Archiv der Kategorie: Religion

Echte Schauergeschichten statt Game of Thrones

Bild: wikimedia.org/PD

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Gerne würden Professoren ihren Jura-Studenten, die statt des Faches lieber über triviale Schauer-Märchen diskutieren, ihnen diese Gedanken austreiben. Martin Rath schlägt vor, den Studenten die Schauergeschichte von der Guillotine am Rande von Strafrechtsvorlesungen zu erzählen, um die Studenten wenigstens mit den philosophischen Aspekten der historischen Tötungsmaschine zu erhellen.


Von Martin Rath|Legal Tribune Online

Es war in einer offenbar langweiligen Strafrechtsvorlesung, irgendwann gegen Ende der 1990er Jahre: Der anerkannt altliberale Strafrechtsprofessor mühte sich redlich, die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen Tötungsdelikten und dem Allgemeinen Teil des Strafgesetzbuchs zu lenken. Die jungen Damen und Herren in den mittleren Rängen der Massenvorlesung unterhielten sich über das damals aktuelle Produkt der US-Populärkultur: “Buffy – Im Bann der Dämonen”.

Seither sind ganze Wellen an Grusel- und Gräuel-Serien durch die Medien und vermutlich auch durch die schwatzhaften Reihen der Hörsäle gelaufen. Zurzeit könnten es wohl Vampir-Märchen “True Blood”, die Zombies der “Walking dead” und natürlich besonders der Serien-Hit “Game of Thrones” sein, in dem die Protagonisten um ein Herz ärmer oder einen Kopf kürzer gemacht werden.

Diese Vorliebe für die trivialen Zubereitungen einer makabren Welt von Geistern und Untoten mag man zunächst als Anzeichen dafür nehmen, dass der finstere Humor, der in unserer alteuropäischen Rechtsgeschichte kaum zu knapp vorhanden ist, in Vergessenheit gerät. Eine kunsthistorische Studie zur Bildgeschichte eines einst beliebten Instruments des modernen Strafvollzugs erinnert nunmehr daran.

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Rechtsextremismus und Kirche: “Ein internes Problem, nicht nur gesellschaftliches”

Rund 120 Neonazis laufen in Wittstock (Brandenburg) mit Bannern und Fahnen. Im Hintergrund ist eine Kirche zu sehen. (picture alliance / dpa / Nestor Bachmann)

Mehr durch Zufall kam die katholische Theologin Sonja Angelika Strube auf den Umgang der Theologie mit Rechtsextremismus. Sie ist auf erschreckende Verbindungen gestoßen, aber auch auf auf ein gestärktes Bewusstsein für die Brisanz.


Sonja Angelika Strube im Gespräch mit Kirsten Dietrich|Deuschlandradio Kultur

Kirsten Dietrich: Kirchenvertreter stehen bei Protesten gegen Rechts und für Flüchtlinge fast immer in den vorderen Reihen. Vielleicht deshalb betrachten sich die Kirchen als eher immun gegen rechte Ideologie. Dass das ein gefährlicher Kurzschluss sein kann, darauf weist ein Sammelband hin, der jetzt beim Herder-Verlag erschienen ist. “Rechtsextremismus als Herausforderung für die Theologie” heißt er und er betrachtet zum Beispiel ideologieanfällige theologische Denkmuster oder auch ganz konkrete Internetseiten. Auf denen dann zum Beispiel die gleichen Autoren für Publikationen der extrem Rechten und für Christliches stehen. Die katholische Theologin Sonja Angelika Strube ist mehr durch Zufall auf diese Verbindungen gestoßen und widmet sich nun mit großem Engagement diesem Thema in der Forschungsgruppe Frieden, Religion, Bildung am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück. Ich habe mit Sonja Angelika Strube gesprochen und wollte von ihr wissen, worin denn genau die Herausforderung des Rechtsextremismus für die Theologie besteht?

Sonja Angelika Strube: In einen Vielfachen! Also, zunächst einmal ist Rechtsextremismus aus meiner Sicht ein Thema, was in der Theologie noch viel zu wenig wahrgenommen worden ist, was irgendwie bisher nicht so sehr als zum eigenen Bereich gehörend angesehen wurde. Und das, obwohl ja Kern rechtsextremer Ideologien Ideologien der Ungleichwertigkeit sind und eigentlich christlicher Glaube zu solchen Ideologien widerständig, ablehnend Stellung beziehen müsste. Das heißt, es gibt von daher schon eine Aufgabe, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, und dann gibt es eben auch noch diese zweite Entdeckung, die ich machen musste, dass es eben auch innerhalb von Gruppen, die sich dezidiert christlich verstehen, Strömungen gibt – also, es sind sicherlich aufs Ganze gesehen, kleine Gruppierungen, aber es gibt sie –, die sehr wohl mit rechtem, rechtsintellektuellem, rechtsextremem Gedankengut auch sympathisieren und das im Grunde mit ihrem Glauben verquicken und in kirchlichen Kreisen verbreiten wollen. Und deshalb ist es auch ein internes Problem, nicht nur ein gesellschaftliches, mit dem man sich kritisch auseinandersetzen muss aus Sicht der Theologie.

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Der “wohl im letzten Moment vereitelten Terroranschlag in Hessen”

Oslo 22.07.2011. Themenbild

Oslo 22.07.2011. Themenbild

Die kritische Distanz im Journalismus schwindet, die FAZ hat erneut dafür ein peinliches Exempel statuiert


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Mitunter könnte einen der Verdacht beschleichen, dass angesichts der Nöte der Bundesregierung bis hinauf zur Kanzlerin angesichts immer neuer Enthüllungen über die Arbeit des BND und des Kuschelns mit der NSA, ein Fall höchster terroristischer Bedrohung gerade recht käme. Die Festnahme des türkischstämmigen Paars in Oberursel war Donnerstagnacht vor dem Internationalen Radrennen “Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn” festgenommen worden, weil die Polizei vermutete, dass womöglich ein Anschlag wie in Boston auf die Marathonläufer geplant gewesen sein könnte.

Das Radrennen wurde trotz der Festnahme abgesagt, einige hundert Radfahrer ließen es sich trotzdem nicht nehmen, am 1. Mai demonstrativ die Räder zu besteigen. Die Geste richtete sich gegen mögliche Islamisten, dass man sich nicht vor Angst zurückzieht, aber auch gegen die Behörden, die möglicherweise mit dem Verbot – nicht mit der Festnahme – überreagiert haben.

Das LKA Hessen teilte am 1. Mai mit, dass “die hessische Polizei mit der Unterstützung des BKA und anderer Sicherheitsbehörden weiter mit hoher Intensität und Sorgfalt an der Klärung der Hintergründe und der Motivation für den geplanten Anschlag” arbeite und suggerierte damit auch erneut, dass ein Anschlag auf das Radrennen geplant gewesen sei. Allerdings erklärte die Polizei bereits zur Festnahme: “Ein geplantes mögliches Anschlagsziel ist derzeit nicht bekannt.” Daran scheint sich auch nichts geändert zu haben.

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Woelki will Mut machen zur christlichen Ehe – will er heiraten?

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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ermutigt alle Brautleute, “in ihren Liebesbund Gott selber mit hinein zu nehmen”. Denn Gottes Zuspruch und Segen sei “wie ein nie leer werdender Akku, der den Liebenden immer wieder neu die nötige Energie gibt, um aufeinander zuzugehen und einander anzunehmen, um immer wieder neu anzufangen, miteinander in guten wie in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit”, sagte Woelki am Sonntag in seinem “Wort des Bischofs” im “domradio”.


kathweb

Als katholischer Bischof sei er “nicht unbedingt der erste Experte in Sachen Eheleben”, räumte Woelki zum Beginn des beliebten Hochzeitsmonats Mai ein. Doch er erlebe immer wieder, dass sich die Mehrheit der Brautpaare für ihre Beziehung einen kirchlichen Beistand und den Segen von oben wünschen – “quasi als Garantie für die ewige Liebe und Treue”.

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Bedford-Strohm: Debatte um das Alte Testament niedrigerhängen

Themenbild.

Themenbild.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wünscht sich eine Versachlichung der Debatte über den Status des Alten Testaments.


evangelisch.de

“Nicht so hochhängen”, empfahl Bedford-Strohm am Samstag in Würzburg vor Journalisten. Es stehe nicht infrage, dass das Alte Testament Teil der christlichen Bibel sei. “Jesus Christus ist ohne das Alte Testament nicht zu verstehen”, sagte der bayerische Landesbischof.

Hintergrund seiner Äußerungen ist eine Kontroverse, die ein wissenschaftlicher Beitrag des evangelischen Theologe Notger Slenczka ausgelöst hatte. Darin hatte der Professor der Berliner Humboldt-Universität die Zugehörigkeit des Alten Testaments zum biblischen Kanon infrage gestellt. Diese These stieß unter Fachkollegen und beim Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit auf massive Kritik.

Papst verteidigt Heiligsprechung von Gewalt-Missionar Junipero Serra

Fray Junípero Serra, Bild: wikimedia.org/PD

Papst Franz frage sich, «ob wir heute imstande sind, mit der gleichen Großherzigkeit und dem gleichen Mut auf den Ruf Gottes zu antworten».


kath.net

Papst Franziskus hat die Heiligsprechung des spanischen Nordamerika-Missionars Junipero Serra (1713-1784) verteidigt. Häufig konzentriere man sich bei Missionaren wie Serra darauf, gewissenhaft ihre Stärken, «aber vor allem ihre Grenzen und Schwächen» zu untersuchen, sagte der Papst am Samstag in Rom. Er selbst hingegen frage sich, «ob wir heute imstande sind, mit der gleichen Großherzigkeit und dem gleichen Mut auf den Ruf Gottes zu antworten», so Franziskus. Er äußerte sich während eines Gottesdienstes für den Franziskanerpater im Nordamerikanischen Priesterkolleg.

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Die Verklärung der Arbeit durch Religion und Staat

Fleiß war gestern – heute engagiert man sich. picture alliance

Auch Arbeit und Freizeit unterliegen einem kulturellen Wandel. Die Grenzen verschieben sich, Arbeit wird total. Plädoyer für eine Rückbesinnung zu echter freier Zeit


Von Alexander Grau|Cicero

Zur Arbeit hat der Deutsche ja ein ziemlich zwiespältiges Verhältnis. Einerseits gilt sie hierzulande immer noch als etwas nahezu Heiliges, als etwas, dass aus einem Menschen erst einen Menschen macht, dass seinem Leben Sinn und Inhalt verleiht. Nicht wenige sind geradezu stolz darauf, bis 22 Uhr im Büro zu sitzen und eine 70 Stundenwoche zu haben. Mindestens.

Andererseits: Nichts ist den Deutschen so wichtig wie ihre Freizeit, also die freie, die arbeitsfreie Zeit. Gelungene Freizeitgestaltung, ausgedehnte Fernreisen, zeitaufwendige Hobbys genießen ein enormes Sozialprestige. Und glaubt man den Selbstdarstellungen beim Partysmalltalk oder an den Nachbartischen im Café, so scheint Arbeit für viele Landsleute lediglich ein Intermezzo zu sein, das den Thailandurlaub von der Brasilienreise und dem Trip in die USA trennt.

Fleiß, Sauberkeit und Ordnung

Dennoch gilt Fleiß, neben Sauberkeit und Ordnung, immer noch als deutsche Kardinaltugend – nicht nur im Ausland. Allerdings unterliegt auch das Arbeitsethos einem kulturellen Wandel. Und deshalb ist der postmoderne deutsche Mitarbeiter nicht mehr fleißig im altväterlichen Sinne, sondern „bringt sich ein“ und ist „engagiert“.

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Dodo Müller: Kompromisse bei Ehelehre „wären für uns leichter“

Gerhard L. Müller links im Bild

Gerhard L. Müller links im Bild

Kardinal Gerhard Ludwig Müller warnt vor einer Anpassung der katholischen Lehre zu Ehe an den Zeitgeist in Europa. Die Kirche könne ihre Lehre über die Sakramentalität der Ehe nicht ändern: Man verspreche Treue bis zum Tod, betonte Kardinal Müller in einem Interview mit dem französischen Magazin „La Vie“.


Radio Vatikan

Als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation müsse er die Lehre der Kirche vertreten, so der deutsche Kurienkardinal mit Blick auf die bevorstehende Bischofssynode zu Ehe und Familie im Oktober im Vatikan. Das Ziel dieser Versammlung sei es nicht, über die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion zu diskutieren, sondern „die Ehe als Fundament der Zivilgesellschaft und der Gemeinschaft der Kirchen“ zu bestätigen.

Kompromisse einzugehen, „wäre für uns leichter“, stellte Kardinal Müller klar. Die Praxis der orthodoxen Kirchen, die eine zweite oder dritte Eheschließung nach einer gescheiterten Ehe tolerieren, bezeichnete der Präfekt der Glaubenskongregation als „keine Lösung“. Die Lösung liege vielmehr darin, die Lage „mit Wahrheit“ zu betrachten und „die Situation zu überwinden, die das Vorgefallene ermöglichte“.

 

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Das große Töten

Lauro Martines Blutiges Zeitalter  Verlag: Theiss, Stuttgart 2015 ISBN: 9783806230185 29,95 €

Lauro Martines
Blutiges Zeitalter
Verlag: Theiss, Stuttgart 2015
ISBN: 9783806230185
29,95 €

Die Ära vom ausgehenden 15. bis zum beginnenden 18. Jahrhundert gilt als Epoche bahnbrechender Erfindungen und Entdeckungen, die das Weltbild revolutionierten und geistige Strömungen wie Humanismus und Aufklärung hervorbrachten.


Von Theodor Kissel|Spektrum.de

Doch die sozialen Verwerfungen, der religiöse Fanatismus und die machiavellistische Machtpolitik dieser Umbruchszeit boten zugleich einen fruchtbaren Nährboden für endlose, todbringende Konflikte.

Lauro Martines beleuchtet diese “Welt aus Eisen und Blut”. Der Neuzeithistoriker, vormals am Lehrstuhl für Europäische Geschichte der University of California Los Angeles tätig, erzählt von Tätern und Opfern militärischen Wütens, von Konfessionskriegen, von Gewaltkonflikten aufgrund sozialer Missstände und von verzehrenden Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss. Viele davon blieben regional begrenzt, andere weiteten sich auf ganz Europa aus, etwa der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten, der im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gipfelte. Der Autor breitet das grausame Panorama militärischer Gewalt in thematisch gegliederten Kapiteln aus: “Hölle in den Dörfern”, “Geplünderte Städte”, “Belagerungen”, “Plündergut und Beute”, “Waffen und Fürsten”, “Pöbel und Adlige: Soldaten”, “Töten für Gott”.

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Playmobil-Luther ist die erfolgreichste deutsche Playmobil-Figur

Playmobil-Luther. Bild DPA

Der Playmobil-Luther ist auf dem Weg, die meistverkaufte deutsche Playmobil-Figur aller Zeiten zu werden.


evangelisch.de

Die Bibel wollte der Mini-Luther am Samstag einfach nicht in die Hand nehmen – trotzdem ist die Playmobil-Figur des Reformators ein Verkaufs-Hit. “Martin Luther ist auf dem Weg dazu, die erfolgreichste deutsche Playmobil-Figur zu werden, die es je gegeben hat”, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in seinem Ratsbericht vor der EKD-Synode in Würzburg, während er dem Plastikmännchen vergeblich die kleine Plastikbibel in die Hand drücken wollte. Die erste Lieferung von 34.000 Stück sei im Februar bereits nach 72 Stunden vergriffen gewesen, 50.000 Figuren seien nun nachgeliefert worden.

Der Plastik-Luther wurde im Auftrag der bayerischen evangelischen Landeskirche zusammen mit dem Tourismusbüro Nürnberg produziert.

Doppelagent Aimen Dean: Der Gesegnete

© BBC/Screenshot

Früher war er Mitglied bei Al Qaida. Dann wurde Aimen Dean vom britischen Geheimdienst umgedreht und verhinderte Anschläge. Seine Lebensgeschichte erscheint unglaublich, seine Einsichten sind klar und richtig.

 

Von Michael Hanfeld|Frankfurter Allgemeine

Sein Name ist Dean. Aimen Dean. Und er ist Agent Seiner Majestät. Oder ist es gewesen. Aimen Dean: Aimen heißt im Arabischen der Glückliche, der Gesegnete. Und Dean? Wie der amerikanische Jugendrebell? Oder der Dekan, der Älteste? Das würde passen zu diesem Mann, der in Wahrheit anders heißt und wie eine Figur aus einem Roman von John Le Carré erscheint. Seine Vita liest sich wie ausgedacht: Aimen Dean stammt aus Saudi-Arabien. Er wächst in einer streng religiösen Familie auf. Als Junge schon folgt er konservativen Predigern. Er glaubt, dass der Westen einen Krieg gegen den Islam führt und die Muslime vernichten will. Er stößt zu den Gründungsmitgliedern von Al Qaida. Er wird bestens bekannt mit Usama Bin Ladin, ist sozusagen per du mit dem Scheich.

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Verschenkt Sachsen-Anhalt die Schlosskirche an die EKD?

Bild: panoramio.com

Die EKD übernimmt die Verantwortung für die Schlosskirche in Wittenberg. Es ist die erste Kirche in Sachsen-Anhalt, die das Bundesland an die EKD abgibt.


evangelisch.de

Sachsen-Anhalt gibt die weltberühmte Schlosskirche in Wittenberg ein Jahr vor dem 500. Reformationsjubiläum 2017 ab. Zum Erntedankfest am 2. Oktober 2016 soll der Eigentümerwechsel zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) rechtskräftig werden, wie die “Magdeburger Volksstimme” (Samstagsausgabe) berichtet. Es sei das erste Mal, dass sich das Bundesland von einem Kirchengebäude trenne.

Die Schlosskirche sei der Geburtsort des Protestantismus, sagte EKD-Finanzdezernent Thomas Begrich der Zeitung. Da sei es angemessen, “wenn die EKD die Verantwortung dafür übernimmt”. Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) erklärte, dass die bisherige Regelung “ein Relikt aus preußischen Zeiten” sei, das nunmehr vom Kopf auf die Füße gestellt werde.

Der Sakralbau wurde über Jahrhunderte zunächst als Universitätskirche und seit 1817 als Ausbildungsstätte für Pfarrer staatlich unterhalten. Das Land stecke derzeit rund sieben Millionen Euro in die Sanierung, habe aber künftig keine Ausgaben mehr für den Unterhalt, hieß es.

Keine Mehrheit für EVP-Antrag gegen Christenverfolgung

Europa

EU-Parlament verurteilt zwar islamistischen Terrorismus in Kenia, aber eine Antrag, die allgemeine Christenverfolgung zu verurteilen, hat keine Mehrheit gefunden – EVP: Christen sind in mehreren Ländern des Nahen Ostens von der Auslöschung bedroht


kath.net

Im EU-Parlament hat ein Antrag der eher konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), die Verfolgung von Christen zu verurteilen, keine Mehrheit gefunden. 269 Abgeordnete stimmten am 30. April dafür, 319 Abgeordnete – mehrheitlich von linken und liberalen Parteien – dagegen und 19 enthielten sich. Eine Resolution gegen den islamistischen Terrorismus in Kenia und die Verfolgung religiöser Minderheiten, darunter der Christen, erhielt mit 578 Stimmen hingegen eine deutliche Mehrheit. Es gab 31 Gegenstimmen und 34 Enthaltungen. Die Resolution verurteilt zwar im Titel die Christenverfolgung weltweit, erwähnt Christen aber nur in zwei von 29 Absätzen.

EVP: Christen in mehreren Ländern von der Auslöschung bedroht

Hintergrund der Plenardebatte ist der Terroranschlag der Islamistenmiliz Al-Schabab auf eine kenianische Universität am Gründonnerstag. Mindestens 170 Menschen kamen dabei ums Leben. Christen wurden von den Angreifern offenbar gezielt aussortiert und hingerichtet. In ihrem Antrag weist die EVP darauf hin, dass Christen in mehreren Ländern des Nahen Ostens von der Auslöschung bedroht sind, und bringt ihre Solidarität mit den „im Namen des Dschihad in Libyen, in Nigeria und im Sudan“ verfolgten Christen zum Ausdruck. Außerdem würden täglich Christen in Teilen der arabischen Welt „niedergemetzelt, verprügelt und gefangen genommen“.

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Der Traum vom Frieden auf Erden ist ausgeträumt

Die Ukraine-Krise und die Annexion der Krim, in der Russlands Präsident Wladimir Putin eine tragende Rolle spielt, zeigen: Selten war so viel Zusammenbruch, Aufbruch und Umbruch wie heute, wobei doch die Geschichte schon zu ihrem Ende gekommen sein soll Foto: AFP

Nach dem Ende des Kalten Krieges glaubten wir im Westen an den Beginn eines paradiesischen Zeitalters. In ihm seien Frieden und Demokratie selbstverständlich. Heute wissen wir: alles Kokolores.


Von Michael Stürmer|DIE WELT

Es war im ahnungsvollen Sommer 1989, als in der amerikanischen Zeitschrift “The National Interest” tatsächlich nichts Geringeres als das Ende der Geschichte verkündet wurde. Vorsichtshalber hatte der amerikanische Autor Francis Fukuyama, dem seine exzentrischen Ansichten zu Weltruhm verhalfen, die Botschaft noch mit einem Fragezeichen versehen. Der Autor kam von der RAND Corporation im pazifischen Santa Monica und war abgeordnet zum Planungsstab des State Department in Washington.

Was er dort zu Papier brachte, holte sich Inspiration aus den Schriften des lange verblichenen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der im preußischen Staat seiner Epoche die Verkörperung der Vernunft in der Zeit zu erkennen glaubte. Der Autor hätte gewarnt sein können, denn im Gegensatz zu Preußens Staatsphilosophen, der die Revolution für überwunden hielt, kannte er schon das Ende im weitergehenden Revolutionszeitalter. Fukuyama jedenfalls verkündete reinen Herzens den abschließenden Triumph von Demokratie und freiem Unternehmertum, Maßstab und Ziel aller Geschichte, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

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Wo ist Gott?

Eine Hindu bei einer Opferzeremonie für die Gottheit Shiva. Foto: Jayanta Dey, Reuters.

Das Mittelmeer ist zum Massengrab geworden, in Nepal rissen einstürzende Häuser Tausende in den Tod. Aus weltlicher Sicht gibt es einfache – wenn auch erschreckende Erklärungen: Die Not im Süden und der Wohlstand im Norden lassen die Welt kippen. Und beim Erdbeben erschütterten geologische Verwerfungen die Erdkruste. Die Erklärung für das Schreckliche ist oft schrecklich banal.


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger Blogs

Gläubige monotheistischer Religionen suchen bei Tragödien auch religiöse Antworten. Strenggläubige Christen, Juden und Muslime interpretieren existenzielle Ereignisse oft aus spiritueller Warte. Als gütiger und allwissender Vater, der uns laut Bibel nach seinem Ebenbild geschaffen hat, greift Gott in ihrem Verständnis in den Weltenlauf ein. Wie in biblischen Zeiten, als er Abraham anleitete, seinen Sohn Isaak zu opfern – als Treuebeweis. Oder als er bei der Sintflut die Menschheit ertrinken liess, weil sie von ihm abgefallen war. Und schliesslich Hiob, den Gott mit mehreren Schicksalsschlägen überzog, um seine Festigkeit im Glauben zu testen.

Seit Jahrhunderten beschäftigt deshalb Gläubige die Frage: Weshalb lässt Gott das Elend zu? Wie hält er es aus, wenn unschuldige Kinder auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken? Kümmert es ihn nicht, oder kann er nicht eingreifen?

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Der Heilige Krieg im Internet

Das Internet  By Matt Britt  CC-BY-2.5. en.wikimedia.org

Das Internet
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en.wikimedia.org

Expertentagung beleuchtet Gefahren und Prävention – Die Moderne ist den Dschihadisten ein Dorn im Auge. Doch das hält sie nicht davon ab, für ihren Kampf auf die neuesten Techniken zu setzen


Von Michaela Koller|kath.net

In der Mitte der hufeisenförmigen Runde von mehr als 70 Tagungsteilnehmern schwebt ein Objekt. Es sieht aus wie ein Sportwagenlenkrad und befindet sich zwei Meter über dem Teppichboden des Seminarraums. Simon Jacob, Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD), führt die Drohne vor und filmt alles aus der Vogelperspektive. Das Besondere: Er steuert das Gerät allein über die Sensorik seines Mobiltelefons.

Jakob könnte auch aus einem Versteck die Teilnehmer der Tagung der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) in Wildbad Kreuth, darunter etliche Sicherheitsexperten, filmen. «Mit solchen Drohnen arbeitet der Islamische Staat (IS)», erklärt der syrisch-orthodoxe Christ. Früher sei diese Spionagetechnik sperrig und teuer gewesen. «Eines Transporters und 20.000 US-Dollar» hätte es bedurft. Das vorgeführte Gerät koste etwas mehr als 500 US-Dollar. Der irakische Christ Sharbil Hanna Matty aus Erbil, Direktor von Suroyo TV, bestätigt, solche Drohnen schon im Irak gesehen zu haben.

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Können Kirchen demokratisch sein?

Bild: tilly

Bild: tilly

Wer ist der Souverän in der Kirche: das Volk oder Christus? Katholiken und Protestanten antworten unterschiedlich auf die Frage, ob Kirche und Demokratie zusammengehen.


Von Wolfgang Thielmann|ZEIT ONLINE

Demokratie und Christentum passen nicht zusammen. Sagt die katholische Kirche. Deshalb trägt sie ein Demokratiedefizit tief in ihren Genen. Denn, so heißt es, nicht das Volk, sondern Christus sei der Souverän der Kirche. Und wo sich ein Volk eine Verfassung gebe, da regle das Evangelium das Zusammenleben der Christen. Das meint zum Beispiel Kardinal Kurt Koch, der aus der demokratischen Schweiz stammende Präsident des vatikanischen Einheitsrates. Deshalb ist die katholische Kirche eine Monarchie. Nur Geweihte haben das Sagen, denn sie stehen in einer besonderen Beziehung zu Christus: Der Papst, der Bischof, der Pfarrer. Laien dürfen viel vorschlagen und mit beraten, aber letztlich nichts bestimmen.

Koch ist für die Beziehungen mit den anderen Kirchen zuständig, auch mit den Protestanten. Deren Synode, also ihr Parlament, trifft sich gerade im Würzburger Kongresszentrum. Die 120 Parlamentarier aus 20 evangelischen Landeskirchen beraten, sie stimmen ab, sie bilden Ausschüsse für Theologie, für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat und für das Kirchenrecht, also auch für ihre Verfassung. Und sie wählen. Für das Präsesamt, also den Vorsitz der Synode, hat die frühere Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer die besten Chancen. Unter ihrer Führung soll die Synode im kommenden November den 15-köpfigen Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wählen und dessen Vorsitzenden. Derzeit ist das der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Ein Bischof und eine Nichttheologin – so sieht für Protestanten eine gute Kirchenspitze aus.

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Israel ist an allem Schuld

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Buch „Israel ist an allem schuld“ tatsächlich von zwei mitteleuropäischen, deutschen Publizisten geschrieben worden ist. Ich vermute vielmehr es handelt sich um eine ähnliche geheime Operation des israelischen Hasbara-Ministeriums, wie 1969 das Erscheinen des Buches „Die Geschichte des PG 2633930 Kiesinger“ war.


Von Abraham Melzer|DER SEMIT

Als Autorin outete sich damals Beate Klarsfeld, die sich einen Namen gemacht hat, als sie den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger im Bundestag geohrfeigt hatte. In Wirklichkeit ist das Buch aber in Ost-Berlin bei der Stasi geschrieben und mit Dokumenten aus dem Stasiarchiv angereichert worden. Selbst ich, als ich 1969 das Buch im Melzer Verlag veröffentlicht habe, konnte nicht wissen, woher das Manuskript stammt, zumal Beate Klarsfeld es mir persönlich übergeben hatte. Ich habe es erst 20 Jahre später, nach der Wende erfahren.

Da ich aufgrund dieser Erfahrung weiß, dass so etwas möglich ist, kann ich mir auch vorstellen, dass das Buch von Esther Schapira und Georg M. Hafner in der deutschen Abteilung des riesigen Propaganda-Ministeriums in Jerusalem geschrieben wurde. Die beiden Autoren, die  schon öfters bewiesen haben, dass sie, wie es Rafael Seligmann kürzlich in der “Jüdischen Allgemeine” ausgedrückt hat, „ohne Wenn und Aber hinter Israel“ stehen, meinten wohl, sie seien das dem Judenstaat schuldig. Schapira als Halbjüdin, Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter, fühlte sich offensichtlich verpflichtet, päpstlicher zu sein als der Papst, und Hafner, als nichtjüdischer Philosemit, wollte auch zeigen, dass er für jede Schandtat zu haben ist, wenn es darum geht, Israel zu unterstützen. 

Das Buch strotzt vor zionistischer Propaganda, falschen Mythen, verlogenen Märchen und echten Lügen. Die Lügen und die grobe Propaganda sind das einzig Wahre in diesem Buch. Die Propaganda ist von der ersten bis zur letzten Seite so dick aufgetragen, wie es nur unsensible Sayanim machen können, die blind und taub sind und von ihrer Mission, Israel zu retten, fanatisch, naiv und infantil überzeugt sind.

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Papst bezeichnet sich selbst als unordentlich und disziplinlos

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Papst Franziskus hat nach eigenen Angaben keinen großen Sinn für Ordnung und Disziplin. “Dieser Papst ist wenig ordentlich und undiszipliniert”, sagte der 78-Jährige nach Vatikan-Angaben bei einer Audienz für die katholische Cursillo-Bewegung in Rom.


Stuttgarter Nachrichten.de

Papst Franziskus hat nach eigenen Angaben keinen großen Sinn für Ordnung und Disziplin. “Dieser Papst ist wenig ordentlich und undiszipliniert”, sagte der 78-Jährige nach Vatikan-Angaben bei einer Audienz für die katholische Cursillo-Bewegung in Rom.

Der Argentinier entschuldigte sich bei den Teilnehmern, den Termin für das Treffen kurzfristig verschoben zu haben. “Auch der Papst hat seine Fehler und das hat mit Unfehlbarkeit nichts zu tun”, erklärte Franziskus. Die Konfusion über den Termin der Audienz sei auf seine Unordnung zurückzuführen, sagte der Papst, der sich bei dem Treffen am Donnerstagabend mehrmals bei den Teilnehmern entschuldigte.

 

Erasmus von Rotterdam: Ein “Lob der Torheit” für die Erneuerung des Glaubens

Erasmus von Rotterdam – hier in einem Gemälde von Hans Holbein der Jüngere

Mit seiner Schrift “Lob der Torheit” eckte der Humanist Erasmus von Rotterdam bei vielen seiner Zeitgenossen an, die Kirche setzte sie später sogar auf den Index. Zu offen wandte er sich gegen die weltlichen Auswüchse von Religion und Kirche. Den reformatorischen Geist der Schrift erkannte auch Martin Luther nicht.


Von Astrid Nettling|Deutschlandfunk

“Als ich vor einiger Zeit von Italien wieder nach England zog, wollte ich die langen Stunden, die im Sattel zu verbringen waren, nicht alle mit banaler Unterhaltung totgeschlagen haben. Da kam es mir in den Sinn, eine Lobrede auf die Moria, wie die Griechen sagen, auf die Torheit zu verfertigen. Vor allem verdanke ich die Idee deinem Namen, mein lieber Thomas Morus, der dem Namen der Moria gerade so ähnlich ist, wie du selbst ihrem Wesen unähnlich bist.”

Im Sommer des Jahres 1509 überquert der knapp vierzigjährige Erasmus von Rotterdam die Alpenpässe gen Norden. Hinter ihm liegt ein dreijähriger Italienaufenthalt – liegen die Promotion zum Doktor der Theologie, die Vertiefung seiner Kenntnisse der alten Sprachen, vor allem des Griechischen, sowie die erweiterte Neuauflage der “Adagia”, seiner Sammlung und Kommentierung antiker Sprichwörter, Redewendungen und Redensarten. Hinter ihm liegt ebenso die Erfahrung, mit welch unbeschreiblicher Prunksucht, Selbstherrlichkeit und weltlichem Machtwahn dort die Kirche regiert und die Frömmigkeit pervertiert wird – Auswüchse, die er “magno cum gemitu”, mit großem Seufzen, zur Kenntnis nimmt.

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