«Wir lieben euch auch, aber . . .»: Die britische «Sun» hat einen Brief an die Deutschen verfasst

Nachdem eine Gruppe bekannter Deutscher, darunter CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, den Briten in einem Brief ihre Zuneigung erklärt hatte, kam nun die Antwort der grössten und lautesten Zeitung des Königreichs. Das Blatt haut den Deutschen sämtliche schwarz-rot-goldenen Klischees um die Ohren und ist dabei so herzlich wie nie.

Marc Felix Serrao | Neue Zürcher Zeitung

Es gibt wenige Nationen, die britische Boulevardzeitungen mit so viel Hingabe beobachten wie die «Krauts» mit ihren vermeintlichen Stärken und Schwächen. Die Themenpalette variiert selten. Es geht meistens um Fussball, Autos, Zuverlässigkeit und Claudia Schiffer. Trotzdem kann man sich als Leser amüsieren, und sei es darüber, dass kaum eines der Klischees noch der Realität entspricht. Der deutsche Fussball hat sich bei der WM 2018 mit einem 0:2 gegen Südkorea in der Vorrunde verabschiedet. Die letzte Innovation, mit der deutsche Autos von sich reden gemacht haben, war die illegale Abschalteinrichtung. Und die deutsche Zuverlässigkeit darf man angesichts so gut wie aller namhaften Grossprojekte der jüngeren Vergangenheit, vom Berliner Flughafen bis zu Stuttgart 21, ins Reich der Mythen verbannen. Nur Claudia Schiffer sieht mit 48 Jahren so phänomenal aus wie eh und je. Aber die lebt schon lange in England.

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Streit um „Schmähkritik“: Böhmermann geht vor den BGH

Vor drei Jahren löste Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan eine Staatsaffäre aus. 18 von 24 Zeilen darf der Moderator nicht mehr wiederholen. Nun zieht er dagegen vor den Bundesgerichtshof.

tagesschau.de

Der Rechtsstreit um das Schmähgedicht des TV-Moderators Jan Böhmermann über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan geht in die nächste Runde: „Wir haben Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt“, sagte Böhmermanns Rechtsanwalt Christian Schertz dem Evangelischen Pressedienst.

Im Mai vergangenen Jahres war Böhmermann mit einer Berufung vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg gescheitert. Es musste im Wesentlichen darüber urteilen, ob das Gedicht durch die Freiheit der Kunst erlaubt ist oder gegen die Menschenwürde verstößt.

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Warum Asia Bibi für ihren Glauben sterben sollte

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Der Christengott liebt das Blut seiner Anhängerschar. Das monetäre Opfer, Geldzahlungen, in Deutschland Kirchensteuer genannt, reicht ihm nicht. Er braucht Tote, die für den Glauben an ihn gestorben sind, ermordet wurden, gefoltert, was auch immer. Stuss dieser Art versucht der absolutistische Kirchenfürst aus Rom der Allgemeinheit zu vermitteln. So twittert er, zwischen den Feiertagen:

„Die Kirche wächst durch das Blut der Märtyrer, der Männer und Frauen, die ihr Leben für Jesus hingeben. Heute gibt es viele von ihnen, auch wenn sie keine Nachricht wert sind.“

Nehmen wir als Beispiel die Katholikin Asia Bibi, wegen Blasphemie gegen den islamischen Gott zum Tode verurteilt, Jahre in Haft zugebracht, steht nun für die römische Spukgestalt die Gefahr, dass sie mit dem Leben davon kommt und schon ist sie für die Weltkirche der Katholen nicht mehr wertvoll. Asia Bibi, von einem frommen, islamischen Extremismus auf der Straße geschlachtet, in der Wohnung oder im Gefängnis. Der vatikanische Geisterbeschwörer würde um ihre Seele beten, nicht um ihr Leben, da ist sie, den Worten nach, wertlos. Nur Blut, von frommen Katholiken hilft der Kirche im Wachstum.
Das vom Papst zitierte von einem islamistischen Mufti, Ayatollah geäußert und die westliche Welt würde kollektiv Aufschreien. Die islamistischen Verbände in Deutschland entschuldigen sich reihenweise um dann zum Althergebrachten zurück zu kehren.
Dass, vom römischen Franz geäußerte ist schlichtweg idiotisch zu nennen, inhuman und zeigt ein äußerst fragwürdiges Menschenbild. Was die politischen Gottesmägde und -knechte nicht davon abhält ihm metaphorisch die Füße zu küssen. Keine Kritik am Ewiggestrigen, feuchten Auges blickte man die letzten Tage nach Rom, sehend, den Kitsch, die esoterische Geisterbeschwörung, den Obskurantismus des Todes, weil dieser die Kirche wachsen ließe.

Also, Asia Bibi, geh sterben, kirchengefällig, oder lebe menschlich. Letzteres ist eine gute Alternative.

Bild: Twitter @Pontifex_de. Screenshot: bb

Journalismus-Skandal

Bild: CC0
Geheime Tagebücher eines Starreporters geleakt

Selma Mahlknecht, Simon Raffeiner | TELEPOLIS

Viel ist in den letzten Tagen geschrieben worden über den Fall Relotius und den Verfall des Journalismus, auch hier auf unserer Plattform. Wenn Reportagen zu kitschigen Rührstücken verkommen, wird aber oft eines vergessen: der Mensch im Hintergrund. Wer sind diese Journalisten, die sich mühsam rührselige Geschichten ausdenken, um uns zu erfreuen? Wie ergeht es ihnen, was treibt sie um? Wir lechzen nach einer empathischen, authentischen Innensicht, mit der die menschliche Dimension hinter der Zuckerguss-Fassade zum Vorschein kommt.

Unseren Reportern ist es gelungen, an die geheimen Tagebücher einer sogenannten Edelfeder zu gelangen, die erstaunliche Einsichten zutage fördert. Der Whistleblower, der diese Dokumente geleakt hat, möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, wir nennen ihn daher „C.R.“. Das R steht für „reliable“.

15.03.2007

Liebes Tagebuch,

Mama sagt, jetzt, wo ich bald 30 werde, soll ich weniger Schundromane lesen und endlich etwas aus meinem Leben machen. Werde ich halt auch Romanautor. Ideen hab ich ja genug.

20.06.2008
Liebes Tagebuch,

der Suhrkamp-Verlag hat meinen Romanentwurf mit dem Kommentar „kitschtriefende, bollywoodeske Schmonzette, von welcher man Brechdurchfall bekommt“ abgelehnt. Egal, mache ich daraus eben eine Reportage über einen erzkatholischen Waffennarren aus Bochum mit Erektionsstörungen und Mutterkomplex, welcher davon träumt, einmal in seinem Leben das noch schlagende Herz eines Büffels essen zu können. Vielleicht nimmt sie ja wer.

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Wütende Mormonen wollen „Once Upon a Deadpool“-Poster verbieten lassen

Bild: Filmstarts
Deadpool schafft es, so ziemlich jeden zu verärgern – jetzt auch die Mormonen. Zahlreiche Anhänger dieser christlichen Glaubensgemeinschaft unterschrieben eine Petition, um das neueste Poster zu „Once Upon A Deadpool“ aus dem Verkehr zu ziehen.

Von Annemarie Havran | Filmstarts

Ein Weihnachtsfilm soll er sein, der in den USA am gestrigen 12. Dezember 2018 gestartete „Once Upon a Deadpool“. Doch ganz unweihnachtlich sorgt die PG-13-Version von „Deadpool 2“ nun in den USA für Unfrieden. Wie unter anderem NME berichtet, wurde auf change.org eine Petition gestartet, das neueste Poster aufgrund von „religiöser Diskriminierung“ aus dem Verkehr zu ziehen. Angegriffen sehen sich viele Anhänger des Mormonentums, die dem Poster ankreiden, ein für diese religiöse Gruppierung zentrales Kunstwerk zu kopieren: das Gemälde „The Second Coming“ von Harry Anderson.

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Im Namen des Atheismus wurde noch kein Kondom verboten und kein Selbstmordattentat durchgeführt

Zeitgemäßer Zynismus: Mathias Tretter brachte vor rund 300 Zuschauern im Festsaal des Kultur im Oberbräu sein aktuelles Soloprogramm „Pop“ auf die Bühne. © Andreas Leder
Ein fulminantes und fesselndes Spitzenkabarett lieferte Mathias Tretter. Mit seinen Soloprogramm „Pop“ war er im Festsaal des Holzkirchner Kultur im Oberbräu.

Reinhold Schmid | Merkur.de

Mit seinem aktuellen Soloprogramm „Pop“ liefert Mathias Tretter ein Musterbeispiel für fesselndes und dichtes Kabarett. Zwei Stunden lang brannte er am Samstag vor knapp 300 Zuhörern im Festsaal des Holzkirchner Kultur im Oberbräu ein satirisches Feuerwerk ab. Dabei kamen leichtere Gags zum zwischenzeitlichen Durchschnaufen ebenso zum Einsatz wie verblüffende Geistesblitze, frappierende Gedankenverbindungen und schonungslos zugespitzte kabarettistische Abrechnungen mit Missständen und Fehlentwicklungen unserer Zeit.

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Wo eiserne Jungfrauen im Mekka-Wasser baden

Spott mit Gott: eine typisches Noktara-Wunder (Noktara.de)
Das Portal „Noktara.de“ – erfunden von zwei Satirikern aus Wiesbaden – macht sich lustig über Fundamentalisten, Terroristen und Nazis. Die Meldung, dass während des Ramadan die Stadt Essen in „Fasten“ umbenannt werde, schaffte es sogar ins ungarische Staatsfernsehen.

Von Kirsten Lorek | Deutschlandfunk

„Noktara.de – feinste Ethno-Satire mit Nachrichten aus dem Morgenland, schon heute.“

Mal ehrlich, wer nach diesem Werbetrailer nicht kapiert hat, dass es hier um Satire geht, ist selber schuld. Und Satire darf, frei nach Tucholsky, schließlich alles. Obwohl, da schränken die beiden Macher von „Noktara.de“ ein:

„Ich würde sagen, man kann sehr viel machen, es ist immer die Frage, wie man es macht. Man kann auch sehr viel machen mit dem Islam.“

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Watch Nerd Dream-Team Stephen Colbert and Neil deGrasse Tyson Drive a Mars Rover in NYC!

Astrophysicist Neil deGrasse Tyson and late-night television host Stephen Colbert took one of NASA’s Mars rovers out for a joyride in the streets of Manhattan last week, and you can watch their out-of-this-world adventure in this video clip.

By Hanneke Weitering | SPACE.com

NASA’s Mars rover concept vehicle, which looks like a beefed-up version of the Batmobile, made a special appearance on an episode of the CBS series „The Late Show with Stephen Colbert“ that aired on Friday (Sept. 22). [We Explored NASA’s Concept Mars Rover, and It Was Out of This World]

Designed and built by the Florida-based company Parker Brothers Concepts, the six-wheeled, tank-like rover was made as a prototype off-roading vehicle for the first humans on the Red Planet. „Before they send it to Mars, they want to see if it can stand up to New York’s inhospitable atmosphere of urine-based humidity,“ Colbert said before hopping in with his buddy Neil.

The duo cruised down 53rd Street at a „lugubrious“ speed of about 3 mph (5 km/h), getting honked at only a handful of times as they took the wrong way onto 8th Avenue before turning the cumbersome vehicle around.

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Spott sei Dank!


Bild: Piero Masztalerz

 

Beim Humanistischen Pressedienst wird es in Zukunft nicht nur kritische Texte, sondern auch regelmäßig satirische Bilder geben, denn heute geht die neue hpd-Rubrik für Karikaturen an den Start: „Spott sei Dank“.

Der hpd in eigener Sache

Liebe LeserInnen, Friends und Follower des einzig wahren Portals vernünftiger Nachrichten,

der hpd hat lange gezögert diesen Schritt zu wagen. Aber nun zwingen uns die äußeren Umstände dazu, diesen Weg einzuschlagen und ein lang respektiertes Tabu ein für alle Mal zu brechen. Manchmal darf man eben auch vor radikalen Maßnahmen nicht zurückschrecken. Da die Zeiten und die pöbelnden Wutbürger um uns herum immer ernster werden, sehen wir uns gezwungen, zur äußersten uns verfügbaren Waffe zu greifen: der Humanistische Pressedienst eröffnet hiermit seine neue Sparte: „Spott sei Dank“!

Seit diesem denkwürdigen Mittwoch, den 19. September 2018, um Punkt 12:00 Uhr wird nun zurückgescherzt. Und es soll Witz um Witz veröffentlicht werden, bis auch der letzte vom Ernst der Lage infizierte Trockennasenaffe durch Wellen eruptiven Lachens erfasst und gelockert sein wird. Auf dass ihm sein Ernst abhanden kommen möge.

Wie sagte schon Nietzsche: „Ohne Humor wäre das Leben ein Irrtum.“ Oder?

Außerdem sind wir der Meinung: ein bisschen Blasphemie am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Gotteslästerer aller Länder vereinigt Euch! In hoffentlich lang anhaltendem Gelächter. Denn eines haben Fundamentalisten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht: Humor.

Viel Vergnügen wünscht Euch und Ihnen

die hpd-Spaß-Sparte

Markus Söders landesväterliche Enzyklika

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (Foto: dpa)
Der Ministerpräsident hat gerade das Lehrschreiben „Mit brennendem Anstand“ vorgelegt. Schriften zur Schönheit des Polizeipferds und eine Übersetzung des Alten Testaments sollen folgen.

Von Roman Deininger | Süddeutsche Zeitung

München. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat jüngst seine erste Enzyklika veröffentlicht. In seiner vierhundertseitigen Lehrschrift mit dem Titel „Mit brennendem Anstand“ mahnt Söder die Bürgerinnen und Bürger des Freistaats zu einer „Wiederentdeckung von Respekt und Stil im politischen Miteinander“.

Wer die Liebe abschaffe, schreibt der Ministerpräsident, „der schafft auch den Menschen ab“. Dies sei besonders aktuell in „unseren Tagen, in denen Schwestern und Brüder sich selbst am heiligen Sonntag von ihrer Missgunst auf die regennassen Straßen treiben lassen“. Streit nütze nie, so Söder weiter. Er bete dafür, dass „alle Menschen guten Willens rasch zur vollkommenen Einigkeit mit mir zurückkehren können“.

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Alexander Gauland – Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der hetzende Polit-Opa Alexander Gauland hat sich gegenüber Jens Spahn durchsetzen können, auch wenn die ersten Tage Spahn wie einen Sieger aussehen lassen haben.

Um es vornweg zu nehmen. Gauland ist wie die meisten Mitlieder seiner Partei ein Kind der CDU, dort konnte er seine national-populistischen Attitüden pflegen und entwickeln. In ähnlicher Art und Weise wie Sozialdemokrat Sarrazin. Verbiesterte alte Männer, die einem mytholgischen Freiheitsbegriff anhängen, der scheinbar in der Moderne abhanden gekommen ist. Kerndeutsche Tugenden sind aber Gaulands Sache nicht. Unbezahlte Parkknöllchen führten zur Androhung des Führerscheinentzugs in Potsdam, schlampig oder aber viel geschworener Widerstand gegen das System. Egal, Gauland ist pragmatisch genug um auch einen Meineid zu leisten, wenn es der eigenen Sache dient, siehe die Affäre Gauland in Hessen.

Der Sachse Gauland offenbart hinsichtlich deutscher Geschichte einen lockeren Umgang mit derselben. Unkenntnis ist es nicht, gezielte Provokation schon eher, die Schnappatmung deutscher Politik ist ihm gewiss.

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag hatte beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt:

„Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, daran hat vorhin Björn Höcke erinnert. Und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre. Und nur, wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Alexander Gauland, ebenda.

Unterstellt man dem deutsch-nationalen Gauland Deutschland als Nationalstaat gemeint zu haben hat er schlicht und ergreifend Blödsinn von sich gegeben. Die Reichsgründung erfolgte 1871, bis dahin war deutsches Land provinziell. Die 1000 Jahre deutscher Geschichte beinhalten die Schweiz, selbst die Niederlande, von denen hat Gauland sicherlich nicht geredet. Erst im 19. Jahrhundert schied Österreich aus der Phalanx „deutscher“ Staaten aus, nach der Niederlage bei Königsgrätz. Der kurze Abriss deutscher Geschichte muss genügen. Die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft nicht. Die waren alles andere als ein Vogelschiss und man muss sich fragen welcher Vogel mittels Darmentleerung Gauland da wohl getroffen hat. Der Vogelschiss, welcher in Gaulands Gehirn eingeschlagen sein muss war tief braun. Und so verwundert es nicht, wenn Gauland, nach Hosendiebstahl, in leicht braunen Schwimmschlüpfern, unter polizeilicher Begleitung, die Straße entlang schlurft, so gesehen am Heiligen See in Potsdam. Die Enttäuschung war groß, ich hatte mir zumindest Buggsn mit Dackelmuster vorgestellt. Der Skandal war nicht die Abbildung Gaulands in seinen Badehosen, der Skandal ist die Relativierung deutscher Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Opfer sind egal, sie dienen nicht dem Zweck den Gauland verfolgt. Nationalismus, Revisionismus und eine gehörige Portion Chauvinismus lassen Gauland und die AfD deutsche Politik vor sich hertreiben.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Verschwörungstheorien? Nein danke!

Chemtrail-Alarm und Deutschland in den Grenzen von 1937: Das Wetter im „Wahre Welle“-Politmagazin „Frontal 23″Screenshot: Matthias Meisner/Tagesspiegel
Der Online-TV-Sender „Wahre Welle“ wirkte tagelang wie ein Projekt der Rechten. In Wahrheit will die Bundeszentrale für politische Bildung aufklären.

Von Matthias Meisner | DER TAGESSPIEGEL

Die Inszenierung war perfekt – beinahe jedenfalls: Auf wahrewelle.tv wurde seit Mitte vergangener Woche für ein Online-TV-Angebot getrommelt, das sich fast allen gängigen Verschwörungstheorien widmet und gut und gern auch vom „Compact“-Magazin, dem Kopp-Verlag, Breitbart oder dem rechten Portal „jouwatch“ hätte kommen können. „Garantiert unzensiert und zwangsgebührenfrei“ sei der Online-Sender, hieß es, „unabhängig, schonungslos, kritisch.“ Ein Trailer war zu sehen, der Reichstag in Flammen – dazu der Ton: „Es kommt die Zeit, in der das Kartenhaus der Lügen zusammenbricht.“

„Das Erwachen hat begonnen“, versprach die Internetseite. Angekündigt wurde, den „offenen Fragen bei 9/11“ ebenso nachzugehen und sich den Gefahren der Islamisierung zu widmen. Und dann wurde beinahe doch das Geheimnis, wer hinter dem Angebot steckt, für das breite Publikum gelüftet. Denn ein paar Stunden lang war am vergangenen Donnerstag im Quellcode der Seite zu lesen: „Wahrewelle.tv ist ein Satireprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung 2018.“

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ZDF-Intendant: Osterhasen-Beitrag durch Satirefreiheit gedeckt

Der umstrittene Satirebeitrag mit einem ans Kreuz genagelten Osterhasen stand nach Auffassung von ZDF-Intendant Thomas Bellut nicht im Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders. „Es war eine für mich nachvollziehbare Reaktion der ‚heute-show‘ auf eine politische Äußerung der AfD“, teilte er auf Nachfrage dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit.

evangelisch.de

Der Beitrag sei „von der Satirefreiheit gedeckt“. Zugleich sagte Bellut, er bedauere, „dass bei einem kleinen Teil der Zuschauer religiöse Gefühle verletzt wurden“. Wegen des „heute-show“-Beitrags vom 6. April waren mehrere Programmbeschwerden beim ZDF eingegangen.

Einer der Beschwerdeführer, der Christliche Medienverbund KEP, hatte am Mittwoch mitgeteilt, Bellut habe sich in seiner Antwort auf die Programmbeschwerde für den Satirebeitrag entschuldigt. In dem Schreiben, das dem epd vorliegt, hatte der Intendant erklärt, die „heute-show“ habe mit der Satire die „Instrumentalisierung christlich-abendländischer Werte durch die AfD zur Rechtfertigung islamfeindlicher Ressentiments“ anprangern wollen. „Ich kann – jenseits dieser Einordnung, die mir wichtig ist – sehr gut nachvollziehen, wenn Sie sich über diese Art der Darstellung beschweren“, heißt es in dem Brief weiter.

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Michael Müller: Dodo des Monats Mai 2018

Dodo des Monats Mai 2018 ©HFR

Der Tourismus deutscher Politik in den Vatikan bestimmte in den letzten Tage die Schlagzeilen. In Reisegruppenstärke standen sie vor dem heiligen Stühlchen und versuchten Zipfel der Scheinheiligkeit des absolutistisch regierenden Kirchenfürsten zu erheischen. Nie wird der Anachronismus deutlicher, hier demokratisch gewählte Politiker, dort klerikaler Absolutismus. Man will die Bilder nicht sehen, wenn Ministerpräsidenten, regierende Bürgermeister wie hechelnde, subalterne Beamte dem höfischen Chor der Schmeichler einstimmen. Wer den Papst in den Arsch kriecht kann nicht mehr leuchten und so verglüht Politprominez im Gestank der römischen Kurie. Der sprücheklopfende Pappa und die in leeren Worthülsen denkende Politik.
Die römische Spukgestalt interessiert sich nicht für Wählerwillen, parteiliche Programmatik, ihr geht es um die Konsolidierung, den Ausbau und die Entwicklung der institutionellen Macht seiner Paladine, da eine katholische Fakultät, an einer staatlichen Universität, dort die Rekonstruktion eines Kirchleins, für die der Steuerzahler aufkommen muss.
7,1% der in den Regionen des Erzbistums Berlin lebenden Bevölkerung sind katholisch. Von 5,8 Millionen Einwohnern sind ganze 412.000 Katholiken. Die Party der katholischen Kirche bezahlen alle, ohne jedwedes Gefühl für Scham greift man in die Töpfe staatlicher Kassen. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sehen es mit Wohlwollen, die gesellschaftlich geringer werdende Bedeutung des Fossils katholische Kirche interessiert nicht. Die Gemeinschaft aller bezahlt ein Kasperletheater in dem alte Männer die Fäden für die Puppen ziehen und der Pöbel klatscht Beifall.
Nun gar reden Politiker, wie Michael Müller, Erzapostel Koch und der Pappa gar von einem Konkordat, also einem Staatskirchenvertrag zwischen Berlin und dem „Heiligen Stuhl.“
Die Hauptstadt des Atheismus braucht so etwas nicht.
Woelki, Meisners Ziehsohn, legte am 16. August 2011, dem vom Reichkonkordat vom 20. Juli 1933 geforderten Treueid auf den Berliner Senat ab. Ein freiheitlich-demokratisch gewählter Senat lässt sich die Treue, auf der Grundlage eines Nazi-Vertrages, schwören.

Protestant Müller will es regeln, vertraglich, die Notwendigkeit hat er sich einreden lassen und das deutsche Episkopat quietscht vor Vergnügen.
Die alles entscheidende Frage ist, was heißt das in Euro? Die Stadt Berlin hat andere Probleme, als sich einen Zoo seltsam kleidender alter Männer leisten zu können.
Diderot auf unsere heute Zeit angepasst:“ »Die Menschen werden niemals frei sein bis man nicht den letzten Berufspolitiker mit den Eingeweiden des letzten Priesters erdrosselt hat.“

In dem Sinne. Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Video-Clip «Innocence of Muslims» führt nach sechs Jahren zu YouTube-Sperre in Ägypten

Bild: youtube
Wegen eines anti-islamischen Videos hat das ägyptische Oberverwaltungsgericht die staatliche Telekommunikationsbehörde aufgefordert, den Internetdienst Youtube für einen Monat zu sperren. Das Gericht bestätigte damit am Samstag ein früheres Urteil niedrigerer Instanz. Wann die Sperre beginnen soll, war zunächst noch nicht klar.

Neue Zürcher Zeitung

Bereits im Jahr 2012 war wegen eines umstrittenen Videos, in dem der islamische Prophet Mohammed verunglimpft wird, Klage eingereicht worden. Ein ägyptisches Gericht hatte 2013 die einmonatige Sperre des von Mutterkonzern Google betriebenen Videoportals verhängt, die staatliche Telekommunikationsbehörde legte anschliessend Berufung gegen das Urteil ein.

Bei dem umstrittenen Video handelt es sich um eine 14-minütige Sequenz von «Innocence of Muslims» («Unschuld der Muslime»). Darin wird der islamische Prophet Mohammed als Mörder, Vergewaltiger und Frauenheld dargestellt.

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„Baby-Hitler“ Kurz: Kein Verfahren gegen deutsches Satiremagazin

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen „Titanic“ ein: „Baby-Hitler töten“ ist keine Aufforderung zu Straftaten – Bundeskanzler stellte keinen Strafantrag wegen Beleidigung

derStandard.at

Das deutsche Satiremagazin „Titanic“ muss wegen seines „Baby-Hitler töten!“-Bildes über Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) keine Konsequenzen fürchten. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin sagte, wurden die diesbezüglichen Ermittlungen eingestellt. Eine „Öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ sieht die Behörde nicht. Und für ein Verfahren wegen Beleidigung fehlte ein Strafantrag des Kanzlers.

Das Verfahren ging auf Oktober zurück. Damals war Kurz noch Außenminister und hatte gerade die Nationalratswahl gewonnen. „Titanic“ veröffentlichte daraufhin ein Bild des ÖVP-Chefs mit einer Zielscheibe und der Schlagzeile: „Endlich möglich: Baby-Hitler töten!“ Die österreichischen Behörden leiteten die Causa an die Kollegen in Deutschland weiter. Dort wurde der Fall geprüft, die Ermittlungen aber eingestellt.

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Böhmermann-Gedicht bleibt größtenteils verboten: Persönlichkeitsrecht vs. Meinungsfreiheit

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Freiheit der Kunst oder Verletzung der Menschenwürde? Wie ist Böhmermanns „Schmähkritik“ gegen den türkischen Präsidenten Erdogan einzuordnen? Das Hanseatische Oberlandesgericht hat seine Interpretation abgegeben.

DOMRADIO.DE

Das Schmähgedicht des Satirikers Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bleibt in weiten Teilen verboten. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) bestätigte am Dienstag ein Urteil des Hamburger Landgerichts, welches im Februar 2017 die meisten Passagen für unzulässig erklärt hatte. Das Gericht weist damit die Berufung des TV-Moderatoren ebenso zurück wie den Antrag des türkischen Präsidenten, der das Gedicht vollständig verbieten lassen wollte.

Böhmermann hatte das Gedicht im März 2016 in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ vorgetragen. Es unterstellt Erdogan dem Wortlaut zufolge sadistische und perverse Züge. Nach Böhmermanns Angaben handelt es sich um Satire, die von der Kunstfreiheit gedeckt sei.

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Wahl Dodo des Monats April 2018

Dodo des Monats April 2018 ©HFR

Drei Haupthemen haben die Medien im Monat April beherrscht, der § 219a StGB, das Werbeverbot für Abtreibungen, die antisemitischen Vorkommnisse, religiöses Mobbing und die bayrische Kreuzespflicht. Markus Söders Gotteswahn spaltet die Gesellschaft, einschließlich derer, für die er vorgibt zu sprechen. Wurde früher mit dem Schwert missioniert erfolgt dies heute mittels Kabinetts-Ordre, demokratisch begründet. In Bayern sitzen die wahren Christen, alles andere sind Idioten, so die Botschaft des bayrischen Ministerpräsidenten. Wenn im Herbst der neue bayrische Landtag gewählt werden wird, ist das Kreuz auf dem Wahlzettel gleichzeitig christliche Botschaft, Söder wird seinen Zettel voller Rührung ankreuzen. Gottespartei CSU, nichts gilt mehr.

Die Wahl ist bis zum 07.05. 2018, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden. Viel Spaß. Hier sind die Kandidaten.

  1.  Helge Braun, „Plakate am Straßenrand, die für Abtreibung werben sind ihm ein Gräuel.“
  2.  Ursula von der Leyen, „braucht mehr Geld für ihre Bundeswehr, sie könnte es auch gleich verbrennen.“
  3.  Peter Tauber, „Trennung von Kirche und Politik sind ihm nicht vorstellbar, verdammter Mangel an Fantasie.“
  4.  Markus Blume, “ wer das Kreuz verweigert ist ein Religionsfeind.“
  5.  Aiman Mazyek, „Antisemitismus ist eine Sünde im Islam.“
  6.  Kollegah, „für seine profunde Widerlegung der Evolutionstheorie.“
  7.  DiTiB, „spielt Krieg in den Moscheen und ist dann über sich selbst entrüstet.“
  8. Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, „Luthers Judenhass ist Gotteslästerung.“
  9. Markus Söder, „in jeder Behörde Bayerns muss ein Kreuz hängen.“
  10. Markus Dröge, „möchte Menschen vorschreiben, wie nach ihrem Tod mit ihnen verfahren wird.
  11.  Alexander Dobrindt, „offenbart Wissensdefizite in Sachen Demokratie.“

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Osterhase in der „heute-show“: Oliver Welke durfte kreuzigen

Der Osterhase durfte am Kreuz hängen – aber musste er das auch?Screenshot: Tsp
Staatsanwaltschaft Mainz wird kein Ermittlungsverfahren wegen einer Osterhasen-Kreuzigung in der „heute-show“ einleiten

Von Joachim Huber | DER TAGESSPIEGEL

Die Staatsanwaltschaft Mainz wird nicht wegen eines ans Kreuz genagelten Plüsch-Osterhasen gegen die Macher der ZDF-„heute-show“ vom 6. April ermitteln. Bei dem Satirebeitrag, gegen den mehrere Strafanzeigen erstattet worden waren, sei kein Anfangsverdacht einer Straftat erkennbar, teilte die Mainzer Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller mit. Dass die Sendung von einigen gläubigen Christen als geschmacklos empfunden worden sei, reiche nicht aus, um einen Straftatbestand zu erfüllen. Seit dem 12. April 2018 waren bei der Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen von Privatpersonen gegen Welke eingegangen.

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Gekreuzigter Osterhase: Medienverbund legt Programmbeschwerde ein

Ist das noch Satire? In der „heute-show“ vom 6. April der Osterhase ans Kreuz genagelt.Scrrenshot: Tsp
Der Christliche Medienverbund KEP hat eine Programmbeschwerde gegen die ZDF-Satiresendung „heute-show“ eingelegt. Im Zentrum der Kritik stehen mehrere Bilder, auf denen unter anderem ein Osterhase am Kreuz zu sehen ist.

DOMRADIO.DE

Dies verstoße gegen den Programmgrundsatz, die sittlichen und religiösen Überzeugungen in der Bevölkerung zu achten, sagte KEP-Geschäftsführer Christoph Irion. Der Beitrag mache „den zentralen Glaubensinhalt des Christentums buchstäblich zur Lachnummer“.

Neben dem Christlichen Medienverbund, einem Zusammenschluss christlich-konservativer Medienvertreter mit Sitz in Wetzlar, sind beim ZDF-Fernsehrat nach Angaben des Mainzer Gremienbüros noch mindestens fünf weitere Programmbeschwerden von Privatpersonen eingegangen. Auch die Staatsanwaltschaft Mainz befasst sich bereits mit der Osterhasen-Satire. Nach mehreren Strafanzeigen wegen Verunglimpfung religiöser Bekenntnisse prüft die Ermittlungsbehörde nun, ob sie ein Verfahren gegen die Verantwortlichen einleitet.

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