar. Die Gedenkstätte sei für die Überlebenden und ihre Angehörigen ein Ort der Trauer.

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Xavier Naidoo: Als Jesus einmal zum Alkotest musste

Der deutsche Sänger spielt am Samstag in Wien ein ausverkauftes Konzert. Seinen missionarischen Schlager nährt ein Gebräu aus Verschwörung, Paranoia und Gewalt. Eine Betrachtung


Von Karl Fluch|derStandard.at

Xavier-NaidooEr rührte Andreas Gabalier zu Tränen, als er Amoi seg’ mia uns wieder sang. Das war bei Sing meinen Song – Das Tauschkonzert. Xavier Naidoo saftelte sich in der bei Vox gezeigten Show durch Gabaliers Jenseitsfantasie. Ein Lied wie ein Schmalzfass. Und wahrscheinlich hat auch bei so manchem “Reichsbürger” die Kinnlade gebebt, als der Naidoo im Vorjahr behauptete, Deutschland sei noch von den USA besetzt.

Eine Verschwörungstheorie, die dem Kanon der rechtspopulistischen “Reichsbürger” entspringt. Sie erkennen den deutschen Staat nicht an, sondern gehen davon aus, dass das Deutsche Reich im Zwangskorsett der Bundesrepublik nach wie vor besteht. Das war nur eine von vielen fragwürdigen Aussagen und Aktionen des Xavier Kurt Naidoo.

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