Opus Dei Priester Martin Rhonheimer: „Barmherzigkeit schafft keinen Wohlstand“

© Frank Röth Martin Rhonheimer: „Ich würde niemals behaupten, Sozialdemokraten seien die schlechteren Christen. Ich würde nur sagen, sie sind im Irrtum.“
© Frank Röth Martin Rhonheimer: „Ich würde niemals behaupten, Sozialdemokraten seien die schlechteren Christen. Ich würde nur sagen, sie sind im Irrtum.“
Martin Rhonheimer liebt den Papst – und den Neoliberalismus. Kirchensteuern will er abschaffen, von staatlich organisierter Caritas hält er nichts. Wie passt das zum Christentum?

Frankfurter Allgemeine

Er stammt aus einer großbürgerlich jüdischen Familie in Zürich und konvertierte mit sieben Jahren zum Katholizismus. Später studierte Rhonheimer Theologie und wandte sich während der  Finanzkrise auch ökonomischen Themen zu.

„Diese Wirtschaft tötet“, verkündet Papst Franziskus. Er polemisiert gegen die Reichen und stellt sich auf die Seite der Armen. Herr Rhonheimer, was halten Sie als Priester der katholischen Kirche von dieser Position Ihres Oberhauptes?

Als Priester verstehe ich die Sorge der Kirche um die Armen; das hat eine lange Tradition. Als Philosoph und Ökonom kann ich aber die Lösungsansätze des Papstes hier nicht nachvollziehen. Wozu Franziskus aufruft, soll den Armen helfen. Aber in Wirklichkeit hilft es den Armen nicht, sondern verschlimmert ihre Situation nur noch.

Wie kommt der Papst zu seiner Behauptung?

Man muss das verstehen aufgrund seiner Erfahrungen in Argentinien, dem Land, aus dem der Papst stammt. Dort hält man den Liberalismus für eine Quelle von Klientelismus und Korruption, die den Staat heruntergewirtschaftet haben. Franziskus hatte Sympathien mit dem Peronismus und den Wohltätigkeitsaktionen von Evita. Da gab es die populäre Vorstellung, Armut sei eine böse Folge des Reichtums der Reichen, und die Reichen müssten deshalb ihren Reichtum mit den Armen teilen.

weiterlesen

Däne wegen „Vergewaltigung auf Bestellung“ vor Gericht

Ein 70-Jähriger soll in 346 Fällen den Missbrauch von Kindern auf den Philippinen bestellt und per Livestream verfolgt haben. Er steht seit Dienstag vor Gericht.

Die Presse.com

Ein dänischer Pensionist soll in 346 Fällen Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch von Kindern über das Internet bestellt haben. Dafür muss sich der 70-Jährige seit Dienstag in Glostrup vor Gericht verantworten. Der Mann habe die Taten, die sich zwischen 2011 und 2016 auf den Philippinen abgespielt haben sollen, über einen Livestream verfolgt, heißt es in der Anklage.

Von seinem Computer in einem Kopenhagener Vorort aus, habe er bestimmen können, was mit den Kindern passieren solle. Im Februar 2016 war der 70-Jährige wegen des Vorwurfs der „Vergewaltigungen auf Bestellung“ festgenommen worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die meisten Fälle gibt der Mann zu. Für den Prozess sind 41 Verhandlungstage geplant. Ein Urteil soll im Juni fallen.

Bayern will das Guantanamo-Prinzip einführen – Überdachen?

bayern_fahne

Die CSU erwägt einen ungeheuerlichen Tabubruch: Sogenannte Gefährder sollen beliebig lange in Haft bleiben. Damit stellt die Staatsregierung die Unschuldsvermutung auf den Kopf.

Von Ronen Steinke | Süddeutsche.de

Es ist nicht „Schutzhaft“, was da in Bayern entstehen soll. Es soll noch eine unabhängige Justiz entscheiden, ob jemand, dem keinerlei Straftat nachzuweisen ist, hinter Gitter gesteckt wird und für wie lange. Es geht auch nicht um das Einschüchtern von politischen Gegnern der CSU.

Aber es ist immerhin das Guantanamo-Prinzip, das die Staatsregierung da einführen will, erstmals in Deutschland. Es lautet: Wen wir für terrorgefährlich halten, den sperren wir weg, bis wir ihn für ungefährlich halten oder er verrottet ist, whichever comes first.

weiterlesen

NSU-Polizistenmord: Ermittlungssabotage in Süd-West

Themenbild.
Themenbild.
Kiesewetter-Ausschuss: Nach dem November 2011 wurden die Fahnder in Baden-Württemberg kalt gestellt – Der Anschlag ist ungeklärt.

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die Ermittlungen zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn, beeinflusst wurden – und wie das geschah.

Erst wurden sie jahrelang behindert, dann – nach dem Auffliegen des NSU im November 2011 – wurden die bis dahin erzielten Erkenntnisse für null und nichtig erklärt, schließlich sollten gar keine Ermittlungen mehr stattfinden. Doch vier Jahre mühsamer politischer Aufarbeitung des NSU-Skandals unter anderem durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse haben die Decke soweit gelüftet, dass das sichtbar geworden ist.

Es ist ein Desaster – allerdings ein organisiertes. Und es hat dazu geführt, dass der Polizistenmord von Heilbronn bis heute nicht aufgeklärt ist, allen gegenteiligen Verlautbarungen zum Trotz. Nicht Böhnhardt und Mundlos waren die – alleinigen – Täter, sondern mindestens vier bis sechs Personen müssen an dem Anschlag beteiligt gewesen sein. Möglicherweise hatten auch die beiden Uwes dabei eine Rolle. Welche, ist unklar.

Im Kiesewetter-Ausschuss von Baden-Württemberg kamen weitere Einzelheiten des Ermittlungsdesasters zur Sprache, auch wenn das nicht so genannt wird. Eine Art unfreiwillige Kronzeugin ist die Kriminalhauptkommissarin Sabine Rieger vom Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart, die bereits zigmal in den Untersuchungsausschuss geladen wurde. Die Fakten kommen scheibchenweise ans Licht. Die Karrierebeamtin trägt die durch die Bundesanwaltschaft angeordnete Umpolung der Ermittlungen nach dem November 2011 ausschließlich Richtung Böhnhardt und Mundlos gleichwohl mit. „Täterorientiertes Ermitteln“ nennt sie es.

weiterlesen

George W. Bush verteidigt die Pressefreiheit

George W. Bush (wikipedia)
George W. Bush (wikipedia)
  • Der frühere US-Präsident George W. Bush verteidigt die Pressefreiheit in den USA.
  • Medien würden Menschen zur Verantwortung ziehen, die ihre Macht missbrauchen, sagt Bush in einem Interview.
  • Es ist ein deutlicher Widerspruch zum amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, der Medien als „Feinde des Volkes“ bezeichnet hat.

Süddeutsche.de

In deutlicher Abgrenzung zu Donald Trump hat George W. Bush die Medien als unverzichtbaren Bestandteil der Demokratie hervorgehoben. „Wir brauchen sie, um Leute wie mich zur Verantwortung zu ziehen“, sagte der frühere US-Präsident dem US-Sender NBC.

„Macht kann sehr süchtig machen, und sie kann sehr zerstörerisch sein. Es ist wichtig, dass Medien Menschen zur Verantwortung ziehen, die ihre Macht missbrauchen – sei es hier oder anderswo“, sagte Bush.

weiterlesen

Berlin verbietet Fussilet-Verein – Razzia an 24 Orten

„Diese Moschee ist endgültig geschlossen!“ So stand es vor einer Woche an einer Tür der Fussilet-Moschee in Moabit.Foto: Paul Zinken/dpa
Die Fussilet-Moschee in Moabit war auch Anlaufstelle für den Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri. Seit dem frühen Dienstagmorgen laufen nun Durchsuchungen gegen den Trägerverein „Fussilet 33“.

Von Ingo Salmen | DER TAGESSPIEGEL

Der Berliner Senat greift gegen den Moscheeverein „Fussilet 33“ durch. Die Innenverwaltung hat ein Vereinsverbot verfügt. Seit 6 Uhr am Dienstagmorgen durchsucht die Polizei deshalb Objekte an 24 Orten in mehreren Bezirken. Dazu zählten Wohnungen, zwei Geschäftsräume und Zellen in den Justizvollzugsanstalten Moabit und Tegel. Ziel der Razzia seien die Sicherstellung von Beweismitteln und die Festsetzung des Vereinsvermögens, sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel dem Tagesspiegel. 450 Beamte seien im Einsatz.

Das Bethaus in der Perleberger Straße in Moabit hatte der Verein vor einer Woche schon von sich aus geräumt. „Diese Moschee ist endgültig geschlossen!“, stand auf einem Schild am Eingang. Die Einrichtung galt seit langem schon als Treffpunkt von Salafisten. Auch der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri verkehrte dort. Ende Januar hatte die Polizei bei einer Razzia bereits drei Terrorverdächtige festgenommen, einer davon ein führender Kopf des Vereins.

weiterlesen

Israel schlägt Saudi-Arabien eine Anti-Iran-Allianz vor

saudi_isis

Das Regime in Teheran sei die größte Gefahr für den jüdischen Staat, erklärt der israelische Verteidigungsminister im „Welt“-Interview. Vorbild für ein Bündnis mit den Golfstaaten könnte die Nato sein.

Von Daniel-Dylan Böhmer, Michael Stürmer | DIE WELT

Israel hat Saudi-Arabien die Bildung einer Art Nato im Nahen Osten vorgeschlagen. „Es ist Zeit, öffentlich ein formelles Bündnis zu bilden, eine Koalition aller gemäßigten Kräfte im Nahen Osten gegen den Terror“, sagte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman der „Welt“.

Die gemäßigten sunnitischen Staaten hätten verstanden, dass „die größte Gefahr für sie nicht Israel ist, oder der Zionismus, oder die Juden, sondern der Iran“, sagte Lieberman. Zu den gemäßigten Staaten zählte er die Golfstaaten, namentlich auch Saudi-Arabien. Lieberman sagte, es sei egal, „ob es sich bei den Partnern einer solchen Allianz „um Muslime, Juden oder Christen handelt“.

weiterlesen

Homophobie: Facebook-Konto wegen Bibelzitaten zu Homosexualität gesperrt

facebook-welt-karte

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat wiederholt die Unparteilichkeit und Offenheit seiner Plattform betont.

kath.net

Das Facebook-Konto einer christlichen Nutzerin ist gesperrt worden, nachdem diese Stellen aus der Bibel zitiert hatte, welche Homosexualität verurteilen.

Elizabeth Johnston, die auf Facebook unter dem Namen „Activist Mommy“ schreibt, zitierte Stellen aus dem Alten und dem Neuen Testament, um zu beweisen, dass die Bibel Homosexualität ablehnt. Facebook löschte diese Beiträge und sperrte ihr den Zugang zu ihrer eigenen Seite. Sie konnte nicht einmal auf private Nachrichten antworten.

weiterlesen

 

Ab Mittwoch gelten strengere Sicherheitsvorschriften im Kölner Dom

Themenbild
Themenbild
Im Kölner Dom gelten ab Mittwoch strengere Sicherheitsvorschriften. Auf der Internetseite werden Besucher darauf hingewiesen, dass die Mitnahme von großen Taschen, Reisekoffern und Wanderrucksäcken nicht mehr erlaubt ist.

evangelisch.de

Wer das katholische Gotteshaus besichtigen will, darf aber weiterhin ungehindert Flüssigkeiten mitnehmen. Auch eine Handtasche oder ein kleiner Rucksack bleiben weiterhin erlaubt.

weiterlesen

Haftantrag gegen „Welt“-Reporter Deniz Yücel

 Der Türkei-Korrespondent der
Der Türkei-Korrespondent der „Welt“, Deniz Yücel Quelle: Esra Gültekin
Die Ungewissheit hat kein Ende: Deniz Yücel, „Welt“-Korrespondent in der Türkei, ist nach 13 Tagen in türkischem Gewahrsam dem Haftrichter überstellt worden. Der entscheidet über die Verhängung von Untersuchungshaft.

DIE WELT

Seit knapp zwei Wochen ist „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel in Polizeigewahrsam in Istanbul. Nach einer Vernehmung durch den Staatsanwalt stellte dieser am Montag Nachmittag Haftantrag. Jetzt entscheidet der Haftrichter über die Verhängung von Untersuchungshaft.

Yücel wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung vorgeworfen.

weiterlesen

Hunderte Gräber auf jüdischem Friedhof in Philadelphia geschändet

 Vandalismus auf dem Mount Camel Friedhof in Philadelphia: Unbekannte haben Hunderte Grabsteine zerstört. (Foto: AFP)
Vandalismus auf dem Mount Camel Friedhof in Philadelphia: Unbekannte haben Hunderte Grabsteine zerstört. (Foto: AFP)
  • Auf dem Mount Camel Friedhof in Philadelphia sind mehrere hundert Grabsteine zerschlagen oder umgestürzt worden.
  • Mehrere Organisationen haben zur Ergreifung der Täter eine Belohnung von insgesamt 13 000 Euro ausgesetzt.

Süddeutsche.de

Der Mount Carmel Friedhof in Philadelphia gleicht einem Bild der Verwüstung. In der Nacht zu Sonntag haben Unbekannte Grabsteine zerschlagen und umgeworfen. Der Sender NBC Philadelphia berichtet unter Berufung auf einen Rabbiner von 460 geschändeten Grabsteinen, die Polizei von mehr als 100. Zur Ergreifung der Täter haben mehrere Organisationen eine Belohnung von insgesamt 13 000 Dollar ausgesetzt.

weiterlesen

Rechtsradikale Musik: Die völkische Folklore ist auf dem Vormarsch

 Michael Regener gehört mit seiner Band
Michael Regener gehört mit seiner Band „Die Lunikoff Verschwörung“ zu den Stars der Neonazi-Musikszene Quelle: picture alliance / Geisler-Fotop
Die Zahl der Neonazi-Liederabende hat sich fast verdoppelt. Die Szene hat Schwierigkeiten, Bühnen für Konzerte zu finden. Doch selbst braune Großveranstaltungen überraschen zuweilen die Polizei.

Von Florian Flade, Marcel Pauly | DIE WELT

Ein kühler, trockener Herbstabend im baden-württembergischen Örtchen Forst, keine halbe Stunde von Karlsruhe entfernt. Es ist Halloween, draußen gehen Kinder verkleidet von Haustür zu Haustür und versuchen, Süßigkeiten abzugreifen. Drinnen, in einer Gaststätte, betritt Michael Regener die Bühne. Dutzende Zuschauer sind gekommen, um einem Abend der gepflegten musikalischen Hetze beizuwohnen.

Regener ist ein Schwergewicht der rechten Musikszene. Bis zu deren Auflösung im Jahr 2003 war er Sänger der wohl bekanntesten Neonazi-Band Deutschlands: Landser. In ihren Texten heißt es etwa „Afrika für Affen. Europa für Weiße. Steckt die Affen in ein Klo. Und spült sie weg wie Scheiße“ oder „Und keine Türken werden mehr rumlaufen. Keine Pfaffen dürfen Kinder taufen. Keine Nigger deutsches Pils mehr saufen. Keine Juden unser Volk verkaufen. Das Reich kommt wieder“.

weiterlesen

Zahl toter Flüchtlinge im Mittelmeer verdreifacht

Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Immer mehr Flüchtlinge sterben im zentralen Mittelmeer. Seit Anfang Januar sind 326 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben gekommen. Im Jahr zuvor wurden im selben Vergleichszeitraum 97 Tote gezählt.

MiGAZIN

Immer mehr Flüchtlinge sterben laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der gefährlichen Überfahrt von Libyen nach Italien. Von Anfang Januar bis Mittwoch vergangener Woche seien 326 Menschen auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute ertrunken oder an Bord der Schleuserboote ums Leben gekommen, teilte die IOM am Freitag in Genf mit. Rund 10.700 Menschen hätten Italien lebend erreicht.

Im selben Zeitraum des Vorjahres seien 97 Flüchtlinge und Migranten auf der zentralen Mittelmeerroute gestorben, hieß es. Rund 8.100 Menschen, die in Libyen an Bord gegangen seien, hätten seinerzeit die Küsten Italiens erreicht.

weiterlesen

Deniz Yücel – das Haftprotokoll

 Deniz Yücel ist seit dem 14. Februar in türkischem Polizeigewahrsam Quelle: Esra Gültekin
Deniz Yücel ist seit dem 14. Februar in türkischem Polizeigewahrsam Quelle: Esra Gültekin
Im türkischen Polizeigewahrsam darf Deniz Yücel nicht schreiben. In solchen Fällen diktieren gefangene Autoren und Journalisten ihren Anwälten in Besuchszeiten häufig Berichte. Diesen Text haben Yücels Verteidiger mitgebracht.

DIE WELT

Bericht nach neun Tagen Polizeihaft im Polizeipräsidium Istanbul, Vatanstraße, Aksaray.

Der Korrespondent muss mal wieder was liefern. Wir sind ja nicht zum Spaß hier.

Polizeigewahrsam? – Polizeihaft!

Sachverhalt: Seit dem Ausnahmezustand wird in der Türkei die Polizeihaft oft als Bestrafungsinstrument benutzt. Immer wieder sitzen Leute bis zu 14 Tage (bis vor Kurzem: bis zu 30 Tage) und werden danach laufen gelassen. Darum Polizeihaft, nicht Polizeigewahrsam. Und manche Ex-Gefangene sagen, im Gewahrsam seien die Bedingungen härter als in vielen Gefängnissen.

weiterlesen

Ex-„Cumhuriyet“-Chef gegen Redeverbot für Erdogan in Deutschland

Eine Flagge während des Besuchs des türkischen Premiers Yildirim in Oberhausen. – REUTERS
Eine Flagge während des Besuchs des türkischen Premiers Yildirim in Oberhausen. – REUTERS
Ein Verbot würde den türkischen Präsidenten in den Augen seiner Anhänger stärken, sagt Dündar. Außenminister Kurz ist gegen einen Wahlkampfautritt Erdogans in Österreich.

Die Presse.com

Der ehemalige Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, hat sich gegen ein Redeverbot für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland ausgesprochen. „Ich bin ein entschiedener Gegner Erdogans, aber ich bin auch ein überzeugter Demokrat und kämpfe für das Recht auf freie Meinungsäußerung“, sagte Dündar der „Passauer Neuen Presse“ (Montagsausgabe). Ein Verbot würde „ihn in den Augen seiner Anhänger stärken und die Spannungen unter den Türken in Deutschland anheizen“.

Erdogan will in der Türkei ein Präsidialsystem einführen, das seine Befugnisse auf Kosten des Parlaments erheblich ausweiten würde. Für den 16. April ist dazu in der Türkei eine Volksabstimmung angesetzt, bei der auch in Deutschland und Österreich lebende Türken wahlberechtigt sind. Erdogan will daher auch in diese beiden Ländern für das Präsidialsystem werben – wo, ist noch nicht klar.

weiterlesen

Dschihad nein, Zwangsscheidung ja

moscheeartikelbild
Themenbild.
Das Islamische Zentrum in Stuttgart wird nach Ansicht des Verfassungsschutzes von Salafisten geprägt. Der Vorstand des Zentrums bestreitet das. Zu Tagungen und anderen Veranstaltungen im Zentrum würden nur „gemäßigte Leute, die zu uns passen“, eingeladen, so der Vorstand.

Von Judith Kubitschek | evangelisch.de

Es ist kurz nach dem Abendgebet. Im Büro von Scheich Fathy Eid, Imam des Islamischen Zentrums Stuttgart e.V., sind aufgeregte Stimmen zu hören. „Der Imam berät ein Ehepaar, das sich scheiden will, wie das richtige Vorgehen nach islamischen Recht ist“, erklärt Abd El Moneim El Damaty, Vorstand des Islamischen Zentrums, der sein Büro direkt neben dem Imam hat.

Der 63-Jährige Einzelkaufmann hat das Zentrum, das sich auch Omar Ibn Al-Khattab Moschee nennt, gegründet. Ein salafistischer Imam und salafistische Tagungen in seinem Zentrum? El Damaty lacht laut auf. „Das Zentrum ist theologisch ganz neutral“ und sei offen für alle – regelmäßig fänden dort kirchliche Dialogveranstaltungen statt und Schulklassen kämen zu Führungen, betont er.

weiterlesen

Türkei stellt 290 Kilometer Mauerabschnitt an Grenze zu Syrien fertig

Ein Mauerabschnitt bei Besarslan im Westen der syrisch-türkischen Grenze. (Foto: REUTERS)/n-tv
Ein Mauerabschnitt bei Besarslan im Westen der syrisch-türkischen Grenze. (Foto: REUTERS)/n-tv
Mehr als die Hälfte des geplanten 511 Kilometer langen Mauerabschnitts damit fertiggestellt

derStandard.at

Die Türkei hat an der Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien bereits eine 290 Kilometer lange Mauer errichtet. Damit sei mehr als die Hälfte des geplanten 511 Kilometer langen Mauerabschnitts fertiggestellt, sagte Ergün Turan, der Vorsitzende der an der Errichtung beteiligten staatlichen Wohnungsbaugesellschaft Toki, nach einem Bericht des Senders TRT vom Sonntag.

Demnach erstreckt sich die Mauer über die süd- und südosttürkischen Provinzen Hatay, Kilis, Sanliurfa, Mardin, Sirnak und Gaziantep.

weiterlesen

Über 3.500 Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte in 2016

Im vergangenen Jahr hat es laut Bundesinnenministerium insgesamt 3.533 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Hinzu kommen 217 Attacken gegen Hilfsorganisationen oder freiwillige Asyl-Helfer, wie aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervorgeht, die den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Sonntag) vorliegt.

evangelisch.de

Demnach wurden 2.545 Angriffe auf Flüchtlinge außerhalb ihrer Unterkunft gezählt, 988 auf Flüchtlingsheime. Dabei wurden 560 Menschen verletzt, darunter 43 Kinder.

weiterlesen

Kauder: Der Einsatz für Christen in der Türkei ist unsere Sache

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Frühsexualisierung, homosexuelle Partnerschaften und Adoption waren weitere Themen auf dem Kongress christlicher Führungskräfte.

kath.net

Einen stärkeren Einsatz für Religionsfreiheit in der Türkei hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, angemahnt. „Wenn die Türkei sagt: Interne Vorgänge sind unsere Sache, sage ich: Aber der Einsatz für Christen in diesem Land ist unsere Sache“, sagte er am 25. Februar zum Abschluss des 10. Kongresses christlicher Führungskräfte in Nürnberg. 2.900 Teilnehmer hatten sich vom 23. bis 25. Februar zu dem Treffen unter dem Leitmotiv „Mit Werten in Führung gehen“ in der Frankenmetropole versammelt. Zu Plänen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, im März in Deutschland auf einer Veranstaltung für seine umstrittene Verfassungsreform zu werben, sagte Kauder, das könne man wohl nicht verhindern. Aber Deutschland werde das aushalten. Denn das unterscheide eine Demokratie und einer Diktatur.

weiterlesen

Die AfD und der Kulturkampf in den Kirchen

Klare Kante gegen rechts: Kardinal Woelki nutzte 2016 bei der Fronleichnamsmesse ein Boot als Altar.Foto: picture alliance / dpa
Klare Kante gegen rechts: Kardinal Woelki nutzte 2016 bei der Fronleichnamsmesse ein Boot als Altar.Foto: picture alliance / dpa
Das Christentum verpflichte dazu, Flüchtlinge aufzunehmen, sagen die Bischöfe. Doch nicht alle Christen denken so. Der Kampf um Identität und Sicherheit hat auch die Kirchen erreicht.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Wenn es um die Flüchtlinge geht, stehen die beiden großen Kirchen fest hinter Angela Merkels Willkommenskurs von 2015. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kardinal Reinhard Marx und Bischof Heinrich Bedford-Strohm, begrüßten die Flüchtlinge persönlich am Münchner Hauptbahnhof. Sie predigen entschieden über christliche Nächsten- und Fernstenliebe und zeigen „klare Kante“ (Bedford-Strohm) gegen die AfD, gegen „völkisches Gedankengut“ und „rechtsextremistische Kampfrhetorik“ .

„Die Kirche lehnt die politische Programmatik des Rechtspopulismus ab, bestimmten rechtspopulistischen Positionen und Kampagnen widerspricht sie entschieden und ächtet sie“, schreibt der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in dem gerade erschienenen Buch „AfD, Pegida und Co – Angriff auf die Religion?“ (Herder). Die Kirche trete ein für die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt. „Denn Christen unterscheiden nicht nach Herkunft, Kultur oder Religion, sondern erkennen in jedem Menschen das Abbild Gottes.“

weiterlesen