Es ist höchste Zeit für einen Euro-Islam

Themenbild.
Ein Einwanderungsland darf Forderungen stellen: Ohne den Geist der Aufklärung geht es nicht.

Von Matthias Iken | Hamburger Abendblatt

Der Islam polarisiert – am liebsten streiten Radikale über ihn. Auf der einen Seite malen „Patrioten“, die kaum ein christliches Weihnachtslied unfallfrei singen können, gegen eine Islamisierung des Abendlands Halbmond und Teufel an die Wand: Sie erwarten minütlich die Einführung der Scharia und machen für alles Böse in der Welt Muslime verantwortlich.

Auf der anderen Seite diskreditieren politisch überkorrekte Islamverteidiger jede berechtigte Kritik am Islam als Islamophobie (dabei kritisieren wir das Christentum seit der Aufklärung mit Wonne). Empört prügeln sie alle Debatten mit der Rassismuskeule nieder. Und die Mehrheit? Sie duckt sich weg und schweigt. Bloß nichts Falsches sagen! Bloß nicht missverstanden werden! Bloß nicht Beifall von der falschen Seite bekommen! So lauten die Maximen in einer offenen Gesellschaft, die gerne Scheuklappen trägt.

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Autoritäre Einstellungen bei Schülern

Bild: RDF
Als eine der ersten empirischen deutschsprachigen Studien in diesem Bereich wurden im Rahmen einer Masterarbeit autoritäre Einstellungen von 668 SchülerInnen mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit gemessen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Der Fragebogen ermittelte Einstellungen zu den Themen Minderheitenfeindlichkeit, der Bedeutsamkeit der eigenen Weltanschauung, Einstellungen zur Erziehung, Demokratie sowie Rollenbildern und Sexualität. Während die Einstellungen von SchülerInnen christlichen Glaubens und jenen ohne Religionszugehörigkeit oft nur marginal voneinander abwichen, erwiesen sich die muslimischen SchülerInnen in fast allen Bereichen als autoritärer.

Der Text kann auch unter folgendem Link als PDF-Datei heruntergeladen werden: Felix Kruppa – Autoritäre Einstellungen bei Schülerinnen und Schülern mit besonderer Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit (Diskussionspapier)

Die komplette Masterarbeit, die u.a. alle Studienergebnisse enthält, versende ich gerne auf Anfrage.

Einleitung

Die Studie zur „Autoritären Persönlichkeit“ von Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson & Sanford (1950) war der Beginn für die wissenschaftliche Suche nach den Erklärungsansätzen und Ursprüngen von faschistischen und antidemokratischen Einstellungen, sowie Vorurteilen und Diskriminierung. Grundlage dieser autoritären Persönlichkeit sind u.a. negative Intergruppeneinstellungen, die spätestens durch den starken Anstieg der Zuwanderung nach Deutschland seit dem Jahr 2015 wieder in Erscheinung treten. Die eigene Identität wird verstärkt ex negativo zu anderen (Gruppen-)Identitäten gebildet und findet in ihnen ihren vermeintlichen Konterpart. Bestrebungen zur Abgrenzung der eigenen Gruppenidentität und dem Versuch der Herausstellung ihrer Überlegenheit gegenüber anderen Gruppen bei gleichzeitiger Besinnung auf traditionelle, oft reaktionäre Wertegefüge, sind allerdings nicht nur einer nach rechts rückenden Mehrheitsgesellschaft zuzuschreiben.

Ein gewichtiger Faktor für die Begründung und Genese autoritärer Einstellungen scheint auch die Religion zu sein. Homophobie, Judenfeindlichkeit oder die Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau finden oft auch religiöse Anleihen. In Bezug auf den Islam führt die Besinnung auf die eine konservative muslimische Identität in vielen Fällen dazu, dass Prinzipien wie der Säkularismus, Religionskritik, aber auch die Akzeptanz von Homosexualität und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht als Selbstverständlichkeit aufgefasst werden. Konservative bis fundamentalistische Auslegungen des Korans gewinnen an Zuspruch und der islamische Glaube gewinnt auch generell für immer mehr Muslime an subjektiver Bedeutung.[1] Aber auch die Kirche unterstützt seit ihrer Gründung traditionelle Rollenbilder und leistet u.a. einen erheblichen Beitrag zur Abwertung von homosexuellen Menschen, die sich im Katechismus, aber auch den Aussagen hoher christlicher Würdenträger wie des Papstes widerspiegeln. Der Katechismus der katholischen Kirche bezeichnet die Homosexualität als „schlimme Abirrung“ und „Prüfung“, und „keinesfalls zu billigen“, weil sie gegen das „natürliche Gesetz [verstößt]“. Deswegen sei Homosexuellen mit „Mitgefühl“ zu begegnen.[2]

Die beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich teilweise in Zonen diskursiver Immunität befinden, zeichnen sich oft schon in den Schulen ab. Schulklassen und die Einstellungen der SchülerInnen[3] werden zunehmend heterogener. Teilweise konfligierende Werte und Lebensmodelle sind für LehrerInnen eine besondere Herausforderung, weil sie nicht nur als Vermittlungsinstanz für Schulwissen, sondern auch als Erziehende einen großen Beitrag für die Wertebildung im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft leisten. Schulen müssen insofern nicht nur als Spiegel für die Gesellschaft, sondern auch als wichtige Instanz ihrer Konstitution gesehen werden. Gerade deshalb ist ihre integrative Funktion und die Vermittlung demokratischer und aufklärerischer Grundprinzipien auch in Zeiten der zunehmenden Diversifizierung eine Aufgabe, die neben ihrer Qualifikationsfunktion höchste Priorität hat.

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Tschetschenien macht Jagd auf Homosexuelle

Ramsan Kadyrow ist in Tschetschenien der Statthalter Moskaus. (Bild: Denis Tyrin / AP)
Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow lässt homosexuelle Männer verschleppen und foltern. Mindestens drei Opfer sollen ermordet worden sein.

Von Ann-Dorit Boy | Neue Zürcher Zeitung

Etwa eine Handvoll tschetschenischer Männer pro Tag rufen gegenwärtig die Notrufnummer der Homosexuellen-Vereinigung «Russisches LGBT-Netzwerk» an. Sie brauchen Hilfe, um vor der grössten Hetzkampagne gegen Homosexuelle zu fliehen, die es in der nordkaukasischen Republik je gegeben hat. Die Anrufer fürchten um ihr Leben. Sie verlassen ihre Heimat in dem Wissen, dass sie möglicherweise nie wieder zurückkehren oder Kontakt zu ihren Familien aufnehmen können. Bis danhin sind nach Informationen des Netzwerks mindestens 25 Tschetschenen tatsächlich nach Zentralrussland oder ins Ausland entkommen. Weitere 30 Männer bereiten sich mit seiner Hilfe auf die Abreise vor.

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Homophobie: Facebook-Konto wegen Bibelzitaten zu Homosexualität gesperrt

facebook-welt-karte

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat wiederholt die Unparteilichkeit und Offenheit seiner Plattform betont.

kath.net

Das Facebook-Konto einer christlichen Nutzerin ist gesperrt worden, nachdem diese Stellen aus der Bibel zitiert hatte, welche Homosexualität verurteilen.

Elizabeth Johnston, die auf Facebook unter dem Namen „Activist Mommy“ schreibt, zitierte Stellen aus dem Alten und dem Neuen Testament, um zu beweisen, dass die Bibel Homosexualität ablehnt. Facebook löschte diese Beiträge und sperrte ihr den Zugang zu ihrer eigenen Seite. Sie konnte nicht einmal auf private Nachrichten antworten.

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Antisemitismus: Israel als kollektiver Jude

Kommentare auf der Facebook-Seite der Botschaft
Kommentare auf der Facebook-Seite der Botschaft
Im 21. Jahrhundert ist die im antisemitischen Denken begründete und auf Juden ausgerichtete Kritik an Israel die dominante verbale Form geworden, in der anti-jüdische Ideen artikuliert und verbreitet werden.

Von Monika Schwarz-Friesel, Jehuda Reinharz | Botschaft des Staates Israel in Berlin

Zwischen 2002 und 2012 erhielten die israelische Botschaft in Berlin und der Zentralrat der Juden in Deutschland über 14.000 E-Mails, Briefe, Postkarten und Faxe aus allen Regionen Deutschlands. Da wir dachten, dass uns dieses Material ein Fenster in den modernen deutschen Geist gegenüber Israel liefern könnte, führten wir eine Untersuchung dieser Zuschriften durch und stellten fest, dass die überwiegende Mehrheit mit Kritik an der Politik Israels begann, sich aber sofort zu antisemitischen Angriffen verschlechterte. Wir nennen dieses Phänomen die „Israelisierung des Antisemitismus“.

Wir fanden ein ähnliches Muster in einer kleineren Studie von über 2.000 E-Mails, die von Bürgern aus acht europäischen Ländern an die israelischen Botschaften in jenen Ländern versandt wurden. Wir glauben, dass die Ergebnisse repräsentativ für vergleichbare Untersuchungen weltweit sind. Wie eine jüngste ADL-Untersuchung ergab, wurden zwischen August 2015 und Juli 2016 auf Twitter 2.6 Millionen antisemitische Mitteilungen gepostet.

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Trumps Team des Homo-Hasses

Demonstrationen gegen Trump nach seiner Wahl zum US-Präsidenten.Foto: dpa / picture alliance
Demonstrationen gegen Trump nach seiner Wahl zum US-Präsidenten.Foto: dpa / picture alliance
In Donald Trumps Kabinett tummeln sich Banker, Generäle und ultrakonservative Politiker. Sie alle sind vereint im Kampf gegen die Rechte der LGBTQ-Community in den USA.

Von Inga Barthels | DER TAGESSPIEGEL

Er wolle alles tun, um die LGBTQ-Community in den USA zu schützen. Das behauptete Donald Trump nach dem Attentat von Orlando im Juni 2016, als ein islamistischer Terrorist im Homosexuellenclub Pulse 49 Menschen erschoss. Der designierte Präsident ließ sich mit einer Regenbogenflagge fotografieren, auf der „LGBTs for Trump“ stand, Publikationen wie die Washington Times lobten ihn als stolzen Unterstützer der Community.

Was haben queere Menschen in den USA also unter der Regierung Trump zu erwarten? Ein Blick auf die bisherigen Minister*innen verheißt nichts Gutes. Denn den Bankern, Generälen, Publizisten und Politikern, die Posten ergattern konnten, ist eins gemeinsam: eine strikte Ablehnung queerer Menschen und ihrer Rechte. Trumps Kabinett liest sich wie ein Who is Who der Homophobie in den USA.

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Kirchenrestaurator tritt aus der Kirche aus

Wulf Bennert stört der linkslastige und islamfreundliche Kurs der EKD – Vorgehen der EKD erinnert an „Gesinnungsschnüffelei des DDR-Regimes“

kath.net

Einer der renommiertesten Restauratoren von Kirchen und Baudenkmalen in Deutschland, Prof. Wulf Bennert (Hopfgarten bei Weimar), ist aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Der 74-Jährige begründete seinen Schritt mit dem linkslastigen und islamfreundlichen Kurs der Kirche. Seiner Entscheidung sei ein „schmerzhaftes“ Ringen vorausgegangen, schreibt er in einem Brief an die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann (Erfurt). Schließlich sei die evangelische Kirche ein wesentlicher Inhalt seines Lebens gewesen. So habe er sich bereits zu DDR-Zeiten als Synodaler in der thüringischen Landeskirche engagiert und sei Vorsitzender eines Gemeindekirchrates gewesen. Zudem habe er in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrere Hundert Kirchengebäude in ganz Deutschland restauriert. Außerdem setzte Bennerts 1990 gegründete Firma weltberühmte Gebäude wie das Brandenburger Tor in Berlin, die Wartburg in Eisenach und Schloss Neuschwanstein instand.

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»Im Zentrum der Moralpanik«

Elisabeth Tuider (Foto: Stephan Roehl / flickr / CC BY-SA 2.0)
Elisabeth Tuider (Foto: Stephan Roehl / flickr / CC BY-SA 2.0)
Die Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin Elisabeth Tuider ist Autorin eines sozialpädagogischen Buchs für die Arbeit mit Jugendlichen. Sie schlägt darin Methoden zur Diskussion von sexueller Vielfalt vor. Die Kasseler Professorin erhielt deshalb Mord- und Vergewaltigungsdrohungen. Mit der »Jungle World« sprach sie über Rassismus, Homophobie und Analverkehr.

Interview: Ann-Kathrin Jeske | Jungle World

Wie sieht der Sexualkundeunterricht in deutschen Schulen aus?

Das Verhältnis von Schule und Sexualpädagogik ist in Deutschland seit fast 40 Jahren klar geregelt, seit die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder 1968 die schulische Sexualerziehung als fachübergreifendes Unterrichtsprinzip pädagogisch verankert hat. Schule ist der zentrale Ort für Sexualerziehung. Über 90 Prozent der Jugendlichen geben an, Sexualerziehung in der Schule gehabt zu haben. Lehrerinnen und Lehrer sind ebenso wie Eltern, insbesondere Mütter, zentrale Personen für Fragen von Jugendlichen. Zugleich wissen wir aus derselben Untersuchung, dass Sexualerziehung in der Schule oftmals nur auf den biologischen Aspekt von Sexualität fokussiert. Viele Lehrpersonen laden sexualpädagogisches Fachpersonal von Pro Familia, der Aids-Hilfe oder von Aufklärungsprojekten ein. Diesen externen Fachpersonen fällt es wegen ihrer strukturellen Fremdheit oft leichter, mit ­Jugendlichen ins Gespräch über Sexualität, Beziehung und Liebe zu kommen. Sexualpädagogik eröffnet Gesprächsräume und begleitet Jugendliche in ihrer Auseinandersetzung.

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Dumme weiße Männer: Die Scharia des Abendlandes

Das Abendland wird gegen solche Männer verteidigt: Messe gegen die Abtreibungsrechts-Demo in Polen
Das Abendland wird gegen solche Männer verteidigt: Messe gegen die Abtreibungsrechts-Demo in Polen
Weiße Männer wollen uns vor einem rückständigen Islam retten. Dabei befreien wir uns doch gerade erst noch von ihrer Rückständigkeit.

Von Lalon Sander | taz.de

In Syrien fraßen die abendländischen Christen Menschenfleisch. Während des Ersten Kreuzzuges eroberten die europäischen Kreuzritter die Stadt Maara, fanden aber bei den anschließenden Plünderungen nicht ausreichend Essen. Die Berichte des Feldzuges lesen sich von erbärmlich bis grotesk. Aus Verzweiflung hätten die Kreuzritter „sich von den Leichnamen der Sarazenen [ernährt], die schon in Verwesung waren“, schrieb Albert von Aachen an den Papst.

Für Europäer des 12. Jahrhunderts war es naheliegend, dass “Hexen, Juden, Wilde, Orientale und Heiden denkbar – gar zwingend – Kannibalen waren“, doch kein anderer Kontinent hat eine so gut dokumentierte Geschichte des Kannibalismus wie Europa. Und die Gewohnheit, die eigenen Sünden auf den vermeintlichen Feind zu projizieren, hielt an: Geschichten des Kannibalismus prägen das Zeitalter des Kolonialismus. Weiße Entdecker griffen selbst in Notlagen zu Menschenfleisch, dichteten kannibalische Rituale aber gerne den Völkern an, die sie erobern oder ermorden wollten.

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Christen rechtsaußen: Hetzkatholiken und Hassprotestanten

Bild: BR24
Bild: BR24
Mit der Pegida-Bewegung sind sie ins Visier der Öffentlichkeit geraten: Christen am rechten Rand, das schwarz-rot-goldene Kreuz vor sich hertragend. Und doch agieren ultrakonservative Katholiken wie Protestanten schon viel länger – im Internet und auf den Straßen.

Von Veronika Wawatschek | BR24

So viel vorweg: Hier geht es nicht vorrangig um Glatzen und Springerstiefel in Kirchenbänken, sondern vielmehr um den ultrakonservativen bis rechten Rand, der biblische Werte schützen will. Von „Katholiban“, von denen der Publizist David Berger einmal sprach, kann nicht die Rede sein. Bislang rüsten die Rechtsaußen-Christen nur verbal zum Kampf. Und doch wird bei genauerem Hinsehen deutlich: Es braut sich etwas zusammen am christlich-rechten Rand – auch weil sie mit der AfD einen politischen Arm für ihre Themen bekommen haben, wie in der Grundsatzvereinbarung der „Christen in der AfD“ nachzulesen ist.

Der Themendreiklang

Die Publizistin Liane Bednarz kennt diesen Rand von innen. Sie bezeichnet sich als konservativ und gläubig, stieg aber aus der Szene aus, als ihr die Parolen zu ausgrenzend wurden. Ihren Worten zufolge widmen sich rechte Christen vor allem dem „Schutz des Lebens“, dem „Schutz von Ehe und Familie“ und dem „Schutz des christlich-geprägten Abendlandes“. Nicht selten verberge sich dahinter allerdings radikale Abtreibungsgegnerschaft, von der sich selbst die Kirchen distanzierten, sowie Homophobie und ausgewiesene Islamfeindschaft.

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Erklärung der Reformmuslime: „Wir träumen von einer Reform des Islam“

Demo der islamischen Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) in Baden-Württemberg
Demo der islamischen Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) in Baden-Württemberg
Die Reformmuslime in Deutschland, Österreich und der Schweiz wünschen sich einen offenen, friedlichen und neugierigen Islam als Teil Europas. Wir dokumentieren ihre gemeinsame Erklärung.
 

DIE WELT

„Unwissenheit führt zu Angst, Angst führt zu Hass, und Hass führt zu Gewalt. Das ist eine einfache Gleichung.“

Ibn Ruschd, 1126 – 1198, muslimischer Philosoph und Arzt

Wir träumen von einer Islamreform.

Von einer Aufklärung, aus der eine muslimische Gemeinschaft erwächst, die sich als integralen Bestandteil der europäischen Gesellschaft sehen will, die offen und neugierig gegenüber ihren Mitmenschen, der europäischen Kultur und den Herausforderungen der Moderne ist.

Wir träumen von einer muslimischen Gemeinschaft, die Frieden, Toleranz und Nächstenliebe predigt und lebt, die Gleichberechtigung predigt und lebt, die Respekt vor anderen Religionen und anders denkenden Menschen predigt und lebt.

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aej und BDKJ stellen sich hinter Amadeu-Antonio-Stiftung

In einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sich die Jugendverbände der evangelischen und der katholischen Kirchen in Deutschland für eine Fortdauer der staatlichen Förderung für die umstrittene Stiftung aus.

Von Claudius Grigat | evangelisch.de

„Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist seit vielen Jahren eine engagierte Mitstreiterin für unsere demokratische Kultur in Deutschland. Mit ihrer Arbeit gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus Rassismus, Homophobie und Sexismus setzt die Amadeu-Antonio-Stiftung klare Zeichen und unterstützt Verbände, Initiativen und Projekte vor Ort in ihrem wichtigen Engagement. Als Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) schätzen wir die Arbeit der Stiftung und das fundierte Wissen ihrer Mitarbeitenden“ heißt es in einer am Montag verbreiteten Erklärung.

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Die Renaissance des Faschismus hat begonnen

Eine nackte Trump-Statue.Foto: AFP
Von Donald Trump über Diktatoren und Islamisten zu den deutschen Wutkleinbürgern: Politische Hooligans haben Auftrieb.

Von Peter von Becker | DER TAGESSPIEGEL

Wenn politische, religiöse oder alltagskulturelle Gesinnungen fundamentalistisch und fanatisch werden, dann berühren sich oft die vermeintlich schärfsten Gegner. Gegensätze ziehen sich an, das gilt für Extremisten fast aller Lager.
Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, die Ablehnung kultureller Pluralität, die Sehnsucht nach starken Führern, Homophobie, Machismus, Aggressivität gegenüber kritischen Medien, die Vermengung von Hassbotschaften mit irrealen Heilsversprechen, Militanz statt Mitmenschlichkeit – das meiste hiervon verbindet: Islamisten und Donald Trump, radikale Pegida-Prediger, Ungarns und Polens rechte Regierungen, Nordkoreas Diktatur, Erdogan-Türken, Putin-Russen, AfD– und NPD-Anhänger, saudische Herrscher oder Frankreichs Front National.

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„Unterdrückte Sexualität spielt Schlüsselrolle bei Radikalisierung“

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)
Im Kampf gegen die Radikalisierung von Jugendlichen fordert Ahmad Mansour die muslimische Community in Deutschland auf, mehr Verantwortung zu übernehmen. Bei der Radikalisierung spiele die Tabuisierung von Sexualität eine Schlüsselrolle, so der arabisch-israelische Psychologe.

Ahmad Mansour im Gespräch mit Christian Rabhansl | Deutschlandradio Kultur

Im Kampf gegen die Radikalisierung von Jugendlichen fordert der Psychologe Ahmad Mansour die muslimische Community in Deutschland auf, mehr Verantwortung zu übernehmen. „Ich vermisse die innerislamische Debatte“, sagte der arabisch-israelische Psychologe im Deutschlandradio Kultur.

Bei der Radikalisierung von Jugendlichen spiele die Tabuisierung von Sexualität eine Schlüsselrolle. Mansour warnte vor einem „Islam-Verständnis, das Geschlechter-Apartheid schafft und Homosexualität ablehnt“. Der Politik warf Mansour vor, Moscheen zu Partnern zu machen, ohne zu fragen: „Vermitteln sie eine sexuelle Selbstbestimmung? Oder verteufeln sie die Sexualität und lehnen sie einen normalen, gesunden Umgang zwischen den Geschlechtern ab? Wenn sie das tun, dann sind sie Teil des Problems.“

Frauenverachtung, Homophobie und Antisemitismus unter Jugendlichen

Unter muslimischen Jugendlichen nähmen Frauenverachtung, Homophobie und Antisemitismus zu. Doch das könne man nicht an Äußerlichkeiten erkennen. „Da geht es nicht um die Bartlänge. Da geht es nicht um Kleidung oder Vollverschleierung. Sondern man muss in den Dialog kommen, um die Rhetorik, die Argumentation dieser Jugendlichen mitbekommen. Nur so kann ich merken, dass jemand radikal ist.“ Dazu müsse die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern reformiert werden.

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Gewaltforscher: Religion kann Menschenfeindlichkeit befördern

Bielefelder Gewaltforscher Zick bei „Salzburger Hochschulwochen“: Reaktion auf Gewaltspirale durch mehr zivilgesellschaftliches Engagement möglich – Frage steht im Raum: „Wie werden wir zusammen anders“ . Bild. kathpress
Auf einen Zusammenhang von Religiosität und Menschenfeindlichkeit hat der Bielefelder Gewaltforscher Andreas Zick hingewiesen.

kathpress

Dieser Zusammenhang werde nicht nur darin sichtbar, dass bei „Pegida“-Demonstrationen stets ein Kreuz vorangetragen wird und die skandierte Verteidigung eines christlichen Abendlandes mit der Abwertung Anderer einhergehe, sondern er zeige sich auch statistisch: So habe eine Erhebung des von Zick geleiteten „Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung“ (IKG) an der Universität Bielefeld gezeigt, dass Menschenfeindlichkeit unter jenen religiösen Menschen am größten sei, die ihre eigene Religion als „die einzig wahre Religion“ verstehen. Zu dieser Gruppe zähle sich etwa ein Viertel der sich als religiös bezeichnenden Menschen in Deutschland.

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Rechte Ideologie im esoterischen und neureligiösen Bereich

Graffiti „Neue Weltordnung / 666 = Illuminati / Satanist“ am Bahnhof Stadtallendorf / Hessen (2016). Der oder die Künstler_innen haben ähnliche Graffiti im Umkreis angebracht, welche die Stichwörter IS, Vatikan, NATO, dritter Weltkrieg usf. ergänzen – neben dutzenden Gleichheitszeichen.
Eine erprobte PR-Strategie in Überlegungen mit Praktikant_innen bei REMID bestand darin, in einigen Online-Medien eigene Kommentar-Accounts (die dann auch meistens „REMID“ heißen) zu unterhalten und gelegentlich zur Platzierung eines Kommentars zu nutzen. Ein Kommentator im Forum der zum Heise-Verlag gehörenden Online-Zeitung „Telepolis“ reagierte darauf mit einer ausgeklügelten Fantasie. In seiner Antwort stellt er mehrere Desinformationspraktiken vor, die wir angeblich verwendet hätten.

Von Christoph Wagenseil | REMID

Er schließt damit, „[m]an findet hier in der Tat sehr viele professionell vorgehende Kommentatoren, die ganz offensichtlich intensiv geschult wurden, um massiv im Interesse ihrer Auftraggeber auf unliebsame Meinungen einwirken zu können. Dazu verwenden sie vermutlich die bereits mehrfach erwähnte, von US-Programmierern entwickelte Sockenpuppen-Software, mit der sich zahlreiche Accounts für alle gängigen Social-Media-Plattformen verwalten und steuern lassen“. Es ging darum, inwiefern bestimmte Äußerungen des Montagsmahnwachen-Aktivisten und „alternativen“ Journalisten Ken Jebsen antisemitisch sind oder antisemitische Denkmuster bedienen. Jutta Ditfurth spricht bezüglich der Montagsmahnwachen für den Frieden von einer neurechten völkischen Bewegung. Entscheidend für diese sind „alternative“ Medien wie Blogs, Youtube-Channels, Facebook-Gruppen uvm. Dabei spielt auch ein Teil des esoterischen und neureligiösen Bereichs eine Rolle. Sowie eine spezielle Art von Metaphysik des Bösen.

Begriffsbestimmung

Zunächst gilt es zu klären, was genau hier unter rechter Ideologie verhandelt werden soll. Es kann nicht darum gehen, sämtliche „konservative“ Positionen einzubeziehen. Das würde beim Thema Religion und Spiritualität ein absurdes Ergebnis liefern, das außerdem keine Differenzierungen erlaubt. Insofern gilt es genau abzugrenzen, welche Phänomene bzw. Ideologeme gemeint sind. Und es ist zudem Vorsicht geboten, nicht mit zweierlei Maß zu messen, und etwa einen besonderen „Guruismus“ eher zu kritisieren als die päpstliche Autorität. Insofern soll sich beschränkt werden auf bestimmte dann „rechtspolitisch“ aufgeladene Diskriminierungspraxen und -diskurse (Antisemitismus, Rassismus, Homophobie, Islamfeindlichkeit), davon unterschieden das besondere Phänomen einer Mythisierung der Verherrlichung des Nationalsozialismus (vgl. Von Aldebaran bis Vril. Interview über esoterischen Neonazismus) und schließlich ist eine spezielle Vorliebe für letztlich menschenverachtende libertäre bis faschistische Utopie-Entwürfe zu nennen.

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Ahmad Mansour über den radikalen Islam: Wenn Gott diktiert

Gebete für die Opfer in Orlando. „One Pulse“ ist als Zeichen der Solidarität und Trauer gedacht. Im Pulse-Nightclub beging ein…Foto: AFP
Nach dem Massenmord von Orlando hieß es: Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Aber solche Rede geht an der Realität vorbei. Auch diese Religion muss sich reformieren

Von Ahmad Mansour | DER TAGESSPIEGEL

Da erfährt ein Vater, dass sein Sohn einen Massenmord begangen hat, in Orlando im US-Bundesstaat Florida. Er hat 49 junge Menschen ermordet, die nichts weiter taten als zu feiern. Über das Internet hatte sich der 29-jährige Sohn die Ideologie radikalislamischer Gruppen besorgt, sich damit vollgesogen und als legitimierende Droge für sein Attentat gebraucht. Auch das weiß der vor drei Jahrzehnten aus Afghanistan in die USA eingewanderte Vater. Ihm ist bekannt, dass der junge Mann in den vergangenen Jahren mehrmals vom FBI wegen Terrorverdachts vernommen wurde und dass er am Tag vor der Tat zum Beten in die kleine Gemeindemoschee gegangen war.

Der Kommentar des Vaters in TV-Interviews: Sein Sohn sei unauffällig gewesen, der Vater habe ihm das College finanziert, er habe alles bekommen, einen Job gehabt, von radikalen Tendenzen sei nichts zu bemerken gewesen. Die Tat des Sohns, der bei dem Attentat ums Leben kam, habe nichts mit dem Islam zu tun. Der Vater soll selbst Sympathien für die Taliban in seinem Herkunftsland haben.

Islamisten in Deutschland posten in den sozialen Medien Fotos des Täters und dazu die Sätze: „Ein psychisch Kranker und Schwuler greift eine Schwulen-Bar an, und plötzlich reden Politiker und Medien von islamistischem Anschlag. Entweder habt ihr paranoide Störungen oder ihr betreibt Propaganda à la Goebbels.“ So oder ähnlich sprechen wieder viele. In den USA sind Politiker und Öffentlichkeit übervorsichtig, auch nur das Wort „islamistisch“ zu verwenden, mit Ausnahme von Donald Trump und seinen Anhängern, die politisches Kapital aus dem Verbrechen schlagen wollen.

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So evangelisch sind die AfD-Wähler

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Was weiß man über die Sympathisanten der AfD und welche Rolle spielt die Religionszugehörigkeit? Hilke Rebenstorf vom Sozialwissenschaftlichen Institut gibt im Interview Einblick in das Handwerk der Meinungsforschung.

Von Markus Bechthold | evangelisch.de

Wer wählt in evangelischen Kreisen die AfD oder sympathisiert mit ihr?

Hilke Rebenstorf: Die AfD ist ein noch sehr junges Phänomen. In vielen allgemeinen Bevölkerungsumfragen ist die Frage nach der AfD-Wahl noch gar nicht gestellt worden. Trotzdem hat sich die Partei in dieser kurzen Zeit ihres Bestehens bereits stark gewandelt. Wer 2013 sein Kreuz auf dem Wahlzettel bei der AfD gemacht hatte, wählt sie möglicherweise heute nicht mehr. Damals prägte Bernd Lucke die Partei, heute sind Alexander Gauland, Frauke Petry und Beatrix von Storch die führenden Köpfe. Mittlerweile gibt es ein paar Wahlanalysen, die Auskunft über die Wähler geben. So hat die Forschungsgruppe Wahlen zum Beispiel anlässlich der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 13. März 2016 Wähler nach ihrer Konfessionszugehörigkeit und Kirchganghäufigkeit gefragt. Konkret wurden vor der Wahl vom 7. bis zum 11. März 1.037 und am Wahltag 18.000 ausgewählte Wahlberechtigte in 160 Wahlbezirken nach Alter, Schulbildung, beruflicher Stellung und Konfessionszugehörigkeit befragt. Die AfD wird überwiegend von jungen und kaum von älteren Männern gewählt. Frauen, die die AfD wählen, sind hingegen meist mittleren Alters. Dass eine neue Partei eher von jüngeren Männern gewählt wird ist typisch. Eine Ausnahme von dieser Regel bildeten die Grünen. Die Grünen wurden von Anfang an auch von Frauen gewählt. Das lag an ihren speziellen Schwerpunkten. Aus der Wahlforschung weiß man, dass ältere Menschen aufgrund ihrer jahrzehntelangen gewohnten Parteibindung sich nur schwer auf eine neue Partei einlassen. Schon allein, weil sie nicht mehr so experimentierfreudig sind.

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„Muslime und Christen begründen Homophobie mit ihrer Religion“

Jouanna Houssoun leitet das Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule in Berlin (LSVD)
„Homophobie wird von Muslimen oft mit ihrer Religion begründet“, sagt Jouanna Hassoun. Das sei ähnlich wie bei fundamentalen Christen. Die Leiterin des Zentrums für Migranten, Lesben und Schwule in Berlin hilft Geflüchteten, die wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und geschlagen werden.
 

Jouanna Hassoun im Gespräch mit Andre Zantow | Deutschlandradio Kultur

Deutschlandradio Kultur: Zu Gast ist in dieser Woche eine Frau, die neben Schauspielerin Iris Berben und Regisseur Wim Wenders im vergangenen Jahr eine besondere Auszeichnung erhalten hat, den Verdienstorden des Landes Berlin – für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement in der Integrations- und Flüchtlingsarbeit: Jouanna Hassoun.

Jouanna Hassoun: Vielen Dank für die Einladung.

Deutschlandradio Kultur: Frau Hassoun, Sie sind erst Anfang 30 und haben doch schon so viel erlebt und geleistet. Aktuell leiten Sie die Berliner Einrichtung „MILES“, die sich speziell um Flüchtlinge kümmert, die schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell sind. Warum braucht es so ein spezielles Zentrum?

Jouanna Hassoun: Weil wir kulturspezifisch arbeiten und uns mit den Sorgen der Menschen direkt befassen. Ich habe den Vorteil, dass ich arabischsprachig bin und auch zwei meiner Mitarbeiter Arabisch sprechen können. Deshalb kommen sie auch zu uns, weil wir sie verstehen. Es gibt zwar viele, die auch englisch sprechen, aber die Muttersprache ist nochmal, wenn man gerade in ein neues Land ankommt, entscheidend.

In den letzten Monaten war eine große Herausforderung für uns, sie in sichere Unterkünfte unterzubringen, wenn sie zum Beispiel Gewalt ausgesetzt worden sind oder Gewalt ausgesetzt waren.

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Über Religionsfreiheit darf man nicht streiten

Davon träumt die AfD.Foto: dpa
Die AfD will mit Islamfeindschaft punkten. Der Islam sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Für die Union kann das nur heißen: Kontra geben, klare Kante zeigen. Ein Kommentar.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Die „Alternative für Deutschland“ hat sich von einer rechtspopulistischen Partei, die ins bürgerliche Milieu schielte, zu einer islamfeindlichen Partei gewandelt. Sie sitzt in einem Boot mit Le Pen, Geert Wilders und Donald Trump. Der Islam wird von führenden AfD-Vertretern pauschal als mit dem Grundgesetz nicht vereinbar bezeichnet, als ein „Fremdkörper“ in Deutschland. Auf ihrem Parteitag in zwei Wochen in Stuttgart soll der Anti-Islamkurs festgeschrieben werden. Symbole des Islam wie Minarette, den Ruf des Muezzins und die Vollverschleierung will man verbieten. Spätestens jetzt weiß jeder, woran er mit der AfD ist.

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