Geboren im „Königreich Bayern“

Gegen die unter „Reichsbürger“-Verdacht stehende Bürgermeisterin von Bolsterlang, Monika Zeller, läuft ein Disziplinarverfahren. Zudem kommen immer mehr belastende Details ans Licht. So hat die 56-Jährige auch einen Kongress der verfassungsfeindlichen Bewegung besucht

Von Christian Rost | Süddeutsche.de

Monika Zeller gerät in Erklärungsnot. Die 56-jährige Bürgermeisterin von Bolsterlang im Oberallgäu und mehrere Gemeinderäte stehen unter dem Verdacht, mit der „Reichsbürger“-Bewegung zu sympathisieren. Nach jüngsten Erkenntnissen hat Zeller aber nicht nur einen „Reichsbürger“-Referenten in den Gemeindesaal eingeladen, sondern auch an einem Kongress der verfassungsfeindlichen Bewegung teilgenommen. Bei der Landesanwaltschaft läuft ein Disziplinarverfahren gegen Monika Zeller.

Zeller, die bei der Wahl 2014 wie alle Gemeinderäte auf einer Einheitsliste antrat, hatte sich im März 2016 mit den vier inzwischen zurückgetretenen Gemeinderäten den Vortrag eines Referenten angehört, der unumwunden für die verfassungsfeindlichen Ansichten der „Reichsbürger“ warb. Außerdem wurde bekannt, dass sich die vier Räte und die Rathaus-Chefin auch sogenannte gelbe Scheine besorgt hatten. Die Staatsangehörigkeitsausweise haben im Alltag praktisch keine Bedeutung mehr, gelten aber bei „Reichsbürgern“ als eine Art Gesinnungsausweise. Bei der Beantragung des gelben Scheins machte Zeller für die „Reichsbürger“-Bewegung“ typische Angaben. Als Geburtsort gab sie, wie Landrat Anton Klotz (CSU) bestätigte, handschriftlich „Königreich Bayern, Deutschland als Ganzes“ an und benutzte einen Vordruck mit dem Verweis auf das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz für das Deutsche Reich vom 22. Juli 1913.

weiterlesen

AfD übt scharfe Kirchenkritik

Die Kirchen Kölns hatten sich am Samstag unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ an den Protesten gegen den AfD-Parteitag beteiligt. Der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes Niedersachsen, Armin-Paul Hampel: „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein, das sollten wir durch unseren Austritt dokumentieren.“

evangelisch.de

Die rechtspopulistische Partei AfD hat mit scharfer Kirchenkritik auf den Protest von Kirchen gegen den Bundesparteitag am Wochenende in Köln reagiert. Der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes Niedersachsen, Armin-Paul Hampel, rief zum Kirchenaustritt auf: „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein, das sollten wir durch unseren Austritt dokumentieren.“ Zuvor hatte die AfD-Parteichefin Frauke Petry „hässliche, abwertende, und polarisierende Bemerkungen“ der Kirchen gegenüber der Partei kritisiert. Fakten seien dabei ausgeblendet worden. Die Kirchen Kölns hatten sich am Samstag unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ an den Protesten gegen den AfD-Parteitag beteiligt.

weiterlesen

Schluss mit der Appeasement-Politik!

Viktor Orban wählt Anfang April im ungarischen Parlament in Budapest. (Foto: dpa)
Viktor Orbán demontiert die liberale Demokratie in Ungarn. Europas Konservative müssen aufhören, ihn nur zu ermahnen – und seine Fidesz-Partei aus der EVP-Fraktion werfen.

Von Timothy Garton Ash | Süddeutsche.de

Es reicht. Das Appeasement muss aufhören. Sollte Ungarns antiliberaler Ministerpräsident Viktor Orbán weiterhin versuchen, die beste und unabhängigste Universität seines Landes, die Central European University (CEU), zu schließen und die liberale Demokratie auch noch auf andere Weise demontieren, dann muss die Europäische Volkspartei (EVP), die mächtige Gruppe der Mitte-rechts-Parteien in der EU, Orbáns Partei Fidesz aus ihren Reihen ausschließen. Anderenfalls ist das Bekenntnis der EVP zu universellen Werten das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wurde. Und die politische Familie von Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, um zwei Namen zu nennen, wird wie ein Haufen prinzipienloser Appeaser aussehen.

Ungarn ist berühmt für seine Salami, und Orbán ist ein Meister der Salamitaktik. Der Begriff geht auf Mátyás Rákosi zurück, den stalinistischen Führer Ungarns, der in den Vierzigerjahren sagte, er werde die nicht-kommunistischen Parteien zurückschneiden „wie Scheiben einer Salami“.

weiterlesen

Guernica – Zeichen und Zeichnungen

Picassos Gemälde im Madrider Reina Sofia-Museum. (Bild: Juan Medina / Reuters)
Am 26. April 1937 bombardierten deutsche Kampfflugzeuge die baskische Stadt Guernica. Picasso hat das Grauen in seinem berühmtesten Bild erfasst. Ein 94-jähriger Überlebender malt das Geschehen heute mit Kindern.

Von Ute Müller | Neue Zürcher Zeitung

Für den 26. April 1937 hatte sich Luis Iriondo etwas Besonderes vorgenommen. Nach der Schule traf sich der damals 14-Jährige mit einem Freund, um gemeinsam das erste Mal im Leben eine Zigarette zu rauchen. Wie richtige Männer wollten die beiden sich fühlen, sie hatten sich eigens lange Hosen für die Gelegenheit angezogen und wollten später noch ins Kino gehen. Doch die Jugendlichen kamen nicht dazu, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, denn gerade an jenem Nachmittag, um 15.45 Uhr, begann die deutsche Legion Condor mit einem dreistündigen Überraschungsangriff auf ihre Heimatstadt Guernica (baskisch Gernika).

weiterlesen

Polen: Verschreibungspflichtige „Pille danach” immer näher

Die konservative Einstellung der regierenden Partei PiS in Fragen der Verhütung und Familienplanung verursacht immer wieder Kontroversen und sogar Konflikte. Die „Pille danach“ gehört zu diesen umstrittenen Themen. Die parlamentarische Gesundheitskommission befürwortet die Verschreibungspflicht der Notverhütung, doch der Sejm verzichtet erstmal auf die Lesungen der Novellisierung und auf die Debatte darüber.

Von Dorota Rędzikowska | POLEN HEUTE

Die parlamentarsiche Gesundheitskommission hat mehrere Tage gebraucht, um zur Einigung im Thema der Pille danach zu kommen. Die Pille EllaOne ist immer noch rezeptfrei in Polen, doch die Regierung von Beata Szydlo kündigt immer wieder an, das Gesetz von 2015 zu ändern. Die Polinnen haben aber bereits Probleme, die Pille zu kaufen – viele Apotheker berufen sich auf die sogenannte „Gewissensklausel“, die eigentlich nur für Ärzte gilt.

weiterlesen

Türkei: So wurde das Referendum manipuliert

Bild: Nub Cake/CC BY-SA-4.0
CHP, HDP und Hayir ve Ötesi legen ihre Berichte vor und fordern weiterhin, die Wahl für ungültig zu erklären

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Eine Woche ist das umstrittene Referendum in der Türkei nun her. Staatschef Recep Tayyip Erdogan steht weltweit in der Kritik. Wahlbeobachter werfen der Regierung Manipulation vor.

Die zivile Initiative Hayir ve Ötesi hat zum Wochenende ihren Bericht veröffentlicht, in dem sie minutiös darlegt, welche Unregelmäßigkeiten es gab. Doch die Beeinflussung begann nicht erst am Wahltag, sondern schon mit Beginn des Wahlkampfes.

Im Zuge des Kampfes gegen die Opposition, den die Staatsführung unmittelbar nach dem gescheiterten Putschversuch vom Sommer 2015 massiv ausweitete, wurden rund 150 Medienhäuser geschlossen, darunter Tageszeitungen, Magazine, Buchverlage, Fernseh- und Radiostationen. Rund 170 Journalisten wurden verhaftet, mehr als 2000 Pressevertreter wurden entlassen. Zu Beginn des Wahlkampfes gab es nahezu keine unabhängigen Medien mehr. Die wenigen, die noch existierten, arbeiteten mit der Schere im Kopf, da auch ihnen jederzeit die Schließung drohen konnte.

Das führte dazu, dass es den Bürgern massiv erschwert wurde, sich frei und unabhängig über die Inhalte des Referendums zu informieren und sich eine Meinung zu bilden. Im Fernsehen erhielt das Ja-Lager rund neunzig Prozent der Sendezeit, während der Opposition nur rund zehn Prozent blieben. Diese Erkenntnis stützt sich auf offizielle Daten des türkischen Rundfunkrates RTÜK.

Übrig blieb interessierten Wählern nur noch das Internet. Aber auch dort sah es ähnlich aus. Oppositionelle Exilmedien wie das von Can Dündar begründete Magazin Özgürüz oder taz.gazete waren in der Türkei gesperrt und nur über Umwege erreichbar. Unmittelbar vor der Wahl wurden weitere unabhängige Medien wie Sendika.org oder die kurdische Tageszeitung Özgürlükcü Demokrasi gesperrt. Die Dogan Mediengruppe, zu der auch die Tageszeitung Hürriyet gehört, entließ im Wahlkampf zwei Mitarbeiter, weil diese öffentlich erklärten, dass sie mit Nein stimmen würden. Kurz: Der Nein-Wahlkampf fand in den Medien nahezu nicht statt.

Und das Ja-Lager um die AKP und die rechtsnationalistische MHP thematisierten zu keinem Zeitpunkt die konkreten Details der geplanten, 18 Punkte umfassenden Verfassungsänderung. Stattdessen verharmlosten sie die Reformen, versprachen neue Arbeitsplätze und Infrastruktur-Investitionen – Aspekte, die mit dem Referendum inhaltlich absolut nichts zu tun hatten.

Da die Medien ausfielen, musste das Nein-Lager auf andere Weise Wahlkampf führen. Doch auch das gestaltete sich schwierig. Die Oppositionspartei HDP war bereits im Vorfeld angeschlagen, denn die Parteichefs Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag sowie elf Abgeordnete und rund 2000 Parteimitglieder saßen in Haft. Mehr als achtzig gewählte Bürgermeister der HDP und BDP im kurdisch dominierten Südosten waren durch AKP-Zwangsverwalter ersetzt worden.

Das Straßenbild im ganzen Land war dominiert von mitunter riesigen Plakaten der AKP, die, oft mit Erdogans Konterfei, für ein Evet (Ja) warben. Egal ob an öffentlichen Gebäuden, in U-Bahn-Stationen, an Bahnhöfen, an Autobahnbrücken oder Einkaufsstraßen – es war unmöglich, der Ja-Kampagne zu entgehen. Sie war dauerpräsent. In zahlreichen Städten wurden zugleich Plakate der CHP und HDP sowie ziviler Nein-Initiativen mehrfach von den Stadtverwaltungen wieder abgehängt, so dass diese allenfalls vereinzelt zu sehen waren. Mehrfach wurden Wahlkampf-Busse der HDP von der Polizei beschlagnahmt. An den Universitäten, die seit dem Putschversuch von der AKP kontrolliert werden, durfte die Opposition vielfach keine Wahlkampf-Veranstaltungen abhalten.

weiterlesen

 

Johannes Willms: „Die Franzosen klammern sich an einer Lebenslüge fest“

foto: karin rocholl Johannes Willms: „Die Lage in Frankreich ist in der Tat beunruhigend. Zumal völlig unklar ist, wer am Sonntag als Sieger aus dem ersten Wahlgang hervorgehen wird.“
In einem Gespräch vor den Präsidentschaftswahlen gibt sich der Historiker, Biograf und Frankreich-Kenner skeptisch

Interview Stefan Brändle | derStandard.at

Standard: Der aktuelle Präsidentschaftswahlkampf Frankreichs verläuft ziemlich chaotisch und – das jüngste Attentat zeigt es – bis zum Schluss dramatisch. Ist das neu, verglichen mit den eher rituellen Abläufen früherer Kampagnen?

Willms: Diese Kampagne offenbart viele neue Aspekte, nicht nur in Sachen Terrorismus. Es fehlt ihr an einem zentralen Wahlthema – kein einziges wird von den Kandidaten richtig verhandelt. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass sehr viele und sehr disparate Kandidaten antreten. Wenn diesen elf Bewerbern etwas gemein ist, dann ist es – von Emmanuel Macron abgesehen – ihre europafeindliche oder -kritische Haltung. Europa wird das große Negativthema dieses Wahlkampfs. Das ist in dieser Radikalität schon neu für Frankreich; es geht viel weiter als bei der Maastricht-Abstimmung 1992. Jetzt sind auch viele im gemäßigt linken oder bürgerlichen Lager dagegen.

weiterlesen

Philosophie-Professor: «Warum sollte sich die Minderheit der Mehrheit fügen?»

Politphilosoph Georg Kohler im Lichthof der Universität Zürich. © LAB
Georg Kohler (71) über die Türkei, knappe Entscheidungen und rote Linien der Demokratie. Der Nahostkenner erklärt, warum auch grosse Minderheiten ein Interesse daran haben, sich der Mehrheit zu fügen.

Von Pascal Ritter | Aargauer Zeitung

Herr Kohler, der türkische Präsident Erdogan gewann das Referendum. Steht die Türkei vor einer Diktatur?

So einfach ist es nicht. In der Türkei sehen wir im Moment eine Mischung aus Machtergreifung und demokratischem Prozess. Es passiert etwas Ähnliches wie in Deutschland nach 1933. Erdogans Machtapparat ist zwar demokratisch legitimiert, nutzt aber seine Macht, um die demokratischen Institutionen zu knebeln oder gar zu zerstören. Erdogan ist aber kein Hitler, eher ein Putin.

Kann man mit demokratischen Mitteln die Demokratie abschaffen?

«Demokratie» ist ein mehrdeutiger Begriff. Demokratie, die den Namen verdient, ist niemals auf das Mehrheitsprinzip zu reduzieren. Denn zu ihr gehören notwendigerweise Institutionen der Machtbegrenzung, der Gewaltenteilung und der kategorischen Grundrechte, das heisst des Minderheitenschutzes. In einer richtigen Demokratie gibt es daher rote Linien, die den Absturz in die Diktatur verhindern.

weiterlesen

Russland: Nato fliegt Rekordzahl an Kampfjet-Einsätzen

Sukhoi Su-25, Bild: wikimedia.org/ Alex Beltyukov /CC-BY-3.0
Die Spannungen zwischen der Nato und Russland haben die Zahl der Alarmstarts von Kampfjets drastisch ansteigen lassen. Im vergangenen Jahr wurde ein neuer Rekord in der Ära nach dem Kalten Krieg registriert.

SpON

Kampfflugzeuge der Nato haben 2016 so viele Alarmstarts absolviert wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Von europäischen Militärbasen aus seien im vergangenen Jahr rund 780 Einsätze zur Identifizierung und Überwachung russischer Flugzeuge geflogen worden, sagte ein Sprecher des zuständigen Bündnisstützpunktes in Ramstein der Deutschen Presse-Agentur. 2015 waren es mit 410 Einsätzen nur etwa halb so viele gewesen.

weiterlesen

Die Top 10 der merkwürdigsten Dinge, die Menschen glauben

Bild: Pixabay.com
Michael Shermers „Hitliste“ abstruser Vorstellungen, die weit verbreitet sind. Im ersten Teil Platz 6 bis 10.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Seit der Veröffentlichung meines Buches „Warum Menschen merkwürdige Sachen glauben“ (1997) wurde ich gefragt, was in meiner Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert professionellen Skeptizismusses die abstrusesten Dinge seien, die Menschen glauben. Ich dachte, es wäre lustig und instruktiv eine Top 10 Liste zusammenzustellen. Natürlich sind die Kriterien, was „merkwürdig” ist zwangsläufig subjektiv, aber im Allgemeinen spreche ich über Dinge, die von den meisten Experten als unwahr abgetan werden, die aber dennoch in unserem kollektiven kulturellen Bewusstsein Fuß fassen konnten. Außerdem ziehe ich die allgemeinen Auswirkungen der Behauptungen auf die Gesellschaft in Betracht. Die Überzeugung, dass die Erde flach oder hohl ist, mag merkwürdig sein, aber es ist nichts über das die Allgemeinheit großartig nachdenkt. Im Gegensatz dazu scheinen die folgenden zehn Hirngespinste die Gedanken der Menschen nahezu anzuziehen.

#10. URALTE AUSSERIRDISCHE

Die Überzeugung, dass Außerirdische seit Jahrtausenden die Erde besuchen, wurde zur Massenbewegung, als Erich von Däniken 1968 sein Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ veröffentlichte, das ein internationaler Bestseller wurde. Verlage lieben solche Goldesel und Verkäufe im zweistelligen Millionenbereich sorgten für zahlreiche Folgebücher, wie „Aussaat und Kosmos“, „Die Götter waren Astronauten“ und natürlich, gerade rechtzeitig zur Weltuntergangs Hysterie vom 21. Dezember 2012, „Götterdämmerung – Die Rückkehr der Außerirdischen“. Auf diese Rückkehr warten die Erdlinge noch heute.

Das jüngste Ventil für den Glauben, das antike Völker nicht in der Lage gewesen sein können, solche unglaublichen Leistungen wie das pyramidenförmige Aufeinanderstellen von zugeschnittenen Steinen zu vollbringen, ist der History Channel, oder genauer H2, dem bezeichnenderweise der Sauerstoff (O) des Originals fehlt. Dessen Serie „Ancient Aliens – Unerklärliche Phänomene“ präsentiert vom blauäuigen, volltourpierten Weltverbesserer Giorgio Tsoukalos, dessen Leitthema sich am besten in einem Poster mit seinem trotteligen Gesichtsausdruck und dem Ausspruch wiederfindet: „Ich sage nicht, dass es Außerirdische sind… aber es sind Außerirdische.”

Der Grund, dass es dieses Thema in die Top Ten geschafft hat, ist dessen Allgegenwart (77% der Amerikaner glauben, dass es Zeichen dafür gibt, dass Aliens zu irgendeiner Zeit die Erde besucht haben) und die Exemplarität für den logischen Trugschluss, den man als argumentum ad ignorantiam, bzw. Argument aus Unwissenheit kennt. Die unlogische Argumentation geht wie folgt: Wenn es keine zufriedenstellende irdische Erklärung für die ägyptischen Pyramiden oder beliebige andere antike Landmarken – wie die Nazca Linien Perus oder die Statuen der Osterinseln – gibt, so muss die extraterrestrische Theorie, dass sie von fremden Wesen geschaffen wurden, wahr sein.

weiterlesen

Die Top 10 der merkwürdigsten Dinge, die Menschen glauben#

Bild: Pixabay.com
Michael Shermers „Hitliste“ abstruser Vorstellungen, die weit verbreitet sind. Im zweiten Teil Platz 1 bis 5.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Seit der Veröffentlichung meines Buches „Warum Menschen merkwürdige Sachen glauben“ (1997) wurde ich gefragt, was in meiner Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert professionellen Skeptizismusses die abstrusesten Dinge seien, die Menschen glauben. Ich dachte, es wäre lustig und instruktiv eine Top 10 Liste zusammenzustellen. Natürlich sind die Kriterien, was „merkwürdig” ist zwangsläufig subjektiv, aber im Allgemeinen spreche ich über Dinge, die von den meisten Experten als unwahr abgetan werden, die aber dennoch in unserem kollektiven kulturellen Bewusstsein Fuß fassen konnten. Außerdem ziehe ich die allgemeinen Auswirkungen der Behauptungen auf die Gesellschaft in Betracht. Die Überzeugung, dass die Erde flach oder hohl ist, mag merkwürdig sein, aber es ist nichts über das die Allgemeinheit großartig nachdenkt. Im Gegensatz dazu scheinen die folgenden zehn Hirngespinste die Gedanken der Menschen nahezu anzuziehen.

 

#5. JFK VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN

Kevin Costner hatte auf Anhieb Recht, als er in dem 1988 erschienenen Film Annies Männer Susan Sarandons Charakter erklärte: „Ich glaube Lee Harvey Oswald hat allein gehandelt“ (neben anderen Wahrheiten wie „Viele Ballaststoffe, guter Scotch, der richtige Zeitpunkt, Softcore Pornos, die Weihnachtsgeschenke am Morgen statt am Heiligen Abend zu öffnen” und höchst einprägsam, „Ich bin Anhänger von langen, langsamen, tiefen, sanften, nassen Küssen, die drei Tage andauern”). Im Gegensatz zu Costners 1991er Film JFK, in dem er unvergesslich immer und immer wiederholte „hinten und links”, um klar zu machen, dass es mehrere Schützen – mindestens drei Teams – gab, versteckt im Dealey Plaza, in Position im Dal-Tex Gebäude, auf der von Rasen bedeckten Anhöhe, hinter dem Zaun, auf der Autobahnbrücke… die Möglichkeiten werden nur durch die Vorstellungskraft beschränkt.

Diese Theorie schafft es auf die Liste, weil sie sich im Laufe des letzten halben Jahrhunderts zur Mutter aller Verschwörungstheorien entwickelt hat (vielleicht mittlerweile von der nächsten auf der Liste abgelöst) und bemerkenswerte Verbreitung in der Öffentlichkeit genießt. Eine 2009 von CBS News durchgeführte Umfrage zum Beispiel ergab, dass 60-80% der Amerikaner glauben, dass Präsident Kennedy das Opfer eines Mord Komplotts wurde.

Auch wenn die Verschwörungstheorien große Unterstützung haben, so sind sie doch alle falsch. Oswald handelte allein. Wenn Gerald Posners vernichtendes Enthüllungsbuch „Case Closed“ es Ihnen nicht klarmacht (für mich tat es das), Vincent Bugliosis gigantisches „Reclaiming History“ zerstört auf 1648 Seiten (oder in der „Kurzfassung“ „Four Days in November“ mit schlanken 688 Seiten) jede einzelne Behauptung, die für die Verschwörung sprechen. Betrachten wir nur ein paar der vielen Fakten, die nicht gerade für die Anhänger der Verschwörung sprechen:

Verschwörungstheoretiker machen viel Aufhebens um die Tatsache, dass Oswald gerade erst einen Job in einem Gebäude auf JFKs Route gefunden hatte, was darauf hindeute, dass er dort von Verschwörern eingeschleust wurde. Tatsächlich hat Gerald Posner die zeitliche Abfolge aber minutiös zurückverfolgt, bis zu dem Zeitpunkt an dem im Weißen Haus die Entscheidung fiel, dass Kennedy überhaupt nach Dallas reisen sollte, was weit nach der Einstellung Oswalds war. Es war reiner Zufall.

Oswalds Carcano Repetiergewehr – mitsamt seinen Fingerabdrücken – wurde im sechsten Stock des Texas Schulmittel-Lagerhauses, in dem er auch angestellt war, gefunden, in einem Scharfschützennest, das er aus Kartons, ebenfalls mit seinen Fingerabdrücken, gebaut hatte.

Drei dort gefundene Hülsen entsprechen den, laut Aussagen von 81% der Zeugenaussagen des Dealey Plaza berichteten, drei Schüssen.

Tests mit diesem Gewehrtyp ergaben, dass drei Schuss in der Zeit die Oswald hatte, möglich sind.

Das Carcano war die gleiche Waffe, die Oswald im März 1963 im Versandhandel kaufte.

Mitarbeiter sahen Oswald im sechsten Stock des Gebäudes kurz bevor JFKs Autokorso eintraf und sahen ihn auch kurze Zeit später, nach dem Attentat, das Gebäude verlassen.

Oswald ging nach Hause und holte seine Pistole, machte sich wieder auf den Weg und wurde kurze Zeit später von J.D. Tippet, einem Streifenpolizisten der Dallas Police gestoppt. Ihn erschoss Oswald mit vier Kugeln, was von zahlreichen Augenzeugen belegt ist. Er floh vom Tatort in ein nahegelegenes Theater ohne Eintritt zu zahlen. Die Polizei wurde gerufen und Oswald wurde gestellt. Er zog seinen Revolver und versuchte auf einen Polizisten zu schießen, hatte jedoch Ladehemmung und wurde verhaftet, was er mit den Worten „Nun, dann ist jetzt alles vorbei.“ quittierte.

Und so ist es. Vorbei ist’s mit all den JFK Verschwörungstheorien. Oswald handelte allein. Punkt.

#4. 9/11 VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN

War 9/11 ein „Inside Job”? Soll heißen, hat die Bush Administration die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon am 11, September 2001 fingiert? Nein.

Viele Leute denken, es wäre möglich, oder das Präsident Bush und seine Berater zumindest im Vorfeld der Angriffe von diesen wussten und sie geschehen ließen, um die amerikanische Öffentlichkeit für einen Krieg gegen den Irak zu einen. Um einen Job zu beenden, den Bushs Vater begonnen, aber nicht zu Ende gebracht hatte und die Interessen am irakischen Öl und an den Verbündeten im Mittleren Osten zu wahren. Genauso wie ich niemals geglaubt hätte, dass es die Holocaust-Leugnung irgendwie in die allgemeine Medienlandschaft schaffen würde, konnte ich mir nie vorstellen, dass 9/11 Leugnung irgendwie medial auf die Beine kommen würde. Aber jetzt kommt es nicht nur auf die Beine, sondern trägt sogar 7-Meilenstiefel und daher haben wir uns beim Skeptic Magazin entschlossen, eine vollständige Widerlegung aller 9/11 Verschwörungsthemen zu veröffentlichen.

Der Glaube, dass eine Handvoll ungeklärter Anomalien eine gängige Theorie unterminieren kann, ist das Herzstück jedes Verschwörungsdenkens und ist leicht durch die Anmerkung zu widerlegen, dass Glaube und Theorien nicht auf einzelnen Fakten beruhen, sondern auf einer Ansammlung von Beweisen aus verschiedensten Untersuchungen. Alle „Beweise“ für eine 9/11 Verschwörungstheorie fallen in diese Rubrik von Trugschlüssen. Im Gegensatz dazu sind die Beweise für eine echte Verschwörung durch Osama bin Laden und Al-Qaida überwältigend. Zum Beispiel:

Der Angriff auf die Armeeunterkünfte im Libanon von einer radikalen Hisbollah Fraktion 1983.

Der Bombenangriff auf das World Trade Center 1993.

Der Versuch, 12 von den Philippinen in Richtung USA gestartete Flugzeuge zu sprengen 1995.

Die Bombenanschläge auf die US Botschaft in Kenia und Tansania 1995, die 12 Amerikaner und 200 Kenianer und Tansanier töteten.

Die Angriffe auf den Khobar Tower in Saudi Arabien 1996, bei denen 19 amerikanische Militärangehörige starben.

Der versuchte Anschlag auf den Los Angeles International Flughafen durch Ahmed Ressam 1999.

Der Selbstmordanschlag 2000 mit einem Boot auf die U.S.S. Cole, bei dem 17 Seeleute getötet und weitere 39 verletzt wurden.

Die ausführlich dokumentierten Beweise, dass Osama bin Laden ein führender Finanzier und Führer Al-Qaidas war.

Die 1996 durch Bin Laden erklärte Fatwa, die den Jihad gegen die Vereinigten Staaten ausrief.

Die 1998 erlassene Fatwa, die seine Anhänger dazu aufrief „Amerikaner und ihre Verbündete zu töten – Zivilisten und Soldaten ist die persönliche Pflicht jedes Muslims der dazu in der Lage ist, in allen Ländern in denen es möglich ist.“

Nimmt man diese Beweise und die Tatsache, dass Osama bin Laden und Al-Qaida sich offiziell zu den Angriffen vom 9. September bekannt haben, sollten wir ihnen hier auch Glauben schenken.

weiterlesen

Wie die AfD-Jugend mit den Identitären kungelt

Gipfeltreffen der jungen Rechten: Martin Sellner (links), Galionsfigur der Identitären, mit Markus Frohnmaier von der AfD-Jugend.Foto: Maria Fiedler
„Kampfzwerg“ nennt Frauke Petry ihn, „Frontmaier“ die Junge Alternative. Markus Frohnmaier rückt die Partei systematisch nach rechts. Jetzt traf er einen Mann, für den sich der Verfassungsschutz interessiert.

Von Maria Fiedler | DER TAGESSPIEGEL

Es klingelt, endlich. Markus Frohnmaier springt auf und eilt zur Tür. Der junge AfD-Politiker wartet auf Besuch, seit einer Stunde schon. Jetzt steht draußen breit grinsend ein Mann. „Servus!“, ruft der. Er trägt eine Sonnenbrille und ein dunkelblaues Polo-Shirt. Auf der Brust ein aufgesticktes Lambda-Zeichen, wie ein umgekehrtes V – es ist das Symbol der rassistischen Identitären Bewegung, der Mann ihr Abgesandter. „Schön, dass du da bist“, sagt Frohnmaier. Sie schlagen ein.

Markus Frohnmaier, 26 Jahre alt, ist Chef der AfD-Jugend „Junge Alternative“, etwa 1,70 Meter groß. Parteichefin Frauke Petry nennt ihn Kampfzwerg. Der Mann, dem er gerade die Tür geöffnet hat, ist Martin Sellner, 28 Jahre alt, Österreicher und Galionsfigur der Identitären im deutschsprachigen Raum. Frontmann einer jungen, völkischen Bewegung, deren deutscher Ableger vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

weiterlesen

Die Einfalt der Vielfaltsapostel

Die Aktion der Kirchen: Zeichen der Haltung oder Einschränkung von Meinungsvielfalt? / picture alliance
Auch die Kirchen demonstrieren gegen den Parteitag der AfD. Protest ist legitim, doch die Aktion unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ ist anmaßend und in sich widersprüchlich

Von Alexander Kissler | Cicero

Manchmal scheitert gute Gesinnung an der Algebra. Daran, dass fünf doch größer als vier ist, zweimal drei sechs ergibt und sechs wiederum kleiner wird, wenn man zwei abzieht. Wer es anders sieht, der muss sich auf persönliche Eingebungen, postmoderne Theorien oder gleich den lieben Gott berufen. Insofern ist es vielleicht folgerichtig, wenn sich deutsche Christen mit Leidenschaft und Kirchensteuer an einer neuen mathematischen Theologie versuchen. Sie erklären uns: Eine Summe wird größer, wenn man das Richtige abzieht. Den Einzug eines wundertätigen Moralkoeffizienten in die allgemeine Mengenlehre erleben wir derzeit im Vorfeld des AfD-Parteitags. Dieser ist für kommendes Wochenende in Köln annonciert.

weiterlesen

Auch ohne religiöses Motiv ist der Täter von Dortmund ein Terrorist

Das Trauma wird den Spielern wohl bleiben, auch wenn der Täter nicht zur Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats gehört. (Foto: AP)
Aktienkurse als Motiv, dazu handwerkliche Professionalität, kriminelle Energie und Blödheit – der Anschlag auf den BVB-Bus wäre selbst als Plot für einen Fernseh-Krimi zu absurd. Aber er ist wahr, und er sät Angst.

Von Kurt Kister | Süddeutsche.de

In einer Zeit, in der Donald Trump im Weißen Haus sitzt und Facebook daran arbeitet, Gedanken zu lesen, sollte einen eigentlich nichts mehr wundern. Und dennoch ist der wahrscheinliche Hintergrund des Anschlags auf den Bus von Borussia Dortmund dermaßen absurd, dass die Tat selbst heute, da das Absurde normal zu werden scheint, besonders hervorsticht.

Ein junger Mann, Russlanddeutscher, ausgebildet als Elektroniker und belobigt in der Berufsschule, bastelt drei Bomben. Mit denen will er einen Bus voller Fußballer in die Luft sprengen, um so den Kurs ihres an der Börse notierten Vereins auf Talfahrt zu bringen und über vorher georderte Verlust-Optionen Geld zu verdienen. Selbst wenn man Tatort-Redakteur wäre, würde man so einen Plot als zu konstruiert ablehnen – und das heißt etwas angesichts der Tatsache, dass bei vielen dieser Fernsehkrimis ohnehin der fröhliche Gagaismus regiert.

weiterlesen

Papst spricht im Oktober Opfer protestantischer Verfolgung heilig

Ob ein Zusammenhang zwischen der Heiligsprechung und dem ökumenischen Reformationsgedenken steht, das in diesem Jahr begangen wird, blieb offen.

kath.net

Papst Franziskus spricht dreißig Katholiken heilig, die im 17. Jahrhundert von Protestanten ermordet wurden. Das gab er bei dem am Donnerstag im Vatikan abgehaltenen Konsistorium der Kardinäle bekannt. Am 15. Oktober kanonisiert das Kirchenoberhaupt demnach in Rom eine Gruppe von 30 Märtyrern um den Jesuiten Andre de Soveral (1572-1645), die 1645 in Brasilien während eines Gottesdienstes von calvinistischen Söldnern der niederländischen Kolonialherren getötet wurden. Heiliggesprochen werden neben dem Brasilianer de Soveral auch der in Portugal geborene Priester Ambrosio Francisco Ferro sowie 28 Laien.

weiterlesen

Anti-AfD-Protest: Meuthen legt sich mit der Kirche an

Bild: Merkur.de
Schon einen Tag vor dem AfD-Bundesparteitag in Köln wird gegen die Rechtspopulisten demonstriert. Auch die Kirchen wollen am Wochenende dabei sein. Eine politische Einmischung, findet der Parteivorsitzende.

Merkur.de

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hat den Kirchen vorgeworfen, sich auf unlautere Weise in die Politik einzumischen. Meuthen kritisierte am Freitag auf seiner Facebook-Seite „den politischen Kampf von sich moralisch überlegen fühlenden Kirchenfürsten, denen augenscheinlich die in Deutschland übliche Trennung von Staat und Kirche nicht mehr ganz geläufig ist“.

Er selbst sei zwar gläubiger Christ, denke jedoch „in Anbetracht dieses vollkommen fehlgeleiteten klerikalen Klamauks“ erstmals darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Seinen Post versah Meuthen mit einem Spruchbild, auf dem „Bei den Kirchen ist ein Schräubchen locker – Beten gegen die AfD: Oh Herr, gib Hirn!“ zu lesen war.

Damit bezog sich Meuthen auf das bereits am Freitagabend in einer Kirche in der Nähe des AfD-Tagungshotels geplante „Politische Nachtgebet“. Meuthen sprach in dem Zusammenhang von „Geiselhaft, in welche gläubige Christen genommen werden, die jetzt am Sonntag in eine Kölner Kirche gehen“.

weiterlesen

Das erhabene Spektakel der Atomtests

Themenbild. Screengrab Youtube
US-Wissenschaftler haben Videos von den oberirdischen Atomwaffentests der USA aus den Jahren 1945 bis 1962 deklassifiziert und eine „Playlist“ veröffentlicht

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Im Konflikt mit Nordkorea herrscht die Angst, es könne zu einer nuklearen Auseinandersetzung kommen. Das Säbelrasseln und Waffen-Vorführen ist zwar ein übliches Macho-Gehabe zwischen Staaten, wenn sie aber von unberechenbaren Menschen wie Donald Trump oder Kim Jong-un geleitet werden, bleibt die Unsicherheit groß, dass einmal eine schnelle Entscheidung eine Entwicklung auslöst.

So ist womöglich damit zu rechnen, dass Nordkorea wieder einen provozierenden Atomwaffentest ausführt. Es wäre der bislang sechste. Ob das Regime über einsatzfähige Atomwaffen verfügt, ist allerdings weiterhin eine Frage der Spekulation. Nordkorea macht alles, damit es so scheint, zumal das Regime – ein Teil der „Achse des Bösen“ von George W. Bush – gelernt hat, dass einzig Atomwaffen vor Regime Change schützen.

Nordkorea führte seine Atomwaffentests unterirdisch durch. Im Kalten Krieg haben die USA und die Sowjetunion zahlreiche Tests durchgeführt. Während Russland mehr als 700 Tests durchführte, zündeten die USA über 1000 Mal eine Bombe, davon 200 Mal oberirdisch. Auch Frankreich war mit fast 200 Atomwaffentests dabei, China und Großbritannien führten jeweils 45 Tests durch.

weiterlesen

Pakistanischer Mufti: Hinrichtung Asia Bibis würde Lage beruhigen

Bild. mangobaaz.com
Pakistanische Bischofskonferenz widerspricht: Aufgabe der Moscheen wäre, provokativen Ankündigungen Einhalt gebieten

kath.net

Pakistanische Imame fordern nach einem Bericht des römischen Missionspressedienstes „AsiaNews“ (18. April) jetzt eine sofortige „exemplarische“ Hinrichtung der seit sieben Jahren in einer Todeszelle wegen angeblicher „Blasphemie“ inhaftierten Christin Asia Bibi. Dies würde die justizkritischen Stimmen im Land „beruhigen“, so die Argumentation. Denn nach Meinung mehrerer landesweit bekannter islamischer Prediger sei der in der Vorwoche wegen „Blasphemie“ gelynchte 23-jährige Student Mashal Khan aufgrund eines seit langem aufgestauten „Volkszorns“ getötet worden. Die Menschen seien erzürnt, weil Hinrichtungen nach dem 1986 eingeführten Blasphemie-Paragraphen nicht vollzogen würden, so die Imame.

weiterlesen

Abdel-Samad: ‚Integration der muslimischen Türken in Deutschland ist gescheitert‘

Hamed Abdel-Samad, Bild: bb

Islamkritiker Abdel-Samad: In Deutschland hätten sich nicht etwa die benachteiligten oder arbeitslosen Türken für Erdogan ausgesprochen, „sondern jene Krawatten-Islamisten, die gute Berufe haben und perfekt Deutsch sprechen“.

kath.net

Das Ja zur umstrittenen Verfassungsreform in der Türkei ist auch ein Zeichen, dass die Integration der in Deutschland lebenden muslimischen Türken gescheitert ist. Davon schreibt der Publizist und Islamkritiker Abdel-Samad auf seiner Facebook-Seite, wie idea berichtet. Im Gegensatz zur Türkei seien die in Deutschland lebenden Türken nicht gespalten, schreibt Abdel-Samad. Nur 36 Prozent der Deutschtürken hätten gegen das Gesetz gestimmt. Wenn man bedenke, dass neben einigen assyrischen Christen rund 25 Prozent der hier lebenden Türken kurdische Aleviten seien, die das Gesetz aus existenziellen Gründen ablehnten, dann liege die Zustimmungsquote für die „Einführung der Diktatur“ schon bei über 90 Prozent: „Propaganda“ für das Ja zur Erdogan „in Deutschland haben nicht etwa die benachteiligten oder arbeitslosen Türken gemacht, sondern jene Krawatten-Islamisten, die gute Berufe haben und perfekt Deutsch sprechen. Es waren jene grinsenden Kopftuch-Muslimas, die uns verkaufen wollen, dass das Kopftuch ein Zeichen ihrer Emanzipation sei.“

weiterlesen

Erdogan, der Separatist

Bild: FB
Der türkische Präsident machte aus seinen Machtgelüsten nie ein Geheimnis. Umso mehr überraschen die Reaktionen auf seinen erneuten Wahlsieg.

Von Hülya Tektas | Wiener Zeitung

Nun ist genau das eingetreten, was man vor langer Zeit schon geahnt hatte. Mit nur knapper Mehrheit und trotz Vorwürfen über massiven Wahlbetrug und -manipulation wurde das türkische Verfassungsreferendum zugunsten des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan entschieden.

Erdogans Kampf um die Auslandsstimmen ließ zwar vermuten, dass er sich über die Stimmenknappheit bewusst war, dennoch ist der Wahlausgang keine allzu große Überraschung, wenn man bedenkt, dass er die Türkei seit 2003 zuerst als Premier und danach als Präsident mit eiserner Hand regiert. Die Welt konnte mitansehen, wie sich ein Mann und mit ihm auch eine ganze Nation innerhalb von 14 Jahren veränderten. Da Erdogan nicht erst seit dem Referendum, das ihm mit der Verfassungsänderung die lang ersehnte Ein-Mann-Herrschaft ermöglicht, eine Gefahr darstellt, sollten sich Politiker und alle anderen, die ihn kritisieren, fragen, ob man die Entwicklung der vergangenen 14 Jahre nicht hätte verhindern können.

weiterlesen

Die Zeit der Tierversuche mit Affen ist vorbei

Ein Rhesus-Affe mit zwei Implantaten im Kopf: Im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen wird mit Elektroden die Aktivität des Gehirns untersucht. Die Aufnahme entstand 2016. © Picture-Alliance
Die massive Kritik von Tierschützern zeigt endlich Erfolg: Das Max-Planck-Institut stellt in der Gehirnforschung die Versuche an Affen ein. Derzeit wird im Institut noch wegen Tierquälerei ermittelt.

stern.de

Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik (MPIBK) in Tübingen forscht nach anhaltender Kritik von Tierschützern nicht mehr an Affen. „Wir bestätigen, dass die Affenversuche endgültig beendet sind und wir keine Affen mehr haben“, teilte die Sprecherin des Instituts mit. Abteilungsdirektor Nikos Logothetis hatte schon vor zwei Jahren angekündigt, nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten Experimente nur noch mit Nagetieren forschen zu wollen.

Der Vorsitzende des Vereins Soko Tierschutz, Friedrich Mülln, bezeichnete das Ende der Affenversuche als historischen Erfolg der Tierschutzbewegung Deutschlands. Ein als Pfleger arbeitender Tierschützer hatte die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich gefilmt. Die Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirn-Implantaten, eines der Tiere hat einen blutverschmierten Kopf, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund.

weiterlesen