Saudi Arabien: Zwei Frauen bekommen das Sagen

Saudi Frauen in Spitzenpositionen sind in Saudi Arabien sehr selten.use the Careem app on their mobile phones in Riyadh – (c) REUTERS
Saudi Frauen in Spitzenpositionen sind in Saudi Arabien sehr selten.use the Careem app on their mobile phones in Riyadh – (c) REUTERS
Die Börse in Riad und auch die Großbank Samba haben eine Frau an die Spitze ihrer Unternehmen geholt. Das Königreich will damit, scheint’s, ein Signal setzen.

Die Presse.com

Saudi-Arabien gilt nicht gerade als ein Land, dass Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau groß schreibt. Im Gegenteil. Frauen unterliegen strengen Restriktionen. So ist Saudi-Arabien der einzige Staat, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen. Nach der antiquierten Rechtsordnung bedarf eine Frau auch eines Vormundes – das ist in der Regel der Vater, der Bruder oder sonst ein männlicher Verwandter –, der sein Placet erteilen muss, wenn sie studieren, arbeiten, reisen oder heiraten will.

Umso erfreulicher sind folgende Neuigkeiten aus dem Königreich: Die Börse in Raid hat eine Frau, konkret die Investmentbankerin Sarah al-Suhaimi, zur Präsidentin des Verwaltungsrats ernannt. Die saudi-arabische Wertpapierbörse Tawadul zählt zu der größten im Nahen Osten. Al-Suhaimi ist Absolventin der Harvard Universität und galt schon zuvor als Pionierin. 2014 war sie – als bisher erste Frau – zur Leiterin einer Investmentabteilung, nämlich jener der National Commercial Bank ernannt worden.

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Marokko: Abschaffung der Todesstrafe für Abfall vom Islam

Samir Khalil Samir - RV
Samir Khalil Samir – RV
Hoffnung auf Glaubensfreiheit für Christen: Der Oberste Rat der Ulama, die Religionsgelehrten des Landes, hat den Abfall vom Islam neu ausgelegt. Nach der Neuinterpretation soll Apostasie nicht mehr mit dem Tod bestraft werden. Aus dem Dokument über die Neuauslegung geht hervor, dass Apostasie in dem kriegerischen Kontext der damaligen Zeit als politischer und nicht religiöser Verrat an der Gemeinschaft verurteilt wird.

Radio Vatikan

Für den Jesuitenpater Samir Khalil Samir ist die Entscheidung ein „sehr wichtiger Schritt“. Das äußert der Professor für Islamwissenschaften am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Asia News“, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Nach dem Obersten Rat werde Abfall vom Islam im Jenseits bestraft, nicht aber im diesseitigen Leben, verrät der Islamwissenschaftler. Es gehe nun nicht mehr darum, das islamische Recht wörtlich auszulegen, sondern im aktuellen Kontext neu zu interpretieren. 

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UNO streicht den „Schlächter von Kabul“ von der Sanktionsliste

Gulbuddin Hekmatyar gilt als
Gulbuddin Hekmatyar gilt als „Schlächter von Kabul“ – AFP (SHAH MARAI)
Gulbuddin Hekmatyar gilt als „Schlächter von Kabul“. In den 1980er Jahren war er der von Saudi-Arabien und den USA bestfinanzierte Mujaheddin-Anführer im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan. Seiner Rückkehr nach Kabul steht nichts mehr im Wege.

Die Presse.com

Die Vereinten Nationen haben den berüchtigten afghanischen Kriegsherrn Gulbuddin Hekmatyar von ihrer Sanktionsliste gestrichen. In einer in der Nacht auf Samstag im Internet veröffentlichten Meldung des UNO-Sicherheitsrats heißt es, dass der Anführer der radikalislamischen Rebellengruppe Hezb-i-Islami ab sofort keinen Einschränkungen mehr unterliegt.

Hekmatyar (etwa 69) ist auch bekannt als der „Schlächter von Kabul“. In den 1980er Jahren war er der von Saudi-Arabien und den USA bestfinanzierte Mujaheddin-Anführer im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan. Im folgenden Bürgerkrieg zwischen seiner Fraktion und anderen Mujaheddin um die Herrschaft in Kabul wurde er für den Tod von Tausenden Zivilisten verantwortlich gemacht. Später wurde Hezb-i-Islami eine der größten Widerstandsgruppen gegen die neue afghanische Regierung und internationale Truppen. Punktuell hat Hekmatyar auch mit Al-Kaida und den Taliban zusammengearbeitet.

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Die USA, der IS und Saudi-Arabien

Bild: heise.de/tp
Bild: heise.de/tp
Wie sein Vorgänger Obama hat auch US-Präsident Trump die Vernichtung des Islamischen Staates (IS) zu einer seiner vordringlichsten Aufgaben erklärt. Die Mitglieder der Terrororganisation müssten „ausradiert werden und von der Oberfläche der Erde verschwinden“. Ihre Verbrechen seien so schwerwiegend, dass auch der Einsatz von Folter gegen sie gerechtfertigt sei.

Von Ernst Wolff | TELEPOLIS

Wie sein Vorgänger Obama hat Präsident Trump weder im Wahlkampf, noch seit seiner Amtseinführung auch nur ein einziges Wort gegen das Herrscherhaus in Saudi-Arabien gerichtet, obwohl dessen systematische Menschenrechtsverletzungen denen des IS in nichts nachstehen. Unter dem Regime des Hauses von Saud sind die Amputation von Gliedmaßen, das Köpfen, das Erhängen und die Steinigung als Strafe für Vergehen gegen die fundamentalistisch ausgelegten Vorschriften der Scharia an der Tagesordnung.

Dass der IS und das saudische Königshaus trotz der Übereinstimmung in ihren Grundwerten von den USA unterschiedlich behandelt werden, hat seinen Grund: Saudi-Arabien ist seit Jahrzehnten der engste Verbündete der USA im Nahen Osten und genießt deshalb trotz aller Verbrechen Washingtons uneingeschränkte Solidarität. Der IS dagegen dient den USA als Vorwand für ihre Militäreinsätze im Nahen Osten und wird deswegen zu deren Rechtfertigung ständig als Hort des Bösen angeprangert.

Interessant ist neben der doppelten Moral, die sich hinter dieser Politik verbirgt, die Tatsache, dass der IS und Saudi-Arabien außer ihrem religiösen Fanatismus und ihrer Verachtung für die Menschenrechte eine entscheidende Gemeinsamkeit aufweisen: Beide wären ohne das Mitwirken der USA niemals zu dem geworden, was sie sind. Außerdem besteht zwischen beiden eine oft übersehene und sehr aufschlussreiche Wechselbeziehung.

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Iran stoppt Vergabe von Visa an US-Bürger

Sonst sind sie Drehscheiben für Reisende aus muslimischen Ländern in die USA. Nun herrscht vielerorts statt geordneter Betriebsamkeit Chaos. An den Flughäfen von Kairo und Dubai wurden die neuen US-Einreiseverbote sofort umgesetzt. Auch Airline-Crews waren betroffen. Ausnahmen gab es für die Besitzer von Ausnahmebewilligungen, etwa Diplomaten und Regierungsfunktionäre.

Von Astrid Frefel | der Standard.at

Von den Regierungen, die nicht unter diesen Bann fallen, gab es keine offiziellen Reaktionen, also keine explizite Solidarität mit anderen muslimischen Ländern. Von den betroffenen Staaten reagierte insbesondere der Iran scharf. Eine Million Iraner leben in den USA. Außenminister Mohammed Javad Zarif bezeichnete diese „kollektive Diskriminierung“ als „Geschenk für die Extremisten“. Ab sofort werden im Gegenzug keine neuen iranischen Visa mehr an US-Bürger ausgegeben. In Bagdad prüft eine Kommission des Parlaments ebenfalls reziproke Maßnahmen. Zehntausend Iraker haben im Rahmen internationaler Hilfsprogramme einen Antrag auf Ausreise in die USA gestellt und warten derzeit auf ihre Anhörung.

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Real Madrid legt erneut sein Christen-Kreuz für die Arabische Welt ab

Wappen von Real Madrid. Bild: wikimedia.org/
Wappen von Real Madrid. Bild: wikimedia.org/

Exklusive Fanartikel des weltberühmten Fußballclubs „Real Madrid“ werden künftig bei dem arabischen Großhändler Marka angeboten, allerdings ohne das zum Wappen gehörige Kreuz.

kath.net

Exklusive Fanartikel des weltberühmten Fußballclubs „Real Madrid“ werden künftig bei dem arabischen Großhändler Marka angeboten – allerdings ohne das zum Wappen gehörige Kreuz. Darüber informiert das Nachrichtenmagazin „Focus“ anhand von spanischen Medienberichten. Gemäß Vertrag zwischen dem arabischen Großhändler und Real Madrid muss das Logo entsprechend geändert werden. „Focus“ vermutet, dass der Großhändler sonst schlechtere Geschäfte mit den Fanartikeln machen würde. Der Großhändler wird die Artikel in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, Bahrain und Oman vertreiben. Offenbar werden immerhin die Trikots weiter mit dem Kreuz verkauft.

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Deutsche Rüstungsexporte: Rekordstand oder restriktiv?

Leopard-2-Panzer bei Übung in Grafenwöhr. Bild: DoD
Leopard-2-Panzer bei Übung in Grafenwöhr. Bild: DoD
Inhaltlich hat sich Sigmar Gabriel als Wirtschaftsminister längst festgelegt: Wie kaum einer seiner Vorgänger hat sich der SPD-Politiker kritisch gegenüber Rüstungsexporten gezeigt. Eine „Schande“ sei es, „dass Deutschland zu den größten Waffenexporteuren gehört“, polterte er 2104 im Interview mit dem „Stern“. Als Faustregel für den Export von Rüstungsgütern gab er damals vor: „Keine Waffen an Länder, in denen Bürgerkrieg herrscht. Auch Unrechtsregimen sollte man keine Waffen verkaufen.“

Von Dirk Eckert | TELEPOLIS

Im selben Jahr forderte er, die deutschen Rüstungskonzerne sollten ihre Produktion verstärkt auf zivile Produkte umstellen. Und vor Betriebsräten deutscher Rüstungsunternehmen erklärte er, Arbeitsplätze dürften bei Rüstungsexporten niemals ausschlaggebend sein.

Markige Worte, klare Kante also. So weit die Theorie – nun zur Praxis: 2015 fiel laut Rüstungsexportbericht der Bundesregierung das Volumen der Ausfuhrgenehmigungen mit 7,86 Milliarden Euro doppelt so hoch wie im Vorjahr mit 3,97 Milliarden Euro aus.

Im ersten Halbjahr 2016 genehmigte die Regierung laut eigenem Bericht insgesamt wieder Rüstungsexporte im Wert von 4,03 Milliarden Euro. Diese Tendenz setzte sich im zweiten Halbjahr fort. Zum Jahresende gab der Bundessicherheitsrat laut SZ grünes Licht für eine weitere Rüstungsexporte. Nach vorläufigen Zahlen wurde in 2016 der Export von Rüstungsgütern im Wert von 6,88 Milliarden Euro genehmigt.

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USA überstellen vier Guantanamo-Insassen an Saudi-Arabien

Bild: APA/AFP/PAUL J. RICHARDS
Bild: APA/AFP/PAUL J. RICHARDS
Von den einstigen 242 Insassen, wird es zu Amtsende von Barack Obama nur noch 40 Gefangene geben. Donald Trump ist gegen die Entlassung der Inhaftierten.

Die Presse.com

Die USA überstellen trotz Protesten des künftigen Präsidenten Donald Trump in Kürze vier Insassen des umstrittenen US-Gefangenenlagers Guantanamo nach Saudi-Arabien. Regierungsvertreter kündigten dies am Mittwoch an. Bis zu 15 weitere Gefangene sollen noch folgen, bevor Präsident Barack Obama sein Amt am 20. Januar an Trump abgibt. Sollte alles nach Plan verlaufen, würden dann noch etwa 40 Menschen in dem umstrittenen Militärlager auf Kuba einsitzen. Als Obama 2009 in seine erste Amtszeit startete, waren es noch 242 Gefangene.

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Saudi-Arabien bestätigt Einsatz britischer Streubomben

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Saudi-Arabien hat im Konflikt mit Jemen Streubomben britischer Bauart eingesetzt. Die Regierungen in Riad und London haben nun einen entsprechenden Bericht aus dem September bestätigt.
 

SpON

Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition hat im Jemen Streubomben britischer Bauart eingesetzt. Das teilte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon am Montag im Parlament in London unter Berufung auf eine Untersuchung der Militärkoalition mit. Zuvor hatte auch die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa berichtet, BL-755 Streubomben seien im Jemen zum Einsatz gekommen – doch nur „in eingeschränkter Art und Weise und zu einer begrenzten Anzahl“ und nicht in von Zivilisten bewohnten Gebieten. Die Briten gehören nicht zur Militärkoalition, verkaufen den Saudis aber Waffen.

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Das islamische Schisma

Machtfrage. Der Nukleus des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten liegt im Streit um die Nachfolge des Propheten Mohammed. Im...Foto: Roland and Sabrina Michaud / akg
Machtfrage. Der Nukleus des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten liegt im Streit um die Nachfolge des Propheten Mohammed. Im…Foto: Roland and Sabrina Michaud / akg
Sunniten und Schiiten sind sich in inniger Feindschaft verbunden. Die Ursachen des Konflikts reichen sehr weit zurück.

Von Christoph David Piorkowski | DER TAGESSPIEGEL

Seit Generationen ist die Spaltung der Umma – der muslimischen Gemeinschaft – in die geopolitische Landkarte des Nahen Ostens eingezeichnet. In Syrien und im Irak, wo die westlichen Kolonialmächte einst ungeachtet konfessioneller Identitäten künstliche Staatsgrenzen in den Wüstensand zogen, macht der sunnitisch-schiitische Konflikt ein Gutteil des aktuellen Desasters aus. Iran und Saudi-Arabien treten in den ethnisch und religiös zerklüfteten Gebieten als selbst ernannte Schutzmächte von Schia und Sunna auf. Gleiches gilt im Jemen, im Libanon, in Bahrain und überall sonst, wo sich die Anhänger der beiden größten islamischen Konfessionen gegenüberstehen.

Was aber ist der Ursprung des Schismas, das die Bürgerkriege theologisch untermauert und dessen Folgen noch im 21. Jahrhundert die halbe Welt erschüttern? Was unterscheidet Schiiten und Sunniten voneinander und was wirft man sich gegenseitig vor, das eine jahrhundertelange Feindschaft begründet?

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Saudi-Arabien: „Triumph der Barbarei“?

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Der Krieg des KSA im Jemen: Aushungern der Bevölkerung, akut unterernährte Kinder und das Erstarken von Dschihadisten in der Region. Wie sieht es mit der Verantwortung des Westens aus?

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Zu welchen Konsequenzen sind westliche Länder gegenüber Saudi-Arabien bereit? Sanktionen? Wie es mit dem politischen Willen bestellt, ernsthaft Druck auf das Königreich auszuüben? Die Beweislage für eine mörderische Politik des Landes ist erdrückend. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Krieg, den das Land im Jemen führt, Folgen hat, die nicht nur die Region betreffen, ist groß.

Ungefähr 2,2 Millionen Kinder im Jemen sind unterernährt und benötigen dringende Hilfe, informierte Unicef Anfang dieser Woche. Mindestens 462.000 Kinder leiden unter „schwerer akuter Mangelernährung“. Probleme mit Armut, Hunger und der medizinischen Versorgung gab es im Jemen schon vor der militärischen Intervention Saudi-Arabiens und der Koalition, aber seither hat sich die Lage deutlich verschlimmert.

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USA stoppen Munitionslieferung an Saudi-Arabien

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Wegen hoher Zahl an zivilen Opfern im Jemen

derStandard.at

Wegen des Konflikts im Jemen haben die USA eine Lieferung von Munition an die saudi-arabischen Streitkräfte gestoppt. Ein Regierungssprecher in Washington begründete dies am Dienstag mit der hohen Zahl ziviler Opfer durch die saudi-arabische Militärintervention im Jemen. Ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis fliegt seit März 2015 Luftangriffe gegen die schiitischen Houthi-Rebellen.

Deutsche Salafisten sollen finanzielle Unterstützung aus Saudiarabien bekommen

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BND und Verfassungsschutz gehen Berichten zufolge von einem Mitwissen der Regierungen aus. Die deutschen Salafisten sollen auch von Katar aus unterstützt werden.

Die Presse.com

Religiöse Organisationen aus Saudi-Arabien, Kuwait und Katar stehen Medienberichten zufolge im Verdacht, die Salafismus-Szene in Deutschland zu unterstützen. Wie „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR am Montag unter Berufung auf den Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) berichteten, geht es den Ländern dabei um die Verbreitung einer fundamentalistischen Variante des Islam.

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Fundamentalisten stoppen offenbar Auftritt von US-Komiker in Saudi-Arabien

Mike Epps in Houston (2013). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Mike Epps in Houston (2013). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

In Saudi-Arabien ist eine geplante Vorstellung des US-Komikers und Schauspielers Mike Epps gestrichen worden – offenbar wegen Protesten islamistischer Hardliner.

DIE WELT

Der Veranstalter Master Events gab die Absage am Samstag über den Kurzbotschaftendienst Twitter bekannt und sagte zu, den Preis für gekaufte Eintrittskarten zurückzuerstatten. Epps sollte am kommenden Freitag in der Haupstadt Riad an der Prinzessin Noura bint Abdulrahman Universität auftreten, eine Hochschule ausschließlich für Frauen.

Das Kalkül hinter dem Schmusekurs des Waffenkonzerns Heckler & Koch

 Ein Rekrut mit seinem Gewehr vom Typ Heckler & Koch G36 Quelle: dpa
Ein Rekrut mit seinem Gewehr vom Typ Heckler & Koch G36 Quelle: dpa
Der Pistolen- und Gewehrhersteller Heckler & Koch will künftig nur noch Nato-Länder beliefern. Mit dem Verzicht auf Großkunden wie Saudi-Arabien will der Konzern an einen Mega-Auftrag herankommen.

Von Gerhard Hegmann | DIE WELT

Deutschlands größter Gewehrhersteller Heckler & Koch (H&K) hat derzeit nur ein Ziel: Die Firma will seriös, berechenbar und wirtschaftlich solide erscheinen. Sie will, dass Schlagzeilen über mögliche Exportverstöße bei Waffenlieferungen oder eine hohe Verschuldung samt Pleitegefahr der Vergangenheit angehören.

Daher hat die Waffenschmiede jetzt per Nachrichtenagentur dpa einen anonymen Mitarbeiter verkünden lassen, dass künftig nur noch Länder beliefert werden, die „zweifelsfrei demokratisch, eindeutig nicht korrupt und in der Nato oder Nato-nah“ sind. Die Türkei, obwohl in der Nato, werde ebenfalls von der Kundenliste gestrichen, heißt es in dem Bericht.

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Incirlik: Türkei hat Zugang zu Aufklärungsdaten der Bundeswehr-Tornados

Die Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion der Linken bestätigt Befürchtungen, über die Telepolis schon vor Monaten berichtete: Die Türkei – und nicht nur sie – hat den vollen Zugriff auf die Daten und Fotos der Aufklärungsflüge der deutschen Tornados im Kriegsgebiet Türkei-Nordsyrien-Nordirak.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Am gestrigen Montag fragte nun auch der Spiegel danach, was mit den Daten passiert, die die Aufklärungsflüge an mehrere Staaten liefern. Für welche Operationen die Daten der Bundeswehr genutzt werden, sei unklar, stellt das Nachrichtenmagazin fest. Antworten auf konkrete Fragen – „Wie viele Bombardements basieren auf den „Tornado“-Daten? Wie viele IS-Kämpfer kamen dabei ums Leben, wie viele Zivilisten?“ – gebe das Bundesverteidigungsministerium nicht. Der Bundesregierung würden hierüber keine eigenen Erkenntnisse vorliegen, wird aus der Antwort auf die Anfrage der Linksfraktion zitiert.

Doch bringt die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage schon etwas Licht ins Dunkel: So hat die Bundeswehr bereits 134 Tornado-Einsätze über dem Irak und Syrien geflogen – und: Die Daten werden an 19 Länder weitergegeben, darunter auch die Türkei sowie arabische Länder wie Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate.

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Obama: Neue Atomwaffen, neue Kriege, mehr Waffenverkäufe als unter Bush

Gerne gekauft, Kampfflugzeuge des Typs F-15E Strike Eagle. Bil
Gerne gekauft, Kampfflugzeuge des Typs F-15E Strike Eagle. Bild: USAF
Auch unter Barack Obama profitierten die USA als weltweit größter Waffenhändler von den Krisen und Kriegen am stärksten, was sich unter Trump nicht ändern dürfte

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wenig verwunderlich ist, dass die USA als größter Waffenhändler von den Kriegen und Krisen profitieren, zumindest die Rüstungskonzerne. Präsident Barack Obama ist wie jetzt übrigens Donald Trump angetreten, den militärischen Neocon-Internationalismus und Interventionismus der Bush-Präsidentschaft zurückzufahren. Das wäre auch ein gutes Beispiel wie es unter Trump weitergehen könnte, der militärische Interventionen ablehnt, aber das Militär weiter stärken will, weswegen denn auch die Börsenwerte der großen US-Rüstungskoinzerne gestern um mehrere Prozent angestiegen sind.

Obama wollte die USA aus den von Bush begonnenen Kriege mitsamt den Intentionen des Regime Change zugunsten des US-dominierten Westens herausziehen – und er kündigte an, für nukleare Abrüstung mit dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt sorgen zu wollen. Zu Letzterem muss man sagen, dass Obama zwar als ersten US-Präsident in diesem Jahr nach Hiroshima gefahren ist – mit dem berühmten „Koffer“, um den Befehl zum Feuern von Atomwaffen zu geben. Aber er hat alles andere gemacht, als eine Abrüstung auch nur einzuleiten.

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Frauen in Saudi-Arabien: „Ich lebe in einer Lüge, damit ich nicht getötet werde“

 Langsam ändert sich das Königreich: Im Dezember 2015 durften Frauen erstmals an einer Wahl teilnehmen. © Ahmed Yosri/EPA
Langsam ändert sich das Königreich: Im Dezember 2015 durften Frauen erstmals an einer Wahl teilnehmen. © Ahmed Yosri/EPA
Die „New York Times“ fragte nach dem Leben der Frauen in Saudi Arabien. Die Antworten erstaunen. Die meisten leiden mehr unter ihren Verwandten als unter der Regierung. Aber einige Frauen ziehen die patriarchalen Strukturen auch dem westlichen Lebensstil vor.

stern.de

Die „New York Times“ fragte die Frauen in Saudi Arabien, wie ihr Leben aussieht, und über 6000 Frauen antworteten. Die Idee zu der Aktion hatte die Redakteurin Mona El-Naggar. Sie drehte zuvor eine Dokumentation über die erste Wahl im Königreich, an der Frauen teilnehmen durften. Bei den Dreharbeiten bemerkte sie einen Schatten, der auf allen Saudi-Frauen lastete, nämlich den ihres männlichen Vormunds. Immer wieder sprach sie mit Frauen, die Angst hatten, sich zu äußern. Nicht, weil sie die repressive Regierung fürchteten, sondern weil die mögliche Reaktion ihrer männlichen Verwandten sie in Schrecken versetzte. Männer, die jede ihrer Lebensregungen kontrollierten.

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Irak: Parlament legt das Land trocken

Tischdestille
Tischdestille „Arabia“. Bild: CopperGarden®
Das irakische Parlament hat gestern ein Alkoholverbot beschlossen, das sowohl die Produktion als auch den Import und den Verkauf von alkoholischen Getränken umfasst. Als Begründung für das Gesetz nannte der Abgeordnete Ammar Toma eine Formulierung in der irakischen Verfassung, die besagt, dass es kein Gesetz geben dürfe, das dem Islam widerspricht.  

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Verschieden verstandene Koranverse

In diesem Zusammenhang berufen sich er und die Mehrheit der Abgeordneten auf drei Koranverse: 4:43 („Ihr Gläubigen! Kommt nicht betrunken zum Gebet, ohne vorher zu wissen, was ihr sagt!“), 5:90 („Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind Greuel und Teufelswerk. Meidet es! Vielleicht wird es euch wohl ergehen.“) und 2:219 („Man fragt dich nach dem Wein und dem Losspiel. Sag: In ihnen liegt eine schwere Sünde. Und dabei sind sie für die Menschen von Nutzen. Die Sünde, die in ihnen liegt, ist aber größer als ihr Nutzen.“).

Diese drei Verse werden jedoch nicht von allen Moslems als strenges Alkoholverbot verstanden: Gegner einer Verbotsauslegung verweisen unter anderem auf die Sure 16:67 (die den Wein als gute Gabe Gottes lobt), auf die Nichterwähnung von Getränken wie Raki und Bier sowie auf die Tatsache, dass der Weinkonsum lediglich im Zusammenhang mit Übermaß, Gebet und Glücksspiel verdammt wird.

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Europa und der Islam – Kann Literatur Freiräume im vorpolitischen Raum schaffen?

Daniel Cohn-Bendit und die türkische Autorin Elif Shafak beim Forum
Daniel Cohn-Bendit und die türkische Autorin Elif Shafak beim Forum „Weltempfang“
Meinungs- und Pressefreiheit, Menschenrechte, die Position der Frau – Schlagworte einer Debatte, die auch auf der Frankfurter Buchmesse geführt wird. Wie sieht das Verhältnis Europas zu islamisch geprägten Ländern aus?

Von Sabine Peschel | Deutsche Welle

Es ist ein hochbrisantes Thema: Der Islam wird häufig kriminalisiert, mit Islamismus in Verbindung gebracht und in die Nähe des Terrorismus gerückt. Auf der Frankfurter Buchmesse wird die Beziehung Europas zu islamisch geprägten Ländern vielfach diskutiert. Wie sollte man umgehen mit ultrakonservativ geprägten Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar? Welche Rolle spielt die Türkei? Und wie wirken sich innereuropäische Entwicklungen aus, etwa die Abschottung gegen Flüchtlinge, die Fremdenfeindlichkeit oder der nationalistisch gefärbte Populismus?

Auf der Buchmesse ist der „Weltempfang“ traditionell der Ort, an dem Podiumsdiskussionen, Gespräche und Lesungen mit internationalen Autoren, Intellektuellen und Übersetzern stattfinden. In diesem Jahr widmet sich das Forum dem Thema „Europa“ – und geht gleich zur Eröffnung großformatig an seinen Gegenstand heran: „Europa und der Islam“ – das sei eine der wichtigsten Debatten der Messe, urteilt Messedirektor Jürgen Boos bei seiner Begrüßung. Auf dem Podium: die türkische Star-Autorin Elif Shafak und der algerische Schriftsteller Boualem Sansal, Friedenspreisträger von 2011. Beide hätten „Jahre ihres Lebens damit verbracht, Phänomene unserer Zeit zu analysieren und bestimmte globale Entwicklungen zu erklären“, so Boos.

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