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Aufklärung macht Arbeit

Vor dreißig Jahren erschien in Frankreich der bahnbrechende Essay „Die Niederlage des Denkens“. Darin warnte der Philosoph Alain Finkielkraut vor einer Nationalisierung der Werte und warb für mehr Universalismus. Eine Wiedervorlage zur Flüchtlingskrise

Von Tilman Krause | DIE WELT

Wo einer herkommt, ist natürlich immer interessant. Aber wo einer hingeht, kann auch ganz aufschlussreich sein. Wenn er denn hingeht, weggeht. Wenn er sich aus vorbewussten Prägungen befreit. Wenn er denn das Unwissen oder um mit Kant zu sprechen: die Unmündigkeit hinter sich lässt und zu einem autonomen Individuum wird. Denn das ist ja beileibe nicht selbstverständlich.

Vieles hindert einen heute an dieser Arbeit am eigenen Ich. Die Macht der Religionen oder antidemokratische Regime spielen dabei zumindest in unseren Breiten keine übermäßig große Rolle mehr. Aber auch die Spaßgesellschaft setzt andere Prioritäten und legt vor allem darauf Wert, dass wir konsumieren. Und das turbokapitalistische Zeitalter der Globalisierung, in das wir eingetreten sind, bevorzugt ebenfalls ein Menschenbild, in dem das autonome Individuum, um es vorsichtig zu sagen, nicht geradezu ein Wunschkind darstellt. Mobilität und Verfügbarkeit sind wichtiger.

Gegner des Autonomiepostulats können sich dabei auf allerhand antiaufklärerische Strömungen berufen, die bisweilen weit in die Geschichte zurückgehen. Sie zu kennen, kann daher nicht von Nachteil sein, wenn man Werte wie Freiheit, Vernunft, Gerechtigkeit auf seine Fahnen schreibt.

Das mag sich auch Alain Finkielkraut gedacht haben, als er vor dreißig Jahren seinem französischen Publikum mit der Studie „Die Niederlage des Denkens“ eine geistesgeschichtliche Spurensuche vorlegte, die sich gewaschen hatte. Gewaschen deshalb, weil sich der Autor, der schon damals zu den bekanntesten „neuen Philosophen“ zählte, die seit Ende der Siebzigerjahre die marxistischen Meisterdenker abzulösen begannen, sich mit so ziemlich allen damals in Kurs stehenden publizistischen Lagern anlegte.

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Bewusstseinsschärfung statt direkte Problemlösung

Der Physiker und Technikphilosoph Klaus Kornwachs (geb. 1947) lehrte und lehrt an verschiedenen deutschen und internationalen Universitäten und ist heutzutage vor allem publizistisch und als Berater tätig. Bekannte Werke von ihm sind die „Philosophie für Ingenieure“, die „Strukturen technologischen Wissens“ und eine Schrift zur Theorie der Offenen Systeme. 2013 erschien sein Buch „Philosophie der Technik – Eine Einführung“. Er glaubt, dass „vermutlich gar nichts“ passieren würde, „wenn wir durch einen Zufallsgenerator einfach ein Drittel der wissenschaftlichen Publikationen streichen“.

Von Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Kornwachs, haben Technik und Wissenschaft Probleme erzeugt, die sie selbst gar nicht mehr lösen können – und kann die Philosophie bei ihrer Lösung helfen?

Klaus Kornwachs: Zunächst einmal geht es um das Verhältnis von Wissenschaft und Technik: Technik hat mit Handeln und Wissenschaft mit Wissen zu tun, aber die Grenzen zwischen Wissenschaft und Technik verschwinden immer mehr.

Nun wurden Probleme geschaffen, die Folgen bestimmter Technologien (also nicht ursprünglich gesellschaftlicher Natur) sind, die aber nachher, wie sich herausstellt, eine erhebliche gesellschaftliche Wirkung besitzen. Diese gesellschaftliche Wirkung kann wiederum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sein.

Wenn wir nun im Zusammenhang mit der ganzen Umwelt- und Klimaproblematik oder der Veränderung der Strukturen in der Gesellschaft und Arbeitswelt an die Philosophie denken: Natürlich kann die Philosophie einerseits Wissenschaften und die Auswirkungen der Technik analysieren, andererseits ist Philosophie selbst keine Wissenschaft. Wissenschaft, hat Heidegger einmal gesagt, denkt nicht.

Das heißt, die Wissenschaft selbst – denken wir aktuell zum Beispiel an die Theorien zur Nutzung von Big Data – hat nicht ihren Problem-Fokus in den strukturellen und geistigen Veränderungen, die sie bewirkt. Diesen Fragen kann sich wiederum die Philosophie stellen. Sie kann wahrscheinlich nicht direkt zu einer Problemlösung beitragen, aber sie kann die Fragen und das Bewusstsein schärfen und trägt damit mittelbar zur Lösung bei.

Die technologische Entwicklung hat mittlerweile Folgen, welche den Menschen Tausende von Jahren betreffen können. Wie hat sich diese Verselbständigung von Wissenschaft und Technik ergeben?

Klaus Kornwachs: Dass Wissenschaft und Technik sich verselbstständigt hätten, ist selbst schon eine philosophische oder gesellschaftstheoretische These, der ich in dieser Form widersprechen möchte: Haben sich Wissenschaft und Technik tatsächlich verselbstständigt oder haben wir nicht zugelassen, also Institutionen und Regeln geschaffen, dass sie das tun können? Seit dem Aufstieg der wissenschaftlichen Methode bei Galilei hält man etwas fest, analysiert es und gibt sich dadurch Regeln, wie man wissenschaftlich vorgeht.

Dies sind nicht nur methodische Regeln, sondern auch institutionelle Regeln, die dann der Stabilisierung des Wissenschaftssystems dienen. Dies wird zum Teil als Verselbständigung interpretiert. Wenn heute in der Wissenschaft gilt, veröffentliche oder gehe unter, dann wird das als reiner Zwang und Verselbständigung interpretiert – aber dabei wird unterschlagen, dass Menschen dafür verantwortlich sind, dass diese und keine anderen Regeln durchgesetzt worden sind. Regeln und das, was Menschen wollen – all das kann sich wandeln.

Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass ab einem gewissen Punkt sogar eine Sättigung in Sachen Wissenschaft eintreten könnte, denn wirklich ganz neue Erkenntnisse zu gewinnen, wird immer aufwändiger. Was würde denn passieren, wenn wir durch einen Zufallsgenerator einfach ein Drittel der wissenschaftlichen Publikationen streichen würden? Vermutlich gar nichts.

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Als die Aufklärung begann

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Wie eine Zeit nach der Aufklärung sich die Zeit vor der Aufklärung vorstellte: Wanderer am Weltrand in einem populärwissenschaftlichen Werk von 1888.
In einem Doppelband des «Grundrisses der Geschichte der Philosophie» wird die Geistesbewegung der Aufklärung in Mittel-, Nord- und Osteuropa in einem eindrucksvollen Panorama vor Augen geführt.

Von Ulrich Kronauer | Neue Zürcher Zeitung

Im Schwabe-Verlag in Basel erscheint, in solides Leinen gewandet, das philosophiehistorische Standardwerk in deutscher Sprache, der «Grundriss der Geschichte der Philosophie». Es knüpft schon mit dem Titel an die Tradition des im 19. Jahrhundert von Friedrich Ueberweg realisierten Projekts einer Darstellung der gesamten Philosophiegeschichte an. Von dem neuen, von Helmut Holzhey herausgegebenen «Grundriss», der auf vierzig Bände angelegt ist und der damit alle bisherigen Auflagen und Bearbeitungen des «Ueberweg» an Umfang weit übertrifft, ist mehr als ein Viertel erschienen. Der Philosophie des 18. Jahrhunderts ist eine eigene Abteilung gewidmet, die fünf Bände umfasst und inzwischen vollständig vorliegt.

Vernunft und Toleranz

Helmut Holzhey und Vilem Mudroch haben den fünften Band dieser Abteilung herausgegeben, der aus zwei umfangreichen Halbbänden besteht und in dem die Philosophie in Mittel-, Nord- und Osteuropa behandelt wird oder, genauer, in dem noch bis 1806 formell bestehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, in der Schweiz, in Skandinavien, Polen, dem Königreich Ungarn und Russland.

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Abdel-Samad plädiert für «Islam light»

Hamed Abdel-Samad, Bild: bb
Hamed Abdel-Samad, Bild: bb

Ägyptisch-deutscher Publizist: Es komme darauf an, ein Mittelmaß zu finden. In einer modernen Gesellschaft sei es unmöglich, Religion so zu leben, wie das über Jahrhunderte der Fall gewesen sei.

kath.net

Der ägyptisch-deutsche Publizist Hamed Abdel-Samad (44) hat sich für eine Art «Islam light» ausgesprochen. Dazu gehöre eine gewisse Distanz zum eigenen Glauben, führt er in der Rubrik «Glaubensbekenntnis» der «Süddeutschen Zeitung» (Wochenende) aus. Damit wolle er nicht die Menschen, die jetzt nach Deutschland kämen, zum Atheismus aufrufen. Aber es komme darauf an, ein Mittelmaß zu finden. In einer modernen Gesellschaft sei es unmöglich, Religion so zu leben, wie das über Jahrhunderte der Fall gewesen sei.

Er glaube nicht an große, endgültige Antworten, bekannte Abdel-Samad. «Aber ich glaube an Fragen, an Selbsterkenntnis, an Vernunft, an die Liebe und an die Macht der Worte.» Der Sohn eines Imams wuchs nach eigenen Angaben «sehr religiös» auf. Als geborener Individualist habe er sich aber schon als Kind in diesem Kollektiv fremd gefühlt. «Mich bedrückte vor allem die Idee der sozialen Kontrolle und dass mich Gott 24 Stunden am Tag intensiv beobachtet.» Das führe automatisch zu einem schlechten Gewissen.

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Über Religion und Vernunft: Salman Rushdies neuer Roman

Bild: dw.com
„Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“ heißt das neue Buch des Schriftstellers. In Deutschland ist es nun in die Buchläden gekommen. Und natürlich geht es auch in diesem Roman um das Thema Religion.

Von Jochen Kürten|Deutsche Welle

Kaum denkbar, dass Salman Rushdie ein neues Buch vorlegen würde, in dem Religion nicht behandelt wird. Zu sehr haben sich bei diesem Autor spätestens nach der gegen ihn verhängten Fatwa Literatur und Religion, Kunst und Lebenspraxis miteinander verzahnt. Und so ist auch der Roman „Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“, den der Bertelsmann-Verlag jetzt auf Deutsch vorlegt, ein Buch über den Glauben, die Religion und ihre Kritiker.

Zwei Philosophen im Streit

In einer Mischung aus Märchen und Wirklichkeit erzählt Rushdie im Roman vom Philosophen Ibn Ruschd und dessen Auseinandersetzung mit dem islamischen Denker Ghazali. Geschildert wird ein Kampf zwischen Glauben und Vernunft. Zum Figurenarsenal des Buches gehören Menschen, Götter und Geister. Der Titel des Romans bezieht sich auf die morgenländische Erzählsammlung „Tausendundeine Nacht“: Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte ergeben 1001.

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Türkei: Eiskalte Rachepolitik

Ein türkisches Kampfflugzeug hebt vom Luftwaffenstützpunkt Incirlik ab. (Foto: AP)
Die Hoffnungen auf eine baldige Beilegung des Konflikts zwischen Ankara und der PKK schwinden. Der Krieg rückt näher an Europa heran.


Von Mike Szymanski|Süddeutsche.de

In der Türkei ist wieder ein blutiges Wochenende zu Ende gegangen. Die furchtbare Bilanz: mindestens drei Tote und Dutzende Verletzte allein bei Anschlägen, für die türkische Behörden die PKK verantwortlich machen.

Auf kurdischer Seite sollen seit Beginn der Kämpfe mindestens 260 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Nachrichten aus der Türkei ähneln in erschreckender Weise jenen aus den Nachbarländern, die längst im Chaos versunken sind. Der Krieg rückt näher an Europa heran.

Mit jedem Anschlag, mit jedem Kampfeinsatz der türkischen Armee schwindet die Hoffnung auf eine schnelle Beilegung des Konflikts. Vernunft oder Verhältnismäßigkeit ist auf keiner Seite auszumachen.

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Michel Foucault: Das Christentum als Religion der Beichte

Der französische Philosoph Michel Foucault hat sich sein Leben lang mit der Frage nach den Ursprüngen des abendländischen Subjekts beschäftigt. In seinen Vorlesungen über die „Regierung der Lebenden“ von 1980 ging er dabei auf die frühen christlichen Beichtzeremonien ein – mit Erkenntnissen auch für den heutigen Menschen.


Von Ruthard Stäblein|Deutschlandfunk

Michel Foucault, Bild: twitter

Wie kann man ein Studienjahr lang Vorlesungen halten über entlegene Texte von Kirchenvätern aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus? – Wo es um komplizierte Taufverfahren und Bußrituale geht, die heute keiner mehr versteht oder gar einhält! – Und das am renommiertesten Institut, das die französische Wissenschaft hervorgebracht hat. Am Collège de France. Und das vor einem Publikum, das aus aller Welt nach Paris pilgert, um diese Stimme zu hören. Man nimmt in Kauf, nur einen Platz auf den Stufen zu ergattern, gar in einen zweiten Saal verwiesen zu werden, wo die Stimme des Meisters übertragen wird. Also, man kann über die Kirchenväter reden und zwei Säle füllen, wenn man Michel Foucault heißt, und erklären kann, dass man sich dabei an einem Ursprungsort befindet: Wo und wie ist das entstanden, was wir heute Ich nennen: Foucault resümiert den Wendepunkt auf seinem Forschungsweg, der ihn 1980 zu seiner Vorlesungsreihe über „Die Regierung der Lebenden“ geführt hat:

“Ich würde nicht sagen, dass ich ein großer Denker unserer Epoche bin. Was mich seit 15 bis 20 Jahren beschäftigt hat, kommt jetzt an die Oberfläche. Ich war mit meiner Taucherglocke ganz unten im Ozean. Ja, ja, ganz unten. Ich komme mir vor wie jemand, der untergetaucht wäre, der sich in seiner Taucherglocke, zwischen Sand und Felsen befand, und jetzt also wird der Grund des Meeres hoch gespült, und ich befinde mich beinahe an der Oberfläche des Wassers.“

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Kann man Robotern Moral beibringen?

Bild: 4ever.eu bearb.: bb
Bild: 4ever.eu bearb.: bb
Vernunft, Entscheidungsfähigkeit, Urteilskraft – wie viel von diesen menschlichen Kompetenzen lässt sich auf Roboter übertragen? Maschinen könnten durchaus ähnlich wie ein Mensch handeln, sie seien „Quasi-Akteure“, sagt die Philosophin Janina Sombetzki.


Janina Sombetzki im Gespräch mit Liane von Billerbeck|Deutschlandradio Kultur

In Köln findet derzeit das Internationale Festival der Philosophie „phil.COLOGNE“ statt. Dort wird die Kieler Philosophin Janina Sombetzki einen Vortrag zum Thema Roboterethik halten.

Maschinen könnten durchaus ähnlich „wie ein Mensch“ handeln, sie seien als „Quasi-Akteure“ zu betrachten, sagte Sombetzki im Deutschlandradio Kultur. Bestimmte menschliche Fähigkeiten und Kompetenzen ließen sich in äquivalenter Weise auf Maschinen übertragen, etwa Urteilskraft, Entscheidungsfähigkeit, Vernunft oder Autonomie.

„So dass man nicht sagen muss: Maschinen haben Autonomie, Maschinen haben  Verantwortung. Sondern sie tragen etwas vergleichsweise Ähnliches. Sie funktionieren in einer ähnlichen Weise wie Menschen. Und sie werden in Situationen zum Einsatz gebracht, in denen eben vorher auch Menschen handelten und immer noch handeln.“

Bei der Diskussion um Roboterethik sei das Verständnis von Autonomie von zentraler Bedeutung, meinte Sombetzki. Viele Kritiker definierten Autonomie ausschließlich als das Fehlen von äußeren Gründen. Dem sei eine andere Definition von Autonomie „im starken Sinne“ entgegenzusetzen:

„Autonomie ist überall dort, wo wir unserem Handeln Gründe setzen. Bei Menschen ist das relativ einfach, da sagt man: wie kommen wir zu unseren guten Gründen? Durch Erziehung beispielsweise, durch Bildung, durch Kommunikation. Und bei Maschinen müssten wir dann sagen: Die guten Gründe stellen sozusagen die Programmierung dar.“

Aufgabe der Wissenschaftler sei es, den Diskurs über die Roboterethik in die Öffentlichkeit zu tragen. Dabei gehe es besonders um moralische und ethische Fragen:

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Dodo Käßmann fordert mehr christliches Selbstbewusstsein

Margot-KässmannEuropäische Christen sollten sich nicht ständig entschuldigen, verlangt die Theologin. Nicht nur der Kirchenbesuch zähle, sondern Verschränkung von Glaube und Vernunft.


ZEIT ONLINE

Die Altbischöfin und Botschafterin der Reformation, Margot Käßmann, fordert in der ZEIT mehr christliches Selbstbewusstsein. „Europäische Christen sollten sich nicht dauernd entschuldigen, dass unsere Kirchen weniger voll sind als etwa in Südkorea“, sagte sie. Kirchenbesucherzahlen sagten nichts über Glaubwürdigkeit aus. Die Europäer hätten es geschafft, Glaube und Vernunft zusammenzuhalten. „Das ist eine Kulturleistung. Wir sollten selbstbewusster sein.“

Käßmann verteidigt die Modernität der evangelischen Kirche: „Die russische Orthodoxie hat uns Protestanten immer wieder vorgeworfen, dass wir verwestlicht seien und die Tradition verraten. Dagegen wehre ich mich. Wir sind tolerant aus Überzeugung.“

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Franz-Witz: Ideologischer Einfluss der EU destabilisiert Familien

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst warnt: Litauen sei durch seine EU-Mitgliedschaft einem „ideologischen Einfluss“ ausgesetzt, der die herkömmlichen Familienstrukturen destabilisiere.


kath.net

Papst Franziskus hat die Bischöfe Litauens zur Verteidigung der klassischen Familie aufgerufen. Als Mitglied der EU sei das Land einem „ideologischen Einfluss“ ausgesetzt, der die herkömmlichen Familienstrukturen destabilisiere, sagte Franziskus den Bischöfen bei ihrem turnusmäßigen Besuch am Montag im Vatikan. Er kritisierte einen „falsch verstandenen Sinn für die persönliche Freiheit“ und einen wachsenden Relativismus. Dagegen solle die Kirche mit Vernunft und Glauben angehen und besonderen Wert auf die Familienseelsorge legen.

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Christentum: Glaube ist Urvertrauen—Bullshistic

Das Kreuz mit den Religionen
Das Kreuz mit den Religionen
Ich habe lange einen Weg gesucht, Glaube und Vernunft zu verbinden. Nach einer Rundreise durch verschiedene Religionen und Philosophien habe ich ihn gefunden.

Von Thomas JakobZEIT ONLINE

Glauben ist für mich so etwas wie ein kultiviertes Urvertrauen. So wie ein Baby Urvertrauen zu seiner Mutter hat, weil es sich bewährt hat, weil es den Charakter einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung hat, weil es seine beste Chance ist. Das gilt selbst dann, wenn dieses Vertrauen nicht in jedem Einzelfall berechtigt ist.

Es gibt Menschen, die ein solches Urvertrauen von Natur aus haben. Auch Atheisten und Agnostiker sehe ich darunter. Solche Naturtalente brauchen keinen ausformulierten Glauben, aber alle anderen fahren besser mit einer soliden und reifen Religion.

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Angesichts der Islamisten will man Atheist werden

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Doch dann erinnert man sich daran, dass Gott uns auch um ihretwillen das moralische Gesetz gegeben hat. Überhaupt: Religion und Vernunft müssen sich nicht ausschließen. Die Geschichte beweist es.

Von Hannes SteinDIE WELT

In grauer Vorzeit war das Leben der Menschen arm, viehisch, garstig und kurz. Hilflos waren sie den Naturgewalten ausgeliefert. Also erfanden die Menschen sich die Götter: Wenn es donnerte, machten sie die Himmelsgewalten dafür verantwortlich, wenn ein Vulkan ausbrach, warfen sie sich zu Boden und beteten. Priester beuteten die Furcht der Massen aus und hielten sie in Unwissenheit. Sie verfassten heilige Schriften, kassierten den Zehnten und sorgten dafür, dass niemand sich seines eigenen Verstandes bediente.

Doch dann begann der Aufstieg der Naturwissenschaften. Der Priestertrug wurde durchschaut. Galileo Galilei richtete sein Fernrohr gen Himmel und sah, dass über unseren Köpfen nur Leere war. Heute glaubt zum Glück nur noch eine Handvoll unbelehrbarer Trottel an Götter und heilige Schriften.

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Papst: Europas Bischöfe sollen moderne Säkularität ergründen

Bild: stanet.ch
Rat der Europäischen Bischofskonferenzen tagt bis Sonntag zum Thema „Gott und Staat. Europa zwischen Säkularisierung und Säkularismus“ – Kardinal Erdö: Europas Identität hat sich seit Anfängen der Union vor 60 Jahren stark verändert.

kathweb

Papst Franziskus hat am Donnerstag die in Bratislava versammelten Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Europas aufgerufen, sich intensiv mit dem Thema Säkularisierung und Laizität auseinanderzusetzen, um einen Beitrag für eine tragfähige neue europäische Kultur zu liefern. In einem Telegramm an den ungarischen Primas und Präsidenten des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Kardinal Peter Erdö, hebt Franziskus die Notwendigkeit hervor, dass die Kirchen den Menschen in Europa dienen, indem sie das Projekt einer Harmonie von Glauben und Vernunft, von Freiheit und Wahrheit vermitteln. Das Telegramm ist von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone gezeichnet.

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Kurt Flasch: „Lasst alle Dogmen fahren“ – Warum ich kein Christ bin

Glaube steht gegen Vernunft: Kurt Flasch schlägt die christlichen Traditionalisten mit ihren eigenen Waffen

Von Matthias KamannDIE WELT

Der neuen Rechtgläubigkeit hätte nichts Schlimmeres passieren können als dieses Buch. Niemand hätte die christliche Traditionalistenfraktion um Joseph Ratzinger überzeugender abfertigen können als Kurt Flasch. Denn dieser hochgelehrte Philosoph und Historiker nimmt die Neodogmatiker beim Wort. Das setzt sie schachmatt: dass Flasch ihren Argumentationen folgt.

Flasch folgt ihnen schon dort, wo er ein Wischiwaschi-Christentum zurückweist. Er spottet über Eugen Drewermann und Anselm Grün, die „auf den Wiesen der Seelenkunde grasen“. Wenig hält Flasch auch von jenen, die den biblischen Schwulenhass durch Metaphorisierung entschärfen wollen. Wer die Bibel nur bildlich verstehen und damit ins Sanfte transferieren wolle, so Flasch, „kommt mir vor wie ein freundlicher und sensibler junger Mann, der aus Familiengründen in einen Anglerverein geraten ist, der dann aber seine Sympathie für die Fische entdeckt und vorschlägt, der Anglerverein soll sich in Zukunft mit dem Häkeln von Tischdecken statt mit dem Töten von Fischen beschäftigen“.

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The Unbelievers – World Premier – Hot Docs 2013

With their (r)evolutionary creed “believe in science, not God,” renowned scientists Richard Dawkins and Lawrence Krauss court controversy, enraging as many as they enlighten. Witness them crusade to replace religion and politics with a far more powerful idea: reason.

Richard Dawkins Foundation for Reason and Science

Esoterik: „Es gibt die Freiheit, Unsinn zu glauben“

Hartmut Zinser leitet ein Projekt zur „Rückkehr der Religionen“ Bild: FU-Berlin

Professor Hartmut Zinser forscht kritisch über Esoterik. Er erklärt, warum Pendel, Orakel und Jenseitskontakte zu Irrtümern führen – und wieso asiatischer Glaube so fasziniert.

Von Holger KreitlingDIE WELT

Hartmut Zinser, Jahrgang 1944, ist pensionierter Professor für Religionswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Er hat sich lange kritisch mit Esoterik und Okkultismus beschäftigt, war Mitglied der Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ des Deutschen Bundestages. Daneben leitet er ein Forschungsprojekt zur „Rückkehr der Religionen“.

Die Welt: Wird Esoterik immer noch stärker?

Hartmut Zinser: Esoterische und okkulte Vorstellungen sind zu einem Teil unserer Alltagskultur geworden. Dies könnte noch weiter zunehmen mit der Verschärfung der sozialen Fragen, also Arbeitslosigkeit, Orientierungs- und Perspektivlosigkeit.

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Mit unscharfer Logik, „fein abgestimmt“ gegen Dawkins

Religion und Vernunft haben nichts miteinander zu tun – behauptet der radikale Religionskritiker Richard Dawkins. Ein US-Bestsellerbuch, das mit intellektueller Brillanz die Gegenthese vertritt, ist jetzt auf Deutsch erscheinen.

merkur-online.de

Wie kommt es, das aktuell ein Buch erschienen ist, das den Anspruch erhebt, ein Werk zu widerlegen, das bereits sechs Jahre auf dem Buckel hat? Besagter Bestseller ist der „Gotteswahn“ des Biologen Richard Dawkins, eine massive Polemik gegen die Religion im Allgemeinen und den christlichen Glauben im Besonderen.

Nun ist es nicht so, dass Dawkins Werk bis heute unwidersprochen geblieben wäre. Das Buch erntete rasch auch vernichtende Kritiken: Dawkins stelle ein Zerrbild der Religion dar, wurde ihm vorgeworfen. Außerdem propagiere er einen vermeintlich unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Naturwissenschaft und Glaube, der sich bei näherem Hinsehen vielmehr als Gegensatz zwischen den beiden philosophischen Systemen des Materialismus und Theismus darstelle. Somit argumentiere Dawkins nicht mit DER Naturwissenschaft an sich, sondern mit einer materialistischen Weltsicht, die er an die Naturwissenschaft herantrage. Zumal, so ein weiterer Kritikpunkt, offenbare der brillante Rhetoriker Dawkins in punkto Philosophie und Theologie eklatante Wissenslücken.

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Beschneidung: Geist und Fleisch

Beschneidungsbesteck: Juden und Muslime wundern sich über den aktuellen Furor über den Ritus ©DPA

Die Praxis wie auch die Ablehnung der Beschneidung sind in hohem Maß kulturrelativ. Die Unterstellung aber, ganze Bevölkerungsgruppen vergingen sich am Wohl ihrer Kinder, ist abwegig und anmaßend.

Von Reinhard BingenerFrankfurter Allgemeine

Vernunft und Zivilisation können auf archaische Riten rückständiger Minderheiten keine Rücksicht nehmen! Im Namen des Rechts ist es sogar geboten, unaufgeklärte Minderheiten vor der Verstümmelung ihrer Kinder zu schützen! In etwa so legten sich – zwei Jahrtausende vor Erfindung von Talkshow und Internetforum – auch schon griechische und römische Autoren die Sache mit der Beschneidung zurecht. In der longue durée hat sich also wenig geändert: Viele Europäer halten für fortschrittlich, was sie schon immer für fortschrittlich hielten.

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Papst: Dialog von Wissenschaft und Glauben überlebensnotwendig – Für wen?

Bild: evangelisch.de

Vom Dialog von Glaube und Wissenschaft hängt das Schicksal der Menschheit ab. Das hat der Papst an diesem Donnerstag vor Vertretern der päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Vatikan unterstrichen. In einer Grundsatzrede über den Sinn und Zweck des wissenschaftlichen Fortschrittes ging der Papst ausführlich auf das Thema der Plenarsitzung der Akademie ein, die am Mittwoch zu Ende ging: „Komplexität und Analogie in der Wissenschaft: Theoretische, methodologische und epistemologische Aspekte“. Benedikt XVI.:

muenchner kirchenradio

„Im großen menschlichen Unternehmen des Strebens nach Entschlüsselung der Geheimnisse der Menschheit und des Universums bin ich überzeugt davon, dass wir einen fortgesetzten Dialog und weitere Zusammenarbeit zwischen den Welten der Wissenschaft und des Glaubens brauchen, um eine Kultur des Respektes für die Menschheit, die menschliche Würde und Freiheit, die Zukunft der Menschheitsfamilie und für eine langfristige und nachhaltige Entwicklung unseres Planeten aufzubauen. Ohne dieses Zusammenspiel verlassen die großen Fragen der Menschheit den Bereich der Vernunft und Wahrheit und werden dem Irrationalen, dem Mythos, der Gleichgültigkeit preisgegeben, was der Menschheit, dem Weltfrieden und unserem letzten Schicksal sehr schadet.“

Unitarier: Zwischen Pantheismus und Atheismus

Betendes Mädchen (Bild: Stock.XCHNG – Cris Watk)

Kann es eine Religionsgemeinschaft geben, die alle konfessionellen Grenzen überschreitet? Was vor allem für Anhänger der großen Buchreligionen schwer vorstellbar ist, das versuchen die Unitarier zu verwirklichen. Sie sind eine weltweite Bewegung. Eine kleine Unitarier-Gemeinschaft gibt es auch in Deutschland.

Von Rainer BrandesDeutschlandfunk

„Wir glauben, dass alles, was ist, eine Ganzheit bildet.“

Dieser Satz findet sich in den sogenannten „Grundgedanken“ der Deutschen Unitarier – einem Dokument, das zwar kein Glaubensbekenntnis ist, das aber die grundlegenden Glaubensinhalte und Prinzipien der Unitarier festhält, auf die sich alle Mitglieder einigen konnten. Und tatsächlich bildet die Aussage, dass alles, was ist, eine Ganzheit bildet, den Kern unitarischen Denkens. Daher auch der Name: „Unitarier“: Das Wort leitet sich aus dem lateinischen „unitas“ ab, was übersetzt „Einheit“ bedeutet. Dahinter steckt die Idee, dass es keine Trennung zwischen einem Diesseits und einem Jenseits gibt. Stattdessen glauben Unitarier an allumfassende schöpferische Kräfte, die sich in allen Dingen äußern.

„Viele Unitarier würden ihre Religion als eine Form des Pantheismus verstehen – also die Vorstellung, dass Gott und Welt untrennbar miteinander verbunden sind. Aber diese Unitarier würden auch nicht von Gott – dem Gott – sprechen, sondern sie würden eher sagen, es gibt schöpferische Kräfte, göttliche Kräfte.“

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