Die Bundesregierung prüft die Anschaffung der F-35

© AFP Schießt hoch hinaus: Kampfjet F-35 über Le Bourget
Die Bundesregierung prüft die Anschaffung der F-35. Doch es gibt etliche andere Optionen und auch Frankreich rührt kräftig die Werbetrommel. Wer macht wohl das Rennen?

Von Christian Schuber | Frankfurter Allgemeine

Scott Gunn ist ein amerikanischer Kampfpilot, der zehn Jahre lang über dem Pazifik nach feindlichen Flugzeugen Ausschau hielt. „Doch es gab nichts zum Abschießen“, sagt er und fügt hinzu: „Gottseidank“. Vor zwei Jahren wechselte Gunn vom Kampfflugzeug F-15 auf die neueste Jet-Generation, die F-35 Lightning II, auch genannt „Joint Strike Fighter“. In einem Zehn-Stundenflug brachte er den Militärjet von Utah zur Luftfahrtschau im französischen Le Bourget. „Die Maschine ist dermaßen leicht zu fliegen. Manchmal schweifen die Gedanken ab und man vergisst regelrecht, dass man ein Flugzeug steuert“, berichtet der 37 Jahre alte Oberstleutnant der Air Force.

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EU-Studie: Deutliche Zeichen von Misstrauen gegenüber Muslimen

Eine Mehrheit der Befragten aus der Bevölkerung wäre für einen Stopp der Einwanderung aus mehrheitlich muslimischen Ländern. Bei den sogenannten Eliten sehen die Haltungen etwas anders aus

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Einwanderung, besonders aus muslimischen Ländern, ist ein neuralgischer Punkt für EU-Bürger. Das führt eine groß angelegte Studie des Think Tanks Chatham House noch einmal vor Augen. Der Ansatz der Studie bemüht sich darum, Unterschiede zwischen Haltungen der Elite und der „normalen Bevölkerung“ in zehn EU-Staaten herauszuarbeiten, in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Spanien, Griechenland, Italien, Polen, Ungarn und Österreich.

Manche Ergebnisse in der Studie sind keine große Überraschung, wenn zum Beispiel festgestellt wird, dass nur 34 Prozent der Bevölkerung das Gefühl haben, dass sie von der EU profitieren, währenddessen 71 Prozent der „Elite“ dieses Gefühl schon haben. Als Mitglieder der Eliten haben sich die Studienbetreiber Politiker, Journalisten, Vertreter der Wirtschafter und von NGOs ausgewählt, die sie Anfang des Jahres interviewten. Die Online-Befragung der „übrigen“ Bürger wurde Ende 2016 durchgeführt.

Die Einstellungen der Nicht-Eliten finden sich hier, die der Eliten hier. Die Ergebnisse werden jeweils auf 100 Seiten präsentiert. Das ist in der Gänze kaum zu erfassen. Es geht um die Glaubwürdigkeitskrise, eine Pro-EU-Stimmung, die auch in der Chatham-Studie festgestellt wird. Es geht um Fragen zur EU-Erweiterung, zum Beispiel die Türkei betreffend, um Solidarität und um Zukunftskonzepte, aber auch um das Themenfeld Migration, das bei der Bevölkerungsbefragung einen größeren Stellenwert hat.

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Nukleare Bedrohung wird verdrängt

B-61 Bomben. Bild: DoD
Deutschland nimmt nicht an den Verhandlungen der UN-Staaten über ein Verbot von Atomwaffen teil. Das ist ein Fehler.

Von Damir Fras | Frankfurter Rundschau

Die Menschheit ist mindestens zwei existenziellen Bedrohungen ausgesetzt. Das ist der Klimawandel und das sind die Atomwaffen. Während die Erderwärmung einigermaßen ernst genommen wird, wenn auch nicht von Donald Trump, so scheint die Tatsache, dass das nukleare Bombenarsenal ebenso gefährlich ist, einfach verdrängt zu werden. Bald sind drei Jahrzehnte seit dem Ende des Kalten Krieges vergangen, aber alle Bemühungen, Atomwaffen durch ein Verbot langfristig aus der Welt zu schaffen, sind gescheitert. Das liegt leider auch an der verstockten Haltung von Staaten wie Deutschland, die nukleare Habenichtse sind, aber das Aufbegehren gegen die Atommächte scheuen.

Zwei Drittel der mehr als 190 UN-Mitgliedstaaten verhandeln derzeit in New York über ein vertraglich fixiertes Verbot von Atomwaffen. Es sind kleine Staaten dabei wie Österreich, die formal neutral sind. Es ist Neuseeland dabei, das sich vor 30 Jahren zu einem atomwaffenfreien Land erklärte. Angesichts der geographischen Lage von Neuseeland war das nicht wirklich mutig.

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„Multikulti ist gescheitert“

© CARO / BAERTELS Was hat Vorrang? Arabisch oder Deutsch lernen? Bessere Chancen auf Integration hat, wer sich assimiliert – und sich dem anpasst.
Ein niederländischer Politologe hat lange daran geglaubt, dass eine gute Integration keine Anforderungen an die Zuwanderer stellen darf. Inzwischen ist er anderer Meinung: Assimilation ist besser als Multikulturalismus. Ein Gastbeitrag.

Von Ruud Koopmans | Frankfurter Allgemeine

Als ich vor etwa zwanzig Jahren anfing, mich als Sozialwissenschaftler mit Migration und Integration zu beschäftigen, war ich davon überzeugt, dass die Ursachen für Integrationsprobleme wie die höhere Arbeitslosigkeit und Sozialhilfeabhängigkeit von Zuwanderern oder die schlechteren Schulabschlüsse ihrer Kinder vor allem auf eine Integrationspolitik, die Zuwanderer zu wenig Rechte gewährt und ihre Kultur nicht hinreichend anerkennt, zurückzuführen sind.

In meinem Heimatland, die Niederlande, so meinte ich, war die Integrationspolitik viel besser aufgestellt als in Deutschland. Dort war es sehr leicht, die niederländische Staatsangehörigkeit zu bekommen, Sprachanforderungen wurden kaum gestellt, die doppelte Staatsangehörigkeit war ohne Einschränkungen erlaubt, es gab das kommunale Wahlrecht für Ausländer, ethnische Selbstorganisationen wurden großzügig subventioniert, und wir hatten zusammen mit Großbritannien die strengste Antidiskriminierungsgesetzgebung Europas.

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DUP: Sonntags keinen Sex und Irland auf ewig geteilt

Reverend Ian Paisley, die Fahne des United Kingdom im Rücken, 1000 loayle Anhänger vor sich in einer Veranstaltung der DUP im April 1997. (Foto: Paul Mcerlane/AP)
Die nordirische „Democratic Unionist Party“ wird wohl Regierungspartei in Großbritannien. Sie will die permanente Teilung Irlands. Und beharrt standhaft darauf, dass sonntags niemand Sex haben darf.

Von Colm Tóibín | Süddeutsche.de

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert lernte ich in Nordirland eines der führenden Mitglieder der Democratic Unionist Party (DUP) kennen, einer Partei, die nun mit ihren zehn Parlamentsabgeordneten in Westminster das Zünglein an der Waage ist. Wenn die Konservative Partei unter Premierministerin Theresa May an der Regierung bleiben will, wird sie von der Unterstützung der DUP abhängig sein. Eines Nachmittags lud mich mein Bekannter, gewählter Vertreter dieser radikalprotestantischen Partei, ein, mit ihm einen Staatssekretär der britischen Regierung durch Nordirland zu begleiten.

Er machte die ganze Zeit nichts anderes, als diesen armen englischen Politiker anzuschreien. In einer Reihe rhetorischer Bravourstücke rief er immer wieder den Namen des Politikers, gefolgt von dem Wort „Reprobate“. Das kann im Englischen einfach „Schurke“ bedeuten, aber es bezeichnet auch Menschen, die sündig oder moralisch verkommen sind. Normalerweise wendet man dieses Wort nicht auf seine politischen Gegner an. Aber in der nordirischen Politik gibt es viele Wörter, und auch Taten, die nicht ganz normal sind.

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Antisemitismus-Film: So ist die Doku, die von Arte zurückgehalten wird

Der jüdische Staat, diffamiert als Schurkenstaat: Anti-israelische Demonstranten im Sommer 2014 in Berlin Quelle: imago/IPON/imago stock&people
Der Sender Arte hält eine Dokumentation über Antisemitismus unter Verschluss. Offenbar, weil sie zu israelfreundlich ist. Das ist ein Skandal. Rezension eines Films, der rasch veröffentlicht gehört.

Von Richard Herzinger | DIE WELT

Der deutsch-französische TV-Sender Arte weigert sich seit fünf Monaten, den mit Geldern des WDR für ihn produzierten Film „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ der Autoren Sophie Hafner und Joachim Schröder auszustrahlen. Als offizielle Begründung führt Arte nun in einem Pressestatement an, die fertige Doku entspreche nicht dem – vom WDR eingebrachten – ursprünglichen Programmvorschlag.Sophie Hafner und Joachim Schröder

Sie habe „einen Überblick über das aktuelle Erstarken des Antisemitismus in verschiedenen Ländern Europas bieten“ sollen, „u.a. in Norwegen, Schweden, Großbritannien, Ungarn und Griechenland“. Stattdessen konzentriere sie sich „hauptsächlich auf den Nahen Osten“ und behandele „die fünf genannten Länder in keiner Weise“. Andere inhaltliche Gründe für die Ablehnung bestreitet der Sender. Den „Vorwurf von Antisemitismus“ weist er als „grotesk“ zurück – den allerdings hatte gar niemand gegen ihn erhoben.

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Russischer Kampfjet fängt B-52-Bomber über Ostsee ab

Ein russischer Kampfjet vom Typ Suchoi Su-27 hat einen amerikanischen B-52-Bomber über der Ostsee abgefangen Quelle: pa/Thomas Scholz/dpa-ZB
Ein atomwaffenfähiger B-52-Bomber fliegt entlang der russischen Grenze über der Ostsee.

DIE WELT

  • Ein russischer Kampfjet vom Typ Suchoi Su-27 fängt den US-Flieger ab.
  • Das Pentagon spricht von einer Routinemission. Moskau sieht das anders.

Ein russischer Kampfjet hat sich einem US-Militärflugzeug über der Ostsee genähert. Der US-Bomber vom Typ B-52 sei über neutralen Gewässern entlang der russischen Grenze geflogen, teilte das russische Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Ein Kampfjet vom Typ Suchoi Su-27 sei vom Luftwaffenstützpunkt in Kaliningrad in das Gebiet über der Ostsee entsandt worden, nachdem das Flugzeug auf dem Radar der russischen Luftraumüberwachung entdeckt worden sei. Der Pilot der Su-27 habe es als eine B-52 identifiziert. Er habe den US-Bomber begleitet, bis er sich von der Grenze entfernt habe.

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Großbritanniens Abschied von liberalen Leitbildern

(c) APA/AFP/JUSTIN TALLIS
Mit Bekenntnissen zur offenen Gesellschaft sind auf der Insel keine Wahlen mehr zu gewinnen. Nach den jüngsten Terroranschlägen schon gar nicht.

Von Wolfgang Böhm | Die Presse.com

Enough is enough.“ Wer konnte nach diesem weiteren Terroranschlag in London die britische Premierministerin Theresa May nicht verstehen? Es reicht tatsächlich. Islamistische Fundamentalisten richten mit ihrer Blutspur durch Europa etwas an, das unsere Gesellschaft verändert. Sie bringen Leid über so viele Menschen und verunsichern den Rest. Und sie verändern das Denken. Ihre exportierte Gewalt zerstört jenen, die noch immer für eine offene, tolerante Gesellschaft eintreten, die argumentative Grundlage. So mag es auch nicht verwundern, dass sich Großbritannien im aktuellen Wahlkampf von seinem liberalen Leitbild verabschiedet. Mit Ankündigungen zu mehr Sicherheit, schärferen Kontrollen, eingeschränkter Zuwanderung sind derzeit Wahlen zu gewinnen – nicht mehr mit einem Bekenntnis zu mehr internationalem Wettbewerb am Arbeitsmarkt, mit freiem Handel, aber auch nicht mit einem Eintreten für kulturelle Vielfalt.

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Falsch, Frau von Storch!

AfD-Vize Beatrix von Storch war nach dem Anschlag in London sehr schnell sicher: Der Islam ist schuld. Falsch! „Der“ Islam als Ganzes ist so wenig daran schuld, wie eben nicht jeder AfD-Wähler automatisch ein Nazi ist.

Von Torsten Krauel | DIE WELT

Wie ungerecht diejenigen urteilen, die auch nach London wieder sagen „Der Islam ist schuld“, merken solche Menschen, wenn man sie selber über einen Kamm schert. Wenn man also sagt „Alle AfD-Wähler sind Nazis“. Oder „AfD und NSU-Terror haben dieselbe Wurzel – das Deutsch-sein-Wollen“. Oder: „Der deutsche Nationalcharakter hat die Weltkriege verursacht“. Dann fahren solche Menschen, die eben noch alle Muslime für den Terror verantwortlich gemacht haben, wie von der Tarantel gestochen hoch. Zu Recht. Denn weder sind alle AfD-Wähler Nazis, noch haben sie etwas mit dem NSU-Terror zu tun, noch repräsentierte Hitler den deutschen Nationalcharakter.

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Immer mehr EU-Bürger verlassen Großbritannien

Ein Demonstrant wirbt gegen Zuwanderungsbeschränkungen. – APA/AFP/JUSTIN TALLIS
Nach dem Brexit-Votum ist die Zuwanderung 2016 um 84.000 Menschen gesunken. Auch die Wirtschaft spürt die Auswirkungen: Das BIP-Wachstum verlangsamt sich.

Die Presse.com

Weil viele EU-Bürger das Land verlassen haben, ist die Zuwanderung nach Großbritannien im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Die Zahl der Menschen, die in das Land einwanderten, fiel um 84.000 auf 248.000, wie die nationale Statistikbehörde ONS am Donnerstag in London mitteilte. Der Rückgang ging hauptsächlich darauf zurück, dass 43.000 Personen weniger aus EU-Staaten kamen und zugleich 31.000 mehr von ihnen Großbritannien verließen.

Rund zur Hälfte wurde der Rückgang von Bürgern der östlichen EU-Staaten Tschechien, Polen, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien und der Slowakei verursacht. Aus diesen Ländern kamen 25.000 Personen weniger, während 16.000 mehr auswanderten.

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Linkshändigkeit ist am Gesicht ablesbar

Menschen mit schmalem Kinn sind mit höherer Wahrscheinlichkeit Linkshänder. © pixabay
Verrät unser Gesicht, welche Hand wir bevorzugen? Tatsächlich sind Menschen mit schmalem Gesicht mit 25 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit Linkshänder, wie eine neue Studie zeigt. Gleichzeitig gilt ein schlanker Kiefer als Zeichen für erhöhte Tuberkuloseanfälligkeit. Das könnte darauf hindeuten, dass die gleichen Gene hinter all diesen Merkmalen stehen, so zumindest die Vermutung der Forscher.

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Nur zehn bis 15 Prozent der Menschen sind Linkshänder. Welche Hand wir als „starke“ Hand zum Schreiben oder Werfen benutzen, steht schon vor unserer Geburt fest – und ist durch die Gene, aber auch durch Umwelteinflüsse bestimmt. Eine Studie von Philippe Hujoel der University of Washington hat nun einen Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und der Gesichtsform aufgedeckt.

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Das erhabene Spektakel der Atomtests

Themenbild. Screengrab Youtube
US-Wissenschaftler haben Videos von den oberirdischen Atomwaffentests der USA aus den Jahren 1945 bis 1962 deklassifiziert und eine „Playlist“ veröffentlicht

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Im Konflikt mit Nordkorea herrscht die Angst, es könne zu einer nuklearen Auseinandersetzung kommen. Das Säbelrasseln und Waffen-Vorführen ist zwar ein übliches Macho-Gehabe zwischen Staaten, wenn sie aber von unberechenbaren Menschen wie Donald Trump oder Kim Jong-un geleitet werden, bleibt die Unsicherheit groß, dass einmal eine schnelle Entscheidung eine Entwicklung auslöst.

So ist womöglich damit zu rechnen, dass Nordkorea wieder einen provozierenden Atomwaffentest ausführt. Es wäre der bislang sechste. Ob das Regime über einsatzfähige Atomwaffen verfügt, ist allerdings weiterhin eine Frage der Spekulation. Nordkorea macht alles, damit es so scheint, zumal das Regime – ein Teil der „Achse des Bösen“ von George W. Bush – gelernt hat, dass einzig Atomwaffen vor Regime Change schützen.

Nordkorea führte seine Atomwaffentests unterirdisch durch. Im Kalten Krieg haben die USA und die Sowjetunion zahlreiche Tests durchgeführt. Während Russland mehr als 700 Tests durchführte, zündeten die USA über 1000 Mal eine Bombe, davon 200 Mal oberirdisch. Auch Frankreich war mit fast 200 Atomwaffentests dabei, China und Großbritannien führten jeweils 45 Tests durch.

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Warum Türken in Deutschland auf Erdogan stehen – und Türken in den USA nicht

Die Türkin Gulay Turkmen-Dervisoglu arbeitet als Soziologin an der Universität Göttingen. Auch sie hat Ihre Stimme abgegeben. © Gulay Turkmen-Dervisoglu
In Deutschland gibt es unter den Wählern viel mehr Befürworter der Verfassungsreform von Präsident Erdogan als in der Türkei oder unter Türken, die in Übersee leben. Weshalb ist das so? Eine türkische Soziologin hat eine Erklärung.

stern.de

In der Türkei war die Wahlbeteiligung hoch, das Ja zur Verfassungsreform des Präsidenten knapp. In Deutschland stimmten knapp 50 Prozent der wahlberechtigten Türken ab – und sagten mit beinahe Zwei-Drittel-Mehrheit (63,1 Prozent) Ja zu Recep Tayyip Erdogan. In den USA, in Kanada und Großbritannien sieht das ganz anders aus. Weshalb findet Erdogan mehr Unterstützung bei den türkischen Wählern in Deutschland als sonstwo in der Welt? Die türkische Soziologin Gulay Turkmen-Dervisoglu erforscht an der Universität Göttingen den türkischen Nationalismus, insbesondere im Verhältnis zu Religion und Gewalt. Seit einem Jahr wohnt sie in Deutschland, zuvor lebte sie in den USA. Im Gespräch mit dem stern erzählt sie von dem Unterschied zwischen den Türken hierzulande und den Türken in Übersee.

Frau Turkmen-Dervisoglu, rund die Hälfte der Türken in Deutschland ist zur Wahl gegangen. Ist das Ihrer Meinung nach viel oder wenig?

Im Ausland ist die Wahlbeteiligung ja grundsätzlich eher niedriger, schon allein deshalb, weil es mit höherem Aufwand verbunden ist, wenn man wählen will. Ich zum Beispiel musste anderthalb Stunden bis nach Hannover fahren, um meine Stimme abgeben zu können. Dafür sind 46 Prozent Wahlbeteiligung natürlich recht viel. Allerdings ging es hier ja auch nicht um irgendeine Wahl, sondern um einen echten Wandel.

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Brexit 1.0: Wie Großbritannien zur Insel wurde

Bevor die Landbrücke nach England endgültig zerstört wurde, tosten gewaltige Wasserfälle eine hohe Kalksteinbarriere hinab. © Imperial College London/ Chase Stone
Doppelte Katastrophe: Die Abtrennung Großbritanniens vom europäischen Festland verlief viel dramatischer als gedacht. Erst erodierten gigantische Wasserfälle eines überschwappenden Schmelzwassersees die Landbrücke. Dann brach auch die letzte verbindende Kalksteinbarriere und gewaltige Sturzfluten kerbten tiefe Gräben in den Fels. Erst dieses Doppelereignis machte Großbritannien endgültig zur Insel, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten.

scinexx

Nach landläufiger Ansicht geschah die Abtrennung Großbritanniens vom europäischen Festlandallmählich: Die nach den Eiszeiten ansteigenden Meeresspiegel überfluteten einfach das flache, dazwischen liegende Land. Der Haken daran: Noch vor 450.000 Jahren verband ein hoher Kalksteinrücken die Gegend von Dover mit dem heutigen Calais., der selbst bei höchsten Pegeln nicht überflutet wurde.

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Missbrauchsskandal: Aufarbeitung in Nimmerland

© Reuters In Australien beschäftigt sich die „Royal Commission into Institutional Child Sexual Abuse“ mit dem Kindesmissbrauchsskandal.
Australien und Großbritannien arbeiten einen Jahrzehnte währenden Missbrauchsskandal auf: Die Opfer waren nach Übersee verschiffte Kinder. Die Suche nach Verantwortlichen gestaltet sich schwierig.

Von Antje Schmelcher | Frankfurter Allgemeine

Eine bekannte englische Erzählung handelt von verlorenen Jungen, den „lost boys“, die auf einer gefährlichen Insel leben. Sie sehnen sich nach ihrer Mutter, doch sie können nicht zurück. Nur ihr Anführer kann das. Er ist zu den Kindern mal nett und mal gemein, und er hasst Mütter. So steht es in der ursprünglichen Fassung von „Peter Pan“. Für Zehntausende von Kindern ist dieses Märchen zur grausamen Wirklichkeit geworden.

Das literarische Motiv hatte in England einen wahren Hintergrund. Über einen Zeitraum von 350 Jahren wurden von dort mehr als 150 000 Fürsorgekinder in die Überseegebiete des Empire und späteren Commonwealth verschifft. Die ersten Transporte gingen nach Virginia, weitere nach Kanada, Neuseeland und Zimbabwe. Zwischen Kriegsende und den siebziger Jahren sind etwa 10000 Kinder nach Australien verfrachtet worden, manche von ihnen waren erst zwei Jahre alt. „Child migrant programme“ war der offizielle Begriff. In Wirklichkeit war es eine Deportation aus bevölkerungspolitischen Gründen. Die britische Regierung konnte so die Zahl der weißen Siedler in den Kolonien erhöhen, den „white stock“, und zu Hause Platz in den Fürsorgeeinrichtungen schaffen.

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Brexit ohne Abkommen mit EU „völlig okay“

Der britische Außenminister Boris Johnson gibt sich beim Thema Brexit ganz gelassen. Foto: EPA
Sollten die Verhandlungn der Briten mit der EU scheitern, hält der britsche Außenminister Boris Johnson das nicht für problematisch.

Frankfurter Rundschau

Der britische Außenminister Boris Johnson gibt sich gelassen, was die anstehenden  Austrittsverhandlungen seiner Regierung mit der EU angeht. In einem Interview des britischen Fernsehsenders ITV sagte er am Sonntag, es wäre für Großbritannien „vollkommen okay“, nach Ende der zweijährigen Austrittsverhandlungen mit der EU kein Abkommen über die künftigen Beziehungen zu erzielen. Dazu werde es aber nicht kommen, fügte er hinzu. „Unsere Freunde und Partner in der EU wollen verzweifelt, dass diese Sache funktioniert.“

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Viele Deutsche zweifeln am Klimawandel

Vor ziemlich genau einem Jahr zeigte eine amerikanische Studie, wie sehr die politische Einstellung den Glauben an den menschengemachten Klimawandel beeinflusst. Offenbar gibt es jedoch auch in Deutschland viele, die davon nicht überzeugt sind.

Von Holger von Rybinski | GWUP

Gerade wird der Chef der US-Umweltbehörde mit den Worten zitiert, er zweifle daran, dass Kohlendioxid einer der Hauptverursacher der gerade erlebbaren Erderwärmung sei. Offenbar sind derlei Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen jedoch auch in Deutschland weit verbreitet. So berichten unter anderem  „WELT“  und  „FAZ“  von einer Studie der Uni Stuttgart, für die jeweils 1000 Menschen in Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Deutschland zu ihren Einstellungen zu Energieträgern und dem Klimawandel befragt wurden. Mit erstaunlichem Ergebnis: Zwar ist die Mehrheit der Befragten aus Deutschland überzeugt, dass der menschengemachte Klimawandel stattfindet und bereits zu spüren sei. Allerdings glauben nur 24 Prozent, dass es bei den Klimaforschern Einigkeit darüber gibt.

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Israel schlägt Saudi-Arabien eine Anti-Iran-Allianz vor

saudi_isis

Das Regime in Teheran sei die größte Gefahr für den jüdischen Staat, erklärt der israelische Verteidigungsminister im „Welt“-Interview. Vorbild für ein Bündnis mit den Golfstaaten könnte die Nato sein.

Von Daniel-Dylan Böhmer, Michael Stürmer | DIE WELT

Israel hat Saudi-Arabien die Bildung einer Art Nato im Nahen Osten vorgeschlagen. „Es ist Zeit, öffentlich ein formelles Bündnis zu bilden, eine Koalition aller gemäßigten Kräfte im Nahen Osten gegen den Terror“, sagte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman der „Welt“.

Die gemäßigten sunnitischen Staaten hätten verstanden, dass „die größte Gefahr für sie nicht Israel ist, oder der Zionismus, oder die Juden, sondern der Iran“, sagte Lieberman. Zu den gemäßigten Staaten zählte er die Golfstaaten, namentlich auch Saudi-Arabien. Lieberman sagte, es sei egal, „ob es sich bei den Partnern einer solchen Allianz „um Muslime, Juden oder Christen handelt“.

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Antisemitismus wächst

 Im Februar 2015 verübte ein islamistisch motivierter Täter einen Anschlag auf eine Synagoge in Kopenhagen. (Foto: Fabian Bimmer/Reuters)
Im Februar 2015 verübte ein islamistisch motivierter Täter einen Anschlag auf eine Synagoge in Kopenhagen. (Foto: Fabian Bimmer/Reuters)
  • In Deutschland gab es vergangenes Jahr 1300 antisemitische Straftaten.
  • Grünen-Politiker Volker Beck fordert von der Bundesregierung eine „institutionelle Antwort“ und mehr Koordination bei der Bekämpfung des Problems.
  • Beck bemängelt auch das Fehlen einer soliden Datenbasis – entsprechende Vorfälle werden von verschiedenen Behörden unterschiedlich erfasst.

Von Stefan Braun | Süddeutsche.de

Die Berichte häufen sich, und sie kommen aus Frankreich wie aus Großbritannien, aus den USA und Deutschland: Überall wächst in diesen Monaten die Zahl der Verunglimpfungen und Angriffe auf Juden. In allen genannten Ländern kommt die wachsende Aggression von zwei Seiten – von fremdenfeindlichen Nationalisten wie von eingewanderten oder im Land aufgewachsenen Islamisten. Aus diesem Grund hat der Grünen-Abgeordnete Volker Beck die Regierung gefragt, was sie weiß und was sie dagegen tun will. Sein Resümee: der Mangel an Koordination – ob in der Regierung, zwischen Bund und Ländern oder zwischen staatlichen Stellen und Nichtregierungsorganisationen – verhindert bis heute eine wirksame Reaktion auf den aggressiven Antisemitismus. „Der Kampf braucht eine institutionelle Antwort“, sagte Beck der Süddeutschen Zeitung. „Weniger Koordination, Engagement und Überblick war selten.“

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Großbritannien: Brexit befeuert Rassismus

Großbritannien: ein Land mit Rassismusproblemen Foto: dpa
Großbritannien: ein Land mit Rassismusproblemen Foto: dpa
Zahlen belegen: Seit dem Brexit-Votum ist Hasskriminalität in Großbritannien stark angestiegen. Die britische Kommission für Gleichheit und Menschenrechte sieht darin einen Zusammenhang.

Frankfurter Rundschau

In Großbritannien ist es nach dem Brexit-Votum zu einem bislang beispiellosen Anstieg von Hasskriminalität gekommen. Das bestätigen Zahlen, die von der Nachrichtenagentur PA zusammengetragen wurden. Demnach registrierten drei Viertel der Polizeipräsidien in England und Wales nach dem Brexit-Votum die höchste Quartalszahl an Straftaten, die aus Hass begangenen wurden, seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2012. Dazu zählen körperliche Übergriffe, Belästigung, Einschüchterung und Sachbeschädigung aus rassistisch motiviertem Hass oder aus Hass gegen religiöse Gruppen.

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