Archiv der Kategorie: Religion

Extremismus-Experte Mansour fordert Selbstkritik von Islamverbänden

Der Extremismus-Experte Ahmad Mansour hat die Islamverbände in Deutschland aufgefordert, ihr Verhältnis zum radikalen Islam kritisch zu hinterfragen.

evangelisch.de

Die Verbände müssten sich die Frage stellen, „wie das Ungeheuer Islamismus unter uns entstehen konnte“, sagte der Psychologe am Freitagabend in Dortmund. Konservative muslimische Kräfte in Deutschland bereiteten Extremismus durch eine fehlende kritische Betrachtung des Korans und religiöser Vorschriften einen Nährboden.

Zugleich erklärte der in Israel geborene Palästinenser, eine Radikalisierung von Jugendlichen habe nicht nur religiöse, sondern auch psychologische Ursachen. „Der überwiegende Teil derer, die sich dem Islamismus anschließen, sehnt sich nach einer starken Vaterfigur, die er in seiner Kindheit nicht kennengelernt hat“, sagte der Autor des Buches „Generation Allah“. Mansour arbeitet in der Berliner Beratungsstelle Hayat, die die Radikalisierung von Jugendlichen zu verhindern sucht und zurzeit nach Angaben des Psychologen rund 300 Fälle betreut.

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Captain America is a secret Nazi, and people are going crazy about it

Captain America. Screengrab @CNN Twitter
Captain America. Screengrab @CNN Twitter
New comic book’s last page revelation seen by some as a betrayal of Marvel superhero’s WWII-era Jewish creators

By Lior Zaltzman | The Times of Israel

The new Captain America comic book includes an epic reveal, and some people are not happy about it.

When fans ran out to grab Marvel Comics’ “Captain America: Steve Rogers #1” on its release Wednesday, they were not expecting this.

Captain America discloses in the issue that he is in fact a secret operative of the evil, formerly Nazi organization, Hydra.

The dramatic twist happens right on the last page, as Captain America prepares to throw his supposed ally, Jack Flag, off an airplane, presumably to his death, and exclaims, “Hail Hydra!”

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Geschichtomat zeigt jüdisches Erbe

Jüdisches Erbe in Hamburg: Palais Budge – der Reichsstatthalter und Gauleiter der NSDAP Karl Kaufmann enteignete die Familie Budge. (dpa / picture alliance)
Vor 50 Jahren wurde das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg gegründet. Das Forschungsinstitut widmet sich dem jüdischen Leben – nicht nur in der Hansestadt. Mit einem Senatsempfang in der Patriotischen Gesellschaft Hamburgs ist die Arbeit des Instituts geehrt worden.

Von Michael Hollenbach | Deutschlandradio Kultur

Ausschnitt aus Film Hauptmann von Köpenick: Heinz Rühmann besetzt als Hauptmann von Köpenick das Rathaus, weil er als Staatenloser dringend einen Pass benötigt, um nicht ausgewiesen zu werden.

Miriam Rürüp erläutert, was der Film mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden zu tun hat:

„Wir befinden uns im ehemaligen Finanzamt, der Hauptmann von Köpenick wurde hier gedreht in den 50er-Jahren, unten im Foyer, diese kleine Ausstellung, wo man Heinz Rühmann in seiner berühmten Hauptrolle sieht. „

Heinz Rühmann alias Wilhelm Voigt ist ein Staatenloser – und Ironie der Geschichte – staatenlose Juden sind der Forschungsschwerpunkt von Miriam Rürup, der Direktorin des Instituts. Und die Quellen zur Erforschung des jüdischen Lebens sind hier reichlich vorhanden. Denn bereits 1937/38 übergaben die Archivare der jüdischen Gemeinden in Hamburg ihre Bestände dem Staatsarchiv als Dauerleihgabe:

„Durch diesen Coup wurden die Akten letztlich gerettet und haben den Krieg überdauert, auch ohne größere Bombenschäden, (…) in den 50er-Jahren begann es, dass Hamburger und auch israelische Archivare auf diese Akten aufmerksam wurden und überlegten, was man mit diesen Akten machen kann.“

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Godspots: Die Kirche wird digital

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Noch vor dem Evangelischen Kirchentag im Mai 2017 sollen die ersten Hotspots in Kirchen an den Start gehen. Ziel der EKBO ist es, am Ende in allen 3000 Kirchen, Pfarrhäusern und kirchlichen Einrichtungen kostenlosen Internetzugang zu schaffen. Die Entscheidung zur Einführung des W-Lans hat mehrere Gründe.

Von Melanie Höhn | Märkische Allgemeine

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg (EKBO) öffnet sich neuen technischen Möglichkeiten: In Zukunft soll es kostenlose W-Lan-Hotspots, so genannte „godspots“, in und um rund 220 Kirchen geben. Das hat die EKBO am 13. Mai beschlossen, die Pilotphase hat allerdings noch nicht begonnen. Noch vor dem Evangelischen Kirchentag im Mai 2017 sollen die ersten Hotspots auch in Pfarrhäusern und kirchlichen Einrichtungen an den Start gehen.

Vorreiter für die Region ist Kreiskantor Peter-Michael Seifried: Er hat für die Nikolaikirche in Jüterbog schon einen Antrag gestellt und erhofft sich durch das W-Lan einfachere und informativere Besucherführungen. Nach dem Scannen des QR-Codes können Besucher die entsprechenden Informationen im Netz lesen, ohne ihr Datenvolumen aufzubrauchen. „Es ist sehr praktische Sache“, sagt Seifried. Zudem sei es auch eine gute Tat für die Umwelt, Veranstaltungshinweise digital zu verbreiten.

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Infosekta: Wo bleibt Religionsfreiheit bei Kindern in Sekten?

Mädchen | © 2007 Pixabay CC0
Die Sektenberatungsstelle «Infosekta» wirft in ihrem aktuellen Jahresbericht 2015 ein besonderes Augenmerk auf Kinder in sektenhaften Gruppierungen. Infosekta fordert eine stärkere Diskussion über die Frage, wie es um die Religions- und Meinungsfreiheit von Kindern steht, deren Eltern Mitglied in einer Sekte sind.

kath.ch

Die aktuelle Handschlag-Debatte nimmt Infosekta zum Anlass, auf ähnliche Dispensierungsgesuche von Mitgliedern in sektenhaften Gruppierungen hinzuweisen. Bei der Diskussion um das Dispensgesuch zweier muslimischer Schüler, die ihrer Lehrerin aus religiösen Gründen die Hand nicht geben wollten, stehe die Frage im Zentrum, inwiefern das Beispiel Schule mache. Es gehe um die Akzeptanz von zentralen Werten unserer Gesellschaft und darum, inwieweit man davon abweichen dürfe.

Dispensgesuche im schulischen Kontext gebe es auch bei manchen sektenhaften Gruppierungen wie etwa den Zeugen Jehovas.  »Wird ein Kind auf Wunsch der Eltern von Geburtstagsfeiern in der Schule ausgeschlossen, erlebt es sich dadurch als nicht zugehörig – was pädagogische Grundwerte unterläuft», heisst es im Jahresbericht von Infosekta. Dies sei zwar weniger gravierend als ein verweigerter Handschlag, dennoch werde mit einer solchen Entscheidung nicht weniger an der gesellschaftlichen Wertebasis gerüttelt als durch den Handschlag-Dispens, argumentiert Infosekta.

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Flüchtlingsdeal: Vergesst die Türkei!

Syrische Frauen tragen Essenspakete nahe der türkischen Stadt Kilis. picture alliance
Sollte der Flüchtlingsdeal scheitern, wäre es nicht schade drum. Die Türkei ist unter Erdogan kein zuverlässiger Partner. Der nutzt das Abkommen für eigene Interessen, indem er sich unerwünschter Kurden entledigt und linientreue Anhänger als zusätzliche Machthebel in die EU schleust

Von Alexander Grau | Cicero

Nein, es steht nicht gut um das so genannte EU-Türkei-Abkommen, dem wichtigsten – wenn nicht sogar einzigen – Baustein der Merkelschen Strategie zur Bewältigung der Flüchtlingskrise.

Die ebenso unfein wie treffend „Flüchtlingsdeal“ genannte Vereinbarung hatte von vornherein so grundlegende Konstruktionsfehler, dass ihre Halbwertszeit ohnehin begrenzt erschien. Doch gut zwei Monate nach seinem Abschluss ist fraglich, ob der „Deal“ auch nur die nächsten Wochen überlebt – zum Glück, wie man ergänzen muss.

Erdogan vertreibt Kurden aus der Türkei

Sollbruchstelle des gesamten Arrangements ist, wie nicht anders zu erwarten, die in Aussicht gestellte Liberalisierung des Visarechts, mit der sich die EU die zumindest oberflächliche Kooperation Ankaras in der Flüchtlingskrise erkaufte. Denn im Zweifelsfall ersetzt sie nur die Nationalität der Migranten, und anstelle von Afghanen und Syrern kommen türkische Staatsbürger – nur eben sehr viel umkomplizierter und legal.

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Karl Lehmann besorgt über teils halbleere Hallen auf Katholikentag

Kardinal Lehmann (Bild: Wikimedia Commons/Kandschwar)
Kardinal Lehmann (Bild: Wikimedia Commons/Kandschwar)

Früherer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz statuiert teils halbleere Hallen trotz prominenter Politiker«: «Man wird das sorgfältig untersuchen müssen».

kath.net

Besorgt über teils halbleere Hallen trotz prominenter Politiker hat sich auf dem Katholikentag Kardinal Karl Lehmann geäußert. «Man wird das sorgfältig untersuchen müssen», sagte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Freitagabend in Leipzig. Bei Auftritten etwa der Bundesminister Thomas de Maiziere (CDU) und Andrea Nahles (SPD) waren zuvor viele Plätze leergeblieben.
Lehmann nannte als mögliche Ursachen nicht nur «die übliche Verdrossenheit», sondern auch «ein Stück weit Hoffnungslosigkeit». Manche Menschen zögen sich von aktuellen Themen wohl zurück. Er sehe aber eine Gefahr darin, wenn ihr Interesse daran dauerhaft nachlasse.

The Big Lebowski als Vorbild für eigene Religion: der Dudeismus

Logo des Dudeismus. Bild: wikimedia.org/CC0

Der Kultfilm „The Big Lebowski“ handelt von einem Aussteiger, dessen Leben ausschließlich aus Bowling, Kiffen und White Russians besteht – er nennt sich selbst „der Dude“. Acht Jahre nach Erscheinen des Films entsteht tatsächlich eine Religion, die auf dieser Person basiert: der Dudeismus.

Von Felicitas Fehrer | Galileo

Im Bademantel eine ruhige Kugel schieben – das ist das Motto der Dudeisten. Von Thailand bis Amerika gibt es sie in rauen Mengen: Fans des Filmhelden aus „The Big Lebowski“. Der tiefenentspannte Dude ist nicht nur ihr großes Vorbild, sondern ihr Gott.

Aber was macht den Helden einer Kriminalgeschichte der Cohen-Brüder von 1998 so anbetungswürdig? Die Tatsache, dass er zum Leben nichts braucht außer seinen Bademantel, White Russian Cocktails und Bowling? Nein. Angeblich ist es nicht seine Faulheit, die bewundert wird, sondern sein Mut zur Faulheit – in einer Welt, die einem vorschreibt, faul zu sein, sei eine Schande. Der Dude mache uns vor, wie man Leistungsdruck oder Vorschriften, die einem an den Nerven zerren, überwindet und einfach sein Ding macht. Wie man einen gesunden Individualismus entwickelt.

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Die katholische Kirche soll endlich missionieren – ja, in Moscheen

In der Integrationsdebatte sind die Bischöfe viel zu leise. Damit verpassen sie eine Chance. Denn es sollte klar sein: Mehr Christentum führt nicht zu mehr Abgrenzung, sondern zu weniger.

Von Lucas Wiegelmann | DIE WELT

Jesus mag seine Jünger ja immer wieder verwirrt haben mit seinen mehrdeutigen Sinnsprüchen, aber wenn es um das Thema Mission ging, hat er sich eigentlich ziemlich klar ausgedrückt. „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern“, heißt es am Ende des Matthäusevangeliums, eine Formulierung, die als „Missionsbefehl“ bekannt ist.

Man könnte meinen, diese Maxime müsste in einer Zeit, in der so viele muslimische Einwanderer nach Deutschland kommen, in der Kirche eine besondere Aktualität haben. Doch in der immer bizarrer werdenden Diskussion, wie viel Islam für Deutschland denn noch gerade eben verträglich sei (neue Moscheen erlauben oder nicht; wenn ja, mit oder ohne Minarett? Islamunterricht, okay, aber von welchem Verband organisiert? Wie steht es um den Zusammenhalt unseres offensives Mittelfeldes, seit Mesut Özil in Mekka war?) scheint ausgerechnet die größte religiöse Institution des Landes merkwürdig leise zu sein: die katholische Kirche.

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Pastorin: „Ich glaube nicht an das menschliche Konstrukt eines Gottes“

Gretta Vosper, Bild: FB

Geht das: Atheistin sein und trotzdem Pastorin einer Kirchengemeinde? Die größte protestantische Kirche in Kanada will das in Kürze entscheiden. Der Pfarrerin der „West Hill“-Gemeinde in Toronto, Gretta Vosper, droht der Rauswurf.

Von Konrad Ege | evangelisch.de

Sie sei Atheistin, bekennt die 57-jährige Pastorin Gretta Vosper von der United Church of Canada (UCC) – ohne Wenn und Aber. „Ich glaube nicht an das menschliche Konstrukt eines Gottes“, sagt sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Jesus sei eine geschichtliche Figur und die Bibel „ein fehlerhaftes menschengeschriebenes Buch“.

Ihre „West Hill“-Gemeinde hält zu ihr, denn viele Mitglieder sind offenbar gemeinsam unterwegs mit ihrer Pastorin. Beim wöchentlichen Zusammenkommen verzichten die rund 100 Mitglieder auf die Bibel und das „Vater Unser“. In einem „Missionsauftrag“ der Gemeinde heißt es: „Aus Ehrfurcht vor dem Leben streben wir nach Gerechtigkeit für alle, wir stärken einander bei der Suche nach Wahrheit.“

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Israel: Christliche Schulen vor dem finanziellen Kollaps

Christliche Schulen in Israel sind für ihr hohes Niveau bekannt – AP
Durch das Ausbleiben einer versprochenen Ausgleichszahlung des israelischen Staates stehen die christlichen Schulen in Israel vor dem finanziellen Abgrund. Etwa 12 Millionen Euro sollten die klammen Institute durch den Staat erhalten, doch etwa zwei Monate nach Ablauf der vereinbarten Frist sind die Gelder noch nicht geflossen.

Radio Vatikan

Wie Giacinto-Boulos Marcuzzo, Patriarchalvikar von Jerusalem, gegenüber der Nachrichtenagentur Asianews betonte, riskierten die 47 betroffenen Schulen nun sogar die Schließung. 33.000 Schüler christlichen, muslimischen, jüdischen und drusischen Glaubens verlören damit ihre Schulen.

Pater Abdel Masih Fahim ist der Generalsekretär des für die christlichen Schulen zuständigen Büros der Bischofsversammlung im Heiligen Land. Gegenüber Radio Vatikan fordert er das zuständige Ministerium nachdrücklich dazu auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen: „Sie schieben bürokratische Gründe für das Ausbleiben der Zahlungen vor, aber das ist kein guter Grund dafür, den 47 Schulen die in einem unterzeichneten Abkommen zugesprochene Summe nicht zu überweisen.“

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Muslime beten aus Protest vor der TU Berlin

muslim

Im März hat die TU Berlin die Gebetsräume für Muslime geschlossen. Aus Protest versammelten sich zahlreiche Muslime zum Freitagsgebet vor dem Hauptgebäude. Die Uni bleibt aber hart.

DIE WELT

Gebetsteppiche auf dem Gehweg: Nach der Schließung von Gebetsräumen für Muslime an der TU Berlin im März dauert der Protest an.

Dutzende Gläubige hielten ihr Gebet am Freitag vor dem Uni-Hauptgebäude nahe dem Ernst-Reuter-Platz. Bei der Polizei war die Aktion als Kundgebung angemeldet. Bereits vor einer Woche hatten laut TU 100 bis 150 Menschen auf diese Weise protestiert.

Die Uni hatte die Schließung der Räume mit der Trennung von Staat und Religion begründet. Auch gebe es inzwischen nahe gelegene Gebetshäuser, auf die Mitarbeiter und Studenten ausweichen könnten, hieß es.

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Die Kirche ist zu einer abwählbaren Sekundärinstitution geworden

ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
Die Kirche ist in Deutschland zu einer abwählbaren Sekundärinstitution geworden. Diese Ansicht vertrat der Leiter der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral, Hubertus Schönemann (Erfurt), am 26. Mai beim 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig.

kath.net

Die Veranstaltung stand unter dem Thema „Leben ohne Gott? Säkularisierung: Herausforderung für die Kirchen in Europa“. Nach Schönemanns Worten sind allein aus der katholischen Kirche im vergangenen Jahr 218.000 Deutsche ausgetreten. Im Osten Deutschlands sei die Konfessionslosigkeit zwischen 1950 und 2010 von 7,5 auf 75 Prozent angewachsen. Längst sei es in den neuen Bundesländern „normal“, nicht in einer Kirche zu sein: „Die Begründungspflicht liegt beim Glaubenden.“ In den westlichen Bundesländern seien die Bürger nicht unbedingt religiöser. Die Kirche sei dort aber nach wie vor ein wichtiger Kulturfaktor: „Man bringt die eigenen Kinder nicht aus Glaubensgründen zur Taufe, sondern weil es dazu gehört.“ Parallel zu dieser zunehmenden Säkularisierung gewinne die öffentliche Rolle von Religion jedoch an Bedeutung. Das zeige sich etwa an Trauerfeiern nach Katastrophen oder Anschlägen. Schönemann: „Hier werden die Kirchen wichtiger.“ Zugleich wüchsen religiöse Gruppierungen jenseits der beiden großen Kirchen, etwa Freikirchen, die orthodoxe Kirche oder der Islam.

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Martin Luthers Skandalbuch: „Von den Juden und ihren Lügen“

Bild: RDF
Seit 2008 feiert die Evangelische Kirche Deutschlands die „Lutherdekade“ und wird nicht müde, das Konterfei des Reformators bei jeder Gelegenheit zu präsentieren. Dabei hat sie allerdings ein erhebliches Problem: der Reformator war der wirkmächtigste Judenhasser bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Richard Dawkins-Foundation

Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 in makabrer Weise hervor. Darin entwickelte er sein berüchtigtes Sieben-Punkte-Programm zur Beseitigung des Judentums in Deutschland, das knapp 400 Jahre später von den Nationalsozialisten bereitwillig kopiert und ergänzt wurde:

  • Verbrennen ihrer Synagogen
  • Zerstörung ihrer Häuser und Zwangsunterbringung wie Zigeuner
  • Wegnahme ihrer religiösen Bücher
  • Lehrverbot für Rabbiner bei Androhung der Todesstrafe
  • Aufhebung der Wegefreiheit
  • Zwangsenteignung
  • Zwangsarbeit

Hatte der Philosoph Karl Jaspers also Recht, als er bemerkte: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern“? Das „Meisterwerk“ des Reformators macht in bedrückender Weise deutlich, dass religiöse und nichtreligiöse Elemente seines Judenhasses nicht von einander zu trennen sind.

Bernd P. Kammermeier (Filmproduzent) stellt die Neuausgabe dieses Skandalbuches (erstmals in heutigem Deutsch) vor, das er gemeinsam mit Karl-Heinz Büchner, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling im Alibri Verlag herausgegeben hat. Dabei wird auch auf die fatale Rolle des gefeierten Reformators bei der Verbreitung der Judenfeindschaft in Europa und seine furchtbare Wirkung bis in die jüngste Vergangenheit des Dritten Reiches hingewiesen.

Die vier Herausgeber zeigen, dass Luthers Antisemitismus – in Theologenkreisen euphemistisch „Antijudaismus“ genannt – keineswegs rein theologisch begründet ist, sondern – untrennbar miteinander verwoben – auch rassistische Merkmale aufweist. Das scheint besonders bedenklich angesichts der Feierlichkeiten um den Reformator im nächsten Jahr, dem Höhepunkt der „Lutherdekade“, die mit 150 Mio. € – größtenteils aus dem allgemeinen Steueraufkommen – zelebriert wird.

Wo:
Haus der Wissenschaft
Sandstr. 4/5
DE-28195 Bremen

Wann:
Freitag, 10. Juni 2016, 19:00 Uhr
(Einlass 18:00 Uhr)

Eintritt frei (Voranmeldung erwünscht, aber nicht erforderlich)
Kontakt: joerg@richarddawkins.net

Radikaler Laizismus oder Würdigung?

Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Wie hält es die Linke mit der Religion? Darüber soll der Bundesparteitag am kommenden Wochenende in Magdeburg entscheiden, zumindest wenn es nach dem Willen des sächsischen Landesverbandes geht. „Liberte, Egalite, Laicite“ (Freiheit, Gleichheit, Laizität) lautet der Titel ihres Antrages. Unter den etwas pathetischen Anklängen an die Französische Revolution heißt es im gleichen Tonfall weiter: „Die Zeit für eine konsequente Trennung von Staat und Religion in der Bundesrepublik Deutschlands ist gekommen“.

Von Christoph Scholz | katholisch.de

Ein weiterer Antrag will allerdings zunächst grundsätzlich das Verhältnis der Linken zu den Religionsgemeinschaften klären und plädiert für eine religionspolitische Kommission des Parteivorstandes. Derzeit sind beide Anträge unter „Sonstiges“ am späten Samstagabend aufgeführt. Wie die Pressestelle am Donnerstag erklärte, gebe es noch keine Bemühungen der Antragsteller um mehr Debattierzeit. Daher sei es denkbar, dass der Vorstand die Anträge verschiebe.

Beide Vorlagen unterscheiden sich nicht nur in der Vorgehensweise, sondern auch in der gesellschaftspolitischen Analyse. So könnte es zu einer Debatte kommen, wie die Vorgaben des Erfurter Parteiprogramms von 2011 zu Religionsfragen konkret ausgestaltet werden sollen. Dort hält die Partei fest: „Laizismus bedeutet für uns die notwendige institutionelle Trennung von Staat und Kirche“. Einig sind sich beide Anträge darin, dass die Linke hier Klärung schaffen sollte.

Verfassungsänderung hin zum Laizistischen Staat gefordert

Die Vorlage aus Sachsen ist bis in die Sprache hinein von einem ideologischen Laizismus geprägt. So werden Priester zu „religiösen Spezialisten“. Der Staat hat im Sinne „progressiver sozialistischer Politik“ die Aufgabe, eine „Laizisierung“ voranzutreiben. Im Erfahrungshorizont des säkularisierten Ostens sehen sie sich in einer durch Zuwanderung immer pluraleren Glaubenslandschaft, in der die Konfessionslosen inzwischen die „größte Konfession“ bilden.

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Selbstversuch eines Atheisten auf dem Katholikentag

Auf dem Katholikentag in Leipzig feiern Tausende ihre Kirche. Dabei ist in Sachsen kaum jemand fromm. Warum eigentlich? Ist Katholizismus nicht die spannendste Religion? Spurensuche eines Atheisten.

Von Felix Zwinzscher | DIE WELT

Als die Email von Papst Franziskus ankommt, stehe ich noch an Gleis 1 im Berliner Hauptbahnhof. „Liebe Brüder und Schwestern …“, schreibt er. Ich bin enttäuscht. Ehrlich. „Meine Schäfchen…“, oder was auch immer das lateinische Äquivalent dazu ist, hätte ich erwartet, sogar erhofft. Einfach etwas weniger Kumpelhaftes, nicht so zugänglich menschelnd. Schließlich spricht hier der irdische Stellvertreter Jesus Christi zu den Menschen, der Pontifex Maximus, der Fels in der Brandung, der oberste Priester der Weltkirche. Ein bisschen mehr Autorität wäre schon drin gewesen, oder?

Sie müssen wissen, dass ich zu diesem Zeitpunkt als ungetaufter, jugendgeweihter und am Ende des Sozialismus gebürtiger Sachse auf dem Weg zum 100. Katholikentag nach Leipzig bin. Ein heidnischer Ureinwohner, der die soeben gestrandeten Exoten bestaunen will. Innerhalb meiner sogenannten Kernfamilie ist lediglich mein Vater getauft, evangelisch. Das hat man auf dem Dorf einfach so gemacht. Konkrete Auswirkungen hatte das keine. Vielleicht war es der Grund, weshalb wir gefühlt ein Drittel aller Italienurlaube in Kirchen und auf Friedhöfen verbracht haben. Nur waren die alle katholisch.

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Bullshistic: Letzte Lücke im Thüringer Lutherweg wird geschlossen

Bild: fachpublikum.thueringen-tourismus.de
Bild: fachpublikum.thueringen-tourismus.de

Mit dem Lückenschluss zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza wird am Sonntag der Thüringer Teil des Lutherwegs vollendet.

evangelisch.de

Auf insgesamt 1.010 Kilometern Länge warteten dann im Freistaat Geschichte, Kultur und Natur auf wander- und pilgerfreudige Gäste, teilte die Stadtverwaltung Mühlhausen mit. Der Lutherweg als Gemeinschaftsprojekt von Kirchen, Tourismusverbänden, Kommunen und weiteren Trägern wendet sich an Pilger, Wanderer und an Besucher, die an der Reformation interessiert sind. Er führt in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durch Orte der Reformation und an Plätze mit besonderer Bedeutung aufgrund der Wirkung der reformatorischen Bewegung.

Der Papst als Star für die Luther-Party 2017?

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Viele Deutsche machen nicht mehr mit – nicht bei der Familie, nicht bei den Kirchen und auch nicht mehr bei den Parteien und Gewerkschaften. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebten die traditionellen Säulen der Gesellschaft einen beispiellosen Niedergang.

Von Gerhard Besier | kath.net

Diese Entwicklung zeichnete sich seit langem ab, eine Gegensteuerung wurde aber nur halbherzig betrieben. Die Zeiten änderten sich eben, hieß es, und nur ewig Gestrige stemmten sich gegen die Modernisierungsbewegungen der jüngeren Generationen. Dabei hatte es etwas Gespenstisches, diese allmähliche Aushöhlung der tragenden gesellschaftlichen Säulen zu beobachten, deren Akteure ungerührt mit ihrer Alltagsroutine fortfuhren – einfach so weitermachten wie immer, obwohl immer weniger mitmachten.
Angebote ohne Nachfrage

Zuerst nahm das Interesse am kirchlichen Leben ab. Der Gottesdienstbesuch, die Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen waren immer weniger gefragt. Diese Beschreibung ist nicht beliebig, denn in unserer ökonomisierten Welt orientiert sich der Wert eines Unternehmens nun einmal daran, ob das offerierte Angebot auf genügend Nachfrage trifft. Wenn das nicht der Fall ist und alle Reformversuche scheitern, muss der Betrieb in Konkurs gehen – eigentlich. Denn was sich in der Welt der Wirtschaft als verheerend erwiesen hat, wird im Bereich der Kultur und der Politik eifrig weiterbetrieben – eine massive staatliche Subventionierung mit Steuergeldern, um das Aus des Betriebs zu verhindern.

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Von Storch bekommt Unterstützung von Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad im ARD-„Nachtmagazin“ | ARD
  • Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad stellt sich an die Seite von Beatrix von Storch
  • Die hatte mit der Äußerung, dass der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei, Entrüstung ausgelöst
  • Abdel-Samad fordert dazu auf, zwischen der Religion und den Muslimen als Menschen zu unterscheiden

Von Benjamin Prüfer | The Huffington Post

Die stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland, Beatrix von Storch, hat mit ihrer Äußerung, dass der Islam nicht mit der Demokratie vereinbar sei, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Jetzt bekommt sie Unterstützung – ausgerechnet von einem Muslim.

„Wenn jemand sagt, dass Islam und Demokratie nicht vereinbar seien, ist das grundsätzlich nicht falsch“, sagte der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad im Interview mit dem ARD-„Nachtmagazin“.

„Wo liegt das Problem?“

Auf die Nachfrage, der Moderatorin ob damit von Storchs Position bestätige, antwortet er: „Wo liegt das Problem?“ Wenn die AfD sagen würde, dass die Sonne scheint, würde er auch nicht widersprechen.

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Kurdische und arabische Kämpfer rücken auf Raqqa vor

Symbolbild: Kämpfer hält die IS-Flagge in der Stadt Raqqa / Bild: (c) REUTERS (Stringer)
Bei dem Vormarsch auf die Stadt, die als eine Art Hauptstadt des „Islamischen Staats“ in Syrien gilt, sollen fünf Dörfer und mehrere Felder erobert worden sein.

Die Presse.com

Bei ihrer Anti-IS-Offensive in der syrischen Provinz Raqqa sind kurdische und arabische Kämpfer seit Dienstag vorangekommen: Beim Vormarsch auf die Stadt Raqqa, eine Art Hauptstadt der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien, seien fünf Dörfer und mehrere Felder erobert worden, sagte ein Kommandant der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

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