Die Taliban in Afghanistan lassen sich nicht stoppen

Die Taliban – hier ein Foto aus dem Juni – erobern immer mehr Territorium.Foto: Parwiz/Reuters
Die Islamisten kontrollieren nun Ghazni in Zentralafghanistan. Der Fall der strategisch wichtigen Stadt verdeutlicht die Sicherheitslage.

Von Agnes Tandler | DER TAGESSPIEGEL

„Unsere Stadt ist abgebrannt, unser Haus ist abgebrannt, wir haben alles verloren“, klagt Fatima im afghanischen Sender Tolo TV. „Was müssen wir tun, damit die Regierung uns hört?“ Tagelange hatte die afghanische Regierung in Kabul erklärt, in Ghazni sei alles unter Kontrolle.

Doch diejenigen Einwohner, die wie Fatima aus der Provinzstadt knapp 150 Kilometer entfernt nach Kabul fliehen konnten, zeichneten ein anderes Bild. Horrorgeschichten einer belagerten Stadt ohne Wasser, Strom und Nahrung, wo Menschen wegen der heftigen Kämpfe Verwundeten nicht ins Krankenhaus bringen können und niemand die Leichen barg, während Taliban-Kämpfer von Haus zu Haus gingen, um jeden zu erschießen, der auch nur unter Verdacht stand, auf Seiten der Regierung zu sein.

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Österreich: Glaubensgemeinschaft erteilt Imam Predigtverbot

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hat einem Imam in Wien-Favoriten ein vorläufiges Predigtverbot erteilt, berichtete die Gratiszeitung „Heute“ am Dienstag.

derStandard.at

Der Mann war bereits mehrmals mit radikalen Ansichten aufgefallen. Zuletzt hatte FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus Anzeige gegen ihn erstattet, nachdem abermals ein Video mit dessen Predigten veröffentlicht wurde.

„In den Moscheen, die der islamischen Glaubensgemeinschaft zugeordnet sind, darf es zu keinen radikalen Aussagen kommen“, kommentierte IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun gegenüber „Heute“ den Fall. Die Glaubensgemeinschaft habe entsprechende Schritte eingeleitet und der betreffenden Person ein „präventives Predigtverbot“ erteilt, bis die genauen Umstände geklärt seien. Allerdings handle es sich bei dem Mann „um keinen bei der IGGÖ offiziell gemeldeten Imam“.

Russland unterstützt die Türkei im Streit mit den USA

Russlands Aussenminister Sergei Lawrow und sein türkischer Amtskollege Mevlut Cavusoglu bei ihrem Treffen in Ankara. (Bild: Burhan Ozbilici / AP)
Nach neuen Sanktionen und Strafzöllen haben Russland und die Türkei gemeinsam die Politik der USA scharf kritisiert. «Diese Politik darf nicht fortgesetzt werden», sagte der russische Aussenminister Sergei Lawrow bei einem Besuch in Ankara.

Neue Zürcher Zeitung

«Wir sehen die Verschärfung von Sanktionen als nicht legitime Politik», sagte Lawrow. Die USA wollten den Ton in internationalen Angelegenheiten ohne Abstimmung mit anderen Staaten vorgeben. In der vergangenen Woche hatte Washington sowohl Strafmassnahmen gegen Moskau als auch gegen Ankara verhängt. Im Fall der Türkei verdoppelte Präsident Donald Trump Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe aus der Türkei. Die Lira, die seit Monaten schwächelt, ging daraufhin in den freien Fall.

Lawrows türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu forderte während der gemeinsamen Pressekonferenz, dass die «Ära der Schikanen» enden müsse. Die USA würden nur respektiert werden, «wenn sie anderen Ländern und ihren Bedenken zuhören und alle als gleich ansehen».

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Wie groß ist das Schuldenproblem der Türkei?

Die Touristen kommen jedenfalls wieder, auch nach Alanya. Bild: Reuters
Die türkische Lira fällt und fällt, die Kurse der Bankaktien sinken ebenfalls. Wie schlimm ist es wirklich? Zahlen der türkischen Notenbank geben Hinweise.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Kurs der türkischen Lira fällt und fällt – neue Maßnahmen der Notenbankführung können das bislang nicht verhindern. Spätestens seit dem vergangenen Freitag macht immer wieder die Sorge vor einer Währungskrise oder gar einer Finanzkrise des Landes die Runde, zumal sich auch politisch der Tonfall verschärft: Die Vereinigten Staaten haben gegen zwei türkische Minister Sanktionen verhängt, Washington fordert Ankara auf, den amerikanischen Pastor Andrew Brunson freizulassen, Präsident Donald Trump erhöhte den Druck über den Kurznachrichtendienst Twitter und durch neue Zölle. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht seinerseits der mächtigen Nato-Führungsmacht.

Fachleute fragen sich seither, wie schlimm es um das Land wirklich steht. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman etwa, der sich wie wenige andere mit Schuldenkrisen auskennt, zieht schon einen Vergleich zur asiatischen Finanzkrise in den neunziger Jahren. Er verweist auf die Schulden, die türkische Industrieunternehmen und Banken im Ausland aufgenommen haben, in ausländischer Währung, in Dollar oder Euro. Genau das ist der aktuelle Kern der Angst.

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Mit Allah gegen den US-Dollar

Bild: publicdomainpictures.net/CC0
Kurzer Überblick über den geopolitischen und ökonomischen Hintergrund der aktuellen Krise in der Türkei

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die Töne werden zunehmend schriller im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Nachdem US-Präsident Donald Trump mittels eines Tweets, in dem er die Verdopplung der US-Strafzölle gegen die Türkei ankündigte, die türkische Lira abstürzen ließ, sprach der türkische Staatschef Erdogan von einem „Wirtschaftskrieg“, der von „außen“ gegen sein Land geführt werde. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Krieges, so Erdogan.

Die USA hätten der Türkei „den Rücken zugekehrt“, es gebe eine „Währungsverschwörung“ gegen die Türkei, behauptete Erdogan, der abermals eine Anhängerschaft aufrief, Euro, Dollar und Gold gegen die schwindsüchtige türkische Lira einzutauschen, um den „nationalen Kampf“ zu gewinnen. Dabei appellierte der türkische Präsident an den Nationalismus und die religiöse Identität seiner Gefolgschaft: „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott.“

Neben der ins Hysterische abdriftenden Rhetorik des Präsidenten bemüht sich aber Ankara – bislang erfolglos – um eine Eindämmung der Währungsturbulenzen. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak, der inzwischen den Posten des türkischen Finanzministers bekleidet, kündigte ein nicht näher spezifiziertes „Maßnahmenpaket“ an, das die Unabhängigkeit der Notenbank sicherstellen, die zweistellige Inflation bekämpfen, und die überhitzte Konjunktur dämpfen solle.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan – der sich wiederholt als „Zinskritiker“ outete – brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Die türkische Währung ist massiv abgestürzt. Allein die Ankündigung Trumps, weitere Strafzölle zu erlassen, ließ die Lira um 20 Prozent einbrechen. Das türkische Währungsdesaser wird aus mittelfristiger Perspektive erst voll ersichtlich: Vor einem Jahr konnten die Bürger der Türkei einen US-Dollar für rund 3,5 Lira erwerben, nun sind es rund 6,5 Lira.

Den unmittelbaren Anlass dieser Eskalation zwischen den USA und der Türkei bildete die von Ankara praktizierte Politik inoffizieller Geiselnahmen ausländischer Bürger, um hierdurch politische Konzessionen zu erpressen. In Deutschland war es der Fall des monatelang unter fadenscheinigen Gründen inhaftierten Journalisten Deniz Yücel, der diese Praxis ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte.

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Katholik Steve Bannon – Kommt der Rechtsruck in Europas Kirchen?

Steve Bannon, Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 – Gage Skidmore

Steve Bannon, der rasputinhafte Stratege, der 2016 den Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump ersann, verfolgt neben seiner rechten Netzwerkarbeit in der Politik auch eine kirchliche Agenda.

Thomas Seiterich | katholisch.de

Leidenschaftlich polemisiert der erzkonservative Katholik gegen menschenrechtlich und sozial engagierte Bischöfe und Kirchen. Man sollte hellwach sein und öffentlich darüber berichten, welche Allianzen Bannon schmiedet, wenn er – wie jüngst beim Englandbesuch von Trump – in einem Londoner Hotel Hof hält und praktisch im Stundentakt Rechtsaußenvertreter aus Europa trifft, darunter auch Kirchennahe.

Bannon will, dass die Nationalpopulisten bei der Europawahl im Mai 2019 zu einer der mächtigsten Kräfte werden. Er trennt nicht zwischen Politik und Religion. Kirchen und Parteien sind für ihn lediglich einflussreiche Kräfte, die es zu benutzen oder zu gilt. Er wittert die Verunsicherung in den Kirchen und spürt ihr Potenzial, Steigbügelhalter für die große Wende nach rechts zu werden.

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Twitter will Verschwörungstheoretiker nicht sperren

foto: apa/afp/justin tallis Twitter-Chef Jack Dorsey findet, dass eine Sperre zwar kurzfristig Nutzer erfreuen würde, auf Dauer aber nur schädlich ist.
Im Netz wird diskutiert, inwiefern freie Meinungsäußerung erlaubt sein darf

Muzayen Al-Youssef | derStandard.at

Das Pentagon habe Chemikalien, genannt die „Schwulenbombe“, in das US-Wasserversorgungssystem entweichen lassen, sodass nun sogar die „verdammten Frösche schwul sind“. Millionen illegale Migranten hätten an der US-Präsidentschaftswahl 2016 teilgenommen. Und ein Amoklauf in einer Volksschule in Connecticut im Jahr 2012, bei dem 28 Menschen, darunter 20 Kinder, starben, sei eigentlich nur vorgespielt gewesen. Die Opfer seien angeblich Kinderschauspieler, die Intention dahinter sei, das US-Waffenrecht einzuschränken: Es sind Verschwörungstheorien wie diese, die den Radiomoderator Alex Jones und seine Sendung Infowars im Netz berüchtigt machten.

Gewaltverherrlichend

Vor allem in der US-amerikanischen Alt-Right-Szene konnte er sich über die Jahre als eine Ikone etablieren, die ihre Fans regelmäßig mit Videos, Texten und Radiosendungen versorgte. Nun drehten ihm die meisten seiner bevorzugten Distributionskanäle, Youtube, Facebook, Spotify, iTunes und sogar Pornoseiten, den Hahn ab. Jones’ Inhalte seien, so die Begründung, gewaltverherrlichend und menschenverachtend.

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Erdoğan beschwert sich: USA bedrohen Türkei

Spannungen wegen in Türkei festgehaltenen US-Pastor Brunson – Türkischer Präsident sieht sein Land als Nato-Partner unzureichend gewürdigt

derStandard.at

Im Streit mit den USA hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan neue Vorwürfe gegen die Regierung in Washington erhoben. „Sie bedrohen uns“, sagte Erdoğan am Samstag vor Anhängern in der Provinz Ordu am Schwarzen Meer. Er kündigte an, dass die Türkei nicht nachgeben werde: „Man kann diese Nation nicht mit Drohungen zähmen.“

Hintergrund ist das Tauziehen um den US-amerikanischen Pastor Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Die USA fordern seine Freilassung. „Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen NATO-Partner vor“, rief Erdoğan seinen Anhängern zu.

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AfD will gegen ihre Wahlkampfhelfer klagen

„Franz Josef Strauß würde AfD wählen“ in München: Die Familie von Strauß wehrte sich gegen das Wahlplakat Quelle: dpa
Auf Plakaten ruft der „Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten“ dazu auf, AfD zu wählen. Die Partei wehrt sich jetzt juristisch dagegen. Die Hintergründe sind pikant: Es geht um illegale Parteienfinanzierung.

DIE WELT

Seit mehr als zwei Jahren wirbt der „Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten“ massiv für die AfD. Auf Plakaten und in Gratiszeitungen wird dazu aufgerufen, die Partei zu wählen. Bekannt wurde ein Plakat mit der Aufschrift: „Franz Josef Strauß würde AfD wählen“ und dem Konterfei des früheren CSU-Chefs. Jetzt will die AfD gegen ihre eigenen Unterstützer klagen, nachdem der Verein nicht auf ein Abmahnschreiben der Partei reagiert hat. Das berichten WDR, NDR und  „Süddeutsche Zeitung“.

Bislang hatte die AfD die für sie kostenlose Unterstützung hingenommen. Seit einiger Zeit übt jedoch die Bundestagsverwaltung Druck auf die Partei aus. Es steht der Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung in bis zu zweistelliger Millionenhöhe im Raum. Deshalb will die AfD nun gegen die mittlerweile unerwünschte Wahlwerbung vorgehen.

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Verfassungsschutz entwaffnet Hunderte «Reichsbürger»

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen sieht Erfolge im Kampf gegen «Reichsbürger». Foto: Michael Kappeler © dpa-infocom GmbH
«Reichsbürger» und «Selbstverwalter» lehnen die Bundesrepublik vehement ab. Verfassungsschutzpräsident Maaßen sieht Fortschritte im Kampf gegen die Waffennarren unter ihnen – ihre Zahl ist unter 1000 gefallen. Grund für Entwarnung gibt es nicht.

stern.de

Im Kampf gegen rechtsextremistische «Reichsbürger» und «Selbstverwalter» sieht der Verfassungsschutz Erfolge bei deren Entwaffnung, aber keinen Grund zur Entwarnung.

Die Zahl der als Inhaber einer Erlaubnis zum Führen von Jagd-, Sport– oder anderen Schusswaffen bekannten Szenemitglieder hat laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) deutlich die 1000er-Marke unterschritten. «Nichtsdestotrotz ist der Grad der Bewaffnung der Szene weiterhin hoch», wird zugleich gewarnt.

«Bei der Entziehung waffenrechtlicher Erlaubnisse werden Erfolge sichtbar», sagte BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Dennoch müssen wir diese Szene weiterhin genauestens im Blick behalten.»

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Söders Auftritt war reiner Wahlkampf

Screenshot FB
Ja, ich gestehe. Ich freue mich, wenn bekannte Personen sich in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben bekennen. Gute Botschafter für die Sache abseits des Kirchenweges sind gerade in Anbetracht der Kirchenaustrittszahlen gut und notwendig.

Pia Dyckmans | katholisch.de

Auch am Mittwoch hat sich eine deutschlandweit bekannte Persönlichkeit zu seinem Glauben bekannt – der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er hat Maria Vesperbild besucht. Der Inbegriff bayerischen Katholizismus.

Bei den Bildern war ich irgendwie gar nicht mehr so begeistert. Als Wahlmünchnerin habe ich eher ein beklemmendes Gefühl bekommen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich finde es toll, wenn Politiker sich als Christ „outen“ und dafür einstehen. Ich würde seinen Termin in Maria Vesperbild auch nicht gleich als blasphemisch charakterisieren und ihm das Christ-sein absprechen, wie andere vorab den Besuch kritisiert haben. Das steht uns nicht zu. Aber wenn ein Politiker kurz vor den Wahlen mit einer großen Entourage inklusive Presse im katholischen Bayern so einen bedeutenden Wallfahrtsort besucht, dann bekommen die Bilder ein Geschmäckle. Wenn sich sein Bekenntnis zum Christentum nicht in seiner Politik wiederspiegelt, wirkt es nicht authentisch. Denn eine Politik, die sich nicht an den Werten des Evangeliums orientiert, sondern an den Interessen Bayerns, kann nicht von sich behaupten, sie vertrete das Christentum besser als die Kirche selbst. Oder klingen Abschiebungen in Krisengebiete und Diskriminierung von psychisch Kranken christlich?

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Möchten Sie sterben? Malware gegen Herzschrittmacher lässt Hersteller kalt

Ein Schrittmacher des US-Herstellers Medtronic (Bild: Medtronic )
Die Firma Medtronic sieht kein Problem darin, dass Hacker die Software in ihren Herzschrittmachern nach belieben manipulieren können.

Uli Ries | heise online

Zwei Hacker haben einen Hersteller von Herzschrittmachern und Insulinpumpen auf schwere Sicherheitslücken in dessen Produkten aufmerksam gemacht. Das Spektrum der Lücken reicht bis zur Installation manipulierter Firmware auf den Programmiergeräten zum Auslesen und Umprogrammieren der Herzschrittmacher – was dann natürlich zu im Zweifelsfall tödlichen Angriffen auf die implantierten Herzschrittmacher genutzt werden kann. Der Hersteller wurde vor 18 Monaten informiert, will aber dennoch kein Update liefern.

„Das war die frustrierendste Erfahrung meiner Karriere“, sagt Billy Rios während der Präsentation, die er im Rahmen der Sicherheitskonferenz Black Hat in Las Vegas zusammen mit seinem Kollegen Jonathan Butts hielt. Die Kommunikation mit der US-Medizintechnikfirma Medtronic, die etwa Herzschrittmacher oder Insulinpumpen herstellt, gestaltete sich demnach als 18-monatige Hängepartie.

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Ist die Katastrophe im Jemen ein Wendepunkt?

Ein Junge, der bei dem Luftschlag verletzt wurde, liegt im Krankenhaus Quelle: AFP
Dutzende Kinder sterben bei einem saudischen Luftangriff auf einen Schulbus. Weltweit herrscht Entsetzen. Der lange vergessene Krieg gerät wieder in den Fokus.

Von Gil Yaron | DIE WELT

eder Konflikt hat mindestens einen Höhepunkt, ein Ereignis, das seine Geschichte in ein Davor und ein Danach teilt. Im Jemen hoffen viele Menschen, dass das jüngste Blutbad in der Provinz Saada sich als solcher Wendepunkt erweisen wird. Nach Angaben des jemenitischen Gesundheitsministeriums kamen am Donnerstag mindestens 50 Menschen, darunter 29 Kinder, ums Leben, als saudi-arabische Kampfflugzeuge einen Schulbus in der Nähe eines Marktplatzes bombardierten. Mindestens 77 Menschen sollen zum Teil schwer verletzt worden sein, von denen wiederum 30 Kinder sind. Angesichts der schwierigen Versorgungslage im Bürgerkriegsland steht zu befürchten, dass viele der Verwundeten in den kommenden Tagen ebenfalls sterben werden.

Die Staatengemeinschaft reagierte empört, allen voran UN-Generalsekretär António Guterres, der alle Kriegsparteien dazu aufrief „ihre Verpflichtungen gemäß den internationalen Menschenrechten zu erfüllen, vor allem die grundlegenden Regeln bezüglich der Verhältnismäßigkeit und der gebotenen Vorsicht bei jedem Angriff“. Aber können Empörung und Aufmerksamkeit den lange vergessenen Jemen-Konflikt einer Lösung näher bringen?

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Organische Christus Generation – Schluss mit Gehorsam: Wie Abigail nach 17 Jahren religiöser Sekte entkam

In dem Buch «Erziehe mit Vision!» beschreibt Ivo Sasek die Prinzipien der von ihm propagierten Kindererziehung. Sasek ist Gründer der Sekte «Organische Christus Generation». dpa
Fast ihre ganze Kindheit verbringt Abigail in einer Sekte. Dann schafft die junge Frau den Ausstieg. Ihre Geschichte zeigt, wie sich ein Mensch aus einem mentalen Gefängnis befreien kann. Und sie bietet Einblicke in ein wenig bekanntes Netzwerk.

FOCUS ONLINE

Abigail ist 21 Jahre alt, als sie ihr erstes Leben beendet. Von einem Tag auf den anderen lässt sie alles zurück. Raus aus der alten, rein in eine neue, fremde Welt. „Es ist, als wäre ich auf einem neuen Planeten gelandet“, sagt sie.

Die junge Frau mit den blonden Haaren und den blauen Augen wirkt selbstbewusst, fröhlich. Nichts deutet darauf hin, dass sie fast ihr gesamtes Leben in einer als abgeschottet und eng empfundenen Gemeinschaft verbracht hat. In einem Café in Düsseldorf erzählt sie davon, wie sich ihr Leben plötzlich in ein Vorher und Nachher teilte.

Als Abigail vier Jahre alt ist, treffen ihre Eltern die Entscheidung, in eine Gemeinschaft einzutreten, deren Namen nur wenige kennen: Organische Christus Generation – kurz OCG. So nennt sich die Sekte mit Zentrum in der Schweiz, die auch in Deutschland und Österreich Anhänger hat. Abigail und ihre vier Geschwister werden damit zu „OCGern“. Wenn sie von dieser Zeit erzählt, verschwindet das Lachen plötzlich aus ihrem Gesicht. Etwas Ernstes, Verletzliches schimmert durch.

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Menschenrechte stehen an erster Stelle

Kronprinz Mohammed bin Salman und Kanadas Aussenministerin Chrystia Freeland (Bild: epa/Yoan Valat/Michael Reynolds)
Kanada will im Streit mit Saudiarabien hart bleiben – in Ottawa hält man die Folgen des diplomatischen Konflikts mit dem dünnhäutigen Kronprinzen für beherrschbar.

Jörg Michel | Neue Zürcher Zeitung

Kanada will im diplomatischen Streit mit Saudiarabien nicht klein beigeben und auch weiterhin Menschenrechtsverletzungen in aller Welt anprangern. Das sagte Premierminister Justin Trudeau am Mittwoch bei einem Auftritt in Montreal. Es war das erste Mal, dass der Regierungschef zu den sich verschärfenden Dissonanzen öffentlich Stellung bezogen hat.

«Wir sind mit der Regierung Saudiarabiens weiter diplomatisch und politisch im Gespräch. Wir werden gleichzeitig aber immer entschieden Menschenrechtsthemen ansprechen, öffentlich und privat», sagte Trudeau auf Nachfrage von Reportern. Die kanadische Bevölkerung, aber auch viele Menschen weltweit erwarteten von Kanada diesbezüglich eine Führungsrolle, die man auch weiter wahrnehmen werde.

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Bericht: „Entsetzlicher Missbrauch“ an zwei Ordensschulen

Die Kinder sollen vor den Augen ihrer Mitschüler missbraucht worden sein, die jüngsten Opfer seien gerade sieben Jahre alt gewesen: Schlimme Anschuldigungen gegen zwei vom Benediktinerorden geführte Schulen.

katholisch.de

Ein neuer Missbrauchsbericht erhebt schwere Vorwürfe gegen zwei vom Benediktinerorden geführte Schulen in Großbritannien. Über 40 Jahre hinweg seien an den Einrichtungen Ampleforth in der Grafschaft North Yorkshire und Downside in Somerset Kinder sexuell missbraucht worden, heißt es in dem am Donnerstag von der unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission (IICSA) veröffentlichten Bericht. Die jüngsten Opfer seien sieben Jahre alt gewesen. Die Untersuchung stützt sich unter anderem auf Aussagen von Betroffenen.

In beiden Institutionen habe es eine „Kultur der Akzeptanz“ und eine „eklatante Offenheit“ von missbräuchlichem Verhalten gegeben, heißt es. Viele Täter hätten ihre sexuellen Interessen nicht vor den Kindern versteckt; Opfer seien vor den Augen ihrer Mitschüler missbraucht worden.

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Österreich: Schüler spielen „Die Welle“ nach – mit „Hitlergruß“ und „Gaskammer“

Jürgen Vogel im Film „Die Welle“ von 2008. In einer Schulklasse in Österreich diente er als Inspiration zur Nachahmung, offenbar hatte die pädagogische Begleitung nicht ausgereicht. © Constantin Filmverleih Picture Alliance
Das pädagogische Konzept einer Lehrerin in Österreich schlug fehl, ihren Schülern diente der Film „Die Welle“ zur Inspiration statt als Abschreckung. Er spaltete die Klasse in SS-Männer und „Drecksjuden“.

stern.de

Wie schnell sich eine gesellschaftliche Struktur ändert, zeigt ein aktueller Fall im österreichischen Burgenland, der sich unter Schülern nach der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ereignete. Zehn Jahre ist der Film „Die Welle“ alt, in dessen Hauptrolle Jürgen Vogel seine Schüler in einem aufwendigen Sozialexperiment den Nationalsozialismus nachspüren lässt, die Verfilmung geht auf das Buch von Morton Rhue von 1981 zurück.

Beides, Buch und Film, waren Inhalt des Deutschunterrichts einer Klasse von 13- und 14-Jährigen in Zurndorf. Ganz wie im Film, in dem  das Experiment des Lehrers seiner Aufsicht entglitt, schlug auch der Unterricht einer Deutschlehrerin bei ihren Schülern fehl: Diese spielten in den Pausen Drittes Reich. In der Sporthalle übernahmen einige die Rolle von SS-Männern, andere spielten Juden. Als „Drecksjuden beschimpft“, wurden sie geschubst und in den Lagerraum für Sportgeräte eingesperrt, wie „Kurier.at“ berichtet.

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Kinderbräute in der Türkei

Hayrünnisa Gülen und ihr Mann Abdullah. Bild: mena-watch
Wo sähen Sie Ihre Tochter lieber, wenn sie 13 ist? In der Schule oder im Bett mit einem erwachsenen Mann? Die Antwort auf diese Frage ist in weiten Teilen der Welt unumstritten.

Von Burak Bekdil | mena-watch

In islamischen Gesellschaften jedoch – einschließlich der nicht-arabischen und theoretisch säkularen Türkei – wird die Antwort nicht so eindeutig ausfallen. In solchen Staaten kämpft die Polizeimacht der Regierung in der Regel nicht gegen die patriarchalische Tradition, sondern unterstützt sie. Der ehemalige Präsident der Türkei Abdullah Gül etwa, der ehemalige Verbündete und Mitbegründer der Partei, die seit 2002 die Türkei regiert, war ein 30-jähriger Mann, als er seine Frau Hayrünnisa heiratete, die damals erst 15 war. Gül, von Erdoğan einst für die Präsidentschaft nominiert, war der erste islamistische Präsident der Türkei. Konservative Türken, anstatt Güls Ehe mit einem Kind in Frage zu stellen, feuerten seinen Aufstieg zur Präsidentschaft an. Als Journalist wurde ich privat – aber nicht höflich – mehrmals von hochrangigen Politikern davor gewarnt, das Thema in einer Zeitungskolumne anzusprechen.

Laut dem türkischen Philanthropie-Fonds (TPF) werden in der Türkei 40% der Mädchen unter 18 Jahren zur Heirat gezwungen. TPF stellte fest, dass der türkische nationale Durchschnitt der weiblichen Schulabbrecher 56% beträgt. Ferner wurde festgestellt, dass eine frühe Heirat in Familien mit niedrigem Bildungsniveau zu beobachten ist. „Niedrige Bildung“ betrifft fast die gesamt Türkei: Die durchschnittliche Schulzeit im Land beträgt nur 6,5 Jahre. In 45 türkischen Provinzen liegt die Ausbildungsquote unter dem nationalen Durchschnitt.

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Religiotie: Söder zündet in Wallfahrtsort Kerze an – für Bayern

© Bild: Christopher Beschnitt/KNA
Vorab hatte es scharfe Kritik gegeben: Dennoch besuchte Markus Söder heute den Wallfahrtsort Maria Vesperbild. Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart war dabei voll des Lobes für den bayerischen Ministerpräsidenten und seine Politik.

katholisch.de

Markus Söder (CSU) hat als erster amtierender bayerischer Ministerpräsident die mittelschwäbische Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild besucht. „Wir Christen sind Ihnen überaus dankbar, dass Sie ein Zeichen für das Christentum setzen“, begrüßte ihn Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart am Mittwoch in Ziemetshausen. Söder selbst äußerte sich nicht öffentlich. Nach seiner Ankunft begab er sich für eine Andacht in die Kirche. Dann entzündete er in der Mariengrotte eine Kerze mit der Aufschrift „Gott schütze Bayern“. Etwa 400 Menschen nahmen an dem Termin teil. Söder hatte den Stopp in Vesperbild auf seinem Weg zur Kabinettssitzung in Ursberg eingelegt.

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Saudiarabien ergreift weitere Massnahmen gegen Kanada

Saudiarabien lässt die Krise mit Kanada weiter eskalieren. Alle Programme mit Kanada zur medizinischen Behandlung von saudischen Staatsbürgern in Kanada seien gestoppt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Spa am Mittwoch.

Neue Zürcher Zeitung

Die Patienten würden von Krankenhäusern in anderen Ländern aufgenommen. Der Gesundheits-Attaché Saudiarabiens für Kanada und die USA, Fahad Al Tamimi, betonte, die Sicherheit der eigenen Staatsbürger und ihrer Angehörigen werde sichergestellt.

Auslöser der Verwerfungen zwischen beiden Ländern war ein kritischer Tweet der kanadischen Aussenministerin Chrystia Freeland vom Donnerstag zur Festnahme von Menschenrechtsaktivisten in Saudiarabien. Riad reagierte ungewöhnlich harsch, wies den kanadischen Botschafter aus und zog seinen Botschafter aus Ottawa zurück.

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