Saudi-Arabien: Oberste religiöse Instanz frischt Fatwa gegen Pokémon auf

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Noch ist Pokémon Go in Saudi-Arabien offiziell noch gar nicht zu haben, doch vorsichtshalber hat die oberste religiöse Instanz des Landes eine 15 Jahre alte Fatwa zu dem Vorgänger des Smartphone-Spiels wieder aufgelegt.

FOCUS ONLINE

Der Ständige Ausschuss für Forschung und Fatwas stellte das islamische Rechtsgutachten von 2001 am Mittwoch auf seine Website, nachdem es nach eigenen Angaben wegen des Spiels zahlreiche Anfragen erhalten hatte.

In der Fatwa wird Pokémon mit einem Glücksspiel verglichen. Weiter heißt es, die Figuren schienen auf der Evolutionslehre von Charles Darwin zu basieren – beides wird vom Islam abgelehnt.

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Politikwissenschaftler: EU mitverantwortlich für religiösen Extremismus

Sorgen immer wieder für Entsetzen: Anschläge in Europa, hier Paris – AFP
Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Jonathan Laurence macht die Europäer dafür mitverantwortlich, dass sich unter eingewanderten Muslimen extreme religiöse Ideologien verbreiten konnten.
 

Radio Vatikan

Die Ausbreitung des Salafismus sei ein unmittelbares Erbe der europäischen Staaten des 20. Jahrhunderts, schreibt der in Boston lehrende Experte für Politik und Staatsreligion in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag).

Laut Laurence haben die Europäer zu Beginn des 20. Jahrhunderts dafür gesorgt, dass die Saudis zu Hütern der heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina wurden. Zugleich hätten sie die traditionellen Bande zwischen dem toleranteren osmanischen Islam und den Muslimen in Nordafrika, dem Nahen Osten und dem Balkan gekappt. Und in den 1970er und 1980er Jahren hätten die Europäer Saudi-Arabien wegen dessen Ölreichtums gestattet, in ihren eigenen Ländern Moscheen und Koranschulen zu schaffen und Imame zu finanzieren.

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Schwimmen – Das hat mit #Religion nichts zu tun! Oder doch?

Badebekleidung 1893. Bild: wikimedia.org/Wilhelm Dreesen/PD

Verwundertes Augenreiben: Für Frauen und Männer getrenntes Schwimmen im öffentlichen Schwimmbad. Das kenne ich doch, das habe ich doch schon mal gehört. Und ich erinnere mich an meine Kindheit und Jugend

Von Angela Klassmann | fraupolitik

Mein erzkatholischer Großvater verbot uns als jugendlichen Mädchen und Jungen, gemeinsam in unserem Schwimmbad zu schwimmen. Bikini? Hatte bei uns lebenslanges Hausverbot. Ganz im Sinne einer erzkatholischen Auslegung der Schöpfungsgeschichte mitsamt Vertreibung aus dem Paradies. Es war ja nun mal eine durch diese Geschichte belegte Tatsache: Die Frau, die Verführerin! Der arme Adam fiel doch nur ahnungslos auf die böse Eva herein. Schuld war und ist immer die Frau. Steht doch so schon in der Bibel, im christlichen Alten Testament. Diese Geschichte musste bei uns zu Hause immer herhalten, wenn es um das Benehmen und die Bekleidung von Frauen und Mädchen ging. Das Christentum hat die Texte des Alten Testaments übrigens vom Judentum. Auch der Islam verweist auf diese alten jüdischen Texte.

Wie habe ich aufgeatmet, als ich endlich verstand, dass dies nur Geschichten sind, die von Menschen im Kontext einer lang vergangenen Zeit als Zeugnisse ihrer Glaubenserfahrungen erzählt wurden. Geschichten, die seit mehr als zweitausend Jahren von Männern im Interesse des eigenen Machterhalts gedeutet und von Generationen von Frauen ungeprüft weiter getragen und vorgelebt wurden. Ob deshalb heute fundamentalistische evangelische und katholische Gruppen die Klagen fundamentalistischer islamischer Gemeinden mit Interesse beobachten? Gruppen, die religiöse Partikular-Interessen in Deutschland durchsetzen wollen? Hoffen Sie auf juristische und politische Entscheidungen, die Religionsfreiheit einzelner religiöser Gruppen wieder über den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte setzen? Hoffen Sie darauf, dass auch sie dadurch wieder mehr Einfluss auf den Staat ausüben können?

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Der nächste Waffendeal mit Saudi-Arabien

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Die Bundesregierung genehmigt weitere Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien – eine schwere Niederlage für Wirtschaftsminister und Sozialdemokrat Sigmar Gabriel.

Von Tobias Peter | Frankfurter Rundschau

Beim Thema Waffenexporte wollte Sigmar Gabriel zeigen, dass es einen Unterschied macht, wenn ein Sozialdemokrat Wirtschaftsminister ist. Aus seiner skeptischen Haltung gegenüber dem Verkauf von Rüstungsgütern nach Saudi-Arabien macht der Vizekanzler und SPD-Vorsitzende seit längerem keinen Hehl. Dass die Bundesregierung nun einen weiteren Waffendeal mit Saudi-Arabien abgesegnet hat, ist eine schwere Niederlage für ihn.

Auf der Liste der gerade genehmigten Exporte finden sich eine ganze Reihe Geschäfte: Ägypten darf ein U-Boot und 32 Torpedos importieren. Pakistan erhält 160 Luft-Luft-Raketen. Kuwait, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate bekommen Panzer zum Ausprobieren geliefert. Brunei erhält 900 000 Munitionspatronen für Maschinengewehre. Am heikelsten ist aber die Freigabe für die Lieferung eines Patrouillenbootes an Saudi-Arabien. Es soll das erste von insgesamt 48 sein, die das Königreich haben möchte. Das Entscheidungsgremium ist der Bundessicherheitsrat, dem neun Regierungsmitglieder angehören, darunter die Kanzlerin, der Außenminister, die Verteidigungsministerin und der Wirtschaftsminister. Der Bundessicherheitsrat tagt geheim. Es ist also nicht bekannt, wie Gabriel sich dort verhalten hat und ob er schlicht und einfach überstimmt wurde. Ausgerechnet Gabriels Aufgabe war es später, dem Bundestag die Liste der genehmigten Exporte zukommen zu lassen.

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Kirchen fordern strengere Gesetze für Waffenausfuhr

Kardinaler Waffennarr

Das Bundeskabinett hat den Rüstungsexportbericht 2015 gebilligt. Angesichts weiterer Genehmigungen für die Waffenausfuhr in Krisengebiete haben die beiden Kirchen strengere gesetzliche Regelungen für Rüstungsexporte gefordert.

evangelisch.de

Benötigt werde eine Grundlage, „die es leichter macht, in Aussicht gestellte Lieferungen zu stoppen“, sagte der evangelische Vorsitzende der Gemeinsamen Konferenz für Kirche und Entwicklung (GKKE), Martin Dutzmann, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) habe selbst im Februar ein Rüstungsexportgesetz ins Gespräch gebracht. „Das ist aus unserer Sicht notwendig“, sagte Dutzmann.

Revision der gesetzlichen Grundlagen gefordert

In solch einem Gesetz solle dann die Möglichkeit zur Stornierung geregelt werden. Dutzmann, der Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegenüber Bundestag und Bundesregierung ist, betonte: „So etwas muss möglich sein, zum Beispiel wenn sich zeigt, dass die menschenrechtliche oder friedenspolitische Lage in dem Land, für das die Güter vorgesehen sind, eine solche Lieferung nicht zulässt“, ergänzte er.

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Selbstmordattentäter in Katif: Explosionen vor Moschee in Saudiarabien

a736b-saudi-arabia-jpgZwei Explosionen haben am Montag die saudiarabische Stadt Katif erschüttert. Augenzeugen zufolge sprengte sich vermutlich ein Selbstmordattentäter vor einer Moschee in die Luft.

Neue Zürcher Zeitung

Den Angaben zufolge wurde bei einer ersten Detonation ein Auto zerstört, das vor der Moschee geparkt hatte. Kurz darauf habe sich eine weitere Explosion ereignet. Leichenteile am Ort des Geschehens deuteten auf einen Selbstmordattentäter hin. Katif im Osten des sunnitisch geprägten Landes ist die Hochburg der schiitischen Minderheit. In den vergangenen Tagen hatte die sunnitische Extremistenorganisation Islamischer Staat unter anderem im Irak bei gezielten Angriffen gegen Schiiten zahlreiche Menschen getötet.

Der Terror hat sehr viel mit dem Islam zu tun

© AP Der Hass auf Andersgläubige, legitimiert vom religiösen Fundamentalismus, bringt Gewalt hervor.
Auch das Attentat in Orlando sollte die Tat eines Einzeltäters sein, der die Religion nur zu seiner Rechtfertigung missbraucht – ein gängiges Erklärungsmuster. Wie glaubhaft ist es?
 

Von Ruud Koopmans | Frankfurter Allgemeine

Wenn wir Barack Obama glauben dürfen, hat der Massenmord an 49 schwulen Männern und lesbischen Frauen in Orlando nichts mit dem Islam zu tun. In seiner Reaktion auf das Blutbad erwähnte der amerikanische Präsident das Wort „Islam“ kein einziges Mal. Stattdessen stufte er die Tat mit dem Begriff „homegrown terrorism“ als hausgemachtes Problem ein. Außerdem sei dies ein weiteres Beispiel von „Selbstradikalisierung“. Dieser Begriff, wie auch der des „einsamen Wolfes“ wird immer wieder gerne nach radikalislamischen Anschlägen benutzt und deutet sie als das Ergebnis des isolierten Werdegangs eines Individuums ohne jeden Bezug zur muslimischen Gemeinschaft.

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Flucht vor der Religion

© Charlotte Sophie Meyn Nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien mit neuem Namen: Rana Ahmad Hamd in einer Gaststätte in Köln
Rana Ahmad Hamd ist nach Deutschland geflohen – nicht vor Krieg oder aus Armut, sondern weil sie nicht mehr an Gott glaubt. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe.

Von Charlotte Sophie Meyn | Frankfurter Allgemeine

Der Tag, an dem sich Rana Ahmad Hamds Leben für immer verändern wird, beginnt wie Hunderte von Tagen zuvor. Früh am Morgen fährt ihr Vater sie durch die Straßen der saudischen Hauptstadt Riad, zu ihrem Arbeitsplatz. Sie steigt aus, aber als sie das Auto aus den Augen verloren hat, tritt sie keinen neuen Tag im Sekretariat der Schule an. Stattdessen ruft sie sich über eine App auf ihrem Smartphone ein Taxi und lässt sich zum Flughafen fahren.

Ein paar Stunden später, gegen zwei Uhr nachmittags, tritt Hamd aus dem Gebäude des Flughafens Istanbul-Atatürk. Sie hat nichts dabei außer ihrem Laptop, ihren Papieren und zweihundert amerikanischen Dollar. Und dann macht sie etwas, wovon sie schon lange geträumt hat: Sie nimmt ihr Kopftuch ab, und ihre Abaya, den bodenlangen schwarzen Mantel, den Frauen in Saudi-Arabien tragen müssen.

„Zehn, fünfzehn Minuten stand ich einfach nur da und sah mich um. Ich sah zur Sonne, ich beobachtete die Autos, die vorbeifuhren, die Menschen um mich herum. Ich fragte mich, ob es ein Traum sei, ob mich jemand aufwecken würde, oder ob ich es wirklich geschafft hatte“, erzählt Hamd. Sie sitzt im Hof eines Restaurants, unweit des Flüchtlingsheims in Köln-Porz, wo sie inzwischen wohnt. Ihre Geschichte sprudelt aus ihr heraus in einem Englisch, aus dem man den arabischen Einschlag deutlich heraus hört, mit einem gerollten R und einem P, das eher wie ein B klingt.

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Radikaler Islam: Religiöse Stiftungen ohne Kontrolle

Freitagsgebet in der Diyanet-Moschee in Zürich Nord. Gegen die Stiftung Diyanet läuft eine Untersuchung. (Bild: Goran Basic / NZZ)
Seit Anfang des Jahres müssen kirchliche Stiftungen registriert werden. Geschehen ist seither wenig. Im Parlament wird nun Unmut laut: Es könnten radikale Kräfte finanziert werden.

Von Daniel Gerny | Neue Zürcher Zeitung

Mit Geld aus Saudiarabien oder der Türkei werden auch in der Schweiz islamische Religionsgemeinschaften unterstützt. So finanziert beispielsweise die Stiftung Diyanet, hinter der der türkische Staat steht, Imame in Schweizer Moscheen. Diyanet und viele andere islamische Stiftungen unterstehen der Aufsicht des Bundes oder der Kantone. Diese kontrollieren, ob die Stiftungsvermögen gemäss ihren Zwecken verwendet werden. Dank diesem Instrument besteht eine gewisse Kontrolle über die Geldströme innerhalb einer Stiftung. Im Fall von Diyanet hat die eidgenössische Stiftungsaufsicht im April eine Untersuchung zu den Geldflüssen eingeleitet.

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Als Muslime im Westen als schwul galten

Rumi zeigt seine Liebe seinem Schüler Hussam al-Din Chelebi. Bild: gemeinfrei
Nach Orlando war für viele die Gleichung klar: Islam = homophob. Dabei hat die gleichgeschlechtliche Liebe in der islamischen Welt eine lange Tradition

Von Fabian Köhler | TELEPOLIS

Oberflächlich gesehen, gibt es viele Möglichkeiten, die Taten des Omar Mateen zu erklären: War er ein konservativer Waffennarr, der Menschen mit anderer Lebensweise so zum Schweigen brachte, wie es konservative Waffennarren eben tun? War er ein irrer Psychopath, der mit seiner eigenen sexuellen Identität nicht klar kam? Oder tötete Omar Mateen am Sonntag 49 Besucher eines schwulen Nachtclubs, einfach weil er Muslim war und Muslime eben keine Schwulen mögen?

Jede dieser Erklärungen ist zu kurz gegriffen und dennoch haben sich viele Medien für eine von ihnen entschieden: die letzte. Dass Muslime per se homophob sind, scheint sich in den Augen vieler nicht nur am Sonntag in Orlando einmal mehr bestätigt zu haben: Im Iran hängen die Körper von Homosexuellen an Baukränen, in Saudi-Arabien schlagen Religionswächter Schwulen die Köpfe ab und in Syrien stürzt der selbsternannte Islamische Staat Homosexuelle aus Hochhäusern.

Doch die Gleichung „Islam = homophob“ ist allenfalls so wahr wie ihr Gegenteil. Denn so sehr Islamisten heute Homosexualität verteufeln, so selbstverständlich war gleichgeschlechtliche Liebe jahrhundertelang in der islamischen Welt. Und so sehr Homophobie heute aus westlicher Sicht als typisch islamisches Problem gilt, so neu ist das Phänomen in der islamischen Welt.

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Ban: Saudi-Arabien hat Druck ausgeübt

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Der UN-Generalsekretär erhebt schwere Vorwürfe gegen Saudi-Arabien. Die arabische Militärkoalition soll Kinder getötet und die Nennung auf einer Schwarzen Liste verhindert haben.
 

Frankfurter Rundschau

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition im Jemen vorgeworfen, auf ihre Nennung auf einer Schwarzen Liste der Verletzter von Kinderrechten mit unzulässigem Druck reagiert zu haben. „Es ist inakzeptabel, dass Mitgliedstaaten unangemessenen Druck ausüben“, erklärte Ban am Donnerstag in New York und fügte hinzu: „Genaue Überprüfungen sind ein natürlicher und notwendiger Teil der Vereinten Nationen.“

Die UNO hatte Saudi-Arabien und seine Verbündeten auf die Schwarze Liste gesetzt, weil die Koalition für 60 Prozent der 785 vergangenes Jahr im Jemen getöteten Kinder verantwortlich sei. Saudi-Arabien und andere arabische und muslimische Länder hätten daraufhin gedroht, ihre Zahlungen für humanitäre Programme der UNO zu kürzen.

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Populismus auf katholisch (3): Die Kirche als Hohepriester der Regierung

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Sicherlich gibt es viel Leid auf der Welt und jedem ethisch denkenden und handelnden Menschen sollte daran gelegen sein, neben der Maximierung des eigenen Glückes auch das Leid anderer zu minimieren – im Rahmen der Möglichkeiten und des demokratischen Rechtsstaates. Mit letzterem ist es beim katholischen Kirchenführer nicht weit her. Der Vatikan ist einer der wenigen Staaten auf der Welt, die die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen für säkulares Teufelszeug halten.

Von Lutz Neumann | Achgut.com

Das Asylrecht nach Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 wie auch die Europäische Menschenrechtskonvention werden von der katholischen Kirche in Gestalt der Institution des Vatikans weiterhin abgelehnt. Der Kardinal bewegt sich in einem Club mit Saudi-Arabien, die lieber ihrer übernatürlichen Gesetzgebung – der Scharia – den Vorzug vor rechtsstaatlichen Prinzipien und individuellen Menschenrechten geben. Aber der Kölner Vatikan-Angestellte Kardinal Woelki kommt mit leeren Worten durch. Oder dürfen sich die Vereinten Nationen zukünftig auf den Kardinal und auf den Vatikan als weitere Unterstützer der individuellen Menschenrechte freuen? Eine Nachfrage, die kein Journalist gestellt hat. Die Medien von FAZ über Kölner Stadt-Anzeiger und WDR bis Express nahmen die inkompetente kirchliche Politikberatung unkritisch bis applaudierend auf.

Die inkompetente kirchliche Politikberatung

Auch keine Nachfrage, ob es durch die kirchliche Unterstützung des deutschen Sonderwegs der unkontrollierten Grenzöffnung zugunsten jeder Person, die den Wunsch hat, nach Deutschland einzureisen, mehr Tote und Verletzte auf den Fluchtrouten gegeben hat, oder weniger? Auch nicht eingepreist, was die religiös überhöhte Regierungspolitik bereits kurzfristig an Risiken und Belastungen für die öffentliche Sicherheit und die sozialen Sicherungssysteme und langfristig für die säkular-freiheitliche Orientierung der deutschen Gesellschaft und die nachfolgenden Generationen in Deutschland heißt.

Verglichen zu Woelkis Einlassungen zur Flüchtlings- und Staatskrise sind andere Worte von ihm in dem erwähnten Boulevard-Interview von größerem Realitätssinn geprägt: „Er hat sich so klein gemacht, dass er selbst in einem Stück Brot gegenwärtig wird – das ist die Botschaft von Fronleichnam.“ Der „Er“ in dem Brotstück ist nach Ansicht des Kardinals der mutmaßliche übernatürliche Erschaffer seiner Domschatzkammer, Kölns, Deutschlands, des IS und der USA, der Erde und des gesamten Universums. Diesen tragen er und seine Kollegen in der Substanz des Fleisches und Blutes (in echt!) eines Juden in einem Schaugefäß durch die Städte und Dörfer – glauben sie. Derartiges ist allerdings wahrscheinlicher, als dass Woelkis Worte zum politischen Zeitgeschehen zutreffend sind.

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Nur Flugzeuge und Soldaten gegen den IS reichen nicht aus

Gepanzerte Fahrzeuge der irakischen Anti-Terror-Truppen fahren am 2.4.2016 in der Nähe der Stadt Hit durch ein Gebiet, das von der IS-Terromiliz zurückerobert wurde. (MOADH AL-DULAIMI / AFP)
Dass die Terrorgefahr real sei, hätten die Festnahmen von Düsseldorf gezeigt, kommentiert Tomas Avenarius von der „Süddeutschen Zeitung“. Erfolge im Kampf gegen den IS im Nahen Osten seien kein Grund zur Entwarnung. Wer wirklich gegen die Terrororganisation vorgehen wolle, der müsse nicht nur Flugzeuge und Soldaten schicken.

Von Tomas Avenarius | Deutschlandfunk

Wenn sich der UNO-Generalsekretär zu Wort meldet, wird es meist ernst. Weil der „Islamische Staat“ in seinem Herrschaftsgebiet Irak militärisch unter Druck gerät, werden sich die Militanten jetzt auf spektakuläre neue Anschläge verlegen, warnt Ban Ki Moon. Es gehe dem „Islamischen Staat“ um die internationale Bühne. Was das konkret heißt, ist seit den Anschlägen von Paris und Brüssel klar: Das Ziel ist Europa.

Dass die Terrorgefahr auch in Deutschland real ist, zeigt die Festnahme jener drei Männer, die angeblich einen Anschlag im Zentrum von Düsseldorf geplant hatten. Ein Massaker mit Kalaschnikows und Sprengstoffgürteln, so wie in Paris oder Brüssel. Ein Albtraum.

So bedrohlich der IS wirkt – im Nahen Osten, wo er herkommt, ist er geschwächt. Der Blutzoll ist hoch wegen der seit dem Sommer 2014 laufenden Luftangriffe, die eine von den Amerikanern geführte Koalition westlicher und arabischer Staaten fliegt. Und am Boden setzen die irakische Armee, die Kurden und schiitischen Milizen dem Kalifat zu.

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Wie geht es weiter mit der Opposition in Syrien?

Mohammed Alloush (oder Allusch), der Chefunterhändler der im saudi-arabischen Riad zusammengestellten syrischen Oppositionsvertretung „Hohes Verhandlungskomitee“ (HNC), ist zurückgetreten. Die Nachricht zog weite Kreise, sie tauchte selbst in den fünf-minütigen Kurzzusammenfassungen der „Nachrichten aus aller Welt“ der öffentlich-rechtlichen Sender auf. Sie wurde also für wichtig gehalten.

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Demgegenüber fielen allerdings die Erklärungen für den Rücktritt spärlich aus. Man beschränkte sich weitgehend auf die Wiedergabe des Statements des Zurückgetretenen. Allusch machte das „starrköpfige Assad-Regime“ für seinen Schritt verantwortlich, die Bombardements der syrischen Armee und die internationale Gemeinschaft, die es nicht schaffe, die syrische Regierung zur Einhaltung von Abmachungen, wie z.B. die Waffenruhe oder Hilfslieferungen für belagerte Städte, zu verpflichten. Das sind die Stereotype und Schuldzuweisungen, die ein Oppositionsführer von sich gibt. Schade, dass dies nicht besser mit Ergänzungen aufbereitet wird.

Gerne hätte man mehr über diese Personalie erfahren. Denn Mohammed Alluschs Rücktritt ist ein Politikum, wie die Rücktrittsnachrichten auch herausstellen. So ist von „einem schweren Rückschlag für die Bemühungen um eine Beendigung des Blutvergießen in Syrien“ die Rede. Kurz: Derzeit ist unklar, wie, wann und mit wem die Gespräche in Genf weitergehen sollen. Oder auch: Es sieht ganz danach aus, dass die militärischen Operationen das Sagen haben.

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Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist

Uwe Lehnert, Bild: freigeist-weimar.de

Uwe Lehnert ist vor allem durch sein Buch „Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“ bekannt. Er äußert sich auch regelmäßig zu religions- und kirchenkritisches Themen.

Von Uwe Lehnert | Richard Dawkins-Foundation

Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar und daher als verfassungswidrig einzustufen ist

Zwei Feststellungen möchte ich meinem Beitrag vorausschicken:

1. Eine ausländerfeindliche und fremdenfeindliche Einstellung ist generell abzulehnen. Insofern verurteile ich Äußerungen, wie sie vielfach von rechtsextremer Seite verbreitet werden. Wenn meine im Folgenden dargelegten Gründe einer den orthodoxen Islam ablehnenden Einstellung auch z.B. mit Positionen der Partei AfD übereinstimmen, kann mich das nicht abhalten, diese Positionen dennoch aufrecht zu erhalten. Ich habe auch partielle Übereinstimmungen in der Sicherheits-, Wirtschafts- oder z.B. Bildungspolitik mit der CDU, der SPD oder z.B. den LINKEN und stimme doch mit diesen Parteien in wesentlichen Fragen nicht überein.

2. Ich habe eine generell religionskritische Einstellung und lehne für mich speziell die Lehre des Christentums ab. Die Gründe dafür habe ich ausführlich in meinem Buch dargelegt »Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung« (Tectum-Verlag, 2015, 6. Auflage). Aus weitgehend den gleichen wissenschaftlichen, philosophischen und weiteren sachlichen Gründen lehne ich auch den Islam als Religion ab. Dennoch akzeptiere ich selbstverständlich Menschen, die dem Christentum oder dem Islam anhängen, als gleichberechtigte Bürger, dann nämlich, wenn sie ihren Glauben ohne Anspruch auf allgemein politisch-gesellschaftliche Verbindlichkeit als ihre private Angelegenheit betrachten.

Warum lehne ich den Islam, wie er sich weltweit und in zunehmendem Maße auch in Europa und Deutschland ausbreitet, als Religion ab? Warum ist der Islam, wie er im Koran beschrieben wird, mehr als ein religiöser Glauben, dem nicht die Religionsfreiheit gewährt werden kann, wie sie im Grundgesetz verbürgt wird?

Die von den Repräsentanten des Islam vertretene Glaubenslehre ist eine polit-religiöse Ideologie, die über ihr spirituelles Angebot hinaus den Anspruch erhebt, das individuelle wie das gesamtgesellschaftliche Leben nach den Vorgaben des Koran, der Hadithe (Überlieferungen) und der Scharia verbindlich zu gestalten. Dieser Anspruch ist grundgesetzwidrig, insbesondere weil er alle Mitglieder einer Gesellschaft einbezieht, unabhängig davon, ob sie sich zum Islam bekennen oder nicht.

In den Ländern Europas, in denen der Islam noch keine Möglichkeit hat, seine aus dem Koran abgeleiteten Forderungen politisch durchzusetzen, begnügt man sich muslimischerseits, diese vorerst nur auf muslimische Glaubensangehörige anzuwenden. In Ländern, in denen der Islam zur Staatsreligion erhoben wurde – viele Länder des arabischem Raums, Beispiel Saudi-Arabien, auch einige ostasiatische –, gelten die islamischen Gesetze grundsätzlich für alle Bürger, gleichgültig welchen Glaubens oder Nichtglaubens sie sind.

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Erzbischof von Homs: Europa verschweigt Islamismus der Saudis

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Der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Philippe Barakat, hat Europa vorgeworfen, die zentrale Rolle Saudi-Arabiens im Syrien-Krieg aus wirtschaftlichen Interessen zu verschweigen.

kath.net

Der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Philippe Barakat, hat Europa vorgeworfen, die zentrale Rolle Saudi-Arabiens im Syrien-Krieg aus wirtschaftlichen Interessen zu verschweigen. «Die europäischen Regierungen kennen die Wahrheit und schweigen, weil sie an das saudische Geld wollen», sagte Barakat der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag im Interview. «Wir Christen sind dabei wie Tiere und zählen nicht.»
Prediger aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hätten einen radikalen, gewalttätigen Islam nach Syrien importiert und damit den Krieg angeheizt. «Mit dem wahren Islam lässt es sich gut zusammenleben, nicht aber mit dem neuen, falschen Islam Saudi-Arabiens, der alles tötet.»

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Steinmeier würdigt Reformen in Saudi-Arabien – Satire?

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Der Außenminister lobt Saudi-Arabiens „wirtschaftspolitischen Realismus“ und spricht sich für die Lieferung von Patrouillenbooten aus. Mit Mali und Niger will er über Migrationsfragen beraten.

Von Beat Balzli, Tonia Mastrobuoni, Daniel Friedrich Sturm | DIE WELT

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Reformpläne des stellvertretenden saudi-arabischen Kronprinzen, Mohamed bin Salman, gewürdigt und sich für den umstrittenen Export von Patrouillenbooten ausgesprochen. „Der Reformplan von Mohamed bin Salman ist ein wirklich anspruchsvolles Programm. Ich finde das mutig, es ist Ausdruck eines wirtschaftspolitischen Realismus, der nach einer Alternative zum Öl sucht“, sagte Steinmeier in einem Interview der „Welt am Sonntag“ im Verbund mit der europäischen Zeitungsallianz Lena.

Mit der Teilprivatisierung des staatlichen Ölkonzerns Aramco schränke das saudische Königshaus „letztlich auch seinen eigenen Einfluss auf die Wirtschaft ein“, sagte Steinmeier: „Die Einschränkungen für die Religionspolizei zeigen, dass auch gesellschaftspolitische Veränderungen nicht mehr tabu sind.“ Steinmeier war im letzten dreiviertel Jahr zweimal mit Mohamed bin Salman für längere Gespräche in Riad zusammengetroffen. „Bei meinem letzten Besuch in Saudi-Arabien haben wir lange darüber gesprochen, wie die militärischen Auseinandersetzungen im Jemen beendet werden können“, sagte der SPD-Politiker: „Ich freue mich, dass die Friedensverhandlungen in Kuwait jetzt begonnen haben, und hoffe, dass wir den Konflikt in Jemen in absehbarer Zeit beilegen können.“

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Die Parallelwelt der Moscheen gehört ausgeleuchtet

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Spät, vielleicht zu spät gerät die ferngesteuerte Welt der islamischen Gebetshäuser in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Musste dafür erst die AfD sorgen? Der deutsche Staat ist wehrhaft genug.

Von Torsten Krauel | DIE WELT

Die Moscheen überwachen? Volker Kauder möchte mit seinem Vorschlag sicherstellen, dass manche islamische Staaten, manche islamische Bewegungen begreifen: Diese Republik lässt nicht alles mit sich machen. Extremistisch verrufene, überwachte Moscheen gibt es überall in Deutschland, gerade auch in Berlin. Sie stehen deshalb im Visier der Sicherheitsbehörden. Der Staat ist keineswegs ahnungslos, was an manchen Orten gepredigt wird.

Aber der Fraktionschef der Unionsparteien hat mit seinem Vorschlag nicht nur die Gefahrenabwehr terroristischer Umtriebe im Sinn. Gemeint sind auch Moscheen, in denen türkische Imame predigen; Moscheen, die von der Türkei oder auch Saudi-Arabien finanziert werden. Überwacht werden soll, ob die Prediger zur Abkehr von der Republik aufrufen und in ihrem Weltbild das Grundgesetz hintanstellen.

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„Deschner Preis“ für Ensaf Haidar und Raif Badawi

Raif Badawi, Bild: FB
Er hat angeblich den Islam beleidigt und wird dafür in seiner saudischen Heimat mit Gefängnis und Prügel bestraft. Dabei hat der Blogger Raif Badawi nur die Gleichbehandlung aller Menschen eingefordert.
 

heise.de

Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine baldige Freilassung des inhaftierten saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi. Das erklärte seine Frau Ensaf Haidar in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. In ihrer Heimat herrscht nach Angaben der im Exil lebenden 36-Jährigen Funkstille, was ihren Mann betrifft. „Also bleibt uns nur zu hoffen, dass sie ihn früher oder später begnadigen.“

Gemeinsam mit ihrem Mann erhält Haidar am (heutigen) Samstag (17.00 Uhr) den mit 10.000 Euro dotierten „Deschner-Preis“ für Religions- und Ideologiekritik der Giordano-Bruno-Stiftung. Die Eheleute werden laut Stiftung geehrt für ihren „gemeinsamen, mutigen und aufopferungsvollen Einsatz für Säkularismus, Liberalismus und Menschenrechte, der weit über Saudi-Arabien hinaus Bedeutung hat“. Haidar lebt mit den drei gemeinsamen Kindern in Kanada.

Die Laudatio soll der deutsch-arabische Islamkritiker Hamed Abdel-Samad halten, der unter anderem mit seinem Bestseller „Mohamed. Eine Abrechnung“ für Aufsehen sorgte. Der Festakt in der Deutschen Nationalbibliothek steht nach Angaben der Organisatoren unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen.

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Historiker Heinisch: „Die Schule sollte ein kopftuchfreier Raum sein“

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Heiko Heinisch über das Problem mit dem Islam, paternalistische Linke und Mobbing gegen Mädchen ohne Kopftuch

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Sie haben in einem Artikel für das Magazin „The European“ geschrieben: „Wir haben ein Problem mit dem Islam. Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen, unabhängig von unserer Religion oder Weltanschauung.“ Was ist das Problem?

Heiko Heinisch: In den islamischen Gesellschaften beobachten wir seit knapp 40 Jahren einen Vormarsch islamistischer Kräfte, die eine Umgestaltung der Gesellschaft nach islamischen Kriterien, also so etwas wie einen islamischen Staat, durchsetzen wollen. Den Startschuss gab die Revolution im Iran, die auch auf die mehrheitlich sunnitischen Länder wirkte. Vor allem Saudi-Arabien finanziert weltweit islamistische Propaganda, aber auch Katar und die Türkei unter Erdogan propagieren einen politisierten Islam, der sich in den letzten Jahrzehnten zum Mainstream entwickelt hat. Das färbt selbstverständlich auch auf die islamischen Verbände in Europa ab, die überwiegend ebenfalls einen politisierten Islam repräsentieren – das ist unser Problem.

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