Archiv der Kategorie: Recht

Esoteriker und Impfgegner: Immun gegen die Wissenschaft

So sieht der Impfpass eines Impfgegners aus picture alliance

Die Lehrerin schwingt das Pendel, der Manager rennt zum Guru, der IT-Fachmann liest Bücher über morphologische Felder. Das alles spielt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts ab, über 250 Jahre nach Beginn der Aufklärung. Und es betrifft zumeist Angehörige bildungsnaher Gesellschaftsgruppen


Von Alexander Grau|Cicero

Kritik ist der Anfang aller Aufklärung. Deshalb sind wir so stolz auf unser kritisches Bewusstsein. Und deshalb schulen wir das kritische Denken unserer Kinder.

Doch Aufklärung ist eben nicht nur Kritik. Aufklärung bedeutet immer auch Bejahung, Bekenntnis und Zustimmung: zur wissenschaftlichen Rationalität etwa, zu den Methoden der Naturwissenschaften, zu einem wissenschaftlich fundierten Weltbild. Eine Aufklärung, die sich in Kritik erschöpfen würde, wäre keine Aufklärung, sondern lediglich eine andere Form von Borniertheit.

Irrsinn im Namen der Aufklärung

Aufklärung pendelt daher immer zwischen zwei Polen. Einerseits muss sie an dem Erklärungsanspruch wissenschaftlicher Rationalität festhalten, ohne dabei in Dogmatismus zu verfallen. Zugleich muss sie kritische Distanz wahren, ohne dabei zu einem blinden Kritizismus zu verkommen. Aufklärung ist ein kompliziertes Geschäft.

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Religion und Krieg: “Kriegstreibende Aussagen verurteilen”

religion_warDer Religionswissenschaftler Hartmut Zinser untersucht in seiner neuen Studie die Kriegspotenziale der Religionen. Er fordert eine Entpolitisierung der Religion und spricht sich dafür aus, dass die Glaubensrichtungen mit ihrer Geschichte selbst ins Gericht gehen und kriegstreibende Aussagen verurteilen.


Hartmund Zinser im Gespräch mit Andreas Main|Deutschlandradio Kultur

Andreas Main: Hartmut Zinser, Sie sprechen von einem “Kriegspotenzial der Religionen”. Was macht Religionen potenziell zu Kriegstreibern?

Hartmut Zinser: Religionen geben Antwort auf die Frage, wie soll sich leben, was darf ich tun, was darf ich nicht tun und was kann ich erhoffen. Die Antworten unterscheiden sich. Damit entstehen Differenzen. Ferner – Religionen bilden moralische und solidarische Gemeinschaften mit bestimmten Regeln wie etwa: “Du sollst nicht töten!”, “Du sollst nicht lügen!”, “Du sollst nicht rauben und stehlen!”. Aber diese Regeln gelten in der Regel nur für die Religionsgemeinschaft selbst. Nur wenige Religionen haben daraus universale Lehren gemacht. Dadurch wird ein Innen und Außen bestimmt – nämlich die, die zur Religion dazugehören und solche, die nicht dazugehören. Für die, die nicht dazugehören, gelten die moralischen Einschränkungen nicht, so dass man über auch durchaus mal herfallen kann, einen Kopf kürzer schlagen kann oder sie ausrauben kann. Und das haben leider auch alle Religionen gemacht. Oder genauer sollte ich sagen: Das haben Kriegsführer mit allen Religionen gemacht und mit Unterstützung aller Religionen.

Main: Es gibt also das Wir – und es gibt die anderen. Welche Religionen haben das größte Kriegspotenzial, welche sind am wenigsten bellizistisch?

Zinser: Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich eigentlich auch gar nicht richtig beantworten kann. Christentum und Buddhismus lehren grundsätzlich Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit, haben aber im langen Verlauf ihrer Geschichte Kriege nicht vermeiden können – und zwar in unterschiedlicher Form. Zunächst, sie behaupten immer, sie verteidigen sich. Dann gab es Missionskriege – nicht so selten, wie man das sich wünschen würde. Zumindest wurde von den staatlichen Instanzen, den Königen, verlangt, dass sie die Mission schützen sollten. Denn die Menschen sollten erdulden müssen, dass sie missioniert werden. Dann gab es aber auch – und da wird es nun richtig verheerend – die Kreuzzüge, die Sie schon genannt haben, in denen die Beteiligung am Krieg, das Morden und Töten – und ich sage es ganz bestimmt und so prononciert – zu einer religiösen Handlung wurde, mit der man Ablass und das ewige Leben und Himmelreich erwirbt. Andere Religionen, wie zum Beispiel die antiken römischen und griechischen Religionen kannten Kriegsgötter, unter deren Schutz der Krieg gestellt war. Athene in Griechenland und Mars in Rom und viele andere mehr, oder Murugan in Indien. Und sie haben also kein ausgebildetes Kriegsrecht entfaltet, sondern Kriege wurden als Normalität betrachtet. Er gehörte einfach zum Leben dazu, und man musste sich damit einrichten und hat sich damit eingerichtet. Dann gibt es noch Religionen, die durchaus Beschränkungen haben für das Kriegführen – wie der Islam, zugleich aber doch eine umfangreiche Lehre über das Töten im Krieg entfaltet und entwickelt haben. Jetzt kommt der entscheidende Punkt. Wenn es durch die Geschichte geht, sind diese Lehren auch immer wieder in allen Religionen angewandt worden. Es ist dann nur eine Frage der Situation und der Zeit, wann und ob eine Gruppe meint, jetzt zu den Waffen greifen zu müssen und religiös rechtfertigt, dass sie Krieg führen darf und kann.

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Einbildung der Dauerbeleidigten: Medien kämpfen mit harten Bandagen gegen Christen

Bild: SpON

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Matussek: „Art von Zensur“ bei Lebensschutzthemen oder Homosexualität.


kath.net

In den Medien wird oft mit harten Bandagen gegen Christen gekämpft. Diese Meinung vertrat der Publizist Matthias Matussek (Berlin) am 26. Februar in Hamburg auf dem Kongress christlicher Führungskräfte. Die Entwicklung sei ernst. In vielen Talkshows würden Christen oft negativ dargestellt. Christliche Abtreibungsgegner würden in die rechte Ecke gedrängt. Matussek: „Es geht um den Schutz von Leben. Was hat das mit links oder rechts zu tun?“ Eine Gefahr für die Meinungsfreiheit drohe in Deutschland nicht vom Islamismus oder Terrorismus, sondern „aus der Mitte der Redaktionen“. Es gebe „eine Art von Zensur“ bei Themen wie Lebensschutz oder Homosexualität.

Neue Aufgabe: Einordnen und kommentieren

Ferner sagte Matussek, dass sinkende Auflagezahlen das „große Jammertal“ der Redaktionen seien. Keiner wisse, ob Zeitungen überleben werden. Ein Beispiel sei die Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Da kann man zusehen beim Schrumpfen.“ Gut gemachter Journalismus habe aber auch in Zukunft Chancen. Die Medien hätten allerdings eine neue Rolle. Es gehe nicht mehr darum, Nachrichten zu verbreiten, sondern sie zu sortieren, einzuordnen und zu kommentieren. Ein weiterer Trend sei, dass bei vielen Medien der Onlineauftritt Vorrang habe. Um dort Klicks zu bekommen, würden viele Themen in den Überschriften zugespitzt und angeschärft.

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Christliche Gesundheitsfeindlichkeit – bete doch!

1000plusSeit 2012 kann ein einfacher Bluttest („Praenatest“) Auskunft über mögliche Behinderungen eines ungeborenen Kindes geben. Soll der Test in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden?


Von Kristijan Aufiero(1000plus)|kath.net

Seit 2012 kann ein einfacher Bluttest („Praenatest“) Auskunft über mögliche Behinderungen eines ungeborenen Kindes geben. Nun soll der Test in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) steht laut verschiedenen Zeitungsberichten unmittelbar bevor.

In den USA finden derartige Tests schon heute reißenden Absatz. Für Europa rechnen Experten mit einem enormen Marktpotential. Die weit überwiegende Zahl der Eltern wählt nach der Diagnose einer voraussichtlichen Behinderung die Abtreibung ihres ungeborenen Kindes. Entscheiden sie sich nach einem solchen Test für ihr (aller Voraussicht nach) behindertes Baby, müssen sich Eltern mittlerweile rechtfertigen – vor den Ärzten, vor Freunden, Kollegen, der Gesellschaft.

Wir eilen schnellen Schrittes in Richtung einer Gesellschaft, in der es über kurz oder lang so gut wie keine Menschen mit angeborener Behinderung mehr geben wird.

Nicht wenige Stimmen halten eine Welt ohne Menschen mit Behinderung für geradezu wünschenswert. So schrieb beispielsweise der Humanistische Pressedienst (hpd) am 28.01.2015 im Artikel „Wer darf leben? Neuer Gentest sorgt für emotionale Aufregung und intellektuelle Verwirrung“: „Was wäre so schrecklich an einer Welt ohne Krankheit und Behinderung? So wenig wir uns über das Verschwinden der Diphterie, Hämophilie oder Leukämie grämen würden, so wenig müssten wir das Verschwinden der Trisomie bedauern.“

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Lammert: “Imame in Deutschland sollten Deutsch sprechen”

Themenbild

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Bundestagspräsident Norbert Lammert zeigt Sympathie für das Islam-Gesetz, das jetzt in Österreich verabschiedet wurde. Forderungen aus der Union nach einem Burka-Verbot weist er allerdings zurück.


Von Robin Alexander, Jochen Gaugele|DIE WELT

Die Welt: Herr Präsident, ist Ihnen manchmal langweilig im Hohen Haus?

Norbert Lammert: Von Langeweile kann keine Rede sein. Allerdings wünsche ich mir eine lebendigere Debattenkultur.

Die Welt: Zum Mauerfall-Gedenken hatten Sie den Liedermacher Wolf Biermann in den Bundestag eingeladen, der prompt die Linksfraktion als “Drachenbrut” beschimpfte. Ist es der leidenschaftliche Streit, die Provokation, die Sie im Bundestag vermissen – oder sind es eher Geist und Witz?

Lammert: Im Deutschen Bundestag kommt all das vor, aber natürlich nicht täglich. Das muss auch nicht sein. Aber umgekehrt muss auch nicht jeder Tagesordnungspunkt mit der gleichen routinierten Professionalität abgewickelt werden, die schon unter den Mitgliedern des Bundestages nur eine begrenzte Aufmerksamkeit findet und in der breiten Öffentlichkeit eine noch geringere.

Die Welt: Erinnern Sie sich an eine Debatte, die ganz nach Ihrem Geschmack war?

Lammert: Erst kürzlich hatten wir eine unvorhersehbar spannende, informative und lebendige Debatte zu den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Eine Rede des Bundeswirtschaftsministers führte zu einer Serie von Nachfragen, Zwischenfragen und Kurzinterventionen. Mit anderen Worten: Es geht – auch unter den Bedingungen einer statistisch erdrückenden Mehrheit der Regierungsfraktionen.

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So lockt die IS-Werberin junge Frauen nach Syrien

Aqsa Mahmood aus Glasgow wurde an Privatschulen ausgebildet. Foto:handout

Sie wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Doch mit 19 Jahren brach Aqsa Mahmood ihr Studium ab, um in den Dschihad zu ziehen. Aus Syrien lockt sie nun offenbar weitere Teenager zum IS.


DIE WELT

Jeder zehnte europäische Dschihadist ist weiblich. Meist reisen junge Frauen nach Syrien oder in den Irak, um als Ehefrauen den Kampf der Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen. Was sie dort erwartet, darauf bereitet sie die englischsprachige IS-Propagandistin Aqsa Mahmood vor.

Mahmood, Tochter einer pakistanisch-stämmigen Familie, kommt aus einem wohlhabenden Vorort von Glasgow. Ausgebildet an Privatschulen, brach sie im November 2013 ihr Studium ab, um nach Syrien zu reisen. In Aleppo soll die damals 19-Jährige einen sunnitischen Extremisten geheiratet haben.

So schnell wie möglich heiraten

Über Twitter und vor allem auf ihrem Blog bei Tumblr, den sie unter dem Namen Umm Layth führt, beschreibt sie das Leben einer Frau für den IS. Der letzte Eintrag aus dem Januar widmet sich dem Thema Witwen. Wie lange muss ich warten, bis ich wieder heiraten darf? Wie muss ich mich als Witwe kleiden? “Am wichtigsten ist, dass Du Deine Rechte als Muslima kennst. Lebe nicht in Unwissenheit, Schwester”, schreibt sie dort.

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Gottesgläubige sind risikobereiter

Bild: blog.gasprofi24.de

Wer gläubig ist, wagt schon mehr, wenn er nur das Wort “Gott” liest. Doch das gilt nur für moralisch einwandfreie Aufgaben.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Wenn es um Glücksspiel oder Alkoholkonsum geht, verhalten sich sehr gläubige Menschen deutlich vernünftiger als der Durchschnitt der Bevölkerung und meiden diese Risikofaktoren häufiger. Doch das bedeutet nicht, dass Gläubige in allen Lebenslagen vernünftiger sind als eher atheistisch veranlagte Personen – vielfach ist sogar das Gegenteil der Fall, wie eine Studie von Daniella Kupor von der Stanford University Graduate School of Business und ihren Kollegen in “Psychological Science” aktuell zeigt. Denn Vernunft lassen religiöse Menschen vor allem walten, wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die in ihren Augen unmoralisch sind wie etwa im Übermaß trinken oder Pokern. Kupor und Co untersuchten daher Aktivitäten, die nicht derart vorverurteilt sind wie Fallschirmspringen oder die Farbauswahl von Kleidung.

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Vorläufige Einigung bei Kirchenasyl

Kirchen dürfen Flüchtlingen und Asylsuchenden wie bislang Zuflucht gewähren Foto: flickr | Noborder network/Sara Prestianni | CC BY 2.0

Vertreter von Kirche und Politik haben sich am Freitag in der Frage des Kirchenasyls verständigt. Demnach dürfen Kirchen vorerst bis zum Herbst Asylsuchenden wie bislang Zuflucht gewähren.


pro Medienmagazin

Kirchen dürfen nun bis Herbst 2015 wie bislang Flüchtlinge und Asylsuchende aufnehmen, wenn sie befürchten, dass diesen Menschen bei einer Abschiebung Menschenrechtsverletzungen drohen. Darauf haben sich die beiden großen Kirchen in Deutschland und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach einem Spitzentreffen geeinigt. Die Tradition des Kirchenasyls „an sich“ wird seitens der Politik nicht in Frage gestellt.

In der Zeit bis zum Herbst wollen die Kirchen und das BAMF nun eine neue Zusammenarbeit bei Kirchenasylfällen erproben, teilten beide Kirchen mit. Dabei sollen Kirchenvertreter die Möglichkeit bekommen, Einzelfälle erneut vom Bundesamt überprüfen zu lassen, vorzugsweise noch bevor die betroffenen Personen in das Kirchenasyl aufgenommen werden. Für die Kommunikation sollen zentrale Ansprechpartner sowohl auf Seiten der Kirchen wie auch des BAMF benannt werden.

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„Pille danach“ ohne Rezept

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Der Bundestag hat am Donnerstag die Aufhebung der Rezeptpflicht für die „Pille danach“ beschlossen. Wer jung ist und ein Rezept vorlegt, bekommt das Medikament kostenlos.


pro Medienmagazin

Mit den Stimmen der Unionsparteien, der SPD und der Grünen hat der Bundestag in seiner Sitzung am Donnerstag eine Gesetzesänderung beschlossen. Neu ist, dass die „Pille danach“ auch ohne ärztliche Verordnung erhältlich sein wird. Bislang war das Medikament in Deutschland nur mit einem Rezept vom Arzt erhältlich. Das wird sich mit der Neuregelung ändern, wenn auch der Bundesrat dem Gesetz am 6. März zustimmt. Dann könnte das Medikament bereits ab Mitte März in Apotheken gekauft werden, ohne dass die Frau oder das Mädchen vorher beim Arzt waren. In dem Fall muss das Medikament dann allerdings aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Für die Kostenübernahme durch eine Krankenkasse ist weiterhin die Vorlage eines Rezeptes, das der Arzt ausstellt, erforderlich. Mit der „Pille danach“ kann noch Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft verhindert werden. Die Abgeordneten bestimmten, dass für die „Pille danach“, die als Mittel zur Notfallverhütung gilt, keine Werbung gemacht werden darf.

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Most Tor Traffic isn’t going to the Dark Web, Data Suggests

torSome people use Tor to anonymize and obscure their activities online—to access social media, blocked content, or other internet websites without revealing their true location. Others use Tor to access content on the so-called dark web, which isn’t accessible to users outside of Tor.


By Matthew Braga|MOTHERBOARD

The balance between these two use cases has never been clear. But according to preliminary data, most of Tor’s traffic might not actually be destined for the dark web at all.

According to a blog post written by Tor developer George Kadianakis this week, the team has developed way to glean more statistics about how the service is used, without encroaching on the privacy of its users.

“We’ve been working on methods to improve our calculations, but with our current methodology, we estimate that about 30,000 hidden services announce themselves to the Tor network every day, using about 5 terabytes of data daily,” Kadianakis wrote. “We also found that hidden service traffic is about 3.4 percent of total Tor traffic, which means that, at least according to our early calculations, 96.6 percent of Tor traffic is not hidden services.”

In other words, the majority of Tor traffic comes from users that are using the network to browse the public-facing web anonymously, and not by those accessing hidden sites, such as the now-defunct Silk Road.

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Antisemitismus gefährdet Demokratie

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hält es für gefährlich, in überwiegend von Muslimen bewohnten Vierteln einiger Städte die Kippa zu tragen Foto: Roel Wijnants / flickr | CC BY-NC 3.0

Die Zahl der antisemitischen Straftaten ist in Deutschland gestiegen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, riet nun davon ab, in Problemvierteln eine Kippa zu tragen. Das ist eine erschreckende Entwicklung.


Von Martina Schubert|pro Medienmagazin

Ist es für Juden in Deutschland notwendig, aus Angst vor Angriffen in bestimmten Vierteln auf das Tragen einer Kippa zu verzichten? Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagt: Ja. Zwar sollten sich Juden nicht aus Angst verstecken. Die Frage sei jedoch, „ob es tatsächlich sinnvoll ist, […] in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil […] sich als Jude durch das Tragen einer Kippa zu erkennen zu geben oder ob man da eine andere Kopfbedeckung trägt“. So formulierte Schuster im Gespräch mit dem Sender rbb. Diese Entwicklung habe Schuster in dieser Art vor fünf Jahren nicht erwartet, und sie sei „auch ein wenig erschreckend“.

Die Anschläge in jüngster Vergangenheit deuten auf eine neue Gefahrenwelle hin. Im Mai 2014 gab es einen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel, bei dem vier Menschen ermordet wurden, beim Terror in Paris im Januar forderte ein Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt vier Todesopfer. Erst vor zwei Wochen erschoss ein Attentäter im dänischen Kopenhagen einen Wachmann der Synagoge. Im vergangenen September gab es einen Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge, verletzt wurde niemand.

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Al-Nur-Moschee in Berlin: Härte gegen Islamisten! Respekt vor dem Islam!

Gebet-islamAntisemitismus, Rassenhass, Aufruf zur Gewalt: Das ist verboten und sollte streng geahndet werden. Chauvinismus, Religionsspott, Homophobie: Das bewegt sich zumeist im Rahmen zulässiger Meinungsäußerungen.


Von Malte Lehming|DER TAGESSPIEGEL

Manchmal dreht sich etwas sehr Kleines um etwas sehr Grundsätzliches. Die Bezirksverordneten von Berlin-Neukölln wollen den Trägerverein der Al-Nur-Moschee verbieten lassen. Der Ärger über diese Moschee ist verständlich. Dort werden reaktionäre, antisemitische und frauenverachtende Predigten gehalten. Solche Positionen stehen außerhalb dessen, worüber im 21. Jahrhundert in einem westlichen Land zu streiten lohnt.

Dennoch muss genau unterschieden werden zwischen verbotenen und unerwünschten Äußerungen.
Antisemitismus, Rassenhass, Aufruf zur Gewalt: Das ist verboten und sollte streng geahndet werden. Chauvinismus, Religionsspott, Homophobie: Das bewegt sich zumeist im Rahmen zulässiger Meinungsäußerungen. Die freilich können sehr weh tun. Das Recht darauf, anderen Menschen durch Zeichnungen, Predigten, Kritik, Polemik und Satire weh tun zu dürfen, wurde nach dem Attentat auf Redakteure von „Charlie Hebdo“ nachdrücklich verteidigt. Und als ein Pastor in Bremen vor kurzem kräftig gegen andere Religionen wetterte, erklärte anschließend der Gemeindevorstand, man sei „dankbar für die klare, bibelorientierte Wortverkündigung“.

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Homosexuelle haben „kein Recht auf ein Kind“

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In einer emotionalen Debatte hat der Bundestag am Donnerstag einen Gesetzentwurf zur so genannten Homo-Ehe diskutiert. Darin fordern die Grünen die vollständige rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft und Ehe. Heftig umstritten: das Adoptionsrecht.


pro Medienmagazin

Grünen-Politiker Volker Beck sagte, Lebenspartnerschaften von Schwulen und Lesben hätten zwar die gleichen Pflichten wie Eheleute, aber nicht die gleichen Rechte. Er rief Union und SPD auf, die im Koalitionsvertrag versprochene Beseitigung der bestehenden Ungleichbehandlung umzusetzen. Gleichgeschlechtliche Paare seien in etwa 150 Regelungen in 54 Gesetzen und Verordnungen gegenüber Ehepaaren benachteiligt. Mit der am Donnerstag im Bundestag diskutierten Gesetzesvorlage soll diese „verfassungswidrige Diskriminierung“ beendet werden.

Die Union nannte Beck „denkfaul“ und „reaktionär“. Unterstützung erhielten die Grünen von den Linken: „Das mittelalterliche Weltbild mit Mann-Frau-Kind-Ehe passt nicht mehr in die heutige Zeit“, sagte Ulla Jelpke. Die Linke fordert daher ebenso die Öffnung der Ehe für Homosexuelle: „Wer heiraten will, sollte heiraten dürfen – eine Institution für alle“.

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“Jihadi John”: Mohammed Emwasi – “kalt, sadistisch und gnadenlos”

“Dschihadi John” erschien in mehreren IS-Enthauptungsvideos und fiel durch seinen britischen Akzent auf. Foto: dpa

Die Identität des IS-Mörders “Jihadi John” steht wohl fest: Er soll der Londoner Uni-Absolvent Mohammed Emwasi sein. Er war längst auf dem Radar der Sicherheitsbehörden – dennoch konnte er ausreisen.


Von Thomas Kielinger|DIE WELT

Die Identität eines der kaltblütigsten Mörder in den Rängen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) steht offenbar fest: Es handelt sich um den in Kuwait geborenen Briten namens Mohammed Emwasi aus West-London. Das meldete die US-Zeitung “The Washington Post”. Monatelange Bemühungen britischer und amerikanischer Geheimdienste, den Mörder mehrerer westlicher Geiseln zu identifizieren, die der als “Jihadi John” bekannte Mann vor laufenden Videokameras enthauptete, haben damit ihren ersten Durchbruch erzielt.

Das Internationale Zentrum für Radikalisierungsstudien am Londoner King’s College hält das für plausibel. Es sei anzunehmen, dass die Angaben zur Identität “korrekt” seien, teilte die Forschungseinrichtung mit.

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Hände weg vom Kirchenasyl!

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Immer mehr Menschen erhalten Kirchenasyl, obwohl Behörden sie abschieben würden. Das Bundesamt für Migration und de Maizière kritisieren die Kirchen. Steht das Gewissen über dem Gesetz?


Von Frank Ochmann|stern.de

Mehr als vierhundert Menschen, 125 davon Kinder, leben bei uns derzeit unter dem besonderen Schutz einer evangelischen oder katholischen Kirche. So die Schätzung der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft “Asyl in der Kirche”. Und all diesen als “Notfall” eingestuften Menschen droht die Abschiebung in ihr Herkunftsland oder aber in jenes Land der Europäischen Union, dazu das Gebiet von Norwegen, Island, Schweiz und Liechtenstein, in dem sie zuerst als Flüchtlinge angekommen sind. Wie dramatisch sich die Lage derzeit entwickelt, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr: Anfang 2014 gab es gerade einmal 62 Fälle von “Kirchenasyl”.

Etwa versiebenfacht hat sich also die Zahl der Betroffenen in nur zwölf Monaten. Es war Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der vor einigen Wochen im Gespräch mit Vertretern der katholischen Bischofskonferenz scharf kritisierte, dass Asylsuchende bei uns noch immer in Kirchen Zuflucht suchen könnten, wenn ihnen staatliche Behörden den Aufenthalt nicht länger gestatten wollten. So begann eine alte Debatte aufs Neue und will seitdem nicht verstummen. Vielleicht ist das auch gut so, denn am Beispiel des Kirchenasyls könnte sich auch das Verhältnis von Staat und Kirche erneuern. Allzu viel Nähe, so zeigt die Geschichte, hat gewöhnlich beiden geschadet.

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Papst lässt Obdachlosen auf deutschem Vatikan-Friedhof bestatten

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB

Der Friedhof Campo Santo Teutonico in Rom ist eigentlich ranghohen Klerikern vorbehalten. Nun hat Papst Franziskus dort einen Obdachlosen aus Belgien bestatten lassen.


Frankfurter Allgemeine

Eine außergewöhnliche Grabstätte hat Papst Franziskus einem verstorbenen Obdachlosen aus Belgien zukommen lassen: Der als „Willy“ bekannte Mann wurde auf dem an den Vatikan angrenzenden Campo Santo Teutonico, dem bekannten kirchenstaatlichen deutschen Friedhof, bestattet, wie der Sender Radio Vatikan berichtete. Die Beisetzung auf dem eigentlich ranghohen deutschen Geistlichen vorbehaltenen Gelände wurde demnach aus einer Spende einer deutschen Familie finanziert.

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Antisemitismus: Zentralrat der Muslime nennt Ängste von Juden “berechtigt”

Aiman_MazyekDer Zentralrat der Juden warnt davor, sich in Vierteln mit “hohem muslimischen Anteil” als Jude zu zeigen. Der Zentralrat der Muslime sagt dazu: “Diese Ängste sind berechtigt” – warnt aber vor einer Vereinfachung des Problems.


SpON

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) hat Verständnis für die Sorgen von Juden im Land geäußert. “Diese Ängste sind berechtigt”, sagte Aiman Mazyek der “Berliner Zeitung”. Zuvor hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, am Donnerstag gläubige Juden gewarnt, sich in “Problemvierteln” mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung zu zeigen.

Mazyek hob jedoch hervor, dass er sich im Namen des Zentralrats der Muslime (ZMD) in aller Klarheit von Übergriffen muslimischer Jugendlicher auf Juden distanziert habe. Er warnte zudem davor, soziale Spannungen in deutschen Großstädten zu “islamisieren”. Die Verknüpfung der Begriffe “Problemviertel” und “muslimisch” könne missverstanden werden.

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Ettaler Pater gesteht Missbrauch – Bewährungsstrafe zugesagt

missbrauch_katholEx-Benediktiner gestand, in mehr als 20 Fällen sexuelle Übergriffe gegen drei 12- bis 15-jährige Schüler verübt zu haben: Er hatte ihnen in die Hose gegriffen und sie am Geschlechtsteil gestreichelt – Stellungnahme der Benediktiner-Abtei Ettal


kath.net

Überraschende Wende im Ettaler Missbrauchsprozess: Nach der Zusage einer Bewährungsstrafe durch den Richter hat der angeklagte Benediktinerpater G. (44) am Donnerstag vor dem Landgericht München II ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Bei einer von der Verteidigung angestrengten Verständigung stellte das Gericht für diesen Fall eine Gefängnisstrafe von nicht mehr als zwei Jahren in Aussicht, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Der Angeklagte erklärte sich mit der Auflage einer ambulanten Sexualtherapie einverstanden.

Das weitere Verfahren kann dadurch erheblich abgekürzt werden, weil sich die Vernehmung vieler Zeugen damit erübrigt hat. Das gilt auch für führende Mitglieder der Ettaler Klostergemeinschaft. Mit einem Urteil ist am 11. März zu rechnen.

Mit seinem Geständnis bekannte sich der Benediktiner im Sinne der Anklage für schuldig. Er räumte über seinen Anwalt ein, als Internatspräfekt in Kloster Ettal zwischen 2001 und 2005 in mehr als 20 Fällen sexuelle Übergriffe gegen drei 12- bis 15-jährige Schüler (Symbolfoto) verübt zu haben. Der Ordensmann griff den Minderjährigen in die Hose und streichelte sie über längere Zeit am Geschlechtsteil.

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Bangladesch: Religionskritischer US-Blogger mit Machete totgeschlagen

Experten der Spurensicherung untersuchen den Tatort auf dem Uni-Campus der Hauptstadt Dhaka© Munir Uz Zaman/AFP

Er hatte Bücher zu Atheismus und Homosexualität verfasst und in Bangladesch einen islamkritischen Blog gegründet: Der in den USA lebende Blogger Abhijit Roy ist in Dhaka brutal ermordet worden.


stern.de

Ein prominenter atheistischer Schriftsteller und Blogger ist in Bangladesch von Unbekannten ermordet worden. Der 40 Jahre alte Abhijit Roy sei bei der Rückkehr von einer Buchmesse in Dhaka auf dem Uni-Campus der Hauptstadt mit Macheten angegriffen worden und habe tödliche Kopfverletzungen erlitten, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Seine Ehefrau Rafida Ahmed sei bei dem Angriff schwer verletzt worden und habe einen Finger verloren.

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EU-Bischöfe sind Angriff auf die Menschenwürde

CCEEKritik an Ausbeutung schutzbedürftiger Frauen und “Ökonomisierung des Kindes” – ComECE für europaweite gesetzliche Regelung


kath.net

Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) spricht sich für rasche einheitliche gesetzliche Regeln zur Leihmutterschaft auf europäischer und internationaler Ebene aus, insbesondere um die weitere Ausbreitung kommerzieller Leihmutterschaften zu verhindern. Alle Formen von Leihmutterschaft stellten eine schwere Verletzung der Menschenwürde der Beteiligten dar, heißt es in einer aktuellen ComECE-Stellungnahme an das Europaparlament. Darin wird festgehalten, dass die Praxis der Leihmutterschaft, Leihmütter aus armen Bevölkerungsgruppen zu Gunsten wohlhabender Paare oder Einzelpersonen instrumentalisiere und Kinder als Objekte behandle. Konkret warnt die Bischofskommission vor einer Gesellschaft, “in der Kinder hergestellt und als Produkte verkauft werden”.

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