Homöopathie, Osteopathie, Akkupunktur: Warum die Ausbildung von Heilpraktikern unzureichend ist

Wer heilt, hat Recht? Diese Auffassung wird zwischen Fans der Heilpraktiken und ihren Gegnern immer wieder diskutiert. Fest steht: Heilpraktiker dürfen praktizieren, ohne eine entsprechende Qualifikation nachweisen zu müssen. Warum und wie sich das ändern sollte.

stern-TV Redaktion

Als der heute sechsjährige David auf die Welt kam, wusste niemand, warum der Junge immerzu schrie. Da organisch alles in Ordnung war, wusste auch der Kinderarzt keinen Rat. In ihrer Verzweiflung wandten sich Davids Eltern mit dem einjährigen Jungen schließlich an eine Heilpraktikerin, die bei David einen Impfschaden diagnostizierte. „Sie hat ihn mit ein Stimmgabel behandelt, um damit Energien auszuleiten. Dann hat sie uns erklärt, dass die Impfung einen Darmschaden angerichtet hat“, erzählt Davids Mutter Kerstin Hermann-Ernst. Die Heilpraktikerin empfahl eine Darmsanierung bei dem Jungen, das würde den Jungen beruhigen.

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James Randi: Magier und Urvater der Skeptiker

 Skeptiker James Randi kokettiert mit den Symbolen des Aberglaubens © 2014 Getty Images
Skeptiker James Randi kokettiert mit den Symbolen des Aberglaubens © 2014 Getty Images
James Randi ist Magier, Hellseher, Entfesselungskünstler – und vor allem glühender Verfechter des rationalen Denkens. Seit Jahrzehnten entlarvt der heute 88-Jährige Scharlatane und prangert Aberglauben aller Art an. Nun erhält er in Wien den ersten Heinz-Oberhummer-Preis. Zeit für ein Porträt des Vaters aller Skeptikerbewegungen.
 

Von Alwin Schönberger | profil.at

Da saß er nun, ratlos und verzagt. Er bat um eine Pause, klagte, dass er sich unter Druck gesetzt fühle. Die TV-Zuseher verfolgten an diesem Abend im Jahr 1973, wie Uri Geller die größte Blamage seiner Karriere einsteckte. Johnny Carson, Moderator der legendären „Tonight Show“, hatte Geller in seine Sendung eingeladen. Doch statt den jungen Israeli, der behauptete, allein mit der Kraft seiner Gedanken Löffel verbiegen zu können, zu interviewen, legte Carson ihm einige Gegenstände vor: Besteck, Uhren, Schlüssel, Metalldosen. Geller möge doch seine psychokinetische Begabung live unter Beweis stellen, bat Carson. „Das schreckt mich“, sagte Geller, druckste herum, hielt seine Hand über die Objekte, als warte er auf eine geisterhafte Verbindung zu ihnen. Nichts geschah: Kein Löffel knickte, keine kaputte Uhr begann wieder zu ticken, keine Eingebung verriet ihm, welche der Filmdosen eine kleine Kugel enthielt.

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Wie Homöopathie und Esoterik miteinander verbunden sind

foto: ap Mars wird in der Esoterik mit der Farbe Rot (Blut), Wildheit, Feuer, Angst und Unruhe assoziiert. Die dazu passende
foto: ap Mars wird in der Esoterik mit der Farbe Rot (Blut), Wildheit, Feuer, Angst und Unruhe assoziiert. Die dazu passende „Marspflanze“ ist Belladonna, die Tollkirsche.
In der Homöopathie wie in der gesamten Esoterik werden Analogien zwischen Planeten, Pflanzen und Mineralien hergestellt und Rückschlüsse vom Aussehen von Pflanzen auf die medizinische Wirksamkeit gezogen

Userkommentar Theodor Much, Krista Federspiel | derStandard.at

Unter Esoterik wird jede Disziplin verstanden, die weder empirisch noch rational überprüfbar ist und daher nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen übereinstimmt, sondern ihnen vielmehr widerspricht, und die sich mit mythischen und spirituellen Themen befasst. Anhänger esoterischer Praktiken glauben an Phänomene, die auf alle Bereiche unseres Universums einwirken und auch den menschlichen Körper und dessen Gesundheit direkt betreffen: Sie glauben an einen in „Hierarchien“ von oben nach unten alles durchdringenden kosmischen Geist.

Göttlicher Ursprung

Die meisten der heute in Europa so populären esoterischen Heilpraktiken fußen auf dem Götterglauben sowohl der Antike als auch der Okkultismusbewegung des 19. Jahrhunderts und sind eng mit der Astrologie verwandt. Vielen der esoterischen Scheintherapien, wie etwa Astromedizin, Anthroposophie, Ayuverda, Geistheilen und vor allem Homöopathie, sind folgende Anschauungen gemeinsam. Der Glaube …

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Alternativpraxen: Die Unheiler

Unser Reporter hat sich als Krebspatient ausgegeben und acht Alternativpraxen besucht. Was er erlebt, ist schockierend: Die empfohlenen Therapien sind meistens sehr teuer, unnütz und manchmal sogar lebensgefährlich.

Von Hristio Boytchev (Correctiv) | Technology Review

Hallo, mein Name ist Niko Scholze, ich bin 33 Jahre alt und habe Krebs. Genauer: Ein Hodgkin-Lymphom, einen Tumor, der die Lymphknoten befällt. Vor einem Jahr habe ich eine Chemotherapie gemacht. Der Krebs verschwand, doch nun ist er zurückgekehrt, ungewöhnlich für diese Art von Tumor, aber es kommt vor. Wobei es mir gut geht, ich habe keine Symptome. Mein Arzt drängt auf eine neue Chemotherapie, höher dosiert.

Das ist zum Glück alles nur ausgedacht. In Wirklichkeit heiße ich Hristio Boytchev, bin Wissenschaftsjournalist und gesund. An Krebs leide ich zum Schein, um Deutschlands Alternativmediziner auf die Probe zu stellen. Was raten Geistheiler und Neugermanische Doktoren, Schamanen und Heilpraktiker einem, der mit einem aggressiven Tumor zu ihnen kommt?

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Krankenkassen zahlen Millionen für Schischi

Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild:Frank Rumpenhorst-pa/dpa bearb. brightsblog
Wer eine gesetzliche Krankenversicherung abschließt, zahlt für „freiwillige Zusatzleistungen“ wie Homöpathie und Osteopathie mit, selbst wenn er sie nicht will. Warum eigentlich? Ein Selbstversuch.
 

Von Anette Dowideit | DIE WELT

Ich bin 38 Jahre alt, kerngesund und hatte noch nie das Bedürfnis, mir Akupunkturnadeln in den Leib stechen zu lassen, Bachblütentropfen zu schlucken oder mich von einem Osteopathen sanft einrenken zu lassen. Aus ökonomischer Sicht erscheint es demnach logisch, dass ich mir für meine Krankenversicherung den günstigsten Tarif aussuche, den es gibt – und dafür auf solche Extraleistungen der Kasse verzichte.

Also gehe ich ins Internet und werfe die Suchfunktion bei gesetzlichekrankenkassen.de an. Der günstigste Tarif, den mir die Suche auswirft, ist der einer Kasse mit Sitz in Bremen, der hkk. Zusätzlich zu den 14,6 Prozent meines Bruttoeinkommens, die jede Kasse als Pflichtbeitrag von mir kassieren müsste – und mit der all jene Leistungen finanziert werden, deren Wirksamkeit medizinisch gesichert sind und die daher im verpflichtenden, bundesweit einheitlichen Leistungskatalog stehen – verlangt die hkk nur 0,59 Prozent Zusatzbeitrag. Auch auf ihrer Internetseite beschreibt sie großflächig, der günstigste „bundesweit wählbare Anbieter“ zu sein.

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Heilpraktikergesetz aus der Nazizeit soll reformiert werden

Globuli. Foto: Hofapotheke St. Afra, Apotheker Tobias Müller. Lizenz: Public Domain.
Vor zwei Wochen errechnete der Medizinmanagement-Professor Jürgen Wasem, dass dem deutschen Durchschnittsverdiener eine Erhöhung des alleine vom Arbeitnehmer getragenen Zusatzbeitrags zur Krankenversicherung auf 55 Euro droht.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Wohlgemerkt: Dabei handelt es sich nicht um den monatlichen Krankenkassenbeitrag, der schon für sich alleine bis zu 618,66 Euro betragen kann (und hälftig von Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer bezahlt wird), sondern um einen Zusatz, der aufs Jahr gerechnet eine Mehrbelastung von 660 Euro ergibt (vgl. Krankenkassen-Zusatzbeitrag: 55 Euro mehr im Monat?).

Angesichts dieser Mehrbelastung wird nun darüber gesprochen, wie sich die Kosten im deutschen Gesundheitssystem in Grenzen halten lassen und welche Leistungen unsinnig oder vielleicht sogar kontraproduktiv sind. Ein sehr offensichtlicher Kandidat dafür ist die Homöopathie, die etwa zwei Drittel der gesetzlichen Krankenkassen in ihren Leistungsumfang aufnahmen, als es ihnen finanziell gut ging und zu deren Kosten sie schweigen.

Nun fordern Josef Hecken, der Vorsitzende der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, und Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dass solche Therapien ohne nachgewiesenen Nutzen nach britischem Vorbild aus den Leistungskatalogen der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen werden. Hecken meinte dazu, es sei ihm „unverständlich, warum ein Patient ein Nasenspray selbst bezahlen müsse, dessen therapeutischer Nutzen empirisch belegt sei, seine Kasse aber Arzneimittel bezahle, deren Wirksamkeit völlig unklar sei.“

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„Genmanipulierte Lebensmittel sind nicht schädlich“

Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Diplom-Biologin Julia Offe hält die Befürchtungen für völlig absurd und sieht sogar Chancen. Im Interview spricht sie außerdem über Heilpraktiker, Wünschelrutengänger und Impfgegner.

Von Marco Tripmaker | DIE WELT

Persönliche Heilungsgebete für fünf Euro, hellseherischer Kontakt zu Verstorbenen und Klangschalen, die auf dem Bauch stehend zur Ich-Findung und Entspannung beitragen sollen:

Diplom-Biologin Julia Offe (43) überfällt auch Wochen nach dem Besuch der letzten Esoterik-Messe ein Schmunzeln, wenn sie über die Dinge, die sie dort gesehen hat, spricht. Gepaart mit einem Gefühl von Wut, „denn es ist doch unglaublich, wie viele Menschen auf solchen Veranstaltungen hinters Licht geführt werden.“

Julia Offe ist Vorstandsmitglied bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften – kurz Skeptiker –, ein Verein mit bundesweit 1400 Mitgliedern, der sich gegen Pseudowissenschaften und Esoterik wendet. Bis Sonnabend tagen die Skeptiker mit interessanten, öffentlich zugänglichen Vorträgen in der HAW Hamburg. Die „Welt“ sprach mit Julia Offe über Gentechnik, Heilpraktiker und Wünschelrutengänger.

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Skeptiker 4/2015 erschienen

Sind Esoteriker „verrückt“? Wer an Homöopathie, Chemtrails & Co. glaubt, kann doch psychisch nicht ganz gesund sein, oder? SKEPTIKER-Autor Jan Oude-Aost hat genauer hingesehen. Als Mediziner in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und als Skeptiker kennt er die Unterschiede zwischen irrationalen Überzeugungssystemen und psychischen Erkrankungen. In seinem Beitrag zeigt er, wie leicht sich psychisch gesunde Menschen von unsinnigen Vorstellungen überzeugen lassen.

GWUP

Coaching: Wirkungsvolle Methode oder esoterische Managerbespaßung? Personalentwicklung im Kloster, beim Rollenspiel oder auf dem Pferdehof – der Markt für Coaching-Angebote ist ebenso groß wie vielfältig. Doch welche Konzepte bringen Unternehmen und Teilnehmer tatsächlich weiter und wo beginnt die Managerbespaßung? Prof. Uwe Kanning, Wirtschaftspsychologe der Hochschule Osnabrück, hat sich für den SKEPTIKER in der Szene umgesehen.

Gesundheit durch esoterisches Wasser? Werbung und Realität: Sie beleben, informieren oder verwirbeln, und sie sollen Gesundheit und Wohlbefinden stärken: Geräte zur esoterischen Wasserbehandlung lassen die Kasse klingeln. Doch aus Sicht des Verbraucherschutzes sind viele dieser Werbeversprechen fragwürdig, so das Fazit des Chemikers und Wasserexperten Dr. Helge Bergmann.

„Wie eine Glaubensgemeinschaft“: Die Homöopathie-Aussteigerin Dr. Natalie Grams hatte eine gutgehende homöopathische Praxis und glaubte an die Macht der Zuckerkügelchen. Doch je mehr sich die studierte Medizinerin Natalie Grams mit den Grundlagen der Homöopathie beschäftigte, desto größer wurden ihre Zweifel. Inzwischen hat sie die Arbeit als Homöopathin an den Nagel gehängt und ein Buch darüber geschrieben. SKEPTIKER-Chefreporter Bernd Harder unterhielt sich mit Natalie Grams über Talkshows, Placebos und giftende Ex-Kollegen.

Inhaltsverzeichnis

Druckausgabe:https://shop.gwup.org/12-skeptiker-einzelhefte

Skeptiker 4/2015 als PDF/ePaper

Goldener Aluhut: Über diesen Preis wird sich Xavier Naidoo nicht freuen

Xavier-Naidoo

Ob er diesen Preis wohl neben seine vielen Musik-Auszeichnungen stellen wird? Am Freitag geht der Oscar für die skurrilsten Verschwörungstheorien und Pseudo-Wissenschaften unter anderem an Xavier Naidoo.

tz.de

Bei Krankheit, Liebeskummer oder Weltschmerz gibt es endlich ein Gegenmittel: Die Lichtenergie der Einhörner. Und weil die Wrage GmbH ein Tagesseminar zum Erlernen dieser Einhorn-Heilkräfte anbietet, wird ihr eine besondere Ehre zuteil. Das Hamburger Esoterik-Unternehmen gehört zu den Gewinnern des „Goldenen Aluhuts“. Am Freitag wird der ironisch gemeinte Preis feierlich in Berlin verliehen – auch wenn die Preisträger es vorziehen, der Veranstaltung fernzubleiben.

So gewann die Einhorn-Therapie überlegen in der Kategorie Esoterik, Gedankenkontrolle und Pseudo-Wissenschaften. Dabei gab es ernstzunehmende Konkurrenz wie den Autoren Dieter Bremer. Der Mann behauptet auf seiner Website, die sagenumwobene Stadt Atlantis sei in Wahrheit ein Raumschiff gewesen.

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Edzard Ernst: „Homöopathie kann lebensgefährlich sein“

Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild: brightsblog
Seit Jahren bereits befindet sich die Homöopathie hierzulande auf dem Vormarsch. Verdünnte Küchenzwiebeln gegen Heuschnupfen oder Globuli anstelle von Aspirin – alternative Heilmethoden boomen. Im vergangenen Jahr machten Apotheken mit homöopathischen Präparaten einen Umsatz von fast 500 Millionen Euro. Aus einer Umfrage ging zudem hervor, dass sich etwa 62 der Deutschen wünschen, dass ihr Hausarzt alternative Methoden zur Krankheitsbekämpfung anbieten würde.

Von Christoph Lobel|The Huffington Post

Nicht nur nutzlos, sondern gefährlich?

Trotz allem ist die Wirkung der Homöopathie umstritten. Wirken Globuli, also kleine, zuckerhaltige weiße Kügelchen wirklich oder sorgen sie nur für einen Placebo-Effekt? Darüber streiten Mediziner bis heute.

In einem Gastbeitrag in der September-Ausgabe des „GEO-Magazins“ geht der deutsche Alternativmediziner Edzard Ernst noch einen Schritt weiter: Er klärt über versteckte Risiken der Homöopathie auf, eine alternative Behandlung kann in manchen Fällen gar lebensgefährlich für die Patienten sein.

Diese 4 Thesen zeigen, warum ihr bei alternativen Heilmethoden vorsichtig sein solltet:

1. „Viele Homöopathen kennen keine Grenzen“
Ezard erklärt, dass viele Alternativmediziner keine Grenzen kennen würden. Eine Organisation mit dem Namen „Homeopaths Without Borders“ will homöopathische Mittel bei Opfern von Naturkatastrophen einsetzen. Oder bei Geburtshilfen in Ländern wie Haiti. Andere Organisationen wollen mit Globuli gegen Fehlernährung ankämpfen und mit homöopathischen Mitteln Ebola-Patienten heilen. Ernst hat dazu folgende Meinung: völliger Schwachsinn.

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Gefährliche Alternativmedizin: Mit Aprikosenkernen gegen den Krebs

Ärzte begegnen immer wieder solchen Fällen: Susanne Reichardt vertraute ihrem Mann, dem Heilpraktiker, auch als sie an Brustkrebs erkrankte. Sie aß Aprikosenkerne und verzichtete auf eine Chemotherapie – der Tumor erreichte Herz und Lunge.


Von Silvio Duwe|SpON

Als Susanne Reichardt vor fünf Jahren einen kirschkerngroßen Knoten an ihrer Brust entdeckt, wendet sie sich sofort an einen vermeintlichen Experten: ihren Mann Siegfried Reichardt. Er ist Heilpraktiker und behauptet, Krebsspezialist zu sein. Ohne Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung erklärt er ihr, der Knoten sei lediglich eine Zyste, und gibt ihr eine homöopathische Salbe.

Susanne Reichardt vertraut ihm. Es ist der Beginn eines Martyriums, das bis heute andauert und die 55-Jährige zu einer todkranken Frau gemacht hat.

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Natalie Grams: Ex-Homöopathin – „Globuli sind Betrug am Patienten“

Sie hat zehn Jahre Homöopathie gelernt, jährlich mindestens fünf Fortbildungen belegt, ihre Patienten waren hochzufrieden.


Berliner Kurier

Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild: brightsblog

Natalie Grams leitete als erfolgreiche Homöopathin eine eigene Privatpraxis in Heidelberg – bis sie beschloss, ein Buch als flammendes Plädoyer für die Heilmethode zu schreiben, um endlich alle Kritiker der Alternativmedizin zu überzeugen. Doch stattdessen wuchsen im Zuge der Recherche bei Grams selbst die Zweifel an der Homöopathie. Am Ende gab Natalie Grams sogar ihre Praxis auf – weil sie ihre Patienten nicht länger betrügen wollte…

Für ihr Buch durchforstete Natalie Grams Studien und auch die Original-Quellen von Samuel Hahnemann, der als „Vater der Homöopathie“ ab 1796 nach dem Prinzip „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ propagierte, Leiden mit stark verdünnten Tinkturen aus Heilsubstanzen zu behandeln. So stark verdünnt, dass sie im Grunde genommen keine messbare therapeutische Wirkung erzielen können, meint Grams. „Bei der Homöopathie geht eine Wirksamkeit nicht über ein Placebo hinaus. Was nicht verwunderlich ist, da ihre Medikamente nichts enthalten.“

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Homöopathie: Aberglaube heilt nicht

Marie Amrhein hat nie wirklich daran geglaubt. An Homöopathie. Sie hat trotzdem ihren Kindern die Kügelchen unter die Zunge geschoben. Jetzt reicht es ihr


Von Marie Amrhein|Cicero

Die Verbraucher geben sich zufrieden mit einem diffusen Gefühl, dem Placebo-Effekt. picture alliance

Heute hängt man ja öfter unter Spielplatzrutschen statt im Lichte von Discokugeln ab. Da werden dann keine Ecstasypillen herumgereicht, sondern Globuli. Der Unterschied zwischen beidem: Letztere wirken nicht. Ich habe das immer geahnt. Gleichzeitig habe ich mich lange Zeit nicht klar positioniert. Um Ärzte, Freunde, Bekannte nicht vor den Kopf zu stoßen. Jetzt muss es raus: Ich glaube nicht an die heilende Kraft der Homöopathie.

Warum habe ich trotzdem wie so viele andere meinen Kindern die Kügelchen unter die Zunge geschoben? Die Homöopathie ist mittlerweile als „sanfte Medizin“ tief verankert in unserer Gesellschaft. Dabei ist es doch merkwürdig: Da strebt die Menschheit Jahrtausende lang nach Wissen und wenn sie es sich angeeignet hat, dann wirft sie alle naturwissenschaftlichen Erkenntnisse wieder über Bord.

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Eidgenössisch diplomierte Esoteriker

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Meilenstein für die Naturheilpraktiker: Homöopathen und Ayurveda-Therapeuten können in Zukunft ein eidgenössisches Berufsdiplom erlangen.


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat am 28. April 2015 die Höhere Fachprüfung für Naturheilpraktiker genehmigt. Somit dürfen Globuli neu mit dem Segen der staatlichen Behörden verabreicht werden. Das ist ein Durchbruch für die Alternativmedizin. Ihre Vertreter können nun nicht nur mit den Krankenkassen abrechnen, sie werden auch noch mit einem eidgenössischen Diplom geschmückt.

Die «Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz OdA AM», die die Anerkennung anstrebte, jubiliert: «Diese Berufsreglementierung ist ein wichtiger Meilenstein im schweizerischen Gesundheitssystem. Europaweit hat ein anerkannter Abschluss Pilotcharakter und bewirkt eine Verankerung der Alternativmedizin in der Gesellschaft

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Wissenschafter machen Fehler – Esoteriker nicht

Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild: brightsblog
Die Wissenschaft lebt von Fehlern. Das ist kein Mangel, sondern eine grosse Stärke und eine Garantie für die beständige Erarbeitung von neuem Wissen. Und ganz nebenbei hilft es uns dabei, Wissenschaft von Esoterik zu unterscheiden.


Von Servan|NZZ Campus

Wie unterscheidet man Wissenschaft von Esoterik? Laut dem Philosophen Karl Popper ist eine Aussage nur dann wissenschaftlich, wenn wir sie so formulieren, dass sie überprüft und – zumindest theoretisch – widerlegt werden kann. Das ist das berühmte «Falsifikationsprinzip».

Widerlegbar bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass jede Aussage auch tatsächlich widerlegt wird. Es heisst bloss, dass sie überprüfbar sein muss.

Lichtnahrung

Ein Beispiel: Wenn ich sage: «Kein Mensch kann sich von Licht ernähren», dann handelt es sich eindeutig um eine widerlegbare Aussage. Es braucht mir nur irgendjemand irgendeine Person zu zeigen, welche ausschliesslich Licht als Nahrungsquelle nutzt, und ich werde anerkennen, dass meine oben gemachte Aussage falsch war.

Wenn ich jedoch sage: «Menschen können sich von Licht ernähren, wenn sie den richtigen Geisteszustand erreicht haben», dann stelle ich eine Behauptung auf, die nicht widerlegbar ist. Egal, wie viele Studien zeigen, dass es so etwas wie Lichtnahrung nicht gibt – ich kann immer behaupten, dass die Teilnehmer der entsprechenden Studien eben «nicht die richtige geistige Einstellung» an den Tag gelegt hätten.

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Wissenschaftler: Homöopathie nicht besser als Placebo

In einer gestern veröffentlichten Studie wird einmal mehr die Wirksamkeit von Homöopathie in Frage gestellt. / Bild: SuperMED, Fotolia
In einer gestern vom National Health and Medical Research Council (NHMRC), dem höchsten Gremium für medizinische Forschung in Australien, veröffentlichten Studie wird einmal mehr die Wirksamkeit von Homöopathie in Frage gestellt.


SuperMed.at

Darin wurden die Ergebnisse von 1.800 wissenschaftlichen Artikeln und 225 Studien zusammengefasst, die sich mit der Wirkweise von homöopathischen Mitteln beschäftigten. Die Forscher fanden in ihrer Untersuchungen keine Evidenz, dass homoöpathische Behandlungen effektiv seien und besser als ein Scheinmedikament (Placebo) wirkten.

NHMRC: „Homöopathie ist bei jeglicher Anwendung wirkungslos.“

Studien, in denen die Homöopathie sich als effektiv erwies, waren laut NHMRC von schlechter Qualität oder hatten zu wenige Teilnehmer.

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Heilpraktiker: Mit Weißbrot gegen Krebs – da wird es gefährlich

So wie Homöopathen und Naturheilkundler werben auch Heilpraktiker mit einer angeblich sanften und ganzheitlichen Medizin. Doch manches ist gefährlich. Illustration: Lisa Bucher
Sie wähnen sich im Besitz exklusiven Wissens und überschreiten oft selbstbewusst ihre Befugnisse: Dabei kann man in Deutschland Heilpraktiker werden, ohne je einen Patienten gesehen zu haben. Erfahrungsbericht aus einer Heilpraktiker-Ausbildung.


Von Anousch Mueller|Süddeutsche.de

Die Kanüle ist 20 Zentimeter lang. Eine junge Frau liegt auf einer Untersuchungsliege, sie hat den Unterbauch frei gemacht. Neben ihr sitzt ein Heilpraktiker. Er setzt die Kanüle auf der Bauchdecke der Patientin an und sticht Stück für Stück durch Haut- und Muskelschichten hindurch, bis er im sogenannten Douglas-Raum, einer Aussackung zwischen Uterus und Rektum, angelangt ist. Dort injiziert er ein Lokalanästhetikum. Die Patientin krallt sich während dieser Prozedur an der Liege fest und jammert kläglich. Aber sie nimmt diese Behandlung auf sich, schließlich erhofft sie sich davon Linderung ihrer Menstruationsbeschwerden.

Um die Untersuchungsliege stehen zehn Menschen unterschiedlichen Alters herum. Es sind Heilpraktiker-Anwärter, denen an diesem Tag eine Technik der Neuraltherapie demonstriert wird. Bei diesem wissenschaftlich nicht anerkannten Verfahren wird ein Lokalanästhetikum zur Beseitigung eines vermeintlichen Störfeldes gespritzt. Diese Szene spielte sich 2010 an einer Berliner Heilpraktikerschule ab. Sie war ein illegaler Akt.

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In sechs der zehn meistkommentierten Wissenschaftsartikel geht es um Esoterik

Themenbild
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Platz 10: Pseudowissenschafter und Scharlatane gesucht!


derStandard.at

Homöopathie, Kartenlegen oder Wünschelrutengehen: Heiße Diskussionen entbrennen um Pseudowissenschaften und Scharlatanerie. Es verwundert nicht, dass dies auch beim heurigen Aufruf, Vorschläge für das „Goldene Brett vorm Kopf“ einzureichen, der Fall war. Wer den Schmähpreis für die herausragende Vertretung pseudowissenschaftlichen Gedankenguts erhalten hat, sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Nur soviel: Er wurde in keinem Posting genannt.

Platz 9: „So entsteht das Bild der Bettelmafia“

Dass die politische und mediale Instrumentalisierung des Themas Betteln so gut funktioniert, hat tiefgreifende Ursachen. Der Historiker Stefan Benedik erzählte im Interview von der Analyse populistischer Bedrohungsszenarien und den Motivationen und Erfahrungen von Bettlern. Wie sehr das Thema polarisiert, lässt sich nicht nur an der Anzahl der dazugehörigen Postings ablesen, sondern auch an der Hitzigkeit der geführten Diskussionen.

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Ein paar Vollidioten sind nach Liberia geflogen, um Ebola-Patienten mit Homöopathie zu heilen

Bild: brightsblog
Bild: brightsblog
Dr. Richard Hiltner ist ein netter Mensch. Er ist den Sechzigern (sieht aber jünger aus, wie das bei Kalifornien öfters der Fall ist) und hat diese typische Westküsten-Art, alles immer super positiv klingen zu lassen—auch die Tatsache, dass er und drei andere behandelnde Ärzte vor einigen Wochen nach Liberia flogen und dort versuchten Ebola-Patienten mit Homöopathie zu heilen.


Von JS Rafaeli|Vice.com

„Wir landeten am 17. Oktober in Monrovia, mussten dann drei Tage lang den Umgang mit der PSA erlernen—der persönlichen Schutzausrüstung, diesen großen Schutzanzügen mit denen man dort alle rumlaufen sieht—bevor wir dann weiter zum Krankenhaus in Ganta reisen konnten“, berichtet Hiltner.

Erst, als sie in Ganta ankamen, einer Stadt, die in einem besonders stark von Ebola betroffenem Gebiet liegt, begannen für die vermeintliche Hilfsexpedition die Probleme.

Das Team streifte sich die Schutzanzüge über, holte ihr Arsenal an homöopathischen Behandlungsmitteln raus und wollte schon anfangen, die ersten Patienten zu behandeln, als den Angestellten und der Führung des Ganta Hospitals dämmerte, was die ausländischen Helfer dort eigentlich vorhatten. Dem Team wurde umgehend der Zugang zur ETU (Ebola Treatment Unit) untersagt.

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