Archiv der Kategorie: Psychologie

Gottesgläubige sind risikobereiter

Bild: blog.gasprofi24.de

Wer gläubig ist, wagt schon mehr, wenn er nur das Wort “Gott” liest. Doch das gilt nur für moralisch einwandfreie Aufgaben.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Wenn es um Glücksspiel oder Alkoholkonsum geht, verhalten sich sehr gläubige Menschen deutlich vernünftiger als der Durchschnitt der Bevölkerung und meiden diese Risikofaktoren häufiger. Doch das bedeutet nicht, dass Gläubige in allen Lebenslagen vernünftiger sind als eher atheistisch veranlagte Personen – vielfach ist sogar das Gegenteil der Fall, wie eine Studie von Daniella Kupor von der Stanford University Graduate School of Business und ihren Kollegen in “Psychological Science” aktuell zeigt. Denn Vernunft lassen religiöse Menschen vor allem walten, wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die in ihren Augen unmoralisch sind wie etwa im Übermaß trinken oder Pokern. Kupor und Co untersuchten daher Aktivitäten, die nicht derart vorverurteilt sind wie Fallschirmspringen oder die Farbauswahl von Kleidung.

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„Gottlose Gemeinschaft“ mit kirchlichen Riten

HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB

HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB

Zwei Atheisten haben vor zwei Jahren in London die Sunday Assembly – eine „gottlose Gemeinschaft“, deren Versammlungen stark an kirchliche Riten erinnern, gegründet. Das Konzept ging auf, die Anhängerschaft wächst.


Von Clara Akinyosoye|religion.ORF.at

„Wenn ich in meinen Schuhen einen Stein finde, schmeiß ich nicht die Schuhe weg, sondern den Stein“, sagte der Komiker Sanderson Jones, der gemeinsam mit seiner Kollegin Pippa Evans die Sunday Assembly gründete, im Oktober 2013 der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“. In dieser Metapher stellt Gott den Stein dar und die Schuhe symbolisieren die Kirche – besser gesagt all das Positive, was Jones aus seiner Sozialisation heraus mit Kirche verbindet: das Singen, die Geschichten und die Gemeinschaft. Die logische Konsequenz für den Atheisten: „Gott flog bei unserer Assembly einfach raus.“

Franchise-Gemeinden

Eine – wie sie sich selbst nennen – „gottlose Gemeinschaft, die das Leben feiert“ war geboren. Ihr Motto: „live better, help often, wonder more“ (zu Deutsch: lebe besser, hilf öfter, staune mehr) prangt jetzt in großen Lettern auf Französisch, Englisch, Ungarisch oder Deutsch auf zahlreichen Ableger-Websites. Das Konzept der Sunday Assembly hat Schule gemacht. Und das war auch Sinn der Sache. Die Sunday Assembly funktioniert fast wie ein Franchise-Unternehmen, sie folgt einem genauen Protokoll. Wer in seinem Ort eine neue Assembly starten möchte, muss den Guideslines, den Werten, der Charta entsprechend handeln – das geht von der Aufmachung der Website bis hin zur der Auflage, dass ein Musiker im Organisationsteam sein muss.

Pop statt Choräle

Es gibt eine Lesung, Musiker treten auf, es wird gemeinsam gesungen – keine Kirchenlieder, dafür Stücke von Soul-, Pop-und Rockgrößen wie Stevie Wonder und Queen. Danach gibt es Speis und Trank – die Menschen sollen sich vernetzen, eine Gemeinde bilden können – So läuft eine typische Sunday Assembly ab. Die Drehbuchautorin Sue Schwerin von Krosigk brachte die atheistische Sonntagsversammlung nach Berlin. Mittlerweile findet sie etwa einmal im Monat statt, mit 100 Besuchern kann gerechnet werden.

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Durch die rosarote Datenbrille

Bas Kast wagt in seinem neuen Buch eine leichtfüßige Annäherung an die Kreativitätsforschung


Von Tanja Traxler|derStandard.at

Im sogenannten Virtual-Reality-Labor der Universität Nimwegen nahm alles seinen Anfang. Der Autor Bas Kast nimmt an einem Versuch teil, in dem er durch eine Datenbrille in eine völlig neue Welt katapultiert wird.

Wie diese Virtual Reality beschaffen ist, soll hier nicht weiter interessieren, Kast hat sie jedenfalls sehr gut gefallen und sogar zu einem “Klick” verholfen, und er beschloss, die nächsten Monate der Erforschung eben jener Klick-Momente zu widmen. Sein nun erschienenes Buch “Und plötzlich macht es klick!” liest sich wie ein Reiseführer durch die Kreativitätsforschung.

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The Cosmic Tug of Love

Image: hplusmagazine.com

Massive objects bend spacetime. The ISS falls around the edge of earth’s gravity well, held close to the terrestrial bosom. With enough delta-v, it could quit that tender aureole for the infinite, star-studded void.


By D.J. MacLennan|h+ Magazine

A loving gravitational embrace? In another sense, it’s a hateful thing – to be dragged back with such violence whenever we try to escape this grasping, spinning ball of rock. Thus far, chemical rockets are our only means of achieving the escape velocity of 40,000 km/h needed to leave home. The determination and resources required for such a small step into the darkness are astonishing. Someday, it’ll be easy. We’ll ascend to orbit on a gossamer leash – a space elevator, a baby harness strung taught by angular momentum.

It’s odd, I know, to anthropomorphize these astrodynamical relationships. But I’ve been wondering about love and its universal significance, and I don’t know whether we’re drastically under- or overestimating its cogency.

Love exerts such a profound force upon us – on our interactions, on our aspirations, on our enterprises, and ultimately on the fabric of our world. And when we come to push out from this place – into our solar system then on into interstellar space – the profound force of our loves (and hatreds) will push out with us. Will it be a responsible course of action to allow that to happen?

Love is… at root, biology. A host of endocrine-system-regulated hormones relay chemical messages around the body and brain. Complex loops of physiological feedback between endocrine, nervous, and reproductive systems regulate our sexual responses and maintain homeostasis via hormone-producing glands such as the pituitary and thyroid. We feel the effects of ‘love’ throughout our bodies; even with the reproductive system completely excised our hormones would continue their thrilling course. And we feel it in our brains, in our minds. Modulated by hormones such as oxytocin, neurotransmitting chemicals at synapses lead to inhibition or firing of networks of neurons (baby, you flood my synaptic clefts like no other). Firing or inhibition consolidates or weakens these networks – thus do we fall in, or out of, love.

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A Neuroscientist Explains Why We Look At Porn

Photo: ​Charlotte Cunningham

David J. Linden, Ph.D. is a Professor of Neuroscience at The Johns Hopkins University School of Medicine and the author of Touch: The Science of Hand, Heart and Mind.

By David J. Linden|MOTHERBOARD

After a long struggle involving many different medical procedures my children were conceived by in vitro fertilization. My wife bore nearly the entire indignity of this process with countless injections, tests and surgery. My own minor contribution consisted of masturbating in the decidedly unsexy environs of the doctor’s office.

I was handed a plastic cup by a scowling nurse and directed to the designated room. It had amateurish seascapes on the walls, furniture fitted with thick plastic slipcovers and a stack of dirty magazines—Penthouse, Hustler and the like. This was 1996, before the full-on internet porn era, and those who preferred a special flavor were out of luck. It was a struggle to get in the mood but, in truth, it helped to have the magazine. In time, I dutifully pulled my pud to Penthouse and handed over my small, warm cup with a sheepish smile.

While survey numbers are almost certainly underestimates,  ​a recent poll revealed that 66 percent of all men and 41 percent of American women view pornography at least once a month. One analysis of data packets flowing through Internet servers indicated that about half of all web traffic is porn; some call that myth, insisting the number is much smaller, ​more realistically like 4%. The actual numbers remain clouded in the obscurity of the internet’s data traffic as much as in cultural taboo, but there’s little questioning the popularity of porn.

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Beichte: Das ungeliebte Sakrament

geschlossener Beichtstuhl in der Mannheimer Jesuitenkirche. Bild: wikimedia.org/PD

Für Katholiken ist die Beichte eines der sieben Sakramente. Doch immer mehr Gläubige in Deutschland finden diese Praxis nicht mehr zeitgemäß. In Polen dagegen beichtet noch jeder Fünfte regelmäßig.


Von Marta Kupiec|Deutschlandradio Kultur

Vitus Seibel ist Jesuit. Zu Beginn seiner priesterlichen Laufbahn verbrachte er zwei Stunden täglich im Beichtstuhl der St. Michael-Kirche in München. Heute findet die Beichte einmal die Woche statt, Beichtstühle werden in manchen Kirchen als Abstellkammer zweckentfremdet, die Zahl der Beichtwilligen sinkt – sagt der 70-Jährige.

“Das hängt sicherlich mit der allgemeinen Säkularisierung zusammen und damit, dass ein Sünden-Bewusstsein sich geändert hat und vieles nicht mehr als Sünde angesehen wird, oder dass es viele Möglichkeiten der Sündenvergebung gibt, indem ich etwas bereue in der Heiligen Messe. Aber der allgemeine Trend ist: es geht ganz gut auch ohne die Beichte.”

Und damit meint der Jesuit in erster Linie das allgemeine Schuldbekenntnis zu Beginn der Messliturgie – für viele ein angst- und scheufreier Ersatz für das persönliche Gespräch mit einem Priester, der stellvertretend für Gott die Sünden vergeben kann. Der Berliner Franziskaner, Clemens Wagner, sieht noch eine weitere Tendenz.

“Ich erlebe, dass mir viele sagen: ‘Das mache ich mit meinem Gott aus.’ Ich antworte dann immer: ‘Wenn Ihnen Gott antwortet, dann haben Sie Glück, weil er mir so bis jetzt so noch nicht geantwortet, wie wenn ich im Beichtgespräch bin.'”

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The Dark Age of Virtual Reality-Based Torture Is Approaching Fast

Image: ​SoundSelf

Imagine you’re in a small room. The walls are covered in geometric patterns that literally hurt to look at. In the corner are a polygonal bed and bench canted at angles that make them impossible to sit on. The floor is cluttered with a gridwork of bricks rendering it impossible to walk any direction but forward.


By Doug Bierend|MOTHERBOARD

It sounds like a computer model of the exact opposite of Fung Shui, but it’s quite real. Built by anarchists fighting in the Spanish Civil War, the so-called psychotechnic torture cell used turn-of-the-century perceptual concepts in abstract art to maximize sensory disruption, subverting prisoners’ senses to drive them mad.

It’s a bizarre example of the kind of mind-fuckery that’s possible when someone has the means of shaping your reality—something modern technology now allows us to do like never before.

Virtual reality is being trumpeted as a platform for everything from pornography to video games to treating PTSD. But given how powerful VR is becoming, and how widely used it’s evidently going to become, one logical misuse is especially disturbing: torture.

To be clear, there’s no evidence of VR being used to press people for information the way sound, rectal feeding, and other horrors were ​applied by the CIA in its secret prisons. But where the imagination goes, reality has often followed. And when it comes to torture, a simulation can be just as impactful as the real thing. “In mental health, perceptions are reality,” says Dr. Asher Aladjem of Bellevue’s Program for Survivors of Torture, “so if you think you are being tortured, you are being tortured.”

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How The “Nocebo Effect” Can Trick Us Into Actually Dying

Image: Instagram/TomVarco

The “nocebo effect” is like the placebo effect, except in reverse. Whereas placebos trick people into feeling better, “nocebos” are things that make people feel worse, even though they don’t really exist. They can even kill people! Here’s how we can trick ourselves into dying, and how doctors may have found a cure.


By Esther Inglis-Arkell|io9

Let’s begin with a story. A young man who had been in treatment for depression for some time hit a low point after his girlfriend left him. He took an entire bottle of his medication. As soon as he finished the bottle, he realized he’d made a mistake. At the hospital, grievously ill, he lingered near death. He couldn’t breathe. His blood pressure was dangerously low. After making inquiries, the doctors found out that he had been in a study for a new antidepressant. That might explain why none of the tests they ran on him was able to indicate what drug was poisoning him. They contacted the doctors coordinating the study.

The man had been given placebos. The placebos had worked, improving his mood and making him sure that he’d been given the active medication. When he overdosed on the sugar pills, the placebo effect he’d been experiencing transitioned into the “nocebo effect.” Convinced he was dying, he actually began to die. Once he was told he was in no danger, he recovered.

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Psychologie und Talismane: Aberglaube steigt unter Leistungsdruck

Bild: svz.de

Bild: svz.de

Wann Menschen Aberglauben zeigen, hängt von den Umständen ab: Wollen Probanden ein Ziel erreichen, um Anerkennung zu bekommen, sind Talismane beliebt. Ist die innere Motivation wichtiger, kommen sie ohne Glücksbringer aus.


Von Marlene Weiß|Süddeutsche.de

Wann Menschen auf Glücksbringer vertrauen, um ein Ziel zu erreichen, hängt von den Umständen ab: Geht es darum, Anerkennung von anderen zu bekommen, ist Aberglaube verbreitet; ist das Ziel nur ihnen persönlich wichtig, verzichten sie auf Talismane.

Das berichten Eric Hamerman von der Tulane University und Carey Morewedge von der Boston University im Fachblatt Personality and Social Psychology Bulletin.

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Cicada 3301: Geht die mysteriöse Internet-Schnitzeljagd jetzt weiter?

Plakate mit einem QR-Code sind ein Teil der Cicada-3301-Schnitzeljagd. Dieses hier tauchte in Warschau auf. Wer es aufhängte, ist nicht bekannt. Bild: wikimedia

Plakate mit einem QR-Code sind ein Teil der Cicada-3301-Schnitzeljagd. Dieses hier tauchte in Warschau auf. Wer es aufhängte, ist nicht bekannt.
Bild: wikimedia

Die Spannung ist groß: Am 5. Januar müsste die Internet-Schnitzeljagd Cicada 3301 in die vierte Runde gehen. Noch immer ist vollkommen unklar, wer hinter dem seltsamen Ratespektakel steckt.


Von Klaus Schmeh|FOCUS ONLINE

Es begann am 4. Januar 2012. Eine unbekannte Person veröffentlichte im Internet-Forum 4Chan eine Grafik, in der ein Text versteckt war. Diese Botschaft führte zu einem weiteren Rätsel, das selbst wiederum zum nächsten weiterleitete. Damit begann eine Schnitzeljagd quer durch das Internet und die reale Welt – über Web-Seiten, Telefonansagen und Plakate. Die Rätsel stammten aus der Verschlüsselungstechnik, aus der Steganografie und aus verwandten Gebieten. Als Strippenzieher hinter dem Ratespiel wirkte eine Organisation, die sich Cicada 3301 nannte. Wer sich dahinter verbirgt ist unklar.
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Computer und Gehirn: Der Mythos von der digitalen Demenz

Bild: BB

Bild: BB

Muss ich mir nicht merken, finde ich online! Macht uns das Internet immer dümmer? Eine Studie zeigt, dass unser Gehirn keinesfalls verkümmert, wenn es Wissen digital auslagert. Ganz im Gegenteil.


Von Nora Schultz|SpON

Für viele Fragen, die uns im Alltag begegnen, bemühen wir schon lange keine grauen Zellen mehr. Der Griff zu Smartphone, Tablet oder Laptop genügt, um Kontakte, Wegbeschreibungen, Schriftwechsel und das geballte Wikipedia-Wissen abzurufen. Solcher Komfort hat seinen Preis. Umgeben von allwissenden digitalen Helfern lernen wir, immer weniger selbst zu lernen.

Entscheidend scheint dabei der Glaube an die Zuverlässigkeit externer Speicher zu sein. Das zeigte Betsy Sparrow von der Universität Harvard schon 2011 in ihrer ursprünglichen Beschreibung dieses “Google-Effekts”. Vertraut das Gehirn demnach auf die sichere Ablage von Daten auf Festplatten und in der Cloud, vergisst es die Informationen ganz schnell wieder.

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Das Konzept des “neuen Humanismus”

foto: standard/cremer Karoline Feyertag: "Es gibt eine große Unfähigkeit von liberalen Gesellschaften, Positionen zu rechtfertigen."

foto: standard/cremer
Karoline Feyertag: “Es gibt eine große Unfähigkeit von liberalen Gesellschaften, Positionen zu rechtfertigen.”

Die Philosophin Karoline Feyertag über den Umgang mit Frauen in der Philosophiegeschichte und das Konzept des “neuen Humanismus”


Interview Beate Hausbichler|derStandard.at

STANDARD: Sie beschäftigen sich mit der französischen Philosophin Sarah Kofman, die heuer 80 Jahre geworden wäre. 1994 nahm sie sich das Leben. Zumindest in Österreich ist sie nicht sehr bekannt. Ein Philosophinnen-Schicksal?

Karoline Feyertag: Kofman ist auch in Frankreich unbekannt. Man findet ihre Bücher in den Buchhandlungen nur aufgeteilt in die verschiedenen Genres: Literatur- oder Kunsttheorie, Philosophie oder Psychoanalyse. Überall, wozu sie thematisch gearbeitet hat. Ihr guter Freund Jacques Derrida hat meistens eine eigene Abteilung. Wie auch bei vielen anderen Philosophinnen wird auch Sarah Kofman noch immer als Schülerin bezeichnet, als Schülerin des berühmten Derrida. Dabei war es absolut kein Schülerin-Lehrer-Verhältnis, sondern eine Freundschaft, die sich erst entwickelte, als Kofman schon Bücher publizierte und ihren Begriff der Dekonstruktion erarbeitet hatte.

STANDARD: Hat sie die Geschlechterverhältnisse in der Philosophie je thematisiert?

Feyertag: Ihr Verhältnis zu feministischen Fragen war immer ambivalent. Sie hat auch selbst den Ausschluss von Frauen in der Philosophie fortgeführt, indem sie nur Männer gelesen und rezipiert hat. Gerade aber Freud, Kant und Rousseau hat sie als eine der Ersten feministisch interpretiert. Von sich selbst hat sie zwar immer als “Philosoph” gesprochen, in dem Sinne, dass es eigentlich unerheblich sein sollte, welches Geschlecht Philosophie betreibt. Daher war es schwierig für mich, meine Biografie über Kofman als Sichtbarmachung von Frauen in der Philosophiegeschichte zu deklarieren. Andererseits ist es auch notwendig, weil nach wie vor von Frauen in der Philosophie kaum die Rede ist.

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Stirbt Weihnachten aus?

Christian Stegbauer interessiert sich schon seit langem für „Weihnachtssoziologie“.Foto: peter-juelich.com

Christian Stegbauer, Professor für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt, spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über Rituale, Rollenbilder und Geschenke.


Von Hannah Weiner|Frankfurter Rundschau

Herr Stegbauer, junge Menschen finden immer weniger Gefallen am Fest der Liebe. Stirbt Weihnachten aus?
Nein, das nicht. Aber wenn man Jugendliche und junge Erwachsene vor der Gründung einer eigenen Familie nach dem Weihnachtsfest fragt, heißt es: Das interessiert mich nicht. Es ist eher eine Belastung und hat kaum eine Bedeutung.

Wie erklären Sie sich das?
Sie haben mit der Ausführung des Festes bei ihren Eltern kaum etwas zu tun. Sie haben keine gestalterische Rolle, sind nur Gäste und unterwerfen sich dem, was sie schon seit Langem gewohnt sind. Es ist einfach nicht mehr spannend. Erst ab dem Zeitpunkt, wenn sie eine eigene Familie haben, rückt Weihnachten wieder in den Fokus. Für viele ist es ein Fest für Kinder. Die jungen Eltern möchten dann, dass ihr Nachwuchs das so erlebt, wie sie es selbst früher gefeiert haben.

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Die Hirnforschung widerspricht der Gender-Ideologie

Bild: FB

Bild: FB

Physiologie: Unterschiede zwischen Mann und Frau liegen in der Hirnstruktur.


kath.net

Die Ziele der Gender-Ideologie stehen im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Hirnforschung. Diese Ansicht vertritt der Professor für Physiologie und Biokybernetik, Manfred Spreng (Erlangen), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Der englische Ausdruck Gender bezeichnet das soziale oder psychologische Geschlecht einer Person im Unterschied zum biologischen Geschlecht. Die Berücksichtigung der Geschlechterperspektive (Gender Mainstreaming) ist verbindliche Richtlinie für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und gilt auch in der evangelischen Kirche.

Spreng zufolge gibt es aber entscheidende Unterschiede der Anlagen von Mann und Frau. Sie lägen in der hormonellen und immunologischen Ausstattung sowie der unterschiedlichen Gehirnstruktur. Prägende Unterschiede entstünden bereits im Mutterleib.

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„Die Pharma-Lüge“ ist das Wissensbuch des Jahres

Die Wahl zu den “Wissensbüchern des Jahres” ist entschieden – und wie schon im Vorjahr sind prominente Skeptiker ganz vorne mit dabei.
In der Kategorie “Zündstoff” belegt Ben Goldacre mit “Die Pharma-Lüge” den ersten Platz.

Von Bernd Harder|GWUP

In der Begründung der Fachjury heißt es:

Der Autor setzt sich kritisch mit der Macht der Pharmaindustrie auseinander und beleuchtet das gigantische Ausmaß an Korruption und Manipulation in der medizinischen Forschung. Den Schaden tragen wir doppelt: als Patienten und als Zahler für das Gesundheitssystem.

Um solche Missstände zu beheben, ist Aufklärung dringend nötig. Das Buch hat sowohl bei der Fachjury als auch bei den Lesern einen Nerv getroffen.”

Zugleich widerlegt Goldacre mit “Die Pharma-Lüge” die Unterstellung, Skeptiker seien Pharma-hörig und würden sich nur an der “Alternativ”-Medizin abarbeiten.

Zuletzt hatte Goldacre “Die Wissenschaftslüge: Wie uns Pseudo-Wissenschaftler das Leben schwer machen” veröffentlicht.

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“Science ist interesting, and if you don’t agree, fuck off!”

Ernst Peter Fischer Die Verzauberung der Welt . Verlag: Siedler, München 2014 ISBN: 9783886809813 24,99 €

Ernst Peter Fischer
Die Verzauberung der Welt .
Verlag: Siedler, München 2014
ISBN: 9783886809813
24,99 €

Es ist eigentlich nicht besonders kompliziert: Die Welt fasziniert uns – und zwar umso stärker, je mehr wir über sie lernen. Diese Sichtweise ist unter wissenschaftsaffinen Menschen weit verbreitet, was kaum verwundert, stellen Neugier und Interesse doch die zentralen Triebkräfte wissenschaftlichen Handelns dar.


Von Jörg Wipplinger|Spektrum.de

Der bekannte englische Biologe Richard Dawkins hat das einmal recht ruppig ausgedrückt, vermutlich einen ehemaligen “Science”-Redakteur zitierend: “Science ist interesting, and if you don’t agree, f**k off!” (sinngemäß: Wissenschaft ist interessant, und wer anderer Meinung ist, kann nicht auf mein Verständnis zählen).

Merkwürdigerweise gewinnen manche Menschen den Eindruck, dass mit fortschreitendem wissenschaftlichen Erkenntnisstand die Welt an Staunenswertem verliere. Das ist auch dem Wissenschaftspublizisten Ernst Peter Fischer aufgefallen. Der 1947 geborene Autor hat Biologie, Physik und Mathematik studiert und bereits in zahlreichen populärwissenschaftlichen Büchern seine Begeisterung für das empirische Weltbild artikuliert. In “Die Verzauberung der Welt” versucht er darzustellen, wie die Welt durch Wissenschaft und Erkenntnis fortwährend an Faszination gewinnt und immer mehr zum Staunen einlädt. Dabei möchte er laut Untertitel eine “andere Geschichte der Naturwissenschaften” präsentieren.

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Los Angeles school district therapist: Low-IQ girls ‘suffer less’ trauma from sex assault

Forensic psychologist Dr. Stan Katz (YouTube)

An expert hired by the Los Angeles Unified School District (LAUSD) argued in court that a 9-year-old girl seeking damages after she was sexually assaulted would be protected from emotional stress by her low IQ.

By David Edwards|Raw Story

Court documents obtained by KPCC investigative producer Karen Foshay detailed forensic psychologist Dr. Stan Katz’s 2013 testimony in a trial to determine how much in damages the 9-year-old girl would receive after she was repeatedly sexually assaulted by a boy at one of the district’s schools.

The girl reportedly had an IQ between 64 and 70, but the boy was not developmentally disabled.

According to the transcripts, attorney David Ring, who represented the girl, asked Katz to explain what he meant when he said that the girl’s disability “acts as a protective factor.”

“There’s a relationship between intelligence and depression,” Katz replied. “What happens is the more you think about things, you can ruminate, you can focus on things, you can look at the complexities of the matter and become less depressed.”

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Islamischer Staat: Alle Züge einer Zwangsneurose

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Die französische Psychologin Asma Guénifi spricht im Interview über die Verfassung junger Salafisten, die in den Krieg im Irak und in Syrien ziehen.


Von Stefan Brändle|Frankfurter Rundschau

Sind Dschihadisten, was man gemeinhin als „verrückt“ bezeichnen würde?
Nicht unbedingt. Sie sind nicht wahnsinnig oder schizophren, sondern leben in der Realität und handeln aufgrund ihres eigenen Empfindens logisch und vernunftgemäß. Das Problem ist, dass ihr Empfinden gestört ist. Dschihadisten und Salafisten sind paranoid, sie fühlen sich verfolgt und glauben, dass sie und ihre Gemeinschaft in Gefahr seien und verteidigt werden müssten. Das dringt in allen Gesprächen durch, die ich mit ihnen geführt oder anderweitig verfolgt habe.

Das klingt fast, als hielten sich diese Gewalttäter selber für angegriffen.
Durchaus. Sie schreiten zur Tat, gerade weil sie sich ungeschützt und bedroht fühlen. Das rührt daher, dass sie die Gewalt in ihnen selbst nach außen projizieren. Sie sehen also überall äußere Gefahren, und sie glauben felsenfest daran, dass sie oder ihre Gemeinschaft verfolgt sind. Sie wähnen sich sogar oft in Todesgefahr; um sich zu schützen, gehen sie bis nach Syrien – ironischerweise selbst auf die Gefahr hin, dort zu sterben. Das ist eine direkte Folge der salafistischen Indoktrinierung.

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Neurobiologie: “Die Seele ist eine Hirnfunktion”

Bild: BB

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Der Hirnforscher Gerhard Roth spürt der Seele nach. Im Interview spricht er über evolutionäre Vorteile, den Hass der Geisteswissenschaftler und die Mona Lisa.

Das Gespräch führte Oskar Piegsa|SpON

SPIEGEL ONLINE: Herr Professor Roth, von Hirnforschern sind wir gewohnt, dass sie von kleinen und konkreten Dingen sprechen, von Genen und Hormonen zum Beispiel. Sie haben jetzt einen großen und eher diffusen Begriff hervorgeholt, den der “Seele”. Warum?

Roth: Die Seele muss nicht immer etwas Religiöses sein. Alles was wir empfinden, das ganze Sammelsurium von Gedanken, Wahrnehmungen und Vorstellungen, nenne ich “Seele”. Sie umfasst sehr viel mehr als der “Geist”. Nicht nur kognitive Vorgänge, sondern unsere gesamte Erlebnis- und Gefühlswelt. Das ist übrigens auch, was große Philosophen wie Descartes oder Kant unter der Seele verstanden haben. Natürlich hat der Titel “Wie die Seele das Gehirn macht” eine gewisse Ironie, weil es in der Philosophie über 2000 Jahre lang die Frage gab, wo die Seele sitzt.

SPIEGEL ONLINE: Und Sie haben die Seele endlich aufgespürt?

Roth: Na ja, schon Platon hat vermutet, dass die Seele im Gehirn sitzt. Aber man hat damals etwas Mystisches darunter verstanden. Erst seit etwa 50 Jahren ist klar, dass die seelischen Funktionen mit Mechanismen und Zentren im Gehirn zu tun haben.

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Langzeitstudie: Cannabis-Konsum macht Schüler nicht dumm

Bild: Wikimedia commons/Bogdan (CC BY-SA 3.0)

Bild: Wikimedia commons/Bogdan (CC BY-SA 3.0)

Es gibt zahlreiche Cannabis-Studien, die zeigen, dass Kiffen den IQ schrumpfen lässt. Nun haben britische Forscher herausgefunden, dass daran nicht die Droge Schuld ist. Vielmehr führt die Lebensweise der Konsumenten zu den Leistungseinbußen.

FOCUS ONLINE

Gelegentlicher Cannabis-Konsum führt nicht zu schlechteren Ausbildungsergebnissen oder zu Einbußen intellektueller Fähigkeiten. Das wollen britische Forscher in einer groß angelegten Studie der Universität London nun herausgefunden haben. In der Studie wurde die Langzeitwirkung von Cannabis untersucht. Gemessen wurde der IQ von 2612 Kindern im Alter von 8 Jahren und erneut im Alter von 15 Jahren.

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