Archiv der Kategorie: Psychologie

Geschürte Hysterie über (russische) U-Boote vor der Küste Schwedens?

Der schwedische General Anders Grenstad muss zurückrudern. Bild: forsvarsmakten.se

Schwedens Armee muss einräumen, dass es sich bei einem mutmaßlichen U-Boot um ein ziviles Schiff handelte, beharrt aber weiter darauf, Mitte Oktober eines ausgemacht zu haben


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Was war es letztes Jahr für eine Aufregung, als angeblich am 17. Oktober und danach noch zweimal in den Schären vor der Küste Stockholms ein Objekt gesichtet worden war, das für ein U-Boot gehalten wurde – natürlich für ein russisches. Das schwedische Militär bezeichnete die Berichte als “sehr glaubwürdig” und sprach davon, man habe “Unterwasseroperationen” beobachtet (Schweden: Steckt hinter der verdächtigen “Unterwasseroperation” Russland?). Bis Ende Oktober wurde mit großem Aufgebot mit Kriegsschiffen, Minensuchbooten und Hubschraubern nach dem vermeintlichen U-Boot gesucht. Russland wies die Vorwürfe zurück.

Zur selben Zeit hatte die schwedische Regierung beschlossen, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Kurz nachdem die erste Suche abgeblasen worden war, wurde eine zweite Suche gestartet, weil von hatte Ex-Oberstleutnant Sven-Olof Kviman wieder ein mögliches U-Boot gesehen worden war. Die Geschichte entwickelte sich wie die Jagd nach dem Ungeheuer von Loch Ness.

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Das Gehirn als Geschichtenerzähler

brain

Wenn wir Entscheidungen treffen, scheint unser Gehirn den Augenblick der eigentlichen Entscheidung vom Moment der bewussten Rationalisierung zu trennen. Es ist, so als gäbe es uns doppelt: einmal als schnelle Entscheidungsinstanz, das andere Mal als langsames Bewusstsein unserer Taten. Die zeitliche Entkopplung zwischen beiden Prozessen kann manchmal überraschend sein. Bei Deutungskonflikten bastelt sich das Gehirn eine passende Rationalisierung zurecht.


Von Raúl Rojas|TELEPOLIS

Philosophen beschäftigen sich seit jeher damit, die Welt gedanklich auf Fundamentalprinzipien zurückzuführen, sogar wenn die Argumentation kontraintuitiv klingt. So behauptete der griechische Philosoph Parmenides, Bewegung gäbe es nicht, weil Bewegung der Übergang von Nicht-Sein in Sein ist. Da aber das Sein bereits ist, gibt es eben keine Bewegung. Mit Parmenides freundschaftlich verbunden erfand Zeno geistreiche Paradoxien, um die Unmöglichkeit der Bewegung theoretisch zu untermauern. Die Legende will, dass Diogenes dem Zyniker Zeno stumm widersprach, indem er einfach im Raum auf und ab ging.

So ist es auch mit dem freien Willen, der Frage aller Fragen in der westlichen Philosophie. Seit langem hört man aus der neurophilosophischen Ecke, den freien Willen gäbe es nicht, da unbewusste Prozesse unsere Handlungen im Voraus bestimmen. Wir wollen unbewusst etwas, bevor wir überhaupt wissen, dass wir es wollen. Als Antwort auf diese kühne These würde vielleicht Diogenes ein paar Runden um den Neurophilosophen drehen und ihn fragen, welcher unbewusste Prozess ihn zu einer solch merkwürdigen Handlung anstifte.

Der Satz: “Den freien Wille gibt es nicht” enthält jedoch ein Körnchen Wahrheit, wenn man versteht, was Neurophilosophen damit meinen. Dabei beziehen sie sich nicht auf eine deterministische Welt, in der ein Laplace’scher Dämon aktiv wäre, d.h. eine Intelligenz, die im Kenntnis aller Kräfte und Zustände aller Teilchen, die Welt im Voraus vollends berechnen könnte: “Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.”[1] Die Neurophilosophen reden vielmehr über das Zusammenspiel im Gehirn von bewussten und unbewussten Prozessen, eine Kombination, die manch frappierende kognitive Illusion hervorruft.

Metzingers Ego-Tunnel

Der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger erläutert in seinem Buch “Der Ego-Tunnel” warum wir die Welt um uns nur als Schatten wahrnehmen.[2] Wir erfassen die Welt durch unsere Sinneseindrücke – dies bedeutet, dass alle “Messungen”, die wir über unsere sensorischen Organe erhalten, zur Deutung an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort wird eine Art “virtuelle Realität” zusammengesetzt, die die Realität draußen widerspiegelt, ohne dass beide identisch wären. Es findet eine Dimensionsreduktion statt.

Ein bekanntes Beispiel sind Farben. Aus drei Netzhaut-Farbsignalen für grün, blau und rot wird in der neuronalen Verarbeitung eine breite Palette von mentalen Farben generiert, die wir alle problemlos “sehen” können, die aber keine triviale Entsprechung in der Welt haben (z.B. als eindeutige Wellenlängen von Licht). Auch wenn die Außenbelichtung umgestellt wird und die von den Objekten reflektierten Wellenlängen sich ändern, sehen wir durch die vom Gehirn erzeugte “Farbkonstanz” weiterhin dieselben subjektiven Farben. Es wäre doch sehr irritierend, wenn eine Frucht im Schatten eine andere Farbe als im Tageslicht hätte. Und obwohl Messgeräte zeigen können, dass das reflektierte Licht tatsächlich eine neue spektrale Zusammensetzung hat, sieht das Auge keinen Unterschied. Diese partielle “Blindheit” für die Szenenbeleuchtung (die Dimensionsreduktion) bringt den evolutiven Vorteil einer Weltkonstanz.

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Libet-Experimente: Die Wiederentdeckung des Willens

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project

Vor gut 30 Jahren entdeckte der Neurophysiologe Benjamin Libet, dass das Gehirn Bewegungen einleitet, bevor sich die Person bewusst dazu entschließt. Seitdem streiten Philosophen und Hirnforscher über die Tragweite dieser Erkenntnis. Neuere Experimente zeigen: Tiefe Zweifel an der Willensfreiheit waren verfrüht!


Von Amadeus Magrabi|Spektrum.de

Wenn es um den freien Willen geht, hört man fast nur extreme Ansichten. Da sind zum einen die Neurorevolutionäre, die unsere alltäglichen Vorstellungen über Verantwortung und Schuld als naturwissenschaftlich erwiesene Illusionen abtun. Ihnen gegenüber stehen die Traditionalisten, die von der Freiheit des Menschen überzeugt sind und nicht nachvollziehen können, was irgendwelche Laborexperimente daran ändern sollten. Und inzwischen gibt es noch eine dritte Gruppe, die “Genervten”, die die schier endlose Debatte darüber nicht mehr hören können. Doch es hat sich eine Menge getan: Neue empirische Ergebnisse scheinen den freien Willen zu rehabilitieren.

Ein guter Startpunkt für viele philosophische Diskussionen ist unsere intuitive Erfahrung. Was verstehen wir unter Willensfreiheit? Wir meinen damit eine bestimmte Art und Weise, Entscheidungen zu fällen. Wenn ich zum Beispiel meinen Urlaub plane, sichte ich meine Möglichkeiten: Wie viel Geld und Zeit stehen mir zur Verfügung? Will ich eher entspannen oder etwas erleben? Bin ich auf Strand, Natur oder Kultur aus? Von Willensfreiheit zu sprechen, ergibt offenbar nur dann Sinn, wenn wir in einer Situation mehrere Optionen haben und uns durch bewusstes Abwägen von Gründen für eine davon entscheiden können. Wenn der freie Wille existiert, sollte der innere Monolog, den wir dabei mit uns führen, unsere Entscheidungen bestimmen.

Dem gegenüber steht die Sorge, dass andere, unbewusste Prozesse unser Verhalten steuern und das Bewusstsein nur nachträglich Begründungen konstruiert. Die Frage nach der Willensfreiheit lautet also: Bestimmen bewusste Überlegungen unsere Entscheidungen, oder werden sie durch unbewusste Prozesse hervorgerufen?

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Wie der Geist entsteht

Bild: BB

Bild: BB

Das Geheimnis des Bewusstseins gilt vielen als das größte Rätsel überhaupt – als äußerste Grenze menschlichen Strebens nach Erkenntnis. Hirnforscher, Psychologen und Philosophen versuchen trotzdem, sich ihm zu nähern.


Von Hartmut Wewetzer|DER TAGESSPIEGEL

Fledermäuse beginnen in der Dämmerung ihren Flatterflug. Und Sie sind dabei. Sie sind eine Fledermaus. Sie steigen in den Himmel auf und kreisen über den Häusern, um ihre Beute zu orten. Nein, Sie sind nicht Batman. Sie sind eine echte Fledermaus. Sie haben ein Fledertier-Bewusstsein und ein Bio-Echolot, mit dem Sie Ihre Beute orten, Fliegen und andere Insekten, die durch die Abendluft treiben. Die Nacht werden Sie in Ihrem Versteck verbringen, kopfüber von der Gemäuerdecke hinabhängend.

Natürlich werden wir Menschen uns niemals wirklich in eine Fledermaus hinein versetzen können. Aber ein reizvolles Gedankenexperiment ist es trotzdem.

Es stammt von dem amerikanischen Philosophen Thomas Nagel. 1974 veröffentlichte er den Aufsatz „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“. Der Essay sollte die aufstrebende Gilde der Hirnforscher provozieren. Schickte die sich doch an, seelische Prozesse mit den Mitteln der Naturwissenschaft aufzuklären. Dabei machten sie sich sogar daran, dem Bewusstsein selbst sein Geheimnis zu entreißen.

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Kindesmissbrauch: Setzt sich Gewalt in der Familie fort

Bild: WAZ

Bild: WAZ

Werden geprügelte Kinder später selbst oft zu prügelnden Eltern und misshandeln den eigenen Nachwuchs? Jein, sagen nun Forscher, die Betroffene 30 Jahre lang begleitet haben.


Von Daniela Zeibig|Spektrum.de

Dass Kinder, die daheim regelmäßig Opfer von häuslicher Gewalt werden, später zu Eltern heranwachsen, die ihren eigenen Nachwuchs ebenfalls häufiger misshandeln, ist eine weit verbreitete Annahme. Tatsächlich ist bisher aber unklar, wie groß der Einfluss solcher bedrückenden Kindheitserfahrungen tatsächlich ist. Während manche Forschungsarbeiten darauf hinweisen, dass Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben wird, fanden andere keinen Effekt. Ein neues Licht auf dieses Thema wirft nun eine Studie, die Wissenschaftler um Cathy Widom von der City University of New York im Fachmagazin “Science” veröffentlichten. Ihre aufwändige Langzeituntersuchung demonstriert: Die Antwort auf die Frage, ob Opfer später tatsächlich häufiger selbst zu Tätern werden, hängt vermutlich auch entscheidend davon ab, wen man fragt.

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Pat Robertson: ‘Was the co-pilot a Muslim? Why did he want to kill all those people?’

pat-robertson-prophetChristian televangelist Pat Robertson suggested on Thursday that the co-pilot’s decision to crash Germanwings Flight 9525 could be explained if he was a Muslim.


By Dave Edwards|Raw Story

French prosecutors concluded on Thursday that co-pilot Andreas Lubitz had locked the pilot out of the cockpit, and then deliberately crashed the plane into the French Alps, killing 150 people.

“What happened to that plane that crashed into the French Alps?” Robertson asked on Thursday’s edition of The 700 Club. “Well, they’ve begun to find out. The pilot went to the lavatory and was soon locked out of the cockpit. He pounded on the door, begging to come in. But the door was not opened.”

“The co-pilot then takes the plane, pushes it into a dive and crashes it. The passengers are screaming as the plane went down. The pilot is yelling.”

“What a terrible tragedy,” the TV preacher continued. “Was that co-pilot a Muslim? Was he suicidal? What was it about him?”

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Nährstoffmythos: Über die Sinnlosigkeit von Vitamintabletten

Foto: Getty Images Vitaminpillen muss fast niemand für seine Gesundheit schlucken. Der Körper kann sich aus der Nahrung versorgen – und viele Vitamine selbst recyceln

Eine rote Pille für den Muskelaufbau, eine blaue mit Antioxidantien. Nicht nur unter Sportlern sind Vitaminpräparate beliebt. Dabei sind die meisten sinnlos – und einige können sogar schaden.


Von Jörg Zittlau|DIE WELT

“Fit in den Frühling”, “Mit Vitaminen gegen die Frühjahrsmüdigkeit” – wenn der Winter sich verabschiedet, hört man, dass die Zeit für eine Extraportion Vitamine gekommen ist. Um die im Winter geleerten Speicher wieder aufzufüllen, um sich vor der intensiveren Sonnenstrahlung zu schützen, um in Sport und Beruf belastbarer zu sein.

In Deutschland geben die Menschen in einem Jahr 1,2 Milliarden Euro für Vitaminpräparate aus. Doch wissenschaftliche Daten sprechen gegen den Sinn dieser Investition – und mitunter ist sie sogar gefährlich.

Eine rote Pille für den Muskelaufbau, eine blaue für die Regeneration. Gerade unter Sportlern sind Vitaminpräparate beliebt. Sie erhoffen sich von den antioxidativen Vitaminen C und E, dass sie als sogenannte Radikalfänger die Muskeln vor Sauerstoffradikalen schützen und so die Trainingsergebnisse verbessern. Doch eine Studie der Sporthochschule Oslo zeigt, dass die Einahme dieser Vitamine auch zum Gegenteil führen kann.

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Robot Workers Will Only Be as Ethical as Their Masters

Bild: arbeits-abc.de

Robots could soon become advanced enough to make their own decisions, and this has some experts worrying about killer military bots. That’s why ClearPath Robotics, a Canadian autonomous robot maker, has committed to building a fleet of “ethical” robots meant for the factory floor instead of the battlefield.


By Jordan Pearson|MOTHERBOARD

But labour advocates questioned how ethical an “ethical” robot really is if it threatens to replace workers who would otherwise do the same jobs.

ClearPath has, until now, focused its efforts on making autonomous land and air vehicles mainly for researchers and the military. The company joined the Campaign to Stop Killer Robots last year and promised never to build a robot that can shoot to kill. Now, with a round of new funding from venture capital firm RRE—the same company that funded Buzzfeed and cute robot sensation Jibo, to name a few past successes—ClearPath is developing a line of semi-autonomous robot trucks that can cart heavy materials from automation hub to automation hub inside a factory.

According to ClearPath CEO Matt Rendall, robots like the ones his company produces will help manufacturers to displace workers engaged in “low value” labour and create more high-level technician jobs.

“Manufacturers spend millions of dollars on these automation cells and yet the method they transport goods with is to load them up on a cart and Bob or Sally transports it,” said Rendall. “That not a very good use of the capabilities they have for that environment. The idea behind automating the very low value work, is that it frees up time for humans to focus on more complex, more challenging, more valuable work.”

The basic idea is, according to a ClearPath statement sent to Motherboard, to let the robots do the “dirty, dull, and deadly industrial work” that humans “shouldn’t” do. Instead of replacing jobs, Rendall said, the company wants to “displace and reposition labour” to different areas of expertise—technicians, for example, who would service the robots whose jobs they replaced.

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Hirnforschung: Für neue Erinnerungen müssen alte weichen

Bild: BB

Bild: BB

Was hatten Sie an, als Sie Ihren schönsten Sonnenuntergang erlebt haben? Beim Sortieren von Vergangenem geht das Gedächtnis rigoros vor: Alles, was stört, kommt weg.


SpON

Erinnern heißt Vergessen. Was absurd klingt, haben Wissenschaftler nun in einem Versuch gezeigt: Wenn Menschen sich an etwas Konkretes erinnerten, vergaßen sie ähnliche, in dem Zusammenhang störende Erinnerungen. Das Gehirn unterdrücke aktiv die konkurrierenden Erinnerungen, berichten die britischen Forscher im Fachblatt “Nature Neuroscience”. Der Prozess des Erinnerns gestalte so mit, welche Aspekte unserer Vergangenheit zugänglich bleiben – und welche nicht.

Das Erinnern scheine ein doppelschneidiges Schwert zu sein, schreiben die Wissenschaftler um Maria Wimber von der Universität Birmingham. Frühere Studien hätten gezeigt, dass das wiederholte Erinnern einerseits die Gedächtnisinhalte stabilisiere. Es habe aber bereits Hinweise darauf gegeben, dass Erinnern auch Vergessen auslöse.

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A Brain Injury Has Turned A Man Into A Mathematical Genius

ScienceAlertStaff for ScienceAlert

After being brutally attacked in 2002, Jason Padgett now sees the world through a geometric lens. New research suggests the same ability may lie dormant in all our brains.


diply.com

But while recovering from his injury, he suddenly started to see the world differently. It was pixelated and appeared as “discrete picture frames with a line connecting them, but still at real speed”. Imagine a set of video frames that haven’t been smoothed, explains Tanya Lewis who has written about Padgett’s amazing story for LiveScience.

He also started to see geometric shapes almost everywhere he looked. “I see shapes and angles everywhere in real life” — from the geometry of a rainbow, to the fractals in water spiralling down a drain, Padgett told Live Science. “It’s just really beautiful.”

He started drawing geometric shapes frequently without knowing what they meant. It was only after a physicist saw him sketching in a mall and encouraged him to study mathematics that he realised he suddenly could understand extremely complex concepts, such as that of pi.

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Gottesgläubige sind risikobereiter

Bild: blog.gasprofi24.de

Wer gläubig ist, wagt schon mehr, wenn er nur das Wort “Gott” liest. Doch das gilt nur für moralisch einwandfreie Aufgaben.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Wenn es um Glücksspiel oder Alkoholkonsum geht, verhalten sich sehr gläubige Menschen deutlich vernünftiger als der Durchschnitt der Bevölkerung und meiden diese Risikofaktoren häufiger. Doch das bedeutet nicht, dass Gläubige in allen Lebenslagen vernünftiger sind als eher atheistisch veranlagte Personen – vielfach ist sogar das Gegenteil der Fall, wie eine Studie von Daniella Kupor von der Stanford University Graduate School of Business und ihren Kollegen in “Psychological Science” aktuell zeigt. Denn Vernunft lassen religiöse Menschen vor allem walten, wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die in ihren Augen unmoralisch sind wie etwa im Übermaß trinken oder Pokern. Kupor und Co untersuchten daher Aktivitäten, die nicht derart vorverurteilt sind wie Fallschirmspringen oder die Farbauswahl von Kleidung.

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„Gottlose Gemeinschaft“ mit kirchlichen Riten

HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB

HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB

Zwei Atheisten haben vor zwei Jahren in London die Sunday Assembly – eine „gottlose Gemeinschaft“, deren Versammlungen stark an kirchliche Riten erinnern, gegründet. Das Konzept ging auf, die Anhängerschaft wächst.


Von Clara Akinyosoye|religion.ORF.at

„Wenn ich in meinen Schuhen einen Stein finde, schmeiß ich nicht die Schuhe weg, sondern den Stein“, sagte der Komiker Sanderson Jones, der gemeinsam mit seiner Kollegin Pippa Evans die Sunday Assembly gründete, im Oktober 2013 der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“. In dieser Metapher stellt Gott den Stein dar und die Schuhe symbolisieren die Kirche – besser gesagt all das Positive, was Jones aus seiner Sozialisation heraus mit Kirche verbindet: das Singen, die Geschichten und die Gemeinschaft. Die logische Konsequenz für den Atheisten: „Gott flog bei unserer Assembly einfach raus.“

Franchise-Gemeinden

Eine – wie sie sich selbst nennen – „gottlose Gemeinschaft, die das Leben feiert“ war geboren. Ihr Motto: „live better, help often, wonder more“ (zu Deutsch: lebe besser, hilf öfter, staune mehr) prangt jetzt in großen Lettern auf Französisch, Englisch, Ungarisch oder Deutsch auf zahlreichen Ableger-Websites. Das Konzept der Sunday Assembly hat Schule gemacht. Und das war auch Sinn der Sache. Die Sunday Assembly funktioniert fast wie ein Franchise-Unternehmen, sie folgt einem genauen Protokoll. Wer in seinem Ort eine neue Assembly starten möchte, muss den Guideslines, den Werten, der Charta entsprechend handeln – das geht von der Aufmachung der Website bis hin zur der Auflage, dass ein Musiker im Organisationsteam sein muss.

Pop statt Choräle

Es gibt eine Lesung, Musiker treten auf, es wird gemeinsam gesungen – keine Kirchenlieder, dafür Stücke von Soul-, Pop-und Rockgrößen wie Stevie Wonder und Queen. Danach gibt es Speis und Trank – die Menschen sollen sich vernetzen, eine Gemeinde bilden können – So läuft eine typische Sunday Assembly ab. Die Drehbuchautorin Sue Schwerin von Krosigk brachte die atheistische Sonntagsversammlung nach Berlin. Mittlerweile findet sie etwa einmal im Monat statt, mit 100 Besuchern kann gerechnet werden.

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Durch die rosarote Datenbrille

Bas Kast wagt in seinem neuen Buch eine leichtfüßige Annäherung an die Kreativitätsforschung


Von Tanja Traxler|derStandard.at

Im sogenannten Virtual-Reality-Labor der Universität Nimwegen nahm alles seinen Anfang. Der Autor Bas Kast nimmt an einem Versuch teil, in dem er durch eine Datenbrille in eine völlig neue Welt katapultiert wird.

Wie diese Virtual Reality beschaffen ist, soll hier nicht weiter interessieren, Kast hat sie jedenfalls sehr gut gefallen und sogar zu einem “Klick” verholfen, und er beschloss, die nächsten Monate der Erforschung eben jener Klick-Momente zu widmen. Sein nun erschienenes Buch “Und plötzlich macht es klick!” liest sich wie ein Reiseführer durch die Kreativitätsforschung.

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The Cosmic Tug of Love

Image: hplusmagazine.com

Massive objects bend spacetime. The ISS falls around the edge of earth’s gravity well, held close to the terrestrial bosom. With enough delta-v, it could quit that tender aureole for the infinite, star-studded void.


By D.J. MacLennan|h+ Magazine

A loving gravitational embrace? In another sense, it’s a hateful thing – to be dragged back with such violence whenever we try to escape this grasping, spinning ball of rock. Thus far, chemical rockets are our only means of achieving the escape velocity of 40,000 km/h needed to leave home. The determination and resources required for such a small step into the darkness are astonishing. Someday, it’ll be easy. We’ll ascend to orbit on a gossamer leash – a space elevator, a baby harness strung taught by angular momentum.

It’s odd, I know, to anthropomorphize these astrodynamical relationships. But I’ve been wondering about love and its universal significance, and I don’t know whether we’re drastically under- or overestimating its cogency.

Love exerts such a profound force upon us – on our interactions, on our aspirations, on our enterprises, and ultimately on the fabric of our world. And when we come to push out from this place – into our solar system then on into interstellar space – the profound force of our loves (and hatreds) will push out with us. Will it be a responsible course of action to allow that to happen?

Love is… at root, biology. A host of endocrine-system-regulated hormones relay chemical messages around the body and brain. Complex loops of physiological feedback between endocrine, nervous, and reproductive systems regulate our sexual responses and maintain homeostasis via hormone-producing glands such as the pituitary and thyroid. We feel the effects of ‘love’ throughout our bodies; even with the reproductive system completely excised our hormones would continue their thrilling course. And we feel it in our brains, in our minds. Modulated by hormones such as oxytocin, neurotransmitting chemicals at synapses lead to inhibition or firing of networks of neurons (baby, you flood my synaptic clefts like no other). Firing or inhibition consolidates or weakens these networks – thus do we fall in, or out of, love.

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A Neuroscientist Explains Why We Look At Porn

Photo: ​Charlotte Cunningham

David J. Linden, Ph.D. is a Professor of Neuroscience at The Johns Hopkins University School of Medicine and the author of Touch: The Science of Hand, Heart and Mind.

By David J. Linden|MOTHERBOARD

After a long struggle involving many different medical procedures my children were conceived by in vitro fertilization. My wife bore nearly the entire indignity of this process with countless injections, tests and surgery. My own minor contribution consisted of masturbating in the decidedly unsexy environs of the doctor’s office.

I was handed a plastic cup by a scowling nurse and directed to the designated room. It had amateurish seascapes on the walls, furniture fitted with thick plastic slipcovers and a stack of dirty magazines—Penthouse, Hustler and the like. This was 1996, before the full-on internet porn era, and those who preferred a special flavor were out of luck. It was a struggle to get in the mood but, in truth, it helped to have the magazine. In time, I dutifully pulled my pud to Penthouse and handed over my small, warm cup with a sheepish smile.

While survey numbers are almost certainly underestimates,  ​a recent poll revealed that 66 percent of all men and 41 percent of American women view pornography at least once a month. One analysis of data packets flowing through Internet servers indicated that about half of all web traffic is porn; some call that myth, insisting the number is much smaller, ​more realistically like 4%. The actual numbers remain clouded in the obscurity of the internet’s data traffic as much as in cultural taboo, but there’s little questioning the popularity of porn.

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Beichte: Das ungeliebte Sakrament

geschlossener Beichtstuhl in der Mannheimer Jesuitenkirche. Bild: wikimedia.org/PD

Für Katholiken ist die Beichte eines der sieben Sakramente. Doch immer mehr Gläubige in Deutschland finden diese Praxis nicht mehr zeitgemäß. In Polen dagegen beichtet noch jeder Fünfte regelmäßig.


Von Marta Kupiec|Deutschlandradio Kultur

Vitus Seibel ist Jesuit. Zu Beginn seiner priesterlichen Laufbahn verbrachte er zwei Stunden täglich im Beichtstuhl der St. Michael-Kirche in München. Heute findet die Beichte einmal die Woche statt, Beichtstühle werden in manchen Kirchen als Abstellkammer zweckentfremdet, die Zahl der Beichtwilligen sinkt – sagt der 70-Jährige.

“Das hängt sicherlich mit der allgemeinen Säkularisierung zusammen und damit, dass ein Sünden-Bewusstsein sich geändert hat und vieles nicht mehr als Sünde angesehen wird, oder dass es viele Möglichkeiten der Sündenvergebung gibt, indem ich etwas bereue in der Heiligen Messe. Aber der allgemeine Trend ist: es geht ganz gut auch ohne die Beichte.”

Und damit meint der Jesuit in erster Linie das allgemeine Schuldbekenntnis zu Beginn der Messliturgie – für viele ein angst- und scheufreier Ersatz für das persönliche Gespräch mit einem Priester, der stellvertretend für Gott die Sünden vergeben kann. Der Berliner Franziskaner, Clemens Wagner, sieht noch eine weitere Tendenz.

“Ich erlebe, dass mir viele sagen: ‘Das mache ich mit meinem Gott aus.’ Ich antworte dann immer: ‘Wenn Ihnen Gott antwortet, dann haben Sie Glück, weil er mir so bis jetzt so noch nicht geantwortet, wie wenn ich im Beichtgespräch bin.'”

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The Dark Age of Virtual Reality-Based Torture Is Approaching Fast

Image: ​SoundSelf

Imagine you’re in a small room. The walls are covered in geometric patterns that literally hurt to look at. In the corner are a polygonal bed and bench canted at angles that make them impossible to sit on. The floor is cluttered with a gridwork of bricks rendering it impossible to walk any direction but forward.


By Doug Bierend|MOTHERBOARD

It sounds like a computer model of the exact opposite of Fung Shui, but it’s quite real. Built by anarchists fighting in the Spanish Civil War, the so-called psychotechnic torture cell used turn-of-the-century perceptual concepts in abstract art to maximize sensory disruption, subverting prisoners’ senses to drive them mad.

It’s a bizarre example of the kind of mind-fuckery that’s possible when someone has the means of shaping your reality—something modern technology now allows us to do like never before.

Virtual reality is being trumpeted as a platform for everything from pornography to video games to treating PTSD. But given how powerful VR is becoming, and how widely used it’s evidently going to become, one logical misuse is especially disturbing: torture.

To be clear, there’s no evidence of VR being used to press people for information the way sound, rectal feeding, and other horrors were ​applied by the CIA in its secret prisons. But where the imagination goes, reality has often followed. And when it comes to torture, a simulation can be just as impactful as the real thing. “In mental health, perceptions are reality,” says Dr. Asher Aladjem of Bellevue’s Program for Survivors of Torture, “so if you think you are being tortured, you are being tortured.”

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How The “Nocebo Effect” Can Trick Us Into Actually Dying

Image: Instagram/TomVarco

The “nocebo effect” is like the placebo effect, except in reverse. Whereas placebos trick people into feeling better, “nocebos” are things that make people feel worse, even though they don’t really exist. They can even kill people! Here’s how we can trick ourselves into dying, and how doctors may have found a cure.


By Esther Inglis-Arkell|io9

Let’s begin with a story. A young man who had been in treatment for depression for some time hit a low point after his girlfriend left him. He took an entire bottle of his medication. As soon as he finished the bottle, he realized he’d made a mistake. At the hospital, grievously ill, he lingered near death. He couldn’t breathe. His blood pressure was dangerously low. After making inquiries, the doctors found out that he had been in a study for a new antidepressant. That might explain why none of the tests they ran on him was able to indicate what drug was poisoning him. They contacted the doctors coordinating the study.

The man had been given placebos. The placebos had worked, improving his mood and making him sure that he’d been given the active medication. When he overdosed on the sugar pills, the placebo effect he’d been experiencing transitioned into the “nocebo effect.” Convinced he was dying, he actually began to die. Once he was told he was in no danger, he recovered.

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Psychologie und Talismane: Aberglaube steigt unter Leistungsdruck

Bild: svz.de

Bild: svz.de

Wann Menschen Aberglauben zeigen, hängt von den Umständen ab: Wollen Probanden ein Ziel erreichen, um Anerkennung zu bekommen, sind Talismane beliebt. Ist die innere Motivation wichtiger, kommen sie ohne Glücksbringer aus.


Von Marlene Weiß|Süddeutsche.de

Wann Menschen auf Glücksbringer vertrauen, um ein Ziel zu erreichen, hängt von den Umständen ab: Geht es darum, Anerkennung von anderen zu bekommen, ist Aberglaube verbreitet; ist das Ziel nur ihnen persönlich wichtig, verzichten sie auf Talismane.

Das berichten Eric Hamerman von der Tulane University und Carey Morewedge von der Boston University im Fachblatt Personality and Social Psychology Bulletin.

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Cicada 3301: Geht die mysteriöse Internet-Schnitzeljagd jetzt weiter?

Plakate mit einem QR-Code sind ein Teil der Cicada-3301-Schnitzeljagd. Dieses hier tauchte in Warschau auf. Wer es aufhängte, ist nicht bekannt. Bild: wikimedia

Plakate mit einem QR-Code sind ein Teil der Cicada-3301-Schnitzeljagd. Dieses hier tauchte in Warschau auf. Wer es aufhängte, ist nicht bekannt.
Bild: wikimedia

Die Spannung ist groß: Am 5. Januar müsste die Internet-Schnitzeljagd Cicada 3301 in die vierte Runde gehen. Noch immer ist vollkommen unklar, wer hinter dem seltsamen Ratespektakel steckt.


Von Klaus Schmeh|FOCUS ONLINE

Es begann am 4. Januar 2012. Eine unbekannte Person veröffentlichte im Internet-Forum 4Chan eine Grafik, in der ein Text versteckt war. Diese Botschaft führte zu einem weiteren Rätsel, das selbst wiederum zum nächsten weiterleitete. Damit begann eine Schnitzeljagd quer durch das Internet und die reale Welt – über Web-Seiten, Telefonansagen und Plakate. Die Rätsel stammten aus der Verschlüsselungstechnik, aus der Steganografie und aus verwandten Gebieten. Als Strippenzieher hinter dem Ratespiel wirkte eine Organisation, die sich Cicada 3301 nannte. Wer sich dahinter verbirgt ist unklar.
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