Multitasking: Dran glauben hilft

Wer glaubt, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, erbringt offenbar besonders gute Leistungen. © Maselkoo99/ istock
Interessanter Effekt: Echtes Multitasking funktioniert häufig zwar nicht – der Glaube daran hilft aber offenbar. Experimente zeigen: Wer den Eindruck hat, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, schlägt sich bei bestimmten Aufgaben besonders gut. Werden die gleichen Aufgaben erledigt, aber als eine Tätigkeit wahrgenommen, leidet dagegen die Leistung. Die Forscher leiten daraus einen Tipp ab: Eine anstehende Aufgabe mental in mehrere Unteraufgaben aufzuteilen und somit ein Gefühl von Multitasking zu erzeugen, könnte im Alltag ziemlich nützlich sein.

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Auch wenn gerade Frauen gerne das Gegenteil von sich behaupten: Echtes Multitasking funktioniert häufig nicht. Studien zeigen, dass mehrere Dinge gleichzeitig und gleich gut zu erledigen, für unser Gehirn kaum machbar ist. Denn es kann immer nur mit einem Sinn auf Höchstleistung arbeiten. Die Folge: Anstatt wirklich parallel E-Mails zu beantworten, zu telefonieren und nebenbei noch Termine zu koordinieren, wechseln wir in Wahrheit oft zwischen diesen einzelnen Aufgaben hin und her.

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Sleep Paralysis – A Personal Odyssey into an Apparently Paranormal Experience

Image: Skeptic.com
Skeptics are familiar with different sleep anomalies that help explain the various psychological experiences that people have that are often attributed to supernatural, paranormal, or even extraterrestrial causes.

Byy Heidi Love | Skeptics

Hypnagogic (just after falling asleep) and hypnopompic (just before waking up) hallucinations, for example, occur in the fuzzy borderlands between wakefulness and sleep, when our conscious brain slips into unconsciousness as we fall asleep or transition into wakefulness. Reality and fantasy blur and people report seeing and hearing things that are not actually there, such as speckles, lines, geometric patterns, representational images, and voices and sounds. Lucid dreams are stronger still, and consist of dreams in which the sleeping person is aware that they are asleep and dreaming, but can participate in and alter the dream itself. Sleep paralysis is a type of lucid dream in which the dreamer is generally not aware they are dreaming but rather they perceive themselves to be awake and in their bed. They also feel paralyzed, have difficulty breathing, feel pressure on the chest and often sense the presence of a being in the room with them. Additionally, they sometimes feel themselves floating, flying, falling, or leaving their body, with an emotional component that includes an element of terror, but sometimes also excitement, exhilaration, rapture, or sexual arousal.

I have had many such experiences myself, and now that I am a skeptic I can look back upon them with some reflective hindsight and provide here a first-hand account of what it is like to have a lucid dream under sleep paralysis. First, by way of background, I am a 44-year old white female, a first generation American raised by a working-class single, German immigrant mother. I was raised Mormon, although today I consider myself an open minded, highly inquisitive, skeptical, critically thinking agnostic who is pro-science.

I stopped believing in Mormonism (if I ever really did believe) sometime in my early teens. In my early 20s I got involved in political activism (hardcore lefty), fueled by youthful passion and idealism and intent on changing the world. During that time until my very early 30s I tended to believe in conspiracy theories, pseudoscience and all sorts of woo, including alien abductions. Yet I also had a deep skeptical streak and a fairly well developed inquisitiveness that made me question everything and seek deeper understanding.

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Zur Psychologie des KZ Dachau

Ein Beispiel für den zynischen Wortwitz der Nazis: Am Eingang des Konzentrationslagers Dachau befindet sich diese Tür. Der Slogan „Arbeit macht frei“ prangerte auch am Vernichtungslager Auschwitz. Nach Schätzungen des Buchenwaldüberlebenden Eugen Kogon führten für rund 93% oder 6,7 Millionen Menschen „Schutzhaft“ und Zwangsarbeit in den Lagern aber nicht in die Freiheit, sondern in den Tod. Das Tor wurde 2014 gestohlen und durch ein Replikat ersetzt. Foto: Stephan Schleim
Wie ließen sich mit so wenigen Mitteln so viele Menschen beherrschen?

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Der folgende Text ist eine überarbeitete Fassung eines Vortrags, den ich im September 2016 auf der Ferienuni Kritische Psychologie an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin hielt. Die Ferienuni ist eine Initiative von Studierenden der Psychologie und Sozialwissenschaften, die sich für eine Woche ihren eigenen Lehrplan zusammenstellen. Dabei kommen Themen auf die Tagesordnung, die im regulären Hochschulbetrieb außen vor bleiben.

Mich interessierte die Frage, wie die Konzentrationslager der Nazis psychologisch so organisiert waren, dass es kaum zu Fluchtversuchen oder gar Aufständen der Gefangenen kam. Dabei verschlechterten sich die Bedingungen im Laufe des Zweiten Weltkriegs, der sich für Nazideutschland schlecht entwickelte, dramatisch. Der Krieg an mehreren Fronten band immer mehr Ressourcen, während das Elend der Gefangenen im Inneren ins Unermessliche stieg. Deshalb sollte man eigentlich eine Zunahme der Widerstandshandlungen erwarten.

Das KZ Dachau verdient besonderes Interesse, weil die Nazis dort schon sehr früh Oppositionelle einsperrten und es als einziges der frühen Lager bis zum Kriegsende bestand. Es war der Ort, an dem die perverse Psychologie von Überwachen und Bestrafen ausgefeilt und dann in die zahlreichen anderen Lager „exportiert“ wurde. Es kann auch heute noch dank der Gedenkstätte besucht werden.

Der Vortrag, den ich am Morgen des 15. September 2016 in einem prall gefüllten Saal hielt, hat sich mir auch deshalb im Gedächtnis eingeprägt, da am Nachmittag eine kleine Gruppe von NPD-Mitgliedern am Platz gegenüber der Hochschule eine Kundgebung abhielt. Berlin befand sich im Kommunalwahlkampf.

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Kreativ durch „magische Pilze“?

Psychoaktive Pilze fördern offenbar die Kreativität. © Lightworkerpeace/ CC-by-sa 3.0
Positive Wirkung: „Magic Mushrooms“ in winzigen Mengen zu konsumieren, macht offenbar tatsächlich kreativer. Ein Experiment zeigt: Dank Mini-Dosierungen psychoaktiver Trüffel kamen Probanden bei bestimmten Aufgaben auf originellere Ideen und dachten flexibler. Den Forschern zufolge könnten solche Pilze daher künftig als eine Art Hirndoping zum Einsatz kommen – oder auch für die Therapie bestimmter Erkrankungen.

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„Magic Mushrooms“ erfreuen sich in bestimmten Kreisen großer Beliebtheit. Der Grund: Die Pilze enthalten psychoaktive Substanzen, die die Wahrnehmung verändern und ähnliche Halluzinationen auslösen wie die Droge LSD. Nutzer versprechen sich von dem Konsum meist bereichernde Erlebnisse. Doch die Zauberpilze können auch gefährliche Angst- und Panikzustände auslösen – die berüchtigten Horrortrips.

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Lavendelduft als natürlicher Angstlöser

Lavendelfeld in der Provence
FOTOLIA / IVAN_SCIANO

 

Lavendel wirkt bekanntlich beruhigend und schlaffördernd – wieso genau, haben Forscher allerdings bislang missverstanden. Eine neue Studie gibt jetzt Nachhilfe.

 

Von Jan Osterkamp |  Spektrum

 

Lavendelduft wirkt auf Menschen bekanntermaßen beruhigend und einschläfernd, wofür Pharmakologen den Inhaltsstoff Linalool verantwortlich machen. Das stimmt auch, bestätigen jetzt japanische Forscher in »Frontiers in Behavioral Neuroscience« – allerdings wirkt der Lavendelwirkstoff gar nicht wie bisher vermutet als in den Körper aufgenommener pharmakologischer Wirkstoff, sondern ausschließlich über unseren Geruchssinn.

Typische Anxiolytika – also gegen Angst- und Spannungszustände eingesetzte Wirkstoffe wie Valium oder andere Benzodiazepene – gelangen nach der Einnahme über Magen und Darm ins Blut und von dort an bestimmte Rezeptoren im Gehirn. Die Medikamente wirken effektiv, sie werden aber häufig zu lange eingenommen und haben starke Nebenwirkungen. Zudem machen sie abhängig, weil sie die Hemmung bestimmter Dopaminnerven stoppen, die daraufhin das Belohnungssystem stärker stimulieren. So entsteht ein Sucht erzeugenden Teufelskreis.

 

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A Psychologist Explains Why So Many Rich People Are Preparing for the End of Days

Survivors of the apocalypse (Flickr)
The business elite are preparing for doomsday.

By Nicole Karlis | Alternet
Many of the world’s richest seem to earnestly believe that some kind of apocalyptic “event” is coming, and have prepared accordingly. You might have read about this before — such as in the New Yorker’s deep dive back in January 2017 — but billionaire doomsday preppers are back in the news again thanks to a new viral article penned by professor and media theorist Douglas Rushkoff. In it, Rushkoff gives some insight on the grave manner in which some of the business elite are going about preparing for a doomsday, which he learned first-hand after receiving an invitation to speak with some one-percenters.

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Bei zu vielen Optionen bockt das Gehirn

Bild: TheeErin/CC BY-SA-2.0
Wissenschaftler haben untersucht, wie viele Optionen für eine Auswahlentscheidung das menschliche Gehirn am besten findet

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wenn man Menschen in Verwirrung oder Apathie stürzen will, dürfte es eine gute Strategie sein, sie mit Information zu überladen. Das könnte eines der Geheimnisse unseres kapitalistischen Systems sein, das schon während des Kalten Kriegs zwischen dem Westen und dem kommunistischen System deswegen attraktiver war, weil es mit einer Flut an Waren und Informationen die Menschen verführte. Während die Menschen in den liberalen kapitalistischen Ländern davon sediert wurden, was Herbert Marcuse etwa als affirmative Kultur der Überflussgesellschaft bezeichnete, wuchs in den realkommunistischen Ländern mit geringer Auswahl der Wunsch nach mehr Vielfalt und Buntheit.

In der kapitalistischen Warenwelt jedenfalls sind die Menschen konfrontiert mit einer Vielzahl von Möglichkeiten von der Politik über die Medien bis hin zu Waren und Dienstleistungen. Das kann mitunter dazu führen, aufgrund der Überforderung und des Zeitstresses keine Entscheidung zu treffen oder sich nach einem einfachen Kriterium für irgendetwas zu entscheiden, beispielsweise nach dem Preis, was wohl am einfachsten ist, weswegen Geiz eben geil ist. Choice overload nennt man das Problem oder auch Auswahl-Paradoxon. Das interessiert auch deswegen, weil der potenzielle Kunde aufgrund von zu viel Auswahl weniger kaufen oder den Kauf verschieben könnte, weil seine Kauflust schwindet oder er den Eindruck erhält, sich immer falsch zu entscheiden, wie wenn man in Stau steht und stets das Gefühl hat auf der falschen Spur zu fahren.

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Der eingebildete Henkel

Kaffeetasse Bild: FOTOLIA / MARISA_DUBOVA

 

Wenn wir Gegenstände betrachten, nehmen wir nicht nur wahr, was wir vor Augen haben, sondern antizipieren auch, was wir noch nicht sehen können. Das kann Verwirrung stiften – etwa wenn bei einer Tasse der Henkel fehlt.

 

Von Matthias Warkus Spektrum

 

Vor einigen Jahren traf ich mich in einem Lokal in Marburg mit einer alten Freundin, um Kaffee zu trinken. Auf der Getränkekarte stand auch Chai. Damals war der mehr oder minder indische und milchige Gewürztee in Deutschland noch nicht sehr verbreitet, und ich bestellte einen, um ihn zu probieren. Der Chai kam in einer großen, eleganten Spezialtasse, auf der das Logo des Herstellers prangte.

Da der Henkel von mir weg zeigte und nicht zu sehen war, griff ich mit der linken Hand in einer fast automatischen Bewegung den Rand der Tasse und drehte sie im Uhrzeigersinn. Vermutlich habe ich dabei nicht einmal die Unterhaltung unterbrochen, solche Alltagshandbewegungen erfordern keine Konzentration. Erst als ich die Tasse zweimal komplett um sich selbst gedreht und mit der Rechten in die Leere gegriffen hatte, fiel der Groschen: Die Tasse war gar keine Tasse, sondern ein Becher. Sie hatte überhaupt keinen Henkel. Dabei war ich war mir einfach 100-prozentig, über jeden Zweifel hinaus sicher gewesen, sie müsste einen haben. Diese Sicherheit hatte sogar, könnte man sagen, über mein bewusstes Denken hinausgegriffen, denn sie leitete ja eine unbewusste Handbewegung an.

 

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Neurowissenschaft: Warum es beim Blinzeln nicht dunkel wird

  • Obwohl Menschen blinzeln und ihren Kopf bewegen, laufen die Szenen vor dem Auge in der eigenen Wahrnehmung störungsfrei weiter.
  • Neurowissenschaftler konnten beweisen, dass im mittleren präfrontalen Kortex überflüssige Informationen aussortiert und durch frühere Erinnerungen ersetzt werden.
  • Damit sind höhere kognitive Prozesse im Gehirn weniger stark voneinander getrennt, als bisher angenommen wurde.

 

Von Sandra Sperling | SZ

 

Vor dem menschlichen Auge wird es täglich etwa 11 520 Mal komplett dunkel. Spätestens alle fünf Sekunden muss der Mensch blinzeln. Aber in der eigenen Wahrnehmung laufen die Szenen vor dem Auge trotzdem störungsfrei weiter. So schnell es passiert, scheint das Blinzeln wieder vergessen – dass es kurz dunkel wird, kriegt niemand mit.

Der Grund dafür liegt im mittleren präfrontalen Kortex, dem Bereich im Gehirn, in dem das Kurzzeitgedächtnis verortet ist und in dem Entscheidungen getroffen werden. Das zeigt eine Studie im Fachmagazin Current Biology. Damit sind höhere kognitive Prozesse im Gehirn weniger stark voneinander getrennt, als bisher angenommen wurde. Um zu verstehen, wie visuelle Wahrnehmungen und das Gedächtnis zusammenarbeiten, haben Neurowissenschaftler um Caspar Schwiedrzik vom Deutschen Primatenzentrum Epilepsiepatienten untersucht.

Eine Gruppe von Probanden schaute dazu zwei Bilder mit je unterschiedlich angeordneten Punktegittern an. Die Patienten wurden anschließend gefragt, ob die Punkte eher horizontal oder vertikal angeordnet waren. „In unserer Studie war es so, dass wir Bilder genommen haben, die mehrdeutig sind. Dadurch ist man dazu gezwungen, die Vorinformationen zu benutzen, um die Bilder zu interpretieren“, erklärt Caspar Schwiedrzik. Es zeigte sich, dass sich die meisten Probanden für dieselbe Antwort wie beim ersten Bild entschieden. Nur eine Patientin konnte die Aufgabe nicht lösen. Wegen ihrer Epilepsie-Erkrankung waren ihr in der Vergangenheit Teile des präfrontalen Kortex entfernt worden. Bei allen anderen Patienten wurden in dieser Gehirnregion während des Experiments Nervenzellen aktiv. Das konnten die Neurowissenschaftler anhand von Elektroden messen, die den Probanden bereits zuvor implantiert worden waren, um ihre Epilepsie zu behandeln.

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Gehirn, Geist und Willensfreiheit

Foto: Pixabay.com / geralt
Besprechung des Buches „Welt ohne Gott“

Von Martin Neukamm | Richard-Dawkins-Foundation

Markus WIDENMEYER vertritt in seinem Buch die Ansicht, menschliche Absichten, Wünsche und Handlungen seien Ausdruck eines Willens, der nicht vollständig durch Hirnprozesse bestimmt (sprich: autonom) sei. Bewusstseinsinhalte seien das Produkt geistiger Subjekte, die „vom materiellen Bereich grundlegend unabhängig“ existierten (S. 88). Die Konsequenz wäre, dass wir unter exakt denselben inneren und äußeren materiellen Bedingungen (Zuständen) jeweils unterschiedliche Entscheidungen treffen könnten (KANITSCHEIDER 2006). Die Frage ist, ob es eine so verstandene Willensfreiheit gibt.

Eine teilweise aus dem Kausalstrom der materiellen Welt ausscherende Entschlusskraft erinnert an ARISTOTELES‘ „unbewegten Beweger“. Dieser inspirierte Thomas VON AQUIN zu seinem kosmologischen Gottesbeweis. WIDENMEYER knüpft insofern an dessen Tradition an, als er für die Notwendigkeit eines Geistes plädiert, der menschliches Denken und Handeln in wesentlichen Dingen unabhängig antreibt. Er vertritt die These, ein vollständig durch „nichtgeistige Prozesse“ determinierter Wille sei fremdbestimmt und versucht nachzuweisen, dass diese Sichtweise „absurde Konsequenzen“ (S. 54) nach sich ziehe. Den Theismus bezeichnet er als „folgerichtige Alternative zum Naturalismus“. Dabei ignoriert WIDENMEYER zwei Aspekte.

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Journalisten können Leben retten – oder sie leichtsinnig riskieren

 

SUIZID-BERICHTERSTATTUNG

 

Boris RosenkranzÜBERMEDIEN

 

Eine Stadt wie Cottbus: weg. Oder Kaiserlautern: nicht mehr da. Hildesheim: komplett ausgestorben, in nur zehn Jahren. Ist das nicht schockierend?

Vielleicht muss man sich das mal so vorstellen, um das Ausmaß zu begreifen: Rund 100.000 Menschen, so viele wie in einer dieser zufällig gewählten Städte, begehen innerhalb von zehn Jahren Suizid. Also um die 10.000 in einem Jahr, nur in Deutschland. „Das ist mehr als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen zusammen“, sagt der Psychologe Georg Fiedler. Diejenigen, die einen Suizidversuch überleben, teils schwer geschädigt, nicht mitgerechnet.

Trotzdem sind Suizide immer noch ein Tabu-Thema, über das man allenfalls tuschelt, und normalerweise wird über Suizide auch nicht berichtet. Nimmt sich allerdings ein prominenter Mensch das Leben, gibt es kein Halten mehr. Das steht dann überall, im Internet, in Zeitungen. Details, Gerüchte, mögliche Gründe – alles wird ausgewalzt. Dabei ist das bekanntlich mindestens genau so gefährlich wie Schweigen. Wie geht man also richtig damit um?

 

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Ist das Gehirn krank, wenn die Seele leidet?

Alte Schautafel des Gehirns
© NIKOLA NASTASIC / GETTY IMAGES / ISTOCK (AUSSCHNITT)
Psychische Leiden seien Erkrankungen des Gehirns, beteuern Psychiater gerne. Doch die Behauptung ist umstritten.

Von Christian Wolf | Spektrum Gehirn&Geist

»Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie eine Hirnstörung haben?«, fragt der Therapeut gegen Ende der Probesitzung. Inge M. sieht ihn verdutzt an. Sie hat den Therapeuten wegen einer Depression aufgesucht. Die Patientin wohnt in Berlin und möchte ihren richtigen Namen lieber nicht in einem Artikel lesen. Sie hat schon davon gehört, dass Depressionen eine Hirnerkrankung seien. Aber sie ist skeptisch und möchte die Behandlung bei dem Therapeuten lieber nicht fortsetzen. Ob er wirklich glaubt, dass sie eine Hirnstörung hat, wird sie also nie erfahren.

Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie oder ADHS hören immer wieder, dass ihre seelischen Probleme im Wesentlichen eine Wurzel hätten: eine Störung in dem rund 1300 Gramm schweren Organ in ihrem Schädel. Die Botschaft begegnet Betroffenen zum Beispiel in dem Dokumentarfilm »Das dunkle Gen«. In der Reportage versucht ein Arzt, den möglichen genetischen Ursachen seiner Depression auf die Spur zu kommen. Auch der namhafte Psychiater Florian Holsboer verkündet, dass Depressionen, schwere Angstzustände und Schizophrenien auf »Fehlregulationen des Gehirns« beruhen. Holsboer ist der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München und hat das Buch »Biologie für die Seele« geschrieben. Doch finden sich die Ursachen für psychische Erkrankungen wirklich in unseren grauen Zellen?

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„Aufschieberitis“ liegt am Gehirn

Viele Menschen neigen dazu, Aufgaben aufzuschieben. Die neuronale Basis für diese Neigung haben Forscher nun aufgedeckt. © Brain Jackson/ iStock
Lieber morgen als heute: Wer unangenehme Aufgaben gerne aufschiebt, kann künftig seiner Hirnanatomie die Schuld geben. Denn wie eine Studie enthüllt, lässt sich der Hang zur Prokrastination an der Größe und Verknüpfung zweier Hirnareale ablesen. Ist ihr Zusammenspiel gestört, fällt die Handlungskontrolle schwer und wir schieben Dinge eher vor uns her, wie die Forscher berichten. Das Wissen um diesen Zusammenhang könnte möglicherweise helfen, neue Therapien bei starker „Aufschieberitis“ zu entwickeln.

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Wie gehen Sie neue Aufgaben an? Eher impulsiv und schnell? Oder arbeiten Sie systematisch einfach eine nach der andere ab? Oder gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die sich zwar einen perfekten Plan machen, dann aber doch das meiste wieder aufschieben? Klar scheint: Ob jemand eher zur „Aufschieberitis“ neigt oder nicht, hängt stark von der Persönlichkeit ab.

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Teleologisches Denken: Die Gemeinsamkeit von Verschwörungstheoretikern und Kreationisten

Ob nun Gott als Baumeister, der die Schöpfung der Welt zu seinem Selbstzweck bewerkstelligt oder aber die Verschwörungstheorien. Alles habe einen Zweck und ein Ziel. Trumps verschwörungstheoretisches Geschwafel über den Geburtsort Barack Obamas, jüdische Weltverschwörung einhergehend mit jüdischer Dominanz in Medien, den Banken usw. gipfelnd im Machwerk „Die Protokolle der Weisen von Zion.“ Selbst die Schulattentate in den USA seien nur zu dem Zweck möglich gewesen um die Waffengesetze zu verändern und das Waffenrecht zu verschärfen.  Der Klimawandel sei von China gemacht um die USA zu schädigen. Es gibt eine Fülle von verschwörungstheoretischen Ansätzen, einige sogar recht fundiert.

In ähnlicher Art und Weise finden wir diese Ansätze bei den Kreationisten, also, jeden Gläubigen die die Evolution, die Evolutionstheorie von Charles Darwin, genaugenommen die natürliche Selektion verleugnen. Alles habe einen Sinn, einen Zweck und ein Ziel. Die hartgesottenen Kreationisten, wie Ken Ham, meinen die Fossilien von Sauriern, Affen, Menschen seien nur zum Zwecke unserer Verwirrung vom Teufel persönlich versteckt worden.

„Wir finden einen bisher unbemerkten roten Faden zwischen dem Glauben an den Kreationismus und dem Glauben an Verschwörungstheorien“, sagt Sebastian Dieguez, Neurowissenschaftler an der Universität Fribourg, der die Forschungsergebnisse kürzlich, in der Fachzeitschrift Cell Biology veröffentlichte.

„Obwohl diese Glaubenssysteme auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, sind sie mit einer einzigen und mächtigen kognitiven Verzerrung verbunden, die als teleologisches Denken bezeichnet wird und die Wahrnehmung von Endursachen und übergeordnetem Zweck in natürlich vorkommenden Ereignissen und Entitäten mit sich bringt.“

Teleologisches Denken beinhaltet das Zuweisen von Absichten und Zwecken zu Merkmalen der Welt, die überhaupt kein Bewusstsein oder Wünsche haben. Ein Beispiel, das Dieguez gab, ist der Gedanke, dass die Sonne aufgeht, um uns Licht zu geben – wenn in Wirklichkeit die Sonne wegen der Rotation der Erde im Sonnensystem am Himmel aufgeht.

Diese Denkmuster sind „Teil der frühesten Intuitionen der Kinder über die Welt“, notieren die Autoren unter der Leitung von Pascal Wagner-Egger.

„Diese Art des Denkens ist dem wissenschaftlichen Denken und insbesondere der Evolutionstheorie ein Gräuel und wurde berühmt von Voltaire verspottet, dessen Charakter Pangloss glaubte, dass ‚Nasen gemacht wurden, um eine Brille zu tragen'“, sagte Dieguez. „Aber es ist sehr widerstandsfähig in der menschlichen Wahrnehmung, und wir zeigen, dass es nicht nur mit dem Kreationismus, sondern auch mit dem Verschwörungsakt verbunden ist.“

Eine Möglichkeit, teleologisches Denken in Individuen zu entdecken, dass sie Ansichten wie „Nichts geschieht zufällig“ oder „Alles geschieht aus einem bestimmten Grund“ enthält. Die Forscher fanden heraus, dass diese Arten von Ansichten eng mit einer Neigung zu Verschwörungstheorien zu glauben entsprechen.

Aber diese Art des Denkens hat auch eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Kreationismus – die Ansicht, dass die darwinistische Evolution durch natürliche Selektion nicht stattgefunden hat und dass das Leben auf der Erde mit der Artenvielfalt, die wir sehen, speziell entworfen wurde (von Gott wird es normalerweise angenommen) heute.

Es ist erwähnenswert, dass diese Sichtweise selbst den entsprechenden Glauben tragen kann, dass evolutionäre Ansichten selbst das Ergebnis einer Verschwörung sind, die Öffentlichkeit über die Ursprünge des Lebens zu täuschen.

Dieguez und andere Forscher fanden in einer Reihe von Umfragen heraus, dass teleologisches Denken, Verschwörungstheorien und Kreationismus – wenn auch manchmal nur „bescheiden“ – miteinander korreliert waren.

„Indem wir die Aufmerksamkeit auf die Analogie zwischen Kreationismus und Verschwörung lenken, hoffen wir, einen der größten Fehler von Verschwörungstheorien aufzuzeigen und Menschen dabei zu helfen, sie zu erkennen, nämlich dass sie sich auf teleologische Überlegungen stützen, indem sie dem Weltgeschehen eine letzte Ursache und einen übergeordneten Zweck zuschreiben. „Dieguez sagt. „Wir denken, dass die Botschaft, dass Verschwörung eine Art von Kreationismus ist, der sich mit der sozialen Welt befasst, dazu beitragen kann, einige der verblüffendsten Merkmale unserer so genannten“ Post-Wahrheits-Ära „zu klären.“

Zu verstehen, wie sich diese Überzeugungen verbreiten und warum sie für die Menschen so zwingend sind – selbst wenn sie, wie im Fall von Q Anon, so offensichtlich Unsinn sind – ist von entscheidender Bedeutung, um einen Weg zu finden, ihre Verbreitung zu verhindern. Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeit Pädagogen und Kommunikatoren helfen kann, falsche Theorien und Überzeugungen besser zu widerlegen und zu untergraben.

Den Optimismus der Forscher kann man praktisch nicht teilen. Kreationisten und Verschwörungstheoretiker haben sich gegen Fakten selbstimmunisiert, Fakten dienen letztlich dazu, eigene Positionen zu erhärten und werden als Bestätigung der persönlichen Weltsicht vereinnahmt.

Es bleibt ein interessanter Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und Kreationismus, es bleibt spannend.

 

Nach einem Artikel von Cody Fenwick/Alternet

Männer erfassen Bewegungen schneller

Männer verarbeiten visuelle Bewegungsreize anders als Frauen – aber warum? © Jake Olimb/ thinkstock
Deutlich schneller: Männer können Bewegungen offenbar besser erfassen als Frauen. Eine Studie zeigt: Die Herren der Schöpfung erkennen im Schnitt schneller, ob sich Balken auf einem Bildschirm nach links oder nach rechts bewegen. Die Ursache für diesen Wahrnehmungsunterschied ist noch unklar – sie könnte aber sogar erklären, warum Männer häufiger an Autismus erkranken, berichten Forscher.

scinexx

Auch wenn viele Klischees zum Unterschied zwischen den Geschlechtern schlicht Quatsch sind: In einigen von ihnen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Trotzdem scheinen Frauen mitunter anders zu denken und die Welt auch anders wahrzunehmen als Männer – belegt sind inzwischen beispielsweise Unterschiede im räumlichen Vorstellungs- und Orientierungsvermögen, im Stressempfinden oder dem Gedächtnis.

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How Your Brain Decides Without You

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
In a world full of ambiguity, we see what we want to see.

By Tom Vanderbilt | NAUTILUS

Princeton’s Palmer Field, 1951. An autumn classic matching the unbeaten Tigers, with star tailback Dick Kazmaier—a gifted passer, runner, and punter who would capture a record number of votes to win the Heisman Trophy—against rival Dartmouth. Princeton prevailed over Big Green in the penalty-plagued game, but not without cost:  Nearly a dozen players were injured, and Kazmaier himself sustained a broken nose and a concussion (yet still played a “token part”). It was a “rough game,” The New York Times described, somewhat mildly, “that led to some recrimination from both camps.”  Each said the other played dirty.

The game not only made the sports pages, it made the Journal of Abnormal and Social Psychology. Shortly after the game, the psychologists Albert Hastorf and Hadley Cantril interviewed students and showed them film of the game. They wanted to know things like: “Which team do you feel started the rough play?” Responses were so biased in favor of each team that the researchers came to a rather startling conclusion: “The data here indicate there is no such ‘thing’ as a ‘game’ existing ‘out there’ in its own right which people merely ‘observe.’ ” Everyone was seeing the game they wanted to see. But how were they doing this? They were, perhaps, an example of what Leon Festinger, the father of “cognitive dissonance,” meant when he observed “that people cognize and interpret information to fit what they already believe.”

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Auch Männer bekommen den „Babyblues“

Auch Väter können nach der Geburt eines Kindes eine Depression entwickelt. © David Sacks/ thinkstock
Nicht nur ein Mütter-Ding: Auch frischgebackene Väter können eine postnatale Depression entwickeln. Entgegen der gängigen Annahme tritt diese Form der psychischen Erkrankung bei Männern tatsächlich sogar ähnlich häufig auf wie bei Frauen, wie Psychologen nun berichten. Sie fordern daher ein Umdenken – und eine bessere Betreuung junger Väter.

scinexx

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist die Freude erst einmal groß. Die Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt sind überstanden, die Familie ist glücklich. Trotzdem rutschen viele Mütter in den ersten Tagen nach der Entbindung in ein Stimmungstief ab. Sie weinen viel, sind empfindlich und verstimmt.

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There Is No Such Thing as Unconscious Thought

Image Credit nautilus
A behavioral scientist unravels one of our most cherished conceptions.

By Nick Chater | NAUTILUS

The great French mathematician and physicist Henri Poincaré (1854–1912) took a particular interest in the origins of his own astonishing creativity. His achievements were impressive: His work profoundly reshaped mathematics and physics—including laying crucial foundations for Einstein’s theory of relativity and the modern mathematical analysis of chaos. But he also had some influential speculations about where many of his brilliant ideas came from: unconscious thought.

Poincaré found that he would often struggle unsuccessfully with some mathematical problem, perhaps over days or weeks (to be fair, the problems he got stuck on were difficult, to say the least). Then, while not actually working on the problem at all, a possible solution would pop into his mind. And when he later checked carefully, the solution would almost always turn out to be correct.

How was this possible? Poincaré’s own suspicion was that his unconscious mind was churning through possible approaches to the problem “in the background”—and when an approach seemed aesthetically “right,” it might burst through into consciousness. Poincaré believed that this “unconscious thought” process was carried out by what might almost be a second self, prepared and energized by periods of conscious work, yet able to work away on the problem in hand entirely below the level of conscious awareness.

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Psychopharmaka: Wenn Kinder einfach krank gestempelt werden

Therapie mit unbekannten Langzeitfolgen: Immer mehr Kinder erhalten in den Vereinigten Staaten Psychopharmaka. Bild: dpa
Ist der Nachwuchs auch nur etwas verhaltensauffällig, greifen Amerikas Eltern und Ärzte schnell zu Psychopillen. Neue Zahlen belegen, wie dramatisch die Entwicklung ist.

Von Hildegard Kaulen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In den Vereinigten Staaten werden immer mehr Kinder als psychisch krank eingestuft und mit Psychopharmaka behandelt. Am häufigsten werden Verhaltensauffälligkeiten therapiert. Ein Beitrag von Dinci Pennap von der Universität Maryland und ihren Kollegen in der Zeitschrift „Jama Pediatrics“ verdeutlicht das ganze Ausmaß dieser Entwicklung: Von 35 244 Kindern, die 2007 in einkommensschwache Familien eines Bundesstaates im Osten der Vereinigten Staaten hineingeboren worden sind, ist jedes fünfte Kind bis zu seinem achten Lebensjahr als psychisch krank eingestuft worden. Jedes zehnte Kind dieser Geburtskohorte hat bis zum achten Lebensjahr Psychopharmaka erhalten.

Die Konsequenzen, die sich daraus für die Reifung des kindlichen Gehirns und die langfristige körperliche und geistige Gesundheit der Kinder ergeben, sind nicht absehbar. Die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung ist ADHS, eine Störung der Aufmerksamkeit- und der Konzentrationsfähigkeit, gefolgt von Lernschwierigkeiten, Störungen des Sozialverhaltens, Anpassungsstörungen und Angststörungen. Autismus und Depression sind nur selten festgestellt worden. Bei den Jungen kommt besonders häufig ADHS vor, bei den Mädchen sind es auch Anpassungs- und Angststörungen. Lernschwierigkeiten und Störungen im Sozialverhalten sind bei beiden Geschlechtern gleichermaßen häufig vertreten gewesen.

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