Schlagwort-Archive: Saudi-Arabien

Saudi-Arabien: 60 Prozent der geplanten Ehen werden aufgrund “genetischer Inkompatibilität” abgebrochen

King Fahd Road in Riad. Bild: BroiadArrow/CC-BY-3.0

Seit 2004 ist ein vorehelicher Gen- und Gesundheitstest in der fundamentalistischen Monarchie verpflichtend


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Saudi-Arabien hat ein doppeltes Gesicht. Die autoritäre Monarchie mit einer extrem fundamentalistischen, patriarchalischen Religion, die archaische Verhaltensweisen vorschreibt und sanktioniert, rüstet gleichzeitig mit moderner Technik auf. Dass die Benutzung von Hightech aus dem Westen mit dem radikalen Islamismus harmoniert, führt auch der Islamische Staat vor, dessen Ideologie dem wahabitischen Islam Saudi-Arabiens gleicht.

In Saudi-Arabien wurden 2004 verpflichtende Gen- und Gesundheitstests vor der Heirat eingeführt. Jährlich nehmen an dem Programm “Gesunde Heirat” 270.000 bis 300.000 Menschen teil. 2014 trennten sich aufgrund festgestellter “genetischer Inkompatibilitäten” 165.000 heiratswillige Menschen nach Angaben von Medien. 60 Prozent der Teilnehmer trennen sich nach dem Test durchschnittlich von ihrem Heiratspartner, weil angeblich großes Risiko für Erbkrankheiten bei möglichen Kindern besteht.

weiterlesen

Abdullah-Zentrum-Wien: Rabbiner Rosen warnt Österreich vor Heuchelei

Bild: ntv/Schreenshot BB

Bild: ntv/Schreenshot BB

Während hinter den Kulissen im Bundeskanzleramt und Außenministerium um die Zukunft des saudi-finanzierten Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) gerungen wird, hat am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion in der neu eröffneten Österreich-Onlineredaktion der “Neuen Zürcher Zeitung” (nzz.at) ein prominentes Board-Mitglied Österreich diesbezüglich vor “Heuchelei” gewarnt. “Wenn die Regierung jetzt den Rückzug anordnet, sich aber gleichzeitig um den Verbleib der OPEC – und des saudisch finanzierten OPEC-Entwicklungsfonds – in Wien bemüht, wäre das ein Höchstmaß an Heuchelei”, sagte der Dialogbeauftragte des staatlichen Großrabbinats von Israel, Rabbi David Rosen (Jerusalem), bei der von nzz.at-Chefredakteur Michael Fleischhacker moderierten Diskussion.


kathweb

Rosen erntete in diesem Punkt keinen Widerspruch seiner Gesprächspartner, den KAICIID-Gegnern Schriftsteller Doron Rabinovici und Grünen-Politikerin Alev Korun. Der Rabbiner erinnerte an den diplomatischen Schutz Österreichs, der dem KAICIID gewährt wurde, aber ebenso der OPEC und dem OPEC-Entwicklungsfonds, dessen Projekte andernorts bereits mehrfach wegen ihrer wahabitischen Ausrichtung kritisiert worden waren.

Der aus Südafrika stammende Rabbiner betonte, dass für ihn der Dialog eine Lebensaufgabe sei. Rosen berichtete von einer Tagung im KAICIID vor wenigen Monaten in Wien. Die muslimischen Vertreter hätten sehr konservativen Strömungen angehört. Sei seien aus verschiedenen arabischen Staaten gekommen. “Fünf von ihnen haben noch nie in ihrem Leben einen Juden gesehen. Es war enorm wichtig, dass es zu dieser Kontaktaufnahme kam. Es ist eine Entwicklung, die über das KAICIID weiter gehen könnte.”

Kirchen: Dialog bringt mehr als Verweigerung

Sehr klar werde das besonders vom Vatikan, vom orthodoxen Ökumenischen Patriarchat und von der anglikanischen Staatskirche gesehen, sagte der südafrikanisch-israelische Dialogexperte: “Warum sind die drei Kirchen mit so hochrangigen Hierarchen im Board vertreten? Weil sie erkannt haben, dass man so mehr erreichen kann als durch Abwesenheit.” Zudem hätten die vergangenen Jahre klar gemacht, “dass das Zentrum eine bewundernswerte Arbeit leistet”.

weiterlesen

Al-Sisi plädiert für eine arabische Eingreiftruppe

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Die ägyptische Regierung sieht sich als Vorkämpferin gegen islamistische Bewegungen in der Region und versucht nun eine größere Koalition für ihre Variante des Anti-Terror-Kampfes zu gewinnen


Von Martin Hoffmann|TELEPOLIS

Nach den Luftschlägen der ägyptischen Luftwaffe in Libyen ging die ägyptische Regierung auch in die diplomatische Offensive. So sprach Ägyptens Präsident von der Notwendigkeit einer militärischen Intervention gegen Jihadisten in Libyen, und verwies dabei auch auf die Bedrohung, die diese für Europa darstellten. Danach präsentierte Ägyptens Außenminister Sameh Shoukry eine abgeschwächte Variante gegenüber den Vereinten Nationen.

Das ägyptische Ansinnen sieht vor, das 2011 gegen Libyen verhängte Waffenembargo aufzuheben und die Milizen der nach Tobruk geflohenen Regierung mit Waffen auszustatten. Gleichzeitig soll eine Seeblockade gegen die Fajr-Milizenkoalition verhängt werden, welche den Osten Libyens und die Hauptstadt Tripolis kontrolliert. Während des Besuchs des russischen Premiers Putin in Kairo Anfang Februar seien vonseiten ägyptischer Diplomaten bereits russische Waffenlieferungen an die Regierung in Tobruk eingefädelt worden, schreibt das Nachrichtenmagazin Al-Monitor.

Laut ägyptischer Regierung soll eine internationale Koalition zudem bereit sein, die HoR-Regierung in Tobruk gegebenenfalls mit Militärschlägen zu unterstützen, sollte diese das fordern. Nur wenige Beobachter gehen davon aus, dass der ägyptische Vorstoß Erfolg haben wird. Die meisten westlichen Regierungen stehen einer direkten Einmischung in den lybischen Machtkampf skeptisch gegenüber und plädieren für einen diplomatischen Annäherungsprozess zwischen den beiden Machtblöcken in Libyen (siehe Libyen: eine Regierung der nationalen Einheit soll es richten).

Eine Regierung der nationalen Einheit sei am besten imstande, die dschihadistischen Gruppen in Libyen zu bekämpfen, so lässt sich die Position der meisten westlichen Regierungen zusammenfassen – die UN vertritt über die UNSMIL diese Position, indem sie als Schirmherrin von Verhandlungen zwischen den beiden libyschen Regierungen in Marokko fungiert.

weiterlesen

Saudischer Blogger Raif Badawi: “Wirklich stolz auf ihn” – Ehefrau lobt Gabriels klare Worte

sigmar_gabrielSigmar Gabriel hat sich auf seiner Reise nach Saudi Arabien engagiert für den verurteilten Blogger Raif Badawi eingesetzt – die Ehefrau Badawis lobte den Vizekanzler jetzt für seine klaren Worte.


Von Tim Schulze|stern.de

Auf der Reise des deutschen Vizekanzlers Sigmar Gabriel nach Saudi-Arabien gab es viel zu bereden. Eigentlich führte der SPD-Chef und Wirtschaftsminister am vergangenen Wochenende eine 90-köpfige Delegation aus Wirtschaftsleuten an. Im Gepäck hatten die Deutschen Hochglanzbroschüren von heimischen Produkten wie Gasturbinen und Medizingeräte. Doch das war es nicht, was die deutsche Öffentlichkeit interessierte. Thema waren hier die Menschrechte in dem erzkonservativen Land und das brutale Urteil gegen den liberalen Bloggers Raif Badawi.

Sein Schicksal wühlt die Menschen im Westen auf. Der Blogger hatte die Gleichsetzung der Welt-Religionen gefordert, aus Sicht der saudischen Justiz eine Beleidigung des Islams. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis und tausend Peitschenhieben verurteilt. Bislang hat er 50 erhalten – im Moment ist der Vollzug der Strafe ausgesetzt. Es geht aber die Sorge um, dass es zu einem neuen Verfahren kommt, an dessen Ende das Urteil “Todesstrafe” lautet.

weiterlesen

Weihbischof Zekorn: Saudi-Arabien ist totalitaristisch wie Nordkorea

a736b-saudi-arabia-jpgMünsteraner Weihbischof schreibt auf Facebook: «Stabilitätsanker? Ich glaube, ich höre nicht richtig. Saudi-Arabien ist ein Hauptverursacher der Instabilität in der Region und auch in weiten Teilen Afrikas!»


kath.net

Scharfe Kritik an Saudi-Arabien äußert der Münsteraner katholische Weihbischof Stefan Zekorn. In dem Land herrschten «Zustände, die man im Hinblick auf Totalitarismus nur mit Nordkorea vergleichen kann», schrieb Zekorn am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. Auf keinen Fall dürfe man das Land als Stabilitätsanker im Nahen und Mittleren Osten ansehen, wie es so oft von Politikern zu hören sei, warnte der Bischof: «Stabilitätsanker? Ich glaube, ich höre nicht richtig. Saudi-Arabien ist ein Hauptverursacher der Instabilität in der Region und auch in weiten Teilen Afrikas!»

Unter anderem werde aus Saudi-Arabien die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) zu großen Teilen finanziert. Zudem, so Zekorn, hätten ihm Bischöfe aus afrikanischen Ländern berichtet, Riad nutze seinen immensen Reichtum, um in Ländern Afrikas einen radikalen Islam zu stärken.

weiterlesen

Union fordert deutsche Waffen für den Nahen Osten

Leopard 2A5 _3, Bild: BB

Leopard 2A5 _3, Bild: BB

Wirtschaftsminister Gabriel bricht zu einer viertägigen Reise in die Golfstaaten auf. Die Union fordert, Deutschland müsse den Nahen Osten unterstützen. Dazu gehörten auch Rüstungsexporte.


DIE WELT

Die Union hat das vorläufige Exportverbot von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für schwere Waffen an Saudi-Arabien scharf kritisiert. Deutschland müsse alles dafür tun, Riad und andere in der Region zu unterstützen, die das “Pulverfass” Naher und Mittlerer Osten stabilisieren könnten. “Dazu gehören, neben intensiven Wirtschaftsbeziehungen natürlich auch Rüstungsexporte”, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU).

Pfeiffer begleitet Gabriel, der am Samstagmorgen mit einer großen Wirtschaftsdelegation zu einer viertägigen Reise nach Riad, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar abreist. Auf Druck von SPD-Chef Gabriel war Mitte Januar im Bundessicherheitsrat, dem Gabriel, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und weitere Minister angehören, der Export tödlicher Waffen in das Königreich gestoppt worden.

weiterlesen

Ensaf Haidar: “Bitte lasst die Saudis meinen Mann nicht töten”

Kämpft um das Leben ihres in Saudi Arabien inhaftierten Mannes: Ensaf Haidar, hier auf einer Pressekonferenz in Kanada.© Cole Burston/EPA

Er wurde zu Peitschenhieben verurteilt. Doch nun droht dem saudischen Blogger Raif Badawi offenbar sogar die Todesstrafe. Seine Frau fleht in einer Nachricht an den stern die Welt um Hilfe an.  


stern.de

Dem zu tausend Peitschenhieben verurteilten saudiarabischen Bloggers Raef Badawi droht offenbar die Todesstrafe. Richter am Strafgericht des streng muslimischen Landes wollten den 31-Jährigen wegen Abfallens vom muslimischen Glauben anklagen, berichtet der “Independent” unter Berufung auf Badawis Ehefrau Ensaf Haidar.

Im Kontakt mit stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen bestätigt Haidar die drohende Todesstrafe: “Ja, es ist wahr, mehr Informationen haben wir aber nicht.” Badawis Ehefrau war mit ihren drei Kindern 2012 nach Kanada geflohen.

weiterlesen

Saudi-Arabien: 80 Milliarden Dollar für Waffen

US-Soldaten bilden saudische Marinekämpfer an einem Maschinengewehr aus. Foto: U.S. Marine Corps, Sgt. Rome M. Lazarus /gemeinfrei

In Abu Dhabi eröffnet morgen die International Defence Exhibition and Conference (IDEX), eine Schau modernster Waffen, in einer Region, die ziemlich nahe an Kriegs- und Krisengebieten ist und einem illustren Kreis kaufwilliger Kunden: Die vier größten “Defense Costumers” – der Begriff Waffen wird derzeit gar nicht mehr oder nur mehr mit seinem Lacküberzug “Verteidigung” genannt – aus der Region, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Katar, haben im vergangenen Jahr insgesamt 109 Milliarden Dollar ins Militärbudget gesteckt.


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Saudi-Arabien ist der regionale Primus unter den Verteidigungsausgaben: 80 Milliarden Dollar im Jahr 2014. Das ist eine Steigerung von 43 Prozent gegenüber 2012, weltweit beinahe einzigartig – wenn nicht die USA und China wären, informiert das Wall Street Journal. Ob darin die Ausgabe für den Bau einer beinahe 1000 Kilometer langen High-Tech-Mauer an der Grenze zum Irak enthalten ist, was eine echte Verteidigungsausgabe ist, ist nicht aufgeführt.

Trotz nachlassender Öleinnahmen wegen fallender Preise und fallender Nachfrage hält das Königreich auch innenpolitisch an seinem Maxime fest, dass außer exemplarisch rigorosem Umgang mit Oppositionellen Geld die beste Waffe ist, um sozialen Frieden zu gewährleisten.

weiterlesen

Dodo Gabriel: Menschenrechte für 110 Millionen € verscherbelt

sigmar_gabrielGeschütz-, Haubitzen- und Mörsermunition – die Bundesregierung hat Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien erlaubt. Wie der SPIEGEL berichtet, genehmigte Minister Sigmar Gabriel Anträge in Höhe von 110 Millionen Euro.


SpON

Die Bundesregierung erlaubt in großem Stil Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien. Allein im vergangenen Monat genehmigte das Haus von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Exportanträge in Höhe von 110 Millionen Euro – so viel wie seit vergangenem Sommer nicht mehr. Tatsächlich ausgeführt wurden seit Oktober 2014 sogar Waffen im Wert von 332 Millionen Euro. Darunter befinden sich neben Lenkflugkörpern und Ersatzteilen für Kampfflugzeuge auch “Teile für Geschützmunition, Haubitzenmunition, Mörsermunition”, heißt es in einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linkenfraktion.

weiterlesen

Religiöse Zensur und schwarze Nachrichtenlöcher

Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier

Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier

«Reporter ohne Grenzen» legen «Rangliste der Pressefreiheit» vor. Im Nahen Osten scheint vor allem der Islam in seinen streng konservativen oder radikalen Varianten ein Hindernis für die Pressefreiheit zu sein.


Von Joachim Heinz|kath.net

Raif Badawi ist mittlerweile auch in höchsten Kreisen kein Unbekannter mehr – auch wenn der Blogger seit mehr als zwei Jahren in seiner Heimat Saudi-Arabien im Gefängnis sitzt, . Am Dienstag sprach der britische Thronfolger Prinz Charles bei einem Treffen mit dem neuen saudischen König Salman den Fall an, der viele Menschen schon allein aufgrund der drakonischen Strafe bewegt, die für Badawi im Raum steht. Wegen Beleidigung des Islam wurde der Familienvater und Gründer des Portals «Die Saudischen Liberalen» zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt.

Badawi steht damit beispielhaft für einen beunruhigenden Trend, den die am Donnerstag vorgelegte «Rangliste der Pressefreiheit» von «Reporter ohne Grenzen» dokumentiert. Dafür wertete die Organisation Daten aus 180 Staaten und Regionen im Zeitraum von Oktober 2013 bis Oktober 2014 aus. Demnach greift die religiöse Zensur um sich: Immer mehr Länder nutzten Verbote von Gotteslästerung, um gegen unliebsame Berichterstatter vorzugehen. Neben Saudi-Arabien gehören dazu auch Iran oder Kuwait.

weiterlesen

Österreichs Frauenministerin fordert gendergerechte Steinigungen

Gabriele Heinisch-Hosek (2008), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0

Im ideologischen Gender-Dschungel verirrt, hat sich Österreichs sozialistische Frauenministerin. Gabriele Heinisch-Hosek sorgt mit einem Bericht ihres Ministeriums für Kopfschütteln. Die SPÖ-Ministerin und oberste Frauenvertreterin der Alpenrepublik beklagt darin eine Diskriminierung von Frauen bei Steinigungen.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Grund des ministerialen Unmuts ist der Umstand, daß Männer bei Steinigungen nur bis zur Hüfte, Frauen aber bis zu den Schultern eingegraben werden.

Wörtlich wird im Bericht „Tradition und Gewalt an Frauen“ des Ministeriums beklagt: „Schließlich weist auch die Durchführung der Steinigung selbst eindeutig Nachteile für Frauen auf, weil Männer nur bis zur Hüfte, Frauen hingegen bis zu den Schultern eingegraben werden.“

Denn, so die Broschüre, die informiert, daß Steinigungen zum Beispiel in Saudi-Arabien, im Jemen, im Sudan, in Nigeria, in Afghanistan und im Iran praktiziert werden: „Dies ist bedeutend, weil im Falle des ‚Sich- Befreiens‘ der (oder des) Verurteilten eine Begnadigung durchgesetzt werden kann. Dies ist bei Männern somit weitaus wahrscheinlicher“.

Allerdings, so das Ministerium, seien „zu diesem Thema“ Register bzw. statistisches Material „genauso schwer auffindbar, wie wissenschaftliche Auseinandersetzungen“.

weiterlesen

Muslimischer Religionspädagoge: “Islam ist, was wir draus machen”

Gebet-islamLässt sich Gewalt im Namen Gottes rechtfertigen? Was hat Terrorismus mit dem Islam zu tun? Ednan Aslan, Professor für Religionspädagogik, fordert: Muslime müssen ihren Glauben neu interpretieren.


Von Hasnain Kazim|SpON

Die Karikaturisten der französischen Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” wurden von Attentätern im Namen des Islam ermordet. Die Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS) tötet Geiseln im Namen der Religion. Dutzende Gruppen, von den Taliban über das Netzwerk al-Qaida bis zu kleinen Einheiten von Dschihadisten in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten bis nach Ostasien, kämpfen für eine Verbreitung ihrer extremistischen Vorstellung vom Islam.

Die meisten Opfer von islamistischem Terror sind Muslime, die meisten Muslime sind schockiert von den Gewalttaten. Aber eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Terror findet nur in geringem Maß statt.

Vielmehr wischen viele Muslime die Probleme mit dem Hinweis beiseite, der Islam sei eine Religion des Friedens und die Terroristen seien keine Muslime – ein Fehler, wie Ednan Aslan findet. Lesen Sie hier das Interview mit dem Wiener Professor für islamische Religionspädagogik:

weiterlesen

Weniger Rüstungsexporte unter Gabriel

sigmar_gabriel

Unter Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) haben die Genehmigungen für Rüstungsexporte nach einem Zeitungsbericht deutlich abgenommen.


evangelisch.de

Im vergangenen Jahr seien sogenannte Einzelausfuhrgenehmigungen im Wert von 3,97 Milliarden Euro erteilt worden – nach 5,85 Milliarden im Jahr 2013, berichtet die “Süddeutsche Zeitung” (Montag). Seit 2008 hätten die Werte stets zwischen 4,7 und 5,9 Milliarden gelegen. Die Zeitung beruft sich auf Antworten des für Rüstungsexporte zuständigen Wirtschaftsministeriums auf Fragen der Linksfraktion.

weiterlesen

Saudi-Arabien: Papp-König mit echten Händen

Saudi-Arabiens neuer König Salman bin Abdulasis. Foto: AFP

Saudi-Arabiens neuer König Salman hat seit der Amtsübernahme alle Hände voll zu tun hat. Damit ihm seine Untertanen trotzdem zur Amtsübernahme gratulieren können, haben sich die Saudis etwas ganz Besonderes einfallen lassen.


Berliner Zeitung

Saudi-Arabiens neuer König Salman bin Abdulasis ist ein geschäftiger Mann. Damit trotzdem jeder seiner Untertanen zur Amtsübernehme gratulieren kann, haben die Saudis einfach Pappfiguren mit dem Konterfei des Königs und seiner Führungsriege aufstellen lassen. Immerhin: Die zu schüttelnden Hände sind echt. Hinter den Papp-Figuren sitzen Hand-Doubles.

Deutschland liefert Saudi-Arabien Militärgüter – Menschenrechte? Müll

Der saudi-arabische König Salman bin Abdulaziz, zugleich oberster Befehlshaber des Militärs, kann sich über neue Waffenlieferungen aus Deutschland freuen Foto: picture alliance / dpa

Nach dem Tod von König Abdullah hatte die Bundesregierung alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien vorerst gestoppt. Nun hat der Bundessicherheitsrat Lieferungen von Militärgütern genehmigt.


Von Martin Greive|DIE WELT

Deutschland liefert wieder Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien. Der Bundessicherheitsrat hat in seiner letzten Sitzung vor zwei Wochen drei Waffen-nicht scharfen Militärgütern in das Königreich genehmigt. Dies geht aus einem vertraulichen Schreiben von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages hervor, das der “Welt” vorliegt.

Demnach erhält Saudi-Arabien für ein Übungsgelände “Zieldarstellungsgeräte für Infanteriewaffen inklusive Zubehör” und vier Schießsimulationssysteme des Typs Gladio. Außerdem verlängerte der Bundessicherheitsrat eine bereits 2012 erteilte Genehmigung über Radare, optronische Ausrüstung, Software und Technologie zur Verwendung des Grenzsicherungssystems. Die “wertmäßig begrenzte Ausrüstung” soll der Sicherung von insgesamt 6125 Kilometer Land- und Seegrenze dienen.

weiterlesen

Saudi-Arabien: Freche Kinder des Gottesstaates

Foto: Eglau Katharina Satire als Programm: Die beiden Macher von UTurn, Finanzchef Ibrahim Abushaar (links) und Kreativ-Chef Emad Eskander.

Saudi-Arabien ist ein streng islamisches Land. Kritik an Königshaus und Religion werden hart geahndet. Jungen Komikern, die ihr Programm über Youtube verbreiten, lässt der Staat aber weitgehend freie Hand.


Von Martin Gehlen|SüdWest Presse

„Jeder Witz ist eine kleine Revolution“, schrieb einst George Orwell. Menschen machen sich Luft wegen Lebenszwängen, verspotten, was sie nervt und fordern die Mächtigen heraus – mit Ulk und Ironie, mit Parodie, Sarkasmus oder schwarzem Humor. Und ausgerechnet Saudi-Arabien, das stets daherkommt als puritanische und spaßfreie Heimat des Propheten Mohammed, quillt über vor Komiker-Talenten, die dank des Videoportals Youtube inzwischen in der ganzen arabischen Welt eine multimillionenfache Fangemeinde haben.

weiterlesen

Saudi-Arabien: Dissidenz in den Köpfen

U.S. Army Gen. Martin E. Dempsey mit dem neuen König Salman bin Abdulaziz Al Saud; Bild: Pentagon; gemeinfrei

Wie lange wird das Königreich den sozialen Frieden noch kaufen können?


Von Bernard Schmid|TELEPOLIS

Saudi-Arabiens Politik ist in der Region regelmäßig ein Zankapfel und besonders in jüngster Zeit umstritten (Die bösen Guten?): Seit Ende 2014 ist es erklärte Politik des Königreichs, den Ölpreis auf ein Niveau absinken zu lassen, das geopolitischen Rivalen des Golfstaats und/oder Konkurrenten der USA – Russland, Venezuela, Iran -, aber auch anderen Ölförderstaaten Schaden zufügt.

Das dahinter stehende Kalkül, das auch ganz offen ausgesprochen wird, lautet: Wir verlieren zwar wie andere Ölförderstaat durch einen Preis, der bis auf 20 Dollar pro Fass absinken könnte – gewinnen aber dadurch Marktanteile, indem wir Konkurrenten abtöten oder an die Wand drücken, deren Ölförderung wirtschaftlich unrentabel wird.

Zugleich wird geopolitischen Kontrahenten Schaden zugefügt. Ein wahrer Kalter Krieg ist entbrannt, in welchem die Golfmonarchie und ein Teil des US-Establishments (minus jene Sektoren, die in Ölschieferförderung und ähnliche relativ kostspielige Unternehmungen investiert haben) auf der einen Seite und Staaten wie Venezuela, Algerien und Iran auf der anderen Seite stehen.

Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, wie riskant dieses Vorgehen auch für das Saudi-System selbst ist. So sollen dem Königreich für das Jahr 2015, je nach Angaben, dreißig respektive vierzig Milliarden Dollar zur Haushaltsdeckung fehlen; das Königreich selbst hat für das Budget 2015 einen Deckungslücke von 38,6 Milliarden Dollar vorausberechnet. Im abgelaufenen Jahr 2014 betrug sie vierzehn Milliarden Dollar.

weiterlesen

Ehefrau des Bloggers Raif Badawi: “Deutschland ist ein in Saudi-Arabien sehr respektiertes Land”

Ensaf Haidar (r.) kämpft für die Freiheit ihres Mannes. Wie hier bei einer Kundgebung in Montreal. – Foto: PA/Canadian Press/Ryan Remiorz

Im Interview erzählt die Ehefrau des in Saudi-Arabien eingesperrten Bloggers Raif Badawi vom Leben mit ihren Kindern im kanadischen Exil. Ensaf Haidar wendet sich direkt an die deutsche Bundesregierung. Diese habe die Mittel, sich für ihren Mann einzusetzen.


Von Mohamed Amjahid|DER TAGESSPIEGEL

Ensaf Haidar dankt Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier für ihr Engagement in Sachen Raif Badawi. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel und der Wochenzeitung die ZEIT betont die Frau des saudischen Bloggers, dass ihr dieser Dank sehr am Herzen liege. Die Bundesregierung erklärte, dass sie sich für den saudischen Blogger “auf allen Ebenen” einsetze. Deutschland sei ein starkes Land, es könne Druck auf Saudi-Arabien ausüben, so Haidar.

Im Interview erzählt Haidar über ihr Leben im kanadischen Exil, ihre Kinder seien von der Flucht traumatisiert, sie erzählt über den Kontakt zu ihrem Mann ins Gefängnis und die Beziehung zu seiner konservativ geprägten Familie.

weiterlesen

Steinberg: “Es gibt keine Alternative zur saudischen Herrscherfamilie”

Bild: ntv/Schreenshot BB

Bild: ntv/Schreenshot BB

Saudi-Arabien gehört zu den autoritärsten Staaten weltweit – und wird dennoch vom Westen umschmeichelt. Warum das so ist, erklärt der Nahost-Experte Guido Steinberg im DW-Interview.


Von Dennis Stute|DW

DW: US-Präsident Barack Obama, Russlands Premier Dmitri Medwedew und viele weitere Staats- und Regierungschefs – die Liste der Trauergäste nach dem Tod des saudischen Königs Abdullah las sich wie ein Who is Who der Weltpolitik. Warum ist Saudi-Arabien so wichtig?

Guido Steinberg: Der mit Abstand wichtigste Punkt ist der Ölreichtum von rund einem Viertel der weltweiten Reserven. Dieses billig zu fördernde Öl wird wichtiger werden, egal, wie sich die Ölmärkte in den nächsten Jahren entwickeln. Es wird zwar nur noch in geringen Mengen in die USA und nach Europa exportiert, und vor allem nach Ostasien, aber es ist für die Märkte insgesamt wichtig. Wenn Saudi-Arabien – wie etwa Syrien – instabil würde und auch nur Teile der Ölexporte ausfielen, hätte das negative Folgen für die Weltwirtschaft.

weiterlesen

Demo für Badawi: “Es ist wichtig, dass wir das durchziehen”

Foto: Anne Kampf/evangelisch.de Demo gegen die Prügelstrafe für den Blogger Raif Badawi vor dem saudi-arabischen Konsulat in Frankfurt am Main

Plötzlich ist alles anders: Die Strafe für den saudi-arabischen Blogger Raif Badawi ist angeblich ausgesetzt. Außerdem ist der König gestorben, auch das könnte die Lage für den von Folter bedrohten Mann ändern. Doch fast 30 Demonstranten in Frankfurt am Main lassen sich nicht beirren: Sie denken darüber nach, was es heißen würde, einen Peitschenhieb für Badawi zu übernehmen. Und sie fordern Freiheit – nicht nur für Raif.


Von Anne Kampf|evangelisch.de

Stapelweise haben sie große, unscharfe Fotos von Raif Badawi mitgebracht, hochkant und quer, mit Spruch und ohne. Dazu ein paar dünne Latten und Klebeband. Bei dem starken Wind vor dem Frankfurter Messeturm kann man allerdings schlecht Plakate basteln. Also geht die kleine Gruppe, die sich hier zum Demonstrieren eingefunden hat, in den Rolltreppen-Eingang seitlich am Messeturm – da ist es warm und windstill. Sie schütteln sich die Hände, stellen einander vor.

Aus Gießen, Bayreuth, Mainz, Frankfurt, Waiblingen und Tübingen sind sie angereist, um dem Generalkonsul des Königreichs Saudi-Arabien in Frankfurt am Main einen Brief zu bringen. Darin fordern sie die Freilassung des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi. Zu 1.000 Peitschenhieben – Amnesty International spricht von Stockschlägen – und zehn Jahren Haft ist der islamkritische und freiheitsliebende Blogger verurteilt worden. 50 Hiebe hat er schon bekommen.

“Schlagt uns statt Raif” steht in dem Brief und auf den schnell gebastelten Plakaten. Die Aktion ist eine Idee des FPD-Politikers Albert Duin aus Bayern, die sein Parteikollege Christopher Gohl aus Tübingen übernommen und auf Facebook verbreitet hat: Wenn sich 950 Menschen finden, um je einen Hieb zu übernehmen, kann Raif Badawi leben. Soweit die Idee. Ist das ernst gemeint? Für Julia Goll aus Waiblingen, Richterin am Landgericht Stuttgart, schon. “Ich denke, einen Schlag überlebt man”, sagt die Demonstrantin tapfer. Wie sich so ein Schlag wohl anfühlt – ob mit Peitsche oder Stock? “Ich habe dazu keine Vorstellung. Ich kann es mir nicht vorstellen, ich bin als Kind nie verhauen worden.” Auf jeden Fall sei das eine Strafe, die allem Menschlichen widerspreche, findet Julia Goll. “Jeder sollte aufstehen und seinen Mund dazu aufmachen. Man darf nicht wegschauen.”

weiterlesen