Rückwärts in die Zukunft – Katholizismus in Polen

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus kommt nach Polen, um am 26. Juli den Weltjugendtag in Krakau zu eröffnen. Doch es ist kein Besuch unter Freunden, zu gespalten ist das Verhältnis zur polnischen Amtskirche.

Von Florian Kellermann | Deutschlandradio Kultur

Die Ränge des Stadions in Posen sind gut gefüllt. Die Menschen feiern den Jahrestag der Taufe Polens. 1050 Jahre ist es her, dass der damalige Herzog Mieszko I. das Christentum annahm.

Die Stimmung ist ausgelassen, auf der Tribüne strecken Nonnen die Arme hoch und drehen sich im Takt der Musik, auf dem Rasen tanzt ein Priester.

Auch Halina Tabiszewska klatscht und dreht sich im Rhythmus der Musik. Die 61-Jährige ist in einen weiß-roten Schal gehüllt – die polnischen Nationalfarben.

Tabiszewska: „Das ist ein großer Tag für uns Polen, die Taufe war das wichtigste Ereignis in unserer Geschichte. Dank des katholischen Glaubens haben wir unsere Nation über so viele Jahre erhalten. Als wir Polen keinen Staat hatten, als wir aufgeteilt waren, hat unsere Kultur nur durch den Glauben überhaupt überlebt. Unser wunderbarer Präsident hat es heute gesagt: Unser Land würde es ohne Christus nicht geben.“

Wenig später geht eine Prozession über den Rasen im Stadion: Die Reliquien polnischer Heiliger werden vorgeführt.

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Die Niederlage emanzipatorischer Bewegungen

In einer Welt von faschistischen Einzeltätern werden die strafende Polizei und die heilende Psychiatrie wieder zu vermeintlichen Rettern

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Im Interesse der Sicherung ihrer Pfründe unterlassen die christlichen Großkirchen nicht jede Kritik am Islam. Sie sind sogar beriet, ihm Terrain – geistliches, ideologisches, materielles zu überlassen. Dazu passt, dass der Ramadan, der islamische Fastenmonat, in Deutschland mittlerweile wie ein nationales Ereignis zelebriert wird, bei dem sich sogar der Bundespräsident medienwirksam in Szene setzt. Fast könnte man meinen, die „Unterwerfung“ (was „Islam“ auf deutsch heißt), die der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in seinem gleichnamigen Roman fiktonal-dystopisch thematisiert, sei bereits im Gange.

Eine solche Islamkritik ist in Deutschland an vielen Stellen zu lesen. Erstaunlich ist eher die Quelle des Textes, aus dem dieser Abschnitt stammt. Verfasst hat ihn Ingolf Bossenz, Experte für Religion der Tageszeitung Neues Deutschland, die sich ganz klar gegen Rassismus und Rechtspopulismus positioniert.

Auch in der Wochenzeitung Jungle World, die sich gegen jegliche Form von Rassismus einsetzt, waren in einem Interview mit dem Vorstandsmitglied der NGO Eziden weltweit, Mizgin Saka, eher ungewohnte Töne für die Zeitung zu lesen:

Die Lage in deutschen Flüchtlingsheimen beschäftigt uns sehr und ich höre oft von Übergriffen muslimischer Geflüchteter auf religiöse Minderheiten. Letztes Jahr gab es einen solchen Fall in Bielefeld, wo es Messerattacken gegen einen yezidischen Flüchtling gab, weil er während des Ramadan nicht fasten wollte. Das ist kein Einzelfall, sondern steht für die bedrohliche Lage religiöser Minderheiten in deutschen Flüchtlingsheimen.

Beinahe ohne Ausnahme gingen alle Übergriffe von radikalen Muslimen aus, die ihre Opfer als „Ungläubige“ betiteln und als Rechtfertigung für diese diskriminierende Gewalt ihren Glauben heranziehen.Wir bemerken einen drastischen Anstieg dieser Gewalttaten – und auch die momentane Flüchtlingssituation in Europa und im Nahen Osten deutet nicht darauf hin, dass mit einem Rückgang zu rechnen ist.

Wir fühlen uns im Stich gelassen – die Bundesregierung muss endlich konsequenter und umsichtiger vorgehen. Oftmals sind Sicherheitspersonal oder Dolmetscher Komplizen dieser Attacken – die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen müssen verbessert werden. Nicht nur Yeziden, sondern auch Juden und Christen sind durch islamistische Attacken bedroht sind.

  Saka spitzt ihre Kritik sogar noch zu:

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Wer von Turboradikalisierung redet, hat null Ahnung

Foto: AFP/Getty Images Muslime beim Freitagsgebet in der Sehitlik-Koschee in Berlin-Neukölln
Der alltägliche, traditionelle Islam birgt viele Keimlinge in sich, aus denen im passenden Gewächshaus eine extreme Interpretation aufblühen kann. Das betrifft den IS, aber auch die AKP und Hamas.

Von Ahmad Mansour | DIE WELT

Es ist nur wenige Tage her, da war ich in Bonn eingeladen zu einer Diskussion mit dem Großmufti von Ägypten. Es ging um Toleranz und Frieden, ein interkultureller Dialog, all das Schöne und Gute, das wir uns als Demokraten wünschen.

Tatsächlich hat der Großmufti in seinen Beiträgen viel über die große Toleranz des Islam und das friedliche Miteinander gesprochen, über die Akzeptanz der anderen und die Freundlichkeit der Frommen.

Im Anschluss an die Diskussion wollte ich gern ein gemeinsames Bild mit dem Großmufti machen. Aber er und seine Berater verweigerten sich. Ihre Erklärung: Mit einem israelischen Staatsbürger, also mit mir, einem arabischen Israeli, wolle der Großmufti nicht auf dasselbe Bild.

Das war wieder eine der Situationen, in denen ich, sprachlos und traurig, die Doppelmoral meiner Glaubensbrüder erlebe. Wir sprechen beide Arabisch, wir gehören derselben Religion an, wir waren beide bereit, miteinander zu debattieren, gute und versöhnliche Worte auf dem Podium zu sprechen, Worte, die das Publikum im Saal hören sollte und wollte. Und dann das.

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302 Verhandlungstage: Die Chronik des NSU-Prozesses

Sie steht im Zentrum des Prozesses: Beate Zschäpe.Foto: dpa
Unser Reporter Frank Jansen begleitet den NSU-Prozess in München von Beginn an. Er war bei fast jedem Prozesstag dabei und hat über die meisten auch etwas geschrieben. Seine Reportagen sind dann jeweils verlinkt. Klicken Sie dafür einfach auf den Tag. 500 Zeugen, juristische Scharmützel: Lesen Sie hier eine Zwischenbilanz zum dritten Jahrestag des Prozessbeginns vom 6. Mai 2016.

DER TAGESSPIEGEL

Tag 1 / 6. Mai 2013: Turbulenter Auftakt. Vor dem Eingang zum Gerichtsbunker stehen Zuschauer und Journalisten in langen Schlangen. Manche Besucher sind schon in der Nacht gekommen, um sich einen der 100 Plätze auf der Tribüne im Saal A 101 zu sichern. Kurz vor zehn Uhr kommen die Angeklagten Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Carsten S., Holger G. und André E.. Im Mittelpunkt steht Zschäpe, sie wird von Fotografen und Kameraleuten bedrängt und abgelichtet wie ein Filmstar. Die Frau reagiert, wie sie es nun täglich machen wird: sie dreht den Journalisten den Rücken zu.

Die Verhandlung dauert am ersten Tag nicht lange. Einer der drei Verteidiger Zschäpes, Wolfgang Stahl, verliest einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter des 6. Strafsenats, Manfred Götzl. Die Anwälte stört, dass sie sich wie die Besucher abtasten und durchsuchen lassen müssen. Götzl überrascht mit seiner Reaktion: er setzt die weitere Prozesswoche komplett ab. Der Befangenheitsantrag wird wie alle weiteren, die bis heute gestellt wurden, von Richtern des OLG abgelehnt.

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Medienanstalten: Beschwerden über Amoklaufberichterstattung

Es geht um die Einhaltung journalistischer Grundsätze oder Jugendschutz: Beim Internetportal Programmbeschwerde.de der Landesmedienanstalten sind seit dem Wochenende Beschwerden zur Berichterstattung über den Amoklauf in München eingegangen.

evangelisch.de

„Die Qualität der Beschwerden zeigt eine erfreulich kritische Kompetenz des Publikums“, sagte der Direktor der für Programmbeschwerde.de zuständigen saarländischen Landesmedienanstalt, Uwe Conradt, am Dienstag in Saarbrücken. Sie verdeutlichten, „wie wichtig ein Dialog mit dem Publikum für das Vertrauen in die Medien und deren Glaubwürdigkeit ist“.

Live-Aufnahmen von Leichen kritisiert

Es geht den Angaben zufolge sowohl um die Berichterstattung von öffentlich-rechtlichen als auch privaten Programmen. Das Fernsehpublikum kritisiere Live-Aufnahmen von Leichen, Interviews mit traumatisierten Menschen, wiederholte Aufnahmen des schießenden Täters sowie eine spekulative und sensationslüsterne Art des Berichtens, teilten die Medienanstalten mit.

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Religiotisch: Suchmaschine „Hulbee zensiert Sex“

Suchmaschine "Hulbee". Screenshot: bb
Suchmaschine „Hulbee“. Screenshot: bb

Die Welt des christlichen Fundamentalismus ist retardiert. Sex etwas übles und Pornografie geht schon gar nicht. Bekannt ist, dass aus dem amerikanischen „Bible Belt“, schlicht der Playground des evangelikalen Weltverständnisse, die meisten Zugriffe auf Porno-Webseiten im Internet kommen, die meisten Schwangerschaften unter Jugendlichen auftreten und ebenso die meisten Abbrüche. Bibel-Fundis in Deutschland können aufatmen, die größere Dislozierung lässt solche Analysen, wie in den USA, unmöglich erscheinen.
Also schafft man eine Suchmaschine, weil ja die Datenkrake Google die Pornoschleuder schlechthin ist und Kinder übersexualisiert werden. Sex ist böse, gut nur, wenn er der Fortpflanzung dient und eine Familie dahinter steht. Der eigenen Homophobie kann man dann wundervoll frönen.
Gibt man in die Suchmaschine den Begriff „Sexualität“ ein, kommen die im Screenshot dargestellten Ergebnisse, das linke Bild ist dann auch für die lieben Kleinen, Herzijesulein sichtbar.

Pappa geht dann heimlich auf die einschlägigen Pornoseiten und weil Mama nicht kann, wird kräftig einer runtergeholt. Christliche Bigotterie. Hodenhasser und lebende Retros wollen zurück in die Wüste.

Videos zeigen Folter in australischem Jugendgefängnis

Bild: (c) APA/AFP/Australian Broadcasting Corp’s F/AUSTRALIAN BROADCASTING CORPS FO (AUSTRALIAN BROADCASTING CORPS FO)
Bilder aus einer Haftanstalt in Australien erschüttern den Kontinent. Jugendliche werden mit Sack über dem Kopf gefesselt, nackt ausgezogen. Es gibt Vergleiche mit Guantanamo. Der Premier ist „geschockt“.

Die Presse.com

Insassen eines Jugendgefängnisses im Norden Australiens sind in den vergangenen zwei Jahren offenbar über Wochen schwerst misshandelt worden. Der TV-Sender ABC veröffentlichte Videos, die zeigen sollen, wie Häftlinge nackt ausgezogen, mit Tränengas beschossen und wochenlang in Einzelhaft festgehalten werden. Die australische Regierung kündigte am Dienstag eine rasche Untersuchung der Vorwürfe an.

Ein Video aus dem Gefängnis im Verwaltungsgebiet Northern Territory zeigt einen 17-Jährigen, der mit einem Sack über dem Kopf an einen Sessel gefesselt und zwei Stunden alleine gelassen wird. Australiens Premierminister Malcolm Turnbull äußerte sich „geschockt und entsetzt“ über die Enthüllungen. Eine Untersuchungskommission werde nun untersuchen, was genau geschehen sei und wie die Taten so lange unentdeckt geblieben seien.

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„Zerquetsche sie, verbrenne sie“ – der Whatsapp-Chat der Putschisten

Türkische Soldaten und Demonstranten auf dem Taksim-Platz in Istanbul. Staatlichen Quellen zufolge forderte die Nacht 264 Tote. (Foto: AFP)
  • Das Recherchenetzwerk „Bellingcat“ hat das Chatprotokoll einer Whatsapp-Gruppe hochrangiger türkischer Militärs veröffentlicht.
  • Sie koordinieren darin Teile des Putschversuchs, vor allem in Istanbul.
  • Einige von ihnen befehlen, auf Zivilisten zu schießen.

Von Benedikt Peters | Süddeutsche.de

Zunächst klingen die Putschisten siegesgewiss. „Keine Probleme“, schreiben sie, nachdem sie strategisch wichtige Punkte in Istanbul eingenommen haben – Brücken, Flughäfen, Polizeiquartiere. „Alles ist gut.“ Nach und nach aber schleicht sich die Unsicherheit in ihre Sätze – immer häufiger fordern sie Verstärkung – und nur sehr selten wird ihre Forderung erfüllt. Schließlich geben sie auf.

Im Netz sind diese Details aus der Nacht vom 15. Juli nun nachzulesen, in der Teile des türkischen Militärs versuchten, die Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu stürzen. Das renommierte Recherchenetzwerk Bellingcat hat das Chatprotokoll einer Whatsapp-Gruppe veröffentlicht, in der 24 hochrangige Soldaten Teile des Putschversuchs koordinierten, vornehmlich in Istanbul.

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Wikileaks stellte Daten von Millionen Türkinnen ins Netz

foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz) Wikileaks ist überall - und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz)
Wikileaks ist überall – und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
Die von Wikileaks bereitgestellten E-Mails zeigen keine Neuigkeiten, stellen aber massive Datenschutzverletzung dar.

derStandard.at

Die Aufregung war groß, als Wikileaks kurz nach dem Putschversuch in der Türkei die Veröffentlichung zahlreicher interner E-Mails von Servern der Regierungspartei AKP angekündigt hatte. Vor rund einer Woche war es dann so weit: 300.000 E-Mails und 50.000 Dokumente gelangten ins Netz. Die türkische Regierung reagierte mit Netzsperren, zuvor waren Wikileaks-Server attackiert worden. Doch seither ist es still um die ins Netz gestellten Dokumente geworden.

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Hasskommentatoren im Netz agieren gern unter echtem Namen

Hasskommentatoren verzichten im Netz häufig auf ihre Anonymität-Foto: imago/Christian Ohde
Wer bei Hassposts im Internet seine Anonymität aufgibt, wirkt glaubwürdiger und ist beliebter. Das zeigt eine Studie aus Zürich.
 

Von Joachim Huber | DER TAGESSPIEGEL

Hasskommentare im Netz geschehen immer seltener aus dem Schutz der Anonymität. Stattdessen setzen Verfasser hetzerischer Onlinebeiträge zunehmend auf ihren vollen Namen, wie eine Studie der Universität Zürich ergeben hat. Die Forscher untersuchten dafür mehr als 500.000 sozialpolitische Kommentare aus rund 1600 Onlinepetitionen des deutschen Portals „openpetition.de“ aus den Jahren 2010 bis 2013. Das Ergebnis: Eine Mehrheit der Verfasser von Hasskommentaren trat unter ihrem Klarnamen auf.

Verfasser von Hassposts sehen sich oft als Vertreter einer gerechten Sache

Zu den Gründen zählt die Studie unter anderem, dass es „viele Online-Hasser schlicht nicht für nötig halten, anonym zu sein“. Anstatt rein persönliche Racheakte seien Hasskommentare oft Reaktionen auf Verletzungen einer sozialen Norm wie die Einhaltung von Umwelt- oder Plagiatsstandards oder Verstöße gegen sozial erwünschtes Verhalten wie Political Correctness.

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Niedersachsen: Landtagspräsident für Denkpause bei Islam-Vertrag

Niedersachsen © MiG
Der niedersächsische Landtagspräsident fordert eine „Denkpause“ beim Islam-Vertrag. Grund ist die islamischen Religionsgemeinschaft Ditib. Sie müsse unter Beweis stellen, ob sie unabhäng von Ankara sei.

MiGAZIN

Angesichts der jüngsten Entwicklung in der Türkei fordert Niedersachsens Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) eine Denkpause bei den Verhandlungen des Landes für einen Rahmenvertrag mit den Muslimen. Busemann sieht vor allem den türkischen Moschee-Dachverband Ditib kritisch, wie er am Montag auf Radio ffn sagte: „Ditib ist wohl unbestritten ein gesteuerter Ableger der türkischen Regierung.“

Es sei noch ungewiss, wie die Situation in der Türkei weitergehe, gab Busemann zu bedenken. Ungewiss sei auch, wie die türkische Regierung über den Moscheeverband Einfluss auf das schulische und gesellschaftliche Geschehen auch in Niedersachsen nehme. „Hier scheint mir doch große Vorsicht im Moment angesagt.“ Zu klären sei, inwieweit Ditib aus Ankara ferngesteuert werde. Er habe bei diesem Thema „Bauchweh im Moment“.

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Bund denkt über Reservisten-Armee nach

Die USA haben die Nationalgarde, Frankreich den Reservedienst: In der Bundesregierung ist offenbar ein neues nationales Sicherheitskonzept im Gespräch. So soll der Staat besser geschützt werden.
 

DIE WELT

Nach den islamistisch motivierten Anschlägen von Ansbach und Würzburg und dem Amoklauf von München gibt es einem Medienbericht zufolge innerhalb der Bundesregierung Überlegungen für ein neues nationales Sicherheitskonzept. Zur Unterstützung der Polizei könnte etwa eine „Reservisten“-Truppe eingesetzt werden, berichtete „Bild“ unter Berufung auf Regierungskreise.

Dabei solle es sich um Freiwillige mit militärischer oder polizeilicher Ausbildung handeln. Als Vorbild könnten die Nationalgarde in den USA, der Reservedienst in Frankreich und die Reservearmee (Army Reserve) in Großbritannien dienen.

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Deus lo vult: Attentäter von Würzburg besuchte Tag vor Tat katholisches Pfarrfest

Der Attentäter von Würzburg war am Vortag seines Verbrechens Gast bei einem katholischen Pfarrfest.

kath.net

Das berichtete der Pfarrer des unterfränkischen Dorfes Gaukönigshofen, Klaus König, wo der 17-jährige Täter zuvor zwei Wochen lang in einer Gastfamilie lebte. Der junge Mann, der behauptete, aus Afghanistan zu stammen, hatte am 18. Juli in einem Regionalzug fünf Menschen – darunter vier Mitglieder einer Familie aus Hongkong – mit einem Messer und einer Axt schwer verletzt. Ein Opfer schwebt noch in Lebensgefahr. Die Polizei erschoss den Täter, als er auf der Flucht auf die Beamten mit seinen Waffen losging. In einem Video bekannte er sich zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

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Michael Wolffsohn: „Allgemeine Dienstpflicht für alle Deutschen“

„Der Staat kann seine Aufgaben im Bereich Sicherheit derzeit nicht erfüllen“, ist Historiker Michael Wolffsohn überzeugt. Zur Unterstützung sollen deshalb Bürger als Sicherheitspersonal einspringen.

DIE WELT

Als Reaktion auf die jüngsten Anschläge in Deutschland schlägt der Münchner Historiker und Publizist Michael Wolffsohn die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht vor. Bereits im März 2014 hatte Wolffsohn die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland gefordert.

Im Gespräch mit der Zeitschrift „Super Illu“ kritisiert der Historiker die Überforderung des Staates, der „seine Aufgaben im Bereich Sicherheit derzeit nicht erfüllen“ könne. „Was wir brauchen, ist die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für alle Deutschen“, so Wolffsohn.

„Männer wie Frauen sollten künftig angeleitet, geschult und unter Kontrolle der Polizei für Sicherheitsaufgaben einsetzt werden, schlägt er vor. Denkbar sei auch ein Einsatz für Aufgaben, die „andere Bereiche des Gemeinwohls erfüllen“. Die Lösung beziehe sich auf einen begrenzten Zeitraum, über deren Länge man diskutieren könnte.

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Retro-Treffen: Katholische Bischöfe treffen auf die Demo für alle

Die Konferenz beginnt mit einer Messe im Fuldaer Dom Bild: Lars Steffens, flickr, cc by sa 2.0
Beim Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken tritt u.a. Hedwig von Beverfoerde auf. Ihrer homophoben „Initiative Familienschutz“ gilt auch eine Kollekte.
 

Von Norbert Blech | QUEER.DE

Es ist quasi eine Art katholische Version der „Compact“-Konferenz, die für nächstes Wochenende in Fulda geplant ist. Der jährliche Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken versammelt 2015 einige explizite Gegner von LGBT-Rechten und steht bereits unter dem Motto „Ehe und Familie – gottgewollter Auftrag und Weg zum Glück“.

Eröffnet wird die dreitägige Konferenz mit bis zu 1.500 Teilnehmern am Freitag mit einer Messe im Dom, geleitet vom Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. Er selbst hatte schon gleichgeschlechtliche Ehen als „abartig“ bezeichnet; nur die Ehe zwischen Mann und Frau sei „das Normale und Gesunde“.

Im Kongresszentrum Esperanto darf dann später am Abend Hedwig von Beverfoerde referieren. Die Leiterin der „Initiative Familienschutz“ aus dem Haus der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch spricht eine Stunde lang über die von ihr organisierte Bewegung „Demo für alle“: „Warum wir gegen Gender-Indoktrinierung und Sexualisierung der Kinder demonstrieren“. Laut Programmheft (PDF) gilt der Initiative auch die Kollekte der Messe am nächsten Morgen in der Stadtpfarrkirche St. Blasius.

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Nach Münchner McDonalds-Massaker

Nachdem sich am Freitag der 19-Jährige Deutsch-Iraner Ali S. in einem McDonalds-Schnellrestaurant in München-Moosach mit einem Amoklauf mutmaßlich für jahrelanges Mobbing rächte, diskutieren Politiker in Deutschland nicht über dieses an Schulen verbreitete Problem, sondern über „Killerspiele“. Anlass dafür ist, dass Ali S. das Spiel Counter Strike spielte – wie Millionen andere Jugendliche und Heranwachsende, aus denen keine Massenmörder werden, wie unter anderem die seit 16 Jahren rückläufige Mordrate in Deutschland belegt.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Trotzdem klagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Sonntag über das seinem Eindruck nach „unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet“, dem er eine schädliche Wirkung gerade auf die Entwicklung auch junger Menschen“ unterstellte. Auch Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, forderte im Zusammenhang mit dem Münchner McDonalds-Massaker „dass in unserer Gesellschaft mehr [über Computerspiele] diskutiert [wird], als bisher“.

Würde de Maizière Meldungen zu wissenschaftlichen Publikationen verfolgen, dann müsse er womöglich an seinem gestern geäußerten Glauben zweifeln: In einer unlängst erschienenen Studie der vor allem für seine medizinische Fakultät weltweit berühmten Johns Hopkins University in der ansonsten eher für Gewalt berüchtigten US-Mordhauptstadt Baltimore kommen die Forscher nach einer Langzeitbeobachtung von 5.400 Probanden im Alter zwischen acht und 15 Jahren nämlich zum gegenteiligen Ergebnis.

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Antisemitismus 2016: Das neue Unbehagen in jüdischen Gemeinden

Schild „Nie wieder“ (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
Fast ein dreiviertel Jahrhundert nach Auschwitz könnte man meinen, alles sei gesagt über den Antisemitismus. Eine internationale Tagung in Berlin scheint das Gegenteil zu beweisen. Demnach gibt es immer wieder neue Erscheinungsformen des Antisemitismus.

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Also den mittelalterlichen religiösen Antijudaismus, wonach die Juden das Volk der Gottesmörder sind, das ist eigentlich nicht mehr ernst zu nehmen. Das erlebt man auch in stark christlich-religiösen Kreisen eigentlich nicht mehr.“

Antisemitismusforscher Olaf Glöckner vom Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam weiß um das Auf und Ab antisemitischer Argumentationsmuster. Der christliche Antijudaismus tritt kaum noch in Erscheinung, sicherlich auch das Ergebnis einer „Theologie nach Auschwitz“. Juden werden nicht mehr als vermeintliche Christusmörder verachtet. Das Judentum gilt heute als unumstößliche Wurzel des christlichen Glaubens. –  Auch der nationalsozialistische Antisemitismus begegnet einem heute kaum noch. Olaf Glöckner:

„Rasse-Antisemitismus, also eine Form von Vernichtungsantisemitismus a la Adolf Hitler ist im Großen und Ganzen auch out. Diese Form von Antisemitismus mögen vielleicht Neonazis nach wie vor im stillen Kämmerlein pflegen, aber man weiß, dass das öffentlich radikal sanktioniert ist.“

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Lügenpresse? Wieso Lügenpresse?!?

Bild: heise.de
Kommt der Journalismus beim Thema Flüchtlingspolitik seiner demokratischen Aufgabe nach? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, das derzeit an der Hamburg Media School durchgeführt und von der Otto Brenner Stiftung der IG Metall gefördert wird. Auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche stellte der Projektleiter Michael Haller Anfang Juli erste Ergebnisse der Inhaltsanalyse vor.

Von Dietmar Jazbinsek | TELEPOLIS

Insgesamt wurden rund 34.000 Presseberichte aus den Jahren 2009 bis 2015 auf ihre Aussagetendenz hin untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: 82% der Berichte vermittelten ein positives Bild von der „Willkommenskultur“, 12% fielen neutral aus und nur 6% der Artikel übten Kritik. Für das Jahr 2015 konstatiert das Hamburger Forscherteam eine abrupte Änderung der Tonlage: Bis zum August wurde die „Pro-Euphorie“ in der Presse als gesellschaftlicher Konsens ausgegeben, nach Angela Merkels einsamer Entscheidung für eine Grenzöffnung nahm der Dissens über die unkontrollierte Zuwanderung mehr und mehr Raum ein. Doch auch in dieser Phase kam der Journalismus seiner demokratischen Aufgabe, Distanz gegenüber den Regierenden zu wahren, nicht nach, sondern stellte sich in den Dienst der regierungsamtlichen Flüchtlingspolitik. Die Kritiker wurden nun nicht mehr marginalisiert, sondern als „rechtsnational affiziert“ verunglimpft, so Haller.

Jeder Flüchtling eine Bereicherung

Es gibt viele Gründe, Merkels Dekret „Wir schaffen das“ in Zweifel zu ziehen, und es gibt einige wenige Journalisten, die diesen Gegenargumenten seit Beginn der Flüchtlingskrise öffentlich Gehör verschaffen – Roland Tichy zum Beispiel, oder Harald Martenstein im Tagesspiegel, Frank A. Meyer im Cicero und Dirk Schümer in der Welt. Doch von den Kritikern der Willkommenskultur ist allem Anschein nach niemand zu Deutschlands wichtigstem Medienkongress eingeladen worden.

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Ultraorthodoxe Aussteiger in Israel: «Ich kann nicht zurück in die Sklaverei»

Identität, Zugehörigkeit, einen Lebensplan – all das bietet die orthodoxe Gemeinschaft. Aber das Internet lockt immer mehr Strenggläubige auf andere Wege.(Bild: Oded Balilty / AP)
Immer mehr junge Ultraorthodoxe in Israel reissen sich – oft nach langen inneren Kämpfen – von ihren Gemeinden los. Oft spielt das Smartphone dabei eine entscheidende Rolle.

Von Daniela Segenreich | Neue Zürcher Zeitung

Wellen von Abwanderungen aus den streng religiösen Gemeinden gab es schon öfter in der Geschichte des Judentums. Einmal war es die verbotene säkulare Literatur, dann das Radio und das verpönte Fernsehen, denen es gelang, weltliche Verführungen in die orthodoxen Gemeinden zu bringen. Sie waren sichtbar und daher relativ leicht zu bekämpfen. Doch ein Handy hat beinahe jeder in der Tasche. «Und viele Ultraorthodoxe besitzen sogar zwei, ein offizielles, «koscheres» und ein geheimes mit dem verbotenen Internetzugang», so weiss Aron Silberberg, ein vierundzwanzigjähriger Ex-Orthodoxer, der einen Laden für Smartphones am Machane-Jehuda-Markt in Jerusalem führt.

Freiheit hat einen hohen Preis

Er gehört zu den knapp 10 Prozent der jungen Männer, welche die streng religiösen Gemeinden verlassen. «Ich sehe rundherum so viele, denen das passiert, viel mehr als früher, die Menschen sind einfach offener für das, was in der Welt geschieht. Und dann tauchen die Fragen auf, und man denkt: ‹Warum eigentlich nicht?› Und wenn die Gemeinschaft dich einsperrt, dann ist es schwer, drinnen zu bleiben und keine Fragen mehr zu stellen.» Silberberg war schon immer ein Technologie-Freak und hat sich recht gut in sein neues Leben eingefunden, doch die meisten Ex-Religiösen zahlen für ihre Freiheit einen hohen Preis. Sie werden von ihren Familien gemieden und finden sich in der modernen Welt nur schwer zurecht.

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We Can Feed More People on an Omnivore Diet than a Vegan One, Study Shows

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Vegans love to extol the benefits of their diet, and from environmental impact to animal welfare, there are many. But when it comes to helping feed our expanding global population using the land we’ve got here in the US, a vegan diet isn’t the best option, according to a new study from US researchers.

By Kaleigh Rogers | MOTHERBOARD

In fact, continuing to eat some meat would allow American farmlands to feed more people overall, than if everyone switched over to veganism.

Figuring out how to feed an exploding global population without converting ever more swaths of land to agriculture is an ongoing challenge. The UN’s Food and Agriculture Organization estimates we need to increase food production globally by 60 percent over the next 35 years to meet demand. How America uses its farmland affects not only how secure food is in the US, but it could also impact the availability of food worldwide.

In this context, researchers compared 10 different diets, based on how efficiently they use America’s farmland. The “baseline” diet was modeled off what the average American eats, according to the Department of Agriculture. They compared this to other diets, in which various percentages were either “healthy omnivorous”—calories came from all sources, including meat, plants, eggs and dairy—or vegetarian, which included milk and eggs, but no meat. Three strictly vegetarian diets were also included in the study (egg and dairy, just dairy, and vegan).

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