Archiv der Kategorie: Radikalisierung

Frauen und Christen flüchten aus den Unterkünften

In Flüchtlingsunterkünften kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen ethnischen oder religiösen Gruppen. In Stuttgart bekommen nun 30 Christen eine eigene Unterkunft. Quelle: Die Welt
In Flüchtlingsheimen kommt es oft zu schweren Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen. Frauen, Christen und Homosexuelle werden besonders oft attackiert – und nun zum Teil gesondert untergebracht.

Von Hannelore Crolly, Marcel Leubecher|DIE WELT

Zerrissene Bibeln und Beschimpfungen, abgerissene Kreuze und sogar Schläge ins Gesicht: Die Klagen über Gewalt in Flüchtlingsheimen reißen nicht ab. Besonders betroffen von der angespannten Stimmung in vielen beengten Massenunterkünften sind Frauen, Homosexuelle und religiöse Minderheiten. Weil sich in Stuttgart die Berichte christlicher Flüchtlinge über Schikanen durch muslimische Mitbewohner häuften, kommt die Stadt nun Forderungen entgegen, einem Teil dieser Migranten eine neue Unterkunft im Stadtteil Neugereut anzubieten.

Ein Helferkreis, der sich hauptsächlich um assyrische Christen aus Syrien und dem Irak kümmert, hatte diese drastische wie umstrittene Maßnahme gefordert, auch der Zentralrat Orientalischer Christen appellierte in einer von fast 17.000 Personen unterzeichneten Online-Petition an die Stadt: “Bitte ermöglichen Sie die gemeinsame Unterbringung vertriebener Christen in Stuttgart-Neugereut und bewahren Sie diese dadurch vor weiterer Bedrängnis und Verfolgung, der sie bei dezentraler Unterbringung immer wieder ausgesetzt sind.”

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Netanjahu: Mauer um Israel als “Schutz vor den wilden Tieren”

5958b-welcome_to_israelIsrael ist ein Pionier für die Idee der gated nations, also für den Bau von Mauern oder Zäunen möglichst um das ganze Land. Hunderte von Kilometern wurden bereits abgezäunt. Pionier war Israel auch für die wohl höchste Mauer mit bis zu 8 m und für Hightech-Zäune mit Kameras, Radar, Bewegungssensoren, aber auch mit fernsteuerbaren Maschinengewehren und autonomen Kontrollfahrzeugen (Israel mauert sich ein).  

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Eigentlich ist Israel an den Landgrenzen schon weitgehend zur Festung ausgebaut, die nicht nur Terroristen, sondern auch Flüchtlinge abhalten soll. Zuletzt wurde der Grenzzaun im Süden nach Ägypten zwischen Rafah und Eilat über Hunderte von Kilometern geschlossen, der vor allem gegen die Einwanderung von Flüchtlingen aus Afrika gerichtet war. Aber wenn man einmal begonnen hat, sich einzumauern, sind Lücken offenbar ein Ärgernis.

Zäune sollen, wie nun der israelische Ministerpräsident Netanjahu ankündigte, Israel zu einer rundum geschützten Insel machen, geschützt vor unerwünschten Menschen. Das Land soll vollständig mit einem Zaun umgeben werden, “um uns selbst vor den wilden Tieren zu schützen”, die Israel umgeben: “Werden wir den ganzen Staat Israel mit Zäunen und Barrieren umgeben? Die Antwort ist Ja.” Netanjahu kündigte dies am Dienstag an, als er die Grenze zu Jordanien besuchte, wo an einem 30 km langen Zaun entlang der gesamten Grenze gearbeitet wird, der auch den neuen Flugplatz im Timna-Tal schützen soll. Das Westjordanland, der Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel sind bereits abgezäunt.

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Osmanischer Wesir, Pressefreiheit und Deniz Yücel

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr türkischer Amtskollege Ahmet Davutoglu in Ankara am vergangenen Montag Foto: AP
“Arrogant”, “Religionsfeind”, “PKK-Anwalt”: Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent der “Welt”, wird aus dem Regierungslager attackiert, weil er beim Besuch der Kanzlerin kritisch nachfragte

DIE WELT

Für Journalisten gibt es kaum etwas Wichtigeres als Nachrichten – sie zu verbreiten und zu interpretieren gehört zu diesem Beruf. Aber manchmal werden Berichterstatter selbst zur Nachricht und das meistens gegen ihren Willen. In der Türkei geschieht das gerade dem “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel, und es ist die Regierung, die ihn zum Thema macht. Eine Regierung wohlgemerkt, die von internationalen Organisationen wiederholt für ihre Beschränkungen der Pressefreiheit kritisiert wird. Bemerkenswerterweise ist es eine kritische Frage unseres Autors, die das Regierungslager für Angriffe und zum Teil persönliche Diffamierungen auf Titelseiten nutzt. Auch diese Angriffe gehören – leider – zu den Nachrichten, die wir mitteilen müssen.

Was ist geschehen? Bei ihrem Besuch in Ankara am Montag dieser Woche gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu eine Pressekonferenz. Es geht um die Themen, die den Besuch der deutschen Regierungschefin prägen – den Flüchtlingsstrom aus Syrien und die Vereinbarungen der EU mit der Türkei, ihn zu kanalisieren. Es geht auch um den innen- und außenpolitischen Kontext der türkischen Flüchtlingspolitik. Yücel stellt der Bundeskanzlerin seine Frage auf Deutsch.

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Gottheitsinkarnation Rama kommt nicht vor Gericht

Rama-Bildnis in Südindien (1816). Bild: heise.de
Ein Gericht im nordindischen Bundesstaat Bihar hat eine Klage des Anwalts Chandan Kumar Singh abgewiesen, weil diese seiner Ansicht nach keine praktische Relevanz hat. Dass der Fall in Indien trotzdem mehr Schlagzeilen macht als die meisten anderen Justizangelegenheiten, liegt daran, dass der Anwalt eine Hindu-Gottheit wegen Frauendiskriminierung vor Gericht bringen wollte.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Dabei berief er sich auf das 1.800 bis 2.400 Jahre alte Ramayana-Epos, in dem die siebente Vishnu-Inkarnation Rama die Königstochter, Lakshmi-Avatarin und Landwirtschaftsgöttin Sita auffordert, zu beweisen, dass sie noch rein ist, nachdem er sie aus den Klauen des Dämonenkönigs Ravana befreit hat. Das zeugt Singhs Ansicht nach nicht nur von Misstrauen, sondern auch von einem mangelnden Respekt Ramas gegenüber Frauen.

Man könne, so der Anwalt, nicht über Respekt gegenüber Frauen im modernen Indien reden, wenn eine der am meisten verehrten Gottheiten seine eigene Ehefrau ganz anders behandle. Das müssten sich die Inder eingestehen und deshalb sei seine Klage keinen Scherz und keine Publicity-Aktion, sondern eine wichtige Angelegenheit.

Hätte das Gericht die Klage angenommen, dann hätte es seiner Meinung nach eine Botschaft aussenden können. Stattdessen muss Chandan Kumar Singh sich nun mit einer Klage wegen übler Nachrede und religiöser Beleidigung auseinandersetzen, die sein Anwaltskollege Ranjan Kumar Singh gegen ihn angestrengt hat. Außerdem fordert Ranjan Kumar Singh, dass die Anwaltskammer Chandan Kumar Singh die Zulassung entzieht, weil ihm “eine Lektion erteilt” werden müsse. Dieser Meinung seien auch viele andere indische Juristen, deren religiöse Gefühle verletzt wurden. Außerdem, so Ranjan Kumar Singh, verehrten Hindus Rama und Sita als Paar, weshalb sich die Frage einer unangemessenen Behandlung gar nicht stelle.

Chandan Kumar Singh gab sich von der Reaktion Ranjan Kumar Singhs überrascht und meinte zur BBC, er sei praktizierender Hindu, verehre selbst Rama und habe nicht vorgehabt, religiöse Gefühle zu verletzen. Sollte er das mit der Klage unabsichtlich getan haben, entschuldige er sich dafür – aber die Tatsache, dass Rama Sita nicht den angemessenen Respekt entgegenbrachte, könne man nicht einfach ignorieren.

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Augsburg: Petry darf wieder mitspielen

AfD-Chefin Frauke Petry darf wieder im Augsburger Rathaus sprechen © Tobias Schwartz/AFP
Seit Tagen schaukelt sich der Streit zwischen dem Augsburger Oberbürgermeister Gribl und der AfD hoch. Nun hat AfD-Chefin Frauke Petry einen juristischen Sieg errungen: Sie darf im Rathaus reden.

stern.de

Das Hausverbot für AfD-Chefin Frauke Petry im Augsburger Rathaus ist nach einer Entscheidung des dortigen Verwaltungsgerichts rechtswidrig. Das Gericht gab am Mittwoch einem Eilantrag der Parteivorsitzenden statt. Petry will am Freitagabend beim Neujahrsempfang der beiden Augsburger AfD-Stadträte im historischen Rathaus sprechen.

Nach Ansicht der Richter ist es üblich, dass die Stadtverwaltung den Fraktionen und Wählergruppen Repräsentationsräume im Rathaus zur Verfügung stellt. Dies gelte “insbesondere auch zur Abhaltung von Neujahrsempfängen unter Teilnahme überörtlicher politischer Prominenz”, begründete Gerichtssprecher Stefan Eiblmaier die Entscheidung.

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Erdogan mit Kontrollverlust: Frontalangriff auf die USA

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Die Kooperation der Amerikaner mit den Russen in Syrien bringt den türkischen Präsidenten Erdogan in massive Bedrängnis. Beide Großmächte kooperieren mit den Kurden – was Erdogan nun zu einem Frontal-Angriff gegen die US-Regierung bewegt hat. Denn die Regierung in Ankara bemerkt, dass ihr in Syrien die Felle davonschwimmen.

Deutsch Türkische Nachrichten

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die USA wegen ihrer Unterstützung der syrischen Kurdenpartei YPD ungewöhnlich scharf attackiert. Die Unfähigkeit der USA, das wahre Wesen der YPD zu verstehen, habe die Region in ein „Meer des Blutes“ verwandelt, sagte Erdogan am Mittwoch in Ankara. „Sind Sie auf unserer Seite oder auf der Seite der terroristischen YPD und der PKK?“

Die YPD gehört zu den wichtigsten US-Verbündeten beim Kampf der radikalislamischen IS-Miliz in Syrien. Die YPD steht aber auch der von den USA und der EU als Terrorvereinigung eingestuften Kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, gegen die die Regierung in Ankara seit Jahrzehnten in einen gewalttätigen Konflikt um mehr Autonomie für die Kurden im Südosten der Türkei verwickelt ist. Die Regierung ist zuletzt mit äußerster Härte gegen die Kurden vorgegangen. Beobachter sprachen von einem regelrechten Bürgerkrieg.

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Kirchenvertreter kritisieren ‘Alternative für Deutschland’ scharf

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Mitvorsitzender Meuthen weist Vorwürfe zurück: Die Kirche sollte genau zuhören

kath.net

Kirchenvertreter haben die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) scharf kritisiert. Vor allem ein Vorschlag der AfD-Parteivorsitzenden, Frauke Petry (Leipzig), stieß auf Empörung. Petry hatte im „Mannheimer Morgen“ verlangt, es müsse verhindert werden, dass weiter so viele unregistrierte Flüchtlinge über Österreich einreisen könnten. Die Polizei müsse dafür „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“, sagte sie. „Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ Nach der Kritik relativierte Petry ihre Aussage und warf den Medien vor, ihre Worte in einem Interview „verkürzt und völlig sinnentstellt“ wiedergegeben zu haben.
Kardinal Marx: AfD-Äußerungen sind „inakzeptabel und menschenfeindlich“

Der Vorsitzende der (katholischen) Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), nannte Petrys Äußerungen „inakzeptabel und menschenfeindlich“. Marx wörtlich: „Parteien, die so etwas äußern, sind keine Alternative für Deutschland.“ Ähnlich äußerte sich der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (Darmstadt). Gegenüber der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ sagte er im Blick auf die Partei: „Was von der AfD kommt und von Pegida, ist katastrophal, menschenverachtend.“ Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

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Ex-Nazis in Behörden: Innenministerium – brauner als gedacht

Bundesinnenministerium in Berlin Zwei Drittel der Führungskräfte sollen 1961 frühere Nazis gewesen sein. (Foto: dpa)
Unter den leitenden Mitarbeitern im Bundesinnenministerium waren bis in die siebziger Jahre hinein weit mehr Nazis als bisher angenommen. Das ergibt eine neue Studie. Andere Behörden waren noch brauner.

Von Barbara Gillmann|Handelsblatt

2010 gab es großen Wirbel um eine Studie zum Einfluss der Nazis im Außenministerium – während und nach der Nazizeit. In der Folge verlor das Auswärtige Amt den Nimbus, ein Hort des Widerstandes gewesen zu sein. Nun rückt ein weiteres bedeutendes Bundesministerium in den Fokus der Forschung: Im Bundesinnenministerium (BMI) war die Quote der Ex-Nazis nach dem Krieg besonders hoch, wie eine Studie der beiden zeitgeschichtlichen Leibniz-Institute ZZF Potsdam und IfZ München-Berlin zeigt.

1950 war demnach jede zweite Führungskraft im Innenministerium ein ehemaliges NSDAP-Mitglied. Der Anteil stieg bis Ende der 1950er-Jahre, 1961 lag die Quote der Ex-Nazis daher sogar bei zwei Drittel. Die Sensibilität, was persönliche Verstrickungen im Nationalsozialismus betrifft, sank und spielte bei der Personalpolitik eine noch geringere Rolle als nach dem Zweiten Weltkrieg. Das sei ein „allgemeiner gesellschaftlicher Trend“ gewesen, der auch in anderen Bundesbehörden zu beobachten gewesen sei, heißt es in der Studie. Im Schnitt der Jahre 1949 – 70 ergab sich eine Quote von 54 Prozent im Innenministerium.

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Vier Verdächtige nach Handgranaten-Anschlag festgenommen

Der Leitende Kriminaldirektor Andreas Stenger vom baden-württembergischen Landeskriminalamt zeigt Modelle der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien. (Foto: dpa)
Es handele sich nicht um Fremdenfeinde, sagt die Polizei. Hinter der Tat in Villingen-Schwenningen stecke wohl eher eine Rivalität zwischen Sicherheitsfirmen.

Süddeutsche.de

Nach dem Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen haben die Ermittler vier Verdächtige festgenommen. Gegen drei von ihnen im Alter von 23, 27 und 37 Jahren wurden Haftbefehle erlassen, wie die Polizei mitteilte. Anhaltspunkte für eine fremdenfeindliche Tat gebe es keine. Die Männer hätten überwiegend einen osteuropäischen Migrationshintergrund, hieß es.

Zu den Hintergründen der Tat und zur Motivation der Verdächtigen könnten derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details genannt werden. “Allerdings dürften Konflikte, die zwischen den im Schwarzwald-Baar-Kreis tätigen Sicherheitsunternehmen bestehen, die Ursache sein”, so die Polizei.

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US-Wahlen: Lieber einen Muslim als Präsident, als einen Atheisten

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Religion und Politik vermischen sich in den USA wie wohl nirgends sonst in der westlichen Welt. Aber auch hier ändern sich die Einstellungen – wenn auch langsam.

DTJ-Online

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg ins Weiße Haus ist bis heute die Ungläubigkeit eines Kandidaten. Deutlich mehr US-Amerikaner halten Atheismus oder Agnostizismus für einen gravierenden Makel als zu viel öffentlich zur Schau gestellte Frömmigkeit. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sagten den Meinungsforschern in einer aktuellen Studie des renommierten Pew Research Center, das Eingeständnis eines Kandidaten, nicht an Gott zu glauben, mache ihn weniger wählbar.

Im Vergleich dazu hätten weniger, nämlich 42 Prozent der US-Amerikaner, Bedenken, einen Muslim ins Weiße Haus zu wählen und 20 Prozent einen evangelikalen Christen. Wenn die Demoskopen die rund 2.000 Teilnehmer der Studie umgekehrt danach befragten, wie wichtig der Glaube eines Kandidaten für die Wahlentscheidung ist, bestätigt sich der traditionell hohe Stellenwert der Religion im politischen Diskurs der USA. Mit Gott in den Wahlkampf zu ziehen, ist weiterhin ein großes Plus.

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25 Anschläge auf Gotteshäuser in Berlin

Geschützt. Synagogen werden in Berlin rund um die Uhr bewacht. – Foto: Thilo Rückeis
2015 gab es 25 Anschläge gegen Gotteshäuser und andere religiöse Einrichtungen. Die Aufklärungsquote dieser Straftaten ist bislang gering.

Von Frank Bachner|DER TAGESSPIEGEL

Die Täter kamen um 9 Uhr, am 7. April 2015. Ihr Ziel war die Russisch-Orthodoxe Kirche in Marzahn. Genau genommen suchten sie den Briefkasten. Der war kurze Zeit später zerstört, demoliert mit einem mächtigen Knall. Die Täter hatten vermutlich einen Böller in den Schlitz geworfen, für die Polizei ein Delikt mit rechtsradikalem Hintergrund. Denn auf dem Briefkasten klebte plötzlich ein Aufkleber, der als Motiv eine Variante der Reichskriegsflagge zeigte. Wer den Briefkasten demolierte, ist bis heute nicht bekannt.

Das ist nur einer von 25 Anschlägen gegen Kirchen, kirchliche Einrichtungen, Synagogen und Moscheen, die es im vergangenen Jahr in Berlin gegeben hatte. Zu den Anschlägen werden auch Schmierereien und eine antisemitische Mail gezählt, die beim Zentralrat der Juden in Deutschland einging. Diese Informationen teilte Bernd Krömer (CDU), Staatssekretär der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, auf Anfrage der Abgeordneten Clara Herrmann (Grüne) mit.

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Ent-hüllt! Die Beschneidung von Jungen

Clemens Berger: Ent-hüllt! Die Beschneidung von Jungen. Nur ein kleiner Schnitt? Betroffene packen aus über Schmerzen – Verlust – Scham. tredition GmbH (Hamburg) 2015. 324 Seiten. ISBN 978-3-7323-4012-5. 17,90 EUR.

Ein vierjähriger muslimischer Junge wird im November 2010 in die Notaufnahme der Kölner Universitätsklinik eingeliefert. Nach einer rituellen Beschneidung stellten sich starke Blutungen ein. Die daraufhin durchgeführten Ermittlungen der Justiz führen durch das Landgericht Köln zu einer Anklage, Verurteilung und zugleich einem Freispruch für den behandelnden Arzt.

Von Hans-Joachim Lenz|socialnet.

Dieser Fall ist der Ausgangspunkt einer der heftigsten politischen Kontroversen der vergangenen Jahre (Elternrecht auf religiöse Kindererziehung vs. Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung) und endet mit einer Neufassung des § 1631d BGB durch den Gesetzgeber, der fortan die Beschneidung bei Jungen in Deutschland – im Gegensatz zu Mädchen (StGB 226a) – erlaubt. Mit dieser rechtlichen Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts wird Jungen ihre Schutzwürdigkeit vor nicht-medizinisch begründeten genitalen Eingriffen abgesprochen. Aufschlussreich ist, dass nach dem Gerichtsurteil ein öffentlicher, ideologisch aufgeheizter Schlagabtausch stattfand und bei dem überstürzten Gesetzgebungsverfahren die Betroffenen außen vor blieben. Nicht mit ihnen, sondern über sie wurde gestritten, präziser wäre wohl: sie dienten als Objekt der Erregung auf der Grundlage nicht näher überprüfter und hinterfragter Vorannahmen.

Autor/Herausgeber

Bis auf wenige Betroffene, die bereit waren, unter vollem Namen aufzutreten, bestanden fast alle interviewten Personen auf ein selbstgewähltes Pseudonym. Auch der als Herausgeber fungierende Autor des Buches – Clemens Bergner – tritt ebenfalls nicht mit seinem wirklichen Namen auf, da er sich schützen wollte.

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Cizre: Kurden sprechen von „Massaker“

Wie in Cizre sind auch in Diyarbakir zahlreiche Straßenzüge völlig zerstört. Foto: dpa
In der türkischen Stadt Cizre gibt es nach Kämpfen zwischen dem türkischem Militär und der PKK Tote. Wie viele, darüber gehen die Angaben stark auseinander. Seit Wochen herrschen in der Region bürgerkriegsähnliche Zustände.

Von Judith Köneke, Timur Tinç|Frankfurter Rundschau

Ein lauter Einschlag in ein Wohnhaus, eine Rauchwolke, mehr ist auf dem kurzen Video der Nachrichtenagentur Dogan aus der umkämpften Stadt Cizre im Südosten der Türkei nicht zu sehen. Nach unterschiedlichen Angaben gab es in der Nacht zu Montag zwischen zehn und 60 Todesopfer. Der staatliche Sender TRT berichtete zunächst, Sicherheitskräfte hätten bei einem Einsatz 60 Kämpfer der Terrororganisation PKK getötet. Die Armee teilte am Montag mit, sie habe am Vortag zehn Kämpfer „eliminiert“. Die Opposition dagegen spricht von mindestens zehn getöteten Zivilisten, darunter sei ein Kind.

Der Abgeordnete der pro-kurdischen Partei HDP, Faysal Sariyildiz, der sich in Cizre aufhält, sagte der Deutschen Presse-Agentur, neun Menschen seien bei einem Brand im Viertel Cudi in einem unter Beschuss stehenden Gebäude ums Leben gekommen. Ein Junge sei zudem von Sicherheitskräften im Hauseingang erschossen worden. In dem Gebäude würden sich weitere 52 Zivilisten aufhalten.

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Eine junge Frau wird zusammengeschlagen – HoGeSa und ‚Pro-NRW‘ freuen sich

Dominik Horst Roeseler bei seinem Auftritt bei „Pegida schützt”, einer Veranstaltung, die in Köln nach den Vorfällen an Silvester stattfand. Vielleicht erklärt er hier gerade, wer schützenswert ist und wer nicht? Wir wissen es nicht | Foto: Imago | epd
Am Freitagabend wurde eine Frau in Köln von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen und ausgeraubt. Als sie sich in eine Kneipe retten will, wird sie vom Wirt wieder rausgeworfen und findet in einem Kiosk Zuflucht, bis die Polizei kommt.

Von Stefan Lauer|VICE.com

Die Frau, um die es geht, heißt Alicia Trovatello und ist die Tochter des Black-Föös-Gitarristen Gino Trovatello.

Für die meisten Leute wäre sowas jetzt eher eine unschöne Nachricht, weil es tendenziell selten ein Grund zum Jubeln ist, wenn jemand zusammengeschlagen wird, um das eigene Leben fürchten muss und der Person dann nicht mal wirklich geholfen wird.

Aber Dominik Horst Roeseler, HoGeSa-Mitgründer und stellvertretender Vorsitzender von ProNRW ist nicht wie die meisten Menschen und postet Folgendes auf Facebook:

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“Raum der Stille” an der TU Dortmund: “Wir halten das Experiment für gescheitert”

Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Muslimische Studenten haben einen “Raum der Stille” der TU Dortmund umgebaut: Männer links, Frauen rechts, dazwischen eine Trennwand. Jetzt wurde er geschlossen. Was ist da los?

Ein Interview von Matthias Kaufmann|SpON

SPIEGEL ONLINE: Frau Prost, an der TU Dortmund gibt es Ärger um einen “Raum der Stille”: Einige Muslime haben ihn für ihre Zwecke vereinnahmt, daraufhin hat die Uni ihn geschlossen. Warum muss eine Universität überhaupt einen Gebetsraum anbieten?

Prost: Das muss sie nicht. Und es gab auch nie einen Gebetsraum, weder für muslimische noch für christliche Studierende. Unser “Raum der Stille” war vielmehr ein Angebot an alle, die Ruhe und Einkehr im oft stressigen Universitätsalltag suchen. Wer dann im Stillen ein Gebet sprechen möchte, darf das dort auch tun. Aber nur, wenn er niemand anderen damit stört oder von der Nutzung des Raums ausschließt.

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UN: Assad lässt Gefangene zu Tode foltern

© AFP UN-Ermittler werfen dem syrischen Machthaber Assad Kriegsverbrechen vor.
Fachleute der Vereinten Nationen werfen dem syrischen Machthaber Assad Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Er vernichte die Zivilbevölkerung, sagen sie und fordern, Assad zur Rechenschaft zu ziehen.

Frankfurter Allgemeine

Ermittler der Vereinten Nationen haben der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Tausende Häftlinge seien in den vergangenen vier Jahren in Haft gestorben, erklärte das Gremium am Montag. Dies komme einer Vernichtung der Zivilbevölkerung gleich. Den islamistischen Rebellengruppen IS und Nusra-Front warfen die Fachleute zudem Kriegsverbrechen vor. So seien Hinrichtungen und die Folter von Gefangenen belegt.

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Erdogan kritisiert Washingtons Zusammenarbeit mit Kurden scharf

erdogan-sultan

Wir oder die? Der türkische Präsident Erdogan hat die USA aufgefordert, sich zwischen der Türkei und den syrisch-kurdischen Kämpfern zu entscheiden. Washington reagiert gelassen.

SpON

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die USA scharf kritisiert: Washington müsse sich entscheiden – zwischen der Türkei und den Kurden. Ein US-Gesandter hatte vergangene Woche Kobane besucht, wo der militärische Arm der PKK-nahen Kurdenpartei in Syrien vor etwa einem Jahr mit Unterstützung von Luftschlägen den “Islamischen Staat” besiegte.

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Polit-Zoff in Düsseldorf: Erdogan und IS saufen Kurdenblut

Der umstrittene Mottowagen. Judith Michaelis
Die Türkische Generalkonsulin verlangt, dass der Wagen mit dem Erdogan-Motiv sofort verhüllt wird.

Westdeutsche Zeitung

Der Düsseldorfer Rosenmontagszug ist zwar abgesagt, aber die Mottowagen werden gezeigt: Sie stehen am heutigen Montag den ganzen Tag vor dem Rathaus – zur Besichtigung für jedermann. Und auch den ersten Ärger gibt es schon: Nach Informationen der WZ hat die türkische Generalkonsulin in Düsseldorf, Ṣule Gürel, vom Düsseldorfer Carnevals Comitee verlangt, dass der Wagen mit dem Erdogan-Motiv sofort verhüllt wird.

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Bistum Regensburg zahlte Opfern rund 400 000 Euro

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Die Katholische Kirche hat im Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen nach Informationen der „Welt am Sonntag“ (WamS) rund 400 000 Euro Entschädigungen gezahlt.

FOCUS ONLINE

Bis Anfang 2016 wurde dem Bericht zufolge mehr als 150 Mal ein Betrag von je 2500 Euro für Opfer körperlicher Gewalt ausgezahlt. Dazu kommen nach Angaben der „WamS“ noch Zahlungen für Opfer sexuellen Missbrauchs, die nach Informationen der Zeitung jeweils höher als 2500 Euro sein sollen. Der mit der Aufklärung der Missbrauchsfälle beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber war am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Weber hatte in seinem Zwischenbericht Anfang Januar mitgeteilt, dass nach bisherigen Recherchen von 1953 bis 1992 mindestens 231 Kinder von Priestern und Lehrern körperlich misshandelt worden seien, weitere 50 Schüler seien bei den Domspatzen Opfer sexueller Gewalt geworden – „von Streicheln bis zu Vergewaltigungen“, wie Weber sagte.

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“Aula” darf KZ-Häftlinge “Landplage” und “Massenmörder” nennen

justiz_grossEinstellung des Verfahrens gegen rechte Monatszeitschrift sorgt für Empörung. Grüner Harald Walser brachte nun parlamentarische Anfrage ein.

Von Colette M. Schmidt|derStandard.at

Die Einstellung eines Verfahrens gegen die FPÖ-nahe Monatszeitschrift “Aula” durch die Staatsanwaltschaft Graz sorgt für Aufregung. Der grüne Parlamentarier Harald Walser hatte wegen eines Artikels mit dem Titel “Mauthausen-Befreite als Massenmörder” des Aula-Autors Manfred Duswald Anzeige erstattet. Duswald bezeichnete darin 1945 aus dem KZ Mauthausen befreite Häftlinge als “Landplage” und “Kriminelle”, die “raubend und plündernd, mordend und schändend” das “unter der ‘Befreiung’ leidende Land” plagten.

KZ-Überlebende als “Belästigung”

Die Grazer Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen Duswald und den Aula-Herausgeber Martin Pfeiffer nun ein. Die Begründung: Es sei “nachvollziehbar, dass die Freilassung mehrerer Tausend Menschen aus dem Konzentrationslager Mauthausen eine Belästigung für die betroffenen Gebiete Österreichs darstellte”. Weiters heißt es, dass sich “unbestritten” unter den KZ-Häftlingen “Rechtsbrecher” befanden.

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