Archiv der Kategorie: Psychologie

Adieu, Moon Hoax Theory!

Bild: NASA/heise.de
Vor mehr als zehn Jahren erlebte die Debatte über die Mondverschwörungstheorie ihren Höhepunkt. Ihre Anhänger propagierten, dass die US-Weltraumbehörde NASA in Zusammenarbeit mit irgendwelchen dubiosen Gruppen alle sechs Mondlandungen aus propagandistischen Gründen simuliert hat, um das eigene Versagen zu kaschieren. Doch nach den Veröffentlichungen der Aufnahmen vom Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA im Jahr 2009, auf denen eindeutig menschliche Fußspuren und Artefakte zu sehen sind, ist es um die Moon-Fake-Anhänger ruhiger geworden. Auch das Schweigen von Nixon, Wikileaks, Snowden und das vieler anderer NASA-Mitarbeiter spricht eine deutliche Sprache. Sofern es dabei bleibt, ist das Ende der Moon-Hoax-Theorie nicht mehr fern.


Von Harald Zaun|TELEPOLIS

Ein tiefschwarzer Himmel, übersät mit kristallklaren und kaltleuchtenden Sternen, eine bizarre von Kratern durchzogene wüstenartige Landschaft, feiner mehliger Sandstaub und fremdartig hellstrahlendes Sonnenlicht – das waren die letzten Bilder vom Mond, die der zwölfte amerikanische Apollo-Astronaut Eugene Cernan beim Besteigen der Mondfähre in natura sah, bevor er sich im Dezember 1972 mit wenig poetischen Worten vom Erdtrabanten verabschiedete.

Zeitlose Fußspuren und Artefakte

Seit seinem Heimflug wirbelte kein irdisches Lebewesen, keine Landefähre mehr den Mondstaub auf. Nur einige blecherne Forschungssonden verewigten sich auf dem Erdtrabanten – in Gestalt von kleinen Kratern. Andere beschränkten sich darauf, ihn zu umrunden und dabei zu fotografieren, zu kartographieren sowie seine chemische Zusammensetzung zu studieren. Seitdem sich die bemannte Raumfahrt in den Erdorbit zurückgezogen hat, wirkt der Mond wie ein verwaister Satellit der Erde. Von den knapp 600 Astronauten, Kosmonauten und Taikonauten der Menschheit, die bis heute im Weltall waren und in den Genuss der Mikrogravitation kamen, haben nur zwölf Vertreter des Homo sapiens dem Erdtrabanten die Aufwartung gemacht.

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Handydaten verraten Depression

Anhand der Handydaten lässt sich offenbar erkennen, ob jemand depressiv ist  © thinkstock
Anhand der Handydaten lässt sich offenbar erkennen, ob jemand depressiv ist © thinkstock
Verräterische Daten: Allein an der Nutzungsdauer und den GPS-Daten unseres Handys lässt sich ablesen, ob wir depressiv sind oder nicht. Das zumindest legt ein Experiment von US-Forschern nahe. Ihnen gelang es anhand dieser Daten, depressive Probanden mit 87-prozentiger Trefferquote zu identifizieren. Indizien sind unter anderem eine längere Nutzung und weniger Ortsveränderungen, wie die Forscher berichten.


scinexx

Unser Smartphone weiß nicht nur mehr über uns als viele unserer Freunde, es wird auch mehr und mehr zu einem nützlichen Helfer für unsere Gesundheit. Per App und Bewegungssensor zählt das Handy unsere Schritte, warnt uns vor einem Sonnenbrand, vor schädlicher Strahlung oder Chemikalien und könnte im Straßenverkehr sogar unser Leben retten. Auch an die Einnahme von Tabletten oder das Spritzen von Insulin erinnern Apps heute schon.

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Die Whistleblower der Wissenschaft

Auf der Online-Plattform Pubpeer können Wissenschafter auf Ungereimtheiten in Forschungsarbeiten hinweisen. Einer der Betreiber erklärt, warum Anonymität so wichtig dabei ist.


Interview: Angelika Jacobs|Neue Zürcher Zeitung

Der enorme Leistungsdruck im Forscherberuf verleitet manche Wissenschafter dazu, Daten zu beschönigen. (Bild: Amir Cohen / Reuters)

Wenn jemandem Fehler in wissenschaftlichen Studien auffallen, kann er oder sie sich auch an die zuständigen Forscher oder die Fachjournale wenden. Warum braucht es eine öffentliche Plattform?

Zunächst einmal ist es wichtig, zu verstehen, dass die Forschung von heute auf den Ergebnissen von gestern beruht. Wenn sich Forscher auf fehlerhafte oder gar manipulierte Daten anderer verlassen, kann der Verlust an Zeit und Forschungsgeldern enorm sein. Forscher und Steuerzahler haben daher ein grosses Interesse daran, dass Unstimmigkeiten schnell bekannt werden. Die traditionellen Kanäle sind dafür zu langsam, zu ineffizient, zu konfliktbeladen.

Können Sie das erklären?

Die Studienautoren anzuschreiben, führt meist zu nichts. Kaum ein Forscher würde einen Fehler zugeben. Der Leistungsdruck ist so gross, dass es fast immer besser ist, den Mund zu halten und zu hoffen, dass es sonst niemand merkt. Und ich rede hier von unabsichtlichen Fehlern, zum Beispiel Resultate zu überinterpretieren. Jemand, der Daten manipuliert, wird natürlich alles tun, um nicht aufzufliegen.

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Medikamente können Moral beeinflussen

Medikamente, die die Hirnbotenstoffe beeinflussen, können auch unser Verhalten verändern. © freeimages
Unmoralischer durch Arzneimittel? Mittel gegen Parkinson oder Depression könnten unsere moralischen Entscheidungen beeinflussen. Darauf deutet ein Experiment britischer Forscher hin. In diesem waren gesunde Probanden eher bereit, für ihren Profit leichte Stromschläge auszuteilen, wenn sie unter Einfluss eines Parkinson-Mittels standen. Mit einem Antidepressivum verzichteten sie dagegen eher auf das Geld. Ursache ist der Effekt dieser Mittel auf die Hirnbotenstoffe – ob dies aber auch für Patienten mit Depression oder Parkinson gilt, ist noch offen.


scinexx

Ob wir moralisch handeln und wie sehr, hängt von ziemlich vielen Faktoren ab: Es spielt beispielsweise eine Rolle, in welcher Sprache wir vor moralische Entscheidungen gestellt werden, aber auch, welche Tageszeit gerade herrscht.

Wie Hirnbotenstoffe unser Verhalten prägen

Und auch die Botenstoffe unseres Gehirns spielen dafür eine wichtige Rolle, wie Studien zeigen. So sorgt das Glückshormon Dopamin nicht nur für das Hochgefühl, es kann auch impulsive Aggressionen fördern und sogar kriminelles und psychopathisches Verhalten. Das Serotonin scheint dagegen solche Impulse eher zu schwächen: Es dämpft Angst und Aggression, bei gewalttätigen Verbrechern ist seine Konzentration eher verringert.

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How Do You Make a Memory? This Study Puts Us Closer to the Answer

Human memory—the encoding of information into our very brains—is a process at once fascinating and still pretty mysterious. In a study published Wednesday in study published Wednesday in Neuron, researchers offer new insight into how new memories are created, with a little help from Jennifer Aniston, Clint Eastwood, and Tiger Woods.


By Victoria Turk|MOTHERBOARD

brainIn the study, researchers from the University of Leicester in the UK and UCLA in the US looked at how neurons changed as people formed new episodic memories after the researchers showed them images of people including family members and celebrities in different places.

They found that neurons that were initially responsive to a specific person began to respond to a specific place too, after the two had been linked in the subject’s memory.

“If you want to remember something from your past, basically what you remember is a few concepts that you relate together. For example, ‘I remember meeting a friend in the cinema one or two months ago,’” explained Rodrigo Quian Quiroga, an author on the paper from the University of Leicester, in a phone call. “So basically you make a link between a few concepts; this is, let’s call it the ‘skeleton’ of what we call episodic memories.” Episodic memories are memories related to your personal experience.

The new study suggests how neuronal activity in a part of the brain called the medial temporal lobe changes as these concepts—people and places, for instance—are linked.

In one example, the researchers showed subjects a picture of Clint Eastwood and a picture of the Leaning Tower of Pisa, and then a picture of Clint Eastwood photoshopped at the Leaning Tower of Pisa. They found that the neurons that originally fired in response to the actor would then start firing in response to the landmark, and vice versa, even though they didn’t before. A new association between the two formerly unrelated things—Eastwood and the tower—was encoded.

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Pubertät: Hyperaktiver Totalumbau im Gehirn

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Neurologe Uhlhaas: “Man kann nicht davon ausgehen, dass sich ein Jugendlicher in allen Kontexten adäquat verhält”


Von Walter Müller|derStandard.at

“Jetzt räum endlich deine Sachen weg, es müffelt ja schon in deinem Zimmer. Und außerdem: Solange du nicht Mathe lernst, kannst du dir die Party am Wochenende abschminken.” Die Appelle der Eltern sind deutlich – verfehlen aber das Ziel. Sie gehen beim einen Ohr hinein und, ohne irgendwo dazwischen in der grauen Masse hängenzubleiben, beim anderen wieder hinaus. Nach einigen Minuten der Stille meldet sich der sechszehnjährige Sprössling: “Was habt ihr gesagt?” Er war nicht da, irgendwo, aber nicht im Hier und Jetzt der Eltern.

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The Paralysed Man Who Can Control a Robotic Arm With His Thoughts

L-R Dr. Christianne Heck, Dr. Richard Andersen, Dr. Mindy Aisen, Dr. Charles Liu, Erik Sorto. Image: Lance Hayashida, Caltech
When Erik Sorto was 21, a gunshot wound left him paralysed from the neck down. Over ten years later, he was preparing smoothies for a room full of kids with brain injuries. For the past two years, Sorto’s been trialling a neural implant that lets him move a robotic arm with only his thoughts.

By Emiko Jozuka|MOTHERBOARD

He recently even used the arm to accomplish his own personal goal: taking a sip of beer by himself.

Sorto, who is now 34, is the first person in the world to have a neural prosthetic device implanted in an area of the brain called the posterior parietal cortex (PPC), where our movements are planned.

In a nutshell, the two electrode arrays implanted in Sorto’s brain read his neural signals. When Sorto’s implant is connected to a computer, these signals are decoded by algorithms, then translated into movement in the robot arm.

“I wanted to be part of the project and the solution,” Sorto told me. “I was happy to have a small part in a project that has the potential to help so many people with disabilities gain independence.”

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Kreativität und Schizophrenie gehen Hand in Hand

Friedrich Hölderlin, Pastell von Franz Karl Hiemer, 1792. Von Dichter Friedrich Hölderlin wird angenommen, dass er schizophren war. Bild: wikimedia.org/PD
Genialität und Wahnsinn liegen dicht beieinander – was der Volksmund sagt, bestätigt nun eine neue Studie: Zwischen hoher Kreativität und psychischen Erkrankungen gibt es einen genetischen Zusammenhang.


Von Stefan Parsch|DIE WELT

Lässt sich zwischen künstlerischen Berufen und psychischen Erkrankungen ein genetischer Zusammenhang nachweisen? Ein internationales Forscherteam um Kari Stefansson von der Universität Reykjavik ist dieser Frage nun in einer groß angelegten Untersuchung auf den Grund gegangen.

Dazu untersuchte es zunächst das Erbgut von mehr als 150.000 Menschen. Bei einem Teil davon war entweder Schizophrenie oder eine bipolare Störung festgestellt worden. Die Wissenschaftler fahndeten nach jenen Erbanlagen, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für jede der beiden Erkrankungen einhergingen.

Die Resultate glichen sie dann zunächst mit Daten von mehr als 86.000 Isländern ab. Dabei suchten sie Übereinstimmungen sowohl mit dem Erbgut von Menschen mit Schizophrenie und bipolarer Störung als auch mit dem von besonders kreativen Menschen: Schauspielern, Tänzern, Musikern, bildenden Künstlern oder Autoren.

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Homophobie-Vorwurf: Wirbel um Westfalenblatt

Im Westfalenblatt riet eine Kolumnistin, Kinder nicht an einer Hochzeit Homosexueller teilnehmen zu lassen. Das hatte Folgen Foto: Amy Walters/Fotolia
Eine Kolumnistin hat am Sonntag im Westfalenblatt dazu geraten, Kinder nicht an der Hochzeit zweier Homosexueller teilnehmen zu lassen. Es folgte ein Shitstorm gegen die Psychologin. Das Westfalenblatt gab heute die Entlassung der Frau bekannt.


pro Medienmagazin

Bernhard, 43 Jahre alt, wandte sich mit der Frage an die Kolumnistin Barnara Eggert, wie er mit der Hochzeit seines Bruders und dessen Lebensgefährten umgehen soll. Bernhards Töchter, sechs und acht Jahre alt, seien als Blumenmädchen eingeladen. Obwohl er seinen Bruder und dessen Partner sehr schätze, halte er eine Ehe für unangemessen. Seinen Kindern habe er zudem beigebracht, die Ehe sei „eine ernste Entscheidung zwischen Mann und Frau“ und er wolle nicht, dass sie sich in ihrem Alter mit dem Thema „sexuelle Orientierung“ befassten.

Die Psychologin Eggert beschäftigt sich in ihrer Kolumne „Guter Rat am Sonntag“, die in der Zeitung „OWL am Sonntag“ erscheint und zum Westfalenblatt gehört, regelmäßig mit Leserfragen. Sie antwortete dem Mann in einer Weise, die viele als Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften empfanden. Es müsse nicht sein, dass sechs- und achtjährige Kinder zu solch einer Hochzeitsfeier eingeladen würden. Sie schrieb: „Ich gebe Ihnen Recht, Ihre Töchter würden durcheinandergebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen. Sagen Sie Ihrem Bruder, dass Ihre Kinder an der Feier nicht teilnehmen, weil Sie nicht möchten, dass die Kinder verwirrt werden.“

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Ein überzeugendes Modell des Bewusstseins

Stanislas Dehaene Denken  Verlag: Knaus, München 2014 ISBN: 9783813504200 24,99 €
Stanislas Dehaene
Denken
Verlag: Knaus, München 2014
ISBN: 9783813504200
24,99 €
Werden wir je verstehen, wie das private Erleben von Schmerz, Farbe oder Geschmack aus physikalisch-chemischen Prozessen in unserem Kopf hervorgeht?


Von Michael Springer|Spektrum.de

Niemals, sagen die Einen, mit der Zeit immer besser, behaupten die Anderen. Der französische Kognitionsforscher Stanislas Dehaene gehört zur zweiten Fraktion. Berühmt wurde er mit seinen Untersuchungen des “Zahlensinns”, der Fähigkeit des Gehirns von Tieren und Menschen, zu rechnen, sowie mit der Analyse des Lesens, einer menschlichen Kulturtechnik, die auf dem Umfunktionieren – Dehaene spricht von “Recycling” – bestimmter neuronaler Netzwerke beruht.

Im vorliegenden Buch wendet sich Dehaene dem Problem des Bewusstseins zu: Was geht im Gehirn vor, wenn wir etwas bewusst erleben? Gibt es bei Tieren äquivalente Prozesse? Werden wir eines Tages auch autonom agierenden Maschinen etwas Ähnliches zugestehen? Wie in seinen früheren Werken behandelt Dehaene das Problem empirisch. Er referiert zahlreiche Experimente zur Kognitionsforschung und zieht daraus gut begründete Schlüsse.

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Tochter von Auschwitz-Kommandant: Der Schatten ihres Vaters

Rudolf Höß (Mitte) lebte als Kommandant ab 1940 mit seiner Familie direkt neben dem KZ Auschwitz. Bild: stern.de
Mit 81 Jahren spricht die Tochter des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß das erste Mal über eine Kindheit, den Fluch des Familiennamens und ihre Liebe zum Vater, dem Massenmörder.


Von Malte Herwig|stern.de

Eine Kindheitserinnerung, ein Dreivierteljahrhundert ist das her: das türkisfarbene Wasser der Sola, eines Nebenflusses der Weichsel. Am Ufer spielt das Mädchen mit den Geschwistern und beobachtet die Frösche. Der Fluss liegt nur wenige Meter vom Elternhaus entfernt. Am Wochenende, wenn Vati frei hat, darf die Zehnjährige mit ihm am Wasser entlangreiten bis in die Stadt.

Plötzlich stockt die Erinnerung. Das Bild kippt, sobald der Name der Stadt auftaucht. Wie ein Verbotsschild steht er vor der Kindheit: Auschwitz.

Dann färbt sich das Wasser der Sola schwarz von der Asche der Ermordeten, die Vatis Untergebene in den Fluss schaufelten, und Ingebrigitt Höß (Anm.: Die Redaktion verwendet die Geburtsnamen der fünf Kinder von Rudolf Höß), die Tochter des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, bekommt wieder Kopfschmerzen.

In Arlington weiß niemand, wo sie herkommt

Es ist ein kühler Frühjahrstag in Arlington, im US-Bundesstaat Virginia. Die alte Dame trägt ein schwarzes Kleid, goldene Ohrringe und einen Schal mit Leopardenmuster. Sie ist 81 Jahre alt und lebt seit einem halben Jahrhundert in dem Haus mit Garten und Swimmingpool. Früher, als sie noch zu den Partys in der Nachbarschaft ging, traf sie dort Bill Clinton und Al Gore, der ein paar Häuser weiter wohnte. Es ist eine gute Gegend, weit von Deutschland und erst recht weit von Auschwitz entfernt. Hier weiß niemand, aus welcher Familie sie kommt.

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Hirnmanipulation per Hightech

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Forscher können die Aktivität von Neuronen mit elektrischen und magnetischen Reizen immer gezielter beeinflussen. Davon erhoffen sie sich neue Therapieansätze gegen Schmerzen, Depressionen und zur Rehabilitation nach Schlaganfällen.


Von Walter Paulus|Spektrum.de

Wäre es nicht praktisch, wenn wir unserem Denkvermögen mit einer Art Hightechstirnband auf die Sprünge helfen könnten? Einfach so neues Wissen in den Kopf einzutrichtern, klappt zwar nicht. Doch ganz abwegig ist die Idee nicht. Es könnte durchaus funktionieren – und zwar mit Elektrizität.

Die “transkranielle Hirnstimulation”, wie sich das Verfahren nennt, soll tatsächlich das Denken und Lernen fördern. Nicht nur das: Ärzte erhoffen sich neue Wege, um Depressionen zu lindern oder Schmerzen zu bekämpfen. Und schon seit Jahren investiert die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency), die Forschungsabteilung des US-Verteidigungsministeriums, viel Geld, um mit dieser Technik die Reaktionsgeschwindigkeit von Soldaten zu steigern oder deren Müdigkeit zu vertreiben. Gleichwohl bleibt die praktische Anwendung ausgesprochen knifflig, und bei unsachgemäßem Einsatz kann sich die Wirkung ins Gegenteil umkehren.

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Der Marshmellow-Test: Die Vermessung der Willenskraft

Mischel_DerMarshmallowTest
Walter Mischel Der Marshmallow-Test Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt Verlag: Siedler, München 2015 ISBN: 9783827500434 24,99 €
Walter Mischel ist ein Urgestein der wissenschaftlichen Psychologie. 1930 in Wien geboren, floh er als 8-Jähriger mit seiner Familie vor den Nazis und fing in den USA ein neues Leben an. Es sollte ein erfolgreiches werden, obwohl Mischel von sich selbst sagt, er sei nicht gerade der disziplinierteste Geist.


Von Steve Ayan|Spektrum.de

Nach Studium und Promotion in klinischer Psychologie wirkte er ab den 1960er Jahren vor allem an der Stanford University in Kalifornien sowie später an der Columbia University in New York. In seiner langen Laufbahn gab er der Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie viele Anstöße. Der Nachwelt in Erinnerung bleiben dürfte er aber vor allem für jene Studienserie, die als das “Marshmallow-Experiment” berühmt wurde.

Verlockung des Köstlichen

In einem eigens eingerichteten “Überraschungszimmer” an der Universität in Stanford stellten Mischel und sein Team Kinder verschiedenen Alters vor die Wahl: Entweder die Kleinen nahmen eine Süßigkeit, die vor ihrer Nase platziert war, sofort an, oder sie warteten auf die Rückkehr des Versuchsleiters, der den Raum verlassen hatte, um bei dessen Wiederankunft die doppelte Ration zu erhalten. Die Kinder standen vor der Wahl: lieber ein Marshmallow sofort oder zwei später? Dieser simple Test sollte die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub prüfen – eines, wie man glaubte, festen Indikators für die Willensstärke. Wie der weitere Lebensweg der Kinder offenbarte, erzielten jene, die der Versuchung leichter widerstanden hatten, später im Schnitt bessere Schulnoten und Bildungsabschlüsse, waren kompetenter im sozialen Umgang und bewältigten Stress eher.

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Soziale Konstruktion: Die Gendertheorie ist ein kollektiver Irrtum

Menschen sind eindeutig einem der beiden Geschlechter zuordenbar picture alliance
Die Gendertheorie geht davon aus, dass Geschlechter keine natürliche Arten, sondern soziale Konstruktionen sind. Doch Geschlechter sind ebenso wenig eine soziale Konstruktion wie die Methode ihrer Bestimmung, auch wenn diese wissenschaftshistorisch gewachsen ist.


Von Alexander Grau|Cicero

Die Theorie von der sozialen Konstruktion ist eine der erfolgreichsten Denkansätze des letzten Jahrhunderts. Und einer der folgenreichsten. Denn es gibt kaum etwas, was nicht in dem Verdacht steht (oder gestellt wurde), eine soziale Konstruktion zu sein: Krankheit, Behinderung, Autorenschaft, Quarks, Homosexualität, die Realität an sich.

Der populärste und wirkungsmächtigste Bereich des sozialen Konstruktivismus ist allerdings das Geschlecht. Stichwort: Gendertheorie. Die geht davon aus, dass Geschlechter keine natürlichen Arten sind, sondern soziale Konstruktionen.

Doch lassen wir den Daueraufreger Gendertheorie zunächst beiseite und widmen uns der Theorie dahinter: Dass die Welt um uns herum entweder gar nicht oder ganz anders ist, als wir sie wahrnehmen, hat der eine oder andere Philosoph schon immer vermutet. Allerdings gingen diese Skeptiker (oder auch Antirealisten) stets davon aus, dass die Ursache für die fehlerhafte Weltwahrnehmung in unseren Sinnen liegt, unserer Vernunft oder unserem Denkvermögen – wir würden heute von Kognition sprechen.

Dieser kognitive Konstruktivismus geht von der Erkenntnisleistung des Einzelnen aus. Kollektivirrtümer – etwa, dass die Welt aus einzelnen Dingen besteht – sind aus dieser Sicht das Produkt fehlerhafter individueller Erkenntnisvermögen.

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Wie es sich anfühlt, unsichtbar zu sein

© Screenshot: YouTube / University of Rochester oe24.at
Unsichtbar sein klingt in manchen Situationen sehr verlockend. Aber hätte das auch tatsächlich Vorteile? Schwedische Forscher haben jetzt den Test gemacht.


Von Daniela Zeibig|Spektrum.de

Auch, wenn Forscher auf dem Gebiet der Tarnkappentechnik immer weiter Fortschritte machen: Bis es einen Unsichtbarkeitsumhang gibt, mit auch Menschen verschwinden können, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Wissenschaftler um Arvid Guterstam vom Karolinska-Institut in Stockholm hat das aber nicht davon abgehalten, schon mal zu testen, wie man sich als unsichtbarerer Mensch denn so fühlt. Dabei zeigte sich: Vor allem jene, die nicht gerne vor großem Publikum stehen, könnten davon profitieren.

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“Zeugen Jehovas zerstören Menschenleben”

wachtturm„Ich bin der Ansicht, dass du ein Anrecht darauf hast, zu wissen, wie der Redaktionsalltag der ‘Paradies GmbH’ so aussieht. Das sind die Menschen, auf deren Führung du während des Weltuntergangs vertrauen sollst. […] Menschen, die behaupten, in Gottes Auftrag zu handeln. Menschen, die […] behaupten, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben […] Menschen, die keine Widerrede dulden und jeden Widerspruch mit sozialer Isolation bestrafen. Menschen, die Menschen sterben lassen, weil sie Prinzipien reiten.” (Misha Anouk, ehemaliger „Zeuge Jehovas” und Buchautor)


Von Dr. Sandra Maxeiner|The Huffington Post

Heute spreche ich mit einer der interessantesten Frauen, die ich bislang interviewen durfte: Mit der 61-jährigen Margit Ricarda Rolf. Couragiert und beherzt setzt sie sich für ein „Leben ohne Angst” ein. Sie kämpft als Gründerin und Leiterin der Mobbingzentrale für Mobbingopfer und Aussteiger und engagiert sich außerdem für Menschen, die die Zeugen Jehovas – jene umstrittene Glaubensgemeinschaft, die Misha Anouk in seinem Buch als „Paradies GmbH” bezeichnet – verlassen wollen.

Sie setzt sich ein für Menschen, die sich von den Zeugen belästigt fühlen oder für solche, die Gefahr laufen in deren Fänge zu geraten. Ricarda, die selbst 15 Jahre lang Zeugin Jehovas war, möchte, dass Menschen verstehen, dass dies keine harmlose Religionsgemeinschaft ist, sondern eine destruktive Sekte, die Familien und Menschenleben zerstört. Man spürt in jedem ihrer Worte, dass es ihr ein Herzensanliegen ist.

Erst jetzt, nachdem ich das Buch „Goodbye Jehova!” von Misha Anouk gelesen habe, ahne ich, warum es Ricarda so wichtig ist, dass Menschen ohne Angst leben können – tut die „Glaubensgemeinschaft” doch wirklich alles, damit das nicht möglich ist: Ihre „Jünger” leben ständig mit einem „Schleier der Sorge, der Angst, der Verantwortung, der sich über alles legt.”

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Religiotie: Nigerianischer Bischof: Rosenkranz wird Boko Haram besiegen

boko_haram

Die Terroristen von Boko Haram würden durch den Rosenkranz überwunden. Das habe er in einer Vision gesehen, sagt Bischof Oliver Dashe Doeme.


kath.net

Ende 2014 habe er in seiner Kapelle vor dem Allerheiligsten den Rosenkranz gebetet. Plötzlich sei ihm Jesus erschienen, sagte Doeme gegenüber der Nachrichtenagentur CNA. Jesus habe nichts gesagt und ihm ein Schwert angeboten. Er habe es genommen und in dem Moment in dem er es in der Hand gehabt habe, sei daraus ein Rosenkranz geworden. Dann habe Jesus dreimal gesagt: „Boko Haram ist verschwunden.“

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Wir entscheiden uns ins Unglück

Mit sechs Marmeladen können wir umgehen, 24 überfordern uns, da kaufen wir besser gleich gar nichts. – Foto: Eisenhans, fotolia
Das Marmeladen-Experiment und das Paradox der großen Auswahl: Entscheidungsfreiheit macht uns nicht unbedingt glücklicher.


Von Florian Aigner|futurezone

Ich bin frei, ich kann machen was ich will. Kann mir jetzt mal jemand sagen, was ich wollen soll?

Wenn ich als Kind neue Turnschuhe brauchte, dann hatte ich im kleinen Laden unserer kleinen Stadt vielleicht die Wahl zwischen drei Modellen, die in meiner Größe gerade lagernd waren. Die einen waren zu breit geschnitten, die anderen zu eng, die dritten waren auch nicht perfekt, aber sie wurden gekauft, und die Sache war erledigt.

Heute, im Schuheinkaufszentrum in der Großstadt, irre ich durch eine Landschaft aus Turnschuhregalen und habe mehr Auswahl als sich überblicken lässt. Will ich Hallenturnschuhe, Laufschuhe, Tennisschuhe oder doch ein leichtes Trekking-Modell? Wenn ich diesen Laufschuh will, dann sollte ich dieses andere Modell noch probieren, das ist ganz ähnlich, aber hinten fester. Und würde eine andere Farbe vielleicht besser aussehen?

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Überraschung im Mikrobiom der Yanomami

Die Yanomami leben weitgehend isoliert von der westlichen Zivilisation © Cmacauley/ CC-by-sa 3.0
Vielfältig und resistent: Die Bakterien im Körper der Yanomami sind so artenreich wie bei keinem zuvor analysierten Menschen – ein Hinweis darauf, wie stark unsere westliche Lebensweise unsere mikrobiellen Mitbewohner verändert hat. Überraschend auch: Das isolierte Amazonasvolk trägt bakterielle Resistenzen selbst gegen modernste synthetische Antibiotika, obwohl sie nie in Kontakt mit der modernen Medizin waren, wie Forscher im Fachmagazin “Science Advances” berichten.


scinexx

Jeder von uns trägt mehr Mikroben im Körper als eigene Zellen. Die meisten dieser Mitbewohner sind nicht nur harmlos, sie sind auch essenziell für unsere Gesundheit. Sie beeinflussen unser Immunsystem, helfen bei der Verdauung und beeinflussen vermutlich sogar, was wir essen. Auch für die Weitergabe von Resistenzen an Krankheitserreger spielt die Darmflora eine wichtige Rolle.

Isoliertes Amazonasvolk

Bei jedem von uns ist das Mikrobiom durch typische Einflüsse der Zivilisation wie industriell hergestellte Lebensmittel und die Einnahme von Antibiotika und anderen Medikamenten geprägt. “Aber wie stark sich das menschliche Mikrobiom durch unseren westlichen Lebensstil verändert hat, war bisher unbekannt”, erklären Jose Clemente von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York und seine Kollegen. Um das herauszufinden, haben sie nun erstmals das Mikrobiom der Yanomami analysiert.

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Geschürte Hysterie über (russische) U-Boote vor der Küste Schwedens?

Der schwedische General Anders Grenstad muss zurückrudern. Bild: forsvarsmakten.se
Schwedens Armee muss einräumen, dass es sich bei einem mutmaßlichen U-Boot um ein ziviles Schiff handelte, beharrt aber weiter darauf, Mitte Oktober eines ausgemacht zu haben


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Was war es letztes Jahr für eine Aufregung, als angeblich am 17. Oktober und danach noch zweimal in den Schären vor der Küste Stockholms ein Objekt gesichtet worden war, das für ein U-Boot gehalten wurde – natürlich für ein russisches. Das schwedische Militär bezeichnete die Berichte als “sehr glaubwürdig” und sprach davon, man habe “Unterwasseroperationen” beobachtet (Schweden: Steckt hinter der verdächtigen “Unterwasseroperation” Russland?). Bis Ende Oktober wurde mit großem Aufgebot mit Kriegsschiffen, Minensuchbooten und Hubschraubern nach dem vermeintlichen U-Boot gesucht. Russland wies die Vorwürfe zurück.

Zur selben Zeit hatte die schwedische Regierung beschlossen, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Kurz nachdem die erste Suche abgeblasen worden war, wurde eine zweite Suche gestartet, weil von hatte Ex-Oberstleutnant Sven-Olof Kviman wieder ein mögliches U-Boot gesehen worden war. Die Geschichte entwickelte sich wie die Jagd nach dem Ungeheuer von Loch Ness.

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