Konklave der Angst?


Coelestin V., als Papst am 13. Dezember 1294 zurückgetreten – vielleicht nicht ohne Zutun seines Nachfolgers, des berüchtigten Bonifaz VIII. Bild: Marie-Lan Nguyen/gemeinfrei

Viele Medien verbreiten vor der Papstwahl aberwitzige Personalkarusselle. Sinnvoller wäre es, zum Amtsverzicht von Benedikt XVI. und zum Chaos der Römischen Kirche unbequeme Fragen zu stellen

Von Peter BürgerTELEPOLIS

Die berühmten Bischöfe aus den ersten Jahrhunderten der Kirche, auch die Bischöfe von Rom, wurden von den Gläubigen gewählt. Bis heute ist bei jeder Weihe eines Priesters zwingend die Frage vorgeschrieben, ob denn auch das Volk befragt worden sei. Indessen wird das Volk in der lateinischen Kirche nie befragt, so dass schon die Klerikerweihe mit einer Lüge beginnt. Alle Kandidaten für Bischofsstühle, auch für den von Rom, gehen somit in nachapostolischer Betrachtung aus einer illegalen Hierarchie-Bildung hervor. Das gilt wohlgemerkt in theologischer, nicht in demokratietheoretischer Hinsicht. Am wenigsten haben die Getauften und Ortskirchen auf dem ganzen Globus Einfluss auf die Ernennung von Kardinälen, denen vor neun Jahrhunderten das anmaßende, alleinige Privileg der Papstwahl willkürlich verliehen worden ist. Das Verfahren der ägyptischen Kopten, im letzten Papstwahlgang ein blind gezogenes Los entscheiden zu lassen, kann geradezu biblisch genannt werden im Vergleich mit dem ganz und gar unbiblischen Prozedere des Konklaves der Kirche von Rom. Das sollte man beim kommenden Schauspiel im Vatikan nicht vergessen.

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1 Comment

  1. Das mit der Wahl durch das Volk ist falsch, viele Bischöfe sind frei erfunden, haben sich den Bischofsitz gekauft oder mit Gewalt erobert

    Der Bischof Petrus, der sich 33-67 n.C. um die Gemeinde in Jerusalem gekümmert hat, den hat es so wenig gegeben wie den Lattenjupp. Der jüdische Prophet Saulus hat ihn beim Besuch in Jerusalem nicht erwähnt, weil es ihn nicht gab. Aus Saulus wird erst 180 n.C. der christliche Apostel Paulus durch Vermischung mit der Person des Simon Magus, was Irinäus von Lyon und Hippolyt von Rom in Texten erfinden.

    Damasius I macht sich mit Gladiatoren selber zum Papst, obwohl Ursinus gewählter Nachfolger von Papst Liberius ist.

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