Archiv der Kategorie: Psychologie

Warum wir seufzen

Die beiden hellgrün markierten Areale im Hirnstamm lösen das Seufzen aus. © Stanford/ Krasnow lab
Forscher haben herausgefunden, wo im Gehirn unsere Seufzer ausgelöst werden. Diese tiefen Atemzüge kontrollieren wir nicht bewusst, sondern sie werden von zwei winzigen Arealen im Hirnstamm gesteuert. Seufzer sind für unsere Lungenfunktion lebenswichtig – warum wir allerdings aus Erleichterung oder Kummer besonders viel seufzen, bleibt vorerst rätselhaft, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” erklären.

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Wenn wir aus Kummer oder anderen emotionalen Gründen seufzen, fällt es uns dieser besonders tiefe Atemzug meist auf. Aber ohne es zu merken, seufzen wir sehr viel häufiger. Etwa alle fünf Minuten legen wir einen Seufzer ein. “Ein Seufzer ist ein unwillkürlicher, tiefer Atemzug”, erklärt Jack Feldman von der University of California in Los Angeles. “Es beginnt wie ein normales Luftholen, aber bevor wir ausatmen, atmen wir noch ein zweites Mal ein.”

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Tödlicher Kampf zwischen Orang-Utan-Weibchen

Das Orang-Utan Weicbehn Sidony starb nach einem Kampf mit ihrer Artgenossin Kondor und deren “Schläger” © Anna Marzec
Überraschend brutal: Im Regenwald Indonesiens haben sich zwei wilde Orang-Utan-Weibchen einen tödlichen Kampf geliefert. Unterstützt von ihrem männlichen “Bodyguard” biss und schlug eine Äffin ihre Artgenossin so lange, bis diese schwerverletzt am Boden lag. Ein solcher Gewaltausbruch zwischen Weibchen wurde bei diesen Menschenaffen noch nie zuvor beobachtet, wie die Biologen berichten. Auch das “Anheuern” eines männlichen Helfers sei extrem außergewöhnlich.

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Menschenaffen können durchaus aggressiv werden. Davon zeugen Schimpansen, die Rivalen attackieren, gemeinsam Jagd auf andere Affen machen oder gegen konkurrierende Trupps vorgehen. Sogar eine nervende Kameradrohne wurde schon von einer Zoo-Schimpansin attackiert.

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Gewinner mogeln mehr

Sieger in einerm Wettbewerb mogeln hinterher mehr © Bananastock/ thinkstock
Siege machen unehrlich: Wer in einem Wettbewerb siegt, handelt danach eher unehrlich als die Verlierer. Für das vermehrte Mogeln reicht es sogar schon aus, wenn man sich an vergangene Siege nur erinnert, wie ein Experiment israelischer Forscher belegt. Der mögliche Grund dafür: Der Sieg löst ein Gefühl der Überlegenheit und ein Anspruchsdenken aus, das wiederum die Übertretung von Regeln leichter macht.

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Lügen und Schummeln sind in unserer Gesellschaft verpönt – eigentlich. Das aber ändert nichts daran, dass fast jeder von uns in bestimmten Situationen schon einmal gelogen hat. Dabei gibt es in puncto Ehrlichkeit zwischen den Geschlechtern durchaus Unterschiede und auch bestimmte Berufe und Karriere-Positionen scheinen die Unehrlichkeit zu fördern.

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Why Eradicating Earth’s Mosquitoes To Fight Disease Is Probably a Bad Idea

Image: Tom/Flickr
Image: Tom/Flickr
The Zika virus has been spreading across dozens of major countries, blazing a trail of tragedies and fear. On Saturday, officials with the World Health Organization announced that they feared the outbreak could be a larger threat to global health than the Ebola epidemic.

By Melissa Cronin|MOTHERBOARD

Scientists and politicians are looking for solutions and, as often happens in the midst of the outbreak of any mosquito-born illness, some have brought up an age-old idea: kill every mosquito on Earth. In an article for Slate published Friday, columnist Daniel Engber argued that the total and complete eradication of mosquitoes is our best option for fighting infectious disease.

But what would a world free of mosquitoes look like? Would it be an Earth in which the infectious diseases that plague millions are completely, permanently, and mercifully wiped out? Probably not. In fact, the eradication of an entire species could bring along with it an endless string of unforeseen consequences, one that could possibly be worse for humans than the problems we have now.

“We don’t need to wipe them all out to dramatically reduce the burden of mosquito-borne disease globally.”

The need to deal with the enormous and heartbreaking problem of mosquito-borne illnesses is more urgent than ever. In 2014, Bill Gates famously introduced the mosquito as the “deadliest animal in the world,” citing that mosquito-borne illnesses kill some 725,000 people each year. Malaria alone kills 6 million people every decade. Then there’s Dengue Fever, West Nile virus, chikungunya, and a host of other deadly illnesses, all brought about by tiny, bloodsucking mosquitoes. In fact, mosquitoes, despite not carrying sharp teeth or large body size, are deadly only in their ability to carry and transmit disease.

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Ist das Gehirn fremdgesteuert? Endlich befreit!

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Entscheidet unser Gehirn unbewusst, ist der freie Wille eine Illusion? Nach Jahrzehnten haben Berliner Hirnforscher die berühmte These mit einem raffinierten Spiel gegen den Computer widerlegt.

Von Joachim Müller-Jung|Frankfurter Allgemeine

Es war – und ist – eine der radikalsten Thesen, mit denen Hirnforscher die Öffentlichkeit konfrontierten: Lange bevor wir uns bewusst entscheiden, etwas zu tun, hat das Gehirn die Entscheidung unbewusst längst vorweggenommen. Der freie Wille des Menschen, bloß Einbildung? Die Versuche des amerikanischen Hirnphysiologen Benjamin Libet hatten das nahegelegt. Gut eine Sekunde, bevor Probanden sich bewusst entschlossen, ihre Hand zu bewegen, war in den Hirnstromkurven das „Bereitschaftspotential“ dafür schon zu finden. Dreieinhalb Jahrzehnte lang haben die einen, meist Hirnforscher, alles versucht, um Politik, Philosophie und die Architekten und Hüter des Rechtsstaates, die sich mit der Schuldfähigkeit von Straftätern auseinanderzusetzen haben, wachzurütteln und die Folgen dieser Erkenntnis zu bedenken. Alle anderen wehrten sich mit Händen und Füßen und noch mehr Worten dagegen, sich den Kopf waschen zu lassen mit wissenschaftlichem Material, das gegen den gesunden Menschenverstand und die eigene Erfahrung verstößt.

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Gehirn erkennt Zahlen doch mit beiden Hälften

Wo verarbeitet unser Gehirn Zahlen? © Wavebreakmedia/ thinkstock
Von wegen streng getrennt: Die Arbeitsteilung unseres Gehirns ist zumindest in Bezug auf Zahlen weniger ausgeprägt als gedacht. Denn entgegen bisherigen Annahmen verarbeitet unser Denkorgan gesehen Zahlen nicht nur in der rechten Hirnhälfte, sondern in beiden. Ein kleines, beidseitig vorhandenes Areal wird immer dann aktiv, wenn wir Zahlen sehen, wie die Forscher im “Journal of Neuroscience” berichten.

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Im menschlichen Gehirn herrscht Arbeitsteilung. Während Wörter und Sprache vorrangig in der linken Hemisphäre verarbeitet werden, ist für das Zahlenverständnis überwiegend unsere rechte Gehirnhälfte zuständig – so jedenfalls dachte man bisher. Darauf deuten auch Untersuchungen mit einigen Savants hin, die über ungewöhnliche Mathematik-Fähigkeiten verfügen. Allerdings: Einfache Rechenaufgaben und Mengenlehre erledigen wir zentral – mit dem Stirnhirn.

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Philosophie des Unbewussten: Über Willensfreiheit und mentale Faulheit

Neurowissenschaften versus Psychoanalyse – von der Macht des Unbewussten. (picture-alliance/ dpa / Fredrik von Erichsen)
Menschen sind vernunftbegabte Wesen und steuern Ihr Handeln über Willensfreiheit. Ab wann siegt die mentale Faulheit? Kann Aufmerksamkeit Vernunft aktivieren? Diesen und weiteren existenziellen Fragen geht der Philosoph Philipp Hübl in seinem Buch “Der Untergrund des Denkens – Eine Philosophie des Unbewussten” nach.

Von Matthias Eckoldt|Deutschlandfunk

Ein Baseballschläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Dollar. Der Baseballschläger kostet 1 Dollar mehr als der Ball. Wieviel kostet dann der Ball? 10 Cent. Diese Antwort fällt einem rasch ein, hat jedoch ein Problem: Sie ist falsch. Denn dann würde der Baseballschläger 1,10 Dollar kosten und Ball und Schläger zusammen 1,20 Dollar. 5 Cent ist die richtige Antwort, die nach einer Untersuchung des Nobelpreisträgers Daniel Kahnemann weniger als die Hälfte der Probanden finden. Da die Aufgabe an sich sehr einfach ist, führt er die hohe Fehlerrate auf ein Phänomen zurück, das er mentale Faulheit nennt.

Wenn mentale Faulheit schnell über Vernunft siegt  

Dies ist einer der vielen empirischen Belege, die der Philosoph Philipp Hübl in seinem Buch “Der Untergrund des Denkens” diskutiert, um genau jenen Untergrund sichtbar zu machen.

Unsere Vernunft scheint des Öfteren zu schlafen. Wir lassen uns täuschen, verführen und betrügen uns noch selbst dabei. Doch das allein ist für den Professor der theoretischen Philosophie an der Universität Stuttgart kein Grund, der Macht des Unbewussten das Wort zu reden. Im Gegenteil: Hübl fordert in seiner “Philosophie des Unbewussten” – so der Untertitel seines Buches – eine Rehabilitation der aus der Mode gekommenen Vernunft.

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Psychopathen: Testosteron macht es schlimmer

Bei Psychopathen reagiert das Gehirn anders auf Gefühle © Erniel Henning/ freeimages
Gestörte Verbindung: Bei Psychopathen ist die Verbindung zwischen dem Kontrollzentrum im Stirnhirn und dem Gefühlszentrum gestört, wie ein Experiment nun nahelegt. Das erklärt, warum diese Menschen zwar kein Mitgefühl empfinden, aber durchaus Wutanfälle und andere Gefühlsausbrüche bekommen können. Interessant auch: Das Geschlechtshormon Testosteron scheint die Störung dieser Kontrolle sogar noch zu verschlechtern.

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Sie gelten als gefühlskalt und berechnend: Psychopathen empfinden gängiger Ansicht nach selbst kaum Emotionen und sind unfähig, mit anderen mitzufühlen. Ihre verringerte Fähigkeit zur Empathie verrät sich unter anderem daran, dass sie seltener vom Gähnen anderer angesteckt werden und auch ihre Spiegelneuronen sind weniger aktiv, wie Studien zeigen. Kein Wunder, dass rund 20 bis 30 Prozent der wegen schwerer Gewalttaten im Gefängnis sitzenden Kriminellen psychopathische Tendenzen aufweisen.

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Zahnarzt: Strom statt Spritze?

Vor der Betäubungsspritze beim Zahnarzt haben viele Angst. © Ocskaymark/ thinkstock
Betäubt ohne Spritze: Künftig könnte die Behandlung beim Zahnarzt deutlich angenehmer werden. Denn brasilianische Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der die Betäubung von Zähnen und Zahnfleisch durch sanften Strom statt durch eine pieksende Spritze erfolgt. Der nur leicht kribbelnde Strom bringt das Lokalanästhetikum unter die Haut und sorgt so für eine ausreichende Schmerzblockade.

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Für viele ist der Gang zum Zahnarzt ein echter Horror: Sie haben Angst vor den Schmerzen, Angst vor dem Bohren und Angst vor den Spritzen, die die ganze Prozedur einleiten und für Betäubung sorgen sollen. Schon das schmerzhafte Pieksen am sensiblen Zahnfleisch schreckt einige Menschen so sehr ab, dass sie den Zahnarzt lieber ganz meiden.

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Turbolesen bringt wenig

Lieber in Ruhe: Beim Schnelllesen gehen wichtige Inhalte unter. © Deborah Krusemark / freeimages
Ein Buch in einer Stunde oder den E-Mail-Posteingang mal eben in der Mittagspause? Mit speziellen Schnelllese-Techniken sollen sich Texte zügiger lesen und dennoch gut verstehen lassen. In der Praxis kann die Methode dieses Versprechen allerdings nicht halten. Wie Forscher berichten, geht Turbolesen fast immer auf Kosten der Genauigkeit. Wir sind damit zwar schneller fertig, verpassen aber wichtige inhaltliche Details.

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Ob Alltag, Schule oder Beruf – Lesen ist eine fundamentale Fertigkeit. Schon Kindergarten-Kinder sind in der Lage, den Unterschied, zwischen Wörtern und Bildern zu begreifen. Spätestens in der Schule lernen wir dann, Schrift tatsächlich zu lesen und zu verstehen. Die Geschwindigkeit, mit der wir den Inhalt von Texten aufnehmen können, wird dabei mit dem Erwachsenenalter immer wichtiger. Gerade Studium und Beruf erfordern vielfach das Lesen großer Mengen von Büchern, Fachliteratur oder E-Mails. Schnell lesen zu können ist da enorm hilfreich und spart vor allem wertvolle Zeit.

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Machen Gene einige Länder glücklicher als andere?

Hängt die Fähigkeit zu Zufriedenheit und Glück auch an unseren Genen? © Wiliam87/ freeimages
Warum sind die Menschen in Skandinavien glücklicher als bei uns? Und warum ist das subjektive Glücksempfinden selbst in ärmeren Ländern manchmal größer? Eine mögliche Antwort: Es liegt in den Genen. Denn Forscher haben nun entdeckt, dass eine Genvariante in all den Bevölkerungen besonders häufig ist, die sich selbst als besonders glücklich einschätzen. Sie könnte dazu beitragen, das subjektive Glücksgefühl zu stärken.

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Die “German Angst” ist geradezu sprichwörtlich: Deutsche gelten gemeinhin nicht unbedingt als Optimisten oder als besonders zufrieden. Insofern ist es auch kein Wunder, dass sie bei Studien wie dem World Happiness Report trotz bester Rahmenbedingungen nie ganz vorne unter den Ländern mit den glücklichsten Bewohnern liegen. Auffallend ist dagegen, dass die skandinavischen Länder meist führen. Interessanterweise liegen aber auch einige latein- und südamerikanische Länder relativ weit vorne.

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Neigung zu Wutausbrüchen ist am Gehirn ablesbar

Wut im Bauch: Die Neigung dazu ist am Gehirn ablesbar © Marjan Apostolovic / thinkstock
Wütend ohne Grund? Nicht unbedingt, berichten Forscher im Fachmagazin “Biological Psychiatry”. Sie konnten mithilfe von bildgebenden Verfahren zeigen, dass krankhafter Jähzorn mehr als ein bloßes Problem der Persönlichkeit sein könnte. Denn Wutpatienten verfügen in einigen Hirnbereichen über bedeutend weniger graue Substanz als gesunde Menschen: Sie haben ein kleineres emotionales Gehirn.

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Wenn Wut und Ärger uns immer wieder grundlos überfallen, machen wir uns bei unseren Mitmenschen unbeliebt. Schnell heißt es dann, man lege ein schlechtes Verhalten an den Tag und müsse mal an seiner Einstellung arbeiten. Tatsächlich aber können Wutanfälle ganz objektive Gründe haben. Forscher haben etwa herausgefunden, dass Hunger uns aggressiver macht und mehr Ärger empfinden lässt. Doch nicht immer ist die Ursache so trivial. Auch bestimmte Genvarianten beeinflussen die Ausschüttung wichtiger Hirnbotenstoffe – und fördern dadurch Aggression und schwächen die Impulskontrolle.

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“Man kann verantwortungsvoll mit dem Rauschmittel Religion umgehen”

Der Autor und Journalist Dietmar Dath (picture-alliance / dpa / Erwin Elsner)
Der einstige SPEX-Chefredakteur und heutige FAZ-Feuilletonist Dietmar Dath hat seinen neuen Roman einer gesellschaftlichen Kraft gewidmet, die in seinem Werk bisher keine prominente Rolle gespielt hat: der Religion. “Leider bin ich tot” ist ein Versuch, Gott oder das Göttliche zu verstehen.

Dietmar Dath im Gespräch mit Benedikt Schulz|Deutschlandfunk

Der Grundgedanke seines Romans: Es gibt zwischen Himmel und Erde Dinge, die sich nicht erklären lassen. Und doch versuchen  Menschen sich diese Dinge zu erklären. Wenn es niedrigere und höhere Formen intelligenter Lebensformen auf der Erde gibt, warum sollte es dann nicht auch höhere Intelligenzen als den Menschen im Universum geben? Formen von Intelligenz, die wir nicht verstehen und die man Gott nennen könnte? Dietmar Dath verwebt die Einzelschicksale von rund 10 Menschen und einer Person, die mehr ist als ein Mensch.  Ein Versuch, Gott oder das Göttliche zu verstehen.

Benedikt Schulz: Dietmar Dath, Sie haben mal in einem Interview gesagt, immer dann, wenn es für Sie grundsätzlich wird, dann kommen Sie ins Erzählen. War das mal eine Frage der Zeit, dass Sie auch mal zu so etwas Grundsätzlichem wie Religion erzählen wollten?

Dietmar Dath: Also, erstens habe ich es in Wirklichkeit schon immer gemacht – und es wird hier nur explizit. Wenn Sie an “Waffenwetter” denken, das handelt die ganze Zeit davon, wie sozusagen das “Turmbau zu Babel”-Gleichnis in die Gegenwart überführbar wäre. Das heißt, ob es nicht vorstellbar wäre, dass nicht der ‘liebe Gott’ unsere Sprache verwirrt hat, sondern dass wir die Sprache von etwas verwirrt haben, das größer und stärker ist als wir selber – nämlich des ganzen Weltsystems, des sozialen Weltsystems, in dem wir leben. Das war also sozusagen schon ein religiöses Motiv, allerdings von innen nach außen gekrempelt. Und hier krempele ich es halt einfach wieder zurück.

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Jenseitsideen gegen die Angst

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Seit wann gibt es eigentlich Religionen? Wann und warum haben unsere Vorfahren begonnen, an Gott oder Götter zu glauben? Liegt uns der Glauben in den Genen? Michael Hollenbach hat sich auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen begeben.

Von Michael Hollenbach|Deutschlandradio Kultur

“Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.”

So beginnt das Johannesevangelium des Neuen Testaments. Doch Ina Wunn, Religionswissenschaftlerin an der Universität Hannover, ist sich sicher:

“Religionen sind ganz bestimmt biologisch bedingt. Allerdings nicht in dem Fall, wie man sich das vielleicht vorstellt, dass es so etwas gibt wie ein Gottesgen, das einen quasi automatisch religiös macht. Religion ist insofern in unserer Biologie verankert, weil wir ganz bestimmte Dispositionen haben.”

Dispositionen, die die Entwicklung religiöser Vorstellungen erleichtern. Das sieht der Freiburger Neurobiologe Robert-Benjamin Illing ganz ähnlich. Auch er glaubt nicht daran, dass die Religion unmittelbar genetisch bedingt ist:

“Eins zu eins nicht, aber die Möglichkeit, an so etwas zu denken, die ist genetisch verankert. Und jetzt probieren wir einfach aus in unserer Kulturgeschichte, mit welchen Konzepten wir gut durch das Leben kommen, durch die Sinnkrisen, diese Gratwanderung zwischen ‘Es hat ja alles keine Bedeutung’ und ‘Wir streben einem höheren Ziel entgegen’, dass wir das bewältigen.”

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Das Gender-Paradoxon

Mann und Frau als evolvierte Menschentypen

Von Ulrich Kutschera|Richard Dawkins Foundation

Vorwort

Seit der Veröffentlichung meines Bestsellers Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte (Februar 2009) werde ich regelmäßig von Journalisten kontaktiert mit der Bitte, mich nicht nur mit dem Kreationismus, d. h. den auf Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglauben, sondern auch mit der Gender-Ideologie öffentlich auseinanderzusetzen. Die Grundgedanken dieser „Geschlechter-Weltanschauung“ lassen sich wie folgt verdeutlichen. Im November 2014, nur wenige Tage nach dem 100. Todestag des Urvaters der modernen „Sex-Forschung“, August Weismann (Freiburg i. Br.), ist in dessen Bundesland Baden-Württemberg ein sogenannter „Entwurf zum Bildungsplan 2015“ der Stuttgarter Landesregierung bekanntgeworden. Nach Veröffentlichung dieses Dokuments gab es bundesweit Proteste – warum?

Vertreter der Gender-Ideologie wollten für alle Schulen und Fächer vorschreiben, dass die Schüler von nun an „gendersensibel“ erzogen werden. Man plante, z. B. Achtklässler (ca. 14 Jahre alt, mitten in der Pubertät) im Biologieunterricht zu fragen, ob sie wirklich „heterosexuell seien oder sein wollen“. Weiterhin sollte vermittelt werden, dass die „Heteronormalität“, d. h. die Tatsache, dass etwa 95 % aller Männer und Frauen über einen evolutionär verankerten, dem anderen Geschlecht zugewandten „Fortpflanzungstrieb“ verfügen, als konservativ-reaktionäre Weltanschauung zu gelten habe. Die Vater/Mutter-Kind-Familie sei überholt, während eine homoerotische Neigung als frei wählbarer Life Style propagiert wurde. Proteste aus ganz Deutschland haben dann bald dazu geführt, dass der Ministerpräsident Baden-Württembergs, der hinter diesen genderistischen Irrlehren stand, seinen Vorschlag zurückgezogen hat. Da ich mich, unabhängig von diesem Vorfall, im „Weismann-Jahr 2014“ u. a. im Fachjournal Nature mit dem Darwinischen Feminismus auseinandergesetzt hatte, begann ich mit der systematischen Sichtung meiner Aufzeichnungen zum Gender-Thema.

Der Text baut auf der 4. Auflage meines Lehrbuchs Evolutionsbiologie (2015) auf und stellt eine Erweiterung der dort zusammengetragenen Sachverhalte dar. Er kann mit acht runden „Sex/Gender-Geburtstagen“ in Verbindung gebracht werden: 1. Vor 150 Jahren (1865) wurde die deutsche Frauenbewegung gegründet, die mit vernünftigen Sachargumenten der damaligen Diskriminierung des weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung entgegengetreten ist. Im selben Jahr hat der deutsche Biologe Julius Sachs (1832–1897) ein Lehrbuch verfasst, in welchem eine erste Sex-Gender-Definition niedergeschrieben war. 2. Vor 70 Jahren (1945) wurde auf der Gründungsversammlung der Vereinten Nationen (UN) in San Francisco/Kalifornien (USA) die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben, die dann 1958 im Grundgesetz verankert worden ist. 3. Vor 60 Jahren (1955) hat der US-Psychologe und Erziehungswissenschaftler John Money (1921–2006) die aus Zwitter (Hermaphroditen)-Studien abgeleitete „Gender-Theorie“ formuliert, welche besagt, dass Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren werden und erst später eine erzieherische Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung erfahren. 4. Vor 50 Jahren (1965) ist Bruce (David) Reimer in Kanada als eineiiger Zwillingsbruder zur Welt gekommen. Der Junge wurde zum „Beweis“ der Gender-These als Säugling kastriert und zu einem Mädchen umgestaltet – der gepeinigte Kastrat beging 2004 Selbstmord.

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Mausbewegung verrät unsere Stimmung

Wie wir unsere Maus bewegen, verrät Einiges über unsere Stimmung © Brigham Young University
Wie wir unsere Maus bewegen, verrät einiges über unsere Stimmung: Ärgern wir uns oder sind wir gefrustet, führen wir den Cursor ruckartiger und gleichzeitig langsamer über den Bildschirm. Und genau diese verräterischen Zeichen kann nun ein von US-Forschern entwickeltes Programm auslesen. Damit können Webseiten künftig nicht nur unsere Aktionen registrieren, sondern sogar, ob und wann wir genervt oder verärgert sind.

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Unser Computer und auch das Internet kennen uns besser als jeder Psychiater: So verraten schon wenige Likes in Facebook, wer wir sind und was wir mögen. Und schon 2014 haben Forscher ein Programm entwickelt, dass anhand unserer Tastaturanschläge erkennt, ob wir entspannt vor uns hin tippen oder mal wieder wütend über die langsame Internetverbindung sind.

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“Der Islam in der extremen Form des IS spielte für sie keine Rolle”

foto: privat Lydia Wilson interviewte drei zum Tode verurteilte IS-Kämpfer im Irak. Zu deren Motiven meint sie: “Der Islam spielte für sie schon eine Rolle, aber nicht in der extremen Form, wie es die Führer des ‘Islamischen Staates’ verlangen.” (Foto: Wilson mit einem kurdischen Sicherheitsbeamten vor den Interviews.

Die britische Wissenschafterin Lydia Wilson hat im Irak zum Tode verurteilte IS-Kämpfer interviewt und psychologische Tests mit ihnen durchgeführt. Im Interview berichtet sie über die Ergebnisse

Von Rainer Schüller|derStandard.at

Mit Kämpfern des “Islamischen Staats” (IS) über die Motive ihrer Taten zu sprechen ist kein leichtes Unterfangen. Die britische Wissenschafterin Lydia Wilson hat im Irak drei zum Tode verurteilte Vertreter einer lokalen IS-Gruppe interviewt. Das Ziel: Die Forscherin wollte mehr über die Psychologie der Terroristen wissen. Da das Sample sehr klein war, hat Wilson keinen wissenschaftlichen Text über die Tiefeninterviews verfasst, sondern in dem US-Magazin “The Nation” über ihre Erfahrungen berichtet. Im Gespräch mit dem STANDARD erzählt sie, wieso der Islam nicht der wichtigste Beweggrund für die Befragten war, sich am Kampf des IS zu beteiligen, warum der IS so stark rekrutiert und was seinen Kampf von dem von Al-Kaida unterscheidet.

STANDARD: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Interviews mit zum Tode verurteilten IS-Terroristen zu machen?

Wilson: Ich untersuche seit vielen Jahren Konflikte aus anthropologischer und psychologischer Sicht. Ich mache sehr viel Feldforschung, bei der ich mit internationalen Kollegen aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeite. Unsere Hauptfragen sind, wann, wie und warum Menschen wie eben auch die Kämpfer des Islamischen Staates ihr wertvollstes Gut, ihr Leben, hergeben.

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Psychiater Robert Spitzer ist tot

Dr. Robert L. Spitzer was a major architect of the modern classification of mental illnesses in the Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Credit Alex di Suvero for The New York Times
Er sorgte wesentlich dafür, dass Homosexualität nicht länger als psychisches Leiden eingestuft wurde. Jetzt ist Robert Spitzer im Alter von 83 Jahren gestorben.

Robert Spitzer, Psychiater und ebenso gefeierter wie umstrittener Erforscher von Homosexualität, ist tot. Der Mediziner starb am Freitag in Seattle an Herzproblemen, berichteten „New York Times“ und „Washington Post“ am Sonntag unter Berufung auf Spitzers Herzprobleme. Spitzer wurde 83 Jahre alt.

Spitzer hatte in den siebziger Jahren für Aufsehen gesorgt, weil er Homosexualität nicht länger als seelische Störung eingestuft sehen wollte. Er sorgte maßgeblich dafür, dass die sexuelle Orientierung nicht mehr ein Fall für die Psychiatrie war. Bis dahin hatten viele die Meinung vertreten, dass Homosexuelle mit der passenden Therapie „geheilt“ werden könnten.

“Weihnachts-Netzwerk” im Gehirn entdeckt

Wenn wir in Weihnachtsstimmung sind, aktiviert dies ein Netzwerk aus fünf Arealen im Gehirn © Hougaard et al. /BMJ
Eine Mischung aus freudiger Erwartung und Nostalgie: Die typische Weihnachtsstimmung ist nicht nur ein Gefühl, man kann sie sogar sehen: im Gehirn. Forscher haben erstmals das typische Aktivitäts-Netzwerk dieses “Christmas Spirit” im Gehirn sichtbar gemacht. Fünf Areale in unserm Denkorgan sind dabei besonders aktiv. Und: Bei Weihnachtsmuffeln fehlt dieses Muster, wie die Forscher in der Weihnachtsausgabe des “British Medical Journal” berichten.

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Es ist allmählich soweit: Heiligabend naht und langsam weicht der Vorweihnachts-Stress dem freudigen Vorgefühl auf das Fest. Typischerweise empfinden wir dabei eine Mischung aus Freude und Nostalgie, Assoziationen an Geschenke, Weihnachtslieder, angenehme Düfte und leckeres Essen steigen in uns auf. Im Englischen wird dieses Gefühl auch als “Christmas Spirit” bezeichnet.

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Mitgefühl mit Fremden kann man lernen

Größeres Mitgefühl für Fremde entsteht durch positive Erfahrungen wie überraschende Hilfsbereitschaft. © FreeImages.com / Marco Michelini
“Was geht mich fremdes Elend an?” Diese Haltung gegenüber Menschen fremder Kulturen und Flüchtlingen lässt sich überwinden: Behandelt uns ein Fremder überraschend hilfsbereit, steigert das unser Mitgefühl. Neurowissenschaftler haben mit Gehirnscans herausgefunden, dass sich diese hinzugelernte Empathie auf die ganze Gruppe ausdehnt, der wir den fremden Wohltäter zuordnen. Schon wenige positive Lernerfahrungen reichen aus, um empathischer zu werden, schreiben die Forscher im Journal “Proceedings of the National Academy of Sciences”.

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Ein Unfall vor der eigenen Haustür oder eine Flutkatastrophe am anderen Ende der Welt – das Unglück anderer Menschen betrifft uns umso stärker, je näher uns diese Menschen stehen. Dieses unterschiedlich ausgeprägte Mitgefühl kann sogar so weit gehen, dass wir mehr Mitleid mit Haustieren als mit fremden Menschen haben. Die fehlende Empathie für “den Fremden” steht auch hinter vielen Konflikten zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen – und nicht zuletzt mit den zu uns kommenden Flüchtlingen.

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