Päpstlicher Hinterhalt

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Erst macht der Papst den Bischöfen Mut, einen Reformprozess anzustoßen. Doch als die ihn beim Wort nehmen, erklärt er sie für inkompetent und unzurechnungsfähig. Das ist einfach irre.

Daniel Deckers | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was hatte Papst Franziskus sich nicht alles von den Christen gewünscht? Mehr Freimut. Von der Kirche: dass sie sich nicht länger an die eigene Verschlossenheit und Bequemlichkeit klammere. Oder von den Bischöfen: dass sie zu Subjekten mit konkreten Kompetenzbereichen würden. Nicht zu vergessen die Bischofskonferenzen: Organe mit einer gewissen authentischen Lehrautorität.

Das war 2013. Sechs Jahre später nehmen Bischöfe und Laien gemeinsam den Papst beim Wort. Doch Franziskus und seine Büchsenspanner im Vatikan fallen ihnen in einer Weise in den Rücken, welche die gewöhnliche Vorstellungskraft übersteigt.

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Klagt nicht. Flucht lieber!

Britisches Wetter ist nicht trostlos, man muss es nur aushalten lernen. Ein kleines Schimpfwort hilft da schon mal. (Bild: Dai Kurokawa / EPA)

Wer jammert, kommt nicht weiter. Im Gegenteil: Er verdoppelt die Pein. Schimpfworte kann man da schon eher empfehlen.

Manuel Müller | Neue Zürcher Zeitung

So fand ich mich kürzlich wieder: mit laufender Nase und trockenem Husten, zwei Wochen lang eine Sommergrippe. Sie liess sich mit einem Grossaufgebot von Schnupftüchern zwar aushalten – doch was tut man bei derartigen Zumutungen? Mir schien, ich hätte alles Recht, mich beherzt zur Wehr zu setzten. Notfalls mit unsanften Methoden und einem Griff in die psychohygienische Trickkiste. Ich würde jammern.

Und siehe da: Es umfängt einen gleich ein trügerisch wohliges Gefühl. Das Leiden am erstbesten Zipfel packen, ausbreiten und in die Länge ziehen – bei so was bringt es mancher zu echter Meisterschaft. Etwa mit punktgenauem Seufzen – eine sehr subtile Taktik. Sie versteckt den eigentlichen Grund und Anlass der Äusserung. Seufz! – wie geheimnisvoll! Ein sensibles Gegenüber wird da nachfragen: Wo drückt der Schuh?

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One Number Shows Something Is Fundamentally Wrong with Our Conception of the Universe

An image of the Large Magellanic Cloud taken with a ground-based telescope. The inset image was captured by the Hubble Space Telescope, and shows a galaxy cluster teeming with variable Cepheids, a class of stars that flicker regularly. Using this pulsation rate, scientists have calculated the universe’s expansion rate, but that number doesn’t match with values derived from other cosmic phenomena, such as the echo of the Big Bang known as the cosmic microwave background radiation.
(Image: © An image of the Large Magellanic Cloud taken with a ground-based telescope. The inset image was captured by the Hubble Space Telescope, and shows a galaxy cluster teeming with variable Cepheids, a class of stars that flicker regularly. Using this pulsation rate, scientists have calculated the universe’s expansion rate, but that number doesn’t match with values derived from other cosmic phenomena, such as the echo of the Big Bang known as the cosmic microwave background radiation.)

There’s a puzzling mystery going on in the universe. Measurements of the rate of cosmic expansion using different methods keep turning up disagreeing results. The situation has been called a „crisis.“

Adam Mann | SPACE.com

The problem centers on what’s known as the Hubble constant. Named for American astronomer Edwin Hubble, this unit describes how fast the universe is expanding at different distances from Earth. Using data from the European Space Agency’s (ESA) Planck satellite, scientists estimate the rate to be 46,200 mph per million light-years (or, using cosmologists‘ units, 67.4 kilometers/second per megaparsec). But calculations using pulsating stars called Cepheids suggest it is 50,400 mph per million light-years (73.4 km/s/Mpc). 

If the first number is right, it means scientists have been measuring distances to faraway objects in the universe wrong for many decades. But if the second is correct, then researchers might have to accept the existence of exotic, new physics. Astronomers, understandably, are pretty worked up about this discrepancy.

What is a layperson supposed to make of this situation? And just how important is this difference, which to outsiders looks minor? In order to get to the bottom of the clash, Live Science called in Barry Madore, an astronomer at the University of Chicago and a member of one of the teams undertaking measurements of the Hubble constant.

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Die Psychoanalyse erinnert den Menschen an seine Grenzen, die Neurowissenschaft lädt ihn ein, sie zu überwinden

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project

Die Neurowissenschaft ist die Leitdisziplin des 21. Jahrhunderts. Sie verspricht dem Menschen Freiheit: Der französische Soziologe Alain Ehrenberg denkt über «Die Mechanik der Leidenschaften» nach.

Oliver Pfohlmann | Neue Zürcher Zeitung

Die Frage, welche Implikationen die Hirnforschung für das Bild hat, das der Mensch sich von sich selber macht, scheint zurzeit schnell beantwortet: Das Bewusstsein, sagt zum Beispiel der amerikanische Neurowissenschafter David Eagleman, sei nur eine Art Beifahrer, so etwas wie eine «Simulation des Gehirns», meint der deutsche Philosoph Thomas Metzinger. Deshalb könnten wir das Konzept Freiheit getrost verabschieden und mit ihm zugleich die grundlegenden Prinzipien des Strafrechts. Denn wo keine Freiheit bestehe, sondern nur neuronale Prozesse herrschten, da, so der deutsche Hirnforscher Gerhard Roth, gebe es natürlich auch keine individuelle Schuld.

Nach der Lektüre von Alain Ehrenbergs neuem Buch über den Aufstieg der Neurowissenschaften im späten 20. Jahrhundert und darüber, was dieser Erfolg über die Gesellschaft aussagt, fragt man sich, ob die zahlreichen diesbezüglichen provokanten Wortmeldungen von Hirnforschern oder dieser Richtung nahestehenden Philosophen nicht primär nur dem Ziel dienten, Aufmerksamkeit zu erwecken.

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Experimentierfreund Goethe: Schau zu Naturwissenschaften

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

Geologen streiten erbittert um Steine und Darwins Evolutionstheorie steht vor der Tür: Zu Goethes Lebzeiten ging es rund in den Naturwissenschaften – und der Dichter war voller Forschungseifer und Humor mitten drin, wie eine neue Schau verdeutlicht.

ntv

Johann Wolfgang von Goethes Begeisterung für die Naturwissenschaften ist der Klassik Stiftung Weimar eine besondere Ausstellung wert – pünktlich zum 270. Geburtstag des vor allem als Dichterfürsten bekannten „Faust“-Autors. 400 Objekte aus Goethes (1749-1832) eigener naturwissenschaftlicher Sammlung von 23 000 Tier- und Pflanzenpräparaten, Mineralien, historischer Experimentiervorrichtungen und mehr zeigt die Stiftung in der Schau „Abenteuer der Vernunft. Goethe und die Naturwissenschaften um 1800“.

Erstmals ein solcher Überblick der Sammlung Goethes gezeigt. Auch Leihgaben sind zu sehen sowie Stücke, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Vom 27. August bis zum 5. Januar zeichnet die Ausstellung im Schiller-Museum Weimar die damalige Situation der Forschung nach, die sich etwa mit den Fragen nach dem Ursprung der Welt und des Lebens beschäftigte. „Goethe sah sich mittendrin und ließ es sich nicht nehmen, wirklich lebhaft mit zu diskutieren“, sagte eine der Kuratorinnen, Kirstin Knebel.

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Optimisten leben wirklich länger als Pessimisten

Die Freisinnigen des Kantons Zürich demonstrierten im Januar 2018 in der Zürcher Innenstadt für mehr Optimismus, ein längeres Leben war dabei wohl nicht das primäre Ziel. (Bild: NZZ, Christoph Ruckstuhl)

Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung haben besonders gute Aussichten alt zu werden. Doch sie sollten ihre Gesundheit nicht immer auf die leichte Schulter nehmen.

Neue Zürcher Zeitung

Wer lebt länger, Optimisten oder Pessimisten? Die Studienlage zu dieser Frage war bisher widersprüchlich. So wurde Pessimisten zu Gute gehalten, dass sie sich mehr um ihre Gesundheit sorgen und deshalb auch regelmässiger einen Arzt aufsuchen, was in bestimmten Situationen lebensrettend sein kann. Optimisten hingegen zeigten sich weniger anfällig für bestimmte Krankheiten, wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Studie zeigt nun: Richtig alt werden eher Optimisten. Die Ergebnisse sind in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften «PNAS» erschienen.

Das Team um Lewina Lee von der Boston University School of Medicine nutzte zwei Datenbanken, in denen seit Jahrzehnten die Krankengeschichte bestimmter Berufsgruppen gespeichert werden. So bekamen die Forscher Informationen über den Gesundheitszustand und die Lebensführung von fast 70 000 Krankenschwestern und 1429 Veteranen.

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Pubertierende wüten so ähnlich wie Affen

Der Übermut erfüllt wichtige Zwecke. – (c) Imago

Nicht nur Menschen mangelt es in der Jugend an Selbstkontrolle. Aber der Übermut erfüllt wichtige Zwecke.

Karl Gaulhofer | Die Presse

Ach, diese Jugend von heute! Solche Stoßseufzer sind wohl schon so alt wie die Menschheit. Wer in die Pubertät gerät, handelt oft impulsiv, unbedacht, riskiert womöglich gar Leib und Leben auf der ständigen Suche nach einem starken Erlebnis – auf dem Moped, mit Drogen, bei Mutproben oder im Sport. In dieser Phase lernt man selten aus Fehlern und plant seine Handlungen kaum voraus. Aber dieses Verhalten ist nicht auf Menschen beschränkt. Junge Affen – genauer Makaken – wüten ganz ähnlich, wie eine Überblicksstudie der US-Forscher Beatriz Luna und Christos Constantinidis zeigt (in: Trends in Neuroscience, 20. 8.).

Doch wie lässt es sich erklären? Die hemmenden und kontrollierenden Instanzen im Gehirn, die sich im Prinzip schon bei Kleinkindern ausbilden, sind zuweilen nicht aktiviert, wie ausgeschaltet. Das lässt sich gut mit einem Test nachweisen, der Augenbewegungen misst. Man bittet Probanden, einen Punkt zu fixieren, und, wenn links oder rechts davon ein Reiz auftaucht, statt spontan dorthin bewusst in die entgegengesetzte Richtung zu schauen – dem Reflex trotzend. Diese einfache Form von Selbstkontrolle schaffen Pubertierende oft nicht, übrigens ebenso wenig wie viele Erwachsene, die an Schizophrenie, Parkinson oder Alzheimer leiden. Oder eben wie junge Makaken, die man durch Belohnungen zum Blick in die Gegenrichtung dressieren will.

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Darwin Was a Slacker and You Should Be Too

Photocollages by Hannah K. Lee

Many famous scientists have something in common—they didn’t work long hours.

By Alex Soojung-Kim Pang | NAUTILUS

When you examine the lives of history’s most creative figures, you are immediately confronted with a paradox: They organize their lives around their work, but not their days.

Figures as different as Charles Dickens, Henri Poincaré, and Ingmar Bergman, working in disparate fields in different times, all shared a passion for their work, a terrific ambition to succeed, and an almost superhuman capacity to focus. Yet when you look closely at their daily lives, they only spent a few hours a day doing what we would recognize as their most important work. The rest of the time, they were hiking mountains, taking naps, going on walks with friends, or just sitting and thinking. Their creativity and productivity, in other words, were not the result of endless hours of toil. Their towering creative achievements result from modest “working” hours.

How did they manage to be so accomplished? Can a generation raised to believe that 80-hour workweeks are necessary for success learn something from the lives of the people who laid the foundations of chaos theory and topology or wrote Great Expectations?

I think we can. If some of history’s greatest figures didn’t put in immensely long hours, maybe the key to unlocking the secret of their creativity lies in understanding not just how they labored but how they rested, and how the two relate.

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Pathologie des „Clean Eating“

Bild: pexels.com

Die exzessive Beschäftigung mit gesunden Lebensmitteln und deren Inhaltsstoffen wurde als „Cyberpathy“, als digital übertragene Störung, im Rahmen des „Healthism“ beschrieben

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Der Hang, gesund zu leben, um möglichst lange zu leben, scheint viele Menschen immer stärker in den Bann zu ziehen und zu einer Art Religionsersatz zu werden. Es wird zum Lebensstil und zur Identität. Man is(s)t vegan, ohne Gentechnik, ohne Zucker und Salz, keine Milch, laktose- oder glutenfrei, vegetarisch, Low Carb, regional, bio, paläo, keto oder clean. Im Englischen gibt es dafür den Begriff „healthism“, vielleicht am besten als Gesundheitsobsession übersetzt.

Wenn schon kein Fortleben im Jenseits und in der Matrix, dann wenigstens das irdische, an den Leib gebundene Leben so lange wie möglich mit allen verfügbaren Mitteln nach irgendwelchen Regeln und Normen verlängern und fit zu halten. Die Sorge um sich ist die Sorge um den Körper, der gehegt, gepflegt, mitunter auch gequält werden muss, um ihn zu optimieren, auch im Aussehen. Dazu kommt, dass dann wenn Trends entstehen, die Experten gleich am Weg stehen, um sie zu pathologisieren, also sie in ein anderen, aber gleichfalls dem Gesundheitsuniversum angehörenden normativen Kontext zu stellen.

Wenn die einen ihren Körper, in dem sie stecken, in Bewegung halten und mit aufwendigen Übungen gestalten, dann spielt auch hier immer die Ernährung eine Rolle. Hier unterscheiden sich die Kulturen und Ernährungssekten, also wann man wie viel von was seinem Körper zuführen soll und was auf keine Weise gegessen oder getrunken werden darf. Und wie es Sekten so an sich haben, die das Leben ihrer Mitglieder streng mit einer Gut- und Böse-Einteilung normieren, wird diesen suggeriert, dass sie als Avantgarde der Erlösung am nächsten sind. Es breitet sich mit immer neuen wissenschaftlichen Untersuchungen in einer Blase ein riesiges Gebiet des Wissens und der Suche nach Informationen aus, es entstehen Gurus und Experten, Ratgeber und neue Gesetze, die auch viel mit Moral zu tun haben

Das ist auch ein Phänomen bei einer extremistischen Ernährungssekte, die allerdings nur, wie das heute so üblich ist, als loses Netzwerk mit Influencern, Texten, Videos, Bildern und Botschaften existiert. Die Rede ist von Orthorexia nervosa, ein Begriff, den der amerikanische Mediziner Steven Bratman nach dem Vorbild der „Anorexia nervosa“, der Essstörung der Magersucht, geprägt hat. Es soll sich um einen pathologischen Zwang zum gesunden Essen handeln, dem ein Hang zur rigiden Selbstdisziplinierung zugrunde liege, der einhergeht mit dem Gefühl der Überlegenheit über diejenigen, die Junkfood oder einfach das Falsche essen. Man gehört also einer auserwählten Gruppe an, ist Elite und irgendwie gottgefällig (Orthorexia nervosa oder der Zwang, sich „gesund“ zu ernähren).

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Virtuelle Realität lindert Schmerzen

VR-Technologien können nicht nur unterhalten – sondern auch Schmerzen lindern. © Sasha Suzi/ thinkstock

Statt Schmerzmittel? VR-Technologien helfen offenbar selbst bei starken Schmerzen. Wie eine Studie nahelegt, lindert das Eintauchen in virtuelle Welten die Beschwerden von Schmerzpatienten deutlich – und wirkt besser als andere Ablenkungsmaßnahmen. Interessanterweise hält der schmerzlindernde Effekt dabei bis zu 72 Stunden lang an. Damit könnte die VR-Therapie vielleicht sogar eine Alternative zur Einnahme von Schmerzmitteln sein.

scinexx

In der Computerspiel-Branche ist die virtuelle Realität (VR) schon länger Trend. Doch zunehmend zeichnet sich ab, dass die Technologie auch Potenzial für die Medizin hat. Das Eintauchen in realitätsnahe, computergenerierte Welten kann Menschen zum Beispiel beim Überwinden von Ängsten und Traumata helfen. Auch Schmerzpatienten scheinen von virtuellen Therapien zu profitieren, wie erste Studien nahelegen. Forscher vermuten, dass die Erlebnisse in der anderen Realität Betroffene so sehr ablenken, dass sie ihre Schmerzen weniger stark wahrnehmen.

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Guns Don’t Kill People, Beliefs Kill People

Image credit: Skeptic

If by fiat I had to draw one core generalization from a quarter century spent studying the psychology of beliefs, it is that almost everyone thinks that their beliefs are right, both ontologically and ethically. For the most part, people think that their beliefs are true, moral, or both.

By Michael Shermer | Skeptic

No one joins a cult—they join a group that they believe is going to help them and/or society. No one thinks they’re practicing pseudoscience—they believe they’ve discovered a new truth that mainstream science has yet to recognize. And very few believe their actions are immoral—at the time they had perfectly rational and moral reasons for acting as they did.

You do not have to give people reasons to be violent, because they already have plenty of reasons. All you have to do is take away their reasons to restrain themselves.

Roy Baumeister

On this latter point, in his 1997 book about serial killers and other career criminals, Evil: Inside Human Violence and Cruelty, the social psychologist Roy Baumeister documents the fact that to a man (and they’re almost all men), these violent criminals justified their evil acts with what they believed to be perfectly good reasons. Examples include the 1994 police record of Frederick Treesh, a spree killer from the Midwest who explained, “Other than the two we killed, the two we wounded, the woman we pistol-whipped, and the light bulbs we stuck in people’s mouths, [my accomplice and I] didn’t really hurt anybody.” Or the file on serial killer John Wayne Gacy who, after killing 33 boys, rationalized, “I see myself more as a victim than as a perpetrator. I was cheated out of my childhood.” As Baumeister concluded: “you do not have to give people reasons to be violent, because they already have plenty of reasons. All you have to do is take away their reasons to restrain themselves.”

This brings me to the trifecta of mass public shootings this past week in Gilroy, California, El Paso, Texas, and Dayton, Ohio. While gun control proponents debate Second Amendment advocates over whether it is guns that kill people or people who kill people, I would like to take the causal chain one step deeper and suggest that it is beliefs that kill people.

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Warum wollen einige Menschen unbedingt jüdisch sein?

Eine deutsche Krankheit: Manche Menschen haben das drängende Verlangen, Opfer und Jude zu sein. Sie sind Symptom einer Gesellschaft, die immer noch an ihrer Vergangenheit leidet.

Von Julius H. Schoeps | DER TAGESSPIEGEL

Der Fall der Historikerin und Bloggerin Marie Sophie Hingst, die sich vor Kurzem das Leben nahm, als ihre erdichtete jüdische Identität aufflog, hat die deutsche Öffentlichkeit überrascht, verwundert und schockiert. Hingst hatte die Sehnsucht, in eine jüdische Opferrolle zu schlüpfen, und spielte diese Rolle fast bis zur Perfektion. Ein Einzelfall? Wohl eher das Gegenteil, wenn nicht sogar eine deutsche Krankheit.

Da ist der Fall der Hallenserin Karin Mylius, die keine Jüdin war, aber steif und fest behauptete, jüdischer Herkunft zu sein. Sie gerierte sich als Überlebende der Schoah, gab an, ein jüdisches Findelkind mit dem Namen Karin Morgenstern gewesen zu sein, und besorgte sich kurzerhand Adoptiveltern. Vater, Mutter und Bruder, so fantasierte sie der Welt vor, seien vor ihren Augen erschossen worden.

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Übergewicht: Diese fünf Sportarten bringen am meisten

Joggen ist die Sportart, die der genetischen Veranlagung zum Dicksein offenbar am besten entgegenwirkt. © Bill McConkey/ Wellcome Collection

Sport gegen Gene: Wenn Menschen aufgrund genetischer Veranlagung übergewichtig sind, hilft nicht jede Sportart gleich gut beim Abnehmen. Forscher haben nun fünf Sportarten identifiziert, die besonders effektiv gegen die genbedingten Fettpolster wirken. Mit Abstand am besten ist demnach das Joggen, gefolgt von Bergsteigen, Walking, Standardtanz und Yoga. Weniger gut schnitten überraschenderweise Schwimmen, Fahrradfahren oder Badminton ab.

scinexx

Übergewicht ist nicht nur eine Frage der Ernährung und der Lebensweise – auch die Gene spielen mit. Forscher kennen inzwischen mehr als 90 Genvarianten, die den Fett- und Zuckerstoffwechsel so beeinflussen, dass die Träger leichter zu dick werden. Zudem ist bekannt, dass überschüssiges Fett das Epigenom verändert und so zusätzlich in die Genaktivität eingreift. Das Abnehmen ist ohnedies ein schwieriges Unterfangen, durch diese Faktoren scheint es jedoch noch stärker erschwert.

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Was wäre, wenn wir kein Schamgefühl hätten?

Scham ist die gefühlte Entblössung dessen, was zu uns gehört und was wir vor anderen verbergen möchten, schreibt Yves Bossart. SRF / Yvonne Rogenmoser

Bereits Darwin war klar: Der Mensch ist das Tier, das sich schämen kann. Aber warum können wir Menschen das?

Yves Bossart | SRF

Kürzlich war ich im Zoo. Da war dieser Orang-Utan. Er hing gemütlich an den Gitterstäben, die Beine gespreizt. Ein Wasserstrahl, der eigentlich seinen Käfig bewässern sollte, massierte seine Genitalien. Er sah glücklich aus, der Affe.

Auch wir Zoobesucher hatten unseren Spass. Die öffentliche Selbstbefriedigung des Orang-Utans weckte aber auch gemischte Gefühle. Manche blickten zu Boden, andere lächelten verlegen, einige wurden rot. War es Scham? Oder gar Fremdschämen für den Affen?

Ich erinnere mich, wie peinlich das war, damals mit 14, als meine Mutter unerwartet ins Zimmer trat. Ich auf dem Bett, die Hand in der Hose. Beide drehten sich ab. Ich wollte im Boden versinken, mich in Luft auflösen.

Weder Tiere noch Götter kennen dieses Gefühl der Scham, meinte der Anthropologe Max Scheler. Und bereits für Charles Darwin war klar: Der Mensch ist das Tier, das sich schämen kann. Aber warum können wir Menschen das? Und wie sähe unser Leben aus, wenn wir kein Schamgefühl hätten?

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Körpergeruch verrät Gefühle

Jonathan Williams sucht in vollen Kinosälen nach dem Duft der Aufregung und Angst.(Bild: Thomas Hartmann)

Ein Forscher am Max-Planck-Institut für Chemie hat gezeigt, dass die ausgeatmete Luft verrät, ob Menschen einen Horrorfilm oder eine Komödie anschauen.

Von Veronika Szentpetery-Kessler | heise online

Als Atmosphärenforscher Jonathan Williams die Luft in einem Kino während der Vorstellung analysierte, entdeckte er Erstaunliches: Ein Molekül namens Isopren zeigte die Erregung der Zuschauer. „Bei beängstigenden Szenen variiert etwa die Isopren-Menge stark, geht also schnell hoch und runter“, erzählt der Forscher am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz gegenüber Technology Review in der aktuellen Ausgabe.

Der Grund sei, dass man bei einem Horrorfilm seinen Körper ständig hin- und herbewegt, man zuckt etwa zusammen, weil man sich erschreckt. Und bei diesen Bewegungen setze der Körper Isopren aus seinen Muskeln frei und atmete es über die Lunge aus. „Aus dieser Fluktuationsrate ließe sich ein genaueres FSK-Rating für Filme ableiten, wie wir letztes Jahr veröffentlicht haben“, so Williams. „Je mehr Isopren variiert, desto höher wäre die Altersklassifikation.“

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Antidepressiva: Sie wirken laut einer Studie kaum besser als Placebos, dennoch werden sie massenweise verschrieben

In einer psychischen Krise verschiebt sich der Blick aufs Leben. (Bild: Annick Ramp / NZZ)

Eine grosse Metaanalyse stellt den Medikamenten gegen Depression ein schlechtes Zeugnis aus. Was bedeutet das für Ärzte und Patienten?

Lena Stallmach | Neue Zürcher Zeitung

«Ohne Medikamente hätte ich es nicht geschafft», solche Aussagen hört man häufig von Menschen, die eine schwere Depression oder ein Burnout überwunden haben. Viele Patienten und Ärzte sind überzeugt von der Wirkung der Antidepressiva. Doch steht diese Wahrnehmung nicht im Einklang mit dem, was Forscher in einer grossen Übersichtsarbeit kürzlich gezeigt haben. Demnach wirken die Medikamente nicht viel besser als Placebopillen.1 Sollten Ärzte und Patienten also auf Antidepressiva verzichten, weil sie gar nicht wirken?

Seit Jahren wogt eine Diskussion über die Wirkung von Antidepressiva hin und her. Doch diese Metaanalyse hat Gewicht, denn sie wurde von Forschern aus dem renommierten Cochrane-Netzwerk durchgeführt. Ziel dieser Kollaboration ist es, sorgfältige Übersichtsarbeiten zur Bewertung von medizinischen Therapien zu liefern. Die Forscher berücksichtigen dabei nicht nur publizierte Studien, sondern sie tragen auch Daten aus unpublizierten Untersuchungen zusammen. Das ergibt ein repräsentativeres Bild, denn oft werden negative Resultate nicht publiziert.

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Wie Facebook und Co unser Handeln steuern

Viele Handy-Apps arbeiten mit dem Belohnungsprinzip.Foto: Robert Günther/dpa

Unternehmen wenden Strategien aus der Verhaltensforschung an, um Nutzer am Bildschirm zu halten. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, sagt ein Psychologe.

Von Christian Honey | DER TAGESSPIEGEL

Das Verhalten des Menschen mit Technologie zum Guten hin zu steuern, war ein Traum des amerikanischen Verhaltensforschers B. F. Skinner. Schon in den 1930er Jahren hatte der Harvard-Psychologe seine „Skinner-Box“ entwickelt, einen Trainingskäfig, in dem er Ratten und Tauben dazu brachte, einen Hebel zu drücken, wenn die Tiere einen bestimmten Reiz hörten oder sahen.

In verschiedenen Durchgängen lernten sie, was sie tun mussten, um eine Belohnung in Form von Futter zu bekommen. Diese Form der Verhaltenssteuerung – genannt operante Konditionierung – müsse man nur mit der nötigen Technologie auf Menschen anwenden, wenn die Menschheit ihrer Probleme Herr werden wolle, schwärmte Skinner schon im Jahr 1974: „Was wir brauchen, ist eine Technologie des Verhaltens.“

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Ideologie der Meritokratie als Herrschaftstechnik

Bild: TP

Die Eliten nutzen traditionell Techniken der Angsterzeugung, um die Kluft zwischen demokratischer Rhetorik und kapitalistischer Realität zu übertünchen

Rainer Mausfeld | TELEPOLIS

Eine „gute“ Regierung, so war man schon in der Antike überzeugt, könne nur eine Regierung der Wenigen und Tüchtigsten sein. Platon wie Aristoteles sahen daher, wenn auch in unterschiedlicher Weise, die Regierungsform der Demokratie als eine Verfallsform guter Regierungsformen an. Eine Demokratie könne nämlich dazu führen, dass die Mehrzahl der Nichtbesitzenden – also „Untüchtigen“ – die Eigentumsordnung in Frage stellt, was für die Minderheit der Besitzenden – also Tüchtigen – von Nachteil sei.

Die meritokratische Ideologie geht jedoch über die Vorstellung hinaus, dass politische Herrschaft den Besten und Geeignetsten zukommen solle. Vielmehr sucht sie für soziale Hierarchien einer Gesellschaft insgesamt eine Rechtfertigung zu liefern. In einer meritokratischen Gesellschaft nimmt jedes Mitglied die von ihm verdiente, gesellschaftliche Position ein. Die Reichen haben ihren Reichtum und ihre soziale Position durch ihre Tüchtigkeit verdient, und aus gleichem Grund sind die Armen zu Recht arm. Die meritokratische Ideologie dient gerade dazu zu verschleiern, dass zwischen beiden ein gesellschaftliches Beziehungsverhältnis besteht. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts forderte ein unbekannter römischer Autor:

Man beseitige die Reichen und es gibt keinen Armen mehr! Wenn niemand mehr besitzt, als das was nötig ist, so haben alle das, was nötig ist. Denn wenige Reiche sind die Ursache von vielen Armen.

Aus dem Traktat De Divitiis

Wörtlich bedeutet Meritokratie, dass diejenigen zur Ausübung von Macht legitimiert sind, die sich durch Leistungen ein Verdienst erworben haben. Bereits in dieser Bestimmung wird eine charakteristische Zirkularität erkennbar, denn welches Verdienst könnte größer sein als dasjenige, zur besitzenden und herrschenden Klasse zu gehören?

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Wie unser Gehirn auf Roboter reagiert

Roboter, die uns zu sehr ähneln, sind uns oft unheimlich. © mennovandijk/ istock

Unheimlich menschlich: Roboter, die uns in Verhalten und Aussehen zu stark ähneln, lösen typischerweise Unbehagen aus. Forscher haben nun die Quelle dieses sogenannten „Uncanny Valley“-Phänomens im Gehirn entdeckt. Demnach spielen zwei Regionen im mittleren präfrontalen Cortex eine wesentliche Rolle für den Effekt – und auch die Amygdala ist daran beteiligt. Die neuen Erkenntnisse könnten in Zukunft dabei helfen, die Akzeptanz maschineller Gehilfen zu steigern.

scinexx

Roboter gewinnen immer mehr an Bedeutung: Die Maschinen helfen am Fließband, im OP-Saal oder in Katastrophengebieten und sollen in Zukunft sogar Pflegekräfte, Haushaltshilfen oder Empfangspersonal ersetzen. Gerade in solchen sozialen Tätigkeitsbereichen scheint es hilfreich, wenn die technischen Gehilfen ihren Erschaffern optisch ähneln. Je menschlicher ein Roboter wirkt, desto eher werden Senioren ihn zum Beispiel als Ersatz für eine echte Pflegekraft akzeptieren.

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Playing Video Games Makes Us Fully Human

Image credit: NAUTILUS

No other media meets our emotional and social needs like electronic games.

By Brian Gallagher | NAUTILUS

I have an agonizing decision to make. Should I save a governing body that has never done a thing for me? It doesn’t even contain a single person from my race. The aliens of the galactic Council decided long ago that my people should not be trusted, that we were aggressive, entitled, and short-sighted. I’m a soldier engaged in a fight to save the entire galaxy. And now the Council wants my help to destroy their assailants? My companion Ashley is against it. “You can’t sacrifice human lives to save the Council!” she yells. “What have they ever done for us?” Another companion, Garrus, rebuffs Ashley. “This is bigger than humanity!” Schadenfreude tempts me to let the patronizing Council be pulverized; a pro-human one could replace it if we survive. But I don’t want to give cynical aliens an opportunity to attribute the lowest-possible motive to humans. I want to refute the impression that we are an arrogant, upstart species out for itself. I command humanity’s space armada to target the forces gunning for the Council, no matter the cost. I feel a rush of bravery and idealism. I love playing Mass Effect.

I’m not alone. The popularity of video games is staggering. Last year, the top 25 public game companies—China’s Tencent, Sony, and Microsoft ranking highest—had annual earnings of more than $100 billion for the first time.1 The United States video game industry earned more than global box office movie ticket sales, U.S. video streaming subscriptions, and the U.S. music industry.2 By 2021, according to Statista, a market research firm, 2.7 billion people will be playing video games, up from 1.8 billion five years ago. A Pew survey reveals the age group that plays most often is 18 to 29.3 In the 30 to 49 age group, nearly 50 percent of men and 40 percent of women play. A study in Europe shows people 45 and up are more likely to play video games than children aged 6 to 14.

I wouldn’t blame you for thinking video games are like potent drugs, offering escapist fantasies that deprive teenagers of sleep and food until they are strung out and incapable of functioning in the real world. There have certainly been enough horror stories in the psychological literature over the years to raise concern that video games are eating the brains of the world’s youth. But this negative portrait is outdated.

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