Schlagwort-Archive: Saudi-Arabien

“Folterwerkzeuge dürfen in der EU noch immer beworben werden”

Elektrische Schlagstöcke. Bild: igfm

Amnesty-Experte Marczynski über Folter in Europa und wie ein bestehendes EU-Handelsverbot mit Folterwerkzeugen umgangen wird


Interview Bianca Blei|derStandard.at

Im Jahr 2006 führte die Europäische Union die weltweit erste Handelsregulierung für Gegenstände ein, die keinen Zweck außer der Hinrichtung, der Folter oder ähnlichen Misshandlungen von Menschen haben. Eine Reihe von Dingen wie elektrische Fußfesseln, elektrische Schlagstöcke und Netzbetten landeten auf der Liste von verbotenen Gütern, die in die EU weder ein- noch ausgeführt werden dürfen.

Ein Bericht von Amnesty International zeigt allerdings, dass europäische Unternehmen immer noch in den Handel mit solchen Gütern involviert sind. Am Donnerstag begann im EU-Parlament eine Debatte über eine Verschärfung der Richtlinie. Amnesty-Experte Marek Marczynski über Schlupflöcher in der aktuellen Bestimmung, wie Firmen die Regulierung umgehen und wo Folter noch immer stattfindet.

STANDARD: Wenn man von Folter spricht, dann ist das etwas sehr Mittelalterliches. Wie gängig sind solche Praktiken in der heutigen Zeit noch?

Marczynski: Klar ist, dass Folter unter internationalem Recht streng verboten ist. Das gilt für alle Staaten dieser Welt. Da gibt es einen sehr hohen gesetzlichen Standard. Realität ist aber, dass laut unserem Bericht aus dem vergangenen Jahr 82 Prozent der Länder weltweit in irgendeiner Weise und in einem gewissen Grad foltern.

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Experten: Religionen werden im Nahen Osten für Kriege missbraucht

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Mit Glaubenskonflikten werden im Nahen Osten Experten zufolge immer wieder wirtschaftliche und politische Kriegsgründe verschleiert.


evangelisch.de

“Die Religionen werden benutzt, um die Kriege dort zu legitimieren”, sagte der langjährige Nahost-Korrespondent Jörg Armbruster am Mittwochabend in Hannover. “Menschen lassen sich durch Glaubenskonflikte einfach leichter gegeneinander aufwiegeln als durch politische Einflusszonen und wirtschaftliche Interessen”, sagte der frühere Leiter des ARD-Studios Kairo. Er sprach bei einer Podiumsdiskussion der evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung über die Christenverfolgung in der Region.

So werde etwa der innerislamische Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten bei den Konflikten im Irak, in Syrien und im Jemen vorgeschoben. Tatsächlich gehe es bei all diesen Kämpfen jedoch um den machtpolitischen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, erläuterte Armbruster. Beide Regionalmächte konkurrierten um die Kontrolle wichtiger Öltransport-Routen wie die Straße von Hormus und um die geopolitische Vormachtstellung im gesamten Nahen Osten.

Saudi-Arabien “Henker gesucht. Keine Erfahrung nötig.”

Bild: FRiendly Atheist

Bild: Friendly Atheist

Menschenrechtler sind alarmiert: In Saudi-Arabien hat sich die Zahl der Hinrichtungen in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Jetzt werden per Stellenanzeige acht Henker gesucht.


HNA.de

Die saudi-arabische Regierung sucht per Anzeige acht Henker. Für die Arbeit sei keine besondere Qualifizierung oder Erfahrung nötig, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellenausschreibung. Aufgabe der Henker ist es demnach, zum Tode verurteilte Menschen zu köpfen. Zudem sollen sie verurteilten Dieben Gliedmaßen amputieren.

In dem Königreich, wo das Scharia-Recht angewandt wird, steht auf Vergewaltigung, Mord, Abfallen vom Glauben, bewaffneten Raub und Drogenhandel die Todesstrafe.

Seit dem Jahresbeginn wurden bereits 84 Menschen exekutiert. Im Jahr 2014 hatte es insgesamt 87 Hinrichtungen gegeben. Menschenrechtler kritisierten die hohe Zahl der Exekutionen in Saudi-Arabien wiederholt scharf.

Raif Badawi: “Nur der Zuspruch aus aller Welt gibt ihm Hoffnung”

Der Blogger Badawi hat sich gegen die Übermacht religiöser Autoritäten und für die Trennung von Religion und Staat ausgesprochen. (AFP / Tobias Schwarz)

1000 Stockschläge, zehn Jahre Gefängnis, Geldzahlung: Das war die Strafe für den Blogger Raif Badawi, der im Internet mehr religiöse Freiheit in Saudi-Arabien gefordert hatte. Seine Frau Ensaf Haidar kämpft aus dem kanadischen Exil für seine Freilassung.


Von Sabine Rossi|Deutschlandradio Kultur

Jeden Donnerstag steigt die Angst stärker als an anderen Wochentagen in Ensaf Haidar auf, denn am Freitag könnte es wieder so weit sein. Dann könnte ihr Mann, Raif Badawi, wieder öffentlich ausgepeitscht werden. Vor einem Jahr hat ihn ein Gericht zu 1000 Stockschlägen, zehn Jahren Gefängnis und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Weil er im Internet seine Meinung geschrieben hatte, weil er den Blog “Saudische Liberale” gegründet hatte.

Im Januar bekam Raif Badawi die ersten 50 Schläge. Im Internet kursiert ein verwackeltes Video: Aufrecht steht Raif Badawi vor einer Moschee in der saudischen Stadt Jeddah. Die Menschenmasse klatscht und jubelt, bei jedem Schlag, der ihn trifft. Seitdem wurde die Strafe ausgesetzt – aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Ensaf Haidar ist die Einzige, die relativ regelmäßig Kontakt zu ihrem Mann ins Gefängnis hat.

“Raif spricht nicht über seine Gesundheit, über den Alltag im Gefängnis. Vielleicht, weil er nicht will, dass ich das weiß. An seiner Stimme höre ich, dass es ihm nicht gut geht, dass er erschöpft ist. Er leidet, weil er seine Kinder so lange nicht gesehen hat. Es gibt nichts, das ihm Hoffnung gibt. Außer der Zuspruch aus aller Welt.”

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Gegen Assad und IS: “Armee des Islam” zeigt beängstigende Militärparade

Die “Armee des Islam” umfasst etwa 25.000 Soldaten. In einem beängstigenden Propagandavideo marschierte jetzt ein Teil der Truppen nahe Damaskus auf. Laut Aussage der Armee war es die größte Militärparade seit Beginn der syrischen Revolution.


FOCUS ONLINE

Die militante Gruppierung Jaysh Al-Islam kämpft gegen die syrische Regierung unter der Führung Bashar Al-Assads in Damaskus und gegen den islamischen Staat. Die Kampftruppen, die sich selbst „Armee des Islam“ nennen, haben vor kurzem ein Propaganda-Video veröffentlicht, das deren militärische Stärke unter Beweis stellen soll. Bei der Militärparade, die in einem Vorort von Damaskus abgehalten wurde, marschierten etwa 1700 Soldaten auf. Die Stärke der Armee wird auf 25.000 Mann geschätzt. Dabei besteht sie aus rund 50 verschiedenen Fraktionen unter der Führung von Zahran Alloush.

Alloush ist auch der militärische Leiter der Islamischen Front ein Bündnis aus sieben islamistischen Oppositionsgruppierungen im Bürgerkrieg in Syrien. Das Bündnis will einen islamischen Staat errichten unter der Führung eines gewählten Beratungsgremiums und der Scharia als offiziell geltendes Recht.

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Doppelagent Aimen Dean: Der Gesegnete

© BBC/Screenshot

Früher war er Mitglied bei Al Qaida. Dann wurde Aimen Dean vom britischen Geheimdienst umgedreht und verhinderte Anschläge. Seine Lebensgeschichte erscheint unglaublich, seine Einsichten sind klar und richtig.

 

Von Michael Hanfeld|Frankfurter Allgemeine

Sein Name ist Dean. Aimen Dean. Und er ist Agent Seiner Majestät. Oder ist es gewesen. Aimen Dean: Aimen heißt im Arabischen der Glückliche, der Gesegnete. Und Dean? Wie der amerikanische Jugendrebell? Oder der Dekan, der Älteste? Das würde passen zu diesem Mann, der in Wahrheit anders heißt und wie eine Figur aus einem Roman von John Le Carré erscheint. Seine Vita liest sich wie ausgedacht: Aimen Dean stammt aus Saudi-Arabien. Er wächst in einer streng religiösen Familie auf. Als Junge schon folgt er konservativen Predigern. Er glaubt, dass der Westen einen Krieg gegen den Islam führt und die Muslime vernichten will. Er stößt zu den Gründungsmitgliedern von Al Qaida. Er wird bestens bekannt mit Usama Bin Ladin, ist sozusagen per du mit dem Scheich.

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Halal Sex-Shop für Mekka

Bild: HUFFPO Religion

Bild: HUFFPO Religion

Es ist wohl so ziemlich der letzte Ort, an dem man das für möglich gehalten hätte: Doch jetzt soll in der heiligen Stadt Mekka offenbar schon bald ein Sex-Shop eröffnet werden. Dabei ist Saudi Arabien eigentlich für seine besonders strenge Auslegung des Islam bekannt.


Deutsch Türkische Nachrichten

Der halal Sex-Shop ist die Idee von Abdelaziz Aouragh. Dieser soll sein Konzept bereits im vergangenen Jahr verkündet haben. Mittlerweile sind seine Pläne wohl so weit ausgereift, dass der Laden kurz vor der Eröffnung steht.

Der künftige Sex-Shop-Besitzer will für sein Vorhaben sogar den Segen eines saudischen Klerikers haben, berichtet Russia Today. Dieser soll ihm nämlich erklärt haben, dass seine Idee „zur Verbesserung der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau“ führen könnte.

Zunächst soll der Laden 18 als hala bezeichnete Spielzeuge führen, heißt es weiter. Insgesamt wolle man sich ganz auf die Bedürfnisse der besonders strengen Muslime ausrichten und auch nur diese bedienen. Ergo: Vibratoren wird es dort wohl nicht zu kaufen geben. „Unsere Produkte sollen das Empfindungen von Sinnlichkeit und die Atmosphäre zwischen dem Paar in der sexuellen Beziehung verbessern“, erklärt der Ideengeber.

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Zwei Dodos und in Kopftuch – christlicher Kulturkrampf

Die Hamburger Pädagogin Özlem Nas diskutierte in der ZDF-Sendung „Peter Hahne“ über das Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichtes Foto: ZDF

Am Sonntagmorgen haben sich die muslimische Pädagogin Özlem Nas und der katholische Autor Matthias Matussek über die Bedeutung des Kopftuch-Urteils des Bundesverfassungsgerichtes gestritten. Zwei Weltanschauungen prallten aufeinander.


pro Medienmagazin

Mitte März entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen an deutschen Schulen rechtswidrig ist. Karlsruhe entsprach der Klage zweier muslimischer Lehrerinnen aus Nordrhein-Westfalen. Voraussetzung für ein Verbot sei allenfalls eine konkrete Gefährdung oder Störung des Schulfriedens.

Peter Hahne lud zu seiner Sendung im ZDF am Sonntagmorgen Özlem Nas, Mitglied im Hamburger Integrationsbeirat, und den gläubigen Katholiken und Bestsellerautoren Matthias Matussek ein, um die Frage zu diskutieren: „Droht bei uns ein neuer Kulturkampf?“

Er sei gegen das Kopftuch, sagte Matussek. Es sei „eindeutig eine Botschaft“, und zwar nicht eine religiöse, sondern auch eine politische. „Ich sehe aber vor allem nicht ein, warum wir zurückweichen und kapitulieren sollten vor einer Kultur, die uns erstmal fremd ist.“ Die Werteordnung in Deutschland basiere auf einem christlich-jüdischen Weltbild, und die Muslime „importierten“ eine fremde Kultur und forderten nun Rechte bei uns ein, die sie in ihren Herkunftsländern selbst nicht einräumten.

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Iran warnt Saudi-Arabien vor der “Saat des Hasses”

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnt am Sonnabend bei einer Militärparade in Teheran Saudi-Arabien vor weiteren Luftangriffen im Jemen Foto: dpa

Während einer Militärparade droht Irans Präsident Saudi-Arabien: Die Luftangriffe im Jemen werden Folgen haben. Kurz davor hatte Teheran den Vereinten Nationen einen Friedensplan vorgelegt.


DIE WELT

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, Saudi-Arabien werde deswegen eine “Saat des Hasses” ernten.

Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die im März begonnenen Luftangriffe als “Völkermord” bezeichnet hat.

“Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?”, fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. “Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen.”

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“Charlie Hebdo” war “nur die Spitze des Eisbergs”

Foto: dpa Syriens Präsident Baschar al-Assad hat der schwedischen Zeitung “Expressen” ein sehr ausführliches Interview und Einblicke in seine Politik gegeben

Flüchtlingsstrom, Weg zur Demokratie, Terrorgefahr in Europa: Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat einer schwedischen Zeitung ein ausführliches Interview gegeben – inklusive warnender Worte.


Von Clara Ott|DIE WELT

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat für jüngste Landgewinne militanter Islamisten Hilfe aus dem Ausland verantwortlich gemacht. Sie bekämen “enorme Unterstützung” aus der Türkei, Saudi-Arabien und anderen Ländern im Mittleren Osten, sagte Assad in einem am Freitag veröffentlichten Interview der schwedischen Zeitung “Expressen“.

So zeuge die Eroberung der Stadt Idlib Ende März nicht davon, dass die syrische Armee schwächer geworden sei, behauptete Assad. Die Provinzhauptstadt im Nordwesten des Landes war von Anhängern der mit al-Qaida verbündeten Nusra-Front eingenommen worden.

“Wie gesagt, jeder Krieg untergräbt jede Armee, das ist der natürliche Lauf der Dinge”, sagte er. “Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, und das hängt von vielen Kriterien ab, von denen einige mit inländischen, internen und militärischen Kriterien oder Faktoren in Zusammenhang stehen.”

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Nasrallahs Abrechnung mit den Saudis

Porträt Hassan Nasrallahs als Graffiti von Thierry Ehrmann, Bild: wikimedia.org/CC BY 2.0

Das Ziel des Krieges sei es, die Kontrolle und die Hegemonie Saudi-Arabiens über den Jemen wieder herzustellen.


Von Georg Meggle|TELEPOLIS

Der am 25. März von 10 arabischen Ländern unter Führung Saudi-Arabiens und mit Hintergrundunterstützung der USA eröffnete Krieg gegen den Jemen – genauer: gegen die seit Herbst 2014 dort herrschenden schiitischen Houthis (Ansar Allah) und gegen die mit ihnen verbündeten Einheiten der jemenitischen Armee – wird von dieser Allianz als ein präventiver Verteidigungskrieg gegen die Bedrohung durch den Iran gerechtfertigt. Genau so begründet auch der nach Saudi Arabien geflohene ehemalige jemenitische Präsident Hadi seinen am 13.04.2015 in der New York Times erschienenen Aufruf an diese Allianz, die Houthis und deren Verbündete bis zu deren Niederlage zu bekämpfen (siehe auch: Einkreisungsängste in Riad). Die meisten der westlichen Medien folgen dieser Sicht.

Der schärfste Widerspruch gegen diese weit verbreitete Deutung des Jemen-Krieges stammt von dem Generalsekretär der libanesischen Hisbullah, Hassan Nasrallah. Dessen TV-Rede vom Abend des 27. März 2015 enthält zugleich eine umfassende Abrechnung mit der Politik von Saudi-Arabien und dessen Verbündeten, insbesondere denen in der Arabischen Liga. Nach Nasrallahs Auffassung wird auch dieser Angriffskrieg – wie die vergleichbaren Kriege gegen Afghanistan, den Libanon und den Irak – in einem Desaster für die Angreifer enden.

Im Kriegskontext verlieren auf beiden Seiten selbst ansonsten triviale Unterscheidungen – wie etwa die zwischen dem zu-Wort-kommen-Lassen, dem Anhören, dem Verstehen-Wollen und dem Akzeptieren bzw. gar Billigen einer abweichenden Meinung – jeglichen Wert. Kriegen fällt nicht nur als erstes die Wahrheit zum Opfer. Noch schlimmer ist: Absoluter Realitätsverlust wird, indem jede abweichende Meinung zum Verbrechen erklärt wird, automatisch zur allseits geforderten Norm.

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Seehofers Arabien-Reise liefert Zündstoff

bayern_fahne

  • Am 18. April will Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zu seinem ersten Besuch in den Mittleren Osten aufbrechen. Er besucht Saudi-Arabien, Katar und Oman.
  • Bei seiner letzten Auslandsreise nach China sparte er das Thema Menschenrechte zumindest in öffentlichen Äußerungen aus.
  • Nun fordert die bayerische SPD in einem Brief, Seehofer dürfe die “finsteren Seiten in den Gastländern nicht aussparen”.


Süddeutsche.de

Saudi-Arabien, Katar und Oman. Die nächsten Reiseziele des bayerischen Ministerpräsidenten versprechen nicht allzu viel Erholung. Potenziellen Ärger will Horst Seehofer offenbar vermeiden – und lässt für die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Margarete Bause diesmal keinen Platz im Flieger reservieren. Sie hatte ihm bei seiner vergangenen Auslandsreise nach China im Herbst die Schau gestohlen, als sie sich auf eigene Faust mit dem Künstler und Menschenrechtskämpfer Ai Weiwei traf.

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Einkreisungsängste in Riad

Kingdom Centre, Riad, Saudi-Arabien, 2007. Foto: BroadArrow/CC BY-SA 3.0

Mit Pakistan, Ägypten und der Türkei versucht Saudi-Arabien eine sunnitische Allianz gegen Iran aufzubauen. Probelauf ist die Allianz gegen die jemenitischen Houthi-Rebellen


Von Martin Hoffmann|TELEPOLIS

Im saudischen Königshaus hat man sich schon seit Monaten auf eine Einigung in den Atomverhandlungen zwischen den westlichen Mächten und dem Iran vorbereitet – und hinter den Kulisse an einer Achse zur Eindämmung des Rivalen gearbeitet. Doch die Allianz mehrheitlich sunnitischer Staaten droht nicht nur den Jemen in einen offenen Bürgerkrieg zu stürzen, sondern auch die konfessionelle Polarisierung der Region noch weiter zu verschärfen.

Aus der Perspektive des saudischen Königshauses war die Machtübernahme der Houthi-Rebellen im Jemen nur die Spitze des Eisberges. Schon seit geraumer Zeit sieht sich das saudische Königshaus von wachsendem iranischen Einfluss umzingelt. Im nördlichen Nachbarland Irak unterhält die schiitisch dominierte Regierung trotz der Kooperation mit der internationalen Koalition gegen IS auch gute Beziehungen nach Teheran. Einheiten der iranischen revolutionären Garden kämpfen dort aufseiten der schiitisch dominierten irakischen Armee gegen die Milizen des IS (Irak: “Erst Tikrit, dann Mosul und Falludscha”) – und werden dadurch indirekt zu Verbündeten des Westens.

Aus saudischer Perspektive ist dabei keinesfalls gegeben, wer von beiden das kleinere Übel ist. Auch wenn die Dschihadisten auch die Monarchien am Golf auf ihrer Feindesliste führen, scheint der wachsende Einfluss des Irans die Herrscher in Riad stärker zu verunsichern als die visuell aufbereiteten Blutorgien des IS.

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Raif Badawi: 1000 Peitschenhiebe für Texte der Aufklärung

Das religiöse Denken hingegen strebt danach, unser Leben bis in alle Einzelheiten hinein zu kontrollieren: Raif Badawi klagt den gesellschaftlichen Druck der Religion in Saudi-Arabien an. Kleidungsvorschriften für Frauen sind eines der sichtbarsten Zeichen dieser Unterdrückung Foto: picture alliance/dpa

Der Blogger Raif Badawi ist der berühmteste Gefängnisinsasse Saudi-Arabiens: Zehn Jahre ins Gefängnis, weil er die Religion kritisiert hat. Jetzt ist eine Sammlung seiner Texte erschienen.


von Eva Marie Kogel|DIE WELT

Auch 50 Peitschenhiebe konnten ihm den Humor nicht austreiben. “Letztens ging ich auf die Toilette. Sah einen Haufen schmutziges Klopapier”, schreibt Raif Badawi aus dem Gefängnis. “Während ich mir konzentriert die Hunderte von Kritzeleien auf den klebrigen Toilettenwänden unserer Sammelzelle durchlas, sprang mir ein Schriftzug ins Auge: “Der Säkularismus ist die Lösung!” Diesen Satz zu lesen sei ihm vorgekommen wie eine Szene in einem Nachtlokal, “wo all die hässlichen käuflichen Mädchen zusammenkommen und plötzlich um Mitternacht eine bildschöne Liebesdienerin den Raum betritt”.

Raif Badawi ist der berühmteste Gefängnisinsasse Saudi-Arabiens. Das liegt an den Gründen seiner Verurteilung: Badawi hat nicht gestohlen, er hat niemanden überfallen, und er hat niemanden verletzt. Trotzdem ist das saudische Regime der Ansicht, dass Badawi gefährlich für den öffentlichen Frieden ist. Denn der 31-Jährige findet, dass der Islam in Saudi-Arabien eine zu große Rolle spielt. Das hat er geschrieben, immer wieder.

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Foto: Ulstein Verlag Raif Badawi: “1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke” aus dem Arabischen von Sandra Hetzl. Ullstein, Berlin. 64 Seiten, 4,99 Euro

Ayaan Hirsi Ali über Kampf der Ideen

ayaan-hirsi-aliMit Luftschlägen, Drohnen oder Bodentruppen allein lässt sich der Islamismus nicht besiegen. Wie im Kalten Krieg müssen wir ihm eine alternative Vision entgegenstellen


Von Ayaan Hirsi Ali|DIE WELT

Jedes Mal, wenn ich für eine Reform der islamischen Welt plädiere, bekomme ich das Gleiche zu hören: “Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern allein die der Muslime. Wir sollten uns da heraushalten.” Dabei rede ich nicht von Militärinterventionen, wie sie dem Westen in den letzten Jahren so viele Probleme beschert haben. Jahrelang haben wir für Kriege gegen “Terror” und “Extremismus” Billionen ausgegeben. Diese wären weitaus besser investiert worden, um muslimische Dissidenten zu schützen und ihnen die Plattformen und Ressourcen zu bieten, um dem gewaltigen Netzwerk der islamischen Zentren, Koranschulen und Moscheen, den Hauptverantwortlichen für die Ausbreitung der gefährlichsten Formen des Islamismus, etwas entgegenzusetzen.

Jahrelang haben wir die Finanziers dieses Netzwerks – Saudi-Arabien, Katar und die inzwischen reuigen Vereinigten Arabischen Emirate – als Verbündete behandelt. Während wir die Szenen beobachteten, überwachten und sogar Militäraktionen durchführten, kam es uns nicht in den Sinn, eine wirkungsvolle Aufklärungsstrategie zu entwickeln: Weil wir anfangs nicht wahrhaben wollten, dass islamischer Extremismus auch etwas mit dem Islam zu tun hat. Noch immer fixieren wir uns auf die Gewaltausbrüche, aber nicht auf die Anschauungen, die sie hervorrufen.

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Saudi-Arabien: 60 Prozent der geplanten Ehen werden aufgrund “genetischer Inkompatibilität” abgebrochen

King Fahd Road in Riad. Bild: BroiadArrow/CC-BY-3.0

Seit 2004 ist ein vorehelicher Gen- und Gesundheitstest in der fundamentalistischen Monarchie verpflichtend


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Saudi-Arabien hat ein doppeltes Gesicht. Die autoritäre Monarchie mit einer extrem fundamentalistischen, patriarchalischen Religion, die archaische Verhaltensweisen vorschreibt und sanktioniert, rüstet gleichzeitig mit moderner Technik auf. Dass die Benutzung von Hightech aus dem Westen mit dem radikalen Islamismus harmoniert, führt auch der Islamische Staat vor, dessen Ideologie dem wahabitischen Islam Saudi-Arabiens gleicht.

In Saudi-Arabien wurden 2004 verpflichtende Gen- und Gesundheitstests vor der Heirat eingeführt. Jährlich nehmen an dem Programm “Gesunde Heirat” 270.000 bis 300.000 Menschen teil. 2014 trennten sich aufgrund festgestellter “genetischer Inkompatibilitäten” 165.000 heiratswillige Menschen nach Angaben von Medien. 60 Prozent der Teilnehmer trennen sich nach dem Test durchschnittlich von ihrem Heiratspartner, weil angeblich großes Risiko für Erbkrankheiten bei möglichen Kindern besteht.

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Abdullah-Zentrum-Wien: Rabbiner Rosen warnt Österreich vor Heuchelei

Bild: ntv/Schreenshot BB

Bild: ntv/Schreenshot BB

Während hinter den Kulissen im Bundeskanzleramt und Außenministerium um die Zukunft des saudi-finanzierten Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) gerungen wird, hat am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion in der neu eröffneten Österreich-Onlineredaktion der “Neuen Zürcher Zeitung” (nzz.at) ein prominentes Board-Mitglied Österreich diesbezüglich vor “Heuchelei” gewarnt. “Wenn die Regierung jetzt den Rückzug anordnet, sich aber gleichzeitig um den Verbleib der OPEC – und des saudisch finanzierten OPEC-Entwicklungsfonds – in Wien bemüht, wäre das ein Höchstmaß an Heuchelei”, sagte der Dialogbeauftragte des staatlichen Großrabbinats von Israel, Rabbi David Rosen (Jerusalem), bei der von nzz.at-Chefredakteur Michael Fleischhacker moderierten Diskussion.


kathweb

Rosen erntete in diesem Punkt keinen Widerspruch seiner Gesprächspartner, den KAICIID-Gegnern Schriftsteller Doron Rabinovici und Grünen-Politikerin Alev Korun. Der Rabbiner erinnerte an den diplomatischen Schutz Österreichs, der dem KAICIID gewährt wurde, aber ebenso der OPEC und dem OPEC-Entwicklungsfonds, dessen Projekte andernorts bereits mehrfach wegen ihrer wahabitischen Ausrichtung kritisiert worden waren.

Der aus Südafrika stammende Rabbiner betonte, dass für ihn der Dialog eine Lebensaufgabe sei. Rosen berichtete von einer Tagung im KAICIID vor wenigen Monaten in Wien. Die muslimischen Vertreter hätten sehr konservativen Strömungen angehört. Sei seien aus verschiedenen arabischen Staaten gekommen. “Fünf von ihnen haben noch nie in ihrem Leben einen Juden gesehen. Es war enorm wichtig, dass es zu dieser Kontaktaufnahme kam. Es ist eine Entwicklung, die über das KAICIID weiter gehen könnte.”

Kirchen: Dialog bringt mehr als Verweigerung

Sehr klar werde das besonders vom Vatikan, vom orthodoxen Ökumenischen Patriarchat und von der anglikanischen Staatskirche gesehen, sagte der südafrikanisch-israelische Dialogexperte: “Warum sind die drei Kirchen mit so hochrangigen Hierarchen im Board vertreten? Weil sie erkannt haben, dass man so mehr erreichen kann als durch Abwesenheit.” Zudem hätten die vergangenen Jahre klar gemacht, “dass das Zentrum eine bewundernswerte Arbeit leistet”.

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Al-Sisi plädiert für eine arabische Eingreiftruppe

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Die ägyptische Regierung sieht sich als Vorkämpferin gegen islamistische Bewegungen in der Region und versucht nun eine größere Koalition für ihre Variante des Anti-Terror-Kampfes zu gewinnen


Von Martin Hoffmann|TELEPOLIS

Nach den Luftschlägen der ägyptischen Luftwaffe in Libyen ging die ägyptische Regierung auch in die diplomatische Offensive. So sprach Ägyptens Präsident von der Notwendigkeit einer militärischen Intervention gegen Jihadisten in Libyen, und verwies dabei auch auf die Bedrohung, die diese für Europa darstellten. Danach präsentierte Ägyptens Außenminister Sameh Shoukry eine abgeschwächte Variante gegenüber den Vereinten Nationen.

Das ägyptische Ansinnen sieht vor, das 2011 gegen Libyen verhängte Waffenembargo aufzuheben und die Milizen der nach Tobruk geflohenen Regierung mit Waffen auszustatten. Gleichzeitig soll eine Seeblockade gegen die Fajr-Milizenkoalition verhängt werden, welche den Osten Libyens und die Hauptstadt Tripolis kontrolliert. Während des Besuchs des russischen Premiers Putin in Kairo Anfang Februar seien vonseiten ägyptischer Diplomaten bereits russische Waffenlieferungen an die Regierung in Tobruk eingefädelt worden, schreibt das Nachrichtenmagazin Al-Monitor.

Laut ägyptischer Regierung soll eine internationale Koalition zudem bereit sein, die HoR-Regierung in Tobruk gegebenenfalls mit Militärschlägen zu unterstützen, sollte diese das fordern. Nur wenige Beobachter gehen davon aus, dass der ägyptische Vorstoß Erfolg haben wird. Die meisten westlichen Regierungen stehen einer direkten Einmischung in den lybischen Machtkampf skeptisch gegenüber und plädieren für einen diplomatischen Annäherungsprozess zwischen den beiden Machtblöcken in Libyen (siehe Libyen: eine Regierung der nationalen Einheit soll es richten).

Eine Regierung der nationalen Einheit sei am besten imstande, die dschihadistischen Gruppen in Libyen zu bekämpfen, so lässt sich die Position der meisten westlichen Regierungen zusammenfassen – die UN vertritt über die UNSMIL diese Position, indem sie als Schirmherrin von Verhandlungen zwischen den beiden libyschen Regierungen in Marokko fungiert.

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Saudischer Blogger Raif Badawi: “Wirklich stolz auf ihn” – Ehefrau lobt Gabriels klare Worte

sigmar_gabrielSigmar Gabriel hat sich auf seiner Reise nach Saudi Arabien engagiert für den verurteilten Blogger Raif Badawi eingesetzt – die Ehefrau Badawis lobte den Vizekanzler jetzt für seine klaren Worte.


Von Tim Schulze|stern.de

Auf der Reise des deutschen Vizekanzlers Sigmar Gabriel nach Saudi-Arabien gab es viel zu bereden. Eigentlich führte der SPD-Chef und Wirtschaftsminister am vergangenen Wochenende eine 90-köpfige Delegation aus Wirtschaftsleuten an. Im Gepäck hatten die Deutschen Hochglanzbroschüren von heimischen Produkten wie Gasturbinen und Medizingeräte. Doch das war es nicht, was die deutsche Öffentlichkeit interessierte. Thema waren hier die Menschrechte in dem erzkonservativen Land und das brutale Urteil gegen den liberalen Bloggers Raif Badawi.

Sein Schicksal wühlt die Menschen im Westen auf. Der Blogger hatte die Gleichsetzung der Welt-Religionen gefordert, aus Sicht der saudischen Justiz eine Beleidigung des Islams. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis und tausend Peitschenhieben verurteilt. Bislang hat er 50 erhalten – im Moment ist der Vollzug der Strafe ausgesetzt. Es geht aber die Sorge um, dass es zu einem neuen Verfahren kommt, an dessen Ende das Urteil “Todesstrafe” lautet.

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Weihbischof Zekorn: Saudi-Arabien ist totalitaristisch wie Nordkorea

a736b-saudi-arabia-jpgMünsteraner Weihbischof schreibt auf Facebook: «Stabilitätsanker? Ich glaube, ich höre nicht richtig. Saudi-Arabien ist ein Hauptverursacher der Instabilität in der Region und auch in weiten Teilen Afrikas!»


kath.net

Scharfe Kritik an Saudi-Arabien äußert der Münsteraner katholische Weihbischof Stefan Zekorn. In dem Land herrschten «Zustände, die man im Hinblick auf Totalitarismus nur mit Nordkorea vergleichen kann», schrieb Zekorn am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. Auf keinen Fall dürfe man das Land als Stabilitätsanker im Nahen und Mittleren Osten ansehen, wie es so oft von Politikern zu hören sei, warnte der Bischof: «Stabilitätsanker? Ich glaube, ich höre nicht richtig. Saudi-Arabien ist ein Hauptverursacher der Instabilität in der Region und auch in weiten Teilen Afrikas!»

Unter anderem werde aus Saudi-Arabien die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) zu großen Teilen finanziert. Zudem, so Zekorn, hätten ihm Bischöfe aus afrikanischen Ländern berichtet, Riad nutze seinen immensen Reichtum, um in Ländern Afrikas einen radikalen Islam zu stärken.

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