Die Wahrheit jagt den Weihnachtsmann

Freigiebiger Bischof. Die Legende vom Nikolaus basiert auf einer historischen Begebenheit.Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Freigiebiger Bischof. Die Legende vom Nikolaus basiert auf einer historischen Begebenheit.Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Kinder haben ein Recht auf den Mann mit dem roten Mantel – egal ob Weihnachtsmann oder Nikolaus. Ein Kommentar.

Von Adelheid Müller-Lissner | DER TAGESSPIEGEL

Wenn ausgerechnet in einer Familiensendung zur Adventszeit der Weihnachtsmann madiggemacht wird, dann ist der Ärger groß. Solches geschah am ersten Advent beim beliebten „Märchenrätsel“ des RBB. Die Moderatorin fragte Kinder im Studio, ob sie in den Schränken nach von ihren Eltern versteckten Weihnachtsgeschenken suchen würden, enttarnte damit den Weihnachtsmann als Schwindel – und erntete prompt heftige Proteste erzürnter Erziehungsberechtigter.

Mit ihrem Hang zu Entzauberung und Ehrlichkeit steht die RBB-Moderatorin nicht allein. In der britischen Medizinerzeitschrift „Lancet Psychiatry“ erörtern die Psychologen Christopher Boyle und Kathy McKay die Frage, ob Eltern ihre Kinder anlügen dürfen. Aufgehängt ist das Ganze an der Geschichte vom Weihnachtsmann. Denn werden nicht ausgerechnet kurz vor dem Fest der Liebe die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft systematisch mit zweifelhaften Informationen gefüttert? Boyle und McKay sorgen sich um das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern. „Alle Kinder werden herausfinden, dass sie jahrelang systematisch angelogen wurden, und das könnte sie auf die Frage bringen, welche anderen Lügen ihnen aufgetischt wurden“, schreiben sie.

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Affen erkennen einander am Hintern

 Für ihre Artgenossen leicht zu erkennen: Dieser Hintern gehört Schimpansin Püppi aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn © Sven Hoppe/DPA
Für ihre Artgenossen leicht zu erkennen: Dieser Hintern gehört Schimpansin Püppi aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn © Sven Hoppe/DPA
Familienmitglieder schnell am nackten Po erkennen? Für Schimpansen ist das Alltag, wie eine Studie der Universität Leipzig ergab. Ihnen liefern Hinterteile wichtige Informationen – vor allem, was die Fruchtbarkeit ihres Gegenübers angeht.

stern.de

Apfel- oder Birnen-Po, knackig oder ausladend – sich mit dem Aussehen von Hinterteilen zu beschäftigen, mag für manche Menschen ein angenehmer Zeitvertreib sein. Für Affen jedoch spielt der Hintern eine ganz entscheidende Rolle im Alltag: Die Tiere erkennen einander daran wieder – und das ähnlich schnell wie am Gesicht. Das ergab jetzt eine Studie der Universität Leiden mit Schimpansen, die im Fachmagazin „Plos One“ erschienen ist.

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Your Brain Can Resurrect ‚Forgotten’ Short-Term Memories

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Day-to-day living can be such a struggle for people with short-term memory loss. But scientists have now found that memories are rarely completely lost—instead they’re just moved to the subconscious.

By Grennan Milliken | MOTHERBOARD

A functioning working memory—a part of short-term memory that deals with immediate processing of information—is critical for decision making and behavior. Without the ability to retain information where it can be easily accessed, basic cognitive functions become extremely difficult. Remembering the way to a friends house, for example, could turn into a fresh hell.

For a working memory to be maintained, scientists have long believed that the neurons associated with a memory must be continuously buzzing. But new neuroscience research published in Science suggests that it’s actually possible for the brain to let a working memory go “dormant,” and then fire it back up when it needs it again. This illuminates a whole new mechanism of how the brain processes memories and could perhaps help in treating people with cognitive problems in the future.

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Blick ins religiöse Gehirn

© University of Utah Ein gläubiger Mormone im Hirnscanner. Seine Hirnaktivität bei religiösen Gefühlen wurde aufgezeichnet.
© University of Utah Ein gläubiger Mormone im Hirnscanner. Seine Hirnaktivität bei religiösen Gefühlen wurde aufgezeichnet.
Glaubenserfahrungen im Hirnscanner: Intensive spirituelle Erfahrungen lösen im Gehirn ähnliche Reaktionen aus wie Liebe, Sex, Musik und Drogen. Denn beim religiösen Hochgefühl feuert das Belohnungszentrum des Gehirns besonders stark, wie Hirnscans bei gläubigen Mormonen belegen. Aber auch Zentren für Aufmerksamkeit und rationale Entscheidungen waren bei ihrer religiösen Praxis aktiver als sonst, wie Forscher im Fachmagazin „Social Neuroscience“ berichten.

scinexx

Religion und Spiritualität prägen ganze Gesellschaften und gelten als kulturelle Triebkraft, sie sind gleichzeitig aber auch oft der Auslöser von Konflikten und Kriegen. Gleichzeitig spielt Religion im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle – sie stützt in Krisen, hilft bei Entscheidungen und trägt zum emotionalen Wohlbefinden bei. So zeigen Studien, dass sich beim Meditieren und Beten die Hirnaktivität wandelt und diese Praktiken sogar langfristig positive Veränderungen bewirken können.

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Sexismus schadet der Psyche

Bekannt für seine sexistischen Sprüche: Donald Trump © Michael Vadon / CC-by-sa 4.0
Bekannt für seine sexistischen Sprüche: Donald Trump © Michael Vadon / CC-by-sa 4.0
Sexistisches Verhalten ist selbst unter Staatsmännern wie Donald Trump weit verbreitet – und gilt als typisch männlich. Doch Vorsicht: Wer diesem Klischee der Männlichkeit besonders gut entspricht, macht sich nicht nur viele Frauen zum Feind. Er schadet womöglich auch seiner Gesundheit, wie Forscher nun herausgefunden haben. Demnach macht das Erfüllen traditioneller männlicher Normen anfälliger für psychische Störungen wie Depressionen.

scinexx

Der Mann als Playboy und Brötchenverdiener, die Frau als treues Heimchen am Herd und Schmuckstück ihres Gatten: Obwohl solche Vorstellungen inzwischen eigentlich längst veraltet sind, halten sich Klischees in Sachen geschlechtsspezifisches Rollenverständnis in unserer Gesellschaft erstaunlich hartnäckig. Sie beeinflussen, wie wir uns selbst und unsere Mitmenschen wahrnehmen und wie wir uns dem anderen Geschlecht gegenüber verhalten.

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Fake Science News Is Just As Bad As Fake News

Image: Shutterstock
Image: Shutterstock
Fake news has been getting a lot of attention around the US election, and rightly so. But science has its own problem with fake news—and fake research published in scientific journals. To prove how bad it is, a journalist at a Canadian daily newspaper got some plagiarized ‘research’ published. According to watchdogs, the problem might be getting worse.

By Bryson Masse | MOTHERBOARD

This year, OMICS International, based out of Hyderabad, India, purchased two Canadian medical research journal publishers, which are now “churning out low-quality OMICS material, while still using their Canadian names,” as journalist Tom Spears put it in his piece in The Ottawa Citizen.

This summer, OMICS reached out to Spears, who has previously demonstrated how to game the scientific publishing system, and now gets a lot of spam from journal publishers. This time, he decided he might have some fun with them.

Spears explained that he „mostly plagiarized from Aristotle“

“I’d sent test submissions to a couple of predators in the past and had kind of moved on, but then I got this request to write for what looked like a fake journal—of ethics,” Spears wrote me in an email. “Something about that attracted me so I just thought: Why not? And one morning in late August when I woke up early I made extra coffee and banged out some drivel and sent it to them.”

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US-Regierung : Homöopathische Produkte müssen Unwirksamkeit zugeben

Bild: RDF
Bild: RDF
Die US-Handelsbehörde FTC hat eine Grundsatzerklärung veröffentlicht, in der erklärt wird, dass von nun an alle freiverkäuflichen (OTC), homöopathischen Medikamente einen Hinweis enthalten müssen, dass sie wirkungslos sind.

Von Ben Traub | Richard-Dawkins-Foundation

Homöopathie ist eine Pseudowissenschaft, die zuerst im 18. Jahrhundert populär wurde, und Beschwerden mit winzigen Mengen des Erregers einer Krankheit behandelt, die diese ursprünglich ausgelöst hat. Diese werden dann soweit verdünnt, bis die Medizin nur noch ein Molekül auf 1000 Milliarden Milliarden Milliarden Moleküle Wasser enthält. Diese Lösung wird dann entweder in flüssiger Form oder, vermischt mit Zucker, in Form von Pillen eingenommen.

Entgegen den Aussagen und dem Glauben der Homöopathen gab es nie wissenschaftliche Beweise dafür, dass diese Behandlungen irgendwelche Beschwerden heilen können, und neueste Studien haben jede Behauptung, dass sie wirksam sind, gründlich entlarvt. Viele Ärzte sind im Gegenteil sehr besorgt, weil die Homöopathie bei einer Indikation bisweilen anstelle von richtiger Medizin verwendet wird.

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Hunde erinnern sich ähnlich wie wir

Hunde besitzen ein episodisches Gedächtnis - und knacken damit eine weitere, vermeintlich rein menschliche Domäne. © Unsplash/pixabay
Hunde besitzen ein episodisches Gedächtnis – und knacken damit eine weitere, vermeintlich rein menschliche Domäne. © Unsplash/pixabay
Kluge Vierbeiner: Das Gedächtnis der Hunde ist dem menschlichen ähnlicher als gedacht. Denn die Tiere können sich gut an vergangene Ereignisse erinnern – und das sogar dann, wenn sie etwas nur beobachtet haben. Sie besitzen damit ein episodisches Gedächtnis ähnlich dem unsrigen, berichten Forscher im Fachmagazin „Current Biology“. Der Hund hat damit eine weitere vermeintlich menschliche Domäne geknackt.

scinexx

Hunde sind nicht nur der sprichwörtlich beste Freund des Menschen, sie verfügen auch über eine beträchtliche Intelligenz – wie wohl jeder Hundebesitzer bestätigen würde. Die schlauen Vierbeiner verstehen unsere Gesten, Blicke und Worte und können sogar zählen – wenn auch etwas schlechter als Wölfe. Die große Lernfähigkeit der Hunde demonstriert zudem, dass Hunde ein sehr gutes prozedurales Gedächtnis besitzen: Sie können sich an einmal gelernte Fertigkeiten und Abläufe erinnern.

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The Only Faces Men Recognize Better Than Women Are Transformers

If you know the difference between the steely-eyed expression on Optimus Prime’s robot-face, and the vaguely innocent wide-eyed look of Bumblebee, you likely grew up with them, and since Transformers are traditionally toys for boys, you’re likely male.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

In most cases, women are better at recognizing faces, but when it comes to Transformer faces, it seems that childhood experience has finally given men the edge in in facial recognition.

Men tend to be better than women at this highly useful and totally not-absurd skill, according to a new study from Vanderbilt University published in Vision Research, which tested people’s ability to recognize the faces of familiar childhood toys.

“This is the first category of faces where men do better than women,” lead researcher Isabel Gauthier said. All previous research has shown that women are better than men at facial recognition in general, or that there isn’t a difference between genders in how they recognize faces.

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Wie Sting dem „Bataclan“ wieder Leben einhauchte

Sting am Samstagabend im Pariser Bataclan / Bild: APA/AFP/Hans Lucas/BORIS ALLIN
Sting am Samstagabend im Pariser Bataclan / Bild: APA/AFP/Hans Lucas/BORIS ALLIN
Vor genau einem Jahr töteten islamistische Attentäter in dem Pariser Club 90 Menschen. Nun wurde er wiedereröffnet.

Die Presse.com

Im „Bataclan“ wird wieder getanzt. Beim ersten Konzert nach dem Terror erobert das Publikum sich den Konzertsaal singend, klatschend und jubelnd zurück. Dem britischen Musiker Sting gelingt bei seinem symbolträchtigen Auftritt am Samstagabend der Balanceakt zwischen Erinnern und Bekenntnis zum Leben.

„Wir feiern das Leben und gedenken der Menschen, die vor einem Jahr gestorben sind“, sagt Ruben. Der 34-Jährige stammt aus Portugal und wohnt nun in Brüssel, er ist extra für das Konzert nach Paris gekommen. „Damit sorgen wir auch dafür, dass unsere Werte und unsere Überzeugungen sich durchsetzen“, betont er.

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RDF Talk – Volker Dittmar: Gibt es Argumente für Gott?

Wenn man den Glauben in den Rang einer Tugend erhebt, würde ein Beweis ihn nutzlos machen. Kann man einen Sachverhalt wissenschaftlich belegen, muss man nicht daran glauben, der Glauben wäre entbehrlich. In jedem Fall sollte man sich fragen – wie sollte ein Ungläubiger zum Glauben kommen? Das Problem wäre nicht lösbar, man braucht Argumente, Gründe, die überzeugend wirken.

Richard-Dawkins-Foundation

Musik: Geheimnis der Ohrwürmer gelüftet

Warum werden manche Musikstücke zum Ohrwurm, andere dagegen nicht? © CssandDesign/ thinkstock
Warum werden manche Musikstücke zum Ohrwurm, andere dagegen nicht? © CssandDesign/ thinkstock
Musikalische Endlosschleife: Warum bestimmte Musikstücke eher ein Ohrwurm werden als andere, haben Forscher nun aufgeklärt. Demnach spielen neben der Vertrautheit und dem erst kürzlichen Hören auch bestimmte Merkmale der Melodie eine wichtige Rolle. Besonders gut bleiben Songs mit einer auf- und absteigenden Tonfolge im Ohr, aber auch ungewöhnliche, wiederholte Tonsprünge.

scinexx

Das Phänomen ist so nervig wie bekannt: Man hört ein Lied im Radio oder unterwegs – und schon wird man es nicht wieder los. Wie eine Endlosschleife geht einem die Melodie im Kopf herum. Sie wird zum Ohrwurm. Warum aber bestimmte Musikstücke besonders „klebrig“ sind, andere dagegen nicht, ist bis heute nur in Teilen geklärt.

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Wird die Rechte stark, weil die Linke die Arbeiter verachtet?

Der Front National hat in manchen Regionen die bis in die 1970er Jahre dominierende Kommunistische Partei beerbt

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Aufstieg der neuen Rechtspopulisten in vielen europäischen Ländern ruft unter Linken Besorgnis hervor. Besonders seit klar ist, dass ein Teil ihrer Wählerbasis aus der alten Arbeiterklasse kommen. Dabei handelt es sich meistens um Regionen, in denen fordistische Industriezweige und damit auch eine ganze Arbeiterkultur verschwunden sind. So hat der Front National in Frankreich in solchen Regionen die bis in die 1970er Jahre dominierende Kommunistische Partei beerbt und wurde zur Partei des in seinem Stolz verletzten Proletariats.

Mit „Rückkehr nach Reims“ hat der Soziologe Didier Eribon ein Buch geschrieben, das in mehrfacher Hinsicht ein Tabubruch war (Die rechtsradikalen 14 Prozent). Er stellt sich nicht nur die Frage, welchen Anteil die politische Linke daran hat, dass das Band zur Arbeiterklasse scheinbar durchtrennt worden ist.

Er begnügt sich also nicht damit, nur festzustellen, dass Teile der alten Arbeiterklasse zur rechten Wählerbasis wurden. Er fragt auch nach den Gründen in der Politik der politischen Linken. Doch das Wichtigste: Eriborn spart den subjektiven Faktor nicht aus. Er beschreibt, wie er selber als Kind einer Arbeiterfamilie das Milieu zunächst verlassen hat, um im intellektuellen Milieu von Paris Fuß zu fassen, bevor er nun als linker Akademiker in seine Heimatstadt zurückkehrt.

Rückkehr nach Kaiserslautern

Nun hat der Feuilletonredakteur des Neuen Deutschland Christian Baron auf Eriborns Spuren seine Rückkehr nach Kaiserslautern vollzogen.

Gleich das erste Kapitel seines im Verlag „Das Neue Berlin“ veröffentlichten Buchs mit dem Titel „Proleten, Pöbel, Parasiten“ beginnt mit einer Szene, die eigentlich schon eine Antwort auf den Satz gibt, der im Untertitel des Buches einfach als Behauptung aufgestellt ist: „Warum die Linken die Arbeiter verachten.“

Das erste Kapitel beschreibt, wie der achtjährige, asthmakranke Christian von seinem betrunkenen Vater geschlagen und gegen die Wand geschleudert wird. Die Szene hat sich Christian Baron eingeprägt, weil er erstmals Gegenwehr verspürte und sich mit einem Holzscheit vor seinen Vater aufbaute. Das scheint den Vater mit den Kräften eines Möbelpackers zumindest so beeindruckt zu haben, dass er von seinen Sohn für dieses Mal abließ.

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Gesundheitswissenschaftlerin: „Tot ist tot, fertig“

foto: kathrin doepner Was sich Sterbende wünschen: Keine Schmerzen zu haben, nicht alleine zu sein und über die letzten Dinge sprechen zu können, sagt Annelie Keil.
foto: kathrin doepner Was sich Sterbende wünschen: Keine Schmerzen zu haben, nicht alleine zu sein und über die letzten Dinge sprechen zu können, sagt Annelie Keil.

Für Annelie Keil gibt es kein gelingendes Sterben. Möglich ist: den Abschied leben zu lernen und sich mit dem Sterben vertraut zu machen

Von Günther Brandstetter | derStandard.at

STANDARD: Die Ratgeberliteratur hat neben dem gelingenden Leben nun auch das gelingende Sterben entdeckt. Was halten Sie davon?

Annelie Keil: Ich glaube nicht, dass es so etwas wie gelingendes Sterben gibt. Diese Ratgeberliteratur ist zum Teil furchtbar. Das wirkt so, als ob die Autorinnen und Autoren schon einmal gestorben wären, dann zurückkommen und ein paar gute Tipps parat hätten. Sicher ist aber: wenn das Leben nicht mit Sinn erfüllt ist, wird es auch schwieriger den Lebenswillen aufrecht zu erhalten.

STANDARD: Der Theologe Hannes Küng hat im Jahr 2014 allerdings die Möglichkeit des glücklichen Sterbens betont.

Keil: Das ist sicher möglich. Aber nicht im Sinne von „erfolgreich“ oder eines Patentrezeptes. Je mehr ich in mir zu Hause bin, mit all meinen Schwächen, Fehlern und Ängsten, desto leichter wird es wohl, auch den letzten Abschied zu meistern.

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Die Ängste der Deutschen: Terroranschläge und Flüchtlinge

Flüchtlinge nachts auf der Innbrücke zwischen Braunau (Österreich) und Simbach (Deutschland), September 2015. Bild: Christian Michelides/CC BY-SA 4.0
Flüchtlinge nachts auf der Innbrücke zwischen Braunau (Österreich) und Simbach (Deutschland), September 2015. Bild: Christian Michelides/CC BY-SA 4.0
In fünf Bundesländern gingen Polizisten am vergangenen Dienstag gleichzeitig gegen mutmaßliche IS-Unterstützer vor, durchsuchten Wohnungen und eine Gemeinschaftsunterkunft. Im Fokus der Ermittlungen: unter anderem 13 Männer und Frauen, die als Asylsuchende nach Deutschland kamen. Auch wenn bei der bundesweiten Razzia niemand verhaftet wurde, scheinen die Meldungen doch einmal mehr zwei weit verbreitete Gewissheiten zu bestätigen: Deutschland ist im Visier des internationalen Terrorismus und das hat auch etwas mit der Aufnahme von hunderttausenden Flüchtlingen zu tun.  

Von Fabian Köhler | TELEPOLIS

„Wir wissen gar nicht, wer im Moment ins Land kommt, und es ist auf Dauer mit der Sicherheit nicht zu vereinbaren“, warnte Bayerns Finanzminister Markus Söder beispielsweise schon im Oktober letzten Jahres. Spätestens mit der Enttarnung des mutmaßlichen IS-Terroristen Jabr Al-Bakr scheinen sich die Befürchtungen zu bestätigen, dass unter hunderttausenden Flüchtlingen auch einige Terroristen nach Deutschland kamen.

Fast drei Viertel der Deutschen fürchten sich vor Terrorismus

Mit jedem einzelnen von ihnen steigt die Angst in der Bevölkerung. In einer repräsentativen Umfrage fragte die R&V-Versicherung im Juli dieses Jahres nach den „Ängsten der Deutschen“. Mit 73 Prozent stand die Angst vor Terrorismus erstmals an der Spitze der empfundenen Bedrohungen und überholte damit zum Beispiel die Sorge vor Naturkatastrophen oder Pflege im Alter.

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AI Won’t Takeover the World, and What Our Fears of the Robopocalypse Reveal

Image: bigthink.com
Image: bigthink.com
Robots taking over has been a favorite sci-fi subgenre for ages. It’s a subject that has caused fear in movies, books, and real life for about as long as there have been computers in the first place. Now that there are things like predictive text and self-driving cars, modern culture seems to be edging closer and closer to real-life intelligent computers that could indeed take over the world if we don’t safe guard ourselves.

By Steven Pinker | big think

There are already debates about the morality of self-driving cars. It’s sure to follow into the world of future organically ‘thinking’ computers.

As Steven Pinker (experimental psychologist, and professor of psychology at Harvard University) points out, Darwinism has ensured that most creatures that possess high intellect are competitive by nature. Humanity is one of these creatures, and some of us can be manipulative and cruel in order to stay ahead of the pack. It’s this part of our nature that sets off warning bells when we think about artificial intelligence because, unbeknownst to us, we’re thinking: what if this robot does what I would do if I were a robot? Overturn those who tell us what to do. Kill the captors. Wreak. Motherf*cking. Havoc.

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Noam Chomsky: „Was für Lebewesen sind wir?“

Der Philosoph und Linguist Noam Chomsky (dpa/picture-alliance/Martin Bialecki)
Der Philosoph und Linguist Noam Chomsky (dpa/picture-alliance/Martin Bialecki)
Noam Chomsky ist einer der bekanntesten linken Intellektuellen der USA. Sein neues Buch stellt die titelgebende Frage: „Was für Lebewesen sind wir?“ Die Antworten sind nicht so klar, wie man vermuten würde. Chomsky liest sich wie eine Mischung aus Sisyphos und Karl Marx.

Von Ingo Arend | Deutschlandradio Kultur

„Fortschritt ist langsam, aber über lange Zeithorizonte hinweg dramatisch“, befand vor ein paar Jahren US-Forscher Noam Chomsky. Der Linguist, politische Aktivist und weltweit vielzitierte Wissenschaftler gilt selbst als lebendes Beispiel für den Siegeszug geistiger Aufklärung.

Umso überraschter ist man, in seinem neuen Buch auf einen Fortschrittsskeptiker zu treffen. Darin beschwört der heute 88-Jährige nämlich die „Geheimnisse, die für die menschliche Intelligenz undurchdringlich sind“.

„Was für Lebewesen sind wir“ ist kein Buch im klassischen Sinn, bündelt der Band doch die vier Vorträge der Dewey-Lectures, die Chomsky 2013 an der New Yorker Columbia-University gehalten hat. Auf den ersten Blick gehören die vier Fragen, die er darin stellt, nicht zwingend zusammen. Doch was naturphilosophische Reflexionen wie „Was ist Sprache?“, „Was können wir verstehen?“, „Die Geheimnisse der Natur“ mit der politischen Frage „Was ist Gemeinwohl?“ verbindet, ist, dass die Antworten darauf immer unklarer werden.

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„Die Radikalen beherrschen die sozialen Medien“

Ahmad Mansour, Bild: wikimedia.org/ CC-SA-BY 3.0/ Ahmad Mansour
Ahmad Mansour, Bild: wikimedia.org/ CC-SA-BY 3.0/ Ahmad Mansour

Politiker hält Ahmad Mansour für ein Teil des Problems. In der Frage der Radikalisierung von Jugendlichen zu Islamisten seien sie überfordert. Der Psychologe fordert einen größeren Augenmerk auf das Thema Prävention.

Von Philip Kuhn, Marcel Leubecher | DIE WELT

Die Welt:

Herr Mansour, Was haben Sie als erstes gedacht, als Sie vom Suizid Dschaber al-Bakrs gehört haben?

Ich war irritiert, das passt einfach nicht zusammen. Jemand, der ein Selbstmordattentat in Deutschland aus islamistischer Ideologie begehen will, bringt sich nicht um, das ist religiös verboten und wird als große Sünde gesehen. Es kann sein, dass in der JVA die Lage falsch eingeschätzt wurde, es kann sein, dass etwas anderes dahintersteckt. Es kann sein, dass der Mann in eine persönliche und psychologische Krise geraten ist.

Sie warnen immer wieder vor der Radikalisierung junger Menschen, die hier aufgewachsen sind. Für die Anschläge und Anschlagsversuche in Würzburg, Ansbach und Chemnitz waren aber Menschen verantwortlich, die erst seit Kurzem im Land sind.

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Breiviks Brief – wie das Dekret eines irren Despoten

Bild: 2083 - A European Declaration of Indepence
Bild: 2083 – A European Declaration of Indepence
In einem Brief aus dem Gefängnis, der auch an die „Welt“ ging, schlägt Massenmörder Breivik dem Staat einen Deal vor. Breivik bietet an, sich bei den Opfern des Massakers zu entschuldigen, wenn Norwegen sechs Forderungen erfüllt. Der Nationalsozialist fordert etwa, dass sich die Rechtsextremisten organisieren und an Wahlen teilnehmen dürfen.

Von Per Hinrichs | DIE WELT

Seine Tat: monströs. Seine Strafe: 18 Jahre Sicherungsverwahrung wegen 77-fachen Mordes. Ab und zu treibt es den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik an, aus seinem Hochsicherheitsgefängnis dem Rest der Welt einen Brief zu schreiben. Jetzt hat er es wieder getan. Sein Brief ist an norwegische Journalisten adressiert und an die „Welt“, und er dokumentiert, dass das Wahnsystem, aus dem heraus er mordete, in der Haft nicht geschrumpft ist – im Gegenteil.

Breivik fordert. Breivik unterbreitet Vorschläge. Breivik bietet an. Er fordert mehr politische Rechte für „Nationalsozialisten“. Er „lädt“ die Medien ein, ihre „extreme Kompromisslosigkeit“ abzulegen, mit der „norwegische Nationalsozialisten“ verfolgt würden.

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So einfach ist es, das menschliche Gedächtnis zu hacken

 Für Julia Shaw ist das Gedächtnis formbar wie ein Klumpen Ton © Tagesspiegel/picture-alliance
Für Julia Shaw ist das Gedächtnis formbar wie ein Klumpen Ton © Tagesspiegel/picture-alliance
Die Kriminalpsychologin Julia Shaw zeigt mit spektakulären Experimenten, wie sich unsere Erinnerung manipulieren lässt. Und das gelingt mit erschreckend einfachen Mitteln.
 

Von Stefan Schmitz | stern.de

Die Täterin ist blond, hübsch und skrupellos. Sie bricht nicht in Wohnungen ein, sondern in Köpfe. „Ich hacke Ihr Gedächtnis“, sagt Julia Shaw, eine Kriminalpsychologin von der Londoner South Bank University. In fremde Hirne schmuggelt sie gefälschte Erinnerungen. Nur drei Sitzungen sind dazu nötig, dann ist im Gedächtnis der Probanden fest verankert, wie sie – zum Beispiel – mit einem Stein auf eine Mitschülerin losgegangen sind. Während des Experiments läuft die Überwachungskamera: Die Familie habe gerade beim Abendessen gesessen, erzählt eine Probandin. Zwei Polizisten klingelten an der Haustür, die Mutter rief, sie solle kommen – so sprudelt es nach der Behandlung aus der vermeintlichen Delinquentin heraus.

Dabei ist alles nur erfunden. „Implantiert“ von Frau Doktor. Wissenschaft, die Gänsehaut auslöst. Shaw beginnt in ihren Experimenten mit Begebenheiten aus der Jugend der Versuchspersonen, die sie etwa bei deren Eltern in Erfahrung gebracht hat. Das sind die Köder, mit denen die 1987 in Köln geborene Forscherin ihre Opfer in fiktive Geschichten lockt. Sie fängt an, Erfundenes hinzuzufügen – und fordert die Menschen, deren Hirne sie knacken will, dazu auf, sich das immer wieder bildlich vorzustellen.

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