Archiv der Kategorie: Religion

Poroschenko warnt vor griechischem Virus

Präsident Poroschenko ehrte am 4. Juli die “Helden” der “Befreiung” von Slowiansk und Karamatorsk. Bild; president. gov.ua
Der ukrainische Präsident kritisiert die Werchowna Rada wegen eines “populistischen” Kreditgesetzes. Ein weiterer Rada-Beschluss macht die Stationierung von Atomwaffen in der Ukraine möglich


Von Ulrich Heyden|TELEPOLIS

Harte Kritik gab es am Freitag vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko an dem vom ukrainischen Parlament am Donnerstag in dritter Lesung beschlossenen Gesetz zur Restrukturierung von Fremdwährungskrediten. 229 Abgeordneten stimmten für das Gesetz, welches Banken zwingt, die Kredite nach dem Kurs umzutauschen, der zum Zeitpunkt der Eröffnung des Kredites aktuell war. Der Großteil der Fremdwährungskredite an Privatpersonen – vor allem Kredite für den Wohnungskauf – wurden vor der Finanzkrise 2008 vergeben. Damals kostete ein Dollar fünf Griwna. Heute kostet ein Dollar 21 Griwna.

Die Belastung für die Banken durch die Restrukturierung entspräche fünf Prozent des Bruttoinlandproduktes, hieß es von Seiten der Nationalbank. Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius erklärte, das beschlossene Gesetz widerspräche dem Memorandum, welches der IWF mit der Ukraine vereinbart habe und gefährde den Erhalt weiterer Kredite des Weltwährungsfonds.

Das Gesetz sei reiner “Populismus”, nütze “nur Wenigen” auf Kosten der Allgemeinheit, könne das Bankensystem zum Einsturz bringen und gefährde die Regierungskoalition, erklärte Präsident Poroschenko gegenüber dem Fernsehkanal Ukraina. Insgesamt 65.000 Ukrainer haben Fremdwährungskredite in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar aufgenommen. Das von der Rada beschlossene Gesetz könne das ukrainische Bankensystem zum Einsturz bringen, erklärte der Präsident.

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‚Barnabas-Evangelium‘ eine Fälschung – nicht nur das

Tawadros II. kritisiert Leichtgläubigkeit internationaler Medien für angeblichen Sensationsfund und weist Polemiken islamischer Prediger gegen das Christentum zurück.


kath.net

Bild: spohr-publishers.de

Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. hat das sogenannte “Barnabas-Evangelium” als eine “Fälschung” bezeichnet. Bei seiner Mittwoch-Katechese in der Markuskathedrale der ägyptischen Hauptstadt stellte der Patriarch fest, das angebliche apokryphe “Evangelium” sei ein Buch “voller historisch-geographischer Fehler” und eindeutig das Produkt eines Fälschers, berichtet die Stiftung “Pro Oriente”.

Das “Barnabas-Evangelium” ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Argument islamischer Prediger und Imame in Polemiken gegen das Christentum. In dem Buch wird u.a. behauptet, an der Stelle Jesu sei Judas Iskariot gekreuzigt worden, Gott habe den “Propheten Jesus” lebend in den Himmel “entrückt”, vor allem aber habe Jesus das Kommen Mohammeds als “Siegel der Propheten” angekündigt.

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Selbstmordewelle in Indien: Der Tag, an dem Sujit Singh Mäusegift trank

© AFP Bewässerung per Monsun: Mit einfachsten Mitteln bestellen Indiens Bauern ihre Felder – so wie dieser Mann im indischen Telangana.
Indiens Landwirtschaft ist ineffizient und wirft kaum etwas ab. Immer mehr Bauern geraten in die Schuldenfalle – und begehen Selbstmord. Manche gar aus Protest gegen die Regierung.


Von Till Fähnders|Frankfurter Allgemeine

Der Traktor schiebt eine Welle aus Matsch und Wasser vor sich her. Auf dem Fahrersitz thront ein kräftiger junger Mann mit einem tiefschwarzen Bart und einem orangefarbenen Turban auf dem Kopf. Das Gefährt kommt am Rand des Feldes zum Stehen. Der Mann springt ab und watet durch das knöcheltiefe Wasser. „Ich hatte nicht einmal eine Ahnung, wie man einen Traktor fährt, sie mussten es mir beibringen“, sagt Kulwinder Singh und zeigt auf ein paar Nachbarn, die am Feldrand stehen. Die Männer schauen verdruckst herüber. „Ich trage jetzt die ganze Verantwortung“, sagt der 32 Jahre alte Mann, der wie die meisten Inder im Punjab zum Volk der Sikhs gehört.

Die Bauern im Punjab, der Kornkammer im Nordwesten Indiens, beginnen jedes Jahr im Juni mit der Reispflanzung. Kulwinder Singh bereitet dafür an diesem Tag den Boden vor. Die Arbeit sei hart, sagt der Bauer und deutet auf seine schlammverschmierten Füße. Um zwei Uhr nachts steht er auf. Freiwillig tut er das nicht. Bis vor kurzem hatte sich sein Vater allein um alles gekümmert. Doch vor zwei Wochen hat sich Sujit Singh im Alter von 62 Jahren das Leben genommen. Was er hinterlassen hat, sind Schulden, ziemlich viele sogar, und eine Familie, die nicht mehr ein noch aus weiß.

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Erdogans Schattenkrieger in Deutschland

Türkische Spione in Deutschland sollen Erdogan-Gegner ans Messer geliefert haben. Ein Prozess gegen einen Top-Spion zeigt jetzt, wie Ankaras Geheimdienst massiv Spitzel nach Deutschland einschleust.


Von Josef Hufelschulte,Axel Spilcker|FOCUS ONLINE

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)
Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)

Richterin Yvonne O. geriet ins Stocken. Die Verlesung des Haftbefehls gegen den mutmaßlichen türkischen Spion Taha Gergerlioglu, 59, hatte um 11.30 Uhr just begonnen, da stolzierte ein elegant gekleideter Herr in den Verhandlungssaal. Der Mann übersah mit diplomatischer Arroganz die einfachen Justizbeamten und erwartete Respekt. Immerhin, sagte er zu der Haftrichterin am Karlsruher Bundesgerichtshof, sei er der türkische Generalkonsul Serhat Aksen, 44. In schwerer Stunde wolle er seinem Landsmann Gergerlioglu beistehen, eingesperrt wegen angeblicher feindlicher Agententätigkeit in Deutschland.

Die sichtlich überraschte Richterin wollte gerade weiter den Haftbefehl vortragen, als das Telefon neben ihr klingelte. Ein Anwalt teilte im Auftrag eines Professors aus Ankara mit, dass der mutmaßliche Agentenführer zum einflussreichen Beraterstab des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gehöre.

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Duck Dynasty‘s Si Robertson: Atheists Don’t Exist Because “Our Calendars Are Based on Jesus Christ”

The Robertsons from Duck Dynasty are the gifts that keep on giving because of all the flat-out idiotic things they say. We’re used to those comments coming from patriarch Phil Robertson, but now Si Robertson (“Uncle Si”) is getting into the mix.


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

Image: Friendly Atheist

In an interview with the Christian Post, Robertson (who’s promoting a new film called Faith of Our Fathers) explained why atheists don’t really exist:

I dont believe there’s a such thing as an atheist. Because there’s too much documentation. Our calenders are based on Jesus Christ.”

…. the hell?

While the Gregorian calendar we use has a religious history (because the powerful Catholic Church adopted it hundreds of years ago), most of the months are named after Roman gods, goddesses, and leaders while the rest have Latin roots. Jesus doesn’t come into play here.

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Es darf keine Ämter auf Lebenszeit in der Kirche geben

Papst Franziskus nahm am 3. Juli an einem Treffen von Rinnovamento nello Spirito, der größten charismatischen Gemeinschaft in der katholischen Kirche teil. Das Treffen fand auf dem Petersplatz statt.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Bild bearb. BB
Bild bearb. BB

Der Papst meinte in seiner Ansprache an die 35.000 Anwesenden, daß es in der Kirche keine Ämter auf Lebenszeit geben dürfe. Bei der Berichterstattung einiger katholischer und weltlicher Medien konnte der Eindruck entstehen, der Papst habe auch über das Petrusamt gesprochen und damit eine zeitliche Befristung oder eine Altersgrenze angeregt. Ein Thema, das erst 2013 durch den unerwarteten Amtsverzicht von Ppast Benedikt XVI. aufgetreten ist.

Trotz unpräziser Formulierungen seiner teils spontan gehaltenen Ansprache bezog sich das katholische Kirchenoberhaupt aber explizit auf Ämter der charismatischen Gemeindeerneuerung. Am Beginn dieses Kapitels seiner Rede sprach Papst Franziskus davon, daß es „sehr wichtig“ sei, einen „anderen Punkt“ zu klären „in dieser Strömung der Gnade“, eine Formulierung, mit der er auf dem Petersplatz mehrfach die Charismatiker in der katholischen Kirche ansprach. Der Papst sagte nicht, was ihn konkret zu dieser Ermahnung bewogen hat.

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John Gray: Steven Pinker is wrong about violence and war

Rubens’ The Massacre of the Innocents. Photograph: National Gallery, London
A new orthodoxy, led by Pinker, holds that war and violence in the developed world are declining. The stats are misleading, argues Gray – and the idea of moral progress is wishful thinking and plain wrong


By John Gray|TheGuardian

For an influential group of advanced thinkers, violence is a type of backwardness. In the most modern parts of the world, these thinkers tell us, war has practically disappeared. The world’s great powers are neither internally divided nor inclined to go to war with one another, and with the spread of democracy, the increase of wealth and the diffusion of enlightened values these states preside over an era of improvement the like of which has never been known. For those who lived through it, the last century may have seemed peculiarly violent, but that, it is argued, is mere subjective experience and not much more than anecdote. Scientifically assessed, the number of those killed in violent conflicts was steadily dropping. The numbers are still falling, and there is reason to think they will fall further. A shift is under way, not strictly inevitable but enormously powerful. After millennia of slaughter, humankind is entering the Long Peace.

This has proved to be a popular message. The Harvard psychologist and linguist Steven Pinker’s The Better Angels of Our Nature: a history of violence and humanity (2011) has not only been an international bestseller – more than a thousand pages long and containing a formidable array of graphs and statistics, the book has established something akin to a contemporary orthodoxy. It is now not uncommon to find it stated, as though it were a matter of fact, that human beings are becoming less violent and more altruistic. Ranging freely from human pre-history to the present day, Pinker presents his case with voluminous erudition. Part of his argument consists in showing that the past was more violent than we tend to imagine. Tribal peoples that have been praised by anthropologists for their peaceful ways, such as the Kalahari !Kung and the Arctic Inuit, in fact have rates of death by violence not unlike those of contemporary Detroit; while the risk of violent death in Europe is a fraction of what it was five centuries ago. Not only have violent deaths declined in number. Barbaric practices such as human sacrifice and execution by torture have been abolished, while cruelty towards women, children and animals is, Pinker claims, in steady decline. This “civilising process” – a term Pinker borrows from the sociologist Norbert Elias – has come about largely as a result of the increasing power of the state, which in the most advanced countries has secured a near-monopoly of force. Other causes of the decline in violence include the invention of printing, the empowerment of women, enhanced powers of reasoning and expanding capacities for empathy in modern populations, and the growing influence of Enlightenment ideals.

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Münchner liberale Gemeinde Beth Shalom

Die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom ist seit März 1995 in München eingetragen. Sie gehört zur Union Progressiver Juden in Deutschland, die wiederum eingebunden ist in die World Union of Progressive Judaism mit 1,8 Millionen Mitgliedern in 50 Ländern.


Von Veronika Wawatschek|Bayern2

Tora-Vorhang der Gemeinde. Bild: BR.de

Die Mitglieder der Union in Deutschland versuchen, ein jüdisches Leben zu führen, “das den sozialen, kulturellen und ethischen Herausforderungen der Moderne entspricht”. Dabei sind Männer und Frauen gleichberechtigt, sie nehmen gleichberechtigt an den Gottesdiensten und allen anderen religiösen Veranstaltungen teil. Das liberale Judentum, das sich im Zuge der Aufklärung ausprägte, setzt sich für die wechselseitige Achtung und Toleranz aller jüdischen Richtungen ein.

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Ein Kalifat des Krieges

Historische Aufnahme: Bagdadi bei seiner Predigt am 4. Juli 2014 ©DPA
Vor einem Jahr zeigte sich des Anführer des „Islamischen Staats“ erstmals in der Öffentlichkeit. Inzwischen herrscht er über ein Gebiet, das größer ist als Großbritannien. Und er gewinnt weiter an Stärke.


Von Rainer Hermann|Frankfurter Allgemeine

Vor genau einem Jahr, am 4. Juli 2014, hat der „Islamische Staat“ ein Gesicht bekommen: Damals zeigte sich sein Anführer Abu Bakr al Bagdadi zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. In der Großen Moschee von Mossul hielt er die erste Freitagspredigt des Fastenmonats Ramadan. Damit erfüllte er eine Voraussetzung, um als „Kalif“ Anerkennung zu finden. Wenige Tage zuvor, am 29. Juni, dem ersten Tag im Ramadan, hatte er den „Islamischen Staat“ (IS) als „Kalifat“ ausgerufen. Die islamische Theologie verbietet es jedoch, jemandem als Kalifen zu folgen, der nur im Verborgenen wirkt und nicht bekannt ist.

Anfangs bezeichneten viele den IS noch als „Terrormiliz“ und stellten ihn in die Reihe zahlreicher nichtstaatlicher Akteure, die im Sog des Staatszerfalls in Syrien und im Irak entstanden waren. Aber der IS, dessen Vorläufer in das Jahr 1999 zurückreichen, eroberte im Sommer 2014 innerhalb von wenigen Wochen den größten Teil seines heutigen Territoriums. Ein Jahr nach seiner Gründung herrscht er nun über ein Gebiet, das größer ist als Großbritannien. In seinem Kerngebiet expandierte er trotz zeitweiliger Rückschläge, zuletzt mit der Eroberung der Städte Ramadi im Irak und Palmyra in Syrien. Im Irak näherte er sich der Hauptstadt Bagdad, in Syrien steht er vor Damaskus. Bedrohlich ist auch die Expansion in der Peripherie. Dschihadisten in mehr als zehn Ländern haben sich dem IS als „Provinz“ unterstellt. Der Bogen reicht von Afghanistan über den Kaukasus nach Algerien, von Nigeria über den Jemen nach Pakistan.

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CDU: Die CDU sucht neue Wege

Der Ringelschwanz soll erhalten bleiben. Dafür setzt sich die CDU künftig ein. Foto: imago stock&people
Die Zahl der Stammwähler nimmt ab. Deshalb versucht die CDU, ihre Anhängerbasis zu verbreitern, indem sie sich neue Themen wie Internet und Verbraucherschutz erschließt.


Von Daniela Vates|Frankfurter Rundschau

Die CDU erfindet sich neu und dabei spielen Kaffee und Ringelschwänze eine Rolle. Der Kaffee in Rathäusern, genauer gesagt. Der sollte nachhaltig produziert worden sein, findet die CDU. Und außerdem sei es wichtig, dass Schweine ihre Ringelschwänze künftig behalten.

Das klingt ein bisschen kleinteilig, mit einem Drall ins Lächerliche. Aber es hat seinen Grund.

Die Zahl der Stammwähler nimmt ab, die CDU versucht, ihre Anhängerbasis zu verbreitern, indem sie sich neue Themen erschließt. Der Blick geht dabei zur Konkurrenz. Übernommen hat Merkels Truppe bereits den Mindestlohn von der SPD, den Atomausstieg von den Grünen und den Ausstieg aus der Wehrpflicht von FDP und Grünen.

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Ein Rechtsstaat, der Menschenrechte missachtet

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Eva Illouz, die in Jerusalem Soziologie lehrt und eigentlich über Liebe und Ökonomie forscht, ist auch eine scharfe Kritikerin der Situation in Israel. Nun liegen ihre politischen Essays auf Deutsch vor.


Von Claudia Kühner|DER BUND

Von Eva Illouz, 1961 in Marokko geboren und in Frankreich aufgewachsen, kennt man vor allem ihre Studien über die Zusammenhänge von Emotionen, Kapitalismus und Konsum («Warum Liebe weh tut. Eine soziologische Erklärung», «Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey»). Weniger bekannt sind hierzulande ihre scharfsinnigen Essays, die sie regelmässig in der israelischen Zeitung «Haaretz» publiziert. Darin setzt sie sich ebenso gründlich wie kritisch mit der israelischen Politik und Gesellschaft auseinander und greift dabei weit über die Tagesaktualität hinaus. Ihr geht es um Fehlentwicklungen in einem Land, dessen Grundlage sie freilich vorbehaltlos unterstützt. Am Recht von Juden, nach 2000 Jahren einen Staat zu schaffen, hat sie keinerlei Zweifel.

Daran, was heute daraus geworden ist, besonders mit der Besetzung seit 1967, aber schon. Oder daran, was die Besetzung nicht nur den Palästinensern antut, sondern wie sie auch die israelische Gesellschaft verändert. Ihre Methode nennt Illouz «soziologischen Journalismus», und sie hat auch für den mit der Tagespolitik nicht vertrauten Leser den Vorteil grosser Verständlichkeit.

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Sterbehilfe: Mein Wille geschehe

Die Debatte über die Sterbehilfe in Deutschland wird vor allem von religiösen Überzeugungen und persönlichen Befindlichkeiten bestimmt. Dabei sollte doch die autonome Entscheidung über das eigene Leben im Vordergrund stehen. Die Verteidigung eines Grundrechts


Von Alexander Grau|Cicero

Menschen mit Selbsttötungsabsicht sind nicht immer vernachlässigte Opfer. picture alliance

Für Bundestagspräsident Norbert Lammert ist es „eines der anspruchvollsten und schwierigsten Gesetzesvorhaben in dieser Wahlperiode“: die Neuregelung der Strebehilfe, über die der Bundestag erstmals am vergangenen Donnerstag debattierte.

Im November diesen Jahres werden die Abgeordneten über vier fraktionsübergreifende Anträge abzustimmen haben: Diese reichen von einem pauschalen Verbot jeglicher Sterbehilfe (eingereicht durch die CDU-Abgeordneten Patrick Sensburg und Thomas Dörflinger) bis zu deren Zulassung, sofern sie nicht kommerziell betrieben wird (Renate Künast, Die Grünen, und Petra Sitte, Die Linke). Die größte Unterstützung genießt der als moderat geltende Gruppenantrag von Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD). Er gestattet die Verabreichung lebensverkürzender Medikamente durch Ärzte, sofern der Tod des Patienten nicht intendiert ist, untersagt aber organisierte Sterbehilfe.

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Wir brauchen Hirn: Boxen und Beten

Bild: o-ringen.nl
Boxen ist eine gute Übung für christliche Nächstenliebe, findet Gabriel Hörster. Deshalb trainiert der Religionslehrer seine Schüler im Kampfsport. Und das tut schüchternen Mädchen ebenso gut wie Schlägertypen.


evangelisch.de

Dumpfe Schläge sind in der Turnhalle des Esslinger Mörike-Gymnasiums zu hören. Dazwischen die Stimme von Gabriel Hörster: “Links-links, rechts, uppercut!” Etwa 25 unterschiedliche Trainingspartner üben Schlagkombinationen. Fünftklässler boxen in die Handschuhe von großen Typen aus der zehnten Klasse, Mädchen trainieren mit Jungen. In der Box-Arbeitsgemeinschaft wird einmal in der Woche in der Mittagspause nicht gegeneinander, sondern miteinander trainiert.

Der Boxtrainer ist ein Religionslehrer. Für Finn aus der Klasse 6b ist das kein Problem. Direkt vor der Box-AG hatte er eine Stunde Evangelische Religion bei dem 32-Jährigen. “Wir lernen in der Box-AG Respekt”, sagt Finn, “Schwächere darf man nicht so hart schlagen, das hat auch etwas mit Religion zu tun.”

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Militär-Apostel Overbeck: Religion hasst Gewalt

Alle Religionen müssen für die Religionsfreiheit eintreten. Nur so gibt es auf Dauer gegenseitige Akzeptanz – Hass oder sogar Gewalt gegeneinander wird der Boden entzogen. Dafür spricht sich der katholische Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck aus.


OberpfalzNETZ.de

Bischof Franz-Josef Overbeck (2014) Bild. wikimedia.org/CC-BY-3.0/ACBahn

Bei seinem Besuch in Amberg hielt er vor Soldaten der hiesigen Garnison im ACC einen Vortrag zum Thema “Religion und Gewalt”. Ausgehend von der historischen Entwicklung beider Seiten betonte er, dass “zwischen fundamentalistischen, radikalen oder politisierenden Strömungen, die die Religion verzwecken und der Religion selbst deutlich differenziert werden muss”. Die kriegerische Durchsetzung eines Glaubens oder ein gewaltsames Vorgehen im Namen dieser Religion agiere gegen deren eigene Grundlagen. “Im Islam und im Christentum gibt es keinen Gott, der die Menschen aufruft, Gewalt auszuüben”, sagte Overbeck.

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Die “Wissenschaft” im Talmud: “Man muss wissen, wie die Welt funktioniert”

Ein Buch mit hebräischen Schriftzeichen liegt am 24.04.2007 in der Jeschiwa, der Talmud-Hochschule in Frankfurt am Main. (Tobias Felber / dpa)
Der Talmud ist eine der wichtigsten Werke des Judentums – das orthodoxe und das liberale Judentum deuten ihn unterschiedlich. Für die talmudischen Gelehrten war das Verständnis von der Astronomie, Botanik oder auch der Zoologie von großer Bedeutung – ein Erklärstück.


Von Yael Kornblum|Deutschlandradio Kultur

Eine der wichtigsten Aufgaben der talmudischen Gelehrten war die Errichtung eines Kalenders. Diese hing wesentlich vom Verständnis der Astronomie ab. So konnte Samuel Bar Abba durch seine minutiöse Beobachtung des Neumondes den Kalender und die Feiertage viele Jahre im Voraus berechnen und sogar Schaltjahre berücksichtigen.

Die genaue Beschäftigung mit den Reinheitsgeboten führte sie zum Studium des weiblichen Zyklusses, des Geburtsvorganges, der Menstruation und der Fehlgeburt. So konnten sie Menschen kategorisieren und bestimmen, welche religiösen Regeln für sie galten – oder eben auch nicht. So beschäftigen sich die Rabbinen im Traktat Mischna Bikkurim beispielsweise mit der Frage, ob ein Zwitter heiraten darf, wenn ja welches Geschlecht und welche Gebote er einzuhalten habe.

Müssen die Mütter von Zwittern nach der Geburt die Reinheitsgebote zur Geburt eines Jungen oder eines Mädchens einhalten? Dass die Gelehrten offenbar naturwissenschaftlichen Hunger hatten, beweist folgende Begebenheit: Die Schüler des Rabbi Jischmael sezierten den Körper einer verstorbenen Prostituierten, um zu verifizieren, ob der menschliche Körper tatsächlich 248 Gelenke und Glieder besäße, wie in der Schrift behauptet.

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Eine Hassrede gegen die “geistige Sklaverei” des Islamismus

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Wer das Paradies verspricht, bringt die Hölle: Der 80-jährige Schriftsteller Wole Soyinka prangert den Terror von Boko Haram an. Deutsche Intellektuelle kritisieren lieber TTIP, findet unser Kolumnist.


Von Harald Martenstein|DER TAGESSPIEGEL

Literatur-Nobelpreisträger machen sich in Lindau rar, aber diesmal ist Wole Soyinka gekommen, ein 80jähriger Nigerianer.  Der erste Afrikaner, der den Preis bekommen hat, 1986. Der Eintritt zu seinem Vortrag ist frei, aber es sind fast keine Lindauer im Stadttheater. Der Saal ist trotzdem voll. Die jungen Wissenschaftler sind da. Am Ende  gibt es eine stehende Ovation.

Soyinka hat in Nigeria fast zwei Jahre im Gefängnis gesessen, wegen Friedensaktivitäten im Biafrakrieg. Er hat ein Anliegen, und er trägt es in einer hinreißenden Mischung aus Pathos, Ironie und Sarkasmus vor. Seine Rede ist eine Hassrede, das kann man so sagen. Sie richtet sich gegen den Islamismus, gegen den Terror der Gruppe Boko Haram, die in ihrem Herrschaftsgebiet in Nigeria die Sklaverei wieder eingeführt hat. Geistige Sklaverei, das ist sein Wort für den Islamismus.

Soyinka spricht über Islamschulen, an denen es nur ein Buch gibt, nur den Koran, wo absoluter Gehorsam gelehrt wird, wo der Zweifel, die Diskussion, die Kreativität und jedes Verständnis für eine andere Weltsicht verboten sind. Und er zieht eine Parallele zum Marxismus, der ja, wie der Islam, eine mörderische Variante hervorgebracht hat.

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FIFA-Blatter will in den Himmel

Sepp Blatter (79), umstrittener Fifa-Präsident und Katholik, glaubt, dass er einmal in den Himmel kommt. «Ich bin kein Heiliger. Wer ist das schon?


kath.net

Sepp Blatter (2015), Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/kremlin.ru

Aber ich bin mir sicher, dass ich im Himmel in eine gute Gesellschaft komme», sagte der Fußball-Funktionär der Münchner Illustrierten «Bunte». Zumindest sei er überzeugt davon, seine Mutter wiederzusehen. In seiner Heimat, dem Wallis, gehe er oft an das Grab der Eltern: «Ich rede mit ihnen und meistens kommt eine Message zurück.» An die Hölle glaube er nicht, bekannte Blatter. «Da bin ich mit dem Papst uneinig.»

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Die Rolle der Juden in der christlichen Heilsgeschichte

“Heilsgeschichte” ist ganz allgemein jede religiöse Interpretation von Geschichte, und dazu gehören auch die christlichen Vorstellungen der “Endzeit”. Da das Christentum dem Judentum entspringt, gehört den Endzeitvorstellungen auch eine Positionierung gegenüber dem Judentum.


Von Ulrike Heitmüller|TELEPOLIS

Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)
Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)

Wie Christen Juden sehen, hat sich im Lauf der Zeiten immer wieder geändert. Das Spektrum ist breit und oft ambivalent, die Themen überlappen sich. Aber es gibt Schwerpunkte: Erstens den allgemein verbreiteten völkischen Rassismus vor 1945. Zweitens die in gewissen evangelikalen Kreisen verbreitete Naherwartung nach Kriegsende – der Massenmord sei ein Gericht Gottes gewesen, die Juden müssten nach Palästina “zurückkehren”, damit Jesus auf die Erde zurückkommen und die Welt erlösen könne.

Mein Großvater Friedrich Heitmüller, Leiter der Freien evangelischen Gemeinde Hamburg und Direktor des Diakoniewerkes Elim, vertrat diese beiden Sichtweisen in beispielhafter Weise. Drittens, vor allem seit den 1980er Jahren, ein inzwischen oft politisch orientierter christlicher Zionismus. Und viertens Judenmission – existent seit den Anfängen des Christentums und gerade aktuell, weil entsprechende Gruppen auf dem Kirchentag nicht aktiv sein dürfen.

Tanach und Altes Testament: eine gemeinsame Heilige Schrift

Der Tanach – für Christen: das “Alte Testament” (AT) – beinhaltet die Heiligen Schriften der Juden. Die Bibel – bestehend aus Altem und Neuen Testament (NT) ist das Heilige Buch der Christen. Der so genannte “Kanon”, also was als Bestandteil festgelegt wurde, stimmt, was das AT betrifft, zwischen Judentum und Christentum nicht ganz überein, und was die Bibel betrifft, auch nicht zwischen orthodoxen, katholischen und evangelischen Christentum.

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Kirchliche Medien sollen sich verstärkt jungen Menschen zuwenden

Image: DaC3
Image: DaC3
Die evangelische Kirche erreicht mit ihren Medienangeboten bei älteren Menschen ein Millionenpublikum, kommt dagegen mit jüngeren Zielgruppen nur schwer in Kontakt. Der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Markus Bräuer, erklärte am Freitag in Stuttgart vor der württembergischen Landessynode, die Zukunft der Medien spiele sich vor allem auf Smartphones ab. Schon heute erfolgten 50 Prozent aller Internetzugriffe mobil. Die Kirche müsse deshalb mehr dafür tun, dass ihre Inhalte die möglichen Empfänger auch erreiche.


evangelisch.de

Bräuer warb für die Beschäftigung sogenannter Verbreitungsredakteure. Deren Aufgabe wird es sein, in sozialen Medien Videoclips und andere kirchliche Inhalte bekanntzumachen. Die zurückgehende Kirchenbindung erschwere den Zugang zu jungen Menschen. “Alle kennen die Rolling Stones, aber nicht mehr alle das ‘Vater unser'”, sagte Bräuer.

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Mike Huckabee has sure had a lot of opinions over the years

attribution: REUTERS
David Fahrenthold has compiled a list of all the things Republican presidential candidate Mike Huckabee has denounced over the years. Let’s take a look, shall we?


By Hunter|Daily Kos

1.) Dancing, in general. “Christian teens stay away.” (1973)

2.) Twerking, by Miley Cyrus. “Shameless and tasteless display of … quite ordinary private parts.” (2015)

9.) Pop music, in general. “A knuckle-dragging sub-pidgin of grunts and snarls.” (1998)

11.) President Obama, for letting his daughters listen to Beyonce. (2015)

26.) Profanity used by schoolchildren. “What happened in America between ‘Good Morning, Mrs. Jones,’ and ‘Shut up, bitch!’? And who is going to do something about it?” (1998)

36.) Lack of religion in schools, as a root cause of mass shootings in America. “Should we be so surprised that schools would become a place of carnage.” (2012)

73.) Same-sex couples in TV commercials. “Every fear that people had has, in fact, come true. … We’re now even seeing television commercials portraying same-sex couples.”(2013).

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