Der Dodo des Monats August 2008


Dodo August 2008
Dodo August 2008
Christine Haderthauer

Griàss aich, laidl, gfraid me, dass hergfundn habts.

Es ist ein Kreuz mit den Landrätinnen der CSU. Die Eine gibt ihr Parteibuch ab und muss sich als Königsmörderin titulieren lassen, die Andere wird Generalsekretärin dieser Partei, von Huber Erwins Gnaden.

Staat und Kirche werden zum Wahlkampfthema. Parallelen zu den Wahlen in den USA tun sich auf, erreichen aber nicht die Klasse und die Bedeutung dessen, was wir so übern Teich hören. Die Grünen attackieren das Konkordat des Freistaates und die Bairischen Parteigranden wittern sofort Verrat an der christlichen Leitkultur, an christlichen Werten und Herzi-Jesulein-Eia-Popeia. Die Generalin geht noch einen Schritt weiter:

»Unter dem Deckmantel der Multikulti-Gleichmacherei wollen die Grünen die Kirchen aus dem öffentlichen Leben verbannen. Das gab es ja schon in der DDR.«

Multikulti ist doch schon lange vor den Grünen in Bayern angekommen, da steckt so viel von in den stämmigen Bayern, dass sie selbst es zu  vergessen scheinen. Bayern heute ist doch römisch-keltisch-langobardisch-thüringisch-alemannisch-rudierisch-markomannisch-rätisch-helvetisch-norisch-illyrisch-sudetisch-egerländisch und schwäbische Kultur. Ich wette, ich habe einige der Landesstämme vergessen. Selbst die norddeutschen Wurzeln der Generalin führen letztlich zur Verunreinigung des „Bairischen Gen-Pools“ und sind nicht anderes als ein Ausdruck der multikulturellen Aufnahmekapazitäten des Freistaates. Vielleicht gelingt es ja der Wissenschaft, insbesondere den Evolutionsbiologen, eine bayrische Amöbe aufzuspüren, die dann in weiterer Dezendenz zum reinen, sauberen und katholischen Bayern führt.

Oder ganz einfach, begreifen Sie die Globalisierung unserer Welt  als zweite Völkerwanderung, die die unterschiedlichen Kulturen menschlicher Geschichte noch weiter durchmischen wird. Dieser Herausforderung kann man sich aber nicht mit der 2000-jährigen Religion eines Wüstenvolkes stellen, in dem man metaphysische und transzendentale Schwebestoffe übers Wahlvolk verteilt.

Ihr DDR-Vergleich ist einfach nur dumm, kommt wohl vom dummen Antikommunismus. Letztlich stellt sich der -oder diejenige genau mit dem Betonkopf-Kommunisten auf eine Stufe. Wir mögen beide nicht. Wer über Kultur anderer redet, sollte vorher etwas Recherche betreiben und Vor-und Nachteile gesellschaftlicher Entwicklung analysieren. Trösten Sie sich, die Rechristianisierung Ostelbiens ist Sache der CDU und läuft seit fast 19 Jahren auf vollen Touren.

Eine überwältigende Mehrheit der Leser des BrightsBlogs haben Sie für den Preis der Gegenaufklärung gewählt, meinen Glückwunsch dazu.

Den Grünen des bairischen Gottesstaates wäre mehr Rückrat zu wünschen, will sagen, klare und eindeutige Aussagen und wenn es sein muss,  gegen das Konkordat.

12 Comments

  1. Hallo Max Headroom,

    „Sie hat dafür gesorgt, dass die CSU (mal wieder) mit lächerlichen Meinungen Stoff zum Diskuttieren und Zerfetzen gibt. Und sowas geben wir Macht im Lande… tja, die Wege des Herrn sind unergründlich. Und manchmal hat er eben Sand im Auge gehabt :)“

    Du hast wie immer gute Vorschläge, aber ich fürchte mit dem Sack Sand vor Deinen Augen kommen wir in der Republik keinen Schritt weiter.

    Traurig aber wahr!

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  2. @nickpol

    Tja, entweder in Kerkern aus Stahlbeton oder in der Isolationshaft inmitten weiterhin beim Pöbel bestehenbleibender vernagelter Blödigkeit – was meine obige Sequenz aus dem Lande Nirgendwo in ihrer Unvorstellbarkeit ironisch spiegeln sollte. Dies wird immer dann geschehen, wenn staatlicherseits die edelsten Regungen des Menschen – Hingabe, Liebe und Hoffnung – stillgelegt werden, um die Unfreiheit im Denken, Sagen und Handeln dauerhaft zu etablieren. Mag dies auch noch so sehr mit scheinbar menschenfreundlich wirkenden Konterfeis zuplakatiert – und vom trägen Blaskonzert denkbarer Blockflöten sekundiert werden.

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  3. @Eule, du meinst die Dame liest die Sozialdemokraten? Da geht ihr doch eine schöne Verschwörungstheorie flöten. An dem Tage, an dem besagtes Lied in Bayern gesungen werden sollte, wird der Ausnahmezustand ausgerufen, die bairische Nationalgarde tritt in Aktion und Schnada hüpfelnd werden solch grässlichen Lästerer wie wir in den Kerkern des Gottesstaates verdorren.
    Eisner musste damals auch dran glauben, dass würde heute nicht anders sein.

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  4. @nickpol

    Eine ruhelose Nacht dürfte Frau Haderthauer nach Lektüre unserer Zeilen heimsuchen, quälende Träume von einer finsteren kommunistischen Loge, deren wahrer Ideengeber mittlerweile im Vatikan daheim ist. Doch: „Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten“, mag sich besagte Dame dann mit Ton Steine Scherben im Traume sagen – und schlußendlich erkennen, daß der Terminus „Demokratischer Sozialismus“ ja ein genuin sozialdemokratischer Begriff ist. Und noch am darauffolgenden Tag erklingt im ganzen Lande Bayern, in jeder Stadt, in jedem Dorf: „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!“ Von da ab war dort nichts mehr so, wie es früher einmal war…

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  5. @Eule, dass stammt doch nicht von dem Ratze, hat er abgeschrieben bei Gorki „Die Mutter“, Pelageja Wlassowa, streng russisch-orthodox im Glauben, hilft ihrem kommunistischen Sohn, weil eben diese Parallelität für sie erkennbar ist. Nur das Versprechen das Paradies auf Erden zu errichten ist ja wohl gründlich in die Hose gegangen.

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  6. @nickpol

    Bayern stellt bundesweit in der Tat einen Sonderfall dar: Christliche Soziallehre befindet sich dort in der Umklammerung des von der Christlich-Sozialen Einheitspartei repräsentierten politischen Katholizismus, auf den nach Möglichkeit jeder Christ (und Nichtchrist) geradezu verpflichtet werden soll. Doch Benedetto scheint dem nicht ganz beizupflichten, bemerkte Joseph Ratzinger (2005, p. 82) doch expressis verbis, daß „der demokratische Sozialismus der katholischen Soziallehre nahe“ stehe. Frau Haderthauer möge daher einmal in sich gehen, bevor sie ihre Partei weiterhin als vermeintliche Garantin christlicher Leitkultur festschreibt.

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  7. @Eule, nehme ich mal die Diktion der Preisträgerin könnte man im Falle Bayerns auch von Christlich-Sozialer Einheitspartei reden.
    Die anderen Farbschläge könnten sich dann als Blockflöten einen blasen.

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  8. @nickpol

    Möglicherweise haben die Grünen noch nicht wirklich mitgeschnitten, daß wir de facto ein Fünf-Parteien-System haben: Rechts Gelb/Schwarz, links Rot/Rot – dazwischen nach (Morgen-)Luft japsend: Die Grünen. Mag die SPD sich auch noch so sehr der politischen Mitte anpreisen – die Sogwirkung der Linkspartei hatte – immerhin – bereits ein gut durchdachtes Grundsatzprogramm bei den Sozis zur Folge. Eine weitere Annäherung ist aufgrund der (Wahl-)Sachzwänge nahezu unvermeidlich, was die Rechtsparteien nur umso fester zusammenführen wird. Daß die Grünen Rot/Rot-Bündnisse um ihre Wenigkeit erweitern werden, dürfte aus naheliegenden Gründen fraglich bleiben. Tja, wie sagte Luther doch so schön: „Aus einem verzagten Arsch fährt auch kein fröhlicher Furz.“

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  9. Es wäre auch mir „etwas“ radikal, Kirchen mit einem dicken Paukenschlag aus der gesammten Öffentlichkeit zu „verbannen“. Es wäre ja so, als ob man mit einem Schlag alle Kinos im Lande schließen würde. Aber wenn schon gewisse Filme aufgrund ihrer Gewalt geschnitten werden, weshalb werden Bücher mit Mythen über Mord, Todschlag und Vernichtung dann als Moralgeschichten den Kindern erzählt ? Könne man da nicht ein bisschen „zensieren“… ups… ich meine natürlich „auf den Index setzen“ ? So, dass man sie erst ab 18 Jahren zu lesen bekommt ? Sie Gefahr, dass künftige Bankräuber mit einer Posaune versuchen, die Wände der örtlichen Bank niederzuposaunieren, ist aufgrund der mangelnden Markierung des Textes als „Märchen“ eindeutig zu hoch ! 😉

    Scherz mal an die Seite geschoben…
    Dass die bayrischen Könige da ihre Position gefährdet sehen ist ja schon normal. Konservative Meinungen sind halt schwer zu ändern. Erst recht, wenn sie Teil des Parteinamens sind. Und dass in der Politik nicht unbedingt die Nächstenliebe herrscht, wissen wir schon längst.
    Doch der Vergleich mit der DDR, wenn es um „Deckmantel der Multikulti-Religionsverbannung“ geht, ist tatsächlich eindeutig über das Ziel hinausgeschossen.
    Es stimmt zwar, dass in der DDR das Anbeten einer an einem Kreuz genagelte Person nicht unbedingt mit einer 2-stündingen Sondersendung im Fernsehen begleitet wurden. Auch ist es Tatsache, dass die Politik nicht unbedingt jeden Glauben mit offenen Armen aufnahm. Doch die politische Ablehnung des Glaubenssystems einer römisch-katholischen Kirche lässt sich doch nicht mit den gewünschten Zielen der Grünen vergleichen !
    Der Sepp Dürr hatte nur gesagt, man sollte die staatliche Finanzierung der Bischofsgehältern mal überdenken. Anders ausgedrückt…: „Müssen wir unbedingt jedes Bischofsgehalt aus dem Steuersäckerle zahlen ?“
    Von Verbannung einer gesammten Glaubensstruktur und Reorganisation der Bevölkerung sehe ich weder ein Atom, geschweige denn ein Quarks oder Gluon.

    In diesem Zusammenhang bekommt auch der Rest der CSU einen kleinen Dodo-Stempel von mir auf die Stirn gedrückt, denn Günther Beckstein nannte ja die Forderung nach der Finanzierung gar „frontalen Angriff auf die christliche Leitkultur und die gläubigen Christen“ ! Wenn dies nicht an das typische Wahlkampf-Rumgetöse von Politikern erinnert, was dann ? Und der Bistumssprecher Goldt gibt sogar einen den wohl erklärendsten Kommentar dazu ab. „Das „Wahlkampfgetöse“ der Grünen sei „so daneben““.
    Ich würde mich zwar glatt vor dieser weisen Einsicht verbeugen, doch soo tief wollte ich heute nicht sinken.

    Ich wiederhole nochmals… es geht hierbei nur um die Bezahlung der Bischofsgehälter. Soll der Staat weiterhin das Gehalt der Leute bezahlen ? Ist dies noch Zeitgemäß ? Können wir heute, im Anbetracht der „Multikulti“-Zuwanderschaft in unserem Lande, weiterhin Steuergelder von „andersgläubigen“ in das Portemonaie der hiesigen Jesus-Anbeter stecken ? Lässt sich dies mit der Säkularität vereinbaren ?

    Dürr liefert hierzu passende Zahlen über den Ausstieg der Gläubigen aus den Kirchen. Sein Kommentar über die Ablenkungsstrategie ist vollkommen passend gewählt. Kein kritischer Punkt, keine Begründung wurde seitens der CSU geliefert, nur „Schaum vor dem Mund“ und simple Beleidigungen auf „DSDS“-Niveau.

    Der Dodo ist meines Erachtens ganz passend entschieden worden. Zwar hatte ich einen anderen Favoriten im Visier, aber bin mit Frau Haderthauers Äusserung ebenfalls sehr zufrieden. Sie hat dafür gesorgt, dass die CSU (mal wieder) mit lächerlichen Meinungen Stoff zum Diskuttieren und Zerfetzen gibt. Und sowas geben wir Macht im Lande… tja, die Wege des Herrn sind unergründlich. Und manchmal hat er eben Sand im Auge gehabt 🙂

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  10. Abwarten, die Grünen haben im Juli 2008 den Dodo bekommen, für ihre Haltung als Weicheier. Wenn es um die Sicherung von Machtstrukturen geht, knicken die Grünen gerne ein, will sagen, da haben die keinen Arsch in der Hose.
    Und wer grün wählt, wählt schwarz, siehe HH.

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  11. „Unter dem Deckmantel der Multikulti-Gleichmacherei wollen die Grünen die Kirchen aus dem öffentlichen Leben verbannen.“

    Klingt ja super, die wähle ich. Hier eine ganze Reihe an Intellektuellen, die mit der angeblichen Meinung der Grünen übereinstimmen:

    http://hpd.de/node/5213

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