Ägyptens Großmufti: „Der Islam gibt niemandem das Recht, Homosexuelle zu verletzen“

Großmufti Schauki Allam gilt als Vertreter des „moderaten Islam“ – aber auch für ihn ist Homosexualität eine „religiöse Sünde“
Shauki Allam, Leiter des ägyptischen Fatwa-Amtes, verurteilt den Anschlag in Orlando und die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex.

QUEER.DE

Schauki Allam, der 19. Großmufti von Ägypten und Leiter einer der anerkanntesten Institutionen des sunnitischen Islam, hat sich gegen die Todesstrafe für Schwule und Lesben ausgesprochen.

„Auch wenn wir Homosexualität als religiöse Sünde ansehen, gibt das niemandem die Freiheit, einen anderen in irgendeiner Weise zu verletzten, jede Person ist gleichermaßen unantastbar“, erklärte der Leiter des ägyptischen Fatwa-Amtes in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. „Manche Denkschulen haben sich dahin gehend geäußert“, räumte Allam ein. „Aber wir leben in einem Rechtssystem und haben es zu respektieren.“

In Ägypten ist Homosexualität laut Strafgesetzbuch zwar nicht explizit illegal, gleichwohl werden andere allgemeinere Strafgesetze herangezogen, um homosexuelle Handlungen mit Haft zu bestrafen. Zu dieser Menschenrechtsverletzung äußerte sich der Professor für islamisches Recht nicht.

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Hans Joas: Mut zur öffentlich erkennbarer Religiosität

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas ist Soziologe und Sozialphiliosoph. Der Wissenschaftler hat zahlreiche Bücher zur Werteforschung veröffentlicht. (imago / Wolf P. Prange)
Religion ist Privatsache: Diese Haltung vertreten viele Menschen. Andererseits findet Religion aber im öffentlichen Raum statt, kann Identität stiften. Aber inwiefern prägt Religion das eigene Leben und Entscheiden? Der Sozialphilosoph Hans Joas beschreibt das für sein Leben als Wissenschaftler – bei dem sein Katholisch-Sein auch zu Vorbehalten führt. Wir stellen Tag für Tag einen Menschen vor, der etwas zum Thema zu sagen hat. Zum Auftakt der Reihe: Hans Joas.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Seine erste Begegnung mit dem Fremden hatte Hans Joas, da war er 13. Protestanten sollten in seine Klasse kommen. Ins geschlossene katholische Milieu, in dem Joas aufwuchs – in den 50er- und 60er-Jahren in München.

„Innerhalb der Schule hieß es: Nächstes Jahr werdet ihr zusammengelegt, die Schulklassen. Da werden auch Protestanten dabei sein. Und es ist wirklich wahr: Ich war die Schulferien über gespannt, wie diese Protestanten sein werden. Das hört sich jetzt an, als würde man etwas über eine Jahrhunderte zurückliegende Vergangenheit erzählen. Aber so war Deutschland noch in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit.“

Heute pendelt der Sozialphilosoph wie selbstverständlich zwischen den Welten, auch den religiösen: Hans Joas lebt in Berlin, in jüngerer Vergangenheit war er in Regensburg und Erfurt tätig. Außerdem lehrt er jedes Jahr mehrere Monate an der Universität von Chicago.

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Nach Putschversuch geht Türkei gegen Journalisten vor

Symbolbild: Journalisten in Istanbul / Bild: APA/AFP/JACK GUEZ
Bisher wurden 42 Haftbefehle ausgestellt, ob es bereits Festnahmen gab, war zunächst nicht bekannt.

Die Presse.com

Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei geht die Justiz nun auch gegen Journalisten vor: Medienberichten zufolge wurden bereits 42 Haftbefehle gegen Journalisten erlassen. Wie die Fernsehsender NTV und CNN-Türk am Montag berichteten, ist unter anderem die bekannte Journalistin Nazli Ilicak betroffen, die 2013 wegen kritischer Berichterstattung über einen Korruptionsskandal von der regierungsnahen Zeitung „Sabah“ entlassen worden war. Ob es bereits Festnahmen gab, war zunächst unklar.

Liechtenstein: Misstrauen gegenüber dem Klerus

Landtagsgebäude in Vaduz. (Bild: Imago)
Liechtenstein will Kirche und Staat entflechten. Differenzen zwischen politischen Behörden und Kirchenvertretern in zwei Gemeinden stellen das Unternehmen jedoch als Ganzes infrage.

Von Günther Meier | Neue Zürcher Zeitung

Liechtenstein muss zur Kenntnis nehmen, dass auch bei den Verhandlungen mit der römisch-katholischen Kirche der Teufel im Detail steckt. Als das Erzbistum Vaduz 1997 überraschend und ohne Einbezug Liechtensteins vom Heiligen Stuhl errichtet wurde, machte die Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat die Runde. Das Vorhaben hatten sich die teilweise forsch auftretenden Politiker und wohl auch kirchliche Kreise einfacher vorgestellt.

Es hängt an zwei Gemeinden

Anstelle der Forderung nach Trennung wurde bald eine mildere Variante favorisiert, nämlich eine Entflechtung der jahrhundertealten Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Aber auch dieses Vorhaben scheint derzeit zum Scheitern verurteilt, weshalb sich die Regierung bereits Gedanken über einen «alternativen Lösungsansatz» macht.

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Militärpolizei stand in München einsatzbereit

Der Soldat als Personenschützer: Während eines Manövers üben Feldjäger der Bundeswehr die Abwehr eines Angriffs auf eine Fahrzeugkolonne. (Foto: imago stock&people)
  • Nach dem Amoklauf von München bringt Verteidigungsministerin von der Leyen auch eine mögliche Verstärkung durch Bundeswehr-Einheiten ins Spiel.
  • Mit ihren Äußerungen befeuert die CDU-Politikerin den Streit um den Einsatz der Truppe im Inland neu.
  • Dabei ist völlig unklar, wie viele Soldaten überhaupt so kurzfristig bereitgestanden hätten.

Von Christoph Hickmann | Süddeutsche.de

Als sich die Republik am Samstag ein einigermaßen klares Bild davon gemacht hatte, was in München passiert war und was nicht, da steuerte Ursula von der Leyen noch mal einen Beitrag ganz eigener Art zur Debatte bei. Längst war bekannt, dass es sich in München nicht etwa um einen terroristischen Großangriff, sondern um die Tat eines jugendlichen Amokschützen handelte, als die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung per Vorabmeldung eine Aussage der Verteidigungsministerin verbreitete: „Solange das Ausmaß des Anschlages am Freitag nicht klar war, war eine Feldjäger-Einheit der Bundeswehr in München in Bereitschaft versetzt.“

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„Büyük Lider“ an alle

erdogan

„Wer ist der Feind? Augenscheinlich jede kritische Stimme gegen Erdoğan und seine Anhänger. Dazu Fahnen, Fahnen, Fahnen und Allahu-Akber-Rufe. Noch nie gab es in der Türkei so eine gefährlich Melange aus Islamismus, Nationalismus und Gewaltbereitschaft!“ schreibt die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün aus Köln auf ihrem Facebook-Profil.

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Bedrohliche Gemengelage

Diese hochexplosive Mischung braut sich auch in Deutschland zusammen. Nicht erst, aber vor allem seit diesem denkwürdigen 15. Juli 2016, der in der Türkei künftig Nationalfeiertag werden soll. Das teilte der türkische Präsident seinen Landsleuten in einer Handybotschaft mit: „Mein liebes Volk, gib nicht den heroischen Widerstand auf, den Du für Dein Land, Deine Heimat und Deine Fahne gezeigt hast.“

Das „liebe Volk“ folgte dieser Aufforderung umgehend, z.B. in Artvin, einem Ort in der Schwarzmeerregion, durch den Bau von Panzern auf Pappmaché, wie auf Akgüns Facebook-Seite zu sehen ist.

Am vergangenen Wochenende demonstrierten u.a. in Berlin und Hamburg tausende Menschen für einen demokratischen Wandel, für einen friedlichen Dialog, gegen den Putsch und eine Diktatur Erdoğans, gegen Nationalismus und Islamismus. Letzteres sowohl in der Türkei als auch hier in Deutschland. Die Demonstrationen verliefen weitestgehend störungsfrei. Befürchtete Angriffe seitens türkischer Nationalisten blieben aus.

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Beck nennt Freitagspredigt in Ditib-Moscheen gefährlich

Screenshot: bb
Screenshot: bb
Grünen-Politiker Beck wirft der Türkisch-Islamischen Union Ditib vor, den Konflikt aus der Türkei nach Deutschland zu tragen. Auch Grünen-Chef Özdemir kritisiert Erdogans Einfluss auf den Verband.

DIE WELT

Grünen-Politiker Volker Beck hat die jüngste Freitagspredigt in Moscheen der Türkisch-Islamischen Union Ditib scharf kritisiert. „Diese Predigt trägt den politischen Konflikt aus der Türkei in die muslimischen Gemeinden nach Deutschland“, heißt es in einer Mitteilung des religionspolitischen Sprechers der Grünen-Bundestagsfraktion. Das sei gefährlich und störe den inneren Frieden der Bevölkerung in Deutschland, zu der auch viele Türken und Kurden muslimischen oder alevitischen Glaubens gehörten.

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Can Dündar: „Die zivile Diktatur hat bereits begonnen“

Bild: tagesschau.de
Can Dündar ist untergetaucht. Bei einer Rückkehr in die Türkei droht dem Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ Haft. Auch mit dem Tode wird er bedroht. Cornelia Kolden hat Dündar getroffen und mit ihm über die Entwicklung in der Türkei gesprochen.

Von Cornelia Kolden | tagesschau.de

Wir treffen uns in einem Hotelzimmer irgendwo in Europa. Eigentlich wollte er nur Urlaub machen, der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“. Jetzt hängt er am Internet, schaut fassungslos auf die Ereignisse in seiner Heimat.

„Es herrscht eine Atmosphäre der Angst im Land. Alle fürchten sich, zu sprechen, zu schreiben. Weil nicht nur die Regierungskräfte drohen, sondern auch einige militante AKP-Anhänger. Sie brüllen herum und schüchtern Menschen ein“, sagt Dündar. „Und es kursieren viele Listen in den sozialen Netzwerken. Eine Liste der Journalisten, die verhaftet werden sollen. Eine Liste für Akademiker, für Bürokraten, … . Das zeigt, dass sie schon auf so einen Putschversuch vorbereitet waren.“

„Sind Sie auf einer Liste?“, frage ich. „Ich stehe ganz oben“, sagt Dündar.

Das hat ihn schon im Mai fast das Leben gekostet. Mit Erfolg ging Dündar vor Gericht gegen sechs Jahre Haft wegen Spionage vor. Und dann das: Vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul wird auf ihn geschossen, er bleibt aber unverletzt. Der Angreifer ist AKP-Mitglied. Erdogan selbst hat Dündars Freilassung durch die Verfassungsrichter nie akzeptiert.

„Ich habe die Nachrichten nachts gesehen, dass Militär auf der Brücke in Istanbul steht. Das erste, was ich dachte, war: Wenn sie Erfolg haben, wird es furchtbar für uns. Wenn sie scheitern, ist es auch schrecklich. Denn, wenn sie Erfolg haben, wird es eine Militärdiktatur. Wenn nicht, wird es eine zivile Diktatur. Und die hat bereits begonnen“, so Dündar.

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Hagee: Pro-Israel evangelicals will ‘storm’ US voting booths

HP der Cornerstone Church. Screenshot brightsblog
HP der Cornerstone Church. Screenshot brightsblog
Praising but not quite endorsing Trump, leader of 3-million strong Christian powerhouse group CUFI says when it tells candidates to beef up support for Israel, they listen

By Rebecca Shimoni Stoil | The Times of Israel

Almost 400 miles away from Cleveland, sweltering in a Washington, DC heat wave, thousands of potential voters stood on their feet, opening their arms in testimony, waving American and Israeli flags and vowing that for Zion’s sake, their voices would be anything but silent.

Christians United for Israel’s annual summit was booked years in advance of the announcement that the Republican Party would hold its nominating convention in Cleveland the same week, but the powerful grassroots-based organization sees itself as playing a central role in the drama that continues to unfold in the 2016 elections cycle – and beyond.

The organization sprang to its feet in advance of the Republican convention, when the platform committee sat down to draft party doctrine for the coming election. CUFI sought to restore language describing Jerusalem as “undivided” – asserting support for Israel’s claims over all of the city, on either side of the Green Line.

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Minister ruft Christen und Muslime zur Zusammenarbeit auf

islam_christentum

Christen und Muslime sollten mehr zusammenarbeiten. Das sogenannte Abendland und das Morgenland hätten sich über Jahrhunderte gegenseitig kulturell inspiriert und ausgetauscht, sagte Wenzel.

evangelisch.de

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hat Christen und Muslime zur Zusammenarbeit aufgefordert. Das sogenannte Abendland und das Morgenland hätten sich über Jahrhunderte gegenseitig kulturell inspiriert und ausgetauscht, sagte er am Sonntag in der Marktkirche in Hannover: „Die Trennung erscheint heute künstlicher denn je.“ Mit Blick auf Terror und Gewalt betonte Wenzel: „Die Geschichte zeigt, dass es für einen Frieden zwischen den Nationen auch einen Frieden zwischen den Religionen braucht.“

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Erdogan-Fans: „Wir rotten Euch aus, verbrennen Euch“ – DITIB verbieten

Hass auf AKP-Kritiker Gelsenkirchen – Hier stürmen Erdogans Anhänger ein Café. Bild: DIE WELT
Auch in Deutschland attackieren Erdogans Anhänger Andersdenkende – Kurden, Aleviten, Gülen-Leute und Säkulare. Vor allem ein Verein, der der türkischen Regierung untersteht, macht gegen sie Stimmung.

Von Freia Peters, Tim Röhn | DIE WELT

Wenige Tage nach dem Putschversuch in der Türkei preisen die Besucher einer kleinen Moschee in Berlin-Schöneberg ihren „büyük lider“, den großen Führer Recep Tayyip Erdogan. Vor dem Gebetsraum hängt die türkische Flagge. „Ich finde es absurd, dass der Zustand in der Türkei nun mit einer Diktatur gleichgesetzt wird“, beschwert sich Yussuf, ein junger Mann. „Hunderte Menschen haben die Putschisten brutal ermordet. Und wer wird nun als großer Übeltäter dargestellt? Erdogan! Dabei hat er die Demokratie gerettet!“ Die Frage nach der Säuberungswelle des AKP-Regimes wird seither mit einer abwinkenden Handbewegung beantwortet. Besondere Zeiten, heißt es, erforderten eben besondere Maßnahmen.

Die Hinterhof-Moschee gehört zur Türkisch-Islamischen Union (Ditib), in der 900 Moscheevereine zusammengeschlossen sind. Ditib ist eigentlich ein deutscher islamischer Verein – der aber dem Religionsministerium in der Türkei unterstellt ist. Die großen deutschen Islamverbände haben den Putschversuch in der Türkei scharf verurteilt und ihre „Solidarität mit den Menschen in der Türkei und der Demokratie“ bekundet.

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Türkei stellt 3000 neue Richter und Staatsanwälte ein

erdoganSchon vor dem Putschversuch sei geplant gewesen, Prüfungen für 1500 neue Richter und Staatsanwälte anzubieten, sagte Justizminister Bozdag.

Die Presse.com

Nach den zahlreichen Festnahmen von Richtern und Staatsanwälten will die türkische Regierung die entstandene Lücke in der Justiz schnell schließen. Justizminister Bekir Bozdag kündigte am Sonntag die Anstellung von 3000 neuen Richtern und Staatsanwälten an. „Es wird keine Unannehmlichkeiten für unsere Bürger geben. Dafür haben wir Maßnahmen getroffen“, sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu vom Sonntag dem Sender Kanal 7.

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Volker Kauder: „Schluss mit den Ego-Shooter-Spielen“

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Volker Kauder, Fraktionsvorsitzende der CDU, über den Münchener Blutrausch, den Umgang mit Erdogan nach dem Putschversuch, Sigmar Gabriels Hakenschläge und die Vorzüge der repräsentativen Demokratie.

Von Beat Balzli , Jacques Schuster | DIE WELT

Welt am Sonntag:

Herr Kauder, sind Sie ein Freund von Realpolitik?

Volker Kauder: Ja. Man muss in der Politik immer für seine Werte eintreten. Aber Politik beginnt stets mit dem Betrachten der Wirklichkeit.

Welt am Sonntag: Gehören dazu auch Geschäfte mit Despoten?

Kauder: Sehr oft kann man sich die Gesprächspartner auf der Welt nicht aussuchen. Und natürlich müssen wir auch mit Politikern Absprachen treffen, die unsere Werte nicht teilen.

Welt am Sonntag: Wie der Flüchtlingsdeal mit Erdogan?

Kauder: Sie sollten nicht so despektierlich von einem „Deal“ sprechen. Es handelt sich um ein Abkommen zwischen der EU und der Türkei. Aufgrund der strategischen Lage kommt Europa an der Türkei in der Flüchtlingsfrage nicht vorbei. Deswegen war es richtig, diese Vereinbarung zu treffen. Natürlich ist die Entwicklung in der Türkei seit Langem besorgniserregend.

Welt am Sonntag: Um das Abkommen nicht zu gefährden, hat die Bundesregierung weggeschaut, wenn dort demokratische Rechte verletzt wurden.

Kauder: Wir schauen nicht weg. Die Bundeskanzlerin hat der türkischen Regierung deutlich gesagt, was wir erwarten und was wir auf keinen Fall akzeptieren können.

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Iranische Behörden zerstörten 100.000 Satelliten-Schüsseln

Bild. Die Presse.com
Die Satelliten-Sender hätten einen „verderblichen“ Einfluss auf die „Moral und Kultur der Gesellschaft“.

Die Presse.com

Die iranischen Behörden haben am Sonntag 100.000 Satelliten-Schüsseln zerstört. General Mohammed Reza Nagdi, der Chef der Basij-Miliz, warnte bei der Zerstörungsaktion in Teheran laut einem Bericht seiner Miliz vor dem „verderblichen“ Einfluss der Satelliten-Sender auf die „Moral und Kultur der Gesellschaft“.

Die Nutzung der Satelliten-Sender habe „eine Zunahme der Scheidungen, Drogen-Abhängigkeit und Unsicherheit“ zur Folge. Große Teile der iranischen Bevölkerung missachten das offizielle Verbot von Satelliten-Schüsseln. Wer die Parabol-Antennen in Umlauf bringt, nutzt oder repariert, muss mit einer Strafe von umgerechnet bis zu 2.500 Euro rechnen.

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Stiftung baut ehemaligen Erzbischof Alterssitz für 1,2 Millionen Euro

Karl Braun ging 2001 in den Ruhestand. (Foto: DPA)
  • Die karitative Joseph-Stiftung hat dem früheren Bamberger Erzbischof Karl Braun für 1,2 Millionen Euro einen Alterssitz hingestellt.
  • Der Deal ist brisant, weil die Stiftung sonst Wohnungen für bedürftige Familien baut.
  • Durch die Struktur der Stiftung befand sich Braun möglicherweise in einer Machtposition.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Seinen 85. Geburtstag feierte der Bamberger Alt-Erzbischof Karl Braun bescheiden und daheim, am 13. Dezember 2015. Zum Fest berichtete der Bamberger Fränkische Tag, Braun lebe „eher zurückgezogen in seinem Haus in Wildensorg“, westlich der Domstadt. Das sei ein „Tribut an das Alter“, heißt es in dem Porträt, aber auch „ein selbst auferlegtes Muss als Emeritus, der seinem Nachfolger auf dem Bischofsstuhl das tägliche Feld zum Beackern überlässt“. Braun, der mehr als zehn Jahre Bischof von Eichstätt war und dann bis 2001 Erzbischof von Bamberg, sagte, er mühe sich nun, „tiefer in das Mysterium einzudringen“, in das Geheimnis des Glaubens. Der Artikel trägt den Titel: „Der Mystiker von Wildensorg“.

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Kurden, Konservative, Kemalisten: Das sind die Akteure in Erdoğans Reich

Unterstützer von Präsident Erdoğan bei einer Kundgebung in Istanbul. (Foto: dpa)
Die türkische Bevölkerung besteht aus verschiedenen Ethnien, Glaubensrichtungen und politischen Lagern – die Grenzen fließen. Eine Übersicht.

Von Deniz Aykanat, Minh Thu Tran, Markus Mayr | Süddeutsche.de

Lange Zeit gab es in der Türkei vermeintlich zwei große Lager: Die „Konservativen“ und die „Modernen“. Als die Konservativen galten die Religiösen, die Menschen vom Land, Frauen mit Kopftuch, die weniger Gebildeten. Subsummiert wurden sie unter dem Begriff İslamcı.

Als die Modernen sahen sich hingegen die Städter, die Gebildeten, die Laizisten und dem Westen zugewandten: die Laikçi. Gesammelt wurden sie auch unter dem Begriff: Kemalisten – also diejenigen, die den Geist des Gründers der Republik, Mustafa Kemal Atatürk, atmeten und sein Erbe fortschrieben.

Heute bemüht sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wieder um eine neue stark vereinfachende und verfälschende Bipolarität. Es gibt nur noch „Wir“ und „die anderen“, also nur noch Menschen, die für Erdoğan sind oder gegen ihn. Wer gegen ihn ist, ist nach Meinung des Staatschefs und seiner Anhänger automatisch ein Fetö’cü, ein Unterstützer der Gülen-Bewegung. Fetö (Fethullahçı Terör Örgütü, zu Deutsch: Terror-Organisation der Fethullah-Anhänger) ist in der Türkei mittlerweile eine offizielle Bezeichnung und sie wird für alles verwendet, was der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zugeschrieben wird.

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Als Muslim religiös versagt, werd ich eben Christ

Pastor Gottfried Martens von der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz bei der Taufe eines iranischen Kindes © Lukas Schulze/dpa
Was bewegt Flüchtlinge, Christen zu werden: Glaube? Schutz vor Abschiebung? Die Zahl der Muslime, die konvertieren, steigt. In mancher Gemeinde löst das Irritation aus.

Von Katharina Schuler | ZEIT ONLINE

Vor einigen Monaten bekam Pfarrer Weber ungewohnten Besuch. Fünf junge Afghanen drängten sich in seinem Sprechzimmer und hatten nur einen Wusch: Sie wollten getauft werden und das bitte so schnell wie möglich. Die Männer leben als minderjährige Flüchtlinge im Wohnheim einer saarländischen Stadt. Die katholische Pfarrkirche hatten sie sich ausgesucht, weil es die nächste war. Doch Weber musste sie enttäuschen: Christ wird man in der katholischen Kirche nicht von heute auf morgen.

Gesicherte Zahlen darüber, wie viele Muslime in den vergangenen Monaten zum Christentum konvertiert sind und ob ihre Zahl angesichts der gestiegenen Flüchtlingszahlen zugenommen hat, gibt es nicht. Doch auch wenn spektakuläre Fälle wie etwa die Massentaufe in einem Hamburger Schwimmbad eher die Ausnahme sein dürften, lässt sich punktuell in einigen Gemeinden durchaus ein deutlicher Anstieg von Neuchristen feststellen.

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Es sind unsere Terroristen – wir brauchen keine religiöse Integration

Vor der Tat hatte er sich zum IS bekannt – der 17jährige Axt-Attentäter.Foto: dpa
Die Täter sind jung, berufen sich auf den Islam und haben sich oft schnell radikalisiert – wie zuletzt in Würzburg. Was tun dagegen? Eine Antwort: Wir brauchen auch eine religiöse Integration.
 

Von Ehrhart Körting | DER TAGESSPIEGEL

Seit dem Anschlag vom 11. September 2001 führen wir eine Debatte über religiös geprägte Straftaten und islamistischen Terrorismus. Die Zahl der Anschläge von Madrid über London nach Paris und Brüssel ist kaum noch übersehbar. Hinzurechnen muss man die fehlgeschlagenen Anschlagsversuche und -vorbereitungen wie die sogenannten Kofferbomber und die Sauerlandgruppe in Deutschland. Neben die organisierten und ferngesteuerten, zumindest fernunterstützten Taten von Al Qaida, IS und anderen Gruppen treten zunehmend Einzeltäter. Das wirft Fragen nach der angemessenen Repression und Prävention auf.
Der in einem religiös geprägten Haushalt aufgewachsene 19-jährige Ayhan Sürücü tötet am 7. Februar 2005 auf offener Straße in Berlin seine Schwester Hatun Sürücü. Es mag erstaunen, dass ich diesen Mord in dem Kontext mit aufführe. Aber es ist ein Fall, bei dem religiös geprägte Mentalitäten über die Rolle der Frau mitwirkten.
Am 2. März 2011 erschießt der 21-jährige Kosovo-Albaner Arid Uka am Flughafen in Frankfurt am Main zwei amerikanische Soldaten und verletzt zwei weitere schwer, weil er seinen persönlichen Beitrag zum Dschihad (Heiligen Krieg) gegen die „Feinde des Islam“ leisten wollte.
In London töten am 22. Mai 2013 zwei zum Islam konvertierte 22 beziehungsweise 28 Jahre alte britische Staatsbürger auf offener Straße einen 25-jährigen Soldaten mit Stichen und einem Beil und schwören öffentlich bei Allah, nie aufzuhören, die Ungläubigen zu bekämpfen, bis die Ungläubigen die Muslime in Ruhe lassen.

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Die Stunde der Irren

Die jüngsten Anschläge haben immer weniger mit dem Islam und immer mehr mit psychischer Krankheit zu tun.

Von Peter Michael Lingens | profil.at

„Wegen euch bin ich gemobbt worden. Jetzt musste ich eine Waffe kaufen, um euch alle abzuknallen. Ich war in stationärer Behandlung.“ Das ist die Quintessenz des Gespräches, das jener 18 jährige Deutsch-Iraner, der nach menschlichem Ermessen in München zehn Menschen und dann sich selbst erschoss, mit einem Mann führte, der ihn vom Schießen abhalten wollte.

Ein psychisch offenkundig Schwerkranker vermochte eine Millionenstadt für Stunden lahm zu legen – uns es wird nicht die letzte Stadt sein.

Nach allem, was bisher bekannt ist, hat diese Tat überhaupt nichts mit dem Islam zu tun. Und selbst wenn sich herausstellen sollte, dass auch dieser Täter irgendwann ein Video des IS angeschaut hat, wäre der Zusammenhang ein sekundärer.

Hier brechen sich Aggressionen Bahn, die höchstens am Rande mit Religion wohl aber mit den verschiedensten psychischen Störungen verbunden sind.

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AKP-Trolle berichten über europäische Medienmanipulation

AKP

Die türkischen Tageszeitungen Milliyet, Gazetevatan sowie die Yeni Safak warnen übereinstimmend vor Provokationen zwischen Sunniten und Aleviten in der Türkei. Drahtzieher sollen ausländische Medien und Terrororganisationen sein.

TURKISHPRESS

Seit dem Putschversuch in der Türkei am 15. Juli, bei der über 200 Zivilisten getötet und knapp 1.500 verletzt wurden, warnt die türkische Regierung eindringlich vor Provokationen. Präsident Erdogan, Ministerpräsident Yildirim sowie die Vorsitzenden der Oppositionsparteien CHP und MHP forderten die Bevölkerung auf, jetzt Einigkeit zu zeigen, ohne Ansehen auf die Ideologie, politische Ausrichtung, Glauben oder Aussehen. „Wir sind jetzt ein Volk und eine Einheit“ sagte Präsident Erdogan bei einer Ansprache am Mittwoch an das Volk.

Die Aufforderung, Provokationen und Falschmeldung nicht zu verfallen, hatte schon am nächsten Tag des gescheiterten Putschversuches angeblich ein Gesicht bekommen. Aus dem Südosten des Landes wurden in sozialen Netzwerken Übergriffe auf Aleviten in einem Stadtteil von Malatya gemeldet. „Islamisten“ hätten sich lautstark durch die mehrheitlich von Aleviten bewohntem Stadtteil bewegt und so für eine aufgeheizte Stimmung gesorgt. Dabei wurden auch Bilder veröffentlich, in der Polizeifahrzeuge im Einsatz sowie eine Menschenansammlung zu sehen sind. Der Provinzgouverneur und der CHP-Abgeordnete von Malatya, Veli Agbaba, dementierten jedoch diese Berichte. Agbaba erklärte auf Twitter, Provokateure würden alte Bilder verwenden, um Unruhen anzustiften. Man dürfe dem kein Glauben schenken twitterte Agbaba.

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