Kirche mit Haken

Der Kronleuchter im Innenraum der Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin (dpa-Zentralbild/Bernd Settnik/dpa – Report)
Die Berliner Martin-Luther-Gedächtniskirche wurde zwischen 1933 und 1935 gebaut. Die NS-Symbolik ist klar zu erkennen, biblische Figuren werden völkisch dargestellt. Jetzt steht die Renovierung des Innenraums an. Wie aber umgehen mit diesem Erbe?

Von Carsten Dippel | Deutschlandfunk

Christus am Kreuz – eine heroische Heldenfigur. Das Taufbecken getragen von Jesus, Maria und zwei Kindern. Streng, stämmig, ganz im Sinne der „deutschen“ Familie. Und dazu ein SA-Mann. Am Holzrelief der Kanzel das Motiv der Bergpredigt – im Gefolge der Zuhörerschar ein Wehrmachtssoldat. Über all dem spannt sich ein gewaltiger Triumphbogen mit über 800 tonfarbenen Keramikkacheln. Christliche Motive finden sich darauf ebenso wie Sicheln, Ähren, Werkzeuge. Genauso auch Reichsadler, Köpfe mit SA-Mützen, Wehrmachtshelme. Die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin Mariendorf ist ein Symbolort völkischer Gesinnung.

„Das Besondere an dieser Kirche ist hier doch der Umfang dieses kirchlichen Bildprogramms, die Bandbreite der einzelnen Motive. Also man findet hier eben die christliche Ikonografie, die umgeformt wurde, die von ihrer Ästhetik stark NS-spezifisch ist. All das und der Erhaltungszustand. Es ist ja wie in einem Labor erhalten“, sagt die Kunsthistorikern Beate Rossié.

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Österreich soll von Nato-Programmen ausgeschlossen werden

Grund sei ein Veto der Türkei, die damit auf Forderungen aus Wien nach einem Abbruch der Beitrittsgespräche der Türkei zur EU und der Kritik österreichischer Politiker an Präsident Recep Tayyip Erdogan reagiere

derStandard.at

Soldaten aus Österreich sollen einem Medienbericht zufolge nicht mehr mit Truppen aus anderen Nato-Ländern zusammen trainieren können und auf unbestimmte Zeit von allen wichtigen Partnerschaftsprogrammen ausgeschlossen werden. Grund sei ein Veto der Türkei, die damit auf Forderungen aus Wien nach einem Abbruch der Beitrittsgespräche der Türkei zur EU und der Kritik österreichischer Politiker an Präsident Recep Tayyip Erdogan reagiere, berichtete die „Welt“ vorab aus ihrer Dienstag-Ausgabe. Die Entscheidung solle am Dienstag fallen.

Offen ist nach Angaben der Zeitung, was die Entscheidung für die Nato-Präsenz auf dem Balkan bedeutet. Allein beim Nato-Friedenseinsatz im Kosovo sei Österreich mit mehr als 400 Soldaten vertreten und gehöre damit zu den wichtigsten Truppenstellern. Am Donnerstag treffen sich die Staats- und Regierungschefs aller Nato-Länder in Brüssel.

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Syrien: Für Christen keine Alternative zum Assad-Regime

Szene aus dem IS-Video: Kalte Menschenverachtung
Youtube
Salzburger Orientexperte Prof. Winkler in Interview für Magazin „Information Christlicher Orient“: Einfluss des fundamentalistischen Islam bereits so stark, dass es für Christen ohne Assad „ganz düster“ aussehen würde

kath.net

Die Christen in Syrien unterstützen das Regime von Präsident Bashar Assad allein aus dem Grund, weil sie keine Alternative haben. Das betont der Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Dietmar Winkler. „Wenn Assad fällt, was passiert dann? Der Einfluss des fundamentalistischen Islam ist im Land bereits so stark, dass es für die Christen dann ganz düster aussehen würde“, so Winkler wörtlich in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Information Christlicher Orient“. Sogenannte „gemäßigte“ Rebellen gibt es laut Prof. Winkler in Syrien de facto nicht.

„Im Krieg gibt es keine Waisenknaben“, so Winkler. Kriegsverbrechen würden von allen Seiten begangen. Und wenn von mancher Seite das Assad-Regime als unschuldig dargestellt wird, stimme das natürlich auch nicht. Aber, so Winkler: „Die lokalen Bischöfe sagten und sagen mir immer wieder in Gesprächen: Was ist die Alternative für die Christen? Wer schützt die Christen, wenn nicht das Assad-Regime? Welche Perspektiven gibt es überhaupt?“

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Mehr als 22 Jahre Haft für Chefs eines Satiremagazins in der Türkei

Das Titelbild des türkischen Politmagazins Nokta. (Quelle: NOKTA)
Mann hatte das türkische Volk angeblich zu einem „bewaffneten Aufstand“ gegen die Regierung aufgewiegelt

derStandard.at

Nach der Veröffentlichung eines Erdogan-kritischen Titelblatts hat ein türkisches Gericht zwei Chefs des politischen Satiremagazins „Nokta“ zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Cevheri Güven und Murat Capan werde vorgeworfen, das Volk zu einem „bewaffneten Aufstand“ gegen die Regierung aufgewiegelt zu haben, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Montag. Das Gericht erließ zudem Haftbefehl gegen die Journalisten, deren Aufenthaltsort zunächst unklar war.

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„Frauen sind Sklaven, sie müssen ihren Mund halten“

Weil sie Unterhalt forderte, fesselte Nurettin B. seine Ex-Frau an seinen Wagen und schleifte sie durch Hameln. Das Opfer erzählt aus einer „höllischen“ Ehe – und einem verstörenden Frauenbild des Täters.

Von Christine Kensche | DIE WELT

Es ist nicht die Frage nach dem Ob, auch nicht die nach dem Weshalb, die in diesem Prozess im Mittelpunkt steht. Dass er versucht hat, seine Ex-Frau zu töten, weil sie seinen Lohn pfänden lassen wollte, gibt der Deutschkurde Nurettin B. gleich zu Beginn zu. Es ist das Wie, das Rätsel aufgibt. Denn die Tat erinnert an eine mittelalterliche Hinrichtung.

An Einzelheiten könne er sich nicht erinnern, lässt der 39-Jährige seinen Verteidiger verlesen. Nur daran, dass er einen solchen Hass verspürt habe wie noch nie in seinem Leben. „Es war wie eine andauernde Explosion.“

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Black Cadet Stabbed to Death by Member of Racist ‚Alt-Reich Nation‘ Facebook Group

Photo Credit: Christoper Urbanski and Richard Collins III
Authorities who reviewed videotape of the incident described the attack as unprovoked.

By Elizabeth Preza | Alternet

A black ROTC cadet set to graduate from Bowie State University this week was stabbed to death by a white University of Maryland student who’s a member of a racist online hate group, the Baltimore Sun reports.

Richard Collins III, 23, was visiting UMD this graduation weekend when he was attacked by Christoper Sean Urbanski, 22. Collins and two friends were awaiting an Uber ride around 3 a.m. Saturday morning when an “intoxicated and incoherent” Urbanski stabbed him. Authorities who reviewed videotape of the incident described the attack as unprovoked.

Police charged Urbanski, a member of the Facebook group, “Alt-Reich Nation,” with first-degree murder Sunday. The FBI is investigating the stabbing as a possible hate crime.

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Warum Deutschland eine Anti-Folter-Stelle braucht

Gibt es Folter in deutschen Gefängnissen? In Haftanstalten wird die Würde der Insassen manchmal unwissentlich verletzt. (Foto: dpa)
Gefesselte Senioren, Videokameras auf Toiletten, Häftlinge, die sich nackt ausziehen müssen: Die „Nationale Stelle zur Verhütung von Folter“ hat viel zu tun.

Von Bernd Kastner | Süddeutsche.de

Es ist ein paar Jahre her, da bat Rainer Dopp in einem Gefängnis um Einlass. Der Pförtner griff zum Telefon und meldete mit süffisantem Unterton nach oben: „Die Folter-Kommission ist da.“ Dopp gehört zu einer Einrichtung, die einzigartig ist in Deutschland und hin und wieder mit Stirnrunzeln oder Spott begrüßt wird, sie heißt „Nationale Stelle zur Verhütung von Folter“. Folter? In Deutschland?

Rainer Dopp, 68, zuletzt Justizstaatssekretär in Mecklenburg-Vorpommern, arbeitet ehrenamtlich für diese „Stelle“. Er sitzt jetzt am Konferenztisch in einer alten Wiesbadener Villa, der Jahresbericht für 2016 liegt auf dem Tisch. Darin ist gleich im Vorwort von verletzter Menschenwürde die Rede. Ja, in deutschen Haftanstalten.

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Philosoph Žižek: „Macron ist das Establishment in reinster Form“

foto: malensek Philosoph Slavoj Žižek: „Wer Marine Le Pen wählt, wählt Marine Le Pen jetzt. Wer Macron wählt, wählt Marine Le Pen in vier Jahren.
Slavoj Žižek über die politische Situation Frankreichs und der USA und die Notwendigkeit radikaler Änderungen

Von Anja Malenšek | derStandard.at

Wenn aus dem fast unüberschaubaren Spektrum an Themen in Slavoj Žižeks Rede ein roter Faden zu erkennen war, dann vielleicht dieser: ein leicht fatalistischer Aufruf zur Anerkennung der düsteren Lage, in der wir uns befinden. Nahende ökologische Katastrophen, terroristische Bedrohung, geopolitische Konflikte – all dies erfordere ein „Neudenken“, ein Ende vom „Traum einer Alternative“.

Žižeks im Rahmen der Wiener Festwochen am Wochenende gepredigten Mut muss man bei manchen seiner Aussagen tatsächlich bewundern. Der marxistische Philosoph, der schon allein mit seinen hektischen Gesten das Publikum fesseln kann, ließ auch allerjüngste politische Ereignisse nicht außer Acht.

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Obama Amen

US-Drohne. Bild: DoD
10 Gründe, warum Friedensnobelpreisträger Barack Obama beim Evangelischen Kirchentag der richtige Redner ist

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Beim Evangelischen Kirchentag hätten viele einen Auftritt des vormaligen US-Präsidenten George W. Bush vorgezogen, der als Angehöriger der Evangelisch-Methodistischen Kirche und wiedergeborener Christ ein famoser Redner gewesen wäre. Auch Amtsinhaber Donald J. Trump, der in Tradition Martin Luthers „dem Volk aufs Maul geschaut“ hatte und dann u.a. den 30-jährigen Krieg auslöste, wäre im Luther-Jahr ein perfekter Gast gewesen. Demgegenüber war Barack H. Obama nur dritte Wahl, da er 2008 aus der Trinity United Church of Christ in Chicago wegen dortiger Kritik an Hillary Clinton ausgetreten war und US-Kriege nicht mehr als Kreuzzüge bezeichnete.

Dennoch gibt es gute Gründe, den Friedensnobelpreisträger auf einer evangelischen Veranstaltung sprechen zu lassen:

  1. Der Kniefall von Saigon

Als Obama bei seinem Staatsbesuch in Saigon einen Kranz für die Millionen von US-Truppen im Vietnamkrieg getöteter Menschen niederlegte, sank der Präsident vor Scham und Ergriffenheit spontan auf die Knie. Mit dieser Geste versöhnte er das Volk, das zu keinem Zeitpunkt an eine Bedrohung der USA auch nur dachte und nicht einmal Kissinger einen Attentäter schickte.

  1. Lehren von Bagdad

Nachdem der damalige Private Bradley Manning Hunderte Kriegsverbrechen der Besatzungstruppen im Irak aufgedeckt hatte, entließ Obama sämtliche beteiligten Militärs unehrenhaft. Die heutige Brigadegeneralin Chelsea Manning wird in den USA für ihren Mut als Nationalheldin verehrt.

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Nach diesen Kriterien löscht Facebook

Facebooks Löschpraxis war bislang nur Insidern bekannt. (Foto: Sead Mujic)
  • Dutzende interne Dokumente zeigen erstmals detailliert die Vorgaben, nach denen Facebook-Mitarbeiter Inhalte prüfen und löschen sollen.
  • Es geht um Themen wie Kindesmissbrauch, Erpressung, Mobbing und Tierquälerei.
  • Die Schulungsunterlagen umfassen Tausende Seiten und verdeutlichen, wie komplex die Regeln sind.
  • Angestellte müssen die schwierigen Entscheidungen unter Zeitdruck treffen, fühlen sich oft überfordert und sind verunsichert.

Von Simon Hurtz, Hannes Munzinger | Süddeutsche.de

Während das soziale Netzwerk Facebook in Deutschland unter Druck steht, beleidigende oder anderweitig illegale Inhalte zu löschen, ist nun erstmals ein Einblick in die internen Lösch-Regeln des Unternehmens möglich. Die Süddeutsche Zeitung konnte 48 Dokumente einsehen, die dem britischen Guardian zugespielt wurden und zeigen, auf welcher Grundlage Facebook Inhalte löscht.

Es handelt sich um Schulungsunterlagen, Präsentationen und Diagramme mit Handlungsanweisungen. Auf Tausenden Seiten lernen die Mitarbeiter, wann sie Inhalte ignorieren, sperren oder an Strafverfolgungsbehörden weiterleiten sollen. Dabei geht es um Kindesmissbrauch, Erpressung, Mobbing, Gewaltdarstellungen und Tierquälerei.

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Hilfsapostel Schwaderlapp: ‚Ich möchte der Lehrerin meinen höchsten Respekt zollen‘

Schwaderlapp im Kölner „Domradio“ zum Fall der Lehrerin, die auf Anweisung ihrer Schulbehörde das Kreuz ablegen musste: „Das Zeichen des Fisches haben die Christen in Zeiten der Verfolgung gewählt… Gehen wir wieder dahin?“

kath.net

Dass eine evangelische Lehrerin an einer staatlichen Schule in Berlin auf Geheiß der Schulbehörde ihr Kreuz ablegen muss, dafür kann der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp „nur sehr wenig Verständnis“ aufbringen. Im Interview mit dem Kölner „Domradio“ stellte der Weihbischof fest: „Ich möchte auf diesem Weg, der Lehrerin, die ich nicht kenne, meinen höchsten Respekt zollen. Sie lässt sich ihr Bekenntnis nicht irgendwie abkaufen.“ Nun trage sie offenbar ja einen Fisch an ihrer Halskette, doch sei dies fast schon tragikkomisch: „Das Zeichen des Fisches haben die Christen in Zeiten der Verfolgung gewählt, als es ihnen verwehrt wurde sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Gehen wir wieder dahin? Ist das allen Ernstes der Weg, den wir in unserer Gesellschaft einschlagen wollen? Ich hoffe doch nicht.“

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Das Vergnügen an der Verrohung ✠ Homonationalisten – ihre Ziele und Antriebe

Dresden am 15. Dezember 2014 Foto: Flickr-User Karl-Ludwig Poggemann – Eigenes Werk, CC BY 2.0
Unser Gastautor Wolfgang Brosche mit einer Bestandsaufnahme des Rechtsrucks und seiner Ursachen. Warum stehen manche schwule Männer auf Führertypen, warum neigen einige Homosexuelle zu Ausgrenzung und Hass. Welchen Einfluss hat dabei sexuelles Verlangen?

Von Wolfgang Brosche | blu.fm

Homonationalisten und der „Wille zur Macht“

Im Jahr 2007 prägte die Queer-Theoretikerin Jasbir Puar den Begriff Homonationalismus. Er bezeichnet die Akzeptanz und die Übernahme heteronormativer, rassistischer, und klassistischer Denkweisen in den queeren Diskurs. In der Tat kann man homonationalistische Phänomene und Personen beobachten, die Teil sind des allgemeinen Abgleitens in den rechten Sumpf der Entsolidarisierung, des brutalen Sozialdarwinismus und des faulig schimmernden Nationalismus. Die Tendenzen der Verrohung machen nicht vor homosexuellen Menschen halt, deren Erfahrung der Differenz zur Mehrheitsgesellschaft sie eben nicht zwangsläufig einsichtiger macht. Der Wunsch zur Mehrheit zu gehören, die Norm zu sein und die Norm zu bestimmen, entspringt dem „Willen zur Macht“ über andere, der das skrupellose Ausnutzen und Verbrauchen von Mensch und Umwelt rechtfertigen soll; in dieser traurigen Tatsache unterscheiden sich homosexuelle Menschen in Nichts von Heterosexuellen.

Die angeblich neue Rechte ist die alte. Der lärmende Aufwand, den sie betreibt, um ihre Ansprüche, Antriebe und Ziele zu rechtfertigen oder zu verschleiern mag andere Formen haben als vor 85 Jahren, seine Stoßrichtung führt jedoch genau wie damals ins Antizivilisatorische nach unten. Tatsächlich bietet die Rechte – auch wie damals – keine wirklich politischen Ziele, nichts Konstruktives, keine Bewältigungsversuche der sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Gegenwart, sondern nur Destruktion: Zerstörung, Gewalt, gigantische Fresssucht und letztendlich todessehnsüchtige Vernichtung dessen, was die Rechten nicht verstehen, geschweige denn meistern können. Die neue wie die alte Rechte legen eine barbarische Dummheit und ein gewalttätiges Unvermögen an den Tag, dessen End-Ziel die Beseitigung der Gegner, der „Anderen“, die mörderische Lust, der Lust-Mord ist. Das Pauken-Getöse um angeblich alte Werte, Traditionen, Patriotismus und Nationalismus ist nur Tarnung. Es geht tatsächlich um das primitive „Wir oder sie“, eine Maxime, vor deren endgültiger Konsequenz ihre Vertreter immer weniger zurückschrecken.

Das werde ich an einigen Fallbeispielen von Homonationalisten zeigen.

Nöler, Opportunisten, Kleingeister

Fangen wir unten an: die meisten der Homonationalisten sind subalterne Nöler, Opportunisten, Mitläufer, egoistische Kleingeister und Kleinbürger; manche spült der Zufall für kurze Zeit an die Oberfläche. Dann steigt ihnen der kurzfristige Bekanntheitsgrad zu Kopf und sie präsentieren ihre Ressentiments mit entlarvender Plumpheit und Schambefreitheit. Immer wieder spie zum Beispiel Mirko Welsch, der sich Sprecher der Schwulengruppe in der AfD nannte, Beleidigungen und Frechheiten aus gegen Personen, die ihm nicht passten und über politische Gedanken, die er nicht zu begreifen in der Lage war. Mit einer Hand voll von Schlagwörtern (jawohl, „Schlag“wörtern, er benutzte sie wie derbe Knüppel um zuzuschlagen, zu verletzen) versuchte er den Gegner auszuschalten.

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Bedford-Strohm verteidigt Dialog mit AfD-Vertretern auf Kirchentag

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Zugleich betonte der Repräsentant von über 22 Millionen Protestanten in Deutschland: „Wir wollen nicht Menschen, die sich von populistischen Aussagen angezogen fühlen, weiter in diese Richtung drängen, indem wir das Gespräch verweigern.“

evangelisch.de

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verteidigt Diskussionen beim Evangelischen Kirchentag mit AfD-Vertretern ebenso wie einen Dialog mit Atheisten. „Es ist richtig, dass man Dialoge führt“, sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rechtfertigte die Entscheidung der Veranstalter, beim Kirchentag in der kommenden Woche eine AfD-Vertreterin auf der Bühne zu Wort kommen zu lassen.

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„Die AKP ist die Partei der Nation“

Bild: wikileaks/Twitter
  • Recep Tayyip Erdoğan ist als Parteivorsitzender der türkischen Regierungspartei wiedergewählt worden.
  • Er musste die Partei verlassen, als er Präsident wurde. Die türkische Verfassung erlaubte es nicht, dass der Präsident Mitglied einer Partei sein durfte.
  • Durch das Verfassungsreferendum im April ist diese Regel aufgehoben. Auch das Amt des Ministerpräsidenten wurde damit abgeschafft.

Von Mike Szymanski | Süddeutsche.de

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Sonntag nach drei Jahren wieder den Vorsitz der von ihm gegründeten Regierungspartei AKP übernommen. Bei einem Sonderparteitag in Ankara ließ sich der 63-jährige Politiker an die Spitze der AKP wählen; als einziger Kandidat erzielte er den Angaben zufolge mehr als 96 Prozent der Stimmen. Er löst damit Binali Yıldırım ab, der zugleich Regierungschef ist und nun als Stellvertreter von Erdoğan weitermacht.

Erdoğan hatte die Verbindung zu seiner Partei 2014 formal abbrechen müssen, nachdem er zum Staatspräsidenten gewählt worden war. Dies war in der Verfassung so festgelegt, die vom Präsidenten Überparteilichkeit verlangte.

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Trumps Islam-Rede ist eine Kriegserklärung

Image: NBCNews/YouTube
In Riad hat US-Präsident Trump zu einem stärkeren Kampf gegen den islamistischen Terrorismus aufgerufen.

DIE WELT

  • Trump bot eine Partnerschaft an, forderte zugleich aber mehr Engagement.
  • Trump stellte klar: „Dies ist kein Kampf zwischen verschiedenen Religionen.“

Keine Gnade für Extremisten: In seiner Grundsatzrede zum Islam hat US-Präsident Donald Trump seine Strategie klar formuliert. Bei seinem Auftritt während eines Gipfels am Sonntagnachmittag in Riad rief Trump zu einem stärkeren Kampf gegen den islamistischen Terrorismus auf. Saudi-Arabien zufolge nehmen an dem Gipfeltreffen Vertreter von mehr als 50 islamischen Staaten teil.

„Unser Ziel ist eine Koalition von Nationen, die das Ziel teilen, den Extremismus auszumerzen“, sagte Trump und bot eine Partnerschaft an. Forderte zugleich aber mehr Engagement: „Die Staaten des Nahen Ostens können nicht darauf warten, dass die Macht Amerikas diesen Feind für sie zermalmt.“ Das Übel könne nur überwunden werden, wenn die „Kräfte des Guten vereinigt und stark sind – und wenn jeder in diesem Raum seien fairen Teil dazu beiträgt und seinen Teil der Last trägt“.

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Wie reich die großen deutschen Kirchen sind

Der Berliner Dom kostet in der Unterhaltung jedes Jahr 600 Millionen Euro Bild: bb
Die katholische und die evangelische Kirche besitzen ein Milliardenvermögen. Kritiker stören sich daran, dass sie zusätzlich auch noch Leistungen vom Staat bekommen.

Von Carla Neuhaus | DER TAGESSPIEGEL

Die Badewanne des Bischofs von Limburg hat es den Besuchern angetan. Etliche Fotos von ihr tauchen derzeit im sozialen Netzwerk Instagram auf. Das Bistum hat im Mai gleich zwei Mal zu einem Rundgang der besonderen Art eingeladen. Interessierte konnten das Bischofshaus besuchen und wurden dabei aktiv aufgefordert, ihre Fotos bei Instagram hochzuladen. Eine mutige Entscheidung. Schließlich stehen Badewanne, Fitnessraum und Karpfenteich in Limburg für: Verschwendung und Protz. Der frühere Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat beim Bau des Komplexes so viele Sonderwünsche geäußert, dass die Kosten explodierten – statt sechs wurden 30 Millionen Euro fällig. Allein für die freistehende Badewanne sollen 15.000 Euro draufgegangen sein. Tebartz-van Elst hat das sein Amt gekostet. In Limburg wie in anderen Bistümern ist man seitdem sehr auf Transparenz bedacht. Und trotzdem ist das mit dem Geld und der Kirche bis heute immer noch so eine Sache.

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Dachau: Landratsamt beschäftigte unwissentlich zwei Kriminelle

Die bedrückende Enge und Sterilität der Traglufthallen – wie hier in Karlsfeld – gehört der Vergangenheit an. Sie waren notwendig, um alle Flüchtlinge im Jahr 2015 unterzubringen. (Foto: Niels P. Joergensen)
  • Das Landratsamt Dachau hat im Jahr 2015 zwei Männer als Wachmänner für eine Asylbewerberunterkunft eingestellt.
  • Erst bei einer späteren Überprüfung des Personals fielen die beiden Männer auf.
  • Seit März 2016 sind alle bayerischen Landratsämter angehalten, die Namen sämtlicher Sicherheitskräfte dem Bayerischen Landeskriminalamt zu übermitteln.

Von Benjamin Emonts | Süddeutsche.de

Zwölfmal stand ein 38-jähriger Hells Angel aus Cottbus seit 1994 vor Gericht, unter anderem wegen Diebstahls, Hehlerei, gefährlicher Körperverletzung und illegalem Waffenbesitz. Im Jahr 2014 soll der Mann den Betreiber eines Tattoo-Studios im brandenburgischen Ludwigsfelde brutal verprügelt und ein monatliches Schutzgeld von 600 Euro erpresst haben. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, hat aber Berufung eingelegt.

Trotz alledem wurden der Cottbusser und ein ebenfalls vorbestrafter 27-jähriger Mann aus Ludwigsfelde, der an der räuberischen Erpressung beteiligt gewesen sein soll, im Dezember 2015 als Sicherheitskräfte in der mittlerweile geschlossenen Asyl-Sammelunterkunft in Karlsfeld eingesetzt. Am 13. Dezember 2015 waren beide in eine massive Schlägerei mit Flüchtlingen involviert, die am vergangenen Montag vor dem Amtsgericht Dachau verhandelt wurde. Aber wie kann es passieren, dass Kriminelle als Sicherheitspersonal in Flüchtlingsunterkünften eingesetzt werden?

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Kirchentag und Atheismus: Für mich bitte kein Kreuz

Bild: Leipziger Blatt
Messen sind oft große Shows, Gläubige engagieren sich, der Armenpapst wirkt bereichernd. Warum ich trotzdem nicht an Gott glaube: Bekenntnis eines Berliners zum Kirchentag.

Von Robert Ide | DER TAGESSPIEGEL

Heute werden sie wieder durch den Kiez klingen und in meinen Ohren, als Sinfonie unserer Großstadt, als schlagendes Herz meiner Nachbarschaft, als Unterbrechung des Alltags zumindest in Gedanken – die Kirchenglocken rufen wieder zum heiligen Sonntag. Ich werde sie gern hören und gleichzeitig überhören. Denn was ist Berlin schon heilig? Schon gar nicht die Kirche. Mir auch nicht.

Dies ist ein Bekenntnis zum Kirchentag, zu dem in der kommenden Woche Zehntausende nach Berlin pilgern werden, die an das Gute im Menschen und im Himmel glauben oder zumindest daran, dass selbst der Tod ein gutes Ende nehmen kann. Als neugieriger Mensch bedaure ich, dass mir diese Welt verschlossen ist und bleibt. Aber die Wahrheit, die ich mit vielen Berlinerinnen und Berlinern teile, ist schlicht und deshalb nicht schlecht: Ich kann mit der Kirche nichts anfangen, nicht an Gott glauben. Der Kirchentag wird trotz spannender Veranstaltungen an mir vorüberziehen wie einst die Loveparade. Verkleidete Menschen aus aller Herren und Frauen Bundesländer liegen sich zu mir unbekannten Liedern in den Armen. Wenigstens werden die Gotteskinder den Tiergarten nicht achtlos zumüllen.

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Wahabitenkönig gibt barhäuptiger Melania die Hand

Bild: Weißes Haus
Während Donald Trump auf Staatsbesuch in Saudi-Arabien weilt, kolportieren die New York Times, die Washington Post und CNN neue Gerüchte zur Russlandaffäre

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

In Saudi-Arabien ist der salafistische Wahabismus Staatsdoktrin. Er verbietet unter anderem, dass Männer fremden Frauen die Hand geben und regelt, dass Letztere nur in eine Abaja oder ein anderes Haar und Konturen verhüllendes Gewand gekleidet das Haus verlassen dürfen. Melania Trump, die Ehefrau des neuen US-Präsidenten, die ihn auf seinem Staatsbesuch begleitet, hat sich dafür in kein solches Gewand geworfen und auch kein Kopftuch aufgesetzt, als sie dem saudischen König gestern beim Empfang die Hand schüttelte.

Melania Trump war allerdings nicht die erste US-Präsidentengattin, die das wagte: 2015 hatte sich Michelle Obama, die Ehefrau von Trumps Vorgänger Barack Obama, ebenso barhäuptig gezeigt – was der heutige Präsident damals auf Twitter als unnötigen Affront kritisierte, der die USA einen ihrer Verbündeten kosten könne. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Saudi-Arabien-Besuch am 30. April kein Kopftuch auf. Das ermunterte das arabische Satireportal Khasenews dazu, ihre Haare amateurhaft zu verpixeln und zu scherzen, man habe sie so im saudischen Fernsehen gezeigt. Ein Scherz, den die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün für bare Münze nahm.

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Endlich wieder AKP-Chef: Krönungsparteitag für Erdogan

Bild: Magazin „The Economist“
Wenige Tage vor Rückkehr an Parteispitze neuer Schlag gegen türkisches Oppositionsblatt „Sözcü“

Von Markus Bernath | derStandard.at

Großveranstaltungen sind ihr Spezialgebiet. Wenn die AKP ruft, wird geklotzt, nicht gekleckert: Allein 1500 Busse sind angeblich angemietet worden, um Delegierte und Anhänger der türkischen Regierungspartei am Sonntag zur größten Sporthalle von Ankara zu chauffieren. Und wenn dieser Sonderparteitag im Freien hätte stattfinden können, vorzugsweise auf der eigens für Großkundgebungen aufgeschütteten Fläche am Bosporus im Istanbuler Stadtteil Yenikapi, dann wären eine Million Gäste auch kein Problem. Die AKP hat all das schon bewiesen. Dennoch will sich die konservativ-islamische Partei am Sonntag selbst übertreffen, wenn Tayyip Erdogan nach knapp drei Jahren Pause wieder zum Vorsitzenden gewählt wird.

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