… und auf einmal wackelt Göring-Eckardt beim Familiennachzug

Betont nüchtern diskutieren die Jamaika-Sondierer bei „Anne Will“. Bis es beim Thema Familiennachzug auf einmal hitzig wird. Grüne und FDP befinden sich offenbar im Flirtmodus – trotz des Macho-Charmes eines Gastes.

Von Ralf Dargent | DIE WELT

„Fünf Minuten noch, bitte“, hätte das Publikum bei Anne Will rufen sollen. Oder: „Wenigstens zwei!“ Aber es rief niemand. Und so machte die Talkshow-Moderatorin am Sonntagabend, wie vom Korsett des Programmplans vorgegeben, mit den „Tagesthemen“ weiter.

Schade. Denn ihre Sendung mit immerhin drei zentralen Teilnehmern der kommenden Sondierungsverhandlungen zu einer Jamaika-Koalition brachte erst ganz am Ende Leidenschaft und eine konkrete Auseinandersetzung über ein Streitthema.

CDU-Vize Volker Bouffier, FDP-Vize Wolfgang Kubicki und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt wollten ganz offenkundig zuvor möglichst viel Nüchternheit präsentieren. Dabei hieß das Thema am Tag der Niedersachsenwahl: „Der Abschluss im Superwahljahr. Wird jetzt mal wieder Politik gemacht?“ Die drei hätten also mit Kraft nach vorne blicken und einen Vorgeschmack auf die kommenden Sondierungen geben können.

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Allerheiligen 2017: Wie lange dauert das Tanzverbot in Bayern?

Wenn die Menschen in Bayern an Allerheiligen 2017 wieder der Toten gedenken, gehört es zur ruhigen Atmosphäre des Trauertages: Das Tanzverbot. Ab wann das Tanzverbot heuer wieder an Allerheiligen gilt, welche Ausnahmen gelten und wann es endet, haben wir hier zusammengefasst. Außerdem beantworten wir die Fragen, welcher Gedanke hinter dem Tanzverbot an Allerheiligen steht.

Von Franz Rohleder | Merkur.de

Wann beginnt das Tanzverbot an Allerheiligen 2017?

Das Tanzverbot an Allerheiligen 2017 beginnt am Mittwoch, 1. November, ab 2 Uhr. Bis zum Jahr 2012 galt in Bayern noch ein Tanzverbot ab Mitternacht. Im Zuge der geänderten Rechtslage darf seitdem in die stillen Feiertage bis 2 Uhr morgens reingefeiert werden. Allerheiligen am 1. November ist weiterhin ein sogenannter „stiller Feiertag“, an dem in Bayern keine Tanzveranstaltungen stattfinden dürfen und an dem der Charakter von Veranstaltungen eher ernst sein soll. Das Tanzverbot an Allerheiligen endet in Bayern um 24 Uhr – also genau in der Minute, wenn der Donnerstag, 2. November, beginnt.

Tanzverbot: Warum sollen die Menschen am Allerheiligen nicht feiern?

Prof. Alois Baumgartner, der ehemalige Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken in der Erzdiözese München und Freising, erklärte zu dieser Frage 2008 dem Münchner Merkur: „Es tut allen gut, Tage zu haben, an denen man derer gedenkt, die vor uns gelebt haben. Diese Erinnerung im ganzjährigen Rummel untergehen zu lassen, wäre ein Verlust an Humanität. Es ist gut, dass es einen Tag gibt, an dem wir uns daran erinnern, dass wir auf den Schultern anderer stehen und die Kultur, in der wir leben, nicht von uns gemacht ist.“

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Dodo Käßmann ist bereit, mit der AfD zu diskutieren

Margot Käßmann wirft der AfD Ausgrenzung vor. Gerne würde sie mit Vertretern der Partei darüber diskutieren, wer zum deutschen Volk gehört, sagte die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“. 

EKD

„Denn wir können in unserem Land, in dem so viele Menschen verschiedenen Ursprungs leben, deutsch nicht mehr nach Herkunft definieren, sondern müssen neue, zukunftsweisende Wege dafür finden“, sagte die evangelische Theologin.

Käßmann kritisierte ein AfD-Wahlplakat, auf dem eine weiße Schwangere zu sehen ist und darunter der Spruch „Neue Deutsche? Machen wir selber.“ Sie verstehe das so, dass „da Volk über die Blutsabstammung definiert wird und alle, die nicht dazugehören, ausgeschlossen werden sollen“. Darüber würde sie gerne mit der AfD diskutieren. „Aber nur bei gegenseitigem Respekt“, fügte die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende in dem vorab veröffentlichen Interview hinzu.

Käßmann wies den Vorwurf zurück, die evangelische Kirche unterstütze Positionen von Grünen und SPD. „Wenn die Kirche etwa für die Bewahrung der Schöpfung eintritt und das mit den ökologischen Forderungen von Parteien übereinstimmt, heißt das nicht, dass sie Parteipolitik vertritt“, sagte sie.

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Erzapostel Marx – Asylrecht kann man nicht begrenzen

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Kardinal Reinhard Marx ermahnt nicht nur die Union zu einer humaneren Flüchtlingspolitik. Er hat auch eine Botschaft an die Anhänger der AfD.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchener Kardinal Reinhard Marx, hat den Unions-Kompromiss zur Flüchtlingspolitik kritisiert. „Der Begriff der Obergrenze ist nicht hilfreich“, sagte er am Dienstag vor Journalisten in Berlin. „Das Asylrecht kann man nicht begrenzen.“ Zwar taucht der von der CSU geforderte Begriff in dem Papier letztlich nicht auf; auch soll das Asylrecht weiter gelten. Allerdings wird die Zahl 200.000 als faktische Flüchtlingsobergrenze genannt. Marx fügte deshalb hinzu: „Die Zahl ist irgendwie fiktiv; ich kann sie nicht genau verstehen.“

Insbesondere mahnte er in Abgrenzung zu dem Unionspapier die Möglichkeit zum Familiennachzug an. „Wer auf Dauer hier ist, muss seine engsten Familienangehörigen zu sich holen können. Man kann nur in äußerster Not sagen: Wir trennen eine Familie.“ Dies sei für die katholische Kirche ein entscheidender Punkt. Überhaupt stehe das C im Namen von CDU und CSU „nicht für konservativ“.

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Käßmann kritisiert „verbale Aufrüstung“ in Deutschland – bei Luther liebt sie das

Margot Käßmann kritisiert die Stimmung im Land: Der AfD-Politiker Alexander Gauland wolle Merkel „jagen“, während Menschen anderer Herkunft tatsächlich gejagt würden. „Das ist beschämend“, sagte die Theologin. Der Ticker nach der Wahl.

DIE WELT

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat eine „verbale Aufrüstung“ in Deutschland beklagt. Menschen würden bedroht oder niedergebrüllt, weil sie anderer Meinung seien, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Leipziger Nikolaikirche. Während der AfD-Politiker Alexander Gauland es als Ziel von Politik angebe, andere „jagen“ zu wollen – er hatte den Satz in Bezug auf Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt – würden Menschen anderer Herkunft verachtet und tatsächlich gejagt. „Das ist beschämend für unser Land“, sagte Käßmann. Die Menschen in Deutschland müssten zu friedlichen Formen der Auseinandersetzung zurückfinden. Jeder könne etwas dazu beitragen, sich gegen die Hetze zu stellen.

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Ursula von der Leyen: Dodo des Monats September 2017

Dodo des Monats September 2017 ©HFR

In keinem Bereich wird die Janusköpfigkeit des Christentums so deutlich wie in der Militärseelsorge. Auf der einen Seite propagiert man den Frieden und die Liebe Gottes, auf der anderen wie man feindliche Kinder Gottes am besten ins Jeseits befördert, ohne dabei in Sünde zu verfallen. Gläubige Soldaten sind gute Soldaten. So erklärte Hitler, am 26.04.1933 auf einer Diözesankonferenz den katholischen Bischöfen:

„Es droht eine schwarze Wolke mit Polen. Wir haben Soldaten notwendig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Die setzen alles ein. Darum werden wir die konfessionelle Schule erhalten, um gläubige Menschen durch die Schule zu erziehen.“A.Hitler

Die Bundesministerin meinte, dass die Bindung an eine sittliche Ordnung und das eigene Gewissen mache das Soldat-Sein in der Bundeswehr,„Um dies kritisch zu entwickeln brauchen wir Partner wie die Militärseelsorge.“
Die Zeiten ändern sich, gewisse Inhalte überhaupt nicht.

Artikel 141 der Weimarer Reichsverfassung in den Artikel 140 des Grundgesetzes übernommen:
„Soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge im Heer, in Krankenhäusern, Strafanstalten oder sonstigen öffentlichen Anstalten besteht, sind die Religionsgemeinschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist.“ Damit ist Militärseelsorge Anstaltsseelsorge.

Nichts davon steht in der Weimarer Reichsverfassung institutionelle Verbindungen von Staat und Kirche herzustellen, schon gar nichts davon Militärgeistliche als Staatsbeamte auf Zeit einzusetzen oder die ganze christliche Geisterbeschwörung staatlich zu finanzieren. Genau das ist der Fall.

Militärpfarrer werden von ihrer Heimatkirche für circa 6 Jahre freigestellt. Sie werden vom Militärischen Abschirmdienst überprüft, sie werden Bundesbeamte auf Zeit, sie leisten einen Beamten-Eid, sie haben ihr Büro in der Kaserne, sie fahren Dienstwagen der Bundeswehr, sie werden direkt vom Bundesministerium für Verteidigung bezahlt, sie tragen im Auslandseinsatz und auf Kriegsschiffen militärische Kleidung, und sie haben eine Bundeswehr-Mail-Adresse. Jedes Militärpfarramt ist eine Dienststelle des Bundesministeriums für Verteidigung. Offiziell sind die Militärpfarrer exemt, das ist lateinisch und heißt enthoben. Es bedeutet: Militärpfarrer haben keinen militärischen Dienstgrad. Aber in der Praxis wird ein Militärpfarrer von den Soldaten entsprechend seiner Bezahlung (A14/15) wie ein Oberstleutnant angesehen und angesprochen.

Das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr ist keine Einrichtung der Kirche, es ist eine Behörde des  Bundesministeriums für Verteidigung. Wenn also die Evangelische Militärseelsorge der Bundeswehr ein Festkonzert im Berliner Dom gibt handelt es sich um eine Party des Bundesverteidigungsministeriums, die Kosten der Sause werden vom Steuerzahler bezahlt.

Von der Leyen ist für das großzügige Interpretieren von politischen Sachverhalten bekannt. Gläubige Soldaten sind sittlich und ordentlich. Ungläubige und Andersgläubige sind es nicht. Ohne das Gott-sei-bei-uns geht es nicht, wie wir oben gesehen haben, gläubige Soldaten setzen alles ein.

Kommen Militärpfarrer in etwas rauhere Gegenden, wo Andersgläubige andere Auffassungen haben, entfernen sie ganz einfach das Christenkreuz vom Schulterstück. Wer will schon so schnell und abrupt seinem Schöpfer gegenübertreten. Man will sittlich weiterleben.  Die Christen im römischen Kolosseum starben fest im Glauben an ihren Gott. Den Pfarrer-Weicheiern heutzutage liegt das nicht, ihre großen Meister verstecken ihre Kreuze ja schon in der Zivilisation des Tempelberges.

In dem Sinne: „Helm ab zum Gebet.“

Dodo Müller: In der Kurie herrscht ein Klima der Angst

Gerhard L. Müller links im Bild
Papst Franziskus ist von ‚Spionen’ und ‚falschen Freunden’ umgeben, sagt der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation.

kath.net

In der römischen Kurie herrsche ein Klima der Angst. Ein kurzes oder harmloses Wort der Kritik sei oft ausreichend, um in Ungnade zu fallen. Diese Bemerkungen würden Papst Franziskus zugetragen und die fälschlich beschuldigten Personen hätten keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Dies sei ihm aus verschiedenen Bereichen der römischen Kurie versichert worden, sagte Kardinal Müller in einem Interview mit Edward Pentin vom National Catholic Register.

Dieses Phänomen sei nicht auf den Vatikan beschränkt, ergänzte Müller. An Hochschulen und Universitäten sei es ähnlich. Jeder, der das nachsynodale päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ in Frage stelle, insbesondere die vieldiskutierte Fußnote 351, gefährde seine akademische Karriere, sagte er.

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Wahl Dodo des Monats September 2017

Dodo des Monats September 2017 ©HFR

Je größer der gesellschaftliche Bedeutungsverlust des institutionalisierten Glaubens, um so lauter das Geschrei der Protagonisten in der Politik, den Kirchen und im Wahlkampf. Während Politiker Gefahr laufen bei unpopulärer Politik abgewählt zu werden, sonnen sich die Pfaffen im sicheren Hafen ihres beamtenrechtlichen Daseins, nicht jeder, aber bei denen die am großmäuligsten zu vernehmen sind ist es schon jeder. Zumal der temporäre Gewinn kirchlicher Appelle äußerst fragwürdig ist. Geht es um Kirchen, Religion, zumindest die christliche, können sogenannte Volksvertreter durchaus hohe Entscheidungsgeschwindigkeiten entwickeln, um danach ins politische Koma zu verfallen. Pfaffen gerieren sich als politische Weise, die jederzeit mit erhobenen Zeigefinger in gesellschaftliche Debatten eingreifen können. Das ist so, weil Politik ohne Rückrat, ohne jedwedes Risiko betrieben wird. Die öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten sind dann der Katalysator für gesellschaftliches Koma.

Hier sind die Kandidaten. Die Wahl ist bis zum 07. Oktober 2017, 18.00 Uhr, befristet. Am Folgetag wird der Gewinner hier gewürdigt werden. Viel Spaß damit.

  1.  Gaby Mayr, „dilettiert in Sachen Gleichberechtigung, Gleichstellung“, Evolutionsbiologie nur mit ad hominems.
  2.  Ursula von der Leyen, „Soldaten ohne Seelsorge sind gewissenlos“.
  3.  Manfred Rekwoski, „maßt sich an für die Menschheit sprechen zu können.“
  4.  Olaf Zimmermann, „mag den Hassprediger Luther im Reformationsfeiertag würdigen.“
  5.  Markus Dröge, „nicht gewählter Pfaffe, mit politischer Attitüde.“
  6.  Aiman Mazyk, „Hassan al-Bannas Enkel in Deutschland.“
  7.  Margot Käßmann, „ewig greinende Reformations-Pfäffin.“
  8.  Stephan Weil, „politisch versagt, droht er nun mit dem Reformationsfeiertag.“
  9.  Horst Schneider, „keine Probleme mit Wunderheilungen, empfiehlt sich für die SPD.
  10.  Marianne Birthler, „schön geredeter Bedeutungsverlust des Evangeliums.“
  11.  Heinrich Bedford-Strohm, „weiß nicht, dass es keine kirchlichen Feiertage gibt.“
  12.  Fabian Vogt, „Protestanten-Gott braucht Jesus-ähnlichen Roboter.“
  13.  Gregor Gysi, „reformatorischer Größenwahn.“
  14.  Dietmar Woidke, „sieht Randkirche in der Mitte seiner Gesellschaft.
  15.  Diakonie/Caritas, „arbeitsrechtliches Paralleluniversum, außerhalb gesellschaftlicher Kontrolle.“

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Dodo Mazyeks Echokammer

Bild. @aimanMazyek/Twitter. Screenshot: bb

Die Schwierigkeiten im begrifflichen Verständnis zum Thema Islam, Religionsfreiheit, Liberalismus, von Aiman Mazyek, sind hinreichend bekannt. Einer der Gründe zweifacher Dodo-Preisträger zu sein. Seine Interpretationen zum Thema Islamismus, Muslimbruderschaft sind hier unvergessen.
Die vergangene Bundestagswahl ist gerade zwei Tage Geschichte, aber für Mazyek ist viel früher klar, welche Ursachen die Alternative für Deutschland(AfD) in den Bundestag gebracht haben. Wer H. Abdel-Samad, A.H. Ourghi, B. Tibi, A. Hirsi Ali, S. Ates, A.Mansour liest, wählt die AfD. So einfach, so billig. Ein komplexer gesellschaftlicher Prozess, die Integration einer Religion wird mit einfachen Antworten gelöst. Nennen wir es islamischen Populismus. Mazyek befindet sich mit seinem Tweet auf Twitter genau da, wo er nicht hinwollte, bei der AfD, nicht besser aber auch nicht schlechter.
Schauen wir uns die weltanschaulichen Feinde des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime an.
Hamed Abdel-Samad, Sohn eines Imams. Der deutsche Ägypter ist wohl einer der profiliertesten Islam-Kritiker. Er kennt den Koran, die Mythen, ihre Auslegungen und die Geschichte der islamischen Religion. Ein Abtrünniger, ein Apostat, in einer Reihe von islamischen Ländern würde er als vogelfrei gelten. Die Reformierbarkeit des Islam hält er für unmöglich.

Abdel-Hakim Ourghi und Syran Ates. Während Abdel-Samad seiner Religion abgeschworen hat und man ihn beim besten Willen nicht mehr als Muslim bezeichnen kann, sind Ates und Ourghi religiöse Muslime. Ourghi plädiert für einen Islam, der unserer modernen Lebenswelt angepasst ist, Predigten in deutscher Sprache, keine Auslandsfinanzierungen für Moscheevereine, Stiftungen und Dachverbände. Für Ourghi is das geoffenbarte Wort Gottes, das menschgewordene.
Seyran Ates, Feministin, Rechtsanwältin steht für einen säkularen, liberalen Islam, für die Trennung von Staat und Religion. Sie hat Attentate überlebt und erhält Polizeischutz. Seit der Gründung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gibt es wieder gehäuft Morddrohungen.

Die US-Amerikanerin Ayaan Hirsi Ali ist als Atheistin, die sich von ihrem muslimischen Glauben losgesagt hat ausreichend bekannt.

Bassam Tibi hat sich als Gelehrter einen Namen mit Begriffen wie Euro-Islam, Scharia-Islam, Parallelgesellschaft und Leitkultur gemacht.

Ahmad Mansour, Psychologe, Islamismus-Experte aktiv gegen Radikalisierung, Unterdrückung im Namen der Ehre und Antisemitismus in der islamischen Gemeinschaft.

Wer sich also mit den Lehren, Meinungen, Auffassungen, der hier kurz dargestellten Persönlichkeiten befasst, identifiziert, wählt AfD. So Aiman Mazyek. Das ist Anti-Aufklärung im besten Sinne. Einer der Gründe das Ates und Co Polizeischutz benötigen. Altgelebter, reaktionärer Islam. Wer anders denkt ist rassistisch, „islamophob“ um den gequälten Begriff der Muslimbruderschaft zu verwenden.
Wer so denkt und es auch noch twittert hat die Prinzipien einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft nicht verstanden oder will sie nicht verstehen. Die Aufzählung in dieser Hinsicht ist unvollständig, Broder, Wolffsohn hätten auch noch gepasst.

 

 

Dodo Käßmann, Bundestagswahl und Jesus

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat den beendeten Bundestagswahlkampf als lahm und zäh kritisiert.

evangelisch.de

„Jesus würde wohl kaum verstehen, dass jemand meint, mich mit Gummibärchen oder Kugelschreibern von seiner Partei überzeugen zu können“, schrieb die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der „Bild am Sonntag“. „Diese lähmende Zähigkeit, die über der Wahl liegt, würde ihn befremden.“

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Seehofer will Guttenberg und Herrmann nach Berlin schicken

Bild: FAZ.net
Kehrt Karl-Theodor zu Guttenberg zurück? Wenn es nach Horst Seehofer geht, schon bald: Er will Guttenberg und seinen Innenminister Herrmann nach der Wahl im Bundeskabinett sehen.

Frankfurter Allgemeine

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer erwägt, nach einem Unions-Sieg bei der Bundestagswahl sowohl seinen Innenminister Jochim Herrmann als auch den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in die nächste Regierung zu entsenden. „Die CSU will Joachim Herrmann als Innenminister nach Berlin schicken“, sagt Seehofer der Zeitschrift „Spiegel“.

Das bedeute aber nicht, dass für Guttenberg dann kein Platz mehr sei: „Für die künftige Rolle von Karl-Theodor zu Guttenberg heißt das gar nichts.“ Seehofer lobt die politischen Fähigkeiten des in den Vereinigten Staaten lebenden früheren Ministers, der im Jahr 2011 wegen einer Plagiatsaffäre zurückgetreten war.

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Heribert Hirte: Dodo des Monats August 2017

Dodo des Monats August 2017 ©HFR

Kannte jemand Heribert Hirte, vor seinem Interview, welches er dem Internetauftritt des deutschen Episkopats, katholisch.de gegeben hatte, als Mitglied des Bundestages? Wohl eher nicht. Rechtswissenschaftler Hirte ist so etwas wie ein Nebenberufspolitiker, ein parlamentarischer Hinterbänkler, der sich die Thematik der Religionsfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat.
Hirte ist gebürtiger Kölner, sein rheinländischer Katholizismus damit älter als das Christentum, so argumentiert er auch, doch dazu später etwas mehr.
Seine private Facebook-Seite ist toter als Kardinal Meisner, Kommentatoren warten auf Antworten, die ihnen wahrscheinlich niemals gegeben werden. In Sachen Politik ist Unkenntnis, besser Desinteresse zu erkennen. Soviel gepflegte Inkompetenz wird dem Rheinländer wieder zu einem Direktmandat in den Bundestag verhelfen, katholische Provinzialität in Berlin, vielleicht ist er ja einer der Mentoren von Jens Spahn, der mit seiner Dorftrottel-Attitüde wesentlich mehr Schwierigkeiten in der Großstadt hat, als ein Kölner.

[…]
Wir haben – auch in Absprache mit den Bundesländern – die Vorschriften für das Bewachungspersonal in den Flüchtlingsheimen verschärft und mit Blick auf die Religionsfreiheit eine höhere Sensibilität angemahnt. Die tatsächlichen Herausforderungen für ein friedliches Miteinander in Deutschland sehe ich allerdings ganz woanders.

Frage: Nämlich wo?

Hirte: In dem zunehmenden Atheismus in unserem Land – damit tun sich alle Religionen gleichermaßen schwer. Ich vertrete entschieden die These, dass wir in Deutschland kein Problem der Islamisierung, sondern vielmehr ein Problem der Entchristlichung und des wachsenden Atheismus haben. Der Widerstand gegen Minarette, Kreuze oder andere religiöse Zeichen im öffentlichen Raum ist immer dort am stärksten, wo auch der Atheismus am stärksten ausgeprägt ist. Beispielhaft für dieses Problem kann man den geplanten Bau der Ahmadiyya-Moschee in Erfurt nennen, aber auch die Debatte um das Kuppelkreuz auf dem Neubau des Berliner Stadtschlosses.katholisch.de

Es ist diese dumme, alte Leier, deren sich Pfaffen, Politiker und ihre Apologeten seit Jahrhunderten bedienen, der Atheismus ist das Problem. Mir ist kein Fall bekannt, dass ein Atheist in einer Kirche seine Weltanschauung vertreten hätte, ausgenommen jene, die den Pfaffen das Maul reden und sich auf die moralbegründenden Eigenschaften kirchlichen Daseins berufen, dabei all jenes vergessen wollen, dass Frauenrechte, Gleichberechtigung, soziale Teilhabe, Bildung, Gesundheitsvorsorge den Kirchen abgerungen werden mussten. Die katholischen Pfaffen erst mit dem Zweiten Vatikanum die Religionsfreiheit anerkannten und bis heute die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verneinen, weil sie dem Naturrecht widerspreche. Das ist der Blödsinn Manisch-Depressiver die bei einer geschnitzten männlichen Halbnackt-Figur feuchte Träume bekommen.

Atheisten, und Ungläubige müssen sich dem Diktat des Christentums unterwerfen, ob nun akustische Umweltverschmutzung in Form von Glockengeläut, das Ertragen sogenannter Stiller Feiertage mit Tanzverbot, das Waffengeklirr und Geschrei aufeinander schießender Soldaten haben nie gestört. Atheisten müssen den Luther-Kult ertragen und die Kotzgrenze dürfte erreicht sein, es gibt nichts Blödes was im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum nicht gesagt wurde. Wir müssen Radio u. Fernsehsendungen ertragen, die man wegschalten kann, die man als Atheist aber mit seinem Rundfunkbeitrag finanziert. Wir ertragen Eure besserwisserische Larmoyanz, dieses kindlich greinende beleidigt sein wenn es um Eure „religiösen Gefühle“ geht. Wir ertragen, dass man unseren Vereinen die Gleichheit vor dem Gesetz verweigert, weil man den aufklärerischen und bildungspolitischen Auftrag mit dem Wort Parodie wegredet. Wir ertragen Eure bigotte Moral, wir sehen die Diskrepanz zwischen Eurem Wollen und Eurem Sein. Wir ertragen Eure Bibelsprüche, Eure Werbung in S-und U-Bahnen, in Zügen, Bussen und in der Tram, auf Bahnhöfen, Straßen und öffentlichen Toiletten. Wir ertragen, wenn Eure milliardenschweren Kirchenkonzerne bettelnd auf den Plätzen stehen.

Und wenn es Euren Gott gibt, dann erträgt er uns, dann habt Ihr uns zu ertragen, alles andere ist ein Mangel an Glaube. Und wenn es ihn nicht gibt, ändert sich für uns nichts, für Euch aber Alles.
In Eurer ganzen göttlichen Verzweiflung seit Ihr lächerlich. Ihr erkennt nicht, dass der Prozess der Entchristlichung zu einem guten Teil aus Euch selbst entspringt, aus Eurer institutionalisierten Religion, Euer weltliches Leben steht im tiefen Widerspruch zu den Schriften Eurer Wüstenreligion. Ihr habt mitgeholfen die Bedingungen für die Säkularisation zu entwickeln, sie braucht Euch nicht mehr. Bis auf jene, die sich eben ein selbstbestimmtes Leben, ohne jedweden Gottesgehorsam vorstellen können.

Der erste Blitzableiter auf einer Kirche hat alles geändert. Ihr habt es noch nicht begriffen.
Ihr versprecht etwas und müsst es nie erfüllen, Ihr lasst Euch bezahlen, bringt aber keine Leistung – Krämerseelen.

Das macht Menschen wie Hirte Angst, dass macht ihm mehr Angst als eine mögliche Islamisierung. Sein Gott sei in der Welt und sei es als Dhimmi, nur keine Atheisten, alles andere ist recht.

 

Merkel kann sich bei der AfD bedanken

Kanzlerin Merkel wird von Rechten niedergebrüllt – davon profitiert sie. Foto: dpa
Buh-Rufe, Pfiffe, Hassparolen: Wenn Angela Merkel in Torgau oder Finsterwalde auftritt, hat sie es nicht leicht. Aber sie kann sich trösten: Die rechten Dumpfköpfe sind ihr eine große Hilfe. Ein Kommentar.

Von Stephan Hebel | Frankfurter Rundschau

Das Wutgeschrei von rechts, das der Bundeskanzlerin am Mittwochabend entgegenschallte, übertönt jeden Hauch von politischer Debatte. Es entspricht insofern sicher dem Geisteszustand der Pegidisten und sonstigen Rechtsextremisten, die in Torgau oder Finsterwalde oder sonstwo pfeifen und brüllen.

Erst recht entspricht es ihrem Geisteszustand, dass sie etwas Entscheidendes übersehen: Bessere Wahlkampfhelfer als diese Leute könnte sich Angela Merkel nicht wünschen.

Wie das? Ganz einfach: Deutschland erlebt eine Kanzlerin und Kandidatin, die sich den protestierenden Pfeifen souverän entgegenstellt. Eine Verteidigerin des demokratischen und weltoffenen Deutschlands gegen Freiheitsverweigerer und Abschottungsfanatiker.

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In der CSU nagt der Neid

Karl-Theodor zu Guttenberg trat auf dem Gillamoos auf. Viele Leute jubeln – einige aber reiben sich staunend die Augen. (Foto: Getty Images)
  • Seit zwei Jahren arbeitet Horst Seehofer an der Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Chef glaubt, die Partei könne auf dessen Strahlkraft nicht verzichten.
  • Das verstört viele in der CSU, die ihren Aufstieg auf dem normalen Dienstweg anzutreten versuchen.
  • In der Partei wächst nicht nur die Skepsis gegenüber Guttenberg, auch der Missmut über Seehofer nimmt zu.

Von Roman Deininger, Wolfgang Wittl | Süddeutsche.de

Bayern und Bier, diese Verbindung funktioniert immer, so viel weiß Karl-Theodor zu Guttenberg auch nach sechseinhalb Jahren im amerikanischen Exil. Also reckt er bei seiner Rede am Gillamoos einen Steinkrug in die Höhe. Dass kein Bier darin ist, sondern nur Wasser? Umso besser. Andere hätten einfach getrunken. Guttenberg zelebriert eine Verbrüderung mit dem Publikum. Er ruft: „Sind wir hier im Adelholzener-Pavillon oder im Bierzelt?“ Prompt bekommt er eine Mass Festbier gereicht. Dass er den Krug „Haferl“ nennt, geht irgendwie unter.

Ein Prosit, ein Schluck, „ah, das hat wirklich gefehlt“. Noch rasch ein Witzchen über die USA, wo man ja einen Mann gewählt habe, „der Bier nicht mal richtig buchstabieren kann“, und weiter geht’s. Viele Leute jubeln – einige aber reiben sich staunend die Augen.

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Dodo Gysi: Luthers Bibelübersetzung sei ein Akt der Demokratie

Gregor Gysi. Bild: FB

Der Linken-Politiker Gregor Gysi hat die von Martin Luther vor 500 Jahren angestoßene Reformation gewürdigt. Die Bibelübersetzung des Reformators könne als demokratischer Akt verstanden werden, sagte Gysi am Freitagabend auf einer Veranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach.

evangelisch.de

„Herrschaft drückt sich auch in einer Sprache aus, die nur wenige verstehen.“ Wer in einem Staat bestimme, an welchen Gott die Bürger glaubten, habe automatisch mehr Macht über die Menschen.

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Der gefallene Held der CSU ist wieder da

Quelle:brightsblog
Für die Anhänger Guttenbergs geht es gar nicht mehr um das Ob und Wann seiner Rückkehr, sondern nur noch um ein mögliches Amt. Das sagt viel aus, auch über den Wahlkampf.

Von Wolfgang Wittl | Süddeutsche.de

Er hat nur seinen ersten von neun Wahlkampfauftritten hingelegt, in der Stadthalle eines Ortes namens Kulmbach, der höchstens für Brauereien bekannt ist, nicht aber für Masseneuphorie. Er habe lediglich als „engagierter Bürger“ gesprochen, als einer, „der vielleicht banale Dinge zu sagen hat“, sagte er.

Und doch hat das politische Deutschland anschließend über kaum anderes philosophiert als über die Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg. Dabei ging es oft gar nicht mehr um das Ob und Wann, sondern nur noch um die Frage, welches Amt in einer neuen Bundesregierung der CSU-Mann demnächst übernehmen wird.

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Wahl Dodo des Monats August 2017

Dodo des Monats August 2017 ©HFR

Die Bundestagswahl in diesem Monat wirft ihre Schatten voraus. Politik und nicht wenige Schlagwort-Geber der Kirchen füllen den medialen Strom der Nachrichten täglich mit Blödsinn bis hin zur Idiotie. Die Feststellung der Kanzlerin Beten sei Privatsache ist so der Gipfel protestantischer Kleingeistigkeit, schweigen wäre die bessere Wahl gewesen. AfD-Gauland steht wohl kurz davor in SA-Uniform auf der Bühne zu erscheinen, während Theologen täglichen ihren Müll ins Internet gießen.

Die Wahl ist bis zum 07.09.2017, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird, am folgenden Tag, hier gewürdigt werden.

Die Kandidaten:

  1.  Helmut Affelt, „kleinkindischer Protest eines Türkenfeindes.“
  2.  Angela Merkel, „beten sei eine sehr private Angelegenheit.“
  3.  Hermann Gröhe, „Rechtstreue gegen religiöse Bigotterie, letztere gewinnt.“
  4.  Deutsche Bibelgesellschaft, „missionieren unter Afghanen.“
  5.  Alexander Gauland, „alternativer Müllschlucker.“
  6.  Heinrich Bedford-Strohm, „Fake News Produzent verlangt Qualitätsmedien.“
  7.  Thomas de Maizière, „mag Sultane.“
  8.  Günther Oettinger, „großzügig mit Geld, dass ihm nicht gehört.“
  9.  Heribert Hirte, „Endkampf gegen den Atheismus.“
  10.   Aiman Mazyek, „islamische Heulsuse.“
  11.   Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Gotteswahn gegen Homoehe.“
  12.  Jens Spahn, „Hinterwäldler mit paranoiden Großstadtgefühl.“
  13.  Andreas Kruse, „Pseudowissenenschaft mit Luther.“
  14.  Ulrich Hemel, „Schwierigkeiten mit der Kirchensteuer.“
  15.  Hartmut Rosa, „professoraler Unsinn über Demokratie und Religion.“

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Dodo Guttenberg zur Plagiatsaffäre: „Jetzt ist auch mal irgendwann gut“

  • Karl-Theodor zu Guttenberg ist aus den USA angereist, um vor 1200 Menschen in Kulmbach Wahlkampf für die CSU zu machen.
  • Anfangs gibt der frühere Verteidigungsminister in Sachen Plagiatsaffäre reumütig, findet dann aber: „Jetzt ist auch mal irgendwann gut.“
  • Er kritisiert SPD-Altkanzler Gerhard Schröder auch für sein Engagement beim russischen Ölkonzern Rosneft.

Süddeutsche.de

Er ist wieder da. Vor etwa sechs Jahren ist der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über eine in Teilen abgeschriebene Doktorarbeit gestürzt und danach in Deutschland von der Bildfläche verschwunden. Nun ist der 45-Jährige aus den USA angereist, um Wahlkampf für die CSU zu machen. Erste Station: seine Heimat Kulmbach in Oberfranken. Der Stammsitz seiner Adelsfamilie ist nur ein paar Kilometer entfernt.

Zunächst zeigt er sich reumütig: „Ich habe alle Konsequenzen ertragen“, sagt Guttenberg. „Aber ich darf auch nach so langer Zeit für mich sagen: Jetzt ist auch mal irgendwann gut.“ Applaus brandet auf, die rund 1200 Gäste in der vollbesetzten Halle sind am Mittwochabend begeistert.

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Der Islam kann auch untergehen

Der Religionswissenschaftler Michael Blume beobachtet einen „stillen Rückzug“ der Muslime. Viele hätten Glaubenszweifel und mit der Religion wenig oder gar nichts mehr zu tun, sagte er im Dlf. „Der Islam ist eigentlich in einer Krise – auch zahlenmäßig“.

Michael Blume im Gespräch mit Andreas MainDeutschlandfunk

Andreas Main: Wird das christliche Abendland von Muslimen überrollt? Ist die Islamisierung nicht zu stoppen? Das fragen sich die einen. Und die anderen: Wie lässt sich Islamophobie verhindern? Warum wird die ‚Religion des Friedens‘ so diffamiert? Zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Angst vor Muslimen und Verharmlosung reaktionärer Islamtendenzen ist wenig Platz für Schattierungen. Anders beim Religions- und Politikwissenschaftler Michael Blume. Er kritisiert Fehlentwicklungen im Islam – dies aber mit offenem Visier und ohne diffamierende Untertöne. Dies tut er in seinem neuen Buch, das von heute an lieferbar ist. „Islam in der Krise: Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug“, so heißt das Buch. Darin spricht Blume nicht nur über Muslime, sondern er richtet sich direkt an sie. Im richtigen Leben ist Michael Blume Referatsleiter im Staatsministerium Baden-Württemberg. Jetzt ist er uns in Stuttgart zugeschaltet. Guten Morgen, Herr Blume.

Michael Blume: Hallo Herr Main, guten Morgen.

Main: Herr Blume, alle reden von einer Expansion des Islams. Mir scheint, Sie sehen den Islam in der Krise. Sie rechnen, auch, wenn Sie das Wort nicht gebrauchen, eher mit einer Implosion. Kann man das so sagen?

Blume: Auf jeden Fall ist schon die Zahl der Muslime aufgebläht. Also, wir erfassen als Muslime alle Menschen, die von muslimischen Eltern abstammen. Während wir bei Christen nur diejenigen als Christen erfassen, die getauft wurden und einer Kirche angehören. Und schaut man sich das dann näher an, dann sehen wir tatsächlich, dass bei den Muslimen ein schnell wachsender Anteil Glaubenszweifel hat, mit der Religion wenig oder gar nichts mehr zu tun hat, sich von den Moscheeverbänden überhaupt nicht vertreten fühlt.

Und man sieht tatsächlich, dass die Säkularisierung bei Muslimen ebenso oder sogar stärker auftritt als bei Christen. Von dem her, ja, ist da schon was dran. Wir arbeiten da einfach mit unsauberem Zahlenmaterial, aber eigentlich ist der Islam in einer Krise – auch zahlenmäßig.

„Bei Muslimen kreuzt man einfach an: muslimisch …“

Main: Es ist also nicht nur ein statistisches Problem, sondern hinter der Statistik verbirgt sich ein Denkfehler?

Blume: So ist es. Also, wenn Sie beispielsweise heute bei uns, wenn wir jetzt in Deutschland sind, die Zahlen vom Religionsunterricht angucken, dann ist es so, dass bei den Christen geguckt wird: Gehören die Eltern einer Kirche an? Zahlen die ihre Kirchensteuer?

Bei Muslimen kreuzt man einfach an, muslimisch – und dann hat sich es. Also, da wird überhaupt nicht geschaut: Gehören die Leute einem Verband an oder Ähnliches? Das ist einfach eine Situation, weil man immer gesagt hat, der Islam der hat diese Tradition der Verkirchlichung nicht. Da gründen sich keine Gemeinschaften.

Das Gleiche übrigens im Blick auf das Judentum. Wir zählen als Juden selbstverständlich nur die Mitglieder der jüdischen Gemeinden, obwohl wir wissen, dass es auch zigtausende Menschen gibt, die von einer jüdischen Mutter abstammen, die halachisch jüdisch sind, aber die sich eben nie einer Gemeinde angeschlossen haben. Bei Muslimen machen wir das nicht.

Als Muslim gilt jeder und jede, wo die Vorfahren muslimisch sind. Und ich habe sogar im Freundeskreis Menschen, die davon genervt sind und die sagen: ‚Ich stamme vielleicht aus einer muslimischen Familie, aber ich habe mit Religion gar nichts mehr am Hut; und mich nervt das, dass ihr mich auf etwas festlegt, was ich nicht mehr bin.‘

 

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Dodo Mazyek – jammern auf hohem Niveau

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, forderte von der deutschen Gesellschaft und Politik einen toleranteren Umgang mit Muslimen. Er kritisierte deren Instrumentalisierung für den Wahlkampf und betonte die Probleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt – vor allem für Frauen mit Kopftüchern.

DAILY SABAH

Beim Interview mit der schweizerischen „Luzerner Zeitung“ beklagt er in der Hinsicht auch die ausgrenzende Rhetorik des Innenministers de Maizière. Den Spruch „Wir sind nicht Burka“ wertet er als einen Schritt, mehr Aufmerksamkeit beim Wahlkampf zu erlangen. „Wir haben keine Burka-Trägerinnen in Deutschland, nicht eine Einzige. Nikab-Trägerinnen haben wir, wenn es hoch kommt, 100 im ganzen Land. Ein Grossteil der Nikab-Trägerinnen, die man in der Öffentlichkeit sieht, sind zahlungskräftige Touristinnen aus dem arabischen Raum, sie leben also nicht mal in unserem Land. Deshalb ist das eine reine Symbolpolitik.“ Ein Burka-Verbot gehe an der Sache vorbei.

Soziale Konflikte würden von „einigen islamisiert“ und „der Glaube oft polarisiert“ – die Diskussionen würden dann „auf dem Rücken der Muslime ausgetragen“.

Die Diskriminierungen gegen muslimische Frauen müsse beendet werden. Viele hätten in Deutschland studiert, und seien gut ausgebildet – man würde sie aber dennoch immer öfter abweisen. Man solle nicht über das Kopftuch reden, sondern die Frau als Menschen betrachten, als eine Frau, die in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Die gegenwärtigen Diskriminierungen führten „faktisch zu einem Berufsverbot für die muslimische Frau“.

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