AfD: Spende von Kardinal Marx ist ein Unding

Themenbild. dpa
Neue Attacke der AfD auf die Kirche: Die Bundestagsfraktion der Partei hat am Mittwoch mit scharfen Worten die 50.000-Euro-Spende von Kardinal Marx für das deutsche Rettungsschiff „Lifeline“ kritisiert.

katholisch.de

Die AfD-Bundestagsfraktion hat die Unterstützung für die Seenotrettungsmission des deutschen Schiffs „Lifeline“ im Mittelmeer durch den Münchner Kardinal Reinhard Marx scharf kritisiert. „Es ist ein Unding, dass Kardinal Marx das private Rettungsschiff ‚Lifeline‘ mit Mitteln aus der Kirchensteuer unterstützt. Denn die Arbeit von ‚Lifeline‘ ist nur scheinbar christlich“, sagte der kirchenpolitische Sprecher der Fraktion, Volker Münz, am Mittwoch in Berlin.

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Dodo Müller: Keine Sanktionen gegen McCarrick bekannt

Gerhard L. Müller links im Bild
Die Vorwürfe von Ex-Nuntius Carlo Maria Vigano wiegen schwer: Als Papst soll Benedikt XVI. Sanktionen gegen Kardinal Theodore McCarrick verhängt haben – wegen Missbrauchsvorwürfen. Franziskus habe diese dann wieder gelockert. Aber stimmt das? Nun äußert sich Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

katholisch.de

Als Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation von 2012 bis 2017 waren Kardinal Gerhard Ludwig Müller nach eigener Aussage keinerlei Sanktionen gegen US-Kardinal Theodore McCarrick (88) bekannt. „In der Kongregation wussten wir, wusste ich nichts von irgendwelchen Maßnahmen gegen ihn“, sagte Müller in einem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des katholischen TV-Senders EWTN in Washington.

„Privat hörte man schon mal, er sei ‚zu liberal‘, aber was heißt das schon“, ergänzte der deutsche Kardinal über McCarrick.

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Medienbericht: Müller bestätigt, dass Papst Untersuchungen stoppte

Gerhard L. Müller links im Bild
LifeSiteNews“ erhielt von Kardinal Müller ein „Ja“ auf die Frage, ob Papst Franziskus tatsächlich Untersuchungen gegen den missbrauchsverdächtigen Kardinal Murphy-O’Connor vorzeitig gestoppt habe – O’Connor wird zu den Papstwählern gezählt

kath.net

„LifeSiteNews“ erhielt vom früheren Präfekten der Glaubenskongregation, Gerhard Kardinal Müller, ein „Ja“ auf die Frage, ob Papst Franziskus tatsächlich die Untersuchungen gegen Kardinal Cormac Murphy-O’Connor wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch eher vorzeitig gestoppt als erfüllt habe. Der britische Kardinal, der 2017 verstorben ist, war mit Vorwürfen einer Frau konfrontiert gewesen, sie in den 1960ern im Alter von etwa 13 Jahren sexuell missbrauchst zu haben. Müller, der als Präfekt der Glaubenskongregation direkt mit dem Fall beschäftigt gewesen sein dürfte, sagte gegenüber „LifeSiteNews“ weiter, dass er „an das Päpstliche Geheimnis gebunden“ sei, aber erläuterte gleichzeitig, dass es für solche „Untersuchungen der Zustimmung des Papstes“ bedürfe.

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Dodo Lütz: Leider spektakulär misslungen!

Wer über Verhältnisse in der katholischen Kirche wissenschaftlich arbeitet, muss besonders darauf achten, nur als wissenschaftliche Ergebnisse auszugeben, was sich mit Daten seriös belegen lässt. Das ist in der MHG-Studie leider spektakulär misslungen

Manfred Lütz | kath.net

Offensichtlich ist man der Versuchung erlegen, eine Studie mit schwacher Datenbasis dadurch öffentlich zu platzieren, dass man – ohne Datenbasis – die üblichen kirchenkritischen Themen raunend oder dezidiert anspricht, was sofort für öffentliche Aufmerksamkeit sorgt. Darüber hinaus hat man dann noch über eine für wissenschaftliche Veröffentlichungen absurde Geheimhaltungsstrategie das öffentliche Interesse zum Sieden gebracht – und den verständlichen journalistischen Ehrgeiz geweckt, das Geheimnis zu lüften. So ist nun eine Studie, die kaum einer kennt, in aller Munde.

Wer die ganze Studie dann liest, ist befremdet vom unwissenschaftlichen Stil weiter Passagen, von feuilletonistischen und anekdotischen Bemerkungen und vom fast vollständigen Mangel an wissenschaftlich-kritischer Diskussion der Ergebnisse.

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Schulz wirft Gauland faschistische Rhetorik vor

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz wirft AfD-Fraktionschef Alexander Gauland eine faschistische Rhetorik vor.

evangelisch.de

Die Reduzierung komplexer politischer Sachverhalte auf ein einziges Thema, in der Regel bezogen auf eine Minderheit im Land, sei ein „Mittel des Faschismus“, sagte er bei einer Intervention nach einer Ansprache Gaulands am Mittwoch im Bundestag. „Eine ähnliche Diktion hat es in diesem Hause schon einmal gegeben.“

Es sei Zeit, dass die Demokraten in diesem Lande sich gegen diese Art der rhetorischen Aufrüstung wehrten, die am Ende zu einer Enthemmung führe, deren Resultat Gewalttaten auf den Straßen sei. „Es ist Zeit, dass die Demokratie sich gegen diese Leute wehrt“, mahnte der ehemalige Kanzlerkandidat Schulz.

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Ist Seehofer „eigentlich schon weg“?

Bild: TP
Markus Söder könnte am 14. Oktober nicht nur ein gutes, sondern auch ein schlechtes CSU-Wahlergebnis für sich nutzen

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Normalerweise ist für einen Politiker ein gutes Wahlergebnis seiner Partei von Vorteil – und ein schlechtes von Nachteil. Schafft er es jedoch, die Schuld für ein schlechtes Ergebnis einem Rivalen in die Schuhe zu schieben und diesen damit auszuschalten, dann befindet er sich in einer Situation, in der er so und so der Gewinner ist. In die könnte sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder manövrieren, wenn es ihm gelingt, seine Partei und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass nicht er, sondern der Parteivorsitzende Horst Seehofer die Verantwortung dafür trägt, wenn die CSU bei der Landtagswahl am 14. Oktober dort landet, wo sie in Umfragen aktuell gemessen wird.

Bei GMS sind das dem Ergebnis der gestern veröffentlichten Sonntagsfrage für SAT.1 nach 36 Prozent, beim für die Augsburger Allgemeine tätigen Civey-Institut sogar nur 35,8. Das wären 11,9 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Landtagswahl 2013 und noch einmal 2,7 Punkte weniger als bei der Bundestagswahl im letzten Jahr.

Einen Teil der Schuld daran dürfte tatsächlich Seehofer tragen: Trotz des historisch schlechten Bundestagswahlergebnisses ging er erneut eine Koalition mit der SPD ein, anstatt auf Neuwahlen unter einer anderen CDU-Kanzlerkandidatin als Merkel zu bestehen. Und ein mit ihr öffentlich ausgetragenes Gefecht um eine Rücknahme der mündlichen Anweisung seines Vorgängers Thomas de Maizière, an den Grenzen nicht mehr den Dublin-Vorschriften und dem Artikel 16a des Grundgesetzes gemäß zurückzuweisen, endete mit einem Kompromiss, der praktisch nur für so wenige Personen greift, dass sich viele Wähler gefoppt vorkommen.

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Seehofer erinnert an einen Feuerwehrmann, der Brände mit Benzin löscht

Die CSU verbrennt ihre absolute Mehrheit in einem Feuer, das sie selbst mitgeschürt hat. Schuld daran ist vor allem der Parteichef.

Von Heribert Prantl | Süddeutsche Zeitung

350 Führungskräfte der deutschen Feuerwehren treffen sich in der kommenden Woche in Berlin. „Retten – Löschen – Bergen“ heißt das Motto der Tagung, die sich unter anderem mit der Waldbrandgefahr in Deutschland und in Europa beschäftigt. Weil Horst Seehofer beim „13. Berliner Abend der Feuerwehren“ am Mittwoch die Festrede hält, liegt es nahe, das Thema, also die Waldbrandgefahr, und das Motto, also das Retten, Löschen und Bergen, ins Politische zu übertragen. In Bayern beginnt nämlich jetzt die heiße Phase des Landtagswahlkampfs – mit einer „Wahlarena“ der Spitzenvertreter der Parteien im Fernsehen und mit dem CSU-Parteitag am nächsten Samstag.

Die Lage war noch nie so ernst

Die CSU steht vor der vielleicht größten Niederlage ihrer Geschichte; die Umfragedaten sind schlecht bis desaströs, dafür steht die AfD, die mit den Grünen um Platz 2 konkurriert, ziemlich gut da. Zur CSU, die jahrzehntelang die Partei der absoluten Mehrheit war, fällt einem da der Satz ein, den Konrad Adenauer, der erste Kanzler der Republik, gern gebraucht hat: „Die Lage war noch nie so ernst“.

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Dodo Gloria: „Die Homoehe ist ein Angriff auf die klassische Familie“

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist bekannt für ihre teils erzkonservativen Thesen – und dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das tat sie jetzt auch bei einer CSU-Veranstaltung in Regensburg nicht. Bei einem Thema gab es allerdings Gegenwind aus dem Publikum.

Von Hanna Gibbs | onetz.de

„Das Kreuz als Symbol christlicher Kultur. Christliche Werte in Gesellschaft und Politik“ lautete der Titel der Podiumsdiskussion im Prüfeninger Schlossgarten, an der neben der Fürstin auch Prälat Wilhelm Imkamp, CSU-Landtagsabgeordneter Franz Rieger und CSU-Stadtrat Armin Gugau als Moderator teilnahmen.

Ausgangspunkt war der Kreuzerlass von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Dass in allen Eingangsbereichen bayerischer Dienstgebäude ein Kreuz hängen soll, lobten die Podiumsteilnehmer.

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Dodo Marx: Nationalismus ist nicht katholisch

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Kardinal Reinhard Marx hat im Zeichen der Oppositionsbewegung Solidarnosc aus den 1980er Jahren die polnische Stadt Danzig besucht. Im Interview zieht er eine Bilanz über Europa, Demokratie und Freiheit.

Leticia Witte, Bartosz Dudek | katholisch.de

Frage: Kardinal Marx, was kann Europa heute von der Solidarnosc-Bewegung lernen?

Marx: Zuerst einmal ist da der Glaube, dass wir etwas bewegen können. Dass die Dinge, wie sie sind, nicht einfach so bleiben müssen. Das finde ich natürlich in einer Situation wie damals 1980 sehr mutig. Wir leben ja in anderen Zeiten, aber auch bei uns in einer Demokratie ist manchmal die Überzeugung da: Was kann man schon machen? Da kann man von diesen Personen, die noch vor viel größeren Schwierigkeiten standen, lernen. Es kann etwas Neues in Gang kommen, und das finde ich sehr schön. Wir haben eine Erinnerung an die Kostbarkeit der Freiheit, die wir nicht als selbstverständlich ansehen dürfen. Die Demokratie könnte ja auch eine Episode in der Geschichte der Menschheit sein. Es ist immer wieder nötig, für die Freiheit des Einzelnen, für Minderheiten, für den Respekt einzutreten und für das, was notwendig ist, damit eine Demokratie, eine freie und offene Gesellschaft verlässlich leben kann. Es ist eine Art „Gesamtkunstwerk“, für das ständig gearbeitet werden muss. Und wenn man nachlässt, merkt man es gleich. Dann werden Gefährdungen auf einmal deutlich.

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Seehofer trifft Zentralrat der Muslime

Es war sozusagen der Auftakt von Seehofers „Religions-Sprechstunden“: Der Bundesinnenminister hat am Donnerstag den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime zu einem Gespräch getroffen. Hintergrund ist, dass der Seehofer die Debatte über Religion in Deutschland wieder aufnehmen möchte.

DOMRADIO.DE

Mehr als eine Stunde lang haben Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman A. Mazyek, am Donnerstag miteinander gesprochen.

Das Treffen stand im Zeichen der Gespräche mit allen „relevanten religiösen Gemeinschaften“ Deutschlands, zu denen Seehofer, der als Innenminister auch für die Religionsgemeinschaften in Deutschland zuständig ist, eingeladen hatte.

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Bund stellt Förderung von Ditib-Projekten ein

Innenansicht der DITIB-Merkez-Moschee im Stadtteil Marxloh: Der Moscheeverband erhält vom Bund keine Steuergelder mehr Quelle: pa/blickwinkel/S/S. Ziese
Kinder, die in Uniformen Kriegsszenen nachspielen, Imame die Informationen über Gülen-Anhänger sammeln: Der Moscheeverband Ditib geriet zuletzt immer wieder in die Kritik. Nun reagiert die Bundesregierung.

DIE WELT

Die Bundesregierung fördert aktuell keine Projekte mehr, die in der Trägerschaft des umstrittenen türkischen Moscheeverbands Ditib liegen. Es „wurde die Ditib betreffende Förderpraxis überprüft“, teilte ein Sprecher des Innenministeriums in Berlin mit. „Seit 2017 wurden keine neuen Anträge auf Förderung von Projekten in alleiniger Trägerschaft der Ditib vom Bund bewilligt.“

Der Moscheeverband mit Sitz in Köln untersteht der Aufsicht des Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet) in Ankara. Die Ditib war zuletzt unter anderem in die Kritik geraten, weil Kinder in einigen Ditib-Gemeinden in Uniformen und mit türkischen Fahnen Kriegsszenen nachspielen sollten. Außerdem waren einige Imame einer Aufforderung der türkischen Generalkonsulate nachgekommen, Informationen über Anhänger der Bewegung des in den USA lebenden türkischen Predigers Fethullah Gülen zu sammeln.

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Auch der Ramadan gehört zum Brauchtum in unserem Land

„Religionspolitik darf nicht für identitäts- oder integrationspolitische Anliegen instrumentalisiert werden“, antwortet Volker Beck Innenminister Horst Seehofer Quelle: Michael Kappeler/dpa, Michele Tantussi/Getty Images
Innenminister Seehofer beklagte in einem WELT-Beitrag den Bedeutungsverlust des Christentums. Der Grüne Volker Beck erwidert, Religionspolitik müsse allen die gleiche Freiheit gewährleisten: Säkularen wie Anhängern anderer Glaubensgemeinschaften.

Von Volker Beck | DIE WELT

Der Innenminister will mit uns über Religion reden, schrieb er in WELT. Die gute Nachricht: Der Religionsminister hat damit sein Amt angetreten, die schlechte: eine religionspolitische Agenda ist in seinem Beitrag leider nicht zu erkennen.

Stattdessen wird eine melancholische Betrachtung des Bedeutungsverlustes der eigenen, christlichen Tradition geboten. Vom Böckenförde-Diktum bis zur katholischen Soziallehre, da hat einer seinen Zettelkasten umgedreht und bestätigt sich, dass er eigentlich recht hat, merkt aber selbst, dass er immer seltener recht bekommt.

Dass christliche Politiker im öffentlichen Diskurs ihren Glauben bekennen, öffentlich darüber reden, wie sie aus den Werten des Christentums ihr politisches Handeln ableiten, und das zur Diskussion stellen, muss nichts Schlechtes sein. Die Aufgabe des Innenministers, der für Religionspolitik zuständig ist, ist allerdings eine größere: Er sollte den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen Gläubigen der verschiedenen Richtungen und Säkularen diskursiv wie politisch mit organisieren. Und da gilt: mehr Religionspolitik wagen!

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Bayerischer Kreuzerlass für Handel kein Segen

Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident (CSU), hängt ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf. dpa Peter Kneffel
Die Kreuzpflicht für Staatsbehörden hat dem bayerischen Ministerpräsidenten Söder viel Schelte eingebracht – sogar von der katholischen Kirche. Haben wenigstens die Kreuzhändler profitiert?

FOCUS ONLINE

Ob der heilige Ambrosius, Schutzpatron der Krämer, sich angesichts der bayerischen Kreuzpflicht die Hände gerieben hat? Für die Händler von Kruzifixen und anderem Kirchenbedarf blieb der Segen jedenfalls aus, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Einzig Andreas Puettmann, Geschäftsführer der J.G.Schreibmayr GmbH in München, berichtete von 20 bis 30 Kunden, die gezielt wegen des Erlasses der bayerischen Staatsregierung nach Kreuzen gefragt hätten. „Ich kann mich aber noch nicht absetzen, ich muss weiterarbeiten“, scherzte der Chef des Fachgeschäfts.

Auf Anordnung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war das Kreuz Anfang Juni zum Pflicht-Deko-Element im Eingangsbereich der Dienstgebäude des Freistaats geworden. So soll – nach Interpretation der Staatsregierung – die christlich-abendländische Tradition Bayerns deutlich werden. Oppositionspolitiker wie auch Kirchenvertreter kritisierten das als Schachzug zum Stimmenfang im Landtagswahljahr.

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Berlin schaut zu – über die Inhumanität beim Sterben

Gesundheitsminister Jens Spahn (2018) Foto: (Unbekannt), Wikimedia, CC BY-SA 3.0 de
Entscheidungen der Gerichte sind zu akzeptieren, hat die Kanzlerin gerade zum umstrittenen Abschiebefall Sami A. gesagt. Die Bundesjustizministerin ließ ähnliches verlauten. Aber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat eigene Vorstellungen vom Rechtsstaat.

Von Rolf Bergmeier | hpd.de

Unter Einfluss der kirchlichen Morallehre hat das deutsche Parlament im Jahre 2015 gegen die übergroße Mehrheit des Volkes und entgegen der Beschlusslage benachbarter Staaten ein Verbot der „organisierten Sterbehilfe“ durchgesetzt und damit erheblich zur Verwirrung der Geister beigetragen. Wer es wagt, angesichts der fatalen Aussichten seiner Erkrankung den Sterbezeitpunkt selbst aktiv bestimmen zu wollen, der verstoße nach Auffassung der Parlamentarier gegen die „Schöpfungsordnung“. Die Parlamentarier haben es nicht dem Einzelnen überlassen, sich mit der moralischen Dimension seines Wunsches zu sterben selbst auseinanderzusetzen, haben ein hohes Rechtsgut untergraben, das auch die Selbstbestimmung zum Sterben einschließt, haben nicht die ins Millionenfache wachsende Zahl hochbetagter Bürger gefragt und stattdessen ein Gesetz mit dem christlichen Menschenbild begründet, das auch für Anders- und Nichtgläubige gelten soll. Damit hat sich das Parlament als Vertretung des deutschen Volkes über den Willen des Volkes hinweggesetzt, das sich mit achtzig Prozent gegen eine Erschwernis des Sterbehilfegesetzes ausgesprochen hatte und dem Volk die Moral einer verschwindend kleinen Minderheit verordnet.

Rechtsbeugung durch die Regierung

Das höchste Verwaltungsgericht in Deutschland stellte allerdings 2017 den Parlamentsbeschluss infrage und urteilte, „in Extremfällen“ sei der Staat verpflichtet, unheilbar erkrankten und leidenden Patienten den Erwerb tödlicher Medikamente zu gestatten. Das Urteil blieb ohne Bedeutung. Der amtierende Gesundheitsminister Hermann Gröhe, Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche, gab in mehreren Stellungnahmen zu erkennen, dass er nicht gewillt sei, dieses letztinstanzliche Urteil als verbindlich zu akzeptieren. Der jetzige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schloss sich der Verweigerung eines elementaren Menschenrechtes an.

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Grüne und SPD kritisieren Seehofer-Vorstoß zu Religionsdebatte

Bundesinnenminister Horst Seehofer wirbt für eine neue Religionsdebatte. Als „unglaubwürdig“ kritisiert SPD-Vize Ralf Stegner den Vorstoß. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland und die EKD befürworten das Anliegen des Ministers.

evangelisch.de

Mit seinem Vorstoß für eine neue Religionsdebatte hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geteilte Reaktionen hervorgerufen. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) begrüßten Seehofers Initiative. SPD und Grüne äußerten dagegen Kritik.

„Die Wandlung vom Saulus zum Paulus ist im Falle von Horst Seehofer denkbar unglaubwürdig“, sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sieht in dem Vorstoß des CSU-Vorsitzenden einen Versuch, sich von seiner offenbar gescheiterten „Politik der Konfrontation“ zu distanzieren. Sie sagte dem Blatt: „Jetzt versucht er umzusteuern und verkündet einen Dialog, den er erst ins Stocken gebracht hat.“ Seehofers Beitrag lese sich für sie so, „als ob er persönlich enttäuscht ist, dass seine privaten Überzeugungen nicht mehr die der Mehrheit inklusive der Kirchenleitungen sind“.

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Kreuz-Debatte: Kirchenrechtler Heinig zieht negative Bilanz

Bild: Leipziger Blatt
Der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig zieht eine negative Bilanz aus der Debatte um das Behördenkreuz in Bayern.

evangelisch.de

„Was als starke identitätspolitische Geste geplant war, endete als unscharfer Ausdruck einer tiefgreifenden Verunsicherung“, heißt es in einem Beitrag des Göttinger Professors für öffentliches Recht und Kirchenrecht für die „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ (Donnerstag). Seit 1. Juni müssen Behörden in Bayern im Eingangsbereich „als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“ gut sichtbar ein Kreuz anbringen. Die Regelung hatte unter anderem bei den Kirchen für Kritik gesorgt.

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Dodo Gloria: „Natürlich ist Maria in den Himmel aufgefahren!“

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Gloria von Thurn und Taxis erklärt, warum ihr der Namenstag „viel wichtiger“ ist als der Geburtstag – und warum die Himmelfahrt Mariens, ihrer Namenspatronin, außer Frage steht.

katholisch.de

Gloria von Thurn und Taxis (58) ist der Namenstag „viel wichtiger“ als der Geburtstag. „Weil der Heilige, dessen Namen man trägt, der wichtigste Beschützer des ganzen Lebens ist“, sagte die Fürstin aus Regensburg den im Augsburger Verlag Sankt Ulrich erscheinenden Wochenzeitungen „Neue Bildpost“ und „Katholische SonntagsZeitung“. Somit würden der Namenspatron und der Schutzengel zu den persönlichen, direkten Ansprechpartnern des Täuflings für die gesamte Zeit auf Erden.

„Ich habe das Glück, Mariae Gloria heißen zu dürfen – und daher ist die Gottesmutter meine Namenspatronin“, so die Adelige mit Blick auf das Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August.

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CSU-Familiengeld: Söder sollte eine Denkpause einlegen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. (Foto: dpa)
Das bayerische Familiengeld sollte vor allem ärmere Familien unterstützen – doch aus Sicht des Bundes ist das gar nicht möglich. Damit entpuppt sich wieder eine von Söders großen Ideen als Luftnummer.

Von Lisa Schnell | Süddeutsche Zeitung

Markus Söders Versprechen war eindeutig: Alle Familien erhalten mehr Geld als bisher. Alle, auch Empfänger von Sozialleistungen. So sagte es Söder in seiner Regierungserklärung, so bekräftigte es die Sozialministerin. Es war ein Versprechen, das Söder nicht halten konnte. Nach Auffassung des Bundesarbeitsministeriums muss das Familiengeld mit Sozialleistungen verrechnet werden. Gerade die Ärmsten gingen damit leer aus.

Damit entpuppt sich wieder eine von Söders großen Ideen als Luftnummer. Ähnlich ging es ihm mit seiner Grenzpolizei. Sie sollte Bayerns Eigenständigkeit demonstrieren, am Ende ist sie nicht mehr als eine Hilfstruppe der Bundespolizei. Söder ist stolz darauf, dass er nicht nur redet, sondern handelt. Er könnte seinen Tatendrang zwischendurch aber auch mal bremsen und eine Pause zum Nachdenken einlegen und diese auch seinen Ministern gönnen.

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Söders Auftritt war reiner Wahlkampf

Screenshot FB
Ja, ich gestehe. Ich freue mich, wenn bekannte Personen sich in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben bekennen. Gute Botschafter für die Sache abseits des Kirchenweges sind gerade in Anbetracht der Kirchenaustrittszahlen gut und notwendig.

Pia Dyckmans | katholisch.de

Auch am Mittwoch hat sich eine deutschlandweit bekannte Persönlichkeit zu seinem Glauben bekannt – der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er hat Maria Vesperbild besucht. Der Inbegriff bayerischen Katholizismus.

Bei den Bildern war ich irgendwie gar nicht mehr so begeistert. Als Wahlmünchnerin habe ich eher ein beklemmendes Gefühl bekommen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich finde es toll, wenn Politiker sich als Christ „outen“ und dafür einstehen. Ich würde seinen Termin in Maria Vesperbild auch nicht gleich als blasphemisch charakterisieren und ihm das Christ-sein absprechen, wie andere vorab den Besuch kritisiert haben. Das steht uns nicht zu. Aber wenn ein Politiker kurz vor den Wahlen mit einer großen Entourage inklusive Presse im katholischen Bayern so einen bedeutenden Wallfahrtsort besucht, dann bekommen die Bilder ein Geschmäckle. Wenn sich sein Bekenntnis zum Christentum nicht in seiner Politik wiederspiegelt, wirkt es nicht authentisch. Denn eine Politik, die sich nicht an den Werten des Evangeliums orientiert, sondern an den Interessen Bayerns, kann nicht von sich behaupten, sie vertrete das Christentum besser als die Kirche selbst. Oder klingen Abschiebungen in Krisengebiete und Diskriminierung von psychisch Kranken christlich?

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Religiotie: Söder zündet in Wallfahrtsort Kerze an – für Bayern

© Bild: Christopher Beschnitt/KNA
Vorab hatte es scharfe Kritik gegeben: Dennoch besuchte Markus Söder heute den Wallfahrtsort Maria Vesperbild. Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart war dabei voll des Lobes für den bayerischen Ministerpräsidenten und seine Politik.

katholisch.de

Markus Söder (CSU) hat als erster amtierender bayerischer Ministerpräsident die mittelschwäbische Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild besucht. „Wir Christen sind Ihnen überaus dankbar, dass Sie ein Zeichen für das Christentum setzen“, begrüßte ihn Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart am Mittwoch in Ziemetshausen. Söder selbst äußerte sich nicht öffentlich. Nach seiner Ankunft begab er sich für eine Andacht in die Kirche. Dann entzündete er in der Mariengrotte eine Kerze mit der Aufschrift „Gott schütze Bayern“. Etwa 400 Menschen nahmen an dem Termin teil. Söder hatte den Stopp in Vesperbild auf seinem Weg zur Kabinettssitzung in Ursberg eingelegt.

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