Archiv der Kategorie: Radikalisierung

Schwanz wedelt mit Hund

Screengrab Times of Israel

Screengrab Times of Israel

Benjamin Netanyahu hat Hitler im Iran entdeckt


Von Uli Gellermann|Rationalgalerie

So richtig neu ist das nicht, was der israelische Ministerpräsident bei seinem jüngsten Besuch in den USA zu erzählen wusste: “Mullah-Regime bedroht den Weltfrieden wie Nazis”, so brachte die BILD-Zeitung – das Sturmgeschütz Israels in Deutschland – Netanyahus Rede auf den Punkt. Gemeint ist der Iran. Würde jemand dem israelischen Premier glauben wollen, dann plant die iranische Regierung einen Weltkrieg. Doch diese Botschaft ist, durch ihre ständige Wiederholung, ziemlich verbraucht. Relativ neu ist es, dass Netanyahu vor dem US-Kongress redete ohne seinen Auftritt mit der amtierenden amerikanischen Regierung abzustimmen: Wie mag der kleine israelische Schwanz nur den dicken US-Hund zum Wedeln gebracht haben?

Eine Erklärung liegt in der US-Innenpolitik: Die Republikaner und ihr Sprecher im Kongress, John Boehner, wollten zu gern Obamas Iran-Politik als zu weich denunzieren. Doch viel wichtiger als Boehner war im Vorfeld des Netanyahu-Wahlkampfauftritts im US-Komgress die jüdische Lobby-Organisation AIPAC (America Israel Public Affairs Committee). AIPAC ist eine einzige große Spenden-Sammel- und Spenden-Verteil-Maschine, die politischen Einfluss über teure PR-Kampagnen nimmt, aber durchaus auch direkt Politiker kauft. Auf ihrer Agenda steht zur Zeit als wesentliches Investitionsvorhaben die Ablehnung eines möglichen Atom-Abkommens mit dem Iran. Dass sie damit die Politik eines gewählten Präsidenten konterkariert? Was soll´s.

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Internet-Zensur: Website von “Charlie Hebdo” in der Türkei gesperrt

charlie_hebdo_2Nutzer in der Türkei können die Seiten des Satiremagazins “Charlie Hebdo” derzeit nur mit technischen Tricks aufrufen. Die türkische Regierung hat vor Gericht eine Sperre des Angebots erwirkt.


SpON

Die türkische Regierung hat eine Sperrung der Internetseite des französischen Satiremagazins “Charlie Hebdo” durchgesetzt. Auf Antrag der staatlichen Internetbehörde ordnete ein Gericht in Ankara die Sperrung an, berichten türkische Medien am Freitag. Insgesamt seien 50 Websites oder einzelne Seiten dieser Websites gesperrt worden, das Angebot “Charlie Hebdo” selbst sei eine davon.

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Indien droht BBC nach Vergewaltigungsdoku mit Sanktionen

Image: BBC News

Indischer Innenminister Singh: «Wir hatten gebeten, den Dokumentarfilm nicht zu senden. Die BBC hat es trotzdem getan. Das Innenministerium wird geeignete Maßnahmen ergreifen»


kath.net
Indien droht dem Sender BBC wegen der Ausstrahlung einer Dokumentation über die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in einem Bus in Neu Delhi im Dezember 2012 mit Sanktionen. «Wir hatten gebeten, den Dokumentarfilm nicht zu senden. Die BBC hat es trotzdem getan. Das Innenministerium wird geeignete Maßnahmen ergreifen», kündigte Innenminister Rajnath Singh laut indischen Medien (Donnerstag) vor dem Parlament in Neu Delhi an. Nach Protesten in Indien gegen den Film «India»s Daughter« (Indiens Tochter) der Reporterin Leslee Udwin hatte die BBC die ursprünglich für den Weltfrauentag (8. März) geplante Ausstrahlung auf Mittwochabend vorgezogen.

Ein Gericht in Neu Delhi hatte am Dienstag die Ausstrahlung in Indien verboten. Eine Medizinstudentin war am 16. Dezember 2012 zusammen mit ihrem Freund in einem Bus auf dem Heimweg von einem Kinobesuch, als sie von sieben Männern vergewaltigt wurde. Danach wurde sie brutal mit Eisenstangen verprügelt und aus dem Bus geworfen. Wenig später starb sie an ihren Verletzungen. Der Fall löste weltweite Empörung aus.

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Adam „Nergal“ Darski: Freispruch für Bibel-Zerreißer bestätigt

Das Urteil gegen den Musiker Adam Darski ist vom Obersten Gericht Polens bestätigt worden Foto: Eigenes Werk / Wikipedia | CC BY 3.0

Der Sänger der polnischen Black-Metal-Band Behemoth, Adam „Nergal“ Darski, hatte 2007 während eines Konzertes auf der Bühne Seiten aus der Bibel auseinander gerissen. Das Oberste Gericht Polens hat den Freispruch für den Künstler in diesem Fall bestätigt.


pro Medienmagazin

Der Musiker Adam Darski hatte die Bibel in diesem Zusammenhang auch als „verlogenes Buch“ bezeichnet. Er war daraufhin wegen der Verletzung religiöser Gefühle angeklagt und 2011 freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das Urteil Einspruch eingelegt.

„Katholische Kirche kriminelle Sekte“

Diesen Einspruch wiesen die Richter des Obersten Gerichts am Donnerstag als unbegründet zurück. Das Verhalten des Sängers sei nicht akzeptabel, stelle aber kein Verbrechen dar. Polen ist stark katholisch geprägt. Darski hatte die katholische Kirche in einem Interview schon einmal als „kriminelle Sekte“ bezeichnet.

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Schweizer Bischofskonferenz bekräftigt Nein zu Homo-Segnungen

Schweizer Bischofskonferenz. Screenshot: bb

Schweizer Bischofskonferenz. Screenshot: bb

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist “nicht möglich”. Diese Haltung haben die Schweizer Bischöfe bei ihrer Vollversammlung von 2. bis 4. März bestätigt. Es liege nicht in ihrer Kompetenz, Lehre und Disziplin der Kirche zu ändern, heißt es in der Presseerklärung vom 5. März. Bei der Vollversammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) war diese Woche die Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare diskutiert worden. Anlass dazu war der Fall des Pfarrers von Bürglen, Wendelin Bucheli, der ein homosexuelles Paar gesegnet hatte.


kathweb

Die SBK erinnert in ihrer Presseerklärung daran, “dass dies nicht möglich ist und dass es nicht in ihrer Kompetenz liegt, Lehre und Disziplin der Kirche zu ändern”. Der konkrete Vorfall in Bürglen und dessen Klärung liege in den Händen der zuständigen Bischöfe, das sind Vitus Huonder und Charles Morerod.

Mit der Erklärung kam die SBK der Aufforderung des Churer Weihbischofs Marian Eleganti nach, der in einem Interview mit dem kirchlichen Portal kath.ch auf ein klärendes Statement gedrängt hatte. Eleganti sagte, dass er seine Mitbrüder aufgefordert habe, den Entscheid der Bischöfe Huonder und Morerod mitzutragen und “geschlossen und sofort Stellung zu beziehen”.

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The Bibi-Boehner Coalition

Screengrab Times of Israel

Screengrab Times of Israel

It was disconcerting to watch Congress cheer wildly as a foreign leader, the prime minister of one of America’s closest allies, trashed an American president’s foreign policy. It was equally strange that the speaker of our House of Representatives interjected the United States Congress into an Israeli political campaign.


By E.J. Dionne Jr.|Truthdig.com

It fell to Isaac Herzog, Benjamin Netanyahu’s leading opponent in Israel’s March 17 election, to make the essential point: that Tuesday’s speech was “a very harsh wound to Israel-U.S. relations” and “will only widen the rift with Israel’s greatest ally and strategic partner.”

The rapturous greeting Congress bequeathed on Netanyahu for his attack on President Obama’s approach to negotiations with Iran no doubt created great footage for television ads back home and won him some votes at the right end of Israel’s electorate.

But Herzog’s observation stands: John Boehner’s unprecedented act of inviting the leader of another nation to criticize our own president, and Netanyahu’s decision to accept, threaten to damage the bipartisan and trans-ideological coalition that has always come together on behalf of Israel’s survival.

Netanyahu may have spoken the words, “We appreciate all that President Obama has done for Israel,” but the rest of his speech painted the president as foolish and on the verge of being duped on a nuclear deal by the mullahs in Tehran.

The Israeli leader reached for the most devastating metaphor available to him, the appeasement of the Nazis that led to the Holocaust. He urged the United States “not to sacrifice the future for the present” and “not to ignore aggression in the hopes of gaining an illusory peace.” This is what he was accusing Obama of doing. No wonder House Democratic Leader Nancy Pelosi described herself as “near tears” over Netanyahu’s “condescension toward our knowledge of the threat posed by Iran.”

Pelosi was on to something here because the differences between Obama and Netanyahu are not over whether the Iranian regime in its current form is trustworthy. Nobody believes it is. At stake is a balance of risks, a choice between two imperfect outcomes.

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Aufstand gegen Erzbischof: „Wer bist du, um zu urteilen?“

Salvatore Cordileone, Bild: lgbtqnation.com

In San Francisco erließ Erzbischof Salvatore Cordileone eine Richtlinie, um die katholischen Werte an den katholischen Schulen sicherzustellen. Was ein selbstverständlicher Vorgang sein sollte, löste eine ungeahnte Widerstandswelle aus, bei der von außen massiver Druck auf die Katholische Kirche auszuüben versucht wird. Die Kritiker der erzbischöflichen Richtlinie fassen ihre Kritik mit einem päpstlichen Wort zusammen: „Wer bist du, um zu urteilen?“


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

„In dieser Stadt, die dazu beigetragen hat, die Bewegung für die Homo-Rechte ins Leben zu rufen“, hätte man sich so etwas nicht vorstellen können, schrieb die New York Times. Gemeint war die neue von Erzbischof Cordileone erlassene Richtlinie für das katholische Schulwesen. Darin steht, daß in den Schulen des von ihm geleiteten Erzbistums die Lehrkräfte künftig die Grundsätze der katholischen Morallehre zu respektieren und zu vertreten haben. Es sei daher nicht angemessen, wenn vor dem Kruzifix in der Schulklasse den Schülern gesagt werde, daß „homosexuelle Handlungen nicht gegen das Naturrecht verstoßen“ würden. Oder daß künstliche Verhütung nicht „in sich negativ ist“. Oder daß die Stammzellforschung an menschlichen Embryonen einen große Errungenschaft der Wissenschaft sei.

Richtlinien um katholisches Profil an katholischen Schulen zu garantieren

Im Klartext tat Erzbischof Cordileone das, was jedes Unternehmen macht. Es stellt betriebsinterne Spielregeln auf, an die sich die Mitarbeiter zu halten haben. Spielregeln, sprich Grenzen, die schwarz auf weiß festgehalten werden und die kein Mitarbeiter eines Unternehmens übergehen wird, wenn er nicht seine Stelle verlieren möchte. Was allgemein als selbstverständlich akzeptiert wird, auch in den USA, scheint aber für jeden zu gelten außer für die Katholische Kirche. Gegen die erzbischöflichen Richtlinien ist geradezu ein Aufstand im Gange.

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Facebook: Eine Freundschaftsanfrage vom Islamischen Staat

Facebook Welt 2010

Facebook Welt 2010

Ein paar unbedachte Facebook-Likes, etwas Pech beim Algorithmus – und schon können junge Menschen in die Fänge der Terrororganisation IS geraten. Die automatischen Empfehlungsmaschinen der sozialen Medien vernetzen Nutzer mit Anwerbern des Dschihadismus


Von Cathleen Berger, Lea Gimpel|Cicero

Kurz vor Weihnachten war es soweit: Tunesien, das Land, in dem der Arabische Frühling 2010 begonnen hatte, wählte einen neuen Präsidenten. Was nach den Protesten im Iran 2009 als die nächste Twitterrevolution in den ausländischen Medien hochgejubelt wurde, fand mit der Wahl von Präsident Béji Caïd Essebsi ein gutes Ende. Damit hat Tunesien auch die letzte Stufe der Demokratisierung erfolgreich genommen, lobten Medien hierzulande.

Seitdem haben Proteste wie im Gezi Park in Istanbul oder die Regenschirm-Revolution von Hongkong das Bild der sozialen Medien gestärkt: Sie erscheinen als Treiber von Freiheit und selbstorganisierter Demokratie – auch gegen den Willen der jeweiligen Regierung.

Doch die Rolle der sozialen Medien ist widersprüchlicher denn je. Weder können sie aus sich heraus mehr Demokratie schaffen, wie begeisterte Technikenthusiasten anführen. Noch sind sie ein Spiegelbild unserer realen Welt, wie Unternehmen wie Facebook und Twitter gerne behaupten. Ganz im Gegenteil: Sie sind darauf programmiert, unsere Aufmerksamkeit nach bestimmten Mustern zu steuern. Sie führen ein verdecktes Eigenleben.

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Fernsehen verzichtet auf Schock-Bilder von IS

ZDFChef des „heute-journals”: Wir machen uns nicht zu Werkzeugen von Terroristen – Einerseits dürfe man „das entsetzliche Geschehen nicht durch Wegschauen verschweigen, aber wir dürfen uns auch nicht zu Werkzeugen der Terroristen machen.“


kath.net

ZDF-Nachrichtensendung „heute-journal“ verzichtet darauf, noch drastischere Bilder von den Gräueltaten der Terrororganisationen „Islamischer Staat“ (IS) und „Boko Haram“ (Westliche Bildung ist Sünde) zu zeigen. „Die grausamen Bilder des Terrors sind Instrumente in den Händen von IS und Boko Haram, mit denen sie ihre Macht über die Herzen und Köpfe der Menschen absolut machen wollen“, sagte der Chef des heute-journals, Claus Kleber (Mainz), der Programmzeitschrift „HÖRZU“ (Hamburg). Journalisten begäben sich auf eine schwierige Gratwanderung: „Wir dürfen das entsetzliche Geschehen nicht durch Wegschauen verschweigen, aber wir dürfen uns auch nicht zu Werkzeugen der Terroristen machen.“ Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von „HÖRZU“ zufolge finden es 70 Prozent gut, wenn die Nachrichtenredaktionen auf Schockfotos verzichten und bei der Bildauswahl genau vorgehen. Gleichwohl sind 28 Prozent der Meinung, dass aus Informationsgründen noch mehr drastische Fotos und Videos gezeigt werden sollten.

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Türkei sperrt Internetseite von Atheistenverband

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG

Die Türkische Nationalversammlung “Der Souverän ist ausnahmslos das Volk” (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG

“Beleidigung religiöser Werte” als Grund


DIE WELT

Ein Gericht in der Türkei hat den Zugang zur Internetseite des ersten Atheisten-Verbandes des Landes wegen einer angeblichen “Beleidigung religiöser Werte” sperren lassen. Die Website des Verbandes könne zu einer “Störung der öffentlichen Ordnung” beitragen, argumentierte das Gericht in der Hauptstadt Ankara, wie die Atheisten-Gruppe am Mittwoch mitteilte. Der Verband nannte die Entscheidung “undemokratisch und illegal”.

Todesstrafe: Schwerstmögliche Strafe in Zahlen

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Während die meisten Staaten die Todesstrafe abgeschafft haben, halten einige weiterhin daran fest. Darunter befindet sich auch ein Land in Europa


Von Michael Bauer|derStandard.at

Die Todesstrafe als schwerstmögliche Strafe war bis Mitte des 19. Jahrhunderts in allen Staaten verbreitet. Als erster Staat schaffte San Marino 1848 die Todesstrafe ab, Österreich zog 1950 nach. 58 Staaten exekutieren sie heute noch, 34 Länder haben de jure noch die Todesstrafe, sie wird aber nicht mehr exekutiert. Als einziges europäisches Land führt Weißrussland die Todesstrafe durch, 2014 wurden mindestens 3 Menschen hingerichtet. Als einziges Mitglied der OECD führte die USA Hinrichtungen durch.

Genaue Zahlen zu Hinrichtungen sind schwer zu bekommen. Wissenschaftler und Aktivisten sind hier auf Medienberichte und Angaben von Regierungen angewiesen. Einige Staaten wie China oder Nordkorea behandeln die Todesstrafe als Staatsgeheimnis. So kann, obwohl bekannt ist, dass diese Staaten regelmäßig Menschen hinrichten, keine genaue Zahl ermittelt werden. Aus dem letzten Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zur Todesstrafe im Jahr 2013 (Zahlen zum Jahr 2014 werden Anfang April bekannt gegeben) geht hervor: 22 Staaten führten Hinrichtungen durch. In 57 Staaten wurden Menschen zur Todesstrafe verurteilt.

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Kod Adi K.O.Z.: Die britische Königin und die Zinslobby gegen die aufrechte Türkei

Filmplakat. Bild: AF-Media GmbH/heise.de

Kod Adi K.O.Z. – so heißt ein Film, der derzeit nicht nur in der Türkei für Furore sorgt. Im Netz türmen sich die Stellungnahmen: “Eine Beleidigung der Filmkunst” und “schlechte Propaganda für die türkische Regierungspartei AKP” wettern die einen; “der beste türkische Film, den ich je gesehen habe”, verteidigen die anderen. Allerdings überwiegt klar der “Shitstorm” und bei der renommierten “Internationalen Filmdatenbank” imdb.com erhielt der Film eine der schlechtesten Bewertungen aller Zeiten.


Von Rüdiger Suchsland|TELEPOLIS

Ein Kino im Berliner Wedding am vergangenen Donnerstag. Der Verleih lädt ein zur Deutschlandpremiere – weil es vorab keine Pressevorführungen gab, sind auch Journalisten erlaubt. Vorher gibt es einen Umtrunk, die Besucher sind fast durchweg Deutsch-Türken, man kennt sich, die Stimmung ist aufgeräumt, heiter, familiär. Man ist hier unter sich. Und wieder einmal ist es schön, mit einem Haufen Türken im Kino zu sein – ihre Energie ist anstreckend, die spontane Lebenslust, die sich vor allem im Alltäglichen, den kleinen Gesten äußert, unendlich viel angenehmer als die der steifen deutschen Landsleute. Viele hier sind auch Familien: Paare, ältere Eltern mit ihren erwachsenen oder nahezu erwachsenen Kindern.

Etwas mehr Männer als Frauen sind da. Unter den Frauen im Raum liegt die Kopftuchquote bei 40 bis 50 Prozent, also viel viel höher als bei vergleichbaren Premieren in der Türkei. In Deutschland ist das Kopftuch so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal, das mit Stolz getragen wird, gerade auch von jüngeren Frauen. Man hört den – übrigens oft auf Deutsch geführten – Gesprächen an, sieht es in den Gesichtern, dass die meisten der Frauen Abitur haben, viele studieren. Sie sind wach, intelligent, und wage hier hinzuschreiben, dass die Hälfte derjenigen, die hier ein Kopftuch tragen, die Interessantesten ihrer Familie sind, die Rebellinnen.

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Irak: “Befreiung vom IS geht auch ohne US-Unterstützung”

Auschnitt aus einem Video zur Offensive vom irakischen Militär (ISF). heise.de

Zwei Drittel der 30.000 Soldaten, die von der irakischen Regierung mobilisiert wurden, um Tikrit der Kontrolle des IS zu entreißen, stellen schiitische Milizen, werden Angaben aus Führungskreisen der Milizen wiedergegeben. Auch US-Generalstabschef General Dempsey bestätigt dies und sieht in der starken Beteiligung schiitischer Milizen Positives für die Anti-IS-Kampagne, solange sie eine “glaubwürdige Vorstellung” abgeben. Zum Problem würde das erst, wenn sich dadurch die Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten weiter aufschaukeln würden.


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Dempsey machte diese Angaben vor einem Senatsauschuss. Ganz sicher wollte er dort keine schlechte Figur abgeben. Tatsächlich gibt es nämlich schon ein paar Aspekte der Tikrit-Offensive, die von der amerikanischen Regierung und dem Militärkommando wahrscheinlich nicht so positiv gesehen werden. Sollten sich die schiitischen Verbände bei Kampf gegen den IS auszeichnen, so hätte dies wahrscheinlich Beschränkungen des amerikanischen Einflusses im Irak zugunsten des Einflusses aus Teheran zur Folge.

Mehrere Quellen wiesen in den letzten Tagen darauf hin, dass Qasim Suleimani, ein iranischer Kommandeur für Spezialeinsätze außerhalb des Landes, an der Offensive mitwirkt; als beteiligte schiitische Milizen werden u.a. aufgezählt die Badr-Brigade, die Hisbullah-Brigaden, Asaib al Haq, Milizen von Muqtada as-Sadr und die Kata’ib Sayyid al-Shuhada. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich allesamt bislang nicht gerade als Freunde der USA verstanden haben, sondern als entschiedene Gegner. Manche ihrer Führer stehen auf US-Terrorlisten und manche kämpfen auch in Syrien, aufseiten Baschar al-Assad.

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In den Händen von Gurus und Sekten

„Die Psychotricks der Gurus: Glauben, Glück, Gehirnwäsche?“ war am Dienstag Thema bei Sandra Maischberger im Ersten Foto: WDR/Max Kohr

Um Sekten, Gurus und wie sie ihre Anhänger manipulieren, ging es in der Talkrunde von „Menschen bei Maischberger“ am Dienstag. Auch nach enttäuschenden Erfahrungen mit Sekten könne der Mensch die Sinnsuche nicht aufgeben, berichten Betroffene.


pro Medienmagazin

Eine der Gäste war das ehemalige Model und Playmate Gitta Saxx. Sie kam über ihren Freundeskreis zu einem Guru, der sich selber als Reiki-Meister ausgab. Mittels Energien durch Handauflegen sollten ihre Schmerzen behandelt werden. Heute sagt sie, dass sie vergleichsweise seltener krank sei als in dem damaligen Zeitraum. Auch verlangte Saxx‘ Guru immer höher werdende „Spenden“, damit er ihr Schutz geben könne und Blockaden löse. Erst als sie ihre Wohnung verlor, wachte sie auf, und ihr wurde klar, dass sie die Verantwortung für sich abgegeben hatte und löste sich vom Guru.

In der Sekte aufgewachsen

Ebenfalls eingeladen waren Judith Mühlmacher und Sascha Erdmann, die beide in einer Sekte aufgewachsen sind. Judith Mühlbacher kam durch ihre Eltern mit zwei Jahren in eine Sekte, die sich die „Neuoffenbarer“ nennt. In dieser wird gelehrt, dass die Bibel über die Jahrhunderte verfälscht wurde. Deswegen ist ein neuer Prophet im 19. Jahrhundert erschienen, der diese Gemeinschaft gründete und die Bibel neuinterpretiert. Jesus wird darin als alleiniger und nicht dreieiniger Gott angesehen. Obwohl Mühlbacher immer wieder gesagt bekam, dass alle außerhalb der Gemeinschaft zu dem Reich Satans gehören und deswegen sterben werden, trat sie mit 22 Jahren aus. „Das ist die erste eigene Entscheidung für mich und meine Bedürfnisse gewesen.“

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BBC-Pseudodokumentation verärgert EU-Gegner

Protest gegen die Politik der EU, verkörpert durch Kanzlerin Merkel und Frankreichs früheren Präsidenten Sarkozy. Szene aus „The Great European Disaster Movie“. Screenshot: Tsp

Wenn Europa kollabiert: Die BBC-Produktion „The Great European Disaster Movie“ empört Europa-Gegner. Sie werfen dem Sender Parteilichkeit in EU-Fragen vor.


Von Matthias Thibaut|DER TAGESPIEGEL

Angela Merkel tritt als Präsidentin des Europäischen Rats zurück. Frankreichs Präsidentin Marine Le Pen ruft den Notstand aus. In Rom werden Demonstranten erschossen. Spanien hat Gibraltar isoliert und der IS steht vor den Toren Wiens. Und dann lässt der Premier von „Großengland“, Nigel Farage, auch noch Millionen von EU-Migranten deportieren.

Alles Teil einer „fiktiven Dokumentation“, in der sich die BBC den Niedergang der EU in nicht allzu ferner Zukunft ausmalt. „The Great European Disaster Movie“ endet damit, dass ein Flugzeug in Glasgow landen muss, das durch das kollabierte Europa irrt. Darin sitzen ein Professor und ein junges Mädchen.

Der Professor muss dem Mädchen erklären, was Europa einmal gewesen ist.

„Von sachlicher Argumentation so weit entfernt wie nur denkbar“, schimpfte der Kritiker des euroskeptischen „Daily Telegraph“ über den „Mischmasch von Fakten, Fiktionen und wilden Spekulationen“ und das „herablassendste Stück Fernsehen seit Langem“. Aber Kontroversen löste der Film nicht etwa aus, weil er schlicht langweilig war, sondern weil EU-Skeptiker in ihm einen weiteren Beweis für die Parteilichkeit der BBC in EU-Fragen sahen.

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Aufschrei der Fundamentalisten: Alles radikale Christen?

Olaf Scholz, Bild:NDR, Screengrab: BB

Olaf Scholz, Bild:NDR, Screengrab: BB

Als auf den Pegida-Demonstrationen in Dresden immer wieder der Ruf „Lügenpresse!“ erschallte, nahm ich meine Kollegen in Schutz. Natürlich gibt es viel Einseitigkeit, ist doch die „große Mehrheit deutscher Medien grün-rot“ (so eine Focus-Analyse). Aber „Lügenpresse“? Doch inzwischen haben wir Verantwortlichen vom Kongress christlicher Führungskräfte unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Was sich der NDR im Internet und in seiner Fernsehsendung Hamburg Journal leistete, war eine böswillige Verleumdung von Christen.


Von Helmut Matthies|kath.net

Christliche Fundamentalisten?

Da fand vom 26. bis 28. Februar in Hamburg die größte Tagung zum Thema „Werte“ in Europa statt: der 9. Kongress christlicher Führungskräfte unter der Schirmherrschaft des Ersten Bürgermeisters der Hansestadt, Olaf Scholz (SPD). Und wie lautet die Schlagzeile des NDR? „Scholz unterstützt Kongress radikaler Christen.“ Als sich im Internet darüber ein Sturm der Entrüstung erhob, erklärte die Redaktion im Internet: „‚Radikal’ in diesem Zusammenhang bedeutet, dass die Gläubigen zum christlich-fundamentalistischen Spektrum gezählt werden können.“ Damit macht die Redaktion alles noch schlimmer, denn kaum ein Begriff ist durch die islamischen Terrorakte so disqualifiziert wie der, fundamentalistisch zu sein, wird er doch gleichgesetzt mit Gewalt und Fanatismus. Und so etwas sollte Scholz, der grandiose Wahlsieger der Bürgerschaftswahl, unterstützt haben?

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Ist Gotteslästerung ein notwendiger Straftatbestand?

life-of-brian

In einem aufgeklärten Staat ist eine Strafnorm zum Schutze bestimmter Weltanschauungen überflüssig und rückständig.


Von Thomas Fischer|ZEIT ONLINE

Bilder

Im Jahr 1982 veröffentlichte der deutsche Dichter und Regisseur Herbert Achternbusch einen Film mit dem Titel: Das Gespenst. Er handelt davon, dass eine am Kreuz befestigte Christus-Figur zu (irdischem) Leben erwacht, vom Kreuz steigt und sich mit einer Nonne (“Oberin”) zusammentut. Der “Herrgott” nennt sich fortan “Ober” und versucht, den Lebensunterhalt für sich und die Oberin als Kellner in bayerischen Wirtshäusern zu verdienen. Einzelheiten seines Leidens an der modernen Welt will ich hier nicht verraten, nur so viel: In einer Szene des Films wird ein Frosch – in ökologisch einwandfreier, nicht tierquälerischer Weise – an ein aus kleinen Ästen gefertigtes Kreuz gebunden, sodass er – sehr, sehr kurz! – die ikonographische Stellung Christus’ einnimmt.

(Verzeihung, Tierfreunde! Es war so! Bitte jetzt keine Kommentare über Frösche und Kreuze! Einige Hunderttausend dieser Geschöpfe werden von Ihnen jährlich auf den Landstraßen zermatscht. Weitere Zehntausende opfern Sie der Wiederansiedlung des Storchs im Feuchtgebiet nahe Ihrem Villenviertel. Vom Sterne-Restaurant will ich hier gar nicht erst sprechen. Begnadigen Sie also, bitte, den Dichter Achternbusch und entsinnen Sie sich des Themas dieser Kolumne!)

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Thomas Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und schreibt für ZEIT und ZEIT ONLINE über Rechtsfragen. Weitere Artikel seiner Kolumne finden Sie hier – und auf seiner Website.

Libyen: “Islamischer Staat” erobert zwei Ölfelder

Symbolbild: Ölfeld in Libyen / Bild: REUTERS

Die Bewacher der Ölfelder Al-Bahi und Al-Mabruk waren unzureichend bewaffnet. Die Felder sind seit Wochen außer Betrieb.


Die Presse

Militante Islamisten haben in Libyen die Kontrolle über zwei Ölfelder übernommen. Nach Angaben eines Sprechers des Sicherheitsdienstes für die Ölindustrie des Landes eroberten extremistische Gruppen am Dienstag die Felder Al-Bahi und Al-Mabruk im Zentrum des Landes. Sie rückten demnach anschließend auf das Ölfeld Al-Dahra vor.

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Bremen: Islamisches Kulturzentrum legt Beschwerde gegen Razzia ein

Bei den Durchsuchungen der Bremer Moschee wurden keine Waffen gefunden© Carmen Jaspersen/DPA

Polizisten haben am Wochenende auf der Suche nach Waffen, das islamische Kulturzentrum in Bremen gestürmt. Gefunden wurde nichts. Jetzt beschweren sich die Gläubigen


stern.de

Das Islamische Kulturzentrum Bremen (IKZ) hat gegen eine Razzia in seiner Moschee Beschwerde beim Amtsgericht eingereicht. Die Moschee war am Samstag im Zuge einer allgemeinen Terrorwarnung von einem Sondereinsatzkommando der Polizei auf Waffen durchsucht worden. Der Durchsuchungsbeschluss sei “vollkommen unverhältnismäßig” und verletze die Glaubens- und Religionsfreiheit, heißt es in dem Schreiben, das der Anwalt des IKZ, Hans-Eberhard Schultz, dem Gericht zukommen ließ.

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Radikale Imame wollten offenbar NRW-Gefängnis unterwandern

Bild: Reuters

Bild: Reuters

Die Justizvollzugsanstalt Rheinbach bei Bonn habe in kurzen Zeitabständen drei muslimische Geistliche wegen Salafismus-Verdachts als ehrenamtliche Häftlingsbetreuer abgelehnt, erklärte NRW-Justizminister Thomas Kutschaty.


kath.net

Radikale Imame haben offenbar versucht, die Gefängnisseelsorge in Nordrhein-Westfalen zu unterwandern. Die Justizvollzugsanstalt Rheinbach bei Bonn habe in kurzen Zeitabständen drei muslimische Geistliche wegen Salafismus-Verdachts als ehrenamtliche Häftlingsbetreuer abgelehnt, erklärte NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Dienstag in Düsseldorf. Beim Verfassungsschutz seien die drei Imame wegen islamistischer Bestrebungen aufgefallen.

Laut Kutschaty sind derzeit in 30 von 36 Haftanstalten an Rhein und Ruhr annähernd 100 Imame und Hodschas als ehrenamtliche Gefängnisseelsorger tätig. Alle Geistlichen seien vom Verfassungsschutz überprüft worden. Etwa 18 Prozent der landesweit 15.750 Häftlinge bekennen sich zum muslimischen Glauben.

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