Schlagwort-Archive: Saudi-Arabien

“Deschner Preis” für Ensaf Haidar und Raif Badawi

Raif Badawi, Bild: FB
Er hat angeblich den Islam beleidigt und wird dafür in seiner saudischen Heimat mit Gefängnis und Prügel bestraft. Dabei hat der Blogger Raif Badawi nur die Gleichbehandlung aller Menschen eingefordert.
 

heise.de

Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine baldige Freilassung des inhaftierten saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi. Das erklärte seine Frau Ensaf Haidar in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. In ihrer Heimat herrscht nach Angaben der im Exil lebenden 36-Jährigen Funkstille, was ihren Mann betrifft. “Also bleibt uns nur zu hoffen, dass sie ihn früher oder später begnadigen.”

Gemeinsam mit ihrem Mann erhält Haidar am (heutigen) Samstag (17.00 Uhr) den mit 10.000 Euro dotierten “Deschner-Preis” für Religions- und Ideologiekritik der Giordano-Bruno-Stiftung. Die Eheleute werden laut Stiftung geehrt für ihren “gemeinsamen, mutigen und aufopferungsvollen Einsatz für Säkularismus, Liberalismus und Menschenrechte, der weit über Saudi-Arabien hinaus Bedeutung hat”. Haidar lebt mit den drei gemeinsamen Kindern in Kanada.

Die Laudatio soll der deutsch-arabische Islamkritiker Hamed Abdel-Samad halten, der unter anderem mit seinem Bestseller “Mohamed. Eine Abrechnung” für Aufsehen sorgte. Der Festakt in der Deutschen Nationalbibliothek steht nach Angaben der Organisatoren unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen.

weiterlesen

Historiker Heinisch: “Die Schule sollte ein kopftuchfreier Raum sein”

Themenbild
Themenbild
Heiko Heinisch über das Problem mit dem Islam, paternalistische Linke und Mobbing gegen Mädchen ohne Kopftuch

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Sie haben in einem Artikel für das Magazin “The European” geschrieben: “Wir haben ein Problem mit dem Islam. Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen, unabhängig von unserer Religion oder Weltanschauung.” Was ist das Problem?

Heiko Heinisch: In den islamischen Gesellschaften beobachten wir seit knapp 40 Jahren einen Vormarsch islamistischer Kräfte, die eine Umgestaltung der Gesellschaft nach islamischen Kriterien, also so etwas wie einen islamischen Staat, durchsetzen wollen. Den Startschuss gab die Revolution im Iran, die auch auf die mehrheitlich sunnitischen Länder wirkte. Vor allem Saudi-Arabien finanziert weltweit islamistische Propaganda, aber auch Katar und die Türkei unter Erdogan propagieren einen politisierten Islam, der sich in den letzten Jahrzehnten zum Mainstream entwickelt hat. Das färbt selbstverständlich auch auf die islamischen Verbände in Europa ab, die überwiegend ebenfalls einen politisierten Islam repräsentieren – das ist unser Problem.

weiterlesen

 

Feindbild Islam? Eine besorgniserregende Entwicklung

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Die religiösen Institutionen in den muslimischen Ländern sind überwiegend dafür verantwortlich, dass der Islam als Religion ein derart negatives Bild in der Öffentlichkeit abgibt.

Von Efgani Dönmez | nachrichten.at

Statt sich auf die Seite der Aufgeklärten zu schlagen, welche sich für Gerechtigkeit, Demokratie und Gleichbehandlung von Mann und Frau einsetzen (eine der Kernaussagen des koranischen Islams), unterstützen diese Engstirnigen im besten Fall durch Nichtstun gerade jene, die diese Werte und Haltungen mit Füßen treten.

Die religiösen Institutionen der Türkei über Saudi-Arabien bis hin zu Ägypten haben Ableger in ganz Europa – auch in Österreich. Statt die Freiheit der Wissenschaft und Lehre sowie das Recht der freien Meinungsäußerung in Österreich dafür zu nutzen, einen innerislamischen progressiven Diskurs in Gang zu setzen, damit den islamistischen Gruppierungen der Wind aus den Segeln genommen wird, wird jegliche Kritik aus diesen Kreisen im Keim erstickt.

Die wenigen aufgeklärten Stimmen werden denunziert, ausgegrenzt und bedroht. Geistige Brandstifter biedern sich als Feuerlöscher an und agieren im Gewand des Multikulti-Botschafters gesponsert mit saudischem Geld für den interreligösen Dialog.

Insbesondere unsere Politiker müssen den Unterschied zwischen Islam als Religion und dem politischen Islam als Urheber der Gewalt erkennen.

weiterlesen

CSU-General will Deutsch als Sprache der Moscheen

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, hier im Februar 2016 beim Bezirksparteitag der Niederbayern-CSU in Landshut. (Foto: dpa)
Zudem müsse die Finanzierung von Moscheen aus dem Ausland beendet werden, fordert Scheuer.

Süddeutsche.de

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer fordert gesetzliche Maßnahmen, um ausländische Einflüsse auf den Islam in Deutschland zurückzudrängen. “Die Finanzierung von Moscheen oder islamischen Kindergärten aus dem Ausland, etwa aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien, muss beendet werden”, sagte Scheuer der Zeitung Die Welt. Deutschland müsse sich stärker und kritischer mit dem politischen Islam auseinandersetzen, denn er hintertreibt, dass sich Menschen bei uns integrieren”, so Scheuer. Dafür sei ein Islam-Gesetz notwendig.

weiterlesen

König Salman und die beleidigten Präsidenten

foto: reuters/murat cetinmuhurdar Unter den Augen Atatürks: Präsident Tayyip Erdogan empfängt den saudischen König Salman bin Abdulaziz am Flughafen Ankara.

Saudi-Arabien wünscht sich eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Der saudische König Salman und der türkische Präsident Erdogan unter einem Bild von Mustafa Kemal Atatürk – das hat schon etwas: Als der “Vater der Türken” 1923 die Republik ausrief, hatten die Briten gerade Sharif Hussein bin Ali – Ururgroßvater des heutigen Königs von Jordanien – in Mekka fallenlassen und dem Vater Salmans, dem Gründer Saudi-Arabiens Ibn Saud, damit den Weg zur Eroberung der früheren osmanischen Provinz Hijaz geebnet. Mit beiden unter ihm sitzenden Islamisten – dem Salafisten Salman und dem Muslimbruder und “Rückbauer” der säkularistischen Türkei Erdogan – hätte der Raki-Liebhaber Atatürk nicht viel anfangen können.

weiterlesen

Muslimische Schüler müssen Lehrerin nicht die Hand geben

Bild: Reuters
Bild: Reuters
In der Schweiz wollten zwei muslimische Jungen ihrer Lehrerin nicht die Hand geben. Aus religiösen Gründen. Die Schulleitung akzeptiert das – nun ist der Teufel los.

Von Bernhard Honnigfort | Frankfurter Rundschau

Die Schweiz ist ein Land, in dem über alles munter bis heftig debattiert wird. Über Gott und die Welt wird gestritten, es gibt Volksabstimmungen über gerechte Löhne, Einwanderung,  über den Umgang mit Pädophilen, zur Frage, was aus dem Schweizer Gold oder wie mit Millionenerbschaften umgegangen werden soll.

Aber wenig hat das Alpenland derart erschüttert, wie zwei muslimische Jungen aus Therwil im Kanton Baselland, 14 und 15 Jahre alt, die ihrer Lehrerin morgens vor Unterrichtsbeginn nicht die Hand geben wollen, wie das sonst an Schweizer Schulen Usus ist. Die syrischen Hauptschüler weigern sich aus religiösen Gründen: Der Islam verbiete das Berühren fremder Frauen.

Die Schulleitung akzeptierte das, wie am Wochenende bekannt wurde. Im vergangenen Dezember gab es ein Gespräch, nachdem die Lehrerin ihrem Rektor das Verhalten der Jungen geschildert hatte. Man einigte sich auf einen „höfliche Begrüßung ohne Körperkontakt“. „Wir lösten das Problem so, dass die beiden Schüler sowohl die Hand der Lehrerinnen, aber auch die der Lehrer nicht mehr schütteln. Damit ist die Diskriminierung aus der Welt geschafft“, wird der Rektor in Schweizer Zeitungen zitiert.

weiterlesen

Zahl der Exekutionen ist massiv gestiegen

3c94d-hinrichtung-todesstrafe-todesspritzeDie Zahl der weltweiten Exekutionen hat sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht. Die meisten Hinrichtungen fanden im Iran statt.

Die Presse.com

Die Zahl der weltweiten Hinrichtungen habe sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht. Das schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) in ihrem aktuellen Bericht. 1634 Menschen seien demnach 2015 exekutiert worden. 2014 waren es, dem früheren Jahresbericht von AI zufolge, 607. Ende 2015 saßen laut der Menschenrechtsorganisation mindestens 20.292 zum Tod Verurteilte in Haft.

Den Hauptteil an dem Anstieg bilden Hinrichtungen im Iran, in Pakistan und Saudiarabien. Allein der Iran habe 2015 mindestens 977 Menschen töten lassen, meist wegen angeblicher Drogendelikte.

weiterlesen

 

Iran-Flüge der Air France: Flugbegleiterinnen rebellieren gegen Kopftuchpflicht

Themenbild
Themenbild
Neue Route, neues Problem: Einige Mitarbeiterinnen von Air France wollen nicht akzeptieren, dass sie sich bei Flügen nach Iran verhüllen müssen. Für sie soll nun eine Sonderregelung gelten.

SpON

Nach Protesten von Flugbegleiterinnen gegen eine Kopftuchpflicht bei Landungen in Teheran plant die französische Fluggesellschaft Air France eine Ausnahmeregelung. Stewardessen und Pilotinnen, die aus persönlichen Gründen beim Verlassen der Maschine im Iran kein Kopftuch tragen wollten, sollten für andere Flüge eingeteilt werden, sagte Personalchef Gilles Gateau dem Radiosender “Europe 1” vor einem Treffen mit Gewerkschaftsvertretern. Sie sollten nicht zu Flügen nach Teheran gezwungen werden.

weiterlesen

Islamischer Theologe fordert mehr Unterstützung für liberale Muslime

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Tübinger Wissenschaftler nennt es «unglücklich», wenn Deutschland mit Saudi-Arabien gute Beziehungen pflege, sich aber «nicht so recht eindeutig zu dem Weltbild, das von dort propagiert wird, äußern möchte».

kath.net

Der islamische Theologe Erdal Toprakyaran hat sich für mehr Unterstützung für liberale Muslime ausgesprochen. Es sei nachvollziehbar, dass sich die deutsche Politik nicht in religiöse Fragen etwa in Saudi-Arabien einmischen wolle, sagte er am Freitag im Deutschlandfunk. Dennoch müsse die Politik alles versuchen, «damit Religion nicht instrumentalisiert und missbraucht werden kann».
Es sei «unglücklich», wenn Deutschland mit Saudi-Arabien gute Beziehungen pflege, sich aber «nicht so recht eindeutig zu dem Weltbild, das von dort propagiert wird, äußern möchte». Positive Signale kämen derzeit von den Zentren für Islamische Theologie, so der Tübinger Wissenschaftler. Dort schalteten sich junge Menschen in die Debatten ein.

weiterlesen

USA: Waffenverkäufe an Golfstaaten für 33 Milliarden Dollar

Apache-Kampfhubschrauber. Bild: Britische Armee/Open Government Licence
In den vergangenen 11 Monaten haben die USA ihre Waffenkammer für den Nahen Osten großzügig geöffnet

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Die USA haben im vergangenen Jahr für kräftigen Waffennachschub im Krisenherd Naher Osten gesorgt. Seit Mai 2015 hat das US-Außenministerium Waffenverkäufe an Länder des Golf-Kooperationsrates (GCC) in Höhe von 33 Milliarden Dollar genehmigt. Dies gehe aus Unterlagen des State Departments hervor, berichtet die Publikation Defense News.

33 Milliarden Dollar bedeuten eine große Menge Waffen, die an Länder gehen, die in Kriege verstrickt sind wie allen voran Saudi-Arabien, das im Jemen militärisch interveniert, in Syrien die Salafisten-Dschihadisten von Ahrar-al-Sham unterstützt, die militärisch eng mit der al-Qaida-Gruppe al-Nusra-Front zusammenarbeitet. Auch Katar, das ebenfalls als Hauptabnehmer geschildert wird, hat eine illustre Geschichte von Interventionen in Länder des Nahen Ostens und Nordafrika in jüngster Zeit.

Nach Aussagen eines Sprechers des Außenministeriums, David McKeeby, beinhalten die Lieferungen, die auch die Zustimmung des Pentagon erhielten, Raketenabwehrsysteme, Kampfhubschrauber, Fregatten und Panzerabwehrlenkwaffen. Man habe Versprechungen eingelöst, die im Mai vergangenen Jahres bei einem Treffen in Camp David gemacht wurden.

Das Treffen war geprägt von Forderungen nach einer “Sicherheits-Kompensationen” für das Abkommen zur zivilen Nutzung der Atomenergie mit Iran.

weiterlesen

Wie ein Journalist den saudischen UN-Botschafter in Erklärungsnot bringt

a736b-saudi-arabia-jpg

Für Syrien fordert er Demokratie – in Saudi-Arabien aber darf das Königshaus nicht einmal kritisiert werden. Diesen Widerspruch kann Abdallah al-Muallimi nicht erklären.
 

Süddeutsche.de

Der britische Journalist Mehdi Hasan ist bekannt für seine Interviews auf Al-Jazeera. Sie sind geprägt von politischer Expertise und einer klaren Haltung. Immer wieder gelingt es Hasan, seine Interviewpartner durch Fragen an genau den Punkt zu bringen, an dem ihre Argumentation zusammenbricht. Jüngstes und besonders schlagendes Beispiel: sein Interview mit dem saudiarabischen UN-Botschafter Abdallah al-Muallimi.

Hasan befragt Muallimi in seiner Sendung “UpFront” über Saudi-Arabiens Position gegenüber dem Assad-Regime in Syrien: “Sie wollen also, dass Syrien eine gewählte Regierung bekommt?” Muallimi stimmt ihm in dieser Frage zu. Hasan bohrt nach: “Viele Menschen würden Ihnen zustimmen, dass Syrien demokratisch werden soll. Aber gleichzeitig fragen sich auch viele: Wieso soll Syrien demokratische Wahlen bekommen, aber Saudi-Arabien nicht?”

weiterlesen

 

„Saudi-Arabien ist das geistige Epizentrum des Terrors“

saudi_isis

Europa erfülle alle Voraussetzungen, um zur permanenten Zielscheibe von Terroranschlägen zu werden, sagt Buchautor Robert Baer. Im Cicero-Interview kritisiert der ehemalige CIA-Mitarbeiter und Nahost-Kenner den gescheiterten Krieg des Westens gegen den Terror und warnt davor, die Werte der EU über Bord zu werfen

Ramon Schack Interview mit Robert Baer|Cicero

Cicero: Herr Baer, wenige Monate nach den Anschlägen von Paris wurde eine andere europäische Metropole zur Zielscheibe des Terrors. Dieses Mal traf es die „Hauptstadt Europas“ Brüssel. Müssen die Europäer jetzt regelmäßig mit Anschlägen dieser Art rechnen?
Robert Baer: Ich fürchte ja. Dabei stelle ich mir die Frage, was soll nur aus Europa werden? Leider erfüllt der Kontinent alle Voraussetzungen, um zur permanenten Zielscheibe dieses Terrors zu werden.

Der damalige irakische Außenminister Tarik Asis wies 2002 einen deutschen Journalisten darauf hin, dass die USA sich wieder hinter den Ozean zurückziehen könnten, falls der „War on Terror“, der „Krieg gegen den Terror“, scheitern sollte, die Europäer aber dazu verdammt sind, in unmittelbarer Nachbarschaft der Krisenherde zu leben.
Und er hat Recht behalten. Nordafrika und der der Nahe Osten liegen in unmittelbarer geographischer Nachbarschaft zu Europa. Diese Region gehört also zum Schicksal Europas, sowohl historisch, vor allem aber geopolitisch, wie man an der aktuellen Flüchtlingstragödie und dem Terror feststellen muss. Es wäre aber eine Illusion, wenn man davon ausgehen würde, Nordamerika wäre vor Anschlägen sicher. Das ist nicht der Fall, schon aufgrund des leichten Zugangs zu Waffen in den USA, wie auch aufgrund des sogenannten „Homegrown Terrorism“, der ja auch in Brüssel eine Rolle spielte.

weiterlesen

Syrischer Erzbischof: Terror von Brüssel wurde von Europa gesät

Oslo 22.07.2011. Themenbild
Oslo 22.07.2011. Themenbild

Unschuldige Bürger ernteten «das, was europäische Kreise und Mächte in den vergangenen Jahren in Syrien und im Irak gesät haben».

kath.net

Der syrisch-katholische Erzbischof Jacques Behnan Hindo gibt der westlichen Nahostpolitik eine Mitschuld an den Anschlägen von Brüssel. Unschuldige Bürger ernteten «das, was europäische Kreise und Mächte in den vergangenen Jahren in Syrien und im Irak gesät haben», sagte Hindo, Oberhirte von Hasaka-Nisibi in Syrien, dem italienischen katholischen Pressedienst SIR (Mittwoch).
Verschiedene politische Führer in Europa hätten sich den Sturz von Syriens Präsident Baschar al-Assad zum Ziel gesetzt und dabei über Jahrzehnte die Beziehungen zu Saudi-Arabien und den Emiraten bevorzugt. Damit gewährten sie diesen Ländern in ganz Europa, auch in Belgien, die Finanzierung eines Netzes von Moscheen, in denen ein radikaler Islam gepredigt werde.

weiterlesen

Warum ich dem Islam den Rücken gekehrt habe und jetzt Menschen dabei helfe, das Gleiche zu tun

Imtiaz Shams | Foto: Andrew Smith
Die erste Sache, die man über Ex-Muslime wissen muss, ist der Umstand, dass man uns im Arabischen im Grunde mit einem Schimpfwort beschreibt: Murtad—also jemand, der dem Islam den Rücken zugekehrt hat. Dem Wort haftet etwas Dreckiges und Abwertendes an, denn das R wird heftig gerollt und am Ende erfolgt ein scharfer, hörbarer Abfall. Genau hier muss man ansetzen, wenn man sich mit der omnipräsenten und systematischen Diskriminierung auseinandersetzen will, die sich durch alle Aspekte unseres Lebens ziehen kann.

Von Imtiaz Shams|VICE.com

Eine bestimmte Form dieser Diskriminierung ist die Ausradierung bzw. das Herunterspielen unseres früheren Lebens. Da kommen dann immer irgendwelche Stereotype ins Spiel—das geläufigste lautet dabei wohl „Du warst wahrscheinlich nie ein richtiger Muslim”. Ich bin in Saudi-Arabien großgeworden und jedes Jahr im Zuge der heiligen Pilgerfahrt Umra nach Mekka gereist. Mein erstes Buch war eine wunderschöne, in Rot und Gold gehaltene Ausgabe des Riyad as-Salihin, also eine Sammlung von Hadiths (Aussprüche und Handlungen) des Propheten Mohammed und seiner Sahāba (Gefährten und Begleiter). Seit ich denken kann, habe ich gebetet, gefastet und den Koran auswendig gelernt. Außerdem verschlang ich jedes Buch, in dem der Islam mit wissenschaftlichen Wundern und dem eigenen Moralkodex untermauert wurde.

weiterlesen

Kopenhagen: Europas erste Frauenmoschee eröffnet

Seit Anfang Februar gibt es mitten in Kopenhagen die erste Frauenmoschee Europas. Eröffnet wurde sie von muslimische Frauenrechtlerinnen. Ihr Grundgedanke: Männer und Frauen sind laut Koran gleichberechtigt.

Deutsch Türkische Nachrichten

Gegründet wurde die erste Frauenmoschee von der 41-jährigen Sherin Khankan. Die Imamin leitet die Organisation Kritische Muslime. Ihre Wurzeln hat Khankan im Christentum und im Islam. Der Vater ist gläubiger Moslem aus Syrien, die Mutter eine Christin aus Finnland.

Gegenüber der Zeitung Die Presse erläutert Khankan, was sie zur Gründung dieser besonderen Moschee bewogen hat. Sie sagt:

„Ich hab‘ mich nie in den existierenden Moscheen zu Hause gefühlt. Ich bin dort jemand, der nicht richtig willkommen ist, jemand Fremder. Die großen Moscheen sind zwar sehr schön, aber wir Frauen stehen auf einem Balkon und schauen dem Geschehen unten nur zu. Viele Frauen und junge Gläubige gehen oft gar nicht erst in die Moschee, weil man dort einen von Männern dominierten patriarchalischen Raum betritt. Deshalb die Frauenmoschee.“

Khankan und ihre Mitstreiterinnen vertreten vehement die These, dass Männer und Frauen sind laut Koran gleichberechtigt seien. Von einer Unterordnung der Frauen, wie sie etwa in Saudi Arabien praktiziert wird, wollen sie nichts wissen. „Die untergeordnete Frau ist eine spätere Konstruktion, die nichts mit dem Koran zu tun hat. Gleichberechtigung ist ein essenzieller Teil des Islam. Es ist deshalb auch nichts, was wir vom Westen in unsere Religion importieren“, so die Religionswissenschaftlerin und Feministin. Laut Koran habe bereits Aisha, eine der Frauen des Propheten Mohammed, Gebete angeleitet. Auch weibliche Imame seien in der islamischen Tradition nicht kontrovers.

weiterlesen

Adonis: “Ich war und bin gegen den institutionalisierten Islam”

Er gilt als bedeutender Dichter der arabischen Sprache und hat gerade den Erich Maria-Remarque-Friedenspreis bekommen. Adonis’ politische Haltung im Syrien-Konflikt ist umstritten. Im Interview erklärt er seine Position.

Von Lina Hoffmann|Deutsche Welle

DW: Sie haben trotz aller Proteste seitens der syrischen Opposition den Erich-Maria Remarque-Friedenspreis bekommen, eine hohe Anerkennung. Hat Sie das erstaunt?

Adonis: Irgendwie hat es mich nicht erstaunt, denn ich glaube, dass die Mitglieder der Jury große Intellektuelle sind, und die wahren Intellektuellen kennen meine Position. Sie haben einstimmig für mich votiert. Mich hat der Mut der Jury erstaunt. Sie haben einen ethischen Mut bewiesen, den ich bewundere.

DW: Die Kritik gegen Sie war nicht gegen Ihr literarisches Werk, sondern gegen Ihre politische Position in der Syrien-Krise gerichtet. Man beschuldigt Sie, nicht der syrischen Opposition beigestanden zu haben. Warum haben Sie so gehandelt?

Es gibt viele Oppositionsgruppen in Syrien, und ich unterstütze die inländische Opposition, die sich gegen jegliche Art von Gewalt positioniert. Sie wird von Haytham Manna und seiner Gruppe geführt. Ich war und bin gegen die (syrische) Opposition im Ausland, die gewalttätig und theokratisch ist. Sie ist mit den US-Amerikanern, aber auch mit den Europäer liiert. Aber die USA können nicht auf der Seite der Freiheit und der freien Völker stehen. Es ist ein Land, das durch die Vernichtung eines Volkes, der Indianer, entstanden ist. Das darf man niemals vergessen. Es ist das erste Land, das die Atombombe eingesetzt hat. Die USA waren nie auf der Seite der Demokratien, sie sind mit den schlimmsten Regimen der Welt, nämlich Saudi-Arabien und Katar, verbündet. Auch einige europäische Länder waren früher kolonialistisch und imperialistisch, teilweise benehmen sie sich bis heute so. Ich war und bin gegen diese Opposition.

weiterlesen

Saudisches Kulturfestival: Der wahre Herrscher ist die Angst

© Stefan Weidner Diesen Schnappschuss aus Riad durfte der Autor mit Erlaubnis der saudischen Polizei behalten.
Auf dem Kulturfestival in Riad zeigt sich ein schlingerndes saudisches Königreich ohne Frauen auf den Podien. Am Rande aber diskutiert man ganz offen über Politik und Religion. Nur unser Autor machte Bekanntschaft mit der Polizei.

Von Stefan Weidner|Frankfurter Allgemeine

Die Hauptstadt Saudi-Arabiens ist anders als die übrigen Hauptstädte am Golf. Diese haben gewöhnlich wenig Platz und bauen hoch. Riad hingegen verleibt sich die Wüste ein und geht in die Breite, leistet sich Einfamilienhäuser im Stadtzentrum. Und die wenigen Hochhaustürme, die es gibt, sind architektonisch reizvoller, als man es aus den Emiraten kennt. Dafür sieht man in der saudischen Hauptstadt keine Menschen mehr auf der Straße. Der Typus des Fußgängers ist in Riad ausgerottet, sein Habitat vernichtet worden. Ohne Auto kommt man nirgendwohin.

Als ich am letzten Tag meines Aufenthalts dennoch versuche, zu Fuß zu gehen, werde ich prompt verhaftet und im Polizeiwagen zu meinem Zielort eskortiert. Zum Glück habe ich mich als Ehrengast der saudischen Nationalgarde ausweisen können.

weiterlesen

Saudisches Bodentruppen-Kontingent für “Einsatz in Rakka”

saudi_isis

Der US-Verteidigungsminister Carter gibt ein paar Einzelheiten zur geplanten Militärintervention von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Syrien und im Irak bekannt

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Dass Saudi-Arabien ankündigte, für eine militärische Intervention in Syrien bereit zu sein, hat zu Verunsicherungen geführt und zu Warnungen vor einer unkontrollierbaren Ausweitung des Konflikts. Der russische Ministerpräsidenten Dmitri Medwedjew warnte gegenüber dem Handelsblatt vor einem “neuen Weltkrieg”.

Die Amerikaner und unsere arabischen Partner müssen es sich gut überlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?

Allerdings ist bis dato unklar, wie konkret die Ankündigung ist. Wie viele Soldaten, welche Truppen mit welcher Ausstattung, wo in Syrien einmarschieren sollen, wissen nur die verbündeten Regierungs-und Militärebenen. Es geht um Bodentruppen, so die Ankündigung, die an die Bedingung geknüpft ist, dass Saudi-Arabien diese im Rahmen der Anti-IS-Allianz unter der Leitung der USA stellen würde, wenn andere mitmachen.

Saudische und emiratische Spezialeinheiten nach Syrien

Der US-amerikanische Verteidigungsminister hat am Rande des Nato-Treffens in Brüssel am Donnerstag und Freitag ein paar weitere Hinweise gegeben – und dabei manche Widerhaken überspielt. Wie Ash Carter Journalisten mitteilte, erwarte er von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sie Spezialeinheiten nach Syrien entsenden, “um in Syrien lokalen Oppositionskämpfern bei ihrem Vorstoß zu helfen, Rakka aus den Händen des IS zurückzuerobern”.

Wie stark die saudi-arabischen Special operations forces und diejenigen der VAE sein sollten, wann sie intervenieren sollen, verriet Carter nicht. Der US-Verteidigungsminister stellte aber ihre Bedeutung heraus. Sie würden eine “tragende Rolle” spielen. Die Absicht ist den Sunniten zu vermitteln, dass die Allianz unter der Führung der USA sich sehr wohl ihre Interessen im Auge habe:

weiterlesen

Saudiarabischer Minister: Frauenfahrverbot ist keine Glaubensfrage

© dpa Der Außenminister des Königreichs Saudi-Arabien, Adel al-Dschubeir, in München.
In Saudi-Arabien dürfen Frauen kein Auto fahren. Ob sich das bald ändert? Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir bittet um Geduld.

Frankfurter Allgemeine

Für das Frauenfahrverbot in Saudi-Arabien gibt es nach den Worten von Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir keine religiöse Begründung. „Es handelt sich um eine gesellschaftliche Frage, nicht eine Frage des Glaubens“, sagte Dschubeir am Freitag bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die saudiarabische Gesellschaft entwickle sich. 1960 habe es keine Bildung für Frauen gegeben, inzwischen stellten sie 55 Prozent der Studenten im Land. In den Vereinigten Staaten habe es 100 Jahre gedauert, bis die Frauen wählen durften. „Ich sage nicht: Geben Sie mir 200 Jahre, aber schenken Sie uns etwas Geduld“, sagte Dschubeir. „Die Dinge brauchen Ihre Zeit, und wir müssen das akzeptieren.“

weiterlesen

Wie sich junge Muslime den Islam wünschen

Zwei junge Frauen in der Altstadt von Rabat in Marokko (picture alliance / dpa / Reinhard Kaufhold)
Viele junge Araber im Norden Afrikas und im Nahen Osten suchen Orientierung im Islam. Aber wie soll der sein? Weltoffen oder rückwärtsgewandt? Die Tabah-Stiftung in Abu Dhabi hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Ergebnis: Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime. Wenn es aber um den real existierenden Islam geht, herrscht Unzufriedenheit.

Von Jürgen Stryjak|Deutschlandfunk

Die Staaten im Norden Afrikas und im Nahen Osten befinden sich seit einigen Jahren in einem Umbruch, der turbulenter kaum sein könnte. Volksaufstände, Terror und Bürgerkriege beherrschen die Nachrichten. Dort wo es bislang relativ ruhig blieb, ist es die Globalisierung, die die Gesellschaften bis zum Zerreißen spannt. Viele junge Araber suchen Orientierung im Islam, aber bei welchem? Bei einem weltoffenen oder bei einem rückwärtsgewandten?

Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime

“Zu oft sprechen wir über die Jugend, aber viel zu selten mit ihr”, beklagt Abaas Yunas von der Tabah-Stiftung in Abu Dhabi. Junge Muslime seien einer unüberschaubaren Fülle an religiösen Inhalten ausgesetzt, die sie natürlich beeinflussen würden. Um herauszufinden, wie sich das auf junge Araber auswirkt, hat die Zukunftsinitiative der Stiftung unter Leitung von Abaas Yunas eine repräsentative Umfrage durchgeführt. In acht arabischen Staaten wurden muslimische Frauen und Männer im Alter zwischen 15 und 34 Jahren befragt, unter anderem in Marokko, Ägypten und in Saudi-Arabien.

weiterlesen