Schlagwort-Archive: Saudi-Arabien

Braucht der Islam eine Reformation?

Betende in einer Moschee in Dubai. ©AP
In der muslimischen Welt gab es schon einmal eine radikale Rückbesinnung auf Schrift und Urzeit. Laute Rufe nach einem muslimischen Luther wären jedoch zwecklos.


Von Simon Wolfgang Fuchs|Frankfurter Allgemeine

Wo bleibt der muslimische Luther? Wann kommt es endlich zu einer umfassenden Neuinterpretation der Heiligen Schriften des Islams? Mit derartigen Fragen und impliziten Vorwürfen sahen sich unsere muslimischen Mitbürger in diesem Jahr von neuem und in großer Heftigkeit konfrontiert. Europaweit wurden sie auf allen Kanälen aufgefordert, zu erklären, woher sich denn nun genau die Gewalt speist, die die IS-Terroristen und die Charlie-Hebdo-Attentäter verüben. Diejenigen Politiker und Kommentatoren allerdings, die lautstark die Abwesenheit eines muslimischen Reformators beklagen, kommen gut 150 Jahre zu spät.

In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts rumorte es in den arabischen Provinzen des Osmanischen Reiches und unter den Muslimen Indiens, das zum Britischen Weltreich gehörte. „Blindem Gehorsam“ zur islamischen Tradition sagten modernistisch ausgerichtete Denker den Kampf an. Sie waren der Überzeugung, dass es keinerlei Widerspruch zwischen Verstand und Offenbarung geben könne. Alle rechtlichen und theologischen Aussagen, die muslimische Gelehrte über Jahrhunderte als wesentliche Teile des Glaubens fixiert hatten, müssten vor den Richterstuhl des Verstandes treten. Nur rational vertretbare Positionen sollten beibehalten werden.

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Sunniten und Schiiten: Analyse eines religiösen Konflikts

Oft ist die Rede von einem Konkurrenzkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Und meist wird im gleichen Atemzug davon gesprochen, dass es eigentlich um einen religiösen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten gehe. Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur hat untersucht, welche Rolle Religion in diesem Kampf um Vorherrschaft im Nahen Osten wirklich spielt.


Von Stephanie Rohde|Deutschlandfunk

KoranGeht es beim Konflikt der Schiiten und Sunniten im Nahen Osten noch um Religion? So könnte der Untertitel dieses Buchs lauten. Und um das zu beantworten, muss man mehr als 1300 Jahre zurückspringen.

“Entstanden ist die Schia durch einen Konflikt, dessen Ursprung eher politisch denn religiös ist.”

Und zwar in den Jahren 656–661 n. Chr., als Muslime darüber stritten, wer der rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed ist und darüber der erste islamische Bürgerkrieg ausbrach, die sogenannte Fitna.

“Sie hatte rein politische, keine religiösen Ursachen. In erster Linie handelte es sich um einen Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Clans.”

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Blutiger Ramadan

Terror und Krieg prägen den muslimischen Fastenmonat. Die Bilanz des Fastenmonats fällt in diesem Jahr erneut blutig aus. Forscher bewerten die Entwicklung unterschiedlich.


Von Burkhard Jürgens und Paula Konersmann|kath.net

ramadanLyon, Kairo und Sousse, Nigeria, Kuwait und Somalia, der Irak und die Sinai-Halbinsel – die Liste der Terrorziele der vergangenen Wochen ist lang. Dabei hatten sich Terrorgruppen wie Boko Haram in Nigeria in den Vorjahren während des muslimischen Fastenmonats eher zurückgehalten. Doch in diesem Frühjahr rief die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) dazu auf, aus dem Ramadan «einen Monat der Katastrophen, Niederlagen und Schande für Ungläubige» zu machen.

Die extremistische Saat ist offenbar aufgegangen. Israels Präsident Reuven Rivlin beklagte, der Fastenmonat habe sich in einen «Ramadan des Terrors» verwandelt. Und Ende Juni – nach dem Massaker am tunesischen Touristenstrand, einem Angriff auf eine Moschee in Kuwait und einer Enthauptung in Frankreich – schrieben zahlreiche westliche Medien von einem «schwarzen Freitag».

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Ägypten: Ägyptischer Polizeistaat fördert den IS

Trauer in Kairo um ägyptische Sicherheitskräfte, die am Donnerstag bei Kämpfen auf dem Sinai getötet wurden. Foto: dpa
Der Nahost-Experte Stephan Roll spricht im Interview über die Repressionen in Ägypten. Er sieht sie als eine Ursache für das Erstarken der Terrormiliz “Islamischer Staat”.


Von Andreas Schwarzkopf|Frankfurter Rundschau

Herr Roll, die Anschlagsserie des Islamischen Staats auf dem Sinai zeigt, dass die Terrormiliz nun auch in Ägypten ihr Unwesen treibt. Wie stark sind die Dschihadisten am Nil?

Das lässt sich abschließend nicht beantworten. Fakt ist, dass sie auf dem Sinai sehr stark sind. Die verantwortliche Terrorgruppe hat dort seit Jahren eine Infrastruktur und kann Anschläge gegen das Militär wie jetzt mit Dutzenden Toten durchführen.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) weist beim Thema Kampf gegen Terror immer wieder auf die regionalen Aspekte hin. Welchen Einfluss hat die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent auf die Zunahme von Gewalt? Oder gibt es andere, wichtigere Gründe einer Radikalisierung?

Die verheerende sozioökonomische Lage in Ägypten ist natürlich ein Faktor. Sie war auch ein Grund für den politischen Umbruch im Jahre 2011. Dennoch gab es in den letzten Jahren unter Mubarak diese Form der Gewalt, die es jetzt gibt, nicht. Wesentlicher ist, dass seit 2013 eine äußerst repressive Militärregierung mit allen Mitteln des Polizeistaats jeglichen Protest unterdrückt, vor allem gegen die Muslimbruderschaft, aber nicht nur. Präsident Al-Sisi schafft damit den Nährboden für Terrorismus. Viele Ägypter sehen keinen anderen Ausweg, als sich bewaffneten Gruppen anzuschließen.

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Waffenexporte: Regierung genehmigt Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien und Qatar

Leopard 2A5 _3, Bild: BB
Leopard 2A5 _3, Bild: BB
Saudi-Arabien darf laut einem Bericht Patrouillenboote von Deutschland kaufen. Die Bundesregierung sieht keinen Grund für Kritik: Mit den Booten seien Menschenrechtsverletzungen nicht möglich. An Qatar soll ein Kampfpanzer geliefert werden – zu Erprobungszwecken.


Frankfurter Allgemeine

Die Bundesregierung hat nach Informationen der Zeitung „Die Welt“ umfangreiche Waffenlieferungen in die Golf-Region genehmigt. So habe der geheim tagende Bundessicherheitsrat grünes Licht für die Lieferung von 15 deutschen Patrouillenbooten nach Saudi-Arabien gegeben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf ein Schreiben von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an den Bundestag. Auch sei die Lieferung von je einem Kampfpanzer nach Qatar und in den Oman genehmigt worden.

Bei der Lieferung nach Saudi-Arabien handelt es sich den Angaben zufolge um Patrouillenboote vom Typ 44 m. „Saudi-Arabien will mit den Patrouillenbooten seine Offshore-Ölplattformen gegen Angriffe etwa von IS-Terroristen schützen. Das ist ein legitimes Interesse“, zitierte die „Welt“ aus Regierungskreisen. Mit den Booten könnten weder Menschenrechtsverletzungen begangen noch Oppositionelle unterdrückt werden. Einige der Boote seien zudem mit rein defensiven Waffen nur zur Selbstverteidigung ausgestattet, hieß es.

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„Raif ist kein Krimineller, er hat nichts getan“

Ensaf Haidar, Ehefrau des inhaftierten Saudi-Bloggers Raif Badawi, kämpft für die Freilassung ihres Ehemanns. Foto: dpa
Internet-Aktivist Raif Badawi sitzt seit 2012 in Saudi-Arabien im Gefängnis. Im Interview spricht seine Ehefrau Ensaf Haidar unter anderem über ihren Kampf, den Kontakt zu ihrem Ehemann, die Haftbedingungen und einen großen Traum.


Von Thomas Geisen|Berliner Zeitung

Raif Muhammed Badawi, geboren 1979, ist ein saudischer Intellektueller und Internet-Aktivist. Er gründete 2008 das Online-Forum „Die Saudischen Liberalen“, eine Website über Politik und Religion in seiner Heimat, die vom Staat abgeschaltet wurde.

Seit 2012 sitzt Badawi in Haft. Vorwurf: Kritik an der saudischen Religionspolizei, Beleidigung des Islam. Saudi-Arabien folgt in seiner Rechtsprechung einer strikten Interpretation der islamischen Scharia. Das Strafmaß: Zehn Jahre Gefängnis, 1000 Peitschenhiebe und umgerechnet knapp 240000 Euro Geldstrafe. Am 9. Januar 2015 wurde Badawi erstmals auf dem Vorplatz der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda mit 50 Stockschlägen gezüchtigt, der weitere Vollzug wurde aus gesundheitlichen Gründen zunächst ausgesetzt. Vor kurzem bestätigte das höchste saudische Gericht das Urteil, Rechtsmittel können nicht mehr eingelegt werden. Badawis Frau Ensaf Haidar, lebt seit 2012 mit ihren drei Kindern in Kanada. Da sie einen persönlichen Besuch in Deutschland absagen musste, sprach der diese Zeitung mit ihr per Skype.

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Saudi-Arabien: 100 Hinrichtungen seit Anfang des Jahres

a736b-saudi-arabia-jpgMenschenrechtsaktivisten sprechen von einem “Feldzug des Todes”: Die saudi-arabische Justiz hat dieses Jahr bereits mehr Menschen hinrichten lassen als im gesamten vergangenen Jahr. Die Vergehen waren oft harmlos.


SpON

In Saudi-Arabien wurden seit Anfang des Jahres bereits 100 Menschen exekutiert – 47 von ihnen wegen gewaltfreien Drogenmissbrauchs. “Die saudi-arabische Justiz befindet sich dieses Jahr auf einem ‘Feldzug des Todes'”, sagte Sarah Leah Whitson, die Nahost- und Nordafrika-Direktorin von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

Saudi-Arabien hätte in sechs Monaten mehr Menschen hingerichtet als im gesamten letzten Jahr: 2014 waren es 88 Hinrichtungen in dem Land, meldet HRW. “Die Hinrichtungen für gewaltfreie Drogendelikte zeigen, wie schamlos das ist”, sagte Whitson.

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Kanada will islamkritischen Blogger Badawi aufnehmen

Bild: DIE WELT, Nachtblog
Die Regierung der kanadischen Provinz Québec hat sich zur Aufnahme des saudiarabischen Bloggers Raif Badawi bereit erklärt, dessen Verurteilung zu tausend Stockhieben weltweit für Proteste sorgte. Québecs Immigrationsministerin Kathleen Weil sagte am Freitag, Badawi könne mit einem aus humanitären Gründen erteilten sogenannten Auswahlzertifikat seine Einwanderung bei Kanadas Behörden beantragen.

Von Stefan Felbinger|DIE WELT

Die Frau und die Kinder des 31-Jährigen, der in seiner Heimat Saudi-Arabien wegen Beleidigung des Islams zu zehn Jahren Haft und tausend Stockhieben verurteilt wurde, leben bereits in Kanada.
Weil sagte weiter, ein Auswahlzertifikat könne „in außergewöhnlichen Fällen, in denen sich ein Mensch im Ausland in Not befindet“, ausgestellt werden. Mit dem Dokument könne Badawi bei den Behörden anschließend eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Mit diesem Schritt wolle Kanadas Regierung im Zuge einer „weltweiten Mobilmachung“ gegen Badawis Verurteilung bei Saudi-Arabiens Behörden ein Freilassung des islamkritischen Bloggers erwirken und ihn mit seiner Familie in Québec zusammenführen.
Das Schicksal Badawis bewegt die weltweite Öffentlichkeit seit Monaten. Der 31-Jährige musste Anfang Januar die ersten 50 Hiebe erdulden. Weitere Hiebe wurden zunächst aus medizinischen Gründen verschoben. Menschenrechtsgruppen befürchten, der Vollzug der Strafe könne in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

Saudi-Arabien: Ein Staat schlägt um sich

Ein saudischer Sicherheitsbeamter in Riad | © Mohammed Mashuur/AFP/Getty Images
IS, der Iran und nun ein Rekorddefizit: Saudi-Arabien sieht sich von überall her bedroht. Vor allem Andersdenkende bekommen zu spüren, was das bedeutet: Härte nach innen.

Von Martin Gehlen|ZEIT ONLINE

Schockiert meldete sich Raif Badawis Ehefrau per Telefon aus dem kanadischen Exil: “Das Urteil ist endgültig, daran ist nichts mehr zu rütteln.” Bis zuletzt habe sie gehofft, der neue König Salman werde Gewissensgefangene wie ihren Mann begnadigen, sagt Ensaf Haidar, die mit den drei Kindern des Paares von Ottawa Asyl erhalten hat.

Seit 2012 ist der 31-jährige Blogger nun hinter Gittern, weil er in seinem Onlineforum “Saudische Liberale” erzkonservative Kleriker und das Treiben der Religionspolizei kritisiert hatte. Anfang der Woche erklärte jetzt das oberste Gericht des Königreiches das drakonische Urteil von zehn Jahren Haft, 1.000 Stockschlägen und umgerechnet 200.000 Euro Geldbuße für rechtskräftig – eine Entscheidung, die erneut weltweite Kritik auslöste. Die USA und Europa appellierten an Saudi-Arabien, die Strafe zu annullieren. Amnesty International sprach von einem “schwarzen Tag für die Meinungsfreiheit”.

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Kalif in Deutschland”: Die vermeintlichen Hüter des Islam exportieren Extremismus”

Anlässlich der jährlichen Versammlung der Ahmadiyya Muslim Jamaat auf der Karlsruher Messe besucht der Kalif seine deutsche Gemeinde von 37.000 Anhängern. | © dpa Picture-Alliance
Ein Kalif auf Deutschland-Besuch: Die Ungerechtigkeiten in der Welt nehmen überhand. Die größte Gefahr für künftige Generationen ist die Gottesferne, mahnt er.


Interview: Tahir Chaudhry|ZEIT ONLINE

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) versteht sich als eine Reformgemeinde innerhalb des Islam, wird aber von vielen sunnitischen und schiitischen Gruppen nicht als islamisch anerkannt. Gemeinhin gilt sie als liberal, aber wertkonservativ. 1889 wurde die Gemeinschaft von Mirza Ghulam Ahmad in Qadian (Indien) gegründet. Ahmad beanspruchte für sich, der von Mohammed prophezeite Messias und Mahdi zu sein. Seit über einem Jahrhundert führt dieser Anspruch dazu, dass die Gemeinde in vielen Teilen der islamischen Welt verfolgt wird. In Deutschland gilt sie als gut integriert, sozial engagiert und friedliebend. Dem spirituellen Oberhaupt der AMJ, Mirza Masroor Ahmad, folgen heute über 60 Millionen Muslime in über 200 Staaten. In diesen Tagen ist er auf Deutschland-Besuch. Für sein erstes Interview mit deutschen Medien treffen wir ihn in seinem Büro in der Frankfurter Gemeindezentrale.

ZEIT ONLINE: Geehrter Kalif, was schadet heutzutage dem Image des Islam am meisten?

Kalif Mirza Masroor Ahmad: Sie als Journalist müssten es doch eigentlich wissen (lacht): das Predigen von Gewalt und Fanatismus. Ein führender Funktionär des IS hat erst kürzlich in einer Videobotschaft propagiert, dass der Islam keine Religion der Liebe und Barmherzigkeit sei, sondern eine Religion des Terrors und der Gewalt.

Ein anderes Beispiel ist Saudi-Arabien, das den Anspruch erhebt, der Hüter der heiligen Stätten des Islam zu sein. Außerdem erhebt das Land den Anspruch, offen gegenüber allen Strömungen des Islams zu sein, die für die Pilgerfahrt in ihr Land reisen. Indessen kämpft Saudi-Arabien gegen den schiitischen Iran im Jemen. Wenn die Saudis behaupten, keiner bestimmten islamischen Strömung anzugehören, warum treten sie dann immer wieder sektiererisch auf? Die Saudis exportieren extremistische Ideologien und haben selbst radikale Salafisten und Wahhabiten hervorgebracht. Traurigerweise sind diejenigen, die sich als Hüter des Islam verstehen, die Exporteure des Extremismus.

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“Folterwerkzeuge dürfen in der EU noch immer beworben werden”

Elektrische Schlagstöcke. Bild: igfm
Amnesty-Experte Marczynski über Folter in Europa und wie ein bestehendes EU-Handelsverbot mit Folterwerkzeugen umgangen wird


Interview Bianca Blei|derStandard.at

Im Jahr 2006 führte die Europäische Union die weltweit erste Handelsregulierung für Gegenstände ein, die keinen Zweck außer der Hinrichtung, der Folter oder ähnlichen Misshandlungen von Menschen haben. Eine Reihe von Dingen wie elektrische Fußfesseln, elektrische Schlagstöcke und Netzbetten landeten auf der Liste von verbotenen Gütern, die in die EU weder ein- noch ausgeführt werden dürfen.

Ein Bericht von Amnesty International zeigt allerdings, dass europäische Unternehmen immer noch in den Handel mit solchen Gütern involviert sind. Am Donnerstag begann im EU-Parlament eine Debatte über eine Verschärfung der Richtlinie. Amnesty-Experte Marek Marczynski über Schlupflöcher in der aktuellen Bestimmung, wie Firmen die Regulierung umgehen und wo Folter noch immer stattfindet.

STANDARD: Wenn man von Folter spricht, dann ist das etwas sehr Mittelalterliches. Wie gängig sind solche Praktiken in der heutigen Zeit noch?

Marczynski: Klar ist, dass Folter unter internationalem Recht streng verboten ist. Das gilt für alle Staaten dieser Welt. Da gibt es einen sehr hohen gesetzlichen Standard. Realität ist aber, dass laut unserem Bericht aus dem vergangenen Jahr 82 Prozent der Länder weltweit in irgendeiner Weise und in einem gewissen Grad foltern.

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Experten: Religionen werden im Nahen Osten für Kriege missbraucht

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Mit Glaubenskonflikten werden im Nahen Osten Experten zufolge immer wieder wirtschaftliche und politische Kriegsgründe verschleiert.


evangelisch.de

“Die Religionen werden benutzt, um die Kriege dort zu legitimieren”, sagte der langjährige Nahost-Korrespondent Jörg Armbruster am Mittwochabend in Hannover. “Menschen lassen sich durch Glaubenskonflikte einfach leichter gegeneinander aufwiegeln als durch politische Einflusszonen und wirtschaftliche Interessen”, sagte der frühere Leiter des ARD-Studios Kairo. Er sprach bei einer Podiumsdiskussion der evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung über die Christenverfolgung in der Region.

So werde etwa der innerislamische Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten bei den Konflikten im Irak, in Syrien und im Jemen vorgeschoben. Tatsächlich gehe es bei all diesen Kämpfen jedoch um den machtpolitischen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, erläuterte Armbruster. Beide Regionalmächte konkurrierten um die Kontrolle wichtiger Öltransport-Routen wie die Straße von Hormus und um die geopolitische Vormachtstellung im gesamten Nahen Osten.

Saudi-Arabien “Henker gesucht. Keine Erfahrung nötig.”

Bild: FRiendly Atheist
Bild: Friendly Atheist
Menschenrechtler sind alarmiert: In Saudi-Arabien hat sich die Zahl der Hinrichtungen in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Jetzt werden per Stellenanzeige acht Henker gesucht.


HNA.de

Die saudi-arabische Regierung sucht per Anzeige acht Henker. Für die Arbeit sei keine besondere Qualifizierung oder Erfahrung nötig, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellenausschreibung. Aufgabe der Henker ist es demnach, zum Tode verurteilte Menschen zu köpfen. Zudem sollen sie verurteilten Dieben Gliedmaßen amputieren.

In dem Königreich, wo das Scharia-Recht angewandt wird, steht auf Vergewaltigung, Mord, Abfallen vom Glauben, bewaffneten Raub und Drogenhandel die Todesstrafe.

Seit dem Jahresbeginn wurden bereits 84 Menschen exekutiert. Im Jahr 2014 hatte es insgesamt 87 Hinrichtungen gegeben. Menschenrechtler kritisierten die hohe Zahl der Exekutionen in Saudi-Arabien wiederholt scharf.

Raif Badawi: “Nur der Zuspruch aus aller Welt gibt ihm Hoffnung”

Der Blogger Badawi hat sich gegen die Übermacht religiöser Autoritäten und für die Trennung von Religion und Staat ausgesprochen. (AFP / Tobias Schwarz)
1000 Stockschläge, zehn Jahre Gefängnis, Geldzahlung: Das war die Strafe für den Blogger Raif Badawi, der im Internet mehr religiöse Freiheit in Saudi-Arabien gefordert hatte. Seine Frau Ensaf Haidar kämpft aus dem kanadischen Exil für seine Freilassung.


Von Sabine Rossi|Deutschlandradio Kultur

Jeden Donnerstag steigt die Angst stärker als an anderen Wochentagen in Ensaf Haidar auf, denn am Freitag könnte es wieder so weit sein. Dann könnte ihr Mann, Raif Badawi, wieder öffentlich ausgepeitscht werden. Vor einem Jahr hat ihn ein Gericht zu 1000 Stockschlägen, zehn Jahren Gefängnis und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Weil er im Internet seine Meinung geschrieben hatte, weil er den Blog “Saudische Liberale” gegründet hatte.

Im Januar bekam Raif Badawi die ersten 50 Schläge. Im Internet kursiert ein verwackeltes Video: Aufrecht steht Raif Badawi vor einer Moschee in der saudischen Stadt Jeddah. Die Menschenmasse klatscht und jubelt, bei jedem Schlag, der ihn trifft. Seitdem wurde die Strafe ausgesetzt – aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Ensaf Haidar ist die Einzige, die relativ regelmäßig Kontakt zu ihrem Mann ins Gefängnis hat.

“Raif spricht nicht über seine Gesundheit, über den Alltag im Gefängnis. Vielleicht, weil er nicht will, dass ich das weiß. An seiner Stimme höre ich, dass es ihm nicht gut geht, dass er erschöpft ist. Er leidet, weil er seine Kinder so lange nicht gesehen hat. Es gibt nichts, das ihm Hoffnung gibt. Außer der Zuspruch aus aller Welt.”

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Gegen Assad und IS: “Armee des Islam” zeigt beängstigende Militärparade

Die “Armee des Islam” umfasst etwa 25.000 Soldaten. In einem beängstigenden Propagandavideo marschierte jetzt ein Teil der Truppen nahe Damaskus auf. Laut Aussage der Armee war es die größte Militärparade seit Beginn der syrischen Revolution.


FOCUS ONLINE

Die militante Gruppierung Jaysh Al-Islam kämpft gegen die syrische Regierung unter der Führung Bashar Al-Assads in Damaskus und gegen den islamischen Staat. Die Kampftruppen, die sich selbst „Armee des Islam“ nennen, haben vor kurzem ein Propaganda-Video veröffentlicht, das deren militärische Stärke unter Beweis stellen soll. Bei der Militärparade, die in einem Vorort von Damaskus abgehalten wurde, marschierten etwa 1700 Soldaten auf. Die Stärke der Armee wird auf 25.000 Mann geschätzt. Dabei besteht sie aus rund 50 verschiedenen Fraktionen unter der Führung von Zahran Alloush.

Alloush ist auch der militärische Leiter der Islamischen Front ein Bündnis aus sieben islamistischen Oppositionsgruppierungen im Bürgerkrieg in Syrien. Das Bündnis will einen islamischen Staat errichten unter der Führung eines gewählten Beratungsgremiums und der Scharia als offiziell geltendes Recht.

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Doppelagent Aimen Dean: Der Gesegnete

© BBC/Screenshot
Früher war er Mitglied bei Al Qaida. Dann wurde Aimen Dean vom britischen Geheimdienst umgedreht und verhinderte Anschläge. Seine Lebensgeschichte erscheint unglaublich, seine Einsichten sind klar und richtig.

 

Von Michael Hanfeld|Frankfurter Allgemeine

Sein Name ist Dean. Aimen Dean. Und er ist Agent Seiner Majestät. Oder ist es gewesen. Aimen Dean: Aimen heißt im Arabischen der Glückliche, der Gesegnete. Und Dean? Wie der amerikanische Jugendrebell? Oder der Dekan, der Älteste? Das würde passen zu diesem Mann, der in Wahrheit anders heißt und wie eine Figur aus einem Roman von John Le Carré erscheint. Seine Vita liest sich wie ausgedacht: Aimen Dean stammt aus Saudi-Arabien. Er wächst in einer streng religiösen Familie auf. Als Junge schon folgt er konservativen Predigern. Er glaubt, dass der Westen einen Krieg gegen den Islam führt und die Muslime vernichten will. Er stößt zu den Gründungsmitgliedern von Al Qaida. Er wird bestens bekannt mit Usama Bin Ladin, ist sozusagen per du mit dem Scheich.

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Halal Sex-Shop für Mekka

Bild: HUFFPO Religion
Bild: HUFFPO Religion
Es ist wohl so ziemlich der letzte Ort, an dem man das für möglich gehalten hätte: Doch jetzt soll in der heiligen Stadt Mekka offenbar schon bald ein Sex-Shop eröffnet werden. Dabei ist Saudi Arabien eigentlich für seine besonders strenge Auslegung des Islam bekannt.


Deutsch Türkische Nachrichten

Der halal Sex-Shop ist die Idee von Abdelaziz Aouragh. Dieser soll sein Konzept bereits im vergangenen Jahr verkündet haben. Mittlerweile sind seine Pläne wohl so weit ausgereift, dass der Laden kurz vor der Eröffnung steht.

Der künftige Sex-Shop-Besitzer will für sein Vorhaben sogar den Segen eines saudischen Klerikers haben, berichtet Russia Today. Dieser soll ihm nämlich erklärt haben, dass seine Idee „zur Verbesserung der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau“ führen könnte.

Zunächst soll der Laden 18 als hala bezeichnete Spielzeuge führen, heißt es weiter. Insgesamt wolle man sich ganz auf die Bedürfnisse der besonders strengen Muslime ausrichten und auch nur diese bedienen. Ergo: Vibratoren wird es dort wohl nicht zu kaufen geben. „Unsere Produkte sollen das Empfindungen von Sinnlichkeit und die Atmosphäre zwischen dem Paar in der sexuellen Beziehung verbessern“, erklärt der Ideengeber.

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Zwei Dodos und in Kopftuch – christlicher Kulturkrampf

Die Hamburger Pädagogin Özlem Nas diskutierte in der ZDF-Sendung „Peter Hahne“ über das Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichtes Foto: ZDF
Am Sonntagmorgen haben sich die muslimische Pädagogin Özlem Nas und der katholische Autor Matthias Matussek über die Bedeutung des Kopftuch-Urteils des Bundesverfassungsgerichtes gestritten. Zwei Weltanschauungen prallten aufeinander.


pro Medienmagazin

Mitte März entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen an deutschen Schulen rechtswidrig ist. Karlsruhe entsprach der Klage zweier muslimischer Lehrerinnen aus Nordrhein-Westfalen. Voraussetzung für ein Verbot sei allenfalls eine konkrete Gefährdung oder Störung des Schulfriedens.

Peter Hahne lud zu seiner Sendung im ZDF am Sonntagmorgen Özlem Nas, Mitglied im Hamburger Integrationsbeirat, und den gläubigen Katholiken und Bestsellerautoren Matthias Matussek ein, um die Frage zu diskutieren: „Droht bei uns ein neuer Kulturkampf?“

Er sei gegen das Kopftuch, sagte Matussek. Es sei „eindeutig eine Botschaft“, und zwar nicht eine religiöse, sondern auch eine politische. „Ich sehe aber vor allem nicht ein, warum wir zurückweichen und kapitulieren sollten vor einer Kultur, die uns erstmal fremd ist.“ Die Werteordnung in Deutschland basiere auf einem christlich-jüdischen Weltbild, und die Muslime „importierten“ eine fremde Kultur und forderten nun Rechte bei uns ein, die sie in ihren Herkunftsländern selbst nicht einräumten.

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Iran warnt Saudi-Arabien vor der “Saat des Hasses”

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnt am Sonnabend bei einer Militärparade in Teheran Saudi-Arabien vor weiteren Luftangriffen im Jemen Foto: dpa
Während einer Militärparade droht Irans Präsident Saudi-Arabien: Die Luftangriffe im Jemen werden Folgen haben. Kurz davor hatte Teheran den Vereinten Nationen einen Friedensplan vorgelegt.


DIE WELT

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, Saudi-Arabien werde deswegen eine “Saat des Hasses” ernten.

Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die im März begonnenen Luftangriffe als “Völkermord” bezeichnet hat.

“Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?”, fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. “Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen.”

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“Charlie Hebdo” war “nur die Spitze des Eisbergs”

Foto: dpa Syriens Präsident Baschar al-Assad hat der schwedischen Zeitung “Expressen” ein sehr ausführliches Interview und Einblicke in seine Politik gegeben
Flüchtlingsstrom, Weg zur Demokratie, Terrorgefahr in Europa: Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat einer schwedischen Zeitung ein ausführliches Interview gegeben – inklusive warnender Worte.


Von Clara Ott|DIE WELT

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat für jüngste Landgewinne militanter Islamisten Hilfe aus dem Ausland verantwortlich gemacht. Sie bekämen “enorme Unterstützung” aus der Türkei, Saudi-Arabien und anderen Ländern im Mittleren Osten, sagte Assad in einem am Freitag veröffentlichten Interview der schwedischen Zeitung “Expressen“.

So zeuge die Eroberung der Stadt Idlib Ende März nicht davon, dass die syrische Armee schwächer geworden sei, behauptete Assad. Die Provinzhauptstadt im Nordwesten des Landes war von Anhängern der mit al-Qaida verbündeten Nusra-Front eingenommen worden.

“Wie gesagt, jeder Krieg untergräbt jede Armee, das ist der natürliche Lauf der Dinge”, sagte er. “Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, und das hängt von vielen Kriterien ab, von denen einige mit inländischen, internen und militärischen Kriterien oder Faktoren in Zusammenhang stehen.”

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