Heidegger und seine «Schwarzen Hefte»: Ein Anfall von Ideologie

Martin Heidegger (1960). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Die Diskussion um Heidegger und seine «Schwarzen Hefte» geht weiter. Eine Tagung in Freiburg i. Br. fragte in grösserem Bogen nach der «Ideologieanfälligkeit» von Intellektuellen.

Von Mario Schärli|Neue Zürcher Zeitung

«Mystiker» sei er, seine Philosophie «Nonsens», «nicht einmal brauchbare Tagträume» enthalte sie, schallte es aus dem Munde Rainer Martens ins volle Auditorium der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. – Wer? Martin Heidegger, 1928 ebendorthin auf eine Professur berufen, einer der wirkungsmächtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts und infolge der Veröffentlichung seiner «Schwarzen Hefte» – wieder – in aller Munde. «Schwarz» ist an diesen Heften nicht bloss der Einband, sondern auch der Inhalt – und Letzteres machte sie zum Anlass einer Tagung über «die Ideologieanfälligkeit der Intellektuellen», die vergangene Woche an Heideggers früherer Wirkungsstätte stattfand. Es ist nicht die erste seit dem Erscheinen jener Hefte und wird nicht die letzte gewesen sein.

weiterlesen

Heidegger Antisemitismus: Es denkt ja keiner mehr

Martin Heidegger (1889-1976). Foto: dpa
Fortgesetztes Streiten, und jetzt steht offenbar eine neue Runde bevor: Ist die Philosophie Heideggers noch zu retten?


Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Und noch einmal 500 Seiten Heidegger. Band 97 der Gesamtausgabe, „Anmerkungen I – V (Schwarze Hefte 1942 – 1948)“. Sehr viel über das „Geschwätz“ allerorten und die „heute Stil gewordene Angst vor dem Denken“, über die „machenschaftliche“ Technik, über die Demokratie („Deckname für den planetarischen Schwindel“) – und über den Nationalsozialismus. Das ist nicht überraschend.

Vor einem Jahr erschienen die ersten drei Bände dieser „Schwarzen Hefte“, benannt nach der Farbe des Einbandes: Notizen Heideggers in schwarzen Kladden. Die Gesamtausgabe ist keine historisch-kritische, keine, die Streichungen, Ergänzungen und Änderungen dokumentiert, sondern eine „Ausgabe letzte Hand“. Sie wurde noch vor Heideggers Tod 1976 begonnen, und er wollte gern, dass diese „Schwarzen Hefte“ die Gesamtausgabe abschließen. Sie waren ihm besonders wichtig, um 1970 hat er sie noch einmal genau durchgesehen.

weiterlesen

Uni Freiburg: Gotteszeichen im Nilpferdmaul

Bild: badische-zeitung.de

Raus aus der Schmuddelecke, rein in die Uni: Erstmals wird Esoterik in Deutschland zum Studienfach. Die Alchemie zum Beispiel mag längst von der Chemie verdrängt worden sein – in Freiburg ist sie nun Unterrichtsgegenstand. Der Wille, seriös zu wirken, eint Lehrende und Studenten schon am ersten Tag.

Von Melanie StaudingerSüddeutsche.de

Wenn Bernhard Uhde erklären will, was Esoterik ist, malt er ein Nilpferd. Genauer gesagt den Kopf des Tieres. Von vorne. Er zeichnet die kugeligen dunklen Augen, die kleinen Ohren und das Maul in Form eines rund geschwungenen Ws.

Die Schnauze erklärt, wie Esoteriker ticken. So sieht es zumindest der katholische Theologe. Esoteriker würden das Maul, das viele Menschen entweder als putzig oder vielleicht noch als bedrohlich wahrnehmen, als doppeltes Gotteszeichen interpretieren. Die Gestalt würde sie erinnern an den griechischen Buchstaben Omega, der mit dem Alpha ein Zeichen für den allumfassenden Gott im Christentum bildet. Oder die Schnauze würde sie an einen arabischen Buchstaben denken lassen, der im Wort Allah vorkommt.

weiterlesen