Rechtspopulismus und Islamismus: Analyse einer beunruhigenden Nähe

Scheinbar sind sie die ärgsten Gegner: Rechtspopulisten und Islamisten. Diplom-Psychologe und Rechtspsychologe Dr. Guido F. Gebauer hält diese Gegnerschaft aber nur für scheinbar. Hinter ihr verberge sich eine gefährliche Nähe, die nach seiner Überzeugung auf gemeinsamen Persönlichkeits-Strukturen beruht. In diesem Artikel diskutiert er diese Nähe und gibt vorläufige Antworten auf die Frage, wie sich die Gesellschaft am Besten vor Rechtspopulisten und Islamisten schützen kann.

Von Guido F. Gebauer | menschenrechte.eu

Wer warnt in Deutschland eindringlicher als Pegida und AfD vor dem Islam? Stellen sich nicht auch in Frankreich, den Niederlanden, England und Schweden Rechtspopulisten an die Spitze der anti-islamischen Bewegung? Will der soeben in den USA gekürte US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump nicht gar seine angestrebte Präsidentschaft nicht ganz unter das Banner des Kampfes gegen den Islam stellen?
Ist es also nur eine unbedeutende Randnotiz, dass der AfD Abgeordnete Gehlmann im Landesparlament von Sachsen-Anhalt, als es um Ausgrenzung und Verfolgung Homosexueller in den muslimischen Maghrebstaaten ging, gemäß Protokoll äußerte: Das sollten wir in Deutschland auch machen!?
Ich halte dies nicht für eine Randnotiz, sondern ein zentrales Merkmal. Bei näherer Betrachtung lässt es nach meiner Überzeugung die scheinbare Distanz zwischen Rechtspopulisten und Islamisten zusammenbrechen. Psychologisch sichtbar wird ein Abgrund von Nähe.
Rechtspopulisten und Islamisten weisen Gemeinsamkeiten auf

Die Begriffe Rechtspopulismus und Islamismus werden hier nicht als Synonyme für Rechtsterrorismus oder islamischem Terrorismus verwandt, die nach Ansicht des Autors vielmehr gesteigerte Formen von Rechtspopulismus und Islamismus darstellen.

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Was einen Terroranschlag von einem Amoklauf unterscheidet

Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses. Hier endete 2009 der Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger 15 Menschen tötete. (Foto: dpa)
Wenn ein Muslim Zivilisten ermordet oder verletzt und dabei „Allahu Akbar“ ruft, dann ist er Terrorist. Oder vielleicht schwer gestört? So ganz einfach lässt sich das nicht unterscheiden.

Analyse von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Terroranschlag oder Amoklauf, Massenmord, School Shooting, Attentat, Anschlag oder Rache – die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, wie schwierig es inzwischen ist, die richtigen Begriffe für verschiedene Taten zu finden.

Als eine Gruppe von Al-Qaida-Mitgliedern 2001 vier Passagierflugzeuge entführte und in die Türme des World Trade Centers und ins Pentagon steuerte – eine weitere Maschine stürzte in Pennsylvania ab -, war die Sache klar: Terror. Genauso war es bei fast allen großen Anschlägen davor und für lange Zeit danach. In der Regel standen dahinter Mitglieder von organisierten Gruppen mit einer extremistischen politischen oder religiösen Agenda.

Schwieriger wird es dagegen, wenn einzelne Personen, die nicht Mitglieder einer Terrororganisation oder -gruppe zu sein scheinen (sogenannte Lone Actors oder Lone Wolves), Anschläge oder Attentate verüben. Die französischen Behörden etwa haben nur vage Verbindungen zwischen dem Massenmörder von Nizza, Mohamed Lahouaiej Bouhlel, und dem sogenannten „Islamischen Staat“ gefunden. Der 32-Jährige war offenbar labil, aggressiv, eine gestörte Persönlichkeit. Er hatte sich innerhalb kurzer Zeit radikalisiert und wurde von der Terrororganisation erst im Nachhinein als „Soldat des Islamischen Staates“ bezeichnet.

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Your First Step to Becoming A Cyborg: Getting This Pierced In You

The North Sense. Image: Fabio/VH_desirestudios.co.uk
If you’ve always wanted to be a cyborg, an artificially-enhanced human with bionic technology, but you’ve always been too afraid of getting a chip in your wrist, North Sense might be your answer. The new product, which vibrates every time it senses the magnetic north, is hinged into your skin with piercing barbells.

By Nadja Sayej | MOTHERBOARD

Created by Cyborg Nest, a new company and online shop, North Sense is the first cyborg product in a series that will launch over the coming year. The company will show off its progress at an event in Las Vegas on July 26.

The company is co-founded by world-renowned cyborg artists Neil Harbisson and Moon Ribas alongside digital entrepreneur Scott Cohen, body modification artist Steve Haworth and Liviu Babitz, the former COO of the human rights organizations, Videre Est Credere.

“We aim to help as many people as possible become cyborgs,” said Liviu.

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Cannabisforscher Rudolf Brenneisen: „Die Natur ist nicht immer besser“

foto: derstandard.at/mcmt Rudolf Brenneisen: Die Arzneimittelindustrie habe kein Interesse an der Cannabis-Forschung, „da sich die Pflanze nicht patentieren lässt“.
Der Schweizer Pharmakologe über Apotheken statt Schwarzmarkt, Leberzirrhosen im Weinland und die Legalisierungsdebatte an sich

Interview Michael Matzenberger | derStandard.at

Rudolf Brenneisen sitzt in einem gepolsterten Rattansofa im Park vor dem Festsaal des niederösterreichischen Landesklinikums Mauer-Öhling. Er trägt ein dunkles Hemd, auf das kleine, bunte Kakteen gedruckt sind, und die Socken unter der senfgelben Hose sind mit großen Hanfblättern bestickt. Der 67-jährige Schweizer hielt bei der Fachtagung Sucht in Mauer-Öhling einen Vortrag mit dem Titel „Cannabis: Was die Pflanze kann, und was wir daraus machen“. Der nunmehr emeritierte Professor für Pharmazie an der Universität Bern forschte seit den 1970er-Jahren an der Wirkung der Staude, arbeitete unter anderem für das Internationale Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP) und die US-Drogenbehörde DEA. Als Mitglied einer Expertengruppe wurde er heuer vom Schweizer Bundesrat beauftragt, im Rahmen eines wissenschaftlichen Pilotprojektes die praktischen Möglichkeiten im medizinischen Bereich auszuloten.

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How Scientists Will Turn Your Smartphone Into a Lie Detector

Image: wonderfulengineering.com
So, you’re on a first date. You really like this person, and you have no idea whether or not they’re into you. As you casually pretend to check your phone, you record some video of your date (non-consensually—don’t actually do this), and receive an instant message that describes how they’re feeling, even if they’re trying to hide it: pleasure, excitement. Nice.

By Erene Stergiopoulos | MOTHERBOARD

This is the future one Toronto start-up, NuraLogix, is proposing. Their image processing software, called Transdermal Optical Imaging, claims to decode hidden emotions, and to double as a lie detector. The mind behind the project is University of Toronto developmental neuroscientist Kang Lee, whose twenty-plus years in the field have focused on human face processing and the science of deception.

According to Lee, NuraLogix’s tech works by detecting changes to blood flow in the face. The idea is that basic human emotions create specific facial blood flow patterns that are beyond our control. These patterns differ when we’re telling the truth, or a lie, according to him.

The software operates by measuring hemoglobin concentration, a component of blood. Previous work on the topic found a relationship between emotions and blood flow to regions like the cheeks and forehead. Those differences in blood flow can be picked up based on changes in skin colour—basically, the redder your skin, the greater the blood flow. (This has been tested among people of different races and skin hues.) A 2015 study found that an angry emotional state was associated with increased blood flow and redness, compared to a neutral emotional state. Sadness was the opposite, and revealed decreased blood flow and redness compared to neutral.

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Wie das Gehirn von Pädophilen funktioniert

Wie lassen sich Übergriffe verhindern? Forscher beschäftigen sich seit Langem mit dem Phänomen Pädophilie. © iStock
Wissenschaftler beschäftigen sich seit Langem mit dem Tabuthema Pädophilie. Sie wollen herausbekommen, wie die Krankheit entsteht – um sie besser zu therapieren und Übergriffe zu verhindern.

Von Verena Kauzleben | stern.de

Wissenschaftler verschiedener Forschungsgruppen in ganz Deutschland beschäftigen sich seit Langem mit dem Phänomen Pädophilie. Ihr Ziel: möglichst viele Übergriffe zu verhindern, indem potenzielle Täter besser erkannt und behandelt werden. Dazu wollen sie die Grundlagen der Störung im Gehirn ergründen und die Frage beantworten: Kann man die Krankheit sichtbar machen?

Ein Forscherteam um den Psychologen und Neurowissenschaftler Boris Schiffer von der Universität Duisburg-Essen erzielte dabei bereits Ergebnisse in mehreren Studien an insgesamt 20 Pädophilen.

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Legal Highs: Jugendliche vor Kräutermischungen im Internet schützen

Bild: additudecreative.co.uk
Hinter „Beach Party“ und „Crazy Monkey“ verbergen sich keine harmlosen Aufputscher für ein leichtes Lebensgefühl, sondern gesundheitsgefährdende psychoaktive Drogen. Die Risiken von Badesalzen und Kräutermischungen werden im Netz oft verschwiegen.

evangelisch.de

Kinder und Jugendliche haben nach Einschätzung von Experten einen zu leichten Zugriff auf neue psychoaktive Stoffe, sogenannte Legal Highs, über das Internet. Die Webseiten seien sehr leicht aufzufinden und die Aufmachung auf junge Internetnutzer zugeschnitten, sagte die rheinland-pfälzische Jugendstaatssekretärin, Christiane Rohleder (Grüne), am Montag in Berlin. Dort wurde der mittlerweile 20. Jahresbericht von „jugendschutz.net“ vorgestellt. Die Organisation ist an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebunden und kontrolliert das Internet regelmäßig auf Jugendschutzverstöße.

39 Todesfälle im vergangenen Jahr

Rohleder sagte, Legal Highs, besser bekannt als Badesalze oder Kräutermischungen, könnten im Netz als Alternativen zu verbotenen Substanzen wie Ecstasy erworben werden. Mit coolen, hippen Namen wie „Beach Party“, „Crazy Monkey“ oder „Unicorn Magic Dust“ würden sie als Partydrogen oder Problemlöser verherrlicht. Bei positiven Online-Bewertungen über ihre Wirkungen würden Käufern sogar Preisnachlässe geboten.

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Irren ist menschlich

Michael Pauen bietet mit seinem Buch einen erfrischenden Blickwinkel über die Natur des Bewusstseins. (imago / Science Photo Library)
Heftig wird über die Natur des Bewusstseins gestritten. Für die einen gibt es nichts als komplexe Muster von Nervenerregungen, für die anderen schwebt das Erleben in einer eigenen Sphäre, abgetrennt von den Gesetzen der Physik. Jetzt mischt sich Michael Pauen mit „Die Natur des Geistes“ in die Debatte ein.

Von Volkart Wildermuth | Deutschlandradio Kultur

Philosophen und Neurowissenschaftler streiten – oft mit viel Begeisterung – über die Natur des Bewusstseins. Für die einen gibt es nichts als komplexe Muster von Nervenerregungen, für die anderen schwebt das Erleben in einer eigenen Sphäre, abgetrennt von den Gesetzen der Physik. Kompromisse werden nicht gemacht. Die Debatte ist polarisiert. Umso erfrischender, dass der Berliner Philosoph Michael Pauen in seinem Buch „Die Natur des Geistes“ für mehr Gelassenheit plädiert. Trotz aller Forscheranstrengungen ist es seiner Meinung nach zu früh, um endgültige Antworten zu geben. Entscheidend sei, zunächst die relevanten Fragen zu formulieren und Denkblockaden aus dem Weg zu räumen.

Denkprozesse als „Rechenleistung“

Sein Buch beginnt Pauen mit einem informativen Schnelldurchlauf durch die Geschichte der „Philosophie des Geistes“. Angefangen in der Antike und im Mittelalter, wo die Seele als eine besondere Substanz galt und die entscheidende Frage noch lautete: Woher kommt sie, wohin geht sie? In der Neuzeit ging es dann immer mehr darum, welche Funktionen der Geist hat und wie diese Funktionen realisiert werden. Gerade der rationale Verstand galt als Rätsel, während Emotionen und Empfindungen als vergleichsweise einfach erschienen, weil auch Tiere sie besitzen. Mit dem Aufkommen der Computertechnik kehrte sich das Bild um: Denkprozesse waren plötzlich als „Rechenleistung“ vorstellbar.

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Esoterik: Aberglaube nimmt immer mehr zu

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Was macht Menschen empfänglich für Übersinnliches? Aberglaube und Esoterik spielen auch im Alltag des 21. Jahrhunderts eine Rolle. Eine Spurensuche bei Fans und Forschern.
 

Frankfurter Rundschau

Bis auf die Toilette des englischen Fußballvereins FC Chelsea hat es der Aberglaube geschafft. Kapitän John Terry schwört auf die erfolgbringende Wirkung, wenn er in der heimischen Umkleidekabine nur ein bestimmtes Pinkelbecken benutzt. So erzählt es der 35-Jährige. Einige Teamkollegen zogen nach. Das Ritual soll helfen, den Sieg herbei zu pinkeln.

Glauben an höhere Kräfte spielte auch im oberpfälzischen Willmering eine Rolle, als eine Serie tödlicher Verkehrsunfälle gestoppt werden sollte. Dabei entschied der Gemeinderat schon vor Jahren, einen Wunderheiler zu engagieren. Dieser installierte drei Boxen an der gefährlichen Strecke der Bundesstraße 22. Zur „Entstörung“ gegen Strahlen. Kosten: 1677,90 Euro. Die Reihe der Todesfälle riss ab – warum auch immer.

Unabhängig davon, dass manche von Humbug reden, zeigt beides: Esoterik hat sich im Alltag des 21. Jahrhunderts festgesetzt. Und die Vielfalt der Angebote wächst. Ob Schamane, Schutzengel oder Heilstein – jeder entscheidet längst für sich alleine, wo die Grenze zwischen Sinn und Unsinn liegt.

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Eric Kandel in Berlin: Die gute Seite der Prionen

Popstar der Wissenschaft. Der Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger Eric Kandel füllte mühelos das Audimax der…Foto: David Ausserhofer für die Leopoldina
Erinnerungen lange zu speichern, ist viel Arbeit für eine Nervenzelle. Der Nobelpreisträger Eric Kandel sprach an der Humboldt-Universität darüber, wie es trotzdem gelingt.

Von Jana Schlütter | DER TAGESSPIEGEL

Es geht ihm nicht aus dem Kopf, dieses Lied. Eric Kandel hat es 1938 zum letzten Mal gehört, als neunjähriger Junge, und doch kann er immer noch jedes Wort auswendig. „Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen. SA marschiert mit ruhig festem Schritt!“, sangen die Nazi-Horden und die Wiener jubelten. Kandel hatte Todesangst. Wenige Monate später zerbarsten während der Pogromnacht die Scheiben des elterlichen Spielwarenladens. Die jüdische Familie musste fliehen.

„Ich fühle mich bis heute nicht wohl in Wien“, sagt der gefeierte amerikanische Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger. „Die Österreicher stellen sich gern als Opfer dar. Aber ich war dabei. Sie haben Hitler enthusiastisch begrüßt.“ Mit Deutschland dagegen verbinde er die ehrliche Aufarbeitung des Vergangenen und Freundschaft mit vielen Forschern. Eine Einladung wie die der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, nach Berlin nimmt er gern an.

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Paradox: Schmerzmittel fördert Schmerzgedächtnis

Opioide sollen gegen starke Schmerzen helfen, aber offenbar können sie diese auch verlängern. © pixologic/ thinkstock
Überraschender Effekt: Opioide gelten eigentlich als potente Schmerzmittel. Doch jetzt belegt eine Studie, dass diese Mittel Nervenschmerzen sogar verlängern und chronisch machen können – und das schon nach kurzer Einnahme. Der Grund: Die Opioide machen Zellen im Rückenmark überaktiv und sorgen so für übersteigerte Schmerzsignale ans Gehirn, wie Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Science“ berichten.

scinexx

Ob am Ischiasnerv, an den Gliedmaßen oder anderswo: Chronische Nervenschmerzen sind besonders hartnäckig und lassen sich schwer behandeln. Einer der Gründe dafür ist das Schmerzgedächtnis: Die anfänglichen Schmerzreize verändern die Aktivität von Zellen im Rückenmark und Gehirn und machen sie überempfindlich für Reize. Als Folge tut es selbst dann noch weh, wenn der eigentliche Grund längst ausgeheilt ist.

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New Imaging Study Shows How Schizophrenic Brains Regenerate

Image: Palaniyappan et al
Image: Palaniyappan et al
To say that cures are rarely discussed within the context of mental illness would be an understatement. The reality is much closer to never and this becomes even more true as the mental illness in question becomes more severe.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

A very large portion of common schizophrenic symptoms, known as negative symptoms, aren’t even treatable—successfully nuking the vast hydra that is schizophrenia in any curative sense is hard to fathom. We don’t even really know what causes it (but have some good ideas).

A group of researchers led by the Lawson Health Research Institute’s Lena Palaniyappan published a study this week in Psychology Medicine offering new evidence that the brain is capable of reorganizing itself in ways that may lead to a reversal of the effects of schizophrenia: hinting at a cure, that is.

The Lawson group’s work is based on MRI scans of 98 schizophrenic subjects and 83 control subjects. Of particular interest in the scans was the varying thicknesses of the brain’s cortical layers between the two groups and also among schizophrenic subjects that have had the disorder for longer and shorter periods of time. It’s been suggested that neural degeneration in this region is at the root of schizophrenia, though this is still widely debated, and this is where the study begins.

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Motivation und Selbstprogrammierung

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Im Magazin der letzten „Zeit“ erschien ein Artikel mit dem Titel „Die Kraft der Gedanken, wie man sich glücklicher und gesünder denkt“ von Ilka Piepgras. Im Kern befasst sich der Artikel mit einer Theorie zur Willensbildung und Motivation. Es gilt in der Psychologie als unstrittig, dass wir durch unser Unterbewusstsein mehr oder weniger Stark beeinflusst werden. Man kann sich fragen, wie weit das überhaupt mit der Konzeption eines akausalen Willens vereinbar ist: Das ist aber nicht unser Problem!

Föderation des Determinismus

I. Interessant ist aber, wie man sich dies zu Nutze machen kann: In dem Artikel werden verschiedene Studien aufgeführt, nach der bereits geringfügige suggestive Einwirkungen einen erheblichen Einfluss auf das Verhalten von Menschen hatten. So sollen sich angeblich Probanden nach dem Lösen eines Kreuzworträtsels mit altersassoziierten Begriffen wie „schwerhörig“, „grau“ und „Hautfalten“ nach Lösen des Rätsels langsamer bewegt haben, als die Vergleichsgruppe mit einem normalen Kreuzworträtsel. Auch sollen Senioren, die man in ein Umfeld von 20 Jahren zuvor versetzte und unter entsprechende Anforderungen stellte – nicht altersgerechte Anforderungen – in kurzer Zeit beweglicher geworden sein, mit besseren Werten der Seh- und Hörfähigkeit sowie mit einem besseren Abschneiden bei Intelligenztests.
Man mag das Ausmaß solcher Suggestionen in Frage stellen, für uns selbst können wir daraus lernen: Wir können etwas Bestimmtes nur schaffen, wenn wir es uns zumuten. Und: Der Mensch passt sich an die Anforderungen an. Wer sich nicht mehr bewegt, dessen Muskeln schwinden und ähnlich ist dies möglicherweise auch mit geistiger Leistungsfähigkeit.
Tests an Studenten haben gezeigt, dass ihr Abschneiden bei Intelligenztests nach einem mehrwöchigen Strandurlaub ohne geistige Anforderungen deutlich abnimmt.

Selbst wenn wir meinen, dass man Wünsche, Ziele und Problemlösungen nur mit purer Willensanstrengung erreichen kann (dagegen will ich überhaupt gar nicht argumentieren) und auch wenn man andererseits vielleicht alle kausalen Abläufe für zwingend hält, so gehört es doch auch zum Kausalverlauf, derartige suggestive Wirkung zu erkennen: Wer diesen Zusammenhang erkennt, kann ihn auch nutzen, indem man das eigene Umfeld und die Anforderungen an die eigene Person so anpasst, dass die Wirkung auf sich selbst zu den Wünschen hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten entspricht, die man zur Erreichung der eigenen Ziele benötigt.

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Erwartungen beeinflussen Schmerzempfinden

Wie sehr schmerzt es? Je nach Erwartung bewerten Männer Schmerzen anders © thinkstock/ DAJ
Schmerzlindernde Wirkung: Werden Männer mit der Information versorgt, dass sie Schmerzen besser ertragen können als Frauen, wirkt sich das prompt aus – sie bewerten Hitzereize dann als weniger unangenehm. Umgekehrt funktioniert der Effekt aber auch, wie ein Experiment zeigt: Wer denkt, Frauen hätten eine höhere Schmerztoleranz, kann Schmerzen weniger gut aushalten als ohne diese Erwartung.

scinexx

Unsere eigenen Erwartungen sind machtvolle Manipulateure: Sie beeinflussen, wie wir andere Menschen wahrnehmen, wirken sich auf unsere Leistungen aus – und sind der Grund dafür, dass es den Placebo-Effekt gibt. „Der Placebo-Effekt funktioniert gerade bei der Behandlung von Schmerzen oft sehr gut“, sagen Wissenschaftler um Katharina Schwarz von der Universität Würzburg.

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Wie wir uns an negative Erlebnisse erinnern

Wut im Bauch beeinflusst unsere Erinnerung – genauso wie Schmerz, Angst, Trauer und andere negative Emotionen © thinkstock/ Marjan Apostolovic
Aus dem Zusammenhang gerissen: Negative Situationen brennen sich oft tief in unser Gedächtnis ein – doch der Kontext, indem sie stattgefunden haben, verblasst. Warum das so ist, haben Forscher nun mithilfe von Hirnscans entschlüsselt. Schuld daran ist demnach eine erhöhte Aktivität in der für Emotionen zuständigen Amygdala sowie eine verminderte im Hippocampus, dem Kontextbeauftragten des Gehirns. Diese Mechanismen könnten den Wissenschaftlern zufolge unter anderem die Entstehung Posttraumatischer Belastungsstörungen erklären.

scinexx

Emotionen können unsere Erinnerungen stark beeinflussen. Studien belegen: Je emotionaler wir eine Situation wahrnehmen, desto eher werden wir uns später daran erinnern. „Gerade an emotional aufgeladene negative Erlebnisse erinnern sich Menschen gut“, sagen Forscher um James Bisby vom University College London. „In welchem Kontext dieses Erlebnis stattgefunden hat, das wiederum können sie sich oft weniger gut ins Gedächtnis zurückrufen.“

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Von Geburt an helle?

Karl-Friedrich Fischbach, Martin Niggeschmidt Erblichkeit der Intelligenz Verlag: Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016 ISBN: 9783658112387
Karl-Friedrich Fischbach, Martin Niggeschmidt
Erblichkeit der Intelligenz
Verlag: Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016
ISBN: 9783658112387

Über die Erblichkeit von Intelligenz wird viel geredet. Doch was davon ist wissenschaftlich stichhaltig, was bloße Mutmaßung – und wer argumentiert hier aus welchen Beweggründen?

Von Arne Baudach | Spektrum.de

In ihrem kompakt gehaltenen Sachbuch erläutern der Neurogenetiker Karl-Friedrich Fischbach und der Journalist Martin Niggeschmidt das aus der quantitativen Genetik stammende „Erblichkeitsmodell“. Dabei räumen sie kräftig mit Mythen und Falschaussagen auf. Der Band richtet sich – den Kriterien der „essentials“-Reihe entsprechend – sowohl an interessierte Laien als auch an Fachleute; kurz an alle, die sich in diesem Spezialgebiet der Intelligenzforschung auf den neuesten Stand bringen möchten. Diesem Anspruch werden die Verfasser gerecht.

Fischbach und Niggeschmidt beleuchten zunächst die Grundlagen des Erblichkeitsmodells, wobei ihre Ausführungen für nicht Vorgebildete zugegeben sehr anspruchsvoll sind. Nach der knappen Einführung in die einschlägige Mathematik lassen die Autoren ihre Leser aber nicht mit den Gleichungen allein. Vielmehr erläutern sie diese an anschaulichen Beispielen und Grafiken. Elegant erklären sie sperrige Begriffe wie „genotypischer Varianzanteil“ oder „Heritabilität“.

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Wie Vorurteile unsere Wahrnehmung manipulieren

Fröhlich, neutral oder wütend? Stereotypen beeinflussen die visuelle Wahrnehmung © image source white/ thinkstock
Verzerrte Sicht: Wie unser Gehirn eine Person wahrnimmt, hängt nicht nur von ihren objektiven Gesichtszügen ab – sondern auch von stereotypen Erwartungen. Das zeigt nun ein Experiment von US-Forschern. Demnach verarbeitet das Gehirn Gesichter so, dass sie unseren Vorurteilen und Klischees mehr entsprechen, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ berichten. Das heißt: Wer Männern grundsätzlich aggressive Eigenschaften zuschreibt, dessen Gehirn reagiert auch auf ein neutrales Männergesicht so, als würde es ein wütendes sehen.

scinexx

Was wir von anderen denken und wie wir mit ihnen umgehen wird oft von Stereotypen bestimmt. Klischees und Vorurteile verleiten schon Kinder und Jugendliche dazu, dicke Menschen für dumm zu halten. Im Arbeitsalltag sorgen sie dafür, dass insbesondere fröhlichen Frauen keine Führungsstärke zugetraut wird – und selbst politische Wahlentscheidungen hängen mitunter von Stereotypen ab.

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Hirnforscher: „Wir brauchen den Glauben an ein Jenseits“

Lage der Hippocampi (rot) im menschlichen Gehirn: Ansicht von unten (die Stirn liegt im Bild oben)
Lage der Hippocampi (rot) im menschlichen Gehirn: Ansicht von unten (die Stirn liegt im Bild oben)

Der Freiburger Hirnforscher Prof. Robert-Benjamin Illing ist der Meinung, dass das Bedürfnis nach Transzendenz angeboren ist.

kath.net

„Wenn wir die Idee eines Göttlichen nicht fassen könnten, wären wir der Sinnkrise ausgeliefert, unsere Lebensfähigkeit würde unterhöhlt. Wir brauchen den Glauben an ein irgendwie geartetes Jenseits und eine höhere Instanz“, sagte der Wissenschaftler in einem Interview mit der Tageszeitung „Märkische Allgemeine“ (Potsdam). Die Hoffnung, dass ein Gott angesichts drohender Sinnlosigkeit letzten Endes für Sinn und Gerechtigkeit sorge, bestehe nach wie vor. Nach Ansicht des Neurobiologen ist Religion noch immer das dominierende Modell der Sinngebung. Aber es gebe auch Ersatzmodelle: „Wir können versuchen, das Gefühl der Sinnlosigkeit durch Konsum, esoterische Vorstellungen, Ideologien oder unseren Fußballverein zu überspielen.“ Er bezweifle allerdings, dass diese Modelle über Generationen hinweg tragfähig seien, so der Neurobiologe.

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Der Einfluss des Smartphones auf das menschliche Gehirn

Mehrere Stunden täglich nutzen Verbraucher Geräte mit Internetzugang, um mehr oder weniger wichtige Aufgaben zu erledigen. © thinkstock.com,CandyBoxImages
44 Millionen Deutsche nutzen ein Smartphone, sei es als Terminplaner, zur Navigation, als Wecker oder um Notizen abzurufen. Früher mussten sich Menschen Telefonnummern einprägen, heute kennen viele ihre eigene Nummer nicht. Wer im Alltag einem Problem begegnet, der googelt die Lösung auf dem Smartphone. Kritiker sehen in dieser Abhängigkeit eine große Gefahr und betiteln sie als digitale Demenz.

scinexx

Die Putzfrau, der Geschäftsführer, die Musiklehrerin – praktisch jeder ist heutzutage online. Das Smartphone ist für die Mehrheit das Portal ins Internet. Mehrere Stunden täglich nutzen Verbraucher das Gerät, um mehr oder weniger wichtige Aufgaben zu erledigen. Zu den Nutzergruppen zählen auch Jugendliche und Kinder – und darin sehen Hirnforscher und Psychologen wie Manfred Spitzer eine große Gefahr.

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Erste „Wortkarte“ unseres Gehirns

Ein neuer Hirnatlas zeigt erstmals, wo unser Gehirn welche Wörter verarbeitet. Für mehr als 10.000 Wortbedeutungen kann man direkt erkennen, welche Areale aktiv werden. Demnach aktivieren Wörter mit eher sozialer Bedeutung beispielsweise andere Hirnareale als Farbwörter, Ortsangaben oder Zahlen. Das gesamte semantische Netzwerk überzieht jedoch das gesamte Gehirn, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Dank moderner bildgebender Verfahren weiß man heute, dass Sprache in unserem Gehirn mehr Areale aktiviert als nur die beiden bekannten Sprachzentren der linken Hirnhälfte. Stattdessen ist ein ganzes Netzwerk daran beteiligt, die Bedeutung der Wörter zu entschlüsseln. Doch wie die Arbeit innerhalb dieses Netzwerks verteilt ist und wo welche Bedeutungen verarbeitet werden, blieb weitgehend unbekannt.

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