Die Viadrina wird zur Ayurveda-Universität


Von Nora GantenbrinkBerliner Zeitung

Brandenburg hat so viel mit Indien zu tun, wie Wanne-Eickel mit Kasachstan. Das könnte man glauben – stimmt aber nicht. Denn jetzt ist klar: Die europaweit einzige Professur für die indische Heilkunst Ayurveda geht an die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Die Gastprofessur wird von der indischen Regierung bezahlt und ist auf zwei Jahre angelegt. Auf rund 400 000 Euro belaufen sich die Kosten insgesamt. Wer der indische Professor sein wird, ist noch nicht bekannt. Drei Kandidaten sind in der engeren Wahl. Die Entscheidung kann die Universität selbst treffen.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Gastprofessur bereits im Frühjahr 2011 eingerichtet sein. Massagen, Tees, Öle und Meditation gehören zu Ayurveda. Bislang war die Heilkunst vor allem in den Wellnessbereichen von Entspannungshotels präsent. Wörtlich übersetzt heißt das Wort „Lebensweisheit“ oder „Lebenswissenschaft“. Es geht um Heilkunde und eine anständige Lebensführung.

Wird in Frankfurt jetzt geölt statt gebüffelt? Massiert statt studiert? „Natürlich nicht“, sagt Harald Walach, der Leiter des Instituts für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften. Dort nämlich soll die Ayurveda-Professur angesiedelt sein. Rund zwei Drittel aller Deutschen nutzen Studien zufolge so genannte alternative Heilmethoden wie Ayurveda als Ergänzung zur klassischen Medizin. Bei Frauen seien es sogar fast 80 Prozent. Das Geschäft boomt.

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4 Comments

  1. Nachdem sich Glücksgeföhl mit Sesam-Öl als „die“ Existenzsicherung für dahinsichende Landhotels in abgelegenen Regionen der Republik entpuppt hat, geht´s ja nun richtig zur Sache.

    Ich warte schon ganz ungeduldig auf die ersten begeisterten Patientenberichte von Frühdementen aus den Reha-Kliniken im Berliner Umland, wenn diese sich von der tiefgreifenden Erfahrung einer Panchakarma-KotzundScheißdichaus-Kur erholen.

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  2. Ich nehme an, die Mittel der indischen Regierung kommen aus dem Etat des Tourismusministeriums (so denn Indien ein solches hat). Je mehr Ayuverda nämlich in der öffentlichen Wahrnehmung als medizinisches ‚Konzept‘ Anerkennung findet, mit desto mehr ‚Medizin‘-Touristen ist nämlich zu rechnen, die es an der Quelle erfahren wollen. Die da wäre Indien….

    Bislang, so räumt man auch an der Europa-Universität ein, mangelt es aber an der wissenschaftlichen Fundierung von Ayurveda. Und das trotz der über 3 000 Jahre alten Geschichte der Heilkunst. Auch gebe es schwarze Schafe.

    Ah ja, 3000 Jahre gibt es das schon, dann muss es sich bewährt haben, sonst gäbe es Ayuverda ja nicht mehr. Eine jahrtausende Jahre lange Tradition ist immer gut. Wie bei der Sklaverei, der Todesstrafe, der Ungleichheit Mann-Frau, ….

    Auch immer wieder gerne genommen: Das Argument des ’schwarzen Schafes‘: Alle Astrologen sind Scharlatane. Mit Ausnahme der durch meinen Lehrgang ausgebildeten….

    Gruß

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  3. Die 400 000 € werden zum Teil wohl für Bestechungsgelder sein. Ayurveda ist ja selbst in Indien sehr umstritten und in sich wiedersprüchlich. Z.B. ist für die Auswahl einer Medikamententherapien laut Wikipedia ein Horoskop mit maßgeblich. Die sogenannten Medikamente aus Pflanzenfasern enthalten oft viel Blei und andere Schwermetalle. Wirkungen der „Medikamente“ sind nirgends nachgewiesen, Ayurveda war vor tausenden Jahren in einer Indischen Hochkultur Standartmedizin.

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  4. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Professur für alle anderen unzähligen esoterischen Disziplinen. Dann ist der Schwachsinn im bundesdeutschen Bildungssystem komplett.

    Man muss sich ohnehin darüber wundern, dass an der renommierten Berliner Charité seit geraumer Zeit bereits eine Professur für die Homöopathie etabliert ist. Gesponsert wird diese Professur von der Karl und Veronika-Carstens-Stiftung. Karl Carstens (CDU) war ja mal einer unserer Grüßonkels.

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