Erste Dienststelle verweigert sich Söders Kreuzpflicht

© Bild: dpa/Sven Hoppe
Am 1. Juni tritt der bayerische Kreuz-Erlass in Kraft. Aber wird man sich in allen Dienstgebäuden des Freistaats daran halten? In Nürnberg wurde jetzt der erste Ungehorsam angekündigt.

katholisch.de

Das staatliche Neue Museum in Nürnberg wird dem umstrittenen bayerischen Kreuz-Erlass nicht nachkommen. „Bei uns wird in der Sache gar nichts gemacht“, sagte Museumsdirektorin Eva Kraus der „Süddeutschen Zeitung“ am Donnerstag. Weil das Museum offiziell als staatliche Dienststelle gilt, ist der am 1. Juni in Kraft tretende Erlass für das Haus prinzipiell bindend. Dennoch habe sie sich entschieden, kein Kreuz aufzuhängen, so Kraus, und sie wisse auch nicht, ob man sie dazu zwingen könne.

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Erzbistum Berlin: Halbes Vermögen für Pensionen bestimmt

Bild: tilly
Das Erzbistum Berlin reserviert fast die Hälfte seines Vermögens für Pensionen seiner Mitarbeiter. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht für 2016 hervor.

DOMRADIO.DE

Demnach belief sich das Gesamtvermögen damals auf 646 Millionen Euro; das waren 53,7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Zugleich stiegen die Rückstellungen, hauptsächlich für Pensionen (307,4 Millionen Euro), um 44 Millionen Euro auf insgesamt 385,6 Millionen Euro. Der Verwaltungschef des Erzbistums, Generalvikar Manfred Kollig, erklärte, der Geschäftsbericht stelle dar, „was finanziell möglich und wirtschaftlich verantwortbar ist“.

Finanzchef Bernd Jünemann erläuterte, um „Bewahrenswertes zu erhalten, aber überkommene Strukturen an zeitbedingte Erfordernisse anzupassen“, benötige man ein verlässliches finanzielles Fundament.

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Eurofighter für Katar – Deutschland macht mit

Bild: tagesschau.de
Katar hat Eurofighter-Kampfjets bei einer britischen Firma bestellt, an deren Produktion auch Deutschland beteiligt ist. Dabei schließt der Koalitionsvertrag solche Waffenlieferungen explizit aus.

Von Anja Bröker, Christian Thiels | tagesschau.de

Rund 6400 tote Zivilisten und mehr als 10.000 Verletzte – diese bittere Bilanz ziehen die Vereinten Nationen nach drei Jahren Krieg im Jemen. Am Töten und Sterben will Deutschland sich nicht mit Waffenlieferungen beteiligen, so die vielfach geäußerte Haltung der Großen Koalition.

Und eigentlich ist der Koalitionsvertrag in diesem Punkt auch ziemlich eindeutig: „Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind“, heißt es da. Das schließt auch das Emirat Katar ein. Dennoch wird der Golfstaat 24 Eurofighter-Kampfjets von der britischen Rüstungsschmiede BAe-Systems bekommen – ein Geschäft mit einem Volumen von fast sechs Milliarden Euro. Und Deutschland ist am Bau des Kampfflugzeuges beteiligt.

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Kopftuch vor Gericht

Themenbild
Mal wird ein Kopftuch erlaubt, mal verboten. Woran das liegt, hängt von verschiedenen Umständen ab. Hier eine juristische Abhandlung am Beispiel der Lehrerinnen für Interessierte.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Mal wird ein Kopftuch erlaubt, mal verboten. Der Umgang mit dem Stoff ist höchst verschieden. Ursache dafür sind unterschiedliche Gesetze und die Zuständigkeit unterschiedlicher Gerichte.

Am Beispiel Lehrerinnen zeigt sich dies deutlich. Ist eine Lehrerin als Beamtin tätig, entscheiden über das Kopftuch die Verwaltungsgerichte. Ist sie als Angestellte beschäftigt, sind die Arbeitsgerichte zuständig. Entsprechend können als letzte Instanz unterschiedliche Gerichte befasst werden, in den genannten Fällen das Bundesverwaltungsgericht oder das Bundesarbeitsgericht. Da mit der Religionsfreiheit auch ein Grundrecht (Art. 4 GG) betroffen ist, haben Klägerinnen zudem die Möglichkeit, sich an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zu wenden. Dieses Gericht ist jedoch keine Superrevisionsinstanz, die die Urteile anderer Bundesgerichte kontrolliert und in eine einheitliche Linie überführt. Vielmehr trifft es auch nur fallweise bezogene Entscheidungen, an deren wesentliche allgemeine Aussagen die Fachgerichte allerdings dennoch gebunden sind. Außerdem wollen Richter vermeiden, dass ihre Urteile am Ende in Karlsruhe wegen offensichtlicher Verfassungswidrigkeit aufgehoben werden.

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Thurgauer ging Kirchenglocke gewaltig auf den Wecker – da griff er zu rabiaten Methoden

Die Kirche Wäldi. zvg
Weil die Kirche seiner Familie den Schlaf raubte, griff ein Anwohner zu rabiaten Mitteln. Die Kirchgemeinde zerrt den Mann sogar vor Gericht.

watson.ch

Das Bezirksgericht Kreuzlingen befasst sich derzeit mit einem äusserst skurrilen Fall.

Ein 45-jähriger Familienvater steht vor Gericht, weil er in der Kirche von Wäldi TG die Glocken zum Schweigen gebracht haben soll. Ende 2015 fiel das Morgengeläut aus unerklärlichen Gründen immer wieder aus. Darauf schickte die Kirchgemeinde mehrmals einen Turmtechniker, der keine Erklärung für die Panne fand.

Erst im Juli 2016 entdeckte man den Übeltäter, wie die Thurgauer Zeitung berichtet. Eine im Dachgebälk versteckte Zeitschaltuhr unterbrach jeweils um 6 Uhr morgens die Stromzufuhr zum Schlagwerk der Turmglocke!

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Entscheidet die HDP die Wahl in der Türkei?

Der inhaftierte Präsidentschaftskandidat der HDP, Selahattin Demirtas, bei einer Fraktionssitzung (2016). Foto: Yıldız Yazıcıoğlu / gemeinfrei
Die prokurdische Partei könnte der AKP erneut die Parlamentsmehrheit streitig machen

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Der Wahlkampf in der Türkei läuft schleppend – vor allem der regierenden AKP und Staatschef Recep Tayyip Erdogan scheinen die Ideen und die Puste auszugehen. Während aus dem Regierungslager Durchhalteparolen und Verschwörungstheorien über ausländische Angriffe auf die im Tagestakt weiter abstürzende türkische Währung kommen, dreht die Opposition auf.

Das Bündnis aus CHP und Iyi Parti gibt sich trotz der beschränkten Möglichkeiten einer Kampagne unter Ausnahmezustand und Mediengleichschaltung Mühe, optimistische Botschaften zu verbreiten.

Umfragen zufolge liegen die beiden großen Bündnisse in der Wählergunst nahezu gleichauf bei rund 42 Prozent der Stimmen. Und dann ist da noch die linksliberale HDP, die schon 2015 dafür sorgte, dass die AKP ihre Mehrheit einbüßte, weshalb Erdogan Neuwahlen erzwang.

Die HDP könnte auf 13 Prozent der Stimmen kommen, vielleicht sogar mehr – und das obwohl die Führungsspitze der Partei einschließlich des Präsidentschaftskandidaten Selahattin Demirtas in Haft sitzt.

„Ohne die HDP kann niemand als Sieger hervorgehen“, sagte Demirtas unlängst in einem WDR-Interview. Er ist seit achtzehn Monaten inhaftiert, seine Lage scheint aussichtslos. Und dennoch könnte er mit seiner Aussage Recht behalten.

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GB: Finanzierung von Schulbbüchern, die Selbstmordattentate lehren

Quelle: Screenshot
Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergab 2016, dass England bei der Alphabetisierung in den Industrieländern an letzter Stelle steht. In derselben Studie wurde auch festgestellt, dass England bei der Rechenleistung in den Industrieländern an zweitletzter Stelle rangiert.

Von Douglas Murray | mena-watch

Selbst unter den Absolventen englischer Universitäten hat die OECD-Studie festgestellt, dass jeder Zehnte über Lese- und Rechenkenntnisse verfügt, die als „niedrig“ eingestuft wurden.

Diese Ergebnisse sind erstaunlich, um nicht zu sagen beschämend. Sie spiegeln die jahrzehntelange Fehlleistung in der britischen Bildung wider, einschließlich der Fehlleitung von Ressourcen. Verständlicherweise beklagten sich mehrere aufeinanderfolgende Regierungen über einen Mangel an Ressourcen. Aber all diese Klagen lassen die nur die Merkwürdigkeit der aktuellen Prioritäten Großbritanniens bei der Finanzierung von Bildung in umso hellerem Licht strahlen.

Kürzlich stellte sich nämlich heraus, dass die britische Regierung letztes Jahr 20 Millionen Pfund an palästinensische Schulen überwiesen hat. Eine Untersuchung des Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education (IMPACT-se) ergab, dass diese Einnahmen für die Finanzierung eines Lehrplans verwendet werden, der nicht den Frieden lehrt, sondern den Einsatz von Gewalt – insbesondere den Dschihad – fördert und zum Martyrium ermutigt. Eine Analyse der Schulbücher, die in von der britischen Regierung finanzierten palästinensischen Schulen verwendet werden, ergab, dass diese Bücher, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) stammen, „Druck auf junge Palästinenser ausüben, Gewalttaten zu begehen“.

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„Rebellion gegen Gott“

Darstellung des Zweiten Prager Fenstersturz aus dem Theatrum Europaeum. Bild: wikipedia.org/PD Johann Philipp Abelinus
War der Dreißigjährige Krieg ein Konfessionskrieg? 100 Jahre nach Beginn der Reformation ging es um den rechten Glauben. Aber auch um Macht. Vergleiche zu heutigen Konflikten sind schwierig, der Politologe Herfried Münkler versucht es dennoch.

Nils Sandrisser | evangelisch.de

Ein Haufen empörter Adliger zieht hinauf zur Prager Burg. Mit Degen und Pistolen in den Händen stellen die protestantischen Vertreter der böhmischen Stände die Statthalter des katholischen Königs zur Rede. Sie fürchten um die Religionsfreiheit. Die Lage eskaliert schnell: Die Adligen packen die Statthalter sowie einen Sekretär und werfen sie aus dem Fenster.

Dieser „Prager Fenstersturz“ vom 23. Mai 1618 gilt als Auslöser für den schrecklichsten aller Kriege der Frühen Neuzeit. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stehen sich protestantische Fürsten und kaisertreue Katholiken gegenüber. Aber auch Schweden, Dänemark, Frankreich sowie das Habsburgerreich und der Papst. Am Ende sind weite Teile des Heiligen Römischen Reichs verheert, mehr als ein Viertel der Bevölkerung getötet.

Vorantreiben der Rekatholisierung

Krieg liegt schon lange in der Luft. Schon 1608 gründen protestantische Fürsten die „Union“ als Verteidigungsbündnis, die Katholiken schließen sich in der „Liga“ zusammen. In Böhmen kommt die Frage hinzu, was der Monarch entscheiden darf und was die Stände, also Adel und Städte. Als Kaiser Matthias die Rekatholisierung vorantreibt und Zugeständnisse zurücknimmt, die sein Vorgänger Rudolf II. den Protestanten in Böhmen und Österreich gemacht hat, setzen sich die böhmischen Stände zur Wehr.

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Sexualisierte Gewalt in der Kirche – Macht und Missbrauch

Zum Glück ist Missbrauch weiter Thema in der Kirche: Australien und Chile sind zu recht in den Schlagzeilen. Vertuschen und Wegsehen scheinen endlich Konsequenzen zu haben. Weltweit wächst die Sensibilität für den Schutz von Kindern und die Notwendigkeit von Missbrauchsprävention.

Felix Neumann | katholisch.de

Angesichts dieses wachsenden Bewusstseins irritiert eine Aussage des vatikanischen Sonderermittlers, Jordi Bertomeu Farnos. Im Unterschied zu den Missbrauchsskandalen in den USA und in Irland gehe es in Chile nicht nur um sexuellen Missbrauch, sondern auch um den von Macht, wird er von den Agenturen zitiert.

Wer die Debatte um Missbrauchsprävention in den vergangenen Jahren verfolgt hat, wundert sich darüber: Als ob es eine chilenische Besonderheit sei, dass sexualisierte Gewalt mit Macht zu tun hat. Als ob in den USA, Irland oder auch Deutschland Macht und Autorität keine Rolle dabei gespielt hätten, dass sich über Jahrzehnte Schweigekartelle halten konnten. Diese Verbrechen lassen sich nicht auf eine missgeleitete Sexualität reduzieren und individualisieren. Die persönlich verantwortlichen Täter handeln in einem Umfeld, das Missbrauch begünstigt hat, und ihre persönliche Macht ist ein wesentlicher Aspekt davon.

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Modeunternehmen wirbt mit Nazi-Spruch

„Jedem das Seine“ – Spruch im Konzentrationslager Buchenwald © Lars K Jensen @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
„Jedem das Seine“ – mit diesem Spruch wirbt das Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg in einem Werbeprospekt. Der Spruch stand am Eingang des NS-Konzentrationslagers Buchenwald und war als zynische Botschaft an die Lagerinsassen gerichtet.

MiGAZIN

Das Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg hat mit dem KZ-Spruch „Jedem das Seine“ für Mode geworben. Der Sprichwort war am Pfingstwochenende in einem Werbeprospekt im Umkreis von bundesweit mehr als 20 Filialen verbreitet worden, wie das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg am Mittwoch dem „Evangelischen Pressedienst“ bestätigte. Die gedruckte Auflage habe bei rund einer Million Exemplaren gelegen. Der Spruch „Jedem das Seine“ stand am Eingang des NS-Konzentrationslagers Buchenwald und war als zynische Botschaft an die Lagerinsassen gerichtet. Die Zahl der Todesopfer im KZ wird auf etwa 56.000 geschätzt.

Es gibt in Deutschland zwei rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen Peek & Cloppenburg mit ihren Hauptsitzen in Düsseldorf und Hamburg. Von dem Vorfall betroffen war die Peek & Cloppenburg KG in Hamburg.

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NRW für „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ bei Kirchenasyl

Bei Fällen von Kirchenasyl für von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge will die nordrhein-westfälische Landesregierung weiterhin nach dem „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ verfahren. Diese Vorgehensweise habe sich bewährt.

DOMRADIO.DE

Durch eine frühzeitige Konsultation zwischen Kirchengemeinde und Ausländerbehörde müssten in jedem konkreten Fall von Kirchenasyl „Handlungsspielräume im Rahmen des geltenden Rechts“ sorgfältig ausgelotet werden, erklärte NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) am Mittwoch auf eine parlamentarische Anfrage der AfD im Düsseldorfer Landtag.

Stamp erinnerte daran, dass es in NRW bereits seit mehr als 20 Jahren Absprachen mit den Kirchen für Fälle von Kirchenasyl gebe. Grundlage dafür sei eine Vereinbarung mit der Evangelischen Kirche im Rheinland aus dem Jahre 1995. Darin werde „dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ eine besondere Bedeutung beigemessen.

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Der US-Botschafter und der falsche Tempel in Jerusalem

foto: screenshot haaretz Dass auf dem Foto weder …
David Friedman ließ sich mit einem Bild Jerusalems fotografieren, auf dem statt Felsendom und al-Aqsa-Moschee der dritte jüdische Tempel abgebildet ist

Lissy Kaufmann | derStandard.at

Botschafter David Friedman sei in dem Moment nicht klar gewesen, welches Bild ihm da vorgeschoben wurde, lautete das Statement der US-Botschaft am späten Dienstagabend. Es war der Versuch einer Schadensbegrenzung, doch da war es schon zu spät: Das Foto, das den Diplomaten mit dem umstrittenen Bild zeigt, kursierte da längst in den sozialen Netzwerken, Israels Medien berichteten, die Nachricht verbreitete sich schnell: Friedman hatte sich zuvor bei einem Besuch im ultraorthodoxen Tel Aviver Vorort Bnei Brak mit einer Luftaufnahme ablichten lassen, die statt al-Aqsa-Moschee und Felsendom einen dritten jüdischen Tempel zeigte. Er war in das Foto hineinmontiert worden.

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Absolutistisches Saudi-Arabien: Viel schlechter als sein Ruf

Nur der Kronprinz bestimmt, wie die Gesellschaft auszusehen hat. Kritiker sind „Extremisten und Verräter“. Für den Westen gehört das Land zu den „Guten“

Thomas Pany | TELEPOLIS

Medien folgen politischen Vorgaben. Wer die momentane Nachrichtenlage in der westlichen Hemisphäre verfolgt, gewinnt angesichts der insistierenden Schilderung Irans als Sponsor des internationalen Terrors und große Bedrohung für den regionalen Frieden den Eindruck, dass es sich bei den Gegenspielern des „iranischen Regimes“ nur um hauptsächlich „gute Nationen“ handeln kann.

Diese werden in der Medienwahrnehmung regiert von zumindest gut Gesinnten, solchen, die vielleicht noch ein bisschen brauchen mit ihren demokratischen Fortschritten, die aber doch prinzipiell den Anschluss suchen an die freie westliche Welt und deren Werten. Wie zum Beispiel Saudi-Arabien, wo derzeit mehrere Frauen und Männer ohne Zugang zu Anwälten in Polizeigewahrsam sind, weil sie für Frauenrechte eintreten.

Das Land sei „viel besser als sein Ruf“, stellte die Tagesschau im Mai letzten Jahres fest. Der Beitrag ist mittlerweile nicht mehr ohne weiteres online zu finden, die Hoffnung, die darin zum Ausdruck kam, ist noch präsent.

Die Hoffnung lautet, dass in Saudi-Arabien jetzt einiges an Reformen in Bewegung kommt und das Land auf einem guten Weg ist, wofür sich der ARD-Experte Carsten Kühntopp als engagierter Autor zeigt: „Kronprinz Mohammed bin Salman will Reformen, die auch die Religion betreffen und vor allem die Situation der Frauen verbessern sollen. Im US-Fernsehen sagte er jetzt ‚Extremisten‘ den Kampf an“, äußerte Saudi-Arabien-ist besser-als-sein-Ruf-Autor Kühntopp Ende März im Deutschlandfunk:

Viele Saudis reiben sich verwundert die Augen: Über Jahrzehnte wurden sie von gebrechlichen alten Männern regiert – jetzt krempelt ein 32-Jähriger ihr Land um. Von seinem Vater, dem König, hat Mohammed bin Salman, der Kronprinz, die Lizenz dazu bekommen. Er hat Reformen angestoßen, die die saudische Gesellschaft in den kommenden 10, 20 Jahren tiefgreifend verändern könnten.

Deutschlandfunk

Immerhin unterlässt der ARD-Korrespondent in Kairo die Festlegung, dass die tiefgreifenden Veränderungen positiv ausfallen. Auch ist er bei weitem nicht der Einzige, der sich von Mohammed Bin Salman Reformen erwartet, die Saudi-Arabien deutlich verändern. Wie die gesellschaftlichen Veränderungen konkret aussehen werden, weiß niemand genau. Als wichtiges Kriterium wird meist die Annäherung an die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern genannt.

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Basel verbietet Gerichtsschreiberinnen das Tragen eines Kopftuches

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Eine Juristin, die sich in Basel mit einem Kopftuch für ein Gerichtsvolontariat beworben hatte, hat einen Grundsatzentscheid ausgelöst: Die Basler Gerichte untersagen Justizpersonen im Gerichtssaal das Tragen religiöser Symbole.

Daniel Gerny | Neue Zürcher Zeitung

Das Tragen religiöser Bekleidung sorgte bis anhin vor allem an Schulen für Konflikte, doch mehr und mehr verlagert sich die Debatte auf andere Bereiche des öffentlichen Lebens: Der Kanton Basel-Stadt hat am Mittwoch entschieden, allen auf der Seite der Justiz an Gerichtsverfahren beteiligten Personen das Tragen sichtbarer religiöser Symbole bei Gerichtsverhandlungen zu verbieten. Auslöser ist die Bewerbung einer muslimischen Juristin für ein Gerichtsvolontariat, die gemäss dem Foto auf ihrer Bewerbung ein Kopftuch trägt. Basel-Stadt ist der erste Kanton, der einen solchen Entscheid fällt.

An Schulen bereits verboten

Die Gerichte seien zu Unabhängigkeit und religiöser Neutralität verpflichtet, lautet die Begründung für den Beschluss: «Entsteht auch nur schon der Anschein, dass dies anders sein könnte, ist das Vertrauen in die Justiz und die Akzeptanz der Entscheidungen gefährdet.» Der Entscheid fällt in Basel in die Kompetenz des Gerichtsrates, dem Vertreter aller kantonalen Gerichte angehören.

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Bundeswehr: 75 Gewehre und Pistolen und 57 000 Schuss Munition fehlen

Unter den entwendeten Waffen befinden sich auch zehn Sturmgewehre des Typs G36. (Foto: picture alliance / Patrick Seege)
  • In den vergangenen acht Jahren wurden bei der Bundeswehr 75 Schusswaffen verschiedener Typen und fast 57 000 Schuss Munition entwendet.
  • Dies geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage von zwei Grünen-Abgeordneten hervor.
  • Zudem wurden in den vergangenen zwei Jahren vier Soldaten als Angehörige der „Identitären Bewegung“ identifiziert.

Süddeutsche Zeitung

Bei der Bundeswehr sind in den vergangenen Jahren insgesamt 75 Gewehre und Pistolen sowie fast 57 000 Schuss Munition entwendet worden. Die Zahlen stammen aus einer vertraulichen Liste des Verteidigungsministeriums, berichtet der Spiegel.

Die Verluste seit dem Jahr 2010 betreffen demnach alle bei der Bundeswehr eingesetzten Waffentypen, darunter das Standard-Sturmgewehr G36 (zehn Stück), G3-Sturmgewehre (13), das schwere Maschinengewehr MG3 (sechs), Pistolen vom Typ P7 und P8 (insgesamt 19) und die jeweils passende Munition für die Waffen.

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Forschungsprojekt über religiöse Radikalisierung

Ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Universitäten Bielefeld und Osnabrück untersucht die Rolle der Religiosität bei der Radikalisierung junger Muslime.

Dr. Michael Utsch | EZW

Im Projekt werden die umstrittenen Fragen diskutiert, ob junge Muslime aufgrund ihrer religiösen Orientierung besonders empfänglich für radikale Botschaften sind, ob Radikalisierungsprozesse mit einer „richtigen“ religiösen Unterweisung unterbunden werden können und ob Moscheegemeinden mit ihrer Bildungsarbeit aktuell ein Korrektiv bilden.

Gefördert wird das Vorhaben mit 397.000 Euro vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Förderung schließt an ein Projekt über junge Menschen im gewaltbereiten Islamismus an, fokussiert jetzt aber den Einfluss religiöser Bindungen und Orientierungen und den Prozess der Radikalisierung. Keinesfalls könne Radikalisierung pauschal auf einen Generalfaktor Religion zurückgeführt werden, so die Forscher. Deshalb wird die Religiosität der Befragten differenziert nach inhaltlichen und persönlichkeitsspezifischen Dimensionen untersucht.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Islamische Theologie (Universität Osnabrück) und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universität Bielefeld) untersucht den Faktor Religion in Radikalisierungsprozessen junger Menschen aus einer islamwissenschaftlichen, theologischen, erziehungswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektive. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Atheisten – Terroristen? Die arabischen Regime suchen ihre Feinde am falschen Ort

Kairos Moscheen sind schön – aber für Atheisten senden sie eine bedrohliche Botschaft aus. (Bild: Asmaa Waguih / Reuters)
Wer sich von Gott abwendet, hat in muslimischen Gesellschaften einen schweren Stand. In Ägypten wird Atheismus gerade als Straftatbestand festgeschrieben, Saudiarabien unterstellt ihn sogar dem Terrorgesetz.

Kacem El Ghazzali | Neue Zürcher Zeitung

Es gibt eine Sache, worüber bei den meisten politischen Mächten in der islamischen Welt Einigkeit herrscht: In der Verteufelung und Unterdrückung von Atheisten sind Regierungen wie Oppositionsparteien auf Augenhöhe. Es ist keineswegs übertrieben, zu behaupten, dass ein Bekenntnis zum Atheismus in muslimischen Ländern mehr Mut erfordert, als den Umsturz von Monarchien oder einen Regimewechsel zu verlangen.

Atheisten werden in islamischen Ländern nicht nur häufig ausgegrenzt und geächtet, sondern auch des Terrorismus bezichtigt oder als «soziale Gefahr» gerichtlich belangt. Saudiarabien etwa hat den Atheismus in sein Terrorgesetz mit aufgenommen. Unter der Kuppel des ägyptischen Parlaments arbeiten die Minister gerade an einem Gesetzentwurf zur Kriminalisierung des Atheismus. Gemeinsam mit der Al-Azhar-Universität, der höchsten religiösen Autorität im Land, berät das Religionskomitee über Strafmassnahmen, die Atheisten zukünftig abschrecken sollen.

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Der Juden evangelikale Freunde

Viele liberale Juden sind über die Unterstützung von Amerikas Evangelikalen für Israels Rechte besorgt. (Bild: Lior Mizrahi / Getty)
Zu den eifrigsten Helfern der israelischen Rechten gehören paradoxerweise die protestantischen amerikanischen Fundamentalisten, deren Nähe auch Donald Trump sucht. Die liberale jüdische Elite ist entsetzt.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Er schloss die Augen und betete. Robert Jeffress, evangelikaler Prediger aus Texas, war einer der ganz grossen Stars bei der Feier zur Einweihung der neuen amerikanischen Botschaft in Jerusalem, und wer Pathos erwartet hatte, kam auf seine Rechnung. Gott, sagte Jeffress, habe vor 4000 Jahren zu seinem Diener Abraham gesagt, er werde ihn zum Vater einer grossen Nation machen, durch die die ganze Welt «geheiligt» werde. Vor 70 Jahren habe Gott uralte «Prophetien von Propheten» wahr gemacht und sein Volk in diesem Gelobten Land wieder vereint. Zu danken sei Ministerpräsident Netanyahu für seine Führerschaft und seine Entschlossenheit, alles zu tun, um sein Volk zu beschützen. Lob gönnte Jeffress zudem Botschafter Friedman und natürlich auch Donald Trump, der stets auf der «richtigen Seite der Geschichte» stehe und, noch wichtiger, gleich neben Gott, wenn es um Israel gehe.

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Iran: Rouhani fordert Aufhebung des Stadionverbots für Irans Frauen

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat eine Aufhebung des Stadionverbots für Frauen gefordert. „Im Islam gibt es zwischen Frauen und Männern keinen Unterschied … daher sollte Frauen auch erlaubt werden, an sportlichen Wettbewerben teilzunehmen“, sagte Rouhani am Dienstag.

derStandard.at

. Eine Aufhebung des fast 40-jährigen Stadionverbots wäre seiner Einschätzung nach weltweit auch eine gute Werbung für die Rolle der Frauen im Islam.

Rouhani wies die Rechtfertigung der Kleriker für das Verbot zurück. Diese vertreten die Auffassung, dass muslimische Frauen besonders in Fußballstadien mit frenetischen männlichen Fans und vulgären Slogans nichts zu suchen haben. „Die Frauen können ja nicht bestraft werden, wenn Männer in den Stadien vulgäre Dinge schreien“, sagte Rouhani bei einem Treffen mit iranischen Sportlern im Präsidialamt.

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Als die Kirche politisch wurde

1933, Bischof Friedrich Coch, Vereinsgeistlicher d. Inneren Mission, Luth. Kirche Sachsen. Themenbild: fundamentalismus debatte .de
In den 1960er Jahren wurde die Kirche politisch. Junge Theologen kritisierten, dass Seelsorge und Rituale die menschenfeindlichen Folgen spätkapitalistischer Verhältnisse zudeckten. Der Einfluss der Umwälzungen vor 50 Jahren ist bis heute spürbar.

Klaus Koch | evangelisch.de

Die Wirkungsgeschichte der 1968er-Bewegung ist umstritten. Der CSU-Politiker Alexander Dobrindt etwa ist der Meinung, dass bis heute als Folge der damaligen Umwälzungen eine linke Meinungselite am Werk ist, die eine im Grunde bürgerliche Mehrheit beherrscht. Dagegen, so provozierte Dobrindt Anfang des Jahres, sei eine bürgerliche Revolution nötig. Und der CSU-Mann nimmt auch gleich das Christentum mit ins revolutionäre Boot: „Das Konservative und das Christliche sind keine Gegensätze, sondern bilden eine unauflösliche Einheit.“

Diese Einheit gab es einmal. Die hohe Zeit des Christlich-Konservativen war die Ära Adenauer. In den 1950er und frühen 1960er Jahren waren mehr als 90 Prozent der Westdeutschen Kirchenmitglieder, 50 Prozent der Katholiken besuchten den Gottesdienst. Die Volkskirchen definierten die gesellschaftlichen Normen in der Familienpolitik, bei den Rollenbildern von Mann und Frau, bei Sexualität, Erziehung und Bildung. Regelmäßig vor Wahlen verlasen die katholischen Hirten ihren Schäfchen einen Brief, in dem stand, wie sie zu wählen hatten: konservativ.

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