Schlagwort-Archive: Saudi-Arabien

Syrien-Flüchtlinge: Was machen die reichen Golfstaaten?

Icon “Flüchtlinge”: http://www.lekealderfoundation.org, Lizenz: CC-BY-3.0, Grafik: TP
Saudi-Arabien, Kuweit, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Katar nehmen keine Flüchtlinge auf. Sie könnten mit ihren Kapazitäten allerdings viele aufnehmen

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Dass sich Saudi-Arabien und Katar – auch wenn dies deren Regierungen offiziell bestreiten mögen – in den syrischen Krieg einmischen, mit Geld und Waffen, ist mehr als ein “offenes Geheimnis”. So unterstützt zum Beispiel Saudi-Arabien dschihadistische Milizen wie Ahrar al-Sham, die Verbindungen zu al-Qaida hat.

Aus dem Ziel, den syrischen Präsidenten Baschar-al-Assad von seiner Position zu entfernen und einen Regime-Change herbeizuführen, haben die Golfstaaten nie ein Hehl gemacht. Wenn es um die Konsequenzen des von ihnen unterstützten Krieges geht, um die geschätzt 4 Millionen Flüchtlinge, die bisher aus Syrien ausgereist sind, halten sich reichen Golfstaaten jedoch bedeckt. Sie geben Geld, wie das UNHCR berichtet.

Flüchtlinge nehmen sie aber nicht auf. Auf der UNHCR-Webseite kann sich der Leser über die Zahl von 133 Refugees und 88 Asylsuchende wundern, die als “statistischer Schnappschuss” für Katar notiert werden. Wie sich die Zahl zusammensetzt, woher die Flüchtlinge stammen, geht aus den erklärenden Anmerkungen nicht hervor.

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Religionswechsel in Saudi-Arabien: Eine Bratpfanne für Neumuslime

Geldwerte Vorteile: Wer eine Frage zum Islam hat, bekommt von Jamil Prepaidkarten für das Handy. Foto: Jannis Hagmann
Viele Gastarbeiter in Saudi-Arabien treten zum Islam über. In großen Städten rufen Prediger zur Konversion auf. Mit bisweilen absurden Anreizen.

Von Jannis Hagmann|taz.de

„Aschhadu“, spricht Jamil langsam und deutlich ins Mikrofon, „alla ilaha illa-llah“. Dann wiederholt er die Worte, diesmal schneller: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott.“ Das l spricht Jamil kehlig, die Laute zieht er zusammen. Fast klingt der Filipino wie ein arabischer Muttersprachler. Ein Mann aus dem Publikum tritt vor und spricht ihm das Glaubensbekenntnis nach. Und ist damit zum Islam konvertiert. Die Menge jubelt, aus den Geschäften in Dschiddas Altstadt strömen Schaulustige auf den Platz. „Allahu akbar“, rufen einige, „welcome to Islam!“ Jamil drückt dem frischgebackenen Muslim als Geschenk eine brandneue Elektrobratpfanne in die Hand.

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Radikale Koranauslegung und islamistisches Gedankengut

IS-Schulbuch. Bild: Ankawa/heise.de

Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert den von Saudi-Arabien, Katar und der AKP finanzierten Schulunterricht in türkischen Flüchtlingslagern

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

In der Türkei leben derzeit knapp zwei Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien – viele davon in Lagern in der Nähe der Grenze. Die Kinder in solchen Lagern besuchen meistens keine regulären Schulen, sondern einen Unterricht, der zum großen Teil von Gruppen organisiert wird, die das Geld dafür vor allem aus Katar, Saudi-Arabien und von der türkischen AKP erhalten. Das wirkt sich der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zufolge negativ aus, weil die Schüler schon in jungen Jahren mit Intoleranz indoktriniert werden.

GfBV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido, ein syrisch-kurdischer Historiker, der seit 1990 in Deutschland lebt, kritisiert unter anderem eine “radikale Koranauslegung” und ” islamistisches Gedankengut”, das die Kinder “belaste”, weil sie daraus kein “friedliches Miteinander im Umgang mit Nicht-Muslimen und Nicht-Sunniten” lernten. Bei einem Türkeibesuch im Januar und Februar führten besorgte kurdische Flüchtlinge aus Syrien Dr. Sido unter anderem vor, dass ihren Kinder in der Flüchtlingsschule Lieder wie das antisemitische “Khaybar, Khaybar, oh ihr Juden, die Armee Mohammeds wird zurückkommen” beigebracht werden.

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Saudi-Arabien exekutiert 175 Menschen in einem Jahr

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Saudi-Arabiens Henker richten im Schnitt an jedem zweiten Tag einen Menschen hin. Die meisten von ihnen werden enthauptet. Laut Amnesty sind zahlreiche Opfer minderjährig oder geistig behindert.

SpON

Ali Agirdas wurde am 24. Februar 2007 in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad festgenommen. Der Türke verstand nur bruchstückhaft, was ihm zur Last gelegt wurde, denn er sprach kaum Arabisch, hatte weder einen Übersetzer noch einen Rechtsanwalt. Angeblich soll der 28-Jährige Drogen geschmuggelt haben.

Irgendwann unterschrieb Agirdas ein arabisches Dokument, das ihm der Verhörbeamte vorlegte. Angeblich würde ihm das helfen. Stattdessen lieferte es ihn ans Messer: Das Schriftstück war ein angebliches Geständnis, auf dessen Grundlage er ein Jahr später zum Tode verurteilt wurde.

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Historischer Schritt: Frauen in Saudi Arabien dürfen erstmals wählen

frauenbekleidung_saudisBereits im Jahr 2011 hatte der verstorbene König Abdullah angekündigt, dass Frauen ein Recht auf politische Teilhabe bekommen sollen. Umgesetzt wird sein Erlass nun erstmals bei den anstehenden Wahlen im Dezember. Seit 22. August können sie sich nun registrieren lassen.

Deutsch Türkische Nachrichten

Diese Woche ist für Frauen in Saudi Arabien von historischer Bedeutung. Erstmals dürfen sie sich nun für die Wahlen im Dezember dieses Jahres anmelden. Bereits vor vier Jahren hatte der verstorbene König hierfür die Weichen gestellt – und von Seiten der Hardliner jede Menge Kritik geerntet.

Seit dem 22. August läuft in Saudi Arabien nun die offizielle Registrierung für die anstehenden Wahlen. Wahrgenommen werden könne diese bis zum 30. August, so die türkische Zeitung Sabah. Lokalen Medien zufolge werde derzeit damit gerechnet, dass sich gut 70 Frauen als Kandidatinnen aufstellen und um die 80 als Wahlkampf-Managerinnen registrieren werden.

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König-Abdullah-Zentrum in Wien: Riads Feigenblatt

Das König Abdullah-Zentrum für interreligiösen Dialog in Wien steht in der Kritik. (imago/blickwinkel)
Das König-Abdullah-Zentrum in Wien soll den Dialog zwischen den Religionen und gegenseitigen Respekt fördern. Doch das Projekt ist umstritten. Denn Hauptgeldgeber ist ausgerechnet Saudi-Arabien, wo man von religiöser Toleranz nicht viel hält.


Von Stefan May|Deutschlandradio Kultur

Ein nobles Palais an der Wiener Ringstraße ist die Heimstätte des KAICIID. Die Abkürzung steht für “König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog”. Über dem Eingang wehen die Fahnen von Saudi-Arabien, Spanien, Österreich und des Vatikans. Es handelt sich um die Gründungsstaaten des Zentrums. Sprecher Peter Kaiser nennt als Hauptziel: Respekt zu schaffen zwischen den Religionen und Kulturen durch Dialog. Und er betont die Unabhängigkeit des Zentrums.

“Keine einzige Religion und keine einzige Regierung kann uns sagen, was wir vornehmlich machen sollen. Sie müssen alle im Konsens vorgehen.”

Als aber Anfang dieses Jahres der saudische Blogger Raif Badawi wegen eines Plädoyers für Religionsfreiheit in seiner Heimat zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden war, blieb das Zentrum stumm. Peter Kaiser begründet dies mit einer grundsätzlichen Entscheidung des neunköpfigen Direktoriums, in dem die fünf großen Weltreligionen – Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus – vertreten sind.

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Ashley Madison und die Bigotterie des religiösen Fudamentalismus

Bild: dailycaller.com
“Ich habe nichts gegen Überwachung. Ich habe doch nichts zu verbergen.” Wirklich nicht? Das Netz vergisst nichts. Nachdem 32 Millionen Kundendaten der Fremdgeh-Seite Ashley Madison veröffentlicht wurden, ergeben sich interessante Einblicke bis in das Jahr 2008 zurück, denn so lange wurden die Nutzerdaten gespeichert. 


Von Najib Karim|The Huffington Post

95% der Kunden sind Männer (die Profile der Frauen waren größtenteils Fakes).

Die kanadische Hauptstadt Ottawa dürfte die Hauptstadt des gesuchten Seitensprungs sein, wo anscheinend fast jeder verheiratete Mann ein Fremdgeh-Profil besitzt. In Deutschland führt Berlin die Liste an.

15 000 amerikanische Profile haben ihre berufliche Email-Anschrift ihres staatlichen Arbeitgebers genutzt.

Für die Konservativen und die Evangelikalen in den USA dürfte mit den Veröffentlichungen der Tag des Jüngsten Gerichts bereits angebrochen sein: Mit Josh Duggar hat in den USA der erste christliche TV-Star bereits die Konsequenzen seiner nun veröffentlichten Mitgliedschaft zu spüren bekommen.

Noch schlimmer sieht es im Nahen Osten aus. 1200 Saudis dürfen nun um ihr Leben fürchten. Auf Ehebruch steht in ihrem Land nämlich die Todesstrafe und leider stehen ihre Kundendaten jetzt auch für die saudischen Behörden einsehbar im Internet.

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«Wir wollen die Schweiz nicht islamisieren»

Nicolas Andrev Blancho, genannt Abu Ammar AbdUllah. Bild:SRF
Im SonntagsBLICK-Interview sagt Nicolas Blancho, Präsident des Vereins Islamischer Zentralrat Schweiz (IZRS), dass er die Schweiz nicht islamisieren wolle. Zudem wisse er nicht, was sich hinter dem IS verbirgt.


Interview: Christine Maier|Blick.ch

SonntagsBLICK: Herr Blancho, Sie haben einen Waffenerwerbsschein beantragt, das wurde abgelehnt. Warum brauchen Sie eine Waffe? Werden Sie bedroht?
Nicolas Blancho:
Ja, per Mail, per Brief. Und man hat mir an einer Demonstration letztes Jahr ins Gesicht geschlagen.

Selbst wenn Sie eine Waffe erwerben könnten, dürften Sie diese nicht tragen. Sie würde Ihnen also gar nichts nützen, wenn Sie an Veranstaltungen angegriffen werden.
Es geht mir nicht darum, draussen mit einer Waffe herumzulaufen. Ich möchte sie nur als Schutz für unsere Räumlichkeiten. Ich möchte Umgang mit einer Waffe haben können, wie jeder andere Schweizer auch. Und ich verstehe nicht, warum das nicht möglich ist.

Sie haben keine Ahnung, warum Ihnen eine Waffe verweigert wird?
Nein. Es ist nur eine weitere Form von Einschränkung, weil man ein praktizierender Muslim ist.

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Aceh: Bei Verfehlung 100 Stockhiebe

Sharia-Polizisten plazieren in Banda Aceh eine Frau zur öffentlichen Auspeitschung. (picture alliance / dpa / Hotli Simanjuntak)
Das Leben in der indonesischen Provinz Aceh ist streng nach den Regeln des Korans ausgerichtet. Seit dem Ende des Bürgerkriegs vor zehn Jahren regieren hier die Rebellen von damals – die sich für einen aus ihrer Sicht unverfälschten sunnitischen Islam starkmachen.


Von Thomas Kruchem|Deutschlandradio Kultur

Weit holt der Scharfrichter aus und lässt den anderthalb Meter langen Rohrstock hinunter fahren auf den Rücken der vor Schmerz schreienden Frau.

Die Strafe der öffentlichen Auspeitschung für moralische Vergehen ist üblich in Ländern, wo man die Regeln der Scharia, des islamischen Strafrechts, radikal auslegt: in Saudi-Arabien, Sudan, Somalia und seit einiger Zeit auch in Aceh, einer Provinz an der Nordspitze der indonesischen Insel Sumatra. Viele Acehnesen halten Körperstrafen im Rahmen der Scharia für richtig – Fatalan Ameni, zum Beispiel, ein junger Grundschullehrer in Achehs Hauptstadt Banda Aceh.

“Wir praktizieren die Scharia äußerst streng, um das soziale Leben hier in Aceh zu kontrollieren. Begehe ich zum Beispiel Ehebruch, verfalle dem Glücksspiel oder dem Alkohol, dann handle ich gegen unser aller Religion, den Islam. Die Scharia-Polizei wird mich deshalb festnehmen. Das Scharia-Gericht wird mich zu einer bestimmten Anzahl von Schlägen verurteilen.

Die öffentlich auf einer Bühne exekutierte Strafe jedoch soll den Delinquenten nicht verletzen. Nach der Bestrafung verlässt er dann die Bühne; und die Menschen umarmen ihn. ‘Hast du genug zu essen?’ fragen sie ihn, ‘genug Reis, Zucker und Kaffee? Wir wollen dich wieder in unsere Gemeinschaft aufnehmen; wir lieben dich. Du hast einen Fehler gemacht und die Strafe dafür ertragen. Jetzt gehörst Du wieder zu uns; und wir helfen dir, wann immer Du Hilfe brauchst.'”

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Saudi-Arabien ist ein falscher Freund

Der Westen setzt auf Saudi-Arabien. Immerhin ist das Land der weltgrößte Exporteur von Öl und wichtiger Käufer westlicher Waffen. Doch die Monarchie gängelt ihre eigene Bevölkerung, verhängt drakonische Strafen und exportiert fundamentalistischen Islam


Von David Gardner|Cicero

US-Außenminister John Kerry und der saudische Prinz Saud Al-Faisal bei einer Pressekonferenz im März 2015 in Riyadh. picture alliance

Abdullah, der Ende Januar verstorbene saudische König, wird über seinen Tod hinaus für seine zaghaften Reformschritte geschätzt. Doch auch er regierte brutal, wie es im Königshaus Saud Tradition ist. Und er stellte das Volk mit Wohltaten ruhig. Vor vier Jahren etwa überschüttete er seine Untertanen mit königlicher Großzügigkeit: 36 Milliarden Dollar an Gehaltserhöhungen, zur Entschuldung und als Startkapital für Unternehmensgründungen, ließ er an die saudische Bevölkerung auszahlen.

Die arabischen Aufstände, die gerade Zine al Abidine Ben Ali in Tunesien und Husni Mubarak in Ägypten gestürzt hatten, hatten auch in Saudi-Arabien Hoffnung aufkeimen lassen, Abdullah würde Reformen vorantreiben. Vergeblich. Er ließ eine weitere königliche Finanzspritze folgen. Diesmal waren es fast 100 Milliarden Dollar. Der Großteil floss in den Wohnungsbau für Niedrigverdiener. Mit großen Summen wurden aber auch die Sicherheitskräfte bedacht, darunter die berüchtigte Religionspolizei, die Mutawa. Auf nicht weniger dunklen Kanälen flossen Hunderte Millionen Dollar in die religiösen Stiftungen des wahhabitischen Klerus.

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Saudi-Arabien: Bruch mit dem Islam am Smartphone

Frauen werden in Saudi-Arabien sofort verhaftet, wenn sie unverschleiert in die Öffentlichkeit gehen. Die Rechtssprechung folgt streng der Scharia. Doch das gilt wohl nicht für die Sozialen Netzwerke: Dort nämlich hat Amy Roko einen Weg der Emanzipation als Frau gefunden.


Von Maximilian Schönherr|Deutschlandfunk

islam_frauenAmy Roko ist ein Star. Nimmt man die Zahlen ihre Internet-Fans, kommt man leicht auf über eine Million. Sie ist Anfang 20, lebt und studiert in Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens. Die langen Strecken zur Uni, zum Buchladen, zum Krankenhaus kosten die Familie eine Menge Geld, denn sie darf nicht selbst am Steuer sitzen – weil sie eine Frau ist. Sie wehrt sich gegen die Erniedrigung von Frauen in ihrem Land, indem sie die Sozialen Netze des Internets nutzt, vor allem Vine und Instagram.

Statt ins Auto aufs Skateboard

Vine ist das Twitter-Portal für Filme, die nur wenige Sekunden lang sind; hier finden sich Hunderte von Videos von Amy Roko. Sie erscheint stets traditionell gekleidet, man sieht nur ihre Augen. In diesem Clip hier greift sie mit einem Tritt einen jungen Mann an.
In einem anderen Video fährt sie Skateboard.

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Braucht der Islam eine Reformation?

Betende in einer Moschee in Dubai. ©AP
In der muslimischen Welt gab es schon einmal eine radikale Rückbesinnung auf Schrift und Urzeit. Laute Rufe nach einem muslimischen Luther wären jedoch zwecklos.


Von Simon Wolfgang Fuchs|Frankfurter Allgemeine

Wo bleibt der muslimische Luther? Wann kommt es endlich zu einer umfassenden Neuinterpretation der Heiligen Schriften des Islams? Mit derartigen Fragen und impliziten Vorwürfen sahen sich unsere muslimischen Mitbürger in diesem Jahr von neuem und in großer Heftigkeit konfrontiert. Europaweit wurden sie auf allen Kanälen aufgefordert, zu erklären, woher sich denn nun genau die Gewalt speist, die die IS-Terroristen und die Charlie-Hebdo-Attentäter verüben. Diejenigen Politiker und Kommentatoren allerdings, die lautstark die Abwesenheit eines muslimischen Reformators beklagen, kommen gut 150 Jahre zu spät.

In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts rumorte es in den arabischen Provinzen des Osmanischen Reiches und unter den Muslimen Indiens, das zum Britischen Weltreich gehörte. „Blindem Gehorsam“ zur islamischen Tradition sagten modernistisch ausgerichtete Denker den Kampf an. Sie waren der Überzeugung, dass es keinerlei Widerspruch zwischen Verstand und Offenbarung geben könne. Alle rechtlichen und theologischen Aussagen, die muslimische Gelehrte über Jahrhunderte als wesentliche Teile des Glaubens fixiert hatten, müssten vor den Richterstuhl des Verstandes treten. Nur rational vertretbare Positionen sollten beibehalten werden.

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Sunniten und Schiiten: Analyse eines religiösen Konflikts

Oft ist die Rede von einem Konkurrenzkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Und meist wird im gleichen Atemzug davon gesprochen, dass es eigentlich um einen religiösen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten gehe. Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur hat untersucht, welche Rolle Religion in diesem Kampf um Vorherrschaft im Nahen Osten wirklich spielt.


Von Stephanie Rohde|Deutschlandfunk

KoranGeht es beim Konflikt der Schiiten und Sunniten im Nahen Osten noch um Religion? So könnte der Untertitel dieses Buchs lauten. Und um das zu beantworten, muss man mehr als 1300 Jahre zurückspringen.

“Entstanden ist die Schia durch einen Konflikt, dessen Ursprung eher politisch denn religiös ist.”

Und zwar in den Jahren 656–661 n. Chr., als Muslime darüber stritten, wer der rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed ist und darüber der erste islamische Bürgerkrieg ausbrach, die sogenannte Fitna.

“Sie hatte rein politische, keine religiösen Ursachen. In erster Linie handelte es sich um einen Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Clans.”

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Blutiger Ramadan

Terror und Krieg prägen den muslimischen Fastenmonat. Die Bilanz des Fastenmonats fällt in diesem Jahr erneut blutig aus. Forscher bewerten die Entwicklung unterschiedlich.


Von Burkhard Jürgens und Paula Konersmann|kath.net

ramadanLyon, Kairo und Sousse, Nigeria, Kuwait und Somalia, der Irak und die Sinai-Halbinsel – die Liste der Terrorziele der vergangenen Wochen ist lang. Dabei hatten sich Terrorgruppen wie Boko Haram in Nigeria in den Vorjahren während des muslimischen Fastenmonats eher zurückgehalten. Doch in diesem Frühjahr rief die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) dazu auf, aus dem Ramadan «einen Monat der Katastrophen, Niederlagen und Schande für Ungläubige» zu machen.

Die extremistische Saat ist offenbar aufgegangen. Israels Präsident Reuven Rivlin beklagte, der Fastenmonat habe sich in einen «Ramadan des Terrors» verwandelt. Und Ende Juni – nach dem Massaker am tunesischen Touristenstrand, einem Angriff auf eine Moschee in Kuwait und einer Enthauptung in Frankreich – schrieben zahlreiche westliche Medien von einem «schwarzen Freitag».

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Ägypten: Ägyptischer Polizeistaat fördert den IS

Trauer in Kairo um ägyptische Sicherheitskräfte, die am Donnerstag bei Kämpfen auf dem Sinai getötet wurden. Foto: dpa
Der Nahost-Experte Stephan Roll spricht im Interview über die Repressionen in Ägypten. Er sieht sie als eine Ursache für das Erstarken der Terrormiliz “Islamischer Staat”.


Von Andreas Schwarzkopf|Frankfurter Rundschau

Herr Roll, die Anschlagsserie des Islamischen Staats auf dem Sinai zeigt, dass die Terrormiliz nun auch in Ägypten ihr Unwesen treibt. Wie stark sind die Dschihadisten am Nil?

Das lässt sich abschließend nicht beantworten. Fakt ist, dass sie auf dem Sinai sehr stark sind. Die verantwortliche Terrorgruppe hat dort seit Jahren eine Infrastruktur und kann Anschläge gegen das Militär wie jetzt mit Dutzenden Toten durchführen.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) weist beim Thema Kampf gegen Terror immer wieder auf die regionalen Aspekte hin. Welchen Einfluss hat die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent auf die Zunahme von Gewalt? Oder gibt es andere, wichtigere Gründe einer Radikalisierung?

Die verheerende sozioökonomische Lage in Ägypten ist natürlich ein Faktor. Sie war auch ein Grund für den politischen Umbruch im Jahre 2011. Dennoch gab es in den letzten Jahren unter Mubarak diese Form der Gewalt, die es jetzt gibt, nicht. Wesentlicher ist, dass seit 2013 eine äußerst repressive Militärregierung mit allen Mitteln des Polizeistaats jeglichen Protest unterdrückt, vor allem gegen die Muslimbruderschaft, aber nicht nur. Präsident Al-Sisi schafft damit den Nährboden für Terrorismus. Viele Ägypter sehen keinen anderen Ausweg, als sich bewaffneten Gruppen anzuschließen.

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Waffenexporte: Regierung genehmigt Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien und Qatar

Leopard 2A5 _3, Bild: BB
Leopard 2A5 _3, Bild: BB
Saudi-Arabien darf laut einem Bericht Patrouillenboote von Deutschland kaufen. Die Bundesregierung sieht keinen Grund für Kritik: Mit den Booten seien Menschenrechtsverletzungen nicht möglich. An Qatar soll ein Kampfpanzer geliefert werden – zu Erprobungszwecken.


Frankfurter Allgemeine

Die Bundesregierung hat nach Informationen der Zeitung „Die Welt“ umfangreiche Waffenlieferungen in die Golf-Region genehmigt. So habe der geheim tagende Bundessicherheitsrat grünes Licht für die Lieferung von 15 deutschen Patrouillenbooten nach Saudi-Arabien gegeben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf ein Schreiben von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an den Bundestag. Auch sei die Lieferung von je einem Kampfpanzer nach Qatar und in den Oman genehmigt worden.

Bei der Lieferung nach Saudi-Arabien handelt es sich den Angaben zufolge um Patrouillenboote vom Typ 44 m. „Saudi-Arabien will mit den Patrouillenbooten seine Offshore-Ölplattformen gegen Angriffe etwa von IS-Terroristen schützen. Das ist ein legitimes Interesse“, zitierte die „Welt“ aus Regierungskreisen. Mit den Booten könnten weder Menschenrechtsverletzungen begangen noch Oppositionelle unterdrückt werden. Einige der Boote seien zudem mit rein defensiven Waffen nur zur Selbstverteidigung ausgestattet, hieß es.

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„Raif ist kein Krimineller, er hat nichts getan“

Ensaf Haidar, Ehefrau des inhaftierten Saudi-Bloggers Raif Badawi, kämpft für die Freilassung ihres Ehemanns. Foto: dpa
Internet-Aktivist Raif Badawi sitzt seit 2012 in Saudi-Arabien im Gefängnis. Im Interview spricht seine Ehefrau Ensaf Haidar unter anderem über ihren Kampf, den Kontakt zu ihrem Ehemann, die Haftbedingungen und einen großen Traum.


Von Thomas Geisen|Berliner Zeitung

Raif Muhammed Badawi, geboren 1979, ist ein saudischer Intellektueller und Internet-Aktivist. Er gründete 2008 das Online-Forum „Die Saudischen Liberalen“, eine Website über Politik und Religion in seiner Heimat, die vom Staat abgeschaltet wurde.

Seit 2012 sitzt Badawi in Haft. Vorwurf: Kritik an der saudischen Religionspolizei, Beleidigung des Islam. Saudi-Arabien folgt in seiner Rechtsprechung einer strikten Interpretation der islamischen Scharia. Das Strafmaß: Zehn Jahre Gefängnis, 1000 Peitschenhiebe und umgerechnet knapp 240000 Euro Geldstrafe. Am 9. Januar 2015 wurde Badawi erstmals auf dem Vorplatz der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda mit 50 Stockschlägen gezüchtigt, der weitere Vollzug wurde aus gesundheitlichen Gründen zunächst ausgesetzt. Vor kurzem bestätigte das höchste saudische Gericht das Urteil, Rechtsmittel können nicht mehr eingelegt werden. Badawis Frau Ensaf Haidar, lebt seit 2012 mit ihren drei Kindern in Kanada. Da sie einen persönlichen Besuch in Deutschland absagen musste, sprach der diese Zeitung mit ihr per Skype.

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Saudi-Arabien: 100 Hinrichtungen seit Anfang des Jahres

a736b-saudi-arabia-jpgMenschenrechtsaktivisten sprechen von einem “Feldzug des Todes”: Die saudi-arabische Justiz hat dieses Jahr bereits mehr Menschen hinrichten lassen als im gesamten vergangenen Jahr. Die Vergehen waren oft harmlos.


SpON

In Saudi-Arabien wurden seit Anfang des Jahres bereits 100 Menschen exekutiert – 47 von ihnen wegen gewaltfreien Drogenmissbrauchs. “Die saudi-arabische Justiz befindet sich dieses Jahr auf einem ‘Feldzug des Todes'”, sagte Sarah Leah Whitson, die Nahost- und Nordafrika-Direktorin von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

Saudi-Arabien hätte in sechs Monaten mehr Menschen hingerichtet als im gesamten letzten Jahr: 2014 waren es 88 Hinrichtungen in dem Land, meldet HRW. “Die Hinrichtungen für gewaltfreie Drogendelikte zeigen, wie schamlos das ist”, sagte Whitson.

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Kanada will islamkritischen Blogger Badawi aufnehmen

Bild: DIE WELT, Nachtblog
Die Regierung der kanadischen Provinz Québec hat sich zur Aufnahme des saudiarabischen Bloggers Raif Badawi bereit erklärt, dessen Verurteilung zu tausend Stockhieben weltweit für Proteste sorgte. Québecs Immigrationsministerin Kathleen Weil sagte am Freitag, Badawi könne mit einem aus humanitären Gründen erteilten sogenannten Auswahlzertifikat seine Einwanderung bei Kanadas Behörden beantragen.

Von Stefan Felbinger|DIE WELT

Die Frau und die Kinder des 31-Jährigen, der in seiner Heimat Saudi-Arabien wegen Beleidigung des Islams zu zehn Jahren Haft und tausend Stockhieben verurteilt wurde, leben bereits in Kanada.
Weil sagte weiter, ein Auswahlzertifikat könne „in außergewöhnlichen Fällen, in denen sich ein Mensch im Ausland in Not befindet“, ausgestellt werden. Mit dem Dokument könne Badawi bei den Behörden anschließend eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Mit diesem Schritt wolle Kanadas Regierung im Zuge einer „weltweiten Mobilmachung“ gegen Badawis Verurteilung bei Saudi-Arabiens Behörden ein Freilassung des islamkritischen Bloggers erwirken und ihn mit seiner Familie in Québec zusammenführen.
Das Schicksal Badawis bewegt die weltweite Öffentlichkeit seit Monaten. Der 31-Jährige musste Anfang Januar die ersten 50 Hiebe erdulden. Weitere Hiebe wurden zunächst aus medizinischen Gründen verschoben. Menschenrechtsgruppen befürchten, der Vollzug der Strafe könne in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

Saudi-Arabien: Ein Staat schlägt um sich

Ein saudischer Sicherheitsbeamter in Riad | © Mohammed Mashuur/AFP/Getty Images
IS, der Iran und nun ein Rekorddefizit: Saudi-Arabien sieht sich von überall her bedroht. Vor allem Andersdenkende bekommen zu spüren, was das bedeutet: Härte nach innen.

Von Martin Gehlen|ZEIT ONLINE

Schockiert meldete sich Raif Badawis Ehefrau per Telefon aus dem kanadischen Exil: “Das Urteil ist endgültig, daran ist nichts mehr zu rütteln.” Bis zuletzt habe sie gehofft, der neue König Salman werde Gewissensgefangene wie ihren Mann begnadigen, sagt Ensaf Haidar, die mit den drei Kindern des Paares von Ottawa Asyl erhalten hat.

Seit 2012 ist der 31-jährige Blogger nun hinter Gittern, weil er in seinem Onlineforum “Saudische Liberale” erzkonservative Kleriker und das Treiben der Religionspolizei kritisiert hatte. Anfang der Woche erklärte jetzt das oberste Gericht des Königreiches das drakonische Urteil von zehn Jahren Haft, 1.000 Stockschlägen und umgerechnet 200.000 Euro Geldbuße für rechtskräftig – eine Entscheidung, die erneut weltweite Kritik auslöste. Die USA und Europa appellierten an Saudi-Arabien, die Strafe zu annullieren. Amnesty International sprach von einem “schwarzen Tag für die Meinungsfreiheit”.

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