Bemerkenswert

Wahl Dodo des Monats Juni 2016

Dodo des Monats Juni 2016 ©HFR
Dodo des Monats Juni 2016
©HFR

Die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages war im Monat Juni das entscheidende Ereignis. Die Höflinge von Gnaden des Sultans Erdogan kamen aus ihren Schlupflöchern und offenbarten ihre Unkenntnis demokratischer Gepflogenheiten. Weinerlich jammernd, dümmliche, machohafte Racheglüste bis hin zu Morddrohungen gegen Paramentarier, wurden medial offenkundig.
Die Protokolle der Weisen von Zion, gefälschtes Machwerk, erlangten wieder Bedeutung, in der Alternative für Deutschland sitzen Antisemiten alten Stils. Solcherart Idiotie war schwer vorstellbar.
Die Wahl ist bis zum 07.07.2016, 18:00 Uhr befristet. Die Laudatio, für den Gewinner, wird am folgenden tag, hier auf dem Blog, veröffentlicht werden.
Viel Spaß!

  1.  Thomas de Maizière, „hat Schwierigkeiten mit Statistik.“
  2.  DITIB, Erdogans Hofschranzen mit Demokratie-Defiziten.“
  3.  Joachim Gauck, „braucht Reformation in seinem Denken.“
  4.  Michael Diener, „Vorsitzender der Alliierten Homophoben.“
  5.  Ruprecht Polenz, „möchte den Hijab für Polizistinnen.“
  6.  Bodo Ramelow, „missioniert in Schweden.“
  7.  Winfried Kretschmann, „erbricht den Islam in Deutschland.“
  8.  Christian Tsalos, „Wüstenreligion mit technischen Fortschritt.“
  9.  Rainer Rupp, „unterentwickelte Kapitalismuskritik mit Donald Trump.“
  10. Timo Al-Farooq, „geballte Religiotie gegen den Atheismus.“
  11. Papst Franz, „Die Kirche ist eine Braut, see a doctor.“
  12. Wolfgang Gedeon, „hält Die Protokolle der Weisen von Zion für echt.“
  13. Kerim Uca, „Islamist mit pathologischen Frauenbild.“
  14. true fruits GmbH, „rassistische Grundeinstellung.
  15. Duisburger Integrationsrat, „vielleicht in Diyarbakir integrieren.“
  16. Christian Schmidt, „Minister mit hochpolitischen Gotteswahn.“

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Goebbels‘ Sekretärin: „Nichts haben wir gewusst“

Brunhilde Pomsel / Bild: APA/AFP/CHRISTOF STACHE
Der Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ über die Sekretärin von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels hatte am Mittwochabend Premiere.

Die Presse.com

Brunhilde Pomsel ist eine der letzten Zeitzeuginnen, die das Nazi-Regime als junge Frau miterlebt haben. Die mittlerweile 105-Jährige war nah dran am Führungskreis des Terrorregimes: Als Sekretärin von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, der in der Vernichtungsmaschinerie der Nazis eine zentrale Rolle spielte.

Von den Grausamkeiten will Pomsel aber nichts mitbekommen haben. „Nichts haben wir gewusst, es ist alles schön verschwiegen worden und das hat funktioniert“, sagt sie in der österreichischen Dokumentation „Ein deutsches Leben“. Erst nach Kriegsende sei ihr das ganze Ausmaß der Geschehnisse bewusst geworden. Der Film hatte am Mittwochabend auf dem Filmfest München Premiere.

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Kopftuchverbot für Rechtsreferendarinnen ist rechtswidrig

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Damit gibt das Augsburger Verwaltungsgericht einer Juristin recht, die gegen den Freistaat Bayern geklagt hatte. Justizminister Bausback will das Urteil nicht hinnehmen.

Süddeutsche.de

Das Augsburger Verwaltungsgericht hat das in Bayern seit acht Jahren praktizierte Kopftuchverbot für Rechtsreferendarinnen für unzulässig erklärt. Das Gericht gab am Donnerstag Aqilah Sandhu recht, die seit 2014 im sogenannten Vorbereitungsdienst bei der Justiz ist und dabei eine Auflage erhalten hatte, wonach sie bei Auftritten mit Außenwirkung kein Kopftuch tragen dürfe (Aktenzeichen: Au 2 K 15.457).

Das Münchner Oberlandesgericht hatte sich bei der Auflage an einer Verordnung des bayerischen Justizministeriums von 2008 orientiert, wonach Referendarinnen beispielsweise im Gerichtssaal oder bei Zeugenvernehmungen auf ihr Kopftuch verzichten müssen. Die Augsburger Richter bemängelten nun, dass es für einen solchen Eingriff in die Religions- und Ausbildungsfreiheit keine gesetzliche Grundlage gebe.

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Dänische Polizei nimmt Asylbewerbern Bargeld ab

Nach einer Asylreform in Dänemark kann Flüchtlingen in dem Land zukünftig teurer Schmuck oder Bargeld abgenommen werden. So soll ihre Unterbringung mitfinanziert werden. Quelle: Die Welt
Das heftig umstrittene „Schmuckgesetz“ kommt in Dänemark erstmals zum Einsatz. Die Polizei beschlagnahmte in Kopenhagen 80.000 Kronen von fünf Iranern, die mit falschen Papieren einreisen wollten.
 

DIE WELT

Die dänische Polizei hat zum ersten Mal seit Einführung des umstrittenen „Schmuckgesetzes“ Bargeld von Asylbewerbern beschlagnahmt. Kopenhagener Beamte nahmen fünf Iranern am Dienstagabend rund 80.000 Kronen (knapp 11.000 Euro) ab, wie die Reichspolizei berichtete.

Die Gruppe aus zwei Männern und drei Frauen zwischen 26 und 35 Jahren hatte versucht, mit falschen Papieren nach Dänemark einzureisen. Das heftig kritisierte „Schmuckgesetz“ war im Februar in Kraft getreten. Das dänische Parlament hatte es trotz internationaler Kritik mit großer Mehrheit beschlossen.

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Gleichheit kommt von Glauben

Impressionen aus Olten: Blick vom Stadthaus Richtung katholische Kirche. (Bild: Annick Ramp / NZZ)
Angeblich liberale und offene Zeitgenossen sehen einen Gegensatz zwischen Aufklärung und christlichem Glauben. Sie irren. Und machen damit auch den Muslimen das Leben schwer. Ein Vorschlag zur Güte.

Von Martin Grichting | Neue Zürcher Zeitung

Die Widersprüche sind nicht länger zu übersehen: Auf der einen Seite schneidet sich die Schweizer Bevölkerung zusehends von ihren christlichen Wurzeln ab. Die neuesten statistischen Meldungen aus Zürich bestätigen hier jedenfalls einen langjährigen Trend. Der Anteil der Kirchenmitglieder an der Kantonsbevölkerung hat sich 2015 wiederum um ein gutes Prozent reduziert. Waren in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch über 95 Prozent reformiert oder katholisch, so sind es vierzig Jahre später noch 57 Prozent. Wenn man den Sinkflug mit dem Lineal weiterzieht, wird 2023 die 50-Prozent-Marke unterschritten werden.

Andererseits haben zwei aus religiösen Gründen den Handschlag verweigernde Halbwüchsige führenden Politikern die Aussage entlockt, die Schweiz sei ein christliches Land. Das scheint die These des Grossimams von Bordeaux, Tareq Oubrou, zu bestätigen, dass die neuerdings offensiv vertretene ethnisch-religiöse Sichtbarkeit des Islam in Europa zu einer Welle der Rechristianisierung führe.

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Bedrohliche Atheisten und katholische Aliens

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Religionssoziologe Detlef Pollack, Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster, sprach mit hpd-Redakteurin Daniela Wakonigg über das Image von Atheisten und darüber, wie sie es verbessern können.

Von Daniela Wakonigg | hpd.de

Detlef Pollack ist Professor für Religionssoziologie und Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Universität Münster. Der studierte evangelische Theologe versteht sich hinsichtlich seiner soziologischen Forschungen als methodologischer Agnostiker.

hpd: Herr Pollack, bei der Vorstellung Ihrer jüngsten Umfrage zum Thema „Fundamentalismus, Gewaltakzeptanz, Religiosität“ war unter anderem zu erfahren, dass 49 Prozent der Menschen in Westdeutschland den Islam als Bedrohung wahrnehmen. Was angesichts der aktuellen medialen Debatten wenig verwunderlich ist. Ziemlich überraschend fand ich allerdings, dass der Atheismus in Westdeutschland auf Platz Zwei des Bedrohungs-Rankings steht. 36 Prozent der Menschen in Westdeutschland nehmen den Atheismus als Bedrohung wahr, in Ostdeutschland sind es 16 Prozent. Woher stammen diese Zahlen?

Prof. Detlef Pollack: Aus dem Religionsmonitor 2012 der Bertelsmann Stiftung. Darin wurde –nach Ost und West differenziert – gefragt, inwieweit verschiedene Religionsgemeinschaften und eben auch Atheisten als Bedrohung oder Bereicherung empfunden werden. 49 Prozent Ostdeutschen empfinden den Atheismus übrigens auch als Bereicherung – allerdings nur 34 Prozent der Westdeutschen. Das Christentum hat da ein deutlich besseres Image. Das bewerten 76 Prozent in Westdeutschland und 64 Prozent in Ostdeutschland als Bereicherung.

Das finde ich sehr interessant, weil es darauf hinweist, dass es selbst im Osten Deutschlands, wo die Konfessionslosen ja 75 Prozent stellen, eine latente kulturelle Prägung durch das Christentum gibt.

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Türkei wegen nichtverhindertem Mord an Ehefrau verurteilt

EuropaUrteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs: Die Türkei trägt Mitschuld am Tod einer Türkin, die von ihrem Ehemann ermordet wurde. Die staatlichen Behörden hätten trotz mehrmaliger Bitten der Frau um Hilfe versagt.

kath.net

Die Türkei trägt nach einem Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshof eine Mitschuld am Tod einer Türkin, die von ihrem Ehemann ermordet wurde. Die staatlichen Behörden hätten trotz mehrmaliger Bitten der Frau um Hilfe versagt, betonten die Richter in ihrer am Dienstag in Straßburg veröffentlichten Entscheidung. So habe sich ein türkisches Gericht geweigert, den Mann trotz wiederholter Todesdrohungen in Untersuchungshaft zu nehmen. Auch die Missachtung des Verbots, sich seiner Familie zu nähern, seien nicht geahndet worden.
Die türkischen Behörden hätten somit eine Situation geschaffen, die häusliche Gewalt weiter befördert habe, betonten die Straßburger Richter. Zugleich kritisierte der Menschenrechtsgerichtshof, die Türkei habe zu wenige Schutzräume für Frauen eingerichtet, die unter häuslicher Gewalt leiden.

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«Creep Catcher» machen Jagd auf Pädophile im Internet – eine riskante Form von Selbstjustiz

Mann mit pädophiler Neigung in einem Youtube-Video – oder alles nur ein «Missverständnis»? screenshot: youtube
Gehören Männer, die Minderjährige sexuell missbrauchen wollen, an den Internet-Pranger? In den USA beschäftigt eine solche Aktion die Richter.

Von Daniel Schurter | watson.ch

«Hallo, können wir reden?»

Pädophile suchen auf Dating-Plattformen, in sozialen Netzwerken und Chatrooms nach Opfern.

Es beginnt ganz harmlos. Mit List und Einfühlungsvermögen versucht der Täter, das Vertrauen der minderjährigen Person am anderen Ende der Leitung zu gewinnen.

«Lass uns einfach nur ein bisschen plaudern.»

Im Internet wird nonstop Jagd auf Kinder und Jugendliche gemacht. Laut einem Bericht von UNICEF (aus dem Jahr 2009!) sind um die 750’000 Männer mit pädophilen Neigungen aktiv – und zwar rund um die Uhr, in allen Ländern weltweit.

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Religionspolitiker reden über Muslime ohne Muslime

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde (v.l.) Moderator Joachim Frank, Thomas Sternberg (CDU), Rektorin Ursula Nelles, Kerstin Griese (SPD), Volker Beck (Die Grünen), Ulrich Willems © Exzellenzcluster „Religion und Politik“/Sarah Batelka
Religionspolitiker mahnen bei einer Diskussion an der Uni-Münster offenere Debatten über und mit Religionen an. Uni-Rektorin betont Bedeutung des Dialogs. An der Diskussion ist aber kein einziger Muslim dabei.

MiGAZIN

Der Grünen-Politiker Volker Beck vermisst bei den großen Islamverbänden in Deutschland die Ausrichtung ihrer Identität nach einem religiösen Bekenntnis. „Unter dem Dach von Ditib oder Islamrat findet nicht nur Religion statt, sondern auch sehr viel türkische Politik. Politik, Sprache und Herkunft prägen stark die Identität und Grenzen der Verbände“, sagte der religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Volker Beck am Dienstagabend in Münster. Zentrales Identitätsmerkmal der Verbände sei bisher nicht ein jeweiliges, theologisch begründetes Glaubensbekenntnis, sondern seien etwa ihr Verhältnis zur Türkei oder andere Herkunftsbezüge. „Voraussetzung für den Körperschaftsstatus, den die Verbände anstreben, ist aber die Organisation nach dem religiösen Bekenntnis. Dieses Recht haben nur Religionsgemeinschaften, nicht religiöse Vereine. Da müssen wir klar bleiben.“

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Justiz blockt Neonazi-Watchblog

Das Watchblog „Störungsmelder“ wird von „Zeit online“ gehostet Screenshot: Matthias Meisner
Ein „Zeit“-Blog berichtet über Rechtsextreme, doch Ämter verweigern ihm Auskünfte. Ein Gericht bestreitet, dass es sich um Journalismus handelt.

Von Matthias Meisner | DER TAGESSPIEGEL

Die Fragen sind wichtig, mehr denn je: Was passiert in der rechtsextremen Szene? Wo sind die Neonazis besonders aktiv? Welche Strategien wenden sie an? Warum finden sie Gehör? Und was kann man gegen sie tun? Um das zu klären, hat „Zeit online“ vor neun Jahren den Neonazi-Watchblog „Störungsmelder“ gestartet. Fortlaufend wird seither über die rechte Szene berichtet, auch wenn sie mal nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht. Zuletzt beispielsweise über einen „Identitären“-Aufmarsch in Berlin, Verbindungen von Russlanddeutschen zur extremen Rechten und eine Sonnenwendfeier im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm.

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Anschlag von Istanbul: „Diese Regierung hat die Mörder gehätschelt“

Drei Selbstmordattentäter sprengen sich in die Luft und töten Dutzende Menschen. Mehr als 200 sind verletzt. Die türkische Regierung macht für den Anschlag die Terrormiliz IS verantwortlich. Quelle: Die Welt
Auf den Terror in Istanbul reagiert die Regierung mit einer Nachrichtensperre und der Aussage, dass es sich nicht um ein Versagen der Behörden handele. Türkische Journalisten sehen das ganz anders.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Vor der Gerichtsmedizin in Istanbul warten nur noch wenige Angehörige auf ihre Liebsten, als die Behörden am Nachmittag die Zahl der Todesopfer auf 41 erhöhen, später stieg die Zahl auf 42, eine 22-Jährige erlag ihren Verletzungen. Ob darunter auch die drei Attentäter sind, ist da noch nicht klar. Eine amtliche Totenliste vom Mittag verzeichnet 40 Tote, darunter 13 Ausländer – zwölf aus dem Nahen Osten und Zentralasien, einer aus der Ukraine. Zwei Männer und zwei Frauen sind nicht identifiziert. Und womöglich wird es nicht bei der Zahl bleiben. „Vorhin wurde die Leiche einer Frau aus einem Krankenhaus hergebracht, die noch gar nicht auf dieser Liste steht“, sagt eine Journalistin. Unter den 239 Verletzten ist nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt in Berlin auch eine Deutsche.

Überhaupt, die Journalisten. Inzwischen bilden sie vor dem Gebäude der Gerichtsmedizin, das nur wenige Kilometer vom Atatürk-Flughafen entfernt liegt, die Mehrzahl. Man tauscht untereinander Nachrichten aus. Und zwischen Telefonaten mit den Redaktionen, Liveschaltungen und den wenigen Momenten, in denen noch ein Leichenwagen die Gerichtsmedizin verlässt, bleibt immer noch genug Zeit für politische Diskussionen.

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Morddrohungen gegen „Charlie Hebdo“

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Die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat erneut Morddrohungen erhalten und Anzeige erstattet. Die Mitteilungen seien „sehr bedrohlich“, so die Pariser Staatsanwaltschaft.

Frankfurter Rundschau

Wegen neuer Morddrohungen gegen die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat die Pariser Staatsanwaltschaft nach einem Bericht der Zeitung „Le Parisien“ ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Es habe als „sehr bedrohlich“ eingestufte Mitteilungen an die französische Satirezeitschrift gegeben, berichtete das Blatt unter Berufung auf Ermittler. Die Leitung von „Charlie Hebdo“ kommentierte die Informationen nicht, von Seiten der Staatsanwaltschaft in Paris gab es dazu am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme.

Die Drohungen sollen auf der Facebook-Seite von „Charlie Hebdo“ sowie in einem Brief an die Redaktion formuliert worden sein. Die Redaktionsleitung habe deswegen Anzeige erstattet.

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Anzeige gegen Görlitzer Polizeipräsidenten

Die Staatsanwaltschaft Görlitz prüft Ermittlungen gegen den Görlitzer Polizeipräsidenten Conny Stiehl wegen Volksverhetzung. Hintergrund ist ein Vorfall im Mai in Arnsdorf: Vier Männer hatten einen Flüchtling überwältigt und gefesselt.

evangelisch.de

Im Zusammenhang mit dem Übergriff auf den Asylbewerber im sächsischen Arnsdorf liege die Anzeige einer Privatperson vor, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Görlitz. Diese Anzeige werde nun geprüft.

Damit korrigierte die Sprecherin Angaben der dortigen Polizeidirektion. Über die Anzeige hatte zuerst die „Bild“-Zeitung (Mittwochsausgabe) berichtet. Die Polizeidirektion hatte auf Anfrage und unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Görlitz mitgeteilt, dass gegen mehrere Beamte, darunter den Polizeipräsidenten, wegen Strafvereitelung im Amt und falscher Verdächtigung ermittelt werde. Zudem werde auch dem Vorwurf unterlassener Hilfeleistung nachgegangen, hieß es am Mittwochmorgen auf Anfrage.

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Papst-Entschuldigung reicht Homosexuellen nicht

Papst Franziskus (Bild: AP)
Papst Franz (Bild: AP)
Papst Franziskus fordert die Kirche dazu auf, sich für die Diskriminierung von Homosexuellen zu entschuldigen. Vielen Kritikern reicht die Geste allerdings nicht aus.

Von Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Zwei „apokalyptische Bestien“ bedrohen heutzutage die Menschheit: der Götzendienst westlicher Freiheit und der islamische Fanatismus. Im 21. Jahrhundert führen Homosexuelle und der IS das Schreckensregiment, mit dem der Nationalsozialismus und der Kommunismus das vorige Jahrhundert überzogen haben. Diese haarsträubenden Parolen verbreitet nicht irgendein Einpeitscher, sondern einer der höchsten katholischen Würdenträger, Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea in Westafrika. Von manchen wird der 71-Jährige als Anwärter auf das Papstamt gehandelt.
Sarahs Schwadronieren auf der Familiensynode in Rom 2015 steht in krassem Gegensatz zu dem, was Papst Franziskus in der jüngsten seiner berühmt-berüchtigten „fliegenden Pressekonferenzen“ auf der Rückreise von Armenien gesagt hat: Die Kirche sollte sich für die Ausgrenzung von Homosexuellen entschuldigen. Franziskus variierte dabei den inzwischen sprichwörtlichen Satz aus seinem ersten Amtsjahr: Wenn jemand homosexuell veranlagt ist, guten Willens und auf der Suche nach Gott – „Wer sind wir, über ihn zu urteilen?“ 2013 hatte der Papst das noch in der Ich-Form ausgedrückt. Jetzt dehnte er seine persönliche Haltung des Respekts und der Offenheit auf die Kirche aus.

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Katholische Kirche: Wer schützte die Täter?

missbrauch

Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs geht nur schleppend voran. Jetzt gibt es Kritik.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Es braucht schon einiges, damit Johannes-Wilhelm Rörig der Kragen platzt. Doch jetzt ist es so weit. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert von der katholischen Kirche „volle Transparenz“, was die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs betrifft. Die Namen der Bischöfe und kirchlichen Vorgesetzten, die Taten verschwiegen hätten, müssten genannt werden. Hintergrund sind die Aussagen eines Forscherteams, das seit 2014 im Auftrag der Bischofskonferenz die Fälle aufarbeitet.

Betroffene fordern, dass die Verantwortlichen mit Namen genannt werden

„Wir dürfen kein Bistums-Bashing betreiben. Wenn es ein Problem in den Führungsstrukturen gab, beschreiben wir das, aber ohne Namen zu nennen“, sagt Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Er koordiniert das 21-köpfige Forscherkonsortium aus Kriminologen, Forensikern und Gerontologen. Es gehe darum, die spezifischen Strukturen herauszuarbeiten, die den Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigten. Die Ethikrichtlinie der Universität Heidelberg verbiete es, Namen zu nennen.

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Thailands Buddhismus in der Krise: Gierige Mönche

Bild: tagesschau.de
Buddhismus gilt als sanfter und freundlicher Glaube. Doch die Klöster in Thailand werden derzeit von einer Reihe Skandale erschüttert: Es geht um Korruption, Spendenunterschlagung, Drogen und Sex. Die Staatsmacht traut sich nicht durchzugreifen.

Von Holger Senzel | ARD Studio Singapur

Aus dem Tempel dringen die Gesänge und Gebete der Mönche – draußen vor der Tür steht die Polizei mit einem Haftbefehl für den Abt wegen Unterschlagung, Betrugs, Geldwäsche. Doch davon wollen seine Anhänger nichts wissen, die sich zu Hunderten in weißen Gewändern vor dem Kloster versammelt haben, um den Abt zu schützen. Für die Gläubigen ist Phra Dhamachaya ein heiliger Mann. „Der Tempel hat mich den Sinn des Lebens gelehrt“, sagt ein Gläubiger. „Es geht um Glück, das Glück tief in mir drin, das erreiche ich durch Meditation. In diesem Tempel geht es um Meditation – und sonst nichts.“

Umgerechnet elf Millionen Euro an Spendengeldern soll der gierige Geistliche über die Jahre unterschlagen haben. Der Abt habe das Vertrauen der Gläubigen missbraucht, sagt sein früherer Vertrauter Mano Laovanavich. Familien seien ins Elend gestürzt, weil sie ihm ihr gesamtes Geld gegeben hätten. Das Urteil des enttäuschten Anhängers: „Wenn Sie die Schurken der beiden Filme „Matrix“ und „Star Wars“ in einem Menschen kombinieren würden, dann hätten sie den Abt Phra Dhamachaya.“

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Neues „kooperatives Verhältnis“ zwischen Staat und Kirche – brauchen wir das?

Satire-Cartoon: Staat und Kirche im Bett
Satire-Cartoon: Staat und Kirche im Bett
Das ist das Thema der Gegensprechanlage am 29.06.2016 zwischen 21 und 22 Uhr auf UKW 92.4 sowie über DAB+ und Livestream

LORA 92.4 Radio

Zu Gast im Studio ist Ulrike Gote von den Grünen, bayrische Landtags-Vizepräsidentin, u.a. hochschul-, medien- und religionspolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, im Landeskomitee der Katholiken.

Mit ihr diskutiert Moderator Wolf Steigenberger,  Kurator der Giordano-Bruno-Stiftung und Verfechter der strikten Trennung von Staat und Kirche über folgende Themen:

  • Der Entwurf für das neue Positionspapier der Grünen mit Vorschlägen zum Verhältnis Staat/Kirche
  • Wollen wir die komplette, laizistische Trennung von Staat und Kirche? Also „Kein besonderes Recht für keine Kirche“?
  • Viele Rechte für alle Kirchen, also eine „privilegierte Partnerschaft“ für alle Kirchen?
  • Soll der Staat auch Islam- und jüdischen Religionsunterricht und für andere Glaubensgemeinschaften bezahlen? Und wo wäre die Grenze? Beim fliegenden Spaghetti-Monster?
  • Gehören die Kirchen in Ethik- und Rundfunk-Räte?
  • Brauchen die Kirchen ein besonderes Arbeitsrecht?

Im Gegensatz zur  Gegensprechanlage vor zwei Wochen  am 15.6. zum selben Thema (Studiogästin war u.a. Nicole Britz,  Landesvorsitzende der Piraten in Bayern) wird es diesmal aufgrund der sehr unterschiedlichen Positionen von Moderator und Studiogästin konträr zugehen. Wer sich zum Thema eine Meinung bilden möchte, wird hier die beiden Extreme der Argumentation finden, Spannung garantiert am Mittwoch 29.06.2016  zw. 21 und 22 Uhr

Die Aufzeichnung der Diskussion wird wiederholt am Do. um 4 und 10 Uhr sowie am Sonntag um 10 Uhr  über DAB+ und Internet

Warum eine Juristin mit Kopftuch den Freistaat Bayern verklagt

Themenbild
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Aqilah Sandhu hat ihr Erstes Staatsexamen überdurchschnittlich gut abgeschlossen. Aber die Augsburgerin bekommt keine Ausbildung wie alle anderen.

Von Dunja Ramadan | Süddeutsche.de

Als am 21. Juli 2014 eine E-Mail vom Oberlandesgericht München (OLG) in ihrem Posteingang auftaucht, ist Aqilah Sandhu für einen kurzen Moment sprachlos. In Sekundenschnelle ruft Sandhu ihre innere Gesetzessammlung ab. Sie findet nichts, keine Rechtsgrundlage, keine Rechtfertigung. Sandhu denkt an ein Missverständnis. Sie will keine Probleme machen. Sie will nur eins: eine Ausbildung wie alle anderen.

Sandhu blickt noch einmal auf die Mail am Bildschirm. Das OLG schreibt, dass sie nur unter einer Auflage in den juristischen Vorbereitungsdienst aufgenommen wird. Während ihres Referendariats dürfe sie keine Zeugen vernehmen, keine richterlichen oder staatsanwaltschaftlichen Aufgaben übernehmen. Acht Monate Zuschauerbank statt Richtertisch. Die Begründung: „Kleidungsstücke, Symbole oder andere Merkmale“ können das „Vertrauen in die religiös-weltanschauliche Neutralität der Dienstausübung beeinträchtigen“. Aqilah Sandhu ist Muslimin. Auf ihrem Bewerbungsbild trägt sie ein Kopftuch.

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Schweiz: Schwimmunterricht verweigert, Einbürgerung gescheitert

Muss eine muslimische Schülerin am Schwimmunterricht teilnehmen? Die Stadt Basel sagt ja, wenn die Schülerin eingebürgert werden möchte Foto: pa/dpa
Zwei jungen Mädchen wurden in Basel nicht eingebürgert. Der Grund: Die Musliminnen wollten nicht am Schwimmunterricht teilnehmen. Längst nicht überall in der Schweiz wird das so gehandhabt.

Von Stefan Häne | DIE WELT

Zwei muslimische Schwestern wollten sich in der Schweiz einbürgern lassen. Die beiden Mädchen im Alter von 12 und 14 Jahren sprechen offenbar gut Deutsch. Doch sie besuchen weder den Schwimmunterricht noch Klassenfahrten, weil dies mit ihrem Glauben nicht vereinbar sei.

Diese Haltung hat aber Konsequenzen: Die Bürgergemeinde in der Stadt Basel, die für die Einbürgerungen zuständig ist, hat das Einbürgerungsgesuch der Schwestern abgelehnt, wie das „Regionaljournal Basel“ berichtete. Der Fall hat sich letztes Jahr ereignet, ist aber erst jetzt publik geworden. Die Bürgergemeinde argumentierte, einbürgerungswillige Jugendliche müssten die Schulpflicht erfüllen. Wer dies nicht tue, verletze die Rechtsordnung und werde daher nicht eingebürgert.

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Frankreich: Wir müssen mehr Widerstand leisten

© dpa Damals sagten alle „Je suis Charlie“: Eine Demonstration nach den islamistischen Anschlägen im Januar 2015 in Paris.
Französische Intellektuelle rufen zum Widerstand gegen den radikalen Islam auf. Sie sind der Überzeugung: Staat und Gesellschaft müssen mehr tun, nicht nur in Frankreich.

Von Jürg Altwegg | Frankfurter Allgemeine

Französische Intellektuelle haben einen Aufruf gegen den Islamismus verfasst, sie rufen zu mehr kulturellem Widerstand auf. Der Anlass des Aufrufs sind die Prozesse, die in Kanada gegen die Essayistin Djemila Benhabib geführt werden. Diese kritisiert, dass eine private muslimische Schule in Montreal, die Kinder im Grundschulalter aufnimmt und vom kanadischen Staat finanziell unterstützt wird, das Kopftuch für obligatorisch erklärt. Nun wird sie von der Schule verklagt. Djemila Benhabib stand bereits 2012 vor Gericht, weil ihr eine muslimische Mutter vorwarf, die Fotos ihrer Kinder veröffentlicht zu haben: Die Bilder stammten von einem Koran-Rezitations-Wettbewerb in einer Moschee, die als Zentrum der Muslimbrüder gilt.

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