Watch Humans Fail at Being Self-Driving Cars

If fully autonomous vehicles ever hit the world’s highways en masse, their developers have a lot of work to do to convince the humans inside the tech is trustworthy.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

Seventy-five percent of Americans say they would be afraid to travel in an autonomous vehicle, and initiatives are starting around the US to help self-driving cars earn the confidence of their would-be passengers. Taking our hands off the wheel won’t be easy.

project by researchers at Moovel Lab attempts to build some of that trust with an experiment: Put people in the car’s perspective. No, not make them into the literal car seat, but show them what the car „sees“ as it navigates—and then give them the gas pedal.

In a video, Joey Lee from Moovel Lab calls the experiment a „trust exercise.“ What it looks like is a couple hours of watching people steer straight into obstacles around them.

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Künstliche Intelligenz: „Wir sind in Gegenwart einer gewaltigen Kreatur“

Die Euphorie der Aufbruchsstimmung zu den neuen Ufern des Internets trifft „Surfen“ viel besser als etwa Graben, Wühlen oder Navigieren. (Foto: Getty Images)
Künstliche Intelligenz verändert Wissenschaft und Technik. Klar. Aber was macht sie mit der Gesellschaft? Ingenieure, Künstler und Wissenschaftler kommen zu einer unausweichlichen Erkenntnis.

Von Adrian Kreye | Süddeutsche.de

Es ist gar nicht so verkehrt, in den „Märchen aus 1001 Nacht“ nach Erkenntnissen über die künstliche Intelligenz zu suchen. Der Schriftsteller Adam Thirlwell und die Literaturwissenschaftlerin Marina Warner, derzeit Präsidentin der Royal Society of Literature, taten das vergangene Woche im großen Saal des Londoner Rathauses. In der mächtigen Spiralkuppel mit Blick auf Themse und Tower Bridge trafen sich ein paar Dutzend Wissenschaftler, Ingenieure, Künstler und Schriftsteller, um nach schlüssigen Bildern für die künstliche Intelligenz zu suchen.

Da saßen die beiden also im architektonisch hochwertig gleißenden Herbstlicht und machten sich öffentlich Gedanken darüber, ob der morgenländische Märchengeist Dschinn, dieser dienstbare Wunscherfüller aus rauchlosem Feuer, nicht das perfekte Sinnbild für jene digitalen Kräfte sei, die derzeit überall entfesselt werden. Nicht nur könnte man das digitale Lodern als zeitgenössisches Bild für das rauchfreie Feuer sehen, es stellt sich auch die Frage nach der Beherrschbarkeit dieses eigentlich aufmüpfigen Flaschengeistes. Wer ihn aus seiner gottgewollten Gefangenschaft befreit, ahnt erst einmal nicht, was Dschinns Zauberkräfte alles anrichten könnten.

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Degowski und die Freiheit

Gefängnis (Public Domain)

Noch ist es nicht ganz so weit, aber in absehbarer Zeit wird einer der bekanntesten Verbrecher Deutschlands, Dieter Degowski, das Gefängnis in Werl verlassen können. Das gefällt nicht jedem, aber es ist richtig.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Wer vor 1980 geboren wurde, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit an Dieter Degowski und seinen damaligen Mittäter, Hans-Jürgen Rösner erinnern. Die beiden hielten im August 1988 nach einem Banküberfall in Gladbeck zwei Tage die Nation in Atem. Im Rahmen ihrer spektakulären und mehr oder live übertragenen Flucht durch Deutschland nahmen sie mehrmals Geiseln und ermordeten den 15-jährigen Emanuele De Giorgi sowie die 18-jährige Silke Bischoff.

Für die jüngeren Leser hier die damaligen Nachrichten der Tagesschau:

In beiden Fällen war Degowski der Schütze. Beide wurden am 22. März 1991 vom Landgericht Essen zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt; bei Rösner wurde darüber hinaus Sicherungsverwahrung angeordnet, da er nach Überzeugung des Gerichts als Hangtäter anzusehen sei, bei Degowski hingegen nicht. Allerdings stellte das Gericht auch bei ihm die besondere Schwere der Schuld fest.

Und so einer kommt jetzt raus? Ich weiß nicht wie oft ich die Frage in den letzten Tagen gehört habe. Und ja, auch „so einer“ kommt unter ganz bestimmten Voraussetzungen irgendwann einmal raus.

2002 lehnte das OLG Hamm eine vorzeitige Entlassung Degowskis im Hinblick auf die besondere Schwere der Schuld ab und legte die Mindestverbüßungsdauer auf 24 Jahre fest. Frühestens 2013 bestand also für Degowski die Möglichkeit entlassen zu werden. Nun hat er – inklusive der U-Haft – gut 29 Jahre Haft hinter sich und die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg hat der JVA die Anweisung gegeben, die Entlassung vorzubereiten. Weihnachten könnte Degowski also draußen sein, sofern die Staatsanwaltschaft gegen eine entsprechende Entscheidung der StVK nicht noch in die Beschwerde geht.

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Homosexualität: Heillose Forschung

Bild: bpb.de
Die Suche nach den epigenetischen Ursachen für Homosexualität stößt auf Kritik

Von Martin Koch | ND

Die Mehrung des Wissens genießt in unserer Kultur höchste Wertschätzung, gilt sozusagen als Wert an sich. Dabei hatte schon der englische Philosoph Francis Bacon darauf verwiesen, dass Wissen immer auch Macht ist. Macht, die dem Wohle von Menschen dienen, aber auch zu ihrer Diskriminierung und Ausgrenzung genutzt werden kann. Wer dies bedenkt, mag verstehen, warum namentlich Homo- und Transsexuelle wenig davon halten, dass Biologen und Mediziner nach den Ursachen ihrer sexuellen Orientierung forschen.

»Die Ursachen haben in der Geschichte der Lesben und Schwulen immer eine große Rolle gespielt«, sagt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). Denn homo- und transsexuelle Menschen mussten sich oft den Vorwurf gefallen lassen, dass ihr Sexualverhalten nicht natürlich sei. »Interessanterweise wurde nie nach den Ursachen von Heterosexualität gefragt.«

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Südpol: War Sabotage schuld an Scotts Tod?

Robert Scott und seine Begleiter auf dem Weg zum Südpol. Sie hätten ihre Expedition möglicherweise überleben können. © University of New South Wales
Egoismus oder absichtliche Sabotage? Robert Scott und seine Begleiter hätten ihre fatale Südpol-Expedition überleben können – wenn Scotts Stellvertreter nicht so unfähig oder sogar böswillig gehandelt hätte. Denn neu aufgespürte Dokumente enthüllen, dass Lieutenant Edward Evans heimlich Rationen aus den Nahrungsdepots stahl und Befehle von Scott nicht weitergab. Dies könnte Scotts tragisches Schicksal besiegelt haben, wie ein australischer Forscher erklärt.

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Die fatale Südpol-Expedition von Robert Falcon Scott und seinen Männern gehört zu den tragischsten Ereignissen der Polarforschung. Behindert durch streikende Motorschlitten und sterbende Ponys verlor die britische Expedition bereits beim Aufstieg zum Polplateau wertvolle Zeit und Ressourcen. Als Scott mit seinen vier Begleitern dann am 16. Januar 1912 den Südpol erreichte, sah er schon von weitem die norwegische Flagge wehen – Roald Amundsen und sein Team waren ihnen zuvorgekommen.

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Didier Eribon und die Kraft der Scham

Es herrscht Klassenkampf, damals wie heute, und wir sollten aufhören, das zu leugnen, findet Didier Eribon. Im Bild: Präsident Macron in einer Fabrik im nordfranzösischen Amiens. (Foto: dpa)
Der französische Bestsellerautor analysiert in seinem neuen Buch, wie die Klassengesellschaft sich mitsamt ihrer Diskriminierungen selbst reproduziert. Doch er zeigt auch einen Ausweg auf.

Von Oliver Nachtwey | Süddeutsche.de

Nur wenige Sachbücher haben in den letzten Jahren eine ähnlich große Resonanz erfahren, erst recht keine, die die Lage der arbeitenden Klassen thematisierten. In den Feuilletons wie in linksradikalen Politgruppen, bei Bürgerlichen ebenso wie Gewerkschaftern war Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ das Buch der Stunde. Nun erscheint „Gesellschaft als Urteil“, das Nachfolgebuch. Es ist eine Art Kommentarband, ein Metabuch, das erneut Elemente soziologischer Reflexion mit autobiografischer und literarischer Erzählung verknüpft. Eribon nimmt zentrale Fäden wieder auf: die Herkunft aus dem französischen Arbeitermilieu und die damit verbundene Scham, seine Homosexualität sowie der Aufstieg in das linksliberale akademische Milieu.

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Warum Frauen großzügiger sind

Frauengehirne belohnen Großzügigkeit, Männergehirne egoistisches Verhalten. © Jake Olimb/ thinkstock
Großzügigkeit wird belohnt: Frauen verhalten sich tendenziell prosozialer als Männer. Warum das so ist, haben Forscher nun herausgefunden. Ihre Experimente zeigen: Weibliche und männliche Gehirne verarbeiten soziales und egoistisches Verhalten völlig unterschiedlich. Während bei Frauen Großzügigkeit eine vergleichsweise starke Reaktion des Belohnungssystems hervorruft, belohnt das Männergehirn offenbar eher egoistisches Verhalten.

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Typisch Mann, typisch Frau: Klischees über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es viele – und in manchen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Dennoch finden Wissenschaftler immer wieder Indizien für geschlechtsspezifische Besonderheiten in Verhalten und Biologie. So scheinen Männer und Frauen beispielsweise unterschiedlich auf Stress und negative Gefühle zu reagieren.

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„Ich bin kein Spaßkiffer. Ich muss das machen, um einigermaßen normal leben zu können“

Cannabispatienten Alexandra Scheiderer ist mit dem Rollator in Pasing unterwegs. (Foto: Florian Peljak)
Für Schmerzpatientin Alexandra Scheiderer ist Cannabis die Rettung. Seit sieben Monaten gibt es das Mittel auf Rezept – doch kaum ein Arzt in München verschreibt es. Warum die Unsicherheit so groß ist.

Von Jasmin Siebert | Süddeutsche.de

„Ich habe alles durch, was man probieren kann. Mir hilft nur noch Cannabis“, sagt Alexandra Scheiderer. Die Liste ihrer Diagnosen ist lang, eine Auswahl: vier Bandscheibenvorfälle, Arthrose an beiden Hüftgelenken und Verdacht auf das Ehlers-Danlos-Syndrom, eine seltene Bindegewebskrankheit. Von 2011 an nahm sie Morphium, es machte sie schläfrig und raubte ihr den Appetit. Ihre Arbeit als Sozialbetreuerin musste sie aufgeben, heute ist die 44-Jährige Frührentnerin und zu 80 Grad schwerbehindert. Eines Tages probierte Scheiderer Cannabisund stellte fest: Ihr Körper wurde ruhiger, die Schmerzen wurden erträglicher. „Es geht mir nicht ums Highsein“, betont sie, im Gegenteil: „Ich will Herr meiner Sinne sein.“

Seit dem 10. März 2017 dürfen Ärzte in Deutschland Cannabis auf Rezept verordnen, zuvor durften nur rund tausend Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung der Bundesopiumstelle legal Cannabis konsumieren. Doch wer sich in München umhört, stellt fest: Sieben Monate nach der Gesetzesänderung herrscht noch immer große Unwissenheit und Unsicherheit bei Patienten, Ärzten und den Kassen, wie mit der neuen Situation umzugehen ist.

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Halluzinierte Selbstheilung

Ausgekocht. Bis zu drei Tage werden die Blätter des Kaffeestrauchs zusammen mit der Rinde der Ayahuasca-Liane zu einem…FOTO: ALAMY STOCK PHOTO/MAURITIUS IMAGES
Eine Liane, ein Sud und die Ängste schwinden? Noch wird erforscht, ob die Droge Ayahuasca mehr hilft als schadet.

Von Florian Schumann | DER TAGESSPIEGEL

Der Schamane hat nach Brandenburg gerufen. All jene, die sich von einem Wochenende auf Droge „Heilung, innere Entwicklung und persönliches Wachstum“ versprechen. Einer nach dem anderen wird mit Isomatte und Schlafsack anreisen. Und einem Eimer. Den werden sie auch brauchen. Der Sud aus südamerikanischen Pflanzen, den ihnen der Schamane einflößen wird, wird ihnen nicht nur Halluzinationen bescheren. Immer wieder werden sie würgend ihren Eimer füllen – eine Nebenwirkung der psychedelischen Droge Ayahuasca. Für den Schamanen hingegen ist es ein wichtiger Bestandteil des uralten Rituals zur „inneren Reinigung“, für die jeder der Pilger bis zu 1000 Euro zahlt.

Heilung durch Drogen? Die Idee klingt abwegig. Aber Forscher sehen in einigen psychedelischen Substanzen durchaus medizinisches Potenzial, um damit etwa Depressionen, Angstzustände oder Alkoholabhängigkeit zu behandeln.

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Sport beugt Depressionen vor

Joggen als Prävention: Schon eine Stunde Bewegung pro Woche senkt das Risiko für Depressionen. © Ocus Focus/ thinkstock
Schützender Effekt: Sport kann nicht nur die Symptome einer Depression lindern – sondern auch verhindern, dass sie überhaupt entsteht. Eine groß angelegte Studie mit norwegischen Probanden zeigt: Bereits ein bis zwei Stunden Bewegung pro Woche reichen offenbar aus, um das Erkrankungsrisiko um mehr als 40 Prozent zu senken. Schon kleine Lebensstiländerungen können demnach Großes bewirken, schreiben die Forscher.

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Depressionen sind ernsthafte Erkrankungen, die behandelt werden müssen – und können. Den wichtigsten Grundpfeiler der Therapie bildet in der Regel eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und psychotherapeutischer Betreuung. Doch daneben gibt es weitere Ansätze, die Patienten zusätzlich helfen können. Als erwiesen gilt etwa, dass körperliche Aktivität manchen Betroffenen das Lächeln zurückgibt – zum Beispiel in Form von Laufen oder Yoga.

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Neuronaler Determinismus

Bild: Ben Brahim Mohammed (Creative Commons)
Logische Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz in der Wissenschaft

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Mit der logischen Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz hat die Idee des Determinismus Einzug in die Wissenschaft gehalten. Der Neurodeterminismus (auch: neuronaler Determinismus) besagt, dass alle mentalen Zustände M (insbesondere Willensentscheidungen!) durch neuronale Zustände N vollständig festgelegt sind.

1. Wissenschaftlicher Determinismus

Die Vorstellung von vollständig vorherbestimmten Prozessen hat in der abendländischen Kultur schon viele Ausprägungen erfahren und die unterschiedlichsten Weltbilder erfasst. Ob die Allmacht Gottes, historische Notwendigkeit (strenger Historizismus) oder Naturgesetze als verantwortlich für das determinierte Weltgeschehen angesehen werden, alle Formen des Determinismus sind durch eine zentrale Idee verbunden, die für sämtliche Ausprägungen charakteristisch ist: Jedes Ereignis ist vorherbestimmt!

Die Auffassung des allgemeinen Determinismus kann in folgender Weise formuliert werden: Jeder Zustand eines Systems ist zu jedem Zeitpunkt durch vorherige Systemzustände vollständig festgelegt. Der gegenwärtige Zustand Z1, der den nächsten Zustand Z2 festlegt, ist also selbst durch den vergangenen Zustand Z0 festgelegt (siehe hier: Problem der Letztbegründung). Diese Auffassung duldet keine Ausnahmen.

Sollte sich ein Ereignis finden, das nicht festgelegt ist, muss die Auffassung von einer deterministischen Entwicklung durch die des sog. Indeterminismus ersetzt werden, da nur der Indeterminismus Entwicklungen kennzeichnet, in denen nicht alle Ereignisse festgelegt sind. Daraus folgt: Der Indeterminismus kann mit einer „nur“ nahezu vollständig festgelegten oder ziemlich stark bestimmten Entwicklung verbunden sein, der Determinismus kann dies nicht.

Mit der logischen Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz hat die Idee des Determinismus Einzug in die Wissenschaft gehalten (wissenschaftlicher Determinismus). Die Auffassung, dass der Determinismus die notwendige Folge der Gültigkeit mathematisch formulierbarer Naturgesetze ist, hatte sich zum ersten Mal im Anschluss an die von Isaac Newton gefundenen physikalischen Gesetze herausgebildet. Dieser physikalische Determinismus, der wir auch als den ersten naturgesetzlichen Determinismus bezeichnen können, liegt in der mathematischen Struktur von Differentialgleichungen begründet, in der diese Gesetze formuliert werden. Differentialgleichungen symbolisieren eine Art deterministisches Ideal; mit mathematischer Strenge wird darin vollkommene Festlegung wissenschaftlich formuliert. Newtons Entdeckungen kamen einer Revolution der Naturbetrachtung gleich. Der außergewöhnliche Erfolg der Theorien und ihre technischen Konsequenzen bestärken die Aussicht, dass die gesamte physikalisch erfahrbare Wirklichkeit mit diesen Naturgesetzen vollständig beschrieben werden kann. Und wäre dies der Fall, das schien nur folgerichtig, ist diese Wirklichkeit vorherbestimmt.

Die Situation änderte sich mit der Entdeckung der Quantentheorie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Diese Änderung hatte einen nicht minder revolutionären Charakter als die Entdeckungen Newtons einige hundert Jahre zuvor. Die Physiker begannen sogar den grundlegend anderen Charakter der neuen Theorie in der Sprache kenntlich zu machen, indem sie sämtliche physikalische Theorien wie die newtonsche Mechanik, Elektrodynamik, Thermodynamik, Optik, einschließlich der gerade erst gefundenen speziellen Relativitätstheorie gemeinsam unter dem Begriff „klassische Physik“ zusammenfassten, um sie dadurch von der Quantenphysik zu unterscheiden. Diese Unterscheidung – Quantenphysik und klassische Physik – hat sich bis heute erhalten. Als Konsequenz der Quantentheorie wurde der physikalische Determinismus durch den physikalischen Indeterminismus abgelöst (siehe u. a. Heisenbergsche UnschärferelationKopenhagener Deutung der Quanten-mechanik). Heutige Physiker gehen nicht mehr davon aus, dass die gesamte Entwicklung aller Ereignisse im Universum bereits feststeht.

2. Die neuronale Determinierung

Einige Entwicklungen können aber sehr wohl feststehen – und zwar jene, für die die indeterministische Quantenphysik keine Rolle spielt. Laut einer landläufigen Auffassung sind Quantenphänomene nur bei kleinen und kalten Systemen relevant, und da das Gehirn groß und warm ist, vertreten die meisten Wissenschaftler einen sog. neuronalen Determinismus. Der neuronale Determinismus ist der Auffassung, dass alle mentalen Vorgänge durch neuronale Vorgänge festgelegt bzw. determiniert sind. Genauer: Alle mentale Zuständen – ob bewusst, vor- und unbewusst – sind vollständig und in allen Einzelheiten durch neuronale Prozesse festgelegt. Diese für unser Selbstverständnis als Menschen folgenschwere These ist seit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert von etlichen Neurobiologen und Hirnforschern formuliert wurden, wenn auch nicht immer unter ausdrücklicher Verwendung des Namens „neuronaler Determinismus“.

Von seinen Vertretern wird der neuronale Determinismus als unausweichliche Folge naturwissenschaftlicher Erkenntnisse angesehen, als logische Konsequenz neurobiologischer Theorien über Struktur und Funktion der Gehirne und Nervensysteme. Formulierungen wie „mentale Vorgänge beruhen auf neuronalen Prozessen“ oder „mentale Vorgänge gehen aus neuronalen Vorgängen hervor“ oder auch „Gehirnfunktionen liegen mentalen Vorgängen zugrunde“, präzisieren die angenommenen Verknüpfungsverhältnisse freilich noch nicht. Gleichwohl versuchen die Autoren darin schon mehr oder weniger direkt, die vom neuronalen Determinismus angenommene zeitliche und ursächliche Aufeinanderfolge der angenommenen Gehirn-Gehirn-Verbindung auszudrücken: Zuerst findet ein Gehirnvorgang statt, der und nur der einen vollständig festgelegten mentalen Zustand hervorruft. Diese Auffassung soll durch empirische Untersuchungen bestärkt werden.

Mithilfe eines Gedankenexperiments kann das Modell des neuronalen Determinismus veranschaulicht werden: Nehmen wir an, eine Person sitzt allein in einem Raum und spricht nicht. Während einer Minute wird mit den modernsten Apparaturen die Gehirnaktivität der Person gemessen und registriert. Was die Person in dieser Minute fühlt, erinnert, denkt, erlebt – alles, was ihr in dieser Zeit einfällt und durch den Kopf geht, nennen wir die Inhaltes ihres Bewusstseins oder auch mentale Zustände. Es gibt zwei grundlegende Zugänge zu mentalen Zuständen, erstens die subjektiv-qualitative Erlebnisperspektive und zweitens die objektiv-quantifizierbare Perspektive der Wissenschaften. Dem einminütigen Strom des Bewusstseins steht damit ein einminütiger Strom registrierter Gehirnaktivitäten gegenüber. Jetzt zerschneiden wir gedanklich das einminütige bewusste Erleben in Zeitscheiben von jeweils einer Millisekunde Länge und erhalten dadurch sechzigtausend „mentale Zeitscheiben“: M1, M2, …, M60000. Innerhalb jeder Zeitscheibe sind nun die gesamten Inhalte des Bewusstseins dieser Person enthalten, die ihr in dieser Millisekunde „durch den Kopf gegangen“ sind.

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Wachkoma-Patient in anderen Bewusstseinszustand gebracht

Das Modell eines menschlichen Gehirns: Im Gehirn des Patienten reizten die Wissenschaftler den Vagus-Nerv in der Hoffnung, dadurch verschiedene Hirnbereiche zu aktivieren. (Foto: Armin Weigel/dpa)
Neurowissenschaftler haben es geschafft, einen Wachkoma-Patienten in einen anderen Bewusstseinszustand zu bringen. Als er seine Lieblingsmusik hörte, begann er zu weinen.

Von Astrid Viciano | Süddeutsche.de

Niemand hatte mehr damit gerechnet, 15 Jahre nach jenem Autounfall, der den Patienten aus dem Leben geschleudert hatte. Bei dem sein Gehirn mit aller Wucht gegen die Schädelknochen gestoßen war, die Schädelbasis zerbarst. 15 Jahre, nachdem die Neurologen ihm auf der gängigen Skala für Bewusstseinsstörungen leidige fünf Punkte gegeben hatten, nur knapp über dem schlechtesten Wert. Der Mann reagierte nicht auf Ansprache. Er gab nur unverständliche Laute von sich. Er reagierte, wenn überhaupt, nur noch auf Schmerzreize. Der Patient lag im Wachkoma; von einer Besserung war heute, nach all den Jahren, nicht mehr auszugehen. Und doch: Der 35-Jährige schaffte es jetzt, Kontakt mit seiner Umwelt aufzunehmen.

Dabei halfen Neurowissenschaftler allerdings kräftig nach. Sie nämlich prüften ein neues Verfahren an dem Patienten, so berichtet es ein französisches Forscherteam um Angela Sirigu vom CNRS in Bron im Fachblatt Current Biology. Ihr ehrgeiziges Vorhaben: Menschen, die seit Jahren im Wachkoma liegen, in einen anderen Bewusstseinszustand zu bringen. In einen Zustand, der ihnen erlaubt, mit ihrer Umgebung zu kommunizieren. ´

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Multitasking: Tauben schlagen Menschen

Tauben sind schlauer als man ihnen zutraut. © Leo za1/ CC-by-sa 3.0
Verblüffende Fähigkeit: Tauben können genauso schnell wie Menschen zwischen zwei Aufgaben hin und her wechseln. Und in manchen Situationen sind sie sogar schneller als wir, wie ein Experiment belegt. Die Ursache für die leichten Vorteile in Sachen Multitasking könnte die hohe Neuronendichte im Gehirn der Tauben sein. Denn ihr Denkorgan ist zwar winzig – es besitzt pro Kubikmillimeter aber sechsmal mehr Nervenzellen als das menschliche Gehirn.

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Tauben gelten landläufig nicht unbedingt als Ausbund der Intelligenz. Aber das täuscht. Obwohl das Gehirn dieser Vögel nur so klein ist wie die Spitze unseres Zeigefingers, leisten sie damit Erstaunliches, wie Studien belegen: Tauben können zählen, abstrakte Zahlen- sowie orthografische Regeln verstehen und sogar lernen, auf Gewebeschnitten Krebs von gutartigen Geschwulsten zu unterscheiden.

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Was verrät unser Gesicht über unsere Sexualität?

Die Gesichtsform kann etwas über unser Verhalten und sogar unseren Sexualtrieb verraten. © vchal/ thinkstock
Die Gesichtsform verrät es: Männer und Frauen mit breiteren Gesichtszügen besitzen häufig eine stärkere Libido – zumindest legt dies eine Studie jetzt nahe. In dieser fanden Forscher einen Zusammenhang zwischen der Gesichtsform und dem Sexualtrieb ihrer Probanden. Bei Männern könnte ein breiteres Gesicht zudem auf eine Neigung zur Untreue hindeuten. Der Hintergrund dafür: Sowohl die Gesichtsform als auch das Sexualverhalten werden durch das Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst.

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Das Gesicht eines Menschen spiegelt auch seine Persönlichkeit wider – so glauben wir jedenfalls, Instinktiv halten wir beispielsweise Männer mit breiten, eher maskulinen Gesichtszügen für eher egoistisch und sogar potenziell untreu. Politikerinnen profitieren dagegen davon, wenn sie eher feminine Züge besitzen. Dieser Face-ism geht soweit, dass er sogar Wahlentscheidungen und sogar Gerichtsurteile beeinflussen kann.

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Exorzismen: Hier geht’s mit dem Teufel zu

Marcus Wegner ist Journalist und war bereits bei mehr als 100 Teufelsaustreibungen mit dabei. Bei allen war er eingeladen. Foto: Elke Böcker
In der Vortragsreihe bei Audi berichtete der Journalist Marcus Wegner von Exorzismen. Die sind alles andere als ein Relikt aus dem düsteren Mittelalter.

Von Elke Böcker | Augsburger Allgemeine

Marcus Wegner beschäftigt sich seit 15 Jahren mit dem Thema „Exorzismus“. Der Journalist berichtete in der Reihe Auditoirum bei Audi mit beeindruckender Sachlichkeit von der weltweit in vielen Religionen, Sekten und religiösen Gruppierungen verankerten Behandlung sogenannter Besessener. Im Anschluss gab es bei der von Anna Niemann (Audi Kommunikation) moderierten Gesprächsrunde für die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen an Marcus Wegner zu stellen.

Wegner konnte als Journalist und geladener Beobachter bislang an mehr als 100 sogenannten Teufelsaustreibungen teilnehmen. Die Informationen und Zahlen, die er recherchiert hatte, ließen dann so manchem aus dem Publikum den Atem stocken. So werden die meisten und auch die brutalsten Exorzismen innerhalb verschiedener evangelischer Freikirchen durchgeführt, erklärte Wegner. Er berichtete von einem Exorzismus an einem dreijährigen Kind: Es war ungehorsam und hatte genascht, obwohl es verboten war. In der Esoterikszene müsse man von drei bis vier Fällen pro Tag in Deutschland ausgehen. Diese Teufelsaustreibungen würden unter anderem von sogenannten Geistheilern durchgeführt – und kosten natürlich auch Geld. Mehrere tausend Euro seien nicht unüblich.

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Die verflixte Macht der Geschlechterrollen

legt haben Puppen fürs Mädchen, Technik für den Jungen: Die Geschlechterrollen sind bei vielen Kindern schon sehr früh klar verteilt. (Foto: imago/photothek)
  • Eine internationale Studie hat erneut bestätigt, dass Kinder schon früh in ihre Geschlechterrollen gepresst werden.
  • In 15 Ländern haben Forscher der Johns Hopkins Universität 450 Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren und deren Eltern zu ihren Geschlechtervorstellungen befragt.
  • In armen wie in reichen, in konservativen wie liberalen Ländern waren die Vorstellungen sehr ähnlich darüber, wie Mädchen in ihre Rolle als Frau hineinwachsen sollen, ebenso wie Jungen in die des Mannes.

Von Astrid Viciano | Süddeutsche.de

Ach, wie schön das Kleid der Barbie glitzert! Das goldblonde Haar der Puppe ist samtweich, verträumt streicht die brave Sechsjährige darüber, als der kleine Bruder ins Kinderzimmer stürmt. Er schnappt sich die Barbie und wirft sie – krawumm – gegen die Wand. Ein Rabauke halt, was soll man machen, beschwichtigen die Eltern lächelnd, so seien Jungs nun einmal.

Wem bei solchen Erklärungen übel wird, der sollte jetzt besser nicht weiterlesen. Denn eine internationale Studie hat nun erneut bestätigt, dass Kinder schon früh in ihre Geschlechterrollen gepresst werden. Weltweit. In verschiedenen Regionen und Gesellschaften. In insgesamt 15 Ländern haben Forscher der Johns Hopkins Universität 450 Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren und deren Eltern zu ihren Geschlechtervorstellungen  befragt.

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U. Kutschera: Pseudowissenschaft bei Spektrum.de?

In den 1990er Jahren war das populäre US-Journal Scientific American eine zentrale Info-Quelle für populäre Darstellungen größerer biowissenschaftlicher Zusammenhänge.

Von Ulrich Kutschera | Richard-Dawkins-Foundation

So gibt es aus dieser Zeit noch heute lesenswerte Beiträge zur Abstammung des Menschen, der Evolution der Landwirbeltiere oder dem Sozialverhalten von Ameisen. Nach der Etablierung von Spektrum der Wissenschaft im Januar 1993, einem deutschen Ableger des anerkannten US-Magazins, konnte man sich ebenso sachkundig und kompetent Jahrzehnte lang informieren. Diese Ära geht leider mit der Vereinnahmung von Spektrum d. W. durch Moneyistische Gender-Ideologen (m/w) zu Ende.

Ich erinnere mich noch an ein Editorial, erschienen Anfang 2016, in welchem sich die Herausgeber gewundert hatten, dass bei einigen Ingenieur-Studiengängen der Männeranteil bei über 90 % und jener der Damenwelt unter 10 % liegt. Das kann und darf doch nicht sein, irgendetwas ist hier in der Erziehung falsch gelaufen, war der verärgerte Tenor aus dem Herausgeber-Stab. Ich hatte damals höflich darauf hingewiesen, dass es empirische Studien gibt, die belegen, dass dieser Gender-Gap im Wesentlichen biologisch ist. Auf diesen gut gemeinten Ratschlag erfolgte keine verwertbare Antwort. Als dann der respektable Autor und Wissenschaftsjournalist H. Rehm mein Fachbuch Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen (Berlin, 2016), nach heftigen Widerständen seitens der Redaktion bei Spektrum d. W. besprechen durfte (Rezension „Gefährliche Ideologie“ vom 24.06.2016), hätte man vermuten können, dass ein Umdenken in Richtung Vernunft, d. h. biologischem Sachverstand, eintreten würde. Leider war das jedoch nicht der Fall.

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Bier macht tatsächlich glücklich

Versteckter Glücklichmacher: Passend zum Oktoberfest haben Forscher eine bisher unbekannte Seite des Bieres aufgedeckt: In ihm steckt – neben dem Alkohol – ein Inhaltsstoff, der im Gehirn ähnlich wirkt wie das Glückshormon Dopamin. Das sogenannte Hordenin dockt an die gleichen Rezeptoren im Belohnungssystem an und könnte daher beim Biertrinken ein zusätzliches Wohlgefühl auslösen.

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Ob SchokoladeChips oder Pizza: Es gibt Lebensmittel, die machen glücklich – und ein wenig süchtig. Denn vor lauter Genuss fällt das Aufhören schwer und man isst weiter, obwohl man eigentlich schon satt ist. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache hedonische Nahrungsaufnahme genannt. Das gute Gefühl wird durch den Neurotransmitter Dopamin ausgelöst: Verlockende Lebensmittel aktivieren das Belohnungszentrum, in denen der Dopamin-D2-Rezeptor zu finden ist.

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Warum „glauben“ Sie den Fakten nicht?

Foto: APA/AFP/RYAN MCBRIDE Die Wissenschaft steht vor einem Problem: Faktenresistenz
Menschen klammern sich an Behauptungen, die bewiesenermaßen unwahr sind. Doch warum? Forscher haben herausgefunden, wann Menschen besonders empfänglich dafür sind, an „alternative Fakten“ zu glauben.

Von Jürgen Klatzer | kurier.at

Es gibt Dinge, über die sich hervorragend streiten lässt. Zum Beispiel der Musikgeschmack des Nachbarn oder die Kindererziehung des befreundeten Paares. Was für den einen gut und richtig ist, kann für den anderen schlecht und falsch sein. Deshalb ziehen sich die Diskussionen mit Nachbarn und Freunden in die Länge.

Dann gibt es aber Themen, die schnell geklärt sind. Beispielsweise der von Menschen gemachte Klimawandel, Darwins Evolutionstheorie oder dass Aids durch den HIV-Virus ausgelöst wird. Trotzdem zweifeln Menschen an Fakten, und schenken Informationen Glauben, die bewiesenermaßen unwahr sind. So halten sie Impfungen für ein gefährliches Gift, die biblische Schöpfungsgeschichte für einleuchtend und die Erderwärmung für ein „Konzept der Chinesen, um die amerikanische Wirtschaft zu schwächen“ (Donald Trump).

Wieso ignorieren wir Fakten?

Doch wieso negieren Menschen Fakten? Sind sie schlecht informiert? Nein, sagt der deutsche Psychologe Tobias Rothmund. „Wir tendieren aber dazu, Fakten vor dem Hintergrund unserer persönlichen Einstellungen und Motivationen zu bewerten.“

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Islamwissenschaftler: Nicht die Religion macht den Terror

Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Musikclub Bataclan am Place de la République in Paris. Foto: dpa
Es besteht keine direkte Verbindung zwischen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Revolten und dem Übergang zum islamisch auftretenden Terrorismus. Das sagt der französische Politikwissenschaftler Olivier Roy in seinem jüngsten Buch. Er hat das zuvor bereits vielfach kundgetan.

Von Dirk Pilz | Berliner Zeitung

Jetzt aber fügt er in diesem Band, der im Titel das Osama bin Laden zugeschriebene Zitat „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“ führt, hinzu: die Genialität des IS bestehe darin, dass er den jungen Freiwilligen ein Narrativ zur Verfügung stelle, innerhalb dessen sie sich verwirklichen könnten. Das ist eine starke These mit weitreichenden Folgen.

Denn Roy macht weder eine angeblich gescheiterte Integrationspolitik noch den Salafismus, schon gar nicht die Religion des Islam für den Terror verantwortlich. Er entlässt beide zwar nicht aus der Schuld, aber er meidet die Verlockungen einfacher Kausalzusammenhänge, wie sie etwa der Sozialwissenschaftler Gilles Kepel bedient, mit dem sich Roy seit Jahren leidenschaftlich streitet, auch in diesem Buch.

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