Neubrandenburger Auschwitzprozess macht Rechtsgeschichte

Die Richter hielten ihn für zu alt: Hubert Zafke, einstiger SS-Mann in Auschwitz Quelle: picture alliance/AP Photo/BWU CUL MB**BRL**
Im Verfahren gegen den früheren SS-Mann Hubert Zafke hat das Landgericht die Mitglieder der Kammer für befangen erklärt. Gegen den Richter wurde zudem Strafanzeige gestellt – wegen Rechtsbeugung.

Von Per Hinrichs | DIE WELT

Der Richter Klaus Kabisch aus Neubrandenburg hätte Rechtsgeschichte schreiben können: Auf seinem Tisch lag der womöglich letzte Prozess, der sich mit Auschwitz beschäftigt hätte. Er sollte das Verfahren gegen den 96-jährigen einstigen SS-Mann Hubert Zafke leiten, ihm wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen.

Geschichte hat er nun tatsächlich geschrieben, aber anders, als man erwarten konnte. Am Freitag gab ein Kollege von Kabisch, Richter Henning Kolf, einem Befangenheitsantrag der Nebenklage statt und warf den Vorsitzenden samt seiner beiden Kammerbeisitzer aus dem Prozess am Landgericht.

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Die sieben Söhne der Terror-Matriarchin

Die Planung des Überfalls: Abdullah Maute steht am Kartentisch der Terroristen, im Hintergrund sitzt Isnilon Hapilon (Zweiter von links). Foto. apa/afp
Nach einem Monat Kriegsrecht steht die besetzte Stadt Marawi kurz vor der Befreiung – Die Familie Maute will im Süden der Philippinen eine IS-Provinz errichten

Von Michael Vosatka | derStandard.at

Einen Monat nach Verhängung des Kriegsrechts auf der südphilippinischen Insel Mindanao sind die islamistischen Rebellen in der besetzten Stadt Marawi offenbar in erheblicher Bedrängnis. Am 23. Mai hatten rund fünfhundert Islamisten der mit der IS-Miliz verbündeten Maute-Brüder und Abu Sayyaf die Stadt gestürmt. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte verhängte umgehend das Kriegsrecht für sechzig Tage in der gesamten Region.

Mindestens 280 Terroristen sollen seit Ausbruch der Kämpfe getötet worden sein. Darunter sind auch Islamisten aus Malaysia und Indonesien, aber auch Kämpfer aus Tschetschenien und Jemen. Die Verluste der Regierungstruppen umfassen 69 Mann. Die Zahl der getöteten Zivilisten wird mit 26 angegeben, wobei noch hunderte Menschen in der umkämpften Zone im Zentrum Marawis als Geiseln festgehalten werden. Bei der Besetzung der Stadt brannten die Angreifer Kirchen und Schulen nieder und befreiten Anhänger aus einem Gefängnis.

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Der Jude, der früher ein Nazi war

Yonatan Langer, 33, betrachtet sich in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg im Spiegel. (Foto: Lene Muench/Agentur Focus)
Er hat jahrelang gegen Ausländer gehetzt, in SS-Männern sah er Helden. Dann stieg Yonatan Langer aus der Neonazi-Szene aus – und wurde Jude. Was trieb ihn an?

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Es ist ein Freitagabend in Berlin-Schöneberg, Yonatan Langer sitzt zum Schabbatessen im Kabbalazentrum. Es gibt koschere Reisgerichte, Salate, Hühnchencurry, der Rotwein kommt aus Israel. Am Tisch sitzen Kabbalalehrer und Schüler und Besucher aus anderen Ecken Deutschlands, manche begegnen sich zum ersten Mal. Sie reden über Trump, über das Wetter in Miami, und jeder möchte vom anderen wissen, wie er Kabbala entdeckt hat. Eine Siemensmanagerin aus München sitzt Yonatan Langer gegenüber. Sie schaut ihn an, sagt: „Und Du, was hast Du gemacht, bevor Du Kabbala für dich entdeckt hast?“

Er hält kurz inne, wägt ab, dann sagt er die Wahrheit. „Ich war die meiste Zeit in meinem Leben Nazi.“ Stille am Tisch, alle Blicke sind auf Yonatan Langer gerichtet. Die Managerin gewinnt als erste ihre Fassung wieder: „Wie kommt man denn dazu – Nazi zu sein und dann Jude zu werden?“

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Pegida und der angebliche Bischof

Bild: BR24
Ein vermeintlich katholischer Priester segnet bei einer Pegida-Demo ein Kreuz – der rechtsextreme Münchner Stadtrat Karl Richter schwärmt von einem „Zeichen gegen die Islamisierung“. Was er verschweigt: Die Kirche warnte schon vor Jahren vor dem Mann. Er gilt als exkommuniziert.

Von Petr Jerabek | BR24

Ein Bild ganz nach dem Geschmack der selbsternannten Verteidiger des christlichen Abendlands: In liturgisches Gewand gehüllt steht ein vermeintlich katholischer Geistlicher neben dem Münchner Pegida-Chef Heinz Meyer auf dem Marienplatz, später greift er selbst zum Mikrofon und wettert gegen den Islam, „diese satanistische, blutrünstige, falsche Religion“.

Gleich mehrere Videos kursieren im Internet von der Münchner Pegida-Kundgebung vom Freitag. In einem davon schimpft der Geistliche auf die Religionsfreiheit und die „Flut des Islam“, die über das christliche Bayern hinwegziehe. Und er prophezeit, das „Zeichen des Kreuzes“ werde siegen über „die Machenschaften des Islam“. Gott möge alle Irrtümer ausrotten „aus unserem Heiligen Vaterland“. Es folgt ein Segen in lateinischer Sprache.

Linke Aktivisten verlangten vom Erzbistum München und Freising umgehend Aufklärung. Das Informationsportal „Endstation Rechts“ fragte auf Twitter: „Ist das einer ihrer Priester, der heute bei Pegida München gepredigt hat?“

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Peter Schaar: Der Staat ist ein feiger Leviathan

Peter Schaar kritisiert die Einführung der Quellen-TKÜ und Online-Durchsuchung. (Bild: dpa, Tim Brakemeier (Archiv)
Mit der Einführung der Quellen-Telekommunikationsüberwachung und der Online-Durchsuchung in viele deutsche Gesetzestextes setzt der Staat seine Allmachtsfantasien um.

Von Peter Schaar | heise online

„Heute soll der Bundestag eines der größten Gesetzesreformpakete der laufenden Legislaturperiode beschließen.“ – Mit diesen Worten begann am 22. Juni 2017 um 17:49 Uhr die denkwürdige Debatte über ein Gesetzespaket, das unter der Federführung des Bundesministeriums der Justiz ausgearbeitet worden war. Es umfasste Änderungen vieler Gesetze, darunter auch die Einführung der „Quellen-Telekommunikations-Überwachung“ und der „Online-Durchsuchung“ bei der Strafverfolgung. Normalerweise wird ein solcher ambitionierter Gesetzentwurf vom zuständigen Ressortchef begründet. Hier war es anders. Bundesjustizminister Heiko Maas ließ sich während der Aussprache weder auf der Regierungsbank noch im Plenarsaal blicken. Die Einführungsrede hielt stattdessen die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Bähr-Losse. Sie war als Nachrückerin im Oktober 2016 in den Bundestag eingezogen, als Ersatz für den ausgeschiedenen Peer Steinbrück. Sie ist Rechtsanwältin für Familienrecht und hat als Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Sankt Augustin und als Beisitzerin im dortigen Stadt-Sportverband politische Meriten erworben. Mit einem Wort: Sie war genau die richtige Person, um das Reformpaket zu begründen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich kritisiere nicht die Abgeordnete Bähr-Losse. Aber ich kritisiere die SPD-Fraktion, die eine junge, recht unerfahrene Abgeordnete zur Begründung eines Gesetzespakets ins Feuer schickt, dem die Verfassungswidrigkeit auf die Stirn geschrieben steht. Und ich kritisiere Heiko Maas, der zu feige war, diese wichtigen Gesetzesänderungen im Parlament zu begründen. Auch der Koalitionspartner CDU/CSU bot in der Debatte nicht gerade sein Spitzenpersonal auf, aber er konnte sich wohl darauf zurückziehen, dass es sich um eine in einem SPD-Ressort entstandene Vorlage handelte. Um 18:39 Uhr beschlossen die vielleicht fünfzig anwesenden Bundestagsabgeordneten mit der Mehrheit der Großen Koalition das Gesetzespaket. Die Opposition aus Linken und Grünen und zwei SPD-Abgeordnete stimmten dagegen.

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Dodo Mazyek: Muslimischer Extremismus befindet sich im Niedergang

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Der Zentralratsvorsitzende zeigte sich enttäuscht über die relativ geringe Beteiligung an einem von Muslimen organisierten Friedensmarsch vergangene Woche in Berlin.

evangelisch.de

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sieht Islamisten auf dem Rückzug. „Der muslimische Extremismus befinde sich im Niedergang, sagte er der „Bild am Sonntag“. Das mache ihn aber nicht weniger gefährlich. Mazyek rief die Muslime auf, sich an Demonstrationen gegen den Terror zu beteiligen. Gerade jetzt gelte es, öffentlich Gesicht zu zeigen.

Der Zentralratsvorsitzende zeigte sich enttäuscht über die relativ geringe Beteiligung an einem von Muslimen organisierten Friedensmarsch vergangene Woche in Berlin. Er hätte sich mehr Teilnehmer erhofft, sagte er. Behauptungen des türkischen Moschee-Verbands Ditib, den Gläubigen könnten Demonstrationen während der Fastenzeit nicht zugemutet werden, wies er zurück: „Im Ramadan wurden entscheidende Wegmarken der muslimischen Geschichte gesetzt. Das war oft auch mit großer körperlicher Anstrengung verbunden.“

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Erdogan erleidet Kollaps beim Gebet – Glaubensschwäche?

Bild: Magazin „The Economist“
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat beim Gebet zum Fest Eid al-Fitr einen Schwächeanfall erlitten. Laut türkischen Medienberichten kollabierte er am Sonntagmorgen in einer Moschee in Istanbul und musste auf eine Trage gelegt werden. Er erholte sich jedoch rasch wieder.

FOCUS ONLINE

Anschließend sagte Erdogan, der Schwächeanfall sei auf Blutdruckprobleme in Zusammenhang mit seiner Diabetes-Erkrankung zurückzuführen.

Mit dem mehrtägigen Eid al-Fitr, auf Türkisch Bairam oder Zuckerfest genannt, endet der muslimische Fastenmonat Ramadan. Für Muslime ist das Fasten, das jeweils im neunten Monat des islamischen Mondjahres stattfindet, eine der fünf Säulen ihrer Religion neben dem Pilgern nach Mekka, den täglichen Gebetszeiten, dem Glaubensbekenntnis zu Allah als einzigem Gott und dem Almosengeben. Durch das Fasten soll deutlich werden, dass die Religion einen höheren Wert hat als das tägliche Leben. Der Ramadan ist auch der Monat der Nächstenliebe und der guten Taten.

Erdogans Schläger sollen nicht nach Hamburg kommen

Trump-Gegner, PKK-Anhänger, Linksextremisten: Vor dem G-20-Gipfel warnen Verfassungsschützer vor Straßenschlachten zwischen radikalen Gruppierungen. Auch türkische Security-Leute könnten gefährlich werden.

Von Manuel Bewarder, Florian Flade, Martin Lutz | DIE WELT

Die Gegner des G-20-Gipfels am 7. und 8. Juli in Hamburg machen seit Wochen mobil. Mit Brandanschlägen auf Bahnanlagen haben sie erklärtermaßen die heiße Phase gestartet. Für die altehrwürdige Handelsstadt kündigen sie „anarchistische Tage“ an.

Gleich zu Beginn könnten sie am Airport in Fuhlsbüttel Hunderte mit Helium gefüllte Ballons und auch Drohnen aufsteigen lassen, um die Anreise von Staatsgästen zu blockieren – damit rechnet die Polizei.

„Das ist wahrscheinlich, um möglicherweise die Ankunft von Delegationen auf dem Flughafen zu stören“, warnt eine interne Lagebeurteilung. Staats- und Regierungschefs wie Merkel, Erdogan, Trump und Putin kommen zum Treffen der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Hamburg wird zum Magneten für die militante Szene aus ganz Europa.

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Das «Kalifat» ist am Ende, der IS nicht

Mosul, die irakische Hauptstadt des IS, steht kurz vor dem Fall. (Bild: Maya Alleruzzo / Keystone)
Das vor drei Jahren ausgerufene islamistische «Kalifat» steht mit den Schlachten um Mosul und Rakka vor dem Zusammenbruch. Als ordinäre Terrororganisation kann der IS aber noch lange überleben.

Von Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Es ist ein Eingeständnis des Scheiterns. Wenn der Islamische Staat mit der Al-Nuri-Moschee in Mosul eines seiner wichtigsten Machtsymbole in die Luft sprengt, hat er nicht mehr viel zu verlieren. Es ist jener Ort, an dem das «Kalifat» seinen Anfang nahm: Hier stieg der IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi im Sommer 2014 auf die Kanzel und phantasierte von der jihadistischen Weltherrschaft. Es ist, genau drei Jahre später, aber auch der Ort des Niedergangs des IS. Die noch verbliebenen Kämpfer der Terrormiliz wollten ihren Gegnern den Triumph nicht gönnen und zerstörten das mehr als 800 Jahre alte Gebäude. Lieber sollte das geschichtsträchtige Minarett brennen, als dass die irakische Flagge darüber wehen würde. Heilig war den Barbaren ohnehin nie etwas, höchstens der Akt der angeblich gottgefälligen Zerstörung selber.

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US-Pipeline: Internationale Banken ziehen ihr Geld ab – die Deutsche Bank nicht

Bau der Dakota Access an der 50th Avenue bei New Salem, (Nord-Dakota) Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 Tony Webster
Monatelang forderten Umweltschützer und Vertreter betroffener Indianerstämme die Banken dazu auf, ihre Investments in die umstrittene Pipeline von North Dakota nach Illinois aufzugeben. Die Divestment-Kampagne sorgte für viel Aufmerksamkeit – doch nicht alle Kreditinstitute zeigen sich beeindruckt.

Von Matthias Lambrecht | greenpeace magazin

Seit knapp zwei Wochen fließt Öl durch die Dakota Access Pipeline (DAPL). Doch Vanessa Green sieht sich und ihre Mitstreiter noch lange nicht geschlagen: „Es gibt eine Schlacht – und es gibt einen Krieg“, erklärte die Kampagnendirektorin der Initiative „Divest Invest“. Green ist fest entschlossen, den Kampf um den Schutz der natürlichen Ressourcen in der nordamerikanischen Prärie am Ende zu gewinnen.

Gemeinsam mit anderen Organisationen und Umweltschutzverbänden, darunter auch Greenpeace, hatte Divest Invest in den vergangenen Monaten Investoren und Finanzinstitute dazu aufgerufen, den Bau der umstrittenen Pipeline nicht länger mit Krediten oder Beteiligungen zu unterstützen. Während einige europäische Banken diesem Aufruf gefolgt sind, halten die Deutsche Bank und die schweizerischen Banken Credit Suisse und UBS an ihren finanziellen Engagements fest.

Wie die indigenen Stämme der Sioux, deren Reservat die Ölleitung durchquert, fürchten die Umweltschützer die Belastung von Trinkwasserreserven durch Lecks in der Pipeline. Umstritten ist das Vorhaben darüber hinaus, weil das transportierte Öl im umweltbelastenden Fracking-Verfahren gewonnen wird und die Nutzung des fossilen Brennstoffs zur Klimaerwärmung beiträgt.

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Gay-Pride-Parade wegen „Gefährdung öffentlicher Ordnung“ verboten

APA/AFP/OZAN KOSE
Die für Sonntag geplante Demonstration für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) wäre der Istanbuler Provinzbehörde zufolge auch nicht angemeldet gewesen.

Die Presse.com

Die Istanbuler Provinzbehörde hat die für Sonntag am berühmten Taksim-Platz angekündigte Gay-Pride-Parade verboten. Die Verwaltung teilte am Samstag auf ihrer Internetseite mit, die Demonstration für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) könne nicht stattfinden, weil sie „die Sicherheit von Touristen und die öffentliche Ordnung“ gefährde.

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ZDF-Doku über Lilli Jahn – Dichtung und Wahrheit

Hoffnungsvoll. Was Lilli Jahn aus Köln an ihren späteren Mann Ernst schreibt, strahlt vom Glauben an eine Liebe, die alle…FOTO: ZDF UND PRIVAT
Mein verwundetes Herz: Eine ZDF-Doku über Lilli Jahn erinnert an schlimmsten Antisemitismus während der NS-Zeit.

Von Nikolaus von Festenberg | DER TAGESSPIEGEL

Damit eine Tragödie wie die der in Auschwitz ermordeten jüdischen Ärztin und fünffachen Mutter Lilli Jahn zur besten Sendezeit im Fernsehen um 20 Uhr 15 Uhr zu sehen wäre, müsste nach Stand der Dinge Einschneidendes passieren: die Verwandlung eines historischen Stoffes in ein das Geschehen nachspielendes TV-Movie. Das ist allerdings immer eine Auslieferung historischer Wahrheit, und sei die Nachinszenierung auch noch so gut.

Der Zeitgeist der Gegenwart würde sein Gestaltungsrecht einfordern, als durchschaute das Heute das Gestern. Fragen müssten um der Drehbuchform willen beantwortet werden, die sich nicht beantworten lassen. Das Interessanteste entfiele – die Rätsel, die Widersprüche im Leiden, das heute naiv erscheinende Hoffen auf Rettung.

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UN-Sondergesandter: G20 könnten Friedensprozess in Syrien helfen

UN-Posten in Syrien, Golan Höhen. Bild: RF
Nach sechs Jahren „dieses Kriegshorrors“ könne er zwar „nur schwerlich optimistisch sein“, räumte der UN-Sondergesandte ein. Beide Seiten seien noch immer nicht bereit, direkt miteinander zu reden.

evangelisch.de

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, erhofft sich vom bevorstehenden Treffen der Supermächte auf dem G20-Gipfel in Hamburg „einen Schub“ für den Friedensprozess in Syrien. „Dass sich die USA und Russland verständigen, ist essenziell dafür, dass es in Syrien irgendwann Frieden gibt“, sagte de Mistura dem Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntag). Das Gipfeltreffen der führenden Industrie- und Schwellenländer findet am 7. und 8. Juli in Hamburg statt. Die nächste Runde der Friedensgespräche sei für den 10. Juli geplant.

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UN: Hunderte Zivilisten bei Sturm auf Mossul getötet

Zwei Humvees der irakischen Armee fahren durch das umkämpfte Mossul. (Foto: dpa)
  • Bei Kämpfen in Mossul sollen viele hundert Zivilisten getötet worden sein.
  • Die Vereinten Nationen werfen dem „IS“ vor, die Bewohner als lebende Schutzschilde zu benutzen.
  • Irakische Soldaten versuchen, die eingeschlossenen Zivilisten zu befreien.

Süddeutsche.de

Während der Offensive irakischer Truppen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Altstadt Mossuls sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen Hunderte Zivilisten getötet oder verletzt worden. Es gäbe Berichte, wonach Tausende bis Zehntausende Einwohner als lebende Schutzschilde missbraucht würden, sagte die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe im Irak, Lise Grande. Hunderte Unbeteiligte, darunter Kinder, seien erschossen worden.

Irakische Truppen hatten vergangene Woche mit der Offensive auf die dicht besiedelte Altstadt Mossuls begonnen. Das Zentrum ist das letzte Gebiet der Stadt, das noch fest in den Händen des IS ist.

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Polen schränkt Zugang zu „Pille danach“ ein

Das polnische Abtreibungsrecht ist so restriktiv wie fast nirgendwo sonst in Europa. – REUTERS
Das Medikament ist nur mehr auf Rezept erhältlich. Die nationalkonservative Regierung hat bereits staatliche Mittel für künstliche Befruchtung gestrichen.

Die Presse.com

Die nationalkonservative Regierung in Polen hat den Zugang zu der „Pille danach“ eingeschränkt. Präsident Andrzej Duda unterzeichnete am Freitag das im Mai vom Parlament verabschiedete Gesetz, nach dem es Pillen zur Geburtenkontrolle nur noch auf Rezept gibt. Seit 2015 war die „Pille danach“ in Polen für über 15-Jährige frei erhältlich.

Die seit November 2015 amtierende Regierung in Warschau hat bereits staatliche Mittel für In-Vitro-Fertilisation und andere Formen der künstlichen Befruchtung gestrichen. Im vergangenen Jahr versuchte sie, Schwangerschaftsabbrüche fast vollständig zu verbieten. Diese sollten künftig nur noch erlaubt sein, wenn das Leben der Schwangeren unmittelbar bedroht ist.

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Märchenstunde mit DiTiB-Landeschef: Terror kennt keine Religion

Yilmaz Yildiz, Foto: Harald Kaster
Der Bundesvorstand des türkischen Moscheeverbands Ditib hat in der vergangenen Woche seinen Mitgliedern empfohlen, nicht in Köln an einem Friedensmarsch von Muslimen gegen islamistischen Terror teilzunehmen. Auch deswegen sieht sich Ditib Kritik aus vielen Teilen der Gesellschaft ausgesetzt. Ein Gespräch mit Yilmaz Yildiz, Chef des rheinland-pfälzischen Ditib-Landesverbands.

Interview Friedrich Roeingh, Reinhard Breidenbach, Dominic Schreiner | Allgemeine Zeitung

Herr Yildiz, hat Ditib in Bezug auf Köln einen Fehler gemacht?

Sie hat dezidiert begründet, warum sie an der Demo nicht teilnehmen wird. Wie jedoch weiter damit verfahren wurde, zeigt, dass keine Gelegenheit ausgelassen wird, die Ditib zu skandalisieren. Zum anderen hat uns enorm gestört, dass der Begriff Terror mit dem Begriff Islam beziehungsweise Islamismus verbunden worden ist. Diese Art von Gleichstellung hat viele Muslime gestört. Terror ist überall Terror.

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Hagia Sophia: ‚Eine inakzeptable Provokation aller Christen‘

Hagia Sophia. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ Arild Vågen
Koranlesung und islamisches Gebet in der Hagia Sophia in Istanbul- Griechenland kritisiert, dass die Türkei versuche, das Weltkulturerbe der Hagia Sophia „stufenweise in eine Moschee“ zu verwandeln.

kath.net

Griechenland kritisiert, dass die Türkei versuche, das Weltkulturerbe der Hagia Sophia „stufenweise in eine Moschee“ zu verwandeln. Nach Angaben der „Welt/N24“ strahlte das staatliche türkische Fernsehen TRT-Diyanet Mitte der Woche zum Ramadan eine Sendung mit Koranlesungen aus der Hagia Sophia aus. Bereits im Vorjahr hatte es eine ähnliche Sendung gegeben. Das Außenministerium in Athen reagierte prompt und erklärte, dass man die Lesung des Koran und das Gebet in der Hagia Sophia verurteile. Dies sei eine „inakzeptable Provokation aller Christen“.

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Historiker Götz Aly: „Es fing alles ganz provisorisch an“

foto: picturedesk / akg-images Die Todesrampe im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, gebaut erst im Mai 1944. Die meisten ungarischen Deportierten wurden ohne Registrierung direkt von hier ins Gas geschickt.
Ohne die Unterstützung der europäischen Länder hätte der Holocaust in dieser Form nicht stattgefunden, sagt Historiker Aly. Und ohne das Motiv des Neids sei der Antisemitismus nicht zu verstehen

Interview Lisa Mayr | derStandard.at

STANDARD: Welche Rolle spielte die aktive und die passive Unterstützung durch Regierungen, Institutionen und die Bevölkerung vieler europäischer Länder bei der Realisierung des Holocaust?

Götz Aly: Viele Menschen stellen sich den Holocaust heute als eine von Berlin aus gesteuerte Vernichtungswalze vor, die über Europa gerollt ist. Das stimmt so nicht. Länder wie Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Frankreich, Belgien und Griechenland haben auf unterschiedliche Weise zur Vernichtung der Juden beigetragen. Nehmen wir Ungarn: Von dort wurden in zehn Wochen 423.000 Juden nach Auschwitz deportiert, mithilfe von 20.000 ungarischen Gendarmen. Bis zur slowakischen Grenze war da kein einziger Deutscher dabei.

STANDARD: War der Antisemitismus in den europäischen Ländern von Anfang an Bestandteil des deutschen Masterplans?

Aly: Nehmen wir das Ghetto Lódz: Da saßen an die 160.000 Leute. Die Deutschen sagten: Wir bringen erst einmal 100.000 „arbeitsunfähige“ Menschen, Alte und Kinder aus dem Ghetto um. Dann sehen wir ja, ob es Widerstand aus der christlichen Bevölkerung gibt. Das stand zu diesem Zeitpunkt keineswegs fest. Oder das Vernichtungslager Belzec im heutigen Ostpolen: Es wurde mit einer Tageskapazität von 500 gebaut. Die hat man nach wenigen Monaten auf 2000 erweitert, weil man gemerkt hat, dass es läuft. Ähnlich in Auschwitz: Wir alle kennen heute die Bilder der berühmten Todesrampe. Sie wurde im Mai 1944 für die Ungarn-Transporte gebaut. Es fing alles ganz provisorisch an, diese „perfekten“ Anlagen entstanden erst, als man merkte, dass „es geht“.

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Ein neuer Historikerstreit?

„Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ Screenshot: bb
„So tütendoof wie sein Gegenstand“, nennt Friedrich Küppersbusch die Antisemitismus-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf die Juden in Europa“ in der taz und bringt damit eigentlich schon alles auf den Punkt, was zu dem Film selbst zu sagen ist: Ein schwach recherchiertes, an Ausgewogenheit, Differenzierung und Belegen und vor allem Moral desinteressiertes Machtwerk rechtskonservativer und anti-islamischer Propaganda, das mal so eben den Fatah-Chef und Vorsitzenden der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, zum Erben von „Stürmer“-Hetzer Julius Streicher erklärt. Wenn das der Führer wüsste!

Von Rüdiger Suchsland | TELEPOLIS

Vor allem hat der Film sein Thema verfehlt. Statt wie der Untertitel suggeriert, geht es nicht um den „Hass auf Juden in Europa“, sondern im Nahen Osten, wo ein großer Teil des Films spielt. Das Europa, das er zeigt, besteht dann auch zu nicht geringen Teilen aus arabisch-stämmigen Migranten; Räumlich reduziert es sich vor allem auf Frankreich und Deutschland – so als ob es Judenhass nicht auch in Ungarn gäbe, in Polen, in der Slowakei und in Österreich.

Nur ist es da ein dezidiert rechtsextremistischer Judenhass. Und das passt den Machern anscheinend nicht ins Konzept. Denn offensichtlich will der Film gar nicht vom Hass auf Juden als solchem erzählen, sondern vom sehr speziellen Antisemitismus der Linken. Dagegen ist zunächst einmal nichts zu sagen, auch wenn dies offenbar nicht der Senderauftrag war, denn das Thema ist natürlich wichtig. Aber auch hier wird manches ausgeblendet, und vieles in einen Topf geworfen: Denn nicht jede Kritik an Banken oder der US-Außenpolitik ist verkappter Antisemitismus, wie es der Film darstellen will.

Weiterhin ist die Erkenntnis, dass es linken Antisemitismus gibt, keineswegs neu. Die „Antideutschen“ haben die Diskussion darüber schon vor über 20 Jahren geführt. Allerdings haben Linke, das darf man dann auch mal sagen, in Europa keine Vernichtungslager für Juden gebaut. Im Effekt verharmlost der Film den rechten Antisemitismus durch die Verlagerung der Gewichte. Als ob Antisemitismus vor allem ein Problem der Linken und der Mitte wäre.

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Neuer Spendenkatalog für Wiederaufbau des Garnisonkirchturms

Blick in den Innenraum in Richtung Osten. Bild: wikimedia.org/PD

Für den geplanten Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche sollen bis zu 18,5 Millionen Euro neue Spenden eingeworben werden. Der Spendenkatalog dafür, in dem Patenschaften für einzelne Bauelemente vom Ziegelstein über zahlreiche Schmuckelemente bis hin zur Büroausstattung angeboten werden, wurde am Freitag in Potsdam vorgestellt.

evangelisch.de

Die Beträge für die Bauelemente reichen von 100 Euro für einen Ziegelstein bis zu 750.000 Euro für eine der Läuteglocken des Kirchturms. Der historische Kirchturm, der 1945 zerstört und 1968 abgerissen wurde, sei ein „in sich selbst faszinierender Ort“, der 230 Jahre lang die Silhouette der Stadt geprägt habe und sie nun erneut prägen solle, sagte der Kuratoriumsvorsitzende der Garnisonkirchenstiftung, der evangelische Berliner Altbischof Wolfgang Huber. Ziel sei, den rund 38 Millionen Euro teuren Turm in einem Zug einschließlich der bisher noch nicht finanzierten Schmuckelemente zu errichten.

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