Auch Schweizer Wald könnte den Klimawandel bremsen – allerdings sollte das Holz dafür auch geschlagen und verbaut werden

Der Schweizer Mischwald hat grosses Potenzial als CO2-Speicher und als Lieferant von umweltfreundlichem Baustoff. (Bild: P. Frischknecht / Imago)

Der Umwelt zuliebe weniger Holz schlagen – und dafür mit CO2-Zertifikaten entschädigt werden: Diese Idee kommt bei den Bauunternehmen, die auf den Werkstoff Holz setzen, nicht gut an.

Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Der diese Woche veröffentlichte Bericht des Uno-Klimarates macht es deutlich: Die Wälder können einen enormen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Dies gilt nicht nur für den Regenwald, sondern auch für den Schweizer Wald. Doch der Wald als Kohlenstoffspeicher ist nur ein Hebel im Kampf gegen die Erwärmung der Erde. Holz kann auch in seiner Funktion als Baustoff, Energieträger und Dämmstoff dazu beitragen, Treibhausgase zu reduzieren. Insbesondere Bauen mit Holz hat in der Schweiz Tradition und erlebt seit mehreren Jahren einen Boom.

Potenzial der Wälder längst nicht ausgeschöpft

Diese Tatsache freut Thomas Rohner, Professor für Holzbau an der Berner Fachhochschule. Gleichzeitig ist der Experte davon überzeugt, dass das Nutzungs- und Wertschöpfungspotenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Um dies zu ändern, hat er das Forum Holz und Wirtschaft Schweiz ins Leben gerufen, das im Januar in Hasliberg (Bern) erstmals eine Tagung durchführte. Hasliberg wurde deshalb als Tagungsort gewählt, weil die Gegend rund um den Brünig seit längerem stark auf den Werkstoff Holz setzt.

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Moral erstickt die Freiheit: die Grenzen der offenen Gesellschaft

Die Bürger sollen die Kontrolle über die Gestaltung ihres eigenen Schicksals haben. (Bild: Antonio Calanni / AP)

Wer die offene Gesellschaft retten will, muss sich damit auseinandersetzen, dass über ethisch vertretbare Wege auch ihre partielle Schliessung diskutiert wird.

Thomas A. Becker | Neue Zürcher Zeitung

Die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» wurde im November 2009 von 57,5 Prozent der Schweizer angenommen. Im Vorfeld der Abstimmung wiesen die Dachorganisationen der Muslime in der Schweiz warnend darauf hin, dass ein Minarettverbot das friedliche Zusammenleben in unserem Land gefährden könne. Ausgrenzungen dieser Art würden die Integration der Muslime behindern und diese in Parallelgesellschaften abdrängen. Die fundamentalen Grundwerte der Religionsfreiheit würden ausgehöhlt, das Ansehen der liberalen und neutralen Schweiz nachhaltig geschädigt.

Gegner der Initiative argumentierten zudem, diese verstosse gegen zwingendes Völkerrecht und widerspreche nicht nur den Grundprinzipien der eidgenössischen Bundesverfassung, sondern auch der Europäischen Menschenrechtskonvention. In einer weiten Auslegung des Begriffs zwingendes Völkerrecht verletze die Initiative das Prinzip der Religionsfreiheit.

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In Deutschland arbeiten Menschen zwei Mal so häufig zu niedrigen Löhnen wie in der Schweiz. Was steckt dahinter?

Gut jeder fünfte Arbeitnehmer verdient in Deutschland nur einen Niedriglohn. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Das deutsche Jobwunder hat eine Schattenseite: In fast keinem anderen Industrieland verdienen so viele Menschen wenig. Die Schweiz hat nicht nur hohe Saläre, sondern auch einen kleinen Niedriglohnsektor. Ein Erklärungsversuch.

Christoph Eisenring | Neue Zürcher Zeitung

Deutschland darf stolz sein auf sein Jobwunder. Heutzutage sind 6 Mio. mehr Menschen in Lohn und Brot als noch 2005. Die Erwerbslosenquote, wie sie die Internationale Arbeitsorganisation berechnet, lag jüngst nur noch bei 3%, was selbst die Schweiz in den Schatten stellt. Das sind gute Nachrichten. Doch ein zweiter Blick auf den Arbeitsmarkt enthüllt weniger Schmeichelhaftes: In Deutschland gibt es einen riesigen Niedriglohnsektor.

Was ist damit gemeint? Als Geringverdiener gilt gemeinhin, wer pro Stunde weniger als zwei Drittel des mittleren Lohnes erzielt. Es geht also nicht um einen «Armutslohn», sondern um den Vergleich mit dem Lohn, der typischerweise in einem Land bezahlt wird. Ein Trumpf der Schweiz ist, dass das Land nicht nur hohe Löhne zahlt, sondern gleichzeitig einen vergleichsweise kleinen Niedriglohnsektor hat. Dies wirkt sich stabilisierend auf eine Gesellschaft aus.

Immer weniger Tarifbeschäftigte

Deutschland kommt laut Berechnungen von Soziologen der Universität Wien im Jahr 2015 auf einen Niedriglohnanteil von 22%, die Schweiz auf einen Anteil von 12%. Deutschland hat innerhalb der OECD denn auch einen der grössten Niedriglohnsektoren. Das war jedoch nicht immer so. Noch 1996 wies die Statistik einen Anteil von 14% für Deutschland aus, womit man unter den Industriestaaten im Mittelfeld lag. Es handelt sich somit um einen kräftigen Anstieg, während die Situation in der Schweiz weitgehend stabil blieb.

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Unterwäsche, die vor 5G-Strahlung schützt? Schweizer eröffnen weltweit ersten Laden

Aussenansicht des neu eröffneten Ladens an der Bahnhofstrasse in Wettingen. bild: zvg

Im Kanton Aargau ist ein höchst ungewöhnliches Verkaufsgeschäft eröffnet worden. Das Angebot umfasst Textilien für Jung und Alt, die gegen Mobilfunk- und WLAN-Strahlung abschirmen sollen.

Daniel Schurter | watson.ch

Was ist passiert?

In Wettingen AG ist am Samstag das angeblich «weltweit erste» Verkaufsgeschäft für Schutzkleidung gegen elektromagnetische Strahlung eröffnet worden. Das Angebot von Wavesafe umfasst Kleider, Moskitonetze und andere Textilien, die vor Handy- und WLAN-Strahlung abschirmen.

Was wird verkauft?

Das Sortiment umfasst:

  • Kleider, Hosen und Unterwäsche
  • Baby- und Kinderbekleidung
  • Kopfbedeckung (Mützen)
  • Baldachine – eine Art Moskitonetz, mit der man angeblich den Schlafplatz vor Strahlung schützen kann.
  • Duvet- und Matratzenüberzüge.
  • Handystrahlenschutz-Taschen
  • Messgeräte für hochfrequente elektromagnetische Strahlung.
  • «Geschirmte» Elektroartikel – das sind zum Beispiel spezielle Steckdosenleisten und Adapter.

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Ausmisten: 150 Menschen zeigen in Bern dem Vatikan einen Besen

Rund 150 Personen haben am Samstag in Bern gegen sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche demonstriert. Um symbolisch zu zeigen, dass der Vatikan «ausmisten» soll, streckten die Kundgebungsteilnehmer Besen in die Höhe.

bluewin.ch

Aufgerufen zur bewilligten Demonstration hatte das «Aktionsbündnis ‚Zeichen gegen Missbrauch’«, das nach eigenen Angaben aus Theologinnen und Theologen aus dem Kanton Zürich besteht. In Bern führte dieses Bündnis die Kundgebung durch, weil sich in der Bundesstadt die apostolische Nuntiatur befindet. Das ist die Vertretung des Vatikans in der Schweiz.

An der Kundgebung erhoben die Teilnehmer mehrere Forderungen. Dazu gehört, dass das kirchliche Strafrecht ergänzt wird: Jede sexuelle Ausbeutung soll unter Strafe gestellt und konsequent geahndet werden, nicht nur diejenige von Kindern. Opfer sollen Akteneinsicht erhalten, und es sollen unabhängige Beratungsstellen geschaffen werden.

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Die Schweiz liegt bei der Radikalisierung mit Deutschland gleichauf – und Gefängnisse werden zunehmend zu Hotspots

Geriet ins Visier der Polizei: die An-Nur-Moschee in Winterthur. (Bild: Walter Bieri / Keystone)

Fast jede zweite jihadistisch radikalisierte Person in der Schweiz bezieht Fürsorgeleistungen. Das zeigt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Nicht selten läuft die Radikalisierung kaum bemerkt ab: «Einige können scheinbar normale Beziehungen unterhalten und Schweinefleisch essen.»

Daniel Gerny | Neue Zürcher Zeitung

Eine Deutschlehrerin nimmt bei einem Schüler aus dem Irak plötzlich Veränderungen seines Äusseren wahr. Der junge Erwachsene behauptet zwar, selbst nicht gläubig zu sein, doch er werde in seiner Wohngemeinschaft von anderen Muslimen bedrängt, einen frommen Lebensstil zu führen. Provokative Äusserungen des Schülers irritieren die Lehrerin zunehmend – bis sie sich schliesslich alarmiert bei der Fachstelle für Extremismus meldet.

Dieses anonymisierte, aber reale Beispiel aus der jüngsten Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zur jihadistischen Radikalisierung in der Schweiz veranschaulicht, dass diese Radikalisierung oft schleichend und von aussen schwer erkennbar erfolgt. Das macht das Phänomen gefährlich. Mit dem Sieg über das islamische Kalifat in Syrien und der Türkei ist die Thematik zwar etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden – doch an Brisanz hat sie kein bisschen verloren.

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Schweiz: Der grösste Killer der Menschheit, die Tuberkulose, gelangt wieder vermehrt ins Land – was wir jetzt tun sollten

Das Tuberkulose-Bakterium hat rund eine Milliarde Menschen auf dem Gewissen. Bild: NZZamSonntag

Tuberkulose fordert weltweit mehr Todesopfer als HIV und Malaria zusammen. In der Schweiz nehmen die Fälle vor allem bei Ausländern zu. Wie gefährlich ist die Krankheit?

Von Martin Amrein, Theres Lüthi | NZZamSonntag

Die Zahlen sind beunruhigend: Seit 2007 nehmen die Tuberkulosefälle in der Schweiz wieder zu, nachdem sie jahrelang rückläufig waren. Der Anstieg ist der Migration zuzuschreiben, das zeigen Daten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Ein Drittel der Fälle tritt heute bei Flüchtlingen auf.

Für SVP-Nationalrat Adrian Amstutz ist diese Entwicklung Grund zur Sorge. «Wann nimmt der Bundesrat die Einschleppung von Tuberkulose durch Asylbewerber endlich ernst?», fragt er in zwei parlamentarischen Vorstössen. Laut Amstutz könnte die Migration die Tuberkulose in der Schweiz reaktivieren und die Schweizer Bevölkerung bedrohen.

Hat Amstutz recht? Nehmen wir die Tuberkulose zu wenig ernst? Diese Fragen stellen wir Daniel Paris. Der in Nigeria aufgewachsene und lange in Oxford tätige Schweizer Tropenmediziner ist seit einem Jahr medizinischer Leiter des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) in Basel. Hier laufen die Fäden der Tuberkuloseforschung in der Schweiz zusammen.

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Kameradschaften öffentlich machen

Schwarz-rot-braun: NPD-Anhänger auf einer Kundgebung in Wiesbaden. Bild: DDP/FAZ

Unlängst warnte der deutsche Verfassungsschutz vor einer «wachsenden Gefahr» rechtsterroristischer Anschläge.

Hans Stutz | tachles.ch

«Eine wachsende Gefahr» seien rechtsterroristische Kleingruppen oder Einzelpersonen, warnte vor kurzem der deutsche Verfassungsschutz in einem «vertraulichen Papier», das den Weg zu einer deutschen Sonntagszeitung fand. «Rechtsterroristische Ansätze und Potenziale» würden sich «in unterschiedlichen Strömungen und Spektren der rechtsextremistischen Szene» entwickeln, «aber auch am Rande oder gänzlich ausserhalb der organisierten rechtsextremistischen Szene». Diese letzte Feststellung ist keine Neuigkeit. Neu ist, dass der Verfassungsschutz davor warnt. Er hat ja vieles gutzumachen. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten beim Kampf gegen rechtsextremen Terror regelmässig versagt, am markantesten bei der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU).

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Referendum in der Schweiz: Mehrheit für schärferes Waffenrecht

Bild: tagesschau.de

Die Schweiz wird ein verschärftes Waffenrecht nach EU-Regeln bekommen: Laut Schlussresultat einer Abstimmung stimmten 63,7 Prozent dafür. Der Besitz von halbautomatischen Schusswaffen wird damit stark beschränkt.

tagesschau.de

Die Schweizer haben sich bei einem Referendum mehrheitlich für eine Verschärfung des Waffenrechts in ihrem Land ausgesprochen. 63,7 Prozent der Teilnehmer stimmten dafür, 33,6 Prozent dagegen.

Schweiz kann EU-Richtlinie umsetzen

Das geänderte Gesetz sieht unter anderem vor, dass der Besitz halbautomatischer Waffen – mit einigen Ausnahmen etwa für Sportschützen – nicht mehr erlaubt ist. Damit kann die Schweiz eine EU-Richtlinie umsetzen.

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BAG berichtet von zwei Masern-Toten in der Schweiz

Der Impfstoff gegen Masern gilt als das sicherste Mittel gegen die Krankheit. (Bild: Lindsey Wasson / Reuters)

Zwei Männer im Alter von 30 und 70 Jahren sind dieses Jahr in der Schweiz an den Masern gestorben. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit mit.

Neue Zürcher Zeitung

Die Masern haben dieses Jahr in der Schweiz zu zwei Todesfällen geführt. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag mit.

Beim ersten Fall handelt es sich um einen 30-jährigen zuvor ungeimpften Mann, der von Angehörigen mit Masern angesteckt wurde. Er wurde 67 Stunden nach Exposition nachgeimpft. Diese Impfung kam jedoch zu spät, und er erkrankte trotzdem an Masern. Er verstarb innert kürzester Zeit nach Auftreten der ersten Symptome zu Hause. Die genaue Todesursache wird abgeklärt.

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US-Erhebung: Westeuropäische Christen befürworten Kirchensteuer

Bild: tilly

Christen in westeuropäischen Ländern sind laut einer Erhebung amerikanischer Meinungsforscher weitgehend einverstanden mit der Kirchensteuer.

evangelisch.de

In den sechs westeuropäischen Ländern mit Kirchensteuer – Deutschland, Schweiz, Österreich, Schweden, Finnland und Dänemark – erklärte nach Angaben des in Washington ansässigen Pew Research Center eine „große Mehrheit“ der Befragten, die angeben, Kirchensteuern zu zahlen, sie würden keine „Schritte unternehmen“, um keine Kirchensteuer mehr zahlen zu müssen. Es gebe „keinen Massenexodus“ von diesen Abgaben.

In Deutschland sagten 78 Prozent der befragten Kirchensteuerzahler, es sei nicht besonders oder überhaupt nicht wahrscheinlich, dass sie keine Kirchensteuer mehr zahlen wollten, wie die Studie ergab, die am Dienstag in Washington vorgestellt wurde. 21 Prozent erklärten hingegen, ihr Austritt sei „sehr oder etwas wahrscheinlich“. Die Verpflichtung zur Kirchensteuer erlischt in Deutschland nur durch Kirchenaustritt.

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Wann ist tot tot?

Grafik:TP

Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

Christoph Jehle | TELEPOLIS

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte.

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

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Deutsche Schattenkrieger in der Schweiz?

Uniter: ein Netzwerk von Elite-Soldaten, Polizisten, Rettungskräften und Sicherheitsleuten, die auch abseits des Arbeitsalltags weitertrainieren. Die Frage ist: wofür? bild: uniter

In Deutschland löst das Netzwerk Uniter Unbehagen aus. Der Verdacht: Aufbau einer rechten Schattenarmee. Jetzt überlegt sich der Verein einen Umzug in die Schweiz. Der Präsident und sein Vize leben schon hier – in Zug und Luzern.

Kilian Küttel | watson.ch

Ein normales Restaurant an einem normalen Werktag. Ein unauffälliger Mann tritt ein, die Haltung leicht gebückt, die Jacke so schwarz wie der Rucksack. Er setzt sich hin, verschränkt die Hände und bestellt ein Mineralwasser:

«Ich werde Ihnen alles erzählen, was ich weiss und was ich sagen kann.»

Der Mann ist Deutscher, wohnt im Kanton Luzern, arbeitet bei einer Zentralschweizer Firma im Gesundheitssektor. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Wir nennen ihn Markus W.

Als Vizepräsident übernimmt W. die Medienarbeit des Vereins Uniter. Dieser hat seinen Sitz in Stuttgart, doch auch der Präsident lebt in der Zentralschweiz, nämlich in Zug. Die Verbindung in unsere Region ist bemerkenswert: Hier faktisch unbekannt, beschäftigt der Verein in Deutschland seit Monaten Behörden, Medien und Politik.

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Schweiz: Das Verbot der Gotteslästerung muss weg – auch wenn der Bundesrat dagegen ist

Ein Westschweizer Bergführer verstiess gegen das Blasphemie-Verbot, als er Gipfelkreuze zerstörte. Bild: KEYSTONE

Nationalrat Beat Flach verlangt in einer Motion die Streichung des Blasphemieverbotes, doch die Landesregierung wehrt sich dagegen. Dabei hat es längst keine Daseinsberechtigung mehr.

Hugo Stamm | watson.ch

Mal ehrlich: Hast du gewusst, dass es in der Schweiz ein Blasphemieverbot gibt? Konkret heisst das, du darfst Gott nicht öffentlich lästern. Wer verletzende oder verhöhnende Äusserungen über Gott, religiöse Überzeugungen oder etwas Heiliges macht, kann eingeklagt werden.

Wörtlich heisst es im Artikel 261 des Strafgesetzes:

«Wer öffentlich und in gemeiner Weise die Überzeugung anderer in Glaubenssachen, insbesondere den Glauben an Gott, beschimpft oder verspottet oder Gegenstände religiöser Verehrung verunehrt, (…) wird mit Geldstrafe bestraft.

Religion und Glauben geniessen bei uns also einen besonderen Schutz. Einen Rechtsschutz, den Weltanschauungen oder politische Gruppen nicht für sich in Anspruch nehmen können. Sind solche Privilegien in einem Staat, der sich als säkular versteht und der eine Trennung von Kirche und Staat mindestens im religiösen Sinn kennt, noch sinnvoll?

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Schweiz: Ein Priester verdient rund 8.000 Euro im Monat

Bild: tilly

Der Generalsekretär der Schweizerischen Katholischen Zentralkonferenz verteidigt dieses Mega-Gehalt.

kath.net

Ein Priester verdient in der Schweiz durchschnittlich 9.000 Franken pro Monat, also rund 8.000 Euro. Das geht aus der neusten Ausgabe des in Zürich erschienenen „Lohnbuchs“ hervor. Dies berichtet „VaticanNews“. Daniel Kosch, Generalsekretär der Schweizerischen Katholischen Zentralkonferenz (Dachverband der kantonalkirchlichen Organisationen), verteidigt gegenüber der Zeitung „20 Minuten“ dieses Mega-Gehalt und meint, dass dies „ein berechtigtes Gehalt“ sei, weil ja ein Priester eine höhere Ausbildung absolviert habe und ein Priester üblicherweise auch abends arbeite und für Tausende von Gemeindegliedern verantwortlich sei.

Missbrauch in der Kirche: Schweizer Bischöfe schicken Priester in die Psychotherapie oder auf Pilgerreisen

Die katholische Kirche wird seit vielen Jahren von Missbrauchsfällen durchgeschüttelt, die bis in höchste Kreise reichen. (Bild Jörg Sarbach / Keystone)

Wenn in der Schweiz ein Missbrauchsfall bekannt wird, reagiert die katholische Kirche in den meisten Fällen mit internen Sanktionen. Die fehlbaren Priester müssen Psychotherapien absolvieren oder es werden Ortsverbote oder Pilgerreisen angeordnet.

Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Das Thema Missbrauch lässt die römisch-katholische Kirche weiterhin nicht zur Ruhe kommen. In der vergangenen Woche wurde erneut ein Fall von massenhaften Verfehlungen von Kirchenleuten bekannt. Im US-Bundesstaat Illinois veröffentlichten Opfer eine Liste von fast 400 Priestern, denen vorgeworfen wird, Schutzbefohlene missbraucht zu haben. Ausserdem gab Papst Franziskus bekannt, dass er den Rücktritt von Kardinal Philippe Barbarin ablehnt. Der Erzbischof von Lyon war in Frankreich wegen Vertuschung von Missbrauch verurteilt wurde.

Justiz untersucht zehn Vorfälle

Auch die katholische Kirche in der Schweiz wird von solchen Skandalen nicht verschont. So deckte ein ehemaliger Bischof und der ehemals höchste Kapuziner der Schweiz während Jahrzehnten einen pädophilen Kapuzinerpater in der Westschweiz. Die sexuellen Übergriffe begannen 1958 und erstreckten sich über mehrere Jahrzehnte. Der Fall und seine systematische Vertuschung wurden erst in den vergangenen Jahren von der Schweizer Kapuzinerprovinz umfassend aufgearbeitet.

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Steiner-Schulen geben keine Impfempfehlung aus

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

In einer Rudolf-Steiner-Schule in Biel grassieren die Masern. Das hat unter anderem mit der anthroposophischen Ideologie zu tun.

Von Andrea Kučera | NZZamSonntag

74 Personen haben sich laut Angaben des Bundesamtes für Gesundheit in der Schweiz seit Anfang 2019 mit Masern infiziert. Das ist eine Versechsfachung der Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 37 Ausbrüche entfallen auf den Kanton Bern, wobei die Hälfte der bernischen Fälle auf die Rudolf-Steiner-Schule in Biel zurückgeht.

Das ist kein Zufall: Die anthroposophische Lehre, auf die sich die Steinerschulen berufen, ist generell impfkritisch. «Aufmerksame Eltern erleben gerade bei den Masern oft eine tiefgreifende Reifung ihres Kindes», steht auf dem «Merkblatt Masern», das auf der Website der Anthroposophischen Gesellschaft Schweiz verlinkt ist. Und weiter: «Durch das Fieber überwindet das Kind nicht nur die Maserninfektion, sondern individualisiert dabei seinen Organismus.» Die Frage, wie man zu diesen Aussagen stehe, lässt Vanessa Pohl vom Verband Rudolf-Steiner-Schulen Schweiz unbeantwortet.

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Kein zweiter «Fall Riehen»: Bischöfe verlangen bei allen Anstellungen einen Strafregisterauszug(Schweiz)

Der Basler Bischof Felix Gmür und seine Kollegen wollen den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche schärfer bekämpfen. (Bild: Keystone / Peter Schneider)

Hat sich ein Priester krimineller Vergehen schuldig gemacht, sollen das die Gemeindevertreter stets erfahren. Bei sexuellem Missbrauch gibt es zudem in jedem Fall eine Anzeige – auch wenn das Opfer nicht will.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Sind die Fälle von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester eine Sünde der Vergangenheit? Diesen Eindruck erweckt der Sprecher des Bistums Basel in einem Communiqué, das er am Donnerstag versandte: Von den bis 2017 gemeldeten Missbrauchsfällen würden nur sieben den Zeitraum ab 1991 betreffen, schreibt er. Die Bischofskonferenz (SBK) und die Führungspersonen der Klöster sehen allerdings trotz dieser positiven Entwicklung noch Handlungsbedarf. Um die Zahl der Übergriffe weiter zu verkleinern, verschärfen sie ihre Richtlinien: Ab dem 1. März gilt eine Anzeigepflicht in sämtlichen Bereichen.

Das heisst, dass ein erwachsenes Opfer, das einen Missbrauch meldet, kein Vetorecht gegen eine Strafanzeige mehr erhält. Diözesanbischöfe, General- oder Bischofsvikare sowie die höheren Ordensoberen müssen künftig in jedem Fall Anzeige an die staatlichen Strafverfolgungsbehörden erstatten, wenn sie Kenntnis von einem Offizialdelikt erhalten.

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Wie ein mehrfach verurteilter Arzt während Jahren Patienten behandeln kann

Ingo Malm hält die Aargauer Behörden seit 13 Jahren auf Trab. (Bild: Fabian Hägler / AZ)

Dem deutschen Arzt Ingo Malm wurde 2012 die Praxisbewilligung entzogen, trotzdem war er im Aargau bis vor kurzem aktiv. Seine Geschichte zeigt, warum Behörden kriminellen schwarzen Schafen das Handwerk nur schwer legen können.

Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Der erste Schweizer Zeitungsartikel über Doktor Ingo Malm war von Bedauern gekennzeichnet. «Arzt packt das Köfferchen», titelte im Juni 2006 die «Berner Zeitung». Der aus Deutschland zugezogene Mediziner erhielt von der bernischen Gesundheitsdirektion keine Bewilligung für die Übernahme einer Praxis in Koppigen im Emmental. Grosszügiger zeigte sich der Aargau, erhielt Malm doch die Bewilligung für eine Arztpraxis in Rudolfstetten.

Es ist nicht dokumentiert, wie oft die Aargauer Behörden diesen Entscheid seither verflucht haben. Ingo Malm gehört nämlich zu jenen Ärzten, denen die Berufsbewilligung entzogen wurde, die aber ungehemmt weiterpraktizieren. Gemäss einem Bericht von Radio SRF waren es inklusive Malm nur gerade achtzehn Ärzte, die seit 2013 ihre Bewilligung verloren haben.

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Staatliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften: ein Auslaufmodell?

Das Minarett der Mahmud-Moschee in Zürich. (Bild: Alessandro Della Bella / Keystone)

In der Referendumsdemokratie erfolgt die rechtliche Anerkennung erst dann, wenn eine Religionsgemeinschaft als gesellschaftlich integriert wahrgenommen wird.

René Pahud de Mortanges | Neue Zürcher Zeitung

Mit der öffentlichrechtlichen Anerkennung spricht ein Kanton einer Kirche gesellschaftliche Relevanz zu, gewährt ihr eine Reihe von Rechten und unterwirft sie staatlichen Organisationsvorschriften. Angesichts der rapiden Säkularisierung der Gesellschaft stellt sich die Frage, ob dieses in den 1960er Jahren für die damaligen Volkskirchen entwickelte Rechtsinstitut noch seine Berechtigung hat. Ist es nicht Zeit für eine strikte Trennung von Staat und Kirche, so wie dies etwa der Präsident der Freidenker-Vereinigung fordert? Kommt hinzu, dass sich die Ausdehnung des Anerkennungsrechts auf andere Religionsgemeinschaften als schwierig gestaltet. Zwar konnten in den letzten Jahrzehnten in sechs Kantonen jüdische Gemeinschaften anerkannt werden. Die Angst vor «Sekten» ebenso wie die hitzige Islamdebatte hat aber mancherorts zu politischer Stagnation in diesem Bereich geführt. Das System der staatlichen Anerkennung steht vor grossen Herausforderungen, zu denen auch gelegentliche Infragestellungen aus gewissen Kreisen der römisch-katholischen Kirche gehören.

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