Wie Stress auf das Immunsystem wirkt

Nicht nur die Prüfungssituation selbst, auch die Zeit davor und danach ist für Studierende oft sehr belastend. © Antonio Diaz/ thinkstock
Voll im Stress: Belastende Prüfungsphasen wirken sich merklich auf das Immunsystem von Studierenden aus. Durch die stressige Situation sinkt die Zahl wichtiger Akteure für die frühe Immunantwort gegen Infektionen, wie eine Studie zeigt. Gleichzeitig wappnet sich der Körper jedoch durch eine Umverteilung reifer Abwehrzellen vom Blut ins Gewebe. Frappierend dabei: Bei psychisch bereits vorbelasteten Personen scheint das Immunsystem nicht mehr auf diese Weise reagieren zu können.

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Stress gehört für die meisten von uns längst zum Alltag: Zeitdruck, Überforderung und ständige Informations-Überflutung sorgen dafür, dass viele Menschen kaum mehr zur Ruhe kommen. Doch das hat Folgen: Stress macht auf Dauer vergesslich, sabotiert unsere Selbstkontrolle und beeinträchtigt unsere Sinneswahrnehmung. Auch unsere Gesundheit leidet unter dieser Belastung. So kann Stress langfristig Übergewicht fördern und ähnliche gesundheitliche Folgen haben wie ungesundes Essen. Bekannt ist zudem, dass Stress unser Immunsystem beeinflusst.

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«Wenn wir die Phantasie kontrollieren, wird es gefährlich»

Eine Teilnehmerin eines Protestmarsches in Hollywood trägt die Namen all jener Männer auf dem T-Shirt, die sie angeblich sexuell belästigt haben. (Bild: Lucy Nicholson / Reuters)
Der Psychoanalytiker und Schriftsteller Jürg Acklin warnt vor den Folgen der derzeitigen Sexismus-Debatte: Wir würden unsere eigene Widersprüchlichkeit nicht mehr ertragen.

Von Birgit Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Herr Acklin, Wochen später dreht der Weinstein-Skandal noch immer. Schauspieler, Politiker, Trainer werden der sexuellen Belästigung bezichtigt und von der Öffentlichkeit angeprangert. Medien berichteten im Nachrichten-Ticker –vor ein paar Tagen live von der Klimakonferenz in Bonn, wo Vorwürfe gegen Abgeordnete erhoben wurden. Was passiert da gerade?

Zuerst einmal: Dass Fälle von realer, sexueller Gewalt an den Tag kommen, ist gut und wichtig, gerade da, wo ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt wird. Das muss aufhören, die «gruusigen» Typen müssen gestoppt werden, und dafür braucht es ein Regulativ. Aber es artet aus. Am Anfang ist es eine Aufklärung, die erhellend und notwendig ist. Doch dann wird es so hell, dass es fast wahnhaft wird. Es gibt eine Art Inquisitionsfuror, man riecht Blut wie ein Jäger und wähnt sich dabei auf der richtigen Seite. Wenn aber jeder Fall skandalisiert wird, dann leistet man den Betroffenen, die tatsächlich leidvolle Erfahrungen gemacht haben, einen Bärendienst.

Wo ziehen Sie denn die Grenze?

Eine Vergewaltigung ist absolut unentschuldbar, da geht es um eine kriminelle Energie. Ein Betatschen ist ebenfalls voll daneben, aber man kann es nicht mit sexueller Gewalt gleichsetzen. Diese würde dadurch relativiert. Früher gab man solch alten «Glüschtlern» eins auf die Finger oder eine Ohrfeige. Was mir zu denken gibt, sind die Folgen der jetzigen Sexismus-Debatte: Heute darf man einer Frau nicht einmal mehr sagen, dass sie gut aussieht, ohne dass das als sexistisch empfunden wird.

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Begehen Flüchtlinge mehr Sexualstraftaten?

Im Sog der Gruppe: Sexualstraftaten mit mehreren Tätern haben zugenommen. Auch in der Silvesternacht 2015 kam es zu solchen Übergriffen. ©DPA
15 Prozent der Tatverdächtigen sind Zuwanderer. Werden sie öfter angezeigt – oder ist ihr Anteil ähnlich hoch? Forscher füllen jetzt die Lücken in der Statistik. Ihre Hauptaufgabe: Genauer zu differenzieren als die Polizei.

Von Lydia Rosenfelder | Frankfurter Allgemeine

Als Frau muss man heute nicht mehr Angst vor sexuellen Übergriffen haben als noch vor ein paar Jahren. Die allgemeine Sicherheitslage in Deutschland hat sich nicht verschlechtert. Die Mehrzahl der sexuellen Übergriffe ereignet sich nach wie vor nicht im öffentlichen Raum, sondern im privaten Umfeld. Aber die Fälle, wo Frauen in der Öffentlichkeit sexuelle Gewalt erfahren, haben einen großen Effekt auf das Sicherheitsgefühl der Gesellschaft.

Wer erfahren will, ob Sexualstraftaten in den vergangenen Jahren in Deutschland zugenommen haben und ob Flüchtlinge daran in überproportional hohem Maße beteiligt sind, kann sich bisher nur an der polizeilichen Kriminalstatistik orientieren. Die gibt jedoch lediglich Auskunft über die Fälle, die den Behörden bekanntwurden. Sie ist ein Arbeitsnachweis der Polizei. Aber was sagt sie eigentlich aus?

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Das Hirn bleibt ein verzauberter Webstuhl

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Intelligenz ist Flexibilität: Das betont jetzt auch eine Forscherschule namens Network Neuroscience

Von Thomas Kramar | Die Presse.com

Was ist Intelligenz? Es gibt bis heute keine Definition. Am ehesten können sich die Psychologen auf eine operative Festlegung einigen: Intelligenz ist das, was ein Intelligenztest misst. (So wie Zeit das ist, was eine Uhr misst – wer kennt eine bessere Definition?)

Ein Problem damit: Wenn wir einen Computer so programmieren, dass er gängige IQ-Tests perfekt löst, müssen wir ihm – oder dem Programm – dann nicht hohe Intelligenz zuschreiben? Viele Verfechter der künstlichen Intelligenz beantworten diese Frage – auch wenn sie das vielleicht nicht zugeben – mit Ja. Doch das ist unbefriedigend. Zu unserem Verständnis von Intelligenz gehört Flexibilität. Wer nur gewohnte Aufgaben lösen kann, den sehen wir eher nicht als intelligent an.

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Was Schlafmangel mit unserem Gehirn macht

Übermüdet am Arbeitsplatz: Schlafmangel macht uns unkonzentriert und führt häufig zu Fehlern. © UCLA
Übermüdetes Gehirn: Schlafmangel kann uns vergesslich, unkonzentriert und langsam machen – warum, haben Forscher nun herausgefunden. Demnach scheint zu wenig Schlaf die Aktivität von Neuronen in bestimmten Hirnbereichen zu stören. Als Folge feuern diese Zellen schwächer als sonst und kommunizieren zudem nur verzögert miteinander. Offenbar verfallen sie in eine Art dösenden Zustand, während die Nervenzellen in anderen Regionen normal weiterarbeiten.

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Bekommen wir zu wenig Schlaf, spüren wir dies ziemlich schnell: Wir fühlen uns abgeschlagen, sind ungewöhnlich leicht reizbar und können uns kaum konzentrieren. Zudem kann uns eine schlaflose Nacht vergesslich machen und falsche Erinnerungenfördern. Das hat im Alltag mitunter weitreichende Folgen: So reagieren übermüdete Menschen beispielsweise beim Autofahren viel langsamer als sonst und geben bei der Polizei schlechte Augenzeugen ab.

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Menschliche Mini-Gehirne in Tiergehirne verpflanzt

Von Wissenschaftlern des UCLA Broad Stem Cell Research Center mit einer verbesserten Methode entwickeltes zerebrales Organoid, das geschichtetes neuronales Gewebe und verschiedene Gruppen neuronaler Stammzellen (blau, rot, magenta) zeigt, aus denen sich Nervenzellen (grün) bilden. Bild: UCLA Broad Stem Cell Research Center/Cell Reports
Im Labor aus induzierten pluripotenten Stammzellen gezüchtete „zerebrale Organoide“ verbanden sich mit den Tiergehirnen. Gibt es hier ethische Probleme?

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Vor vier Jahren berichteten Wissenschaftler um den Molekularbiologen Jürgen Knoblichvom Institut für Molekulare Biotechnologie, dass sie menschliche Minigehirne entwickelt haben. Diese zerebralen Organoide, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) entstehen und unterschiedliche Hirnareale bilden können, leben in Nährlösungen und haben als dreidimensionale Zellhaufen gerade einmal einen Durchmesser von 4 Millimetern.

Hintergrund der Forschung ist, damit ein In-vitro-Modell der Gehirnentwicklung zur Verfügung zu haben, an dem sich Erkrankungen studieren, Fehlbildungen erklären und Therapien erkunden lassen. Gerade in der Medikamentenforschung, beispielsweise gegen den Zika-Virus, wird viel mit In-Vitro-Modellen von Organen oder physiologischen Systemen gearbeitet. Versuche an Tieren, so genannte Tiermodelle von Schädigungen oder Erkrankungen des menschlichen Gehirns reichen dafür oft nicht aus. Zudem sind zerbebrale Organoide im Prinzip auch eine Möglichkeit, auf Tierversuche zu verzichten.

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Haben schon Babys ein Gefühl für Stochastik?

Schon wenige Monate alte Babys durchschauen ihre Umwelt erstaunlich gut. © Thinkstock
Kleine Mathegenies: Schon Säuglinge verstehen offenbar simple Grundprinzipien der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sechs Monate nach der Geburt stutzen sie bereits, wenn eine mit farbigen Bällen gefüllte Lottomaschine gehäuft die seltenere und damit unwahrscheinlichere Farbe zieht. Dieses erstaunliche Gefühl für Wahrscheinlichkeiten hat bei den Babys jedoch noch Grenzen: Wird der Unterschied zwischen der wahrscheinlicheren und der unwahrscheinlicheren Variante zu klein, scheitern die Kleinkinder.

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Säuglinge sind wie kleine Lernmaschinen. Ihr ganzes Wesen ist darauf ausgerichtet, neue Eindrücke einzuordnen und so die Welt und ihre Regeln verstehen zu lernen. Schon lange bevor sie selbst sprechen können, durchschauen sie ihre Umwelt überraschend gut. So erkennen die Babys beispielsweise, wenn jemand völlig falsche  Silbenkombinationen äußert. Zudem besitzen sie bereits einen Sinn für Mengen und begreifen sogar grundlegende physikalische Zusammenhänge wie etwa den Unterschied zwischen Flüssigkeiten und Feststoffen.

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Stimmen aus dem Jenseits

Stimmen spielen in Religionen seit jeher eine wichtige Rolle. Ein interdisziplinäres Projekt am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster ist diesem Phänomen nachgegangen (imago stock&people/Ikon Images)
Wer Stimmen hört, muss nicht krank sein. So wird es zumindest in vielen religiösen Traditionen gesehen, in denen sich Gott oder höhere Wahrheiten durch Stimmen offenbaren. Dieses Phänomen ist bislang kaum erforscht, deshalb haben Wissenschaftler aus Münster jetzt Stimmen unterschiedlicher Religionen gelauscht.

Von Sandra Stalinski | Deutschlandfunk

Wer die Stimme eines Menschen beschreiben will, dem gehen schnell die Worte aus. Jede Stimme ist individuell und schwer zu fassen. Man hört sie und im gleichen Moment ist sie verflogen. Die Stimme hat keinen fixierbaren Ort. Sie kommt von außen, gleichzeitig hören wir sie innen mit unserem Hörapparat. Die Stimme hat eine Art Zwischenstellung – in vielerlei Hinsicht, sagt die Literaturwissenschaftlerin Martina Wagner-Egelhaaf von der Universität Münster.

„Sie wird durch unseren Körper präsentiert, andererseits hat sie gar keinen Körper. Also man hat auch die Stimme als ein Phänomen beschrieben, das wir ohne Körper wahrnehmen können. Zum Beispiel Radiostimmen: Da hören wir Stimmen, aber sehen die Person gar nicht, die dazugehört. Sie ist etwas zwischen Körper und Geist, zwischen Materialität und Immaterialität. Man könnte auch von einer Jenseitigkeit der Stimme sprechen.“

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Feminismus, die katholische Kirche und meine Abtreibung

„Unglaublich traumatisch war es, zu Hause beim Gang auf die Toilette Reste des Fötus zu finden“ © Alexandra Gavillet
Unsere Autorin hat abgetrieben. Freiwillig und nahezu selbstbestimmt. Einzig ihr katholischer Glaube hindert sie, nach der Abtreibung mit sich im Reinen zu sein.

Von Refinery29 (anonym) | stern.de

Als Kind hörte ich jeden Sonntag im Gottesdienst, dass vor Gott alle Sünden gleich wären. Das würde dann bedeuten, dass das „Oh mein Gott!“, das mir entfuhr, als ich meinen positiven Schwangerschaftstest sah, genauso schlimm ist, wie die Entscheidung mit 28 Jahren, dieses Kind – das Ergebnis eines Seitensprungs – nicht zu bekommen.

Auch meine Eltern belog ich und erzählte ihnen nichts davon. Mit meinem Schwangerschaftsabbruch vor zwei Jahren sündigte ich also auf einen Schlag gegen vier der zehn Gebote.

Am Tag nach der Abtreibung, es war ein Sonntag, stand ich auf, ging in die Kirche und bat unter den Schmerzen des Eingriffs um Vergebung. Ich glaube nicht, dass es half.

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Tagträumer sind oft intelligenter

Gedankenverlorenes Tagträumen kann ein Zeichen dafür sein, dass das Gehirn besonders viel freie Kapazitäten hat. © agsandrew/ thinkstock
Wandernde Gedanken: Wer sich häufig beim Tagträumen ertappt, muss nicht besorgt sein – im Gegenteil. Denn das gedankenverlorene Abschweifen kann ein Zeichen für hohe Intelligenz und Kreativität sein, wie eine Studie enthüllt. Forscher fanden darin einen engen Zusammenhang zwischen dem häufigen Tagträumen und einer besonders guten Vernetzung des Gehirns. In Tests der kognitiven Leistung und Kreativität schnitten die Tagträumer zudem besonders gut ab.

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Ob in einem nur mäßig spannenden Meeting, in der Schule oder bei der Fahrt zur Arbeit: Oft ertappen wir uns dabei, dass wir mit unseren Gedanken ganz woanders sind als im Hier und Jetzt. Lange galt dieses Tagträumen als Zeichen mangelnder Konzentration und Aufmerksamkeit. Vor allem Eltern machen sich nicht selten Sorgen, wenn ihre Kinder oft gedankenverloren vor sich hin träumen.

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Das furchtbare Schicksal der IS-Kindersklaven

Sie wurden entführt, verkauft und als menschliche Schutzschilde benutzt: Nach der Befreiung der IS-Hochburg Rakka sind einige Kindersklaven der Terrormiliz endlich in Freiheit. So auch der elfjährige Marwan.

DIE WELT

Der Islamische Staat mag im Irak und in Syrien an Territorium und Einfluss verlieren – doch der von der Terrormiliz betriebene Menschenhandel floriert. Schätzungsweise 3000 Menschen sind noch in der Gewalt der Islamisten, wie der US-Fernsehsender CNN berichtet. Darunter vor allem Frauen, die als Sexsklavinnen benutzt werden, und Kinder, die als menschliche Schutzschilde an der Front herhalten müssen.

Bei der Befreiung der IS-Hochburg Rakka konnten nun einige hauptsächlich jesidische Kinder befreit werden, die jetzt zu ihren Familien zurückkehren.

Unter ihnen auch der elfjährige Marwan. Er war acht, als IS-Terroristen ihn im Zuge eines Massakers an Jesidenfamilien in seinem Dorf mitnahmen. Der jesidische Junge wurde von Ort zu Ort geschleppt und insgesamt elfmal weiterverkauft.

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Watch Humans Fail at Being Self-Driving Cars

If fully autonomous vehicles ever hit the world’s highways en masse, their developers have a lot of work to do to convince the humans inside the tech is trustworthy.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

Seventy-five percent of Americans say they would be afraid to travel in an autonomous vehicle, and initiatives are starting around the US to help self-driving cars earn the confidence of their would-be passengers. Taking our hands off the wheel won’t be easy.

project by researchers at Moovel Lab attempts to build some of that trust with an experiment: Put people in the car’s perspective. No, not make them into the literal car seat, but show them what the car „sees“ as it navigates—and then give them the gas pedal.

In a video, Joey Lee from Moovel Lab calls the experiment a „trust exercise.“ What it looks like is a couple hours of watching people steer straight into obstacles around them.

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Künstliche Intelligenz: „Wir sind in Gegenwart einer gewaltigen Kreatur“

Die Euphorie der Aufbruchsstimmung zu den neuen Ufern des Internets trifft „Surfen“ viel besser als etwa Graben, Wühlen oder Navigieren. (Foto: Getty Images)
Künstliche Intelligenz verändert Wissenschaft und Technik. Klar. Aber was macht sie mit der Gesellschaft? Ingenieure, Künstler und Wissenschaftler kommen zu einer unausweichlichen Erkenntnis.

Von Adrian Kreye | Süddeutsche.de

Es ist gar nicht so verkehrt, in den „Märchen aus 1001 Nacht“ nach Erkenntnissen über die künstliche Intelligenz zu suchen. Der Schriftsteller Adam Thirlwell und die Literaturwissenschaftlerin Marina Warner, derzeit Präsidentin der Royal Society of Literature, taten das vergangene Woche im großen Saal des Londoner Rathauses. In der mächtigen Spiralkuppel mit Blick auf Themse und Tower Bridge trafen sich ein paar Dutzend Wissenschaftler, Ingenieure, Künstler und Schriftsteller, um nach schlüssigen Bildern für die künstliche Intelligenz zu suchen.

Da saßen die beiden also im architektonisch hochwertig gleißenden Herbstlicht und machten sich öffentlich Gedanken darüber, ob der morgenländische Märchengeist Dschinn, dieser dienstbare Wunscherfüller aus rauchlosem Feuer, nicht das perfekte Sinnbild für jene digitalen Kräfte sei, die derzeit überall entfesselt werden. Nicht nur könnte man das digitale Lodern als zeitgenössisches Bild für das rauchfreie Feuer sehen, es stellt sich auch die Frage nach der Beherrschbarkeit dieses eigentlich aufmüpfigen Flaschengeistes. Wer ihn aus seiner gottgewollten Gefangenschaft befreit, ahnt erst einmal nicht, was Dschinns Zauberkräfte alles anrichten könnten.

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Degowski und die Freiheit

Gefängnis (Public Domain)

Noch ist es nicht ganz so weit, aber in absehbarer Zeit wird einer der bekanntesten Verbrecher Deutschlands, Dieter Degowski, das Gefängnis in Werl verlassen können. Das gefällt nicht jedem, aber es ist richtig.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Wer vor 1980 geboren wurde, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit an Dieter Degowski und seinen damaligen Mittäter, Hans-Jürgen Rösner erinnern. Die beiden hielten im August 1988 nach einem Banküberfall in Gladbeck zwei Tage die Nation in Atem. Im Rahmen ihrer spektakulären und mehr oder live übertragenen Flucht durch Deutschland nahmen sie mehrmals Geiseln und ermordeten den 15-jährigen Emanuele De Giorgi sowie die 18-jährige Silke Bischoff.

Für die jüngeren Leser hier die damaligen Nachrichten der Tagesschau:

In beiden Fällen war Degowski der Schütze. Beide wurden am 22. März 1991 vom Landgericht Essen zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt; bei Rösner wurde darüber hinaus Sicherungsverwahrung angeordnet, da er nach Überzeugung des Gerichts als Hangtäter anzusehen sei, bei Degowski hingegen nicht. Allerdings stellte das Gericht auch bei ihm die besondere Schwere der Schuld fest.

Und so einer kommt jetzt raus? Ich weiß nicht wie oft ich die Frage in den letzten Tagen gehört habe. Und ja, auch „so einer“ kommt unter ganz bestimmten Voraussetzungen irgendwann einmal raus.

2002 lehnte das OLG Hamm eine vorzeitige Entlassung Degowskis im Hinblick auf die besondere Schwere der Schuld ab und legte die Mindestverbüßungsdauer auf 24 Jahre fest. Frühestens 2013 bestand also für Degowski die Möglichkeit entlassen zu werden. Nun hat er – inklusive der U-Haft – gut 29 Jahre Haft hinter sich und die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg hat der JVA die Anweisung gegeben, die Entlassung vorzubereiten. Weihnachten könnte Degowski also draußen sein, sofern die Staatsanwaltschaft gegen eine entsprechende Entscheidung der StVK nicht noch in die Beschwerde geht.

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Homosexualität: Heillose Forschung

Bild: bpb.de
Die Suche nach den epigenetischen Ursachen für Homosexualität stößt auf Kritik

Von Martin Koch | ND

Die Mehrung des Wissens genießt in unserer Kultur höchste Wertschätzung, gilt sozusagen als Wert an sich. Dabei hatte schon der englische Philosoph Francis Bacon darauf verwiesen, dass Wissen immer auch Macht ist. Macht, die dem Wohle von Menschen dienen, aber auch zu ihrer Diskriminierung und Ausgrenzung genutzt werden kann. Wer dies bedenkt, mag verstehen, warum namentlich Homo- und Transsexuelle wenig davon halten, dass Biologen und Mediziner nach den Ursachen ihrer sexuellen Orientierung forschen.

»Die Ursachen haben in der Geschichte der Lesben und Schwulen immer eine große Rolle gespielt«, sagt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). Denn homo- und transsexuelle Menschen mussten sich oft den Vorwurf gefallen lassen, dass ihr Sexualverhalten nicht natürlich sei. »Interessanterweise wurde nie nach den Ursachen von Heterosexualität gefragt.«

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Südpol: War Sabotage schuld an Scotts Tod?

Robert Scott und seine Begleiter auf dem Weg zum Südpol. Sie hätten ihre Expedition möglicherweise überleben können. © University of New South Wales
Egoismus oder absichtliche Sabotage? Robert Scott und seine Begleiter hätten ihre fatale Südpol-Expedition überleben können – wenn Scotts Stellvertreter nicht so unfähig oder sogar böswillig gehandelt hätte. Denn neu aufgespürte Dokumente enthüllen, dass Lieutenant Edward Evans heimlich Rationen aus den Nahrungsdepots stahl und Befehle von Scott nicht weitergab. Dies könnte Scotts tragisches Schicksal besiegelt haben, wie ein australischer Forscher erklärt.

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Die fatale Südpol-Expedition von Robert Falcon Scott und seinen Männern gehört zu den tragischsten Ereignissen der Polarforschung. Behindert durch streikende Motorschlitten und sterbende Ponys verlor die britische Expedition bereits beim Aufstieg zum Polplateau wertvolle Zeit und Ressourcen. Als Scott mit seinen vier Begleitern dann am 16. Januar 1912 den Südpol erreichte, sah er schon von weitem die norwegische Flagge wehen – Roald Amundsen und sein Team waren ihnen zuvorgekommen.

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Didier Eribon und die Kraft der Scham

Es herrscht Klassenkampf, damals wie heute, und wir sollten aufhören, das zu leugnen, findet Didier Eribon. Im Bild: Präsident Macron in einer Fabrik im nordfranzösischen Amiens. (Foto: dpa)
Der französische Bestsellerautor analysiert in seinem neuen Buch, wie die Klassengesellschaft sich mitsamt ihrer Diskriminierungen selbst reproduziert. Doch er zeigt auch einen Ausweg auf.

Von Oliver Nachtwey | Süddeutsche.de

Nur wenige Sachbücher haben in den letzten Jahren eine ähnlich große Resonanz erfahren, erst recht keine, die die Lage der arbeitenden Klassen thematisierten. In den Feuilletons wie in linksradikalen Politgruppen, bei Bürgerlichen ebenso wie Gewerkschaftern war Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ das Buch der Stunde. Nun erscheint „Gesellschaft als Urteil“, das Nachfolgebuch. Es ist eine Art Kommentarband, ein Metabuch, das erneut Elemente soziologischer Reflexion mit autobiografischer und literarischer Erzählung verknüpft. Eribon nimmt zentrale Fäden wieder auf: die Herkunft aus dem französischen Arbeitermilieu und die damit verbundene Scham, seine Homosexualität sowie der Aufstieg in das linksliberale akademische Milieu.

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Warum Frauen großzügiger sind

Frauengehirne belohnen Großzügigkeit, Männergehirne egoistisches Verhalten. © Jake Olimb/ thinkstock
Großzügigkeit wird belohnt: Frauen verhalten sich tendenziell prosozialer als Männer. Warum das so ist, haben Forscher nun herausgefunden. Ihre Experimente zeigen: Weibliche und männliche Gehirne verarbeiten soziales und egoistisches Verhalten völlig unterschiedlich. Während bei Frauen Großzügigkeit eine vergleichsweise starke Reaktion des Belohnungssystems hervorruft, belohnt das Männergehirn offenbar eher egoistisches Verhalten.

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Typisch Mann, typisch Frau: Klischees über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es viele – und in manchen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Dennoch finden Wissenschaftler immer wieder Indizien für geschlechtsspezifische Besonderheiten in Verhalten und Biologie. So scheinen Männer und Frauen beispielsweise unterschiedlich auf Stress und negative Gefühle zu reagieren.

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„Ich bin kein Spaßkiffer. Ich muss das machen, um einigermaßen normal leben zu können“

Cannabispatienten Alexandra Scheiderer ist mit dem Rollator in Pasing unterwegs. (Foto: Florian Peljak)
Für Schmerzpatientin Alexandra Scheiderer ist Cannabis die Rettung. Seit sieben Monaten gibt es das Mittel auf Rezept – doch kaum ein Arzt in München verschreibt es. Warum die Unsicherheit so groß ist.

Von Jasmin Siebert | Süddeutsche.de

„Ich habe alles durch, was man probieren kann. Mir hilft nur noch Cannabis“, sagt Alexandra Scheiderer. Die Liste ihrer Diagnosen ist lang, eine Auswahl: vier Bandscheibenvorfälle, Arthrose an beiden Hüftgelenken und Verdacht auf das Ehlers-Danlos-Syndrom, eine seltene Bindegewebskrankheit. Von 2011 an nahm sie Morphium, es machte sie schläfrig und raubte ihr den Appetit. Ihre Arbeit als Sozialbetreuerin musste sie aufgeben, heute ist die 44-Jährige Frührentnerin und zu 80 Grad schwerbehindert. Eines Tages probierte Scheiderer Cannabisund stellte fest: Ihr Körper wurde ruhiger, die Schmerzen wurden erträglicher. „Es geht mir nicht ums Highsein“, betont sie, im Gegenteil: „Ich will Herr meiner Sinne sein.“

Seit dem 10. März 2017 dürfen Ärzte in Deutschland Cannabis auf Rezept verordnen, zuvor durften nur rund tausend Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung der Bundesopiumstelle legal Cannabis konsumieren. Doch wer sich in München umhört, stellt fest: Sieben Monate nach der Gesetzesänderung herrscht noch immer große Unwissenheit und Unsicherheit bei Patienten, Ärzten und den Kassen, wie mit der neuen Situation umzugehen ist.

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Halluzinierte Selbstheilung

Ausgekocht. Bis zu drei Tage werden die Blätter des Kaffeestrauchs zusammen mit der Rinde der Ayahuasca-Liane zu einem…FOTO: ALAMY STOCK PHOTO/MAURITIUS IMAGES
Eine Liane, ein Sud und die Ängste schwinden? Noch wird erforscht, ob die Droge Ayahuasca mehr hilft als schadet.

Von Florian Schumann | DER TAGESSPIEGEL

Der Schamane hat nach Brandenburg gerufen. All jene, die sich von einem Wochenende auf Droge „Heilung, innere Entwicklung und persönliches Wachstum“ versprechen. Einer nach dem anderen wird mit Isomatte und Schlafsack anreisen. Und einem Eimer. Den werden sie auch brauchen. Der Sud aus südamerikanischen Pflanzen, den ihnen der Schamane einflößen wird, wird ihnen nicht nur Halluzinationen bescheren. Immer wieder werden sie würgend ihren Eimer füllen – eine Nebenwirkung der psychedelischen Droge Ayahuasca. Für den Schamanen hingegen ist es ein wichtiger Bestandteil des uralten Rituals zur „inneren Reinigung“, für die jeder der Pilger bis zu 1000 Euro zahlt.

Heilung durch Drogen? Die Idee klingt abwegig. Aber Forscher sehen in einigen psychedelischen Substanzen durchaus medizinisches Potenzial, um damit etwa Depressionen, Angstzustände oder Alkoholabhängigkeit zu behandeln.

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