Schlagwort-Archive: Saudi-Arabien

Wie sich junge Muslime den Islam wünschen

Zwei junge Frauen in der Altstadt von Rabat in Marokko (picture alliance / dpa / Reinhard Kaufhold)
Viele junge Araber im Norden Afrikas und im Nahen Osten suchen Orientierung im Islam. Aber wie soll der sein? Weltoffen oder rückwärtsgewandt? Die Tabah-Stiftung in Abu Dhabi hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Ergebnis: Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime. Wenn es aber um den real existierenden Islam geht, herrscht Unzufriedenheit.

Von Jürgen Stryjak|Deutschlandfunk

Die Staaten im Norden Afrikas und im Nahen Osten befinden sich seit einigen Jahren in einem Umbruch, der turbulenter kaum sein könnte. Volksaufstände, Terror und Bürgerkriege beherrschen die Nachrichten. Dort wo es bislang relativ ruhig blieb, ist es die Globalisierung, die die Gesellschaften bis zum Zerreißen spannt. Viele junge Araber suchen Orientierung im Islam, aber bei welchem? Bei einem weltoffenen oder bei einem rückwärtsgewandten?

Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime

“Zu oft sprechen wir über die Jugend, aber viel zu selten mit ihr”, beklagt Abaas Yunas von der Tabah-Stiftung in Abu Dhabi. Junge Muslime seien einer unüberschaubaren Fülle an religiösen Inhalten ausgesetzt, die sie natürlich beeinflussen würden. Um herauszufinden, wie sich das auf junge Araber auswirkt, hat die Zukunftsinitiative der Stiftung unter Leitung von Abaas Yunas eine repräsentative Umfrage durchgeführt. In acht arabischen Staaten wurden muslimische Frauen und Männer im Alter zwischen 15 und 34 Jahren befragt, unter anderem in Marokko, Ägypten und in Saudi-Arabien.

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Koptischer Bischof Damian warnt vor Folgen von Militäreinsatz gegen IS

Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Er übte massive Kritik an dem politischen Kurs von Saudi-Arabien und Katar. «Beide Staaten fördern in der Region Terrorismus und Zwangs-Islamisierung. Dabei sollten beide Länder mit den Petro-Dollars lieber Hungersnöte bekämpfen und Leiden lindern

kath.net

Der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian sieht einen möglichen Einsatz des Westens von Bodentruppen gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) kritisch. «Europa muss darauf achten, dass es sich im Kampf gegen den IS auf loyale arabische Partner in der Region stützt und nicht selbst militärisch eingreift», sagte der aus Ägypten stammende Geistliche am Sonntag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Zugleich übte er massive Kritik an dem politischen Kurs von Saudi-Arabien und Katar. «Beide Staaten fördern in der Region Terrorismus und Zwangs-Islamisierung. Dabei sollten beide Länder mit den Petro-Dollars lieber Hungersnöte bekämpfen und Leiden lindern.»

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Saudi-Arabien und USA: Beste Freunde

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Trotz einiger Unstimmigkeiten arbeiten CIA und Saudi-Arabien weiter zusammen, um syrische Rebellen zu bewaffnen und auszubilden

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Die in Wien nach der militärischen Intervention Russlands in Wien begonnenen Gespräche über eine politische Lösung des Syrienkonflikts haben zwar alle beteiligten Groß- und Regionalmächte sowie ihre Verbündeten zusammengebracht. Es fehlt aber eine Einigung darüber, wer von den zahlreichen syrischen Oppositionsgruppen und Konfliktparteien am Verhandlungstisch teilnehmen soll (Syrien-Gespräche: Steinmeier plädiert für Teilnahme salafistischer Gruppen). Paria bleibt der Islamische Staat, vermutlich auch die al-Qaida-Gruppe al-Nusra. Dabei geht es nicht nur darum, dass es kaum gemäßigte Gruppen gibt, dafür aber starke Gruppierungen mit islamistischer Ideologie (Hunderttausend Kämpfer in Syrien teilen die IS-Ideologie), das Problem ist, dass viele geopolitische Interessen vorhanden sind, die teils auch syrische Milizen finanzieren, mit Waffen beliefern und anderweitig unterstützen.

Derzeit scheint die syrische Armee mit den Hisbollah-Milizen mit der Unterstützung der russischen Luftwaffe militärische Fortschritte zu erzielen. Angeblich wurde nun Latakia ganz unter Kontrolle gebracht und die Kämpfer turkmenischer Gruppen und von al-Nusra vertrieben. Auch die von den Kurden dominierten “Demokratischen Kräfte Syriens”, unterstützt von den USA und von Russland, konnten Erfolge gegen den Islamischen Staat erzielen und versuchen, den vom IS und anderen Oppositionsgruppen noch kontrollierten Korridor zwischen Afrin und Rojava zu schließen.

Der Plan der US-Regierung, mit der Hilfe Saudi-Arabiens durch die CIA gemäßigte Rebellen in Syrien aufzurüsten und auszubilden, entstand 2013, nachdem die politische Opposition weitgehend bedeutungslos wurde und die bewaffnete Opposition sich weiter zersplitterte und radikalisierte. Zudem hatten Geldgeber aus der Golfregion begonnen, islamistische sunnitische Gruppierungen wie die Islamische Front, wozu Ahrar al-Scham gehört, zu finanzieren.

Die Zusammenarbeit reicht bis in die 1970er Jahre zurück, als Saudi-Arabien amerikanischen Interessen in Afrika diente, beispielsweise in Angola. Auch in der Iran-Contra-Affäre spielten die Saudis eine wichtige Rolle. Im Kalten Krieg unterstützte die CIA während der Präsidentschaft Ronald Reagans die rechten Contra-Milizen gegen die linke Regierung der Sandinisten, indem 1985/1986 das Geld aus dem Kokain-Schmuggel und aus Waffenverkäufen an den eigentlich verfeindeten Iran zu deren Unterstützung verwendet wurden. Saudi-Arabien unterstützte mit Millionen die Contras, auch noch dann, als die USA bereits die Zahlung eingestellt hatte. Das macht sich buchstäblich bezahlt und schweißt zusammen. Bei der Aufklärung der Iran-Contra-Affäre hielt Saudi-Arabien den Mund. Wie schon in Afghanistan, als die CIA mit der Hilfe von Saudi-Arabien die Taliban und al-Qaida gegen die Russen unterstützte, setzte man auch dieses Mal wieder auf die reiche Monarchie mit dem islamischen Fundamentalismus der Wahhabiten und Salafisten.

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Münchner Forum für Islam: Kein Geld – keine Moschee?

Bild: BR.de
Der Münchner Ältestenrat will heute über die Zukunft des Moschee-Projekts an der Dachauerstraße entscheiden. Nach einer Geldblockade durch Saudi-Arabien fehlt eine Millionenspende.

Von Karin Wendlinger|BR24

Das Münchner Forum für Islam (MFI) bittet den Ältestenrat des Münchner Stadtrats um zeitlichen Aufschub, damit das geplante Islamzentrum an der Dachauer Straße nicht scheitert. Der private Geldgeber wolle überweisen, heißt es. Die Landeshauptstadt hatte für den Verein bis Ende 2015 ein Grundstück reserviert. Doch eine Geldspende über 4,5 Mio Euro ist bislang nicht eingetroffen. Am Mittwoch hatte Stefan Wimmer vom MFI dem BR bestätigt, dass die Millionenspende auf jeden Fall kommen werde.

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Saudi-Barbarien: Großmufti verbietet Schachspiel

© AP Der saudische Großmufti Scheich Abd al Aziz Al Sheikh mag kein Schach
So schlimm wie Alkohol und Glücksspiel: Schach gehöre verboten, sagt ein hochrangiger Geistlicher. Die saudische Schachgemeinde will sich nicht beirren lassen und ausgerechnet in der heiligen Stadt Mekka ein Turnier veranstalten.

Frankfurter Allgemeine

Nachdem der führende Geistliche Saudi-Arabiens per Fatwa das Schachspiel untersagt hat, regt sich Widerspruch in dem islamischen Land. Wie Alkohol und Glücksspiel sei Schach „das Werk Satans“, entschied Scheich Abd al Aziz Al Sheikh laut einem Bericht der New York Times.

Seine religiöse Auslegung hatte der Großmufti offenbar in einer Fernsehsendung als Antwort auf die telefonische Frage eines Zuschauers gegeben. Während der genaue Zeitpunkt der Erklärung unklar sei, schreibt die Zeitung, habe sie in den letzten Tagen zunehmend für Aufsehen gesorgt. An diesem Freitag soll in der saudi-arabischen Stadt Mekka ein Schachturnier beginnen.

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Dortmund: Nordafrikaner wollten Transsexuelle steinigen

Steinigung des Heiligen Stephanus auf dem Jacobus-und-Stephan-Altar (1506)

Manchmal erfährt man aus der Jerusalem Post mehr über Geschehnisse in Deutschland als aus deutschen Medien – zum Beispiel, dass drei 16- bis 18-jährige Nordafrikaner in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs versuchten, ein Transsexuellenpärchen zu steinigen, nachdem sie bei einer Annäherung feststellten, dass es sich nicht um geborene Frauen handelt. Nur einer davon – ein polizeibekannter Intensivtäter – sitzt jetzt in Untersuchungshaft. In Deutschland hatte lediglich das Lokalfenster SAT1.NRW über den Vorfall berichtet.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Dass den Tätern ihr Vorhaben (das sie gegenüber ihren Opfern auf Arabisch ankündigten) nicht gelang, liegt nicht nur daran, dass zufällig ein Streifenwagen der Polizei vorbeifuhr, sondern auch, dass es am Tatort lediglich ein Kiesbeet gab. Diese Tatsache wird wahrscheinlich der Anwalt der Täter anführen, um eine Tötungsabsicht zu bestreiten. Allerdings finden sich auch in solchen Kiesbeeten regelmäßig größere und sehr harte Steine, die schwere Verletzungen hervorrufen können, wenn sie den Kopf treffen.

Eine der Transsexuellen, die sich heute Yasmine nennt, trug früher den Vornamen Jamal und versteht Arabisch. Ihre Partnerin Elisa hieß früher Gordon. Yasmine, die sich bereits 30 Jahre lang als Frau kleidet, sagte SAT1.NRW, sie habe es vor dem Angriff nicht für möglich gehalten, dass so etwas 2016 in Deutschland geschehen könne. Nun fühle sie sich das erste Mal nicht sicher. Die Täter sind für sie “Barbaren”. Nach dem Vorfall, der bereits letzte Woche geschah, installierten die beiden in ihrem Anwesen eine Überwachungskamera.

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Saudis bombardieren Krankenhaus und Marktplatz im Jemen

Sa’ada ist bereits weitgehend zerstört. Bild: OCHA/Philippe Kropf
Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition hat ein bevorzugtes Angriffsziel im völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Jemen: Krankenhäuser der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Gestern wurde zum wiederholten Male eine Einrichtung der französischen Organisation MSF im nördlichen Jemen bei Luftangriffen bombardiert, wie die Organisation berichtet.  

Von Florian Osrainik|TELEPOLIS

Die unter Beschuss genommene Station von MSF liegt im District Razeh in der Provinz Sa’ada. MSF schreibt von mindestens vier Toten und zehn Verletzten. Es handelt sich um den dritten Angriff in den letzten drei Monaten.

Bereits Anfang Dezember 2015 wurden mindestens drei Menschen bei einem Angriff der saudischen Luftwaffe auf ein MSF-Krankenhaus in der Provinz Ta’izz im Jemen getötet. Bei Luftschlägen im Oktober 2015, ebenfalls in der an Saudi-Arabien angrenzenden Provinz Sa’ada, wurden mehrere Menschen verletzt und die Einrichtung Hilfsorganisation zerstört. Dem saudischen Militär lagen die Koordinaten der MSF-Station damals vor.

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Reise nach Saudi-Arabien: CDU-Politiker attackieren Steinmeier

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Die Reisepläne von Frank-Walter Steinmeier empören Politiker von CDU und Opposition: Saudi-Arabien richte Menschen hin, und der Außenminister feiere mit dem Regime “lustige Feste” in der Wüste.

SpON

Führende Außenpolitiker der CDU kritisieren die Pläne von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) für einen Besuch in Saudi-Arabien. Im Februar plant er gemeinsam mit König Salman von Saudi-Arabien einen Besuch des Janadriyah-Kulturfestivals.

“Angesichts von Massenexekutionen halte ich die Teilnahme an einem Kulturfestival für unangebracht”, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, der “Welt am Sonntag”. Gleichzeitig sei der Dialog mit Riad unverzichtbar.

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Woher der saudische Fundamentalismus kommt

Die Große Moschee in Mekka. (Foto: REUTERS)
In Saudi-Arabien wird noch immer eine extreme Form des Islam gelehrt. Das liegt an den Machtverhältnissen zwischen Herrscherhaus und den religiösen Führern.

Von Markus C. Schulte von Drach|Süddeutsche.de

Fast 1,6 Milliarden Muslime gibt es auf der Welt, etwa 90 Prozent zählen sich zu den Sunniten, die meisten anderen sind Schiiten. Beide großen Gruppen spalten sich auf in weitere Rechtsschulen. Im Westen nehmen Nicht-Muslime die Unterschiede allerdings – wenn überhaupt – in der Regel nur wahr, wenn es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen innerhalb des Islam oder zu islamistischen Terroranschlägen kommt.

Da die Konflikte und Anschläge jeweils von Gläubigen mit extremen Überzeugungen ausgehen, ist es wichtig zu verstehen, wo diese herrühren. Im Falle der meisten islamistischen Terroristen etwa von al-Qaida oder der Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates orientieren sich die Täter an einer relativ neuen Richtung des sunnitischen Islam, die in Saudi-Arabien gewissermaßen Staatsreligion ist: Dem Wahhabismus beziehungsweise der Wahhabiya. Auch das schwierige Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und dem Iran hängt damit zusammen.

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Saudi-Arabien und Iran: “Es kann ein Konfessionskrieg entstehen”

Demonstranten in Teheran protestieren gegen Hinrichtungen in Saudi-Arabien. (picture alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)
Der Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien sei auch ein Machtkonflikt um die Vorherrschaft der beiden antagonistischen Regime – allerdings nicht ausschließlich, sagte der Islamwissenschaftler Peter Heine im Deutschlandfunk. Die Reaktion des Iran auf die Hinrichtungen wäre nicht so erbittert ausgefallen, wenn es nicht auch das religiöse Moment geben würde.

Peter Heine im Gespräch mit Benedikt Schulz|Deutschlandfunk

Peter Heine gilt als einer der profiliertesten deutschen Islamwissenschaftler. Er studierte unter anderem in Bagdad und war an den Universitäten Münster, Bonn und an der Humboldt-Universität zu Berlin Professor für Islamwissenschaft. Von 1996 bis 1998 war Heine Gründungsdirektor des Zentrums Moderner Orient und veröffentlichte zahlreiche Schriften unter anderem zu den Hintergründen islamistischen Terrors.

Benedikt Schulz: Die Hinrichtung von 47 Menschen in Saudi-Arabien hat weltweit Entsetzen ausgelöst und vor allem im Iran zu gewaltsamen Protesten geführt. Unter den Hingerichteten befand sich auch der schiitische Geistliche Nimr al-Nimr, ein Geistlicher, der gegen die Unterdrückung der Schiiten im sunnitisch geprägten Saudi-Arabien gekämpft hatte. Denn dort werden, so meint die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die Schiiten systematisch diskriminiert. Und gerade die Hinrichtung von Nimr al-Nimr hat im schiitisch dominierten Iran die Gemüter erhitzt. Im Spannungsfeld unterschiedlicher Strömungen des Islam droht also ein politischer Flächenbrand im Nahen Osten. Inwieweit hat das wirklich mit Religion zu tun? Ist das wirklich ein religiöser Konflikt? Wir versuchen uns an einer Einordnung.

  • Am Telefon ist Peter Heine, Islamwissenschaftler. Er war zuletzt an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Ich grüße Sie!

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Gabriel kündigt Prüfung von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien an

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Nach den Massenhinrichtungen in Saudi-Arabien mehren sich in Deutschland Forderungen nach einem Export-Stopp für deutsche Rüstungsgüter. Mahnende Stimmen kommen auch aus der Koalition. Wirtschaftsminister Gabriel will die Exporte prüfen.

evangelisch.de

Die Verschärfung des Konflikts zwischen Saudi-Arabien und dem Iran könnte Auswirkungen auf den Export deutscher Rüstungsgüter in die Region haben. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), dessen Haus für Genehmigungen zuständig ist, kündigte am Montag eine genaue Untersuchung an. “Wir müssen jetzt überprüfen, ob wir in Zukunft auch defensive Rüstungsgüter kritischer beurteilen müssen, die wir Saudi-Arabien bislang zur Landesverteidigung geliefert haben”, sagte er in Berlin. Opposition und Kirchen erneuerten indes ihre Forderung nach einem Stopp von Rüstungsexporten – auch solchen, die bereits genehmigt sind.

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Opposition fordert sofortigen Stopp deutscher Rüstungsexporte

© dpa Eine weibliche Demonstrantin hält ein Banner des hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr Baker al Nimr in der Hand. Er war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad.
Saudi-Arabien gilt der Bundesregierung als strategischer Partner im Nahen Osten. Riad erhält Rüstungslieferungen. Linkspartei und Grüne sagen: Damit muss angesichts der Hinrichtung von 48 Menschen endgültig Schluss sein.

Frankfurter Allgemeine

Nach der Hinrichtung von 47 Menschen in Saudi-Arabien haben Grüne und Linkspartei in Berlin am Sonntag den sofortigen Stopp aller deutschen Rüstungsexporte in das Land gefordert. Die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sagte der Zeitung „Die Welt“, es habe „absolut nichts“ mit einer wertebasierten Außenpolitik zu tun, „ein Land als strategischen Partner zu päppeln und mit schwersten Waffen aufzurüsten, das seine eigene Bevölkerung massenhaft hinrichtet, terrorisiert“ und ihr keinerlei bürgerliche Freiheitsrechte gewähre.

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Internationale Kritik an Hinrichtungen in Saudi-Arabien

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Die Massenhinrichtung von 47 politischen Gefangenen in Saudi-Arabien hat international Entsetzen und Protest ausgelöst. In das weltweite Entsetzen mischt sich die Sorge, dass sich Spannungen in der Region verschärfen.

evangelisch.de

Die Massenhinrichtung politischer Gefangener in Saudi-Arabien hat international Entsetzen ausgelöst. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte die Exekutionen des oppositionellen schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und weiterer 46 Menschen wegen des Vorwurfs des Terrorismus scharf und bezweifelte Fairness in dem Prozess. Zugleich mahnte er angesichts der Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in der Region zur Besonnenheit. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir forderte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Wochenende auf, “das unerträgliche Schweigen der Bundesregierung angesichts der Brutalität in Saudi-Arabien” zu beenden.

Nach den Hinrichtungen im sunnitisch dominierten Saudi-Arabien am Samstag hatten Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran die saudische Botschaft attackiert. UN-Generalsekretär Ban verurteilte die Gewalt. Die politischen Führer in der Region müssten zu einem Abbau der Spannungen beitragen.

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Hinrichtungen in Saudi-Arabien: Die Mutter aller Konflikte

Nach insgesamt 47 Exekutionen kam es an verschiedenen Orten -wie hier an der saudi-arabischen Botschaft in London- zu Protesten. Foto: rtr
Der alte Streit zwischen Saudi-Arabien und Iran droht wieder zu eskalieren. Der Westen muss das verhindern, und zwar mit allen Mitteln. Sonst wird er die Folgen auch selbst empfindlich spüren.

Von Markus Decker|Frankfurter Rundschau

Kaum hat das Jahr begonnen, ist der neueste Konflikt schon da. Dabei ist der Konflikt keineswegs neu. Er hat nur eine gesteigerte Sprengkraft. Ja, es handelt sich um die Mutter aller Konflikte des Mittleren Ostens. Sollte die Auseinandersetzung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran weiter eskalieren, sollte es gar zum offenen Krieg kommen – dann steht die Region endgültig in Flammen.

Es ist letztlich egal, wer den jüngsten Streit ausgelöst hat. Und natürlich ist es Saudi-Arabien mit seinen menschenverachtenden Hinrichtungen von 47 so genannten schiitischen „Terroristen“, auf die nicht allein der Iran mit Protesten reagiert. Denn in Wahrheit handelt es sich nur um den vorläufigen Schlusspunkt einer längeren Entwicklung. Die beiden Regionalmächte sind in praktisch alle Konflikte der Gegend verwickelt: im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen. Es handelt sich in Teilen um Stellvertreter-Kriege. Dabei sind sich Saudi-Arabien und der Iran ähnlicher, als beiden lieb ist. Beide streben nach Vorherrschaft gegen den anderen. Und beide haben Angst vor dem anderen. Das ergibt hier wie dort eine hübsche Paranoia.

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Exekution von schiitischem Geistlichen: Iraner drohen Saudi-Arabien mit Konsequenzen

Nimr al-Nimr (Photo: freenimr.org)
Nach der Hinrichtung eines schiitischen Klerikers droht Teheran mit Vergeltung: Saudi-Arabien werde dafür einen hohen Preis zahlen. In Deutschland gerät die Bundesregierung in die Kritik – wegen ihrer strategischen Partnerschaft mit Riad.
 

SpON

Die Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen und 46 weiterer Menschen an diesem Samstag in Saudi-Arabien hat weltweit Proteste hervorgerufen. Aus den schiitisch geprägten Ländern der Region wurden scharfe Drohungen gegen das Königreich und die sunnitische Herrscherfamilie Saud laut. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums bezichtigte Saudi-Arabien, selbst den Terror zu unterstützen. Für die Hinrichtung des schiitischen Klerikers Nimr al-Nimr werde das Regime einen hohen Preis bezahlen müssen.

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Soziologe Armin Nassehi: “Die Wildheit des Religiösen einhegen”

foto: hans günther kaufmann Integration, aber wie? Für Andockstellen sorgen, aber auch “starke ethnische Netzwerke, aus denen die Leute nicht rauskommen, übrigens vor allem Frauen, verhindern und aufbrechen”, sagt Armin Nassehi.
Soziologe Armin Nassehi über Religion als Desintegrationsressource, junge Männer, die auf blöde Ideen kommen, und Wertekurse für Flüchtlinge, die zwar gut gemeint, aber nicht genug sind für eine erfolgreiche Einwanderungspolitik.

Interview Lisa Nimmervoll|derStandard.at

STANDARD: Die Flüchtlingswelle ist jahreszeitbedingt vorerst etwas abgeebbt. Jetzt sind sie da, zigtausende, in Deutschland hunderttausende Flüchtlinge. Und jetzt? Irgendwann, nach der ersten Akuthilfe, muss es anfangen: das neue Leben, das aus Geflüchteten irgendwann neue Bürgerinnen und Bürger machen soll. Wie geht “Integration”?

Nassehi: Wir haben in fast allen europäischen Ländern Erfahrung mit Einwanderung, die nicht auf Dauer angelegt war. Bei der Arbeitsmigration in den 1950er-/ 60er-Jahren dachten wir auch, dass die Leute relativ bald wieder verschwinden, wenn wir sie nicht mehr brauchen. Interessanterweise gab es da niemanden, der sich um Integration Gedanken gemacht hat, und trotzdem kann man sagen, ist ein großer Teil, nicht alle, ganz gut in der Gesellschaft integriert.

STANDARD: Wie ist das gelungen?

Nassehi: Im Nachhinein betrachtet geht es fast immer nur darum, eine Lebensform zu finden, in der man genauso wie die Autochthonen, die Einheimischen, die Grundprobleme des Lebens lösen kann: einen Arbeitsplatz hat, Familie haben kann, die Kinder durchbringt, am Bildungssystem partizipieren und ein unaufgeregtes Leben führen kann. Das hört sich nicht wie ein großspuriges Integrationskonzept an, aber das heißt letztlich Integration in die Gesellschaft. Dass wir uns zu spät darum gekümmert haben, hat zumindest in Deutschland die Auswirkung, dass die Abkömmlinge dieser Migranten in der dritten Generation noch immer das höchste Bildungsarmutsrisiko haben. Galt in den 1950er-Jahren das sprichwörtliche katholische Mädchen vom Lande als höchste Risikogruppe, ist es jetzt der muslimische Junge in der Großstadt.

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Saudi-Arabien exekutiert 47 Häftlinge

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Die Todesstrafen wurden wegen Terrorismus und Anstiftung zur Gewalt vollstreckt. Unter den Hingerichteten ist eine zentrale Figur des Arabischen Frühlings.

Süddeutsche.de

Saudi-Arabien hat 47 Menschen wegen Terrordelikten hingerichtet. Unter anderem wurde der schiitische Geistliche Nimr Baker al-Nimr exekutiert, der 2011 einer der Anführer der Proteste der Schiiten im Osten des Königreichs gewesen war. Das teilte das Innenministerium mit und nannte die Hingerichteten “Kriminelle”.

In dem ultrakonservativen Königreich leben überwiegend sunnitische Muslime, vorherrschend ist die besonders strenge Glaubensform des Wahabismus. Das Land führt als sunnitische Regionalmacht einen Dauerkonflikt mit dem schiitisch geführten Iran.

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UNO-Beauftragter Bielefeldt: Probleme für Religionsfreiheit 2015

Der UN-Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt zeigt Probleme der Religionsfreiheit auf. AFP
In Sachen Religionsfreiheit war 2015 kein gutes Jahr. In einem Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) kommt der UNO-Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt zu diesem Resümee.

religion.ORF.at

In vielen Ländern der Erde beobachte er „massive Einbrüche“, was ein Grund zu großer Sorge sei, sagte der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Religionsfreiheit. Besonders schlimm sei die Lage im Nahen Osten, insbesondere in Syrien durch den „Islamischen Staat“ und in Saudi-Arabien.

Zahlreiche Länder mit Verschärfungen

Auch in Indien verschärfe sich die Situation unter der neuen hindu-nationalistischen Regierung, so Bielefeldt: „Es kommt teils zu massiven Restriktionen für die Minderheiten von Christen und Muslimen.“ In Myanmar wachse ebenfalls der Druck auf Minderheiten im Namen einer Nationalideologie, und zwar unter buddhistischem Vorzeichen. Und in Ägypten würden Anhänger des ehemaligen Präsidenten Mursi verfolgt.

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“Terroristen Reisen längst per Flugzeug”

Foto: Ute Schäfer Mehrmals im Jahr besucht der Islam-Experte und Orientalist Dr. Jürgen Wasella aus Aalen Länder des Nahen Ostens.
Spätestens seit den Anschlägen von Paris geht die Angst um in Europa. Das HT hat sich mit dem Islam-Experten Dr. Jürgen Wasella über die Bedrohung durch islamische Terroristen unterhalten.

Interview Mathias Bartels|Hohenloher Tagblatt

HOHENLOHER TAGBLATT: Haben Sie persönlich nach den Anschlägen von Paris Angst um die öffentliche Sicherheit in Deutschland?

DR. JÜRGEN WASELLA: Nicht mehr als vorher. Es ist doch längst bekannt, dass Hunderte von jungen und leicht zu manipulierenden Menschen nach Syrien und in den Irak gereist sind, um sich dem IS anzuschließen. Viele von ihnen sind inzwischen zurück, nachdem sie im Kampfgebiet das Töten gelernt haben. Wir haben in Deutschland bislang ganz viel Glück gehabt, dass viele Anschläge sehr unprofessionell geplant waren und rechtzeitig verhindert wurden. Was ich am meisten befürchte, sind Angriffe, wie wir sie zurzeit in Israel erleben: Fanatisierte Einzeltäter, die mit Messern oder sonstigen Waffen wahllos Unbeteiligte attackieren.

Die Dschihadisten sprechen vom “Heiligen Krieg”. Sehen Sie uns, den Westen oder Europa, im Krieg mit dem IS?

WASELLA: Ursula von der Leyen hat zu Recht darauf hingewiesen, dass dies kein Krieg gegen Staaten ist. Stattdessen haben wir es mit einer Situation der Auflösung eines ganzen Staatensystems im Nahen Osten, aber auch in Pakistan und Afghanistan zu tun. Erst dieser Verfall nachkolonialer Grenzen hat es möglich gemacht, dass Terrororganisationen wie al-Qaida und der IS in einem politischen und ideologischen Vakuum ideale Bedingungen für ihre Ausbreitung gefunden haben. Hinzu kommt, dass staatliche Akteure in der direkten Nachbarschaft den IS vor ihren eigenen ideologischen oder politischen Karren gespannt haben. Die Türkei unter Erdogan agiert hier sehr zweifelhaft. Die gefährlichste Brutstätte des islamischen Terrorismus ist schon seit Langem Saudi-Arabien. Der Westen ist tatsächlich in einem Konflikt, der mit den Auseinandersetzungen vergleichbar ist, die in den 30er- und 40er- Jahren geführt wurden. Der Dschihadismus und der Islamismus spielen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts die Rolle, die früher der Faschismus oder der Stalinismus für Europa gespielt haben.

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