Roboter Pepper: „Du Mistkerl, warum machst Du das nicht?“

© Marcus Kaufhold Lernwillig: Der nette Roboter Pepper zeigt bei ICS, was er kann – oder auch noch nicht kann.
© Marcus Kaufhold Lernwillig: Der nette Roboter Pepper zeigt bei ICS, was er kann – oder auch noch nicht kann.
Entwickler der Firma ICS in Neu-Anspach hauchen dem Roboter Pepper digitales Leben ein. Der ist nett, tut aber nicht immer, was man von ihm erwartet.

Von Martina Propson-Hauck | Frankfurter Allgemeine

Die Besucher des Presseballs in Berlin waren entzückt. Da stand dieser nur ein Meter zwanzig große Kerl, gerade einmal 28 Kilogram leicht, ganz in Weiß mit schwarzer Fliege vor Politikern, Sportlern und Medienmenschen, begrüßte sie mit Namen und machte den Frauen Komplimente über ihre hübschen Kleider. Sein „Vater“ Oliver Moser und dessen Mitarbeiter Rüdiger Kreis schließen bei solchen Präsentationen gern Wetten darüber ab, wie lange es dauert, bis das Wort „süß“ das erste Mal fällt.

Denn wenn der humanoide Roboter „Pepper“ mit seinen japanischen Manga-Comics nachempfundenen großen Augen klickt und den Kopf dreht, wenn man ihn ruft, werden auch Menschen sentimental, die sonst professionell mit moderner Computertechnik umgehen.

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Was, wenn wir kein Fleisch mehr essen würden?

Themenbild. Bild: 4ever.eu
Themenbild. Bild: 4ever.eu
Um unser Essen wird zunehmend wie über Religion diskutiert: fleischlastig, vegetarisch oder doch gleich vegan? Doch was würde das für uns und die Erde bedeuten?

Von Vince Ebert | Spektrum.de

Das Thema Ernährung ist ja in den letzten Jahren zu einer fast schon religiösen Bewegung geworden. Ich kenne Leute, die halten das Jüngste Gericht für eine Kochshow. Viele Veganer und Vegetarier verurteilen mit teilweise missionarischem Eifer die von ihnen verachteten Fleischesser: „Jaja, du zahlst zwar 20 Euro für ein Stück Bio-Rinderfilet – aber ich möchte nicht wissen, wie wenig von dem Geld bei dem Tier selbst ankommt …“

Aber Scherz beiseite. Tatsächlich sind ihre Anliegen im Kern durchaus berechtigt. Seit Jahren nimmt in wohlhabenden Gesellschaften der Fleischkonsum dramatische Ausmaße an. Die exzessive Viehzucht belastet in vielerlei Hinsicht die Natur, von der ethischen Komponente der Massentierhaltung gar nicht erst zu sprechen. Und gleichzeitig ist klar, dass wir uns inzwischen ohne gesundheitliche Einschränkungen fleischlos ernähren könnten.

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Wenn der Computer aggressiv wird

Image: FUTURISM M.A
Image: FUTURISM M.A
Wann bekämpfen Computerprogramme sich und wann arbeiten sie zusammen? Forscher von Google haben das getestet – mit einem bemerkenswerten Ergebnis.

Von Alexander Armbruster | Frankfurter Allgemeine

Beinahe ein Jahr ist es nun her, dass ein schlaues Computerprogramm im traditionsreichen Brettspiel „Go“ den Weltmeister besiegte. Der spektakuläre Sieg ging durch die Presse. Fachleute staunten nicht nur über das Ergebnis. Denn das selbstlernende Programm, dass Mitarbeiter von Googles Abteilung für künstliche Intelligenz „Deep Mind“ erschaffen hatten, führte an einer Stelle einen strategischen Spielzug aus, der Profispieler vollkommen überraschte und von dem der Computer sogar „wusste“, dass er außergewöhnlich war.

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Forscher bewahren genmodifizierte Mäuse vor Kokainsucht

Die Steigerung der Cathein-Abgabe führt zu weniger und nicht zu mehr Verlangen nach der Droge

derStandard.at

Ob man das Verlangen nach Drogen besiegen kann, hat womöglich auch etwas mit Willensstärke zu tun. Aus neurowissenschaftlicher Perspektive hat Drogensucht sehr viel mehr mit Genetik und Biochemie zu tun. Einen sehr anschaulichen Beweis dafür haben nun Forscher um Shernaz Bamji (University of British Columbia) im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ vorgelegt – und zwar anders als ursprünglich gedacht.

Die Neurobiologen haben Mäuse genetisch so manipuliert, dass sie mehr Catheine produzierten, die Synapsen im Hirn stärken. Die Forscher gingen davon aus, dass sich auf diese Weise die neuronale Netze im Belohnungszentrum so verändern würden, dass die Nager noch anfälliger für Suchtverhalten werden würden.

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Atheism or Non-Theism?

Excerpt from The Secular Outlook: In Defense of Moral and Political Secularism, by Paul Cliteur (Wiley-Blackwell, 2010). Reprinted with permission from the author.

By Paul Cliteur | Church and State

From Chapter 1: Atheism, Agnosticism, and Theism

Atheism or Non-Theism?

In other words, atheism seems to be superior to agnosticism. Does that mean that atheism is the best position? In a certain sense it is. Atheism in the sense defined before is highly defensible. The only problem is, hardly anybody follows the semantic convention that I, following Nagel and others, have proposed. In popular parlance atheism is associated with all kinds of negative ideas and attitudes, especially due to the way it can be defended (and undoubtedly has been defended). Atheists have a reputation for being arrogant, militant, missionary, zealous, and also impolite if not rude. For that very reason George Jacob Holyoake coined the word “secularism.”

George Jacob Holyoake (1817-1906) is most famous nowadays for his trial on the grounds of “blasphemy.”[183] During one of his lectures in Cheltenham he was confronted with a question from the audience about man’s duty to God. Holyoake’s response was that England was too poor to have a God. So it would not be a bad idea to put Him on “half pay.” For this remark he was convicted of blasphemy and sentenced to six months in jail. After his release he returned to Cheltenham. There he reiterated the exact words that had gotten him into trouble the first time.

Less well known is the fact that Holyoake coined the word “secularism.” He did this because he was convinced that “atheism” was in bad repute. He defined secularism as concern with the problems of this world. He summarized his position in the following words:

(1) Secularism maintains the sufficiency of Secular reason for guidance in human duties. (2) The adequacy of the Utilitarian rule which makes the good of others, the law of duty. (3) That the duty nearest at hand and most reliable in results is the use of material means, tempered by human sympathy for the attainment of social improvement. (4) The sinlessness of well-informed sincerity. (5) That the sign and condition of such sincerity are – Freethought – expository speech – the practice of personal conviction within the limits of neither outraging nor harming others.[184]

Holyoake may have been a learned man but he did not possess the gift of making snappy phrases. Nevertheless, in one respect he was right: the concept of “atheism” is hopelessly tainted with negative images, and any author who wants to put this epithet on the banner advertising his lifestyle is confronted with almost insurmountable difficulties. He is constantly obliged to explain his use of the term “atheism” while his audience reacts by saying: “All right, but is not atheism also …?” And then the whole litany against atheism starts all over again: isn’t it a bit arrogant to pretend to know that God does not exist? (Answer: the atheist does not proclaim that God does not exist, he affirms that the reasons to believe in his existence are inadequate.) Why are people not allowed to believe in God? (Answer: atheists are not against free speech or against freedom of conscience or freedom of religion; they only claim the right to disagree with anyone who affirms the existence of God.) Isn’t atheism a bit arrogant? (Answer: atheism is no more arrogant than agnosticism or theism. The “arrogance” is not in the position itself, but in the way that people hold their opinions: that is, if people are dogmatic or not willing to discuss their views. Atheists are usually fond of discussions.)[185]

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Stress: Das Geschlecht macht den Unterschied

Geschlechtsspezifischer Unterschied: Stress löst bei Frauen andere Reaktionen aus als bei Männern. © Mike Watson Images/ thinkstock
Geschlechtsspezifischer Unterschied: Stress löst bei Frauen andere Reaktionen aus als bei Männern. © Mike Watson Images/ thinkstock
Männer und Frauen ticken anders – auch in Sachen Stress. Forscher haben nachgewiesen, dass der Körper auf stressige Situationen je nach Geschlecht unterschiedlich reagiert: Beispielsweise schüttet er andere Hormone aus. Auch bei der Stressbewältigung stellten die Wissenschaftler deutliche Unterschiede fest. Im Experiment konnten männliche Probanden ihre negativen Gefühle besser kontrollieren als ihre weiblichen Mitstreiter.

scinexx

Stehen wir häufig unter Stress, hat dies Folgen für Körper und Geist: Die Belastung macht vergesslicher, schwächt unsere Selbstkontrolle und kann im Alter sogar die Anfälligkeit für Demenz erhöhen. Zu viel Stress schadet uns demnach – das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen. Doch es gibt auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Denn wie Menschen diesen Stress empfinden und darauf reagieren, das hängt wesentlich davon ab, ob sie männlich oder weiblich sind.

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Virtual Reality: „Ich war so erschöpft wie nach einem Langstreckenflug“

Image: Medical Realities
Image: Medical Realities
Mit 3-D-Brillen werden wir bald in fremde Welten eintauchen können. Aber was, wenn wir nicht wieder auftauchen? Über die Nebenwirkungen einer schönen neuen Welt.

Von Christian Weber | Süddeutsche.de

Die großen Expeditionen sind noch in Vorbereitung, erste Tauchgänge wurden bereits unternommen. Etwa von Frank Steinicke, 37 Jahre alt, 1,86 Meter groß, Gewicht: 89 Kilogramm, Rechtshänder. Blut- und Urinwerte okay, ebenso Hör- und Sehleistung, keine Störungen beim Farbensehen: Die Ärzte gaben nach dem Gesundheitscheck grünes Licht.

Am 22. März 2014 um 16:20 Uhr – das Wetteramt meldete Wolken und etwas Regen – setzte sich der Professor für Mensch-Computer-Beziehungen von der Universität Hamburg eine hochauflösende 3-D-Brille auf und begab sich für 24 Stunden in die virtuelle Welt, unterbrochen nur von wenigen kurzen Pausen. „Weltrekord“, versichert Steinicke.

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Im Weißen Haus regiert ein Unberechenbarer

Screen capture taken from the KKK website on November 11, 2016, celebrating Donald Trump’s election win/The Times of Israel
Screen capture taken from the KKK website on November 11, 2016, celebrating Donald Trump’s election win/The Times of Israel
Wutausbrüche, Lügen vor der Presse, radikale Erlasse: Donald Trump lässt sich von niemandem zähmen, selbst enge Berater verzweifeln. Täglich hagelt es neue Dekrete – und Trump hat noch große Pläne.

Von Clemens Wergin | DIE WELT

Trumps erste Arbeitswoche als Präsident begann mit einem Wutanfall. Er war am Samstagmorgen gerade vom Gottesdienst zurückgekommen, die letzte Zeremonie seiner Amtseinführungsfeier, als er den Fernseher einschaltete und die Demonstranten sah, die gegen ihn in Washington und vielen Städten in den USA und weltweit protestierten. Immer wieder wurden die spärlichen Massen auf der Mall während seiner Inaugurationsfeier gezeigt und verglichen mit den weit besser besuchten Protesten oder mit Barack Obamas Amtseinführung.

Alle schienen sich gegen ihn verschworen zu haben. Ein „Time“-Journalist hatte die Falschmeldung in die Welt gesetzt, Donald Trump habe die Büste von Martin Luther King aus dem Oval Office entfernt. Selbst die nationale Parkaufsicht hatte ein unvorteilhaftes Bild getweetet, das die Besucher bei seiner und bei Obamas Amtseinführung nebeneinander zeigte. TV-Kommentatoren machten hämische Bemerkungen. Die Stars, die für ihn nicht hatten singen wollen, traten nun gegen ihn auf. Madonna sprach sogar davon, „das Weiße Haus in die Luft zu sprengen“.

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Kollektive Intelligenz: Wie man die richtige Antwort unter lauter falschen findet

Themenbild.
Themenbild.
Wie heißt die Hauptstadt von Australien? Der Publikumsjoker ist manchmal katastrophal falsch. Mit diesem Trick kann man künftig erkennen, ob die Mehrheit einem Irrtum aufsitzt.

Von Jan Dönges | Spektrum.de

Lässt man eine Gruppe von Menschen beispielsweise das Gewicht eines Jumbojets schätzen, kommt der Mittelwert ihrer Antworten dem tatsächlichen Ergebnis oft erstaunlich nahe. Der klassische Publikumsjoker bei Quizsendungen trifft, was die Mehrheitsverhältnisse angeht, oft ebenfalls genau ins Schwarze. Problematisch wird das bei Fragen wie der nach der Hauptstadt von Australien. Wenn sich eine falsche Antwort (zum Beispiel Sydney) geradezu aufdrängt, gerät die richtige Antwort (Canberra) ins Hintertreffen.

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Warum LSD-Trips so lange anhalten

Bindet LSD an die Serotonin-Rezeptoren im Gehirn, löst dies Halluzinationen und Wahrnehmungsveränderungen aus. © Annie Spikes
Bindet LSD an die Serotonin-Rezeptoren im Gehirn, löst dies Halluzinationen und Wahrnehmungsveränderungen aus. © Annie Spikes
Überraschend anders: Erstmals ist es Forschern gelungen, das Gehirn gebundene LSD-Molekül in seiner Andockstelle sichtbar zu machen. Die Röntgenkristallografie-Aufnahmen enthüllen, dass die Droge völlig anders im Rezeptor sitzt als bisher gedacht – und obendrein von einer Art Deckel festgehalten wird. Dies erklärt, warum LSD-Trips ungewöhnlich lange anhalten: Das LSD-Molekül kommt nur schlecht wieder los, wie die Forscher im Fachmagazin „Cell“ berichten.

scinexx

Lysergsäurediethylamid, kurz LSD genannt, ist eine der stärksten bekannten psychoaktiven Drogen. Schon wenige Dutzend Mikrogramm LSD lösen Halluzinationen aus und verändern die Wahrnehmung und das Zeitgefühl. Studien zeigen, dass die Droge nicht nur ein wahres Aktivitätsfeuerwerk im Hirn entfaltet, sondern auch ganz verschiedene Hirnregionen miteinander verschaltet – was die LSD-Wirkung so komplex und umfassend macht.

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Können wir gezielt vergessen?

Zum Vergessen? Offenbar können wir ganz bewusst Informationen aus unserem Gedächtnis löschen. © Ocusfocus/ thinkstock
Zum Vergessen? Offenbar können wir ganz bewusst Informationen aus unserem Gedächtnis löschen. © Ocusfocus/ thinkstock
Absichtlich gelöscht: Menschen können Informationen offenbar bewusst vergessen. Demnach reicht die reine Absicht, etwas aus dem Gedächtnis zu löschen, aus – und schon sind die entsprechenden Inhalte tatsächlich verschwunden. Besonders erstaunlich: Dieser Effekt wirkt nachhaltig. Er erschwert das Erinnern sogar langfristiger als unerwartete Ablenkung.

scinexx

Erinnerung ist ein komplexer und dynamischer Prozess. Weil wir im Alltag ständig neuen Informationen ausgesetzt werden, befindet sich insbesondere unser Kurzzeitgedächtnis in einem stetigen Wandel: Kontinuierlich passt sich der Zwischenspeicher an Veränderungen in unserer Umwelt an – und neue Inhalte drängen alte in den Hintergrund.

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Seasonal Affective Disorder Might Not Be A Real Thing, Some Researchers Say

Image: Adam/Flickr
Image: Adam/Flickr
Last year, around early November, Megan Phillips couldn’t get out of bed or wash her dishes. It felt like she couldn’t do anything constructive. The 32-year-old Vancouverite had never been this sluggish, and a heavy depression began to settle in.

By David Silverberg | MOTHERBOARD

“When I felt that weather change,” she said in an interview, “I felt a palpable shift in my mental health.”

Phillips said she suffers from seasonal affective disorder, commonly known as SAD. SAD sufferers report experiencing temporary depression beginning in the fall and lasting through winter. It’s long been believed to be a malady triggered by lower levels of sunlight, with symptoms that range from excessive sleeping to irritation and loss of appetite. The condition may affect as many as six percent of Americans, numbers that are presumably about the same in Canada.

“It’s a very broadly held cultural belief that the seasons and moods are correlated“

But numerous studies have emerged to counter the claim that the changing seasons or weather patterns have anything to do with people feeling more depressed during winter months. While depression is all too real for those who suffer from it, some researchers say the debate still isn’t closed on whether SAD itself is an actual thing.

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It’s Almost 2017, So of Course People Are Smoking Weed With Lasers

If you’re yearning for the aesthetic that brought you those rad Lifetouch yearbook photo backgrounds, but also want to get blazed out of your skull because it’s legal in a bunch of states now and, why not? Well, you’re in luck.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

Some marijuana purists prefer to avoid butane methods for igniting their bud. Vapes and hemp create a cleaner-tasting smoke, but what if you’re in more of a vaporwave mind? Two days ago, Youtuber “Oregon Marijuana (Jake)” posted a video of himself smoking a bowl using a really big, high-powered laser. That’s raised a few questions from us: Are there more like him? Have they all lasered their eyes out by now?

It turns out the answer to that first question at least is a hearty, “jeah brah!” Although it’s difficult to pinpoint a specific date or person responsible for pioneering the trend of smoking weed with lasers, high-powered consumer lasers have been on the market since the turn of the millennium, and our internet sleuthing reveals the idea of using them to burn cannabis for the purposes of obtaining its psychoactive effects goes back to at least 2008. Journey down the smoked-out rabbit hole with us for a retrospective into the weird, wild world of weed with lasers.

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Sind wir die Angsthasen Europas?

Schon immer auch Ort der Angst: der WaldFoto: Getty Images
Schon immer auch Ort der Angst: der WaldFoto: Getty Images
Die Deutschen gelten als besonders furchtsam. Das hat Gründe. Ein Gespräch mit den Gefühlshistorikern Frank Biess und Bettina Hitzer über die Angst als Politikum.

Von Julia Prosinger | DER TAGESSPIEGEL

Frau Hitzer, Herr Biess, Sie forschen als Historiker zur Geschichte der Emotionen. Herr Biess, gibt es ein typisch deutsches Gefühl – etwas, das unsere europäischen Nachbarn so nicht empfinden?

FRANK BIESS: In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland Ungewissheit darüber, wie die Zukunft aussehen könnte. Das lag an der Gegenwart der Erinnerung an Krieg und NS-Zeit. Meine Forschung ergibt: Die Furcht davor, dass sich die Vergangenheit in irgendeiner Form wiederholt, war bis in die achtziger Jahre sehr präsent. Das, was man mit German Angst beschreibt, ist also tatsächlich etwas spezifisch Deutsches. Eine kritische Außenzuschreibung, aber ich sehe es auch als Selbstzuschreibung der Deutschen.

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Was ist die Ursache des ethischen Relativismus?

Bild: RDF
Bild: RDF
Ihrer Auffassung nach sind bestimmte Charaktereigenschaften oder Handlungen nicht eindeutig gut (z.B. die Rechte anderer Menschen achten), böse (Menschen ermorden) oder neutral (Schoko- oder Vanilleeis essen), sondern es ist demnach rein subjektiv, wie man sie bewertet. Es mag von einem Individuum persönlich abhängen oder von der Kultur, in der man lebt, von der eigenen sozialen Gruppe, vom eigenen Gott, aber jedenfalls ist es nicht universell anhand von Fakten feststellbar, was gut und was böse ist. In China essen sie Hunde.

Von Andreas Müller | Richard-Dawkins-Foundation

Mir ist aufgefallen, dass in der Philosophiegeschichte unterschiedliche Gründe für eine solche Position angeführt wurden. Beispiele für ethischen Relativismus findet man unter anderem bei den altgriechischen Sophisten (die Kulturrelativisten gewesen sein sollen), bei den Emotivisten des 18. und 20. Jahrhunderts (ethische Wertungen sind nur Ausdruck unserer emotionalen Haltungen), bei Friedrich Nietzsche im 19. Jahrhundert und bei anderen Deterministen wie etwa den Marxisten (Moral wird nicht durch menschliche Willensentscheidungen, sondern durch externe Faktoren wie die ökonomische Klasse bestimmt) und bei den Pragmatikern des 19. und 20. Jahrhunderts (moralisch ist, was „funktioniert“).

Im wissenschaftlichen Bereich ist der ethische Relativismus bei Anthropologen weit verbreitet, was ich für zumindest verständlicher halte als bei allen anderen, denn man man seine Karriere mit der Analyse verschiedener Kulturen verbringt, kann es leicht so erscheinen, als gäbe es nur eine Vielfalt ethischer Vorstellungen und keinen objektiven Maßstab für moralische Werte.

Was ist ein objektiver Moralmaßstab?

Um kurz anzureißen, was ich mit einem solchen „objektiven Maßstab“ der Ethik meine: Laut meiner humanistischen Auffassung ist das menschliche Leben jener objektive Maßstab der Ethik. Man sollte Handlungen also danach beurteilen, ob sie dem menschlichen Leben dienen oder nicht. Den Menschen verstehe ich als vernunftbegabte Lebensform mit einem freien Willen.

Der Begriff „objektiv“ bedeutet in der hier gebrauchten aristotelischen im Gegensatz zur modernen Tradition nicht so etwas wie „vom Menschen unabhängig“ oder „aus der Sicht eines außenstehenden Betrachters“, sondern er bedeutet „faktenbasiert“ im Gegensatz zu „subjektiv“, das heißt willkürlich, etwa beruhend auf persönlichen Launen, Wünschen, spontanen Einfällen oder Göttern. Es gibt Fakten über die menschliche Natur und über die angemessenen Überlebensbedingungen für eine Lebensform, wie wir eine sind. Eine Ethik, die auf diesen Tatsachen aufbaut, kann einen Anspruch darauf erheben, objektiv zu sein (was nicht dasselbe ist wie „unfehlbar“).

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Wir sind alle zum Tantalus-Komplex verurteilt

Tantalus von Gioacchino Assereto (Ausschnitt). Tantalus_Gioacchino_Assereto_circa1640s.jpg:Bild: Landesmuseum Joanneum, Graz/gemeinfrei
Tantalus von Gioacchino Assereto (Ausschnitt). Tantalus_Gioacchino_Assereto_circa1640s.jpg:Bild: Landesmuseum Joanneum, Graz/gemeinfrei
Unter den vielen Komplexen, denen der heutige Mensch zum Opfer fällt, gibt es einen, der vielleicht mehr als die anderen den Sinnhorizont (oder den Unsinnhorizont) der heutigen Konsumgesellschaft ausmacht.

Von Diego Fusaro | TELEPOLIS

Das ist der Sinn, den ich Tantalus-Komplex nennen möchte. Gemäß einer schönen Darstellung der griechischen Metaphysik des „richtigen Maßes“ ist die Strafe, die die Götter gegen den König von Lydien verhängen – die unbegrenzte Unfähigkeit, seinen Durst zu stillen -, heute unsere unbedachte und natürliche Art zu leben und zu produzieren geworden – in Form einer „schlechten Unendlichkeit“ (Hegel) zu Lasten des Planeten und des menschlichen Lebens.

Für die Griechen war Tantalus‘ Strafe abscheulich. Und somit eine Warnung an die Sterblichen, einen sicheren Abstand zu den verlockenden Sirenen des Unbegrenzten, des Immer-mehr, des Exzesses zu wahren.

Für uns postmoderne Menschen wird das hingegen zur alltäglichen Szene: Wir alle sind wie Tantalus, immer auf der irrsinnigen Suche nach neuen Produkten, neuen Waren, neuen Konsumgütern, die im Verbrauch verschwinden, um im Umlauf wieder aufzutauchen.

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Kulturell konditionierte Affen

Christopher Ryan, Cacilda Jethá Sex - die wahre Geschichte Aus dem Englischen von Birgit Herden Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2016 ISBN: 9783608980509
Christopher Ryan, Cacilda Jethá
Sex – die wahre Geschichte
Aus dem Englischen von Birgit Herden
Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2016
ISBN: 9783608980509

Nach allem, was man heute weiß, vollzog sich die Menschwerdung ganz wesentlich in kleinen Gruppen kooperierender Jäger und Sammler. Teilen, im weitesten Sinn, brachte diesen Gemeinschaften einen entscheidenden evolutionären Vorteil.

Von David Weiß | Spektrum.de

Vor diesem Hintergrund möchten Psychiaterin Cacilda Jethá und Psychologe Christopher Ryan verdeutlichen, welchen kulturellen Prämissen wir heute ständig auf den Leim gehen. Sie lehnen die kulturanthropozentrische Perspektive westlicher Gesellschaften ab, wonach Monogamie eine Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens sei.

Die Autoren postulieren, es existiere eine weit verbreitete falsche Grundannahme, ein „Standardnarrativ“, das die Menschwerdung erst in die Zeit seit der neolithischen Revolution verlege. Also, je nach Modell, in die zurückliegenden zehn- bis zwanzigtausend Jahre. In dieser Zeitspanne habe es eine allmähliche Entwicklung zum Kriegerischen, Besitz akkumulierenden und zur männlichen Dominanz hin gegeben. Sie habe den Boden bereitet für monogame Partnerschaftsmodelle, die nach und nach die Gesellschaft durchdrangen – mit all ihren Symptomen: besitzergreifende Eifersucht, sexuelle Frustration, Rosenkriege und Scheidungskinder.

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NSU-Prozess: Zschäpes Verteidiger lehnen Gutachter ab

„Antisoziale Tendenzen“: Beate Zschäpe neben ihren Anwälten Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel am Dienstag vor Gericht. Foto: dpa
„Antisoziale Tendenzen“: Beate Zschäpe neben ihren Anwälten Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel am Dienstag vor Gericht. Foto: dpa
Ein Gutachter fordert wegen „antisozialer Tendenzen“ Sicherungsverwahrung für Beate Zschäpe. Deren Anwälte versuchen, die Einführung in den Prozess zu verhindern.
 

Von Christian Gottschalk | Frankfurter Rundschau

Es war ein Tiefschlag für Beate Zschäpe: Die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess zeige deutlich „antisoziale Tendenzen“ und mit einer Änderung ihres Verhaltens sei auch nach einer möglichen Haft nicht zu rechnen. Das ist ein Fazit des Gerichtspsychiaters Henning Saß. Sein vorläufiges Gutachten haben die Verfahrensbeteiligten seit Ende Oktober in ihren Akten. Am Dienstag sollte der renommierte Psychiater seine Ergebnisse öffentlich darlegen und erklären, warum er nach einer möglichen Haftstrafe auch noch Sicherungsverwahrung für notwendig hält. Die Verteidigung von Beate Zschäpe hat daran naturgemäß kein Interesse. Und sie kämpft.

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Schwangerschaft verändert das Gehirn

Während der Schwangerschaft verändert sich auch das Gehirn. © Jupiter Images/ thinkstock
Während der Schwangerschaft verändert sich auch das Gehirn. © Jupiter Images/ thinkstock
Hormonschub mit weitreichender Wirkung: Die hormonellen Umstellungen während der Schwangerschaft machen sich sogar im Gehirn bemerkbar. Wie eine Studie nun zeigt, ändert das weibliche Denkorgan in dieser prägenden Zeit seine Struktur – und zwar langfristig. Noch zwei Jahre nach der Geburt konnten die Forscher die Veränderungen feststellen. Sie vermuten, dass es sich dabei um einen Anpassungsmechanismus handelt, der die Frauen für die Aufgaben der Mutterschaft wappnet.

scinexx

Während der Schwangerschaft vollziehen sich im Körper der werdenden Mutter drastische Umbrüche: Nicht nur der Bauch wird dabei von Monat zu Monat dicker. Auch der Hormonhaushalt verändert sich, um das Heranreifen des Kindes zu ermöglichen. Die ungewohnten Schübe von Progesteron, Östrogen, Oxytocin und Co bereiten den Organismus optimal auf seine neue Aufgabe vor. Als Nebeneffekt führen sie aber manchmal zu Stimmungsschwankungen und Unwohlsein.

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Die linke Hand weiß, was die rechte tut

Unsere Hände sind auf erstaunliche Art und Weise miteinander verknüpft. © Public domain/ pixabay
Unsere Hände sind auf erstaunliche Art und Weise miteinander verknüpft. © Public domain/ pixabay
Erstaunliche Verknüpfung: Wenn sich die rechte Hand bewegt, lernt die linke automatisch mit. Das zeigt nun ein Experiment: Demnach lässt sich die Beweglichkeit der linken Hand verbessern, indem man die rechte Hand trainiert. Allerdings bedarf es dazu eines Tricks, wie Forscher im Fachmagazin „Cell Reports“ berichten. Die Ergebnisse könnten künftig Menschen mit Bewegungseinschränkungen in den Händen helfen.

scinexx

Übung macht den Meister – nach diesem Motto gilt die häufige Wiederholung als beste Methode, um etwas zu lernen. Das trifft auch für Bewegung und Sport zu: Wer ein perfekter Basketballspieler werden will, muss demnach im Idealfall täglich dribbeln und Körbe werfen. Wer dagegen im Schwimmen zur Höchstform auflaufen möchte, darf den regelmäßigen Sprung ins Wasser nicht scheuen.

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