Klimawandel und immer mehr Migration

Das untergehende Dorf Shishmaref auf der Insel Sarichef im Norden Alaskas. Foto: Shishmaref- Erin / CC BY 2.0
Neue Forschungen gehen davon aus, dass es bis zum Jahr 2100 zu einer Verdreifachung der Klimaflüchtlinge kommen könnte, die Zuflucht in Europa suchen

Von Andrea Naica-Loebell | TELEPOLIS

Seit Jahren erstellen Experten immer wieder Projektionen mit anschließenden heftigen Debatten darüber, wie viele Menschen durch Naturkatastrophen, Dürre oder steigendem Meeresspiegel ihre Heimat verlassen und sich auf den Weg in andere Regionen machen werden. Einig ist sich die große Mehrheit der Wissenschaftler, dass der globale Klimawandel stattfindet und weltweit zunehmend Menschen in die Migration treibt.

Schwierig wird es bereits bei der Definition, was ein „Klimaflüchtling“ eigentlich ist, der Duden definiert ihn als „Person, die ihre Heimat verlassen hat oder verlassen musste, um den dort herrschenden, insbesondere durch Klimawandel verursachten ungünstigen Umweltbedingungen zu entgehen.“

Deswegen sprechen viele Experten (und auch Wikipedia) lieber von „Umweltflüchtlingen“. Aber selbst dieser Begriff ist etwas schief, denn eigentlich handelt es sich gar nicht um Flüchtlinge – zumindest nicht nach der Definition der Genfer Flüchtlingskonvention, denn die umfasst nur die Person(en), die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt“ (vgl. „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“).

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Todesurteil gegen deutsche Islamistin ist für Berlin ein Dilemma

Im Juli 2017 werden drei Frauen mit deutscher Staatsbürgerschaft in Mossul verhaftet. Sie hatten sich dem IS angeschlossen. Die Deutsch-Marokkanerin Lamia K. wurde nun zum Tode verurteilt. Quelle: WELT/Katharina Kuhnert
Im Irak soll eine Islamistin aus Deutschland hingerichtet werden. Sie hatte sich angeblich der Terrormiliz IS angeschlossen. Das Todesurteil könnte einen diplomatischen Eklat auslösen.

Von Florian Flade | DIE WELT

Als Lamia K. noch in Deutschland war, schwärmte sie am heimischen Computer in der Wohnung in Mannheim vom Kalifat der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die gebürtige Marokkanerin veröffentlichte Facebook-Einträge voller Lob für die Terrorkämpfer, übersetzte und veröffentliche wohl sogar Reden der IS-Anführer aus dem Arabischen. Über das Internet lernte sie dann irgendwann auch einen Islamisten kennen, der tatsächlich in Syrien gekämpft hat. Er soll sie überzeugt haben, sich den Dschihadisten anzuschließen.

Heute sitzt Lamia K. in einem Gefängnis in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Am vergangenen Donnerstag hat das zentrale Strafgericht die 50-jährige Deutsche zum Tode verurteilt. Sie soll eine Anhängerin der Terrormiliz IS sein und war nach Überzeugung der Richter auch an Angriffen auf irakische Sicherheitskräfte beteiligt. Nun soll die Mannheimerin durch Erhängen am Galgen sterben.

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Unruhen und Boykott beim Besuch von Vizepräsident Pence in Jerusalem

Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence wurde am Montag mit militärischen Ehren in Netanjahus Residenz in Jerusalem empfangen. Pence wird auch vor dem israelischen Parlament in Jerusalem sprechen.

Neue Zürcher Zeitung

Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem getroffen. Pence wurde am Montag mit militärischen Ehren in Netanjahus Residenz empfangen. Sein Besuch steht unter dem Eindruck der umstrittenen Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Die Palästinenser hatten mit Unruhen auf den Schritt reagiert. Sie wollen Pence während seines zweitägigen Aufenthalts nicht treffen.

Palästinenser verbrannten am Sonntagabend aus Protest vor der Geburtskirche in Bethlehem Bilder von Trump und Pence. Die israelische Polizei stellt sich nach Angaben der Nachrichtenseite «ynet» auf weitere Unruhen ein. Die Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat für Dienstag zu einem Generalstreik aufgerufen.

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Mit dem «Shutdown» in den USA verhärten sich die Fronten

Die Freiheitsstatue ist für Touristen geschlossen, aber das ist nur ein Symptom eines tieferen Problems. (Bild: Mark Lennihan / AP Photo)
Beim «Shutdown» in Washington geht es nicht nur um die Zuteilung finanzieller Mittel. Im Zentrum steht ein Thema, das in Trumps Amerika zu einer Schlüsselfrage geworden ist – die Einwanderung.

Von Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Im Wissen darum, dass sich die teilweise Schliessung der Staatsverwaltung («Shutdown») in den USA erst am Montag mit voller Wucht auf Hunderttausende von Bundesangestellten auswirkt, haben sich die politischen Kontrahenten in Washington am Wochenende darauf konzentriert, sich in möglichst günstige Ausgangsstellungen zu bringen. Dabei geht es vor allem um die Frage: An wem bleibt der «Shutdown» hängen, beziehungsweise: Wem schadet er mehr? Die Blicke sind dabei weit in die Zukunft, auf die Zwischenwahlen für den Kongress im Herbst und auch schon auf die Präsidentenwahlen von 2020, gerichtet.

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Papst kritisiert politische Kultur in Lateinamerika als „krank“

Papst Franziskus beendet seine Lateinamerika-Reise. – APA/AFP/LUKA GONZALES
Franziskus beendet seine Reise in Lateinamerika mit einem Appell gegen Korruption und soziale Ausgrenzung. Er kritisiert die korrupte Politikerriege in Peru.

Die Presse.com

Mit einem Appell gegen Korruption und soziale Ausgrenzung hat Papst Franziskus seine Lateinamerika-Reise beendet. „Die politische Kultur in Lateinamerika ist eher krank als gesund“, kritisierte der Argentinier am Sonntag zum Abschluss seines Besuchs in der peruanischen Hauptstadt Lima, wo er vor 1,3 Millionen Menschen eine Messe feierte.

Er beklagte das Leid der Armen, die in den Großstadt-Slums unter elenden Bedingungen ein Leben als „Halb-Bürger“ fristeten. Franziskus warnte vor jeglicher Toleranz gegenüber korrupten Politikern. „Wenn wir uns von Menschen führen lassen, die nur die Sprache der Korruption sprechen, dann sind wir erledigt“, sagte er kurz vor seiner Rückreise nach Rom.

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Wieder Konflikte zwischen Deutschen und Ausländern in Cottbus

Teilnehmer der Kundgebung des Vereins „Zukunft Heimat“ demonstrierten gegen die Flüchtlingspolitik. ©DPA
Cottbus kommt nicht zur Ruhe: Am Wochenende hat es neue Zusammenstöße zwischen Deutschen und Ausländern gegeben. Dazu kam es auf einer Demonstration zu Übergriffen gegen Journalisten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

In Cottbus ist es abermals zu Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Ausländern gekommen. Auf einer privaten Geburtstagsfeier gerieten am Samstagabend eine 18-jährige Deutsche und ein 18 Jahre alter Syrer aneinander, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Unter anderem habe eine Person aus der Gruppe der neun Feiernden „Ausländer raus“ gerufen. Die Polizei habe Platzverweise erteilt und zwei Personen in Gewahrsam genommen, weil sie dem nicht folgten. Die 18-Jährige Deutsche habe zudem die Polizisten angegriffen und sei in die Polizeiinspektion gebracht worden. Ein Alkoholtest habe 1,14 Promille ergeben.

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Der OEZ-Mörder war rechtsradikal – nur die CSU will das nicht glauben

Am Tag nach dem Anschlag am 23. Juli 2016 entzünden ein Mann und sein Sohn Kerzen am U-Bahn-Eingang Olympia-Einkaufszentrum. (Foto: AFP)
Die Bayerische Landesregierung sieht den Anschlag immer noch als Rachereaktion auf Mobbing. Das ist nicht nur blind, der Politik entgeht damit auch eine wichtige Chance.

Von Martin Bernstein | Süddeutsche Zeitung

Das Münchner Landgericht hat mit seinem Urteil gegen den Waffenlieferanten des Attentäters vom Olympia-Einkaufszentrum auch bundesdeutsche Justizgeschichte geschrieben: Zum ersten Mal wurde ein Händler für Morde belangt, die mit einer von ihm verkauften Waffe verübt wurden. Doch die Bedeutung des Urteils reicht weit über diese juristische Grenzverschiebung und die verhängte Strafe von sieben Jahren wegen fahrlässiger Tötung hinaus.

Die Kammer nämlich hat sich nicht gescheut, den angeblichen „Amoklauf“ als das zu bezeichnen, was er in Wirklichkeit war. Die Richter hegen keine Zweifel an dem rassistischen, fremdenfeindlichen Motiv hinter dem Anschlag. Die einzigen, die jetzt noch daran zweifeln, sind die bayerische Staatsregierung und die CSU-Mehrheit im Landtag.

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Britisches Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch

foto: apa/afp/pool/eddie mulholland Englische Ärzte wandten sich mit einem Brandbrief an Premierministerin Theresa May: Das Gesundheitssystem gerate wegen der akuten Grippewelle zusätzlich unter Druck.
Opel 4 bewegt seit Wochen die Gemüter in britischen Krankenhäusern. Gemeint ist nicht die neueste Luxuslimousine des Chefarztes; der Name der deutschen Automarke steht im Englischen für „Operation Pressure Escalation Level“, zeigt also die Auslastung für Mensch und Maschine an. 4 ist der Höchstgrad, auf Deutsch: Alarmstufe Rot.

Von Sebastian Borger | derStandard.at

Ausgerechnet im 70. Jahr seines Bestehens – im Juli soll gefeiert werden – ist das vielgeliebte Nationale Gesundheitssystem NHS auf der Insel an seine Grenzen geraten. Winterkrisen gab es immer wieder. Diesmal aber führte eine Grippe-Epidemie zu einer nicht gekannten Eskalation. Auf vielen Stationen gibt es nicht genug Betten, vor den Notaufnahmen stauen sich die Krankenwägen, in den Spitälern selbst sterben Patienten auf den Gängen.

55.000 Operationen abgesagt

Allein in England mußten an die 55.000 geplante Operationen abgesagt werden, um mit den Notfällen fertig zu werden. Zustände „wie in der Dritten Welt“ oder „wie in einem Kriegsgebiet“, konstatierten aufgebrachte Notfallmediziner. „So schlimm wie derzeit habe ich es noch nicht erlebt“, sagt Nick Scriven, Chefarzt im nordenglischen Halifax und Präsident des Berufsverbands der Akutmediziner.

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German Naivität 2

Wilmersdorfer Ahmadiyya-Moschee von oben. Foto: Thomas Scherer / CC BY-SA 3.0 D
Über den nachlässigen Umgang mit dem fundamentalistischen Islam. Hintergründe zu einem Kommentar

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Am 26.11.2017 strahlte der Sender KinderKanal (KiKa) den Beitrag „Schau in meine Welt – Malvina, Diaa und die Liebe“ aus. Darin reden die deutsche Schülerin und ihr syrischer Freund offen über ihre Liebe und auch über die Schwierigkeiten einer solchen bi-nationalen Beziehung.

Viele Äußerungen des Syrers in dem Beitrag lassen auf ein fundamentales Islamverständnis schließen, wenngleich es auch Momente gibt, die dem widersprechen. Der Beitrag gibt einen offenen, dennoch sehr kleinen Einblick in die Beziehung der beiden. Demnach funktioniert diese, weil sie sich mehr oder weniger seinen durch tiefe Religiosität geprägten Ansprüchen fügt. Auch wenn sie klare Grenzen aufzeigt, z. B. wenn es um die Frage „Kopftuch“ geht.

Ob sie diese Grenzen wirklich wahren kann, oder ob entweder sie sich letztlich fügt, oder die Beziehung endet an dem Punkt, wo er seine Forderungen nachdrücklicher stellt, wird die Zukunft entscheiden. Allerdings steht nach dem Schock des Mordes, begangen an der 15jährigen Mia in Kandel die Frage im Raum, wie eine solche Trennung unter Umständen für das Mädchen ausgehen könnte.

Der Beitrag war vom Hessischen Rundfunk (HR) für KiKa, ein Gemeinschaftsprojekt von ARD und ZDF, produziert worden. Der HR hatte sich aufgrund der heftigen öffentlichen Debatte entschieden, den Film im eigenen Programm begleitet von einer Diskussion am vergangenen Samstag noch einmal auszustrahlen. Diese Debatte wurde offenbar als ungehörig empfunden.

„Was ist los in unserer Gesellschaft, dass der Film für so viel Aufregung sorgt?“, war auf dessen Webseite zu lesen. Darin spiegelt sich der gewohnte Umgang mit Fragen nach Problemen im Zusammenleben mit tief gläubigen Muslimen wider: Diese werden bestenfalls verharmlost und beschönigt, meistens aber in Abrede gestellt.

Dass auch der HR auf heile Multi-Kulti-Welt macht, wundert nicht angesichts der Tatsache, dass das Land Hessen Kooperationen mit fragwürdigen muslimischen Organisationen einging und ein fundamentaler Muslim als Vertreter des der türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstellten Ditib-Landesverbandes Hessen einen Sitz im Rundfunkrat hat.

Unabhängig von der konkreten Liebesgeschichte, die nun von allen Medien in die Öffentlichkeit gezerrt wird, lässt sich an diesem Beispiel aufzeigen, welches fragwürdige Frauenbild in den Medien, einem Sender, dessen primäre Zielgruppe 10- bis12-Jährige sind zumal, transportiert wird, nämlich das der anpassungsfähigen sanften Gespielin, welche zwar Ansprüche stellen, nicht aber auf deren Realisierung beharren darf.

Zudem ist problematisch, welche Vorstellung von Musliminnen und Muslimen in den Kinderköpfen verankert werden, nämlich der streng religiösen, stetig betenden, männlich dominierten Gesellschaft, Mädchen und Frauen mit dem scheinbar unvermeidbaren Kopftuch.

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Wandel im Bistum Limburg soll weitergehen

Bild: @Kiwi_Gold/twitter

Der Wandel und die Suche nach Perspektiven für die Zukunft sollen auch in diesem Jahr im Bistum Limburg weitergehen. „Die Sehnsucht nach Veränderung in unserer Kirche und in unserem Bistum ist groß.

Frankfurter Rundschau

Wir hoffen auf einen Kultur- und Perspektivwechsel und wollen ihn befördern“, sagte Generalvikar Wolfgang Rösch am Sonntag beim Neujahrsempfang der Diözese in Limburg. Der Prozess der Kirchenentwicklung müsse unbedingt weitergehen. „Wir müssen miteinander in einen geistlichen Austausch kommen“, sagte Rösch.

Nach einer turbulenten Zeit unter dem früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der schließlich vom Papst abberufen wurde, war Georg Bätzing im September 2016 neuer Oberhirte des Bistums geworden.

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Facebook bekräftigt Kritik an deutschem Gesetz gegen Hass im Netz

Symbolbild – REUTERS
Das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz gehe weiter als es sollte, kritisiert Facebook: „Es macht uns zu Richtern, Geschworenen und Vollstreckern.“

Die Presse.com

Facebook hat seine Kritik an dem deutschen Gesetz gegen Hass im Netz bekräftigt. Das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz gehe weiter als es sollte, sagte Kommunikations- und Politikchef Elliot Schräge am Sonntag auf der Innovationskonferenz DLD in München. „Das Gesetz macht uns zu Richtern, Geschworenen und Vollstreckern, und ich denke, das ist eine schlechte Idee.“ Online-Plattformen sollten nicht die politische Debatte in Deutschland bestimmen.

Das Gesetz (NetzDG) schreibt vor, dass Online-Plattformen klar strafbare Inhalte binnen 24 Stunden nach einem Hinweis löschen müssen – und in weniger eindeutigen Fällen eine Woche Zeit haben. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 50 Millionen Euro.

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Priester schickt Jugendlichem Tausende Whatsapp-Nachrichten

Insgesamt soll der Chatverlauf mehr als 3000 DIN-A4-Seiten umfassen. (Foto: dpa)
  • Ein Geistlicher aus Kleve hat fast zwei Jahre mit einem Minderjährigen gechattet.
  • Das Bistum Münster sieht ein „unangemessenes Kommunikationsverhalten“, der Priester tritt daraufhin zurück.
  • Der Rheinischen Post zufolge ist eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

Süddeutsche Zeitung

Ein Priester aus Nordrhein-Westfalen ist zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass er einem Jugendlichen über zwei Jahre lang Tausende Whatsapp-Nachrichten geschickt hatte. Das katholische Bistum Münster stufte die Vorfälle als „unangemessenes Kommunikationsverhalten“ ein, berichtet die Rheinische Post.

So schrieb der Geistliche aus Kleve in den Textnachrichten dem Medienbericht zufolge, der Junge sei der wichtigste Mensch in seinem Leben, er solle ihn nicht verlassen. Er habe ihn „unendlich doll lieb!“.

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SPD-Parteitag stimmt für Koalitionsverhandlungen mit Union

SPD-Chef Schulz. – APA/AFP/SASCHA SCHUERMANN
Nach kontroverser Debatte machen die Delegierten des SPD-Sonderparteitages in Bonn mit 362 zu 279 Stimmen den Weg für Koalitionsverhandlungen mit der Union frei und folgen damit einer entsprechenden Empfehlung der Parteispitze.

Die Presse.com

Die deutschen Sozialdemokraten haben den Weg für Koalitionsverhandlungen mit der Union freigemacht. Die Delegierten gaben beim Sonderparteitag am Sonntag in Bonn nach mehrstündiger kontroverser Debatte Grünes Licht für eine entsprechende Empfehlung der Parteispitze. Für Verhandlungen stimmten 362 der 642 Delegierten und Vorstandsmitglieder. 279 waren dagegen, einer enthielt sich.

Vor gut einer Woche hatten sich CDU/CSU und Sozialdemokraten auf ein Sondierungspapier geeinigt, das die Grundlage für Verhandlungen über eine neue gemeinsame Regierung bilden soll. In der SPD gibt es große Vorbehalte gegen die Neuauflage des schwarz-roten Bündnisses.

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Fasten bis zum Tod

Für einige ist es ein Weg, das Leben ohne Gewaltakt zu beenden, wenn Krankheit und Leiden zu schwer werden: der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit. Er beendet das Leben selbstbestimmt, ist aber umstritten.

Von Dieter Sell | evangelisch.de

Am Ende waren die Schmerzen kaum noch zu ertragen. Ein Leben lang hatte Marlies B. mit einer Stoffwechselerkrankung zu kämpfen. Anfang des vergangenen Jahres konnte sie kaum noch etwas essen und nur noch wenig bei sich behalten. Als sie im Mai dann nicht einmal 40 Kilo wog, mündeten lange Überlegungen in den Entschluss zum Sterbefasten: Die 74-Jährige hörte auf zu essen und zu trinken.

„Sie sagte, sie sei lebenssatt“, erinnert sich ihr Bruder Peter Auer an die Zeit im Frühjahr. „Und meine Schwester war letztlich schon lange eine sterbenskranke Frau“, ergänzt der 69-Jährige, der in Hamburg lebt. Ab dem 9. Mai 2017 nahm sie nichts mehr zu sich. Zuvor hatte sie die Situation selbst akribisch vorbereitet: einen Arzt konsultiert, einen Pflegedienst ausgesucht, ein Palliativzentrum eingeschaltet, um die Versorgung mit schmerzstillenden Morphin-Medikamenten sicherzustellen. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – alles lag vor.

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Pseudo, Eso und mehr – „Akasha Kongress Back2Health“ in Bergheim

Veranstaltungshalle „Medio“ in Bergheim. Bildnachweis: Vlaminck; via Kölnische Rundschau
Der Betrieb „BM.Cultura“ der Stadt Bergheim hält es für einen völlig normalen Vorgang, seine örtliche Veranstaltungshalle „Medio“ für den diesjährigen „Akasha Kongress – Back2Health“ zur Verfügung zu stellen. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um einen Pseudomedizin- und Esoterikkongress der schlimmsten Sorte.

Susannchen-Team

Es sei erwähnt, dass die Stadt Bergheim bereits auf unrühmliche Veranstaltungen wie den Quer-denken-Kongress 2016In neuem Fenster öffnen zurückblicken kann, von dem man sich seinerzeit gerade noch pflichtschuldigst distanzierte. Gelernt hat man daraus offenbar nichts.

Beispielsweise soll dort die Jim Humble-Vertraute Kerri Rivera , auch als „MMS-Päpstin“ bezeichnet, für die „Behandlung“ von Kindern mit Chlorbleiche werben (sie will durch diese systematische Misshandlung ihren eigenen Sohn von Autismus geheilt haben und geht damit weltweit hausieren). Rivera trägt den stolzen Titel minister of the Genesis II Church of Health and Healing,  also einer „Priesterin“ von Jim Humbles Scheinkirche, die versucht, das Verbot von MMS-Therapien in den USA dadurch zu umgehen, dass sie die Behandlung als „Gottesdienst“ ausgibt. Als Homöopathin bezeichnet sie sich übrigens auch…

Auch „alternative Krebsheilung“ fehlt nicht, mit Kurkuma, einer Substanz, der bislang bei wissenschaftlichen Untersuchungen kein medizinischer Effekt zugesprochen werden konnte (sehr wohl aber gut geeignet für vielfältige Verwendung in der Küche). Und es ist noch schlimmer: Bei manchen der Kongressteilnehmer ist eine esoterisch-rechtslastige, teilweise der Reichsbürgerszene zugeneigte Haltung belegbar. Was einmal mehr zeigt, dass im Bereich des Schwurbels die Übergänge oft fließend sind.

Der Physiker und Skeptiker Dr. Holm Hümmler hat mit 26 Mitunterzeichnern die Problematik in einem offenen Brief an den Bergheimer BürgermeisterIn neuem Fenster öffnen dargelegt und begründetIn neuem Fenster öffnen und gebeten, alle Möglichkeiten zu prüfen, diesen „Kongress“ in einer von der öffentlichen Hand betriebenen Veranstaltungshalle nach Möglichkeit noch zu verhindern. Mehr Informationen finden sich hier auf der Webseite von Dr. Holm Hümmler.

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NetzDG: Facebook sperrt Karikaturisten Schwarwel

(Bild: Schwarwel)
In seiner Zeichnung nahm der Schwarwel die rassistische H&M-Werbung aufs Korn. Facebook und Instagram verstanden jedoch keinen Spaß.

Von Hartmut Gieselmann | heise online

Der in Leipzig wohnende Karikaturist Thomas Meitsch, alias Schwarwel, ist in der vergangenen Woche als Administrator seiner Facebook-Seite gesperrt worden. Als Begründung führte Facebook an, seine Karikatur würde gegen die „Allgemeinen Gemeinschaftsstandards“ verstoßen. Zuvor war das Bild bereits am Montag auf Instagram gesperrt worden. Es sei inzwischen die zweite Sperrung, die Facebook gegenüber dem Künstler verhängt hätte, so Schwarwel.

Das Bild nimmt Bezug auf eine Werbekampagne des Kleidungsherstellers H&M, in der ein dunkelhäutiger Junge mit einem grünen Kaputzenpulli und der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ zu sehen ist. Schwarwel nahm zudem Bezug auf einen Tweet des AFD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier, der Noah Becker, Sohn der Schauspielerin Barbara Becker, als „Halbneger“ bezeichnet hatte.

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Mehr Globalisierung bedeutet mehr Migration

Der Migrationsforscher Martin Doevenspeck hat die europäische Politik zur Eindämmung von Fluchtbewegungen aus Afrika kritisiert. Mit der derzeitigen punktuellen Entwicklungshilfe würden die Fluchtursachen nicht wirklich bekämpft, sagte Professor für Politische Geografie an der Universität Bayreuth dem Bremer „Weserkurier“ (Sonntag).

evangelisch.de

„Dann erhöht sich vielleicht irgendwann das Einkommen im Schnitt um zwei oder drei Dollar am Tag. Aber nur deshalb bleibt ja kein Mensch dort.“ Es sei empirisch nachgewiesen, dass die Menschen mobiler würden, je mehr Geld sie hätten.

Letztlich sei die Globalisierung verantwortlich für Migrationsbewegungen, erklärte Doevenspeck. Die Verbreitung von Lebensstilen und die verbesserten Reisemöglichkeiten heizten die Migration an. „Der Wunsch nach bestimmten Lebensstilen ist ein globales Phänomen.“ Afrika habe eine überwiegend junge Bevölkerung, die kaum wirtschaftliche Chancen habe. „Sie vermissen Möglichkeiten, sich zu verwirklichen. Oder sie wollen einfach nur ein besseres Leben führen.“

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Deutsche IS-Anhängerin im Irak zum Tode verurteilt

Ein Gericht im Irak hat die Todesstrafe gegen eine deutsche Staatsangehörige verhängt. Sie habe sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ angeschlossen und diese bei Verbrechen unterstützt.

SpON

Eine deutsche Staatsangehörige ist im Irak wegen der Zugehörigkeit zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zum Tode verurteilt worden. Die Frau mit marokkanischen Wurzeln war der Stellungnahme eines Gerichts in der Hauptstadt Bagdad zufolge von Deutschland aus nach Syrien und später in den Irak gereist, um sich der Terrororganisation anzuschließen.

Die Angeklagte habe dem IS bei der Begehung seiner Taten geholfen und sei an einem Angriff auf irakische Sicherheitskräfte beteiligt gewesen, hieß es am Sonntag. Die Frau habe „logistische Unterstützung und Hilfe für die Terrorgruppe geleistet, um Verbrechen zu verüben“, sagte der Richter, der zugleich als Gerichtssprecher fungiert. Zudem habe sie ihre beiden Töchter in die Region mitgebracht und mit IS-Kämpfern verheiratet.

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Was Großwildjagd zum Naturschutz beitragen kann

foto: picturedesk / bill young / danita delimoent Oryxantilopen, Zebras und Giraffen tummeln sich im Etosha-Nationalpark, Namibia. Das Land ist Vorbild bei der nachhaltigen Jagd.
Forscher schlagen ein Zertifizierungssystem, das Geld für den Naturschutz bringen kann, für eine nachhaltige Jagd von Großwild vor

Von Juliette Irmer | derStandard.at

Der Löwe Cecil erlangte traurige Berühmtheit: Er wurde 2015 von einem US-amerikanischen Zahnarzt erschossen – obwohl er von Forschern mit einem Sendehalsband ausgestattet war und im Hwange-Nationalpark in Simbabwe lebte. Sein Tod löste weltweit massive Proteste und Debatten über die unethischen Praktiken der Trophäenjagd aus. Folglich verboten einige Länder, etwa Australien und die Niederlande, die Einfuhr von Trophäen wie Stoßzähnen, Haut und Kopf. Eine Maßnahme, die die Jagdindustrie empfindlich trifft, denn ein Trophäenjäger ohne Trophäe ist wie ein Fotograf ohne Fotos.

Etliche Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten, Pro Wildlife und auch der Nabu fordern auch für Deutschland und Österreich ein pauschales Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, denn Cecil sei kein Einzelfall und die Trophäenjagd ein grausames Relikt aus der Kolonialzeit. Doch die Weltnaturschutzunion IUCN und zahlreiche Wissenschafter – auch jene, die nun Cecils Nachkommen in Simbabwe beobachten – warnen davor, die Trophäenjagd grundsätzlich zu verdammen, und empfehlen, Einfuhrverbote gut abzuwägen: „Unter bestimmten Bedingungen kann die Trophäenjagd zum Naturschutz beitragen“, sagt auch Thomas Wanger, Agrarökologe an der Universität Göttingen.

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Türkische Offensive in Syrien fordert erste Zivilopfer

Rauch steigt über von der türkischen Armee getroffenen Zielen in Nordsyrien auf. – REUTERS
Ankara fliegt Angriffe auf Stellungen kurdischer Milizen in Nordsyrien. Für die rund eine Million Menschen, die in den rund 360 Dörfern und Städtchen von Afrin leben, ist die Lage prekär.

Die Presse.com

Die seit Tagen angekündigte Bodenoffensive der Türkei in der nordsyrischen Grenzregion hat nach den Worten von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Samstagnachmittag „de facto“ begonnen. Die Türkei werde „Schritt für Schritt“ einen „Terror-Korridor“ zerstören, den die YPG errichtet habe. Die türkische Luftwaffe flog Angriffe auf mutmaßliche Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG.

Nach türkischen Militärangaben wurde unter anderem der von der YPG kontrollierte Militärflughafen Minnigh nördlich von Aleppo bombardiert. Zudem rückten protürkische Milizionäre der Freien Syrischen Armee (FSA) vor. Insgesamt seien 108 Ziele angegriffen worden. 72 Flugzeuge seien beteiligt gewesen und sicher zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt. Auch IS-Ziele seien zerstört worden. Die Kurdeneinheiten reagierten am Sonntag mit Raketenangriffen auf die Grenzprovinz Kilis in Südostanatolien.

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