Ägypten: Sisi baut neue Pyramiden

Der Bau der Regierungsgebäude in der neuen Hauptstadt Ägyptens ist weit fortgeschritten. Im Bild der künftige Hauptsitz des Umweltministeriums. (Bild: Amr Abdallah Dalsh / Reuters)

Die neue Hauptstadt in der Wüste ist nur eines von vielen Megaprojekten, mit denen das Sisi-Regime sein Land und Volk erneuern will. Der eigentliche Profiteur der Bauwut scheint indes vor allem das Militär zu sein

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Autoritäre Regime versprechen ihren Untertanen gerne eine lichte Zukunft. Ägypten ist dabei keine Ausnahme. Das zentrale Beweisstück für den Anbruch einer goldenen Ära soll dabei die neue «administrative Hauptstadt» östlich von Kairo werden: «Sie ist ein Meilenstein, die erste Smart City in Ägypten», erklärt Khaled al-Husseiny Soliman, der Pressesprecher des Megaprojekts. Die Stadt werde ihren Bewohnern sehr viel grünen Erholungsraum und Freizeitmöglichkeiten bieten, gerät der ehemalige Militär-Attaché ins Schwärmen. «Wir reformieren das ägyptische Volk und geben ihm eine neue Lebensweise.»

Totale Überwachung

Aber was macht die neue Hauptstadt denn so smart? Auf die Frage fällt Soliman zunächst nur dies ein: «Sie ist voll von Kameras und Sensoren. Man wird alles verfolgen und sehen können.» Unfreiwillig bestätigt er damit die Befürchtungen ausländischer Diplomaten. Denn die ägyptische Regierung möchte nicht nur alle Ministerien und staatlichen Institutionen, sondern auch sämtliche Botschaften aus dem alten Kairo in die neue Hauptstadt verlegen. Regelmässig schreibt die Regierung deshalb die ausländischen Vertretungen an, um sie an die steigenden Grundstückspreise in der künftigen Kapitale zu erinnern und zum schnellen Landkauf zu ermuntern. Doch die Diplomaten sind nicht begeistert. Konzentriert auf kleinem Raum, wird dem Regime von Präsident Abdelfatah al-Sisi sowohl die Überwachung seiner Politiker und Beamten als auch der ausländischen Gesandten leichterfallen. Gleichzeitig kapselt sich die politische Elite des Landes weiter vom eigenen Volk ab.

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Deutsche Rüstungsgüter für 1,1 Milliarden Euro an Jemen-Kriegsallianz

Panavia Tornado GR4. Themenbild. 4ever.eu

Die deutsche Bundesregierung hat seit Jahresanfang Rüstungslieferungen für mehr als eine Milliarde Euro an die von Saudi-Arabien geführte Allianz im Jemen-Krieg genehmigt.

Die Presse.com

Trotz der Exportbeschränkungen im Koalitionsvertrag von Union und SPD wurden zwischen dem 1. Jänner und dem 5. Juni allein 13 Exporte für 801,8 Millionen Euro nach Ägypten und 43 Exporte für 206,1 Millionen Euro an die Vereinigten Arabischen Emirate genehmigt. Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Regierung erlaubte sogar zwei Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien, obwohl für das Land seit November eigentlich ein kompletter Exportstopp gilt. Dabei handle es sich um die Lieferung von „sondergeschützten Geländewagen“ für 831.003 Euro, wie der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Ulrich Nußbaum, mitteilte.

Insgesamt wurden für die acht Länder der Allianz 122 Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter im Wert von 1,1 Milliarden Euro erteilt. Saudi-Arabien hatte die Koalition überwiegend arabischer Länder 2015 geformt, um die jemenitische Regierung in ihrem Kampf gegen die vom Iran geförderten schiitischen Houthi-Rebellen zu unterstützen.

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„Die Religion durchwebt fast jedes Buch“

Grafik: TP

Constantin Schreiber über Schulbücher in muslimischen Ländern

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

In seinem Buch Kinder des Koran hat der Journalist Constantin Schreiber die Schulbücher verschiedener muslimischer Länder untersucht.

Herr Schreiber, aus welchen Ländern haben Sie sich Schulbücher angesehen und warum?

Constantin Schreiber: Ich habe mir Bücher aus acht verschiedenen mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern angesehen. Im Buch habe ich dann jeweils ein Schulbuch aus Afghanistan, dem Iran, Ägypten, den palästinensischen Gebieten und der Türkei besprochen. Ich wollte herausfinden, welches Wissen die Kinder in diesen Ländern an staatlichen Schulen vermittelt bekommen.
Immer wieder waren Lehrer auf mich zugekommen, die über Probleme in ihren Schulklassen mit hohem Migranten-Anteil klagten. Die Fragen wiederholten sich: Warum ist der Begriff der Ehre so wichtig? Warum sind Mädchen so devot? Die Schulbücher geben einen Teil der Antworten.

Konnten Sie in den Büchern ein einheitliches Welt- beziehungsweise Menschenbild ausmachen? Falls ja, wie ist dieses beschaffen?

Constantin Schreiber: Es wird in nahezu keinem Buch Fachwissen vermittelt ohne Bezug zum Islam zu nehmen. Die Religion durchwebt fast jedes Buch, das ich gesehen habe. Entweder im Sinne religiöser Unterweisung, oder aber, um nationalistische Ideen religiös zu rechtfertigen.

Wie steht es in diesen Büchern um die Trennung von Staat und Religion?

Constantin Schreiber: Eine Trennung von Staat und Religion findet kaum irgendwo statt.

Wie werden in diesen Büchern wie Multiethnizität, Andersgläubigkeit, Atheismus, Frauenemanzipation, Demokratie und Menschenrechte behandelt?

Constantin Schreiber: Während wir uns in Deutschland darum bemühen, den Kindern beizubringen, dass Vielfalt etwas Gutes und Wünschenswertes ist, wird in den von mir durchgesehenen Schulbüchern vor allem Homogenität propagiert. Es gibt in den Büchern nur eine richtige Handlungsweise, und die steht im Einklang mit Regeln des Islam. So gibt es nichts anderes für Mädchen, als sich zu verschleiern und dem Ehemann zu gehorchen.

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Die Säkulare Flüchtlingshilfe stellt sich vor

Der gemeinnützige Verein finanziert seine Arbeit ausschließlich über Zuwendungen. Spenden sind daher sehr willkommen.

Richard-Dawkins-Foundation

An die Säkulare Flüchtlingshilfe wenden sich Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, weil sie wegen ihres Abfalls von der Religion in ihren Herkunftsländern in ihrer Freiheit oder des Lebens bedroht sind. Es handelt sich zurzeit ausschließlich um Ex-Muslime, deren Glaubensabfall in vielen Gesellschaften ein todeswürdiges Vergehen ist.

Hier angekommen, machen sie die Erfahrung, dass sie in Unterkünften mit Menschen zusammenleben, vor denen sie im Prinzip gerade geflohen sind.

Auch gibt es für Asylsuchende eine gesetzliche Wohnsitzauflage, die sie dazu zwingt, 3 Jahre nach Anerkennung des Asyls in der Region der ersten Unterbringung zu bleiben. Bedrohlicher ist dabei jedoch, dass fast alle in der Region als Ex-Muslime/Atheisten identifiziert werden, so dass ihre Familien, von denen sie verfolgt werden, oder die Botschaft ihres Herkunftslandes über ihren Aufenthaltsort genau informiert sind.

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https://www.facebook.com/atheistenhelfen

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Schulbücher vermitteln autoritäres und islamistisches Weltbild

Alles Töchter des Koran? Schülerinnen einer pakistanischen Schule in Uniform beim morgendlichen Appell.Foto: Stefan Trappe/epd

TV-Journalist Schreiber analysiert Schulbücher von Ägypten bis Afghanistan. Er entdeckt Erwartbares und setzt auf Islam-Vorbehalte. Eine Kritik.

Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

In Schulbüchern lässt sich nachlesen, was eine Gesellschaft oder ihre Machthaber der jungen Generation einzutrichtern wünschen. Von demokratischen Gemeinwesen sollte man sich Erziehung zu Mündigkeit, Plädoyers für Gleichheit, weltanschauliche Toleranz und Menschenrechte erwarten. Die Schulbücher in diktatorisch regierten Staaten dagegen werden Unterordnung unter Autorität predigen, vermutlich Nationalismus und ganz sicher das Freund-Feind-Schemata, Kriegsrhetorik eingeschlossen.

Schließlich lässt sich mit einem Bedrohungsszenario von außen jede Repression nach innen sehr schön rechtfertigen. Insofern trägt Eulen nach Athen, wer sich die Schul(ungs)materialien vorknöpft, die die Mächtigen in Zwangssystemen für geeignet befunden haben. Einen Scoop landet jedenfalls keiner, der entdeckt, was vernünftigerweise nicht anders zu erwarten war.

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Todesurteil gegen ägyptische Mönche bestätigt

Bild: © Richard Oechsner/Fotolia.com

Der Fall löste große Bestürzung in der koptischen Gemeinschaft Ägyptens aus: Zwei Mönche sollen ihren eigenen Abt brutal erschlagen haben. Jetzt wurde das harte Urteil gegen die beiden Angeklagten bestätigt.

katholisch.de

Zwei koptische Mönche sind wegen des Mordes an dem Abt-Bischof des Makarios-Klosters im ägyptischen Wadi al-Natrun, Bischof Anba Epiphanios, zum Tode verurteilt worden. Das Strafgericht in Damanhur bestätigte am Mittwoch die im Februar verhängte Strafe, wie der Sender BBC am Donnerstag berichtete. Das Urteil war dem Großmufti zur Überprüfung vorgelegt worden. Die Beschuldigten können dagegen Berufung einlegen.

Bischof Epiphanios (64) war in der Nacht zum 28. Juli 2018 in dem Wüstenkloster nordwestlich von Kairo getötet worden. Nach Angaben des Ermittlungsleiters General Khaled Abdel-Hamid hatten die beiden Täter bereits zweimal versucht, den Abt-Bischof zu töten. Hintergrund seien Streitigkeiten zwischen den beiden Tätern und Epiphanios über Finanzvergehen sowie Verletzungen der monastischen Tradition, so der Bericht.

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Ägypten richtet Ausschuss gegen Religionskonflikte ein

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Ab Januar wird es in Ägypten einen Ausschuss gegen Religionskonflikte geben. Präsident Abdel Fattah al-Sisi richtet ihn ein, um religiös motivierte Konflikte zu vermeiden. So will das Land gegen Extremismus und Terror vorgehen.

DOMRADIO.DE

Ägypten ruft einen neuen Ausschuss gegen Religionskonflikte ins Leben. Präsident Abdel Fattah al-Sisi ordnete laut ägyptischen Medienberichten per Dekret die Einrichtung eines solchen Gremiums unter Vorsitz seines Sicherheitsberaters an.

Gegen religiös motivierte Konflikte

Den Angaben zufolge werden dem Ausschuss Vertreter von Armee, Geheimdienst und der zuständigen Behörden angehören.

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Ägypten beschränkt Verkauf – Sisis Angst vor gelben Westen

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Der ägyptische Präsident al-Sisi hat den freien Verkauf von gelben Warnwesten streng reglementiert – aus Angst vor Protesten wie in Frankreich. Vor dem Jahrestag der Tahrir-Revolution verschärft er die Repressionen.

Von Martin Durm | tagesschau.de

Die Anweisung kommt offenbar von ganz oben: Ladenbesitzer dürfen gelbe Warnwesten nur noch an staatlich zertifizierte Firmen abgeben, der ungeregelte Verkauf an Privatpersonen ist bis auf weiteres untersagt. Und damit nicht genug: Händler müssen auch jeden anzeigen, der gelbe Warnwesten ohne Lizenz kaufen, tragen oder unters Volk bringen will.

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Einmal ägyptischer Hund, süss-sauer, mit Senf

Früher wurden Katzen in Ägypten verehrt – nun soll ihr Fleisch zum Verzehr exportiert werden. (Bild: Nariman El-Mofty / AP Photo)

Keiner weiss, wie viele streunende Hunde und Katzen in Ägypten leben. Bisher ging der Staat vor allem mit vergifteten Ködern gegen sie vor. Nun hat das Landwirtschaftsministerium einen neuen Plan. Landen die Tiere künftig auf ausländischen Tellern?

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Es gab einmal eine Zeit in Ägypten, da verehrte man seine Haustiere so sehr, dass man auch im Jenseits nicht auf sie verzichten wollte. Millionenfach wurden Hunde und Katzen mumifiziert und Seite an Seite mit ihren Besitzern bestattet. Bastet, die Tochter des Sonnengottes Re, stellte man sich als Katzenwesen vor. Anubis, der Gott der Totenriten, trug den Kopf eines Hundes oder Schakals.

Im gegenwärtigen Zeitalter haben Vierbeiner in Ägypten keinen so guten Stand. Zahllose Strassenhunde und -katzen kämpfen um ihr Leben, da die Behörden sie als Gesundheitsrisiko betrachten und regelmässig mit vergifteten Ködern oder Gewehrkugeln töten. Zwar gibt es auch am Nil Gesetze, die Tierquälerei unter Strafe stellen. Doch gelten sie nur bedingt für Streuner. Von einem breiten Bewusstsein für Tierrechte kann in dem Land, in dem schon die Menschenrechte oft missachtet werden, nicht die Rede sein. Auf Ägyptens Prioritätenliste steht das Problem des Tierschutzes nicht an erster Stelle – manche sehen darin geradezu ein Luxusproblem.

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Der Faschismus der anderen

Madeleine Albright mit NATO-Offizieren. Bild: BasilioC / gemeinfrei

Über Madeleine Albright, den freien Westen und die Feinde der Demokratie

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Madeleine Albright, die 81-jährige Ex-US-Außenministerin, ist beunruhigt über den Zustand der Welt. In ihrem neuen Buch Faschismus – eine Warnung sorgt sie sich um die Demokratie und malt ein dunkles Bild der „neuen Autokraten“ von Trump bis Putin. Sie setzt deren Aufstieg in Verbindung zur Entstehung des Faschismus in den 1920er und 1930er Jahren.

Albrights Buch ist ein Medienereignis, ein internationaler Bestseller, in den USA landete es auf Platz 1 der New-York-Times-Liste, die deutsche Übersetzung schaffte es im August auf Platz 4 der Spiegel-Bestsellerliste. Übersetzungen ins Spanische und Holländische sind ebenfalls bereits erschienen. Albright ist populär, auch in den Medien, sie gilt vielen als modern, liberal, ist bekannt für ihre uneitle Art und ihren Humor. Doch wie schlüssig ist ihre These? Und wie definiert die Autorin eigentlich den Begriff Faschismus?

Für mich ist ein Faschist jemand, der sich stark mit einer gesamten Nation oder Gruppe identifiziert und den Anspruch erhebt, in deren Namen zu sprechen, jemand, den die Rechte anderer nicht kümmern und der gewillt ist, zur Erreichung seiner Ziele jedes Mittel zu ergreifen, einschließlich Gewalt.

Madeleine Albright

So schreibt es Albright gleich im ersten Kapitel – und da fangen die Probleme auch schon an. Denn nach dieser Definition könnte sie auch Barack Obama zum Faschisten erklären. Unbestreitbar griff er zur Erreichung politischer Ziele zu extremer Gewalt, warf Bomben auf zahlreiche Länder und beanspruchte dabei immer wieder, im Namen einer überlegenen Nation zu sprechen. So betonte er 2014, während seiner zweiten Amtszeit, in einer Rede vor Soldaten:1

Ich glaube an die amerikanische Außergewöhnlichkeit mit jeder Faser meines Wesens.

Barack Obama

Albrights Faschismusdefinition trägt nicht besonders weit, was darin gründet, dass die Politikerin noch ein weiteres Kriterium benutzt, welches sie in ihrem Buch aber nicht offen ausspricht. Auf dem Weg zum Faschismus befinden sich für sie nicht bloß Staatsführer, die autoritär, nationalistisch und gewalttätig handeln, und die sich dabei auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung stützen.

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USA steigen aus dem UN-Menschenrechtsrat und aus dessen Finanzierung aus

Ausschuss des Menschenrechtsrats für die Rechte von behinderten Menschen, Genf, am 27. August 2018. Bild: UN Geneva/Violaine Martin/CC BY-NC-2.0

Donald Trump setzt die in rechten US-Kreisen vorherrschende Ablehnung von internationalen Gremien und Abkommen nur fort, aber verstärkt gefährlich die Erosion jeder globalen Vereinbarungsbemühungen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie angekündigt zieht sich die US-Regierung nicht nur aus dem UN-Menschenrechtsrat zurück, sondern stellt auch die Zahlungen für diesen sowie dem Büro des Hochkommissars für Menschenrechte (OCHCR) ein, wie Sicherheitsberater John Bolton vor einigen Tagen erklärt. Am 31. August wird die ehemalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet das Amt übernehmen. Die linke Politikerin dürfte den USA auch nicht gefallen. Gerade klagt der Menschenrechtsrat Myanmar in einem Bericht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

Finanziell trifft den Menschenrechtsrat der Rückzug schwer, denn die USA sind Hauptgeldgeber der Vereinten Nationen und haben bislang diesen auch am höchsten mit freiwilligen Zahlungen unterstützt. Etwas mehr als 40 Prozent des Budgets des Menschenrechtsrats kommen aus den festgelegten Zahlungen für die UNO, der Rest wird durch freiwillige Spenden finanziert. Hauptgrund für den im Juni angekündigten Ausstieg war die Israelkritik und dass Staaten wie China, Venezuela oder Kuba gegenwärtig Mitglieder sind (US-Regierung steigt wegen Israel-Kritik aus dem UN-Menschenrechtsrat aus).

US-Außenminister Mike Pompeo begründete die Entscheidung damit, dass der Menschenrechtsrat eine „schamlose Scheinheiligkeit“ zeige: „Viele der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen werden ignoriert, und einige der schlimmsten Menschenrechtsverletzer sitzen im Rat.“

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Es wird eine Welt geben, in der jeder an Gott glauben müssen soll

Ein in Ägypten diskutiertes Gesetz soll den Atheismus unter Strafe stellen. (Bild: Manu Brabo / AP)

Es gibt islamische Länder, die Atheismus unter Strafe stellen wollen. Und die Neurotheologie zeigt, wie sich religiöse Erfahrung nach Belieben herstellen lässt. Was folgt daraus? Ein rabenschwarzes Gedankenexperiment.

Slavoj Žižek | Neue Zürcher Zeitung

Blasphemie ist in Ägypten ein Verbrechen, das harsch bestraft wird. Es gehört längst zum Alltag, dass Leute wegen Gotteslästerung festgenommen werden. Doch nun sieht es so aus, als würde die Schraube nochmals angezogen. Allem Anschein nach arbeiten einige Vertreter des ägyptischen Parlaments seit Anfang Jahr an einem Gesetz, das den Atheismus unter Strafe stellt – es läuft unter dem Titel «Kriminalisierung des Atheismus». Schuldig ist, wer keinen Gott über sich erkennt.

Der einflussreiche ägyptische Kolumnist Khaled Salah lieferte eine Begründung für die Legitimität eines solchen Gesetzes. «Die Gefahren des Terrorismus» – so schreibt er – «sind bekannt, aber nicht viele wissen, dass Atheismus und Terror gleichermassen zerstörerisch sind. Der Atheismus schwächt die Identität der Menschen genauso. Er stellt überlieferte Glaubensformen, Kanons, religiöse Symbole, Weggefährten und Anhänger des Propheten infrage. Dies führt zuletzt zu einem Zusammenbruch ganzer Nationen und ihrer heiligen Glaubensinhalte.»

Für Salah ist es demnach nicht religiöser Fundamentalismus, der den Humus bildet, auf dem der Terror gedeiht (auch wenn dieser im Namen der Religion verübt wird). Er hält vielmehr den Atheismus für die eigentliche Bedrohung. Damit vollführt er einen echten intellektuellen Salto mortale.

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Aus diesen Mittelmeerländern gelangt das meiste Plastik ins Meer

Vor lauter Müll sieht man den Strand nicht mehr: die verschmutzte Bucht Cala Vall de Boquer auf Mallorca. Foto: imago/Bluegreen Pictures

Die Zahlen sind alarmierend: Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es Schätzungen zufolge im Jahr 2050 mehr Plastik in den Ozeanen geben als Fische. Besonders dramatisch ist die Lage im Mittelmeer, wie die Umweltorganisation WWF warnt.

Berliner Zeitung

Obwohl das Binnenmeer nur ein Prozent des weltweiten Wassers ausmache, konzentrierten sich hier rund sieben Prozent des globalen Mikroplastiks, heißt es im neuen WWF-Report. Das Mittelmeer befinde sich durch seine Lage regelrecht „in der Plastikfalle“. Schließlich sei es umschlossen von drei Kontinenten, wodurch es nur wenig Wasseraustausch mit den großen Ozeanen gebe, schreibt der WWF in „Mittelmeer – Wege aus der Plastikfalle“. Heißt: „Der Müll, der einmal hier landet, bleibt gefangen und sammelt sich an.“

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Zahl der Unterstützer der Todesstrafe in Amerika wächst

Todeszelle des Huntsville-Gefängnisses in Texas (Archivbild) Bild: dpa

Mehr als die Hälfte der Amerikaner spricht sich für die Todesstrafe aus. Das zeigt eine neue Studie. Die Zahl der Befürworter steigt – bei einer Gruppe ist der Trend rückläufig.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Todesstrafe erhält wieder mehr Unterstützung in den Vereinigten Staaten. Nach einer Anfang der Woche veröffentlichten Umfrage vom amerikanischen Pew Research Center sprechen sich nun 54 Prozent der Amerikaner bei Mord für die ultimative Strafe aus. Das seien fünf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Damals lag demnach die Quote auf dem niedrigsten Niveau seit den frühen 1970er Jahren.

Unter Demokraten bleiben die Befürworter der Todesstrafe seit 1990 rückläufig, bei Republikanern ist sie unverändert hoch, wie das Institut mitteilte. Die Haltung zum Tod durch den elektrischen Stuhl oder die Giftspritze variiere stark nach Geschlecht und Rasse. 61 Prozent der Männer halten demnach das Todesurteil für gerechtfertigt, während Frauen diese Ansicht nur zu 46 Prozent teilen.

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Was die Hamas mit dem „Marsch der Millionen“ bezweckt

25.000 Kämpfer sollen die Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, unter Waffen haben.Foto: Said Khatib/AFP

Für Freitag ruft die Hamas zum „Marsch der Millionen“ für Gaza auf. Der Protest richtet sich gegen Israel. Wer die Hamas ist und – was die Terrorgruppe vorhat.

Von Christian Böhme, Lissy Kaufmann | DER TAGESSPIEGEL

Die Waffenruhe am Gazastreifen hält – noch. Bis vor Kurzem hatten militante Palästinenser Dutzende Mörsergranaten und Raketen auf Israel abgefeuert. Jerusalem reagierte mit Luftschlägen auf militärische Ziele. Doch am heutigen Freitag könnte die Situation wieder eskalieren.

Mit einem „Marsch der Millionen für Gaza“ soll an die Niederlage der Araber im Sechstagekrieg 1967 erinnert werden. Sollten dabei wieder Demonstranten auf den Grenzzaun zumarschieren oder Brandbomben werfen, ist nicht ausgeschlossen, dass es Tote geben wird. Israels Armee will wie bisher Scharfschützen einsetzen, um die Grenze zu sichern.

Was bezweckt die Hamas mit den Protesten?

Ziel der Islamisten ist es, dass die Blockade der Ägypter und der Israelis gelockert wird. Denn der Küstenstreifen leidet seit Jahren unter der restriktiven Grenzpolitik der beiden Nachbarn. Warenlieferungen sind nur eingeschränkt möglich, die Gazaner sind mehr oder weniger eingesperrt.

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Tierquälerei – amtlich genehmigt

Bild: tagesschau.de

Lebendtransporte sind ein lukratives Geschäft. Gut das Doppelte bringen Rinder in der Türkei oder Ägypten. Doch bei den Exporten aus der EU wird der Tierschutz systematisch ausgehebelt.

Von René Althammer, Chris Humbs, Susanne Opalka, Lisa Wandt | tagesschau.de

Blaue Fliesen bedecken die Wände des Schlachthofes, riesige frische Blutlachen den Boden. Ein gutes Dutzend Männer in Gummistiefeln stehen um ein schwarzes Rind. Plötzlich tritt einer der Männer auf das Tier zu, die Klinge in der Hand. Blut spritzt. Schächten ist ein brutales Handwerk.

Die Bilder stammen von der Tierschutzorganisation „Animals International“, aufgenommen irgendwo im Mittleren Osten. Was hierzulande als Tierquälerei gilt, ist dort ein islamischer Brauch, auch wenn es inzwischen Möglichkeiten gibt, die Tiere vorher zu betäuben.

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Atheisten – Terroristen? Die arabischen Regime suchen ihre Feinde am falschen Ort

Kairos Moscheen sind schön – aber für Atheisten senden sie eine bedrohliche Botschaft aus. (Bild: Asmaa Waguih / Reuters)

Wer sich von Gott abwendet, hat in muslimischen Gesellschaften einen schweren Stand. In Ägypten wird Atheismus gerade als Straftatbestand festgeschrieben, Saudiarabien unterstellt ihn sogar dem Terrorgesetz.

Kacem El Ghazzali | Neue Zürcher Zeitung

Es gibt eine Sache, worüber bei den meisten politischen Mächten in der islamischen Welt Einigkeit herrscht: In der Verteufelung und Unterdrückung von Atheisten sind Regierungen wie Oppositionsparteien auf Augenhöhe. Es ist keineswegs übertrieben, zu behaupten, dass ein Bekenntnis zum Atheismus in muslimischen Ländern mehr Mut erfordert, als den Umsturz von Monarchien oder einen Regimewechsel zu verlangen.

Atheisten werden in islamischen Ländern nicht nur häufig ausgegrenzt und geächtet, sondern auch des Terrorismus bezichtigt oder als «soziale Gefahr» gerichtlich belangt. Saudiarabien etwa hat den Atheismus in sein Terrorgesetz mit aufgenommen. Unter der Kuppel des ägyptischen Parlaments arbeiten die Minister gerade an einem Gesetzentwurf zur Kriminalisierung des Atheismus. Gemeinsam mit der Al-Azhar-Universität, der höchsten religiösen Autorität im Land, berät das Religionskomitee über Strafmassnahmen, die Atheisten zukünftig abschrecken sollen.

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Arabische Jugend: Lieber Putin als Trump

Bild, CC BY 4.0

Studie Arab Youth Survey: 57 Prozent sehen in den USA einen Feind und nicht einen Verbündeten

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die jährliche Studie der arabischen Jugend (Arab Youth Survey) wird vom PR-Unternehmen ASDA’A Burson-Marsteller mit Hauptsitz in Dubai in Auftrag gegeben. Das geht mit einer anderen Tiefenschärfe und anderen Auffächerung einher als bei wissenschaftlich orientierten Fragestellungen. Aber da die Befragten aus 16 arabischen Staaten sowie den palästinensischen Territorien stammen und der Studie 3.500 Interviews „von Angesicht zu Angesicht“ (jeweils nur Hälfte Männer und Frauen) zugrunde liegen, ist ihren Ergebnissen schon etwas abzulesen.

Zum Beispiel – und das sorgte umgehend für eine Schlagzeile in der Financial Times, in Gulf Today und in der Arab Times, dass Putin bei der Befragung der arabischen Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren als „Top nicht-arabischer Verbündeter“ gilt und nicht die USA unter Trump.

„Es ereignete sich ein dramatischer Wechsel in der Wahrnehmung Amerikas durch die jungen Araber in den letzten beiden Jahren; eine deutliche Mehrheit, nämlich 57 Prozent sehen in den USA nun einen Feind und nicht einen Verbündeten“, schreibt die saudi-arabische Zeitung Arab News.

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Jenseits von Himmel und Hölle

Ägypten ist weit davon entfernt, eine gottlose Gesellschaft zu sein: Mitglieder einer Sufi-Bruderschaft gedenken Husseins, eines Enkels des Propheten Mohammed. (Bild: Amr Abdallah Dalsh / Reuters)

Wer in der arabischen Welt nicht an Gott glaubt, gilt wahlweise als Extremist oder als psychisch gestört. Auch in Ägypten steht Atheismus womöglich bald unter Strafe.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Zweimal, sagt Ismail Mohamed, habe er echte Todesangst verspürt. Zweimal sei er nicht vorsichtig genug gewesen. Beim ersten Mal habe ihn ein Mann in ein Café in Alexandria eingeladen. «Der Typ schien eigentlich ganz freundlich zu sein. Er sagte, er hätte mich im Fernsehen gesehen. Er wollte mit mir über den Islam reden. Als ich aufstand und zur Toilette ging, richtete er eine Pistole auf mich.» Gott sei Dank, erzählt Mohamed, habe der Mann zu lange gezögert. «Seine Hand zitterte. Die Leute im Café konnten ihn deswegen überwältigen. Sie übergaben ihn der Polizei.»

Beim zweiten Mal habe er sich auf einer belebten Strasse in Kairo aufgehalten. Wieder sei er erkannt worden. «Ich hörte nur, wie jemand rief: ‹Der da, der glaubt nicht an Gott! Verprügelt ihn!› Plötzlich war ich von einer wütenden Menge umgeben. Alle redeten auf mich ein. Es war aussichtslos, mit den Leuten zu diskutieren. Einer zog ein Messer.» Gerade noch rechtzeitig sei Hilfe erschienen, die Polizei habe ihn auf die Wache genommen und verhört. Gott sei Dank sei er dort an keine Sadisten geraten und frei gelassen worden.

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Ägyptens Präsidentschaftswahl stellt auch Europa bloß

Schein und Wahl. Der alte und neue Präsident spielt Demokratie.Foto: Egyptian Presidency/dpa

Dass Ägyptens Präsident al Sisi schon einige Tage zu früh als Wahlsieger ausgerufen wird, scheint Europa und die USA nicht zu stören. Ihnen ist vor allem die Ruhe wichtig. Ein Kommentar.

Von Sidney Gennies | DER TAGESSPIEGEL

Unter Ägyptern verbreitet sich auf Facebook derzeit ein Foto. Darauf zu sehen ist eine Frau, im achten oder neunten Monat. Mit ihrem Partner schaut sie völlig überrascht und voller Glück auf einen Schwangerschaftstest. Daneben steht auf Arabisch sinngemäß: „Wenn in Ägypten die Wahlergebnisse bekanntgegeben werden.“

Sieben Jahre nach dem sogenannten arabischen Frühling bleibt der Bevölkerung wohl nicht viel mehr, als sich in der neuen und alten Militärdiktatur unter Abdel Fatah al Sisi mit schwarzem Humor einzurichten. Die Demokratie in einem der strategisch wichtigsten Länder des Nahen Ostens liegt in Trümmern, doch so richtig scheint sich kaum jemand daran zu stören.

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